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Ausgabe 2018 – 19-20  7.

 Mai 2018  Nur im Abonnement erhältlich

Deutsche Industrie
steuert auf KI-Kurs
VDI-Report belegt starkes
Interesse der Wirtschaft.
Seite 6

Big Data bei


BMW und Zeppelin
Show Cases auf der
Splunk-Live-Konferenz.
Seite 30

Macht Mitarbeiter
zu Headhuntern!
Personaler diskutieren
über Fachkräftemangel.
Seite 38

Industrie 4.0 – die


Zukunft hat begonnen
Auf der Hannover Messe Industrie 2018 ging es
vor allem um die praktische Umsetzung.
Seite 14
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  2018   19-20    Editorial  3

Der KI-Zug rollt, aber er


ist noch zu langsam
Die technische Entwicklung im KI-Sektor über-
schlägt sich, doch viele Unternehmen haben noch
nicht verstanden, was auf dem Spiel steht, wenn
sie sich nicht sputen.

E
igentlich, so sagt der Industrieverein VDI, beherrscht Deutsch- Heinrich Vaske,
Editorial Director
land die Grundlagen der künstlichen Intelligenz ganz gut (siehe
Seite 6). Im Automotive-Sektor und im Maschinenbau sei ver-
standen worden: KI hilft, um neue Wertschöpfungsketten entstehen
zu lassen und die vorhandenen zu verbessern. Tatsächlich sind auch
andere Branchen dabei, ihre Datenwüsten urbar zu machen. Der KI-
Zug setzt sich in Bewegung. Das Problem: Er rollt zu langsam!

Drei große Hindernisse stehen dem Fortschritt im Wege:


D an allen Ecken und Enden fehlen IT-Talente;
D Geschäftsführungen und Vorstände scheuen Veränderungen in gu-
ten Zeiten, sie gehen den Umbau ihrer Unternehmen zu zaghaft an;
D die öffentliche Diskussion schwankt zwischen Desinteresse und
Panik, eine positive Aufbruchstimmung ist nicht in Sicht.

Lösungsansätze gibt es genügend, sie wurden auch hinreichend breit-


getreten. Sie reichen von der Förderung mathematisch-technischer
Talente in Schulen und Universitäten – mit Fußballern kriegen wir das
ja auch hin – über die Modernisierung unserer Behörden (Stichwort:
E-Government) bis hin zur systematischen Nutzung von Innovations-
methoden und Digital Labs in den Unternehmen.

Was aber fehlt, ist die letzte Entschlossenheit. Warum umbauen, wenn
die Geschäfte laufen? Die Continental AG hat schon vor einiger Zeit
das „AI-powered Enterprise“ ausgerufen und prüft nun in allen Unter-
nehmensbereichen, welche Vorteile sich durch den KI-Einsatz bezie-
hungsweise eine intelligentere Datennutzung ergeben. Das könnte
eine Blaupause für alle Betriebe sein. Wenn die ersten Potenziale
sichtbar werden, kommt der Zug vielleicht doch noch ins Rollen.
Titelfoto: Baloncici/Shutterstock

Herzlich,
AI-powered Enterprise
Ihr
Wie Continental den KI-Umbau
vorantreibt, beschrieb ein Manager
auf einer Veranstaltung von BMC.
Mehr dazu unter:
Heinrich Vaske, Editorial Director www.cio.de/a/3574104
4   Inhalt

14
Auf der Hannover Messe Industrie
geben die Macher den Ton an
Von Industrie 4.0 und dem Industrial Internet of
Things (IIoT) war in den vergangenen Jahren viel die
Rede – auch auf der Hannover Messe Industrie (HMI).
In diesem Jahr waren die Fortschritte unverkennbar:
Praktische Showcases beherrschten das Bild. Auch
scheint sich der epische Konflikt zwischen den Spezi-
alisten für IT und OT gelegt zu haben. Deutschlands
Industrie ist im Umbau, Software und künstliche
­Intelligenz geraten in den Mittelpunkt der Bemühun-
gen. Für die zahlreich vertretenen IT-Hersteller sind
das gute Nachrichten.

6 22
Datenanalyse
59,7
27,0
Vorausschauende Instandhaltung
48,5
14,7
Assistenzsysteme
43,9
16,6
Wissens-Management
41,5
9,6
Optimierung von Maschinenlaufzeiten
40,0
10,4
Optimierung von Wartungsstillständen
39,7
7,0
Qualitäts-Management
38,7
8,0

Markt
38,0
5,6
Dialog/Kooperation von Mensch und Maschine

Optimierung des Energieeinsatzes


Technik
34,4
6,2

6 Deutsche Industrie entdeckt KI


32,3
5,9
Optimierung der Energiekosten, Vermeidung von Energiespitzen
22 
Microsoft positioniert Teams neu
Der
32,1Ingenieursverein VDI hat seine Mitglieder
Vorhersage von Kundenverhalten Mit Teams will der Softwareriese seine Kommu-
5,4
nachOptimierung
ihren KI-Plänen befragt. Demnach ist die-
des Materialverbrauchs nikations- und Collaboration-Tools unter einem
31,5

se 6,4
„Schlüsseltechnologie“
Analyse von Social Media auf dem Vormarsch, Dach bündeln. Nach einigen Startschwierigkei-
24,4
aber es könnte schneller gehen.
7,0
ten scheint das Tool nun Fahrt aufzunehmen.
In fünf Jahren Heute Angaben in Prozent; Quelle: VDI

8 Konzentration im Cloud-Markt 26 Neuer E-Mail-Client von Google


Die Umsätze im Public-Cloud-Markt sollen 2018 Mit mehr Sicherheitsfunktionen und KI-basier-
um mehr als 20 Prozent steigen. Vor allem die ten Eigenschaften erhält Gmail eine Frischzel-
„Hyperscaler“ Amazon Web Services, Microsoft lenkur.
und Google profitieren.
28 Next Generation Data Center
10 
Walmart nutzt Blockchain-Technik Ohne ein modernes Data Center – egal ob
Im Lebensmittelhandel ist die Rückverfolgbar- selbstbetrieben oder beim Dienstleister –
keit von Frischegütern wie Obst und Fleisch kommt die digitale Transformation nicht voran.
eine Herausforderung. Walmart experimentiert Ein IDC-Analyst erklärt CW-Lesern, wie das Re-
an einer Blockchain-basierten Lösung. chenzentrum der Zukunft aussehen wird.
  2018   19-20    Inhalt  5

30 38

Praxis Job & Karriere
30 Use Cases auf der Splunk Live 2018 38 Mitarbeiter werden Headhunter 47 Stellenmarkt
BMW und der Zeppelin-Konzern haben auf Active Sourcing ist das große Thema in den Per-
der User-Konferenz des Big-Data-Spezialisten sonalabteilungen mittelständischer Unterneh- 49 Impressum
Splunk Anwendungsbeispiele gezeigt. Es ging men. Dabei sind alle Mitarbeiter aufgefordert,
um das Flotten-Management beim Carsharing- bei der Personalsuche mitzuhelfen. Das zeigte 50 IT in Zahlen
Dienst DriveNow und Predictive Maintenance eine Diskussion unter Personalern, zu der die
von Heizkraftwerken. COMPUTERWOCHE eingeladen hatte.

34 DSGVO – die Uhr tickt! 43 Wenn Stellvertreter mehr wollen


Es sind nur noch wenige Tage, bis die Daten- Manche Manager spielen lieber in der zweiten
schutz-Grundverordnung (DSGVO) in Kraft tritt. Reihe, als sich ganz nach vorne zu wagen. Wenn
Vor allem mittelständische Unternehmen mer- sie ihre Wohlfühlzone dann doch verlassen, gibt
ken erst jetzt, dass sie den Handlungsbedarf es nicht selten Überraschungen.
unterschätzt haben. Lesen Sie, wo es am ehes-
ten brennt. 44 Gefragt sind kreative Querdenker
Warum Jochen Razum, Geschäftsführer von
Quadient, Sympathien für IT-Spezialisten hegt,
deren Lebensläufe Brüche aufweisen.
6   Markt      2018   19-20

VDI-Analyse zeigt: Deutsche Industrie


nutzt Potenziale von KI nur zögerlich
Aus Sicht des VDI zählt künstliche Intelligenz zu den Schlüsseltechnologien der Ralph Appel, aber insgesamt werde KI dann
kommenden Jahre. Eine Umfrage des Branchenverbands ergab allerdings, dass „um den Faktor drei“ inten­siver genutzt, und
der Einsatz hierzulande noch in den Anfängen steckt. die Einsatzszenarien würden auch breiter. So
werde die Nutzung von KI im Bereich „Dialog
Mensch und Maschine“ von derzeit 5,6 Prozent

D
Von Manfred Bremmer, er Verein Deutscher Ingenieure (VDI) auf 38 Prozent steigen.
Senior Editor IoT & Mobile
befragte zur Hannover Messe Indu­strie
900 Mitglieder zum Thema künstliche Für Appel ist künstliche Intelligenz die Schlüs-
Intelligenz (KI). Knapp 60 Prozent gaben an, seltechnologie in der industriellen Anwendung.
KI derzeit lediglich für die Analyse von Daten „Sie ist deshalb so wichtig, weil sie zukünftig
zu nutzen. Auch in fünf Jahren werde noch die die Grundlage für die Realisierung von hoch­
Datenanalyse dominieren, so VDI-Direktor automatisierten beziehungsweise autonomen
Systemen ist“, sagte der VDI-Direktor anläss-
lich der Vorstellung der Studie. Die Entwick-
lung zukunftsweisender Systeme, etwa in der
Mobilität, im Smart Home oder in der industri-
ellen Produktion, sei ohne KI nicht möglich.
Künstliche Inteligenz heute und in fünf Jahren
Der VDI hat 900 Mitglieder befragt, wofür heute und künftig KI-Lösungen eingesetzt wer- Kurt Bettenhausen, im VDI für das Thema digi-
den. In allen vorgegebenen Bereichen kommt es demnach zu rasanten Steigerungen. tale Transformation zuständig, sieht Deutsch-
land prinzipiell auf einem guten Weg, was die
Datenanalyse KI-Grundlagen angeht. In der Fabrikautomation
59,7
27,0 und der Fahrzeugindustrie, zwei besonders
Vorausschauende Instandhaltung wichtigen Wirtschaftszweigen, liege das Land
48,5
14,7 auch auf der Anwendungsebene gut im Rennen.
Assistenzsysteme
43,9 Problematisch sei aber, dass viele Unterneh-
16,6
men die Digitalisierung ihrer Produktion nicht
Wissens-Management
41,5 entschlossen genug angingen – und in der Fol-
9,6
Optimierung von Maschinenlaufzeiten ge auch zu wenige KI-Produkte und -Methoden
40,0
10,4
einsetzten.
Optimierung von Wartungsstillständen
39,7
7,0 Die Vorstände wollen, aber sie können nicht
Qualitäts-Management
38,7
8,0 „Digitalisierung und KI sind überwiegend nicht
Dialog/Kooperation von Mensch und Maschine
38,0 Chefsache“, bemängelte Bettenhausen. Knapp
5,6
56 Prozent der Befragten können derzeit bei
Optimierung des Energieeinsatzes
34,4 ihren Geschäftsleitungen nicht erkennen, dass
6,2
Optimierung der Energiekosten, Vermeidung von Energiespitzen die Evaluierung und Einführung von KI-Metho-
32,3
5,9 den gezielt vorangetrieben würden. Das wider-
Vorhersage von Kundenverhalten spricht der grundsätzlich positiven Haltung von
32,1
5,4 rund 70 Prozent der Geschäftsleitungen zu KI.
Optimierung des Materialverbrauchs Als Problem wird zudem der Mangel an kundi-
31,5
6,4 gem IT-Personal genannt. Drei von vier Befrag-
Analyse von Social Media
24,4 ten sagten, in ihren Unternehmen mangele es
7,0 an „Kompetenzen“, um KI-Technologien effizient
In fünf Jahren Heute Angaben in Prozent; Quelle: VDI zu nutzen. Und 60 Prozent bekunden, es fehle
Markt  7

an „Fachkräften, die KI-Methoden versiert be- Wissens- und Qualitäts-Management arbeiten. meint, dass KI-Systeme menschliche Intelligenz
herrschen“. Außerhalb der industriellen Produktion sehen nicht ersetzen, sondern unterstützen sollte.
sie große Potenziale beim autonomen Fahren,
Jobmotor für Deutschland der Assistenzrobotik, der Verkehrsverflüssi- Den USA bescheinigen 80 Prozent, führend in
gung sowie bei Computerspielen und aus heu- der künstlichen Intelligenz zu sein, China se-
VDI-Direktor Appel ging auch auf potenzielle tiger Sicht exotischen Bereichen wie dem auto- hen 55 Prozent vorn. Deutschland folgt mit 30
Risiken durch einen vermehrten KI-Einsatz für nomen Fliegen. Prozent der Nennungen auf dem dritten Rang
den Arbeitsmarkt ein. „Spätestens hier wird in (Mehrfachnennungen erlaubt).  k
der Bevölkerung die Frage laut, inwieweit uns Immerhin 71,3 Prozent mahnen eine gesellschaft­
Roboter oder Assistenten mit KI die Arbeit weg­ liche Diskussion über die Chancen und Risiken
nehmen.“ Der VDI gehe aber davon aus, dass der KI an, wobei eine Mehrheit (77 Prozent)
die Chancen überwiegen. „Wenn wir die digita-
le Transformation und die Möglichkeiten der
KI richtig bewerten und angehen, wird daraus
ein Jobmotor für Deutschland“, zeigte sich
­Appel optimistisch. Der VDI-Sprecher warnte
aber auch davor, dass die bevorstehende Über- Connecting Global Competence

gangsphase nicht reibungslos verlaufen werde.


Vielmehr würden Jobs wegfallen, aber es wer- Smarte Maschinen brauchen
de eben auch neue Jobprofile geben.
smarte
KI für die Entscheidungsunterstützung

Ob künstliche Intelligenz zu einem Kontroll-


verlust des Menschen führen wird, liegt nach
Ansicht des VDI in den Händen der Entwickler
und Anwender. Appel zufolge ist es die Aufga-
be von Ingenieuren und Informatikern, dem ei-
nen Riegel vorzuschieben. Dafür brauche jeder
einzelne Developer ein klares Verständnis
„über die Kriterien für einen vermeintlichen
Kontrollverlust und über den Umgang damit“.
Entschei­dungen, die von KI-Syste­men vorbe-
IT goes automatica.
reitet oder getroffen würden, müssten für den
Für die Fabrik der Zukunft brauchen Unternehmen smarte ITK-Spezialisten
Anwender plausibel und transparent sein. als Wegbereiter – und suchen sie dringend. Die automatica als führende
„Hierfür müssen die aktiven Player in die Business-Plattform für die automatisierte Produktion bringt die Branche und
die ITK-Community zusammen. Hier vernetzen sich Unternehmen mit Zukunft –
Pflicht genommen werden. KI-Systeme sollten und Sie sich mit dem Erfolg. Mehr unter: automatica-munich.com/IT2I
als Un­terstützung eingesetzt werden, nicht als
Ersatz menschlicher Intelligenz oder Leistung“,
erklärte Appel.

Ein Blick in die Details der Umfrage zeigt,


dass die VDI-Mitglieder neben klassischer Da-
The Leading Exhibition for Smart Automation and Robotics
tenanalyse vor allem an Assistenzsystemen,
19.–22. Juni 2018 | München
vorausschauender Instandhaltung, der Opti- automatica-munich.com
mierung von Maschinenlaufzeiten und dem

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8   Markt      2018   19-20

Die Konzentration im weltweiten


Cloud-Markt nimmt weiter zu
Die Umsätze im Public-Cloud-Markt sollen 2018 voraussichtlich um mehr als 20
Prozent steigen. Vor allem die mächtigen „Hyperscaler“ Amazon Web Services,
Microsoft und Google bauen ihre dominierende Position weiter aus.

E
in Wachstum von 21,4 Prozent prognos- jahr. Bis zum Jahr 2021 sollen 45 Prozent aller
tiziert Gartner für das laufende Jahr im Ausgaben für Application-Software auf SaaS-
weltweiten Markt für Public-Cloud-Ser- Dienste entfallen. „In vielen Bereichen hat sich
vices. Aktuellen Berechnungen zufolge können SaaS als bevorzugtes Delivery-Modell durch­
sich die Provider auf Einnahmen in Höhe von gesetzt“, kommentiert Gartner-Experte Nag.
186,4 Milliarden Dollar freuen, 2017 waren es Kunden forderten inzwischen verstärkt auf
153,5 Milliarden Dollar. Größter Wachstums­trei­ spezielle Geschäftsanforderungen zugeschnit-
ber ist das Segment Infrastructure as a Service tene Lösungen.
(IaaS), für das die Auguren ein Umsatzwachs-
tum von 35,9 Prozent auf insgesamt 40,8 Milli- Cloud-Riesen investieren in IT-Infrastruktur
arden Dollar erwarten. Dass der anhaltende
Boom im Cloud-Geschäft für die Nutzer nur Wie die Marktforscher von Synergy Research
Vorteile bringt, stellen die Analysten allerdings beobachten, investieren die großen Cloud- und
in Frage. Die zehn größten IaaS-Provider wer- Internet-Konzerne massiv in den Ausbau ihrer
den bis zum Jahr 2021 fast 70 Prozent des Markts IT-Infrastruktur. 2017 steckten die „Hyperscale
unter sich aufteilen, so eine weitere Prognose. Operators“ demzufolge fast 75 Milliarden Dol-
2016 lag der Wert noch bei 50 Prozent. „Die lar in die IT-Ausstattung, eine Steigerung um
wachsende Dominanz der Hyperscale-IaaS- 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ein großer
Provider birgt für Endbenutzer und andere Teil der Mittel floss in den Ausbau oder die Er-
Marktteilnehmer enorme Chancen, aber auch weiterung von Rechenzentren. Am meisten in-
große Herausforderungen“, kommentiert Sid vestierten laut Synergy Research die „Big Five“
Nag, ­Research Director bei Gartner. Google, Microsoft, Amazon, Apple und Facebook.
In jedem Quartal des Jahres 2017 gaben sie zu-
Einerseits könnten Unternehmen von Kosten- sammen mehr als 13 Milliarden Dollar aus. Die
Datenbankservices wachsen und Effizienzvorteilen der großen IaaS-Anbie- höchsten Wachstumsraten hinsichtlich der IT-
besonders schnell ter profitieren. Andererseits müssten sie dar- Investitionen sehen die Auguren bei Facebook
auf achten, dass die Cloud-Riesen nicht zu viel und Amazon. Aber auch andere Player wie Ali-
Im Segment Platform as a Service
(PaaS) wachsen den Gartner-Au- Einfluss auf Kunden und ganze Märkte nähmen. baba, IBM, Oracle, SAP und Tencent steckten
guren zufolge Datenbankservices Mit Blick auf die wachsende Popularität von viel Geld in IT. So habe etwa der chinesische
besonders schnell. Die Marktfor- Multi-Cloud-Umgebungen erwartet der Exper- Internet- und Cloud-Gigant Alibaba seine Aus-
scher nennen diesen Bereich te ein verändertes Verhalten der Cloud-Nutzer: gaben 2017 mehr als verdoppelt. „In den ver-
­Database Platform as a Service
Sie würden von ihren Providern verstärkt ein- gangenen vier Jahren haben viele Unternehmen
(dbPaaS) und prognostizieren da-
fachere Möglichkeiten fordern, um Workloads, versucht, es mit den führenden Cloud-Providern
für einen weltweiten Umsatz von
fast zehn Milliarden Dollar im Jahr Anwendungen und Daten ohne Einschränkun- aufzunehmen, und sind damit gescheitert“,
2021. Vor allem die großen Cloud- gen auf die Plattform eines anderen IaaS-Anbie­ kommentiert John Dinsdale, Chief Analyst und
Provider verbreiterten ihr Portfolio ters zu transferieren. Neben dem boomenden Research Director bei Synergy Research. In
in diesem Bereich. Gartner-Analyst Infrastrukturgeschäft bleibt Software as a Ser- den enormen IT-Investitionen sieht er einen
Sid Nag rät Unternehmen, sich
vice (SaaS) unterm Strich das größte Segment entscheidenden Grund für die Marktdominanz
auch mit den Datenbankdiensten
alternativer Anbieter zu beschäfti-
im Cloud-Markt. Gartner erwartet für 2018 welt­ der Hyperscaler: „Können Sie es sich leisten,
gen, um eine zu große Abhängig- weite Umsätze von 73,6 Milliarden Dollar, eine jedes Quartal mindestens eine Milliarde in Ihre
keit zu vermeiden. Steigerung um 22 Prozent gegenüber dem Vor- Data Center zu investieren?“  (wh)
Hacker-Alarm in der Die GIZ –
leidenschaftlich dabei

Fertigungsindustrie
www.giz.de/jobs

Als Bundesunternehmen unterstützt die GIZ die Bundesregierung dabei, ihre Ziele in
der internationalen Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Wir
suchen für unsere Standorte Eschborn und Bonn jeweils mehrere
Neben Banken und Technologiefirmen geraten zuneh-
mend auch Industrieunternehmen ins Fadenkreuz IT-Spezialisten (m/w) JOB-ID: Eschborn P1449V006 / Bonn P1474V024
organisierter Cyber-Angriffe.
Tätigkeitsbereich
Die Abteilung Informationstechnologie (IT) unterstützt die verschiedenen Bereiche und

D
Stabsstellen der GIZ dabei, ihre Abläufe und die zentralen organisationsübergreifenden
Geschäftsprozesse durch den Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstech-
urch das Industrial In- die Angreifer international
nologien effektiv und effizient zu gestalten. Gleichzeitig befindet sich die GIZ im Prozess
ternet of Things (IIoT) eher auf Finanz- (26 Prozent) der digitalen Transformation. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung IT über-
nehmen Aufgaben der Konzeption, des Designs und der Programmierung von Systemen in
wird Cyber-Sicherheit und Technologieunternehmen enger Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen sowie Aufgaben der Betreuung der Software
immer komplexer. Zudem kön- (19 Prozent) sowie auf Business und deren Weiterentwicklung. Zu den Aufgaben gehören auch die Systemadministration,
die Steuerung und das Monitoring von externen Entwicklern und Beratern, die Übernahme
nen IT-Sicher­heitsvorfälle einen und Professional Services von Projektleitungen sowie die IT-technische Systemverantwortung. Die Abteilung IT der
größeren finanziellen Schaden (zehn Prozent). GIZ betreibt ERP- und personalwirtschaftliche Systeme, ESS- und MSS-Anwendungen auf
SAP-Basis (HCM, FI/CO, MM, SRM, BW/BI, PI, PSM und ABAP-Eigenentwicklungen),
anrichten als bisher. Zu diesem NET (MVC Anwendungen in C und Entity Framework) sowie webbasierte Anwendungen
Ergebnis kommt NTT Security Keylogger und Spyware auf Basis von Java / Apache TomCat und JavaScript Frameworks. Für die Vernetzung, Kom-
munikation und den Wissensaustausch unserer Mitarbeiter/innen weltweit setzen wir die
in seinem Global Threat Intelli- Produktpalette von Microsoft (Windows, Exchange, Skype for Business, Office) sowie das
gence Report 2018. Der Bericht Die Analyse der vorgefunde- Dokumentenmanagementsystem der Firma Opentext ein. Im Zuge der Digitalisierung rollen
wir weltweit Sharepoint-Online/Office 365 als Kollaborationsplattform für unsere Mitarbei-
fasst die Analysen globaler nen Malware zeigt, dass in ter/innen aus.
und regionaler Bedrohungsda- Deutsch­land Keylogger und
Ihre Aufgaben
ten zusam­men. NTT Security Spyware mit 68 Prozent die Zur Unterstützung zahlreicher Projekte, die den digitalen Wandel im Unternehmen voran-
treiben, sucht die Abteilung IT neue Mitarbeiter/innen für nahezu alle ihre Arbeitsfelder:
greift hierbei auf die Ergebnis- Liste anführen. Auf globaler
Als IT-Entwickler/in sind Sie schwerpunktmäßig für die Betreuung sowie für die konzeptio-
se von über 6,1 Billionen aus­ Ebene sind diese Schädlinge nelle und technische Weiterentwicklung der Anwendungen der GIZ verantwortlich.
Als IT-Systemadministrator/in sorgen Sie für den sicheren und stabilen Betrieb der entspre-
gewer­teten Log-Dateien und ebenfalls am beliebtesten, chenden Systeme und bringen Ihr technisches Know-how in IT-Projekte ein.
150 Millionen Angriffen sowie aber sie machen nur 26 Pro- Als IT-Berater/in sind Sie für die Geschäftsprozesse und das Anforderungsmanagement
verantwortlich. In allen diesen Rollen steuern Sie externe Dienstleister, die bei der Umsetzung
40 Prozent des weltweiten zent der Malware aus. An der Projekte unterstützen. Darüber hinaus bieten wir Ihnen vielfältige Möglichkeiten, sich
analysierten Internet-Verkehrs zweiter Stelle liegen weltweit im Rahmen der Digitalisierungsstrategie unseres Unternehmens einzubringen und bei der
Implementierung neuer Technologien mitzuarbeiten.
zurück, die in den hauseigenen Trojaner beziehungsweise
Security Operation Centern Dropper mit 25 Prozent. Auf Ihr Profil
• Abgeschlossenes Studium der (Wirtschafts-)Informatik, einer technischen Fachrichtung
(SOCs) und Forschungs­berei­ Platz drei folgen Viren und oder gleichwertige Kenntnisse und Erfahrungen
chen erfasst wurden. Würmer mit 23 Prozent. • Mehrjährige Berufserfahrung in mindestens einem der folgenden Fachgebiete:
- SAP Rechnungswesen, SAP Beschaffung oder SAP HCM sowie Schnitt-
stellen zu anderen Systemen oder den Themen ABAP, Web-Anwendungen
(Web-Dynpro, UI5, SAP Fiori) oder mit SAP BI/BW oder im S/4 HANA-Umfeld
Achtung, Industriespione! NTT Security empfiehlt wirk-
- Web-Entwicklung auf Basis von Java / Apache TomCat und JavaScript mit
same Backup-Policies inklusive entsprechenden Frameworks und MVC-Anwendungen in C# und Entity Framework
- Systemadministration von SAP-, Microsoft- oder webbasierten Systemen auf
Der Report zeigt, dass in eines Offline-Backups, um den Microsoft- oder Linuxplattformen
Deutsch­land die Fertigungs­ Angriffen vorzubeugen. Zudem - Aufbau von Cloud-Plattformen/hybriden Cloud-Lösungen, in denen Technologien,
Entwicklertools, APIs, Management sowie Integrations-Frameworks und Prozesse
industrie mit 36 Prozent zu den sollten Notfallpläne für die kombiniert werden
bevorzugten Angriffszielen gängigsten Angriffsszenarien - ECM, Dokumentenmanagement, Kollaboration oder Archivierung
- Entwicklung und Implementierung von Sicherheitskonzepten sowie Standardisierung
von Cyber-Kriminellen gehört, bereitliegen. von IT-Infrastrukturen
gefolgt vom Finanzsektor mit • Projektmanagement (klassische und agile Methoden) und Strategieentwicklung als
Projektleitung und als Teammitglied in Projekten
29 Prozent und Technologieun- Um Unternehmen sicherer zu • Hohe Lösungsorientierung und ausgeprägte Kunden- und Dienstleistungsorientierung
ternehmen mit 28 Prozent. Die machen, sei zudem eine starke • Engagement und Freude an neuen Themen und Herausforderungen
• Verhandlungssichere Deutsch- und sehr gute Englischkenntnisse
Attacken kommen hauptsäch- Multi-Faktor-Authentifizierung
lich aus China und den USA. ratsam. Auch ein umfassendes Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung! Weitere Informationen zur Position finden Sie in
unserem Online-Stellenmarkt unter www.giz.de/jobs.
Auch global gehen von diesen und zuverlässiges Patch-Ma-
beiden Ländern die meisten nagement der Betriebssysteme
Internet-Angriffe aus. und Applika­tionen erhöhe den
Schutz vor Angriffen auf die
Allerdings konzentrieren sich Unternehmens-IT.  (hv)

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10   Markt      2018   19-20

Audi setzt bei der Datenanalyse auf ein


breites Spektrum an Open-Source-Tools

A udi wertet sowohl die Daten


aus, die von neuen A8-Model-
len von der Straße gesendet werden,
bringt Herausforderungen mit sich“,
sagte Herbe. Die Integration mit
den Business-Systemen sei nicht
dass den Entwicklern und Desig-
nern im Business ein riesiger Da-
tenschatz für die weitere Auswer-
als auch die Maschinendaten aus trivial, außerdem gebe es zusätz­ tung zur Verfügung stehe. „Eine
den Werkshallen. Die Volkswagen- liche Sicherheitsanforderungen. Reihe von Abteilungen hätten ger-
Tochter stützt sich dabei auf eine Auf Basis der Datenbasis habe man ne tiefere Einblicke in diese Da-
Ein Rechenzentrum auf vier Rädern:
Big-Data-Plattform, die auf Open- zunächst zwei Proof of Concepts ten“ sagte Graunitz, weshalb das Audis A8 sendet ständig Daten, die
Source-Technologien basiert. Das realisiert: Zum einen galt es her- gesamte Data-Ownership- und von einem Hadoop-System ausgewer-
tet werden.
berichteten die Datenarchitekten auszufinden, ob und welche Predic­ Governance-Modell noch einmal
Matthias Graunitz und Carsten tive-Maintenance-Initiativen für habe durchdacht werden müssen.
Herbe auf dem Dataworks Summit die Schraubwerkzeuge in den „Da wir jeden Shared Service in
in Berlin, den die CW-Schwester- Werkshallen sinnvoll sein könnten. ­einer Multi-Tenant-Umgebung an-
publikation „Computerworld UK“ Zum anderen suchte das Team nach bieten, brauchen wir ein Lifecycle-
besuchte. Die beiden Experten Möglichkeiten, Fahrzeugdaten ein- Management für jeden Service
beschrieben, wie sie das Daten- zusammeln, ohne die Verwendungs­ und eine enge Zusammenarbeit
Backend für die Verarbeitung der zwecke bereits hundertprozentig mit den Projekten, die diesen
Massendaten aufgebaut haben. zu kennen. Heute übermittle ein ­Service nutzen.“ Auch Service-­
neuer Audi der Luxusklasse rund Level-Agreements (SLAs) und
„Hadoop in eine bestehende Enter- 25.000 Signale an ein Hadoop Dis- 24/7-Verfügbarkeit wurden not-
prise-Umgebung zu integrieren, tributed File System (HDFS), so wendig.

Dank Blockchain weiß der Einzelhandelsriese


Walmart jetzt, woher die Mangos kommen

Sebaso - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=42935278


E r sei zuerst ein großer Block-
chain-Skeptiker gewesen, sagte
Frank Yiannas, bei Walmart zustän­
mehr handle es sich um ein frag-
mentiertes, papierbasiertes System,
in dem selbst die digitalisierten
Die Blockchain vereinfacht die
Rückverfolgbarkeit von Waren in
einer Lieferkette, indem alle Trans­
diger Manager für Lebensmittelsi- Bestandteile der Lieferkette oft aktionen dokumentiert und für
cherheit, auf der MIT-Konferenz nicht miteinander kommunizieren ­einen autorisierten Personenkreis
„Business of Blockchain“. Das habe könnten. Sechs Tage, 18 Stunden einsehbar gemacht werden – vom
sich inzwischen grundlegend ge- und 26 Minuten habe im Dezember Gemüsebauern über die Verschif-
ändert, denn der Konzern sehe 2017 in einem Test ein Wal­mart- fung bis hin zum Regionallager

Fotos: Volha-Hanna Kanashyts/Sorbis/Chaikom/Shutterstock;


heute konkrete Möglichkeiten, mit Team gebraucht, um herauszufin- und Händler. Dafür werden anders
der Hyperledger-Technologie ein den, woher eine Mango kam. „Und als bei Bitcoin nicht öffentliche,
grundlegendes Problem im Einzel- wir machen das besser als die sondern geschützte Blockketten
Möchten Sie mehr über die Details des
handel zu lösen: die Rückverfolg- meisten“, so Yiannas. verwendet, die zentral verwaltet Walmart-Projekts erfahren? Besuchen
barkeit von frischen Lebensmitteln. sind und Einträge nur zu vorab ge- Sie die Website der Computerworld:
https://w.idg.de/2rbohXq
2,2 Sekunden für Rückverfolgung prüften Entitäten erlauben. Laut
Walmart testete die Blockchain, Yiannas ist dies ein Szenario, das
um ad hoc die Herkunft von Man- Walmart setzte ein Pilotprojekt für Unternehmen mit globalen
gos und Schweinefleisch zu ermit- auf einer von Big Blue betriebenen Niederlassungen oder definierten
teln. Laut Yiannas funktionierte Hyperledger-basierten Supply Chain Partnernetzwerken optimal geeig-
das fehlerlos. Die Supply Chain im auf und konnte damit die Herkunft net ist, um Transparenz in Supply
Lebensmittelhandel sei derzeit der Frucht in nur 2,2 Sekunden er- Chains herzustellen.
­alles andere als eine „Kette“. Viel- mitteln.
Markt  11

Was Hirnströme über die Produktivität von Mitarbeitern


verraten: Chinesische Behörden finden es heraus

W ie die „South China Morning


Post“ berichtet, experimen-
tieren chinesische Behörden der-
ten wie Depressionen, Ängste oder
Wut erkennen“, schreibt das Blatt
auf seiner Website.
bo Shenyang Logistics, der die
Sensoren in Virtual-Reality-Head-
sets integriert hat, um bestimmte
zeit mit Kopfbedeckungen, die Arbeitsszenarien zu simulieren
Sensoren zur Messung von Hirn- Ziel: Fehlerquoten senken und neue Mitarbeiter schneller
strömen enthalten. Damit will man einzuarbeiten: „Das hat die Fehler-
die psychisch-emotionale Verfas- Die Technologie sei weltweit be- quote unserer Mitarbeiter signifi-
sung von Arbeitern erfassen, um kannt, aber China verwende sie kant reduziert.“
beispielsweise Produktionsabläu- gezielt in Fabriken, öffentlichen
fe zu beschleunigen, Pausen sinn- Verkehrsmitteln, staatlichen Un- Der Hirnforscher Jin Jia von der
Gehirnströme verraten eine Menge
voller zu verordnen oder betriebli- ternehmen und beim Militär. Bei Ningbo University unterstreicht, über die Verfassung eines Menschen.
che Workflows zu verbessern. einem chinesischen Stromversor- dass die Systeme zur Sicherheit Chinesische Unternehmen und Behör-
den machen sich diese Daten zunutze,
ger in Hangzhou habe der Rollout der Belegschaften beitrügen, in- um die Produktivität der Mitarbeiter zu
„Versteckt in gewöhnlichen Schutz­ im Jahr 2014 zu einem zusätzlichen dem Warnsignale frühzeitig wahr- steigern.
helmen oder Uniformmützen über- Profit von 315 Millionen Dollar ge- genommen würden. Außerdem
wachen die leichten Sensoren stän­ führt, sagt dessen Manager Cheng könne die Technologie weiterent-
dig die Gehirnströme des Trägers Jingzhou gegenüber der Zeitung. wickelt werden, um mentale Steu-
und leiten die Daten an Computer „Es gibt kei­nen Zweifel an der Wirk­ erungssysteme voranzutreiben,
weiter. So lassen sich mit KI-Algo- samkeit“, fügt er hinzu. Ebenfalls mit denen sich dann Computer
rithmen emotionale Besonderhei- zitiert wird Zhao Binjian von Ning- und Maschinen bedienen ließen.

Die Deutsche Telekom versucht‘s erneut bei Sprint –


mit einem Angebot über 26 Milliarden Dollar

I m dritten Anlauf will die Deut-


sche Telekom ihre amerikanische
Mobilfunktochter T-Mobile US nun
Höttges in einer Telefonkonferenz
mit Jour­nalisten sagte, werde das
Zulassungsverfahren wohl min-
ren. Softbank und Telekom wollen
eine Vereinbarung schließen, die
dazu führen würde, dass die Deut-
endlich mit dem US-Rivalen Sprint destens ein Jahr dauern, müssten schen Zugriff auf die Stimmrechte
verstärken. Vor vier Jahren hatte doch neben den Aktionären auch des japanischen Partners hätten.
die US-Regierung eine solche Über­ das US-Justizministerium, die Auch soll der Bonner Carrier neun
nahme verhindert. Vor einem knap­ ­Regulierungsbehörde FCC sowie der 14 Mitglieder im Board of Direc­
pen halben Jahr scheitete der Deal diverse Sicherheitsbehörden zu- tors ernennen können. Höttges
nach einem erneuten Vorstoß der stimmen. Wie sich das Weiße Haus will als Chairman von T-Mobile US
Deutschen ebenfalls, weil die Part- mit dem schwer auszurechnenden fungieren, CEO John Legere soll
ner sich nicht auf die künftigen Be- Präsiden­ten Donald Trump verhal- im Amt bleiben und die Geschäfte
sitzverhältnisse und den Preis ver- ten wird, ist ebenfalls unklar. weiter führen. Als Folge des Zu-
ständigen konnten. Diesmal sind sammenschlusses erwartet der
die Vorzeichen besser, Telekom und Telekom wäre größter Aktionär Bonner Carrier „Kosten- und Inves- Timotheus Höttges, Vorstandsvorsit-
zender der Deutschen Telekom, will
die Sprint-Mutter Softbank haben titionssynergien“ von rund 43 Mil- die Tochter T-Mobile US mit dem Zu-
sich auf einen Deal im Wert von Ginge der Abschluss durch, hielte liarden Dollar. Allerdings wären kauf des US-Rivalen Sprint verstärken.
rund 26 Milliarden Dollar geeinigt. die Telekom mit 42 Prozent der auch Integrationskosten von rund
­T-Mobile-US-Aktien den größten 15 Milliarden Dollar zu stemmen.
Allerdings ist es noch zu früh, die Teil der Anteile. 27 Prozent lägen Die Synergievorteile sollen die In-
Champagnerkorken knallen zu las- bei der Sprint-Mutter Softbank tegrationskosten laut Höttges nach
sen: Wie Telekom-Chef Timotheus und 31 Prozent bei freien Aktionä- drei Jahren überschreiten.
12   Markt      2018   19-20

Apple zeigt es den Skeptikern: Das Geschäft


mit teuren iPhones lässt die Kasse klingeln

A pple ist, gemessen am Börsen­


wert, immer noch das wert­
vollste Unternehmen der Welt,
Tatsächlich verkaufte Apple mit
52 Millionen Geräten „nur“ noch
drei Prozent mehr als im Ver­
Musik, Apps oder Cloud-Speicher
nahm der Konzern aus dem
Silicon Valley im zweiten Quartal
und nach den vorliegenden Ergeb­ gleichszeitraum des Vorjahres. Es 9,1 Milliarden Dollar ein, ein Plus
nissen des zweiten Quartals 2018 zeigt sich aber, dass der Konzern von 31 Prozent gegenüber dem
deutet wenig darauf hin, dass sich insbesondere mit dem teuren Vorjahr. Sogar um 38 Prozent
daran bald etwas ändern wird. Die iPhone X erfolgreich in die Luxus­ auf knapp vier Milliarden Dollar
iPhone-Company steigerte den klasse einsteigen und somit für legten die „anderen Produkte“ zu,
Umsatz im Vergleich zum Vorjah­ eine höhere Gewinnmarge sorgen eine Kategorie, in der unter
resquartal um 16 Prozent auf 61,1 konnte. Während also die Ver­ anderem die Apple Watch und
Milliarden Dollar, der Nettogewinn kaufszahlen nur noch leicht nach die Beats-Kopfhörer auftauchen.
erreichte 13,8 Milliarden Dollar oben gehen, konnten die iPhone- Der Umsatz mit iPads stieg um
(plus 25 Prozent). Hier konnte Einnahmen abermals um 14 Pro­ sechs Prozent auf 4,1 Milliarden
Seine Strategie, mit dem iPhone X ein
hochpreisiges Smartphone herauszu- Apple von der Steuerreform profi­ zent auf nunmehr 38 Milliarden Dollar. Das Geschäft mit Desktop-
bringen, erweist sich als goldrichtig: tieren, mit der US-Präsident Dollar gesteigert werden. und Notebook-Rechnern indes
Apple-Chef Tim Cook.
Donald Trump für eine deutlich stagnierte bei Erlösen von 5,9
reduzierte Abgabenlast für US- Viel Musik im Servicegeschäft Milliarden Dollar.
Unternehmen gesorgt hatte.
Ebenso wichtig dürften für den Apple will nun eigene Aktien im
Analysten waren vor allem daran Konzern die jüngsten Erfolge in Wert von 100 Milliarden Dollar
interessiert, ob sich das iPhone- den neuen Geschäftsfeldern sein. zurückkaufen und seine Dividende
Geschäft abschwächen würde. Mit Dienstleistungen wie digitale erhöhen.

Im Luxussegment kaufen die


Menschen und stellen keine
dummen Fragen. Das Gefährliche
ist, dass niemand so genau weiß,
von welchem Preis an diese
Regel greift.
Foto: Laura Hutton/Shutterstock
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Hannover-Messe:
Der digitale Umbau
hat begonnen

Nach den theoretischen Diskussionen der vergangenen


Jahre rund um das Industrial Internet of Things
konnten sich IT- und OT-Verantwortliche auf der
Hannover Messe Industrie 2018 ganz auf Fragen der
Umsetzung konzentrieren. Es zeigte sich: Smart
Factories, maschinelles Lernen und Digital Twins sind
keine Zukunftsszenarien mehr. Die Unternehmen
stecken im Umbau – und die Investitionsbereitschaft
ist fast grenzenlos.

B
Von Jürgen Hill, lickt man auf die Hannover Messe Wie SAP-Vorstandsmitglied Bernd Leukert
Teamleiter Technologie, Industrie (HMI) 2018 zurück, ist man ausführte, haben bereits 65 Prozent der Unter­
fast geneigt ein „Business as usual“ zu nehmen Industrie-4.0-Projekte umgesetzt oder
bilanzieren und einen Strich darunter zu ma­ sind gerade dabei. Der schwäbische Spezialist
chen. Wie schon in den vergangenen drei oder für Steuerungs- und Automatisierungstechnik
vier Jahren stand die HMI ganz im Zeichen Festo ist dafür ein Beispiel. „Vor zehn Jahren
von Industrie 4.0 sowie zugrunde liegenden haben wir in Hannover noch Aluminium­
und Manfred Bremmer,
Senior Editor IoT & Mobile Themen wie Digitalisierung, Internet of Things produkte gezeigt, jetzt sind es Aluminium und
(IoT), künstliche Intelligenz und Advanced Software, und im nächsten Schritt kommt KI
Analytics. Tatsache ist aber auch, dass sich auf hinzu“, beschrieb Vertriebsvorstand Ansgar
der HMI 2018 eines grundlegend geändert hat: Kriwet den Wandel. „Digitalisierung, E-Mobili­
Deutsche Unternehmen reden nicht mehr nur tät, Robotik und künstliche Intelligenz sind
über Industrie 4.0, sie stecken heute tief in der Trends, die unser Geschäft und das unserer
Umsetzung entsprechender Vorhaben. Kunden maßgeblich bestimmen. Wir reden hier
nicht nur über IoT-fähige Produkte, sondern
Hatte in den Jahren zuvor noch eine Mischung über die gesamte Digital Customer Journey.“
aus Angst, Verunsicherung und Zweifel die Eine Digitalisierungsreise, die sich für den
Diskussion um die digitalen Zukunftsthemen Konzern aus Esslingen augenscheinlich ge­
bestimmt, so haben die Unternehmen diese lohnt hat. 2017 erzielte er ein Umsatzwachs­
Phase nun überwunden und investieren. Deut­ tum von zwölf Prozent auf 3,1 Milliarden Euro.
lich wurde das nicht nur in den zahlreichen
Foto: Baloncici/Shutterstock

Gesprächen an den Messeständen, sondern Jede Menge Showcases


auch in den Reden und Vorträgen der Industrie­
repräsentanten. So stellte etwa Siemens-Vor­ Dass das Thema in den Unternehmen ange­
stand Klaus Helmrich den Messeauftritt seines kommen ist, zeigte sich auf der Messe auch an
Konzerns unter das Motto „Digital Enterprise – der Zahl der Showcases und Best-Practice-Bei­
Implement now!“ spiele. Zogen in den letzten Jahren einzelne
  2018   19-20    Technik  15

Prozesse zu einer durchdigitalisierten Produk­


tion motivieren lassen. Innovative Geschäfts­
modelle sowie völlig neue und disruptive Pro­ KI-Diskussion
dukte und Services, die ja immer als Chancen
der Digitalisierung genannt werden, waren in Mehr Chancen als Risiken
der Niedersachsenmetropole weniger zu sehen.
Der Verband Deutscher Maschi-
nen- und Anlagenbau (VDMA)
Oliver Tuszik, Geschäftsführer von Cisco empfiehlt Zuversicht:
Deutschland, hat dafür eine einfache Erklä­ D Zu viele Horrorszenarien
rung: „Das wundert mich wenig, denn die KI, so wie sie in der Industrie
meisten deutschen Unternehmen sind in ihrer vorkommt, ist laut VDMA-
Nische bereits Weltmarktführer. Und wer zer­ Präsident Carl Martin Welcker
„detailbezogen und lösungs­
stört als Marktführer schon gerne disruptiv
orientiert“ – und weit weg von
sein eigenes Business?“ „Horrorszenarien“, die an
Science-Fiction-Filme erinnern.
Große Transparenz in der Produktion D Maschinelles Lernen ist real
In der Fehlererkennung oder
Offensichtlich haben die meisten Unterneh­ der Fernwartung von Maschi-
men mittlerweile ausreichend Transparenz nen wird Machine Learning
längst erfolgreich eingesetzt.
darüber, was in ihrer Produktion vor sich geht.
D Die nächste Stufe
Präsentationen etwa im Bereich Predictive Jetzt suchen sie vor allem nach Lösungen, um
In Zukunft werden laut VDMA
Maintenance von Flugzeugturbinen noch Be­ optimal auf zukünftige Entwicklungen vor­ selbstlernende Maschinen eine
suchertrauben an, so gab es diesmal Hunderte bereitet zu sein, also etwa, um Ausfallzeiten größere Rolle spielen und zu
Neuerungen zu sehen. Sie demonstrierten in zu senken und die Maschinenwartung besser einer effizienteren Produktion
vielfältiger Weise, wie die Digitalisierung planen zu können (Stichwort Predictive Main­ und damit zu mehr Wettbe-
werbsfähigkeit beitragen.
Produktion und Business verändert. Dabei tenance). Neben einem schnellen Return on
spricht die Einbeziehung von Techniken wie Investment bei solchen Optimierungsprojek­ D Keine Angst um Jobs
Die Sorge vor großen Jobver­
Blockchain, künstliche Intelligenz oder ten haben die Unternehmen zwar die Grund­
lusten hält der Verband für un-
Augmented beziehungsweise Virtual Reality lage für neue Geschäftsmodelle geschaffen, begründet und verweist auf den
für die Reife der mittlerweile an etlichen Stän­ doch um die wirklichen, weitreichenden hohen Automatisierungsgrad in
den dargebotenen Industrie-4.0-Lösungen. Potenziale von Industrie 4.0 zu erschließen, Deutschland, der zwar zu ver-
bleibt noch einiges zu tun. änderten Jobprofilen, aber ins-
gesamt zu einem Zuwachs an
Auch sind die erwähnten grundsätzlichen
Arbeitsplätzen geführt habe.
Zweifel inzwischen der Zuversicht gewichen, Immerhin: Angesichts der vielen erfolgreichen
D Gemeinsames Regelwerk
dass mit der Digitalisierung wieder mehr Digitalisierungsprojekte präsentierten sich die
Der VDMA lobt das Bemühen
Produktion nach Deutschland zurückgeholt Aussteller auf der diesjährigen HMI durchaus der EU-Kommission, ein
werden kann. Mit Digital Twins und Smart stolz. „Deutschland muss sich beim Thema gemeinsames Regelwerk für
Factories haben sich die Produktionsgrund­ Industrie 4.0 im internationalen Vergleich KI-Entwicklung und -Einsatz
lagen fundamental verändert: Dank IT-Unter­ nicht verstecken“, kommentierte SAP-Vorstand einzuführen.

stützung lassen sich künftig auch kleine Leukert die Messeauftritte der hiesigen Kon­
Losgrößen im Hochlohnland Deutschland pro­ zerne. Und Cisco-Manager Tuszik, der in der
fitabel produzieren. Vergangenheit immer wieder Innovationen
und Mut in Sachen Industrie 4.0 angemahnt
Auffallend an den gezeigten Lösungen und hatte, fand lobende Worte: „Die deutsche In­
Praxisbeispielen ist, dass sich Unternehmen dustrie hat sich auf ihre Assets besonnen und
derzeit vor allem durch die Aussicht auf ge­ einen Markt an Industrie-4.0-Produkten er­
ringere Produktionskosten und schlankere schaffen, auf den die Welt mit Respekt schaut.“
16   Technik      2018   19-20

Tatsächlich, so war in Hannover immer wieder dass es in der Digitalisierung nur partner-
zu hören, blieb dabei der oft prognostizierte schaftlich geht, ein Drittel meint nach wie vor,
Konflikt zwischen IT-Abteilungen und den für alles selbst machen zu können, und ein Drittel
Operational Technology (OT) zuständigen wartet ab.
Fachabteilungen meistens aus. Das ist keines-
wegs selbstverständlich: Bei der letzten großen Zusammenarbeit auf vier Ebenen
Transformation – der Verschmelzung von IT
und Telekommunikation zu einer All-IP-Welt – Mittelfristig, so zeigten sich viele Aussteller
hatte es immer wieder Konflikte zwischen den überzeugt, würden alle Unternehmen in
IT- und OT-Verantwortlichen gegeben. ein Ökosystem eingebettet, das maximale
Synergien, aber dennoch ausreichend Differen-
Partnerschaftlich müssen jedoch nicht nur die zierung ermögliche. Es könne folgende vier
„Digitalisierung, E-Mobilität, IT- und OT-Abteilungen miteinander kooperie- Layer umfassen: Zugrunde liegt die Connecti­
Robotik und künstliche ren, sondern auch die Anbieter und ihre Liefe- vity-Ebene, auf der Player wie Cisco oder HP
Intelligenz sind Trends, die ranten. Kaum jemand kann heute im Allein- Enterprise mitmischen. Darauf setzt ein
unser Geschäft und das gang eine komplette IoT- beziehungsweise Infrastruktur-Layer mit Cloud-Konzernen wie
unserer Kunden maßgeblich IIoT-Lösung (IIoT = Industrial Internet of AWS, Microsoft oder Google auf. Es folgt
bestimmen." Things) anbieten und wirtschaftlich betreiben. darüber die IoT-Ebene mit Plattformen wie
Ansgar Kriwet, Erst ab einer gewissen Größenordnung lässt Siemens MindSphere oder Cumulocity von
Vertriebsvorstand bei Festo sich so eine Plattform wirtschaftlich unter­ der Software AG. Und oben drüber findet
halten. So gibt etwa Siemens – sieht man sich die App-Ebene, auf der die klassischen
von den milliardenschweren Zukäufen der Maschinenbauer mit ihrem Domain-Know-how
letzten Jahre im IT-Umfeld ab – für den Betrieb punkten.
seiner seit 2016 bestehenden IoT-Plattform
Mind-Sphere stolze 170 Millionen Euro pro Dieses Modell basiert allerdings auf der
Jahr aus. Und mit einem Breakeven rechnet Annahme, dass es den Playern der einzelnen
der Konzern nicht vor 2020. Layer nicht gelingt, schnell und kostengünstig
das Know-how zu erhalten, um auch auf den
Coopetition wird wichtiger anderen Layern mitzumischen. Mit dem Ein-
zug von künstlicher Intelligenz und Machine
Angesichts solcher Kosten verwundert es Learning könnten die Karten aber schnell neu
wenig, dass im Umfeld der digitalisierten gemischt werden: Eine Marktkonsolidierung
Produktion auch erbitterte Wettbewerber im (I)IoT-Umfeld ist trotz aller Partnerschaften
zumindest in Teilgebieten zusammenarbeiten. noch lange nicht vom Tisch.
Entsprechend groß war in diesem Jahr die
Zahl der Kooperationsankündigungen auf Wer ist der Schrittmacher?
der HMI.
Nicht so recht absehbar ist zudem, wer künftig
Das heißt aber nicht, dass in der deutschen das Entwicklungstempo im Markt vorgeben
Industrie die große Harmoniesucht ausge­ wird. Sind es die klassischen IT-Player, oder
brochen wäre. Während SAP-Vorstand Leukert werden es die Unternehmen der Automatisie-
eine erweiterte Bereitschaft bei vielen Unter- rungs- und Produktionstechnik sein? Unbe-
nehmen sieht, enger zusammenzuarbeiten, stritten entwickeln diese immer mehr Soft-
beantwortete Cisco-Manager Tuszik die Frage ware, weil sie wissen, dass nur digitalisierte
mit einem klaren Jein. Ein anderer Aussteller Produkte und Services ihr langfristiges Über­
beschrieb die Einstellung der deutschen leben sichern können. Das geschieht keines-
Unternehmer so: Ein Drittel teilt die Ansicht, wegs versteckt: Immer mehr Maschinen- und
Technik  17

Anlagenbauer kaufen derzeit IT-Know-how zu. gesamte Riege der Big Shots der IT-Branche zu
So gab beispielsweise Festo auf der Hannover finden. Fast schien es so, als ob die IT-Player Weitere Beiträge zu IIoT
Messe die Übernahme der Resolto Informatik die HMI als Ersatz für die CEBIT nutzen woll- Siemens Digital Factory:
bekannt. Das Unternehmen hat sich auf KI für ten, die ja in diesem Jahr erstmals im Juni Jan Mrosik, CEO der
Industrieanwendungen spezialisiert. Aber stattfindet. Anders als auf der reinen IT-Messe Siemens-Division Digital
Factory, über die Digitali-
auch Unternehmen wie Bosch, Continental bot sich den Ausstellern auf der HMI aber die
sierungsstrategie im
und Siemens waren nicht zuletzt deshalb Chance, nicht nur die IT-Verantwortlichen als Münchner Konzern.
auf der HMI, weil sie ihre Softwarelösungen Ansprechpartner vorzufinden, sondern auch www.cowo.de/a/3544577
präsentieren wollten viele der anderen Entscheidungsträger, die in
IIoT bei Thyssenkrupp:
den Unternehmen heute über die Anschaffung Über die eigene IIoT-Platt-
Auch Voith hat eine IIoT-Plattform von Produktionsanlagen mitentscheiden. form „toii“ lässt der Stahl-
konzern Maschinen ver-
Und wer gedacht hätte, dass die Zahl der Vorteil für die Hardwarehersteller schiedener Hersteller und
Generationen mitein­ander
(I)IoT-Lösungen mittlerweile eher zurückgeht
kommunizieren.
als zunimmt, wurde unter anderem vom An­ Eine interessante Position nehmen in diesem www.cowo.de/a/3331279
lagenbauer Voith eines Besseren belehrt. Die Mix klassische IT-Unternehmen wie HP Enter-
Service für Industrie 4.0:
Digital-Tochter des schwäbischen Familien­ prise, Dell EMC, Fujitsu oder auch Microsoft
Accenture stellt Use
konzerns, Voith Digital Solutions, stellte auf ein, die dank eigener Hardwareproduktion Cases für Industrie 4.0 vor.
der Hannover Messe ihre IIoT-Plattform spezielles Fertigungs-Know-how vorweisen www.cowo.de/a/3544400
„OnCumulus“ vor. Als erste Anwendungen können. Aus dieser Position heraus können
präsentiert wurden die „OnCumulus.Suite“, sie nicht nur mit Produktionsleitern quasi auf
„OnEfficiency“ sowie „OnCare“. Augenhöhe sprechen, die Angebote wurden
auch für die eigene Fertigung entwickelt oder
Die OnCumulus-Plattform dient dabei als si- zumindest dort validiert und getestet.
chere, Open-Source-basierte Datendreh­
scheibe, auf der Anlagen-, Maschinen- und
Gerätedaten gesammelt und zur Verfügung
gestellt werden. Kunden können mit Hilfe der
darauf aufsetzenden OnCumulus-Anwendun-
gen Daten analysieren, visualisieren und so
ihre Maschinen überwachen und Arbeits­
prozesse verbessern.

Es gibt auch schon erste Pilotprojekte, etwa


die Ausrüstung eines isländischen Wasser-
Tipp
kraftwerks mit einem akustischen Über­
der Mehr Security und Agilität für Ihre Mobile
wachungssystem, das Abweichungen der Woche Workforce – Jetzt Tickets sichern!
Turbinengeräusche vom Normalzustand er-
kennen und mögliche Stillstände frühzeitig Wie Unternehmen Mobile Devices, Apps, Daten und Prozesse
vor Cybercrime-Attacken schützen und DSGVO-konform
verhindern soll. Neben den bestehenden Kun- nutzen können, zeigt die BlackBerrySecure World Tour am
den aus den Bereichen Energie, Öl und Gas, 15. Mai in Frankfurt.
Papier, Rohstoffe und Transport und Auto­ Werden Sie jetzt Teil der BlackBerry®Secure™ World Tour am
motive will Voith Digital Solutions die Lösun- 15. Mai in Frankfurt am Main und erfahren Sie mehr.
gen auch branchenübergreifend anbieten.
Mehr Informationen unter: www.secure-world-tour.de
Auf der anderen Seite war auf der Hannover
Messe aber auch beinahe vollständig die

cw19_Tipp_der_Woche_126x85_BlackBerry.pdf April 12, 2018 14:03:43 Uhr


18   Technik      2018   19-20

In IIoT-Zeiten stellen
sich die Anbieter neu auf
Die Digitalisierung der Produktion ist in vollem Gang.
Auf der Hannover Messe brannten die Hersteller ein
Feuerwerk an Produktneuheiten ab. Auffällig dabei:
Die Maschinen- und Anlagenbauer sind offenbar keines-
wegs bereit, den großen Playern der ITK-Branche die
Initiative zu überlassen. Wir geben einen Überblick
über die wichtigsten Produktankündigungen.

A
Von Jürgen Hill, uf der HMI hatten sowohl klassische Partnern. Die Lösung basiert auf SAP Leonardo.
Teamleiter Technologie,
Maschinen- und Anlagenbauer als Sie soll Kunden durch die Integration in zen­
auch viele IT-Player jede Menge Tools trale Geschäftsprozesse in SAP S/4HANA bei
und Lösungen im Gepäck, mit denen Unter­ der Erfassung, Verwaltung und Priorisierung
nehmen ihre Produktion digital weiterent­ von Produktanforderungen und der Einhaltung
wickeln können. Auffällig dabei war, dass hoher Qualitätsstandards beim Produktdesign
etliche Hersteller Neuland betreten und sich unterstützen.
und Manfred Bremmer,
Senior Editor IoT & Mobile heute in Gefilden herumtreiben, die bislang
nicht zu ihren Claims gehörten. SAP Cloud for Manufacturing

SAP erweitert Digital Twin Gleichzeitig stellten die Walldorfer in Hanno-


ver ihre „SAP Cloud for Manufacturing“ vor.
Ein Beispiel ist die SAP AG. War das Thema Sie erweitert das bestehende On-Premise-
Digital Twins in den letzten Jahren eher die Lösungsportfolio von SAP für die digitale
Domäne von Industriekonzernen wie Siemens, Fertigung. Das Cloud-Angebot umfasst ver-
so besetzen nun auch die IT-Anbieter dieses schiedene Lösungspakete für Hersteller unter-
Feld. Dazu hat SAP mit „S/4HANA Cloud for schiedlicher Größenordnungen in der Ferti-
Intelligent Product Design“ ein Angebot für gungs- und Prozessindustrie sowie für die
die gemeinschaftliche Forschung und Entwick- jeweiligen Rollen innerhalb der Unternehmen.
lung vorgestellt. Die Lösung, die auf der SAP
Cloud Platform aufsetzt, ist das jüngste An­ Zum Portfolio der SAP Cloud for Manufactu-
gebot, das die Digital-Twin-Technologie nutzt ring gehört die „Digital Manufacturing Cloud
und so einen Baustein des von SAP verfolgten for Execution“, eine Lösung für den Produk­
An­satzes „Network of Digital Twins“ bildet. tionsbereich, die auf die Anforderungen der
SAP S/4HANA Cloud für intelligentes Produkt­ Industrie 4.0 zugeschnitten ist. Sie soll die
design ermöglicht nach Angaben der Wall­ Herstellung von Einzelstücken („Losgröße 1“)
Foto: Siemens

dorfer eine teamübergreifende Forschung und und eine papierlose Produktion ermöglichen.
Entwicklung sowie die Zusammenarbeit in „Digital Manufacturing Cloud for Analytics“
einem erweiterten Netz von Lieferanten und richtet sich auf das Analysieren der Fertigungs-
Technik  19

Time-Sensitive Networking
(TSN) ermöglicht eine robustere
und zuverlässigere Ethernet-
Kommunikation zwischen
Maschinen und Anlagen als bis­
herige Connectivity-Lösungen.

leistung, vorausschauendes Qualitäts-Manage- die Lösung möglich, sukzessive und ohne Big lässigkeit, die in der Datenkommunikation mit
ment und Arbeitssicherheit. Mit „Digital Bang in die Cloud zu migrieren. Außerdem weit entfernten Server-Ressourcen auftreten
Manufacturing Cloud for Insights“ haben die könnten Firmen ihren lokalen Azure Stack mit können, werden laut HPE vermieden.
Walldorfer eine zentralisierte, datengesteuerte einem der weltweiten Azure-Rechenzentren
Anwendung für das Management der Produk­ verbinden – etwa, um in einem Machine- Kuka schrumpft die Roboter
tionsleistung im Angebot. „Predictive Quality“ Learning-Szenario Analysen zu betreiben,
soll Fertigungsunternehmen darin unter­ welche die Kapazitäten im eigenen Rechen­ Sechs Jahre, nachdem Kuka mit „iiwa“ einen
stützen, prozessübergreifend alle Vorgaben zentrum überfordern würden. hochsensiblen Leichtbauroboter in die Produk-
einzuhalten und das Qualitäts-Management zu tionshallen gebracht hat, erweitert das Augs-
optimieren. Und das „Manufacturing Network“ Sicheres Edge Datacenter burger Unternehmen das Portfolio im Bereich
schließlich ist eine Cloud-Plattform für den der Mensch-Roboter-Collaboration um das
Informationsaustausch, die an die Lösungen HP Enterprise wiederum präsentierte eine kleinere Modell „LBR iisy“, einen Cobot mit
von SAP Ariba angebunden ist. Industrielösung, um die Daten möglichst nahe einer Reichweite von 600 Millimetern und
an den Ort der Produktion zu bringen. „Viele einer Traglast von drei Kilogramm. Laut Kuka
IoT mit Microsoft Azure Kunden haben sich von der Cloud mehr erwar- müssen dabei Arbeitsabläufe nicht unbedingt
tet. Sie dachten, dass sie Use Cases integrie- in Code programmiert, sondern können auch
Bereits vor der Messe hatte Microsoft seine ren, Silos aufbrechen könnten etc.“, sagte über eine grafische Benutzeroberfläche para-
IoT-Security-Lösung „Azure Sphere“ vorge- Volkhard Bregulla, Vice President Global metrisiert werden. Alternativ kann LBR iisy
stellt. Sie dient dazu, sichere Smart-Home- und Manufacturing, Automotive and IoT bei HPE. auch einfach per Handführung angelernt wer-
Industrie-4.0-Szenarien auf Basis von konzern- Nun werde vieles wieder in das lokale Rechen- den. Auf der HMI zeigte Kuka außerdem in
eigenen Hardwareeinheiten (Mikrocontrollern) zentrum zurückgenommen. Das zusammen einigen Szenarien, wie sich Robotik und
sowie einer eigenen Linux-Distribution zu er- mit ABB und Rittal entwickelte „Secure Edge künstliche Intelligenz verbinden lassen. Mit
möglichen. Auf der HMI kündigte die Company Data Center“ (SEDC) ist ein autarkes und vor der Konzeptstudie „i-do“ nähert sich Kuka
an, Azure IoT Hub und Device-Management Feuchtigkeit, Schmutz und Feuer geschütztes außerdem vorsichtig dem Thema Heimroboter
auf Azure Stack verfügbar zu machen. Damit Mini-Rechenzentrum. Mit Hilfe der schlüssel- an. Die Idee dahinter ist ein mobiles, modu­
können Unternehmen Azure-basierte IIoT-Pro- fertigen Lösung können Unternehmen die lares System, das sich Kunden individuell
jekte komplett im eigenen Rechenzentrum be- Datenerfassung, -analyse und Steuerungspro- zusammenstellen können. Kuka liefert die
treiben. Laut Thorsten Cleve, Director Manu- zesse nahe an der Industrieanlage betreiben. Plattform, und der Kunde bestimmt, welches
facturing bei Microsoft Deutschland, macht es Probleme mit Latenz, Sicherheit und Zuver­ Feature er vom Augsburger Anbieter oder
20   Technik      2018   19-20

dessen Partnern dazukaufen möchte. Auf der munikation zwischen Maschinen und Anlagen
Hannover Messe wurden unter anderem auch unter hoher Netzwerklast ermöglichen.
Startups auf der HMI Varianten mit Luftbefeuchter, Kaffeemaschine Dabei kommt „OPC UA PubSub“ (UA = Unified
und Kamerasystem vorgestellt. Architecture, PubSub = Publisher/Subscriber)
Preisgekrönte Gründer zusammen mit TSN für die Maschine-zu-
Siemens mit Edge-Computing-Lösung Maschine-(M2M-)Kommunikation zum Einsatz.
Vom Bund ausgezeichnet wurden
im Gründerwettbewerb folgende Durch seine Zuverlässigkeit bietet TSN Vortei-
Startups (in Frühphase): Mit Siemens wagte sich auf der Hannover le in der Automatisierung. Die ersten Siemens-
D AeroLifi Messe ein Industriekonzern aus dem Maschi- Produkte – darunter Netzkomponenten,
Licht als Daten-Übertragungs- nen- und Anlagenbau in die Domäne der IT- Kommunikationsprozessoren, Software und
medium für die Maschinenkom- Konzerne. Die Münchner wollen künftig beim Netz-Management mit TSN-Funktionalität –
munikation und Leuchtdioden
Edge Computing wie auch bei der Connectivity sollen Ende 2018 verfügbar sein.
(LED) als Sender.
mit Time-Sensitive Networking (TSN) mit­
D Demodesk
reden. Mit Siemens Industrial Edge bringt Siemens ist allerdings nicht der einzige An­
Cloud-Tool für besonders
effizientes Screen-Sharing. Siemens eine Digitalisierungsplattform auf bieter, der auf TSN setzt. So kündigten über
D drag&bot den Markt, die Automatisierungsgeräte um 20 Hersteller und Organisationen in Hannover
Web-Software für schnelles maschinennahe Datenverarbeitung erweitert, das „Time-Sensitive Networking + OPC UA
Setup, Programmierung und indem sie Analysetechnik und die Intelligenz Smart Manufacturing Testbed“ an. Mit von
Betrieb von Industrierobotern des Edge Computing in den Fertigungsbereich der Partie sind dabei neben Huawei unter
(Sonderpreis Industrie 4.0).
trägt. Siemens Industrial Edge bietet Anwen- anderem die Alliance of Industrial Internet
D Freemotion Systems dern die Möglichkeit, diverse beschreibende, (AII), die Avnu Alliance, das Edge Computing
Der Rollstuhl „Walkerchair“
diagnostische und vorausschauende Analyse- Consor­tium (ECC), Fraunhofer Fokus,
erkennt Hindernisse und über-
windet sie mit einem Hebe­ anwendungen auszuführen. Schneider Electric, Hollysys, National
mechanismus. Instruments Corporation (NI), B&R Automa­
D LiveEO (Earth Observation) Die Lösung umfasst das „Edge Management tion, TTTech und Spirent Communications,
Das Startup kombiniert System“, die Edge-Geräte sowie Edge-Apps. um nur einige Player zu nennen.
EO- und GPS-Daten und hilft Mit dem Edge Management System lassen sich
so beim Realtime-Monitoring
sämtliche verbundenen Edge-Geräte zentral IoT schlüsselfertig aus der Cloud
(kritischer) Infrastrukturen.
steuern. Edge-Geräte sind mit einer Edge-Run-
D MotionMiners
time-Software ausgestattet, die die Konnekti- Eine schlüsselfertige IoT-Lösung, verbunden
Mitarbeiter erhalten einen
Sensor, mit dem sich Arbeits- vität sowohl für die Datenerfassung aus der mit der Cloud, verspricht der schwäbische
wege messen und optimieren verbundenen Automatisierung als auch zum Mittelständler Festo mit seinem IoT-Gateway
lassen. Einsatzgebiete sind Edge-Management gewährleistet und mit einer „CPX-IoT“. Das Gateway verbindet laut Anbie-
Produktion und Logistik. Treiber-Toolbox für den Zugriff auf Gerätefunk- ter Komponenten und Module aus der Feld-
D Picum MT tionen ausgestattet ist. Die Edge-Runtime- ebene wie etwa das „Festo Motion Terminal“,
Die Gründer entwickeln Software stellt außerdem eine abgesicherte das Energy-Monitoring-Modul „MSE6-E2M“
Miniaturwerkzeuge als Roboter,
App-Umgebung bereit. Edge-Apps für Siemens oder Handling-Systeme über ihre OPC-UA-
die unter anderem selbständig
bohren, schweißen, messen Industrial Edge sollen sowohl von Siemens als Schnittstelle mit der Festo Cloud. Auf diese
oder 3D-Drucke vornehmen. auch von Drittanbietern zur Verfügung gestellt Weise sorgt das IoT-Gateway für die Cloud-
werden. Zudem wird es Anwendern möglich Anbindung einer Steuerung und die Kommuni-
sein, selbst Edge-Apps zu entwickeln. kation der relevanten Informationen im be­
nötigten Format. Die Cloud ermöglicht dann
Zuverlässige Industrienetze mit TSN wiederum die Aufbereitung und Überwachung
der Daten. Damit können Trendanalysen abge-
In Sachen industrieller Kommunikation setzt leitet und Frühwarnsysteme sowie automati-
Siemens auf das relativ neue TSN. Es soll eine sche Benachrichtigungen bei Zwischenfällen
robustere und zuverlässigere Ethernet-Kom- eingerichtet werden.
Technik  21

T-Systems strukturiert erneut um:


CEO Al-Saleh setzt auf Portfoliostrategie
T-Systems will künftig mit Digitallösungen bei seinen Kunden punkten.
Sorgenkind bleibt das klassische IT-Geschäft mit dem Outsourcing-Business
im Zentrum. Aber der neue CEO sieht auch jede Menge Chancen.

P
Von Jürgen Hill, remiere hatten auf der Hannover Messe Die seit Langem kränkelnde Geschäftskunden­
Teamleiter Technologie Industrie (HMI) 2018 nicht nur zahl­ sparte soll endlich profitabel werden. Vor
reiche Produktinnovationen, sondern allem vom Digitalisierungsgeschäft verspricht
auch der neue T-Systems-CEO und Telekom- sich die Telekom-Tochter Umsätze. Die IT-Spar­
Vorstand Adel Al-Saleh. Seit Januar 2018 im te mit dem Kern Outsourcing soll derweil um­
Amt, konkretisierte der T-Systems-Chef vor der gebaut werden. Im traditionellen TK-Business
Presse seine Umbaupläne für die Geschäfts­ – also Fixed Lines und Mobile Services – rech­
kundensparte der Telekom. Diese sehen vor, net Al-Saleh weiterhin mit stabilen Zahlen,
die Kompetenzen der drei bestehenden Einhei­ aber weniger mit Wachstum. Die Situation der
ten Detecon (Management- und Technologie­ IT-Sparte bezeichnete der CEO als „kritisch“.
beratung), T-Systems Multimedia Solutions Sie werde künftig wohl jedes Jahr um rund ein
(Digitaldienstleister) sowie T-Systems Global bis zwei Prozent schrumpfen.
Systems Integration (digital ausgerichtete
Bereiche) in einer integrierten Digitalisierungs­ Wachstum erhofft sich T-Systems von den
einheit für Deutschland zu bündeln. Das Ganze „Digital Solutions“ und den Segmenten SAP,
ist Teil der „Portfolio“-Strategie von T-Systems, Public Cloud, Managed Services, Security, IoT,
die Al-Saleh in Hannover präsentierte. Classified ICT sowie von den Mautsystemen.
Die Bündelung der SAP-Leistungen in einem
der angekündigten Portfolios soll dazu dienen,
dass das entsprechende Know-how künftig
schneller und leichter abrufbar ist als bisher,
Magenta ist die neue Lieblingsfarbe von T-Systems-Chef Adel Al-Saleh. Auf der HMI erklärte er,
wie sich das Unternehmen künftig in „Portfolien“ organisiert und agiler werden soll. wo die SAP-Kompetenzen auf unterschiedliche
Bereiche verteilt waren.

Insgesamt erwartet der neue T-Systems-Chef


von seiner Truppe, dass sie in Zukunft agiler
und flexibler agiert. Hierzu sollen Agile- und
DevOps-Methoden, Design- und Data Thinking,
aber auch Prototyping verstärkt zum Einsatz
kommen. Ferner sollen künftig für jede Kun­
densituation flexible und agile Teams zusam­
mengestellt werden, die dann interdisziplinär
zusammenarbeiten. Dafür stehen, so heißt
es bei T-Systems, unter anderem über 700
Management-Berater und Digitalisierungs­
experten, mehr als 800 industriespezifische
Consultants und Spezialisten, rund 700 Digital-
Foto: T-Systems

Plattform- und Architekturexperten, über 500


DevOps-Spezialisten sowie rund 300 Daten­
analysten und Big-Data-Experten bereit.
22   Technik      2018   19-20

Microsoft Teams –
ein Werkzeug für alles
Mit Teams will Microsoft seine Kommunikations- und Collaboration-Tools
unter einem Dach bündeln. Nach anfänglichen Unsicherheiten nimmt das
Tool Fahrt auf. Outlook, Sharepoint und Skype treten in den Hintergrund.

S
Von Daniel Vollmer, Managing Director & Chief eit gut einem Jahr ist Microsoft Teams
Architect bei der Appsphere AG
auf dem Markt. Mitte März 2017 feierte
das Tool seinen Einstand und wirbelte in
der Folge den Software-Werkzeugkasten aus
dem Hause Microsoft kräftig durcheinander.
Das sorgte in den Reihen der Microsoft-Klientel
teilweise für Verwirrung und Unsicherheit.
Auch treue Kunden rätselten, was Microsoft
Teams überhaupt ist: Ein neues Collaboration-
Tool à la Sharepoint? Oder ein neues Kommuni-
kations-Tool wie Skype for Business? Oder ist es
einfach nur „noch ein neues Tool“, das – wie ei-
Mehr zum Softwarekosmos nige andere Werkzeuge in der Vergangenheit –
von Microsoft lesen Sie bald wieder verloren geht oder gar abgekündigt
auf der Website der wird? Als Microsoft Teams Ende 2016 als Pre-
COMPUTERWOCHE: view freigab, schien es noch weitgehend unklar,
Microsoft kündigt Neue­ wohin sich das Tool entwickeln sollte. Klar zu
rungen für Microsoft 365, erkennen war lediglich, dass ein völlig neuer Ar-
Teams, Dynamics und
beitsstil erforderlich würde, um die potenziellen
Azure an
www.cowo.de/a/3331679 Mehrwerte voll ausschöpfen zu können. Nicht
Microsofts neue Kommuni­ klar war jedoch, was an einem Chat-Tool, wie finden, an einem Ort gebündelt werden. Dazu
kationsplattform für Office Teams von Microsoft vornehmlich genannt und zählen beispielsweise das Verarbeiten von
365 jetzt verfügbar beworben wurde, noch einzigartig sein könne. Dokumenten, aber auch das Führen von Ein-
www.cowo.de/a/3326328 Zudem war kaum von der Hand zu weisen, dass zel- und Gruppengesprächen – textgestützt
Microsoft legt den Fokus der Fokus eindeutig da­rauf lag, dem Konkurren- wie auch per Audio und Video, das Sammeln
auf Cloud und KI ten Slack etwas Adäquates entgegenzusetzen. von Notizen, die Verwaltung von Aufgaben
www.cowo.de/a/3544680
und noch vieles mehr.
Microsoft macht die
Drei Millionen Teams
Azure-Cloud attraktiver
Die Teams-App funktioniert hierbei als eine
www.cowo.de/a/3331878
Wohin der Weg führen sollte, wurde während Art Cockpit, um all diese Einzelaufgaben unter
Slack, MS Teams,
Hangouts & Co. – welches der Preview-Phase allerdings immer klarer. einen Hut zu bringen. So verwundert es nicht,
Chat-Tool eignet sich Tatsächlich zündete die Lösung innerhalb wenn Dateien auf Sharepoint Online abgelegt
für wen? kürzester Zeit wie eine Rakete. Inzwischen werden, Unterhaltungen und Chats innerhalb
www.cowo.de/a/3331521 nutzen Teams über 200.000 Unternehmen Exchange Online gespeichert werden, Notizen
weltweit, die innerhalb eines Jahres wieder- über OneNote bearbeitbar sind und Aufgaben
um mehr als drei Millionen „Teams“ erzeugt im Hintergrund über Micro­soft Planner ver-
Foto: Microsoft

haben. Ein Team ist eine Art virtueller waltet werden. Damit wird auch eines klar:
Arbeitsraum, in dem möglichst viele digitale Teams lässt sich nur als Bestandteil des
Arbeitsprozesse, die in der Gruppe statt­ Cloud-Service Office 365 verwenden. Da die
Technik  23

ab, mit der die Produktivität des Anwenders leben? Das einfache „Bereitstellen“ der App,
gesteigert werden soll. eine Ankündigung im Intranet oder die Ver­
teilung eines One-Pagers sind definitiv nicht
Worin besteht nun der Unterschied zu klassi­ genug. Idealerweise werden stattdessen alle
schen Anwendungen wie Outlook, File Share, potenziellen Anwender mit Trainings oder
Skype for Business und anderen Tools, die die Webinaren anhand guter Anwendungsbei­
genannten Gruppenarbeitsprozesse ebenfalls spiele qualifiziert. Doch selbst dann wird sich
unterstützen? Es sind in erster Linie zwei Vor­ der Mindset jedes Einzelnen nicht ad hoc ver­
züge, die Teams auszeichnen: Das Werkzeug ändern – der Wandel braucht Zeit und Unter­
vereint nahezu alles an einem Ort, und ein stützung durch geeignete Kommunikations­
neuer Arbeitsraum ist tatsächlich innerhalb maßnahmen, die Teams innerhalb des
weniger Sekunden verfügbar. Nicht wenige Unternehmens fast unumgänglich machen.
Anwender in Unternehmen müssen nach wie Auch die Definition bestimmter Key User
vor Stunden oder Tage auf ein Projektlaufwerk innerhalb der Organisation kann helfen.
warten beziehungsweise sind nicht in der Lage,
jederzeit und von jedem Ort eine Audio- und Klinken für Administratoren
Videokonferenz zu starten. In Zeiten immer
stärker werdender Cloud-Services, die auch Was neben der anfänglichen Unterstützung
privat intensiv genutzt werden, nervt dies mindestens genauso wichtig ist, ist das Abge­
nicht nur die jungen Fachkräfte, sondern alle ben von Kontrolle – gerade im Hinblick auf die
genannten Prozesse nur einen Bruchteil Mitarbeiter, die sich in ihrer Arbeit aufgehalten Administration. Das Erstellen von „Teams“
typischer Teamprozesse darstellen, bietet fühlen. zieht zum Beispiel sofort das Erstellen einer
Microsoft die Integration weiterer haus­ gleichnamigen Office-365-Gruppe nach sich –
interner Produkte wie zum Beispiel Power BI, Schneller und effizienter wird es also tatsäch­ ganz ohne Namenskonventionen. Das kommt
Stream oder Forms an. lich, wenn neue Arbeitsmittel wie Teams einge­ sonst noch auf Administratoren zu:
setzt werden. Ist der neue Arbeitsstil erst ein­ D Änderungen ohne rechtzeitige Ankündi­
Drittanbieter-Apps integrieren mal verinnerlicht, kommt es häufig vor, dass gung – vorgekommen, Microsoft gelobt
„Teams“ wie Pilze aus dem Boden schießen. Besserung.
Auch derzeit knapp 40 Drittanbieterprodukte Anwender schätzen neben der Möglichkeit, D Notifications, die sich wie normale
wie Youtube, Trello, Adobe Creative Cloud, virtuelle Arbeitsräume im Self-Service, also Windows-Benachrichtigungen bei Präsenta­
aber auch unbekanntere Arbeitswerkzeuge ohne fremde Hilfe aus dem IT-Support, zu tionen nicht in den Vordergrund drängen –
wie zum Beispiel das Mindmapping-Tool erzeugen, den universellen Einsatz für unter­ Fehlanzeige.
„MindMeister“ können in Teams eingebunden schiedliche Szenarien wie interdisziplinäre D Automatische Softwareverteilung – schwie­
werden. Die App ist per Web-App sowohl für Arbeitsgruppen, hierarchische Organisations­ rig, man fragt sich, wer die Installations­
die klassischen Betriebssysteme Windows und gruppen, Projektteams oder international routine geschrieben hat.
Mac OS wie auch für Smartphones und Tablets aufgestellte Vorhaben. D Mehr oder weniger ungefragte Bereit­
verfügbar. Bots zur Automatisierung einfacher stellung weiterer neuer Third-Party-Tool-
Aufgaben und Konnektoren zu externen Aber wie gelingt es Unternehmen, dass An­ Integra­tionen – klar, ist doch ein Cloud-
Drittsystemen runden die Funktionsvielfalt wender den neuen Arbeitsstil adaptieren und Service, aber will ich das wirklich?
24   Technik      2018   19-20

Bei all diesen, nennen wir es Funktionslücken Umfragen teilnehmen kann, die das eigene
oder Unzulänglichkeiten hinsichtlich der gewünschte Feature betreffen.
Enterprise-Fähigkeit, sollte aber auch erwähnt
werden, dass sich Teams schnell in die richtige Die Frage, in welche Richtung sich Teams wei-
Richtung weiterentwickelt und einige Punkte terentwickeln wird, hat Microsoft zwischen-
inzwischen ganz gut kontrolliert werden zeitlich auf seiner größten Technologiemesse
können. Gemäß agilen Prinzipien, mit jedem „Ignite“ im Herbst 2017 beantwortet. Dort wur-
Release echte Mehrwerte an den Anwender de Teams als der zukünftig einzige Kommuni-
auszuliefern, kommen monatlich neue Ver­ kations- und Collaboration-Client angekündigt.
besserungen und Funktionen für Nutzer und Das „konkurrierende“ Produkt Skype for Busi-
Administratoren hinzu. So ist es mitlerweile ness wird somit in Zukunft nur noch die zweite
möglich, ein Präfix oder Suffix bei der Erstel- Geige spielen, auch wenn Ende 2018 noch eine
lung von Teams vorzugeben, die Zulassung neue Version der On-Premise-Version heraus-
von Third-Party-Tools oder Einladungen von kommen soll. Für Teams hat der weltgrößte
Gästen einzuschränken oder auf eine Nut- Softwarehersteller eine belastbare Roadmap
zungsrichtlinie zu verweisen. aufgezeigt, wie bekannte Features, insbeson-
dere rund um Telefonie, von Skype for Busi-
Im Rollout befindet sich derzeit das völlig ness schrittweise im aktuellen Jahr integriert
neu gestaltete Teams-Admincenter. Und in der werden sollen.
Preview die Möglichkeit, sogenannte Über­
prüfungsprogramme zu starten. Dabei werden Was wird aus Outlook?
Teams-Besitzer beispielsweise periodisch ge-
fragt, ob die Mitglieder eines Teams noch aktu- Zur Zukunft von Outlook, das grundsätzlich
ell sind. Anwender selbst können die Weiter- ebenfalls in die Kategorien Collaboration und
entwicklung von Teams beeinflussen, indem Kommunikation fällt, äußern sich die Microsoft-
sie über die Plattform „Uservoice“ Feedback Verantwortlichen zurückhaltender. Auf eine
geben und Wünsche äußern. Nicht selten formlose Anfrage während der Messe im Herbst
kommt es vor, dass man direkte Rückfragen vergangenen Jahres lautete die ausweichende
von Microsoft-Mitarbeitern bekommt oder an Antwort, dass das doch „sehr visionär gedacht“
sei. Konsequenterweise muss eine E-Mail-Funk-
tionalität aber viel stärker in Teams integriert
werden, will Microsoft seine Kommunikations-
und Collaboration-Tools tatsächlich auf einen
einzigen Client konsolidieren.
Fazit: Teams setzt sich durch – auf lange Sicht

Die rasant wachsende Verbreitung von Teams gerade in Cloud-affinen Unternehmen, Auch in Zukunft wird Kommunikation zwi-
die hohe Nutzerakzeptanz trotz erforderlicher Veränderung des eigenen Arbeitsstils
schen Mitarbeitern, Partnern und Kunden
und die schnell wachsende Funktionsvielfalt zeigen, dass es sich bei Teams nicht
stattfinden, die eben nicht gleich einem Team
um eine Eintagsfliege handelt, sondern um ein Produkt, das andere Anwender-Tools
von ihrem angestammten Thron stoßen wird. Und das zu Recht, denn die Lösung angehören. Hierfür ein zweites Produkt paral-
schafft es, viele Arbeitsprozesse im Team massiv zu vereinfachen und zu be­ lel nutzen zu müssen, ergibt auf lange Sicht
schleunigen. keinen Sinn. Wird E-Mail-Funktionalität also
So ist es kaum verwunderlich, dass die meisten Anwender anfängliche Kinderkrank- nicht stärker integriert, ist zu erwarten, dass
heiten akzeptieren oder zumindest tolerieren. Auf Fragen, wie man mal eben schnell auch weiterhin viel zu häufig zu Outlook ge-
die gesuchte Information innerhalb einer inflationär wachsenden Menge an „eigenen
griffen wird, obwohl eine Unterhaltung oder
Teams“ finden soll, wird es mit Sicherheit über kurz oder lang sinnvolle Antworten
geben. Wer mit IT-gestützter Teamarbeit zu tun hat und das Tool noch nicht aus­
ein Eins-zu-eins- beziehungsweise Gruppen-
probiert hat, der sollte dies schleunigst nachholen und den Nutzen für das eigene Chat in der Teams-App viel sinnvoller gewesen
Unternehmen bewerten. wäre. (ba)
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26   Technik      2018   19-20

Google erweitert seinen E-Mail-Client mit


Funktionen für mehr Sicherheit und künstliche Intelligenz

D as neue Gmail werde sicherer


und intelligenter, verspricht
das Google-Management. Der
E-Mail-Konto des Empfängers
gehackt wurde, verspricht Google.
Über sogenannte IRM-Steuer­
Erinnerungen“, die Nutzer daran
erinnern, bestimmte Nachrichten
zu verfolgen oder darauf zu reagie-
Suchmaschinenspezialist hat eige- elemente (Information-Rights- ren. Außerdem lässt sich der Mail-
nen Angaben zufolge sein Mailing- Management) sollen Nutzer zu- Client so einstellen, dass Nutzer
Programm grundlegend überarbei- dem die Optionen Weiterleiten, nur bei wirklich relevanten E-
tet und erweitert. Beispielsweise Kopieren, Herunterladen oder Mails benachrichtigt werden. Das
können Nutzer künftig den Modus Drucken von Nachrichten entfer- verringert laut Google Unterbre-
„Vertraulich“ für ihre Mails wäh- nen können. Dadurch werde das chungen und Störungen. Gmail in-
len. Das soll sensible Inhalte Risiko verringert, dass vertrau­ formiert Anwender zudem, wann Gmail ermöglicht künftig den Versand
„vertraulicher Mails“ und erinnert Nut-
schützen und es ermöglichen, liche Informationen versehentlich sich Anwender von Mailing-Listen zer daran, bestimmte Mails zu lesen
E-Mails mit einem Ablaufdatum zu an falsche Personen weitergege- abmelden könnten – mit Hilfe von beziehungsweise darauf zu reagieren.
versehen beziehungsweise bereits ben werden. Der Modus „Vertrau- KI werden ferner Vorschläge zum
gesendete Nachrichten zu wider- lich“ soll in den kommenden Abbestellen eingeblendet. Grund-
rufen. Auch lässt sich einstellen, Wochen verfügbar sein. lage dafür ist die Zahl der erhalte-
dass E-Mails für den Adressaten nen E-Mails eines Absenders und
nur nach einer Authentifizierung Neben den neuen Security-Funktio- wie viele davon tatsächlich gele-
per SMS sichtbar werden. Auf die- nen hat Google zusätzliche KI-ge- sen wurden. Diese Funktion soll
se Weise seien Daten und Informa- stützte Funktionen in Gmail einge- ebenfalls in den nächsten Wochen
tionen geschützt, selbst wenn das baut. Dazu zählen „Automatische ausgerollt werden.

Dell macht seine mobilen Workstations


leichter und stärker

P C-Hersteller Dell hat seine mo-


bilen Precision-Workstations
neu aufgelegt. Sie seien jetzt dün-
Die mobile Workstation „Dell Pre-
cision 3530“ ist ebenfalls mit ei-
nem 15-Zoll-Display ausgestattet,
tungsstufe einer Nvidia Quadro
P2000 sowie bis zu 32 GB Arbeits-
speicher bestücken. Mit SSD-Spei-
ner, leichter und leistungsfähiger, und soll sich individuell konfigu- cherkapazitäten von bis zu 4 TB
heißt es. Die Modelle „Dell Preci­ rieren lassen. Der Rechner ist könnten Nutzer auch große 3D-,
sion 7730“ und „7530“ arbeiten mit wahlweise mit Intel-Core-Prozes- Video- und Multimedia-Dateien
aktuellen Intel-Core- und Xeon- soren der achten Generation oder bearbeiten. Die Variante „Dell Pre-
Prozessoren der achten Genera­ Intel-Xeon-Prozessoren der nächs- cision 5530 2-in-1“ erlaubt mit ih-
tion, AMD-Radeon-WX- und Nvidia- ten Generation sowie einer Nvidia- rem 360-Grad-Scharnier verschie-
Quadro-Professional-Grafikkarten Quadro-P600-Professional-Grafik- dene Arbeitsmodi und lässt sich
sowie Arbeitsspeicher mit Kapazi- karte ausgestattet. unter anderem per Touch und Stift
Die neuen Precision-Workstations
täten von bis zu 128 GB. Dell Pre­ bedienen. Dell offeriert dafür ei- von Dell sollen vor allem durch hohe
cision 7530 im 15-Zoll-Format ist Die „Dell Precision 5530“ soll vor nen Premium Pen, der 4096 Druck- Rechenleistung und ihre Grafikeigen-
schaften punkten. Leistungsstarke
dem Hersteller zufolge eine Virtu- allem mit ihren Bildqualitäten punkte unterstützt und damit für GPUs von AMD und Nvidia sowie
al-Reality-(VR-)fähige Workstation punkten. Optional ist ein Infinity­ präzise Druckempfindlichkeit 4K-Displays sollen Video-, Multimedia-
und VR-Anwendungen unterstützen.
und bietet Nutzern Storage-Ka­ Edge-4K-UHD-Bildschirm mit sorgen soll. Die neuen Precision-
pazitäten von bis zu 6 TB. Das hohen Kontrastraten sowie Touch- Workstations sind ab dem 22. Mai
Modell Precision 7730 soll neue Unterstützung zu haben. Der verfügbar. Dann sollen auch die
Use Cases wie die Entwicklung Rechner lässt sich zudem mit Preise bekannt gegeben werden.
von KI- und Machine-Learning- professionellen Grafikkarten der Nur das 2-in-1-Convertible wird
Anwendungen unterstützen. nächsten Generation bis zur Leis- etwas später erscheinen.
Technik  27

Juniper Networks baut Multi-Cloud-fähige


Orchestrierungs- und Analyseplattform

D er Netzausrüster hat seine Ma­


nagement-Lösung „Contrail
Enterprise Multicloud“ um End-to-
Overlays, also etwa Software-defi-
ned Network Services, und Under-
lays, das klassische Netzequip-
Lage, Probleme in Echtzeit vorher-
zusehen und zu beheben. Juniper
will seinen Kunden künftig Bund-
End-Richtlinien- und Kontroll-Fea- ment, zu managen. les aus den eigenen QFX-Switches,
tures für Workloads in physischen der Contrail Enterprise Multicloud
und virtuellen Umgebungen sowie Neben der Orchestrierung von IT- sowie Implementierungs-Dienst-
verschiedene Cloud- und Multi- Infrastrukturen bietet die Juniper- leistungen offerieren. Zu diesen
Vendor-Umgebungen erweitert. Die Plattform laut Herstellerangaben Services gehören schlüsselfertige
Anwendung verfügt dem Anbieter Werkzeuge für das Security-Ma- Prozesse und Werkzeuge für die
zufolge über Multi-Domain-Orches- nagement sowie eine Leistungs- Netzimplementierung sowie ein
trierungs- und Analysefunktionen, kontrolle der Infrastruktur in automatisiertes Testing. Außer-
Junipers Contrail Enterprise Multicloud
mit denen Unternehmen von einer Echtzeit. Darüber hinaus verfügt dem erhielten Kunden Zugriff auf klinkt sich in vernetzte Infrastrukturen
einzigen Kontrollkonsole aus je- die Anwendung über Cloud-Infra- Automationsbibliotheken mit und soll dort sämtliche Workloads
steuern: in der Cloud oder on Premise,
den Work­load managen und kon­ struktur- und Application-Monito- Playbooks und Beispielen, um An- virtualisiert, in Containern oder Bare
trollieren könnten – über Bare-Me- ring und liefert Anwendern damit wendungen zu testen, bevor sie Metal.
tal-Server, Netzgeräte, virtuelle die notwendige Visibilität und implementiert werden. Automa­
Maschinen oder Container hinweg. Analytics über virtuelle und physi- tion Deployment soll es erlauben,
Bis dato seien meist mehrere Cont- sche Umgebungen hinweg. Dank die Konfiguration des Netzes zu
roller oder Management-Systeme Monitoring und Analyse sei Con- automatisieren.
nötig gewesen, um sogenannte trail Enterprise Multicloud in der

Netsuite integriert in seine ERP-Cloud-Suite Features


für künstliche Intelligenz und Machine Learning

D ie Oracle-Tochter Netsuite
baut ihre Cloud-Suite weiter
aus. Aufbauend auf den bereits in-
Anwenderunternehmen von
Machine Learning und KI profitie-
ren: Beispielsweise könne die
und Marketing-Kampagnen ziel­
genauer planen.

tegrierten Funktionen für Busi- Finanzabteilung Risiken besser Darüber hinaus hat Netsuite
ness Intelligence (BI) sollen künf- einschätzen und bewerten. In der weitere Funktionen in seiner
tig Features rund um Machine Produktion und der Supply Chain Cloud-Suite integriert. Mit Hilfe
Learning und künstliche Intelli- könnten Materialbedarfe und des neuen Release von
genz integriert werden. Anwender Aufgaben genauer prognostiziert „Commerce­Suite“ sollen Anwender
könnten damit mehr Einsichten werden. Entsprechend effizienter einen Online-Shop innerhalb
aus vorhandenen Daten gewinnen ließen sich Produktionsabläufe von 30 Tagen einrichten können.
und anhand von Vorhersage­ planen. Der Vertrieb erhalte Außerdem hat der Cloud-Anbieter
Fotos: Google; Dell; Juniper Networks; Netsuite

modellen bessere Entscheidungen durch tiefere Analysen von Ver- seine Lösung in verschiedenen
treffen, verspricht der Cloud-Spe- kaufshistorien bessere Informa­ Editionen speziell an bestimmte
zialist seinen Kunden. Darüber tionen darüber, an welchen Pro- Industrien beziehungsweise Mit Hilfe von KI-Funktionen sollen
Anwender bessere Informationen aus
hinaus ließen sich nun Prozesse dukten oder Services bestimmte Unternehmensgrößen angepasst. ihrem Cloud-ERP erhalten. Das unter-
besser automatisieren und damit Kunden zusätzlich interessiert So wird es eine Starter-Version stütze bei der Entscheidungsfindung
und mache Abläufe effizienter, ver-
das gesamte ERP-System effizien- sein könnten. Einsichten aus für kleine, schnell wachsende Fir-
spricht Anbieter Netsuite.
ter betreiben. Kundendaten kämen auch den men geben, außerdem Editionen
Service- und Marketing-Abteilun- für Händler, Serviceanbieter sowie
Aus Sicht von Netsuite könnten gen zugute. So ließen sich die Lebensmittel- und Getränke­
verschiedenste Bereiche in den Kundenzufriedenheit erhöhen hersteller.
Fünf Tipps für das nächsten drei bis fünf Jahren sicher um­
fassend beschäftigen.
Next Generation Data Center Die Schlagzahl in den Unternehmen selbst ist
allerdings noch zu gering. IT-Verantwortliche
Ohne eine flexible und agile IT-Infrastruktur nutzt die beste Digitalisierungs­ müssen jetzt prüfen, wie sich die Lösungs-
strategie nichts. Veraltete Rechenzentren bremsen den digitalen Wandel aus. Auf Roadmaps ihrer Infrastrukturanbieter und
folgende Punkte sollten Sie bei der Modernisierung Ihres Data Centers achten. Cloud- und Rechenzentrums-Provider für die
nächsten Jahre darstellt, um die Service-
Delivery im Hinblick auf ihre digitale Trans­

U
Von Matthias Zacher, Manager nternehmen müssen im Zuge der formation und die damit verbundenen Heraus-
Research & Consulting bei IDC
digitalen Transformation ihre IT-Infra- forderungen optimal zu gewichten. Die hohe
struktur umfassend modernisieren. Komplexität der Data Center Transformation
Das haben sie meistens auch erkannt, wie hat Einfluss auf die gesamte Service-Delivery
sich an den Ergebnissen der IDC-Studie „Next und gehört aus diesem Grund ganz oben auf
Generation Datacenter in Deutschland 2018“ die CIO-Agenda.
ablesen lässt. Die Rahmenbedingungen stim-
men: Anbieter haben innovative Technologien Damit es mit dem Next Generation Data
zu Lösungen entwickelt, die viele Anforderun- Center klappt, hat IDC einige Empfehlungen
Foto: Timofeev Vladimir/Shutterstock

gen der Unternehmen abdecken. Veränderte zusammengestellt:


und neue Prozess- und Wertschöpfungsketten
in der Nutzung von Informationstechnik und Betrachten Sie das Next Generation
D 
Daten treiben diese Entwicklung zusätzlich an. Data Center als Schlüsselfaktor einer
Die Modernisierung der Rechenzentren zum erfolgreichen Digitalisierung:
Data Center der nächsten Generation hat Das Next Generation Data Center ist mehr als
hierzulande aber gerade erst begonnen und eine Optimierung oder Erweiterung vorhande-
wird die IT- und Fachabteilungen in den ner IT-Infrastruktur. Seine Ressourcen sind
  2018   19-20    Technik  29

Weitere Informationen Die Studie belegt klar, dass es für verschiedene


rund um das Thema Data Anforderungen unterschiedliche Lösungsansät-
Center und Server finden Herausforderungen
ze gibt. Prüfen Sie also im Detail, wie Software-
Sie auf der Website der im Data Center
COMPUTERWOCHE: defined Infrastructure (SDI), hyperkonvergente
Lösungen, Cloud Computing und Provider-Ange- Digitale Transformation: Historisch
www.cowo.de/p/382 gewachsene IT-Infrastrukturen
bote Sie am besten unterstützen. Berücksichti-
können die Anforderungen des
gen Sie neben Technologien und Lösungen auch
Business nach Skalierbarkeit von
Prozesse und organisatorische Aspekte. Einzel- Ressourcen, Agilität bei der Bereit-
ne Aktivitäten müssen sorgfältig geplant und stellung neuer Services und der
ihre Auswirkungen auf den IT-Betrieb und die Abbildung neuer Geschäftsfelder,
Business-Unterstützung evaluiert werden. besserer Kosteneffizienz und opti-
miertem Kapitaleinsatz immer
weniger erfüllen. Verspätet bereit-
D  Vermeiden Sie einen Vendor Lock-in: gestellte IT-Ressourcen sind ein
Auch das Thema Vendor Lock-in gehört bei der Bremsklotz für die Weiterentwick-
Flexibilisierung der IT-Infrastrukturen auf die lung des Geschäfts. Der Faktor Zeit
Agenda, denn die Entscheidung für einen An- wird für die Bewertung der Qualität
eines Rechenzentrums immer
bieter bedeutet ein Stück weit eine Bindung an
wichtiger.
ihn. Häufig wird aber nicht berücksichtigt,
Agilität und Flexibilisierung: Immer
dass viele Anbieter im Umfeld von SDI und
mehr Geschäftsprozesse verlaufen
hyperkonvergenten Systemen unterschiedliche online und in Realtime. Für die IT
konsequent auf die Erfordernisse der digitalen Hypervisor unterstützen und hier Flexibilität bedeutet das, skalierbare und agile
Transformation wie Skalierbarkeit, Flexibilität bieten. Mit einer Multi-Hypervisor-Strategie Ressourcen für Cloud- und Web-
und Agilität hin ausgerichtet. Die erfolgreiche vermeiden Sie die Dominanz eines Produkts. basierte Services sowie native
Cloud-Workloads bereitzustellen.
Integration und Orchestrierung der unter- OpenStack basiert auf Open Source und hat sich
Das ist aber nur mit einer umfas-
schiedlichen Lösungen wird dabei zum Schlüs- als wichtige Architekturkomponente etabliert.
senden Modernisierung der vorhan-
selfaktor und gelingt nur, wenn Sie sich auf Zudem haben alle relevanten Anbieter ihre denen konventionellen Systeme und
Basis einer übergeordneten Roadmap für die Lösungen über Schnittstellen für Standards Anwendungen im Backend möglich.
passenden Lösungen und Services entscheiden. geöffnet. Die Multi Cloud und Colocation-Ser- Diversifizierung: Bei der Einführung
vices unterstützen einen Multivendor-Ansatz von konvergenten und hyperkonver-
D Evaluieren Sie den Status Ihres Data für eine breitere Auswahl an Lösungen. genten Systemen und Software-de-
fined Infrastructures bleibt noch viel
Centers und aller externen Dienste und
zu tun. Hier müssen auch verschie-
Services: D Entwickeln Sie für Ihre relevanten Work­
dene Bereitstellungs- und Delivery-
Isolierte Anwendungen und Infrastrukturen, loads einen Migrationspfad in die Cloud: Modelle (hybride und Multi Clouds)
horizontales und vertikales Silodenken der In den Data Centern dominieren nach wie vor für IT-Ressourcen berücksichtigt
Fachbereiche, Schatten-IT und intransparente On-Premises-Infrastrukturen. Aber viele Ser­ werden. Allen Ansätzen liegt eine
IT-Beschaffungsprozesse machen den IT-Be- vices und Workloads verschieben sich mittel- Entkopplung von Software und
Hardware zugrunde.
trieb in vielen IT-Organisationen unflexibel fristig in die Cloud. Das verändert die Nutzung
Integration von Open Source: Open
und teuer. Beginnen Sie mit einer sorgfältigen von IT-Infrastrukturen. Die Entkoppelung von
Source und Open-Source-Ökosyste-
Bestandsaufnahme aller IT- und Fachservices. Hard- und Software ermöglicht das architekto- me prägen heute viele innovative
Erstellen Sie einen Business Case, um Vorteile nische und informationstechnische Grundge- Technologien im Rechenzentrum,
und Nachteile der verschiedenen Technologien rüst für effiziente Cloud-Strukturen für die und sind Bestandteil der meisten
und Lösungsansätze herauszuarbeiten und zentrale und Fachbereichs-IT und über Unter- Cloud-Plattformen und vieler Lösun-
gen im Rechenzentrum. Vor allem
Investitionen zu rechtfertigen. nehmensgrenzen hinaus. Führen Sie Cloud
Offenheit und Standards und die
Readiness Assessments durch. Für die Migra­
damit verbundene Integration über
D Prüfen Sie den Wert der verschiedenen tion benötigen Sie Fachwissen und Experten. APIs sowie Automatisierung beein-
Technologien mit Blick auf Ihre spezifi- Entwickeln Sie diese Ressourcen rechtzeitig, flussen die Akzeptanz von Open
schen Anforderungen: um nicht in Engpässe zu laufen.  (ba) Source erheblich.
30   Praxis      2018   19-20

Splunk Live 2018: BMW und


Zeppelin zeigen ihre Use Cases
Das Geschäftsmodell von Splunk besteht darin, strukturierte und unstrukturierte
Daten aus diversen Quellen zusammenzuführen, zu analysieren und anhand er-
kennbarer Muster betriebliche Vorteile zu erzielen. Wie das in der Praxis funktio-
niert, zeigten Beispiele auf der SplunkLive-Konferenz in München.

S
Von Heinrich Vaske, plunk sammelt und indiziert Log- und
Editorial Director
Maschinendaten aus beliebigen Quellen,
analysiert und visualisiert sie und hilft
so, bessere Entscheidungen zu treffen. Der
Hersteller spricht von „Operational Intelligence“ Flottenauslastung bei DriveNow
und setzt unter anderem auf die Bereiche IT-
Wie gelingt es dem Carsharing-Anbieter
Betrieb, IT-Sicherheit und Business Analytics DriveNow, einen möglichst optimalen
als Einsatzfelder. Die Daten werden wahlweise Einsatz seiner Fahrzeugflotte sicherzu-
in lokalen, in Cloud-basierten oder in hybriden stellen? Auf der SplunkLive-Konferenz
Umgebungen gesammelt, verknüpft und aus-
wertbar gemacht.

Wie das beim Car-Sharing-Dienst DriveNow ge-


schieht, beschrieb Eduard Saller, Data Scien- auch keine Machine-Learning-Ansätze verfol-
tist bei der DriveNow-Mutter BMW Group. Das gen, weil einem die Masse fehlt“, stellte Saller
Kernproblem beim Carsharing: Die Fahrzeuge klar.
befinden sich oft nicht dort, wo ein Kunde ge-
rade Bedarf hat. Unternehmen wie DriveNow Das BMW-Team hat eine Anwendung entwickelt,
müssen also Wege finden, um ihre Flotte so zu die direkt auf der Splunk-Datenbank läuft und
platzieren, dass die Auslastung optimal ist. Je es erlaubt, Vorhersagen über den Bedarf der
intensiver ein Fahrzeug genutzt wird, desto Fahrzeuge zu treffen. Neben den Fahrzeugdaten
­höher die Rentabilität. Die Datenexperten von sollen künftig noch andere Quellen angezapft
BMW haben sich deshalb vorgenommen, Kenn- werden: Wetterdaten etwa helfen, jahreszeitli-
zahlen zu beschaffen, um eine optimale Nut- che Abweichungen einzukalkulieren, aber auch
zung zu erreichen und teure Standzeiten zu kurzfristig auf Hitzewellen und Regenperioden
verkürzen. Die Idee ist laut Saller bei einem zu reagieren. Event-Daten geben Aufschluss
­betriebsinternen Hackathon entstanden. über bestimmte Peaks, wenn beispielsweise
Fußballspiele oder Open-Air-Konzerte stattfin-
Telemetriedaten als Basis den. Auch Feiertage oder Ferienzeiten sollen
einkalkuliert werden. In Großstädten gilt es
Im ersten Schritt entschied sich das Team, die zudem, die öffentlichen Verkehrsmittel zu be-
Telemetriedaten – die Maschinendaten, die rücksichtigen: Ist die Anbindung an den Perso-
von den Autos selbst gesendet werden – zu nennahverkehr gut, sinkt der Bedarf an Car-
monitoren. Dazu gehören insbesondere die via sharing-Autos.
GPS ermittelten Positionsdaten eines Fahr-
zeugs, wenn es gebucht und wieder abgestellt Mit dem Machine-Learning-Toolkit von Splunk,
wird, sowie eine „ganze Reihe weiterer Meta- das an die Datenbank des Herstellers angebun-
daten“, wie Saller vor den rund 500 Besuchern den ist, haben die BMW-Techniker ein Vorher-
Foto: Splunk

der ­Splunk-Konferenz ausführte. „Wenn man sagemodell entwickelt, das sie nun trainieren
nicht genug Daten gesammelt hat, kann man können. Den Erhebungszeitraum, der für das
Praxis  31

wir speichern alle Maschinendaten in Splunk, gen zu lassen. Wir haben eine Datengrundla­
wir haben ein Vorhersagemodell entworfen, ge“, sagt Saller. „Wir können auch die Rentabi­
und jetzt haben wir die Bedarfsvorhersage, die lität des Dienstes schnell erhöhen, indem wir
wir eigentlich wollten – aber was fangen wir die Fahrzeugzahl einschränken und dabei den
jetzt mit all dem an?“, fragte Saller rhetorisch. Kundenbedarf exakter abbilden.“
Tatsächlich sei die Zahl der Nutzungsszenarien
schnell in die Höhe geschnellt. Einfache Maß­ Zeppelin überwacht Zündkerzen
nahmen mit großer Wirkung hätten schnell
­initiiert werden können: zum Beispiel die Fahr­ Einen Anwendungsfall aus dem Maschinenbau
zeuge nach der Reinigung und Wartung an stellten auf der SplunkLive-Konferenz zwei Da­
w: Ein Big-Data-Szenario Orten mit einer hohen Nutzungswahrschein­ tenexperten vom Maschinenbaukonzern Zep­
lichkeit abzustellen. pelin vor. René Ahlgrim, Manager Data Analy­
berichtete Data Scientist Eduard Saller,
wie die intelligente Auswertung von tics, beschrieb zunächst, wie sich der Konzern
Teleme­triedaten in Kombination mit an- Auch die Marketing-Abteilung profitierte, konn­ darauf einstelle, mehr Kapital aus den Maschi­
deren Datenquelllen weiterhelfen kann. te sie doch jetzt gezielt Discount-Aktionen nendaten der installierten Basis und aus den
starten. „Wenn wir wissen, ein Fahrzeug steht Daten der jeweiligen Servicetechniker zu schla­
in einem Bereich mit einem bereits gesättigten gen. Dabei gehe es auch darum zu verhindern,
Bedarf, können wir den Nutzern gezielt einen dass sich Dritte mit passgenauen datenbasier­
Nachlass gewähren“, so Saller. „Wir verteilen ten Services in die Schnittstelle zum Kunden
Training herangezogen werden soll, legen die auch die Fahrzeuge besser über die ganze Stadt hineindrängten und Teile der Wertschöpfung
Datenspezialisten selbst fest. Wenn zum Bei­ hinweg.“ abgriffen.
spiel eine überdurchschnittliche Hitzewelle
auftritt, können die Trainingsdaten darauf ab­ Außerdem könne BMW schon für die Welt des Splunk ist bei Zeppelin bereits seit 2010 im
gestimmt werden, so dass nur die letzten zwei autonomen Fahrens trainieren: „Wir wollen na­ Einsatz, man habe damals mit einer „sehr klei­
oder drei Wochen der Benutzung für die Vorher­ türlich alle gerne irgendwann dahin, dass sich nen Lizenz“ angefangen. Mittlerweile indiziere
sage verwendet werden. die Fahrzeuge von allein in die perfekte Position Zeppelin Daten aus einer Vielzahl von Quellen,
bewegen. Das ist noch ein bisschen entfernt, führte Systems Engineer Andreas Zientek aus.
Wetter- und Event-Daten als Zugabe aber wenn man schon weiß, wo die optimale „Einer unserer größten Use Cases war 2017 das
Position ist, und die Möglichkeit hat, die Fahr­ Monitoring unserer gesamten SAP-Landschaft“,
Mit einem Live-Monitoring lässt sich der Zu­ zeuge dorthin zu bewegen, ist das sicher ein sagte Zientek. Das Unternehmen kontrolliere
stand der Flotte permanent abbilden. Für den großer Vorteil. Auch die Ladestationen für elek­ heute konzernweit 65 SAP-HANA-Systeme
DriveNow-Case werden bislang nur die Maschi­ trische Fahrzeuge könnten so optimal in der ausschließlich in Splunk. „Wer die Preise aus
nendaten der Fahrzeuge verwendet, keine Wet­ Stadt positioniert werden. „Das sind Erkennt­ dem SAP-Umfeld kennt, der ahnt, dass wir al­
ter-, Event- oder sonstigen Daten. Damit stützt nisse, auf die wir gar nicht abgezielt hatten. leine mit diesem Use Case mehr Geld gespart
sich die Analyse derzeit vor allem auf GPS-Da­ Aber andere Fachbereiche haben sich dann für haben, als die gesamte Splunk-Lizenz gekostet
ten: Wann und wo wurde das Fahrzeug bewegt? diese Infos interessiert“, sagt Saller. hat“, schmunzelte Zientek.
Grafiken und Heatmaps zeigen die Flottenbe­
wegungen und simulieren künftige Entwick­ Das Team überlege sich nun, wie die Applikation 2017 kam dann der für das Kerngeschäft be­
lungen recht genau. Man sieht beispielsweise, erweitert und verfeinert werden könne. Dazu deutsame Zündkerzen-Use-Case der Unterneh­
was an welchen Orten morgens und abends gehöre vor allem, Wetter-, Verkehrs- und Event­ menstochter Zeppelin Power Systems hinzu.
während des Berufsverkehrs passiert und wie Daten hinzuzufügen. Außerdem gebe es nun Und in diesem Jahr werde das Unternehmen
der Bedarf sich ändert. Auch am Flughafen zeigt eine datenbasierte Grundlage, um zu entschei­ „Splunk IT Service Intelligence“ evaluieren,
sich, wann Fahrzeuge gebraucht werden, weil den, in welchen neuen Städten der Fahrdienst eine auf Machine Learning und Event-Analyse
der Flugverkehr am dichtesten ist. in welchem Ausmaß ausgebreitet werden kann. basierende Lösung. „Dann haben wir das ge­
„Wir sind nicht mehr darauf angewiesen, zu samte Monitoring innerhalb der Splunk-Platt­
„Wir haben jetzt also das schöne Datenmodell, schätzen oder externe Marktanalysen anferti­ form umgesetzt“, sagte Zientek.
32   Praxis      2018   19-20

Die Data-Analytics- Zündspannung und die Abgastemperatur, die


Profis René Ahlgrim
pro Zylinder gemessen werden, auf Probleme
(re.) und Andreas
Zientek beschreiben, hinweisen können.“ Die Zündkerzen werden
wie der Maschinen- nun über einen Zeitraum von zehn Tagen hin­
bauer Zeppelin seine
Heizkraftwerke beim weg in einem Dashboard beobachtet. Auch bei
Kunden überwacht. der Abgastemperatur lassen sich Anomalien er­
kennen. Dazu wurde mit Hilfe eines Machine-
Learning-Tools ein Verfahren zur Anomalie-­
Detection implementiert. Alle zehn Minuten
werden bestimmte Anomaliewerte pro Zylinder
Die Überwachung von Zündkerzen in Heizkraft­ gemessen. Neben Durchschnittswerten und
werken ist laut Ahlgrim der Schlüssel für mehr ­Varianzen nutzt das Team auch Wachstumsfak­
Ausfallsicherheit. Diese Anlagen werden zen­ toren in den einzelnen Metriken oder ein Ver­
tral über ein Control Center kontrolliert sowie fahren, um das Verhalten der Zylinder zueinan­
hoch- und runtergefahren. Die Zündkerzen der zu ermitteln. „So erkennen wir, ob einer aus
sind am häufigsten die Ursache, wenn Anlagen der Reihe tanzt“, sagt Zientek.
ausfallen. Laut Ahlgrim wurden die Maschinen­
daten schon über einen längeren Zeitraum er­ Zustand der Zylinder immer im Blick
fasst, aber nie genutzt. Das sei heute anders,
denn man wolle die Zahl der Betriebsstunden „Probleme haben wir noch bei den False Posi­
erhöhen und die für Wartung und Reparatur tives in den niedrigen Anomalie-Werteberei­
zuständigen Techniker gezielter einsetzen. chen“, berichtet der Zeppelin-Ingenieur. „Au­
ßerdem ist es so, dass eine Anomalie bei der
„Wir wollten von reaktiven auf proaktive Servi­ Zündspannung oder den Abgastemperaturen
ces umstellen“, sagte Ahlgrim. Servicetechniker nicht immer auf einen bevorstehenden Ausfall
sollten nicht mehr losgeschickt werden, wenn der Anlage hinweist.“ Dennoch seien die Infor­
das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, mationen wertvoll für den verantwortlichen
sondern bereits vorher, wenn sich Probleme Techniker.
andeuten. Außerdem sollen die Techniker ein
Service-Display an die Hand bekommen, auf „Die Techniker können jetzt auf einem Dash­
dem sie wichtige Indikatoren für bevorstehen­ board sehen, wie der Zustand der Zylinder ist“,
de Ausfälle frühzeitig erkennen können. ergänzt Ahlgrim. Die Menge der Ausfälle pro
Anlage habe ungefähr halbiert werden können.
Laut Zientek erleichterte das Vorhandensein Manchmal deute sich ein Problem bereits neun
der Logdaten die Vorarbeiten, wenngleich die Tage vor dem Auftreten an, manchmal aber
Datenkonsolidierung nicht trivial gewesen sei: auch innerhalb von zwei bis zwölf Stunden.
„Die Datenverfügbarkeit ist tückisch bei solchen Im nächsten Schritt gehe es um den Rollout
Projekten. Man verbringt bis zu 85 Prozent der entsprechender Lösungen über den gesamten
Zeit damit, überhaupt erst die Daten verfügbar Zeppelin-Konzern mit seinen 13 Tochterfirmen.
zu machen und in das richtige Format zu brin­ Dazu habe sich Ahlgrim ein „Arbeitsbuch“ an­
gen. Oft wird hier auch Custom Code benötigt. gelegt. Dabei gehe es zunächst um das Sammeln
Sind die Daten aber einmal in Splunk, ist die der relevanten Daten: „Das treiben wir jetzt
Visualisierung extrem einfach.“ massiv, wir brauchen die Daten! Und wir müs­
sen den operativen Bereich einbinden, die Ser­
Mit Hilfe der Fachkollegen fand das Team vicetechniker. Wir brauchen die Jungs an der
Foto: Splunk

schnell heraus, welche Daten wirklich kritisch Basis, die schon Hunderte Ausfälle gesehen
sind: „Wir lernten schnell, dass vor allem die ­haben.“  k
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34   Praxis      2018   19-20

Die DSGVO-Uhr tickt – wer sich jetzt


schleunigst kümmern sollte
Wenige Wochen vor Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO)
merken vor allem viele mittelständische Unternehmen, dass sie das Thema
unterschätzt haben. Lesen Sie, wo der Handlungsbedarf am größten ist.

D
Von Andreas Leupold, Rechtsanwalt, ie Europäische Datenschutz-Grundver-
­Berater im IT- und Medienrecht und
ordnung wird ab dem 25. Mai 2018 die
­Autor in München
bisherigen nationalen Datenschutzge-
setze ablösen. Personenbezogene D ­ aten dür-
fen dann nur verarbeitet werden, s­ oweit die
DSGVO dies ausdrücklich gestattet. Einen Per-
sonenbezug haben dabei Informationen, die
sich auf eine identifizierte oder identifizierba-
re Person beziehen. Dazu zählen nicht nur die
Namen und Anschriften von Kunden, sondern
auch ihre IP-Adressen. Bereits erteilte Einwilli-
gungen sind nur dann eine ausreichende I­ hnen ist das Risiko zu hoch, haften sie doch
Rechtsgrundlage für die Verarbeitung perso- durch die Beauftragung nicht konformer Dienst­
nenbezogener Daten, wenn sie den Bedingun- leister mit bis zu vier Prozent ihres weltweiten
gen der DSGVO entsprechen. Jahresumsatzes oder maximal 20 Millionen
Euro – je nachdem, welcher Betrag höher ist.
Während sich die großen Konzerne überwie-
gend schon seit 2016 auf die neuen Anforde- Mangelnde Compliance lässt sich auch nicht
rungen der DSGVO vorbereiten, haben Mittel- vertuschen: Ist es erst einmal zu einer Daten-
ständler oft immer noch keine ausreichenden schutzverletzung gekommen, muss diese binnen
Maßnahmen ergriffen, obwohl sie regelmäßig 72 Stunden der Aufsichtsbehörde gemeldet
personenbezogene und nicht selten auch hoch- werden. Wer gegen diese Meldepflicht verstößt,
Weitere Informationen rund sensible Daten verarbeiten. Manche Firmen- kann auch noch viele Monate später mit einem
um das Thema DSGVO finden
lenker scheinen nicht einmal zu wissen, dass empfindlichen Bußgeld belegt werden. Das gilt
sie auf der Website der
COMPUTERWOCHE unter: das neue Datenschutzrecht auch für sie gilt auch für Datenschutzverstöße, die in einem
und eine gründliche Vorbereitung erfordert. bereits vergangenen Geschäftsjahr begangen
Die DSGVO als Hilfsmittel wurden. Wer es heute fahrlässig unterlässt, die
­gegen Grenzkontrollen im
Viele benutzen für ihre Transaktionen immer richtigen Maßnahmen zu ergreifen, kann sich
­Datenverkehr
www.cowo.de/a/3544510 noch alte Verträge, die lediglich das Bundesda- später nicht darauf berufen, von alldem nichts
tenschutzgesetz berücksichtigen. Und obwohl gewusst zu haben. Wer muss also dringend
DSGVO – wo die Abmahnung die Umsetzung der DSGVO weitreichende Maß­ handeln?
droht
nahmen im Betrieb erfordert, warten manche
www.cowo.de/a/3544586
Unternehmer immer noch ab, anstatt zu han- Marketing-Agenturen und ihre Kunden
Achtung: Digitale Daten im deln. Diese Untätigkeit nach der Devise „Wo
Vertrieb kein Kläger, da kein Richter“ kann teure Konse- Agenturen mit Erfahrung im E-Mail-Marketing
www.cowo.de/a/3544662
Foto: mixmagic/Shutterstock

quenzen haben. werden oft von Konsumgüter-Anbietern und


Wie ITSM-Tools DSGVO-kon- Dienstleistern eingesetzt. Sie wissen, wie man
form werden Viele große Konzerne sind mit dem Thema Bestandskunden für neue Produkte begeistern
www.cowo.de/a/3544639 heute so weit vorangeschritten, dass sie Dienst­ und neue Zielgruppen erschließen kann. Das
DSGVO im Internet of Things leister, die nicht DSGVO-compliant sind, gegen geht allerdings nicht ohne die Verarbeitung der
www.cowo.de/a/3544276 datenschutzkonforme Partner austauschen. Kundendaten durch die Agentur, die den Ver-
Die DSGVO
reicht weit
Fast jede Abteilung im Unterneh-
men hantiert mit sensiblen Daten.
Das reicht von der Produktion über
den Vertrieb bis hin zur Personal-
abteilung. Gerade neue Themen
wie das Internet of Things eröffnen
auf der einen Seite zahlreiche neue
technische Möglichkeiten, erhö-
hen aber im Zuge der zunehmen-
den Vernetzung auch die Anforde-
rungen an den Datenschutz. Hier
kann die DSGVO ein sinnvoller
Leitfaden sein, an dem sich die
Unternehmen orientieren können.

sand der Mailings übernimmt. Deshalb ist schon Zu regeln sind auch die technischen und orga- Wie Sie sich richtig auf die
bei der Auswahl einer Agentur sorgfältig zu nisatorischen Maßnahmen, die von der Agen- Datenschutz-Grundverordnung
prüfen, ob diese ihren Auftrag datenschutzge- tur zum Schutz der Kundendaten zu treffen vorbereiten – die COMPUTER-
WOCHE hat alle relevanten
recht ausführen kann. Wollen oder können Un- sind. Damit allerdings sind viele Agenturen
Informationen in einem kos-
ternehmen diese Prüfung nicht selbst vorneh- überfordert, oder sie haben Schwierigkeiten, tenlosen Dossier zusammen-
men, müssen sie dafür einen akkreditierten die gesetzlich vorgeschriebenen Maßnahmen getragen:
Auditor einschalten, der den Auftragsverarbei- so rechtzeitig umzusetzen, dass eine Mailing- www.cowo.de/a/3331330
ter vor Ort prüft. Aktion planmäßig umgesetzt werden kann.
Darüber hinaus finden Sie hier
Damit Unternehmen dafür nicht die Einwilli- Das ist für beide Seiten misslich: Die Agentur viele weitere Dossiers zu span­
gung jedes einzelnen Empfängers einholen kann ihren Kunden verlieren, und der Kunde nenden Themen, beispielswei-
se wie Sie den Durchblick im
müssen, sichern sie den Schutz der Kundenda- haftet für eine nicht gesetzeskonforme Verar-
SAP-Lizenzdschungel behal-
ten in einer schriftlichen Vereinbarung mit der beitung der Kundendaten durch die Agentur. ten, wie IoT in der Praxis funk­
Agentur. Wer die durchaus komplexen Anfor- Er muss mit einem Bußgeld bis zu zehn Millio- tioniert oder wie Sie sich ge-
derungen der DSGVO an eine solche Vereinba- nen Euro oder zwei Prozent seines vorangegan­ gen Ransomware-Attacken
rung nicht kennt, sollte sich dabei von einem genen Jahresumsatzes rechnen. Unter Umstän­ schützen können:
www.cowo.de/p/4232
Rechtsanwalt oder externen Datenschutzbe- den, etwa bei einer unzulässigen Übermittlung
auftragten unterstützen lassen. personenbezogener Daten in Drittländer oder
bei Nichterfüllung der Informationspflichten
Dabei ist unbedingt darauf zu achten, Interes- durch den für die Verarbeitung der Daten Ver-
senkonflikte zu vermeiden. Solche können etwa antwortlichen, können Geldbußen bis zur dop-
auftreten, wenn beispielsweise ein Rechtsan- pelten Höhe verhängt werden. Anders als nach
walt das Unternehmen in Kundenstreitigkei- bisherigem Recht kann dann auch den Dienst-
ten oder arbeitsrechtlichen Verfahren vor Ge- leister eine Haftung treffen.
richt vertritt und seinen Mandanten zugleich
als externer Datenschutzbeauftragter berät. In Lettershops
solchen Fällen sollte entweder die Prozessver-
tretung oder die Tätigkeit als Datenschutzbe- Gleiches gilt für sogenannte Lettershops, die
auftragter von einem anderen Anwalt wahrge- im Auftrag ihrer Kunden Werbung per Post
nommen werden. ­versenden. Auch sie verarbeiten dazu für ihre
36   Praxis      2018   19-20

Fazit Kunden personenbezogene Adressdaten mit gungen möglich. Zudem steht noch nicht fest,
den Namen und Anschriften der Empfänger. ob Großbritannien durch den Brexit bald zu
Wer sich zur Bewerbung seiner
Produkte externer Dienstleister Werden diese Daten ohne Einwilligung des diesen Drittstaaten gehören wird, so dass es
bedient, muss sicherstellen, dass Kunden und ohne Abschluss einer geeigneten Sinn ergibt, auch hier für künftige Rechtssi-
er und sein Dienstleister die An­ Auftragsverarbeitungsvereinbarung mit dem cherheit in den Vertragswerken vorzusorgen.
forderungen der DSGVO erfüllen. Lettershop versandt, haften beide dafür und
Hierzu reicht es nicht aus, in Ver­
müssen ein von der Aufsichtsbehörde verhäng- Web-Analyse-Dienste
einbarungen mit dem Dienstleis­
tes Bußgeld bezahlen.
ter den Gesetzestext zu wieder­
holen. Vielmehr muss auch die Der bekannteste Dienst zur Messung und Ana-
Umsetzung der für die Datensicher­ Helpdesks und Auftragsdienste lyse der Besuche auf Internet-Seiten ist immer
heit notwendigen technischen und noch Google Analytics, das dazu eine Fülle von
organisatorischen Maßnahmen Oft haben Unternehmen ihr Telefonsekretariat Werkzeugen bereitstellt. Daneben gibt es aber
stimmen. Ob hier Defizite beim
an externe Dienstleister ausgelagert. Auch sie auch eine Vielzahl kostenloser Tools, die ähnli-
Dienstleister herrschen, muss vor
der Auftragserteilung geprüft wer­
müssen die DSGVO beachten. Das Gleiche gilt che Funktionen bieten. Allen Verfahren gemein
den: Es gilt Lücken zu erkennen für Firmen, die den Betrieb ihres Kunden-Help- ist die Erfassung der IP-Adresse des Seitenbe-
und zu schließen. desks an Dienstleister abgegeben haben. Ruft suchers. Diese stellt aber gemäß der aktuellen
Wird die Compliance mit dem in diesem Fall ein Kunde auf einer Serviceruf- Rechtsprechung des Europäischen Gerichts­
­europäischen Datenschutzrecht nummer an, wird ihm von einem externen hofes ein personenbezogenes Datum dar.
nicht rechtzeitig sichergestellt, er­ Dienstleister geantwortet. Der hat den Namen
geben sich daraus hohe Bußgeld-
und die Anschrift des Kunden samt Adresse Bislang wurde es für ausreichend gehalten,
und Schadensrisiken. Sie treffen
nicht nur die Unternehmen allge­ und Angaben zu den gekauften Produkten die Seitenbesucher über die Verwendung sol-
mein, sondern unter Umständen meist schon auf seinem Bildschirm präsent, cher Tools zu informieren und eine DSGVO-
auch deren Vorstände und Ge­ um den Fall zügig bearbeiten zu können. konforme Vereinbarung mit dem Anbieter sol-
schäftsführer persönlich. Ange­ cher Analysedienste zu schließen. Damit ist es
sichts des hohen Schadenspoten­
Das aber erfordert die vorherige Weitergabe aber nicht mehr getan, und Web-Seiten-Betrei-
zials von Datenschutzverstößen
der Kundendaten an den Auftragsdienst. Auch ber müssen sich auch hier auf geänderte ge-
ist zudem nicht auszuschließen,
dass Datenschutzlücken von miss­ hier muss sich der Auftraggeber vor der erst- setzliche Anforderungen einstellen, wenn sie
liebigen Wettbewerbern miss­ maligen Weiterleitung personenbezogener keine Abmahnungen und Bußgelder riskieren
braucht werden könnten. Mit der ­Daten an den Auftragsverarbeiter überzeugen, wollen.
anonymen Meldung von Daten­ dass dieser seine Dienstleistungen datenschutz­
schutzverletzungen an Aufsichts­
konform erbringt. Er muss DSGVO-konforme, Veranstalter von Webinaren
behörden könnten Insider oder
Whistleblower gezielt daran ar­ schriftliche Vereinbarungen treffen.
beiten, verantwortliche Mitarbeiter Viele Unternehmen bieten interne Fortbildun-
eines Wettbewerbers loszuwer­ Datenverarbeiter in Drittstaaten gen heute als Webinare an, um eine möglichst
den oder den Wettbewerber zur breite Mitarbeiterteilnahme zu ermöglichen.
Geschäftsaufgabe zu zwingen.
Besondere Anforderungen sind immer dann zu Die technische Umsetzung solcher Webinare
Vor dem Hintergrund dieser Rechts­ beachten, wenn der Auftragsverarbeiter die und der Versand der Einladungen wird dabei
lage gilt es für alle Unternehmen
Daten entweder selbst im außereuropäischen meistens spezialisierten Anbietern überlassen,
dringend zu prüfen, ob die von ih­
nen zum Schutz personenbezoge­ Ausland oder in einem Rechenzentrum verar- die damit auch die personenbezogenen Daten
ner Daten ergriffenen Maßnahmen beitet, das ein Subunternehmer in einem Dritt- der Teilnehmer erhalten. Auch hier sind also
ausreichen, um die geänderten staat betreibt. Mancher Auftragsdienst behält Vereinbarungen mit dem Anbieter über die
Anforderungen der neuen Daten­ sich im Kleingedruckten ausdrücklich vor, die sichere Verarbeitung dieser Daten notwendig.
schutz-Grundverordnung zu erfül­
Kundendaten auch außerhalb der EU zu ver­
len, die ab dem 25. Mai 2018 ein­
arbeiten, und die meisten Helpdesks werden Anwender von SaaS-Lösungen
zuhalten sind.
längst nicht mehr in Deutschland, sondern in
Indien oder einem anderen Drittstaat betrie- Software für Enterprise Resource Planning
ben. Das ist aber nur unter bestimmten Bedin- (ERP) oder Customer-Relationship-Manage-
Praxis  37

ment (CRM) wird heute immer häufiger als Subunternehmer Subunternehmer prüfen und auch danach re-
Cloud-Lösung eingesetzt und damit vom Anwen­ gelmäßig verifizieren.
der nicht mehr gekauft, sondern als Dienst Dienstleister, die personenbezogene Daten im
abonniert. Das hat eine regelmäßige Verarbei- Auftrag ihrer Kunden verarbeiten, speichern Nutzer von Smart Manufacturing und
tung personenbezogener Daten in der Cloud diese meist nicht (nur) auf ihren eigenen Rech- ­Predictive Maintenance
durch den Hersteller oder Vermarkter der Soft- nern und Servern, sondern auch in der Cloud
ware zur Folge. oder in einem lokalen Rechenzentrum, das für Die Digitalisierung der Konstruktion ist längst
sie als Subunternehmer tätig wird. Ist das der Realität, die der Produktion schreitet in vielen
Dazu ist die Einwilligung der betroffenen Kun- Fall, muss der Dienstleister seine Kunden dar- Branchen und Schlüsselindustrien voran. Da-
den beziehungsweise eine geeignete vertragli- über informieren und nicht nur mit diesen, bei wird oft nicht daran gedacht, dass etwa
che Regelung erforderlich. Fehlt sie, liegt darin sondern auch mit dem Cloud-Service-Provider Dienstleister, die zur vorbeugenden Wartung
eine Datenschutzverletzung erheblichen Aus- oder Rechenzentrumsbetreiber einen Vertrag (Predictive Maintenance) Zugriff auf Anlagen
maßes, die bußgeld­bewehrt ist. Viele SaaS-An- zur Auftragsverarbeitung abschließen. und Maschinen erhalten, häufig auch mit per-
bieter weisen ihre Kunden darauf aber nicht sonenbezogenen Daten des Bedienpersonals
hin, und die Kunden selbst sind sich ihrer dies- Darin ist sicherzustellen, dass der Subunter- oder Kunden in Berührung kommen. Auch hier
bezüglichen Pflichten oft nicht bewusst. Auch nehmer die Anforderungen an den Datenschutz ist zu prüfen, ob es – wie auch sonst regelmäßig
für Unternehmen, die SaaS-Lösungen bereits ebenso erfüllt wie der Dienstleister gegenüber – einer schriftlichen Vereinbarung zwischen dem
einsetzen oder es planen, besteht also Hand- seinem Auftraggeber. Ob das tatsächlich der Auftraggeber und dem Dienstleister bedarf,
lungsbedarf zur Erreichung der DSGVO-Com- Fall ist, muss der Auftraggeber vor der ersten mit der die datenschutzkonforme Verarbeitung
pliance. Weitergabe personenbezogener Daten an den dieser Daten geregelt wird.  (ba)

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38   Job & Karriere      2018   19-20

Personaler empfehlen: Macht die


­Mitarbeiter zu Headhuntern!
Ohne Active Sourcing läuft nichts mehr im IT-Recruiting mittelständischer Unter-
nehmen. Jeder Mitarbeiter ist aufgefordert, bei der Personalsuche mitzuhelfen. So
äußerten sich einhellig die Personalprofis, die von der COMPUTERWOCHE zu
einem Gedankenaustausch nach München eingeladen worden waren.
Maximilian Born, Netlight: „Die Schaffung positi-

U
ver Bewerbungserlebnisse für Kandidaten zählt
Von Sibylle Hofmeyer, m die Herausforderungen im IT-Re­ nach unseren Erfahrungen zu den zentralen
freie Journalistin in Heidelberg Erfolgsfaktoren bei der Personalgewinnung.“
cruiting mittelständischer Arbeitge-
ber drehte sich eine Diskussionsrunde
der COMPUTERWOCHE, an der Personalver-
antwortliche aus kleinen und mittleren IT-An-
bieter- und Anwenderunternehmen teilnah- beiter. Das Unternehmen setzt auf Active Sour-
men. Obwohl die Geschäfte im Mittelstand so cing, um qualifizierte Bewerber für das Unter-
gut laufen wie seit Jahren nicht, wird die Stim- nehmen zu akquirieren. Dies geschieht über
mung durch den steigenden Fachkräftemangel Social Media, Mitarbeiterempfehlungen, Mes-
getrübt. So haben mehr als 70 Prozent der Be- seteilnahmen, persönliche Netzwerke, eigene
triebe massive Probleme, ausreichend qualifi- Talent-Pools sowie Karriere-Events.
zierte Mitarbeiter zu finden.
Die Direktansprache von Kandidaten zählt auch
Zum Auftakt des Gesprächs präsentierte Frank zu den bevorzugten Recruiting-Strategien von
Rechsteiner, Gründer und Geschäftsführer der Microsoft Deutschland. „Obwohl unsere Marke
Hype Group, eine aktuelle Studie, in deren weltweit eine große Strahlkraft besitzt, muss-
Rahmen er die IT-Recruiting-Trends in mittel- ten wir auch an unserem rund 2500 Mitarbeiter
ständischen Unternehmen untersucht hatte zählenden deutschen Standort neue Wege wäh­
(siehe Kasten „Wie Mittelständler suchen“). Es len, um die komplexen Stellenprofile zu beset-
zeigte sich darin, dass die Kleinen noch nicht zen“, sagte Microsoft Personal-Managerin
alle Register in der Personalsuche ziehen. Die ­Carolin Webersinke. Dazu zählt ein Team von
anschließende Diskussion machte deutlich, Personalern, die potenzielle Mitarbeiter identi-
welche Strategien solche Betriebe verfolgen fizieren und aktiv kontaktieren. Dabei legen
müssen, um im Wettbewerb um die begehrten die HR-Verantwortlichen von Microsoft großen
IT-Talente neben den großen Namen in der Wert darauf, dass die Active Sourcer die Anfor-
Branche bestehen zu können. derungsprofile und Bedürfnisse der Fachberei-
che kennen und in der Lage sind, die Alleinstel-
Direktansprache auf dem Vormarsch lungsmerkmale in der Unternehmenskultur des
Softwareriesen angemessen „zu verkaufen“: In
„Das Recruiting ist zu einem zweiten Vertrieb der neuen Welt des Recruitings sei der Kandi-
geworden, der das Unternehmen wie ein Pro- dat der Kunde.
dukt verkaufen muss, um qualifizierte Mitar-
beiter zu gewinnen“, brachte Simon Eisenried, In der Direktansprache setzen viele Unterneh-
Leiter Recruiting von MaibornWolff, die verän- men auf Content-Marketing und nutzen unter
derte Rollenerwartung an die Personaler auf anderem Blogs, Videos oder Experteninterviews,
Fotos: Simon Lohmann

den Punkt. Als schnell wachsender Spezialist um die Bewerber mit informierenden, beraten-
für IT-Beratung und Software-Engineering den und unterhaltenden Inhalten auf sich auf-
sieht sich MaibornWolff mit der Situation kon- merksam zu machen. Auch NTT Data Deutsch-
frontiert, leichter neue Kunden und Projekte land, Teil eines internationalen Konzerns,
an Land ziehen zu können als geeignete Mitar- musste aktiv werden, wie Recruiting-Chef Tho-
Thomas Knauer, NTT Data: „Gerade Talente, die wir Carolin Webersinke, Microsoft: „Sourcer müssen die Simon Eisenried, MaibornWolff: „Das Recruiting ist zu
über Social Media ansprechen, müssen während des ­Bedürfnisse der Fachbereiche genau kennen und in der ­einem zweiten Vertrieb geworden, der das Unternehmen
gesamten Bewerbungsverfahrens von einem einzigen Lage sein, die Alleinstellungsmerkmale in der Unterneh- wie ein Produkt verkaufen muss, um qualifizierte Mitar-
Mitarbeiter betreut werden.“ menskultur nach außen angemessen zu verkaufen.“ beiter zu gewinnen.“

mas Knauer erläuterte: „Obwohl wir laut Lü- bereichen. So gelinge es bei Stellenbesetzun- Wie Mittelständler
nendonk-Liste 2017 das fünftgrößte IT-Bera- gen, dass nicht nur die fachliche Eignung von suchen
tungshaus hierzulande sind, fehlt es uns an Kandidaten (Professional Fit), sondern auch
Die Hype Group befragte 230 Ge-
der entsprechenden Arbeitgeber-Bekanntheit. gemeinsame Werte, Normen und Einstellungen schäftsführer und Personal-Mana­
Das liegt im Wesentlichen daran, dass wir un- (Cultural Fit) berücksichtigt werden können. ger aus mittelständischen Unter-
ter dem Namen unserer japanischen Mutter nehmen, was ihnen im Recruiting
NTT Data erst seit wenigen Jahren auf dem Beim Duisburger SAP-Beratungshaus it-motive wichtig ist. 87,5 Prozent der be-
fragten Firmen setzen auf Jobpor-
deutschen Markt präsent sind.“ Neben Active kümmert sich auch das Management selbst um
tale, 85 Prozent schreiben die
Sourcing und Content-Marketing arbeitet das das Recruiting. Kurt Leo Kaiser, SAP Consulting
Stellen auf ihrer Website aus, und
Unternehmen daher an der Weiterentwicklung Director in der Niederlassung Stuttgart, inves- 80 Prozent ­nutzen die Direktan-
seiner Arbeitgebermarke und an einer positi- tiert jede Woche viel Zeit, um auf den einschlä- sprache via Social Media – wobei
ven Gestaltung des Kontakts seitens der Inter- gigen Social-Media-Plattformen nach Kandida- natürlich Mehrfachnennungen
essenten. So steigert Knauer die Zufriedenheit ten zu suchen und diese direkt anzusprechen. möglich waren. In Sachen Active
Sourcing bevorzugen 85,3 Prozent
der Bewerber dadurch, dass diese während des Der Erfolg gibt ihm recht: „Wenn der Chef die
Mitarbeiterempfehlungen, 83,4 ge­
gesamten Bewerbungsverfahrens von einem Bewerber persönlich kontaktiert, wirkt das viel hen auf Karrieremessen, und 81,7
einzigen fachkundigen Ansprechpartner als überzeugender, als wenn dies ein Headhunter Prozent nutzen die persönlichen
„Single Point of Contact“ betreut werden – vom tut. So führte meine Online-Direktansprache in Netzwerke ihrer Mitarbeiter. Im-
Erstkontakt bis zu einer etwaigen Einarbei- den letzten beiden Monaten zur Einstellung merhin 61,7 Prozent der Umfrage-
teilnehmer arbeiten mit Content-
tungszeit am neuen Arbeitsplatz. Für dieses von zwei SAP-Spezialisten.“ Auch Brose Fahr-
Marketing-Elementen wie Blogs,
Konzept wurde die deutsche IT-Beratung 2017 zeugteile setzt auf die direkte Begegnung mit
Videos, Studien und Interviews,
unter anderem mit dem „Candidate Experience den Kandidaten, wie Michael Krato aus dem um Mitarbeiter auf sich aufmerk-
Award“ ausgezeichnet. ­Recruitment des Automobilzulieferers unter- sam zu machen und sie anzu-
strich: „Da es die meisten Experten eher zu den sprechen.
Auch der Chef wird zum Recruiter IT-Anbietern zieht, versuchen wir die Nach- Die Hype Group wollte auch wis-
wuchstalente mit eigenen Karriere-Events so- sen, bei welchen Themen die
Personaler skeptisch sind. 72,5
Die Schaffung positiver Bewerbungserlebnisse wie der Teilnahme an RecruitingMessen für un-
Prozent von ihnen planen keine
zählt auch für Maximilian Born, Talent Manage- ser Unternehmen zu gewinnen.“
Chatbots, 65,8 Prozent sprechen
ment & Equality Driver bei Netlight Consul- sich gegen Big Data zur Perso-
ting, zu den Erfolgsfaktoren bei der Personal- Die Diskussionsbeiträge bestätigten Frank nalgewinnung aus, und 63,2 Pro-
gewinnung: „Als 2011 gegründete Tochter des Rechsteiners Studienergebnisse, dass mittel- zent verzichten auf Web-basie-
schwedischen IT-Beratungshauses Netlight ständische Arbeitgeber den persönlichen Kon- rende Eignungstests.

Consulting haben wir es damit geschafft, die takt zu den Kandidaten bevorzugen, anstatt im
für unser schnelles Wachstum erforderlichen Recruiting auf Algorithmen zu setzen. So be-
Mitarbeiter an Bord zu holen.“ Wichtig sei der zeichneten einige Teilnehmer Chatbots und
von Beginn an enge Kontakt zu den Geschäfts- Online-Assessments zwar als nützlich, um die
40   Job & Karriere      2018   19-20

Frank Rechsteiner, Hype Group: „Viele Arbeitgeber Kurt Leo Kaiser, it-motive: „Wenn eine Führungskraft Michael Krato, Brose: „Als großes Familienunter-
werben mit bloßen Marketing-Floskeln für sich. ­ihre künftigen Mitarbeiter persönlich kontaktiert, wie nehmen haben wir den Vorteil, dass wir unseren
Besser ist es, verständliche Unternehmenswerte ich es praktiziere, wirkt das viel überzeugender, als Mitarbeitern auch kostspielige SAP-Zertifizierungs­
ehrlich nach außen zu kommunizieren.“ wenn dies ein Headhunter tut.“ programme ermöglichen können.“

Der Personaler ist Candidate Experience bei der ersten Kontakt- Home­Office und Vertrauensarbeitszeit über
ein Verkäufer aufnahme zu verbessern und administrative Zeitwertkonten und Teilzeitmöglichkeiten auf
Standardprozesse zu vereinfachen und zu be- jeder Hierarchieebene bis hin zu Sabbaticals.
Es kommt nicht oft vor, dass Per- schleunigen. Auch können Arbeitgeber von „Man kann viel mit Bio-Obstkorb und Fitness-
sonaler zugeben, worauf es bei
­Datenauswertungen profitieren, die zusätzlich Studio werben, aber dafür kommt kein guter
der Suche von guten IT-Talenten
heute wirklich ankommt: auf eine zu den üblichen Bewerberinformationen wie Informatiker in eine Firma“, kommentierte
möglichst perfekte Darstellung Lebenslauf und Projektliste auch kombinierte MaibornWolff-Personaler Eisenried. „Wichtiger
des eigenen Unternehmens näm- Daten zum Beispiel zu Persönlichkeitstyp, Alter, ist es, den ITlern flexible Arbeits­modelle anzu-
lich. Personalmitarbeiter sind Karrierelevel, Geschlecht oder Verweildauer bieten, mit denen sie ihre Arbeitsbedingungen
heute Verkäufer ihrer Arbeitge-
in vorangegangenen Positionen einbeziehnen. immer wieder an veränderte Lebenssituatio-
bermarke. Wollen sie die besten
IT-Profis überzeugen, müssen sie
„Doch am Ende steht immer der Mensch im nen anpassen können.“ Auch in seinem Unter-
aber nicht nur das Employer Mittelpunkt“, fasste Microsoft-Personalerin nehmen steht die Möglichkeit zur Weiterbildung
Branding beherrschen, sondern Webersinke zusammen. „Nur so können wir auf der Wunschliste der Mitarbeiter ganz oben.
auch glaubwürdig auftreten und herausfinden, ob ein Kandidat auch in seiner Zu Recht ständen sie auf dem Standpunkt:
offen sein. Zudem sollten sie Mentalität zu uns passt.“ „Wenn ich heute neu bei einer Firma einsteige,
netzwerken können – vor allem
will ich wissen, ob ich auch noch in zehn Jah-
ins eigene Unternehmen hinein.
IT-Profis, die mit IT-Profis reden Flexibilität und Weiterbildung als Pluspunkte ren marktgerecht qualifiziert werde.“
können, sind am ehesten zu
überzeugen. Was müssen die Arbeitgeber konkret bieten, Personalberater Rechsteiner betonte die Not-
damit sich die umworbenen IT-Experten für sie wendigkeit einer gelebten Unternehmenskul-
entscheiden? Michael Krato von Brose Fahr- tur: „Viele Arbeitgeber werben mit bloßen
zeugteile hat die Erfahrung gemacht, dass ­Marketing-Floskeln für sich. Besser ist es, ver-
­attraktive Entwicklungs- und Weiterbildungs- ständliche Unternehmenswerte und -ziele zu
möglichkeiten eine wichtige Rolle spielen: „Als definieren und ehrlich nach außen zu kommu-
großes Familienunternehmen haben wir den nizieren. Damit sind Firmen in der Lage, 90 Pro­
Fotos: Simon Lohmann

Vorteil, dass wir unseren Mitarbeitern auch zent ihres Personalbedarfs über die eigene HR-
kostspielige SAP-Zertifizierungsprogramme er- Abteilung zu decken und nur in Einzelfällen
möglichen können.“ Daneben sind es flexible die Unterstützung von Headhuntern zu bean-
Arbeitsmodelle, mit denen Unternehmen gerade spruchen.“  (hk)
bei Nach­wuchs­talenten punkten können – von
Köln,
21.-25.08.2018

Halle
• Persönliche Gespräche mit Vertretern der Unternehmen
10.2
• Direkte Bewerbungsmöglichkeiten
• Vorträge und Bewerbungstipps

Mehr Informationen unter: www.computerwoche.de/gamescom-jobs-und-karriere

Wir sind dabei:

Präsentiert von:

BUSINESS MEDIA
42   Job & Karriere      2018   19-20

So starten Mitarbeiter in die neue


Welt des digitalen Arbeitens
Mit viel Learning by Doing und praxisorientierten Workshops will Etventure-­
Managerin Dorothea von Wichert-Nick Mitarbeitern die Angst vor der digitalen
Transformation nehmen.

D
ie Münchner Unternehmensberatung und aus neuen Mitarbeitern, die andere Pers-
Etventure konzentriert sich mit ihren pektiven einbringen können“, sagt Managing
250 Mitarbeitern ganz auf Beratungs- Director Dorothea von Wichert-Nick. Ziel sollte
leistungen rund um die digitale Transformation. sein, dass der Arbeitgeber es schafft, ein „hand­
Bekannt wurde das Ende vergangenen Jahres lungsfähiges, eigenes Team mit digitalen Kom-
von Ernst & Young übernommene Unternehmen petenzen zu entwickeln“. Dieses könne, so die
auch deshalb, weil es Konzernen und Mittel- Überzeugung der Etventure-Geschäftsführe-
ständlern hilft, mit Startup-Methoden in einem rin, „die Zukunft des eigenen Kerngeschäfts
„geschützten Raum“ außerhalb der Konzern- nachhaltig gestalten, um das Unternehmen
disziplin digitale Geschäftsmodelle zu entwi- schnellstmöglich in die Lage zu versetzen, die
ckeln und umzusetzen. Damit konnten die Digitalisierungsstrategie mit eigenen Ressour-
Consultants unter anderem bei Unternehmen cen voranzutreiben“.
wie dem Stahlhändler Klöckner & Co, der SMS
Group, dem Haniel-Konzern oder auch der Bar- Im Vordergrund steht der Praxisbezug
mer Krankenkasse punkten.
Seine Weiterbildungsaktivitäten bündelt das
Im Lauf der vergangenen Jahre sammelten die Beratungshaus in einem „Learning Hub“, der
Etventure-Berater eine Menge Erfahrungen externen Mitarbeitern und Führungskräften
mit Transformationsprojekten. Eine wichtige verschiedene Weiterbildungsformate rund um
Dorothea von Wichert-Nick, Etventure: Erkenntnis hierbei war, dass das Verständnis den digitalen Wandel anbietet, aber auch neue
„Ziel der digitalen Transformation sollte
der Mitarbeiter für die Digitalisierung, für agi- Etventure-Mitarbeiter in den entsprechenden
sein, dass das Unternehmen es schafft,
ein handlungsfähiges, eigenes Team mit les Arbeiten und für neue Methoden essenziell Methoden schult.
digitalen Kernkompetenzen zu entwi- für einen erfolgreichen digitalen Wandel ist.
ckeln.“
„Wir wollen Mitarbeiter dazu befähigen, neue
Innovation im Fünf-Tages-Workshop Arbeitsmethoden anzuwenden, neue Ideen zu
generieren und diese für eigene Projekte einzu-
Dieses Verständnis lässt sich aber weniger setzen“, sagt Wichert-Nick. Sie betont erneut
durch die Vermittlung theoretischen Wissens die Praxisorientierung: „Wir verfolgen den
als durch praktisches Üben erreichen. So wur- Learning-by-Doing-Ansatz und vermitteln nicht
de beispielsweise ein fünftägiges Workshop- nur das Wissen und Handwerkszeug, sondern
Konzept entwickelt, in dem die Teilnehmer den wenden hands-on Trainingsmethoden unmit-
Innovationsprozess von der Ideenentwicklung telbar auf aktuelle Probleme an.“ Etventure
über das Einholen von Feedback potenzieller wirbt mit seiner langjährigen Erfahrung, der
User bis hin zur Entwicklung und Präsentation eigenen Prototyping-Werkstatt sowie einem
eines ersten Prototypen selbst durchlaufen. qualifizierten Trainerstamm als Gewähr, dass
die Beschäftigten danach aktiv den digitalen
Neben der Vermittlung von digitalem Know-how Wandel gestalten und neue Arbeitsmethoden
spielt auch die Zusammensetzung der Projekt- im eigenen Unternehmen einsetzen.  (hk)
Foto: Etventure

teams für die Digitalisierungsprojekte eine


­wesentliche Rolle. Es sollte „ein Mix aus Mitar-
beitern sein, die die Firma bereits gut kennen,
Job & Karriere  43

Nicht jeder Stellvertreter hat das


Zeug, die Thronfolge anzutreten
Kaum eine Position eignet sich besser, um sich ein komfortables Nest zu bauen,
als die eines Stellvertreters. Doch irgendwann stellt sich die Frage: Bin ich
bereit, meine Wohlfühlzone in der zweiten Reihe zu verlassen?

N
icht jeder Mensch ist eine geborene Gründern, die mit großen Ideen angetreten
Führungspersönlichkeit“, weiß die sind, immer mehr Führungskompetenz oder
Münchner Diplompsychologin Made­ Entscheidungsfreude gefordert wird. Ob je­
leine Leitner. „Es gibt auch den geborenen Stell­ mand den Sprung vom zweiten auf den ersten
vertreter. Für ihn wie für sein Unternehmen Platz wagen sollte, hängt von verschiedenen
kann der Wechsel an die Spitze auch nach hin­ Faktoren ab. Neben den Risiken birgt ein solcher
ten losgehen – mit verheerenden Folgen.“ Bereits Schritt für manche Klienten natürlich auch
Ende der 1960er Jahre formulierten die US-­ Chancen. „Nicht selten schlummert in den
Autoren Laurence Peter und Raymond Hull das Kandidaten ein ungeahntes Potenzial“, erzählt
Phänomen der „Spitzenunfähigkeit“, heute auch Madeleine Leitner. „Ein Stellvertreter erinner­
bekannt als Peter-Prinzip. Es besagt, dass Be­ te sich, dass er als Kind Gruppen angeführt
schäftigte in jeder Hierarchie so lange befördert hatte. Er arbeitete nun als Zweiter, hatte aber
werden, bis sie auf einen Posten gelangen, auf das Potenzial für die Nummer-eins-Position.
dem sie – weil überfordert – inkompetent sind. Sein unternehmerisches Talent hatte bisher
brachgelegen.“ Erst äußere Veränderungen
Insbesondere beim Karrieresprung vom Stell­ brachten ihm den Impuls, sich über seine eigent­
vertreter in die Führungsrolle ist dieses Prin­ liche Richtung klar zu werden.
zip immer wieder zu beobachten. Wie es gebo­
rene Führungspersönlichkeiten gibt, gibt es Der Aufstieg sollte gut durchdacht sein
Madeleine Leitner, Karrierecoach: „Der auch typische Stellvertreter. Geraten diese
Anspruch auf Führung darf nie mit der
nichtsahnend oder aus falschem Ehrgeiz in Andere Klienten – die geborenen Stellvertreter
Eignung verwechselt werden.“
eine Führungsposition, sind sie zum Scheitern – bestärkt Madeleine Leitner dagegen darin,
verurteilt. Der Weg zurück gilt als klassischer sich besser nicht durch den Erwartungsdruck
Karriereknick und ist, wenn überhaupt, nur von außen oder falschen Ehrgeiz zum nächsten
unter großen Schwierigkeiten zu realisieren. Karriereschritt verleiten zu lassen. Häufig sind
es Menschen, die sich wie kleine Brüder oder
Madeleine Leitner, die seit über zwei Jahrzehn­ Schwestern nicht trauen, die Verantwortung
ten Fach- und Führungskräfte in Fragen der zu übernehmen. Ihre Talente gehen eher in
Karriereplanung berät, kennt das Problem nur eine andere Richtung. Gerade für sie entsteht
Bleiben oder zu gut. Immer wieder wird sie von Klienten ein gewisses Risiko, wenn der Platz an der
­aufsteigen? ­gefragt, ob sie den Sprung in die erste Reihe Spitze vakant wird. Schließlich weiß man nie,
1. Für das Bleiben spricht, sich wagen sollen. Meistens werden sie dazu durch wer nachkommt. „Dann empfehle ich“, so Leit­
nicht unnötig unter Druck set- äußere Umstände genötigt. Chefs, mit denen ner, „aktiv nach einer Person Ausschau zu hal­
zen und nicht von falschem sie über Jahre harmonisch zusammengearbei­ ten, mit der man voraussichtlich als Zweiter in
Ehrgeiz antreiben zu lassen. tet haben, rücken auf verantwortungsvollere Zukunft gut harmoniert.“ Als Fazit rät sie dar­
2. Den Aufstieg sollten jene in Positionen vor und hinterlassen ein Vakuum. um: „Der Schritt zur Übernahme der Rolle des
Angriff nehmen, denen aus Erben, die in die Rolle des Familienunterneh­ Ersten muss – sowohl aus der Perspek­tive des
­ihrem Umfeld Führungsqualitä-
mers hineingeboren werden, droht durch das Betroffenen als auch aus der des Unterneh­
ten bescheinigt werden und
fortschreitende Alter der Patriarchen die Über­ mens – gut durchdacht sein. Auch darf der An­
Foto: Leitner

die den unbedingten Willen


mitbringen, die Nummer eins nahme von Rollen, die sie womöglich nie aus­ spruch auf Führung nie mit der Eignung ver­
zu sein. füllen können. Startups wachsen, so dass von wechselt werden.“  (hk)
44   Job & Karriere      2018   19-20

„Wir wollen keine angepassten Karrieristen,


sondern Mitarbeiter mit Charakter“
Kreative Querdenker mit einem Lebenslauf, der ruhig auch Brüche enthält,
das sind die IT-Profis, die in das Beuteschema von Jochen Razum fallen. Dem
Geschäftsführer von Quadient (ehemals GMC Software) gefallen Spezialisten,
die sich ausprobieren und etwas wagen.

Von Hans Königes, CW: Können Sie das Profil eines IT-Mitarbei- geworden sind – also Leute, die sich zwar in ih­
leitender Redakteur
ters in der Digitalwirtschaft beschreiben? rem Schwerpunkt gut auskennen, aber auch aus
an­grenzenden Bereichen Erfahrungen mitbrin­
RAZUM: Es gibt oft nicht mehr die eine Aufga­ gen oder ihnen gegenüber offen sind.
benstellung, die sich losgelöst von allem anderen
betrach­ten lässt. Durch die digitale Transfor­ CW: Welche Lebensläufe finden also Ihr
mation können heute Prozesse miteinander Wohlwollen?
vernetzt werden, die zuvor getrennt betrachtet
wurden. Die Anforderungen unserer Kunden RAZUM: Früher waren die loyalen Experten ge­
an unser Unternehmen und unsere Mitarbeiter fragt, die sich mit ihrem Fachwissen langfristig
sind in den letzten Jahren immer spezieller und an ein Unternehmen binden wollten. Die gibt es
komplexer geworden. Früher haben wir gezielt auch heute noch, doch die Erfahrung hat gezeigt,
nach Leuten mit der Kompetenz gesucht, einen dass die linearen, unterbrechungsfreien Lebens­
Prozess auf den nächsten Level zu bringen. läufe aussterben. Die Menschen, die wir heute
Wir haben mittlerweile die Erfahrung gemacht, suchen, sind die „agilen“ – qualifizierte Leute,
dass Mitarbeiter, die über den Tellerrand der ei­ die in ihrer Vergangenheit vielleicht mehrfach
genen Arbeit hinaussehen, besonders wertvoll ihre Arbeitsstelle gewechselt haben, um sich
auszuprobieren. Jene also, die in ihren Lebens­
läufen mehrere Stationen absolviert haben –
mal mit sechs, mal mit neun Monaten – und
Jochen Razum, Quadient:
„Früher waren die loyalen auch, hart ausgedrückt, den „Arsch in der Hose“
Experten gefragt, die sich hatten, beispielsweise nach der Probezeit die
mit ihrem Fachwissen
langfristig an ein Unter- Reißleine zu ziehen und sich neu zu orientieren.
nehmen binden wollten, Wenn man sich ansieht, was für Menschen gro­
heute suchen wir die agi-
ße Unternehmen wie Oracle, Microsoft und SAP
len.“
suchen, erkennen wir einen Trend in diese Rich­
tung. Häufig handelt es sich dabei um hoch­
qualifizierte Freelancer und Selbständige.

CW: Häufige Jobwechsel könnten aber auch


auf Job-Hopping hindeuten. Wie erkennen
Sie, welche Mitarbeiter zu halten sich lohnt?

RAZUM: Wir wollen natürlich keine angepass­


ten Karrieristen. Was wir suchen, sind Leute
mit Charakter und Haltung. Wir versuchen un­
sere Bewerber zu motivieren, über erfolgskriti­
Fotos: Quadient; MHP

sche Momente in ihrem Leben zu sprechen. Was


haben sie getan, wie haben sie gedacht, wie
motiviert waren sie, um auch außerhalb ihrer
Komfortzone Probleme zu lösen oder Kollegen
Ratgeber
Karriere
Leser fragen,
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antworten

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mitzuziehen? Diese Momente können sowohl nehmer mit eigener Zeiteinteilung und Priori-
Vom 2. bis 15. Mai 2018 beant-
beruflicher als auch privater Natur sein. Oft sierung, der aber von einer Hierarchie unter- wortet Michael Appel von MHP
merkt man schon an der Wahl der Worte, ob der stützt wird, die ihm Struktur, Organisation und Fragen von Interessenten, die in
Mindset passt: Spricht der Bewerber oft von Systeme an die Hand gibt. Wir wollen ein Ar- einem Beratungshaus Fuß fassen
„wir“ und „ich“ oder allgemein von „man“? Viele beitsumfeld schaffen, das sich durch g­ elebtes wollen. Er möchte all jenen Mut
machen, die keinen geradlinigen
sind in ihren früheren Positionen als One-Man- Vertrauen, Transparenz, eine offene Fehlerkul-
Lebenslauf vorzuweisen haben.
Show gescheitert, weil ihnen beispielsweise ge- tur und disziplinierte Selbstverantwortung
Direkt nach seinem Studium der
wisse Rahmen und Leit­planken gefehlt haben. auszeichnet. Unsere regelmäßigen internen
Wirtschaftsinformatik stieg Appel
Diese Menschen brauchen einen „Manager“, Team-Meetings dienen nicht rein der Erfolgs- 2006 bei der Management- und
der nicht komplett hierarchisch über ihnen sitzt, abfrage, sondern dem Austausch von Know- IT-Beratung MHP als Consultant ein.
sie aber motiviert und begeistert. how. Das birgt natürlich die Gefahr, dass wir Seitdem ist er die Karriereleiter
durch diese reduzierten Kontrollmechanismen ein paar Stufen nach oben geklet-
tert. Mittlerweile verantwortet der
CW: Wie und wo finden Sie diese Leute? auch erst relativ spät bemerken, wenn nicht
35-Jährige als Associated Partner
die entsprechenden Erfolge kommen. Von die-
den Bereich CIO Advisory & Tech-
RAZUM: Als internationales Unternehmen sen Mitarbeitern trennen wir uns aber auch nologies. Außerdem engagiert er
stellen wir fest, dass an unseren Standorten in wieder, wenn wir Defizite erkennen. sich intensiv im Recruiting. Weil
der Schweiz vielleicht einer von zehn Bewerbern sich die Anforderungen von MHP
unseren Erwartungen entspricht. In Osteuropa, CW: Auf welche Herausforderungen in puncto an potenzielle Mitarbeiter erheb-
lich wandeln, arbeitet Michael Ap-
wo ein Großteil unserer Softwareentwickler Personal und Organisation müssen sich
pel derzeit mit den Kollegen aus
­tätig ist, gibt es weniger Masse an Bewerbern, Arbeitgeber künftig einstellen? der HR-Abteilung an einem neuen
aber dort entspricht im Durchschnitt fast die Recruiting-Prozess: „Formale Zer-
Hälfte der Kandidaten unserem Bild. Deutsch- RAZUM: Damit Unternehmen flexibel auf die tifikate spielen zwar nach wie vor
land ist ein Umfeld, wo viel Bewegung im Markt unvorhersehbaren Veränderungen am Markt eine wichtige Rolle. Wir achten
aber viel stärker darauf, was die
herrscht, liegt aber mit einem Drittel im soliden reagieren können, werden langfristige Planun-
Kandidatinnen und Kandidaten
Mittelbereich. Ein weiterer wichtiger Punkt, den gen, Vorgaben, Kontrollen und bürokratische
außerdem zu bieten haben.“
es dabei im Hinterkopf zu behalten gilt: Haltung Strukturen bald der Vergangenheit angehören.
und Neugier sticht Fachwissen. Fach­wissen ist Ich glaube, dass sich Arbeitgeber noch mehr
natürlich immer ein Thema, aber nicht mehr in anstrengen müssen, um agile Umfelder für
der Tiefe und Ausprägung wie früher. Man Mitarbeiter zu schaffen. Wir werden uns weg-
könnte sagen: „Hire for attitude, train for skills“ bewegen von starren Hierarchien und Organi-
– wenn ein Mitarbeiter charakterlich zu uns sationsstrukturen, hin zu selbstorganisierten,
passt, macht ihn das noch wertvoller für uns. abteilungsübergreifenden Netzwerkstrukturen.

CW: Wie wollen Sie in der Personalarbeit Es wird dann weniger darum gehen, die
­gegenüber Unternehmen wie Microsoft und soundsovielte Vertriebsperson einzustellen,
Google bestehen? sondern darum, was in den kleinen, aufgaben-
orientierten Sub-Zellen und für die Innovations- Michael Appel,
RAZUM: Mit viel Selbständigkeit auf der einen kultur der jeweiligen Unternehmen benötigt MHP

Seite und richtungsweisenden Leitplanken und wird. Die digitale Transformation begünstigt
Vorgaben auf der anderen Seite. In gewisser diese Entwicklung und wird die Zusammenar-
Weise ist jeder Mitarbeiter ein kleiner Unter- beit erleichtern.  k www.cowo.de/p/554
46   Job & Karriere      2018   19-20

Das Ringen um die besten Freiberufler


erreicht einen neuen Höhepunkt
Um 13 Prozent auf 170 Punkte im Vergleich zum Vorjahresquartal stieg der Geco-
Index für IT-Freiberufler im ersten Quartal 2018. Der Index spiegelt den Bedarf
an IT-Freelancern wider – und der ist einmal mehr stark gestiegen.

M
arkus Reefschläger, Geschäftsführer Die zweite Auswertung, in der es um die Tech-
der Geco Deutschland GmbH, sieht nikerstundensätze geht, zeigt, was der Mangel
den Markt durch die Brille der Frei- an Fachkräften unterm Strich bedeutet: Gegen-
berufler, und da ergibt sich ein günstiges Bild: über dem Vorquartal stieg dieser Index um 3,8
„In den vergangenen zwei Jahren war eine Prozent. Geco-Chef Reefschläger kommentiert
durchweg positive Entwicklung im Markt zu dennoch eher gelassen: „Die Stundensätze der
erkennen.“ Themen wie IT-Security, Cloud Techniker bleiben stabil.“
Computing und Digitalisierung, die auch in der
aktuellen IDG-Studie zum Sourcing-Markt als Ein Wachstum von rund zehn Prozent auf 267
wichtigste Trends ausgemacht wurden, wer- Punkte gegenüber dem Vorquartal verzeichnet
den seiner Einschätzung nach auch zukünftig auch der Index für die Projektlaufzeiten. Für
den Freiberuflerbedarf treiben. die Freiberufler bedeutet das, dass sie länger-
fristiger planen können und nicht schon nach
Reefschläger geht davon aus – und das dürf­t e kurzer Zeit Ausschau nach einem neuen Projekt
die Einkäufer und die IT-Verantwortlichen in halten müssen. Es ist aber auch ein Hinweis
den Unternehmen nicht unbedingt begeistern darauf, dass in den Unternehmen Budgets für
–, dass die Beraterstundensätze noch weiter größere Projekte frei werden und dass man an
steigen werden. Im ersten Quartal des laufen- einer längerfristigen Zusammenarbeit mit
den Jahres stieg der Geco-Index bei den Bera- Freelancern interessiert ist – erst recht in Zei-
terhonoraren auf 146 Punkte, was gegenüber ten des IT-Fachkräftemangels. Ebenfalls ein
dem vierten Quartal 2017 ein Plus von etwa Plus von knapp über zehn Prozent verzeichnen
zehn Prozentpunkten bedeutet. Bis 2019 rech- die Projektanfragen, die auf 134 Punkte stie-
net der Geco-Chef mit einem weiteren Anstieg. gen.  (hk)

Der Geco-Freiberufler-Index ... Viele Projekte bedeuten viel Arbeit für Freelancer
... wird quartalsweise von der Alle vier Kenngrößen, die Stundensätze von Beratern und Technikern, aber auch die Pro-
Geco AG in Hamburg erhoben. jektanfragen und -laufzeiten gehen nach oben. Der digitale Wandel macht‘s möglich.
Der Index vergleicht die einzelnen
Quartale des aktuellen Geschäfts- Berater/Stundensätze
jahres mit den vergleichbaren Zeit­ 133
146
räumen der vorangegangenen Techniker/Stundensätze
Jahre. Die Grundlage der neuen 129
134
Berechnungen bildet das Ge-
Projektlaufzeiten
schäftsjahr 2009 (Basis = 100). 242
267
Der Index setzt sich aus den vier
Projektanfragen
Werten Berater-, Technikerstun- 119
densätze, Projektlaufzeiten und 134

Pro­jektanfragen zusammen. Gesamtindex


156
170

Quartal 4/2017 Gesamtindex Quartal 4/2017 Quelle: Geco


Quartal 1/2018 Gesamtindex Quartal 1/2018
Stellenmarkt  47

Jobangebote aus IT & Telekommunikation


Wissenschaftlicher Mitarbeiter (w/m) im Bereich Bioinformatik Anwendungsentwickler / Systembetreuer IBM Mailframe (m/w)
ID  007620192 ID  007647592
StepStone 5sp.indd 1Universitätsklinikum Münster • Münster Lucke EDV GmbH • Großraum Düsseldorf 27.02.2007 12:02:32 Uhr

UX/UI-Designer (m/w) ROSSMANN App IT Systemprogrammierer Mainframe (m/w)


ID  007568109 ID  007647475
Dirk Rossmann GmbH • Burgwedel Lucke EDV GmbH • Großraum Düsseldorf
Daimler IT Projektmanager (m/w) Output & Document Management Mitarbeiterin / Mitarbeiter System- und Anwendungsbetreuung
ID  007726224 ID  007627448
Daimler Financial Services AG • Stuttgart Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers • Hannover
IT Netzwerk- und Systemadministrator (m/w) IT-Systemadministrator (m/w)
ID  007675055 ID  007624835
Schattdecor AG • Thansau GAYKO Fenster-Türenwerk GmbH • Wilnsdorf
Senior Software Developer (m/w) Netzwerkadministrator IT-Infrastruktur (m/w)
ID  007658799 ID  007444185
Tecan Software Competence Center GmbH • Mainz-Kastel msg life ag • München
Informatiker (m/w) • Bayerisches Landesamt für Gesundheit und  IT Consultant (m/w) Software Development
ID  007658296 ID  007505328
Lebensmittelsicherheit • Nürnberg, Gemünden am Main Continental AG • Lindau am Bodensee
Software-Entwickler (m/w) Enterprise • Lachmann & Rink Ingenieurgesellschaft für  Microsoft Teams & Skype for Business Berater (w/m)
ID  007651416 ID  007487716
Prozeßrechner- und Mikrocomputeranwendungen mbH • Freudenberg, Dortmund HanseVision GmbH - the redmond integrators • deutschlandweit
IT-Systemkaufmann/-frau Softwareentwickler (m/w) Fahrzeugintegration Audiosysteme
ID  007656684 ID  007482284
Paulinenpflege Winnenden e.V. • Winnenden Paragon AG • Delbrück
Full-Stack Web Developer (m/w) Webentwickler (w/m) Backend, Frontend
ID  007651480 ID  007411034
E. M. Group Holding AG • München, Wertingen bei Augsburg Paradigma Software GmbH • Berlin, München
IT-Mitarbeiter (m/w) bzw. MFA / VMFA, MTLA / VMTA (m/w) Leiter/-in des Referats „Informationstechnik“
ID  007651218 ID  007504484
SYNLAB Holding Deutschland GmbH • Augsburg Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) • Berlin, Salzgitter
Leitung (m/w) der Stabstelle „Technische Koordination“ IT-Systemadministrator (m/w)
ID  007643532 ID  007443712
Der Präsident des Kammergerichts • Berlin IT-TEC GmbH • Reinfeld
Mitarbeiter (m/w) im technischen Kundensupport Leiter (w/m) Gruppe IT-Netzwerke
ID  007644302 ID  007559727
secunet Security Networks AG • Essen DEVK Versicherungen • Köln
Business Intelligence Expert (m/w) Schwerpunkt Entwicklung Release Manager (m/w) Softwarekonfiguration
ID  007623040 ID  007521567
Melitta Business Service Center GmbH & Co. KG • Minden Scheidt & Bachmann GmbH • Mönchengladbach
IT Consultant SAP Services - Modul SD (m/w) Systemadministrator (m/w) Applikationen
ID  007595521 ID  007508751
Melitta Business Service Center GmbH & Co. KG • Bremen Dirk Rossmann GmbH • Burgwedel
BI-Entwickler/in SAP Project Manager / Consultant (m/w)
ID  007508546 ID  007505327
CSG make IT GmbH • Münster Continental AG • Regensburg
Support Mitarbeiter (m/w) SAP / Business Applications IT Infrastruktur & Client Management Expert (m/w)
ID  007477666 ID  007500223
Endress+Hauser InfoServe GmbH+Co. KG • Freiburg im Breisgau Melitta Business Service Center GmbH & Co. KG • Bremen
SAP HCM Project Manager (m/w) Scrum Master/in
ID  007482465 ID  007497777
Schaeffler Technologies AG & Co. KG • Nürnberg autinity systems GmbH • Chemnitz
Webentwickler (m/w) Smart Services • MULTIVAC Sepp Haggenmüller SE &  Senior Cloud Architect (m/w) JAVA-EE
ID  007412758 ID  007444136
Co. KG • Wolfertschwenden Raum Memmingen Scheidt & Bachmann GmbH • Mönchengladbach
Fachinformatiker/IT-Systemelektroniker (w/m) Schwerpunkt Infrastructure JAVA / JAVA-EE Entwickler (m/w)
ID  007705666 ID  007443759
Hutchinson Aerospace GmbH • Nobitz Scheidt & Bachmann GmbH • Mönchengladbach
IT-Mitarbeiter/in für BI- und Reporting-Systeme SAP- / KIRP-Berater (m/w) in der Kasse
ID  007705035 ID  007506468
Normfest GmbH • Velbert Zweckverband Kommunale Datenverarbeitung Region Stuttgart • Stuttgart
Front-end Web Developer (m/w) Anwendungsentwickler/in
ID  007633018 ID  007508547
Administration Intelligence AG • Würzburg CSG make IT GmbH • Münster
DevOps Engineer (m/w) IT-Anwendungsentwickler (w/m)
ID  007455921 ID  007497177
Endress+Hauser Conducta GmbH+Co. KG • Gerlingen technotrans AG • Sassenberg
Softwareentwickler Migrationstechnik (m/w) Java-Software-Entwickler (w/m)
ID  007255915 ID  007474533
msg life • Hamburg, Köln, Leinfelden-Echterdingen, München SoftProject GmbH • Ettlingen, Hannover, Köln, Frankfurt
IT-Netzwerkspezialist / Administrator (m/w) Softwareentwickler (m/w)
ID  007661644 ID  007473529
Hochschule Ludwigshafen am Rhein • Ludwigshafen am Rhein cbb software GmbH • Lübeck, Sauerland
CAD PDM Projektmitarbeiter (m/w) Software Entwickler / Software Developer GIS / Geoinformatik (m/w)
ID  007656517 ID  007412984
Hölscher Holding GmbH • Kerpen bei Köln Hexagon Safety & Infrastructure • Bonn
Fachinformatiker Anwendungsentwicklung (m/w) Projektleiter/in IT-Audit
ID  007669830 ID  007423854
Hölscher Holding GmbH • Kerpen bei Köln Porsche AG • Zuffenhausen

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Sonderdruck aus Ausgabe 2017 – 51-52 vom 18. Dezember 2017

Die Cloud befeuert die


digitale Transformation
Ein Oligopol aus AWS, Microsoft und Google
beherrscht den weltweiten Cloud-Markt,
Kubernetes setzt sich als Microservices-
Plattform durch, und Microsoft Azure Stack
wird eine Erfolgsgeschichte. Diese und
weitere Prognosen formuliert Forrester
Research für 2018.

W
Von Wolfgang Herrmann, ie keine andere Technologie habe Die Cloud hat Unternehmen aller Größenklas­
Deputy Editorial Director Cloud Computing die digitale sen sowie sämtliche Branchen und Regionen
Transformation befeuert, meint durchdrungen, so Bartolettis Bestandsauf­
Dave Bartoletti, Vice President und Principal nahme. 2018 wird der Cloud­Markt eine „magi­
Analyst bei Forrester. Disruptive Verände­ sche Schwelle“ überschreiten, erwarten die
rungen beobachtet er nicht nur in der Art, Forrester­Experten. Mehr als die Hälfte der
wie Unternehmen Technologie mit Hilfe von Unternehmen weltweit werde dann mindes­
Public­Cloud­Plattformen konsumieren. tens eine Public­Cloud­Plattform nutzen, um
Vielmehr legten die „globalen Megaclouds“ den digitalen Wandel voranzutreiben. Die Um­
in Sachen Innovationen ein atemberaubendes sätze im Public­Cloud­Markt liegen laut For­
Tempo vor, das in den meisten Organisationen rester­Berechnungen 2017 bei 146 Milliarden
zu weitreichenden Veränderungen führen Dollar und sollen 2018 auf 178 Milliarden Dol­
werde. lar steigen. Die Analysten gehen von einer an­
haltenden jährlichen Wachstumsrate von
Die Liste verfügbarer Cloud­Dienste wird im­ durchschnittlich 22 Prozent aus.
mer länger: Neue Analytics­ und Machine­
Learning­Services gehören ebenso dazu wie Public­Cloud­Plattformen bilden 2018 mit ei­
IoT­, Edge­Computing­ oder auch Datenbank­ nem Umsatz von 44 Milliarden Dollar das am
services. Selbst Blockchain as a Service zählt schnellsten wachsende Segment im globalen
mittlerweile zum Portfolio einiger Anbieter. Cloud­Markt. Dennoch nutzen laut Forrester
Hinzu kommen Container­basierte Plattfor­ aktuell lediglich 33 Prozent der nordamerika­

TOP-Artikel als Sonderdruck


men, noch einfacher nutzbare SaaS­Angebote nischen und 39 Prozent der europäischen Un­
und schließlich Integrations­ und API­Dienste, ternehmen öffentliche Cloud­Dienste. In einer
die Unternehmen helfen, alle Komponenten weltweiten Umfrage unter Entscheidern gab
miteinander zu verzahnen. zudem nur ein Viertel der befragten Entschei­

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  2018   19-20    Info & Services  49

Was tun, wenn


Netzwerke im Griff Hacker angreifen?
TecChannel
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Erfahren Sie in unserem Webcast „So reagieren


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COMPACT

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Sie auf Hacker-Angriffe“, wie es gelingt, Cyber­
it im mittelstand

Befeuert durch
R AT G E B E R ■ T I P P S ■ P R A X I S

Netzwerk
Netzwerk

das Internet Attacken abzuwehren und sich präventiv zu


Trends

schützen. Manfred Fochler und Stefan Mardak,


Trends

of Things (IoT)
Standards: IEEE 802.11ax
und WPA3 im Check
Mesh-Netzwerke

Webcast: Legacy-Modernisierung

■ Virtuelle Infrastrukturen

und die Digi-


im Unternehmensnetz

zwei Security-Spezialisten von Akamai, erklären


■ IP-Telefonie: Das sind die
Sicherheit

Vor- und Nachteile

Wann: 29. Mai 2018, 11 Uhr


Sicherheit Administration

talisierung
■ VPNs fehlerfrei aufsetzen ■ Penetration: So spüren Sie
und optimal einrichten Sicherheitslücken auf

COMPUTERWOCHE-Lesern, welche Erfahrungen


■ Praxis: Zertifikats- und ■ Gekonnt: Netzwerkanalyse
Schlüssel-Management per Kommandozeile
Administration

Wo: https://webcast.idg.de/content/
■ Schutz vor DNS-Leaks ■ Sechs NAS im Praxis-Test
■ Kompendium: Wo die ■ Top-Tools für Netzwerk,

wächst die
Gefahren überall lauern VPN, Fritzbox und Router

Tec_Titel_NEU.indd 1 23.04.18 12:06

andere Firmen mit Angriffen gemacht haben und von-wegen-dinosaurier


Anzahl vernetzter Geräte unauf-
hörlich weiter. LANs, WLANs welche Schutzmaßnahmen Zeit und Ressourcen
und mobile Netze müssen ga- sparen, dabei aber dennoch hochwirksam sind. Ein
rantiert sicher, hochverfügbar Grundproblem ist, dass Firmen, die im Internet So modernisieren
und schnell sein. Zudem kündi-
gen sich neue Funkstandards
wachsen wollen, immer mehr auf automatisierten Sie Ihre Legacy-Welt
Datenverkehr über APIs setzen. Doch das haben
an, die noch mehr Performance
im mobilen Bereich verspre-
die Hacker erkannt und nutzen diese Schnittstel- In Zusammenarbeit mit SAP veranstaltet die
chen. In unserem TecChannel len als Angriffspunkte, um unbemerkt in Unter- COMPUTERWOCHE einen Webcast, in dem es
Compact „Netzwerk“ informie- nehmensnetze einzudringen. um die Frage geht: „Wie gelingt es, Mainframe-
ren wir unsere Leser deshalb und Legacy-Architekturen fit für die Zukunft zu
ausführlich über neue Netzwerk­
machen?“ Zu Gast bei Moderator Detlef Korus
technologien und beleuchten
sind Matthias Nolte, Head of Business Intelli-
die spezifischen Vorteile und
Risiken der Verfahren genauer. gence Services bei der LBB AG, und Heiko Be-
Auch der All-IP-Umstieg und nisch, Principal Solution Architect bei der SAP
seine Folgen kommen nicht zu Deutschland AG & Co. KG.
kurz. In dem Webcast wird es unter anderem darum
https://shop.tecchannel.de ­gehen, wie IT-Verantwortliche Innovationen im
Mainframe-Umfeld schaffen und ihre Legacy-Ar-
Datum: Anmelden unter: chitekturen trotz massiven Lastanstiegs beherr-
Beilagenhinweis: 17. Mai 2018, https://w.idg.de/2r0Jq7D schen können. Im Mittelpunkt steht zudem die
Vollbeilage: Sigs Datacom 10 Uhr Frage, wie sich Datensilos vermeiden und neue
GmbH, Troisdorf. Geschäftsmodelle anschieben lassen.

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50   IT in Zahlen      2018   19-20

Sicherheit und geringere Ausfallzeiten sind Legacy-Modernisierung spielt bei der


Motive für Cloud-Migration Cloud-Migration eine Rolle

ITler haben pragmatische Gründe für den Wechsel in die Ein Drittel der Anwender will seine Altanwendungen mit
Cloud . Sie hoffen vor allem auf eine höhere IT-Sicherheit dem Übergang in eine private , hybride oder öffentliche
sowie auf weniger Unterbrechungen . Cloud modernisieren , fast die Hälfte zumindest teilweise .

Geringere Ausfallzeiten
33,8 7,5
Mehr Sicherheit
32,1 11,5
Bessere Ressourcenverteilung
31,5 Nutzt Ihr Unternehmen die 35,1
Beschleunigung der bestehenden Geschäftsprozesse/Effizienzsteigerung Cloud-Migration auch dazu,
31,1 Altanwendungen
beziehungsweise
Kostensenkung durch Zeiteinsparungen
28,2 Legacy-Systeme zu
modernisieren?
Kostensenkung durch Prozessbeschleunigung
27,9

Verstärkte Automatisierung
27,9 45,9

Höherer Bedienkomfort/höhere Usability


27,5
Ja, in starkem Maße
Kostensenkung in der Wartung
Ja, teilweise/in geringem Maße
26,6
Nein
Steigerung der Skalierbarkeit Weiß nicht
25,6

Angaben in Prozent; Mehrfachnennungen möglich; Basis: n = 305;


Quelle: IDG Research, Studie Cloud Migration, Download: https://w.idg.de/2HwCOnM; Angaben in Prozent; Basis: n = 305; Quelle: IDG Research, Studie Cloud Migration,
Preis: 299,- Euro Download: https://w.idg.de/2HwCOnM; Preis: 299,- Euro

Wer künstliche Intelligenz Studentinnen entdecken


nutzt , ist profitabler die Informatik

Was viele Unternehmen längst ahnen , ist laut McKinsey Von den 39.000 Studenten , die 2016 ein Informatikstudium
­definitiv richtig: In den meisten Branchen lässt sich die aufgenommen haben , waren knapp 9000 weiblich . Die
­Profitmarge durch den KI-Einsatz erheblich erhöhen . Quote steigt langsam , aber kontinuierlich .

-10 -5 0 5 10 15 20 39.018
37.219
Hightech und Telekommunikation 35.439
Automotive und Montage 33.127 33.406
32.349
Finanzdienstleistungen
Versorger und Rohstofflieferanten
Transport und Logistik
Konsumgüter
Handel
26.853 25.506 26.121 27.571 28.700 30.052
Bildung und Erziehung
Gesundheitswesen
Bauwesen und Baustoffe
Professional Services
Reise und Tourismus
6274 6843 7285 7868 8519 8966
KI-Anwender mit einer proaktiven Strategie
KI-Anwender, die KI-Lösungen testen und/oder teilweise nutzen
2011 2012 2013 2014 2015 2016
Unternehmen ohne KI-Einsatz
Quelle: McKinsey Global Institute; Studie zum kostenlosen PDF-Download unter Männer Frauen
https://w.idg.de/2JrYbXD Studierende im 1. Hochschulsemester im Fach Informatik; Quelle: Destatis/Bitkom
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Fotografie: Merla/Shutterstock Premier

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