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Schriften zur Medienproduktion

Fabian Liebrich

Digitale
Medienprodukte in
der Arzt-Patienten-
Kommunikation
Chancen und Risiken einer
personalisierten Medizin
Schriften zur Medienproduktion

Herausgegeben von
H. Krömker, Ilmenau, Deutschland
P. Klimsa, Ilmenau, Deutschland
Diese Schriftenreihe betrachtet die „Medienproduktion“ als wissenschaftlichen
Gegenstand. Unter Medienproduktion wird dabei das facettenreiche Zusammen-
spiel von Technik, Content und Organisation verstanden, das in den verschiedenen
Medienbranchen völlig unterschiedliche Ausprägungen findet.

Im Fokus der Reihe steht das Finden von wissenschaftlich fundierten Antworten
auf praxisrelevante Fragestellungen der Medienproduktion. Umfangreiches Erfah-
rungswissen soll hier systematisch aufbereitet und in generalisierbare, so weit wie
möglich theoriegeleitete Erkenntnisse überführt werden. Da im Bereich Medien der
Rezipient eine besondere Rolle spielt, räumt die Schriftenreihe der Mensch-Maschine-
Kommunikation einen hohen Stellenwert ein.

Herausgegeben von
Prof. Dr. Heidi Krömker, Prof. Dr. Paul Klimsa,
Fachgebiet Medienproduktion, Fachgebiet Kommunikations­
TU Ilmenau wissenschaft, TU Ilmenau
Fabian Liebrich

Digitale Medienprodukte
in der Arzt-Patienten-
Kommunikation
Chancen und Risiken einer
personalisierten Medizin
Fabian Liebrich
Berlin, Deutschland

Schriften zur Medienproduktion


ISBN 978-3-658-17234-3 ISBN 978-3-658-17235-0  (eBook)
DOI 10.1007/978-3-658-17235-0

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen National­


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Zusammenfassung

Die technologischen rrungenschaften der letzten Jahre, meistens unter dem Be-
griff Digitalisierung zusammengefasst, haben mittlerweile nahezu alle Lebensbe-
reiche erreicht und verändert. Auch die Medizin ist durch den technischen Fort-
schritt zunehmend digitalisiert worden. Die Durchdringung des Internets und das
Aufkommen von Smartphones, Apps und anderen digitalen Gesundheitsangebo-
ten wie Wearables, haben au erdem dazu geführt, dass Patienten immer mehr
M glichkeiten haben, medizinische Informationen selbst zu erheben. Diese Ange-
bote werden unter dem Begriff eHealth (electronic health) zusammengefasst. Die
Nutzung solcher Angebote hat weiterhin dazu geführt, dass sich die Art und Weise
verändert hat, wie Patienten mit ihren rzten in Dialog treten und kommunizieren.
Die vorliegende Studie beschäftigt sich mit der Frage, welchen influss die Nut-
zung solcher eHealth Angebote auf die heutige Arzt-Patienten-Kommunikation
(APK) hat und welche Folgen für das Verhältnis zwischen Arzt und Patient hier-
durch zu erwarten sind. Mit Hilfe des momentanen Forschungsstandes und vor-
handenen theoretischen Ansätzen aus Soziologie und Kommunikationswissen-
schaft, in Kombination mit 10 xperteninterviews mit praktizierenden rzten und
deren ualitativen Analyse, wurde dieser Frage in einem explorativen Forschungs-
design nachgegangen.
Die rgebnisse dieser Analyse zeigen, dass ein verstärktes Interesse an ge-
sundheitlichen Themen und einer intensivierten Nutzung von eHealth Angeboten
dazu geführt haben, dass sich die soziale Rolle des Patienten und auch die des
Arztes ma geblich verändert hat. War der Patient früher lediglich Zuh rer einer
einseitigen APK, ist er heute aktiver Kommunikationspartner seines Arztes in ei-
nem konstruktiven Dialog. Zumindest entspricht dies laut Meinung der befragten
rzte einem Idealzustand, der allerdings noch nicht bei allen Akteuren angekom-
men zu sein scheint. Sowohl auf Seiten der rzte, als auch bei Patienten und staat-
lichen Stellen, sind noch einige Hürden zu nehmen, bis eine effektive ganzheitli-
che und digitale Gesundheitskommunikation erreicht ist.
Abstract

The digitalization, fre uently used as a synonym for the global technological pro-
gress, is nowadays affecting almost every area of life. Also medicine has experi-
enced fundamental changes that led to a variety of new possibilities not only for
practitioners but also for patients. Today achievements like smartphones, medical
apps and several other health related digital devices enable patients to measure,
analyse and share their own health data. Moreover they have access to a broad
variety of medical information presented in the WWW as well as generated by
numerous computerized applications in a rapidly growing technically boosted
health care market. These services are summarized as eHealth (electronic health)
which crucially contributed to the altered circumstances in which patients com-
municate with their treating physician. The present study is concerned with the
uestion about the impact these eHealth services might have on the communica-
tion between doctors and patients and what conse uences can be observed in the
future physician-patient relations. By means of the current state of research, sci-
entific theories of sociology and communication science in combination with in-
terviews of 10 practitioners, this paper seeks to provide answers that might help to
improve the current scientific knowledge about the sensitive relationship between
doctors and patients. The results indicate that the usage of eHealth services lead to
a changed meaning of the doctor s and the patient s role in the physician-patient
relationship. Compared to the past when patients only were silent listeners to the
doctor s verdict, today s patients are on a par with their physicians and as an active
partner they seek to contribute their knowledge to the physician-patient consulta-
tion. The aim of both players is to use eHealth services and data to improve a
personalized medical treatment. However, despite all efforts to create an optimized
health care system there are in practice still several boundaries that inhibit an ef-
fective implementation of digital health services. Resulting from that practitioners,
patients and governmental intuitions should work together on a broad eHealth
strategy that allows them to evaluate and use eHealth in the way that serves eve-
ryone s needs in a modern health system. Certification of information platforms
and computer based applications as well as training of medical experts for master-
ing the sensitive doctor-patient communication should be some of the tasks to be
tackled soon.
nhalt

1  inleitung ...................................................................................................... 1 
2  Stand der Forschung ..................................................................................... 5 
2.1  Strukturelle und rechtliche Besonderheiten des deutschen
Gesundheitsmarktes................................................................................ 6 
2.1.1  in berblick ................................................................................ 6 
2.1.2  Teilnehmer und Strukturen des deutschen Gesundheitsmarkts ..... 7 
2.1.3  Status uo der staatlichen Regulierung ......................................... 8 
2.2  Der digitale Wandel in der Medizin ..................................................... 11 
2.2.1  Individualisierung und Personalisierung der Medizin................. 12 
2.2.2  Big Data in medizinischen inrichtungen................................... 14 
2.2.3  Das Internet als neue uelle für gesundheitsbezogene
Informationen.............................................................................. 15 
2.2.4  uantified Self-Produkte Der Trend zur Selbstvermessung .... 19 
2.2.5  Fitness- und Medical-Apps ......................................................... 25 
2.2.6  Bisherige rfahrungen von rzten mit eHealth .......................... 28 
2.3  Kommunikation in der Medizin ........................................................... 31 
2.3.1  ntstehung einer Gesundheitskommunikation ............................ 31 
2.3.2  Gesundheitskommunikation als interdisziplinäres
Forschungsfeld ............................................................................ 32 
2.3.3  Kommunikative Aspekte des Arzt-Patienten Verhältnisses ........ 34 
3  Theoretische Hintergründe.......................................................................... 43 
3.1  Der Krankheitsbegriff in der Sozialwissenschaft ................................. 43 
3.2  Die Communication Privacy Management Theorie ............................. 44 
3.3  Vertrauen in den Sozialwissenschaften ................................................ 45 
3.4  Bedeutung von Vertrauen für Theorie der Kognitiven Dissonanz ....... 46 
Inhalt

3.5  in sensibilisiertes Konzept zur Arzt-Patienten Kommunikation ........ 46 


4  Forschungslücke und Forschungsfragen ..................................................... 49 
5  Methodisches Vorgehen ............................................................................. 53 
5.1  Strategie und Untersuchungsdesign...................................................... 53 
5.2  xpertenak uise ................................................................................... 54 
5.3  Datenerhebungsmethode ...................................................................... 55 
5.3.1  Das xperteninterview ................................................................ 55 
5.3.2  Konstruktion des Leitfadens ....................................................... 56 
5.3.3  Durchführung der Interviews und Vorbereitung der Analyse ..... 57 
5.4  ualitative Auswertung ........................................................................ 58 
5.4.1  Beschreibung des Vorgehens ...................................................... 58 
5.4.2  Bildung des Kategoriensystems .................................................. 59 
5.4.3  Codierprozess mit MA DA .................................................... 60 
5.4.4  Thematische Zusammenfassung und Fallübersicht..................... 61 
6  rgebnisse ................................................................................................... 65 
6.1  rfahrungen der rzte mit eHealth ...................................................... 65 
6.2  rwartungen der Patienten an eHealth aus rztesicht .......................... 69 
6.3  Wahrgenommene Veränderungen in der APK ..................................... 70 
6.4  Ausblick in die Zukunft der APK ......................................................... 73 
6.4.1  Die Rolle des informierten Patienten .......................................... 74 
6.4.2  Die zukünftige Rolle des Arztes ................................................. 75 
7  Diskussion der rgebnisse .......................................................................... 79 
8  Beantwortung der Forschungsfragen .......................................................... 83 
8.1  UFF1: Nutzen von eHealth für den Arzt .............................................. 83 
8.2  UFF2: rwartungen der Patienten an eHealth ...................................... 84 
8.3  UFF3: Chancen, Risiken und Zukunft von eHealth auf die APK......... 85 
9  Kritische Reflexion und Ausblick ............................................................... 89 
9.1  Heterogenität der befragten xperten ................................................... 89 
Inhalt I

9.2  Soziale rwünschtheit .......................................................................... 89 


9.3  Repräsentativität ................................................................................... 90 
9.4  Grenzen der Methode ........................................................................... 90 
Abbildungs und abellenverzeichnis

Abbildung 1:  Arzt-Patienten-Beziehung nach G ppert (1980) ............... 35 


Abbildung 2:  Häufigkeitsverteilung (Anzahl Codings) zu Bewertungen
der ualität von eHealth .................................................... 66

Tabelle 1:  Aus Leitfaden abgeleitete Vorabkategorien ........................... 60 


Tabelle 2:  Codesystem aus MA DA ................................................... 62 
1 Einleitung

ine Verweigerung, a auch schon eine Passivität der Medizin gegenüber der digita-
len Revolution ist absolut kontraindiziert. Kontraindiziert, weil wir damit eine riesige
Chance vergeben würden, den Weg mit zu bestimmen. Kontraindiziert auch deshalb,
weil wir ualität der Datenerhebung und bermittlung beurteilen und unsere Patien-
ten beraten müssen. ( ) Gesundheitsdaten k nnen ohne Praxisbesuch erhoben und
kontinuierlich übermittelt werden. Mobile-eHealth wird damit in Zukunft Patienten
entlasten, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Und MobileHealth wird zur
Schlie ung von Versorgungslücken in ländlichen Regionen beitragen (Hasenfu ,
2016b).

Krankheiten sind so alt wie das Leben selbst. Genauso alt wie die Auseinanderset-
zung des Menschen mit dem eigenen Wohlbefinden. Die wissenschaftliche Aus-
einandersetzung mit der Medizin, der Wissenschaft vom gesunden und kranken
Organismus des Menschen, von seinen Krankheiten, ihrer Verhütung und Hei-
lung (Duden Online, 2016), hat eine dementsprechend lange Tradition und geh rt
damit zu den ältesten Wissenschaften überhaupt. So wie der Mensch selbst, ent-
wickelt sich auch die Medizin stetig weiter und ist aus heutiger Sicht so wirkungs-
voll wie nie zuvor ( ckart, 2001, S. 3), was sie nicht zuletzt den äu erst dynami-
schen technologischen Fortschritten der letzten Jahre und Jahrzehnte zu verdanken
hat.
Wenn Patienten früher rzten gegenübertraten, kam es zu einer anspruchs-
vollen Situation, in der der behandelnde Arzt zunächst auf eine Diagnose hinar-
beiten musste. Dazu verschaffte er sich ein m glichst umfassendes Bild des Pati-
enten, das sich aus Krankheitsgeschichte, dem sub ektiven mpfinden, den Ab-
weichungen vom biologischen Normzustand sowie den psychosozialen Umstän-
den, die zum Krankheitsbild führen k nnten, zusammensetzte ( ckhardt et al.,
2014, S. 44).
Die Fähigkeiten der ärztlichen Diagnose haben sich bis heute kaum geändert.
Allerdings haben sich die M glichkeiten, Gesundheitsdaten zu erheben, mittels
moderner Informationstechnik auszuwerten und sogar von Patienten selbst erho-
bene Informationen in die Anamnese einzubeziehen, erheblich weiterentwickelt.
Diese ntwicklung kennzeichnet einen entscheidenden Schritt hin zu einem
neuen und zeitgemä en Gesundheitswesen und äu ert sich in der Suche nach dem
allumfassenden Gesundheits-Bild eines eden einzelnen Patienten, welches sich

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F. Liebrich, Digitale Medienprodukte in der Arzt-Patienten-Kommunikation,
Schriften zur Medienproduktion, DOI 10.1007/978-3-658-17235-0_1
2 1 inleitung

aus verschiedensten Informations uellen zusammensetzen lässt. Im Allgemeinen


wie auch wissenschaftlichen Sprachgebrauch hat sich für diese Aufgabe und
deren Umsetzung der Begriff der personalisierten Medizin durchgesetzt.1 Hier-
unter versteht man das umfassende Streben nach den bestm glichen individuellen
Chancen auf die Vermeidung und die Heilung von Krankheiten und auf die ziel-
gerichtete Verbesserung der gesamten Gesundheit des Patienten.
Das Streben der rreichung der bestm glichen Diagnosen, Therapien und
Präventionsma nahmen bedient sich nicht nur der Technologien des medizintech-
nischen Sektors. Gerade die letzten Jahre haben gezeigt, dass es noch weitaus mehr
M glichkeiten gibt, sich der rstellung eines lückenlosen Bildes eines Patienten
zu nähern. Die Masse und Komplexität des medizinischen Wissens wächst näm-
lich kontinuierlich. Neben digitalen Informationsdiensten, wie Online-Foren und
Ratgebern, geschieht das eigentliche Datensammeln zunehmend mit Hilfe von Ge-
räten, die eher dem Bereich der Unterhaltungselektronik zuzuordnen sind. Diese
digitalen Gesundheitsangebote (siehe Kapitel 2.1) werden in der populärwissen-
schaftlichen Literatur meist übereinstimmend unter den Begriffen electronic
Health (eHealth) oder mobile Health (mHealth) zusammengefasst (Lupton, 2013).
Immer noch umstritten ist die Frage, wie genau und verlässlich diese Daten zur
Unterstützung einer fundierten Diagnose und Therapie sind.
Vor einigen Jahren noch war für den Patienten der Arzt die einzige Informa-
tions uelle wenn es um die Beurteilung des gesundheitlichen Zustandes der Pati-
enten ging. Der Patient musste darauf vertrauen, dass diese singuläre Informati-
ons uelle die Grundlage einer zur Gesundheit führenden Diagnostik bzw. Thera-
pie ist. Das Vertrauen, ein wichtiger Bestandteil der Kommunikation zwischen
Hausarzt und der betroffenen Person, war damit das wichtigste Kriterium eines
gewinnbringenden Informationsaustauschs.
Heute haben Patienten wesentlich mehr M glichkeiten aus den unterschied-
lichsten uellen, Gesundheitsdaten selbst zu analysieren und zu interpretieren und
hierbei auf digitale Hilfsmittel zurückzugreifen. ine entscheidende Rolle spielen
dabei das Internet und digitale Assistenzsysteme, wie Wearables2 und Smartphone
Apps, die aus der uantified Self Bewegung erwachsen sind und es m glich ma-
chen, Gesundheitsleistungen an die Voraussetzungen edes Individuums gezielt
anzupassen. Das Interesse und die Akzeptanz solcher innovativen Gesundheits-
produkte, scheinen in Deutschland derzeit trotz kritischer Stimmen gro zu sein.
Laut einer Umfrage sehen 20 der Befragten das gr te Potential für neue mobile

1 Nichtsdestotrotz werden Begriffe wie personalisierte Medizin, Individualmedizin, Prädiktivmedizin,


Ma geschneiderte Medizin oder Individuelle Medizin oft synonym verwendet.
2 Wearables sind Bestandteil der mHealth Angebote (siehe hierzu Kapitel 2.2.5)
1 inleitung 3

Anwendungen im Bereich zugunsten von Apotheken, Arztpraxen und Kranken-


häusern, gefolgt von Krankenkassen-Apps (18 ) und erst dann folgen Banken
und Sparkassen (16 ) als potentielle Nutznie er (Buckstegen & Braun, 2016).
Trotz der Beliebtheit ist die Frage ungeklärt, welche Ausma e die Digitalisierung
in der Medizin auf die Art und Weise haben wird, wie in Zukunft mit Krankheit
und Gesundheit umgegangen wird. In einer scheinbar ungünstigen Position schei-
nen sich, in Anbetracht dieses Wandels, die rzte und Gesundheitsexperten zu
befinden. Waren sie früher die einzige verlässliche Bezugs uelle wenn es um me-
dizinisch relevante Informationen ging, befinden sie sich heute in Konkurrenz mit
privaten Unternehmen, wie Soft- oder Hardwarehersteller3, die mit Hilfe von er-
schwinglichen Gesundheitsgadgets den Markt für Gesundheitsdienstleistungen er-
obern wollen.
Welche Rolle aber spielt die Arzt-Patienten Kommunikation (APK) in die-
sem Veränderungsprozess? Obwohl rzte einen erheblichen Vorsprung an medi-
zinischem Wissen gegenüber ihren Patienten haben, lässt sich in der Praxis eine
Verhaltens- und Rollenänderung beobachten, in der der moderne Patient einen An-
spruch auf Mitspracherecht und alternative Behandlungs- und Informationsange-
bote geltend macht.
In dieser Arbeit mit explorativem Charakter, geht es im Allgemeinen um die
rweiterung wissenschaftlicher rkenntnisse zum influss der Digitalisierung auf
die Medizin. Im Speziellen beschäftigt sie sich mit der Frage, wie sich die APK
im pers nlichen Arzt-Patienten Gespräch, begleitet von der Digitalisierung mit all
ihren neuen M glichkeiten zur Prävention, Diagnose und Behandlung von Krank-
heiten, verändert hat und in Zukunft noch verändern wird.4 Auch wenn, wie z.B.
in der angewandten Forschung keine fertigen L sungen konkreter Problemlagen
im Vordergrund stehen, sollen die gewonnen rkenntnisse doch Anhaltspunkte
liefern, wie die APK in Zukunft gestaltet werden kann.
Hierfür wird zunächst in den folgenden Kapiteln der aktuelle Forschungs-
stand er rtert und theoretische Konzepte vorgestellt, die diesen Wandel erklären
k nnten. Bei den rgebnissen zur Literaturrecherche liegt der Fokus nicht auf den
Fortschritten der Medizintechnik, wie zum Beispiel der insatz von molekularen
Biomarkern, sondern auf digitalen Informationsangeboten wie Online-Foren, Wi-
kis und den technischen rrungenschaften in der als uantified-Self bezeichneten

3 Laut einer Ankündigung übernimmt der finnische Telekommunikationskonzern Nokia noch dieses
Jahr den Digital Health- und Wearables- xperten Withings für 170 Millionen uro (Drees, 2016).
4 s handelt sich hierbei um eine vorangestellte Fragestellung. Aufgrund des methodischen Charakters
der Arbeit ( ualitative explorative Studie), ist ein pers nliches und analytisches Vorwissen zur Präzi-
sierung der finalen Fragestellung und auch der Zielsetzung unentbehrlich (Legewie, 2004, S. 4-7). Da-
her finden sich die Forschungsfragen und die finale Zielsetzung der Arbeit erst in Kapitel 4.
4 1 inleitung

Vermessung von individuellen K rper- und Gesundheitsdaten. Anschlie end be-


schäftigt sich das Kapitel 2.3 mit dem interdisziplinären Forschungsfeld der Ge-
sundheitskommunikation mit dem Schwerpunkt auf der interpersonalen Kommu-
nikation zwischen Arzt und Patient. Mit Hilfe von fachverwandten wissenschaft-
lichen Theorieansätzen und ualitativen xperteninterviews, werden die rkennt-
nisse der Literaturrecherche ergänzt, um anschlie end Aussagen über die Folgen
des oben beschriebenen Wandels aus der Sicht von praktizierenden rzten zu tref-
fen und daraus kommunikationspolitische mpfehlungen abzuleiten, die die zu-
künftige APK und die neuen Rollenverhältnisse für alle Beteiligten optimieren und
transparenter gestalten k nnten.
2 Stand der Forschung

Der Optimierungsdrang in nahezu allen Lebensbereichen, unterstützt vom techno-


logischen Fortschritt, macht auch vor der Medizin nicht halt. Dieser Fortschritt
zeigt sich vor allem mit Blick auf die stetig steigende Lebenserwartung5, zumin-
dest in den sogenannten Industrienationen. Betrachtet man den demographischen
Wandel in Deutschland, lässt sich eine klare Tendenz des durchschnittlichen Le-
bensalters nach oben erkennen, was unter anderem durch eine sich immer wieder
modernisierende Medizinbranche zu erklären ist. Hierzu tragen in erster Linie die
au erordentlichen rrungenschaften in der Medizintechnik bei.
Gegenwärtig nimmt die Lebenserwartung pro Jahr um etwa 70 Tage zu. Im
Jahr 2030, so das Statistische Bundesamt, wird bei Absinken der Gesamtbev lke-
rungszahl der Anteil der über 65- ährigen fast ein Drittel der Bev lkerung betra-
gen. Schon heute sind 50 der Herzpatienten, die interventionell oder operativ
behandelt werden, über 70 Jahre alt (Hasenfu , 2016a), berichtet der Vorsitzende
der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Die damit verbundene
Zunahme an chronischen rkrankungen und die unvermeidlich steigende Nach-
frage an medizinischen Leistungen fordert von der Medizin dringend, neue Wege
zu gehen und technische Innovationen schnellstm glich in den Praxisalltag einzu-
führen. Vor allem präventive Ma nahmen, die zu einer allgemeineren Verbesse-
rung der Gesundheit beitragen, k nnten helfen, vorhandene Ressourcen bestm g-
lich auszunutzen sowie ualität und uantität der medizinischen Leistungen zu
steigern.
Die Digitalisierung, mit Phänomenen wie der uantified Self Bewegung oder
dem Internet of Things, hat hierfür längst neue datengetriebene Soft- und Hard-
warel sungen geschaffen und private Nutzer gewinnen hierdurch immer mehr
Vertrauen in die Fähigkeiten ihres Smartphones. Auch der moderne Patient wird
als privater Nutzer solcher Innovationen immer stärker und bewusster in den Be-
handlungs- und Diagnoseprozess eingebunden. Hieraus ergeben sich v llig neue
Informations uellen für gesundheitliche Diagnosen und es drängt sich die Frage
auf, ob das Gesundheitswesen in den kommenden Jahren eine Art ntwertung des
xpertentums erleben wird, einen Bedeutungsverlust des Arztes, was eine radikale

5 Aktuelle Zahlen im O CD Vergleich: http://stats.oecd.org/index.aspx?DataSet- Code=H ALTH_


STAT

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F. Liebrich, Digitale Medienprodukte in der Arzt-Patienten-Kommunikation,
Schriften zur Medienproduktion, DOI 10.1007/978-3-658-17235-0_2
6 2 Stand der Forschung

nderung der APK nach sich ziehen würde. Damit ist keineswegs ausgeschlossen,
dass der behandelnde Arzt in der Praxis mit den Resultaten technischer Systeme
v llig übereinstimmt. In einer ähnlichen Situation k nnte er aber ebenso gut zu
einer v llig anderen inschätzung gelangen. Die gegenwärtige rechtliche und po-
litische Situation, in dessen sich das deutsche Gesundheitswesen derzeit befindet,
lässt diese und weitere Fragen bisher gänzlich unbeantwortet: Wer kann bessere
ntscheidungen treffen und nach welchen Ma stäben sind diese zu bewerten?
Welche Chancen und Risiken ergeben sich aus den neusten ntwicklungen? Wem
vertrauen Patienten mehr? Und welche Auswirkungen wird diese ntwicklung auf
das Gesundheitssystem haben? Die folgenden Kapitel sollen als berblick dienen,
die Bedeutung der Digitalisierung des medizinischen Sektors in die gegenwärtige
Lage des deutschen Gesundheitssystems einzuordnen, um sich anschlie end den
veränderten kommunikativen Aspekten des Arzt-Patienten-Verhältnissen zu nä-
hern.

2.1 Strukturelle und rechtliche Besonderheiten des deutschen


Gesundheitsmarktes

Aus Gründen der bersichtlichkeit und Nachvollziehbarkeit wird die Komplexität


des deutschen Gesundheitssystems mit seinen Strukturen und Regulierungen im
Rahmen dieser Arbeit und im Sinne des Forschungsinteresses nur vereinfacht dar-
gestellt, um lediglich unterstützende Informationen zu liefern und die rgebnisse
der ualitativen Befragungen besser einordnen zu k nnen.

2.1.1 Ein Überblick

Die in den 1990er Jahren unaufhaltsame Verbreitung des Internets und seiner
Dienste, vor allem des World Wide Web (WWW), hat zweifelsfrei zu fundamen-
talen Veränderungen nahezu aller wirtschaftlichen Teilbereiche geführt. Während
die meisten Märkte von den neuen M glichkeiten in Vertrieb, Kommunikation
und Organisation profitierten, erlitten manche Branchen auch schmerzliche Ver-
luste. Als Paradebeispiel kann an dieser Stelle der 1999 gestartete Filesharing-
Dienst Napster genannt werden, der der traditionellen Musikindustrie bezüglich
der weltweiten CD Verkäufe einen erheblichen Schaden zufügte (Drücke, Leis-
don, Lüer en & Müssner, 2014, S. 20). Die damals Verantwortlichen Manager
sahen sich erstmals mit einer v llig neuen Technik der Distribution konfrontiert,
die ein Jahrzehnte altes und bis dahin verlässliches Geschäftsmodell erschüttern
lie . Auch das Gesundheitswesen hat sich im Zuge der Digitalisierung verändert,
2.1 Besonderheiten des deutschen Gesundheitsmarktes 7

edoch ist anzumerken, dass trotz hoher Akzeptanz digitaler Angebote auf Nutzer-
seite und fortschrittlicher Technologien auf Seiten der Anbieter, der deutsche Ge-
sundheitsmarkt eher zurückhaltend reagiert.
Während im skandinavischen und anglo-amerikanischen Raum nahezu alle
Hausärzte electronical medical records ( MR), also elektronisch und digital er-
fasste Aufzeichnungen von Gesundheitsinformationen zur Diagnose und Behand-
lung verwenden, liegt der entsprechende Anteil in Deutschland momentan nur bei
84 (Commonwealth Fund, 2016, S. 17). Nach einer schleppenden und stufen-
weisen inführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK), beginnend im Ok-
tober 2011, ist die eGK seit dem ersten Januar 2015 nun auch hierzulande der
einzige Berechtigungsnachweis für die Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen
(GKV, 2015). Abgeschlossen ist die Digitalisierung des Gesundheitswesens damit
aber immer noch nicht. Um zu verstehen warum diese ntwicklungen im Ver-
gleich zu anderen Industrienationen hinterherhinken, sollen die gesetzlichen Re-
gelungen des bestehenden Gesundheitssystems kurz aufgezeigt werden.6

2.1.2 Teilnehmer und Strukturen des deutschen Gesundheitsmarkts

Das Gesundheitssystem in Deutschland basiert nach dem Solidaritätsprinzip auf


einem Sozialversicherungsmodell, in dem die Finanzierung von medizinischen
Leistungen durch Beiträge gesichert wird. Dies geschieht durch eine gesetzliche
Pflichtversicherung der Mehrheit der Teilnehmer. Trotz gesetzlicher Regulierung
ist das deutsche Gesundheitssystem überwiegend selbstverwaltet.
Die wesentlichen Teilnehmer dieses Systems sind die Leistungserbringer, die
Leistungsträger und natürlich die Patienten, die Leistungsempfänger (B cken,
2001 Gerlinger & Burkhardt, 2012). rstere sind vor allem Gesundheitseinrich-
tungen wie Krankenhäuser, Reha-Zentren und ähnliche Facheinrichtungen sowie
Allgemein- und Fachärzte inklusive der sie vertretenden Fachgesellschaften, Ver-
bände und kassenärztliche Vereinigungen.

6 in, besonders in Deutschland, viel diskutiertes Thema, welches mit der inführung neuer Techno-
logien und datenverarbeitender Hard- und Softwarel sungen in Verbindung gebracht wird, ist der Da-
tenschutz. Trotz einer allgemein hohen Skepsis gegenüber Diensten, die pers nliche Informationen für
ihre Leistungen verarbeiten, zeigen verschiedene Studien auf, dass Nutzer zunehmend bereit sind, sen-
sible Daten freizugeben, solange sie einen pers nlichen (meist finanziellen) Vorteil daraus ziehen k n-
nen. Dieses Verhalten ist auch unter dem Begriff Privacy Paradox bekannt (Barnes, 2009) Handels-
blatt Research Institute (2013) Kokolakis (2015) Schlingensiepen (2016). Da das Thema Datenschutz
und die Akzeptanz digitaler Gesundheitsangebote eine äu erst umfangreiche Bearbeitung erfordern
würde, wird es aus forschungs konomischen Gründen als Teil dieser Arbeit ausgeklammert und nur
am Rande erwähnt.
8 2 Stand der Forschung

Mit Leistungsträgern sind die gesetzlichen und privaten Krankenkassen ge-


meint sowie deren Verbände und die weiteren staatlichen Sozialkassen und Bei-
hilfen, die hauptsächlich die Kosten für Therapien im Krankheitsfall tragen. Ab-
gesehen von staatlichen Krankenhäusern wird der Rest an medizinischen Leistun-
gen überwiegend privat erbracht. Dieser Bereich wird auch als zweiter Gesund-
heitsmarkt bezeichnet und ist von der ersten oder klassischen Gesundheitsversor-
gung abzugrenzen (BMG, 2016b).
In diesen privatwirtschaftlichen Bereich fallen auch Hersteller und Händler
von Medikamenten, Heil- und Hilfsmittel, Medizintechnik und sonstige medizini-
sche Produkte (B cken, 2001) zu denen auch Onlineportale, Apps und Wearables
(Kapitel 2.2.3 und 2.2.4) geh ren. Trotz gro er Beliebtheit dieser Produkte, steht
die private Gesundheitswirtschaft immer noch vor einigen Hürden. Hierfür ver-
antwortlich sind in erster Linie gesellschaftlich sensible Themen wie Datenschutz,
Daten ualität und nicht zu vergessen die Interoperabilität mit bestehenden Syste-
men und Strukturen. Während die ersten digitalen Angebote noch aus alleinste-
henden Produkten und Dienstleistungen bestanden, gehen modernere Anbieter
nun vermehrt den Weg zu plattformbasierten L sungen. Die App-Anbieter ver-
stehen zunehmend, dass sie für die inführung ihrer Apps in die Regelversorgung
nicht nur Verträge mit Krankenkassen ben tigen, sondern dass für die Akzeptanz
der Apps oft auch eine Integration in die IT-Prozesse der Praxen und Krankenhäu-
ser zwingend n tig ist (Naumann, 2016). Dieser Schritt hin zu einer branchen-
einheitlichen Standard-Schnittstelle ist allerdings noch Zukunftsmusik. Um das
Ziel einer vollständig digitalisierten Gesundheitsbranche zu erreichen müssen
Staat, Leistungsträger und anbieter in Zukunft noch effizienter zusammenarbei-
ten.

2.1.3 Status quo der staatlichen Regulierung

Gerade weil der Gesundheitsmarkt in Deutschland auf einem Sozialversicherungs-


system beruht, ist er zu weiten Teilen gesetzlich durch den Staat reguliert, was
dazu führt, dass sich Nachfrage und Angebot von medizinischen Leistungen nicht
v llig frei entwickeln k nnen, wie es zum Beispiel in den USA üblich ist (Gerlin-
ger & Burkhardt, 2012).
Dies hat unter Anderem datenschutzrechtliche Gründe. Um eine m glichst
verbraucherfreundliche und gleichzeitig nicht zu restriktive L sung bemüht sich
das Bundesministerium für Gesundheit (BMG). inen entscheidenden Schritt in
Richtung digitales Gesundheitssystem wurde mit der endgültigen Verabschiedung
des Gesetz es für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Ge-
sundheitswesen ( -Health-Gesetz) (BMG, 2016a) getan. Das am vierten Dezem-
ber 2015 verabschiedete Gesetz enthält einen Fahrplan für die flächendeckende
2.1 Besonderheiten des deutschen Gesundheitsmarktes 9

inführung einer digitalen Infrastruktur für die Bundesrepublik Deutschland mit


den h chsten Sicherheitsstandards und die inführung nutzbringender Anwen-
dungen auf der elektronischen Gesundheitskarte (BMG, 2016a). Dies ist auch
dringend notwendig, denn ohne eine gro flächige Abdeckung einer digitalen Inf-
rastruktur kann es keinen modernen Gesundheitsmarkt geben, der seinem Poten-
tial auch Gerecht wird. Nahezu ede medizinische inrichtung in Deutschland
nutzt nämlich bereits einen digitalen Datentransfer auf hohem Niveau. Aber bisher
fehlen mancherorts effiziente Netze um eine reibungslose bertragung zu gewähr-
leisten. Das ist so, als hätte man modernste lektroautos, aber nur Feldwege, auf
denen man fahren kann (Seidinger, 2016, S. 1).
Aus diesem Grund ist im Gesetzestext die flächendeckende inführung einer
Telematik-Infrastruktur festgeschrieben, die Mitte 2016 ihren Anfang nahm und
bis 2018 nahezu alle Arztpraxen und Krankenhäuser an diese Infrastruktur ange-
bunden haben soll (BMG, 2016a). Aus rechtlicher Perspektive müssen hier aber
zunächst konkrete Abrechnungsm glichkeiten geschaffen werden, die es erlau-
ben, dass Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) telemedizini-
sche Leistungen im Rahmen des einheitlichen Bewertungsma stabs abrechnen
lassen k nnen.7 In diesem Bereich fehlt es bis heute an allgemeingültigen Stan-
dards, die einen uneingeschränkten Handlungsspielraum aller Beteiligten erm g-
lichen. Akteure der Gesundheitswirtschaft stehen aber nicht nur vor rechtlich-
strukturellen Herausforderungen auch rein uristische Barrieren verhindern einen
reibungslosen Markteinstieg. So unterliegt die Branche hierzulande wettbewerbs-
rechtlichen Regulierungen und strengen gesetzlichen Vorgaben zur ndverbrau-
cherkommunikation, Werbung für verschreibungspflichtige Produkte und Medi-
kamente, die den Schutz der Patienten sicherstellen sollen (BMJV, 2015).
Die Nachfrage für gesundheitsbezogene Dienstleistungen wird also anders
als in Konsumgütermärkten üblich, durch die entsprechenden Diagnosen und
berweisungen der rzte gesteuert und so erst generiert. Gesundheitsministerien
und Zulassungsbeh rden, wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizin-
produkte (BfArM)8, sorgen auf politischer bene für eine gewisse Regulierung
des deutschen Gesundheitswesens. Des Weiteren kritisiert der Bundesverband In-
ternetmedizin (BiM) ein bestehendes gesetzliches Verbot von via telemedizini-

7 Nach dem einheitlichen Bewertungsma stab ( BM) werden ambulante und belegärztliche Leistun-
gen in der GKV abgerechnet. r ist also das Vergütungssystem der vertragsärztlichen Versorgung in
Deutschland und im Fünften Buch (V) des Sozialgesetzbuch (SGB) geregelt.
8 Neben der Zulassung von Arzneimitteln und Medikamenten fallen laut 3 des Gesetzes über Medi-
zinprodukte (MPG): Implantate, Produkte zur In ektion, Infusion, Transfusion und Dialyse, humanme-
dizinische Instrumente, medizinische Software, Katheter, Herzschrittmacher, Dentalprodukte, Ver-
bandstoffe, Sehhilfen, R ntgengeräte, Kondome, ärztliche Instrumente sowie Labordiagnostika
(BfArM, 2016).
10 2 Stand der Forschung

schen L sungen verschriebenen Arzneimittelverordnungen, welches unn tiger-


weise die ärztliche Therapiefreiheit beschränke und damit verhindert, dass eine
bedarfsgerechte telemedizinische Infrastruktur gewährleitet wird (BiM, 2016).
Hier beginnen die Schwierigkeiten bereits bei der einheitlichen Benennung der
Produkte und Dienstleistungen.
Inwieweit digitale Gesundheitsangebote rechtlich erfasst und definiert wer-
den k nnen, ist nämlich bislang noch nicht ausreichend geklärt. Laut 3 Nr.1 des
Gesetzes über Medizinprodukte (MPG) gilt auch solche Software oder Applika-
tion als Medizinprodukt die zur Anwendung für Menschen - mittels ihrer Funk-
tionen vom Hersteller zum Zwecke der rkennung, Verhütung, berwachung, Be-
handlung oder Linderung von Krankheiten oder rkennung, berwachung, Be-
handlung, Linderung oder Kompensierung von Verletzungen oder Behinderun-
gen (BMJV, 2016) dient. Uneinig ist man sich über die Zweckbestimmung der
Produkte. Während sich Kalorienzähler-Apps und Schrittzähler relativ klar als
Wellness Anwendungen klassifizieren lassen, ist eine Abgrenzung von beispiels-
weise einer App, die Nahrungseinheiten für Diabetiker berechnet, schon deutlich
kritischer zu sehen, da die ualität und Zuverlässigkeit solcher speziellen medizi-
nischen Produkte durchaus schwerwiegendere Risiken mit sich bringt, als dies bei
reinen Wellness Produkten der Fall ist. inige Anbieter versuchen sich mit Pro-
dukthinweisen wie Dies ist kein Medizinprodukt von einer Klassifizierung und
somit Regulierung zu distanzieren und Hürden zu umgehen (Gabel, 2015). Bei
solchen Angeboten liegt es z.B. alleine in der Hand der App-Stores ob die App
erscheint oder nicht. ine Funktions- und ualitätsprüfung findet in diesen Fällen
nicht statt (Klitzke, 2016).
Da es sich momentan immer noch um ein relativ neues Thema handelt, ver-
sucht das BfArM mit einer Orientierungshilfe für medizinische Apps (Medical
Apps) eine vorübergehende Risikoklassifizierung zu schaffen, die es ntwicklern
solcher Produkte erleichtern soll, ihre Software einzuordnen (BfArM, 2015). Des
Weiteren k nnen Unternehmen beim BfArM eine Abgrenzungsentscheidung be-
antragen, die als eine Art ualitätssiegel den Verbrauchern eine transparente Be-
wertung der Gesundheitsprodukte erlaubt, wie man es aus dem -Commerce Be-
reich im Zuge von Online-Shop-Zertifikaten bereits kennt.
Die Nachfrage für solche Angebote ist in den letzten Jahren signifikant ge-
stiegen (ABI Research, 2014) und mit ihr auch die Anforderungen an eine Zertifi-
zierung. Auch wenn die in den USA zuständige Beh rde, die US Food and Drug
Administration (FDA) ebenfalls Richtlinien9 für sogenannte Medical Apps erlas-
sen hat, sind die Hürden für eine Implementierung von Gesundheitsangeboten am

9 Die Richtlinien der FDA zu Medical Apps sind hier zu finden: http://1.usa.gov/1baa4bO
2.2 Der digitale Wandel in der Medizin 11

App-Markt in Deutschland generell h her, was die Trägheit des hiesigen Gesund-
heitsmarktes zum Teil erklären mag. Zudem sind Selbstzahler aufgrund des vor-
herrschenden Sozialversicherungssystems hierzulande eher abgeneigt, Kosten für
die die Versicherungen nicht aufkommen, privat zu übernehmen.10 Neben Sorgen
über den Datenschutz, sind m gliche finanzielle Risiken der am häufigsten ge-
nannte Grund, digitale Gesundheitsdienste nicht zu nutzen (Statista Research,
2015)11. Unter diesen Umständen ist es für die Hersteller solcher Angebote enorm
wichtig, zu einem frühen Zeitpunkt zu wissen, ob ihr Angebot als ein Medizinpro-
dukt zertifiziert werden kann oder nicht.
Das wachsende Potential von digitalen Technologien für die Gesundheits-
wirtschaft haben nicht nur Unternehmen und interessierte Nutzer erkannt auch die
Politik nimmt sich dem Thema verstärkt an. Zu der Fragestellung Wie Digital
Health uns gesund macht kamen Anfang 2016 in Berlin Interessenvertreter aus
der Medizin, Politik, Gesundheitswirtschaft sowie Startups aus der Digitalbranche
zusammen, um gemeinsam über das Gesundheitswesen 4.0 (Abel, 2016), also
die Zukunft einer m glichst integrativen und bestm glichen medizinischen Ver-
sorgung zu diskutieren.

2.2 er digitale Wandel in der edizin

Mit den oben genannten Ma nahmen beschreitet die Politik einen Weg hin zu ei-
ner transparenteren und wirkungsvolleren Gesundheitsversorgung, die durch eine
flächendeckende Digitalisierung des Marktes erm glicht werden soll. Der rege
Austausch zwischen Interessenvertretern auf Kongressen, Tagungen oder im Netz
lassen erahnen, dass die aktuellen Veränderungsprozesse, auch bei den sogenann-
ten Gesundheitsberufen ( rzte, Psychologen uvm.) zu einer Veränderung des
Austauschs von medizinischen Informationen geführt haben. Treiber dieser Pro-
zesse sind Informations- und Kommunikationstechnologien. Diese und die nt-
wicklung des Internets mit seinen meist frei zugänglichen (Gesundheits-) Ange-
boten, zusammengefasst unter dem Begriff eHealth12, haben auch die Art und

10 Die gesetzlichen und privaten Krankenversicherer machen sich dieses Wissen allerdings zu Nutzen
indem sie vermehrt Bonusprogramme und finanzielle Anreize schaffen, sollten Versicherungsnehmer
sich bereit erklären ihre Gesundheitsdaten mit Hilfe von Apps und Gadgets zu messen und zur Verfü-
gung zu stellen. Gebündelt und ausgewertet erhalten die Versicherer so wertvolle Informationen, die
sie zu Marketingzwecken nutzbar machen k nnen. Bisher traten Versicherer wie Generali, AOK, Go-
tharer, Axa und die Techniker Krankenkasse mit -Health Angeboten auf den Markt ( rzteblatt.de
(2016) vsan (2016) VWheute (2016).
11 Zusätzliche Angaben: rhebungsland: Deutschland 31. März bis 15. April 2015 5.046 Befragte
16-69 Jahre
12
Der Begriff e-Health stammt ursprünglich von der Telehealth-Praxis ab und beschrieb zunächst die
Integration von Telehealth-Technologien mit dem Internet. Heute umfasst der Begriff ein weiteres Feld
12 2 Stand der Forschung

Weise verändert, wie Patienten und allgemein Nutzer solcher Angebote, Informa-
tionen aufnehmen und verarbeiten (Riva, 2014, S. 83). Diese ntwicklung ist neu,
bedenkt man, dass beispielsweise die klassische Patientenakte bisher vom ewei-
ligen Hausarzt verwaltet wurde und dass die Informationshoheit damit automa-
tisch und selbstverständlich an die behandelnden rzte abgetreten wurde. Dieses
Verständnis scheint sich nun zu ändern.
Studienergebnisse deuten darauf hin, dass Patienten längst ein Mitsprache-
recht bei ihrer gesundheitlichen Versorgung fordern. Nach einer rhebung des Di-
gitalverbands Bitkom wollen 87 der Bundesbürger einen direkten Zugang zu ih-
ren Gesundheitsdaten, die an verschiedenen Stellen wie Arztpraxen, Krankenhäu-
sern und anderen medizinischen inrichtungen anfallen. Hierbei sind vor allem
Arztbefunde, Laborergebnisse, R ntgen- oder MRT-Bilder gefragt.13 Der unein-
geschränkte Zugriffs dient nicht nur der bersichtlichkeit, sondern garantiert auch
einen reibungslosen bergang bei einem Arztwechsel und minimiert dadurch
Missverständnisse und doppelte Aufwände (Shahd, 2016). in wichtiger Schritt
hin zu einer zentralen Speicherung aller entscheidenden Gesundheitsinformatio-
nen ist die inführung der elektronischen Gesundheitskarte.
Dieser und weiteren technischen ntwicklungen soll mit dem kürzlich ver-
abschiedeten -Health Gesetz der Weg geebnet werden, sodass eine effiziente me-
dizinische Rundumversorgung gewährleistet wird. Sowohl in der wissenschaftli-
chen wie auch in der populärwissenschaftlichen Literatur fällt in diesem Zusam-
menhang häufig der Begriff der Personalisierten Medizin, worauf im folgenden
Kapitel kurz eingegangen werden soll.

2.2.1 Individualisierung und Personalisierung der Medizin

Auch wenn eine m glichst individuelle und zielgerichtete Behandlung des Patien-
ten schon immer erklärtes Ziel der medizinischen Berufe war, hat der technologi-
sche Fortschritt auch hier zu einer gewissen Optimierung beigetragen. infach
ausgedrückt lässt sich Personalisierte Medizin beschreiben als everthing that
provide s the right care to the right patient at the right time (Bradley et al., 2011,
S. 575). So zutreffend die Aussage auch sein mag, ist sie als Definition eines so
komplexen Phänomens reichlich ungeeignet, da anzunehmen ist, dass die Absicht
einer m glichst individuellen Behandlung keine neue Zielsetzung der Medizin
darstellt, sondern schon immer das Leitmotiv ärztlichen Handelns gewesen sein

und vereint weitere digitale Dienste, die vor allem dazu beitragen sollen Ma nahmen im Bereich der
Gesundheitsversorgung zu optimieren und Kosten einzusparen (Riva (2014, S. 84-85).
13
rgebnis einer repräsentativen Umfrage unter 1.236 Personen ab 14 Jahren in Deutschland.
2.2 Der digitale Wandel in der Medizin 13

dürfte. Für eine differenziertere Betrachtung des Phänomens bedarf also einer ge-
naueren Beschreibung. in schwieriges Unterfangen, da der Begriff in der wissen-
schaftlichen Literatur oftmals unscharf verwendet wird.
So sprechen Hood und Galas (2008) bei personalisierter Medizin von einem
Veränderungsprozess der klassischen Medizin, weg von einer reaktiven und hin
zu einer proaktiven Disziplin, die es erm glichen soll, Krankheiten bereits sehr
früh zu diagnostizieren um dadurch Zeit, Kosten und behandlungstypische Fehler
zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren. rm glicht haben diesen Wandel
hauptsächlich technische rrungenschaften in der Medizintechnik wie verbesserte
Methoden in der Genforschung, der Mikrobiologie, den Medizinischen Bildge-
bungsverfahren, der Datenauswertung und der ntwicklung von Medikamenten
(Hood & Galas, 2008, S. 2). ine ähnliche aber enger gefasste Definition von per-
sonalisierter Medizin vertreten Juengst, Settersten, Fishman und McGowan (2012)
mit einer Beschränkung auf die bahnbrechenden ntwicklungen in der molekula-
ren Genetik und die damit deutlich verbesserten Diagnosem glichkeiten.14 Auch
ihr Verständnis von einer Personalized genomic medicine vertritt das ehrgeizige
Ziel von einem one-size-fits-all approach wegzukommen hin zu einer individuell
zugeschnittenen und auf eden Patienten einzeln angepassten Rundumversorgung.
Für eine umfassende Definition einer personalisierten Medizin beschränken sich
beide Ansätze allerdings selbst, da sie die biologischen und molekularen Analyse-
methoden zu sehr in den Vordergrund stellen.
Andere Wissenschaftler wie Heusser, Neugebauer, Berger und Hahn (2013)
unterteilen die charakteristische Rundumversorgung in zwei einzelne konzeptio-
nelle Ansätze. Während sich die personalisierte Medizin zunehmend an geneti-
schen und molekularen Ausprägungsmerkmalen individueller Personen orientiert,
rückt nach Meinung der Autoren die Person, beziehungsweise der Mensch als
komplexer Organismus, in den Hintergrund. Aus diesem Grund verlange ein um-
fassender Ansatz nicht blo eine personalisierte, sondern zudem eine personen-
zentrierte Medizin, um dem Charakter einer alles umfassenden Gesundheitsver-
sorgung gerecht zu werden. Als Vorschlag einer sinngerechten Definition verwen-
den die Autoren deshalb die Bezeichnung der integrative n und personali-
sierte n Gesundheitsversorgung (Heusser et al., 2013, S. 151).

14
Seit 2003 gilt das menschliche rbgut mit seinen etwa 20.000 bis 25.000 Genen und 3,2 Milliarden
Basenpaaren als vollständig entschlüsselt und die Arbeit des 1990 gestarteten Humangenompro ekts
(HGP) als offiziell beendet. Als direktes Folgepro ekt gilt das ncyclopedia Of DNA lements ( N-
COD Pro ekt), mit dem Ziel, alle funktionalen lemente in der menschlichen Genomse uenz zu iden-
tifizieren und in den Kontext der Genregulation zu setzen, um die Voraussage potentieller Krankheits-
risiken oder die ntwicklung neuer Therapien für Krankheiten zu verbessern (NGFN, 2016). Heutzu-
tage ist die Se uenzierung eines gesamten Genoms bereits innerhalb weniger Tage zu einem Preis unter
1000 m glich (Hasenfu , 2016a).
14 2 Stand der Forschung

Diese Stärkung der Position des Patienten als menschliches Wesen entspricht auch
dem dieser Arbeit vorliegenden Verständnis eines allumfassenden Strebens nach
den bestm glichen individuellen Chancen zur Vermeidung und Heilung von
Krankheiten, sowie die zielgerichtete Verbesserung der gesamten Gesundheit ei-
nes einzelnen Patienten. Die Kommunikation und das Verhältnis zwischen Arzt
und Patient gewinnen hierdurch an Bedeutung. Nicht zuletzt aus diesem Grund,
lohnt deshalb ein genauerer Blick auf den influss, den die Digitalisierung auf die
Arzt-Patienten-Kommunikation hat und haben wird.

2.2.2 Big Data in medizinischen Einrichtungen


Der technische Fortschritt und die Automatisierung von Arbeitsprozessen spielt
eine entscheidende Rolle in einem personalisierten Gesundheitssystem. Die Cha-
rit Universitätsmedizin in Berlin verknüpft beispielsweise bereits heute die Daten
von ungefähr 15.000 Patienten, die vor Ort stationär behandelt werden. Innerhalb
dieser Datenbank kann mit Hilfe von Computer-Algorithmen nach Patienten mit
ähnlichen Symptomen und anderen Parametern gesucht werden, um sich somit die
wirksamsten Therapien mit den geringsten Nebenwirkungen ausgeben zu lassen.
Hauptsächlich findet dieses Prinzip in der Onkologie, zum Beispiel beim gemein-
samen Tumordatenbank-Pro ekt des Klinikums der TU München und der Ludwig-
Maximilians-Universität München, statt (Fischer, 2014, S. 117-118). in entschei-
dender Durchbruch, der als wegweisend für die zukünftige Datenverarbeitung gilt,
war die automatisierte Verarbeitung von unstrukturierten Informations uellen wie
Arztbriefe, Befundberichte oder Bildmaterial (Manhart, 2012). Nach Schätzungen
liegen momentan circa 80 dieser Daten in unstrukturierter Form vor (Murdoch
& Detsky, 2013). Diagnostik und Therapie k nnen mit Hilfe digitaler Prozesse
somit enorm beschleunigt werden und folglich zu einer besseren und umfassenden
Gesundheitsversorgung beitragen. Grundlage der Datenanalyse ist die vom deut-
schen Softwarehersteller SAP entwickelte Datenanalysesoftware HANA15, aber
auch der amerikanische IT-Gigant IBM ist im Big Data Bereich sehr aktiv.
rst kürzlich bezog IBM ein Büro im Silicon Valley, das nun zu einem For-
schungslabor, einzig und allein für den Supercomputer Watson, umgebaut wird
(Oberndorfer, 2015). Watson ist der Name des Computersystems, das bereits im
Jahr 1997, dank seiner enormen Rechenleistung, den damaligen Schach-Welt-
meister Garry Kasparov zu besiegen vermochte (IBM, 2015). Seit dem hat sich
viel getan. Heute setzt beispielsweise das Rh n-Klinikum als erster deutscher
Krankenhausbetreiber auf die Technologie. Wenn wir das Feld nicht den kon-
sumnahen Gro konzernen wie Google und Co. überlassen wollen, müssen wir uns

15
Siehe: https://hana.sap.com/abouthana.html
2.2 Der digitale Wandel in der Medizin 15

selber Gedanken machen, wie die medizinische Versorgung durch die Digitalisie-
rung sinnvoll verändert werden kann (Griewing, 2016) kommentiert der Medi-
zinvorstand die ntscheidung der Klinik. Aus 500 Patientenakten soll Watson nun
lernen und logische Schlüsse ziehen um die Diagnose von seltenen rkrankungen
zu unterstützen. Der Geschäftsbereich Watson Health hat insgesamt schon meh-
rere Millionen Patientenakten in seinem System gesammelt und auf Basis der Aus-
wertungen ein digitales Assistenzsystem mit Diagnose- und Therapieempfehlun-
gen für onkologische Behandlungen geschaffen. Der cloudbasierte Dienst hat nach
eigenen Angaben Informationen von über 300 Millionen Patienten, Tausenden
Kliniken und mehr als 1,2 Millionen wissenschaftlichen Arbeiten in seiner Daten-
bank gespeichert.
Doch auch kleinere Unternehmen drängen zunehmend auf den Gesundheits-
markt. Und wieder ist das Rh n-Klinikum Vorreiter und m chte sich als Impuls-
geber in Deutschland positionieren. Die eigens dafür gegründete Rhön Innovations
GmbH will medizinische Startups f rdern, die innovative L sungen zur besseren
und effizienteren Patientenversorgung im medizinischen Alltag entwickeln und
beobachtet hierfür 140 Startups aus der Venture-Capital-Szene (Telgheder, 2016,
S. 17). Hiervon bekommt der normale Patient allerdings wenig mit. Im Vergleich
zur Genforschung und der sich ständig weiterentwickelnden Pharmaindustrie, die
bereits auf einzelne Patienten zugeschnittene Medikamente entwickeln k nnen,
liegen die ntwicklungen im Bereich der Online Gesundheitsangebote, Fitness
Gadgets und Wearables viel näher am Bewusstsein und Alltag des Patienten. So-
mit dürften sie die APK viel stärker beeinflussen als der medizintechnische Fort-
schritt in Bereichen wie Gentechnik oder der Chirurgie, der zwar ma geblich am
rfolg einer personalisierten Medizin Anteil trägt, sich aber eher im Hintergrund
des Bewusstseins des durchschnittlichen Patienten abspielen dürfte.

2.2.3 Das Internet als neue Quelle für gesundheitsbezogene Informationen


Der rfolg solcher digitalen Angebote und der Grund, warum sie sich in den letz-
ten Jahren so schnell entwickeln konnten erklären sich unter anderem durch die
flächendeckende Verbreitung des Internets und seines wohl bekanntesten Diens-
tes: dem World Wide Web (WWW). Vor allem der Wandel von einer Plattform,
dessen hauptsächlicher Wert in der Bereitstellung von Informationsmedien
(Web 1.0)16 lag, hin zu einem Web 2.0, bei dem erstmalig ein interaktiver Wissen-
saustausch aller User des Netzes erm glicht wurde, hat einen entscheidenden in-
fluss auf den Umgang mit Gesundheitsinformationen mit sich gebracht (Bunz,
16
Der Begriff Web 1.0 stammt aus dem Jahr 1994 als das Internet erstmals für eine breite Masse an
Menschen zugänglich gemacht wurde, vor allem erm glicht durch den Gebrauch von kommerziellen
Webbrowsern (Lupton, 2015, S. 2).
16 2 Stand der Forschung

2009). Hierbei hat sich das Internet nicht nur als neue uelle für gesundheits- und
krankheitsbezogene Informationen neben den klassischen Printmedien oder dem
Rundfunk positioniert, sondern auch ein Vernetzen, Sammeln und Verbreiten von
medizinischem Wissen auch zwischen einzelnen Nutzern deutlich erleichtert.
Die Digitalisierung hat demnach zu einer v llig neuen uelle für Informationen
eglicher Art geführt, ein Prozess, der durch das Aufkommen von Social Media
und deren dynamischen Charakter noch verstärkt wurde (Lupton, 2015, S. 2).
Auch die Bereitwilligkeit, mit der Patienten und Nutzer teils sehr pers nliche
Daten ver ffentlichen und teilen, trägt zu dem momentanen Wandel bei. Aggre-
gierte Informationen über Diagnosen, Therapien, Medikationen, Gemütszustände
und sogar über längere Zeit geführte Patiententagebücher17 mit detaillierten medi-
zinischen Werten haben dazu geführt, dass sich im WWW durch die ingaben von
Millionen von Nutzern ein gesundheitssystemunabhängiger Wissensstand
(Schachinger, 2014, S. 17) gebildet hat, der eine v llig neue ualität an relevanten
medizinischen Daten darstellt. Durch immer intelligentere Suchalgorithmen erge-
ben sich zudem nie dagewesene M glichkeiten, auf die pers nliche Situation des
Nutzers oder Patienten zugeschnittene Informationen zu finden, die in die thera-
peutische ntscheidungsfindung eingebracht werden k nnen (Berger, 2009,
S. 73).
Allgemein ist das Interesse an gesundheitlichen und medizinischen Themen
über sämtliche Bev lkerungsgruppen hinweg sehr hoch, weswegen sich in nahezu
allen (sowohl klassischen als auch neuen) Medien umfangreiche Informationsan-
gebote zu diesen Themen finden lassen. in Gro teil dieser Angebote lässt sich
zweifellos dem populärwissenschaftlichen Spektrum oder der Boulevardpresse
zuordnen (Bauann, Lampert & Fromm, 2016 Pletneva & Vargas, 2011). Immer
mehr Menschen informieren sich zudem online über Informationen über Krank-
heiten, Verletzungen und rnährung. Noch im Jahr 2006 waren es in der uropä-
ischen Union 19 der 16 bis 74 Jährigen, die angaben, regelmä ig online nach
Gesundheitsthemen und Informationen zu suchen. Im Jahr 2015 waren es bereits
mehr als doppelt so viele (46 ). Besonders auffällig hierbei ist, dass sich die Zah-
len für Deutschland in edem Jahr der rhebung deutlich über dem U-Durch-
schnitt bewegen, hier also ein überdurchschnittlich gro es Interesse an Informa-
tion über Gesundheit und Krankheit besteht ( urostat, 2015 Schachinger, 2015).18
Das Angebot solcher Informationsseiten, Sozialen Netzwerken und Gesundheits-
17
ines der bekanntesten Beispiele ist der Blog von Ben amin Wollmershäuser, der seine Krebserkran-
kung ffentlich thematisiert um zu erreichen, dass andere Menschen und er selber mit der Krankheit
besser zurechtkommen k nnen. Mittlerweile tritt er zudem als Gastredner auf Konferenzen und Kon-
gressen auf. Den Blog finden Sie hier: http://cancelling-cancer.blogspot.de/
18
Zum Vergleich: Der U-Durchschnitt der oben genannten Information lag 2006 bei 19 . In
Deutschland waren es im selben Jahr 34 . Im Jahr 2015 lag der U-Durchschnitt dann bei 46 , wo-
hingegen in Deutschland bereits 62 der Befragten online nach Gesundheitsinformationen suchten.
2.2 Der digitale Wandel in der Medizin 17

Apps, wächst folglich immer weiter, sie bieten vielfältige M glichkeiten und re-
gen zugleich zur kritischen Auseinandersetzung mit Themen wie Datenschutz,
Kontrollen und ualität der Daten an.
Besonders die Frage nach der Vertrauenswürdigkeit spielt bei digitalen An-
geboten, die über gesundheitliche und medizinische Themen informieren und be-
raten sollen, eine entscheidende Rolle. Täglich durchsuchen Millionen von Men-
schen das Internet nach solchen Informationen. Die ualität der zur Verfügung
gestellten Daten in Apps und Online-Portalen lässt edoch oft zu wünschen übrig.
Da werden Symptome interpretiert und Diagnosen gestellt, die noch nicht mal
eine Fifty-Fifty-Chance auf die zuverlässige Deutung von Beschwerden zulie en
(Mei ner, 2016) kritisiert der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für In-
nere Medizin (DGIM). Auch eine rhebung der Bertelsmann Stiftung kommt zu
dem rgebnis, dass rund 45 der rzte der Meinung sind, das die laienhafte Su-
che im Internet die Arbeit in den Praxen nur belaste, da sich Patienten von der
Masse der Informationen verwirren lie en. in weiteres Drittel stimmt dieser Aus-
sage zumindest teilweise zu. Dieses Verhalten, wenn Menschen sich durch zu viel
Recherche im Web in eine Angst vor einer Krankheit hineinsteigern, hat bereits
einen eigenen Namen: Cyberchondrie (Peikert, 2016). Die ualität der bereitge-
stellten Informationen spielt gerade im Gesundheitsbereich eine wichtige Rolle.
Dabei handelt es sich bei den sogenannten Gesundheitsexperten in Online Foren
gar nicht immer nur um Laien, auch praktizierende rzte bieten ihr Wissen zuneh-
mend im Internet an. Das Problem scheinen somit weniger die Informationen an
sich, sondern deren Deutung zu sein und die Art, wie sie in den individuellen ge-
sundheitlichen Kontext der Patienten gesetzt werden.
Beispiele solcher Angebote finden sich genug. Der aus Gro britannien stam-
mende Gesundheitsdienstleister DrEd19 bietet schon seit über fünf Jahren die
M glichkeit einer Online Gesundheitskommunikation, die auch deutsche Patien-
ten in Anspruch nehmen k nnen. Die Behandlung und Beratung erfolgt hier auf
telemedizinischem Weg und sogar Arzneimittel und Rezepte werden per Post ver-
sendet, ohne dass die Patienten emals pers nlich in einer Arztpraxis erscheinen
müssen. Das Unternehmen beruft sich hierbei auf die U-Richtlinie Patienten-
rechte in der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung, die eine Inanspruch-
nahme gesundheitsbezogener Leistungen im Ausland erleichtern soll. Das Prinzip
solcher Online-Konsultationen st t edoch unter anderem in der Gesundheitspo-
litik der Bundesregierung auf Kritik, weshalb kürzlich beschlossen wurde, den
pers nlichen Arzt-Patienten-Kontakt wieder verbindlich und für die Rezepteinl -
sung in der Apotheke zur Voraussetzung zu machen (Meinertz, 2015). Mit dem
aktuellen 4. AMG- nderungsgesetz will die Bundesregierung nun das Verbot von

19
Homepage: https://www.dred.com
18 2 Stand der Forschung

Fernverschreibungen gegen die europäische Richtlinie durchsetzen und damit


Diensten wie Dr d die Grundlage entziehen (Winnat, 2016). Harschere Worte fin-
det hierfür der Bundesärztekammerpräsident Professor Frank Ulrich Montgomery,
der das nderungsgesetz der Regierung auf dem rztetag 2016 mit den Worten
Schmuddelrezepte über das Internet ohne Arztkontakt sind damit verboten. Und
das ist gut so (Montgomery, 2016, S. 3) kommentierte.
inen ähnlichen Ansatz wie Dr d verfolgt das Berliner Startup Medlanes20,
das fachliche medizinische Beratung über ihr Onlineforum anbietet. Aber auch
hier beschränken rechtliche Hürden eine ganzheitliche Verlagerung medizinischer
Leistungen in das WWW. In der Berufsordnung für deutsche rztinnen und rzte
hei t es rzte dürfen individuelle ärztliche Behandlung, insbesondere auch Be-
ratung, nicht ausschlie lich über Print- und Kommunikationsmedien durchführen
(Bundesärztekammer, 2011, S. 9). Seit dem Aufkommen von elektronischen und
digitalen Gesundheitsangeboten, die anfingen sich in den 1990er Jahren zu etab-
lieren, gewinnt aber genau diese (Online- ) Gesundheitskommunikation an Rele-
vanz.
inen diese Angebote zusammenfassenden und ein viel verwendeter Man-
telbegriff hierfür ist eHealth, der sich allerdings nicht trennscharf von ähnlichen
Begriffen (digital health, Health 2.0, Cybermedizin uvm.) abgrenzen lässt. ine
edoch oft verwendete Definition beschreibt eHealth als emerging field of medi-
cal informatics, referring to the organization and delivery of health services and
information using the Internet and related technologies ( ysenbach, 2001,
S. 211). Da der Zweck solcher Angebote die Verbesserung der allgemeinen Ge-
sundheit seiner Nutzer durch Informationsangebote zum Ziel hat, kann diese De-
finition noch ergänzt werden durch information and communication technology
to enable health and healthcare ( ng, 2001, S. 8). Die Definitionsversuche
zeigen recht deutlich, dass es sich bei eHealth um einen vielschichtigen Begriff
handelt, der eine genauere Betrachtung n tig macht.
Als eines der gr ten Teilbereiche von eHealth ist die Online-Gesundheits-
kommunikation zu nennen, die alle Anwendungen im Internet umfasst, die einen
individuellen und vor allem kommunikativen Austausch über Gesundheitsinfor-
mationen erm glichen (Jackson & Duffy, 1998). Typische praktische Anwen-
dungsbereiche sind Gesundheitsportale, die Gesundheitswissen zur Verfügung
stellen, Communities, in der sich Patienten und manchmal auch xperten aus-
tauschen k nnen oder der neuere Bereich der Health Provision, der einen direkten
Kontakt zwischen Arzt und Patient (virtuelle Arztpraxis, Telemedizin uvm.) er-
m glicht und einen sehr hohen Interaktionsgrad aufweist (Gitlow, 2000, S. 117-
120 Hautzinger, 2003).

20
Homepage: https://medlanes.com
2.2 Der digitale Wandel in der Medizin 19

Verschiedene Studien konnten bereits nachweisen, dass die Nutzung solcher An-
gebote dazu geführt hat, dass Patienten ihre Krankheiten besser verstehen und so-
gar angegeben wurde, aus den Online-Gesundheitsangeboten etwas gelernt zu ha-
ben. Allerdings scheinen solche Angebote das pers nliche Gespräch nicht ersetzen
zu k nnen. 94 der Befragten einer Studie gaben an, dass die Nutzung solcher
Angebote keinen influss auf die Anzahl ihrer Arztbesuche habe (Baker, Wagner,
Singer & Bundorf, 2003). Dennoch wird von der Annahme ausgegangen, dass die
Nutzung von Online-Gesundheitsangeboten zu einer manzipation der Patienten
im Gesundheitswesen (Schmidt-Kaehler, 2005, S. 479) oder wenigstens einer
instellungsänderung gegenüber Gesundheitsthemen führt (Peter, Rossmann &
Keyling, 2014), was sich zweifellos auf die zukünftige APK auswirken wird.
Die neuste Patient Survey, die seit 2010 ährlich erscheint, kommt zu einem
ähnlichen rgebnis. Ungefähr die Hälfte aller Menschen in Deutschland (über 40
Millionen) informiert sich mittlerweile über das Internet über Gesundheitsthemen.
Des Weiteren zeigen die rgebnisse der gr ten Befragung zum Thema Patient
im Netz inzwischen, dass sie sich nicht blo informieren, sondern dass mehr und
mehr neuere, therapiebezogene internetbasierte Dienste, tragbare Geräte und Apps
das Therapieverhalten sowie die Meinung und instellung der Patienten über ihre
rkrankung zu prägen beginnen ( Patient RSD, 2016).

2.2.4 Quantified Self-Produkte – Der Trend zur Selbstvermessung


Online ist also nicht mehr ausschlie lich auf ournalistische Inhalte wie Foren und
Weblogs beschränkt. In Zukunft wird es immer mehr darum gehen, Daten vom
Smartphone und anderen vernetzten, digitalen Gegenständen im Haus des Patien-
ten auszuwerten und für die Gesundheitsberatung zu nutzen. benfalls aus der -
Patient Survey Studie stammt die rkenntnis, dass 9 der Befragten sogenannte
Coaching-Apps benutzen, um mit ihrer rkrankung im Alltag besser umgehen zu
k nnen. Neben dem Smartphone als alleinige Informations uelle gaben ebenfalls
9 an, eine Smartphone-App in Kombination mit einem medizinischen Gerät, wie
beispielsweise Bewegungs-Tracker zur Datensammlung und -Auswertung zu nut-
zen. Weitere 6 nutzen Apps zur eigenen berwachung ihrer Medikation, die da-
bei helfen sollen, Medikamente richtig einzunehmen oder sich in den ben tigten
Intervallen an die korrekte innahme erinnern zu lassen. ine andere rhebung,
ebenfalls aus dem Jahr 2016, kommt auf noch h here Werte. Nach einer reprä-
sentativen Umfrage unter 1.236 Personen von Bitkom Research nutzen derzeit 31
der Bundesbürger ab 14 Jahren so genannte Fitness-Tracker zur Aufzeichnung
von Gesundheitswerten: 18 nutzen Fitness-Armbänder, 13 Smartphones mit
Fitness-Apps und 6 Smartwatches (Bitkom Research, 2016). Trotz unter-
20 2 Stand der Forschung

schiedlicher Werte lässt sich zweifelsfrei feststellen, dass digitale Gesundheitsan-


gebote mittlerweile nicht mehr aus dem Alltag der Nutzer wegzudenken sind. Im
Hinblick auf die langsam fortschreitenden ntwicklungen der digitalen Infrastruk-
tur im Zuge des -Health-Gesetzes der Bundesregierung, gaben ebenfalls bereits
6 der Patienten an, eine eigene digitale Gesundheitsakte21 zu nutzen, obwohl
diese teilweise selbst bezahlt und gepflegt werden muss ( Patient RSD, 2016).
rgebnisse wie dieses lassen vermuten, dass die Nachfrage nach innovativen L -
sungen für das individuelle Gesundheitsmanagement bisher noch gering ausfällt,
aber in Zukunft vermutlich eine immer gr ere Rolle spielen wird. ine weitere
kürzlich erschienene Studie mit dem Namen Top 10 Strategic Technology Trends
2016 22 legt zudem offen, dass xperten mit einem enormen Wachstum bei ver-
netzten Geräten, dem sogenannten Device Mesh , rechnen vor allem im Bereich
der Gesundheitsanwendungen (Rotermund & Sommerhäuser, 2016).
Im Hintergrund stehen private Gesundheitsdienstleister und ntwickler von
netzfähigen Fitness-Produkten, wie zum Beispiel Fitbit23, Jawbone, Garmin,
Nike24 oder auch Mobilcom-Debitel mit Smartcare25, die sich mittlerweile am Ge-
sundheitsmarkt etabliert haben und durch ihre Produkte einen gesünderen Lebens-
stil versprechen. Solche Gadgets, also kleine mobile und vernetzte Geräte, be-
schränken sich aber nicht nur auf den Fitnessbereich, sondern umfassen auch Life-
style- und Wellnessangebote bis hin zu Smart Home-L sungen, die alle zum Ziel
haben den Alltag zu erleichtern. Oberbegriff für das Phänomen einer immer kom-
plexer werdenden Vernetzung von Geräten ist das Internet of Things (IoT) und
erm glicht, unter anderem im medizinischen Bereich, das Sammeln, Zusammen-
führen und Auswerten von ortsunabhängigen Gesundheitsdaten zu einem umfas-
senden Patientenbild. Im Hinblick auf die bereits etablierten Begriffe Web 1.0 und
Web 2.0, wird diese intelligente Vernetzung von Geräten durch integrierte Senso-
ren, von einigen Autoren bereits als Web 3.0, oder auch das semantische oder in-
telligente Web, bezeichnet (Lupton, 2015, S. 3).
Im Zuge des Device Mesh entstand auch die beeindruckende Prognose, dass
sich die Anzahl der vernetzten Geräte von circa 500 Millionen (im Jahr 2003) bis

21
87 der Nutzer von Online-Gesundheitsakten gaben in der Studie an, die digitale Akte helfe ihnen
deutlich bei verschiedenen Arztbesuchen, vor allem beim Zugriff auf Krankheitsdaten und der Behand-
lung ( Patient RSD, 2016).
22
Pressemitteilung: http://www.gartner.com/newsroom/id/3143521
23
Fitbit ist einer der führenden Anbieter für sogenannte Fitness-Gadgets, die verschiedene Gesund-
heitsdaten sammeln, bündeln und auswerten. Die meisten dieser Geräte sind am K rper tragbar
(Wearables) und senden ihre Daten zur Auswertung via Internet an das Smartphone oder den Compu-
ter. Siehe: https://www.fitbit.com/de
24
Siehe: https://secure-nikeplus.nike.com/plus/products/fuelband/
25
Siehe: https://www.mobilcom-debitel.de/digitale-welt/smartcare/
2.2 Der digitale Wandel in der Medizin 21

zum Jahr 2020 auf 50 Milliarden erh hen k nnte. Dies entspräche einem weltwei-
ten Durchschnitt von über sechs Geräten pro Person ( vans, 2011, S. 3). in Bei-
spiel für ein solches Gadget, das dem Gesundheitssektor zuzuordnen ist, ist die
kleine Kugel Sense der Firma Hello, die mit Hilfe zahlreicher Sensoren die Luft-
ualität von Räumen auf verschiedenste Werte untersucht, den Schlaf analysiert
und den Besitzer mit einer intelligenten Weckfunktion gegebenenfalls schon vor
der eingestellten Weckzeit aus dem Schlaf holt, sollte er sich zufällig gerade in
keiner Tiefschlafphase befinden.26 Die Technik, die hier bereits kommerzialisiert
wurde, hat seine Berechtigung zuvor schon in wissenschaftlichen Studien unter
Beweis gestellt. So zeigten Kryger, Roth und Dement (2011) bereits auf, dass un-
mittelbare Umweltfaktoren, wie Temperatur, Luft ualität und der Geräuschpegel
im Schlafzimmer, Hauptursachen für eine schlechte Schlaf ualität darstellen. Al-
lerdings ist hier zu erwähnen, dass ualität und Genauigkeit solcher selbsterhobe-
nen Daten oft kritisch hinterfragt werden müssen und einheitliche Zertifizierun-
gen, wie bereits in Kapitel 2.1.3 angesprochen, bisher als verlässliche Orientie-
rungshilfen fehlen. Im Falle digitaler Assistenzsysteme wie Hello ist bisher nicht
nachgewiesen, wie genau die Messungen zu bewerten sind und ob sie wirklich
dazu genutzt werden k nnen, verlässliche Informationen zu liefern, die eine Aus-
sage über die Ursachen eines schlechten Schlafverhaltens erm glichen (Kay,
2014, S. 35). Nichtsdestotrotz ver ffentlichen Hersteller solcher Geräte und An-
gebote ständig neue Meldungen über technische Fortschritte ihrer Produkte.
Diese begründen sich in der stetig ansteigenden Rechenleistung von Mikro-
computern in Smartphones oder Tablets und vor allem dank des insatzes von
biometrischen Sensoren sind dauerhafte Messungen von bioelekrtischen Aktivitä-
ten heute schon Realität (Bravo, Herv s & Villarreal, 2015, S. 4 Rotermund &
Sommerhäuser, 2016). Während die Wearables der ersten Generation sich haupt-
sächlich auf die Messung der Herzfre uenz oder den Schlafrhythmus beschränken
mussten, werden neuere Geräte durch immer kleinere und schnellere Prozessoren,
nach Herstellerangaben, bald auch umfassende Analysen von Vitalfunktionen, be-
rechnen k nnen (Kaplan & Stone, 2013 uandt, 2015 Sto ceski, 2016). Aber
auch hier scheint das nde der M glichkeiten noch lange nicht erreicht zu sein.
Sensor-embedded physical environments that monitor people s movements in
public spaces are already in place. Many smart fabrics have been developed that
can be used for clothing or footwear to collect body metrics on wearers (Lupton,
2015, S. 6). Das hei t Sensoren werden bald nicht mehr nur am K rper getragen,
sondern werden Teil von Alltagsgegenständen. Blutdruck, Zuckerwerte, Muskel-
beanspruchung, K rpertemperatur, Atemfre uenz, Blutwerte, Schlafmuster,
Herzfre uenz, Hirnaktivität und sogar Zahnbürsten, die Regelmä igkeit und

26
Siehe: https://hello.is/technology
22 2 Stand der Forschung

Gründlichkeit der täglichen Zahnhygiene dokumentieren, sind heute schon Reali-


tät (Fox, 2015 Lupton, 2013, S. 394). Selbst im menschlichen K rper lassen sich
digitale Gesundheitsangebote nutzen. Sehr wahrscheinlich werden Sensoren und
Mikrochips in Zukunft auch in der Medikation eingesetzt. Denkbar wäre demnach,
dass die Medikation am Smartphone verfolgt werden kann, da Tabletten mit eige-
nen Nanosensoren ausgestattet sind. ine andere M glichkeit wäre der insatz
von winzigen Geräten, die im Magen elektronisch die genaue Ausschüttung einer
bestimmten Menge eines Wirkstoffes regeln (Bruhn, 2014).
Für diese ntwicklung, vor allem in Kombination mit Smartphone Apps,
steht der Begriff Mobile Health (mHealth), der sich zu einem etablierten Teilgebiet
von eHealth Angeboten entwickelt hat. M glich gemacht hat dies die aus den USA
kommende und mittlerweile international verbreitete uantified Self ( S)27 Be-
wegung. Während S eher als Netzwerk oder Gemeinschaft von Anwendern ver-
standen werden kann, bezeichnet mHealth den konkreten insatz der bereits er-
wähnten mobilen Kommunikationstechnologien in der Gesundheitsvorsorge und
f rderung (Abroms & Lefebvre, 2009 Dias, Ribeiro & Furtado, 2016 Vital
Wave Consulting, 2009). Dieses stark expandierende Feld ist vor allem dadurch
gekennzeichnet, dass es in kurzen Zyklen Innovationen hervorbringt und sich
stetig wandelt (Albrecht, 2016, S. 14).
Neben der Prävention lassen sich mHealth Angebote edoch auch zur Unter-
stützung von Diagnostik, Behandlung, Kommunikation, der Nachverfolgung von
pidemien28, ärztlichen Fernüberwachung und der sofortigen Datenerfassung per
Fernabfrage verwenden (Vital Wave Consulting, 2009). Die rhaltung, F rderung
und Wiedererlangung der Gesundheit edes Individuums, ganz im Sinne der Per-
sonalisierten Medizin, steht auch hier als zentrales Konzept im Vordergrund. In
diesem Zusammenhang definiert die WHO (2006) den Begriff Gesundheit als
einen Zustand des vollkommenen k rperlichen, seelischen und sozialen Wohlbe-
findens und nicht als die blo e Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen.
Dadurch geh ren zweifelsohne auch Wellness-Angebote 29, deren Ziel in erster
Linie das Wohlbefinden der Nutzer, gleichzeitig aber eben auch in der Verbesse-
rung der Gesundheit durch f rdernde Ma nahmen besteht, zu den eHealth und
mHealth Angeboten (Albrecht, 2016, S. 15).

27
Sammelbegriff für diese Bewegung ist uantified-Self (Deutsch: uantifiziertes Selbst), ein 2007
von Gary Wolf und Kevin Kelly geprägter Begriff, der die Aufzeichnung und Selbstanalyse von Da-
ten über die eigene Person und Umwelt beschreibt (Kelly, 2007).
28
Sehr interessant ist hier das Premonition Pro ekt von Microsoft, dass Drohnen zur pidemie-Be-
kämpfung in Grenada einsetzt (Linn, 2015).
29
Nicht immer werden die sogenannten Fitness- und Wellness Apps in rhebungen getrennt von me-
dizinischen Apps aufgeführt. Auch wenn Medizinische Apps streng genommen keine Wellness Ange-
bote darstellen, werden sie doch im Sinne der bersichtlichkeit und Forschungsabsicht dieser Arbeit
zum Oberbegriff mHealth hinzugezählt.
2.2 Der digitale Wandel in der Medizin 23

Da der Begriff oft mit der Telemedizin oder teilweise auch mit dem hier als Ober-
begriff definierten eHealth gleichgesetzt wird, sind Klassifizierungen von digita-
len Gesundheitsangeboten oftmals irreführend. in entscheidender Unterschied
von mHealth zu den sehr weit gefassten Konzepten eHealth und Telemedizin be-
steht im Allgemeinen im insatz von mobilen ndgeräten. Dies umfasst egliche
Art von Smartphones, Tablets, Phablets sowie Wearables, die als im Gesundheits-
kontext nutzbare Geräte beschrieben werden (Kay & Santos, J. & Takane, M.,
2011, S. 66-71). iner rhebung30 aus dem Jahr 2015 zu Folge nutzen bereits 38
der deutschen Bev lkerung Self-Tracking-Geräte. Davon sind rund 16 soge-
nannte Heavy-User, also Personen, die solche Geräte täglich oder mehrmals die
Woche nutzen (Wenke, 2015). Abgesehen von Patienten und Nutzern solcher An-
gebote wurden in derselben Studie zudem niedergelassene rzte in Deutschland
zu ihrer pers nlichen Bewertung und Nutzungsverhalten des Self-Trackings31 be-
fragt. Die rgebnisse lassen ein enormes Marktpotential und eine sehr hohe ge-
genwärtige Wahrnehmung gegenüber der Selbstvermessung erkennen. twas häu-
figer als die Laien, nutzt bereits fast eder zweite deutsche Arzt Self-Tracking-
Geräte wie Fitness Gadgets und Wearables zur Beobachtung der eigenen Fitness-
daten. Mit 20 an Heavy-Usern liegt auch hier der Anteil leicht über dem der
Patienten und Laien-Nutzer (Wenke, 2015).
Zahlreiche wissenschaftliche Studien haben sich bereits mit dieser Selbstver-
messung beschäftigt. inen guten berblick bieten die Studien von Mamlin und
Tierney (2016) und Lupton (2013), die die verschiedenen M glichkeiten digitaler
Gesundheitsangebote und die soziale und kulturelle Bedeutung dieser Technolo-
gien für die Gesundheitsf rderung beleuchtet.
Neben den üblichen Anwendungsbereichen wie der sensorischen rfassung
von Bewegungsmustern und Vitaldaten, gehen manche Unternehmen noch einen
Schritt weiter. in Beispiel ist die amerikanische Firma 23andme, welche die
Dienstleistung anbietet, mittels Test-Sets, die nach Hause geliefert werden, weit-
reichende DNA-Analysen durchzuführen. Die Proben werden zu Hause entnom-
men, zurückgeschickt und ausgewertet.32 Hier verschmilzt gewisserma en die
Grenze zwischen Selbstvermessung und professionellen medizinischen Auswer-
tungsmethoden bis hin zur analytischen Laborarbeit. Solche M glichkeiten waren
vor 20 Jahren noch Science Fiction. 23andme ist dabei nicht der einzige Anbieter

30
s handelt sich um eine Online Befragung von DocCheck Research mit einer randomisierten Stich-
probenziehung aus dem Healthcarepanel von DocCheck (APIs) uotierte Zufallsauswahl aus dem
Onlinepanel von respondi n = 166 niedergelassene rzte in Deutschland und n = 704 rwachsene (14-
69 Jahre) in Deutschland Patienten bzw. Laien (Wenke, 2015).
31
Unter Self-Tracking versteht man die aktive Teilnahme an der S Bewegung, also eine stetige r-
hebung der eigenen Fitness- bzw. Vitaldaten durch mHealth Angebote.
32
Für mehr Informationen besuchen Sie: https://www.23andme.com/
24 2 Stand der Forschung

am Markt. Auch Unternehmen wie deCODEme, Navigenics, und Pathway Geno-


mics bieten mittlerweile Genanalysen für zu Hause an. s ist das erste Mal, dass
signifikante Mengen an Gesundheitsinformationen für Privatpersonen zugänglich
gemacht wurden, ohne dass medizinisch ausgebildetes Personal als Mediator be-
n tigt wird (Swan, 2012, S. 105).
Für viel Aufsehen sorgte zudem das 2003 gegründete amerikanische Unter-
nehmen Theranos, welches sich zum Ziel gemacht hatte medizinische Bluttests zu
demokratisieren. Die damals erst 19 Jährige Gründerin lizabeth Holmes, die
2015 vom Forbes Magazine zu America s Self-Made-Woman (Forbes, 2015) ge-
wählt wurde, entwickelte ein Bluttestverfahren, das im Gegensatz zu üblichen
Verfahren keine Nährb den zur Bestimmung der rgebnisse in Laboratorien be-
n tigt, sondern mittels Sofort-Gentests, Werte aus nur wenigen Tropfen Blut er-
mitteln kann. Wo bei herk mmlichen Labortests gr ere Mengen an Blut pro Test
ben tigt werden, verspricht Theranos hunderte Testergebnisse, die der Patient zur
Hause mit nur einer Probe mittels eines Edison genannten Nano-Blutcontainers,
selbst entnehmen kann. Die entnommenen Proben k nnen eingeschickt und die
rgebnisse benutzerfreundlich über die Smartphone App eingesehen werden.
Hierdurch soll nicht nur das Verfahren zur Blutanalyse revolutioniert werden
denn mit Hilfe von dison und der zu Grunde liegenden Technik k nnen nicht nur
Cholesterin und isenwerte erhoben, sondern auch Krankheiten wie Diabetes und
Krebs frühzeitig erkannt werden sondern es lie en sich zudem Kosten in Milli-
ardenh hen im Gesundheitssystem einsparen, lie en sich die Blut-Laboranalysen
massentauglich einsetzen (Hohensee & Kutter, 2015 Loria, 2015 Roper, 2014).
rste Zweifel über die Funktionsweise der Theranos-Technologie wurden laut, als
das renommierte wissenschaftliche Journal of the American Medical Association
(JAMA)33 im Februar 2015 das Fehlen entscheidender evidenzbasierter Studien
bemängelte. inige Monate später ver ffentlichten das Wall Street Journal und
andere Magazine Auszüge aus Gesprächen früherer Mitarbeiter von Theranos, die
den Produkten gravierende Ungenauigkeiten bei der Diagnose attestierten, die das
Unternehmen offenbar zu verbergen versuchte (Carreyrou, 2015 Lapowsky,
2015).
Kürzlich durchgeführte Tests der amerikanischen Beh rden bestätigten die
schlechten Nachrichten und offenbarten, dass ungefähr 30 der Bluttests zu un-
genauen oder sogar falschen rgebnissen führten (Demling, 2016).34 Abgesehen
von solchen Negativbeispielen scheint ein Gro teil der eHealth Nutzer edoch
überwiegend positiv über die technischen ntwicklungen im Medizinbereich zu
urteilen. Ungefähr 80 der Nutzer, die in der aktuellen Patient Studie befragt

33
Homepage: http:// ama. amanetwork.com/ ournal.aspx
34
Die kompletten Testergebnisse sind ffentlich einsehbar unter: http://arstechnica.com/wp-con-
tent/uploads/2016/04/report20160331.pdf
2.2 Der digitale Wandel in der Medizin 25

wurden, die eine App in Verbindung mit einem medizinischen Messgerät verwen-
den, speichern ihre Messwerte dadurch regelmä ig und geben an einen vollstän-
digeren und besseren berblick über ihren Krankheitsverlauf zu haben ( Patient
RSD, 2016).
Dieser berblick bietet nicht nur den Patienten die M glichkeit, eine gewisse
Autonomie über das eigene Gesundheitsmanagement zu erlangen, sondern kann
ebenfalls bei anstehen Arztbesuchen dabei helfen, Diagnosen zu unterstützen, Fra-
gen zu stellen und dadurch aktiv an der eigenen Genesung mitzuwirken. Neuste
rhebungen zeigen, dass Patienten mehr und mehr eigens erhobene Gesundheits-
daten beim Arztbesuch in der Praxis ansprechen. s hat sich gezeigt, dass mittler-
weile fast eder zehnte Patient seinen Arzt mit Fragen zu Self-Tracking-Geräten
und den damit erhobenen Messwerten konfrontiert. Bei den sogenannten Heavy-
Usern35 liegt der Anteil ungefähr dreimal h her (Wenke, 2015).36

2.2.5 Fitness- und Medical-Apps


Trotz anhaltender Kontroversen über Genauigkeit und Datenschutzprobleme in-
ternetbasierter Gesundheitsdienste, sind eHealth Angebote bei den ndverbrau-
chern sehr gefragt (Gauch et al., 2016). Besonders beliebt sind Applikationen für
Smartphones, in denen mittlerweile Beschleunigungssensoren und GPS standard-
mä ig verbaut sind. Neben einer Vielzahl von Apps lassen sich zudem externe
Geräte über Bluetooth und andere bertragungstechniken mit dem Smartphone
verbinden, die Daten sammeln, bündeln und auswerten. Diese k nnen dann zur
Selbstreflexion genutzt oder aber an den Hausarzt weitergegeben werden. 70 der
Patienten, die bereits digitale Gesundheitsangebote nutzen sind derzeit bereit, ihre
Daten mit dem Haus- oder Facharzt zu teilen, eder fünfte Heavy-User tut dies
bereits. Das Weitergeben von Gesundheitsdaten an die Krankenkasse, das soge-
nannte Datensharing, kommt edoch nur für eden dritten Patienten in Frage.
In den Vereinigten Staaten ist der Markt für mHealth Angebote bereits stark
entwickelt. Plattformen wie ZocDoc (mit einer ausgereiften Integration von Apps
für Mobilgeräte) helfen Patienten beispielsweise dabei, rzte zu finden und Ter-
mine zu vereinbaren.37 Aber auch Dienste wie HealthMap38 oder Google Flu

35
Nutzer, die solche Angebote täglich oder mehrmals die Woche nutzen.
36
rzte Heavy-User: Beantworten häufig Fragen zu Self-Tracking-Messwerten: 33 (n=33) Patien-
ten Heavy-User: Stellen häufig Fragen zu Self-Tracking-Messwerten: 16 (n=109).
37
Mit Jameda gibt es allerdings ein vergleichbares Angebot nun auch in Deutschland. Siehe:
www. ameda.de
38
Siehe: http://www.healthmap.org/en/
26 2 Stand der Forschung

Trends39, die eine Beobachtung und berwachung der Verbreitung von Krankhei-
ten erm glichen, stehen für ein hoch innovatives Gesundheitswesen. in weiteres
wegweisendes Beispiel ist mit dem Gewinner des Medical App Awards 2016 zu
nennen. Predictable40 ist der Name der schriftbasierten Anwendung mit Sprach-
ausgabe. Sie macht es m glich Menschen eine Stimme zu geben, die ihre eigene,
natürliche Stimme nicht mehr nutzen k nnen. Nutzer sind z.B. ALS-Patienten o-
der Personen mit zerebralen Lähmungen, hervorgerufen durch Schlaganfälle oder
Kopfverletzungen.
xperten schätzen, dass der Mobile Health-Markt, welcher Medical Apps
und Wearables umfasst, in den kommenden Jahren zunehmend an Bedeutung ge-
winnen wird. ine Analyse des Apple App Store hat ergeben, dass momentan circa
91.000 iOS Apps zum Thema Medizin und Gesundheit zum Download bereit ste-
hen, Tendenz steigend. Dies entspricht einer monatlichen Zunahme von 1.800
Apps seit August 2015, darunter auch hochspezialisierte Angebote wie Apps zur
Behandlung von Tinnitus41 (Kohl, 2016). in nennenswertes Beispiel ist das Star-
tup Tinnitracks, dass derzeit durch eine Kooperation mit der aus dem Internet und
Fernsehen bekannten Gesundheitsplattform Dr.Johannes42 versucht, die Therapie-
treue durch eine pers nliche Ansprache durch einen Arzt zu steigern (Bittner,
2016).
Der Gro teil dieser Daten ist bereits vorhanden. Das Smartphone errechnet
schon heute, wie viel und wie intensiv sich ein Patient täglich bewegt und Apps
wie Apple Health und Google Fit k nnen hieraus Bewegungsprofile erstellen und
mit ein wenig Hilfe seitens des Nutzers bereits recht gut einschätzen, wie viele
Kalorien ein Patient täglich zu sich nimmt, wieviel er sich bewegt und wie gesund
er dementsprechend ist (Rotermund & Sommerhäuser, 2016). Im Vergleich zu an-
deren Gesundheitsangeboten bieten mHealth Angebote entscheidende Vorteile.
Vor allem durch die enorme Durchdringung (sein Smartphone hat man meistens
dabei), die Häufigkeit der Nutzung (Shrum, 2014) sowie geringe Anschaffungs-
kosten tragen dazu bei, dass längerfristige positive ffekte bezüglich des Gesund-
heitsverhaltens zu erwarten sind. Bisherige Studien von F eldsoe, Marshall und
Miller (2009), Chib (2013) oder Cole-Lewis und Kershaw (2010) untermauern
diese Annahme. ine Befragung von 166 deutschen rzten kommt zu dem rgeb-
nis, dass Medical Apps und Wearables die Chance bieten, Menschen zu einer ge-
sünderen Lebensweise zu bewegen. Dieser Meinung sind 73 der Befragten. Wei-
tere positive ffekte werden bei der präventiven Bekämpfung von sogenannten

39
Siehe: https://www.google.org/flutrends/about/
40
Siehe: https://itunes.apple.com/de/app/predictable-deutsch-textbasierte/id577387374?mt=8
41
Zum Zeitpunkt der Recherche befanden sich alleine zum Thema Tinnitus 138 Anwendungen im
Apple App Store. Siehe hierfür Kohl (2016).
42
Siehe: http://www.doktor- ohannes.de/startseite.html
2.2 Der digitale Wandel in der Medizin 27

Zivilisationskrankheiten, wie zum Beispiel Diabetes, vermutet (66 ). Auch der


verbesserte Datenaustausch mit rzten und die damit verbundene Unterstützung
von Therapien (43 ) werden als Chancen des Self-Trackings genannt. Von Seiten
der Patienten wird vor allem der Aspekt der igenkontrolle als gro e Chance der
Selbstvermessung hervorgehoben (Wenke, 2015).
Allerdings werden auch bei mHealth Anwendungen ualitätsprobleme dis-
kutiert. Die Informations- und Bewertungsplattform HealthOn43 testet und bewer-
tet neue Applikationen im deutschsprachigen Raum und arbeitet an einer tablie-
rung von ualitätsstandards für digitale Gesundheitsangebote. Ach das Me-
dAppLab44 der Hannover Medical School, dessen Team sich aus Medizinern, In-
formatikern, konomen, Journalisten und Juristen zusammensetzt, beschäftigt
sich unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten nicht nur mit der valuation son-
dern auch der eigenen ntwicklung von Gesundheits-Apps. Aktuell beschäftigt es
sich mit dem vom BMG gef rderten Pro ekt carismha, bei dem die Chancen und
Risiken von Gesundheits-Apps bewertet werden. ine umfassende Aufgabe, denn
alleine in den App-Stores von Google und Apple stehen mittlerweile über 110.000
verschiedene Apps, die sich mit Themen rund um Gesundheit, Fitness und Le-
bens ualität beschäftigen, zum Download bereit (Klitzke, 2016). Wie bereits er-
wähnt liegt eine gro e Herausforderung für Anbieter in der Integration ihrer Pro-
dukte in die IT-Prozesse von Arztpraxen und Krankenhäusern, die es zu überwin-
den gilt.
Dass diese Digitalisierung der Gesundheitsbranche ungeachtet dessen, dass
ualitätsstandards eingehalten oder missachtet werden, einen influss auf die Art
haben wird, wie Patienten mit solchen Informationen umgehen und wie sie in Zu-
kunft mit ihrem Hausarzt über ihren Gesundheitszustand reden und kommunizie-
ren, lässt sich wohl kaum bestreiten. Wem diese ntwicklung nutzt oder schadet
oder welche Auswirkungen genau entstehen, lässt sich bisher nicht sagen. s lässt
sich edoch vermuten, dass die Nutzung von vernetzten sozialen Medien und
mHealth Angeboten mit Hilfe einer neuen Gesundheitskommunikation dazu führt,
dass sich der Markt zu einem zunehmend partizipativen und damit einem patien-
tenorientierten Gesundheitssystem wandelt. Der Patient wäre demnach nicht mehr
nur mpfänger von medizinischen Leistungen, sondern gleichzeitig uelle für In-
formationen, die im Sinne einer personalisierten Medizin in den Behandlungspro-
zess einflie en k nnten.
in konkretes Anwendungsbeispiel hierfür wären durch Biosensoren erho-
bene Langzeitwerte von Vitaldaten, die durch passende Anwendungen, hilfreiche
Daten für den Arzt aufbereiten k nnten. In Zukunft wäre eine solche Steigerung
von einer selbst erhobenen Datenbasis hin zur Selbsttherapie durchaus denkbar.
43
Homepage: https://www.healthon.de/
44
Homepage: http://www.plrimedapplab.de/
28 2 Stand der Forschung

Konkrete Bestrebungen zur Implementierung von medizinischen Apps, lassen sich


beispielsweise im Bereich der Selbstmedikation bereits beobachten. Der ntwurf
zum -Health-Gesetz sieht bereits vor, dass Patienten mit Polymedikation, d.h. die
mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen müssen, einen Anspruch auf die
rstellung eines Medikationsplans haben. Wer in der Verantwortung für Pflege
eines solchen Planes steht, der zunächst in Papierform und später auf der digitalen
Gesundheitskarte gespeichert werden soll, ist bislang aber nicht geklärt. Die Bun-
desärztekammer (B K), die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände
(ADBA) und der BiM streiten zurzeit über dieses Thema und fordern eine baldige
L sung zu Gunsten der Patienten (Hollstein & Müller, 2015).
Dennoch ist anzumerken, dass die W rter Software oder gar App im Ge-
setzestext des -Health-Gesetzes bisher gar nicht auftauchen, was die Bewertung
von Chancen und Risiken solcher Angebote schwierig machen dürfte. Abhilfe
schaffen k nnten eHealth Pro ekte wie das AMM die Semantische Integra-
tion von Medikationsplänen unterschiedlicher Struktur (Pradel, 2016), welches
seit Mitte 2015 existiert und bis Juni 2017 F rderungen des BMWi zugesichert
bekommen hat. An der Universität Leipzig arbeiten derzeit Informatiker der Ab-
teilung für Betriebliche Informationssysteme zusammen mit einem Softwareun-
ternehmen an einer Softwarearchitektur, mit der aus Packungen, Dokumenten und
Arztbriefen gewonnenen Informationen, automatisch in den Medikationsplan ein-
gebunden werden k nnen (Pradel, 2016). Parallelen zu IBM s Watson sind deut-
lich erkennbar und sind beispielhaft für die Nutzbarmachung von Big Data für den
einzelnen Patienten.
Neben solchen präventiven Ma nahmen bieten Medical Apps nach einer
neuen Studie des Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik der TU
Braunschweig und der Medizinischen Hochschule Hannover noch weitaus um-
fangreichere M glichkeiten wie der Steigerung der Leistungs- und Versorgungs-
ualität. Konkrete Anwendungsfelder b ten sich hierbei zum Beispiel bei der Ver-
sorgung und gesundheitlichen berwachung von Pflegebedürftigen an. Dennoch
warnen die Forscher davor, dass Anwender die Geräte verhältnismä ig unreflek-
tiert einsetzen und sich der m glichen Gefahren, die aus deren insatz entstehen
k nnen besonders auch in hochsensiblen Bereichen wie der Gesundheit und der
Medizin nicht bewusst sind (Albrecht, 2016, S. 14).

2.2.6 Bisherige Erfahrungen von Ärzten mit eHealth


In üngster Vergangenheit werden auch zunehmend Stimmen aus der rzteschaft
selber laut, die die ntwicklung digitaler Assistenzsysteme und Gesundheits-Apps
bewerten. Dies ist nicht wenig verwunderlich, sind sie es doch, deren Kernkom-
petenz die Analyse und Bewertung von Gesundheitszuständen durch neue
2.2 Der digitale Wandel in der Medizin 29

Technologien herausgefordert oder zumindest durch neue Informationen erweitert


wird. Nach herrschender Meinung treten neben einigen nützlichen Angeboten ver-
mehrt auch unseri se Marktteilnehmer auf, die Nutzer nur schwer von ualitativ
hochwertigen Anbietern abgrenzen k nnen. ine berprüfung des o.g. Bundesin-
stituts für Arzneimittel und Medizinprodukte ist zwar ein Schritt hin zu einer trans-
parenteren Marktsituation, edoch fordern praktizierende Mediziner nun eine Zer-
tifizierung oder zumindest eine berprüfung von Gesundheits-Apps durch ärztli-
ches Personal (Scholz, 2016).
Dass rzte allmählich beginnen sich mit eHealth Angeboten zu beschäftigen
zeigt eine neue Studie aus Hamburg. In einer Befragung von 303 niedergelassenen
rzten kommt der rztenachrichtendienst (änd) zu dem rgebnis, dass 97 der
rzte überzeugt sind, dass die Anzahl der Nutzer von sogenannten Gesundheits-
Apps in den kommenden Jahren stark zunehmen wird. Allerdings hat sich unter
den Befragten erst eder Zweite mit dem Thema digitale Gesundheit auseinander-
gesetzt und gerademal 16 gaben an, bereits diverse Applikationen getestet und
sich intensiver damit beschäftigt zu haben. Hier zeigt sich bereits eine unzu-
reichende wissenschaftliche Bearbeitung des Themas, weswegen schon im Vor-
feld zu Kapitel 4, in dem das Forschungsinteresse präzisiert wird, auf eine For-
schungslücke hingewiesen werden soll.
Des Weiteren kommen die Autoren zu dem interessanten rgebnis, dass das
Thema digitale Gesundheit immer häufiger Bestandteil des direkten Arzt- Patien-
ten-Gesprächs wird. Fast die Hälfte der rzte (46 ) sind von Patienten schon
einmal mit Gesundheitsdaten konfrontiert worden, die auf einem Smartphone ge-
speicherten waren (Scholz, 2016). Die Frage nach der ualität und dem medizi-
nischen Nutzen solcher Gesundheits-Apps lässt eine eher positive Bewertung sol-
cher Angebote durch die rzte erkennen. Von den wenigen guten Programmen
erwarten 62 der Mediziner, dass sie hilfreiche Informationen liefern k nnten und
nur 18 beantworten die Frage nach der Nützlichkeit solcher Apps mit einem kla-
ren Nein . Was die Genauigkeit der erhobenen Messwerte angeht sind die Medi-
ziner unterschiedlicher Meinung. Nahezu eder dritte Arzt (31 ) bewertet die
Analyse von Blutzucker- oder Kreislaufwerten als Spielereien, die weder zu gro-
em Nutzen noch zu gr eren Gefahren führen.
Allerdings sehen 24 diese ntwicklung mit gr erer Sorge und warnen vor
Fehlinterpretationen seitens der Nutzer, die ohne ärztliche Beratung zu Verwir-
rung und Missverständnissen führen k nnten (Scholz, 2016). Zu dem Fazit, dass
digitale Gesundheitsangebote nicht ausschlie lich positive ffekte für das Wohl-
befinden der Patienten mit sich bringen, kommt auch Lupton (2013) und stellt fest:
People may feel overwhelmed by the sheer mass of data conveyed by their digital
devices and the need to keep up with social network updates. They may begin to
resent the imperative to self-track their body s functions and performances, even
30 2 Stand der Forschung

if the decision to do so was their own rather than urged upon them by a medical or
public health professional (S. 400-401).
Auch der Frage nach dem Nutzen solcher Apps für den Praxisalltag ist der
rztenachrichtendienst nachgegangen und kommt zu dem rgebnis, dass lediglich
30 von einer rleichterung im Behandlungsalltag sprechen, während 45 in
dem Zusammenhang eher von einer Gefahr, beziehungsweise Mehrarbeit ausge-
hen, da verunsicherte Patienten in den Praxen vermehrt über die ausgegebenen
Analysen der Programme aufgeklärt werden müssten (Scholz, 2016).45

Der bisherige Stand der Forschung hat zuweilen Aufschluss darüber gegeben, wie
technologische ntwicklungen der letzten Jahre die M glichkeiten in der medizi-
nischen Versorgung verändert haben. Patienten und auch rzte müssen sich diesen
ntwicklungen anpassen, damit der intendierte Nutzung der Digitalisierung, der
in den vorangegangen Kapiteln erläutert worden ist, seine gr tm gliche positive
Wirkung auf alle Beteiligten entfalten kann. ine solche Anpassung ist stets mit
der Notwendigkeit verbunden, Prozesse und ntwicklungen so zu kommunizie-
ren, dass sie von m glichst vielen Personen verstanden und akzeptiert werden. Die
ntstehung der Kommunikationswissenschaft als vergleichsweise neues Teilge-
biet der Sozial- und Geisteswissenschaften und der daraus erwachsenen wissen-
schaftlichen Disziplin der Gesundheitskommunikation beweist, dass die Bedeu-
tung der Kommunikation zwischen rzten, Patienten und anderen Anspruchs-
gruppen immer wichtiger wird.
Um die Tragweite dieser ntwicklung besser nachvollziehen zu k nnen be-
schäftigt sich das folgende Kapitel daher zunächst mit der ntstehung der Gesund-
heitskommunikation und ihren influss auf die Arzt-Patienten-Beziehung. Kapi-
tel 3 beschäftigt sich mit den theoretischen Hintergründen der APK und anschlie-
end soll geklärt werden, inwieweit der influss von zusätzlichen Informationen
aus eHealth Angeboten auf die Arzt-Patienten Beziehung in der Literatur behan-
delt wurde und welche Forschungslücken hierbei identifiziert worden sind, die zur
Zielsetzung dieser Arbeit geführt haben.

45
Die restlichen 25 Prozent der Befragten halten die Daten von Gesundheits-Apps für unbedeutend
oder keine echte Hilfe für die Behandlung Scholz (2016).
2.3 Kommunikation in der Medizin 31

2.3 Kommunikation in der edizin

2.3.1 Entstehung einer Gesundheitskommunikation


Gesundheit lässt sich definieren als ein Zustand des ob ektiven und sub ektiven
Befindens einer bestimmten Person, der vorliegt wenn ebendiese Person im in-
klang mit ihrer physischen, psychischen und sozialen ntwicklung mit ihren äu-
eren Lebensbedingungen ist (Hurrelmann, 2010, S. 8). Herrscht ein Ungleichge-
wicht dieses Zustands, spricht man vom Stadium der Krankheit. Weiterführende
Forschung zeigt edoch, dass diese beiden Stadien nicht unmittelbar trennbar von-
einander sind und demnach viele Zwischenpositionen existieren, sodass man von
relativer Gesundheit bzw. relativer Krankheit sprechen kann (Hurrelmann & Lep-
pin, 2001, S. 10). Mit den wachsenden M glichkeiten der Selbstmessung und
Selbstoptimierung werden massenhaft Daten erhoben, die auf der Skala zwischen
Gesundheit und Krankheit auch aufgrund ihrer wenig erforschten Wechselbezie-
hungen nicht immer eindeutig zuzuordnen sind. Besonders das breite Angebot in
den Bereichen Fitness und Wellness, die ebenfalls zu den Gesundheitsangeboten
geh ren, dient in erster Linie zur Krankheitsprävention, die durch eine gesündere
Lebensweise erreicht werden soll.
inige Studien konnten belegen, dass eHealth-Angebote bis dato nachweis-
lich zu einer Verbesserung der ualität in der Gesundheitsversorgung geführt und
im Allgemeinen durch optimierte Prozesse zudem Kosten eingespart haben (Coile,
2000 Struk & Pharow, 2008 West & Miller, 2010). Dennoch sollten bei der Be-
trachtung des Phänomens eHealth nicht ausschlie lich die zahlreichen Technolo-
gien im Vordergrund stehen. Vielmehr geht es hier um einen Prozess, der mit Hilfe
von Information und Kommunikation in der Lage ist, verschiedenste Teilnehmer
zu verknüpfen und zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen (Jerome et al.,
2000 West & Miller, 2010). Dementsprechend sollten sich Mediziner und Ge-
sundheitsexperten, im Hinblick auf eine moderne Medizin, mit der Nutzung von
eHealth Angeboten und Technologien befassen, um den Anforderungen der Pati-
enten an eine zeitgemä e Gesundheitskommunikation gerecht zu werden.
Der Begriff der Gesundheitskommunikation stammt aus dem englischspra-
chigen Raum und bezeichnet dort unter dem Begriff Health Communication die
rforschung des Gesundheitsverhaltens der Bev lkerung, sowie die Untersuchung
der Kommunikation zwischen Arzt und Patient, beeinflusst durch gezielte Ge-
sundheitskommunikation in Form von ffentlichen Kampagnen, Medienkonsum
oder der schulischen Gesundheitserziehung.
Innerhalb der letzten 30 Jahre hat sich die Gesundheitskommunikation stetig
weiterentwickelt und sich, nicht zuletzt dank der Gründung eigenständiger Insti-
tute wie dem Center for Health Communication an der Harvard School of Public
32 2 Stand der Forschung

Health oder der Herausgabe spezieller Fachzeitschriften, wie das seit 1996 er-
scheinende Journal of Health Communication , weitestgehend professionalisiert
(Jazbinsek, 2000, S. 12-13). Später wurden diese Bereiche um die Fragestellung
der Rolle der Massenmedien und deren Nutzung, sowie die Betrachtung deren
influss auf das Gesundheits- und Krankheitsverhalten der Bev lkerung erweitert.
Als primäres Forschungsinteresse standen hierbei die Beantwortung von Fragen
zur strategischen Beeinflussung und Unterstützung von gesundheitsf rderndem
Verhalten.
ine weitere entscheidende rweiterung der Disziplin fand durch das Auf-
kommen der neuen, interaktiven Medien und die rkenntnis über deren disruptive
Bedeutung statt (Hurrelmann & Leppin, 2001, S. 9). Wie bereits erwähnt, spielte
hier vor allem der partizipative Charakter des Web 2.0 mit seinen neuen M glich-
keiten eine entscheidende Rolle in der ntwicklung der Gesundheitskommunika-
tion. Informationen mussten nun nicht mehr linear von Kommunikator zum Rezi-
pienten gestreut werden, sondern das Internet erlaubte nun neue, interaktive Kom-
munikationsformen. Allgemein steckt der Begriff Gesundheitskommunikation ein
sehr weites Forschungsfeld ab und vereint die unterschiedlichsten Formen von
Kommunikation zum Thema Gesundheit, beziehungsweise Krankheit, durch ver-
schiedene Kanäle und im Rahmen verschiedenster sozialer Kontexte (Kreps, Bo-
naguro & uery, 1998, S. 1-15). inen berblick über die relevanten themati-
schen Gebiete in der Gesundheitskommunikation soll das folgende Kapitel nun
näher darstellen.

2.3.2 Gesundheitskommunikation als interdisziplinäres Forschungsfeld


Die Gesundheitskommunikation ist ein sehr unges Fachgebiet, bei der mit der
Gesundheitsforschung ein noch nicht sehr etabliertes und mit der Kommunikati-
onsforschung ein sehr traditionsreiches Forschungsfeld aufeinandertreffen
(Schnabel, 2014, S. 51). Die Kommunikationswissenschaft hat vor allem über die
Soziologie ingang in die Sozialwissenschaften gefunden und geht im Wesentli-
chen auf die Anfang des 20. Jahrhunderts forcierte zeitungs- bzw. publizistikwis-
senschaftliche Tradition zurück, bei der publizistische Kommunikationsprozesse
im Mittelpunkt standen (Pürer & Bilandzic, 2009, S. 15-16).
Neben Formen und Strukturen des gesellschaftlichen Zusammenlebens der
Menschen, beschäftigt sich die Soziologie vor allem mit der Analyse menschli-
chen Zusammenlebens, des Handelns, den organisierten Lebens- und Arbeitsver-
hältnissen und deren Ursachen (Abels, 2001 Dimbath, 2012, S. 35-39). in sol-
ches Zusammenleben ist ohne Kommunikation, die alle Bereiche der menschli-
chen xistenz durchdringt, nicht vorstellbar, weshalb die Kommunikationswissen-
2.3 Kommunikation in der Medizin 33

schaft zu einem der umfassendsten Forschungsgebiete überhaupt geh rt. Sie be-
fasst sich im weitesten Sinne mit den im gesellschaftlichen Diskurs ausgetausch-
ten Informationen (Pürer & Bilandzic, 2009, S. 17) und lässt sich grob in vier
Bereiche gliedern:

- Interpersonale Kommunikation
- Technisch vermittelte Kommunikation
- Massenkommunikation und
- Computervermittelte Kommunikation.

Die interpersonale Kommunikation beschreibt, wie es der Name bereits vermuten


lässt, eine face-to-face Kommunikation bzw. Interaktion zwischen zwei Personen.
Mit Hilfe des Konzeptes der sozialen Rolle wird argumentiert, dass Menschen nur
sehr selten als v llig autonom entscheidende Individuen auftreten und sich stets
an bereits existierende Verhaltensmuster orientieren. Diese Rollen sind meistens
an gesellschaftliche Aufgaben geknüpft wie zum Beispiel das Rollenverhältnis
zwischen ltern und Kinder, Vorgesetzten und Untergebenen oder eben auch rz-
ten und Patienten (Rossmann, Hastall & Bauann, 2014, S. 81 Schnabel, 2014,
S. 52).
Soziale Rollen legen weiterhin fest, inwieweit wir uns in unserer rfüllung
von gesellschaftlichen Aufgaben oder aber beim rreichen von pers nlichen Be-
dürfnissen selbst verwirklichen und uns damit ein befriedigendes und gesundes
Leben erm glichen (Krappmann, 2010). Betrachtet man das Verhältnis zwischen
Arzt und Patient, erkennt man oft eine rollenbedingte Unterordnung des Patienten,
die die Diagnosen und Ratschläge ihrer rzte hinnehmen, ohne sie emals zu hin-
terfragen. Zur Beschreibung dieses Phänomens hat der Soziologe Max Weber den
Begriff der Herrschaft geprägt, der sich aus diesem beschriebenen ber- und Un-
terordnungsverhältnis ergibt und dem Arzt somit eine Autorität einräumt, aus der
sich der Gehorsam der Patienten abzuleiten scheint (Weber, Borchardt, Hanke,
Schluchter & Baier, 2013, S. 449).
Der oben stehenden Gliederung der Kommunikationswissenschaft in vier
Teilbereiche ist zu entnehmen, dass die Arzt-Patienten-Interaktion dem Bereich
der interpersonalen Kommunikation zuordnen ist. Dieser Teilbereich ist neben
dem eigentlichen Schwerpunkt der Kommunikationswissenschaft, der medialen
und ffentlichen Kommunikation, in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus
der Wissenschaft gerückt. Dies liegt nicht zuletzt am Medienwandel, der die Gren-
zen zwischen ffentlicher und interpersonaler Kommunikation verschwimmen
34 2 Stand der Forschung

lässt (Rossmann et al., 2014, S. 82). Wie bereits in der inleitung erwähnt, be-
obachten wir in den letzten Jahren eine zunehmende technische Konvergenz also
eine Verschmelzung von analogen und digitalen Technologien zu neuen durch
Online-Kommunikation bestimmten interaktiven und digitalen Medien (Pürer &
Bilandzic, 2009, S. 17 Rockenhäuser, 1999, S. 42). Mit technischen Assistenz-
systemen, wie Wearables und Fitnesstracker, stehen v llig neue informationsbe-
ladene Begleiter von Kommunikation zur Verfügung, die das lange Jahre vorherr-
schende Rollenverständnis von Arzt und Patient und dabei die Kommunikations-
form zwischen beiden grundlegend verändern dürften.

2.3.3 Kommunikative Aspekte des Arzt-Patienten Verhältnisses


2.3.3.1 Das veränderte Rollenverhältnis zwischen Arzt und Patient

In der interpersonalen Kommunikation bestehen die Kommunikationspartner in


der Regel aus zwei Individuen, also Personen, die untereinander verbal, ohne wei-
tere Kanäle, Informationen austauschen. Hierbei bildet die Arzt-Patient-Bezie-
hung gewisserma en die kleinste Interaktionsform innerhalb des Gesundheitswe-
sens, da beim Patientengespräch neben dem Arzt und dem eweiligen Patienten
keine weiteren Personen teilnehmen.46 Hierbei wirken beide Akteure bewusst oder
auch unbewusst aufeinander ein. Man spricht davon, dass sich die soziale Rolle
des Arztes und die des Patienten komplementär aufeinander beziehen (Spektrum,
2000). Hier hat sich gezeigt, dass wenn Patienten das Gefühl haben, ihr Arzt ver-
stünde deren Sorgen und ngste, bauen sie schneller Vertrauen auf, was zu besse-
ren Behandlungsergebnissen führen kann.
Der Arzt wird demnach auch als Mitmensch gesehen mit empathischen Fä-
higkeiten, er nimmt also eine Art Doppelrolle ein. So ist der Patient aus Sicht des
Arztes nicht nur Träger einer Krankheit, sondern gleichzeitig auch ein leidendes
Individuum. Aus der Patientenperspektive wiederrum, erscheint der behandelnde
Arzt als gesundheitlicher xperte, aber eben auch als Therapeut, der den Patienten
als leidenden Mitmensch empathisch versteht.

46
Ausnahmen sind hierbei rziehungsberechtige von Minder ährigen sowie familiäre Betreuung von
Senioren. Aber auch beispielsweise Patientinnen aus muslimischen Kulturkreisen werden gegebenen-
falls von ihrem hemann oder der Familie bis in den Behandlungsraum hinein begleitet.
2.3 Kommunikation in der Medizin 35

Abbildung 1: Arzt-Patienten-Beziehung nach G ppert (1980)

Wie in Abbildung 1, nach G ppert, Fabry und Goos (1980) zu sehen ist, setzt sich
das Arzt-Patienten-Verhältnis sowohl aus einem Vertrauensverhältnis, als auch
aus einem reinen Dienstleistungsverhältnis zusammen. Dieses Verständnis setzt,
abgesehen vom eigentlichen Kompetenzbereich von Medizinern, zusätzliche
kommunikative Fähigkeiten voraus, denen ein gro er influss auf das Befinden
der Patienten unterstellt wird (Lang, 2006).
Solche kommunikativen Kompetenzen werden bereits in der ärztlichen Aus-
bildung vermittelt, sollen aber in Zukunft noch stärker in die Ausbildung unger
Mediziner einflie en. Das Universitätsklinikum Heidelberg hat hierfür nun einen
Kommunikations-Lehrplan entwickelt, der an allen medizinischen Fakultäten
deutscher Universitäten eingesetzt werden soll (Dormann, 2016).
Im Rahmen der Gesundheitsf rderung und Krankheitsprävention stellt sich
aus der Perspektive des Patienten die Frage, wie gesundheitsbezogene Verhaltens-
weisen durch direkte und pers nliche Kommunikation gesundheitsbezogener In-
formationen beeinflusst werden oder beeinflusst werden k nnen (Renner, Panzer
& Oeberst, 2007). Zunächst edoch muss geklärt werden, in welchem Verhältnis
Arzt und Patient zueinander stehen und welche sozialen Rollen sie dabei einneh-
men.
Vor einigen Jahren noch galten rzte als einzig zuverlässige uelle für ge-
sundheitsbezogene Informationen. Diagnosen und Therapieansätze wurden selten
angezweifelt und wenn doch, dann holten Patienten eine zweite Meinung ein, so-
dass der Arzt im weitesten Sinne das gesamte diagnostische und therapeutische
Vorgehen alleine bestimmen konnte und dies auch tat (Vovk-Debryckyi, 2014,
S. 2). Heute befinden wir uns in einer veränderten Situation.
36 2 Stand der Forschung

Trotz des zweifelsfreien Vorsprungs an medizinischem Wissen, den rzte gegen-


über ihren Patienten haben, will sich der moderne Patient heute nicht mehr sämt-
liche ntscheidungsbefugnisse über Behandlungsm glichkeiten abnehmen lassen,
sondern erhebt einen Anspruch auf Mitspracherecht und alternative Informations-
angebote (Hannawa & Rothenfluh, 2014, S. 117). ine solche Alternative bieten
digitale Gesundheitsangebote, die in den vorangegangenen Kapiteln eingehend
diskutiert wurden. Zum Thema Information und Desinformation in der Patien-
tenkommunikation (Mumme, 2016) diskutierten hierzu im April 2016 eine
Runde aus rzten, Patienten, Pharma-Vertretern und Journalisten in Mannheim
über die Veränderungen in der Healthcare-Kommunikation bedingt durch Foren,
Apps und Wearables. In einem Punkt stimmen die Teilnehmer der Konferenz
übergreifend überein: rzte und Journalisten im Healthcare-Bereich stehen im-
mer mehr in direkter Konkurrenz zu Dr. Google das Machtgefüge in der Medi-
zinkommunikation verschiebt sich (Mumme, 2016). Vor circa 7 Jahren schon
schrieb Berger (2009) über ein verändertes Rollenverständnis von Patienten im
Zuge der rasanten ntwicklung des Internets. Internetinformierte Patienten sind
nicht mehr passive Verbraucher von Gesundheitsleistungen, sondern aktive und
kritische Konsumenten und Produzenten von Gesundheitsinformation, die Verant-
wortung für ihre Gesundheit übernehmen (Berger, 2009, S. 74).
Was zunächst wie eine düstere Warnung klingen mag, k nnte in der Gesund-
heitskommunikation von morgen aber auch Vorteile mit sich bringen. Die Aus-
wirkungen dieser bereits im vorherigen Kapitel beschriebenen Emanzipation des
Patienten k nnen nämlich auch dazu führen, dass das Verständnis und das ffent-
liche Bewusstsein für gesundheitliche Themen verbessert und geschult werden.
Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass der Patient die aufbereiteten Informati-
onen auch wirklich in ihrer Gänze versteht.

2.3.3.2 Health Literacy in der deutschen Bev lkerung

Hierzu bedarf es eines Aufklärungsprozesses, der eine m glichst breite Zielgruppe


im gesamten Gesundheitswesen erreicht. Das Konzept der Health Literacy, zu
Deutsch: Gesundheitskompetenz, bezeichnet hierfür im Allgemeinen die Fähigkeit
von Bürgern beziehungsweise von Patienten , sich für die eigene Gesundheit
zu engagieren und aktiv an der Wiedererlangung des gesundheitlichen Wohlbefin-
dens mitzuwirken (Rudd, 2015). Neben den Fähigkeiten der Patienten, die sich
hauptsächlich auf die Informationsbeschaffung und deren Interpretation beschrän-
ken, umfasst der Begriff ebenfalls die Kompetenz und Fähigkeiten von Informati-
onsanbietern, zu denen hauptsächlich rzte aber auch andere Gesundheitsdienst-
leister geh ren. Als Grundvoraussetzung für ein solches mpowerment (Schaef-
fer & Pelikan, 2016, S. 2) von Patienten gilt der freie Zugang zu Informationen.
2.3 Kommunikation in der Medizin 37

Untersuchungen der Universität Witten/Herdecke und der Harvard University in


Boston haben mit dem sogenannten OpenNotes-Project47 bereits nachweisen k n-
nen, dass wenn Patienten einen uneingeschränkten Zugriff auf die eigenen medi-
zinischen Befunde sowie ärztliche Notizen erhalten, verbessert sich das Verständ-
nis für die Diagnose und damit das Vertrauen zwischen Arzt und Patient radikal.
Die mittlerweile über acht Millionen Patienten umfassende Studie kommt zudem
zu dem rgebnis, dass durch die erh hte Kontrolle (77 Zuspruch), bei fast allen
Beteiligten Missverständnisse oder sogar Fehler in der medizinischen Dokumen-
tation gefunden wurden, die dank der uneingeschränkten Zugänglichkeit schnell
und ohne weitere Schäden korrigiert werden konnten ( sch et al., 2016). Solche
Ansätze einer transparenten Informationsverwaltung k nnen für beide Seiten ent-
scheidende Mehrwerte schaffen. Informierte Patienten k nnen somit aktiv an ihrer
Therapie mitarbeiten und rzte haben besser vorbereitete Patienten, die die Be-
handlung erleichtern und auf längere Sicht dem Gesundheitssystem durch effizi-
entere Behandlungen, Kosten einsparen k nnen. Aber auch hier gelten die glei-
chen Voraussetzungen, die emanzipierte Patienten mitbringen sollten, damit
Health-Literacy funktionieren kann. Die bereitgestellten Daten müssen richtig ver-
standen und vorgefertigte Analysen richtig interpretiert werden k nnen.
Das Thema erfährt vor allem im anglo-amerikanischen Raum gro e Beach-
tung in der Wissenschaft und Forschung (Galvin & Dalrymple, 2016 Hernandez,
2009 Hernandez, Landi & Institute of Medicine, 2011 Kickbusch, Pelikan, Apfel
& Tsouros, 2013 Mayer & Villaire, 2007 Nielsen-Bohlman, Panzer & Kindig,
2004 Osborne, 2013 Wizemann, 2011 Zarcadoolas, Pleasant & Greer, 2006),
während hierzulande nur wenige wissenschaftliche Beiträge die Gesundheitskom-
petenz von Patienten behandeln. ine Ausnahme ist die empirische Studie von
Kickbusch und Marstedt (2008). Sie kommt zu dem interessanten rgebnis, dass
die intensive Informationssuche in den Massenmedien zu medizinischen Fragen,
tendenziell eher zu einer Verfestigung von Irrtümern und Feheinschätzungen als
zu einem fundierten Gesundheitswissen (Kickbusch & Marstedt, 2008, S. 25)
führt. Des Weiteren werden eine Vielzahl an Informationsdefiziten bemängelt, vor
allem aber weisen die Autoren auf eine unzureichende Verständlichkeit der bereit-
gestellten Gesundheitsinformationen hin, die ein konstruktives Mitwirken von Pa-
tienten an der Diagnose und Behandlung behindern.
Trotz der aufschlussreichen rgebnisse, ist die Studie aus heutiger Sicht un-
vollständig. Grund zu dieser Annahme ist der hier bereits ausführlich behandelte
Wandel des Informationsbeschaffungsverhaltens von Patienten. Diese beziehen
Informationen nicht mehr ausschlie lich aus den Massenmedien und Beratungs-
gesprächen mit medizinischem Fachpersonal. Heute sind es zunehmend digital

47
Siehe: http://www.opennotes.org/
38 2 Stand der Forschung

verfügbare Informationsangebote (siehe Kapitel 2.1), die vom Patienten in An-


spruch genommen werden und in die Kommunikation zwischen Arzt und Patient
einflie en.
ine kürzlich ver ffentlichte Studie aus Deutschland hat in einer Befragung
das Health-Literacy-Niveau (HLN) in der deutschen Bev lkerung erhoben und aus
den rgebnissen Indizes gebildet, die die literalen Fähigkeiten, also die Fähigkei-
ten der Informationsbeschaffung, -verarbeitung und das Verständnis der selbigen,
beschreiben (Schaeffer & Pelikan, 2016). Die Studie kommt zu dem rgebnis,
dass 7,3 der deutschen Bev lkerung über ein exzellentes HLN verfügen. Dies
äu ert sich darin, dass es diesen Personen leichter fällt, Gesundheitsinformationen
zu finden, mit diesen Daten umzugehen, sie zu verstehen und einzuschätzen. Mit
38,4 ist der Anteil der enigen mit einem lediglich ausreichenden HLN deutlich
gr er. Diese Personen k nnen allgemein zwar gut mit Gesundheitsinformationen
umgehen, erachten es aber beispielsweise als schwierig abzuschätzen, wann eine
ärztliche Zweitmeinung eingeholt werden sollte oder wie Angaben auf Lebensmit-
telverpackungen richtig zu deuten sind.
Der gr te Anteil der Befragten (44,6 ) weist allerdings deutliche Schwie-
rigkeiten bei der Suche, dem Verstehen und der anschlie enden Beurteilung von
Gesundheitsinformationen auf (Bungeroth, 2016). Dies äu ert sich vor Allem da-
rin, dass Patienten die Vor- und Nachteile verschiedener Behandlungsoptionen
nicht richtig einschätzen k nnen. ber die Hälfte (55 ) der Befragten mit einem
sogenannten problematischen HLN gaben an, solche Anforderungen ziemlich o-
der sehr schwierig zu finden (Schaeffer & Pelikan, 2016, S. 6). Den verbleiben-
den 9,7 wird sogar ein inadä uates HLN attestiert. Diese Patienten haben folg-
lich kaum oder keinerlei Fähigkeiten und Kompetenzen, Informationen über ihren
eigenen Gesundheitszustand zu verstehen und in einen vernünftigen Zusammen-
hang zu bringen. Zusammenfassend und übertragen auf die Gesamtbev lkerung
lässt sich also feststellen, dass über die Hälfte der deutschen Patienten Schwierig-
keiten im Umgang mit Gesundheitsinformationen haben.

2.3.3.3 Der digitale und emanzipierte Patient

Die im Zuge der Digitalisierung vermehrt aufkommenden Informationsangebote


zielen an dieser Stelle darauf ab, diese teils gravierenden Defizite zu verbessern.
Der neu- und einzigartige Nutzen dieser Anwendungen liegt meist in einer m g-
lichst übersichtlichen Analyse und Darstellung von Gesundheitsdaten.48

48
ines von zahlreichen Beispielen ist die Apple Health App, die auf neueren iPhone Systemen bereits
vorinstalliert ist. Zudem bietet der App Store zahlreiche rweiterungen an, die alternative Darstellun-
gen der gemessenen Gesundheitsdaten erm glichen.
2.3 Kommunikation in der Medizin 39

Aus dieser ntwicklung lässt sich relativ wertfrei feststellen, dass diese Daten und
das daraus abgeleitete medizinische Wissen, im Gesundheitswesen der Zukunft
kein Herrschaftswissen mehr sein wird, sondern verschiedenste Anbieter (inklu-
sive der rzteschaft) miteinander in Konkurrenz treten (Vovk-Debryckyi, 2014).
Das rfolgsgeheimnis der Internetmedizin liegt darin, dass sie dem Patienten zu-
sätzliche Sicherheit gibt (Müschenich, 2016) kommentiert ein anerkannter Ge-
sundheitswissenschaftler auf dem 122. Internisten Kongress der DGIM in Mann-
heim. Dies muss nicht unbedingt bedeuten, dass wir in Zukunft eine totale nt-
wertung des xpertentums erleben werden. s besteht durchaus die M glichkeit,
dass solche Informations uellen die APK bereichern oder ergänzen k nnen.
in hypothetisches Beispiel für den insatz von mHealth Angeboten wäre
der m gliche insatz der als gescheitert bezeichneten Google Glass49 (Khunkham,
2015) für die Arzt-Patienten Interaktion und Konsultation. Die zunächst hochge-
priesene Technologie der Google Inc. wurde nach weitreichender Kritik vorerst
vom Markt genommen, wird edoch immer noch weiterentwickelt.50 Dennoch
wird ihr und anderen Wearables ein gro er potentieller Nutzen für den telemedi-
zinischen insatz nachgesagt. So k nnte sie dabei helfen, dem bereits angespro-
chenen Mangel an medizinischer Versorgung in ländlichen Gebieten entgegen zu
wirken. Patienten und Mediziner k nnten demnach durch das Tragen der Google
Glass ntfernungen überbrücken und die Sprechstunde beispielsweise simultan zu
einem dritten Spezialisten, wie zum Beispiel einem Kardiologen, übertragen und
so medizinische Daten, und Therapieansätze besprechen (Aungst & Lewis, 2015,
S. 1180). Dieses wäre nur eins von vielen m glichen Beispielen, wie solche
mHealth Technologien in den medizinischen Praxisalltag implementieren lie en,
um eine verbesserte und effizientere APK zu schaffen.
Dass sich mHealth und eHealth positiv auf die Patientenversorgung und das
Patientengespräch auswirken kann, findet auch der Initiator des Innovation Health
Partners Pro ektes51 und ergänzt: Vorausgesetzt immer, die innovativen Pro-
dukte und Methoden sind so benutzerfreundlich, dass auch wenig online-affine
Patienten einen Zugang dazu finden ( lmer, 2016) und bezieht sich hierbei
exemplarisch auf Angebote wie die Online Video-Sprechstunde.
In der Fachliteratur finden sich hierfür entsprechende Modelle, die beschrei-
ben, auf welche Weise eine APK ablaufen kann. Während das Paternalistische
Modell (Schweickhardt, Fritzsche & Geigges, 2009, S. 27) dem asymmetrischen

Siehe hierzu: https://itunes.apple.com/us/app/healthdash-for-health-app/id984840234?mt=8. Auch


Apple Konkurrent Google bietet mit Google Health ein Konkurrenzprodukt für Android Systeme zur
Verfügung. Mit Apple und Google sind allerdings nur zwei der gr ten Anbieter genannt.
49
Siehe: http://www.wearvision.de/googleglass/
50
Siehe: https://www.google.com/glass/start/
51
Homepage: http://www.innovationhealthpartners.de/
40 2 Stand der Forschung

Informationsverhältnis von Arzt zu Patient entspricht, in dem der Patient keine


Mitspracherechte wahrnimmt oder wahrnehmen m chte, versteht das Dienstleis-
tungsmodell oder auch Patientenorientierte Modell (Schweickhardt et al., 2009,
S. 28-35) den Arzt als eine Art Berater, der dem Patienten eine ntscheidungs-
kompetenz einräumt und demnach Kritik und Misstrauen zulässt. Zwar besteht
auch hier eine Asymmetrie, diese fällt aber zum Wohl des Patienten aus. Letzteres
Kommunikationsverständnis entspricht schon eher dem heutigen Verständnis ei-
ner Arzt-Patienten Beziehung. Dieses bereits erwähnte Empowerment der Patien-
ten beinhaltet nicht blo den uneingeschränkten Zugang zu medizinischen und ge-
sundheitsbezogenen Informationen und Daten, sondern versteht sich vielmehr als
ganzheitliches Konzept, das das bestehende Arzt-Patienten Verhältnis grundle-
gend erneuern m chte. Patienten sollen so viel stärker in die Behandlung mit ein-
bezogen werden. Voraussetzung, dass dieser Wandel gelingt, ist ein aktiv und be-
wusst handelnder Patient, der sich für die eigene Gesundheit interessiert und en-
gagiert. This involve s the empowerment of the individual, at any age, to self-
monitor and self-manage health and wellness, and conditions of higher risk and
existing diagnosis, and further, to start doing this today with tools that are already
available (Swan, 2012, S. 94).
Dieses Verständnis einer gleichberechtigten Arzt-Patienten-Interaktion
konnte sich bisher edoch noch nicht vollends durchsetzen. Mediziner beziehen
ihre Patienten zwar stärker als früher in den Behandlungsprozess mit ein, edoch
scheinen die Beweggründe hierfür eher aufgezwungen. Unabhängig zur Idee des
emanzipierten Patienten, hat sich in der medizinischen Praxis schon seit längerem
die Doktrin des Informed Consent (Berg & AppelBau, 2001) durchgesetzt, dass
sowohl ethische Prinzipien (das Wohl des Patienten f rdern unter Rücksichtnahme
seiner Wertungen), als auch rechtliche Standards (Arzt sichert sich über Aufklä-
rungsgespräch mit Unterschrift ab) vereint (Marckmann, 2011).
Grady (2015, S. 855) definiert dieses Prinzip der informierten Einwilligung
als authorization of an activity based on an understanding of what that activity
entails and in the absence of control by others . Der Patient wird hierbei also aktiv
und bewusst in den Diagnose- und Behandlungsprozess eingebunden. Auch hier
ist natürlich stets zu beachten, dass der Patient, die durch den Arzt bereitgestellten
Informationen, auch korrekt versteht, um eine optimale Versorgung und Kommu-
nikation zu gewährleisten. An dieser Stelle wird erneut die Bedeutung einer ge-
sellschaftlichen Aufklärung, also einer ualitativ hochwertigen Health Literacy
sichtbar, um ein modernes und effizientes Gesundheitssystem für alle Anspruchs-
gruppen zu erm glichen. Hierfür bedarf es einer freien und guten Informationsinf-
rastruktur. Digitale Gesundheitsangebote k nnten zu diesem Prozess einen wert-
vollen Beitrag leisten, solange deren ualität den hohen Anforderungen des Ge-
sundheitsmarkts gerecht wird.
2.3 Kommunikation in der Medizin 41

2.3.3.4 Die Arzt-Patienten-Kommunikation bei IT-gestützten und gemeinsam


erhobenen Gesundheitsdaten
Diverse Autoren haben sich den Veränderungen in der Gesundheitskommunika-
tion angenommen und sich dem Thema aus verschiedenen Blickwinkeln genähert.
So zum Beispiel im Hinblick auf die Bestimmung, Nützlichkeit und valuation
von Kommunikationsstrategien oder -mustern (Cannarella Lorenzetti R, Jac ues
CH, Donovan C, Cottrell S, Buck J., 2013 Gordon & Street, 2016 Orom, Homish,
Homish & Underwood, 2014), die Bedeutung des Vertrauens zwischen Arzt und
Patient (Ventres & Frankel, 2015) oder die gerade beschriebene gemeinsame Ent-
scheidungsfindung im Rahmen medizinischer Behandlungen (Clayman, Bylund,
Chewning & Makoul, 2015 Laidsaar-Powell et al., 2013 West, Giordano, van
Kleek & Shadbolt).
ine umfassende Patientenbefragung hat zudem ergeben, dass die Atmo-
sphäre im Arzt-Patienten Gespräch eine wesentliche Rolle in der Kommunikation
einnimmt, woraus die Schlussfolgerung erwächst, dass eine individuelle und au-
thentische Kommunikationsstrategie, bei der der Arzt auf die pers nlichen Be-
dürfnisse seiner Patienten eingeht, von der Mehrheit der Befragten bevorzugt wird
(Vovk-Debryckyi, 2014, S. 41-42). Alle diese Studien beziehen sich ausschlie -
lich auf die Informationen, die durch Diagnosen vom Arzt erhoben und anschlie-
end mit dem Patienten besprochen werden. Diese Form der interpersonalen Kom-
munikation wurde zudem erst kürzlich von Brown, Noble, Papageorgiou und Kidd
(2015) in einem umfassenden Werk über die Bedeutung von Kommunikation im
medizinischen Betrieb behandelt.
in weiterer gro er Teilbereich in der Gesundheitskommunikation beschäf-
tigt sich, wie bereits ausführlich in Kapitel 2.2 behandelt, mit den insatzm glich-
keiten und der Nutzung von eHealth Angeboten. ine genauere Betrachtung, wie
die dadurch erhobenen Gesundheitsdaten als zusätzliche Informations uellen ge-
nutzt werden und wie sich hierdurch aus Sicht der rzteschaft die APK verändert
hat, ist bisher nicht vorhanden. Folglich fehlt es zu diesem Zeitpunkt auch an wis-
senschaftlichen Theorien, die eine empirische berprüfung dieser Thematik er-
m glichen.
Dennoch haben etablierte Forschungsrichtungen, wie die Sozialwissenschaf-
ten oder die Psychologie, wissenschaftliche Theorien hervorgebracht, die auch in
der interdisziplinären Gesundheitskommunikation Anwendung finden k nnen.
Das folgende Kapitel bietet einen kurzen berblick über ausgewählte Theorien,
die in Verbindung mit den rkenntnissen des derzeitigen Forschungsstandes ge-
nutzt wurden, den Leitfaden für eine ualitative Befragung von rzten zu konzi-
pieren. Anschlie end wird aus den erarbeiteten Informationen eine Forschungslü-
cke definiert, die anschlie end mit Hilfe der Analyse der ualitativ erhobenen Da-
ten geschlossen werden soll.
3 heoretische Hintergründe

3.1 er Krankheitsbegriff in der Sozialwissenschaft

Bei einer sozialwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Begriff Krank-


heit, stehen im Gegensatz zur Medizin nicht Diagnose und Therapie im Vorder-
grund, sondern eher die Bedeutung der Krankheit für den eweiligen Patienten und
die daraus resultierenden Verhaltensweisen. Das Verhalten im Krankheitsfall lässt
sich aus sozialwissenschaftlicher Sicht als sinnhaftes Handeln nach Weber (2015)
beschreiben. Denn mit der Wahl von Behandlungsalternativen, wie digitale Ge-
sundheitsangebote, suchen Patienten aktiv nach der rfüllung von rwartungen
hinsichtlich der Verbesserung ihrer Gesundheit oder dem k rperlichen Wohlbe-
finden. Diese Betrachtung der sozialen und psychologischen Perspektive legt die
Vermutung nahe, dass auch kognitive und emotionale Prozesse, einen influss auf
die Kommunikation zwischen Arzt und Patient haben. Das wesentliche Interesse
bezieht sich hierbei also nicht auf den Gesundheits- oder Krankheitszustand an
sich, sondern darauf, welche individuellen ntscheidungssituationen aus dem
Kranksein resultieren (Radley, 1994, vii). Hierbei wird davon ausgegangen, dass
die Patienten, oder der Mensch im Allgemeinen, nach Sinnhaftigkeit im Leben
streben. Dementsprechend wird auch der Zustand des Krankseins, sub ektiv nach
seinem Sinn hinterfragt. Die folgenden Seiten behandeln theoretische berlegun-
gen, wie mit diesem Zustand umgegangen werden kann und welche kommunika-
tiven Strategien dabei eine Rolle spielen k nnen. in entscheidendes Kriterium
für eine erfolgreiche interpersonale Kommunikation zwischen Arzt und Patient ist
das Vertrauen52, das seitens des Patienten dem eweiligen Arzt entgegengebracht
wird. Hierbei handelt es sich um komplexe psychologische Vorgänge, die unter
zur Hilfenahme der folgenden berlegungen betrachtet werden sollen.

52
Alleine dem Thema Vertrauen widmen sich zahlreiche wissenschaftliche Werke wie zum Beispiel
Petermann (2013), Luhmann (2014) oder Schweer (1997). Aus Gründen der bersichtlichkeit wird das
Thema Vertrauen in dieser Arbeit nicht detailliert, sondern lediglich im Hinblick auf seine Bedeutung
für die Arzt-Patienten Kommunikation behandelt.

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F. Liebrich, Digitale Medienprodukte in der Arzt-Patienten-Kommunikation,
Schriften zur Medienproduktion, DOI 10.1007/978-3-658-17235-0_3
44 3 Theoretische Hintergründe

3.2 ie Communication Privac anagement heorie

Die Communication Privacy Management Theory (CPM) ist ein verhältnismä ig


neuer Ansatz, der beschreibt wie Gesprächspartner in einem interpersonalen Kom-
munikationsprozess ihre Privatsphäre bzw. ihre privaten und pers nlichen Infor-
mationen handhaben. Genauer beschreibt sie wie Personen diese Informationen
koordinieren, schützen und von anderen Personen abgrenzen, also wann, wo und
wem sie diese Informationen zur Verfügung stellen.
bertragen auf das Informationsmanagement von Patienten bedeutet dies,
dass eine unweigerliche Spannung entsteht zwischen der Notwendigkeit, hochsen-
sible, private Gesundheitsinformationen oder direkt mit der eigenen Gesundheit in
Verbindung stehende Informationen zum Beispiel über den Lebensstil mit dem
behandelnden Arzt zu teilen, oder aber ein gewisses Ma an Autonomie zu wahren
um die eigene Privatsphäre zu schützen (Petronio, 2010 Petronio & Altman,
2002). Um eine Grenze zu ziehen, die markiert, welche Informationen Individuen
bereit sind mit anderen zu teilen, bedarf es eines Abwägungsprozesses. Gesund-
heitsbezogene Daten sind besonders sensibel und daher auch umso wertvoller für
das einzelne Individuum, weswegen ntscheidungs- und Abwägungsprozesse ei-
nen h heren kognitiven Aufwand erfordern, da das wahrgenommene Risiko gr -
er ist als bei eher unpers nlichen Informationen wie beispielsweise die pers nli-
chen Präferenzen beim Online-Shopping (Petronio, 2012, 2013). Jeder Mensch
dürfte daher nachvollziehen k nnen, dass solche sensiblen Informationen, wie
über das eigene Gesundheitsbefinden, weniger mit au enstehenden Personen, son-
dern meist nur mit engen Freunden oder der Familie geteilt und besprochen wer-
den. Dieser engere Personenkreis unterscheidet sich vor allem durch ein entschei-
dendes Merkmal von anderen Bezugsgruppen. Dieses Merkmal ist das Vertrauen,
welches wir unserem Kommunikationspartner entgegen bringen. Petronio (2010)
verwendet hierfür den Begriff der privacy boundaries53, der auf den berlegungen
der social penetration theory von Altman und Taylor (1973) beruht. Hierbei ent-
wickelt sich die interpersonale Kommunikation zweier Individuen von einer ober-
flächlichen zu einer immer intimeren bene, e länger und besser die Beziehung
der beiden Personen wird (Altman & Taylor, 1973 Petronio, 2012). in solches
interpersonales Verhältnis besteht automatisch auch immer zwischen Arzt und Pa-
tient. Im Unterschied zur Kommunikation mit Personen zu denen die betroffene
Person bereits ein intimes Verhältnis pflegt, wie der Partner, enge Freunde oder
Familie, werden die privacy boundaries zwischen Arzt den man gew hnlich we-

53
Privacy i.e.S. definiert Petronio (2012) als: the feeling one has the right to own private information
(S. 169). Private Informationen wiederum sind definiert als The content of potential disclosures in-
formation that can be owned Petronio (2012, S. 169).
3.3 Vertrauen in den Sozialwissenschaften 45

niger gut kennt als den besagten engeren Personenkreis und einem selbst, auto-
matisch weiter gefasst als dies normalerweise der Fall wäre. Der Grund liegt darin,
dass der Patient beim Arztbesuch das dringende Bedürfnis verspürt, Hilfe zu er-
halten, da er sich in einer Notsituation befindet. in Mindestma an Vertrauen ist
beim Arzt-Patienten-Verhältnis also unabdingbar. In der Wahrnehmung der Pati-
enten ist die Vertrauenswürdigkeit, die sich aus der vermuteten Kompetenz des
Arztes ableitet, das zentrale Merkmal, welches über die Kommunikation beim
rstkontakt entscheidend ist (Petermann, 1997, S. 155-156).

3.3 ertrauen in den Sozialwissenschaften

Der Begriff Vertrauen ist weitestgehend ein Alltagsbegriff, der inzwischen prak-
tisch alle Lebensbereiche durchdringt. Vertrauen erm glicht es Menschen und so-
zialen Gruppen miteinander in inklang zu leben, sich zu koordinieren und vor
allem zu kooperieren (Arrow J & Kenneth J., 1972 Righetti & Finkenauer, 2011).
In der Soziologie hat der Begriff eine lange Tradition. Im Rahmen der sozialen
Lerntheorie der Persönlichkeit (Rotter, 1967, 1982) kommt Vertrauen zwischen
zwei Personen dann vor, wenn sie sich in einer (sub ektiv) neuartigen und kognitiv
nicht gut zu strukturierenden Situation befinden, die Situation an sich also gewisse
Unsicherheiten birgt. Daraus ergibt sich nach Rotter (1967, S. 651) ein interper-
sonales Vertrauen als rwartung eines Individuums oder einer Gruppe, sich auf
das Wort, die Versprechen, bzw. die verbalen und geschriebenen Aussagen ande-
rer Individuen oder Gruppen zu verlassen. Hier kommen Lerneffekte zum Tragen,
die dazu führen, dass solche situativ bedingten rfahrungen als rinnerungen ge-
speichert werden und sich als rfahrungen im Gedächtnis verankern, wodurch zu-
künftige Situationen besser bewertet werden k nnen bis schlie lich eine gemein-
same vertrauensvolle Basis geschaffen ist.
Nach dem funktionalistischen Ansatz von Luhmann ergibt sich Vertrauen aus
der Unm glichkeit, den gemeinten Sinn anderer Akteure vollständig zu verste-
hen (Miebach, 2010, S. 254) und dient im speziellen der Reduktion von Komple-
xität. Diese äu ert sich darin, dass beide Akteure versuchen die Absichten des An-
deren bestm glich zu verstehen. Jedoch birgt ede von Vertrauen abhängige Situ-
ation auch ein Risiko. Da zu einer ben tigten ntscheidung meist verschiedenste
Informationen vorliegen, k nnen Akteure aus mehreren Verhaltensalternativen
wählen, die für den eweiligen anderen Akteur mit negativen Konse uenzen ver-
bunden sein k nnen (Koller, 1997, S. 13). Aufgrund solcher durch Informations-
defizite vorhandenen Unsicherheiten, müssen beide Akteure dem eweils anderen
bestimmte Absichten unterstellen, die e nach Annahme negativ (Feindschaft) o-
der positiv (Kooperationsbereitschaft) besetzt sein k nnen (Luhmann, 2014,
S. 19-23). Auch in der Psychologie erfährt der Begriff seit der Ver ffentlichung
46 3 Theoretische Hintergründe

von Werken wie die von Schweer (1997) und Petermann (2013), besonders im
Kontext interpersonaler Kommunikation eine neu aufkommende Bedeutung. ine
ständige Informationsaufnahme kann nur vernünftig gelingen, wenn angemessene
Formen der Informationsreduktion entwickelt werden, die die oben genannten Un-
sicherheiten durch Reduktionsmechanismen verringern (Luhmann, 2014, S. 105).

3. Bedeutung von ertrauen für heorie der Kognitiven issonanz

Hier finden sich Parallelen zur Theorie der kognitiven Dissonanz. Sie beschreibt
Situationen bei dem zwei Kognitionen, die nicht zusammenpassen einen Span-
nungszustand entstehen lassen, den das Individuum versucht gezielt zu reduzieren.
Dies geschieht, indem entweder eine der beiden Kognitionen verändert wird oder
beispielsweise weitere Kognitionen durch alternative Informationsangebote hin-
zugefügt werden. Als klassisches Beispiel beschreibt Festinger (2001) die zwei
Kognitionen Ich rauche und Rauchen verursacht Lungenkrebs . ine Verände-
rung der ersten Kognition bestünde in der Verhaltensänderung Ich h re auf zu
rauchen oder aber Studien zur Lungenkrebsforschung sind methodisch unsauber,
ich rauche weiter .
Das Hinzufügen weiterer Kognitionen k nnte sich demnach in kompatiblen
Kognitionen wie alle meine Freunde rauchen oder Rauchen entspannt mich äu-
ern. Aus dissonanztheoretischer Perspektive kommt dem Konstrukt Vertrauen
hier eine besondere Rolle zu. s entsteht, wenn ein Individuum Sicherheit ben -
tigt, dieses aber durch das Vorhandensein von Unsicherheiten, zum Beispiel In-
formationsasymmetrien, nicht gegeben ist. Diese werden edoch durch affektive
Prozesse ( motionen) relativiert, die die dissonanten Kognitionen beseitigen, so-
dass die Risiken nicht als solche wahrgenommen werden (Schweer, 1997, S. 20-
21). Neben dem pädagogischen und unternehmerischen Bereich wird Vertrauen
als wichtige Beziehungskomponente im therapeutischen Kontext gesehen (Koller,
1997, S. 14) und ist somit wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen Arzt-Patient-
Beziehung.

3. Ein sensibilisiertes Konze t zur Arzt Patienten Kommunikation

All die oben besprochen theoretischen Ansätze vereinen zwei entscheidende Kon-
strukte, die den Umgang mit pers nlichen gesundheitsbezogenen Themen ma -
geblich beeinflussen. s geht um Vertrauen und Informationen und natürlich um
die Art und Weise, wie beide miteinander in inklang gebracht werden k nnen.
Die vorangegangenen rläuterungen machen deutlich, dass sich Vertrauen zum
einen aus rfahrungen ( rlerntem), also durch einen kognitiven Prozess, und zum
3.5 in sensibilisiertes Konzept zur Arzt-Patienten Kommunikation 47

anderen eher aus affektiven Vorleistungen (Komplexitätsreduktion) ergibt. ber-


trägt man diese berlegungen auf das Arzt-Patienten Verhältnis geht es meistens
um eine ständige Interaktion der beiden Akteure in einer, vor allem für den Pati-
enten, risikoreichen (es geht schlie lich um seinen gesundheitlichen Zustand) Si-
tuation, in der m glichst genaue Informationen eine entscheidende Rolle spielen.
in Beispiel:
Je weniger Informationen vorliegen, desto gr er ist der Spannungszustand
der Situation. Kennt ein Patient seinen Arzt nur flüchtig, was oft der Fall sein
dürfte, da eine hohe Nachfrage an ärztlicher Betreuung54 und der fortschreitende
rztemangel, vor allem in ländlichen Regionen (Hecht, 2016 Pfrängle, 2016)
dazu führen, dass immer weniger Arztpraxen immer voller werden, dann entfällt
auch das durch rfahrung erlernte Vertrauen in den Arzt. Folglich kann sich der
Patient nur auf die Tatsache verlassen es mit einem, seiner sub ektiven mpfin-
dung nach kompetenten Arzt, zu tun zu haben (Petermann, 1997, S. 155). Der Arzt
wiederum ben tigt ein m glichst umfangreiches Wissen über den gesundheitli-
chen Zustand seines Patienten, um seiner Arbeit gewissenhaft und ungehindert
nachgehen zu k nnen, weswegen auch er an einem optimalen und vertrauensvol-
len Umgang zwischen ihm und dem Patienten interessiert ist.
Mit Blick auf das Kapitel 2.3, stellt sich an dieser Stelle die Frage, inwieweit
Vertrauen auch zwischen Mensch und Maschine funktionieren kann. Wissen-
schaftliche Studien haben gezeigt, dass manche Faktoren interpersonalen Vertrau-
ens, wie wahrgenommene Kompetenz, Wohlwollen und Missgunst oder Verständ-
lichkeit, auch auf das Vertrauen zwischen Mensch und Technologien übertragen
werden k nnen (Hoffman, Johnson, Bradshaw & Underbrink, 2013, S. 84).
Nichtsdestotrotz spielen hier noch andere Aspekte eine Rolle. Weitere Studien be-
legen, dass Faktoren wie Verlässlichkeit, Validität, Nützlichkeit sowie Fehlerro-
bustheit (Lee & See, 2004 Muir & Moray, 1996 Parasuraman & Riley, 1997
Sheridan, 1980) ebenfalls die Vertrauensbildung von Menschen in Technologien
beeinflussen k nnen. Ohne tiefer in den Bereich der Mensch-Maschine Beziehung
eingehen zu wollen und zu k nnen, ist es dennoch interessant wie die Koexistenz
von digitalen Gesundheitsangeboten und ärztlichem Rat, die zukünftige Arzt-Pa-
tienten Beziehung beeinflussen k nnte. Von der Theorie zur Methode:
Auch wenn die CPM Theorie Anhaltspunkte dafür liefert, wie Patienten in
einer sich ständig digitalisierenden Welt mit Informationen umgehen und wie sie
diese im Arzt-Patienten Gespräch einbringen, lassen sich mit ihr doch nicht alle
interessierenden Aspekte des Forschungsinteresses abdecken. Dennoch erwies
sich die vorangegangene Diskussion als nützlich, um zum einen den Interviewleit-
faden zu entwickeln (Kapitel 5.3.2) und in der späteren Auswertung des Materials
54
In den westlichen Industrienationen ist der Anspruch an medizinische Versorgung sehr hoch. Der
durchschnittliche Bundesbürger geht rund zehn Mal im Jahr zum Arzt (Telgheder, 2014).
48 3 Theoretische Hintergründe

eine induktive Kategorienbildung (Kapitel 5.4.2) zu erm glichen. Die Idee für ein
solches Vorgehen stammt ursprünglich aus der Methodenlehre zur Grounded The-
ory, bei dem sich Glaser und Strauss (1967) erstmals gegen das Primat des hypo-
thetiko-deduktiven Ansatzes (Kuckartz, Dresing & Grunenberg, 2007, S. 33)
stellen und wonach Theorien durch Induktion aus empirischem Datenmaterial
emergieren k nnen (Kuckartz et al., 2007, S. 34). Obwohl diese Arbeit keinen
Anspruch darauf erhebt, aus dem analysierten Material eine allgemeingültige wis-
senschaftliche Theorie zu erheben ein Vorhaben, das den Rahmen dieser Studie
deutlich sprengen würde ist es in der ualitativen Forschung durchaus üblich
(Gläser und Laudel 2010, S. 77 Kuckartz 2014, S. 51) es zur Bearbeitung von
solchen Fragestellungen zu nutzen.
Aus den gleichen Gründen wurden auch keine Vorhersagen formuliert, die
sich üblicherweise aus etablierten Theorien in Form von Hypothesen ableiten las-
sen. Das analytische Vorwissen bezieht sich ausschlie lich auf den Stand der For-
schung und die vorangegangen theoretischen Ansätze aus Psychologie und Sozi-
ologie. Man spricht in diesem Zusammenhang von einem sensibilisierten Konzept
(Blumer, 1954). Dies sind Konzepte, die den Forscher sensibel machen für das,
wonach er suchen muss (Legewie, 2004, S. 7), beziehungsweise im Falle ualita-
tiven xpertenbefragung: wonach er fragen muss. Im Gegensatz zu Hypothesen in
der uantitativen Forschung sind sensibilisierende Konzepte durch ihre Offenheit
charakterisiert und helfen dabei die Untersuchung zu strukturieren und den Blick
darauf lenken, was wichtig ist (Blumer, 1954 Flick, 2016, S. 133-134). Im fol-
genden Kapitel folgt nun die finale Präzision der Zielsetzung in Form der For-
schungsfragen, bevor in Kapitel 5 das verwendete methodische Vorgehen näher
erläutert wird.
Forschungslücke und Forschungsfragen
Mit Hilfe des bisher gewonnenen Vorwissens soll nun das Forschungsziel und die
Fragestellungen der Studie präzisiert werden. Da es sich um eine explorative und
ualitative Studie handelt erfolgt dieser Schritt erst relativ spät, da die rkennt-
nisse der vorangegangenen Kapitel unentbehrlich für die Durchführung der fol-
genden xpertenbefragung waren.
Nur wenn ich schon gewisse Vorkenntnisse über einen Gegenstand habe, bin ich in der Lage,
intelligente Fragen zu stellen und auf Dinge zu achten, die für das eweilige Forschungsprob-
lem bedeutsam sind (Legewie, 2004, S. 7).

Die Literaturrecherchen zu den Themenkomplexen Personalisierte Medizin, Digi-


talisierung im Gesundheitswesen und Arzt-Patienten Interaktion zeigen deutlich,
dass sich das Bewusstsein über die k rperliche und seelische Gesundheit nicht nur
verändern wird, sondern bereits geändert hat. Alte soziale Rollenverhältnisse ver-
lieren ihre Gültigkeit, neue Informationstechnologien vollbringen eigenständige
Diagnosen oder erlauben v llig neue Wege, mit rzten und Gesundheitspersonal
in Verbindung zu treten. ine Studie von Schachinger (2014) hat diese ntwick-
lungstendenzen bereits erkannt und prognostiziert mittelfristige Strukturverände-
rungen im deutschen Gesundheitsmarkt durch digitale Gesundheitsdienste, die
bisher durch regulatorische Barrieren verlangsamt wurden. Der Autor richtet sei-
nen Blick auf die Mehrwerte, die Daten aggregierende Dienste für die ndver-
braucher im Gesundheitsmarkt bieten, die von traditionellen Akteuren bisher nicht
angeboten werden k nnen.
Diese ntwicklung wird durch die ansteigenden Nutzerzahlen von mobilen
ndgeräten und flächendeckendem Internetzugang noch weiter begünstigt. Schon
einige Jahre zuvor vermutete Clayton Christensen in seinem Buch The Innovators
Dilemma , dass die ntstehung zunehmender Disruptionen, die von neuen nicht-
traditionellen Akteuren auf die Märkte kommen, bestehende Strukturen angreifen
und alte gefestigte Marktakteure sogar verdrängen k nnen, eine ntwicklung die
auch auf dem Gesundheitsmarkt passieren k nnte (Christensen & Matzler, 2013).
Kreutzer und Land (2013) sprechen in diesem Zusammenhang auch vom Digita-
len Darwinismus .
s drängt sich Frage auf, wie diese neuen Technologien und Informationen
in die APK eingebracht werden, eingebracht werden sollten und wie vertrauens-
voll diese Informationen überhaupt sind. Wenn aus Patienten in Zukunft Kunden
privater Gesundheitsdienstleister werden, die zunehmend auf den Gesundheits-
markt drängen, was wird dann aus dem klassischen Hausarzt, wenn das Smart-
phone zur ersten Instanz für Gesundheitsfragen avanciert? Health- xperte ber-
hard Scheuer glaubt: dass es immer schwieriger werden wird, Zugang zu einem

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Schriften zur Medienproduktion, DOI 10.1007/978-3-658-17235-0_ 4
50 4 Forschungslücke und Forschungsfragen

menschlichen Arzt zu erhalten. Die grosse Masse der Menschen wird selber dafür
besorgt sein müssen, wie sie ihre Gesundheit managt. Dazu wird es immer mehr
und ausgeklügeltere Apps geben, die uns dabei helfen werden (L pfe, 2016).
rleben wir also durch den technologischen Fortschritt eine ntmenschli-
chung (Bornstein & Sigrist, 2016) der Medizin? Welche Risiken oder auch Chan-
cen ergeben sich für die klassischen Medizinberufe und welche kommunikativen
Strategien k nnen verhindern, dass rzte und Kliniken diesem Wettbewerb nicht
standhalten oder ihn sogar zu ihren Gunsten nutzen k nnen?
Die bis dato vorhandene wissenschaftliche Literatur hat sich diesen einzelnen
Themenkomplexen bereits mehr oder weniger intensiv gewidmet. Allerdings lässt
sich feststellen, dass das Thema Digitalisierung in der Medizin in den Sozialwis-
senschaften bisher unzureichend behandelt worden ist. Lupton (2015) schreibt hi-
erzu: many social scientists are only beginning to recognise the ma or implica-
tions of Web 2.0 for health and medicine. ... researchers in the social sciences in
general have not devoted significant attention thus far to analysing digital health
from a sociocultural and critical perspective (S. 5).
ine genaue Betrachtung, wie sich die APK unter Bezugnahme von digitalen
Gesundheitsangeboten als zusätzliche Informations uellen für selbst erhobene
Gesundheitsinformationen verändern wird, lässt sich in der bisherigen Forschung
bisher nicht finden. Zwar beschäftigen sich Brown et al. (2015) ausführlich mit
Modellen, Strategien und der Bewertung einer erfolgreichen APK, aber ein m g-
licher direkter Zusammenhang zwischen beiden Phänomenen wurde nicht unter-
sucht. Dies ist insofern verwunderlich, als dass solche Technologien einen ent-
scheidenden influss darauf haben, wie in Zukunft mit dem Thema Gesundheit
umgegangen wird. Bereits vor fünf Jahren stellten Pols und Willems (2011) fest,
dass Technologien beeinflussen, wie Menschen denken und agieren.
Zwei Jahre später überträgt Lupton (2013) diesen Gedanken auf mHealth
Produkte und schreibt hierzu: Given that mobile digital technologies are so novel,
research directed at how people actually use them for health purposes how they
domesticate them and incorporate them into their everyday lives has yet to be
published (S. 400). Aus dieser Forschungslücke und einem gesetzten Fokus auf
das kommunikative Verhältnis zwischen Arzt und Patient, ergibt sich die leitende
Forschungsfrage:
4 Forschungslücke und Forschungsfragen 51

FF: Wie verändert die Nutzung von eHealth Angeboten die Arzt Patienten
Kommunikation?

Zur Spezifizierung der Fragestellung werden folgende Unterforschungsfragen ge-


bildet, die im Laufe der Arbeit beantwortet werden sollen:

UFF1: Welche Qualität und welchen Nutzen haben durch e Health


Angebote und vom Patienten erhobene Gesundheitsdaten für den
Arzt?

UFF2: Welche Erwartungen haben Patienten an eHealth Angebote


aus der Ärztesicht und wie wirken sich diese auf die APK aus?

UFF3: Welche Chancen und Risiken bieten eHealth Angebote und


wie lässt sich in Zukunft eine für beide Seiten gewinnbringende APK
gestalten?
ethodisches orgehen

.1 Strategie und Untersuchungsdesign

Da die Betrachtung des influsses von digitalen Gesundheitsangeboten auf die


APK aus Sicht des Arztes in der wissenschaftlichen Literatur bisher kaum r-
kenntnisse geliefert hat, wird für diese Arbeit ein exploratives Forschungsdesign
gewählt, bei dem mittels ualitativen xperteninterviews, praktizierende rzte zu
deren rfahrungen und inschätzungen zum Thema befragt wurden. s handelt
sich demnach um eine rein ualitative Methodik, welche aufgrund der unzu-
reichenden Dichte von Forschungsstande und theoretischem Hintergrunds hier
zielführend ist (Mayring, 2010, S. 17-23). Zur anschlie enden Auswertung der er-
hobenen Daten wird die ualitative Inhaltsanalyse weniger Fälle ( inzelfallana-
lyse) verwendet.
Für die Durchführung der Interviews wurde zur berbrückung geographi-
scher Distanzen und generell besserer rreichbarkeit auf das klassische face-
to-face Interview verzichtet. Als rhebungsmethode wurde stattdessen die Tele-
fonbefragung gewählt, welche sich in den letzten Jahren, nicht zuletzt wegen sin-
kender Verbindungskosten und guter rreichbarkeit immer gr erer Beliebtheit
erfreut (Brosius, Haas & Koschel, 2012, S. 119 Maxl, D ring & Wallisch, 2009,
S. 43). in weiterer Vorteil von telefonischen Interviews liegt in der vergleichs-
weise geringen Reaktivität. Der Interviewer und sein Auftreten haben somit viel
weniger influss auf die Antworten des Befragten, wodurch dieser freier und un-
befangener über die Themen reden kann (Meyen, 2011, S. 87). Die Interviews
wurden im Sinne einer uerschnittsstudie (Brosius, Koschel & Haas, 2009,
S. 182) einmalig durchgeführt und haben eine durchschnittliche Länge von 13:34
Minuten. Die relativ kurze Dauer der Interviews ergab sich aus einer Anpassung
des Leitfadens in Folge der rkenntnisse aus dem Pretest.55

55
Siehe Kapitel 5.3.2, ntwicklung des Leitfadens

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54 5 Methodisches Vorgehen

.2 E ertenak uise

Bei xperteninterviews wird keine zufällige Stichprobe aus der Grundgesamtheit


des in der Forschungsfrage adressierten Personenkreises gezogen, sondern es wer-
den bewusst Personen im Rahmen einer Fallauswahl gebeten, an der Studie teil-
zunehmen (Flick, 2005, S. 97). Dies ist eine wichtige ntscheidung für den For-
schungsablauf da sie festlegt, welche empirischen Informationen man überhaupt
erhalten kann (Gläser & Laudel, 2010, S. 97).
Im Rahmen der M glichkeiten und unter Berücksichtigung vorhandener Res-
sourcen, konnten für diese Arbeit 10 praktizierende rzte gewonnen werden, die
sich zu einem Interview bereit erklärt haben. Auch wenn eine Generalisierbarkeit
der folgenden rgebnisse aus empirischer Sicht eine deutlich gr ere Stichpro-
benzahl geboten hätte, sollten die gewonnen rkenntnisse keineswegs als unzu-
reichend betrachtet werden. In Anlehnung an den ahrelangen Methodenstreit zwi-
schen uantitativen und ualitativen Forschungslagern, lie e sich eine umfassende
Diskussion über Akzeptanz der verwendeten Methoden fortführen. Dies wäre an
dieser Stelle edoch nicht zielführend. Dennoch beinhaltet eine ualitative For-
schungsarbeit auch eine kritische Reflexion der Methoden (Meyen, 2011, S. 12-
13), auf die später noch genauer eingegangen wird.
Die Auswahl der Interviewpartner erfolgte nach dem Grundsatz der theore-
tischen Auswahl (Meyen, 2011, S. 68). Hierbei werden aus Forschungsstand und
theoretischen Vorüberlegungen Kriterien abgeleitet, die die Auswahl der Inter-
viewpartner rechtfertigen. Da die vorliegende Arbeit den influss digitaler Ge-
sundheitsangebote auf die APK aus Sicht des Arztes untersucht, fiel die ntschei-
dung in Anlehnung an Brosius et al. (2012) auf praktizierende rzte, da diese als
typische Fälle, für die Untersuchung als brauchbar (S. 83) einzustufen sind sie
sind demnach xperten. Der Begriff des xperten definiert sich als eine Person,
die gegenüber anderen Personen, im untersuchten Ausschnitt der sozialen Wirk-
lichkeit, einen spezifischen Vorsprung an Wissen und Fähigkeiten vorweisen
kann, der in der Regel auf einem Lern- und Trainingsprozess (Berufsausbildung
und/oder lang ährige Berufserfahrung) beruht (Gläser & Laudel, 2009, S. 138).
Da von der Annahme auszugehen ist, dass sich interpersonale Beziehungen
und Vertrauen über einen gewissen Zeitraum entwickeln (siehe Kapitel 3.2),
wurde bei der spezielleren Auswahl darauf geachtet, dass die befragten xperten
eine gewisse Regelmä igkeit beim Patientenkontakt aufweisen k nnen. In ande-
ren Worten: s wurden, mit einer Ausnahme56, ausschlie lich niedergelassene
rzte befragt, die einen regelmä igen Kontakt zu einem gewissen Patientenkreis

56
Bei der Ausnahme handelt es sich um einen Kardiologen, der in einem spezialisierten klinischen
Herzzentrum arbeitet und aufgrund dessen ebenfalls, einen regelmä igen Kontakt zu seinen Patienten
pflegt.
5.3 Datenerhebungsmethode 55

haben oder hatten. Aus diesem Grund wurden zum Beispiel Unfallchirurgen, de-
ren Patientenkontakt naturgemä zeitlich geringer ausfällt als bei Internisten oder
Therapeuten, nicht in der Fallauswahl berücksichtigt.
Bei der xpertenak uise bestand der rstkontakt zunächst aus einer formalen
Anfrage via mail. Hierbei wurden Homepages, Adresskontakte in Artikeln, Ver-
teilerlisten57, spezielle soziale Netzwerke wie Xing, NetDoctor, DocCheck sowie
pers nliche Kontakte als Ausgangspunkt genutzt, um mit den entsprechenden rz-
ten in Kontakt zu treten. Um den potentiellen Interviewpartnern einen m glichst
guten berblick über das Thema zu bieten, zu dem sie befragt werden sollten,
wurde dem Anschreiben ein Informationsblatt beigefügt, welches detaillierte In-
formationen zum Thema, Ablauf und Forschungsinteresse beinhaltete. Dies sollte
zum einen die Seriosität der Anfrage unterstreichen, sowie die Kooperationsbe-
reitschaft durch transparente Angaben gewährleisten (Gläser und Laudel 2010, S.
159 ff), um ein m glichst gro es Interesse an der Teilnahme zu wecken. Als zu-
sätzliche Teilnahmemotivation wurde den potentiellen Interviewpartnern kommu-
niziert, mit ihrer Zustimmung einen f rdernden Beitrag zur Wissenschaft zu leis-
ten. Diese ntscheidung begründet sich mit dem hohen Ansehen, das wissen-
schaftliches Wissen nach wie vor genie t (Meyen, 2011, S. 75).

.3 atenerhebungsmethode
5.3.1 Das Experteninterview
xperteninterviews zielen auf Träger von exklusivem Wissen ab (Bogner, 2009
Gläser & Laudel, 2010 Kaiser, 2014). Hierzu ist es gängige Praxis, das Gespräch
mit einem zuvor entwickelten Leitfaden zu strukturieren, um die bersicht zu be-
wahren und eine Vergleichbarkeit der rgebnisse zu erleichtern. Da Umfang und
genauer Inhalt des Wissens der Interviewpartner zu Beginn der Befragung schwer
zu bewerten sind, ist es ratsam, sich den wichtigen Aspekten strukturiert, also
Schritt für Schritt zu nähern. Vollstandardisierte Befragungen kommen in der ua-
litativen Forschung edoch nicht vor. Dennoch ist es ebenso wenig ratsam, gänz-
lich auf eine Struktur zu verzichten. Mit Hilfe eines Interview-Leitfadens kann
sichergestellt werden, dass alle Aspekte, die zur Beantwortung der Forschungs-
frage dienlich sein k nnten, im Gespräch rwähnung finden. Genau aus diesen
berlegungen heraus, wurde das teilstandardisierte Vorgehen gewählt. Hierbei ist
zwar der Frageninhalt und dessen grobe Reihenfolge vorgegeben gleichzeitig sind

57
ine Auswahl an Pressekontakten zu medizinische xperten findet man unter: http://217.111.3.
106/G3_Presse xperten/Suche_S/HtmMenu.plx
56 5 Methodisches Vorgehen

edoch die Antwortm glichkeiten und dessen Umfang dem Interviewpartner sel-
ber überlassen (Gläser & Laudel, 2010, 111ff), was einen offenen und natürlichen
Gesprächsverlauf gewährleisten soll.

5.3.2 Konstruktion des Leitfadens


in Interviewleitfaden hat den Vorteil, dass Gespräche spezifischer vorbereitet
werden und eine spätere Vergleichbarkeit der verschriftlichten Interviews erreicht
wird. Die befragten xperten k nnen edoch trotzdem interessante Punkte hinzu-
fügen (Gläser & Laudel, 2010, S. 42), wenn es ihnen wichtig erscheint.
Aufgabe des Leitfadens ist es vor allem, von den Forschungsfragen zu den
realen Gesprächsfragen überzuleiten. Des Weiteren dient er während des Ge-
sprächs als Navigationshilfe für den Forscher. In der ualitativen Forschung gibt
es zur ntwicklung kein eindeutig geregeltes Vorgehen. Daraus erwächst die
Chance, eine rfassung der Informationen teilweise durch spontane Operationali-
sierung im Laufe des Interviews sicher zu stellen. Herausforderung hierbei ist, die
damit erhobenen Antworten, laufend unter Berücksichtigung ihrer m glichen Be-
deutung für die Beantwortung der Forschungsfragen zu beurteilen (Gläser & Lau-
del, 2010, S. 112-115 Hopf, 1978, S. 111). Dennoch sollten bei der rarbeitung
des Interviewleitfadens ualitative Anforderungen berücksichtigt werden. Auf-
bauend auf der Arbeit von Merton und Kendall (1946), hat beispielsweise Hopf
(1978) diese Anforderungen aufgegriffen und ualitätskriterien für Interviews
entwickelt (Hopf, 1978, S. 100).
in heute noch entscheidendes Kriterium für die Durchführung von xper-
teninterviews ist die Offenheit des Vorgehens. Hier werden die Reaktionsm g-
lichkeiten der Interviewpartner nach M glichkeit erweitert, indem der zu erfra-
gende Problembereich nicht zu stark eingegrenzt wird (Hopf, 1978, S. 99). Schon
durch die erste Interviewfrage lie sich bei der vorliegenden rhebung herausfin-
den, ob der befragte Arzt im Praxisalltag schon einmal selber rfahrungen mit
Patienten gemacht hat, die sogenanntes Self-Tracking betreiben und diese Infor-
mationen anschlie end in das Arzt-Patienten-Gespräch eingebracht haben. Wurde
diese Frage verneint, konnte das Gespräch mit einer Anschlussfrage auf die per-
s nliche inschätzung zur ualität solcher Daten gelenkt werden, um anschlie-
end wieder über die rfahrungen mit Patienten sprechen zu k nnen, die redakti-
onelle Onlinedienste nutzen.58

58
Die Nutzung von Online Foren und ähnlichen Diensten war ausnahmslos edem der befragten rzte
bekannt, wodurch auch eder der Befragten über rfahrungen mit solchen Patienten berichten konnte.
Wäre dies nicht der Fall gewesen, wären die erhobenen Daten auch nicht in die Auswertung aufge-
nommen worden.
5.3 Datenerhebungsmethode 57

Den gr ten Anteil des Leitfadens machen die rzählfragen aus, die den Be-
fragten dazu anregen sollen, offen über Fragestellung zu berichten, um m glichst
ungefilterte Information zu erhalten. Für den Fall, dass der Interviewpartner dabei
abzuschweifen drohte oder die Beantwortung in eine falsche Richtung lief, dienten
vorbereitete Detailfragen zur Korrektur des Gesprächsverlaufs (Gläser & Laudel,
2010, S. 144-145).
Im Laufe der Leitfadenentwicklung wurde zudem ein Pretest mit einem be-
handelnden Oberarzt einer städtischen Klinik durchgeführt. Im Zuge dessen
konnte das so gewonnene Feedback in die finale Version des Leitfadens eingear-
beitet werden. ine wesentliche nderung bestand darin, die vormals 9 Fragen auf
insgesamt 7 Fragen ohne Detailfragen zusammenzufassen und zu präzisieren,
um den zeitlichen Rahmen des Interviews auf ein Ma zu verkürzen, das besser
auf die ohnehin knappen Terminpläne der meisten rzte zugeschnitten war. Auch
Brosius, Haas und Koschel (2016, S. 134) empfehlen, die rhebungssituation
m glichst komfortabel zu gestalten, weswegen eine Kürzung des Leitfadens an-
gebracht war, da sich die Antwort ualität hierdurch vermutlich deutlich verbessert
hat. Hierin ist auch die relativ kurze Durchschnittslänge der Interviews von
13:34 Minuten begründet. Obwohl, wie bereits erwähnt, die Fragestellung der Ar-
beit in der bisherigen Forschung nur wenig behandelt wurde, dienten die in Kapitel
zwei und drei gewonnenen rkenntnisse als Grundlage zur Konzeption des Leit-
fadens. Dieses Prinzip des theoriegeleiteten Vorgehens wird dadurch realisiert,
dass das aus der Untersuchungsfrage und den theoretischen Vorüberlegungen ab-
geleitete Informationsbedürfnis in Themen und Fragen des Leitfadens übersetzt
wird (Gläser & Laudel, 2010, S. 115). Mit Hilfe dieser hier beschriebenen theo-
retischen Vorgehensweise wurde die finale Version des Interviewleitfadens erar-
beitet.

5.3.3 Durchführung der Interviews und Vorbereitung der Analyse


Bis auf eine Ausnahme wurden alle Interviews telefonisch durchgeführt. Diese
Variante hat den entscheidenden Vorteil, dass kurzfristige Terminabsprachen zu
eder Zeit m glich waren. Auch dies erwies sich als sinnvoll, da manche Aufzeich-
nungen spontan während des Arbeitsbetriebes der gewonnenen xperten stattfan-
den.
Am Anfang eines eden Telefongesprächs, das per Smartphone über die Ap-
plikation ACR59 aufgezeichnet wurde, stand die Frage nach der Anonymisierung
und dem inverständnis zur Tonaufnahme des Gesprächs (Gläser & Laudel, 2010,
S. 144). Zwei der rzte baten, aus nicht weiter konkretisierten Gründen, um die

59
https://play.google.com/store/apps/details?id=com.nll.acr&hl=de
58 5 Methodisches Vorgehen

Anonymisierung ihrer Person. Au erdem konnte aufgrund einer technischen St -


rung ein Interview nicht aufgezeichnet werden, weshalb nach dem Gespräch ein
Gedächtnisprotokoll erstellt wurde, um die Grundaussagen des Gesprächs noch in
die Auswertung mit einflie en lassen zu k nnen. Je nach vorheriger Absprache
wurde dem Interviewpartner eine kurze inführung zur Thematik gegeben, um
ihm oder ihr Zeit und Anreize zu geben, sich über das Thema Gedanken zu ma-
chen.
Nach der Durchführung aller Interviews, wurden die Audio-Dateien mithilfe
des Transkriptionsprogrammes f4 nach den sogenannten einfachen Transkripti-
onsregeln (Dresing & Pehl, 2015, 20ff) verschriftlicht, um anschlie end eine ge-
naue Analyse durchführen zu k nnen (Lamnek & Krell, 2010, 366ff). Als eine der
bekanntesten Methoden im deutschsprachigen Raum gilt die ualitative Inhaltsan-
alyse nach Mayring (2010), die mit Hilfe der drei Techniken Zusammenfassung,
xplikation und Strukturierung das Interviewmaterial schrittweise zusammen-
fasst. Ziel der Zusammenfassung ist es das Material so zu reduzieren, dass die
wesentlichen Inhalte erhalten bleiben, durch Abstraktion einen überschaubaren
Corpus zu schaffen, der immer noch ein Abbild des Gesamtmaterials ist (May-
ring, 2010, S. 65). Mit Hilfe dieser Methode wird die Kodiereinheit auf eine
knappe, nur auf den Inhalt beschränkte, beschreibende Form umgeschrieben (Pa-
raphrasierung) (Mayring, 2010, S. 69). Allerdings sei erwähnt, dass sich diese
Methode eher dann anbietet, wenn auf Basis von wissenschaftlichen Theorien ein
Kategoriensystem deduktiv zur Auswertung gebildet wird. Da es sich bei dieser
Arbeit aber um eine explorative Studie mittels Analyse weniger Fallzahlen han-
delt, wird dieses Verfahren für diese Arbeit als weniger passend betrachtet. Aus
diesem Grund werden für die folgende Auswertung die Standardwerke von
Kuckartz (2014 2016) und Gläser und Laudel (2010) als Orientierungsrahmen
verwendet. Wie genau das Kategoriensystem für die Auswertung gebildet wurde,
soll nun in folgendem Kapitel er rtert werden.

. Qualitative Auswertung
5.4.1 Beschreibung des Vorgehens
Wie bereits in Kapitel 3 erwähnt, wurde bei dieser Arbeit, anders als bei uantita-
tiven Verfahren, darauf verzichtet, bei den theoretischen Vorüberlegungen Vari-
ablen und Indikatoren zu definieren. Dies ist bei ualitativen Arbeiten durchaus
m glich und üblich (Gläser und Laudel 2010, S. 77 Kuckartz 2014, S. 51). In
sogenannten Iterationsschritten, die dazu dienen, die strikte Trennung der For-
schungsphasen zu überwinden (Kuckartz 2014, S. 50) k nnen so, unter Berück-
sichtigung des theoretischen Hintergrunds und des Forschungsstandes, zentrale
Kategorien induktiv am Text gebildet werden. Diese Arbeitsweise hat den Vorteil,
5.4 ualitative Auswertung 59

dass auf die Ungewissheit über die zu erhebenden Informationen und deren m g-
liche Komplexität flexibel reagiert werden kann. Auf eine deduktive Kategorien-
bildung wird also aufgrund des Fehlens passender wissenschaftlicher Theorien
verzichtet und stattdessen direkt an den empirischen Daten gearbeitet (Kuckartz
2014, S. 59).
Die mit Hilfe dieser Methode entwickelten Kategorien sowie die kodierten
Textstellen dienen anschlie end als Grundlage für die Auswertung und rgebnis-
darstellung. Dieses Vorgehen folgt den Regeln der inhaltlich strukturierenden ua-
litativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz (2014, S. 77 ff). Mit einer relativ kleinen
Fallanzahl von 10 xperten bietet dieses Verfahren den Vorteil, das Interviewma-
terial sehr detailliert vergleichen zu k nnen.

5.4.2 Bildung des Kategoriensystems


Basierend auf dem Ablaufschema der induktiven Kategorienbildung nach
Kuckartz (2016, S. 83-85) wurden zunächst berlegungen über Umfang und Grad
der Differenziertheit angestellt. Beim direkten Arbeiten am Text empfiehlt sich
die Technik des thematischen Kodierens, bei der vorausgesetzt wird, dass der For-
scher durch die bisherige Bearbeitung des Pro ekts in der Lage ist, wichtige Infor-
mationen aus den Daten herauszuarbeiten. s wird also eine gewisse Kategorien-
bildungskompetenz vorausgesetzt. Dennoch ist es m glich und auch ratsam, er-
neut einige Schritte im Pro ektverlauf zurück zu gehen und sich beispielsweise am
Interviewleitfaden zu orientieren, um die Kategorienbildung zu erleichtern
(Kuckartz et al., 2007, S. 83).60

60
Kuckartz, Dresing und Grunenberg (2007) bezieht sich hierbei auf das methodische Vorgehen der
Arbeit von Hopf und Schmidt (1993).
60 5 Methodisches Vorgehen

Tabelle 1: Aus Leitfaden abgeleitete Vorab-Kategorien


orab Kategorien Abgeleitet aus
eitfadenfragen:
rfahrungen mit eHealth 1
Digitale redaktionelle Inhalte
Wearables, Gesundheits-Gadgets
ualität von eHealth Angeboten 2
Positiv
Negativ
Soziale Rolle im Arzt-Patienten Gespräch 3, 4, 5, 7
rwartungen der Patienten an eHealth (aus Sicht des 4, 6
Arztes)
Abbau von Dissonanz (Beruhigung)
Kontrolle des Arztes
Wirkungen von eHealth aus Arztsicht 3
Veränderung der APK 1, 5
Zukunftsvision 6, 7
Rolle des Arztes
Veränderung des Gesundheitswesens
Aufbauend auf dem Interviewleitfaden wurden die in Tabelle 1 zu sehenden
Vorab-Kategorien identifiziert. Im Verlauf des Codierprozesses wurden diese
dann entsprechend der immer neu gewonnenen Informationen erweitert, zusam-
mengefasst oder verworfen.

5.4.3 Codierprozess mit MAXQDA


Zur computergestützten Analyse der ualitativen Daten wurde die Software
MA DA verwendet. Insbesondere für Daten, die bereits in digitalisierter Form
vorliegen, ist der insatz solcher Qualitative-Data-Analysis-Software ( DA-Soft-
ware) sehr zu empfehlen und erfreut sich immer gr erer Beliebtheit (Kuckartz et
al., 2007, 18ff). Mit Hilfe der Software kann somit Zeile für Zeile betrachtet und
unter Berücksichtigung der Selektionskriterien k nnen Kategorien (Codes) gebil-
det werden. Jede weitere Zeile wird nach diesem Verfahren behandelt, wodurch
neue Informationen entweder den bereits erstellten Kategorien zugeordnet werden
k nnen oder ganz neue Kategorien bzw. Unterkategorien entstehen. Der Vorteil
der computergestützten Analyse besteht vor allem in der Flexibilität im Umgang
5.4 ualitative Auswertung 61

mit den codierten Textstellen (Codings). Diese k nnen beispielsweise im Laufe


der Arbeit neu geordnet, mehrfach zugewiesen oder auch ganz verworfen werden,
während die Struktur des Codesystems ( bersicht aller Codes) automatisch ange-
passt wird (Kuckartz et al., 2007, 213ff). Dieser Prozess findet in zwei Stufen statt.
Nach dem ersten Codierprozess, bei dem in m glichst verständlicher und nach-
vollziehbarer Weise Textstellen in einen inhaltlichen Kontext gebracht und
Sinneinheiten gebildet werden, folgt die finale Kategorienzuweisung und gegebe-
nenfalls die Bestimmung von Subkategorien (zweiter Codierprozess).
Diese Flexibilität beim Codieren erlaubt es zudem, Subkategorien schon
während des ersten Codierprozesses zu bilden. Die so ständig neu erhobenen In-
formationen aus den verschiedenen Transkripten machen den gesamten Prozess
des Codierens zu einem dynamischen und kreativen Arbeitsschritt mit dem Ziel,
am nde ein fertiges Kategoriensystem für die Auswertung zu erhalten.

5.4.4 Thematische Zusammenfassung und Fallübersicht


Bei der inhaltlich strukturierten Inhaltsanalyse stehen die Codes und Codings, die
die relevanten Informationen zur Klärung der Forschungsfragen enthalten, im
Vordergrund der Auswertung. Diese wurden im Anschluss erneut strukturiert zu
finalen Kategorien zusammengefasst und bilden somit die Grundlage für eine ka-
tegorienbasierte Auswertung und rgebnisdarstellung.
62 5 Methodisches Vorgehen

Tabelle 2: Codesystem aus MA DA


Finales Codes stem nach induktivem Codier rozess Anzahl Codings

Erfahrungen der Ärzte mit EHealth 6


Wahrgenommene ualität von eHealth Angeboten 10
Häufigkeit der Nutzung von eHealth 16
Digitale redaktionelle Inhalte 11
Wearables / Gesundheits-Gadgets 9

Erwartungen der Patienten an eHealth aus 0


Ärztesicht
eHealth als Arztersatz 4
Hilfe und Vertrauen 2
igenkontrolle / Gesundheitsbewusstsein 4
Wissbegierde über eigene Gesundheit 4
Kontrolle des Arztes 7
Abbau von Dissonanz (Angst) 8

Wahrgenommene eränderungen in der APK 28

Ausblick in die Zukunft der APK 0


Veränderung des Gesundheitswesens 19
Chancen und Nutzen von eHealth für die APK 47
Risiken von eHealth aus rztesicht 34
Rolle des Arztes in der APK 25
23
gesamt

Neben den vier Hauptkategorien: Erfahrungen der Ärzte mit eHealth, Erwartun-
gen der Patienten an eHealth aus Ärztesicht, Wahrgenommene Veränderungen in
der APK und Ausblick in die Zukunft der APK, entstanden während des Codier-
vorgangs noch 14 Subkategorien, die allerdings anschlie end nicht einzeln, son-
5.4 ualitative Auswertung 63

dern unter der zugeh rigen Hauptkategorie behandelt wurden. Anschlie end wur-
den für eden Interviewpartner die codierten Textpassagen ausgegeben und in An-
lehnung an Kuckartz (2014, S. 89-92) eine sogenannte fallbezogene thematische
Zusammenfassung erstellt, die alle relevanten Informationen der entsprechenden
Codings enthält. hnlich wie bei der Technik des Zusammenfassens nach May-
ring (2010, S. 67) entspricht das rgebnis einer paraphrasierten Darstellung der
Aussagen (Codings) für ede Kategorie. So entstanden bei 10 Interviewteilneh-
mern und 4 Hauptkategorien 40 Zusammenfassungen, die anschlie end in eine
Profil- oder Themenmatrix eingefügt wurden.
Diese Matrix wird als Fallübersicht (Hopf & Schmidt, 1993, S. 15 Kuckartz,
2014, S. 96 Schmidt, 2010, S. 473) bezeichnet und zeigt einen kreuztabellari-
schen berblick über die Kategorien in den Spalten sowie alle Interviewpartner in
den Zeilen. Die Zellen der Matrix beinhalten die thematischen Zusammenfassun-
gen, was eine übersichtliche Gegenüberstellung der erhobenen Informationen er-
m glicht und die Grundlage für die weitere Interpretation und Analyse der erho-
benen Daten schafft. Anschlie end erfolgte die Neuordnung, Darstellung und Be-
wertung der rgebnisse mittels einer vergleichenden Analyse der Gemeinsamkei-
ten und Unterschiede der erhobenen Informationen. Um an entsprechenden Stellen
auf direkte Zitate der befragten xperten zurückgreifen zu k nnen, wurden zusätz-
lich zum Textretrieval-Werkzeug von MA DA, Verknüpfungen zwischen den
Zellen der Fallübersicht und den entsprechenden Codings hergestellt, um eine
m glichst genaue Nachvollziehbarkeit der rgebnisse zu gewährleisten.
Ergebnisse

Die anschlie ende Darstellung und Gliederung der rgebnisse erfolgt in Anleh-
nung an Mayring (2010, S. 98) und Kuckartz (2014, 147ff) anhand der vier induk-
tiv gebildeten Hauptkategorien: Erfahrungen der Ärzte mit eHealth, Erwartungen
der Patienten an eHealth aus Ärztesicht, Wahrgenommene Veränderungen in der
APK und Ausblick in die Zukunft der APK. Direkte Zitate sind dementsprechend
gekennzeichnet61 und lassen sich unter Angabe der Positionsnummer in den bei-
gefügten Transkripten nachprüfen. Aus Gründen der bersichtlichkeit befindet
sich am nde edes Teilabschnitts eine kurze Zusammenfassung der rgebnisse.

.1 Erfahrungen der Ärzte mit eHealth

Gleich zu Beginn eine vermutlich wenig überraschende rkenntnis: Jeder der 10


befragten rzte hat bereits in ihrem oder seinem Berufsalltag rfahrungen mit Pa-
tienten sammeln k nnen, die in irgendeiner Weise bereits mit eHealth Angeboten
in Berührung gekommen sind. Hierbei beschreiben alle xperten ein reges Inte-
resse und Nutzen von digitalen redaktionellen Inhalten aus dem WWW. Dr.
Google (Hey, P. 23 Müs, P. 3) sei mittlerweile nicht nur bei technikaffinen Jün-
geren eine gern genutzte Informations uelle, auch ältere Patienten konfrontieren
immer fter ihren behandelnden Arzt mit Informationen aus Gesundheitsforen, -
Wikis oder Health-Communities. Besonders bei schweren rkrankungen suchen
die betroffenen Patienten häufig nach ergänzenden Informationen im Internet zu
Diagnosen und Therapieansätzen (All, P. 2 Bau, P. 2 Kra, P. 5 Mel, P. 3 Schl.,
P. 3 Wth, P. 6 Zitt., P. 17). Anders sieht es bei den rfahrungen der rzte mit
Patienten aus, die Wearables oder mHealth Angebote nutzen und die so erhobenen

61
Wie bei der restlichen Literatur auch, befinden sich uellenangaben zu direkten und indirekten Zi-
taten hinter den entsprechenden Aussagen. Der einzige Unterschied besteht in der Angabe P . Anstatt
der Angabe der Seitenzahl im eweiligen Transkript, sind Interviewzitate in dieser Arbeit mit einer
Positionsnummer (P) versehen. Diese findet sich sowohl in den Transkripten in der ersten Spalte, sowie
in den thematischen Zusammenfassungen in der Kopfzeile der einzelnen Codings und erlaubt dadurch
ein schnelleres Auffinden zur besseren berprüfbarkeit der Angaben.

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2017


F. Liebrich, Digitale Medienprodukte in der Arzt-Patienten-Kommunikation,
Schriften zur Medienproduktion, DOI 10.1007/978-3-658-17235-0_6
66 6 rgebnisse

Informationen in das Arzt-Patienten Gespräch einbringen. Lediglich 4 von 10 Be-


fragten gaben an, bereits mit Patienten über selbst erhobene Gesundheitsdaten ge-
sprochen zu haben.62
Bei der sub ektiven inschätzung zu ualität und Verlässlichkeit von digita-
len Gesundheitsangeboten, kommt man zu einem sehr gemischten rgebnis. Be-
trachtet man lediglich die zählbaren u erungen bezüglich dieser Fragestellung
aller verschriftlichten Interviews, zeigt sich eine folgende Verteilung von positi-
ven, negativen und zwiespältigen (sowohl positiv als auch negative u erungen)
Aussagen zur wahrgenommen ualität von eHealth Angeboten.

Abbildung 2: Häufigkeitsverteilung (Anzahl Codings) zu Bewertungen der


ualität von eHealth

10

47
34

Positiv eingestellt Negativ eingestellt Gespaltene Meinung

In Abbildung 2 ist lediglich eine Häufigkeitsverteilung dargestellt, die aufzeigt,


wie viele Codings eindeutig einer positiven Aussage zur ualität von eHealth zu-
zuordnen sind (47), wie viele negativ (34) und wie oft sowohl Vorteile und Chan-
cen, aber gleichzeitig auch Risiken angesprochen wurden (10). Hierbei sollte
nochmals betont werden, dass es lediglich um die Veranschaulichung einer Ten-
denz in den erhobenen Daten geht. Diese zeigt edoch, dass die Vorteile und Chan-
cen von digitalen Gesundheitsangeboten für die APK von den befragten rzten
tendenziell häufiger erwähnt werden.

62
iner der verbliebenden 6 rzte gab allerdings an, fters mit Daten von Blutdruckmessgeräten kon-
frontiert zu werden. Auch wenn diese Geräte nicht unter die Kategorie Wearables fallen, ist eine Selbst-
vermessungstendenz im Stile der uantified-Self-Bewegung zumindest erkennbar.
6.1 rfahrungen der rzte mit eHealth 67

berwiegend positiv bewerten die Interviewteilnehmer die Tatsache, dass


durch die Vermehrte Nutzung von Informationsangeboten im Internet, die Patien-
ten über ein vergleichsweise h heres Laienwissen verfügen, als die enigen die sich
ausschlie lich auf das Handeln des Arztes verlassen. Für mich sind informierte
Patienten immer gute Patienten. Und es spart mir auch einen Haufen Zeit. Jeder
Patient ist Facharzt für seine Diagnose. Wenn sie etzt einen Patienten haben, der
MS hat, der ist bei Google, der ist in Foren, der ist verlinkt mit anderen Leidens-
genossen (Schl., P. 13). Gute Informations uellen führen demnach zu einer akti-
ven Teilnahme der Patienten am Arzt-Patienten Gespräch und führen so zu kon-
struktiven rgebnissen (All, P. 4).

Alleine die Zeitersparnis wäre wahrscheinlich immens und der Arzt hätte mehr Zeit
um sich um den Patienten zu kümmern, wenn diverse Basisdaten bereits vorliegen. Ich rede von
Dingen, die es a schon längst gibt wie Blutzuckermesswerte, Blutdruck und Herzfre-
uenz und so weiter. Das musste früher ( ) alles noch in der Praxis erhoben werden
und das hat natürlich eine Menge Zeit gekostet (Hey, P. 29).

Dies kann soweit führen, dass rzte ihren Patienten sogar empfehlen, alternative
Informationsangebote zu nutzen, um besser mit ihrer rkrankung zurecht zu kom-
men. Besonders zur Kontrolle der sogenannten Volkskrankheit Diabetes, gibt es
bereits zahlreiche Angebote, die es dem Nutzer erm glichen seine Krankheit wei-
testgehend selber zu kontrollieren (Zitt., P. 30-35).
Trotz überwiegend positivem Zuspruch, machen die Befragten deutlich, dass
die Nutzung von eHealth Angeboten auch Risiken birgt. inig ist man sich in der
Skepsis gegenüber unklaren Informations uellen, deren Ursprung nicht durch eine
neutrale Instanz überprüft ist. Die Seriosität der Urheber lässt sich in der Fülle an
Informationen, die heutzutage weitestgehend frei zugänglich sind, für den Laien
nur sehr schwer nachprüfen. Wenn die Information aus der uelle Google
kommt, dann kann man Glück haben oder Pech haben, also sprich man kann Glück
haben, dass der Patient besser informiert ist oder dass er fehl informiert ist (Müs,
P. 5). Da der Patient nicht in der Lage ist, die Informationen richtig einzuschätzen,
sieht Hey (P.17) den behandelnden Arzt in der Verantwortung:

der Arzt hat das sagen, also es ist seine Aufgabe aus all den Informationen das wichtige heraus-
zufiltern und letztendlich die Diagnose zu stellen .

Neben der problematischen Einschätzung der Seriosität und ualität der Informa-
tions uellen, wird die sogenannte Cyberchondrie63 als weiteres gro es Risiko von
eHealth-Nutzung genannt. Patienten neigen demnach zu berkontrolle wenn es

63
Siehe Kapitel 2.2.3
68 6 rgebnisse

um die eigene Gesundheit geht und steigern sich nach intensiver Informationssu-
che in einen Zustand hinein, der bis hin zu ngsten führen kann (Mel, P. 3-5
Schl., P. 3-5 Zitt., P. 13). Dabei hätten viele dieser Beschwerden oftmals harm-
lose Gründe. Wenn du Hufgetrappel h rst, dann denk an ein Pferd und nicht an
ein Zebra kommentiert Wth (P. 16).
Diese Verunsicherung führt oftmals dazu, dass vermehrt Aufklärungsarbeit
von Seiten des Arztes n tig ist, welche den positiven ffekt des informierten Pa-
tienten wieder aufl st. In diesem Punkt ist die allgemeine Meinung der rzte
h chst ambivalent. Zum einen loben sie die vorhandenen M glichkeiten als Pati-
ent an medizinische Informationen zu kommen, zum anderen herrscht gro e Un-
sicherheit und Skepsis hinsichtlich der ualität der Angebote. ine m gliche L -
sung bestünde in einer Art Zertifizierung oder Vereinheitlichung, also der Schaf-
fung einer oder weniger ualitativ hochwertiger uellen für medizinische Infor-
mationen, auf die der Arzt im Arzt-Patienten Gespräch hinweisen k nnte (All,
P. 22 Müs, P. 15 Zitt., P. 31). Bei all den Unklarheiten stellt sich zwangsläufig
die Frage, warum Patienten eHealth Angebote nutzen und wie sich der Konsum
auf die APK auswirkt. Aus der Sicht der rzte sind folgende rwartungen und
Motive wichtig, die Patienten dazu bringen, besagte Dienste in Anspruch zu neh-
men.
Auf einen Blick:
Erfahrungen der Ärzte mit eHealth

Das Interesse an eHealth seitens der xperten nimmt immer weiter zu. Während
Self-Tracking Daten von Wearables nur vereinzelt in die APK eingebracht wer-
den, nutzen fast alle Patienten das WWW mit seinen redaktionellen Inhalten zur
zusätzlichen Informationsbeschaffung.

Positiv Negativ
- h heres Wissen der Patien- - unseri se Angebote führen
ten (auf Laienniveau) zu Fehlinformationen und
- Zeitersparnis bei der Diag- verhalten und einem Mehr-
nose aufwand für den Arzt, dieses
- aktive und interessierte Pati- zu korrigieren
enten erh hen die Ge- - mangelnde Zertifizierung
sprächs ualität und Bewertung der Angebote
- nützliche Vordiagnosedaten (dadurch schwere berprüf-
zur Weiterverwendung barkeit der ualität durch Pa-
tienten)
- Gefahr der Cyberchondrie
und berkontrolle
6.2 rwartungen der Patienten an eHealth aus rztesicht 69

.2 Erwartungen der Patienten an eHealth aus Ärztesicht

Nach herrschender Meinung der Interviewteilnehmer führen die oben genannten


Risiken zu der rkenntnis, dass trotz vieler guter Angebote, eHealth niemals den
direkten Arzt-Patienten Kontakt ersetzen sollte. Genau dies scheint aber bei man-
chen Patienten die Absicht zu sein (Bau, P. 9). Die erwarten erst mal, dass sie den
Arztbesuch unn tig machen, weil zum Arzt geht keiner gerne (Müs, P. 29). Von
dieser L sung raten die Befragten einstimmig ab. Andere Patienten wollen zwar
auf den Arztbesuch nicht verzichten, erwarten aber dennoch, dass ihre recherchier-
ten Informationen vom behandelnden Arzt in die Anamnese aufgenommen wer-
den (Mel, P. 29). So werden die Daten Bestandteil der Therapie, Diagnose und
Therapieplanung und der Patient nimmt aktiv Teil an seiner Behandlung teil (Kra,
P. 33).
Dieses Verhalten, lässt sich nach Aussage der rzte durch eine erh hte Un-
sicherheit und schwelende ngste begründen (Bau, P. 9 Hey, P. 17-23 Schl.,
P. 5 Wth, P. 16). Sie wollen den Zustand der Angst und Verunsicherung abbauen
und wenden sich an den Arzt als letzte Instanz. Der Patient informiert sich a in
der Regel erst mal im Bekanntenkreis oder bei seinem Partner über seine rkran-
kung. Dann bei Bekannten/ medizinischen Berufen. ( ) Und dann kommen die
mit ihren Leiden, wenn die alle nicht helfen k nnen, erst zum Hausarzt (Zitt.,
P. 17). ng verbunden mit dieser rwartungshaltung ist die Absicht, den Arzt zu
kontrollieren (Zitt., P. 12-13). s gibt Patienten, die mit den Daten hier abtesten,
ob ich das denn auch wei (Müs, P. 7). Dieses Streben nach Kontrolle zeigt sich
allerdings nicht nur in Verbindung mit dem behandelnden Arzt, sondern richtet
sich auch auf das eigene Gesundheitsverhalten, also eine igenkontrolle. In die-
sem Fall würden digitale Gesundheitsangebote dazu genutzt, die Anforderungen,
die der Patient an sich selber stellt oder die von der Gesellschaft indirekt gestellt
werden zu kontrollieren und zu überwachen (Thi, P. 11). Kra (P. 29) sieht hierin
ein paradoxes Verhalten. So würden Patienten versuchen durch eHealth Angebote
ihre Gesundheit zu verbessern, auch wenn sie sie vorher leichtsinnig aufs Spiel
gesetzt haben. Hierzu führt er das Beispiel des Rauchers an, der zweifelsfrei auch
ohne eHealth L sungen wei , dass sein Verhalten schädlich für seine Gesundheit
ist.
Die letzte diskutierte rwartung, die Patienten laut der befragten rzte an die
Nutzung digitaler Gesundheitsangebote knüpfen, ist die Interpretation der selbst
erhobenen Daten durch den Arzt. So sammeln manche Patienten über einen län-
geren Zeitraum medizinische Daten wie Blutdruck, nehmen diese Informationen
aber dann mit zum Hausarzt, um mit ihm über die Bedeutung zu sprechen sowie
um sich Ratschläge abzuholen. Das Vertrauen und das pers nliche Verhältnis zum
70 6 rgebnisse

eweiligen Arzt spielt hierbei eine entscheidende Rolle (All, P. 8 Hey, P. 23 Zitt.,
P. 13).

Auf einen Blick:


Erwartungen der Patienten an eHealth aus Ärztesicht

- Minimierung der Arztbesuche


- Miteinbeziehung selbst gewonnener Daten
- aktive Teilnahme an der Diagnose
- Abbau von ngsten und Unsicherheiten
- Kontrolle des Arztes
- igenkontrolle
- Interpretation der selbst erhobenen Daten durch den Arzt

.3 Wahrgenommene eränderungen in der APK

Wie bereits in Kapitel 6.1 erwähnt, hat die Nutzung von digitalen Informationsan-
geboten in den letzten Jahren und Jahrzehnten rasant zugenommen. Laut Wth.
(P. 22) liegt das an einem gesteigerten Gesundheitsbewusstsein. Das Auffäl-
ligste, was sich verändert hat, ( ), dass die Leute sich, glaube ich, mehr für ihre
Gesundheit interessieren . Dadurch sind Patienten deutlich besser über medizini-
sche und gesundheitsbezogene Themen informiert als früher. Dies glauben auch
All (P. 4), Hey (P. 17, 24), Schl. (P. 13) und Zitt. (P. 19). Allerdings scheint laut
Aussagen der xperten dieser vermeintliche Informationsvorsprung nicht zwin-
gend ein Garant dafür zu sein, eine effizientere APK zu erhalten und damit den
Behandlungserfolg zu verbessern.
Ma geblich entscheidend hierfür sei nämlich die ualität und Seriosität der
Informations uelle (siehe Kapitel 6.1). In erster Linie führt diese ntwicklung e-
doch dazu, dass sich diese mediengebildeten Patienten (Hey, P. 17) im Laufe
der Zeit emanzipiert haben. Zumindest scheint dies ihre Selbstwahrnehmung zu
reflektieren. Kra (P. 17) sieht diese Bezeichnung kritisch und spricht daher von
pseudo emanzipierte n Patient en . All (P. 4) stützt diese Aussage und meint:

Ich glaube der Unterschied zu früher, als es das Internet noch nicht gab oder die
Informationsbeschaffung noch nicht so einfach war über die rkrankung, da war es
dann eher so, dass die Patienten sich ( ) automatisch gefügt haben, dem Therapie-
plan. Und heutzutage ist es a so, die k nnen sich wirklich einfach informieren, aber
trotzdem bleibt es halt noch Laienwissen .
6.3 Wahrgenommene Veränderungen in der APK 71

Auch Thi lehnt diese igendiagnosen ab und kritisiert die rwartungshaltung an


den Arzt, die Behandlung nach den Wünschen des Patienten zu richten. Des Wei-
teren kritisiert sie die weitreichenden Folgen, die sich zum Beispiel in einer
schlechten Bewertung des Arztes auf Internetportalen äu ern, nachdem Patienten
mit einer Behandlung aus sub ektiver Sicht nicht zufrieden waren, ohne formal die
fachliche Kompetenz für eine solche ntscheidung zu haben.
In gesteigerter Form kann dieses Verhalten auch zur berkontrolle führen,
meint Zitt. (P. 13). Diese Gefahr hat sich durch eHealth verstärkt. Au erdem findet
er, dass sich zwar die Menge an Informationen, die frei zugänglich sind, deutlich
erh ht hat, die Informationsdichte hingegen nicht. Dies äu ert sich darin, dass am
nde relativ wenig relevante neue Informationen hinzugekommen sind. Das In-
formationsangebot bei seltenen rkrankungen allerdings, nennt er als lobenswerte
Ausnahme, da hier die Informationsbasis bereits relativ klein ist und durch die
intensive Beschäftigung mit dem Thema wertvolle rkenntnisse entstehen, da sich
auch Hausärzte mit solchen speziellen Themen eher wenig auskennen. Das gab es
früher nicht. Mit dieser Meinung steht er nicht alleine da.

Die 30- ährige intelligente Frau, die in solchen Foren verkehrt, die hat mehr Ahnung
über MS als ich natürlich, weil sie ( ) eden Tag im Internet ist, eden Tag googelt,
eden Tag sich informiert, sich eden Tag im Forum austauscht, ob da neue Medika-
mente sind und die kommen dann teilweise zu mir und sagen: Hier, bei MS gibt es
neue Interferon Präparate oder neue Biologika. Was halten sie davon? Und die kenne
ich dann überhaupt nicht (Schl., P. 13).

Neben diesen allgemeinen Veränderungen, wird aber vor allem der positive in-
fluss der Digitalisierung auf das Arzt-Patienten Gespräch hervorgehoben. Hier se-
hen die rzte durchaus Potential: Ich kann a nicht sagen, nein, etzt haben sie
irgendeine Information von Google, ich suche mir etzt selber meine Informatio-
nen heraus. Sondern ich nehme erst mal das, was der Patient mir bietet und gucke
dann erst mal, stimmt das mit dem, was ich im Studium gelernt habe überein
(Zitt., P. 29). In dem Moment wo der Arzt diese Informationen in die Diagnose
aufnimmt, verfügen beide Kommunikationsteilnehmer über einen teilweise über-
einstimmenden Wissensbereich über den sie sich nahezu auf Augenh he unterhal-
ten k nnen. Diese wechselseitige Anpassung scheint auch bei Thi (P. 15) gut an-
zukommen. In meinem Umfeld - ist es etzt eher so, dass die Patienten munter
werden, wo bisher sehr unmündige Patienten zu Gange waren, also die mit sich
geschehen lie en und nicht wussten, Warum hat er denn das gemacht? . Diese
wahrgenommene Verbesserung der APK führt bereits sogar dazu, dass Patienten
ermutigt werden, alternative Informationsangebote zu nutzen (Schl., P. 25), aller-
dings nur in kleinen Dosen. Ihm ist ebenfalls bewusst, dass solche mpfehlungen
durchaus zu schwierigen Patienten führen und Beratungsgespräche schon einmal
72 6 rgebnisse

70 statt 7 Minuten dauern k nnen, aber dieses Risiko scheint sich im Hinblick auf
das rgebnis auszuzahlen. Au erdem hat es nach eigener Aussage diese nervi-
gen (Schl., P. 25) Patienten auch schon früher gegeben.
Dies bestätigt auch Bau. Sie findet, dass sich im Gro en und Ganzen die APK
nicht verändert hat. Zu den alten etablierten, seien lediglich neue Informations-
uellen hinzugekommen, die in die Diagnose mit einflie en. Zitt. (P. 5) bestätigt
dieses und führt an: Fremdinformationen kommen zu uns im Prinzip seitdem
Blutdruckmessgeräte daheim verwendet werden ( ) seit 15, 20 Jahren wahr-
scheinlich schon . Ganz anders sieht das Thi (P. 21), die vor allem die Art und
Weise hervorhebt, wie Patienten heute mit ihren rzten kommunizieren.

Die Kommunikation zwischen Arzt und Patient? Also sie ist etzt für mich pers nlich
interessanter geworden, weil ich vorher Referierende war - also Sprechende, erklä-
rende Lehrerin, Belehrende, rläuternde - und etzt kann ich mit den Patienten - ich
will nicht sagen, in ein Fachgespräch treten. Das ist zu hoch gegriffen, aber ich kann
den Patienten etzt mehr als Partner nehmen, weil er sich interessiert und Gegenfragen
stellt. Also mit anderen Worten: Früher habe ich Frontalunterricht betrieben, und etzt
haben wir ( ) Stuhlkreis .

Auch Schl. (P. 25) setzt auf das Dialogkonzept.


Ich freue mich über gut informierte Patienten. Da redet man auf Augenh he, was
die Patienten a auch wollen. Die wollen a nicht mehr den Halbgott in Wei , der ihnen
etzt sagt: Okay, du musst das etzt so und so machen. Jede Aussage von mir, wird
natürlich hinterfragt. Das kann natürlich sein, dass das zu schwierigen Patienten wird.
Das ist durchaus m glich .

Diese Idee einer angestrebten gleichberechtigten Kommunikation sehen allerdings


nicht alle befragten rzte mit Freude. Für Kra (P. 21) führt der kommunikative
und informierte Patient lediglich zu einem Mehraufwand. Der Patient zwingt uns
zu mehr rklärungen, weil er sozusagen mit einem Halbwissen hierherkommt
schon, wo er vorher kein Wissen hatte . Also das gab es so früher sage ich etzt
mal nicht. Da wurde gemacht was der Arzt sagte und andere Informations uellen
- au er vielleicht noch ein anderer Arzt - das gab es so in diesem Umfang etzt
nicht (Hey, P. 27). Manche rzte scheinen das klassische berordnungsverhält-
nis zu bevorzugen. Ich kenne noch die Zeiten, da war das, was der Chefarzt ge-
sagt hatte Gesetz und was anderes gab es nicht (Kra, P. 25). Zwar vertritt er damit
unter den 10 befragten Medizinern eher die Minderheit, allerdings sind sich alle
darin einig, dass Patienten sich niemals ausschlie lich auf digitale Gesundheitsan-
gebote verlassen sollten, sondern stets auch mit ihrem Arzt in Kontakt treten soll-
ten. Das folgende Kapitel beschäftigt sich näher mit einer zukünftigen APK und
6.4 Ausblick in die Zukunft der APK 73

beschreibt, wie die befragten xperten die Rolle von eHealth Angeboten im Arzt-
Patienten Gespräch bewerten.

Auf einen Blick:


Wahrgenommene eränderungen in der APK
Das gesellschaftliche Interesse an Gesundheitsthemen hat in den letzten Jahren
immer mehr zugenommen. Durch die vielfältigen M glichkeiten sind Patienten
aktiver in der APK und deutlich besser informiert. Sie sind dadurch emanzipier-
ter als früher und wollen auf Augenh he mit ihrem Arzt kommunizieren. Dies
hat für den Arzt viele Vorteile (mehr Zeit, konstruktivere Gespräche), birgt aber
auch Risiken (Halbwissen, Selbstüberschätzung und dadurch auch manchmal
eine zeitintensivere Behandlung).

. Ausblick in die Zukunft der APK

Aus den bisherigen rgebnissen lässt sich bereits eine Art Bereitschaft der rzte
zur inbeziehung von Fremdinformationen erkennen: Wenn man in der Lage ist
genaue und gute digitale Gesundheitsprodukte zu entwickeln, dann sehe ich kei-
nen Grund warum sich die Medizin bzw. die Diagnostik das nicht zu Nutzen ma-
chen sollte. Das würde dem Arzt deutlich entlasten und auch das Gesundheitssys-
tem (Hey, P. 29).
Zertifizierungen von eHealth und Vereinheitlichung von Patientendaten
Voraussetzung hierfür wären verlässliche und vertrauenswürdige Informations-
uellen, die eine wertvolle Bereicherung des Gesundheitswesens von morgen dar-
stellen k nnten. Doch gerade hier scheint sich bei den rzten noch kein verlässli-
cher Anbieter bewiesen zu haben. Von daher bin ich da sehr zurückhaltend ge-
genüber diesen Apps ( ) ich habe Sorgen mit dem Anonymisieren (Thi, P. 9).
Die Sorge über mangelnde Sicherheitsstandards oder ualitätsprobleme teilen die
meisten Befragten und wünschen sich einheitliche Informations uellen, die sich
durch eine verlässliche Zertifizierung von der Masse absetzen. So k nnte sicher-
gestellt werden, dass eHealth Angebote in Zukunft ihrem Potential auch gerecht
werden k nnen (All, P. 22 Hey, P. 19 Müs, P. 15). Das gr te dieser Potentiale
verlässlicher Informations uellen liegt laut Schl. (P. 35) in den M glichkeiten,
Vorbefunde zu erstellen, die im Arzt-Patienten Gespräch weiterentwickelt werden
k nnen.

Wenn Patienten kommen mit Herzschmerzen und ich habe kein Vor- KG, ( ) und
im KG sind Veränderungen, ist es für mich wichtig, ob die Veränderungen auch
schon vor zwei Jahren da waren. Und wenn dann auf der Chipkarte das alte KG
74 6 rgebnisse

gespeichert ist, wäre das mehr als hilfreich. Oder auch, gerade beim Notdienst, wenn
da irgendwelche Medikamentenplaner drauf sind. Dann fangen die Patienten an: a,
morgens nehme ich die kleine blaue und mittags die halbe wei e . Das hilft mir natür-
lich nicht viel. Wenn da der komplette Medikamentenplan draufstehen würde und die
letzte Langzeit-Blutdruckmessung oder so was, das wäre schon cool (Schl., P. 35).

Gerade den Krankenkassen, denen drei der rzte eher kritisch gegenüberstehen
wenn es um das Sammeln von Gesundheitsdaten geht, attestiert Müs (P. 15) aber
eine Vorreiterrolle in Sachen Digitalisierung.

Also die Krankenkassen sind als allererste aufgewacht und akzeptieren und f rdern
( ) die digitale Gesundheitsversorgung. Die rzteschaft hat auch an ihrem letzt äh-
rigen rztetag gesagt, dass ( ) Digital Health besser sein kann als konventionelle
Verfahren. Meine Beobachtung ist, dass die, ich sage mal, digitale Medizin zuneh-
mend normaler Bestandteil der Medizin wird, so ganz ganz langsam. Aber es wird
ganz normal sein, dass Diabetiker ihre Werte ( ) tracken oder Schwangere sich über
eine App begleiten lassen oder Depressive, Depressions-Tagebuch online führen. O-
der oder. Das geht ganz eindeutig hin zur Normalität (Müs, P. 15).

6.4.1 Die Rolle des informierten Patienten


in effizienteres digitales Gesundheitssystem kann sich nur dann etablieren, wenn
eHealth vernünftig in die Gesundheitsversorgung integriert wird und rzte sich
diesem Wandel anpassen. Auch der Patient von morgen sollte sich nach Meinung
der rzte besser auf den Wandel einstellen. ine gewisse Vorbildung des Patien-
ten scheint hierbei Voraussetzung für eine bessere APK zu sein.
Das kommt auch immer auf den Bildungsstand an meiner Meinung nach,
also oftmals sind das Patienten aus eher einfacheren Schichten, sage ich etzt mal,
die sich irgendwo belesen, teilweise auch mit v llig falschen Diagnosen und die
muss man natürlich dann aufklären (Hey, P. 15). Auch All (P. 22) und Thi (P. 20)
sehen in der Gesundheitskompetenz den Schlüssel zu einer besseren Kommunika-
tion zwischen Arzt und Patient.

Je gebildeter und e besser der soziale Stand ist, den die Patienten haben, desto mehr
beschäftigen sie sich auch mit ihrer eigenen rkrankung und haben mitunter auch gute
uellen und k nnen mit allem dann sozusagen sinnvoll kommunizieren. Aber dazwi-
schen ( ) gibt es viele verschiedene Level des Aufgeklärt Seins der Patienten (Thi,
P. 20).

So gerne gesehen der informierte Patient in den Sprechzimmern der befragten


rzte auch ist, das letzte Wort des Arzt-Patienten Gesprächs obliegt nach Aussa-
gen der Befragten trotzdem dem behandelnden Arzt. Die k nnen durchaus mit
6.4 Ausblick in die Zukunft der APK 75

irgendeiner Vorinformation kommen, a, aber (...) müssen sich dann, oder sollten
sich vielleicht dann doch besser vom Arzt lenken lassen (Müs, P. 21). Der fol-
gende Abschnitt knüpft an diesen Gedanken an und beleuchtet die Meinung der
befragten rzte über die Zukunft ihres Berufsstandes.

6.4.2 Die zukünftige Rolle des Arztes


Die Frage nach dem influss der Digitalisierung auf die APK, geht zwangsläufig
einher mit der Frage nach der zukünftigen Rolle des Arztes und wie dieser mit der
sich ändernden Situation umzugehen vermag. Die vorangegangen Kapitel konnten
bereits einen indruck vermitteln, wie sich die Art und Weise verändert hat, mit
der Patienten und rzte heute kommunizieren. Doch in welcher Rolle sehen sich
die befragten rzte?
ine generelle Abneigung gegen den Nutzen von digitalen Gesundheitsan-
geboten, lässt sich demnach bei den wenigsten rzten erkennen. Vielmehr über-
wiegt das Verständnis von einer APK auf Augenh he und der Koexistenz von
ärztlichem Rat, selbstrecherchierten Informationen und selbsterhobenen Daten.
Das hat a auch direkte Auswirkungen auf das Arzt-Patienten Gespräch. Wenn
ein Patient zu mir kommt und sich im Vorfeld schon mit der m glichen Diagnose
beschäftigt hat, dann ist das vom Prinzip her eine gute Sache und man kann gleich
ganz anders mit ihm sprechen (Wth, P. 14). Dieser Ansicht ist auch All (P. 20-
24) und meint: Ich glaube wenn die Patienten die richtige uelle finden und sich
da belesen, dann f rdert das auf eden Fall die Arzt-Patienten-Kommunikation .
r sieht das vermehrte Aufkommen von digitalen Gesundheitsangeboten dabei
keineswegs als Konkurrenz zum Arztberuf, sondern eher als sinnvolle rgänzung.
Krankheiten müssen nämlich im Kontext des K rpers gesehen werden, was mo-
derne Gesundheitsangebote (noch) nicht leisten k nnen. Durch sein Wissen und
rfahrung schafft der Arzt Vertrauen und nimmt Verunsicherung, das auch durch
das Nutzen von digitalen Gesundheitsangeboten entstehen kann. Dabei scheint ein
emanzipierter Patient, der aktiv an seiner Diagnose mitarbeitet für die meisten
rzte kein Problem zu sein.

Natürlich ist es immer gut wenn man hinterfragt und auch mal nachhakt wieso denn
etzt gerade Therapie A verordnet wird und nicht Therapie B. (...) Da sind solche di-
gitalen Gesundheitsangebote schon nützlich, weil sie Alternativen bieten. Die müssen
nicht immer gut und richtig sein, aber solange das Vertrauen zwischen Arzt und Pati-
ent ein gutes ist, wird man so wahrscheinlich meistens auf einen grünen Zweig kom-
men (Wth, P. 20).

Die Frage, ob der Arztberuf durch die heutige Masse an Fremdinformationen nicht
zu einer Art Gesundheitsberater verkomme, beantwortet Hey (2016, S. 28-29) wie
76 6 rgebnisse

folgt: Ich würde mir sogar wünschen, dass der Arztberuf sich in Richtung Ge-
sundheitsberater entwickelt . Auch Müs (P. 16-17) findet:

Die Aufgabe eines Arztes ist es, Gesundheitsberater zu sein. Also ich meine, das sind
wir doch. Zu uns kommt man, wenn man einen Rat m chte, also Rat und Tat. Also
insofern ist das sozusagen kein Verkommen, sondern, sagen wir mal, eine Optimie-
rung der Aufgabe des Arztes in dem er etzt nicht mehr, banalste Beratung macht ( ).
Wenn die banalen Beratungen im Internet verortet sind, dann kann er sich sozusagen
nur um den Rat für wirklich bedürftige schwerer erkrankte Patienten kümmern .

Auch Bau (P. 17) sieht keine Gefahr darin, dass der Arztberuf im Zuge der Digi-
talisierung der Medizin an Bedeutung verliert. Sie vergleicht die ntwicklung mit
dem Bau eines Hauses, bei dem trotz angelesenem Laienwissen, z.B. zum Thema
lektrik, sicherheitshalber ein lektriker beauftragt wird. Vertrauen spielt hier für
sie eine entscheidende Rolle, welches digitale Angebote nicht erzeugen k nnen.
benso blickt Zitt. eher zuversichtlich in die Zukunft. r argumentiert, dass es
immer schon Veränderungen gegeben hat und dass der moderne Arzt mit diesen
ntwicklungen mitgehen muss, um die Patienten dort abzuholen wo sie stehen.
Wenn man mal nterprise guckt (...) Die haben halt Geräte bedient. Aber trotz-
dem waren das die rzte. Das wird es auch in Zukunft geben (Zitt., P. 23-25).
Die enorme Wichtigkeit des pers nlichen Kontaktes zwischen Arzt und Patient
betont auch Schl. (P. 27) in seiner Antwort.

Der Patient sitzt mir gegenüber und ich sitze ihm gegenüber. Das hat a etwas mit
Psychologie zu tun. Das hat was mit ngsten zu tun. Das hat was mit Mut machen zu
tun. s hat was mit Information zu tun. Also, es ist sehr vielschichtig. K nnen uns da
die digitalen Medien auch helfen? in digitales Medium kennt keine motionen .

twas skeptischer sieht Mel (P. 21) die gleichwertige Koexistenz von Arzt und
Patient in der Anamnese. Den pers nlichen Patientenkontakt hält auch sie für sehr
wichtig und kann sich schlecht vorstellen, wie digitale Gesundheitsangebote einen
gro en Nutzer für die APK stiften k nnen (P. 51). Die Idee des informierten Pati-
enten findet sie edoch gut, sieht aber wieder gleichzeitig die Gefahr der Fehlin-
formationen. Ihr Vorschlag für eine zukünftige APK sieht vor, dass sich Patienten
erst nach dem Gespräch mit einem Arzt auf dessen mpfehlung bei weiteren In-
formationsangeboten informieren. Andersherum kann es nicht funktionieren, da
es zu Verunsicherungen und Fehldiagnosen kommen k nnte. Der Arzt bleibt wei-
terhin der Lenker in der APK (P. 21) mit alleinigem Anspruch auf zuverlässige
Informationen. iner ntwertung des ärztlichen xpertentums kann sie nicht zu-
stimmen (Mel, P. 45). Noch kritischer blickt (Kra, P. 35-37) auf neue Rollenver-
hältnis von Arzt und Patient.
6.4 Ausblick in die Zukunft der APK 77

Wenn sie Gesundheit brauchen, ist das nicht mehr ihre ntscheidung ( ). Deswegen
reagieren wir da als rzte immer ein bisschen allergisch, wenn unsere Geschäftsfüh-
rung, das sind nämlich Wirtschaftsleute, die sagen, hier ist ein Kunde, kundenfreund-
liches Arbeiten und Kunde, Patient, der Kunde ist K nig. Das ist eben kein Kunde,
sondern das ist ein Patient und das hei t im Lateinischen der Leidende. Und der kann
sich nicht heraussuchen, ob er gesund sein will oder nicht, da gibt es keine Alternative
dazu. Der muss also sich auf emanden verlassen k nnen, dem er auch vertraut ( )
er ist dort kein gleichwertiger Partner, er ist ein abhängiger (Kra, P. 35-37).

Auf einen Blick:


Ausblick in die Zukunft der APK

Die Mehrheit der befragten rzte sieht in eHealth Angeboten eine Bereicherung
der APK, da sie zu konstruktiveren Gesprächen beitragen k nnen. Dennoch fin-
det die konse uente manzipation des Patienten nur z gerlichen Zuspruch. Der
Arzt als medizinischer xperte behält sich grundsätzlich das letzte Wort in der
APK vor. Voraussetzung für eine konstruktive APK wäre allerdings eine ein-
heitliche Bewertung - eine Art Zertifizierung digitaler Informationen und An-
wendungen - durch eine neutrale Stelle.
Digitale Vorbefunde bieten gro es Potential für den behandelnden Arzt.
Angekommen scheint die Digitalisierung bisher aber am ehesten bei den Kran-
kenkassen zu sein. Voraussetzung für eine effiziente zukünftige APK ist die
Anpassungsbereitschaft von rzten, Patienten und Infrastruktur.
iskussion der Ergebnisse

in Vergleich der aus der Analyse gewonnen Informationen mit dem bisherigen
Forschungsstand bestätigt, dass die Nutzung von eHealth sowohl bei rzten, als
auch Patienten angekommen zu sein scheint. Nahezu eder Patient nutzt demnach
nach Aussage der befragten Mediziner den Suchdienst Google, um an medizini-
sches Wissen zu kommen. Im Gegensatz dazu scheint die Nutzung von Wearables,
Smartphone Apps und daraus kombinierten digitalen Gesundheitsangeboten bis-
her relativ wenig genutzt zu werden. Zumindest scheinen die Patienten diese Self-
Tracking Daten nicht in dem Umfang in das Arzt-Patienten Gespräch einzubrin-
gen, der es erm glichen würde, die APK für beide Seiten zu optimieren.
Dabei b ten sich hier zahlreiche Vorteile: Zeitersparnis, eine hochwertigere
Kommunikation auf Augenh he oder die Weiterverarbeitung von durch Sensoren
erhobenen Vitaldaten sowie die daraus aufbereiteten Vordiagnosen, wurden hier
als nutzenstiftende Faktoren für die Implementierung von eHealth Angeboten ge-
nannt, die die Digitalisierung des Gesundheitswesens entscheidend voranbringen
k nnten.
Auffällig ist die Tatsache, dass sich die gro e Mehrheit der Interviewpartner
zwar positiv über die eine fortschreitende Digitalisierung der Medizin äu ert,
gleichzeitig aber die Risiken und Zweifel über die Verlässlichkeit der Daten beto-
nen. in Vergleich zum bisherigen Forschungsstand zeigt, dass sich trotz rasanter
ntwicklungen in der Healthcare-Branche, die instellungen und auch der Wis-
sensstand praktizierender Mediziner über eHealth kaum verändert haben. Hier of-
fenbaren die rzte immer noch gro e Unsicherheiten, welche uellen man als
seri s einstufen kann und welche nicht. benfalls widersprüchlich ist die inschät-
zung, dass durch die Emanzipation oder das Empowerment zwar ein h heres Fach-
wissen seitens der Patienten zu effizienteren Gesprächen auf Augenh he führen
kann, gleichzeitig aber immer wieder auf die allgegenwärtige Gefahr der Fehlin-
formation, hingewiesen wird. xtreme Auswirkungen bis hin zu einer Hypo-
chondrie (oder Cyberchondrie) k nnten die Folge sein.

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2017


F. Liebrich, Digitale Medienprodukte in der Arzt-Patienten-Kommunikation,
Schriften zur Medienproduktion, DOI 10.1007/978-3-658-17235-0_7
80 7 Diskussion der rgebnisse

Der in den letzten Jahren an Fahrt gewonnene Dialog zwischen Regierung, rzte-
vereinigungen, der Versicherungsbranche und auch der Startup-Szene, scheint die-
sen Problemen nun langsam entgegenzuwirken. So sind mit der geplanten infüh-
rung einer telemedizinischen Infrastruktur und der längst überfälligen Implemen-
tierung einer funktionierenden elektronischen Krankenkarte, zumindest zwei ent-
scheidende Schritte in Planung, um die Digitalisierung der Medizin in einem Ma e
zu erm glichen, dass die APK in Zukunft ma geblich verbessern kann. Auch die
Bestrebungen des BfArM, eine Orientierungshilfe für medizinische Apps zur Ri-
sikoklassifizierung zu schaffen, scheinen der Forderung der rzte nach einer ein-
heitlichen Zertifizierung nachzukommen.
Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass sowohl die Mehrheit der Pa-
tienten als auch die rzte bereit sind, diese Schritte mitzugehen. Die Analyse der
dieser Studie zu Grunde liegenden Befragung stützt diese Befunde. Die Heraus-
forderungen insbesondere das Thema Datenschutz und Datensicherheit sind
den beteiligten Akteuren bewusst und müssen gemeinsam angegangen werden.
Hierbei sollte eine Selbstverwaltung der eigenen medizinischen Daten der Patien-
ten als Ideall sung angestrebt werden, bei der zugleich ein verantwortungsbewuss-
ter Umgang sowohl mit der eigenen Gesundheit, als auch bei Bedarf ein reibungs-
loser Austausch dieser Informationen mit den behandelnden rzten erm glicht
werden. Im Sinne der CPM Theorie kann so eder Patient über die Grenzen seines
eigenen Gesundheitsmanagements selbst bestimmen. ine flächendeckende Ge-
sundheitskompetenz der Bev lkerung erscheint unter diesem Gesichtspunkt umso
wichtiger. Durch die Befähigung der Patienten, Verwalter über ihre eigenen Ge-
sundheitsdaten zu werden, würden sie nicht nur eine aktivere Rolle in der Gesund-
heitsversorgung übernehmen, den rzten würde hiermit zugleich eine enorme nt-
lastung geschaffen. Somit würde in anderen Bereichen ein verstärktes ngagement
erm glicht, in denen eHealth nach heutigem Stand keine wirkungsvollen rleich-
terungen schaffen kann. Die Rede ist hier vor allem von der nachgewiesenen Wir-
kung des zwischenmenschlichen Kontaktes auf den Behandlungserfolg.
7 Diskussion der rgebnisse 81

in Zitat aus den Transkripten der Interviews liefert hierfür ein anschauliches Bei-
spiel:

Arzt-Patienten-Kommunikation hei t, ich bin erst mal der Zuh rer und der Patient
spricht und man h rt natürlich auch zwischen den Zeilen die ngste, was sind die
Sorgen. Und wenn einer kommt und sagt: Herr Doktor, ich habe solche Herzschmer-
zen , erstens dann nehme ich es natürlich wahr, dass ich Diagnostik machen muss, ein
KG schreiben muss, den Blutdruck messen und den abh ren muss. Ja aber, die Aus-
sage Herr Doktor, ich habe Herzschmerzen , gerade wenn da ein unger Mann, wie
sie kommt, dann h re ich natürlich, ich habe Angst, dass ich sterben muss. Ich habe
Angst, dass mein K rper mich verlässt. Ich habe Angst, dass ich meine Leistung nicht
bringe. Da stecken natürlich die ngste dahinter. Ich wüsste nicht, gerade in dieser
Form, wie digitale Medien ihnen helfen sollten. (Schl., P. 34) .

Schon in der Vergangenheit konnten Studien belegen, dass psychologische Fakto-


ren, wie der direkte Kontakt zwischen Arzt und Patient, das gegenseitige Ver-
trauen und der daraus abgeleitete Glauben an die Leistungsfähigkeit des Medizi-
ners eine verblüffende Wirkung auf den Heilungsprozess des Patienten haben k n-
nen.

So zeigen beispielsweise Dokumente aus dem zweiten Weltkrieg, wie verletzte


Soldaten angaben, sich besser zu fühlen, nachdem man ihnen vermeintlich Mor-
phium gegen die Schmerzen spritzte. In Wahrheit handelte es sich, aus Mangel an
echter Medizin, lediglich um eine Kochsalzl sung. Wir kennen diese Wirkung
noch heute unter dem Namen Placebo-Effekt (Lang, 2006, S. 286-297).
Die rgebnisse der Literaturrecherche scheinen sich inhaltlich mit den Infor-
mationen aus den xperteninterviews zu decken. ine Koexistenz von ärztlicher
xpertise und digitalen Gesundheitsangeboten, scheint sowohl in den rwartun-
gen der Patienten als auch aus Sicht der rzte ein zukunftsfähiges Konzept für ein
modernes Gesundheitswesen zu sein. Die Chancen sind vielversprechend. Auf-
grund der exorbitant gewachsenen M glichkeiten der Datenerhebung und Daten-
verarbeitung und diese in einen sinnvollen (logischen) diagnostischen und thera-
peutischen Zusammenhang zu bringen, erhält auch der Begriff der personalisier-
ten Medizin eine neue ualität. Zwar konnten ebenfalls einige Risiken und Prob-
leme identifiziert werden. Allerdings scheinen die Chancen, die eHealth-Angebote
für die APK bereithalten, zu überwiegen. Konzepte für Diagnose, Prophylaxe und
Therapie k nnen weit präziser auf den eweiligen inzelfall, also individuell er-
stellt und angewandt werden. Dieses Ziel gilt es gemeinsam durchzusetzen. Unter
Berücksichtigung der Rolle der Politik, ergibt sich demnach ein Dreiklang der
APK aus Arzt, Patient und staatlicher Regulierung, der eine effiziente digitale Me-
dizin der Zukunft verspricht.
8 Beantwortung der Forschungsfragen
8.1 UFF1: Nutzen von eHealth für den Arzt

Welche Qualität und welchen Nutzen haben durch eHealth Angebote und
vom Patienten erhobene Gesundheitsdaten für den Arzt?

Das Thema digitale Gesundheit wird immer häufiger Bestandteil des direk-
ten Arzt-Patienten-Gesprächs. ine Studie von Scholz (2016) zeigt: Fast die
Hälfte der rzte (46 ) sind von Patienten schon einmal mit Gesundheitsdaten
konfrontiert worden, die auf einem Smartphone gespeicherten waren . ine ähn-
liche rkenntnis konnte aus den xperteninterviews gewonnen werden. Die Nut-
zung von Google und der aus der Suche resultierenden Informationsseiten, liegt
weitaus h her und nimmt in der Wahrnehmung der Nutzer einen hohen Stellen-
wert ein.64 Dennoch sagt das gestiegene Interesse wenig darüber aus, ob solche
Angebote den Nutzern auch echte Mehrwerte liefern k nnen.
Die rgebnisse der Frage nach der ualität und dem medizinischen Nutzen
solcher Angebote für den Arzt zeigen, dass die befragten xperten generell der
Meinung sind, digitale Gesundheitsangebote k nnen die APK ma geblich verbes-
sern. Allerdings gibt es bisher keine einheitliche Bewertung solcher Angebote. Bis
dato ist demnach eine inzelbewertung erforderlich, die es sehr schwierig macht,
mpfehlungen für gute eHealth-Angebote zu geben. ualitativ hochwertige und
prämierte Dienste wie z.B. patienten-information.de der Bundesärztekammer und
der kassenärztlichen Vereinigung oder washabich.de, sind vielen Patienten nicht
bekannt. Auch weitere Studien belegen, dass von den wenigen guten Programmen
etwa 62 hilfreiche Informationen für Mediziner liefern k nnen. Die Forderung
nach einer einheitlichen Zertifizierung und einem gemeinsamen Zugang dieser In-
formationen für rzte und Patienten soll an dieser Stelle nochmals betont werden.
Die Nutzbarmachung von Langzeitdaten und detaillierten Aufzeichnungen über
den Verlauf von Krankheiten k nnten nach Aussage der rzte nicht nur die APK,
sondern die gesamte Behandlung von Patienten verbessern. Durch die erstellten
Vorbefunde k nnen somit Zeit, Kosten und Personal gespart und die frei gewor-
denen Kapazitäten der rzte auf dringendere Probleme verlagert werden. Im Zuge
des demografischen Wandels und der immer h heren Nachfrage nach medizini-
scher xpertise ist dies auch dringend empfehlenswert.

64
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/158825/umfrage/internetrecherche-nach-krankheiten-
und-ernaehrung-in-deutschland/

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F. Liebrich, Digitale Medienprodukte in der Arzt-Patienten-Kommunikation,
Schriften zur Medienproduktion, DOI 10.1007/978-3-658-17235-0_8
84 8 Beantwortung der Forschungsfragen

8.2 UFF2: Erwartungen der Patienten an eHealth

Welche Erwartungen haben Patienten an eHealth Angebote aus der


Ärztesicht und wie wirken sich diese auf die APK aus?

In Folge der Analyse, lie en sich folgende rwartungen und Nutzungsmotive an


eHealth Angebote feststellen und aus den rgebnissen der ualitativen Analyse
sowie der Literaturrecherche ableiten:
Reduzierung von Arztbesuchen
Zum Arzt geht keiner gerne sagt Müs (P.29) und dieser Aussage dürften wohl
die meisten Leser an dieser Stelle zustimmen. Alleinstehend betrachtet mag dies
auch stimmen, setzt man sie allerdings in den Kontext dieser Arbeit, fällt auf, dass
das Verhalten der Patienten in diesem Punkt äu ert ambivalent zu bewerten ist.
Obwohl ein Teil der Nutzer von eHealth Angeboten diese zweifelsohne in An-
spruch nimmt, um durch Präventionsma nahmen die Zahl der Arztbesuche m g-
lichst gering zu halten, lässt sich feststellen, dass die rkenntnisse dieser Selbst-
vermessung und Selbstdiagnose bei der gro en Mehrheit der Patienten keineswegs
dazu führt, weniger oft ihren Arzt aufzusuchen. Vielmehr haben einige Nutzer
Probleme damit, die erhobenen Daten richtig zu interpretieren. Folglich wird der
Arztbesuch nicht ersetzt, sondern lediglich dazu benutzt, um die erhobenen Daten
von professionellen Medizinern interpretieren und Unsicherheiten beseitigen zu
lassen.
Abbau von Unsicherheiten, Ängsten und Eigenkontrolle
Wie gerade bereits erwähnt, nutzen Patienten die Sprechstunde nach Aussagen
mancher rzte dazu, um Befunde widerlegen zu lassen, die sie sich selbst im In-
ternet angelesen haben. Viele Menschen werden dieses als Cyberchondrie be-
nannte Phänomen kennen. in übermä iger Konsum von medizinischem Halb-
wissen, welches in enormer Menge und Vielfalt vor allen in Internetforen zu fin-
den ist, führt oftmals zu einer eigenen berkontrolle und steigender Unsicherheit.
Die zahlreichen Informationen führen dabei nicht selten bis hin zu Angst- und Pa-
nikzuständen und der Befürchtung, eine schlimme Krankheit zu haben. Mit Blick
auf die Theorie der kognitiven Dissonanz, versuchen die Patienten durch das di-
rekte Arzt-Patienten Gespräch, solche ngste und Unsicherheiten abzubauen und
hoffen darauf, dass der Arzt als letzte Instanz ihre Zweifel auszuräumen vermag.
Mitwirkung und Mitbestimmung an der eigenen Gesundheit
Mit der Veränderung der sozialen Rolle des Patienten, ist einer der deutlichsten
Unterschiede der heutigen APK im Vergleich zu früheren Jahren zu nennen. in
8.3 UFF3: Chancen, Risiken und Zukunft von eHealth auf die APK 85

gesteigertes Gesundheitsinteresse und -bewusstsein hat dazu geführt, dass digitale


Gesundheitsangebote in der Gesellschaft akzeptiert und angekommen sind.
Dadurch ist der Patient selbstbestimmter und emanzipierter geworden und kann in
einem nie dagewesenen Ma e am Gesundheitssystem und am eigenen Gesund-
heitsmanagement mitwirken.
Die dadurch von beiden Seiten geforderte und begrü te Kommunikation auf
Augenh he, scheint allerdings noch nicht in dem Umfang umgesetzt zu sein, wie
sie sollte und k nnte. in entscheidender Faktor für eine effiziente APK ist näm-
lich nicht nur die reine M glichkeit der Partizipation des Patienten an der Diag-
nose und Therapie, sondern auch sein medizinisches Vorwissen und seine Bil-
dung. Hier k nnen erneut Parallelen zur ualität der Gesundheitsinformationen
gezogen werden, die zu diesem Zeitpunkt zur Verfügung stehen. Denn nur solange
der Patient verlässliche und genaue Informationen zur Verfügung hat, kann ein
konstruktives Gespräch auf Augenh he mit dem Arzt geführt werden.
Kontrolle des Arztes
Die Unsicherheiten, die auf den vorherigen Seiten bereits erwähnt wurden, führen
oftmals dazu, dass es Patienten immer schwerer fällt, verlässliche Informations-
uellen einzuordnen und zu bewerten. Selbst das Vertrauen zum Arzt und dessen
medizinischem Wissen wird fter angezweifelt, als noch vor dem Aufkommen der
Digitalisierung. So kommt es heutzutage nicht selten vor, dass der Arztbesuch
nicht etwa dazu genutzt wird, die selbst erhobenen Daten zu verifizieren, sondern
andersherum den Arzt mit Hilfe von selbst erhobenen Daten zu überprüfen und zu
kontrollieren. Wohl gemerkt, scheint es sich hier eher um die Ausnahme zu han-
deln. Die Mehrheit der Patienten scheint immer noch die Kompetenz eines Arztes
als letzte Instanz zur Bewertung der Lage, einem digitalen Medium vorzuziehen.

8.3 UFF3: Chancen, Risiken und Zukunft von eHealth auf die APK

Welche Chancen und Risiken bieten eHealth Angebote und wie lässt sich in
Zukunft eine für beide Seiten gewinnbringende APK gestalten?

Zusammenfassend lässt sich vermuten, dass die Nutzung von eHealth Angeboten
im Zuge einer neuen Gesundheitskommunikation dazu führt, dass sich der Ge-
sundheitsmarkt zu einem zunehmend partizipativen und damit einem patientenori-
entierten Gesundheitssystem wandelt.
Der Patient ist nicht mehr nur mpfänger von medizinischen Leistungen,
sondern gleichzeitig uelle für Informationen, die im Sinne einer personalisierten
Medizin in den Behandlungsprozess einflie en werden. Diese ntwicklung ist von
86 8 Beantwortung der Forschungsfragen

beiden Seiten ( rzte und Patienten) ausdrücklich gewünscht, auch wenn stets er-
hebliche Zweifel über die Umsetzung dieser Prozesse bestehen. Vor allem die
dadurch entstehenden effizienteren Gespräche würden dazu beitragen, die APK
nachhaltig zu verbessern. Trotzdem steht diese Gesundheitskommunikation von
morgen vor der einen oder anderen Hürde, weswegen folgende Handlungsemp-
fehlungen ausgesprochen werden, damit die Digitalisierung der APK ihrem ge-
samten Potential Gerecht werden kann.
Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen mit Blick auf die Optimierung der
APK unter Einbeziehung digitaler Hilfsmittel
ine Grundvoraussetzung zur Verbesserung der APK, ist die Schaffung einer ef-
fizienten Gesundheitsinfrastruktur, also die Sicherstellung einer flächendeckenden
Hochgeschwindigkeitsbreitbandversorgung, um den stetig wachsenden Daten-
mengen Herr zu werden.
Au erdem bedarf es klarer Regulierungen, wie mit diesen Daten umgegan-
gen wird, die mit Hilfe von digitalen Gesundheitsangeboten erhoben werden. Dazu
geh ren zum einen einheitliche Abrechnungsm glichkeiten für medizinische Pro-
dukte und Dienstleistungen sowie eine staatliche Zertifizierungsstelle für solche
Angebote und Produkte, die Gütesiegel entwerfen, welche den Patienten und Nut-
zern Sicherheit bieten und gleichzeitig von rzten akzeptiert werden.
Vertreter der rzteschaft, Patientenvereinigungen, Versicherungen und
staatliche Stellen müssen hier zusammenarbeiten, um eine solche einheitliche Zer-
tifizierung zu erm glichen. in ähnliches Vorhaben gibt es bereits im Rahmen des
Medizinproduktegesetzes, edoch bedarf es einer ganzheitlichen eHealth-Strate-
gie, die ein unn tig breites Angebot an Informations uellen minimiert.
Des Weiteren k nnen Schulungen und Fortbildungen, wie sie bereits bei
Facharztweiterbildungen gang und gäbe sind, dabei helfen, rzte auf dem neusten
Stand zu bringen und eHealth Angebote besser in die APK zu integrieren. Das
Beispiel der Universität Heidelberg aus Kapitel 2.3.3.1 zeigt, dass bereits einige
dieser Ideen in die Praxis umgesetzt werden.
Zudem sollte die Minderheit der enigen rzte, die den digitalen Hilfsmitteln
in Gesundheitsprävention, Diagnose und Therapie noch ablehnend gegenüber ste-
hen, in Aus- und Fortbildung mit den positiven rfahrungen der Mehrheit kon-
frontiert und motiviert werden, sich auf die inbeziehung dieser Mittel in Diag-
nose und Therapie einzulassen. s sollte die Fähigkeit des Arztes in Ausbildung
gef rdert werden, offen und unvoreingenommen mit pl tzlich vom Patienten prä-
sentierten Informationen (z.B. aus Google) umzugehen, ggf. auch selbstbewusst
zuzugeben, hierzu keine Bewertung aus dem Stegreif abgeben zu k nnen und zu
wollen.
8.3 UFF3: Chancen, Risiken und Zukunft von eHealth auf die APK 87

Der Wille ist da. Auch von Seiten der Pateinten. Durch Bildungsangebote in Schu-
len, Universitäten oder Volkshochschulen, k nnen Workshops und Vorträge die
Health Literacy, also die Gesundheitskompetenz der Bev lkerung verbessern und
dazu beitragen, eine effiziente APK auf Augenhöhe zu schaffen. Alternativ gibt es
bereits zahlreiche unabhängige und oftmals kostenlose -Learning Angebote wie
Coursera65 oder Udemy66, die Weiterbildungen (auch zu Themen wie Gesundheit
und rnährung) kostenlos anbieten. Informierte Patienten sind gute Patienten. s
erfordert edoch eine wechselseitige Anpassung an den digitalen Wandel.
Das direkte Arzt-Patienten Gespräch sollte allerdings nicht ersetzt werden.
Hier stimmen die rgebnisse der Interviews mit bisherigen Patientenbefragungen
weitestgehend überein. Die Rolle des Arztes scheint daher nicht gefährdet zu sein,
aus der Gesundheitsversorgung zu verschwinden. Vielmehr befindet sich der Arzt-
beruf in einem Wandlungsprozess, der dazu führt, dass langfristig wohl digitale
Gesundheitsangebote und die dadurch gewonnen Informationen, in die Diagnose
und Therapie eingebunden werden. rzte sollten proaktiv mpfehlungen zur Nut-
zung digitaler Hilfsmittel geben k nnen. Die rgebnisse der Befragung zeigen,
dass dies teilweise schon geschieht. Auf diese Weise k nnen die rzte Fehlinfor-
mationen vorbeugen und gleichzeitig Diagnostik und Therapie u.a. auch im Sinne
einer personalisierten Medizin optimieren.
Der Begriff Gesundheitsberater sollte an dieser Stelle nicht negativ gesehen
werden, sondern es sollte die Chance genutzt werden, das neue Verständnis einer
digitalen Medizin mit all ihren neuen M glichkeiten von Seiten der rzte zu adap-
tieren und neu zu definieren.

65
Siehe: https://www.coursera.org/courses? uery=Health
66
Siehe: https://www.udemy.com/courses/search/?ref=home&src=ukw& =Gesundheit
Kritische Refle ion und Ausblick

.1 Heterogenität der befragten E erten

Wie ede wissenschaftliche Studie hat auch diese Arbeit seine Stärken und Schwä-
chen. Obwohl beispielsweise alle Interviewpartner nach den Kriterien ausgewählt
wurden, dass sie eine gewisse Erfahrung mit dem Thema eHealth und mehrjähri-
gen Patientenkontakt haben/hatten, handelt es sich nicht bei allen befragten rzten
um Allgemeinmediziner. Obwohl diese Fachrichtung vermutlich den intensivsten
Patientenkontakt aufweisen kann, wurden ebenfalls Interviews mit einem Kardio-
logen, einer Zahnärztin und einem Chirurgen in die Analyse mit aufgenommen.
Diese ntscheidung stellte sich edoch als äu erst sinnstiftend heraus und recht-
fertigt sich mit einer gr eren Pluralität der Antworten und Meinungen. Im Nach-
hinein zeigte sich bei der Auswertung mit MA DA, dass auch Fachärzte wert-
volle Informationen zur Beantwortung der Forschungsfragen liefern konnten.
Dennoch ist an dieser Stelle anzuführen, dass die Heterogenität der Inter-
viewpartner bei ualitativen Befragungen, tendenziell breit gefächerte rgebnisse
generieren kann. Dies motiviert allerdings zugleich, weitere Forschung zu betrei-
ben und die APK in ganz bestimmten Fachbereichen auf Besonderheiten hin zu
untersuchen und in Zukunft gr er angelegte Befragungen von deutschen Haus-
ärzten sowie Fachmedizinern durchzuführen, um den Forschungsstand zu diesem
Thema sinnvoll und nachhaltig zu festigen.

.2 Soziale Erwünschtheit

Die Fragen zur Zukunft des Arztberufs waren teilweise provokant formuliert. Um
nicht schlecht dazustehen, bzw. um nicht den indruck zu erzeugen, durch eHealth
Angebote m glicherweise ersetzbar zu werden, ist eine gewisse Befangenheit der
befragten rzte nicht auszuschlie en. Auch wenn mit dem Thema der Digitalisie-
rung der Medizin durchaus kritisch und reflektiert umgegangen wurde, ist die po-
sitive Tendenz bezüglich der Aussagen zur Zukunft des Arztberufes gegebenen-
falls durch diese Befangenheit zu erklären. Diese Limitierung ist nicht selten und
lässt sich auf die Besonderheiten der Rekrutierung für ualitative Studien zurück-
führen, da die Befragten von Anfang an ein h heres Interesse am Untersuchungs-
gegenstand haben und sich durch die Teilnahme einen eigenen rkenntnisgewinn

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F. Liebrich, Digitale Medienprodukte in der Arzt-Patienten-Kommunikation,
Schriften zur Medienproduktion, DOI 10.1007/978-3-658-17235-0_9
90 9 Kritische Reflexion und Ausblick

zum Beispiel einen sozialen Vergleich zu anderen rzten versprechen (Meyen,


2011, S. 45). benfalls m glich ist eine gewisse Färbung des Antwortverhaltens
bezüglich der sogenannten Tendenz zur Mitte. Manche der Befragten versuchen
extreme Antworten zu vermeiden und damit eine gemä igte Position zu vertreten
(Brosius et al., 2016, S. 133-134). Hiermit lie e sich erklären, dass einige der
Statements sowohl Pro- als auch Contra-Argumente zur Bewertung von eHealth
enthalten. Allerdings k nnten diese Antworten auch lediglich die Uneinigkeit und
das ambivalente Verhältnis zur digitalen Medizin widerspiegeln.

.3 Re räsentativität

ine weitere inschränkung beruht auf der ungesicherten Repräsentativität der er-
hobenen Antworten. s konnten insgesamt nur zehn rzte befragt werden, was
vor allem forschungs konomische Gründe hat. Die befragten Mediziner entspre-
chen somit keiner Zufallsauswahl, sondern es wurden die enigen rzte befragt mit
denen es m glich war, Termine zu vereinbaren. Die Aussagen und instellungen
weisen zwar ein hohes Ma an Individualität auf, lassen sich aufgrund der Fallzahl
und der Auswahl nur schwer auf die Allgemeinheit beziehen. Um die Repräsenta-
tivität zu erh hen, müsste in Zukunft eine gr ere Anzahl an xperten identifi-
ziert und anschlie end nach Zufallsauswahl befragt werden.

. Grenzen der ethode

Das Thema Digitalisierung der Medizin mag zwar kein v llig neues Thema sein,
es ist edoch aufgrund der dynamischen ntwicklungen auf den Märkten digitaler
Gesundheitsprodukte ein rege diskutiertes, wie auch die rgebnisse deutlich zei-
gen. Zwar wird das ualitative xperteninterview als sinnvolle Methode angese-
hen, um instellungen und Meinungen zu diesem ungen Forschungsfeld der Ge-
sundheitskommunikation zu erheben, edoch hat auch diese Methode ihre Schwä-
chen.
Voraussetzung für eine sinnvolle Befragung ist die Annahme, dass instel-
lungen und Meinungen zu bestimmten Problemen einigerma en stabil sind und
( ), dass Menschen eine widerspruchsfreie, über einen längeren Zeitraum hinweg
feste Auffassung von Sachverhalten haben (Brosius et al., 2016, S. 133). Auf-
grund der rasanten nderungen in Technik, Nutzungsverhalten der Patienten, ge-
sellschaftlichem Gesundheitsbewusstsein und staatlichen Regulierungen, vor al-
lem im Zuge des erst kürzlich verabschiedeten -Health-Gesetzes, kann man da-
von ausgehen, dass langfristig gefestigte Meinungen von rzten zu digitalen Ge-
sundheitsangeboten wohl kaum als stabil angesehen werden k nnen. Dies wäre
aufgrund der vorliegenden Unsicherheiten kaum m glich. Trotzdem wird davon
9.4 Grenzen der Methode 91

ausgegangen, dass die erhobenen rgebnisse einen wertvollen Beitrag zu dieser


Diskussion liefern und weitere Studien zum Thema influss der Digitalisierung
auf die Arzt-Patienten-Kommunikation ansto en werden.
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