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Herfried Münkler
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Herfried Münkler (* 15. August 1951 in Friedberg (Hessen)) ist ein deutscher
Politikwissenschaftlermit dem Schwerpunkt Politische Theorie und Ideengeschichte.
Er lehrt als ordentlicher Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Inhaltsverzeichnis
1 WissenschaftlicheLaufbahn
2 Privates Münkler auf der Leipziger Buchmesse
3 Lehre 2009
3.1 AsymmetrischeKriegsführung
3.2 Imperiumstheorie
3.3 Kontroverse zu Internetsperren
4 Mitgliedschaften, Beiräte
5 Auszeichnungen
6 Werke
7 Literatur
8 Weblinks
9 Einzelnachweise

Wissenschaftliche Laufbahn
Münkler besuchte die Augustinerschule Friedberg und legte dort 1970 das Abitur ab. Im Anschluss nahm er ein Studium der
Germanistik, der Politikwissenschaftsowie der Philosophie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main auf, das er 1977 mit
dem 1. Staatsexamen beendete. Danach arbeitete Münkler an seiner Dissertation über „Geschichtsphilosophieund politisches
Handeln. Niccolò MachiavellisAntworten auf den Zusammenbruch der christlichenGeschichtsphilosophieund die Krise der
Republik Florenz“ und wurde 1981 an der Goethe-Universität promoviert. Ab 1982 war er als wissenschaftlicherMitarbeiter
am Fachbereich Gesellschaftswissenschaftender Goethe-Universität angestellt und habilitiertesich dort 1987 mit einer Schrift
zum Thema „Staatsraison. Ein Leitbegriffder Frühen Neuzeit“. Daraufhin erhielt er am selben Fachbereich eine
Vertretungsprofessur für Politikwissenschaft. Im März 1992 folgte Münkler einem Ruf der HU Berlin. Seitdem besetzt er dort
am Fachbereich Sozialwissenschaftenden Lehrstuhl für Theorie der Politik.

Privates
Herfried Münkler ist seit August 1983 mit der LiteraturwissenschaftlerinMarina Münkler verheiratet, mit der er eine Tochter (*
1985) und einen Sohn (* 1988) hat. In seiner Jugend war Münkler Mitglied der Jusos.

Lehre
Asymmetrische Kriegsführung

In Bezug auf die seit den Anschlägen von 2001 geführten Kriege insbesondere der USA und ihrer Verbündeten hat Münkler
die These von der AsymmetrischenKriegführung als neuer Kriegsart aufgestellt. Er geht davon aus, dass in der
herkömmlichenWaffentechnik unterlegene Kontrahenten ihre diesbezügliche Schwäche mit einer „medialen Inszenierung der
Opfer“ ausgleichen. Zugleich betont er in seinem Buch Die Neuen Kriege (2002), dass es sich bei der Mehrzahl der Elemente
jener „neuen“ Kriege tatsächlichum die Wiederkehr von Kriegs- und Konfliktmusternhandelt, die erst in der jüngeren

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europäischen Geschichte nach und nach der heute vorherrschenden Vorstellung des Krieges als Konfrontation eindeutig
definierterKombattanten mit klaren Grenzen und Spielregeln weichen mussten. Das aktuelle Völkerrecht wird demnach dieser
(in vieler Beziehung gar nicht so) neuen Situation nicht gerecht.

Imperiumstheorie

Im Rahmen seiner Beschäftigung mit der Bildung und dem Erhalt von „Imperien“ führte Münkler in seinem gleichnamigen
2005 erschienenen Werk den Begriff der so genannten augusteischen Schwelle an, den er bei dem US-amerikanischen
PolitikwissenschaftlerMichael W. Doyle entlehnt hat, der durch Veröffentlichungen über die großen Imperien der
Weltgeschichte hervorgetreten ist.

Münkler umreißt folgende idealtypischeDefinitionsmerkmaleeines Imperiums:

Frieden und Stabilität


imperialeMission
Abgrenzung gegenüber Barbaren
Versprechen kulturellerund wirtschaftlicherProsperität

Nur wenige historische Beispiele fallen unter diesen Imperiumsbegriff, so das antike römische Reich oder heutzutage die
Vereinigten Staaten.

In einer „Welt“, die nicht zwangsläufig mit der Erde gleichzusetzen ist, ist Münkler zufolge immer nur ein Imperium denkbar.
Somit ist definitionsgemäßdas Aufeinanderprallen von Imperien als ein Kampf um Hegemonie zu verstehen.

Münkler wirft die Frage auf, ob auch diese (imperialen) Großmächte Regeln unterliegen. Unklar ist, ob durch die Einbindung
der USA in Verfahrensregeln und Verflechtungsnetze ein so starker qualitativerUnterschied zum römischen Imperium
begründet ist, dass der Imperiumsbegriffunbrauchbar wird.

Kontroverse zu Internetsperren
Am 16. Juni 2009 schrieb Münkler im Rahmen einer Kolumne in der „Frankfurter Rundschau“ über die Proteste gegen das
„Gesetz zur Bekämpfung Kinderpornographischer Inhalte in Kommunikationsnetzen“, worin er äußerte, dass „[d]as
Gesetzesvorhaben […] bloß sicherstellen[sollte], dass das, was für Printmedien gilt, auch im Internet gelten soll“. Gegner der
Sperrung kinderpornografischerSeiten im Internet sieht er entweder in „[…] kriminelle[n] Geschäftemacher, die das Internet
benutzen, um verbotene Produkte an den Mann zu bringen“ oder in einem „Ensemble von Freiheitskämpfern, die ihre
anarchistischen(kein Staat!) oder kommunistischenIdeen (kein Eigentum) in der virtuellen Welt des Internets realisieren
wollen“.[1] Insbesondere im Internet wurde Münkler für diese Position kritisiert, da entgegen seiner Aussagen der Erwerb von
Kinderpornographie im Internet bereits verboten sei (es gehe im Gesetz um eine Zugangsbeschränkung) und Münkler in dem
Artikel keine Beweise für seine These anführe. Ferner fühlten sich viele Unterzeichner der Petition gegen das Gesetz durch
Münklers Aussage kriminalisiert.[2]

Auf Grund der massiven Kritik an seinen Äußerungen veröffentlichteMünkler daraufhin am 19. Juni 2009, ebenfalls in der
„Frankfurter Rundschau“, eine Stellungnahme mit dem Titel „Hier ist Ideologie im Spiel“, in welcher er seine Positionen
klarstellt.[3] Ferner äußerte Münkler sich negativ zu WikiLeaks und führte an, dass nur durch das StaatsgeheimnisSouveränität
möglich sei. Diese habe WikiLeaks verletzt.

Mitgliedschaften, Beiräte
Münkler ist Mitglied im Beirat der Bundesakademie für Sicherheitspolitikund im Redaktionsbeiratder ZeitschriftNeue
Gesellschaft/Frankfurter Hefte. Er ist Vorsitzender der Leitungskommissionenzur Feuerbach-Gesamtausgabe und zur MEGA
(Marx-Engels-Gesamtausgabe) in der Akademie der Wissenschaften Berlin Brandenburg. Außerdem ist Münkler Mitglied der
Deutschen Gesellschaft zur Erforschung des Politischen Denkens (DGEPD ).

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Auszeichnungen
1995 wurde Münkler mit dem Wissenschaftspreisder Aby-Warburg-Stiftung ausgezeichnet. Im Jahr 2009 erhielt er für sein
Werk „Die Deutschen und ihre Mythen“ den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch/Essayistik sowie den
Meyer-Struckmann-Preis der Philosophischen Fakultät der Heine-Universität Düsseldorf.

Werke
Münklers umfangreiche Publikationslisteumfasst zahlreiche Einzelwerke, Mitverfasser- und Mitherausgeberschaftensowie
Aufsätze in Zeitschriften, Handbüchern und Lexika vorwiegend zur politischen Ideengeschichte und zur Theorie des Krieges.

Monographien

Mitte und Maß. Der Kampf um die richtige Ordnung. Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-87134-690-3.
Die Deutschen und ihre Mythen. Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-87134-607-1.
Der Wandel des Krieges. Von der Symmetrie zur Asymmetrie. Velbrück Wissenschaft, Weilerswist 2006, ISBN
3-938808-09-8.
Imperien. Die Logik der Weltherrschaft – vom Alten Rom bis zu den Vereinigten Staaten. Rowohlt Berlin Verlag, Berlin
2005, ISBN 3-87134-509-1.
Machtzerfall: Die letzten Tage des Dritten Reiches dargestellt am Beispiel der hessischen Kreisstadt Friedberg. 2.
Auflage. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2005, ISBN 3-434-50592-X.
Machiavelli. Die Begründung des politischen Denkens der Neuzeit aus der Krise der Republik Florenz. Fischer
Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-596-16178-9.
Der neue Golfkrieg. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2003, ISBN 3-498-04490-7.
Clausewitz’ Theorie des Krieges, Nomos, Baden-Baden 2003, ISBN 3-8329-0163-9.
Über den Krieg. Stationen der Kriegsgeschichte im Spiegel ihrer theoretischen Reflexion. Velbrück Wissenschaft,
Weilerswist 2003, ISBN 3-934730-54-X.
Die neuen Kriege. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2002, ISBN 3-7632-5366-1.
Thomas Hobbes. Campus-Verlag, Frankfurt am Main / New York 2001, ISBN 3-593-36831-5.
(zusammen mit Marina Münkler): Lexikon der Renaissance. C. H. Beck, München 2000, ISBN 3-406-52859-7.

Herausgeberschaften

Politikwissenschaft. Ein Grundkurs. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2003, ISBN 3-499-55648-0.
Der demokratische Nationalstaat in den Zeiten der Globalisierung: politische Leitideen für das 21. Jahrhundert,
Akademie-Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-05-003756-3.
Forschungsberichte der interdisziplinärenArbeitsgruppen der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften,
Band I - IV:
Herfried Münkler und Harald Bluhm (Hrsg.): Gemeinwohl und Gemeinsinn. Historische Semantiken politischer
Leitbegriffe. Berlin: Akademie Verlag, 2001 (Bd. I)
Herfried Münkler und Karsten Fischer (Hrsg.): Gemeinwohl und Gemeinsinn. Rhetoriken und Perspektiven
sozial-moralischer Orientierung. Berlin: Akademie Verlag, 2002 (Bd. II)
Herfried Münkler und Karsten Fischer (Hrsg.): Gemeinwohl und Gemeinsinn im Recht. Konkretisierung und
Realisierung öffentlicherInteressen Berlin: Akademie Verlag, 2002 (Bd. III)
Herfried Münkler und Harald Bluhm (Hrsg.): Gemeinwohl und Gemeinsinn. Zwischen Normativität und
Faktizität, Berlin: Akademie Verlag. 2002 (Bd. IV)
Konzeptionen der Gerechtigkeit: Kulturvergleich – Ideengeschichte – moderne Debatte. Nomos, Baden-Baden 1999,
ISBN 3-7890-5895-5.
Politisches Denken im 20. Jahrhundert. Ein Lesebuch. Piper 1997, ISBN 3-492-21987-X.

Literatur
Ismail Küpeli: 'Die neuen Kriege - Einige Anmerkungen zu Kriegslegitimationendes 21. Jahrhunderts. (http://
kuepeli.files.wordpress.com/2009/05/kuepeli_europas_neue_kriege.pdf) In: ibd.: Europas "Neue Kriege". Syndikat-A,
Moers 2007, ISBN 978-3-9810846-4-1 (Publikation als PDF frei verfügbar)

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Wolfgang Röhr (Hrsg.): Herfried Münklers Herausforderung an die hegemonische Denkweise des Politischen. Kann
man einen in Deutschland blockierten Diskurs über die republikanische Einbettung des Demokratischen aufbrechen?.
Ad Fontes, Hamburg 2001, ISBN 3-932681-33-9.

Weblinks
Commons: Herfried Münkler (//commons.wikimedia.org/wiki/Category:Herfried_M%C3%BCnkler?uselang=de)
– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Herfried Münkler in der deutschen (http://www.imdb.de/name/nm2203335/) und englischen (http://www.imdb.com/


name/nm2203335/) Version der Internet Movie Database
Literatur von und über Herfried Münkler (https://portal.d-nb.de/opac.htm?query=Woe%
3D120023482&method=simpleSearch) im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Münklers Lehrstuhl an der HU Berlin (http://www.social-science.hu-berlin.de/lehrbereiche/theorie-der-politik/)
Antrittsvorlesungan der Humboldt-Universität, 10. Mai 1993 (http://edoc.hu-berlin.de/humboldt-vl/muenkler-herfried/
PDF/Muenkler.pdf)
Neues vom Imperium – Artikel Münklers in der Welt (http://www.welt.de/print-welt/article424386/Neues_vom_
Imperium.html)
Ralph Bollmann: "Keine Angst vor dem Imperium (http://www.taz.de/pt/2005/08/01/a0158.nf/text) ". Interview in der
taz vom 1. August 2005
Rüdiger Suchsland: Für den amerikanischen Weg gibt es in Europa keine Mehrheiten, nirgendwo! (http://
www.heise.de/tp/r4/html/result.xhtml?url=/tp/r4/artikel/14/14652/1.html&words=Thukydides) (Interview in Telepolis,
23. April 2003)
„Imperium zu sein ist nicht nur die reine Lust“ – Interview in ZeithistorischeForschungen (http://www.zeithistorische-
forschungen.de/16126041-Interview-Muenkler-1-2006)
Jörg Lau: Der Ein-Mann-Think-Tank (http://www.zeit.de/2003/45/P-M_9fnkler?term=M%fcnkler&words) (Die Zeit,
30. Oktober 2003)
"Frieden stiften, Krieg verstaatlichen" (Buchkritik an Die neuen Kriege) (http://www.wildcat-www.de/wildcat/wc_
krieg_2003/wk3muenk.htm)
Spaltet sich die Mitte? Über soziale und politische Stabilität(http://www.recherche-online.net/herfried-muenkler-
mitte.html) in Recherche (http://www.recherche-online.net) (12. Mai 2011, abgerufen am 10. November 2011)
Rezensionen zu Werken von Herfried Münkler (http://www.perlentaucher.de/autor/4875.html) bei perlentaucher.de
Professorale Kampfdrohnen: Der Kampf für das Staatsgeheimnisund gegen WikiLeaks (http://le-
bohemien.net/2011/10/26/professorale-kampfdrohnen/)

Einzelnachweise
1. Kolumne: Netz-Anarchos und trojanische Pferde | Frankfurter Rundschau - Meinung (http://www.fr-online.de/in_und_
ausland/politik/meinung/?em_cnt=1800776&) . Fr-online.de. Abgerufen am 25. Juni 2010.
2. Herfried Münkler kämpft gegen das Internet (http://netzpolitik.org/2009/herfried-muenkler-kaempft-gegen-das-internet/)
. netzpolitik.org. Abgerufen am 25. Juni 2010.
3. Internetsperren: "Hier ist Ideologie im Spiel" | Frankfurter Rundschau - Politik (http://www.fr-online.de/in_und_
ausland/politik/aktuell/1803746_Internetsperren-Hier-ist-Ideologie-im-Spiel.html) . Fr-online.de. Abgerufen am 25. Juni
2010.

Normdaten (Person): PND: 120023482 | LCCN: n82081164 | VIAF: 109447970


Von „http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Herfried_Münkler&oldid=110228520“
Kategorien: Politikwissenschaftler Geschichtsphilosoph Hochschullehrer (Universität Frankfurt am Main)
Hochschullehrer (Humboldt-Universität zu Berlin) Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
Person (Friedberg (Hessen)) Deutscher Geboren 1951 Mann

Diese Seite wurde zuletzt am 7. November 2012 um 19:38 Uhr geändert.


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