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Barockliteratur

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Als Barockliteratur oder Literatur des Barocks (von barocco pt. für seltsam geformte,
Schief-Runde Perle) wird in heutigen Literaturgeschichten die literarische Produktion in
Europa in dem Zeitraum zwischen etwa 1600 und 1720 bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis
1 Literarische Motive im Barock
2 Literatur des Barocks
2.1 Lyrik des Barocks
2.2 Die Barockpredigt
3 Kritik am Epochenbegriff des Barocks
4 Siehe auch
5 Literatur
6 Weblinks

Literarische Motive im Barock


Die Barocklyrik ist im Wesentlichen von drei Leitmotiven geprägt, die das Lebensgefühl der
Menschen beschreiben. Vor dem Hintergrund des Dreißigjährigen Krieges war der Alltag
der Menschen von Gewalt und Zerstörung bestimmt. Alle diese Motive setzen sich mit der
dadurch weit verbreiteten Angst vor dem Tod und dessen Auswirkungen auf verschiedene
Art auseinander

Carpe diem (lat. = Nutze/Genieße den Tag). Dieses Motiv ruft dazu auf, fröhlich zu
sein, den Tag bewusst zu erleben und zu genießen und die Gedanken an die
Vergänglichkeit nicht allzu schwer auf sich lasten zu lassen. Das Carpe-diem-Motiv
orientiert sich an den Freuden des Lebens und geht nicht oder kaum auf den Tod ein.
(Beispiel: Ode „Ich empfinde fast ein Grawen”
(http://de.wikisource.org/wiki/Carpe_Diem) von Martin Opitz [1624])
Memento mori (lat. = „Erinnere dich des Moments / Bedenke, dass du sterben
musst“). Das Memento-mori-Motiv drückt das quälende Todesbewusstsein aus. Dazu
zählt die häufig wiederholte Erinnerung an den (nahen) Tod. Es bezieht sich mehr auf
den Tod und das Sterben als auf das Leben und steht somit in klarem Kontrast zu dem
appellierenden Carpe-diem-Motiv. (Beispiel: „Thränen deß Vaterlandes Anno 1636“
(http://de.wikisource.org/wiki/Thr%C3%A4nen_de%C3%9F_Vaterlandes_Anno_1636)
von Andreas Gryphius)
Vanitas (lat. = „Eitelkeit“, „Nichtigkeit“, „Misserfolg“, „Vergänglichkeit der Welt“).
Das Vanitas-Motiv ist dem Lebensgefühl des memento mori ähnlich darin, dass sie
sich beide mit dem Tod und der Vergänglichkeit beschäftigen anstatt das noch
bevorstehende Leben zu fokussieren. Hierbei steht nicht der Tod an sich, sondern die
Vergänglichkeit und Nichtigkeit der Menschen im Vordergrund. Dies ist auch in
Zusammenhang zu sehen mit der hohen Bedeutung der Transzendenz zu dieser Zeit,
das heißt des christlichen Glaubens an ein besseres Leben im Jenseits. (Beispiele: Es
ist alles eitel (http://de.wikisource.org/wiki/Alles_ist_eitel) von Gryphius und „Die
Welt
(http://www.zeno.org/Literatur/M/Hoffmannswaldau,+Christian+Hoffmann+von/Gedichte/G
von Christian Hofmann von Hofmannswaldau [1679])

Die drei Motive sind Teil der häufigen Intention der Dichter (siehe unten), die in der
Aufforderung zum Lebensgenuss sowie der Ermahnung, des Todes und der Nichtigkeit
alles Irdischen zu gedenken und der sich daraus ergebenden Empfehlung sich dem Glauben
zuzuwenden, besteht.

Das Lebensgefühl im Barock wies eine ausgeprägte Antithetik (Gegensätzlichkeit) auf.


Häufige Ausprägungen dessen waren

Diesseits und Jenseits


Spiel und Ernst
Schein und Sein
Wollust und Tugend
Erotik und Askese
irdisches und himmlisches Leben
„Carpe diem“ (lat. „Nutze den Tag“) und „Memento mori“ (lat. „Bedenke, dass Du
sterben wirst“)

und wurden auch so in den lyrischen und epischen Werken als auch in den Dramen der Zeit
umgesetzt.

Weitere häufig verwendete Stoffe und Themen entstammen hauptsächlich der Antike, aber
auch das Schicksal christlicher Märtyrer sowie der Frauenpreis und die Liebe wurden oft
behandelt.

Literatur des Barocks


Zu den Autoren der Literatur des Barocks zählen unter Anderen: Martin Opitz, Casper von
Lohenstein, Andreas Gryphius, Grimmelshausen, Caspar Ziegler, Paul Fleming, Christian
Hoffmann von Hoffmannswaldau und Angelus Silesius.

Lyrik des Barocks


Die bevorzugte Literaturform war das Gedicht, vor allem das Sonett, übliches Versmaß war
der Alexandriner mit 6-hebigen Jamben mit starken Zäsuren, häufig in der Versmitte. Im
Barock spielten die äußere Ästhetik und der Wohllaut eine große Rolle. Um diese Wirkung
zu erreichen, wurde auf diverse Stilmittel zurückgegriffen, darunter Anaphern, Metaphern,
Antithetik, Hyperbolik sowie Allegorien und Repetitio. Stilmittel wie Anaphern und
Symbole wurden bevorzugt eingesetzt, um durch bildliche Darstellungen elementare Dinge
wie Diesseits und Jenseits, sowie die Rolle des Menschen zu erläutern. Metaphern und
Allegorien wie der „Port“ (im Gedicht „Abend“ von A. Gryphius) für eine Heimkehr zu
Gott sind typisch. Ebenso wurden Embleme und Allegoresen verwendet, die hinter Namen
und Dingen eine tiefere, verborgene Bedeutung erschließen und erkennen lassen.

Der Pfarrerssohn Gryphius zum Beispiel musste als Kind den Herztod seines Vaters
mitansehen, nachdem eine brandschatzende Soldateska in dessen Kirche eindrang. Seine
Gedichte über Eitelkeit - in der Bedeutung von Nichtigkeit - und Vergänglichkeit Es ist alles
eitel und Tränen des Vaterlandes gehören zu den bekanntesten Barockgedichten. Auch die
Kirchenlieder von Paul Gerhardt (1607–1676) wie Geh aus, mein Herz, und suche Freud
werden der Barocklyrik zugeordnet. Ein wichtiges Prosawerk ist der Schelmenroman Der
abenteuerliche Simplicissimus Teutsch (1668) von Grimmelshausen.

Diese Motive, die stets zur verantwortungsvollen Verbesserung der schlechten Realität
auffordern, entspringen der christlichen Prägung der Autoren. Sie vertrauten auf eine
bessere Ordnung und ein besseres Leben bei Gott.

Die Barockpredigt
Fabeln und Märchen vermitteln meist eine moralische Lehre. Ferner wurden Vergleiche,
Schwänke sowie Sprichwörter häufig verwendet. Viele Prediger benutzten Sprachbilder und
griffen dabei nicht nur auf die Bibel zurück, sondern auch auf antike Werke. Die
Themenwahl der Predigten war breit gestreut. So wurden theologische Probleme ebenso
erörtert wie bibelexegetische Aussagen.

Abraham a Sancta Clara ist im deutschsprachigen Raum der bekannteste katholische


Prediger des Barocks. Der heute weniger bekannte Georg Scherer bekämpfte in seinen
Barockpredigten oft die Reformation.

Der Jesuit Piotr Skarga (1536–1612) war der bekannteste polnische Prediger der
Barockzeit. Seine wichtigsten Werke sind die Parlamentpredigten von 1597, die
Heiligengeschichten von 1579 und die Militärmessen von 1618.

Kritik am Epochenbegriff des Barocks


Der Begriff Barockliteratur ist in dreifacher Hinsicht ein historisches Konstrukt der
Germanistik des 19. und 20 Jahrhunderts: problematisch ist erstens der Literaturbegriff, der
an dieser Stelle als historisch authentischer des 17. Jahrhunderts konstruiert wird – ihm
entspricht kein vergleichbarer Begriff des 17. Jahrhunderts. Problematisch ist zweitens die
epochale Zuordnung, die hier versucht wird – sie negiert epochale Selbsteinschätzungen des
17. Jahrhunderts. Problematisch ist drittens die Anschlussfähigkeit der Forschung, die hier
geschieht – das deutsche Barock wird zu einem nationalen Sonderweg, ihm steht kein
vergleichbares englisches oder niederländisches Barock gegenüber. Eine Forschung, die in
Anbetracht des intellektuellen Austauschs, der Europa im 17. Jahrhundert beherrschte,
Anschlussfähigkeit sucht, wird die neutralere Option wählen und der österreichischen
Literatur, Poesie- und Romanproduktion des 17. Jahrhunderts gelten.

Siehe auch
Passionsspiel
Sprachgesellschaft
Barockmusik

Literatur
Paul Hankamer: Deutsche Gegenreformation und deutsches Barock (Stuttgart, 1935)
Gerhard Dünnhaupt:Der barocke Eisberg. Überlegungen zur Erfassung des
Schrifttums des 17. Jahrhunderts, in: Aus dem Antiquariat (1980), Nr. 10 ISSN
0343-186-X
Herbert A. u. Elisabeth Frenzel: Daten deutscher Dichtung. Chronologischer Abriß
der deutschen Literaturgeschichte (1953).
Das Libretto als literarische Leitgattung am Ende des 17. Jahrhunderts? Zu
Zi(e)glers Roman Die Asiatische Banise und seinen Opernfassungen, in: Eleonore
Sent (Hg.), Die Oper am Weißenfelser Hof (= Weißenfelser Kulturtraditionen, 1
(Rudolstadt, 1996), S. 143–196.
Abbildung aus: Olaf Simons, Marteaus Europa oder Der Roman, bevor er Literatur
wurde (Amsterdam, 2001), p.12.
Willy Grabert, Arno Mulot, Helmuth Nürnberger: Geschichte der deutschen Literatur
(1983)
Volker Meid: Barocklyrik, 2. Auflage, Metzler 2008
Literaturhinweise zur Barockpredigt:

1. Werner Drobesch: Sozialpolitische Aussagen in den Predigtsammlungen der


Gegenreformation.
in: Katholische Reform und Gegenreformation in Innerösterreich 1564–1628, ed.
France M. Dolinar (Klagenfurt, 1994) 491–507
2. Valentin Hertle: Andreas Strobl als Modellfall der bayrischen Barockpredigt (kath.-
theol. Diss. München, 1965)
3. Maximilian Neumayr: Die Schriftpredigt im Barock. Auf Grund der Theorie der
katholischen Barockhomiletik (Paderborn, 1938)

Weblinks
Wiktionary: Barock – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme,
Übersetzungen

Begriffsbestimmung, historischer/philosophischer Hintergrund, literatarischen


Elementen, Weltbild und weiteren Aspekten
(http://www.hellfirez.de/web/referate/inhalte/Barockei.htm)
Literatur im Zeitalter des Barocks (http://www.xlibris.de/Epochen/Barock)
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Kategorien: Barock (Literatur) Epoche (Literatur)

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