You are on page 1of 2

Praxis

Architektur konstruieren pluralistischen Baugeschehens der Ge- Tragverhalten von Glasecken“ fassen auf
Vom Rohmaterial zum Bauwerk. Ein genwart, und ihm kann nur dadurch ent- 20 Seiten die unterschiedlichsten As-
Handbuch. Herausgegeben von Andrea sprochen werden, dass ausschließlich pekte zusammen, die es beim Entwurf
Deplazes. 512 Seiten mit zahlreichen Geschossbauten mit Lochfenstern be- von Glasecken zu beachten gibt. Einer
Abbildungen, 78 Euro. Birkhäuser, Ba- trachtet werden. Sonderbauten und vor kurzen Beschreibung der Entwicklung
sel Berlin Boston 2004. ISBN 3-7643- allem extreme oder ideologische Auffas- der Glasecke seit Gropius’ Fagus-Werk
7188-9 sungen bleiben außen vor, aber gerade folgen Informationen zu verschiedenen
wegen dieser Einschränkung sind die Konstruktionsprinzipien, zu Bauphysik,
Andrea Deplazes ist Mitinhaber des Bü- Zeichnungen für Studenten geeignet – Lastabtrag und Normierungen. Viele
ros Bearth und Deplazes und Professor als eine Grundlage ihrer eigenen Arbeit. kleine Zeichnungen zu Tragsystemen so-
an der ETH Zürich für Architektur und Entwerfen und Konstruieren sind eins. wie Detailschnitte illustrieren die Aus-
Konstruktion. „Architektur konstruieren“ Vielleicht wäre das als Untertitel richti- führungen ausgesprochen anschaulich.
scheint das Skript des Lehrstuhls zur ger gewesen, denn diese Maxime zieht Hervorzuheben sind die griffigen Erläu-
Konstruktionslehre zu sein. Es so zu be- sich durch alle Texte und bindet die drei terungen zu Silikonfugen. Etwas um-
schreiben, wäre jedoch eine Untertrei- Teile zusammen. Mit dem genauen Blick ständlich ist, dass man vielfach hin- und
bung, so wie der Untertitel, „ein Hand- auf die Bauaufgabe „Haus“ wird die er- herblättern muss, wenn der Text und
buch“, für die über 500 Seiten in gro- reichbare Schlüssigkeit und Qualität in die dazugehörige Abbildung auf unter-
ßem Format ironisch klingt. Konzeption und Konstruktion deutlich schiedlichen Seiten sind.
Der Wälzer besteht aus drei Teilen. Im vermittelt. Die Ausführungen enthalten einen Über-
ersten Teil werden Konstruktionstypolo- Wer braucht also dieses Buch? Wenn blick der handelsüblichen Glasprodukte
gien anhand von Materialien, Bauteilen Studenten es gelesen haben, sollte sie und Verglasungsarten von Einfachglas
und Bauweisen erläutert. Er beginnt keine Klausur mehr schrecken, und au- über Verbund- und Verbundsicherheits-
mit Abschnitten zu Holz- und Stahlbau, ßerdem hätten sie, neben den techni- glas bis zum Isolierglas, Floatglas, Pro-
gefolgt von Themen wie Öffnung und schen Tricks, auch den Sinn der ganzen filglas und den Glasbausteinen. Die Zu-
Dach, und kommt dann zu den unter- Sache begriffen. Dass das Buch lesens- sammenstellung gibt Hinweise zu Kenn-
schiedlichen Tragwerkstypologien. Die wert ist und es Spaß macht, darin zu stö- werten und Herstellungsverfahren. Sie
Texte schildern keine Normen oder Aus- bern, macht es auch für andere empfeh- ist als Fließtext aufgebaut, der sich kurz-
führungsvorschriften, sondern erläutern lenswert. Alfred Meistermann weilig liest, zum schnellen Nachschla-
aus dem Wesen des Materials heraus gen dagegen nicht übersichtlich genug
mögliche Strategien und Konzepte im gegliedert ist.
Umgang damit. Die große Stärke dieser Glasecken Im Anhang dieses Abschnitts gibt
Texte ist, dass sie aus der Sicht des Prak- Konstruktion, Gestaltung, Beispiele. Schneider dem Planer eine Liste mit den
tikers das Abstrakte und das Konkrete Von Jens Schneider und Klaus Siegele. Adressen der Obersten Bauaufsichtsbe-
im Zusammenhang schildern. Sie sind 135 Seiten mit zahlreichen Abbildun- hörden Deutschlands sowie der Glasher-
in dem Sinne eigenständig, als sie den gen, 29,90 Euro. DVA, München 2005. steller, Glasverarbeiter und Silikonher-
Themen Aspekte abgewinnen, die nicht ISBN 3-421-03414-1 steller an die Hand. So sehr dies die
schon dutzend Mal in Standardwerken Praxisnähe der Publikation unterstützt,
verewigt sind. Früher oder später bekommen es die mutet es gleichzeitig so an, als sei die
Im zweiten Teil werden Gebäude analy- meisten Architekten mit der Planung von Halbwertzeit des Buches begrenzt.
siert. Es handelt sich um Schweizer Bei- Glasfassaden zu tun. Die unterschiedli- Der mit Abstand längste Teil der Publi-
spiele der letzten Jahre, die auf vier bis chen Befestigungsmöglichkeiten und kation ist der Projektdokumentation ge-
acht Seiten regelrecht seziert werden. der damit verbundene Entwurf einer Eck- widmet. Auf 100 Seiten werden 25 Bau-
Dabei sind unter anderen Peter Märkli, lösung erfordern besondere Aufmerk- werke mit gläsernen Fassadenecken
Valerio Olgiati, Miller + Maranta und, samkeit in der Planung. Nach der Lek- vorgestellt. Die meisten Beispiele sind
ja, auch Bearth und Deplazes. Darge- türe dieses kompakten Buches weiß man, aus dem deutschsprachigen Raum, aber
stellt werden Entwurfspläne, Fotos, Skiz- wie eine Verglasung ohne störende Pro- auch vier niederländische Bauwerke, ein
zen bis zu Anschlussdetails im großen file und Stützen um die Ecke zu führen französisches und eine Fassade in Hong-
Maßstab. In den Texten wird auf die Pla- ist. Das quadratische Paperback liefert kong werden beschrieben. Neben einer
nungsgeschichte und die Besonderhei- Anregendes und Wissenswertes zu kon- sehr knappen Darstellung der Bauauf-
ten des Beispiels eingegangen. Es gibt struktiven und statischen Möglichkeiten gabe wird die konstruktive Lösung der
nicht viele Gebäude, die einer so ge- und Grenzen der Glasecke. Glasecke erörtert. Schwarz-Weiß-Fotos
nauen Betrachtung standhalten – die Zugegeben, die Einleitung ist inhaltlich der Gebäude und der Eckdetails sowie
ausgewählten gehören alle dazu. schwach, da sie nichts über die Struktur Detailschnitte ermöglichen es, die sehr
Den dritten Teil könnte man als Kon- der Publikation vermittelt, sondern mit unterschiedlichen Entwürfe nachzuvoll-
struktionsatlas bezeichnen. Hier werden sexistischen Vergleichen daherkommt, ziehen.
zigfach Zeichnungen im Maßstab 1 : 20 die nicht launig, sondern peinlich sind Die Auswahl und insbesondere die Glie-
in Grundriss, Ansicht und Schnitt abge- und suggerieren, dass die Baubranche derung der Beispiele erschließen sich
bildet. Dies hat gegenüber den sonst eine Männerdomäne ist. Klaus Siegele nicht. Die vorgestellten Bauaufgaben
üblichen Detailzeichnungen den Vorteil, vergleicht die Glasecke mit einer Diva, reichen von einem Wintergartenanbau
dass jede Konstruktion im Zusammen- die es zu „beherrschen“ gelte und die über einen Ausstellungspavillon bis zu
hang gezeigt wird. Es scheint, als sollten mit „tiefem Ausschnitt oder rückenfrei“ Büro-, Geschäfts- und Wohnhäusern, die
alle üblichen Materialien und Konstruk- vielseitig veranlagt sei ... Glaseckenlösungen von Klebung über
tionsmethoden dargestellt werden. Die- Aber es wird besser: Jens Schneiders Punkt- und Winkelhalterung zu Profilan-
ser Anspruch verwundert angesichts des Erläuterungen zu „Ausführungen und schlüssen. Die Baujahre der Glasecken

Bauwelt 39 2005 | 27
Praxis
finden keine Erwähnung. Da die Pro- reicht dabei von der mittelalterlichen Entwurfsatlas Forschungs- und dass sie das Verstehen der ohnehin tech- Architektur : Consulting Nach den hier versammelten Beiträgen Einfach bauen
jekte im Inhaltsverzeichnis nicht separat Burg Ziesar (Beitrag Detlef von Olk) bis Technologiebau nisch komplizierten Materie keineswegs Kompetenz, Synergien, Schnittstellen. zum Architektenschicksal stehen min- Herausgegeben von Christian Schittich.
aufgeführt sind, kann man sie nur über zur Auslagerung der Ausstattung des Pa- Von Hardo Braun und Dieter Grömling. erleichtern. Auch die sich anschließen- Herausgegeben von Oliver Schürer und destens drei Positionen ungelöst neben- 176 Seiten mit zahlreichen Abbildun-
das Architekten- oder Ingenieurverzeich- lastes der Republik (Beitrag Christiane 238 Seiten mit zahlreichen Abbildun- den, nach vier übergeordneten Katego- Gordana Brandner. 188 Seiten mit Ab- einander: 1) Der Architekt behauptet gen, 65 Euro. Edition Detail. Birkhäu-
nis im Anhang wiederfinden. Ein Orts- Oehmig). Ernst Badstübner berichtet aus gen, 89,90 Euro. Birkhäuser, Basel Ber- rien (städtebaulicher Kontext, gebäude- bildungen, 24,50 Euro. Birkhäuser, Ba- sich als Generalist. 2) Der Architekt ent- ser, Basel Berlin Boston 2005. ISBN
und insbesondere ein Themenregister der Position eines Kunsthistorikers am lin Boston 2005. ISBN 3-7643-2173-3 typologische Zonierung, Erleichterung sel Berlin Boston 2004. ISBN 3-7643- schwindet unter dem Banner Deep Plan 3-7643-7270-2
fehlen jedoch. Beispiel norddeutscher Backsteinbauten innerer Kommunikation und durch tech- 7090-4 und Vernetzung – in die interdiszipli-
Für jeden, der an der Planung einer Glas- über die Begegnung mit der Baufor- Naturwissenschaftliche Forschungsar- nische Gegebenheiten bestimmte Bau- näre Projektion zukünftiger Formen und „Einfach bauen“ ist der achte Band der
ecke sitzt, sind die Beispiele ein Fundus schung, während Ulrich Großmann auf beit findet längst nicht mehr im stillen formen) sortierten Beispiele sind nicht Dieser Band war längst fällig. Seit Jahr- Lebensweisen. 3) Der Architekt sucht Ar- Reihe „Im Detail“ und der mit dem ne-
gelungener Lösungsansätze. Den eige- mögliche Fehler bei computergestützten Kämmerlein der Gelehrten statt, son- alle auch architektonische Höhepunkte. zehnten beobachtet man den Untergang beit und dringt, seine Architektenkom- bulösesten Titel, da „einfach“ verschie-
nen Entwurf wird man nach der Lektüre Aufmaßen hinweist. Mit seinem überzo- dern in großen Laborkomplexen, die um Warum etwa die Fakultät für Maschi- des klassischen Architekten in einem petenz als bloße Empfehlung mitbrin- denste Interpretationen zulässt. „Ein-
zudem kompetent mit einem Tragwerks- genen Vorwurf, die Bauforschung habe kommunikative, den Wissensaustausch nenwesen der TU München in Garching dichten Geflecht von Normen, Teilleis- gend, in den allgemeinen Beratungsbe- fach bauen“ ist sicherlich nichts für ein-
planer diskutieren können. Wer Glas- „ein starres dogmatisches System von fördernde „Kontaktzonen“ ergänzt sein von Gunter Henn mit ihrer internen „Fa- tungen und Wirtschaftlichkeitsrechnun- reich ein. Jede dieser Positionen bringt fache Bauherren. Einfaches Bauen wird
ecken plant, dem sei dieser Band emp- Methoden und Arbeitsweisen aufgebaut, müssen. Das Ziel ist dabei, das gewon- kultätsstraße“ als beispielhafter Bau für gen. Der Tod der Architektur, wie er ihr eigenes Beweismaterial mit. hier eher als Geisteshaltung verstan-
fohlen – ein Nachschlagewerk aber ist das den Gewinn von Erkenntnissen ge- nene Wissen entweder schnellstmöglich Forschungsbauten dient, die die Kom- in den 60er Jahren aus dem Bauwirt- Was, wenn ich recht gelesen habe, nicht den, also als ein sinnfälliger, klarer Pro-
die Publikation sicher nicht. Anja Nelle legentlich mehr zu behindern droht als in den Dienst der Wertschöpfung zu munikation erleichtern, wäre interessant schaftsfunktionalismus, der Präfabrika- auftritt, weil zu nah an der Wirklich- zess. Minimalismus scheint vielleicht
zu fördern verspricht“, steht Matthias stellen oder aber die international unter- zu erfahren. Oder warum das „Interna- tion und dem Entstehen von Großbüros keit, ist die Mehrheitsposition: Der Ar- überstrapaziert und abgegriffen, trifft
Donath allerdings vergleichsweise allein einander stark konkurrierende Grundla- tional Neuroscience Institute“ in Hanno- mit Hunderten von Angestellten gefol- chitekt spezialisiert sich auf einen Teil- aber recht gut den Kern dieser „einfa-
Bauforschung. Eine kritische in der Veröffentlichung. genforschung zu beschleunigen. Es er- ver (Planer: SIAT GmbH) als „Center of gert wurde, ist so damals zwar nicht ein- aspekt seiner Disziplin und wird damit chen“ Bauten. Dass das, was einfach
Revision Deutlich hebt Johannes Cramer die staunt also nicht, dass gerade in den Excellence“, eine auf neun Geschosse getreten, doch zeigt sich aus heutiger zum Fachberater innerhalb eines hori- wirkt, oft nur mit großem Aufwand er-
Historische Bauforschung zwischen Mar- Chancen der Bauforschung hervor, dass letzten Jahren weltweit zahllose Bauten abstrahierte, aufgeblasene Plastik eines Sicht, dass dieser Nichteintritt eine List zontalen Netzes vieler Fachleute oder reicht wird, zeigt sich in diesem Buch
keting und öffentlichem Abseits. Heraus- die „Gesellschaft doch eine kaum zu be- für die Forschung im Bereich Biotech- menschlichen Großhirns, in die Rubrik zu seiner umso reibungsloseren langfris- im Team eines Generalisten. Damit ist sehr deutlich. Neben der klaren Hal-
gegeben von Johannes Cramer, Peter friedigende Sehnsucht nach Geschichte“ nologie, Chemie oder Medizin entstan- „Form“ aufgenommen werden musste, tigen Durchsetzung war. offenbar dem Selbstbewusstsein der Pro- tung des Architekten und der Präzision
Goralczyk, Dirk Schumann. 382 Seiten hege. Anstelle beliebiger und oft noch den sind. Was eher verwundert ist, dass darüber darf man schon ins Grübeln Das scheinbare Wiederaufblühen der fession nicht aufzuhelfen. Das ist im der Planung ist auch eine hohe Quali-
mit Abbildungen, 36 Euro. Lukas Verlag, schlecht gemachter Kopien bietet die bisher, obwohl diese Forschungsbauten kommen. Doch dies ist nicht die eigent- Architektur in Post- und Neomoderne Buch nicht gesagt, aber man kann es tät der Ausführung erforderlich, da sich
Berlin 2005. ISBN 3-936872-09-0 Bauforschung die einzigartige Chance, für Architekten höchst einträgliche Pro- liche Schwäche des Buches. Was von – das war schon in den 90er Jahren ihm als Tatsache entnehmen. bei konsequenter Reduktion jeder Feh-
Geschichte an authentischen Bauwerken jekte darstellen, das Thema in der Fachli- den Autoren leider nicht erreicht wurde, überdeutlich – basierte auf einer Rück- Den Herausgebern fehlt es nicht an ler und jede Ungenauigkeit umso deut-
Für Denkmalpflege und Architekturge- erlebbar zu machen, deren Nutzungs- teratur geradezu stiefmütterlich behan- ist eine durchgängige graphische Ab- nahme der funktionalen Ansprüche des Selbstbewusstsein. Sie legen aber we- licher hervorheben.
schichte ist sie längst unentbehrlich ge- schichten und Veränderungen aufzuzei- delt wurde. straktion der tatsächlich für Planer und Berufs zugunsten gesteigerter, daher der eine Prognose vor noch eine Berufs- Die einführenden Essays von Florian
worden: die Bauforschung. Als sanie- gen und zu erläutern, um – und das ist Der vorliegende Entwurfsatlas hätte die- Fachleute relevanten Informationen, Re- umso oberflächenbezogenerer ästheti- utopie. Architektur gegenüber Consult- Musso (Einfach gut), Christoph Affen-
rungsvorbereitende Untersuchung stellt Cramers Forderung – „ihre Ergebnisse sem Defizit mit einem aktuellen, auf die duktion auf die wesentlichen Elemente scher Kompetenz. Diese wiederum war ing, diese Front gibt es gar nicht. Sie ist tranger (Holz), Martin Rauch (Lehm)
sie „dringend benötigte Informationen kreativ in den Planungsprozess“ einzu- besonderen planerisch-konzeptionellen der Entwürfe, um die verschiedenen Bau- funktional für die Machtergreifung des eine Scheinfront, von der man vermu- und Stefan Schäfer (Stahl) schildern
über Bauzeit, Denkmalwert, Konstrukti- bringen. Jürgen Tietz Probleme dieser Bauten eingehenden ten schneller und einfacher vergleichen Entwicklers, der den Überschuss ästheti- ten darf, dass sie auch einen Auftrag die traditionelle Verwendung der Bau-
onszusammenhänge und Schadensalter“ Übersichtswerk abhelfen können. Leider zu können. Wissenserzeuger, hier wartet scher Prägnanz brauchte und nutzte für erfüllt – sie verdeckt eben das Berufs- stoffe und interpretieren besonders die
zur Verfügung. So Stefan Breitling in sei- ist das Buch aber kein rundum gelunge- noch Grundlagenarbeit! die Durchsetzung des Projekts. Der Auf- bild, das, zumal in der Krise, den eben Bedeutung von Einfachheit, die in den
nem Beitrag „Wenn dem Kunstwissen- ner Beitrag zur neudeutsch gerne „Wis- Gernot Weckherlin spaltung der Architektenrolle entsprach benannten Durchschnitt ausmacht: die hier gezeigten Beispielen auch elitär
schaftler der Gegenstand und dem Bau- sensgenerierung“ bezeichneten Grund- andererseits die der Bauherrenfunktion. Spezialisierung auf Bauleitung, Control- erscheint. Die heutige Einfachheit ist
historiker die Worte fehlen“, der in dem lagenarbeit für entwerfende Architekten Divergierende Zielsetzungen und Igno- ling, CAD, Abrechnung, Ausschreibun- eine – allzu häufig aufwändige – Op-
Buch „Bauforschung – eine kritische Re- geworden. So vereint es zunächst Text- ranz hier, stetig zunehmende Teilkompe- gen, Moderation, Rendering usw., usw., tion, wohingegen die Einfachheit der
vision“ nachzulesen ist. Doch trotz ihres beiträge von Autoren, die zumeist insti- tenz bei sich verengenden Märkten dort, ob nun als Ich-AG oder im Büro eines historischen und regionalen Vorbilder
unbestrittenen Bedeutungszuwachses tutionell mit der Max-Planck-Gesellschaft dazwischen die Notwendigkeit, Nutzern, GU. Mittendrin steckt, einer unter ande- aus Einschränkungen und Zwängen re-
seit dem legendären Denkmalschutzjahr zur Förderung der Wissenschaften in Käufern, Mietern, der Öffentlichkeit zu- ren, der Architekt als Spezialist für Form sultierte.
1975 beklagen Bauforscher, „dass ihnen München verbunden sind, und eine recht nehmend Mitsprachechancen und Pro- und Formzusammenhänge. Das wäre Die beschriebenen Bauten sind nach
und ihrem Fach zu wenig Aufmerksam- umfangreiche Sammlung realisierter zessverständnis zu vermitteln – das ent- die Netzwerkutopie, auf den realen Bo- Baustoffen gegliedert und beinhalten
keit entgegengebracht wird.“ Dass Bau- jüngerer Projekte. Erst nach 66 klein be- stehende Babylon war nur durch Ein- den gebracht. Holz, Mauerwerk, Lehm, Stahl und Be-
forschung vielfach nur auf ihre Rolle druckten, graphisch äußerst drögen Sei- schaltung Dritter zu bewältigen, des Be- Dieter Hoffmann-Axthelm ton. Die meisten Beispiele sind uns
als Hilfswissenschaft reduziert wird, liegt ten folgen die 70 gebauten Beispiele raterlagers. bereits aus anderen Publikationen ver-
nach Breitlings Einschätzung zum ei- in Bild, Plan und Beschreibung. Bis da- Was Dirk Baecker im anführenden Bei- traut und – vielleicht deswegen – auch
nen an dem mangelnden wissenschaft- hin müssen erst alle einleitenden Fragen, trag dem Buch vorschreibt bzw. anzu- nur knapp bebildert. „Einfach bauen“
lichen Profil zu anderen Wissenschafts- etwa nach der „Wissensarbeit heute“, bieten vorgibt: eine Luhmann‘sche Öff- ist kein Baukonstruktionsbuch im her-
zweigen, aber auch an einer „merkwür- vom Leser bewältigt werden, der sich nung dreier Systeme aufeinander, um kömmlichen Sinn, denn es zeigt nicht
digen Sprachlosigkeit“ ihrer Vertreter. dann mit „Wissenskultur als Kommuni- sich an der Feststellung ihrer jeweiligen Beispiele, die konstruktiv-technisch un-
Und die besteht zu Unrecht, wie die Lek- kationskultur“ auseinander setzen kann. Differenzen selber zu orientieren, das bedingt einwandfrei sind, sondern for-
türe des spannenden und vielfältigen Neben einem hervorragenden Essay halten die weiteren Beiträge glücklicher- mal herausragende Gebäude, die an-
Buches verdeutlicht, das aus einer ge- über die Geschichte des modernen For- weise nicht ein. Das Schöne an dem vor- hand ihrer individuellen Detaillierun-
meinsamen Tagung des Brandenburgi- schungsbaus in den USA von Oswald liegenden Band ist vielmehr, dass die gen vorgestellt werden. Dass sich be-
schen Landesamtes für Denkmalpflege W. Grube, der einen ebenso informati- resultierende Verwirrung in voller Breite sonders unter dem Thema der Einfach-
und dem Fachbereich Architektur der ven wie kritischen Rückblick in die Nach- deutlich wird. Die Herausgeber enthal- heit viele Beispiele befinden, die nicht
TU Berlin hervorgegangen ist. kriegsentwicklung bietet, gibt es noch ten sich jeglicher Schlussfolgerung, sie zum ständigen Aufenthalt geeignet
Mehrere grundsätzliche Beiträge zur eine Rückschau von Hardo Braun, die beobachten. Ihr wichtigstes Statement sind oder aber in milderen Klimazonen
Stellung der Bauforschung und ihrem bis zu den ersten „Laborbauten“ des ist eine Einleitung, die als Lexikon an- liegen, zeigt, wie schwierig das Einfa-
Selbstverständnis werden durch „klassi- Mittelalters reicht. Leider sind alle diese gelegt wurde – ein ausführliches, wohl- che hierzulande zu verwirklichen ist.
sche“ Präsentationen von Bauforschungs- Essays und die Erörterungen der planen- gemerkt vorangestelltes, Glossar der im Frank F. Drewes
ergebnissen ergänzt. Die Spannbreite den Spezialisten so sparsam illustriert, Buch verwendeten Begriffe.

28 | Bauwelt 39 2005 Bauwelt 39 2005 | 29