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Heinrich Heine

Du bist wie eine Blume


Sie saßen und tranken am Teetisch
Du bist wie eine Blume
Sie saßen und tranken am Teetisch So hold und schön und rein:
und sprachen von Liebe viel. Ich schau' dich an, und Wehmut
Die Herren, die waren ästhetisch, Schleicht mir ins Herz hinein.
die Damen von zartem Gefühl.
Mir ist, als ob ich die Hände
„Die Liebe muß sein platonisch“, Aufs Haupt dir legen sollt',
der dürre Hofrat sprach. Betend, daß Gott dich erhalte
Die Hofrätin lächelt ironisch. So rein und schön und hold.
Und dennoch seufzet sie: „Ach!“

Der Domherr öffnet den Mund weit: Ehmals glaubt' ich, alle Küsse
„Die Liebe sei nicht zu roh,
sie schadet sonst der Gesundheit.“ Ehmals glaubt' ich, alle Küsse,
Das Fräulein lispelt: „Wieso?“ Die ein Weib uns gibt und nimmt,
Seien uns durch Schicksalsschlüsse
Die Gräfin spricht wehmütig: Schon urzeitlich vorbestimmt.
„Die Liebe ist eine Passion!“
Und präsentieret gütig Küsse nahm ich und ich küßte
die Tasse dem Herren Baron. So mit Ernst in jeder Zeit
Als ob ich erfüllen müßte
Am Tische war noch ein Plätzchen; Taten der Notwendigkeit.
mein Liebchen, da hast du gefehlt.
Du hättest so hübsch, mein Schätzchen, Jetzo weiß ich: überflüssig
von deiner Liebe erzählt. Wie so manches, ist der Kuß,
Und mit leichtern Sinnen küss' ich,
Glaubenslos im Überfluß.

Sie liebten sich beide, doch keiner

Sie liebten sich beide, doch keiner


Wollt’ es dem andern gestehn;
Sie sahen sich an so feindlich,
Und wollten vor Liebe vergehn.

Sie trennten sich endlich und sah’n sich


Nur noch zuweilen im Traum;
Sie waren längst gestorben,
Und wußten es selber kaum.
Worte! Worte! keine Taten!

Worte! Worte! keine Taten!


Niemals Fleisch, geliebte Puppe,
Immer Geist und keinen Braten,
Keine Knödel in der Suppe.

Doch vielleicht ist dir zuträglich


Nicht die wilde Leidenschaft,
Welche galoppieret täglich
Auf dem Roß der Leidenschaft.

Ja, ich fürchte fast, es riebe, Träumereien I


Zartes Kind, dich endlich auf
Jene wilde Jagd der Liebe Mir träumte von einem schönen Kind,
Amors Steeple-chase-Wettlauf. Sie trug das Haar in Flechten;
Wir saßen unter der grünen Lind,
Viel gesünder, glaub ich schier, In blauen Sommernächten.
Ist für dich ein kranker Mann
Als Liebhaber, der gleich mir Wir hatten uns lieb und küßten uns gern,
Kaum ein Glied bewegen kann. Und kosten von Freuden und Leiden.
Es seufzten am Himmel die gelben Stern,
Deshalb unsrem Herzenbund, Sie schienen uns zu beneiden.
Liebste, widme deine Triebe;
Solches ist dir sehr gesund, Ich bin erwacht und schau mich um,
Eine Art Gesundheitsliebe. Ich steh allein im Dunkeln.
Am Himmel droben, gleichgültig und stumm,
Wenn ich in deine Augen seh', Seh ich die Sterne funkeln.
So schwindet all mein Leid und Weh',
Doch wenn ich küsse deinen Mund,
So werd ich ganz und gar gesund.

Wenn ich mich lehn' an deine Brust,


Kommt's über mich wie Himmelslust;
Doch wenn du sprichst: »Ich liebe dich!«
So muß ich weinen bitterlich.