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Friedrich Schiller: An die Freude Wandelt, Brüder, eure Bahn,

Freudig, wie ein Held zu Siegen.


1. 5.
Freude, schöner Götterfunken, Aus der Wahrheit Feuerspiegel
Tochter aus Elysium, Lächelt sie den Forscher an.
Wir betreten feuertrunken, Zu der Tugend steilem Hügel
Himmlische, dein Heiligthum. Leitet sie des Dulders Bahn.
Deine Zauber binden wieder, Auf des Glaubens Sonnenberge
Was die Mode streng getheilt; Sieht man ihre Fahnen wehn,
Alle Menschen werden Brüder, Durch den Riss gesprengter Särge
Wo dein sanfter Flügel weilt. Sie im Chor der Engel stehn.
Chor Chor
Seid umschlungen, Millionen! Duldet muthig, Millionen!
Diesen Kuss der ganzen Welt! Duldet für die bessre Welt!
Brüder - überm Sternenzelt Droben überm Sternenzelt
Muss ein lieber Vater wohnen. Wird ein großer Gott belohnen.
2. 6.
Wem der große Wurf gelungen, Göttern kann man nicht vergelten;
Eines Freundes Freund zu sein, Schön ist's, ihnen gleich zu sein.
Wer ein holdes Weib errungen, Gram und Armuth soll sich melden,
Mische seinen Jubel ein! Mit den Frohen sich erfreun.
Ja - wer auch nur eine Seele Groll und Rache sei vergessen,
Sein nennt auf dem Erdenrund! Unserm Todfeind sei verziehn.
Und wer's nie gekonnt, der stehle Keine Thräne soll ihn pressen,
Weinend sich aus diesem Bund. Keine Reue nage ihn
Chor Chor
Was den großen Ring bewohnet, Unser Schuldbuch sei vernichtet!
Huldige der Sympathie! Ausgesöhnt die ganze Welt!
Zu den Sternen leitet sie, Brüder - überm Sternenzelt
Wo der Unbekannte thronet. Richtet Gott, wie wir gerichtet.
3. 7.
Freude trinken alle Wesen Freude sprudelt in Pokalen,
An den Brüsten der Natur; In der Traube goldnem Blut
Alle Guten, alle Bösen Trinken Sanftmuth Kannibalen,
Folgen ihrer Rosenspur. Die Verzweiflung Heldenmuth - -
Küsse gab sie uns und Reben, Brüder, fliegt von euren Sitzen,
Einen Freund, geprüft im Tod; Wenn der volle Römer kreist,
Wollust ward dem Wurm gegeben, Lasst den Schaum zum Himmel spritzen:
Und der Cherub steht vor Gott. Dieses Glas dem guten Geist!
Chor Chor
Ihr stürzt nieder, Millionen? Den der Sterne Wirbel loben,
Ahnest du den Schöpfer, Welt? Den des Seraphs Hymne preist,
Such' ihn überm Sternenzelt! Dieses Glas dem guten Geist
Über Sternen muss er wohnen Überm Sternenzelt dort oben!
4. 8.
Freude heißt die starke Feder Festen Muth in schwerem Leiden,
In der ewigen Natur. Hilfe, wo die Unschuld weint,
Freude, Freude treibt die Räder Ewigkeit geschwornen Eiden,
In der großen Weltenuhr. Wahrheit gegen Freund und Feind,
Blumen lockt sie aus den Keimen, Männerstolz vor Königsthronen, -
Sonnen aus dem Firmament, Brüder, gält' es Gut und Blut -
Sphären rollt sie in den Räumen, Dem Verdienste seine Kronen,
Die des Sehers Rohr nicht kennt. Untergang der Lügenbrut!
Chor Chor
Froh, wie seine Sonnen fliegen Schließt den heil'gen Zirkel dichter,
Durch des Himmel prächt'gen Plan, Schwört bei diesem goldnen Wein,
Dem Gelübde treu zu sein,
Schwört es bei dem Sternenrichter
!