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Effiziente Unternehmensmodellierung in R/3 Einheit des Unternehmens ein Buchungskreis, Ihnen kann das gesamte gebundene Kapital (An- betriebliche Waren- und Leistungsverkehr wird
für jedes strategische Geschäftsfeld ein Ge- lage- und Umlaufvermögen), das zur Erbringung nicht mit Herstellkosten, sondern mit Transfer-

Genaues Abbild
schäftsbereich oder für jeden Standort ein Werk ihrer betrieblichen Leistung notwendig ist, voll- preisen bewertet.
eingerichtet werden. Die Darstellung des Ge- ständig zugeordnet werden kann. Sie werden Geschäftsfeldbilanzen und weitergehende Bi-
samtsystems unter Berücksichtigung der be- üblicherweise mit Hilfe von Ergebniszielen, die lanzkennzahlen werden durch Konsolidierung
trieblichen Anforderungen wird durch die Zu- sich an Bilanzkennzahlen (Eigenkapitalrendite, der beteiligten Buchungskreise gewonnen. Die
ordnung der verschiedenen Organisationsein- Cash Flow, Operatives Ergebnis etc.) orientie- Abbildung strategischer Geschäftsfelder durch
heiten von R/3 untereinander erzielt. Einrich- ren, geführt. Voraussetzung hierfür ist – neben Buchungskreise kann eine Reihe von Konse-
tung, Zuordnung und Pflege der Attribute der der Zuordnung des gebundenen Kapitals – eine quenzen für das operative Tagesgeschäft bzw.
Organisationseinheiten von R/3 kann mit dem geschäftsfeldspezifische Kontierung von Aufwen- den Jahresabschluß der Konzerngesellschaft
graphischen Pflegetool, das mit R/3-Release 3.1 dungen und Erlösen. haben, die im Einzelfall zu prüfen sind.
erstmals ausgeliefert wird, vorgenommen wer- Im R/3 wird im Regelfall für die Darstellung
den (siehe Kasten unten). strategischer Geschäftsfelder der Geschäftsbe- Einzelgesellschaftlicher Abschluß
Die Abbildung und Modellierung der Organisationsstruktur eines Unternehmens auf Basis der Im folgenden werden exemplarisch zwei ver- reich genutzt. Interne Bilanzen und die daraus
schiedene Unternehmensmodelle für das oben ableitbaren Kennzahlen können für jeden Ge- Im Regelfall werden die Gesellschaften (recht-
Organisationseinheiten von R/3 gehört zu den ersten Schritten bei der Konfiguration eines skizzierte Beispielunternehmen dargestellt: schäftsbereich gesellschaftsübergreifend erstellt lich selbständige Einheiten) eines Unterneh-
■ ein Unternehmensmodell mit zentralisier- werden. mens durch Buchungskreise dargestellt. Auf
Systems R/3. Ein modulübergreifender Ansatz verspricht ten Controlling- und Logistikstrukturen In Ausnahmefällen können strategische Ge- dieser Ebene können alle gesetzlich geforderten
■ ein Unternehmensmodell mit dezentrali- schäftsfelder auch durch Buchungskreise darge- Berichte und Meldungen (Bilanz, GuV, Umsatz-
hierbei mehr Effizienz und Sicherheit. sierten Controlling- und Logistikstrukturen stellt werden. In diesem Fall wird für jeden steuervoranmeldung etc.) erstellt werden.
Schnittpunkt einer Konzerngesellschaft mit ei- Der einzelgesellschaftliche Abschluß wird durch
Strategische Geschäftsfelder nem strategischen Geschäftsfeld ein Buchungs- Konsolidierung der entsprechenden Buchungs-
kreis eingerichtet. Dies ist sinnvoll, falls der kreise gewonnen, falls strategische Geschäftsfel-
Unternehmensmodellierung ist die modulüber- ■ Werden alle Kernge-
Die Definition eines Unternehmensmodells be- Aufbau eines internen Kunden-/Lieferantenver- der durch Buchungskreise abgebildet werden.
greifende Planung und Darstellung der Grund- schäftsprozesse un-
ginnt mit der Abbildung der strategischen Ge- hältnisses Bestandteil der Unternehmensstrate- Hierbei sind verschiedene Einschränkungen
struktur eines Systems R/3 unter Berücksichti- terstützt?
schäftsfelder. Strategische Geschäftsfelder sind gie ist. Strategische Geschäftsfelder werden hier- zum oben beschriebenen Regelfall zu beachten
gung strategischer Geschäftsprozesse, Informati- ■ Sind alle R/3-Busi-
die kleinsten Einheiten eines Unternehmens. bei wie unabhängige Firmen geführt. Der inner- (kein Clearing debitorischer Kreditoren und
onsflüsse, Verteilungsszenarien und R/3-Busi- ness-Objekte (Kun-
kreditorischer Debitoren etc.).
ness-Objekten. Ein Unternehmensmodell reprä- denauftrag, Bestell-
sentiert die Struktur eines Unternehmens mit anforderungen etc.)
Kosten- und Ergebniscontrolling
Hilfe der Organisationseinheiten von R/3 und
dient zur Evaluierung der späteren Benutzbar-
in gewünschter Weise
nutzbar? Graphisches Pflegetool Für die Festlegung der Strukturen im Kosten-
keit eines Systems R/3. ■ Kann die Organisati-
Die Einrichtung und Pflege der Organisati- ness Object Repository“ von R/3 sind die und Ergebniscontrolling sind drei Fragen zu
Unternehmensmodelle unterstützen die Reengi- onsstruktur auf meh-
onseinheiten wird in SAP R/3 mit Hilfe des verschiedenen Typen von Organisationsein- klären:
neering-Phase, die häufig der R/3-Konfiguration rere, kooperierende
Customizing-Einführungsleitfadens vorge- heiten vollständig spezifiziert sowie alle ■ Für welche Teile des Unternehmens kann
vorgelagert ist. Die intuitive Darstellungsmetho- Systeme R/3 verteilt
Für jede rechtlich selbständige Einheit des Unternehmens kann ein Buchungs- nommen. Zu Release 3.1 bietet die SAP hier- Attribute und Methoden, die zur Pflege not- eine einheitliche Segmentierung des Mark-
de von Unternehmensmodellen erlaubt die Ein- werden?
kreis, für jedes strategische Geschäftsfeld ein Geschäftsbereich oder für jeden für ein graphisches Pflegetool. Dieses PC- wendig sind, vorhanden. tes vorgenommen werden?
beziehung von Fachabteilungen und Geschäfts- Das „Unternehmensmo-
Standort ein oder mehrere Werke eingerichtet werden. gestützte Front-end-Werkzeug, das auf 32- Die im Pflegetool ausgeprägten Organisati- ■ Für welche Teile des Unternehmens soll
leitung bereits zu einem frühen Zeitpunkt der dellierung-Beraterhan-
bit-Windows-Versionen verfügbar ist, er- onseinheiten werden über definierte eine einheitliche, gemeinsame Kostenarten-
Projektphase, ohne vertiefte R/3-Kenntnisse buch“, das auf der Doku-
möglicht unter Ausnutzung von plattform- Schnittstellen („Business Application Pro- struktur definiert werden?
voraussetzen zu müssen. Dies führt zu erhöhter mentations-CD zum Release 3.1-G von R/3 er- ■ Strategische Geschäftsfelder (Business
spezifischen Grafikmöglichkeiten die Ein- gramming Interfaces“ BAPIs) in den Daten- ■ Innerhalb welcher Teile des Unternehmens
Sicherheit bei der Einführung von R/3, da ein scheint, beschreibt eine Reihe gängiger Unter- Units, Divisions, Produktgruppen etc.)
richtung und Zuordnung der Organisations- bestand von R/3 übernommen. Neben der soll die Nutzung von Kostenstellenumlage
verbindlicher Rahmen für die gesamte Projekt- nehmensmodelle für diversifizierte Unterneh- ■ Gesellschaften (rechtlich selbständige Ein-
einheiten von R/3. Einrichtung und Zuordnung von Organisati- und innerbetrieblicher Leistungsverrech-
phase gegeben wird. men. Die Standard-Unternehmensmodelle heiten)
Die Basis des graphischen Pflegetools bildet onseinheiten besteht die Möglichkeit, Attri- nung (ILV) zwischen Kostenstellen möglich
In einer frühen Projektphase werden zumeist (Strukturszenarien), die in diesem Handbuch ■ Funktionseinheiten (Einkaufs-, Vertriebs-,
das SAP-Unternehmensdatenmodell, wel- bute von Organisationseinheiten (beispiels- sein?
mehrere Unternehmensmodelle erstellt. Bei dargestellt werden, können als Basis für die Er- Produktionsabteilungen etc.)
ches die Organisationseinheiten sowie ihre weise der Adresse eines Buchungskreises, Je nachdem, wie diese Fragen beantwortet wer-
deren Evaluierung sind folgende Fragen zu be- stellung eigener Unternehmensmodelle dienen. ■ Standorte, Betriebsstätten, Niederlassungen
möglichen Zuordnungen beschreibt. Die der Bestellarten einer Verkaufsorganisation den, können Kostenrechnungskreise und Ergeb-
antworten: etc.
Pflegefunktionen beruhen auf einem Busi- u.ä.) zu pflegen oder zuvor eingerichtete nisbereiche in R/3 definiert werden. In einem
■ Sind alle Informationen, die für strategi- Erstellung von Unternehmensmodellen Anschließend werden die Organisationseinhei-
ness-Objekt-orientierten Ansatz. Im „Busi- Organisationseinheiten zu löschen. Kostenrechnungskreis kann ein abgeschlossenes
sche Entscheidungen bzw. das operative ten des Unternehmens durch geeignete Organi-
Kostenstellen- und Kostenartencontrolling
Tagesgeschäft benötigt werden, in geeigne- Ausgangspunkt der Unternehmensmodellierung sationseinheiten von R/3 dargestellt. Beispiels-
durchgeführt werden. Eine abgeschlosse Markt-
ter Weise verfügbar? ist die Identifizierung der verschiedenen Organi- weise könnte für jede rechtlich selbständige
segment- und Ergebnisrechnung wird in einem
sationseinheiten eines Unternehmens:

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Ergebnisbereich realisiert, wobei der Schwer- Die Produktionsfeinplanung muß jedoch ge-
punkt des Reportings auf der Darstellung eines schäftsfeld- bzw. werksspezifisch durchgeführt
Deckungsbeitrags einzelner Marktsegmente und werden.
ihrer Aggregationen liegt.
Soll eine einheitliche Kostenartenstruktur für Beschaffung
das gesamte Unternehmen definiert und zusätz-
lich die Nutzung von Kostenstellenumlage und Die Beschaffung kann in R/3 auf drei verschie-
ILV im gesamten Unternehmen ermöglicht wer- denen Leveln flexibel organisiert werden:
den, so muß ein zentraler Kostenrechnungskreis ■ werksbezogen
eingerichtet werden, dem alle Buchungskreise ■ werksübergreifend
des Unternehmens zuzuordnen sind. Die Ein- ■ buchungskreisübergreifend
richtung eines unternehmensweiten Ergebnisbe- Bei der Abbildung strategischer Geschäftsfelder
reichs ist in diesem Fall zwingend, da ein Ergeb- durch Geschäftsbereiche können Bestellungen
nisbereich die ihm zugeordneten Kostenrech- geschäftsfeldübergreifend abgewickelt werden.
Im R/3 wird im Regelfall für die Darstellung strategischer Geschäftsfelder der Geschäftsbereich nungskreise stets vollständig umfaßt. Ein Ergebnisbereich umfaßt die ihm zugeordneten Kostenrechnungskreise stets vollständig. Werden strategische Geschäftsfelder dagegen
genutzt. Werden strategische Geschäftsfelder jedoch durch Buchungskreise dargestellt, müssen alle
durch Buchungskreise abgebildet, so können Bestellvorgänge, d.h. auch Abrufbestellungen
geschäftsfeldspezifische Strukturen im Kosten- mit Bezug auf zentral (buchungskreisübergrei-
und Erlöscontrolling definiert werden. fend) ausgehandelte Einkaufsrahmenverträge,
geschäftsfeldspezifisch abgewickelt werden.
Produktion und Bestandsführung Operativer Mehraufwand und die Kernthesen
einer Unternehmensstrategie (Beispiel: dezen-
Produktion und Bestandsführung findet in R/3 tralisierte Organisationsstrukturen) müssen in
in der Organisationseinheit „Werk“ statt. Die einem solchen Fall gegeneinander abgewogen
wesentlichen Einflußfaktoren für die Festlegung werden.
der Werksstruktur eines Systems R/3 kommen
aus dem Bereich der Materialbestandsführung Verkauf
und der Produktionsplanung. Die Kernfragen
hierbei lauten: Ähnlich wie die Struktur der Werke orientiert
■ Wie können Materialbestände (Umlaufver- sich die Struktur der Verkaufsorganisationen in
mögen) den verschiedenen strategischen R/3 daran, wie die strategischen Geschäftsfelder
Geschäftsfeldern eines Unternehmens auf- dargestellt sind:
wandsgerecht zugeordnet werden? ■ Wie können Erlöse den strategischen Ge-
Die Abbildung strategischer Geschäftsfelder durch Buchungskreise kann eine Reihe von Konsequen-
■ Für welche Teile eines Unternehmens soll schäftsfeldern zugeordnet werden?
zen für das operative Tagesgeschäft haben.
eine einheitliche Produktionsgrob- bzw. Werden strategische Geschäftsfelder in R/3 durch Geschäftsbereiche abgebildet, so können ■ Wie können Kundenaufträge mit Hilfe von
unabhängige Produktionsfeinplanung geschäftsfeldübergreifende Verkaufsstrukturen eingerichtet werden. R/3 abgewickelt werden?
durchgeführt werden? Werden strategische Geschäftsfelder in R/3
Sind strategische Geschäftsfelder durch Ge- durch Geschäftsbereiche abgebildet, so können
schäftsbereiche in R/3 repräsentiert und werden geschäftsfeldübergreifende Verkaufsstrukturen
alle Materialien (Rohstoffe, Halbfertig- und Fer- eingerichtet werden. Dies bedeutet insbesonde-
tigprodukte) geschäftsfeldspezifisch verwendet, re, daß Kundenaufträge geschäftsfeldübergrei-
so kann die Produktion und Bestandsführung fend abgewickelt und die Zuordnung der Erlöse
von Materialien verschiedener Geschäftsfelder in zu den strategischen Geschäftsfeldern sicherge-
einem gemeinsamen, geschäftsübergreifenden stellt werden kann.
Werk erfolgen. Werden strategische Geschäftsfelder durch Bu-
Werden dagegen strategische Geschäftsfelder chungskreise abgebildet, so ist die Definition
durch Buchungskreise repräsentiert, so sind für geschäftsfeldspezifischer Vertriebsstrukturen
jedes Geschäftsfeld eigene Werke einzurichten, notwendig. Die geschäftsfeldspezifische Kontie-
da Werke zur Durchführung einer ordnungsge- rung der Erlöse ist in diesem Fall automatisch
mäßen Bestandsführung stets eindeutig einem gewährleistet. Die geschäftsfeldübergreifende
Buchungskreis zugeordnet sein müssen. Die Nutzung von Kundenaufträgen ist jedoch nicht
Produktionsgrobplanung kann in diesem Fall möglich.
Soll eine einheitliche Kostenartenstruktur für das gesamte Unternehmen definiert werden, muß ein Werden strategische Geschäftsfelder durch Buchungskreise abgebildet, so ist die Definition
geschäftsfeldübergreifend erfolgen. Andreas Lietschulte, SAP AG
zentraler Kostenrechnungskreis definiert werden, dem alle Buchungskreise des Unternehmens geschäftsfeldspezifischer Vertriebsstrukturen notwendig.
zugeordnet werden.

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