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Deutsch-Lern-Geschichte Nr.

1 – Frühstück auf Umwegen

Es war Montag, der 6. September. Johannes lag in seinem Bett und träumte. Er
träumte von einem weißen Sandstrand und dem Meer, das in der heißen Sommersonne
glitzerte. Das war der Ort in Italien, an dem er gerade zwei Wochen Urlaub mit
seiner Familie verbracht hatte. Sie hatten viel Spaß zusammen gehabt, doch das war
nun vorbei, denn seit gestern war er wieder zuhause im verregneten Deutschland. Er
wurde vom lauten Schrillen seines Weckers aus dem Schlaf gerissen und so gerne er
auch liegen geblieben wäre, wusste er genau, dass er aufstehen musste. Seine Arbeit
wartete auf ihn und so stieg er aus dem Bett und tappte verschlafen ins Bad. Er
schaltete den Radio an und griff zu Zahnbürste und Zahnpasta. Dann putzte er sich,
begleitet von den heißen Rhythmen von Shakiras „Waka Waka“, die Zähne. Nach einer
erfrischenden Dusche ging er in die Küche, setzte Kaffee auf und holte dann die
Zeitung herein. Er legte sie auf den Tisch und ging zum Kühlschrank, um sich sein
Frühstück zurecht zu machen. Doch das einzige, das er sah, war gähnende Leere.
Richtig, als er gestern Abend nach Hause gekommen war, hatten ja die Läden schon zu
gehabt. Also schlüpfte er in Straßenschuhe und eine Jacke und verließ seine Wohnung.
Zum nächsten Bäcker war es nicht weit und dort würde er sicher etwas bekommen.
Johannes lief schnell, denn das Wetter hatte nicht vor, ihm seinen ersten Arbeitstag
etwas zu erleichtern. Der Himmel war grau und es hatte gerade einmal neun Grad.
Erleichtert betrat Johannes die warme Bäckerei, in der es verführerisch nach
frischen Brötchen und anderen leckeren Sachen duftete.
„Guten Morgen!“ begrüßte ihn die Verkäuferin hinter der Theke lächelnd und
Johannes erwiderte ihren Gruß.
„Was wünschen Sie?“
Johannes betrachtete all die Köstlichkeiten hinter der Glasscheibe vor ihm und
konnte sich kaum entscheiden. Schließlich sagte er:
„Ich hätte gerne eine Apfeltasche und ein belegtes Baguette, bitte.“
„Aber gerne doch.“ Die Verkäuferin nahm die beiden Gebäckstücke mit einer Zange
und steckte sie in zwei Papiertüten, die sie geschickt verschloss.
„Sonst noch etwas?“
„Ein halbes Bauernbrot, bitte.“ Nachdem sie auch dieses in eine Tüte verpackt hatte,
hatte Johannes keine Wünsche mehr.
„Das macht dann fünf Euro neunzig bitte.“ Johannes bezahlte, nahm seine Tüten und
trat den Heimweg an. Nun hatte es auch noch begonnen zu regnen und so war er sehr
froh, als er endlich daheim war. Sein Kaffee war inzwischen auch fertig und er füllte
ihn in eine große Thermoskanne. Das Brot legte er in seinen Brotkasten, damit es
frisch blieb, und die Apfeltasche und das Baguette legte er auf einen Teller. Er goss
sich eine Tasse Kaffee ein und wollte gerade etwas Sahne dazu geben, als er merkte,
dass auch die fehlte. Weil er zu faul war, auch noch zum Supermarkt zu laufen, ging
er kurzerhand zu seinen Nachbarn und klingelte. Alex, ein junger Mann in seinem
Alter, öffnete die Tür.
„Guten Morgen, Johannes!“
„Guten Morgen, Alex. Tut mir Leid, dass ich dich so früh störe, aber ich war doch im
Urlaub und jetzt habe ich keine Sahne für meinen Kaffee. Ich musste gerade schon
zum Bäcker und jetzt habe ich bei diesem miesen Wetter echt keine Lust auch noch
zum Supermarkt zu laufen. Könntest du mir vielleicht bis heute Nachmittag einen
Becher borgen?“
„Na klar, eine Sekunde.“ Alex verschwand von der Tür und kam wenige Augenblicke
später mit einem Becher Sahne zurück.
„Bitte schön. Lass dir dein Frühstück schmecken!“
„Vielen Dank! Tschüss!“ Johannes ging in seine Wohnung zurück und konnte endlich
anfangen zu frühstücken. Dabei las er die Zeitung und ärgerte sich mal wieder
darüber, dass der „Nordbayerische Kurier“ so ein Klatschblatt war.

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