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13.03.

2018

Kreuzbauer

EINFÜHRUNG IN DAS
WISSENSCHAFTLICHE
ARBEITEN
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Kreuzbauer

EINFÜHRUNG

BEGRIFF
DER WISSENSCHAFT
3

1
13.03.2018

Was ist Wissenschaft?

kollektive
Tätigkeit

Produkt
Technologie ~ eine systematische
Disziplin Sammlung von Techniken

Technologe

Wissenschaft (als Technologie) ist…

$eine vor allem in modernen Gesellschaften


vorkommende Technologie

mit der Funktion für Menschen erfassbare


hochqualitative Informationen zu gewinnen
UND...
(1) 1. Spielregeln
a) Rationalitätsgebot
b) Allgemeines Lege-Artis-Gebot
c) Methodengebot
(2) 2. selbstorganisierte Leitung durch die Scientific
Community

1. Technologie

Technologie ~ eine systematische


Sammlung von Techniken

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2. Funktion der Wissenschaft

Methode zur Erreichung von Zielen...


Primärziel
Für Menschen erfassbare
hochqualitative Informationen gewinnen
~ Erkenntnis
Sekundärziele
Anwendung
Prognose
Herstellung von Produkten
und Dienstleistungen
Viele andere Anwendungen
Viele externe Ziele

Begriffe

Hochqualitativ:
Valide: das Richtige abbilden
Reliabel: richtig abbilden
Erkenntnisse: neue hochqualitative Informationen
Wissen: „Informationen im Kopf“
Daten: von Menschen gebrauchte Informationen

3. Spielregeln der Wissenschaft

Rationalitätsgebot
Allgemeines Lege-Artis-Gebot
Methodengebot

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Prinzipielle Ausnahme: Regelkritik

Die Spielregeln der Wissenschaft dürfen (und


sollen) reflektiert kritisiert werden, wenn man
hinreichende Argumente dafür hat.
Ausnahme: Rationalität kann nicht
aufgegeben werden
Beweislast liegt bei den Kritiker(inne)n
Entscheidung liegt bei der Scientific
Community

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Rationalitätsgebot

Für alle Aussagen und Handlungen ist im


Rahmen der Wissenschaft eine rationale
Rechtfertigung (bzw. ein Beweis)
notwendig

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Was ist Rationalität?

Rationalität ist optimierte Kognition ohne


störende Beeinflussung durch kognitiven Fehler,
Emotion und Motivation.

Grundlegende Rationalitätsbedingungen:
Solidität: Ausdrücke sprachlich, logisch und
mathematisch solide gebraucht
Prämissenqualität: Prämissen sind jeweils beste
Alternativen
Folgerungsqualität: Schlussfolgerungen logisch und
mathematisch korrekt

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Exkurs: Rationalität und


Widerspruchsprinzip
Aristoteles und sein Satz vom Widerspruch:
Nichts kann gleichzeitig sein und nicht sein
Anwendung in der Praxis:
Wettbewerb der Behauptungen
„Fußball-WM“ der Behauptungen
Rationalitätsregel: Verwerfe immer die
schlechtesten Performer!
(Eliminationsverfahren)

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Allgemeines Lege-Artis-Gebot

Bei allen Handlungen im Rahmen der


Wissenschaften sind die etablierten Regeln
einzuhalten.
Letzte Instanz ist die Scientific Community (sie
ist aber selbst durch ihre Entscheidungen
gebunden!)
Das allgemeine Lege-Artis-Gebot impliziert z. B.
auch
Schriftlichkeitspflicht
Diskurspflicht
usw.

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Methodengebot

Das Methodengebot besagt: Die etablierten Methoden


sind einzuhalten
Wissenschaftliche Methode bedeutet standardisiertes
Vorgehen nach den etablierten Regeln beim Entdecken
und Rechtfertigen wissenschaftlicher Behauptungen
Viele Details in den Einzelwissenschaften, Z.B.:
Theoriegeleitetheit, Methoden der empirischen
Forschung, rechtswissenschaftliche Methoden…
Später mehr dazu...

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4. Selbst-organisierte
Leitung durch die Scientific
Community

Scientific Community: Die Gemeinschaft aller


Wissenschaftler/-innen in einem Fach

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Das bedeutet…

Letztlich entscheidet immer die Scientific


Community (ähnlich wie in der Demokratie, d. h.
durch Selbstorganisation)
Sie bindet sich aber selbst durch ihre vorherigen
Entscheidungen!
Fragen
Ist das auch gut so?
Was wären die Alternativen?

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Exkurs: Kritisches zur Wissenschaft

Wissenschaft aus ideologischer Sicht (Rechts und Links)


Der Blick von Mitte/Rechts
Technokratische Orientierung und Wirtschaftsorientierung
MINT-Fächer hoch bewertet
Vereinnahmung durch Politik und Wirtschaft
Der Blick von Mitte/Links
Konstruktivismus versus Naturalismus
Kritische Wissenschaften, Kulturwissenschaften hoch bewertet
Vereinnahmung durch die Gesellschaftskritik
Gegnerschaft zu Pseudowissenschaften etc.
Gegnerschaft zur Pseudowissenschaft
Esoterik etc.
Rationalisierung und Aufgabebereitschafts von „Glaubenssätzen“
Gegnerschaft zur Kathederdogmatik

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WISSENSCHAFTLICHE
DISZIPLINEN
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Wissenschaftliche Disziplinen

Querschnitts-
wissenschaften

Grundlagen- Natur- Kultur- und Sozial- Technische


wissenschaften wissenschaften wissenschaften Wissenschaften

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Wissenschaftliche Disziplinen

Querschnitts-
wissenschaften

Grundlagen- Natur- Kultur- und Sozial- Technische


wissenschaften wissenschaften wissenschaften Wissenschaften

Philosophie Mathematik

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Wissenschaftliche Disziplinen

Querschnitts-
wissenschaften

Grundlagen- Natur- Kultur- und Sozial- Technische


wissenschaften wissenschaften wissenschaften Wissenschaften

Lebens- Geo- und Astro-


Physik Chemie
wissenschaften wissenschaften

z. B.:
Biologie
Medizin

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Wissenschaftliche Disziplinen

Querschnitts-
wissenschaften

Grundlagen- Natur- Kultur- und Sozial- Technische


wissenschaften wissenschaften wissenschaften Wissenschaften

Kultur- Sozial-
wissenschaften wissenschaften
z. B.:
Geschichte
Rechts- Wirtschafts-
Kunstgeschichte Viele weitere
wissenschaften wissenschaften
Sprachwissenschaften
z. B.:
Soziologie
Politikwissenschaft
Sprachwissenschaften

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Wissenschaftliche Disziplinen

Querschnitts-
wissenschaften

Grundlagen- Natur- Kultur- und Sozial- Technische


wissenschaften wissenschaften wissenschaften Wissenschaften

Einzelne Agrar- Montan-


Disziplinen wissenschaften wissenschaften

z. B.:
Elektrotechnik
Mechanik
Bautechnologie

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WISSENSCHAFTLICHE
ERKENNTNIS
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Wissenschaftliche Erkenntnis

Arten wissenschaftlicher Erkenntnis (Exploration,


Deskription und Explikation [kommt später
nochmals])
Erkenntnisobjekte, Entdecken und Rechtfertigen
Vertiefung: Entdecken und Rechtfertigen von
Erkenntnissen in den empirischen Wissenschaften

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Arten wissenschaftlicher Erkenntnis

Exploration
einfache wissenschaftliche Datengewinnung
„einfache wissenschaftliche Antworten auf Was-Fragen“
Deskription
Vermessende und systematisierende wissenschaftl.
Datengewinnung
„elaborierte wissenschaftliche Antworten auf Was-
Fragen“
Explikation (=Erklärung; am wichtigsten!!!)
Erklärung kausaler Zusammenhänge
„ elaborierte wissenschaftl. Antworten auf Warum-
Fragen“

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Erkenntnisobjekte, Entdecken und


Rechtfertigen
Erkenntnisobjekte
Empirische Phänomene
Rein-empirische Phänomene (inkl. rein-empirischer
Strukturen)
Meta-empirische Phänomene
Meta-empirische Strukturen
Kausalitäten (=kausale Zusammenhänge)
Mathematische und logische Phänomene
(echte) Werte und Normen

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Erkenntnistobjekte,
Entdecken und Rechtfertigen
Phänomene
nicht
beobachtbar
beobachtbar
nicht (nicht
beobachtet
beobachtet beobachtet)

Entdeckung Beobachten! „Raten!“ „Raten!“


Methodisches
Schluss auf die Schluss auf die
Ziel Recht-
Beobachten! beste beste
fertigung
Erklärung!* Erklärung!*

* Hannas allgemeine Empfehlung:


Schluss auf die beste Erklärung (Inference to the best Explanation [IBE])
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Whodunit?

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Kurze Vertiefung:
Entdecken und Rechtfertigen
von Erkenntnissen in den
empirischen Wissenschaften

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Entdeckung neuer Erkenntnisse

Kurze Wiederholung
Beobachtetes: Beobachten! (immer inkl. Messen und
Protokollieren)
Nicht Beobachtetes: Theoretisieren und „Raten“

(Mathematik [nicht empirisch]: Beobachten oder


„Raten“???)

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Rechtfertigung neuer Erkenntnisse

Kurze Wiederholung
Beobachtetes: Beobachten!
Nicht Beobachtetes: Schluss auf die beste Erklärung

Wichtige Details
Rechtfertigen: ~Beweisen
Klassische Beweisparadigmen
Beweisverfahren der empirischen Wissenschaften im
Detail
Immer: Rechtfertigen aus der wissenschaftlichen Literatur
Schluss auf die beste Erklärung funktioniert bei Wert- und
Norm-Behauptungen nur im übertragenen Sinne!
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Klassische Beweisparadigmen

Logisches bzw. deduktives Beweisparadigma:


Neue Behauptung lässt sich (formal-)logische bzw.
deduktiv gültige aus akzeptierter Behauptung
ableiten.
Analytisches bzw. begriffliches Beweisparadigma:
Neue Behauptung ergibt sich rein sprachlich aus
bereits akzeptierten Behauptung; insb. Schluss aus
Definition
Synthetisches bzw. empirisches Beweisparadigma:
neue Behauptung stimmt, wenn die beschriebenen
Phänomenen der Welt so sind, wie die Behauptung
angibt.
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Beweisverfahren der empirischen


Wissenschaften
Auch hier: Literatur!
Synthetisches bzw. empirisches
Beweisparadigma
Beobachtetes: Beobachten!
Nicht Beobachtetes?
Beispiel: Whodunit?

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Beweisverfahren der empirischen


Wissenschaften
Falsifikation

Bayes-Schema:

P(H|D)=[P(D|H) × P(H)] / P(D)

Schluss auf die beste Erklärung (Inference to the


best Explanation [IBE])
Hannas Empfehlung:
Schluss auf die beste Erklärung
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Weiteres Beispiel: Weibliche


Kriminalität?
„Am 31. März 2011 gab es in Deutschland 60.067
Strafgefangene und Sicherungsverwahrte, davon waren
3.321 Frauen (5,5 Prozent).“ (Source: Wikipedia:
Frauenkriminalität)

Warum ist das so?

ENDE DER EINFÜHRUNG

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