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Synthesebericht: Zeitliche Ausgestaltung einer Staugebühr EintragsID: 387260

Zeitliche Ausgestaltung einer Staugebühr

Erstellt am: 13.04.2012 | Stand des Wissens: 09.08.2017


Ansprechpartner:
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch

Eine weitere zeitliche Differenzierung der Straßennutzungsgebühr ist je nach räumlicher Ausgestaltung
(fahrleistungs-, objekt- oder gebietsabhängig) realisierbar.

Da die Verkehrsstärke mit der Zeit variiert ist es sinnvoll, die Gebühr nach bestimmten Zeiten wie Werktagen,
Wochenenden oder Tageszeiten zu unterscheiden. Sie kann in einem bestimmten Zeitraum, dauerhaft oder
einmalig erhoben werden. Gerade in Ballungsräumen variiert die Verkehrsstärke je nach Tageszeit und ist an
Spitzenlastzeiten besonders hoch.

Die sogenannte Spitzenlastpreisbildung (peak load pricing) sorgt für eine effiziente Verkehrslenkung, indem
die Gebühren beispielsweise an verkehrsstarken Stunden verteuert werden. In den Schwachlastzeiten werden
dagegen deutlich geringere Preise verlangt. Eine besonders hohe Verkehrsstärke entsteht beispielsweise durch
den Feierabendverkehr oder durch Pendlerverkehr in den Morgen- und Abendstunden. An Werktagen ist der
Verkehr ebenfalls stärker als an Wochenenden. Aus diesem Grund wird die Maut in Stockholm montags bis
freitags von 6.30 Uhr bis 18.30 Uhr mit unterschiedlich hohen Straßennutzungsgebühren differenziert. [SweAg12;
Doren09; RauLi11].

Eine rein zeitabhängige Gebühr, eine sogenannte Pauschalgebühr, hat eine verkehrslenkende Wirkung, diese
ist jedoch nur eingeschränkt zur Staureduzierung realisierbar. Insbesondere besteht keine Möglichkeit das
Verkehrsnetz optimal auszunutzen, weil der Kauf einer Plakette nicht von der kurzfristig vorhandenen Stausituation
abhängig gemacht wird. Gleichzeitig kann eine Pauschalgebühr gegebenenfalls den Anreiz setzen, nach dem
Kauf einer Plakette mehr zu fahren. Damit wird die Stausituation in Städten unter Umständen verschärft. Eine
solche zeitabhängige Maut existiert beispielsweise in der Schweiz, in Österreich oder Tschechien. In der Schweiz
wird sie für Kraftfahrzeuge, die die Autobahn nutzen, erhoben. Autofahrer müssen die Gebühr in Form einer
Jahresvignette entrichten. Eine weitere Differenzierung nach Peak und Off-Peak Stunden ist mit dieser Form nicht
möglich [RauLi11].

Der Zeitraum der Gebührenerhebung kann dabei fix, variabel oder dynamisch bemessen werden. Bei einem
fixen Zeitraum können bestimmte Tage oder Tageszeiten gebührenpflichtig werden. Je nach Aufenthaltszeit
kann die Gebühr höher ausfallen, je länger eine bestimmte Strecke genutzt wird. Werden Aufenthaltsdauer und
Verkehrsbelastung kombiniert, kann eine dynamische Bepreisung erfolgen [wegcenter05].

Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Erhebung von Staugebühren zum Management knapper Kapazitäten (Stand des Wissens: 22.08.2017)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?388207

Literatur
[Doren09] Dorenkamp, C.: Umsetzungs- und Akzeptanzprobleme von Road-Pricing in Ballungsräumen. Eine
Analyse bisheriger Erfahrungen, 2009
[RauLi11] Raub, K.; Liedtke, G.; Scholz, A.: Finanzielle Auswirkungen einer Pkw-Maut auf verschiedene
Nutzergruppen, veröffentlicht in Arbeitspapiere Güterverkehr und Logistik, Ausgabe/Auflage No. 006, 2011
[SweAg12] : Zeiten und Gebühren der Stockholmer City Maut, 2012
[wegcenter05] TU Graz, Institut für Straßen- und Verkehrswesen (ISV), Wegener Zentrum für Klima und Globalen
Wandel: Technologien und Wirkungen von Pkw-Road Pricing im Vergleich, 2005/06

Glossar

Auszug aus http://www.forschungsinformationssystem.de vom 13.06.2018 Seite 1


Synthesebericht: Zeitliche Ausgestaltung einer Staugebühr EintragsID: 387260

Verkehrsstärke
Die Verkehrsstärke ist eine Kennzahl für die Stärke eines Verkehrsstroms an
einem Querschnitt, gemessen in der Anzahl der Verkehrseinheiten, die diese
Stelle pro Zeiteinheit passieren. Man spricht in diesem Zusammenhang von
Streckenbelastung, wenn sich die Quantifizierung des Verkehrsstroms alternativ
auf einen betrachteten Streckenabschnitt und nicht auf einen Querschnitt
bezieht.

Verkehrsstärke = Verkehrseinheiten am Querschnitt / Bezugsperiode

Gebräuchliche Einheiten für die Verkehrsstärke sind z. B. Fahrzeuge [Fzg] pro


Tag [24h] oder Stunde [h] (z. B. durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke, kurz
DTV [Fzg/24h])

Peak-Load Pricing Der Begriff Peak-Load Pricing, zu deutsch Spitzenlasttarifierung, bezeichnet


eine Variante der Preissetzung, in der als Differenzierungsmerkmal der zeitliche
Anfall der Nachfrage benutzt wird.

Ansprechpartner
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch
Cornelia Gremm
0721 608-45753
cornelia.gremm@kit.edu

Quelle: Forschungs-Informations-System des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur


Internet: https://www.forschungsinformationssystem.de/
Dieser Auszug aus dem FIS wurde am 13.06.2018 erzeugt.
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Auszug aus http://www.forschungsinformationssystem.de vom 13.06.2018 Seite 2