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Oktober 2010 Garten+ Landschaft Zeitschrift für Landschaftsarchitektur Trittfest

Oktober 2010

Garten+

Landschaft

Zeitschrift für Landschaftsarchitektur

Trittfest

Inhalt 10/2010

GalaN

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Editorial

1

Tritt-, rutsch- und sattelfest

Robert Schäfer

Journal

4

Zwischen Central Park und Pocket Park

Eva Henze

 

Konferenz „Zukunft Park – Zukunft findet Stadt(-grün)” in Hamburg

 

6

Kein Geld verschenken bei anrechenbaren Kosten

Thomas Armonat

 

Interview mit Dieter Pfrommer zur Honorarbemessung nach der HOAI 2009

 

8

Weniger Architekten, mehr Selbstbewusstsein

Thomas Jakob

 

Interview mit Arno Sighart Schmid, ehemaliger Präsident der Bundesarchitektenkammer

 

9

Neues Leben in der Grube

Thomas Armonat

 

Eröffnung des Besucherinformationszentrums Grube Messel bei Darmstadt

 

9

Pionierpark und Skateanlage für ein neues Wohnquartier Erweiterung des Volksparks Hirschgarten in München

Thomas Jakob

Verlag:

Callwey Verlag Streitfeldstraße 35 D-81673 München Fon +49 89 /43 60 05-0 Fax +49 89/43 60 05-113 www.garten-landschaft.de

Herausgeber: Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur e.V. (DGGL) Wartburgstraße 42 10823
Herausgeber:
Deutsche Gesellschaft
für Gartenkunst und
Landschaftskultur e.V.
(DGGL)
Wartburgstraße 42
10823 Berlin
www.dggl.org
120. Jahrgang

Für die Zukunft gestalten.

www.dggl.org 120. Jahrgang Für die Zukunft g estalten. 4 Ende August fand in Ham- burg die

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Ende August fand in Ham- burg die Konferenz „Zu- kunft Park” statt. Dort wur- den zukunftsweisende Pro- jekte diskutiert. Im Bild: der High Line Park in New York.

jekte diskutiert. Im Bild: der High Line Park in New York. 9 Am 26. August eröffnete

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Am 26. August eröffnete das Besucherzentrum der Grube Messel. Das Münch- ner Büro Keller & Damm Landschaftsarchitekten ge- staltete die Außenanlagen.

Damm Landschaftsarchitekten ge- staltete die Außenanlagen. 10 Neben Holz, Naturstein und Beton verwenden Planer auch

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Neben Holz, Naturstein und Beton verwenden Planer auch weniger gebräuchli- che Baustoffe. Im Bild: Glas- scheiben im Jardin de la Paix im französischen Bitche.

Trittfest

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Neue Materialien für die Landschaftsarchitektur

Cordula Loidl-Reisch

 

Plädoyer für die Verwendung ungewöhnlicher Materialien

14

Neue Wege für Bad Nauheim

Axel Klapka

Epoxidharzbeschichteter Asphalt im historischen Kurpark

 
 

Urban Design

17

Ein roter Teppich für die Kunst

Friedel Winkler

Projekte

46

Eingefärbter Asphalt vor dem Landesmuseum in Sankt Pölten

Produkte

49

20

Neue Regeln für ein altes Handwerk Ingrid Schegk

GaLaBau Praxis

Empfehlungen und Richtlinien für den Trockenmauerbau

Produkte

51

 

Recht

52

25

Bühne oder Wohnzimmer?

Albert Kirchengast

Fassadengrün

53

Der rote Kunststoffbelag der Sankt Galler „Stadtlounge”

 

28

Mehr Farben und Formen

Klaus Kaiser

Nachrichten

38

Gestaltungsmöglichkeiten mit Kunststoffbelägen

Campus

42

 

Tagungen

45

31

Eine Bühne für das städtische Leben

Richard Watzke

Wettbewerbe

54

Großformatige Granitplatten in der Wiener Fußgängerzone

DGGL Nachrichten

58

 

Termine

60

34

Ein Gütesiegel für nachhaltige Freianlagen

Jennifer Zelt

Autoren, Vorschau,

64

System zur Zertifizierung von Elementen und Anlagen

Nachtrag, Impressum

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von Elementen und Anlagen Nachtrag, Impr essum 64 14 Das Berliner Büro k1 versah die Wege
von Elementen und Anlagen Nachtrag, Impr essum 64 14 Das Berliner Büro k1 versah die Wege

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Das Berliner Büro k1 versah die Wege im Bad Nauhei- mer Kurpark mit einem neuen Belag. Der Asphalt erhielt eine Epoxidharz- beschichtung.

17

Als „roter Teppich” soll röt- lich eingefärbter Asphalt in das Landesmuseum in Sankt Pölten einladen. Das Wiener Büro Rataplan Architektur entwarf den Vorplatz.

25

2005 stellte der Architekt Carlos Martinez mit der Künstlerin Pipilotti Rist die „Stadtlounge” Sankt Gallen fertig. Ein Zustandsbericht über den Kunststoffbelag.

Bilder: Barrett Doherty, Keller & Damm Landschaftsarchitekten, Cordula Loidl-Reisch, k1 Landschaftsarchitekten, Markus Tomaselli, Marc Wetli

Titel: Stadtlounge Sankt Gallen, Hannes Thalmann

Cordula Loidl-Reisch (2)

Neue Materialien für die Landschaftsarchitektur

Neben bewährten Materialien wie Naturstein, Beton und Holz

experimentieren Landschaftsarchitekten auch mit neuen

Materialien. Neue Anforderungen und Anwendungsmöglichkeiten

machen es notwendig, Risiken in Bezug auf die Haltbarkeit

einzugehen und Überzeugungsarbeit beim Bauherrn zu leisten.

Cordula Loidl-Reisch

Groß ist die Sehnsucht, schicke, glänzende, farbige oder strahlend weiße, schlank-fili- grane, transparent-leichte Materialien und Oberflächen, wie sie jeder vom Durchblät- tern von Design- und Architekturzeitschrif- ten kennt, auch in der Landschaftsarchitek- tur einzusetzen. Was steht dem entgegen? Bekanntermaßen sind sämtliche Elemente im Außenraum äußerst harten Bedingun- gen ausgesetzt: Große Temperaturschwan- kungen, Wind, Regen, Schnee, Eis und Hagel sowie alle Arten von Verschmutzung greifen das Material an und lassen es ver- wittern. Hinzu kommen verschiedene Strah- lungsarten und das Aggressionspotenzial der Nutzer. Neue Materialien in der Landschaftsarchi- tektur haben vielfältige Aspekte. Eine neue Ästhetik lässt sich etwa durch Farbe, Trans- parenz, schlanke Profile bei hoher Tragfä- higkeit und unsichtbare Infrastruktur errei- chen. Innovationen ermöglichen und unter- stützen zukunftsorientierte, klimaaktive Freiräume wie Dachlandschaften und Fassa- denbegrünung, oder Elemente etwa zur Entwässerung oder für den Baumschutz. Durch leichtere Bauweisen mit aufgelösten Profilen lässt sich ressourcenschonend und nachhaltig bauen. Erwünscht ist auch ein gesteigerter Komfort für die Nutzer, etwa nach den Prinzipien des Universal Design. Dabei handelt es sich um ein Design-Konzept, das Produkte, Ge-

räte, Umgebungen und Systeme so gestal- tet, dass sie für so viele Menschen wie mög- lich ohne weitere Anpassung oder Spezia- lisierung nutzbar sind. Durch robuste Pro- dukte lassen sich Kosten senken, die sonst für Reparaturen anfallen würden. In eine ähnliche Richtung gehen Mittel, die die Pflege reduzieren, etwa „Anti-Aging“- Beschichtungen, Resistenz gegen Vandalis- mus und künstliche Patina. Materialien, die Vogelanprall verhindern oder Baumschutz- elemente berücksichtigen hauptsächlich ökologische Aspekte und den Artenschutz.

Sehnsucht nach brillanten Farben

Weit oben auf der Wunschliste rangiert wohl die Sehnsucht nach mehr Farbigkeit in Freiräumen. Herkömmliche Materialien zei- gen – einmal abgesehen von Lacken und Pulverbeschichtungen, die mit steigendem Stahleinsatz tendenziell häufiger verwen- det werden – kaum brillante Farbigkeit. Holz oder Naturstein liefern erdverbundene Töne – Anthrazit, Grau, Braun, Beige, Gelb, Grün, Rot. Frische, knallige und spritzige Farbtöne dagegen sind in der Landschafts- architektur kaum zu finden. Sie werden überwiegend bei temporären Gestaltungen eingesetzt. Das ist verständlich: Witterung und UV- Strahlung lassen farbige Elemente im Außenraum recht schnell verblassen, ver- gilben, vergrauen und verschmutzen; auch

im Außenraum recht schnell verblassen, ver- gilben, vergrauen und verschmutzen; auch 10 Garten + Landschaft 10/2010
Zwischen Drahtseilen verspannte Glasscheiben bilden ein unge- wöhnliches Gestaltungselement im Jardin pour la Paix im

Zwischen Drahtseilen verspannte Glasscheiben bilden ein unge- wöhnliches Gestaltungselement im Jardin pour la Paix im französi- schen Bitche bei Straßburg.

k1 Landschaftsarchitekten (6) Zu Testzwecken wurden im Bad Nauheimer Kurpark verschiedene Oberflächen und Farbmuster auf
k1 Landschaftsarchitekten (6)
k1 Landschaftsarchitekten (6)

Zu Testzwecken wurden im Bad Nauheimer Kurpark verschiedene Oberflächen und Farbmuster auf neu asphaltierte Wege aufgetragen.

Neue Wege für Bad Nauheim

Immer wieder sind Bauherren auf der Suche nach Alternativen zu wassergebunden Wegedecken,

die deren freundlichem Erscheinungsbild entsprechen, jedoch dauerhafter und belastbarer sind als das

Original. Ein Beispiel dafür sind die epoxidharzbeschichteten Asphaltwege im denkmalgeschützten

Kurpark in Bad Nauheim.

Die bestehenden Wege im histo- rischen Kurpark in Bad Nauheim erhielten zur diesjährigen Landes- gartenschau
Die bestehenden Wege im histo-
rischen Kurpark in Bad Nauheim
erhielten zur diesjährigen Landes-
gartenschau einen neuen Belag.
k1 Landschaftsarchitekten

Axel Klapka

In Bad Nauheim sollten für die diesjährige Landesgartenschau die Wege des histori- schen Kurparks auf einer Fläche von etwa 12 000 Quadratmetern erneuert werden. Die ursprünglich wassergebundenen Wege soll- ten dabei eine hochwertige und durchgän- gige Oberfläche erhalten. Grundlage für die Planung waren die an den Wegebelag ge- stellten Anforderungen. Zu erfüllen war eine ähnliche Körnung und Farbe der Oberfläche wie die wassergebundene Wegedecke sie aufweist. Saugkehrmaschinen und Schnee- räumgeräte sollten den Belag problemlos pflegen können. Aufgrund der zu erwarten- den Belastungen musste der Belag die Belas- tungsklasse IV gemäß der Richtlinie für die Standardisierung des Oberbaus von Ver- kehrsflächen, RStO, erreichen. Und nicht zu- letzt sollte der denkmalgeschützte Kurpark mit Geh- und Fahrhilfen mobilitätseinge- schränkter Personen gut zu nutzen sein. Da mit diesen Vorgaben nur eine bituminöse Bauweise in Frage kam, prüfte unser Büro k1 Landschaftsarchitekten aus Berlin alle beste-

henden Möglichkeiten der Oberflächenge- staltung bei Asphaltbauweisen und ließ in Absprache mit der Landesgartenschau

henden Möglichkeiten der Oberflächenge- staltung bei Asphaltbauweisen und ließ in Absprache mit der Landesgartenschau GmbH entsprechende Musterflächen anlegen. Durchgefärbter Asphalt wurde aufgrund der hohen Kosten und schlechten Reparatur- möglichkeiten verworfen. Das Schleifen des Asphalts zeigte nicht den gewünschten Effekt, die Oberfläche wies aber deutlich sichtbare Spuren der Schleifmaschinen auf. Gussasphalte mit den verschiedenen Ab- streuweisen und bituminöse Beschichtungs- verfahren konnten auf Dauer keine gleich- mäßige Deckung gewährleisten. Nach dieser ernüchternden Bilanz begaben wir uns auf die Suche nach geeigneten Verfahren in ver- wandten Fachdisziplinen und stießen dabei auf die Firma Possehl Spezialbau, die ihre Produkte im Autobahnbau und auf Flugplät- zen einsetzt, um die vorhandenen Beläge zu erhalten und ihre Griffigkeit zu verbessern. Auf der Basis von speziellen, kalt zu verarbei- tenden Reaktionsharzen (Epoxidharze), wird bei diesem Verfahren eine Hartgesteins-

mischung auf die Asphaltfahrbahn „ge- klebt“, die sie griffiger macht und die Lebensdauer der Deckschicht verlängert. Für den Kurpark in Bad Nauheim modifizier- te die Firma ihr Produkt. Dazu legte sie Mus- terflächen mit verschiedenen Gesteinskör- nungsmischungen an, die acht Monate lang der normalen Parknutzung ausgesetzt wa- ren. Die kleinen Kornfraktionen erwiesen sich dabei gestalterisch als zu flächenhaft, während die größeren Körnungen etwas zu grob erschienen. Die besten Ergebnisse lie- ferten Mischungen mit Kornfraktionen von 1/3 oder 2/3. Um die Farbgebung zu unter- stützen, lässt sich Epoxidharz zusätzlich ein- färben; darauf verzichteten wir in Bad Nau- heim allerdings. Letztlich einigten sich die Landesgartenschaugesellschaft und die Lan- desdenkmalpflege auf eine gelblich-graue Mischung aus Naturstein, die der Farbe der historischen wassergebundenen Decke sehr nahe kommt und gut mit den anderen im Park verwendeten Materialien harmoniert. Als Untergrund für diese Bauweise sind mög-

Die Anmutung der ursprünglich wassergebundenen Wege blieb dem Kurpark auch mit dem neuen Asphaltbelag erhalten.

lichst glatte, gut verdichtete Oberflächen notwendig. Daher ist die Regelbauweise eine Asphalttragschicht mit einer Asphaltbeton- decke. Die Körnung des Asphaltbetons orien- tiert sich an der Belastung, sollte aber 0/8 nicht überschreiten. Asphalttragdeckschich- ten eignen sich aufgrund der rauen Oberflä- che nur eingeschränkt. Dieses Verfahren lässt sich auch auf gut erhaltenen Bestandsflächen einsetzen, wie es etwa in der Autobahnun- terhaltung praktiziert wird. In einem ersten Arbeitsschritt wird die Asphaltdeckschicht zur besseren Haftung des Epoxidharzes kugelgestrahlt. Direkt danach wird das Harz- gemisch aus zwei Komponenten mit einer Menge von zwei Kilogramm pro Quadrat- meter aufgebracht und im gleichen Arbeits- gang von Hand mit etwa acht bis zehn Kilo- gramm pro Quadratmeter im Überschuss abgestreut. Abschließend drückt eine Gum- miwalze das Material in den Belag ein. Nach- dem der Belag 24 Stunden lang getrocknet ist, wird der Überschuss abgefegt und kann, wie in unserem Fall, als Streugut im Winter-

Neue Regeln für ein altes Handwerk

Das Wissen um den fachgerechten Bau von Trockenmauern ist – gerade in Deutschland –

immer weiter verloren gegangen. Daher kommt es in der Praxis immer wieder zu

Schäden, die vermieden werden könnten. Diesem Problem will der Regelwerksausschuss

Trockenmauern der FLL mit neu erarbeiteten Empfehlungen entgegenwirken.

Ingrid Schegk

Trockenmauern zu bauen ist eine uralte Me- thode, um Wände zur Geländeterrassierung oder als Einfriedung besonders nachhaltig zu errichten. Als Trockenmauer bezeichnet man eine Wand, die ohne Verwendung von Mörtel oder sonstigen Bindemitteln aus Stei- nen im Verband aufgemauert wird. Dadurch bleibt das Bauwerk flexibel gegenüber Bo- densetzungen, weshalb es nicht starr mit Be- ton gegründet werden muss. Überdies ist die Trockenmauer grundsätzlich wasserdurch- lässig, sie besitzt also die Fähigkeit, sich selbst zu entwässern. Diese Merkmale be- günstigen seit Jahrhunderten das Terrassie- ren von Kulturlandschaften insbesondere im Weinbau in Steillagen. Auch als Ingenieur- bauwerke spielten Trockenmauern ab dem ausgehenden 18. Jahrhundert eine bedeu- tende Rolle. Als die Landschaft durch Eisen- bahntrassen und Straßen erschlossen wurde, setzte man Trockenmauern im Gebirge ein.

Als Bauwerk in Landschaft und Garten hat- ten Trockenmauern schon immer eine große Bedeutung. Insbesondere in Folge der Na- turgarten- und Recyclingbewegung erlebten sie als ökologisch bedeutendes Gestaltungs- element in den vergangenen Jahrzehnten eine Renaissance. Heute werden Landschaftsarchitekten auch bei landschaftsplanerischen Aufgaben mit Trockenmauern, ihrer Instandsetzung und Neuerrichtung, konfrontiert, wenn es darum geht, historische, oft denkmalgeschützte Kultur- und Terrassenlandschaften zu erhal- ten. Als vernakuläres Element (lat. vernacu- lus = einheimisch) sind sie Spiegel des Natur- raums, Ersatzlebensraum für zahlreiche ge- fährdete Tier- und Pflanzenarten und regio- naltypisches Kulturgut gleichermaßen. Obwohl der Trockenmauerbau ein traditio- nelles Handwerk ist, ging das Knowhow, das lange bei Landschaftsgärtnern und Wein-

bauern vorhanden war, mehr und mehr ver- loren und muss nun mühsam wiederbelebt werden. Mauern fachgerecht zu erbauen, erfordert viel Handarbeit und ist unter den aktuellen Bedingungen im Garten- und Landschafts- bau oft zu teuer. Häufig wird der Aufwand falsch eingeschätzt und es kommt zu Scha- densfällen. Ursache für die Schäden sind mangelnde Kenntnisse und Fähigkeiten der Ausführenden, die Trockenmauern häufig ohne Planung realisieren. Aber auch gerin- ges Fachwissen der Planer führt zu Män- geln. Die Mauern sind oft viel zu dünn konzipiert und versagen durch Kippen oder Gleiten. Häufig werden Stützmauern nicht fachgerecht hintermauert, sondern das Mauerwerk der Ansichtsfläche ohne jeg- lichen Querverband mit Gesteinskörnungen hinterfüllt. Beim dynamischen Verdichten dieser Hinterfüllung wird der Mauerver-

Verdichten dieser Hinterfüllung wird der Mauerver- Links: Bruchsteinzyklopenmauer- werk in Trockenbauweise auf

Links: Bruchsteinzyklopenmauer- werk in Trockenbauweise auf der Insel Mallorca. Unten: Zyklopen- mauerwerk aus Granit-Syenit- Gestein im sächsischen Radebeul.

Ingrid Schegk (5)
Ingrid Schegk (5)
Oberhalb von Sion im schweizeri- schen Wallis steht am Weinberg „La Cotzette“ diese Trockenmauer mit
Oberhalb von Sion im schweizeri-
schen Wallis steht am Weinberg
„La Cotzette“ diese Trockenmauer
mit über 20 Metern Höhe.

Sichtbeton

Naturstein

Kunststoff

(Fertigteile)

(Granit aus Indien)

(Epoxidharz)

Ein Gütesiegel für nachhaltige Freianlagen

Das Interesse am nachhaltigen Bauen ist groß. Bei sieben von zehn Landschaftsarchitekten

spielt nachhaltiges Bauen eine Rolle in ihrem Planungsalltag. Doch noch gibt es keine ein-

heitlichen Standards für ein nachhaltiges Gesamtkonzept für Freianlagen. Einen ersten Ansatz

für ein solches Gütesiegel hat Jennifer Zelt im Rahmen ihrer Diplomarbeit an der TU Berlin

entwickelt.

34

Noch ist das Gütesiegel „Nachhal- tige Freianlage“ in Gold, Silber und Bronze lediglich eine Idee. In ihrer Diplomarbeit hat Jennifer Zelt aber schon mal die Grund- lagen dafür erarbeitet.

Edelstahl Holz (Lochblech) (Kiefer) Anhand eines Ausstattungsele- ments verglich Jennifer Zelt fünf

Edelstahl

Holz

(Lochblech)

(Kiefer)

Edelstahl Holz (Lochblech) (Kiefer) Anhand eines Ausstattungsele- ments verglich Jennifer Zelt fünf

Anhand eines Ausstattungsele- ments verglich Jennifer Zelt fünf verschiedene Materialien hinsicht- lich ihrer Nachhaltigkeit. Dafür stellte sie einen Kriterienkatalog auf.

Jennifer Zelt

Ein Landschaftsarchitekt, der bei seinen Projekten Naturstein und Beton verwendet, setzt mehr CO 2 frei als er durch Pflanzun- gen kompensieren kann. Dies stellt zumin- dest der neuseeländische Landschaftsarchi- tekt Craig Pocock im Rahmen einer CO 2 - Bilanz für seine Projekte fest (siehe Garten + Landschaft 1/2008). Ausgehend von dieser Feststellung habe ich mich in meiner Diplomarbeit am Fachgebiet Landschafts- bau/Objektbau an der TU Berlin bei Cordula Loidl-Reisch mit nachhaltigem Bauen in der Landschaftsarchitektur auseinandergesetzt. Ziel des Nachhaltigen Bauens ist es, in allen Phasen eines Bauprojekts den Ressourcen- verbrauch zu minimieren und die Belastung des Naturhaushalts so gering wie möglich zu halten. Grundvoraussetzung, dieses Prin- zip im Freiraum umzusetzen, ist vor allem ein Bewusstsein der Landschaftsarchitekten für die Umweltauswirkungen ihrer Planun- gen und der verwendeten Baustoffe.

Nachhaltigkeit erfordert Gesamtkonzept

Das Interesse am nachhaltigen Bauen ist groß. Sieben von zehn Landschaftsarchitek- ten gaben in einer deutschlandweiten On- line-Umfrage an, dass nachhaltiges Bauen eine Rolle in ihrem Planungsalltag spiele. Vereinzelt integrieren sie Grundsätze zum nachhaltigen Bauen in ihre Planungen, an einheitlichen Standards für ein nachhaltiges Gesamtkonzept fehlt es jedoch bislang. Den Umfrageergebnissen zufolge fehlt es den Landschaftsarchitekten am Wissen über die Möglichkeiten des nachhaltigen Bauens im Freiraum und an Informationen zu nachhal- tigen Freianlagen. Ein Zertifizierungssystem, das Nachhaltig-

keit in der Landschaftsarchitektur misst und beurteilt, könnte die Entwicklung vorantrei- ben und gleichzeitig als Handlungsanlei- tung mit einheitlich festgelegten Planungs- grundsätzen für nachhaltige Freianlagen dienen. Während die Vergabe von Nachhal- tigkeitszertifikaten im Hochbau internatio- nal seit Jahren gängige Praxis ist (zum Bei- spiel LEED in den USA, BREEAM in Großbri- tannien, DGNB in Deutschland), gibt es bei der Freianlagenzertifizierung bisher nur Ansätze, beispielsweise die Sustainable Sites Initiative in den USA. Eine überwiegende Mehrheit der Umfrageteilnehmer (83 Pro- zent) würde die Entwicklung eines solchen Systems in Deutschland begrüßen. In Anlehnung an die bestehenden Zertifi- zierungssysteme für Gebäude habe ich des- halb Ideen für ein deutsches Freianlagen- Zertifizierungssystem entwickelt, das „Güte- siegel Nachhaltige Freianlagen“ und die Bewertungskriterien von Ausstattungsele- menten für den Außenraum zugrunde ge- legt. Das System basiert auf dem Kriterien- katalog für die Gebäudebewertung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, den ich auf Außenanlagen über- tragen und mit entsprechend angepassten Kriterien versehen habe. Wichtige Aspekte für den Außenraum sind etwa der Versiege- lungsgrad, die ortsnahe Versickerung, eine standortgerechte Bepflanzung, die Aufent- haltsqualität, die öffentliche Zugänglich- keit, die Vandalismussicherheit und die Pfle- ge- und Instandhaltungsfreundlichkeit der Anlage. Auch Ökobilanzdaten der verwen- deten Baustoffe wie der Primärenergie- bedarf und das Treibhauspotenzial sowie Kriterien zur Materialauswahl (Recycling-

materialien, regionale Baustoffe, Rückbau- und Wiederverwendbarkeit) fließen in die Bewertung ein. So weist Holz hervorragen- de Ergebnisse in der Ökobilanz auf, sofern es aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung stammt, Edelstahl wiederum hat ein höhe- res Wiederverwertungs- und Recycling- potenzial und ist langlebiger.

Es fehlt an Ökobilanzdaten

Allerdings sind diese Umweltdeklarationen noch nicht im erforderlichen Umfang für Baustoffe des Garten- und Landschaftsbaus vorhanden, was die Vergleichbarkeit der Bewertungsergebnisse erschwert. Für Land- schaftsarchitekten wären die Ökobilanz- daten jedoch auch bereits während der Planungsphase eine wichtige Entschei- dungsgrundlage. Die 55 entwickelten Kriterien des Bewer- tungssystems sind in ökologische, ökono- mische, technische, soziokulturelle und funktionale Qualität sowie Prozess- und Standortqualität unterteilt und decken da- mit alle Bereiche des nachhaltigen Bauens ab. Mit einer Bewertungsmatrix, die die Vergabe von Punkten und die Gewichtung von Kriterien und Themenfeldern vorsieht, lässt sich ein Gesamtergebnis ermitteln, auf dessen Grundlage die Außenanlagen mit den Zertifikaten in Gold, Silber und Bronze ausgezeichnet werden. Verschiedene Freiräume bringen jedoch unterschiedliche Anforderungen an Nut- zung, Ausstattung, Pflege und Kosten mit sich, die man in einem Bewertungssystem berücksichtigen muss und verschiedene Systemvarianten notwendig machen. So spielen etwa bei eigenständigen Freiräumen