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Erschienen in AATiS Praxisheft 18, 2008.

Florian Karsten: „Ein Stickstoff-Laser zum Selbstbauen“


Einleitung: In der Schule wird der Laser Laser wird sowohl an der Universität als auch
meist nur als geeignete Lichtquelle verwen- an manchen Schulen als Demonstrationslaser
det, die einfarbig, gebündelt und kohärent ist. eingesetzt. In dem Artikel Didaktische Vortei-
Im Rahmen der Quantenphysik sind viele le eines offenen Lasersystems2 wird ein be-
Versuche (Mach-Zehnder-Interferometer, reits zusammengebautes Gerät beschrieben,
Quantenradierer etc.) sogar nur mit Hilfe ei- das aber heute nicht mehr im Handel erhält-
nes Lasers durchführbar. Allerdings erleben lich ist. Auch im Internet finden sich unzähli-
ihn die Schüler dabei stets nur als „Black ge Seiten, die sich mit mehr oder weniger
Box“, die nicht näher erklärt wird. Auch die komplizierten Versionen des Stickstoff-Lasers
Schulbücher besprechen den Laser erst am beschäftigen.
Ende ihrer Kapitel über Atom- und Quanten-
physik, und viele Bildungspläne führen ihn
sogar nur als Wahlthema an.
Der Grund dafür ist, dass der Standard-Laser
(der Helium-Neon-Laser) in der Schule nur
schwer zu erklären ist, da man zu seiner Be-
schreibung vier Energieniveaus, metastabile
Niveaus, Gasröhren, Stossprozesse, stehende
Wellen, halbdurchlässige Spiegel etc. behan-
deln muss. Es ist praktisch unmöglich, den
Helium-Neon-Laser zu verstehen, ohne zuvor
einiges über Atom- und Quantenphysik ge-
lernt zu haben. Dabei muss allerdings viel
trockenes Vorratswissen angehäuft werden –
ein nicht sehr motivierendes Verfahren.
Dieses Problem löst ein besonderer Laser, den Abbildung 1:Der Stickstoff-Laser im Betrieb
ich gebaut habe: der Stickstoff-Laser. Er ist Der von mir gebaute Laser (siehe Abb. 1)
übersichtlich aufgebaut und benutzt den geht im wesentlichen auf einen Artikel von
Stickstoff in der Umgebungsluft. Er benötigt H. Lewinsky3 zurück. Allerdings ist es sehr
zur Erklärung nur zwei Energieniveaus und aufwändig, die beiden Laserplatten, die den
kommt ohne Spiegel, Gasröhren und stehende Kern des Aufbaus bilden, genau zu justieren.
Wellen aus. Die Schüler können seine Funkti- Kleinste Stöße können die Platten so ver-
onsweise daher auch verstehen, ohne vorher schieben, dass kein Laserlicht mehr entsteht.
Atom- und Quantenphysik gelernt zu haben.
Daher wurden auf die Aluminiumplatten
Außerdem fasziniert er den Betrachter durch
Winkel geschraubt, die mit Kunststoffschrau-
die Einfachheit der verwendeten Bauteile wie
ben verbunden sind und die durch Kunst-
Münzen, Schrauben und Alufolie.
stoffmuttern fixiert werden können. Um die
Im vorliegenden Text möchte ich einige der Justierung der Platten noch weiter zu verein-
experimentellen und theoretischen Grundla- fachen, werden auf die Schrauben Druckfe-
gen des Stickstoff-Lasers erklären. dern gesteckt, die mit Hilfe von Kunststoff-
Der Stickstoff-Laser: Der Stickstoff-Laser scheiben von den Winkeln isoliert sind. Ins-
ist ein Molekülgas-Laser, der im Pulsbetrieb gesamt ist so ein Versuchsaufbau entstanden,
ultraviolettes Laserlicht (337,1 nm) mit einer der – einmal justiert – schnell aufzubauen ist
Leistung von ca. 0,1 mW erzeugt1. Dieser und zuverlässig funktioniert.

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Das UV-Licht gehört zum Bereich UV-A. Der Laser Zur Didaktik der Physik und Chemie, 241–243 (1995)
selbst gehört zur Laserklasse 1M. Die Strahlung ist für 3
Laser zum selber bauen. – Praxis der Naturwissen-
das Auge ungefährlich, solange der Strahlquerschnitt schaften – Physik in der Schule 1/50, 11–14 (2001).
nicht durch optische Instrumente verkleinert wird.
Man kann die Laserplatten und Winkel selbst 2 cm eingehalten werden, um Funkenüber-
herstellen, wenn man über die technische schläge zu verhindern (vgl. Abb. 2).
Ausstattung verfügt. Allerdings müssen die Die Laserplatten werden so auf die zwei Stü-
Kanten mit hoher Genauigkeit gefräst oder cke Alufolie gestellt, dass jede Laserplatte nur
gefeilt werden. Man kann die Laserplatten mit je einer Alufolie Kontakt hat. Zunächst
und Winkel aber auch fertig kaufen: Sie wer- werden die Laserplatten mit Hilfe der Kunst-
den nach meinem Entwurf von der Firma Gut- stoffschrauben parallel im Abstand von
jahr hergestellt und können dort bestellt wer- ca. 1 mm justiert und danach leicht verkantet
den4. (ca. 0,1 mm). Damit wird der Laserlichtwelle
Aufbau: Das Zusammensetzen des Lasers eine feste Ausbreitungsrichtung vorgegeben.
geht schnell, nur die erste Justierung erfordert
etwas Geduld. Wenn man den Laser aber
einmal justiert hat und die Kunststoffschrau-
ben mit den Muttern fixiert hat, kann man den
Laser in Zukunft innerhalb weniger Minuten
aufbauen und zuverlässig einsetzen.
Die nachfolgende Tabelle zeigt das benötigte
Material:
Bauteil Material und Größe
Grundplatte Kunststoff- oder Glasplatte
(40cm!60cm)
Kondensatorplatte Alufolie (25cm!45cm)
(unten) Abbildung 2:Der Stickstoff-Laser von oben
Isolator Overhead-Kopierfolie (DIN A4) Die münzunterlegten Schrauben mit den Mut-
Kondensatorplatten 2 Alufolien (je 9cm!25cm)
(oben)
tern werden so auf die untere und die obere
Laserplatten 2 Aluminiumplatten mit 90° Alufolie gesetzt, dass sie eine Funkenstrecke
(im Bausatz dabei) Schneiden (je 6cm!20cm!0,5cm) mit ca. 1,5 mm Abstand bilden. Die Münzen,
Verbindung der 2 Kunststoffschrauben (M6!40), auf denen die Schrauben liegen, sollen ein
Platten 4 Kunststoffbeilagscheiben (M6), Einbrennen in die Alufolie verhindern. Die
(im Bausatz dabei) 2 Druckfedern (40mm), selbstgewickelte, auf Münzen gelötete Spule
Spule zwischen Platten
Selbstgewickelte Kupferdraht 20-mal um Bleistift
wird so aufgestellt, dass sie die beiden oberen
Spule gewickelt und auf 5 Cent- Alufolien verbindet, den Kanal zwischen den
Münzen gelötet Laserplatten aber nicht behindert.
Funkenstrecke 2 Schrauben (M8!16) mit aufge-
schraubten Messing-Hutmuttern Zum Schluss verbindet man noch die untere
(M8) auf 2 Cent-Münzen liegend Alufolie mit dem Minuspol und eine der bei-
Energiequelle Netzgerät (5 kV, 2mA) den oberen Alufolien mit dem Pluspol des
Anschluss an die 2 Laborkabel, 2 Münzen, Hochspannungsnetzgerätes. Dazu lassen sich
Quelle 2 Krokodilklemmen wieder Münzen verwenden, auf die man ein
Auf die Grundplatte (aus Kunststoff oder Stück Draht gelötet hat. Die Kabel lassen sich
Glas) wird als untere Kondensatorplatte das dann mit Krokodilklemmen leicht anbringen.
große Stück Alufolie gelegt. Darauf kommt in Inbetriebnahme: Für die erste Zündung der
die Mitte der Alufolie die Overheadfolie als Funkenstrecke muss eine Spannung von 5–
Dielektrikum. Auf die Overheadfolie werden 6 kV eingestellt werden. Danach genügt eine
die zwei kleineren Alufolienstücke so gelegt, Zündspannung von 3–4 kV (zum Justieren der
dass zwischen ihren Längsseiten ein Abstand Laserplatten kann es ratsam sein, zunächst
von ca. 2 cm bleibt. Auch zum Rand der O- eine höhere Spannung von 6–8 kV zu wäh-
verheadfolie muss ein Mindestabstand von 1– len). Die Pulsfrequenz hängt von der maxima-
4
len Stromstärke ab, die das Netzgerät liefern
Artikel „DIV.1215 (Bauteile-Satz für Laser-Modell)“
bei Gutjahr GmbH (www.gutjahr.de). Dem Bausatz
kann, und beträgt 1–5 Hz.
liegen auch die Kunststoffschrauben, -muttern und - Da der Stickstoff-Laser UV-Licht erzeugt,
beilagscheiben sowie zwei Druckfedern bei. muss man dieses in sichtbares Licht umwan-
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deln. Dies kann z.B. mit Fluoreszenzschirmen mit wird der Stickstoff im Laserkanal ange-
geschehen. Aber auch gebleichte Stoffe, wie regt, und die für den Laservorgang notwendi-
z.B. weißes Kopierpapier oder frisch gewa- ge Besetzungsinversion (vgl. nächster Ab-
schene weiße Textilien, wandeln UV-Licht in schnitt) ist erreicht.
blaues, sichtbares Licht um. Nun ist die Potenzialdifferenz zwischen den
Abbau: Der Versuch darf erst abgebaut wer- Laserplatten wieder 0 V, die Spule wirkt nicht
den, wenn die Kondensatorplatten vollständig mehr als Widerstand, die Ladung kann wieder
entladen sind! Wenn man die Alufolien von auf beide Platten fließen, und der Prozess be-
der Overheadfolie trennt, sollte man die unte- ginnt von neuem.
re und die oberen Alufolien verbinden, um Lichtentstehung im Stickstoff-Laser: Der
einen elektrischen Schlag zu vermeiden! Stickstoff-Laser ist ein Molekülgas-Laser,
Elektrische Funktionsweise: Ziel des elekt- dessen intensivste Emission im ultravioletten
rischen Aufbaus ist, eine Serie von Über- Bereich bei 337,1 nm liegt. Sie entsteht durch
schlägen entlang des gesamten Laserkanals zu den Übergang vom untersten Schwingungsni-
erzeugen, die den Stickstoff im Laserkanal veau des Elektronenzustandes C in das unters-
anregen. Würde man die beiden Laserplatten te Schwingungsniveau des Elektronenzustan-
direkt an das Netzgerät anschließen, gäbe es des B (vgl. Abb. 3). Die Besetzung des oberen
nur an der engsten Stelle des Laserkanals ei- Laserniveaus erfolgt durch Elektronenstöße
nen Überschlag. Um Überschläge an vielen aus dem Grundzustand X. Da die Lebensdau-
Stellen des Kanals zu erzeugen, muss man er des unteren Laserzustandes mit 10 µs viel
dafür sorgen, dass am Laserkanal vor dem größer als die Lebensdauer des oberen Laser-
Überschlag eine Spannung anliegt, die viel zustandes mit 40 ns ist, kann der Stickstoff-
höher ist als die eigentliche Zündspannung. Laser nur mit sehr kurzen Pulsen (<40 ns)
Dies erreicht man durch die Kondensatorplat- betrieben werden.
ten, die Spule und die Funkenstrecke aus
Schrauben – und zwar folgendermaßen:
Zu Beginn des Prozesses liegen an der unte-
ren Kondensatorplatte 0 V und an einer der
beiden oberen Laserplatten 5 kV an. Da die
beiden Laserplatten durch die Spule verbun-
den sind, liegen an der anderen Platte eben-
falls 5 kV an, und beide Platten laden sich
gleichmäßig auf. Wenn die Spannung groß
genug ist, entsteht zwischen den Schrauben
(Funkenstrecke) ein Überschlag. Dabei ent-
lädt sich eine der beiden Laserplatten. Wegen
des großen Spannungsabfalls in sehr kurzer
Zeit (großer Gradient) wirkt die Spule jetzt
wie ein sehr großer Widerstand. Die zweite
Laserplatte bleibt daher geladen.
Abbildung 3: Termschema des Stickstoff-Lasers
Die Potentialdifferenz von 5 kV, die zuvor an
Die Geometrie des Laserkanals bewirkt eine
der Funkenstrecke lag, liegt nun zwischen den
elektrische Entladung, die synchron zur
beiden Laserplatten. Da der Abstand der La-
Lichtwelle läuft. Die Lichtwelle kann auf-
serplatten geringer ist als die Funkenstrecke,
grund der hohen Verstärkung des Lasers die
liegt am Laserkanal nun eine Spannung, die
gesamte Besetzungsinversion in einem
viel größer ist als die eigentlich nötige Zünd-
Durchgang abbauen und braucht daher keinen
spannung. Durch die Kondensatoranordnung
Resonatorspiegel.
steht außerdem eine große Ladung zum Über-
schlag zur Verfügung. Beides sorgt dafür, Weitere Informationen, Fotos und Unter-
dass sich eine Vielzahl von Überschlägen richtsmaterial finden Sie unter:
entlang des gesamten Kanals ausbilden. Da- www.floriankarsten.de/laser.html
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