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20.

Juli 1944: Bomben auf Schmalkalden

80 Bomber der US Army Air Force griffen vor 70


Jahren Schmalkalden an.
Es war der erste und schwerste Bombenangriff
auf die Fachwerkstadt.
Schmalkalden - Der 20. Juli 1944 in Mitteldeutschland:
Die 8. US Army Air Force (USAAF) flog einen Tages- und einen
Nachtangriff. Beim Tagesangriff wurden 1172 Bomber und 542
Jäger in Richtung Mitteldeutschland entsandt, die in drei
Gruppen verschiedene Ziele angriffen. Die dritte Gruppe mit
460 B-24-Bomben konzentrierte sich unter anderem auf Städte
wie Erfurt, Fulda, Eisenach und Bad Salzungen. Wernshausen
wurde von zehn Bombern anvisiert.
Der 20. Juli 1944 in Schmalkalden:
80 Bomber flogen den Angriff auf die Stadt, mit verheerenden
Auswirkungen. Und so
musste in der Geschichtsschreibung der Stadt unter diesem
Datum vermerkt werden: Erster und
schwerster Bombenangriff auf unsere Stadt.
70 Jahre liegt dieser Tag nun zurück. Die damaligen Erwachsenen,
erst recht die Kinder von damals, die dieses Schreckensszenario
erleben mussten, werden nur ungern daran erinnert. Manche
schwiegen lange, bevor sie mit dem Erzählen begannen. Andere
berichteten spontan und emotional von ihren Erlebnissen während
des Zweiten Weltkrieges, der am 8. Mai 1945 sein offizielles Ende
fand.
Ein Schmalkalder, der das Erlebte für die Nachwelt bereits
kurze Zeit nach Kriegsende schriftlich dokumentierte, war Max
Krüger, der im Funk'schen Haus in der Teichstraße 13 wohnte.
Er schreibt:
Als in den Jahren 1942 und 1943 der Luftkrieg verschärft einsetzte
und fast täglich größere feindliche Ge-schwader über unsere
Gegend flogen, wurde seitens der Behörde dem Luftschutz erhöhte
Beachtung ge-schenkt. Es wurden alle Maßregeln getroffen, um
das Leben der Einwohner, soweit es im menschlichen Er-messen
stand, zu schützen. Zu diesem Zwecke wurden, um die Gefahr der
Luftangriffe zu verdeutlichen, Luftschutzkurse in den Betrieben und
auch für die Allgemeinheit abgehalten; es wurden Verpflichtungen
auf-erlegt für den Besitz von Gasmasken, von Luftschutzgeräten,
Spritzen, Löschutensilien und dergleichen.
Kellerräume, soweit sie geeignet waren, mussten ausgebaut und
abgestützt werden, um Schutz bei Bomben-einschlägen zu bieten.
Die einzelnen Familien und Nachbarn wurden für die privaten
Luftschutzräume und für die öffentlichen Luftschutzkeller eingeteilt,
damit jeder wusste, wohin er sich bei Luftalarm mit seinem nötig-
sten Gepäck zu begeben hatte. Insgesamt waren, außer den
behelfsmäßigen Schutzräumen in den Häusern, rund 200
Luftschutzbunker von den Betrieben und Straßengemeinschaften in
der Stadt und deren nächster Umgebung angelegt worden. Vielfach
hatte man die früheren Eiskeller und Lagerkeller der Brauereien
dafür eingerichtet.
Für den Fall, dass die Stadt von größeren Luftangriffen
heimgesucht werden sollte und die davon betroffenen
Bürger Obdachlos wurden, hatte man von Seiten der
Stadtverwaltung Auffangstellen eingerichtet und zwar in
Weidebrunn, Aue, Näherstille und Asbach. Diese Stellen wurden
ausgestattet zur Aufnahme von Bomben-geschädigten, Verletzten
und Kranken, Wöchnerinnen und Kindern.
Für die Besetzung der Auffangstellen wurde ausreichendes
Personal sichergestellt und dieses durch wieder-holtes Schulen in
die Obliegenheiten eingearbeitet. In den Auffangstellen waren auch
Küchenanlagen einge-richtet, weiter war eine entsprechende
Reserve an Lebensmitteln vorhanden.
Eine besondere Sicherung bei Luftalarm machte sich auch für die
einzelnen Verwaltungen nötig. Es mussten die wichtigsten Akten,
sofern diese in den Dienstgebäuden selbst nicht untergebracht
werden konnten, in die Luftschutzkeller geschafft werden. Für die
städtische Verwaltung war der große Lagerkeller im alten Luther-
keller, Hinter der Stadt, hergerichtet worden, in welchem auch der
Befehlsstand mit dem Bürgermeister als Leiter des Luftschutzes
untergebracht war.
Auch für eine größere Anzahl Einwohner waren die Kellerräume,
die später mit einem nebenanliegenden Keller verbunden wurden,
freigegeben.