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Redebeitrag auf der Kundgebung gegen die Nazikundgebung am 19.12.

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Wir haben uns heute versammelt, um gemeinsam und mit aller Entschlossenheit gegen die
Kundgebung der neonazistischen „Freien Nationalisten Nürnberg“ in der Fürther Südstadt zu
protestieren. Schon das Motto der Nazi-Kundgebung „Ausländerrückführung statt Integration!“
zeigt mit welch plumpem Rassismus die hier lebenden MigrantInnen für gesellschaftliche
Missstände verantwortlich gemacht werden sollen.
Die Wurzeln faschistischer und rassistischer Auswüchse liegen jedoch nicht am sogenannten "Rand
der Gesellschaft", sondern sind Teil des gesellschaftlichen Normalzustands. Gerade in Krisenzeiten
versuchen Faschistinnen und Faschisten, die von diversen Vertreterinnen und Vertretern der Politik
und Medien geschürte reaktionäre Stimmung auszunutzen und die Hetze vielfach verschärft
weiterzuführen. Dabei werden die Nazis in ihrem menschenverachtenden Denken und Handeln von
der zunehmenden gesellschaftlichen Akzeptanz rassistischer Stammtischparolen bestärkt. Die
Schuld für den wirtschaftlichen Kollaps wird dabei Sündenböcken zugewiesen, anstatt das
kapitalistische System als Ganzes in Frage zu stellen. Es steht für uns deshalb außer Frage, dass
Antifaschismus die Perspektive einer Überwindung bestehender Verhältnisse braucht und sich
niemals auf einen Abwehrkampf gegen Nazis innerhalb dieses Systems beschränken kann.
Auf staatlicher Seite hingegen wird man nicht müde zu betonen, dass die Faschistinnen und
Faschisten aus dem benachbarten Nürnberg anreisen, was dabei helfen soll das Nazi-Problem in
Fürth weiterhin zu leugnen und einer Auseinandersetzung damit aus dem Weg gehen zu können.
In den letzten zwei Jahren verübte die so genannte „Anti-Antifa“ in Fürth zahlreiche Anschläge auf
Autos und Wohnungen von AntifaschistInnen und Gewerkschaftseinrichtungen, es entstand ein
Gesamtsachschaden von ca. 20.000 Euro. Die Polizei stellte sämtliche Verfahren ein und kann bis
heute keinerlei Ermittlungserfolge vorweisen und von der Stadtspitze kamen lediglich die
bekannten Betroffenheitsbekundungen.
Seit Ende September dieses Jahres gehen die Fürther Neonazis mit offener körperlicher Gewalt
gegen vermeintliche und tatsächliche Antifaschistinnen und Antifaschisten vor. Wir registrierten
alleine in den letzten zwei Monaten über 10 Übergriffe von Neonazis. Diese Übergriffe wurden
jedoch entweder völlig geleugnet oder vom Polizeichef zum Teil eines „ideologischen
Bandenkrieges“ gemacht. Diese krasse Relativierung neonazistischer Gewalt stellt eine komplette
Verdrehung der Ereignisse dar und macht die Opfer der Faschistinnen und Faschisten zu Täterinnen
und Tätern. Solche Äußerungen, wie auch die andauernde, völlig unverhältnismäßige Repression in
Form von Ermittlungen, Festnahmen und Prozesse gegen meist jugendliche Antifaschistinnen und
Antifaschisten, machen deutlich: Polizei und Justizbehörden wollen um jeden Preis eine starke
antifaschistische und antikapitalistische Bewegung in Fürth verhindern.
Auch die Stadt scheint keine Probleme mit vermummten Nazis in der Innenstadt zu haben, ignoriert
man doch sowohl deren gewalttätige Übergriffe als auch die Tatsache, dass mittlerweile mindestens
zwei Kneipen regelmäßig von Nazis als Ausgangspunkte für ihre Streifzüge genutzt werden.
Vielmehr glaubt man, dass man mit dem gescheiterten Antritt der NPD zu den Stadtratswahlen vor
knapp zwei Jahren genügend Argumente hat, um sich nicht mit offenkundigen Problemen
auseinandersetzen zu müssen. Dass die Nazis ohne den vehementen antifaschistischen Protest die
nötigen Unterschriften vermutlich leicht bekommen hätten, interessiert da genauso wenig wie die
von Antifaschistinnen und Antifaschisten immer wieder verhinderte Etablierung eines
wöchentlichen Nazi-Stammtisches.

Wir werden den jahrelangen erfolgreichen antifaschistischen Widerstand mit aller Entschlossenheit
fortsetzen und weiterhin jegliche Versuche der Nazis in Fürth und anderswo Fuß zu fassen
bekämpfen.
Und im Gegensatz zur Polizei schauen wir nicht dabei zu wie Woche um Woche Antifaschistinnen
und Antifaschisten in der Innenstadt von Nazis angegriffen werden!
Faschistische Stammtische, Kundgebungen und Aufmärsche müssen immer und überall – auf
allen Ebenen, mit allen Mitteln - verhindert werden.
Kein Fußbreit den Faschistinnen und Faschisten!