You are on page 1of 20

Das Antarktis-Vertragssystem

Alfred-Wegener-Institut
für Polar- und Meeresforschung

1
Impressum
Alfred-Wegener-Institut
für Polar- und Meeresforschung
Columbusstraße
D-27568 Bremerhaven
Telefon (04 71) 48 31 - 0
Telefax (04 71) 48 31-149
Telex 238 695 polar d
Telegramm: Polar Bremerhaven
E-Mail: awi-pr@awi-bremerhaven.de
http: //www.awi-bremerhaven.de

Gestaltung und Satz


Agentur iD., Bremen

Druck
Druckhaus Lehe-Nord GmbH, Bremerhaven

© AWI 1997

2
Der Antarktisvertrag 1
Am 1. Dezember 1959 unterzeichneten zwölf Staaten den Antark-
tisvertrag. Von diesen Ländern erheben sieben Länder ( z.T. übergrei-
fende ) Hoheitsansprüche auf Teilgebiete der Antarktis. Am 23. Juni
1961 trat der Vertrag in Kraft. Er ist zeitlich nicht begrenzt.
Am 5. Februar 1979 unterzeichnete die Bundesrepublik Deutschland
den Vertrag. In dem Zustimmungsgesetz zum Vertragsbeitritt heißt es
unter Zielsetzung:
”Die Bundesrepublik Deutschland bejaht
die Prinzipien des Antarktisvertrages vom
1. Dezember 1959, der die ausschließlich
friedliche Nutzung der Antarktis sowie
die Freiheit ihrer wissenschaftlichen Erfor-
schung festlegt .“
Im März 1981 erlangte die Bundesrepublik aufgrund ihrer wissen-
schaftlichen und logistischen Leistungen Konsultativstatus, d.h. das
Recht, Beschlüsse mitzutragen.
Die Deutsche Demokratische Republik war schon 1974 dem Antark-
tisvertrag beigetreten. Durch die eigenständige Forschungsstation
”Georg Forster“ erhielt sie im Oktober 1987 den Konsultativstatus.
1996 waren insgesamt 43 Staaten dem Vertrag beigetreten, 26 davon
sind Konsultativstaaten, 17 einfache Mitgliedsstaaten.
Die zwölf Erstunterzeichner haben ihre erste Sitzung im Juli 1961 in
Canberra abgehalten. Im Oktober 1991 fand die 16. Sitzung (Antarctic
Treaty Consultative Meeting ATCM-XVI) in der Bundesrepublik
Deutschland statt.
Der Antarktisvertrag besteht aus 14 Artikeln, die folgende Regelungen
enthalten:

Die Antarktis wird nur für friedliche Zwecke Artikel I


genutzt. All Maßnahmen militärischer Art

3
sind verboten. Der Einsatz militärischen Perso-
nals sowie Materials für die wissenschaftli-
che Forschung hingegen ist möglich.

Artikel II Freiheit der wissenschaftlichen Forschung und


Zusammenarbeit bestehen so fort, wie sie
während des Internationalen Geophysika-
lischen Jahres (1957/58) gehandhabt wurden.

Artikel III Der Austausch von Informationen über wis-


senschaftliche Programme, von wissenschaft-
lichem Personal (zwischen Expeditionen und
Stationen) und wissenschaftlichen Beobach-
tungen wird vereinbart. Eine Zusammenar-
beit mit den relevanten Sonderorganisationen
der Vereinten Nationen und anderen wissen-
schaftlichen Organisationen wird ermutigt.
Artikel IV erklärt einerseits, daß Anspruchsstaaten ihre
vorher geltend gemachten Hoheitsrechte
oder Gebietsansprüche nicht verlieren und
daß neue Ansprüche nicht geltend gemacht
werden dürfen. Er schützt andererseits die
Rechtsposition derjenigen Staaten, die kei-
nerlei Rechte oder Ansprüche auf Gebiets-
hoheit in der Antarktis anerkennen.
Artikel V Kernexplosionen und die Beseitigung radioak-
tiven Abfalls sind in der Antarktis verboten.
Artikel VI Der Vertrag gilt für das Gebiet südlich des 60.
Breitengrades und schließt alle Schelfeisgebiete
ein. Die Hohe See unterliegt eigenen Rechten.
Artikel VII Mitgliedsstaaten haben das Recht, Beobach-
ter zu benennen, die Inspektionen von Sta-
tionen und von vor Anker liegenden Schiffen
sowie Luftbeobachtungen durchführen kön-
nen und jederzeit völlig freien Zugang zu
allen Gebieten der Antarktis haben.

4
Die Mitgliedsstaaten informieren sich unter-
einander über ihre Expeditionen und Statio-
nen. Diese Berichterstattung findet einmal
im Jahr im Oktober zwischen allen
Vertragsparteien statt.
Alle sich in der Antarktis aufhaltenden Perso- Artikel VIII
nen unterliegen der Gerichtsbarkeit des Lan-
des, dessen Staatsangehörige sie sind.
Der Artikel regelt das Abhalten von Tagungen Artikel IX
der Konsultativstaaten ”um Informationen aus-
zutauschen, sich über Fragen von gemein-
samem Interesse im Zusammenhang mit der
Antarktis zu konsultieren und Maßnahmen
auszuarbeiten, zu erörtern und ihren Regie-
rungen zu empfehlen, durch welche die
Grundsätze und Ziele des Vertrages geför-
dert werden, darunter Maßnahmen a) zur
Nutzung der Antarktis für ausschließlich
friedliche Zwecke, b) zur Erleichterung der
wissenschaftlichen Forschung in der Ant-
arktis, c) zur Erleichterung der internatio-
nalen wissenschaftlichen Zusammenarbeit
in der Antarktis, d) zur Erleichterung der
Ausübung der Inspektionsrechte nach Arti-
kel VII, e) im Zusammenhang mit Fragen
betreffend die Ausübung von Gerichtsbar-
keit in der Antarktis, f) zur Erhaltung und
zum Schutz der lebenden Schätze in der
Antarktis“.
Jede Vertragspartei ist berechtigt, Vertreter zur
Teilnahme an den genannten Tagungen zu
benennen, solange das betreffende Land
”durch die Ausführung erheblicher wissen-
schaftlicher Forschungsarbeiten in der Ant-
arktis wie die Einrichtung einer wissen-
schaftlichen Station oder die Entsendung
einer wissenschaftlichen Expedition ihr In-
teresse an der Antarktis bekundet“ (Konsul-
tativstatus).

5
Artikel X verpflichtet Mitgliedsstaaten, in Einklang mit
der Charta der Vereinten Nationen zu ver-
hindern, daß in der Antarktis Tätigkeiten
entgegen den Grundsätzen oder Zielen des
Vertrages aufgenommen werden.
Artikel XI regelt die Beilegung von Streitigkeiten.
Artikel XII besagt, daß bei ”einhelliger“ Übereinstim-
mung der Konsultativstaaten der Vertrag je-
derzeit geändert oder ergänzt werden kann.
Artikel XIII behandeln das Inkrafttreten und die Fragen des
und XIV Beitritts zum Vertrag sowie die Hinterlegung
des Vertrages in den vier Sprachfassungen
englisch, französisch, spanisch und russisch.
Themen, zu denen die Konsultativstaaten im Laufe der Jahre zahlreiche
Beschlüsse in Form von Empfehlungen an ihre Regierungen faßten, sind:

Umwelt Die Antarktische Umwelt: Umweltschutz,


Umweltverhalten an Stationen, Tourismus
und nichtstaatliche Expeditionen, historische
Stätten und Denkmäler, die Beseitigung radio-
aktiven Abfalls, Probleme eines möglichen
Rohstoffabbaus, Ölverschmutzung, die Nut-
zung des antarktischen Eises – der größten
Süßwasserreserve der Welt!

Lebend- Der Schutz der Lebendressourcen: Fauna


ressourcen und Flora, Robbenschutz, Schutz der mari-
nen Lebendressourcen.
Wissenschaftliche Die Erleichterung wissenschaftlicher For-
Forschung schung: Stätten von besonderem wissenschaft-
lichen Interesse (SSSI), der Gebrauch von
Radioisotopen, der Austausch von wissen-
schaftlichem Personal und Material, die
Behandlung neuer Inseln (wie die 1969 durch

6
einen Vulkanausbruch bei Deception Island
neu entstandene kleine Insel).
Die Erleichterung internationaler Zusam- Internationale
menarbeit in Meteorologie und Telekom- Zusammenarbeit
munikation, Transport und Logistik; mit inter-
nationalen Organisationen wie z.B. dem
Wissenschaftlichen Komitee für Antarktis-
forschung (SCAR); bei Hilfeleistungen in Not-
fällen; bei der Auswahl der Stationsorte.

Die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Auswärtige


Amt (Referat 504), nimmt aktiv an den Diskussionen und Beschluß-
fassungen der Konsultativrunde teil. Die deutsche Haltung zu Tagungs-
themen wird zwischen den interessierten Bundesministerien abge-
stimmt. Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung
dient als ”Nationale Kontaktstelle für Anfragen zu Aktivitäten, wis-
senschaftlichen Beobachtungen und Ergebnissen in der Antarktis“.
Es ist auch Sekretariat des Deutschen Landesausschusses SCAR/IASC
(Scientific Committee on Antarctic Research/International Arctic
Science Committee) (vgl. 4.1).

7
Den Antarktisvertrag
begleitende Maßnahmen
2 und Übereinkommen
1. Vereinbarte Maßnahmen zur Erhaltung der antarktischen Fauna
und Flora
Die vereinbarten Maßnahmen stellen einen Annex zu ATCM-Empfeh-
lung III bis VIII (1964) dar und bestehen aus Präambel, 14 Artikeln
und 4 Anlagen. Sie finden auf dasselbe Gebiet Anwendung wie der
Antarktisvertrag. Sie regeln den Schutz von Tieren und Pflanzen in
der Antarktis und die Voraussetzungen, unter denen diese entnom-
men werden dürfen.
Die vier Anlagen beziehen sich auf (A) besonders geschützte Arten,
(B) besonders geschützte Gebiete, (C) die Einfuhr von Tieren und
Pflanzen und (D) Vorsichtsmaßnahmen gegen Parasiten und Seu-
chen. Artikel XII sieht einen Austausch von Informationen inkl. der
Erlaubnisse vor, der jährlich vor Ende November stattfindet.
Die vereinbarten Maßnahmen sind für die Bundesrepublik Deutsch-
land noch nicht in Kraft gesetzt worden. Daher wurde dem Alfred-
Wegener-Institut am 21. Dezember 1981 durch den Bundesminister
für Forschung und Technologie (BMFT) eine vorläufige Geneh-
migungsbefugnis zum Töten und Fangen antarktischer Robben an
Land erteilt (und dies am 5. Februar 1991 bestätigt).
Die Erhaltung der antarktischen Fauna und Flora wird nunmehr
weitgehend durch Anhang II (Schutz antarktischer Fauna und Flora)
und Anhang V (Schutzgebiete) des Umweltschutzprotokolls zum
Antarktisvertrag geregelt.
2. Übereinkommen über die Erhaltung der antarktischen Robben
(CCAS)
Das Übereinkommen wurde am 1. Juni 1972 von zwölf Staaten unter-
zeichnet und trat am 11. März 1978 in Kraft. Die Bundesrepublik trat
am 30. September 1987 bei. Gegenwärtig sind vierzehn Staaten Ver-
tragspartner. Das Übereinkommen besteht aus 16 Artikeln und einer
Anlage und findet Anwendung auf die Meere südlich 60°S. Es
bezieht sich auf See-Elefant, See-Leopard, Weddell-Robbe, Krabben-
fresserrobbe, Ross-Robbe und Pelzrobbe.

8
Der Artikel IV regelt die Erteilung von Sondererlaubnissen. In der
Bundesrepublik werden ”zur Versorgung der wissenschaftlichen
Forschung“ Sondererlaubnisse zum Fangen und Töten von Robben
im Meer vom Bundesamt für Ernährung und Forstwirtschaft (BEF)
erteilt; es hat das AWI am Genehmigungsverfahren zu beteiligen.
Bisher sind keine Anträge von deutscher Seite gestellt worden.
Artikel V und Anlage Punkt 6 regeln den Informationsaustausch.
Hiernach teilt jede Vertragspartei den anderen und SCAR Zweck und
Inhalt der erteilten Erlaubnisse und später die Zahl der getöteten und
gefangenen Robben mit. Es ist auch (vor dem 31. Oktober eines
Jahres) mitzuteilen, wenn keine entsprechenden Aktivitäten stattge-
funden haben.
Die Anlage enthält Einzelheiten über zulässige Fänge, geschützte
Arten, Schon- und Fangzeiten, Fangzonen und Schongebiete sowie
Fangmethoden.

3. Übereinkommen über die Erhaltung der lebenden Meeresschätze


der Antarktis (CCAMLR)
Das Übereinkommen wurde am 20. Mai 1980 von 14 Staaten ein-
schließlich der Bundesrepublik unterzeichnet; es trat am 7. April 1982
in Kraft. Gegenwärtig sind 26 Staaten und die Europäische Gemein-
schaft Vertragspartner, 20 davon sind Kommissionsmitglieder.
Das Übereinkommen besteht aus 33 Artikeln und einer Anlage
(Schiedsgericht). Es findet Anwendung auf das Gebiet südlich von
60°S sowie auf das nördlicher liegende Gebiet bis zur Antarktischen
Konvergenz.
In Artikel II wird darauf hingewiesen, daß der Begriff ”Erhaltung“ die
rationale Nutzung erlaubt.
Artikel VII richtet eine Kommission, Artikel XIV einen Wissenschaft-
lichen Ausschuß ein.
An den Kommissionssitzungen nimmt von deutscher Seite ein Ver-
treter des Bundesministers für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
teil, an den Sitzungen des Wissenschaftlichen Ausschusses ein
Vertreter des Instituts für Seefischerei der Bundesforschungsanstalt
für Fischerei, Hamburg.

9
Anmerkung Zum Inkrafttreten eines weiteren Über-
einkommens, das die Nutzung der minera-
lischen Ressourcen in der Antarktis regeln
sollte und das von einer Reihe von Staaten
bereits gezeichnet worden war, kam es nicht.
Artikel 7 des Umweltschutzprotokolls sieht
nunmehr ein Verbot der Nutzung minera-
lischer Ressourcen vor.

Umweltschutzprotokoll zum
3 Antarktisvertrag
Im Vorfeld der 16. Sitzung der Konsultativstaaten in Bonn stimmten
die Antarktis-Vertragsstaaten Anfang Oktober 1991 in Madrid
einem Umweltschutzprotokoll zu, das nach Artikel IV einen Zusatz
zum Antarktisvertrag darstellt. Es wurde im Rahmen der XI. Son-
derkonsultativtagung der Antarktis-Vertragsstaaten erarbeitet. Die
Bundesrepublik Deutschland hat das Protokoll am 4. Oktober 1991
unterzeichnet. Es besteht aus einer Präambel, 27 Artikeln, einem
Anhang über Schiedsverfahren und fünf Anlagen betreffend die
Umweltverträglichkeitsprüfung, die Erhaltung der antarktischen Tier-
und Pflanzenwelt, die Beseitigung und Behandlung von Abfällen, die
Verhütung von Meeresverschmutzung und den Schutz und die
Verwaltung von ausgewählten Gebieten. Die Durchführung regelt
auf deutscher Seite ein Antarktis-Umweltschutzgesetz.
Die Schwerpunkte dieses Protokolls zum Antarktisvertrag sind:

Artikel II ”Die Vertragsparteien verpflichten sich zum


umfassenden Schutz der antarktischen
Umwelt sowie der abhängigen und ver-
bundenen Ökosysteme und bezeichnen
hiermit die Antarktis als ein dem Frieden
und der Wissenschaft gewidmetes
Naturreservat.“

10
Umweltschutzgrundsätze, Artikel III
Absatz 1 und 3: (1) ”Der Schutz der antark-
tischen Umwelt sowie der abhängigen
und verbundenen Ökosysteme und die
Erhaltung der Eigenart der Antarktis ein-
schließlich ihrer Ursprünglichkeit und
Schönheit sowie ihres Wertes als Gebiet
für die Durchführung wissenschaftlicher
Forschung, insbesondere solcher, die
für das Verständnis der globalen Umwelt
wesentlich ist, stellen entscheidende
Überlegungen für die Planung und
Durchführung aller Tätigkeiten im Gebiet
des Antarktis-Vertrages dar.“
(3) ”Tätigkeiten im Gebiet des Antarktis-
Vertrages werden so geplant und
durchgeführt, daß der wissenschaftlichen
Forschung Vorrang eingeräumt und der
Wert der Antarktis als Gebiet für die Durch-
führung solcher Forschung, einschließ-
lich derjenigen, die für das Verständnis
der globalen Umwelt wesentlich ist, erhalten
bleibt.“
”Jede Tätigkeit im Zusammenhang mit Artikel VII
mineralischen Ressourcen mit Aus-
nahme wissenschaftlicher Forschung ist
verboten.“
Beurteilung von Umweltauswirkungen, Artikel VIII
Absatz 1:
(1) ”Geplante Tätigkeiten nach Absatz 2 un-
terliegen den in Anlage I vorgesehenen
Verfahren zur vorherigen Prüfung ihrer Beein-
trächtigungen der antarktischen Umwelt
oder der abhängigen oder verbundenen Öko-
systeme, aufgrund derer ermittelt wird,
ob die Tätigkeiten

11
a) weniger als geringfügige oder vorüber-
gehende Beeinträchtigungen,
b) geringfügige oder vorübergehende
Beeinträchtigungen oder
c) mehr als geringfügige oder vorüberge-
hende Beeinträchtigungen verursachen.“
( ”Geplante Tätigkeiten“ sind Forschungs-
aktivitäten, Tourismus sowie staatliche und
nichtstaatliche Tätigkeiten).
Artikel XVII Absatz 1, erster Satz:
“Jede Vertragspartei erstattet jährlich
Bericht über die Schritte, die sie zur
Durchführung dieses Protokolls unter-
nommen hat.”
Die zitierten Texte entstammen der offiziellen deutschen Überset-
zung.

Tätigkeiten anderer Organisa-


tionen im Rahmen des
4 Antarktis-Vertragssystems
1. Wissenschaftliches Komitee für Antarktisforschung (SCAR)
SCAR ist eine nicht-staatliche internationale Organisation der ICSU-
Familie (ICSU = International Council of Scientific Unions).
SCAR wurde im Februar 1958 gegründet, um die im Internationalen
Geophysikalischen Jahr erfolgreich begonnene Zusammenarbeit in
der Antarktisforschung für die Zukunft zu erhalten und ihr ein
permanentes internationales Forum zu geben. So ist SCAR mit der
Aufgabe betraut, wissenschaftliche Programme für die Antarktis zu
entwickeln, zu fördern und zu koordinieren. SCAR Empfehlungen
sind beratender Natur.
Aus den 12 Gründungsmitgliedern sind inzwischen 42 Vollmitglie-
der und acht assoziierte Mitglieder geworden. Im Mai 1978 wurde
die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG, Bonn) SCAR-Mitglied.
SCAR trifft sich alle zwei Jahre: 1984 fand die SCAR-Tagung in der

12
Bundesrepublik (Bremerhaven) statt. Die deutsche Forschung wird
durch einen permanenten Delegierten und seinen Vertreter offiziell
vertreten.
An der Spitze der Organisation steht das SCAR Exekutivkomitee
(SCAR Executive Committee), dem der SCAR-Präsident vorsteht.
Das Sekretariat von SCAR ist in Cambridge angesiedelt. (Executive
Secretary Dr. P. Clarkson).
Im Rahmen von SCAR gibt es Permanente Arbeitsgruppen (Perma-
nent Working Groups) und Spezialistengruppen (Groups of
Specialists), in denen deutsche Wissenschaftler intensiv mitarbeiten.
Nach Abschluß des BIOMASS (Biological Investigations of Marine
Antarctic Systems and Stocks) - Programmes ist jetzt das Interesse
von SCAR auf IGBP, das Internationale Geosphären/Biosphären-
Programm von ICSU, gerichtet, in das SCAR mehrere Kernprogramme
(core programmes) zum Thema ”Global Change“ (Globale Verän-
derungen) einbringt. Darüber hinaus spielt SCAR eine aktive Rolle
bei der Durchführung der Antarktiskomponenten globaler Program-
me wie z.B. das Weltklimaprogramm (WCRP), das Programm zur
globalen Meeresspiegelüberwachung (GLOSS) und das Ozean-
Zirkulationsprogramm (WOCE). Auch wirkt SCAR bei der Bewah-
rung der antarktischen Umwelt mit, was beispielhaft in den zahlrei-
chen Vorschlägen für die Errichtung von Schutzgebieten zum Aus-
druck kommt. SCAR hat auf die Gefahren eines wachsenden Touris-
mus hingewiesen und einen Führer für Besucher herausgegeben (A
Visitor’s Introduction to the Antarctic and its Environment; in deutsch:
Die Antarktis und ihr Lebensraum – eine Einführung für Besucher).
Deutsche Wissenschaftler arbeiten aktiv in dem 1983/84 begonne-
nen Filchner/Ronne-Schelfeis-Programm (FRISP) mit.
Im September 1991 fand zum 30. Jahrestag des Antarktisvertrages
eine umfassende internationale SCAR-Antarktiskonferenz (Antarctic
Science – Global Concerns) mit nahezu 500 Teilnehmern in Bremen
statt. Sie wurde vom Alfred-Wegener-Institut organisiert.
Seit Juni 1978 gibt es ein deutsches nationales Komitee für SCAR,
den Deutschen Landesausschuß SCAR (seit 1992 Deutscher Landes-
ausschuß SCAR/IASC). Das Sekretariat ist seit 1981im Alfred-Wegener-
Institut angesiedelt. Die DFG fördert die Polarforschung in enger

13
Abstimmung mit dem Landesausschuß und dem Alfred-Wegener-
Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI).
Jährlich erscheinen die National Antarctic Research Reports to
SCAR, die ein umfassendes Bild der wissenschaftlichen Aktivitäten
der SCAR-Mitgliedsländer in der Antarktis liefern.

2. Rat der Manager Nationaler Antarktisprogramme (COMNAP)


COMNAP wurde 1988 anläßlich der 20. SCAR-Hauptversammlung
in Hobart gegründet. Der Rat besteht aus der Gruppe der Manager
Nationaler Antarktisprogramme (MNAP) sowie dem Ständigen
Komitee für Antarktis-Logistik und -Operationen (SCALOP). Die
deutschen Mitglieder sind der Direktor des AWI und der Leiter des
Bereiches Logistik im AWI. COMNAP steht in enger Beziehung zu
SCAR (“is federated to SCAR”). Die Aufgaben von COMNAP
bestehen im wesentlichen in der technischen Koordination von
internationalen Unternehmungen, in der Implementierung von ATCM-
Empfehlungen, in der gegenseitigen Information über operationelle
Abläufe, in der Beratung von ATC und SCAR in operationellen und
technischen Fragen sowie in der technischen und logistischen Imple-
mentierung von Forschungsaufgaben.

Tätigkeiten von Organisationen


außerhalb des
5 Antarktis-Vertragssystems
1. Obwohl das antarktische Vertragssystem außerhalb der Vereinten
Nationen arbeitet, besteht eine Zusammenarbeit mit Fachorgani-
sationen, was in der Teilnahme mehrerer dieser Organisationen bei
den Konsultativtagungen zum Ausdruck kommt (IOC der Unesco,
WMO, UNEP).
Bereits 1967 hat die Zwischenstaatliche Ozeanographische
Kommission (IOC) der Unesco ein zwischenstaatliches Regionales
Komitee für den Südlichen Ozean (SOC) eingerichtet, das 1993 in

14
ein Forum umgewandelt wurde. Zahlreiche wissenschaftliche IOC
Programme und Marine Dienste (wie der Datenaustausch) haben
Komponenten im Südpolarmeer. In Zukunft wird auch dieser
Bereich Teil des Globalen Meeresbeobachtungssystems (GOOS)
sein, das IOC, WMO, UNEP und ICSU z.Zt. einrichten. GOOS wird
auch Vorhersagen über den Zustand des Meeres erlauben.
2. Es sei weiter an die Aktivitäten der außerhalb des Antarktis-
Vertragssystems operierenden Internationalen Walfang-Kommissi-
on erinnert (Übereinkommen vom 2. Dezember 1946).

15
Die 43 Mitglieder des
Antarktisvertrages
(1996)
Konsultativstaaten Einfache Mitgliedsstaaten
(26) (17)
* Argentinien * * Bulgarien
* Australien * * Dänemark
* Belgien Griechenland
Brasilien Guatemala
* Chile * * Kanada
China Kolumbien
Deutschland Korea (Volksrepublik)
Ecuador Kuba
Finnland Österreich
* Frankreich * * Papua-Neuguinea
Indien Rumänien
Italien Schweiz
* Japan Slowakei
Korea (Republik) Tschechische Republik
* Neuseeland * * Türkei
Niederlande Ukraine
* Norwegen * * Ungarn
Peru
Polen
* Russ. Föderation
Schweden
Spanien
* Südafrika
Uruguay
* USA * Erstunterzeichnerstaaten (12)
* Vereinigtes * * Staaten, die Hoheitsansprüche
Königreich * * geltend machen (7)

16
Überwinterungsstationen
(35 Stationen südlich 60°S ,
7 nördlich 60°S) (1996)
Argentinien Deutschland Rußland
Belgrano II, Neumayer, Mirny, 66°33'S, 93°01'E
77°52'S, 34°37'W 70°39'S, 08°15'W Novolazarevskaya,
Orcadas, 60°44'S, 70°46'S, 11°50'E
44°44'W Frankreich Molodezhnaya,
Esperanza, Dumont d 'Urville, 67°40'S, 45°51'E
63°24'S, 57°00'W 66°40'S, 140°01'E Bellingshausen,
Marambio, *Alfred-Faure, 62°12'S, 58°58'W
64°14'S, 56°37'W 46°26'S, 51°52'E
San Martin, *Martin-de-Vivies, Südafrika
68°08'S, 67°06'W 37°50'S, 77°34'E Sanae, 70°18'S, 02°25'W
Jubany, 62°14'S, *Port-aux-Francais, *Marion Island,
58°40'W 49°21'S, 70°12'E 46°52'S, 37°51'E
*Gough Island,
Australien Indien 40°21'S, 09°52'W
*Macquarie Island, Maitri,
54°30'S, 158°57'E 70°46'S, 11°44'E Ukraine
Mawson, 67°36'S, Vernadsky,
62°52'E Japan 65°15'S, 64°16'W
Davis, 68°36'S, 77°58'E Syowa, 69°00'S, 39°35'E
Casey, 66°18'S, 110°32'E Dome Fuji, Uruguay
77°19'S, 39°42'E Artigas, 62°11'S,
Brasilien 58°51'W
Commandte Ferraz, Korea (Republik)
62°05'S, 58°24'W King Sejong, USA
62°13'S, 58°47'W Amundsen-Scott, 90°S
Chile McMurdo, 77°51'S,
Capitan Arturo Prat, Neuseeland 166°40'E
62°30'S, 59°41'W Scott Base, Palmer, 64°46'S,
General Bernardo 77°51'S, 166°45'E 64°03'W
O'Higgins, 63°19'S,
57°54'W Polen Vereinigtes Königreich
Presidente Eduardo Frei, Arctowski, *Bird Island,
62°12'S, 58°58'W 62°09'S, 58°28'W 54°00'S, 38°03'W
Halley,
China 75°35'S, 26°15'W
Great Wall, Rothera, 67°34'S,
62°13'S, 58°58'W 68°07'W
Zhongshan,
69°22'S, 76°23'E
* Stationen nördlich 60°

17
Überwinterungsstationen in der Antarktis

18
19
Weitere Auskünfte erteilt:
Alfred-Wegener-Institut
für Polar- und Meeresforschung
Columbusstraße, D-27568 Bremerhaven
Deutschland
Tel. (0471) 4831-180 (Frau M. Pauls)
Telefax (0471) 4831-102
Telex 238 695 polar d

20

Related Interests