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Frauensprache – Mannersprache

Frauensprache – Männersprache gehört zum Bereich der Soziolinguistik, die die


Beziehungen zwischen der Sprache und der gesellschaftlichen Gruppenzugehörigkeit von
Sprechern untersucht. Die Beschäftigung mit dem Thema Frauensprache – Männersprache began
Anfang der 70er Jahre in den Vereinigten Staaten von Amerika und wurde danach von der neuen
Frauenbewegung übernommen und in der Linguistik untersucht.

Die Frauen- und Männersprache kann also als Soziolekt definiert werden, da unter
Soziolekt gruppenspezifische Sprachvarietäten verstanden werden, die
Kommunikationsbarrieren darstellen und wertende Einstellungen zu anderen sozialen Gruppen
verstärken. In der Fachliteratur wird die Frauensprache – Männersprache als Soziolekt definiert,
eine geschlechtsspezifische Sprache mit geschlechtsspezifischen Sprachverhalten in
kommunikativen Situationen.

Die Kommunikationsstile von Frauen und M ännern

In kommunikativen Situationen, in denen Männer und Frauen kommunizieren und in


Sprachhandlungen treten, sind ihre Kommunikationsstile deutlich zu unterscheiden.

Wie sprechen Frauen ?

Die Sprache der Frauen ist eine sehr persönliche Sprache, die die Bindung, die menschliche
Nähe und die Akzeptanz des Gesprächspartners bzw. der Gesprächspartnerin sucht. Frauen
lassen im Verlauf des Gesprächs oft persönliche Erlebnisse oder Erfahrungen einfließen, um so
die Fremdheit und die Distanz zum Gesprächspartner bzw. zur Gesprächspartnerin zu
überwinden. Opermann/Weber sagen in diesem Zusammenhang „ Sie (die Frauen; d. Verf.)
lassen andere an der eigenen persönlichen Welt teilhaben und signalisieren damit: Vertrau mir,
öffne dich mir. Die Feministische Linguistik hat u.a. die im folgenden aufgeführten
Charakteristika herausgearbeitet. Als typisch für den weiblichen Kommunikationsstil werden
folgende Merkmale gennant:

- Frauen benutzen mehr Formen der Verniedlichung: Häufig gebräuchliche


Verniedlichungen sind z.B. „das ist ja reizend“, „das ist ja süß“. Frauen verwenden diese
Diminutiva und Euphemismen um andere nicht zu verletzen, Grobschlächtiges zu
verschönern und es damit akzeptabel zu machen. Auf der einen Seite lassen sie damit ihre
Sprache emotional und liebenswürdig erscheinen, auf der anderen Seite verharmlosen
und schwächen sie die Stärke der Aussage ab.
- Frauen haben ein anderen Wortschatz als Männer: Männer und Frauen scheinenn je nach
typischen Interessen und Aktivitäten unterscheidliche Bereiche des Wortschatzes zu
nutzen; dies ist jedoch zeit- und kulturabhängig. Im Erinnern von Wörtern zeigen Frauen
bessere Leistungen.
- Ihr Gesprächsstil wird allgemein als humaner eingestuft als der von Männern. Frauen
verwenden eine persönlichere Sprache als Männer, da sie ihre persönlichen Erfahrungen
in ihre Argumentation einflechten und versuchen, die Distanz zum Gesprächspartner zu
überwinden. Als Intensivierungsmittels, Frauen benutzen emphatische Adverbien und
Intensivierungsmittel wie „ so “ , „ wirklich “ , „ ehrlich “, „ Das ist ja so wahr “ . Frauen
sagen oft Ich denke/ Ich glaube/ Ich meine, auch wenn sie sich ihrer Sache ganz sicher
sind, weil sie den Gesprächspartner nicht ,,überfahren” wollen. Solche Formulierung
wirken auf Männer oft als Unsicherheit und werden als Schwäche und Inkonsequenz der
Frauen empfunden.
- Unschärfemarkierer :>Frauen verwenden häufig Unschärfemarkierer wie z.B.
„ irgendwie “ , „ irgendwas “ , „ oder so “ , „ finde ich “ , „ weißt du? “ usw.. Das sind
abschwächende Mechanismen, mit denen die Aussage in ihrer Gültigkeit eingeschränkt
wird.
>Zu diesen abschwächenden Mechanismen zählen außerdem noch
folgende weitere Aussagen: „ Ist es nicht so, daß ... “
>Aussage wird in Frageform umformuliert: „ Das ist nur so eine
Idee von mir “ , „ Es fiel mir nur gerade so ein “
> Frau wertet sich selbst bzw. die Wichtigkeit ihrer Aussage ab: „
... siehst du das nicht genauso “.

Wie sprechen Männer?

Jahrhundertelang waren alle Gesellschaften Männergesellschaften. Männer bestimmten


die Politik, den Handel, die Wissenschaft, die Kunst und somit auch die Entwicklung der
Sprache. In vielen Gesellschaften durften Frauen nicht am öffentlichen Leben teilnehmen und
waren dadurch auch in der Sprache nicht präsent.
Männern geht es im Gespräch primär um Informationen. Sie lassen kaum Emotionen einfließen
und kommunizieren meist auf der Sachebene. Männer erachten es nicht als wichtig, und auch
nicht als notwendig, eine emotionale Basis mit ihren Gesprächspartnern bzw.
Gesprächspartnerinnen aufzubauen. Von ihnen wird schon von Kindheit an erwartet, daß ihre
Sprache direkt, kurz und knapp ist, und mit starken Ausdrücken artikuliert wird. Die Sprache der
Männer ist sehr statusorientiert. Sie versuchen sich sehr oft in Gesprächen zu profilieren und ihre
Machtposition zu festigen bzw. auszubauen. Männer denken vorwiegend in
Gewinner ⇔ Verlierer Kategorien, also ist es eine logische Folge, daß in den selben Kategorien
auch gesprochen wird. Opermann/Weber sagen u.a. über Männersprache folgendes: „Männer
können sehr gut in asymmetrischer Kommunikation agieren, sofern der jeweilige Status geklärt
und akzeptiert ist.
Die Hauptunterschiede der Kommunikation von Mann und Frau sind nach
Oppermann/Weber( 1995:91) folgende:
a. Sie verfolgen unterschiedliche Ziele: Frauen kommunizieren ganzheitlich, ihnen geht es
um Information und Interaktion, Männern geht es primär um Information.
b. Frauen sprechen eine Sprache, die menschlische Nähe und Akzeptanz sucht, während die
Sprache der Männer status- und machtorientiert ist.
c. Frauen haben ein primäres Bedürfnis nach Bestätigung ihrer Persönlichkeit und einer
Sicherheit der Beziehung zum Gesprächspartner, bevor sie sich der eigentlichen Sache
zuwenden.
d. Männer haben ein primäres Bedürfnis nach Lösungen, Ergebnissen, Erfolg und wenden
sich erst danach der Beziehung zu.
e. Frauen kommunizieren am besten wenn eine symmetrische Kommunikation vorherrscht.
Ihr Kommunikationsstil ist auf Kooperation und Zusammenarbeit angewiesen.

Die Gesprächsstile von Frauen und Männern sind nach Samel folgende:

Frauen Männer
- sind active Hörerinnen: mehr -liefern häufig Redebeiträge ohne Bezug,
Satzvollendungen, mehr Unterstützungen stellen häufig Scheinbezüge her
-gebrauchen Abschwächungen: mehr Fragen -bevorzugen statusmanifestierende
statt Aussagen, häufig ,,mögen”, ,,denken” Sprachmittel wie ,,wir Ärzte”
-nicht dominant -dominant
-ausgeprät kommunikativ orientiert: -unterstützende Verhaltensweisen im
gemeinsame Themenbearbeitung Hintergrund: Darstellung eigenen Wissens,
nonkooperativ
-Fragen halten das Gespräch in Gang -Fragen dienen der Informationsbeschaffung
-verbale Aggresion ist zerstörisch -verbale Aggresion treibt das Gespräch voran
-bevorzugen pregressive Themenentwicklung -bevorzugen abrupte Themenentwicklung
-diskutieren Probleme und bieten Rückhalt -erzählen von Problemen, zugleich Bite um
Lösungsvorschläge
-bevorzugen private Gespräche in kleinen -reden, um sich darzustellen, um sich mit
Gruppen über persönlichen Themen anderen zu messe, um zu gewinnen
-unterstützen die redebeiträge anderer -dominieren da Gesprächsthema

Feministische Linguistik

Die Anfänge der feministischen Sprachwissenschaft liegen in den USA der siebziger
Jahre. Die feministische Linguistik untersucht den Sexismus im deutschen Sprachsystem und
kritisiert das geschlechtstypische Kommunikationsverhalten in gemischtgeschlechtichen
Gruppen. Die Entscheidende Triebkraft für die Beschäftigung mit weiblicher Sprache war die
neue Frauenbewegung. Die Frauen stellten fest das die sprachlichen Ausdrucksmittel von
männlichem Denken und Empfinden geprägt waren. Um das zu ändern und der Weiblichkeit
auch in der Sprache Ausdruck zu verleihen, wurde eine Veränderung in der Spracheund im
Sprechen angestrebt. Das Argument zu dieser Zeit bestand darin, daß das vom allgemeinen
(allgemein = männlich) Sprechen abweichende weibliche Sprechen defizitär sei.Durch die
feministischen Linguistikerinnen wurde das weibliche Sprechen aber als positiv deklariert. Also
nicht als mangelhaft gegenüber dem männlichen Sprechen, sondern als das andere Sprechen im
Sinne von Differenz zum männlichen Sprechen. Ist es für Männer meistens oberste Prämisse
Informationen zu vermitteln, so ist es für Frauen wichtig einen emotionalen Bezug zu ihren
GesprächspartnerInnen herzustellen und eine positive Gesprächsatmosphäre zu schaffen. Man
spricht ja die „gleiche Sprache“. Kommen nun aber ein Mann und eine Frau im Berufs-, Alltags-,
Privat- oder Eheleben in eine Gesprächssituation, dann gibt es nicht selten Mißverständnisse
bzw. erstaunliche Unterschiede zwischen dem was mit dem Gesagten ausgedrückt werden sollte
und dem was verstanden wurde.
Im deutschen Sprachsystem stehen bei Sexismus vor allem negative Definitionen der
Frauen im Vordergrund.Sexismen in der Sprachewurden von der Frauenbewegung thematisiert,
z.B. übliche Schimpfwörter wie Bastard, mother fucker, Hundessohn, Dreckbüchse, Hure, Fudel,
Luder, Mannsrolli, Röschi, Vettel, Zottel u.a. Substantive und Verben, die Eigenschaften un
Tätigkeiten von Frauen beschreiben, haben oft negative Konnotationen und Assoziationen im
Vergleich zu denen für Männer( alte Jungferjunggeselle, Altweibergeschwätz- Altmeister,
Freudenmädchen. Frauen hätten eine böse Zungen, klatschen, meckern, kichern. Schimpfwörter,
die nur für Frauen verwendet warden, sind z.B. Nervensäge, Marktweib, Beißzange, Giftnudel
u.a.