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o. Univ.‐Prof. Dr. Dr.

 Arthur Weilinger                                      Grundzüge des Rechts SS 2017

1. Teil

Allgemeiner Teil 
des bürgerlichen Recht
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Rechtsbegriff und Rechtsordnung


Menschliches Zusammenleben bedarf …

Verhaltensanordnungen

Recht Sitte Moral

Rechtsordnung
(objektives Recht) Gewissen
Gebräuche bzw „gute Sitten“ iSd
geübte § 879 Abs 1
Verhaltensweisen ABGB

Subjektives Recht

T1/K1/ 2
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Entstehungsquellen des Rechts

positives Recht „Naturrecht“

Europäische Innerstaatliches
Rechtsakte Recht

objektive Akte: subjektive Akte: objektive Rechte: subjektive Rechte:

EU Verordnungen Gesetze Verträge


EU Richtlinien Verordnungen Urteile

EU Beschlüsse Staatsverträge Bescheide


Rechtsprechung des EuGH Gewohnheitsrecht

Erkenntnisquellen des Rechts


Bundesrecht Vertrags-
Amtsblatt der BGBl urkunden
EU
Landesrecht Schriftl. Urteile
LGBl
T1/K1/ 3 Schriftl.
Bescheide
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Rechtsgebiete

Materielles Formelles
Recht Recht Öffentliches
Privatrecht
Recht
(Inhalt) (Verfahren)

Verfassungs- Verwaltungs- Allgemeines Sonderprivat-


recht recht Privatrecht rechte

T1/K1/ 4
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Privatautonomie

Wahl der Wahl des


Abschlussfreiheit Inhaltsfreiheit Formfreiheit
Rechtsordnung Gerichtsstandes

Ausnahmen:
Ausnahme: Grenze:
Kontrahierungszwang Schriftlichkeit
Gute Sitten Bürgschaft
Versorgungsunter-
nehmen § 879 Abs 1 § 1346 Abs 2 ABGB
Eisenbahn ABGB
Testament
§ 3 Eisenbahn-
beförderungsG §§ 577 ff ABGB

Post Eheschließung
§ 19 PostmarktG § 17 EheG
Energieversorgungsunter-
nehmen Notar
§ 45 ElWOG1, § 59 GWG2

Beglaubigung
Notarielle
von Notariatsakt
Unterschriften Beurkundung
zB bei Beschlüssen in
Elektrizitätswirtschafts-
1 zB Änderungen im zB Übertragung einer Hauptversammlung
und -organisationsgesetz Grundbuch eines GmbH-Anteils
T1/K1/ 5 einer AG
§ 5 GBG
2 Gaswirtschaftsgesetz § 76 Abs 2 GmbHG § 120 Abs 1 AktG
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Verbindlichkeit des Rechts

Zwingendes Recht Dispositives Recht

Ergänzungsfunktion

Auslegungsfunktion
absolut relativ
zwingend zwingend

zB § 1409 ABGB zB § 3 KSchG


Wertungsfunktion

T1/K1/ 6
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Privatrecht

Allgemeines Privatrecht
Sonderprivatrecht
(Zivilrecht)

ABGB 1812

Verbraucherschutz-
Unternehmensrecht Arbeitsrecht
recht

Sondergesetze

T1/K1/ 7
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Internationales Privatrecht

IPR IZPR

Geschäftsfälle mit
Auslandsbezug

Kollisionsrecht

IPRG 1978 ROM I VO ROM II VO ROM III VO ROM IV VO

Vertragliche Außervertragliche Ehescheidung und Erbrecht


Schuldverhältnisse Schuldverhältnisse Trennung ohne
Auflösung des
Ehebandes

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Privatrecht und öffentliches Recht

Abgrenzungstheorien

Interessentheorie Subjektionstheorie Subjektstheorie

Privatrecht dient Privatrecht wird Es wird auf die


den Interessen des durch eine Rechtssubjekte
Einzelnen Gleichordnung der abgestellt;
Rechtsverhältnisse abhängig, ob ein
charakterisiert Hoheitsträger
(„imperium“)
beteiligt ist

Rechtsfolge: Gerichts- oder Behördenzuständigkeit bzw Privathaftung- oder Amtshaftung

T1/K1/ 9
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Subjektive Rechte

Basierend auf einem


Arten
Rechtsverhältnis

Obliegen-
Rechte Pflichten
heiten

Herrschaftsrechte Forderungsrechte Gestaltungsrechte

relative absolute
Rechte Rechte Einseitige
Eigentum
Erklärung

nur gegen
gegen
Rechtsgeschäfte Gesetzl.
Rechtsgeschäfts-
jedermann Schuldverhältnisse
partner
durchsetzbar
durchsetzbar
zB Schadenersatz

T1/K1/ 10
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Juristische Tätigkeit

Rechtsanwendung
Juristische Hilfeleistung
(Subsumtion)

Sachverhalt

Konfliktvermeidung Konfliktlösung

Tatbestand
Rechtsfolge
zB Beratung zB Vergleich, Urteil (Rechtsnorm)

Einzeltatbestand Generalklausel

T1/K1/ 11
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Auslegung von Rechtsnormen I

Auslegen Verstehen
=
Authentische Generelle
Interpretation Auslegungsregeln Gesetzliche
Konkrete Begriffe
Zweifelsregeln

Auslegungsarten:
Gesetzliche Unbestimmte
• Wortinterpretation und grammatische
Vermutungen Rechtsbegriffe
Auslegung
• Systematische Auslegung
• Unions- bzw verfassungskonforme Vertragsauslegung
Auslegung (§§ 914-916 ABGB)
• Historische bzw subjektive Auslegung
• Teleologische bzw objektive Auslegung
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Auslegung von Verträgen

Es ist nach der Absicht verdecktes Geschäft &


der Parteien zu forschen Scheingeschäft
§ 914 ABGB § 916 ABGB

bei zweiseitig verbindlichen


bei einseitig verbindlichen
Verträgen wird eine undeutliche
Verträgen wird im Zweifel vermutet,
Äußerung zum Nachteil
dass sich der Verpflichtete eher die
desjenigen ausgelegt, der sich
geringere Last auferlegen wollte
derselben bedient
§ 915 1.S. ABGB
§ 915 2.S. ABGB

T1/K1/ 13
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Gesetzliche Vermutungen und Zweifelsregeln

dienen der Rechtssicherheit

Gesetzliche Vermutungen im
Widerlegbare Vermutungen Unwiderlegbare
Verfahrensrecht
zB § 924 ABGB Vermutungen
zB § 270 ZPO

T1/K1/ 14
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Auslegung von Rechtsnormen II

Konkurrenz von bei planwidriger


bei Überregelung
Rechtsgrundsätzen Rechtslücke

Analogie Teleologische
Anspruchskon- Reduktion
„echte“
kurrenz

NICHT auflösbar

Anspruchs- Gesetzes- Rechts- „Größen-


auflösbare
häufung analogie analogie schluss“

lex specialis derogat legi generali

lex posterior derogat legi priori

T1/K1/ 15
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Rechtssubjekte und Rechtsobjekte

Rechtssubjekte

Träger von Rechten und Pflichten

Mensch Juristische Person

nasciturus Vorgesellschaft

Abschluss der Gründung


Lebendgeburt
(zB Eintragung im Firmenbuch)

Löschung
Tod
(zB Löschung im Firmenbuch)

Gerichtliche
Totenschein
Feststellung
T1/K2/ 16
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Handlungsfähigkeit des Menschen

Geschäftsfähigkeit Deliktsfähigkeit

Alter Geisteszustand Alter

unter 7 Jahren

zwischen 7 - 14 J
Personen ab dem vollendeten 14. Für Personen, die das 14. Lebensjahr
Lebensjahr noch nicht vollendet haben, haftet die
zwischen 14 - 18 J Aufsichtsperson ausschließlich bei
(§ 176 ABGB) Verletzung der Aufsichtspflicht
(§§ 1309f ABGB)
über 18 Jahre

T1/K2/ 17
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Geschäftsfähigkeit und Alter

Personen zwischen 7 und Personen zwischen 14


Personen unter 7 Jahren Personen ab 18 Jahren
14 Jahren und 18 Jahren

„Kinder“ „unmündige Minderjährige“ „mündige Minderjährige“ „Volljährige“

grds geschäftsunfähig beschränkt geschäftsfähig beschränkt geschäftsfähig voll geschäftsfähig

•alterstypische Geschäfte •alterstypische Geschäfte • Ausnahme: psychisch


• Ausnahme:
„alterstypische Geschäfte“ (§ 170 Abs 3 ABGB) •Versprechen zum Vorteil kranke oder geistig
sind mit Erfüllung der das behinderte Personen
•Können Versprechen zum •Dienstverträge abschließen,
Kind betreffenden Pflicht Vorteil annehmen • Personen, „die den
aber keine Lehr- bzw
rückwirkend rechtswirksam (§ 865 ABGB) Gebrauch der Vernunft
Ausbildungsverträge
(§ 170 Abs 3 ABGB) nicht haben“
•Können bestehende •über Sachen zur „freien
Verpflichtung erfüllen Verfügung“ verfügen • Kann dauerhaft oder
(§ 1421 ABGB) kurzfristig sein
•über Einkommen aus
eigenem Erwerb verfügen und • (§ 865 ABGB)
•Alle anderen Geschäfte sind sich selbst verpflichten
„schwebend unwirksam“ •Einwilligung in „übliche“
medizinische Behandlungen
T1/K2/ 18
•beschränkte Testierfähigkeit
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Psychisch kranke oder geistig behinderte volljährige Personen

dauerhaft

Geschäftsunfähige
vorübergehend

Bedürfen eines
generellen Vertreters

subsidiär

Vertretung durch nächste


Vorsorgevollmacht Sachwalter
Angehörige
(§§ 284f – 284h ABGB) (§ 268 ff ABGB)
(§§ 284b – 284e ABGB)

Bestellung nur im Ausmaß


der Bedürftigkeit

T1/K2/ 19
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Juristische Personen

Rechtsfähigkeit Handlungsfähigkeit Deliktsfähigkeit

• Rechtsfähig (AG, GmbH, OG, KG)


• Teilrechtsfähig (Betriebsräte)
• nicht rechtsfähig (GesbR)
Juristische Person haftet für:

(§ 26 ABGB)
Machthaber (§ 337 ABGB)

Organe Erfüllungs- und


Organwalter handeln im Namen des Besorgungsgehilfen
Rechtsträgers
Haftung des Schädigers selbst
bleibt idR weiterhin bestehen.

Geschäftsführung Vertretung
(Innenverhältnis) (Außenverhältnis)

T1/K2/ 20
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Rechtssubjekte und Rechtsobjekte

Personen Sachen

Rechtssubjekte Rechtsobjekte Tiere

• Träger von Rechten und • „Alles was von der Person • Gelten nicht als Sachen
Pflichten verschieden ist und zum • Die für Sachen geltenden
Gebrauch der Menschen Vorschriften finden aber auf
• Natürliche und juristische dient, wird im rechtlichen
Personen Tiere Anwendung
Sinn Sache genannt“ • (§ 285a ABGB)
• (§§ 16, 26 ABGB) • (§ 285 ABGB) • Zu beachten sind auch die
besonderen schadenersatz-
rechtlichen Regelungen
bezüglich der tatsächlich
aufgewendeten
Heilungskosten
• (§ 1332a ABGB)
T1/K2/ 21
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Zu den unterschiedlichen Sachen

öffentlich privat körperlich unkörperlich beweglich unbeweglich

nicht
teilbar unteilbar schätzbar unschätzbar verkehrsfähig
verkehrsfähig

unver-
Hauptsache Nebensache verbrauchbar vertretbar unvertretbar
brauchbar

herrenlos nicht herrenlos

T1/K2/ 22
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Exkurs: Öffentliche Register

Firmenbuch Grundbuch

Das Firmenbuch enthält Daten und Informationen, Das Grundbuch ist ein öffentliches Register, in
die für den rechtsgeschäftlichen Verkehr unter welches Grundstücke und die an ihnen bestehenden
Unternehmen bzw zwischen Unternehmern und Rechte eingetragen werden.
Dritten von Interesse sind.

Hauptbuch Urkundensammlung Hauptbuch Urkundensammlung

Grundbuchseinlage

Grundbestandsblatt Eigentumsblatt Lastenblatt


(A-Blatt) (B-Blatt) (C-Blatt)

Nach dem Vertrauensgrundsatz werden jene Personen geschützt, die gutgläubig auf den Firmenbuch- bzw
Grundbuchstand und damit auf die Richtigkeit der Eintragungen im Firmenbuch bzw Grundbruch vertraut haben.

T1/K2/ 23
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Publizität des Firmenbuchs

Formelle Publizität Materielle Publizität

Jedermann ist zur Einsicht in das Firmenbuch


Das Vertrauen auf den Firmenbuchstand wird vom
berechtigt (§ 9 Abs 1 UGB).
Gesetzgeber in besonderer Form geschützt.
zB durch historische oder aktuelle
Firmenbuchauszüge

Haftung für ursprünglich


Negative Publizität Positive Publizität
unrichtige Eintragungen
(§ 15 Abs 1 UGB) (§ 15 Abs 2 UGB)
(§ 15 Abs 3 UGB)

Ist eine einzutragende Tatsache Ist eine Tatsache eingetragen und Wer eine unrichtige Eintragung
nicht eingetragen oder nicht bekanntgemacht, so muss ein veranlasst oder eine, wenn auch nicht
bekanntgemacht, kann sie von Dritter sie gegen sich gelten lassen. von ihm veranlasste, wohl aber von ihm
demjenigen, in dessen als unrichtig erkannte oder für ihn als
Dies gilt nicht bei Rechtshandlungen,
Angelegenheiten sie einzutragen unrichtig erkennbare Eintragung aus
die innerhalb von 15 Tagen nach
war, einem Dritten nicht Verschulden nicht löschen lässt, muss
der Bekanntmachung vorgenommen
entgegengesetzt werden, es sei die unrichtige Eintragung im
werden, sofern der Dritte beweist,
denn, dass sie diesem bekannt war. Geschäftsverkehr gegen sich gelten
dass er die Tatsache weder kannte
lassen, sofern er nicht beweist, dass der
noch kennen musste.
Dritte nicht im Vertrauen auf die
Eintragung gehandelt hat oder deren
Unrichtigkeit kannte oder grob
fahrlässig nicht kannte.
T1/K2/ 24
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Publizität des Grundbuchs

Formelle Publizität Materielle Publizität

Zur Einsicht in das Grundbuch und zum Erhalt bzw Weicht das Grundbuch von den tatsächlichen
zur Anfertigung von Grundbuchauszügen ist Rechtsverhältnissen ab, so ist das Vertrauen des
jedermann befugt Gutgläubigen auf den Grundbuchsstand geschützt.
(§ 7 Abs 2 GBG). (§ 7 GBG)

Negative Publizität Positive Publizität

„Was nicht im Grundbuch „Was im Grundbuch steht, gilt“.


steht, gilt nicht“.

T1/K2/ 25
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Arten der Eintragungen

Firmenbuch Grundbuch

Allgemeine Eintragungen Einverleibungen


(§ 3 FBG) (Rechtsverlust und Rechtserwerb)

Vormerkungen
Sondereintragungen (Ankündigung von Rechtsänderungen)
(§§ 4-9 FBG)
Anmerkungen
(Ersichtlichmachung rechtserheblicher Umstände)

T1/K2/ 26
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Rechtsgeschäftliche Willenserklärung

Rechtsgeschäft

zwei- bzw
einseitiges entgeltliches unentgeltliches Verpflichtungs- Verfügungs-
mehrseitiges
Rechtsgeschäft Rechtsgeschäft Rechtsgeschäft geschäft geschäft
Rechtsgeschäft
Einseitig Mehrseitig
zB Auslobung verpflichtend verpflichtend
gem § 860 ABGB zB Kaufvertrag, zB Schenkung Titel Modus
Vertrag Werkvertrag

vgl § 354 UGB „Lehre von titulus und modus“


zur Entgeltlich-
keitsvermutung

T1/K3/ 27
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Zur Erklärung des rechtsgeschäftlichen Willens

§ 869 ABGB
“Die Einwilligung in einen Vertrag muss frei, ernstlich, bestimmt und verständlich erklärt werden. Ist die
Erklärung unverständlich, ganz unbestimmt, oder erfolgt die Annahme unter andern Bestimmungen, als
unter welchen das Versprechen geschehen ist; so entsteht kein Vertrag. Wer sich, um einen andern zu
bevorteilen, undeutlicher Ausdrücke bedient, oder eine Scheinhandlung unternimmt, leistet
Genugtuung.“

frei ernstlich bestimmt verständlich

T1/K3/ 28
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Auslegung von rechtsgeschäftlichen Willenserklärungen

Auslegungsmethoden

Objektiver
„Ergänzende
Erklärungswert Konversion
Vertragsauslegung“
einer Auslegung

… wie ihn redliche und


Basierend auf der vernünftige Personen „Umdeutung“
„Vertrauenstheorie“ angesichts der gegeben Parteien wollen eher die
Umstände geschlossen andere (zulässige)
hätten. Erklärung, als die Nichtigkeit
… so zu verstehen, wie dieser unter
Berücksichtigung aller Umstände objektiv
von einem redlichen, verständigen Ermittlung des
Erklärungsempfänger verstanden werden „hypothetischen Parteiwillens“
durfte.

T1/K3/ 29
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Willenserklärungen

empfangsbedürftige nicht-empfangsbedürftige

Einlangen im Machtbereich des Berühren (vorerst) nur die


Empfängers Rechtssphäre des Erklärenden
zB Annahme eines Angebots, zB Testament
Kündigung eines MietV

T1/K3/ 30
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Arten von Willenserklärungen

wurde vereinbart
Schweigen hat grundsätzlich
Ausnahme:
keinen Erklärungswert uU beim
unternehmerischen
Bestätigungsschreiben

§ 863 (1) ABGB


„Man kann seinen Willen nicht nur ausdrücklich durch Worte und allgemein
angenommene Zeichen; sondern auch stillschweigend durch solche Handlungen
erklären, welche mit Überlegung aller Umstände keinen vernünftigen Grund,
daran zu zweifeln, übrig lassen.“

gesprochene Worte geschriebene Worte allgemein anerkannte Zeichen konkludentes Verhalten

Zweifelsfreie Deutung
aus dem Verhalten

T1/K3/ 31
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Zur freien Willensabgabe

Der rechtsgeschäftliche Wille muss „frei“ gebildet sein (§ 869 ABGB)

Drohung List Irrtum


(§ 870 ABGB) (§ 870 ABGB) (§ 871 ABGB)

Falsche Vorstellung
Widerrechtliche von der Wirklichkeit
Bewusste
Drohung
Vorspiegelung nur unter bestimmten
gegründete Furcht falscher Tatsachen Voraussetzungen
Kausalität anfechtbar
(§ 871 ABGB)

gültiger Vertrag gültiger Vertrag gültiger Vertrag

anfechtbar 3 Jahre anfechtbar 30 Jahre anfechtbar 3 Jahre ab


ab Wegfall der ab Vertragsabschluss Vertragsabschluss
Zwangslage
T1/K3/ 32
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Irrtum

Falsche Vorstellung von der Wirklichkeit

erheblicher unerheblicher

Arten

Motivirrtum Geschäftsirrtum iwS

Bedeutung nur bei

• Unentgeltlichen Geschäften Erklärungsirrtum Geschäftsirrtum ieS


• Letztwilliger Verfügung
• Familienrecht
• Motiv als Bedingung
• List

T1/K3/ 33
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Geschäftsirrtümer iwS

Erklärungsirrtum Geschäftsirrtum ieS

• Erklärung ohne Irrtum über:


Erklärungsbewusstsein
• Rechtsnatur des Geschäfts
• Erklärender verschreibt
oder verspricht sich • Inhalt (Gegenstand) des
Vertrags
• Erklärender ist sich über die
Bedeutung des Ausdrucks • Identität oder Eigenschaft
nicht im Klaren des Vertragspartners

• Vom Erklärenden zu
verantwortende
Übermittlungsfehler

T1/K3/ 34
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Anfechtung des Vertrages wegen Irrtums

Grundsatz: „Jeder muss die Folgen seines Irrtums selbst tragen.“

§ 871 Abs 1 ABGB


„War ein Teil über den Inhalt der von ihm abgegebenen oder dem anderen zugegangenen
Erklärung in einem Irrtum befangen, der die Hauptsache oder eine wesentliche Beschaffenheit
derselben betrifft, worauf die Absicht vorzüglich gerichtet und erklärt wurde, so entsteht für ihn keine
Verbindlichkeit, falls der Irrtum durch den anderen veranlasst war, oder diesem aus den Umständen
offenbar auffallen musste oder noch rechtzeitig aufgeklärt wurde.“

Irrtum vom Irrtum ist dem Irrtum beiderseitiger


Vertragspartner Vertragspartner wurde Irrtum
veranlasst aufgefallen oder rechtzeitig
hätte diesem aufgeklärt
auffallen müssen

Verjährung innerhalb von 3 Jahren ab Vertragsabschluss

T1/K3/ 35
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Rechtsfolgen der Irrtumsanfechtung

Wesentlicher Unwesentlicher
Irrtum Irrtum

Vertragspartner hätte den beide Vertragspartner hätten


Vertrag ohne Irrtum nicht den Vertrag auch trotz des
geschlossen Irrtums geschlossen, aber zu
anderen Bedingungen

Aufhebung des Vertrages Anpassung des Vertrages

T1/K3/ 36
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Ernstlichkeit von Willenserklärungen

Objektiver Erklärungswert gem


„Vertrauenstheorie“

Mental- Inhalts-, Scherz- Umgehungs-


Scheingeschäft
reservation Bindungs-, erklärung geschäft
Geltungs-,
Geschäfts-,
Jemand erklärt Kein Vertrag
bewusst etwas
Rechtsfolgen- Gültiger Vertrag über Gültiger Vertrag
wille das tatsächlich
Falsches
Gewollte,
nicht das zum
Schein Erklärte
Gültiger Vertrag gem § 916 Abs 1
Satz 2 ABGB

T1/K3/ 37
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Bestimmtheit von Willenserklärungen

§ 869 ABGB
„Die Einwilligung in einen Vertrag muss frei, ernstlich, bestimmt und verständlich erklärt werden. Ist
die Erklärung unverständlich, ganz unbestimmt, oder erfolgt die Annahme unter andern
Bestimmungen, als unter welchen das Versprechen geschehen ist; so entsteht kein Vertrag. Wer
sich, um einen andern zu bevorteilen, undeutlicher Ausdrücke bedient, oder eine Scheinhandlung
unternimmt, leistet Genugtuung.“

bestimmt bestimmbar angemessen

Ware „Ware mittlerer Art und Güte“

zB Werkvertrag
Markt- oder Börsenpreis bzw § 1152 ABGB,
ortsüblicher Preis Unternehmensrecht:
Preis
Unter Berücksichtigung des Umfelds der § 354 Abs 1 iVm
Leistungserbringung § 345 UGB

T1/K3/ 38
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Objektive (Un-)Möglichkeit des Vertragsinhalts

Rechtlich Unmögliches und faktisch Schlichte objektive anfängliche


Absurdes (§ 878 ABGB) Unmöglichkeit

Vertrag kommt nicht Nach hM kommt zwar ein


zustande (Nichtigkeit) Vertrag zustande, dieser
kann aber von niemandem
erfüllt werden

Sofern der Umstand den


Vertragspartner bekannt ist Derjenige, der die Unmöglichkeit kannte oder
oder bekannt sein müsste, fahrlässig nicht kannte, ist dem anderen
kommt nicht nur kein schadenersatzpflichtig.
Vertrag zustande, sondern (str ob Vertrauens- oder Erfüllungsinteresse)
es bestehen auch keine
sonstigen Ansprüche.

T1/K4/ 39
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Vertragsabschluss

Vorvertrag
gültiger Vertrag
(§ 936 ABGB)

Schriftliche Endfassung
Vereinbarung künftig Punktation
eines Vertrages
einen (Haupt-) Vertrag
abschließen zu wollen
Checklist Vertragsabschluss

• Übereinstimmende Willenserklärungen der


1 Jahr einklagbar Vertragspartner
• Geschäftsfähigkeit der Vertragsparteien
• uU Vorliegen einer Vertretungsmacht
• Fehlen von Willensmängeln
• Möglichkeit des Vertragsinhaltes
• Erlaubtheit des Vertragsinhaltes
• Beachtung etwaiger Formvorschriften
T1/K4/ 40
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Vertrag

Bindungswille erforderlich
Angebot Annahme

Objektive Möglichkeit des


Das Angebot muss sämtliche Vertragsinhalts
wesentlichen Angaben Konsens Dissens
enthalten

Erlaubtheit des
Vertragsinhalts
Angebot ist
empfangsbedürftig! Gegenangebot?

keine gravierende
Inäquivalenz der
Dauer der Bindungswirkung Hauptleistungen

laesio
Wucher
unter unter enormis
Anwesenden Abwesenden

T1/K4/ 41
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Fälle gravierender Inäquivalenz des Vertragsinhalts

Wucher Verkürzung über die


(§ 879 Abs 2 Z 4 ABGB) Hälfte (§ 934 ABGB)

Geschuldete Leistung ist nicht einmal die


Ausbeutung des Leichtsinns, der Hälfte der Gegenleistung wert
Zwangslage, Verstandesschwäche,
Unerfahrenheit oder Verkürzte Teil hat Recht zur „Aufhebung“ des
Gemütsaufregung Vertrages
Verkürzende Teil kann entweder Aufhebung
hinnehmen oder bis zum gemeinen Wert
aufzahlen

Wert der Leistung in auffallendem


Keine laesio enormis bei
Missverhältnis
Kenntnis der wahren Wertverhältnisse, Erwerb
zur besonderen Vorliebe, teilweisen
Schenkung, Unfeststellbarkeit des wahren
Wertes, gerichtlicher Versteigerung, Kauf in
Geltendmachung bis zu 30 Jahren Bausch und Bogen
ab Vertragsabschluss möglich
Geltendmachung bis zu 3 Jahren ab
T1/K4/ 42 Vertragsabschluss möglich
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Verbandsklage
Einzelklage AGB gem § 28 KSchG

Vereinbarung der
Geltungskontrolle Inhaltskontrolle
Geltung

unklare und gröblich unzulässige


überraschende
mehrdeutige undeutliche benachteiligende Vertragsbestand
nachteilige
Bestimmungen Bestimmungen Nebenabreden -teile (§ 6 Abs 1
Klauseln
(§ 915 ABGB) (§ 6 Abs 3 (§ 879 Abs 3 und Abs 2
(864a ABGB)
KSchG) ABGB) KSchG)

T1/K4/ 43
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aktive passive
Vertretung Stellvertretung Vertretung

3 Personen

Auftrag Vertretene
Innenverhältnis „rechtliches Müssen“
Vollmacht Außenverhältnis
Vertreter
Ermächtigung

• Handeln im Namen des


„rechtliches Dürfen“ Dritte Vertretenen (Offenlegung)
• Vorliegen einer
Vertretungsmacht
• Geschäftsfähigkeit des
Stellvertreters
• kein
stellvertretungsfeindliches
Geschäft
T1/K5/ 44
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mittelbare und unmittelbare Stellvertretung

unmittelbare
mittelbare Stellvertretung
Stellvertretung

Keine Offenlegung
Offenlegung

2 Verträge
1 Vertrag

T1/K5/ 45
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Stellvertretung und andere Rechtsinstitute

gesetzliche
Bote Treuhänder Vermittler
Interessenvertretung

T1/K5/ 46
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Begründung der Vertretung

Rechtsgeschäft organschaftliche
gesetzliche Vertretung gerichtliche Vertretung
(„Stellvertretung“) Vertretung

Innenverhältnis: zB Eltern zB Sachwalter zB Gesellschaftsrecht


Auftrag oder
Ermächtigung (§§ 167 ff ABGB) (§§ 268 ff ABGB) (§ 71 AktG,
§ 18 GmbHG)
Außenverhältnis:
Vollmacht

(§§ 1002 ff ABGB)

T1/K5/ 47
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Gesetzlich vermutete Stellvertretung

Allgemeine Vertretungs-
Verwalter- Überbringer einer
Anscheins- Ladenvollmacht befugnis des
vollmacht Quittung
vollmacht einkommenslosen,
haushaltsführenden
(§§ 1027 ff ABGB) (§ 1029 Abs 2 Ehepartners
(§ 1029 Abs 1
Satz 2 ABGB) ABGB)
„Schlüsselgewalt“
(§ 96 ABGB)
(§ 1030 ABGB) (§ 56 UGB)
Anmerkung: Für
die eingetragene
Partnerschaft
besteht eine
inhaltlich idente
Regelung (§ 10
EPG)

T1/K5/ 48
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Umfang der Vollmacht

ABGB UGB

„Formalvollmachten“

Gattungs- General- Handlungs-


Einzelvollmacht
vollmacht vollmacht
Prokura
vollmacht

(§§ 49 – 53 UGB) (§§ 54, 55, 57 UGB)

T1/K5/ 49
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Erlöschen der Vollmacht

Widerruf durch Kündigung seitens


Zeitablauf
Vollmachtgeber des Vertreters

Eintritt einer Tod des


Tod des Vertreters
Bedingung Vollmachtgebers

Ausnahmen:

Die Prokura erlischt Die Handlungsvollmacht


nicht mit dem Tod erlischt im Zweifel nicht mit
des Unternehmers dem Tod des Unternehmers
(§ 52 Abs 3 UGB) (§ 58 Abs 3 UGB)

T1/K5/ 50
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Zum Fortwirken der Vollmachten

Geschäfte, die keinen Gegenüber ständigen


Vertrauen auf das Firmenbuch
Aufschub dulden Geschäftspartnern
(§ 15 Abs 1 UGB)
(§ 1025 ABGB) (§ 1026 ABGB)
Erloschene Vollmachten wirken bei
Geschäften, die keinen Aufschub Geschützt wird der gutgläubige Dritte, Negative Publizität:
dulden (eine begrenzte Zeit), fort. der vor allem aufgrund einer Solange der einzutragende Widerruf
bestehenden Geschäftsbeziehung der Vertretungsmacht nicht in das
zum Vollmachtgeber, darauf vertraut Firmenbuch eingetragen oder nicht
Eine besondere Ausprägung ist hat, dass die Vertretungsmacht weiter
§ 11 Abs 2 RAO. Ein Rechtsanwalt ist ordnungsgemäß bekannt gemacht
besteht und der eben nichts vom wurde, kann dieser einem gutgläubigen
gegenüber seinen Mandanten Erlöschen der Vollmacht weiß oder
vierzehn Tage von der Kündigung der Dritten nicht entgegengehalten werden.
wissen musste.
Vertretung an, verpflichtet diesen vor
unmittelbar, drohenden
Achtung: Dies gilt nur für
Rechtsnachteilen zu schützen.
eintragungspflichtigeTatsachen
(zB Prokura), nicht aber für bloß
eintragungsfähige oder gar
eintragungsunfähige (zB
Handlungsvollmacht) Tatsachen .

T1/K5/ 51
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Fälle ungültiger Stellvertretung

falsus
Insichgeschäft
procurator

idR kein gültiger Vertrag kein gültiger Vertrag

Selbstkontrahieren Doppelvertretung falsus haftet für Vertretene kann


„Vertrauensinteresse“ Vertrag
(bis zum nachträglich
„hypothetischen genehmigen
Erfüllungsinteresse“) (§ 1016 ABGB)

ausdrückliche Vorteilszuwendung
T1/K5/ 52 Genehmigung
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Die rechtliche Bedeutung der Zeit

Termin Frist

rechtlich bedeutsamer Zeitpunkt rechtlich relevanter


Zeitraum
zB 31.12.2014
Befristung:
Beschränkung eines
Rechtsverhältnisses

Berechnung:
• Natürliche Fristberechnung
(zB im Sport)

• Gesetzliche Fristberechnung
(zB eine nach Tagen bestimmte Frist)

T1/K6/ 53
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Verjährung

• bedeutet Verlust des (Klage-) Rechts durch Zeitablauf

• Anspruch bleibt als Naturalobligation bestehen (§ 1432 ABGB)

• muss im Zivilprozess von der Partei eingewendet werden


(keine amtswegige Prüfung)

Nicht verjährbare Rechte

• Eigentumsrecht
• Persönliches
Freiheitsrecht
• Personen- und
Familienrechte
• Hoheitsrechte des
Staates
T1/K6/ 54
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Verjährung

allgemeine (lange)
kurze Verjährungsfrist Sonderverjährungsfrist
Verjährungsfrist

30 Jahre 3 Jahre vom Gesetzgeber


besonders bestimmt
zB Judikatschulden zB Forderungen
des täglichen zB Gewährleistungsfrist
Lebens bei beweglichen Sachen:
(§ 1486 ABGB) 2 Jahre (§ 933 ABGB)

Fristenlauf für die Verjährung beginnt in jenem Zeitpunkt, in dem das Recht erstmals
hätte ausgeübt werden können (§ 1478 ABGB).

T1/K6/ 55
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Verjährung

Hemmung Unterbrechung

schiebt den Beginn und idR Verjährungsfrist beginnt


auch die Fortsetzung der nach Wegfall des
Verjährung hinaus Unterbrechungsgrundes
von Neuem zu laufen.

Fortlaufhemmung Ablaufhemmung

Ablauf der
Verjährungsfrist
Verjährung wird
„ruht“
gehemmt

T1/K6/ 56
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Ersitzung

= originärer Rechtserwerb infolge


Zeitverlaufs

uneigentliche
eigentliche Ersitzung
Ersitzung

• redlicher, echter Besitz • redlicher, echter Besitz


• Rechtmäßigkeit (Rechtstitel, zB Vertrag) • keine Rechtmäßigkeit
• Ersitzungszeit: • Ersitzungszeit:
bewegliche Sachen: 3 Jahre bewegliche Sachen und
unbewegliche Sachen: 30 Jahre unbewegliche Sachen: 30 Jahre

T1/K6/ 57
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Verschweigung

Verschweigt jemand ein Recht, so kommt es zum Rechtsverlust und gleichzeitig zum
Rechtserwerb durch einen anderen.

(zB § 395 ABGB - Eigentumserwerb beim Fund)

Verwirkung

Jemand „verwirkt“ ein Recht, wenn er freiwillig und stillschweigend darauf verzichtet hat.

(zB Indexerhöhungen bei Mietverträgen)

T1/K6/ 58
2. Teil

Schuldrecht 
Allgemeiner Teil
o. Univ.‐Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger                                      Grundzüge des Rechts SS 2017

Schuldrecht
Schuldverhältnis

nennt man die Summe, der aus einer bestimmten Rechtsbeziehung 
zwischen Gläubiger und Schuldner bestehenden, wechselseitigen Rechte und Pflichten.

Schuldner Gläubiger

ist zu einer Leistung verpflichtet hat das Recht auf eine Leistung

T2/K1/ 2
o. Univ.‐Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger                                      Grundzüge des Rechts SS 2017

Schuldverhältnis

Sorgfalts-, Schutz- und


Hauptleistungspflichten Nebenleistungspflichten
Aufklärungspflichten
Diese charakterisieren den
Vertragstyp. Unselbständige Sorgfalts- und
zB Kaufvertrag
Nebenleistungspflichten Schutzpflichten
• Übertragung von Besitz und zB Verpackung der Ware, Übergabe Erfüllungshandlungen sind so zu setzen,
Eigentum an der Sache einer Gebrauchsanweisung dass der Gläubiger weder an seiner
(§§ 1047,1061 ABGB) Person noch an seinen sonstigen
• Zahlung des Kaufpreises Rechtsgütern geschädigt wird.
(§ 1062 ABGB)
Mietvertrag Selbständige Allgemeine Aufklärungs-,
• Überlassung der Sache zum Nebenleistungspflichten Sorgfalts- und
ungestörten Gebrauch Informationspflichten
(§§1090,1096 ABGB) zB Mitarbeiterschulungen bei
Lieferung von Software
• Zahlung des Mietzins Bestehen während, sowie tlw auch
(§ 1090 ABGB) vor (cic) und nach der Erfüllung des
Vertrages (nachvertragliche
Pflichten).

T2/K1/ 3
o. Univ.‐Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger                                      Grundzüge des Rechts SS 2017

„Schuld“ und „Haftung“

Schuld Haftung

Etwas „schulden“ Das „Einstehenmüssen“ für


bedeutet, verpflichtet zu eine Schuld nennt man
sein „Haftung“.
• eine Leistung zu Wird eine Schuld nicht erfüllt,
erbringen oder kann der Gläubiger seinen
• ein Verhalten zu Anspruch zwangsweise vor
unterlassen. Gericht durchsetzen lassen.
Grundsätzlich haftet der
Schuldner mit seinem
gesamten Vermögen
(unbeschränkte Haftung).

Sonderfall: Naturalobligation – „Schulden ohne Haftung“

T2/K1/ 4
o. Univ.‐Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger                                      Grundzüge des Rechts SS 2017

Begründung von Schuldverhältnissen

Vorvertraglicher Kontakt Erfüllung gesetzlicher


(culpa in contrahendo)
Tatbestände

Vertrag

Rechtsgeschäft zB Kaufvertrag
(§§ 1053ff ABGB)
(Abschluss und Erfüllung)
einseitiges
Rechtsgeschäft

nachvertragliche Aufklärungs-, zB Auslobung   (§§


Schutz- und Sorgfaltspflichten 860ff ABGB)

Ungerecht- Geschäfts-
Schaden- Gläubiger-
fertigte führung ohne
ersatz anfechtung
Bereicherung Auftrag
§§ 1293ff ABGB, §§ 877, 921,1041ff, §§ 1035ff ABGB §§ 27ff IO
Sondergesetze 1174, 1431ff
(PHG, EKHG etc.) ABGB, § 4 KSchG
T2/K1/ 5
o. Univ.‐Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger                                      Grundzüge des Rechts SS 2017

Mehrheit von Berechtigten und Verpflichteten

Mehrere Mehrere
Schuldner Gläubiger

Varianten von Gläubiger- und Schuldnermehrheiten


• Schuldnermehrheit: Jeder Schuldner haftet nur für seinen Anteil.
Geteilte Schuldverhältnisse
• Gläubigermehrheit: Jeder Gläubiger kann nur seinen Anteil fordern.

Gesamtschuldverhältnisse • Schuldnermehrheit: Jeder Schuldner schuldet das Ganze.


(Solidarschuldverhältnisse) • Gläubigermehrheit: Jeder Gläubiger kann das Ganze einfordern.

• Schuldnermehrheit: Die Schuldner müssen die Leistung gemeinsam erbringen.


Gesamthandschuldverhältnisse
• Gläubigermehrheit: Die Leistung ist an alle Gläubiger zu erbringen.

Rechte und Pflichten einer Vertragspartei werden auf mehrere Personen


Gespaltene Schuldverhältnisse aufgespalten.

Der Schuldner ist dem Gläubiger gegenüber verpflichtet, an einen


Verträge zugunsten Dritter Dritten zu leisten (§§ 881ff ABGB).

• Der Schuldner sagt dem Gläubiger die Leistung eines Dritten zu.
Verträge zulasten Dritter
• Sind grundsätzlich unzulässig und damit nichtig, da niemand gegen seinen
Willen verpflichtet werden kann.
Unterscheide: Verwendungszusage
T2/K1/ 6
o. Univ.‐Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger                                      Grundzüge des Rechts SS 2017

Schuldinhalt
Die geschuldete Leistung ist jenes Verhalten, das der Schuldner aufgrund des Schuldverhältnisses
zu setzen verpflichtet ist.

Bestimmbarkeit der Leistung


§ 869 ABGB

Beispiel: Kaufvertrag
• Bestimmbarkeit der Ware:
• Bei Gattungsschulden im Zweifel Sachen „mittlerer Art und Güte“ (§ 905a ABGB).
• Bestimmbarkeit des Preises:
• Im bürgerlichen Recht ist Bestimmbarkeit notwendig: zB „Marktpreis“, „orts- oder
geschäftsüblicher Preis“.
• Im Unternehmensrecht gilt im Zweifel „angemessenes Entgelt“ als vereinbart (§ 354 UGB;
einseitig unternehmensbezogenes Geschäft genügt).

Sonderfälle

Wahlschuld Ersetzungsbefugnis
(Alternativobligation) (facultas alternativa)
• Geschuldet ist die eine oder die • Nur eine der Leistungen wird
andere Leistung. geschuldet; geht diese unter,
• Ist der Gläubiger mit dem erlischt die Schuld.
Wahlrecht im Verzug, kann der • Der Schuldner hat das Recht,
Schuldner entscheiden (§ 906 die geschuldete Leistung durch
ABGB). T2/K2/ 7 eine andere zu ersetzen.
o. Univ.‐Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger                                      Grundzüge des Rechts SS 2017

Schuldinhalt

Stückschuld
Zielschuld- Dauerschuld- Gattungsschuld
(Spezies- Sachschuld Geldschuld
verhältnis verhältnis (Genusschuld)
schulden)

Einmalige Länger Leistungs- Leistungs- Leistungs- Leistungsgegen-


Leistung andauerndes gegenstand gegenstand gegenstand ist stand ist Geld
geschuldet oder regelmäßig durch durch eine Ware oder Nebenvereinbarung:
wiederkehrendes individuelle generelle Leistung Wertsicherungsklausel
Verhalten Merkmale Merkmale = Vereinbarung, nach
geschuldet festgelegt festgelegt der die geschuldete
Summe nach einem
zB das bekannte zB ein Pferd vereinbarten Faktor
Rennpferd aufgewertet wird
namens Blitz

T2/K2/ 8
o. Univ.‐Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger                                      Grundzüge des Rechts SS 2017

Schuldinhalt
Leistungszeit Leistungsort
(Fälligkeit) (Erfüllungsort)

• nach Vereinbarung • nach Vereinbarung


• nach gesetzlicher Vorschrift • nach gesetzlicher Vorschrift
• nach Natur oder Zweck der Leistung • nach Natur oder Zweck der Leistung
• nach Aufforderung („Mahnung“) • im Zweifel: Holschuld (§ 905 ABGB)
Erfüllungsort ist der Wohnsitz des Schuldners.
• im Zweifel: Leistung „Zug um Zug“ • Spezialfall Geldschuld (iZw Bringschuld;
(§ 1052 S 1 ABGB): „Einrede des Wohnsitz bzw Niederlassungsort des
nicht erfüllten Vertrages“ Gläubiger)

Mögliche abweichende Vereinbarungen: Mögliche abweichende Vereinbarungen:


• Bringschuld
• Vorausleistungsvereinbarung
Erfüllungsort ist der Wohnsitz des Gläubigers.
•„Unsicherheitseinrede“ (§ 1052 S 2 ABGB) • Schickschuld
• Stundung Erfüllungsort ist der Wohnsitz des Schuldners; der Schuldner
hat die Sache jedoch an den Gläubiger zu versenden.
• ändert Fälligkeit  daher kein Verzug zB Versendungskauf (§ 429 ABGB)

Sonderfall „reine Stundung“: Fälligkeit bleibt •qualifizierte Schickschuld


unverändert  Verzug (Zinsen!) Der Schuldner trägt die Gefahr, dass die Sendung auch
T2/K2/ 9 ankommt.
o. Univ.‐Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger                                      Grundzüge des Rechts SS 2017

Geldschulden

Geld ist ein von der Gemeinschaft anerkanntes Zahlungsmittel;


die österreichische Währung ist der Euro

Beachte bei Verbrauchergeschäften: Sofern Barzahlung nicht üblich ist, hat der Unternehmer dem
Verbraucher zur Erfüllung ein Bankkonto bekanntzugeben (§ 6a Abs 1 KSchG).

Geld muss grds zum Nenn- bzw Nominalwert angenommen werden.

Eine Geldschuld ist am Wohnsitz oder an der Niederlassung des Gläubigers zu erfüllen (§ 907a Abs
1 ABGB).

Wird eine Gelschuld durch Banküberweisung erfüllt,


• so hat der Schuldner den Überweisungsauftrag so rechtzeitig zu erteilen, dass der geschuldete
Betrag bei Fälligkeit auf dem Konto des Gläubigers wertgestellt ist (Bringschuld gem § 907a
Abs 2 ABGB).
• Bei Verbrauchergeschäften genügt es für die Rechtzeitigkeit, dass der Verbraucher am Tag der
Fälligkeit den Überweisungsauftrag erteilt (gem § 907a Abs 2 S 1 ABGB).

T2/K2/ 10
o. Univ.‐Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger                                      Grundzüge des Rechts SS 2017

Bedingte Schuldverhältnisse 
Schuldverhältnisse können durch den Eintritt einer Bedingung ihre
Rechtswirkungen entfalten, ändern oder ihr Ende finden.
Achtung: Es gibt auch befristungs- bzw bedingungsfeindliche Rechtsgeschäfte.

Arten von Bedingungen

Suspensiv- Resolutiv- Zufalls- Potestativ- Positive Negative


bedingung bedingung bedingung bedingung Bedingung Bedingung

Schiebt die Hebt die Die Vertrags- Ein Vertrags- Es geht um den Es geht um den
Rechts- Rechts- partner haben partner hat Eintritt eines Nichteintritt
wirkungen wirkungen auf keinen Einfluss Einfluss auf Ereignisses. eines
auf auf den Eintritt. den Eintritt der Ereignisses.
Bedingung.
Bis zum Eintritt Bis zum Eintritt der
der Suspensiv- Resolutivbedingung
bedingung hat besteht das
der bedingt zugesagte Recht;
Berechtigte mit ihrem Eintritt geht
lediglich eine es unter.
Anwartschaft
auf das
Versprochene.
T2/K4/ 11
o. Univ.‐Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger                                      Grundzüge des Rechts SS 2017

Abschluss des Vertrages Willenserklärungen
• mündlich
Einigung über den Vertragsinhalt • schriftlich
• konkludent (§ 863 ABGB)

abgeschlossener
Verhandlungsstadium (Aussteige-)Option
(Haupt)Vertrag

Noch kein Schuldinhalt, aber Besteht zwar bereits ein Gestaltungsrecht einer Partei,
bereits gegenseitige Schriftstück mit den wesentlichen einen Vertrag in Kraft oder außer
Aufklärungs-, Schutz- und Vertragspunkten, soll dieses aber Kraft zu setzen
Sorgfaltspflichten aus der culpa noch schriftlich ausformuliert
Spezialfall:
in contrahendo werden, spricht man beim Entwurf
Reugeld (§ 909 ABGB)
von einer Punktation (§ 885
ABGB). Rücktrittsrecht gegen vereinbartes
Entgelt (unterliegt Mäßigungsrecht
Die Punktation enthält bereits die gem § 7 KSchG)
Vorvertrag Hauptpunkte des Vertrags und ist
(§ 936 ABGB) unterschrieben. Eine Klage auf
Leistung aus dem Hauptvertrag ist
• Vertrag über den künftigen
möglich.
Abschluss eines Haupt-
vertrages
• Klage auf Abschluss des
T2/K2/ 12
Hauptvertrages (Frist 1 Jahr)
o. Univ.‐Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger                                      Grundzüge des Rechts SS 2017

Schuldinhalt
Nebenvereinbarungen

Angeld (§ 908 ABGB) Vertragsstrafe (§ 1336 ABGB)


(Achtung: Unterscheide die „Anzahlung“!)

„Pauschalierter“ Schadenersatz
Zahlung bei Vertragsabschluss für den Fall der Nichterfüllung oder
nicht gehörigen Erfüllung

Verschulden erforderlich Grundsätzlich Verschulden, aber


kein Schaden erforderlich

Richterliches Mäßigungsrecht
(§ 1336 Abs 2 ABGB)
Verschulden des Verschulden des
Angeldzahlers an Angeldnehmers an
der Vertragsauflösung der Vertragsauflösung Ersatz des über die Konventionalstrafe
hinaus gehenden Schadens kann
geltend gemacht werden; gegenüber
einem Verbraucher allerdings nur, wenn
Verfall des Betrages (Rück-)Zahlung der dies „im Einzelnen ausgehandelt “ wurde
doppelten Summe (§ 1336 Abs 3 ABGB).
T2/K2/ 13
o. Univ.‐Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger                                      Grundzüge des Rechts SS 2017

Änderung des Schuldinhalts
Schlichte Novation
Feststellungsvertrag
Schuldänderung §§ 1376ff ABGB

Parteienübereinkunft über die Parteienübereinkunft über die Umstrittenes wird durch


Änderung von Änderung des Rechtsgrundes Parteienübereinkunft neu geregelt.
Nebenbestimmungen oder der Haupt(leistungs)- Konstitutives
zB Leistungszeit oder -ort, pflichten (rechts- Vergleich
Vereinbarung eines Rücktrittsrechts („Die alte Verbindlichkeit geht in eine begründendes) §§ 1380ff ABGB
neue über“) Anerkenntnis
Einseitiges Nach- Nachgeben beider
geben einer Partei Parteien
Grundsätzlich keine Anfechtung wegen
Irrtums über die verglichenen Punkte

Einwendungen Einwendungen Einwendungen


Einwendungen bleiben erhalten Einwendungen gegen die alte Einwendungen gegen die bisherige
Leistungspflicht können auch Verbindlichkeit können gegen die
gegen die neue erhoben werden. festgestellte nicht mehr erhoben
werden  Bereinigungswirkung

Sicherheiten: Sicherheiten: Sicherheiten:


Bürgen und Pfänder haften im Bürgen und Pfänder haften nicht Bürgen und Pfänder haften im
übernommenen Ausmaß weiter, da weiter (§ 1378 ABGB). übernommenen Ausmaß weiter (§ 1390
das ursprüngliche Forderungsrecht ABGB; aber Verschlechterungsverbot).
erhalten bleibt (beachte aber das
T2/K2/ 14
Verschlechterungsverbot).
o. Univ.‐Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger                                      Grundzüge des Rechts SS 2017

Änderung der Vertragspartner
Vertrags- Übernahme von Übernahme von
übernahme Forderungen Schulden

Rechts- Sonderfall
Gesetzliche Schuldner-
geschäftliche Schuldbeitritt Erfüllungs-
wechsel
übernahme

Gläubiger- Gläubiger- Sonderfall


beitritt wechsel Anweisung

Rechtsgeschäftliche Zession Gesetzliche Zession


Forderungseinlösung
(Forderungsabtretung) („cessio legis“)
(§§ 1422f ABGB)
(§§ 1392ff ABGB) (§ 1358 ABGB)

T2/K2/ 15
o. Univ.‐Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger                                      Grundzüge des Rechts SS 2017

Vertragsübernahme
Rechtsgeschäftliche Vertragsübernahme

Das ABGB kennt nur die rechtsgeschäftliche Übertragung von Forderungen (Zession) und
die Übernahme von Schulden; die Übertragung eines Schuldverhältnisses als Ganzes ist
nicht ausdrücklich gesetzlich geregelt. Nach Lehre und Rsp ist eine solche zulässig
(Privatautonomie).
• Voraussetzung ist die Zustimmung aller beteiligten Parteien.
• Der Vertragsübernehmer übernimmt alle Verpflichtungen, Forderungen und
Gestaltungsrechte ohne Änderung des Schuldverhältnisses (Einheitstheorie).
Gesetzliche Vertragsübernahme
Ein Vertragsverhältnis wird von einer bestimmten Person ex lege übernommen.

Beispiele:
• Der Erwerber eines Bestandobjektes tritt gem § 1120 ABGB bzw § 2 Abs 1 MRG in bestehende
Mietverträge ein.
• Gem § 14 MRG treten beim Tod des Hauptmieters nahe Angehörige, die schon bisher im
gemeinsamen Haushalt lebten, ex lege in den Mietvertrag ein.
• Gem § 12 MRG kann der Hauptmieter einer Wohnung den Mietvertrag ohne Zustimmung des
Vermieters auf nahe Angehörige übertragen, die schon bisher im gemeinsamen Haushalt lebten.
• Gem § 38 (1) UGB übernimmt der Erwerber eines Unternehmens, der dieses fortführt, sofern
nichts anderes vereinbart ist, zum Zeitpunkt des Unternehmensüberganges die
unternehmensbezogenen, nicht höchstpersönlichen Rechtsverhältnisse des Veräußerers mit
den bis dahin entstandenen Rechten und Pflichten.
T2/K2/ 16
o. Univ.‐Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger                                      Grundzüge des Rechts SS 2017

Übernahme von Forderungen
Gläubigerbeitritt Gläubigerwechsel

Rechtsgeschäftliche Zession Notwendige Zession


Gesetzliche Zession
(Forderungsabtretung) (Forderungseinlösung)
(„cessio legis“)
§§ 1392ff ABGB §§ 1422f ABGB
Änderung der Rechtszuständigkeit auf Zwischenform zwischen rechts- Änderung der Rechtszuständigkeit auf
Seiten des Gläubigers durch geschäftlicher und gesetzlicher Seiten des Gläubigers aufgrund des
Rechtsgeschäft Zession Gesetzes (ex lege)

• Willensübereinstimmung zwischen • Wer die Schuld eines anderen, für die • Wer eine fremde Schuld bezahlt,
Altgläubiger (Zedent) und Neugläubiger er nicht haftet, bezahlt, kann vor oder für die er – als Bürge oder als
(Zessionar); Zustimmung des bei Zahlung vom Gläubiger die Pfandbesteller – haftet, tritt ex lege
Schuldners ist nicht erforderlich. Abtretung seiner Rechte verlangen. in die Rechte des Gläubigers ein und
• Bis zur Verständigung von der Zession • Hat er dies getan, so wirkt die Zahlung kann somit die Forderung gegen den
kann der Schuldner schuldbefreiend an als Einlösung der Forderung (§ 1422 Schuldner geltend machen (§ 1358
den Altgläubiger leisten (§ 1395 S 2 ABGB). ABGB).
ABGB). • Weiters gehen zB Schadenersatz-
• Der Schuldner hat alle Einwendungen ansprüche des Versicherten gegen den
auch gegen den Neugläubiger (§ 1396 Schädiger ex lege auf den Versicherer
ABGB). über, der den Schaden deckt (§ 67
VersVG, § 332 ASVG).
• Gewährleistung: Bei der entgeltlichen
Zession haftet der Altgläubiger für
Richtigkeit und Einbringlichkeit der
T2/K2/ 17
Forderung nur bis zur Höhe des
erhaltenen Entgelts (§ 1397 S 2 ABGB).
o. Univ.‐Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger                                      Grundzüge des Rechts SS 2017

Übernahme von Schulden
Schuldbeitritt Schuldnerwechsel
Sonderfall Sonderfall
(kumulative Schuld- (privative Schuld-
Erfüllungsübernahme Anweisung
übernahme) übernahme)
(§ 1404 ABGB) (§§ 1400ff ABGB)
(§ 1406 Abs 2 ABGB) (§ 1405ff ABGB)
Neben den Altschuldner tritt Die Schuld geht vom Jemand verpflichtet sich Der Anweisende ermächtigt den
ein weiterer Schuldner hinzu. Altschuldner auf den lediglich im Verhältnis zum Angewiesenen auf seine
Neuschuldner über. Der Schuldner zur Leistung von Rechnung an den Anweisungs-
Altschuldner wird befreit. dessen Schuld. empfänger zu leisten.

Keine Zustimmung des Bedarf der Zustimmung des Gläubiger hat grundsätzlich Anweisungsempfänger
Gläubigers erforderlich Gläubigers kein Forderungsrecht gegen- (Gläubiger des Anweisenden)
über dem die Erfüllung hat bis zur Annahme
Bedarf der Schriftform Übernehmenden, da dieser grundsätzlich kein
(neue Rsp seit OGH 4 Ob nur eine Verpflichtung Forderungsrecht gegen den
205/09i) gegenüber dem Schuldner Angewiesenen (Schuldner des
hat. Anweisenden)
Bürgschaften und Pfänder Bürgschaften und Pfänder • Das Versprechen besteht
bleiben bestehen gehen unter nur im Innenverhältnis.
Bürgschaften und Pfänder
bleiben bestehen.
Sonderform: Sonderform: Bürgschaften und Pfänder
Gesetzlicher Schuldbeitritt Hypothekenübernahme bleiben bestehen.
• Bei Übernahme eines Der Erwerber eines belasteten
Unternehmens oder Grundstücks übernimmt auch
Vermögens die am Grundstück lastenden
Schulden. Er haftet für diese
•§§ 1409 ABGB, 38 Abs 4 UGB, mit dem Grundstück.
14 BAO, 67 Abs 4 ASVG T2/K2/ 18
§ 1408 ABGB
o. Univ.‐Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger                                      Grundzüge des Rechts SS 2017

Gesetzlicher Schuldbeitritt
bei Unternehmens‐ bzw Vermögensübernahme

Übernahme eines Übernahme und Fortführung eines unter Lebenden


Unternehmens oder eines erworbenen Unternehmens
gesamten Vermögens im Wege
§ 38 UGB Weitere Bestimmungen, ua
der Veräußerung § 14 BAO, § 67 Abs 4 ASVG
(Kauf, Tausch, Schenkung)
Gesetzl. Vertragsübernahme Schuldbeitritt
§ 1409 ABGB Erwerber übernimmt mangels Veräußerer haftet für die vom
abweichender Vereinbarung alle bis zum Erwerber übernommenen bis
„Haftungsfondtheorie“ Unternehmensübergang entstandenen, zum Unternehmensübergang • Haftung für Abgaben (§ 14 BAO)
unternehmensbezogenen, entstandenen,
Haftung des Erwerbers eines
„Betrifft nur die zum Unternehmen nicht höchstpersönlichen RV unternehmensbezogenen,
Unternehmens für Abgaben und
bzw zum Vermögen gehörenden des Veräußerers (§ 38 Abs 1 UGB). nicht höchstpersönlichen
Steuerabzugsbeträge der vergangenen
Verbindlichkeiten, die der Verbindlichkeiten fort.
Unbeschränkte Haftung des Erwerbers 12 Monate, die er kannte oder kennen
Übernehmer kannte oder kennen
für Verbindlichkeiten (unabhängig davon, musste.
musste.
ob auch das der Schuld zugrunde Unbeschränkte Haftung des
liegende Rechtsverhältnis übernommen Veräußerers für diese • Haftung für Sozialversicherungs-
Übernehmer haftet bis zum Wert wurde). „Altverbindlichkeiten“ aber beiträge (§ 67 Abs 4 ASVG)
des übernommenen Unternehmens nur, soweit sie vor Ablauf
Haftungsausschluss gem § 38 Abs 4 Haftung des Erwerbers eines
oder Vermögens („pro viribus“- von fünf Jahren nach dem
UGB gegenüber Dritten wirksam, wenn Unternehmens für
Haftung). Unternehmensübergang fällig
dies im Firmenbuch eingetragen, auf Sozialversicherungsbeiträge der
werden. vergangenen 12 Monate.
Haftung kann durch verkehrsübliche Weise bekannt gemacht
Parteienübereinkunft nicht oder dem Dritten vom Veräußerer oder
ausgeschlossen werden Erwerber mitgeteilt wurde.
(§ 1409 Abs 3 ABGB). Dritter kann der Vertragsübernahme
widersprechen: Haftung nach anderen 
Keine Haftung bei Erwerb im Zuge Daher werden lediglich jene Rechtsvorschriften bleibt 
eines Insolvenzverfahrens oder Vertragsverhältnisse, bezüglich derer kein jedoch unberührt (§ 38 Abs 
mittels Zwangsvollstreckung Widerspruch erhoben wurde vom 6 UGB)
(§ 1409a ABGB). Erwerber übernommen. Aber Achtung:
Dies kann dazu führen, dass der
Erwerber trotzdem haftet, obwohl er nicht
gleichzeitig Vertragspartner ist.
T2/K2/ 19
o. Univ.‐Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger                                      Grundzüge des Rechts SS 2017

Leistungsstörungen
Hauptleistungspflichten Nebenleistungspflichten

Sonstige („positive“)
Nichterfüllung Schlechterfüllung
Vertragsverletzungen

Verletzung von Schutz- und


Sorgfaltspflichten:

(nachträgliche) • Mangelfolgeschaden
Schaden an sonstigen
Unmöglichkeit der Verzug Gewährleistung Vermögensgütern, der durch eine
Leistung mangelhafte Leistung verursacht wird

Leistung nicht zur gehörigen • Begleitschaden


Erbringung der Leistung Zeit, am gehörigen Ort oder auf Einstehenmüssen für Schaden, der durch eine reine
steht ein dauerndes die bedungene Weise Mängel, welche die Leistung Schutzpflichtverletzung verursacht
Hindernis entgegen erbracht bzw angenommen bei ihrer Erbringung aufweist wird; die Leistung selbst ist nicht
mangelhaft

Schuldnerverzug Gläubigerverzug
T2/K3/ 20
o. Univ.‐Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger                                      Grundzüge des Rechts SS 2017

(nachträgliche) Unmöglichkeit der Leistung
Unterscheide: In den Fällen „geradezu Gilt nicht für Geldschulden! Wer Geld
unmöglicher Vertragsinhalte“ gem § 878 schuldet aber keines hat, ist
ABGB (= anfängliche Unmöglichkeit) zahlungsunfähig (siehe Insolvenzrecht)
kommt gar kein Vertrag zustande

Zufall: Weder vom Schuldner noch


Vom Schuldner zu verantwortendes Vom Gläubiger zu verantwortendes
vom Gläubiger zu verantwortendes
Unmöglichwerden der Leistung Unmöglichwerden der Leistung
Unmöglichwerden der Leistung
(§§ 920f ABGB) (im ABGB nicht ausdrücklich geregelt)
(§ 1447 ABGB)

Der Schuldner hat die Leistungs- Die Leistungserbringung wird vom Gläubiger Weder Schuldner noch Gläubiger haben die
unmöglichkeit verschuldet oder sie sonst zu vereitelt. Leistungserbringung vereitelt oder das
vertreten; er hat das „Erfüllungsinteresse“ Unmöglichwerden zu vertreten.
zu ersetzen, dh der Vertragspartner ist so zu
stellen, wie er stünde, wäre der Vertrag
ordnungsgemäß erfüllt worden.

Der Vertrag bleibt (vorerst) aufrecht. Der Vertrag bleibt aufrecht. Der Vertrag zerfällt.
Dem Gläubiger kommt hier ein Sphärentheorie: Der Gläubiger hat seine Bereits Geleistetes ist zurückzustellen.
Wahlrecht zu. Er kann entweder Leistung zu erbringen (also etwa den Ist dies nicht möglich, ist der Wert der
Kaufpreis zu bezahlen), obwohl er selbst Vorleistung bzw das stellvertretende
• am Vertrag festhalten, also seine
keine Leistung erhält. Anrechnung dessen, commodum zu ersetzen.
Leistung erbringen und als Erfüllungs-
was sich der Schuldner erspart hat.
interesse den Wert der vereitelten
Gegenleistung fordern Den Gläubiger trifft somit die
(Austauschanspruch); Gegenleistungs- bzw Preisgefahr.
• oder vom Vertrag zurücktreten; sodann
braucht er seine eigene Leistung nicht zu
erbringen und kann als Erfüllungsinteresse
bei einer höherwertigen vereitelten Gegen-
T2/K3/ 21
leistung die Wertdifferenz verlangen
(Differenzanspruch).
o. Univ.‐Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger                                      Grundzüge des Rechts SS 2017

Verzug
Zur Fälligkeit der Leistung

• Vereinbarung
• Natur der Sache
• Gesetzliche Anordnung

Fixgeschäft
„Einfaches Zeitgeschäft“
(§ 919 ABGB)
„Mahnung“ zur
Festlegung des
Leistungszeitpunkts

Leistungszeitpunkt
Bei Überschreiten:
Setzen einer angemessenen Nachfrist

Keine Androhung der Unter Androhung der


Vertragsauflösung Vertragsauflösung

bei Überschreiten zerfällt Vertrag


• Gegebenes ist zurückzustellen
• Bei Verschulden
Schadenersatzanspruch T2/K3/ 22
(Erfüllungsinteresse)
o. Univ.‐Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger                                      Grundzüge des Rechts SS 2017

Verzug beim „einfachen Zeitgeschäft“
Vorläufige Nichterfüllung der Leistung

Schuldnerverzug Gläubigerverzug
(Leistungsverzug) (Annahmeverzug)

Schuldner trifft kein Verschulden Schuldner trifft Verschulden an IdR ist der Gläubiger nicht zur Annahme
an der Nichtleistung der Nichtleistung verpflichtet, jedoch gerät er, wenn er nicht
annimmt, in Annahmeverzug.
„objektiver Verzug“ „subjektiver Verzug“
Kein Annahmeverzug liegt jedoch vor, wenn eine
Leistung, die einen offenen Mangel aufweist,
Gläubiger kann entweder nicht angenommen wird.
• weiterhin Erfüllung verlangen und Sollte der Gläubiger vereinbarungsgemäß zur
muss seine Leistung erbringen oder Rechtsfolgen wie beim objektiven Verzug Abnahme verpflichtet sein, so wird er als
• unter Setzung einer Nachfrist vom Schuldner behandelt (Schuldnerverzug).
Vertrag zurücktreten. § 918 Abs 1 ABGB.

Bei Verträgen, die wechselseitig in Teilleist- Dazu: Schadenersatzansprüche Gläubiger trifft Preisgefahr
ungen zu erbringen sind, kann der Gläubiger (Gegenleistungsgefahr), dh er trägt das Risiko,
• bei Erfüllung: Ersatz des
nicht nur bezüglich der säumigen seine eigene Leistung erbringen zu müssen,
Verspätungsschadens, dh jenen
Teilleistungen, sondern auch bezüglich aller obwohl er – wegen deren zufälligen Untergangs –
Schaden, der dadurch entstanden ist,
weiteren, noch nicht fälligen Teilleistungen, keine Gegenleistung erhält. (§ 1419 ABGB);
dass die Leistung zu einem späteren
vom Vertrag zurücktreten (§ 918 Abs 2 Der Schuldner haftet nur mehr für vorsätzliche
Zeitpunkt erbracht wird.
ABGB). oder grob fahrlässige Beschädigung des
• bei Rücktritt vom Vertrag: Ersatz des Leistungsgegenstandes.
Schuldner trägt die Preisgefahr Erfüllungsinteresses (§ 921 ABGB);
(Gegenleistungsgefahr), dh er trägt das der Gläubiger ist so zu stellen, wie er
Risiko des zufälligen Untergangs der stünde, wenn der Vertrag Der Schuldner darf seine Leistung mit
geschuldeten Sache und erhält somit keine ordnungsgemäß erfüllt worden wäre. schuldbefreiender Wirkung gerichtlich
Gegenleistung. hinterlegen oder einem gerichtlich bestellten
Verwalter (Sequester) übergeben. Allfällige
Bei Geldschulden gebühren Verzugs- Mehraufwendungen sind nach der GoA zu
zinsen; Höhe im Zweifel 4% (§ 1333 iVm beurteilen.
§ 1000 ABGB) ; im beiderseitigen
Unternehmergeschäft 9,2% über dem Basis- T2/K3/ 23
zinssatz (derzeit daher 9,08%; § 456 UGB).
o. Univ.‐Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger                                      Grundzüge des Rechts SS 2017

Verzug beim Fixgeschäft (§ 919 ABGB)
Vereinbarungsgemäß muss der Vertrag innerhalb einer bestimmten Frist oder zu einem
bestimmten Zeitpunkt erfüllt werden. Bereits bei Abschluss des Vertrages wird vereinbart, dass
eine verspätete Erfüllung nicht mehr angenommen wird.

Fixgeschäft aufgrund der Natur


Fixgeschäft kraft ausdrücklicher des Geschäftes oder des dem
Vereinbarung Verpflichteten bekannten
Zwecks der Leistung

Nichterfüllung bei Fälligkeit


• Ohne weitere Rücktrittserklärung oder Nachfristsetzung „zerfällt“ der Vertrag.

• Vorausgeleistetes ist zurückzustellen.


• „Rettung des Vertrages“ durch den Gläubiger:
Trotz Verstreichens des Fälligkeitszeitpunkts kann der Gläubiger auf Erfüllung
bestehen, wenn er dies dem Schuldner unverzüglich mitteilt. Das Fixgeschäft wird
dadurch zum „einfachen Zeitgeschäft“.
Möglich ist dies aber überhaupt nur bei Vorliegen eines relativen Fixgeschäfts, wenn also eine
Erfüllung nach Fälligkeit überhaupt noch möglich ist. Beim absoluten Fixgeschäft (zB das
Filmen eines Hochzeitszuges) bleibt es bei der Vertragsauflösung, da die Leistung unmöglich
geworden ist.
• Schadenersatzansprüche (Nichterfüllungs- oder Verspätungsschaden) sind uU
denkbar.
T2/K3/ 24
o. Univ.‐Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger                                      Grundzüge des Rechts SS 2017

Gewährleistung
Gewährleistung ist die bei entgeltlichen Verträgen gesetzlich normierte Haftung des Schuldners
für Sach- und Rechtsmängel, welche die Leistung im Zeitpunkt ihrer Erbringung aufweist.
(Maßgeblich ist somit idR die Übergabe/Ablieferung der Sache.)

Wiederherstellung der vereinbarten Relation der vertraglichen Leistungen zueinander:


Störungen der subjektiven Äquivalenz sollen ausgeglichen werden.
(Dass die vertraglichen Leistungen einander nach objektiven Wertansätzen entsprechen, ist nicht
Regelungsgegenstand der Gewährleistung.)

Bei einer Anderslieferung (aliud)


Sonderbestimmungen:
leistet der Schuldner nicht • Zession: §§ 1397ff ABGB
mangelhaft, sondern überhaupt §§ 922ff ABGB
• Bestandvertrag: §§ 1096 ff ABGB
etwas anderes als er schuldet. Der Kauf, Tausch, Werkvertrag
Schuldner wird so betrachtet, als (iVm § 1167 ABGB) • beiderseitiges Unternehmergeschäft:
hätte er gar nicht geleistet; er gerät §§ 377f, 381 Abs 2 UGB
in Schuldnerverzug.
• Verbrauchergeschäft: §§ 8ff KSchG

T2/K3/ 25
o. Univ.‐Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger                                      Grundzüge des Rechts SS 2017

Arten von Mängeln 1
Unbeachtliche Beachtliche
Offenkundige Offene Verdeckte
Sachmängel Rechtsmängel (unerhebliche) (erhebliche)
Mängel Mängel Mängel
Mängel Mängel

Sind körperliche Sind gegeben, Sind Mängel, die Sind Mängel, die Sind Mängel, die Minimaler Mangel; Gewährleistungs-
Mängel wenn der Schuldner bereits bei durch sach- trotz sachgemäßer daher kein rechtlich relevante
• Fehlen dem Gläubiger Vertragsabschluss gemäße Untersuchung der Gewährleistungs- Abweichung vom
ausdrücklich nicht die offensichtlich sind Untersuchung der Sache nach anspruch vertraglich
vereinbarter versprochene Sache nach Ablieferung nicht Geschuldeten;
Eigenschaften Rechtsposition Ablieferung feststellbar sind Gewähr-
verschafft feststellbar sind leistungsan-
oder spruch kann
• Fehlen Keine Gewähr- bestehen
verkehrsüblicher Die Gewährleistungsfrist
leistungsansprüche,
Eigenschaften beginnt auch hier ab der
da diese Mängel
Übergabe zu laufen.
gewöhnlich schon bei
(strittig)
der Preisvereinbarung
berücksichtigt werden.
Gewährleistungs- Gewährleistungs- (§ 928 ABGB)
frist beginnt idR ab frist beginnt ab Ausnahme:
Übergabe Erkennbarkeit des ausdrückliche Zu-
Rechtsmangels, sicherung der
wenn also ein Eigenschaft oder
Dritter Ansprüche arglistiges Relevanz beim
auf die Sache Verschweigen des beiderseitigen Relevanz beim
erhebt, die mit Mangels Unternehmer- beiderseitigen
überwiegender geschäft: lösen Unternehmer-
Wahrscheinlichkeit sofortige geschäft: Mängel sind
zu Recht bestehen. Mängelrüge- erst zu rügen, wenn
obliegenheit aus sie entdeckt werden.
§ 377 UGB.
T2/K3/ 26
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Arten von Mängeln 2
Nicht
Qualitäts- Quantitäts- Behebbare Unbehebbare Geringfügige
geringfügige
mängel mängel Mängel Mängel Mängel
Mängel

Betreffen Art und Betreffen die Lassen sich mit Sind entweder Zwar ist der
Der ordentliche
Eigenschaft der Menge der wirtschaftlich • überhaupt nicht vereinbarte bzw
Gebrauch der
geschuldeten geschuldeten vernünftigen oder ordentliche
Sache ist nicht
Leistung Leistung Mitteln • nicht mit Gebrauch der
möglich
(vertretbaren wirtschaftlich Sache möglich,
Kosten) vernünftigen dennoch liegt eine
beseitigen Mitteln unerwünschte
Bei Behebbarkeit: Bei Behebbarkeit: (vertretbaren Abweichung der
Kosten) zu Schuldnerleistung
• primäre • primärer
beseitigen vor.
Gewährleistungs- Gewährleistungs-
behelfe: behelf:
Verbesserung Nachtrag des • primäre • primäre
durch Fehlenden Bei Gattungssachen Gewährleistungs- Gewährleistungs-
Beseitigung des ist auch eine behelfe: behelfe:
• sekundär: Mangelbehebung Verbesserung Verbesserung
Qualitätsmangels
Preisminderung, durch Austausch (Nachbesserung (Nachbesserung
oder Austausch
Wandlung möglich, selbst wenn oder Nachtrag des oder Nachtrag des
(bei Gattungs-
sache) die Reparatur der Fehlenden), Fehlenden),
Sache wirtschaftlich Austausch (bei Austausch (bei
• sekundär: nicht vertretbar wäre Gattungssache) Gattungssache)
Preisminderung,
Wandlung • sekundär: • sekundär:
Preisminderung Preisminderung,
Wandlung

T2/K3/ 27
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Gewährleistungsbehelfe (§ 932 ABGB)
Verbesserung
• Wahlrecht des
• Nachbesserung Übernehmers
oder • Übergeber kann geltend
Primäre Gewährleistungsbehelfe • Nachtrag des Fehlenden machen, dass der eine
Behelf unmöglich oder mit
unverhältnismäßig hohem
• Unbehebbarkeit des Mangels Aufwand im Vergleich zum
• Verweigerung durch den Übergeber anderen verbunden ist
Austausch
• Unverhältnismäßig hoher Aufwand für
den Übergeber
• Verzug mit Verbesserung oder Austausch
• Erhebliche Unannehmlichkeiten für den
Übernehmer
Preisminderung
• Unzumutbarkeit aus triftigem, beim
Übergeber liegenden Grund • Angemessene Minderung
des Entgelts • Wahlrecht des
• Relative Berechnungs- Übernehmers
Sekundäre Gewährleistungsbehelfe methode: Minderung des • Beim geringfügigen Mangel
Entgelts im Verhältnis zum keine Wandlung
(objektiven) Wertverlust

Wandlung

• Aufhebung des Vertrags

T2/K3/ 28
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Gewährleistung und Verbrauchergeschäft
Erfüllungsort der Gewährleistung als Gewährleistung bei
Vertragliche Garantie
Verbesserung zwingendes Recht Montage
§ 9b KSchG
§ 8 KSchG § 9 KSchG § 9a KSchG
Ein Unternehmer, der zur Das Gewährleistungsrecht • Wenn ein Unternehmer zur • Gibt ein Unternehmer eine
Verbesserung oder zum des Verbrauchers darf nicht Montage verpflichtet ist, vertragliche
Austausch verpflichtet ist, ausgeschlossen, jedoch wie haftet er auch für die, bei der Garantieerklärung ab (dh
muss diese durchführen: folgt eingeschränkt werden. Montage durch unsach- verpflichtet er sich bei
• Am Übergabeort gemäßes Verhalten Mangelhaftigkeit der Sache
• Bei Versendung oder entstandenen Mängel an zur Verbesserung, Austausch
• Nach Kenntnis des Mangels der Sache. etc.) muss er ausdrücklich
Transport der Sache an einen
kann der Verbraucher auf darauf hinweisen, dass dadurch
anderen Ort (im Inland) an • Wenn die Montage durch den
seine Rechte aus gesetzliche Gewährleistungs-
diesem (Bestimmungsort) Verbraucher vorgesehen ist,
Gewährleistung verzichten ansprüche nicht beschränkt
• Wenn es der Verbraucher haftet der Unternehmer auch
oder diese durch Absprache werden.
verlangt und die Beförderung für Mängel an der Sache, die
mit dem Übergeber
der Sache zum Unternehmer durch Fehler der Montage- • Der Unternehmer ist sowohl
modifizieren.
für den Verbraucher untunlich anleitung verursacht wurden. an die Zusage in der
• Bei der Veräußerung von
ist, an jenem Ort (im Inland), Beachte: Es handelt sich hier um Garantieerklärung als auch
an dem sich die Sache gebrauchten beweglichen eine verschuldensunabhängige an den in der Werbung
gewöhnlich befindet. Sachen kann die Haftung für einen Mangelfolge- bekannt gemachten Inhalt
(Aufenthaltsort) Gewährleistungsfrist auf schaden. der Garantie gebunden.
1 Jahr reduziert werden,
Der Unternehmer kann, sofern dies im Einzelnen
soweit nicht untunlich, die ausgehandelt wurde.
Übersendung der Sache
durch den Verbraucher
verlangen. Er trägt jedoch
T2/K3/ 29
Gefahr und Kosten des
Transports. § 8 Abs 2 KSchG
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Ausschluss der Gewährleistung
Gesetzlicher Vertraglicher
Gewährleistungsausschluss Gewährleistungsausschluss

• Rechte aus Gewährleistung können durch


Offenkundige Parteienvereinbarung eingeschränkt oder
Kauf in Pausch und Bogen
Mängel ausgeschlossen werden.
§ 930 ABGB
§ 928 ABGB • Grenze: Sittenwidrigkeit gem § 879 ABGB
In diesem Sinne unzulässig ist etwa der
Mängel, die bereits bei Erwerb von Sachen „wie sie Ausschluss jedweder Gewährleistung bei
Vertragsabschluss stehen und liegen“ fabrikneuen Waren.
offensichtlich sind („in die
Es wird eine Sachgesamtheit • Sonderbestimmung für
Augen fallen“)
erworben, ohne dass auf deren Verbrauchergeschäfte: § 9 KSchG
Teile oder deren Eigenschaften
näher eingegangen wurde.

T2/K3/ 30
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Gewährleistungsfristen
Fristen
Allgemeines Beweislast
§ 933 ABGB

Der Lauf der Fristen beginnt Unbewegliche Sache 3 Jahre • Die Tatsache, dass überhaupt ein
Mangel vorliegt, hat grds der
• bei Sachmängeln idR ab
Übernehmer zu beweisen.
Übergabe/Ablieferung
• Grundsätzlich hat der Übernehmer
• bei Rechtsmängeln ab auch zu beweisen, dass der
Erkennbarkeit; wenn also ein Bewegliche Sache 2 Jahre Mangel schon bei Übergabe
Dritter Ansprüche auf die Sache vorlag.
erhebt, die mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit zu Recht • Gesetzliche Vermutung der
bestehen Mangelhaftigkeit (§ 924 ABGB):

Viehmangel 6 Wochen • Kommt ein Mangel innerhalb von


6 Monaten nach Übergabe hervor,
Die Frist kann grundsätzlich wird die Mangelhaftigkeit bei
vertraglich verkürzt oder verlängert Übergabe gesetzlich vermutet, dh
werden. (§ 933 Abs 1 ABGB): der Übergeber müsste beweisen,
Sonderbestimmung für dass der Mangel bei Übergabe noch
Verbrauchergeschäfte (§ 9 KSchG): nicht vorhanden war.
Bei gebrauchten beweglichen • Ausnahme: Vermutung ist mit der
Sachen kann die Frist – sofern dies Art der Sache oder des Mangels
im Einzelnen ausgehandelt wird – unvereinbar.
vertraglich auf 1 Jahr verkürzt
werden.
Den Unternehmer trifft gem §§ 377f T2/K3/ 31
UGB eine Rügeobliegenheit
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Schadenersatz für Mangel‐ und 
Mangelfolgeschäden (§ 933a ABGB)
• Da der Übergeber aus dem Vertrag zur ordnungsgemäßen Erfüllung verpflichtet ist, kann der Übernehmer
bei schuldhafter Verletzung dieser Pflicht das Erfüllungsinteresse fordern (Mangelschaden).
• Ersatzfähig sind auch Schäden, die durch die mangelhafte Leistung verursacht sind (Mangelfolgeschaden).

Beweislast
• Nach allgemeinen schadenersatzrechtlichen Regeln muss der Geschädigte das
Verschulden des Schädigers beweisen.
• Gemäß § 1298 ABGB gilt für die Verletzung vertraglicher Verpflichtungen eine Beweislastumkehr, dh
der Schädiger muss beweisen, dass ihn kein Verschulden trifft. Diese Beweislastumkehr gilt gem
§ 933a Abs 3 ABGB hinsichtlich des Ersatzes von Mangel- und Mangelfolgeschäden nur bis 10 Jahre
nach Übergabe der Sache.

Mangelschaden Mangelfolgeschaden „Begleitschaden“


Ist jener Schaden, der sich aus der Ist jener Schaden, der durch die mangelhafte Ist jener Schaden, der durch eine reine
Mangelhaftigkeit der Leistung selbst Leistung an sonstigen Gütern des Schutzpflichtverletzung zugefügt wird.
ergibt. Gläubigers verursacht wird; er handelt Die Leistung selbst ist nicht mangelhaft.
Konkurrenz von Gewährleistung und insofern vertragswidrig, als er Schutz- und
Schadenersatzansprüchen: Sorgfaltspflichten verletzt.
Selbst wenn keine Gewährleistung mehr
geltend gemacht werden kann, steht bei Schadenersatzanspruch; Beweislastumkehr
Vorliegen der Tatbestands- gem § 1298 ABGB befristet auf 30 Jahre
voraussetzungen immer noch nach Übergabe
Schadenersatz zu.
Beachte die unterschiedlichen Fristen.

Um diese Anspruchskonkurrenz zu Schadenersatzanspruch; Beweislastumkehr


harmonisieren, ordnet der Gesetzgeber gem § 1298 ABGB befristet auf 10 Jahre nach
auch bezüglich des Mangelschadens Übergabe
einen Vorrang von Verbesserung und T2/K3/ 32
Austausch an. (§ 933a Abs 2 ABGB)
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Händlerregress (§ 933b ABGB)
Hat ein Unternehmer einem Endverbraucher Gewähr geleistet, so kann er von seinem Vormann,
wenn dieser Unternehmer ist, auch nach Ablauf der Fristen des § 933 ABGB Gewährleistung fordern.
Gleiches gilt für frühere Übergeber im Verhältnis zu ihren Vormännern, wenn sie selbst wegen der
Gewährleistungsrechte des letzten Verkäufers ihrem Nachmann Gewähr geleistet haben.

Die Rückgriffsansprüche müssen innerhalb von 2 Monaten ab der Erfüllung der eigenen
Gewährleistungspflicht gerichtlich geltend gemacht werden und sind mit der Höhe des eigenen
Aufwands beschränkt.
Die Haftung eines Rückgriffsverpflichteten verjährt aber jedenfalls in 5 Jahren ab Erbringung der
Leistung.

Achtung: Beruht der Rückgriff auf einem beiderseitig unternehmensbezogenen Geschäft, ist die
Mängelrüge nach § 377 UGB Rückgriffsvoraussetzung. Der Unternehmer, der von einem Verbraucher
in Anspruch genommen wird, muss den Mangel innerhalb angemessener Frist, nachdem er durch den
Verbraucher davon erfahren hat, bei seinem Vormann rügen.
Beachte: UU trifft den Unternehmer jedoch die Obliegenheit, auch zum Weiterverkauf bestimmte,
originalverpackte Ware (zumindest stichprobenartig) auf ihre Mangelfreiheit zu untersuchen und
Mängel gegebenenfalls sofort zu rügen. Kommt er dieser Obliegenheit nicht nach, verliert er seine
Rechte aus Gewährleistung gegenüber seinem Vormann. Er kann sich daher, wenn er zu einem
späteren Zeitpunkt durch seinen Abnehmer von der Mangelhaftigkeit der Sache erfährt, nicht mehr
regressieren.

T2/K3/ 33
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Beendigung von Schuldverhältnissen
Besondere Formen der
Vertragsgemäße Beendigung
Beendigung

• Erfüllung (§ 1412 ABGB) • einvernehmliche Beendigung


Beachte: Auf Teilleistungen muss sich der Gläubiger nicht • einseitige Beendigung (durch Ausübung
einlassen! eines Gestaltungsrechts)
• Hinterlegung bei Gericht oder Sequester (§ 1425 ABGB) • Rücktritt
(vgl Annahmeverzug) Der Rücktritt beseitigt den Vertrag grundsätzlich
• Leistung an Zahlungs Statt (§ 1414 ABGB) schuldrechtlich ex tunc; es kommt zur
Eine andere als die vertraglich vereinbarte Leistung wird bereicherungsrechtlichen Rückabwicklung.
erbracht; Schuldner und Gläubiger erkennen diese Leistung (§ 1435 ABGB)
als Erfüllung der ursprünglichen Verbindlichkeit an. • Kündigung
• Aufrechnung (Kompensation) (§§ 1438ff ABGB) Die Kündigung ist eine einseitige,
• Voraussetzungen bei der einseitigen Kompensation: empfangsbedürftige Willenserklärung, mit der ein
• Gegenseitigkeit Dauerschuldverhältnis schuldrechtlich ex nunc
• Gültigkeit aufgelöst wird.
• Gleichartigkeit • Ordentliche Kündigung: Wenn die
• Fälligkeit Kündigung grundsätzlich zulässig ist, ist sie in
• Fehlen eines Aufrechnungsverbotes der Regel an die Einhaltung von Fristen und
Terminen gebunden.
• Vereinigung (Konfusion) (§ 1445 S 1 ABGB)
• Außerordentliche Kündigung: Auch wenn
Die Position des Gläubigers und des Schuldners fallen
die ordentliche Kündigung
zusammen.
vereinbarungsgemäß ausgeschlossen wurde,
• Verzicht (Erlass, Entsagung) (§ 1444 ABGB) kann bei Vorliegen eines wichtigen
• Zeitablauf Grundes gekündigt werden.
• Tod T2/K4/ 34
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3. Teil

Schuldrecht
Besonderer Teil
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Besonderer Teil des Schuldrechts

Rechtsgeschäftliche Gesetzliche
Schuldverhältnisse Schuldverhältnisse

einseitige mehrseitige basieren unmittelbar auf gesetzlichen


Rechtsgeschäfte Rechtsgeschäfte Tatbeständen

Verträge

Ungerecht- Geschäfts-
Schaden- Gläubiger-
fertigte führung ohne
ersatz anfechtung
Bereicherung Auftrag
§§ 1293ff ABGB, §§ 877, 921,1041 ff, §§ 1035 ff ABGB AnfO, §§ 27ff IO
Sondergesetze 1174, 1431 ff ABGB,
(PHG, EKHG etc) § 4 KSchG

T3/K1/ 2
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Vertragliche Schuldverhältnisse

Einteilung nach dem


Gesetzliche
Vertragsautonomie Zustandekommen des
Vertragstypen
Vertrages

Abschlussfreiheit Wahl der Konsensual- Die gesetzlichen Vertragstypen


Realverträge haben nur „Modellfunktion“, es
Rechtsordnung verträge
Ausnahme: Kontrahierungs- besteht kein Typenzwang.
zwang (zB § 8 PostG) Verträge, die (rein) Verträge, für deren
Grenze: Ordre public-
durch Zustandekommen Die Elemente mehrerer Vertragstypen
Widrigkeit (Art 21 Rom I VO,
Inhaltsfreiheit Willensüberein- neben der Willens- können zu gemischten Verträgen
§ 6 IPRG)
stimmung der übereinstimmung kombiniert werden.
Grenzen: etwa Verstoß gegen Parteien zustande der Parteien die zB Leasingvertrag (Elemente aus Miete
ein gesetzliches Verbot oder kommen tatsächliche und Kauf)
die guten Sitten (§ 879 ABGB) Leistung einer
• Kauf Partei erforderlich Es können außerdem neue Vertragsarten
(§§ 1053 ff ABGB) ist entwickelt werden (atypische Verträge).
Formfreiheit Wahl des • Tausch
zB Garantievertrag
Gerichtsstands (§§ 1045 ff ABGB) • Leihvertrag
Ausnahmen: • Auftrag (§§ 971 ff ABGB)
• (Unter-)Schriftlichkeit, (§§ 1002 ff ABGB) • Verwahrungsvertrag
zB Verpflichtungserklärung des • Dienstvertrag (§§ 957 ff ABGB)
Bürgen gem § 1346 Abs 2 ABGB (§§ 1151 ff ABGB) • Trödelvertrag
• eigenhändiges Testament • Werkvertrag (§§ 1086 ff ABGB)
(Achtung: einseitiges Rechtsgeschäft!) (§§ 1165 ff ABGB)
• Einbindung von Notar oder Gericht • Miete und Pacht
• Notarielle Beglaubigung (§ 76 NO) (§§1090 ff ABGB)
• Sonderfall: Schenkung
• Wette und Spiel
zB Echtheit einer Unterschrift (§§ 938 ff ABGB)
(§§ 1270 ff ABGB)
• Notarielle Beurkundung (§ 76 NO) • Darlehensvertrag Auch eine spätere
zB Hauptversammlungsbeschlüsse (§§ 983 ff ABGB) Übergabe ist bei einem
einer AG Notariatsakt möglich.
• Notariatsakt (§§ 2, 52 NO) T3/K1/ 3
zB Schenkung ohne Übergabe
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Gesetzliche Vertragstypen - Übersicht


Das ABGB kennt folgende Vertragstypen:

Gebrauchs-
Veräußerungs- Dienstleistungs- Sicherungs- Gesellschafts- Vertrags-
überlassungs- Glücksverträge
verträge verträge verträge verträge autonomie
verträge

Arbeits- GesbR-
Kauf Miete Bürgschaft Wette und Spiel Mischverträge
vertrag Vertrag

„neu“
Werk- Pfandbestell- Hoffnungs-
Tausch Pacht entwickelte
vertrag ungsvertrag kauf
Verträge

Freier Dienst- Erbschafts-


Schenkung Leihe Garantievertrag
vertrag kauf

Leibrenten-
Darlehen Auftrag
vertrag

Versicherungs-
Verwahrung
vertrag

T3/K1/ 4
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Veräußerungsverträge

Veräußerungsverträge
Verträge zur Übereignung einer Sache

Tauschvertrag Kaufvertrag Schenkungsvertrag

§§ 1045 ff ABGB §§ 1053 ff ABGB §§ 938 ff ABGB


Verpflichtung zur Verpflichtung zur Verpflichtung zur
Übereignung Übereignung unentgeltlichen
einer Sache einer Sache Übereignung
gegen eine gegen Geld einer Sache
andere Sache (§§ 1053, 1061 f (§ 938 ABGB)
(§ 1045 ABGB) ABGB)

Konsensual- Schenkungen sind den


Konsensual-
vertrag Realverträgen zwar verwandt, doch
vertrag sind sie auch ohne sofortige
Übergabe wirksam, wenn das
Schenkungsversprechen im
Rahmen eines Notariatsakts
abgegeben wird.
(Sonderform des Realvertrages)

T3/K2/ 5
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Vereinbarung eines Eigentumsvorbehalts


Grundsätzlich geht nach der Lehre von titulus und modus das Eigentum an der Kaufsache mit Übergabe der Sache an den Käufer
über.
Mit der Vereinbarung eines Eigentumsvorbehalts bleibt jedoch der Verkäufer (trotz Übergabe) bis zur vollständigen Bezahlung
der Sache, Eigentümer. Der Käufer erwirbt lediglich ein Anwartschaftsrecht auf das Eigentum an der Kaufsache.
Der Verkäufer ist dadurch in folgenden Fällen besser gestellt:
• Wenn der Käufer mit der Zahlung des Kaufpreises in Verzug gerät, kann der Verkäufer die Sache mit der
Eigentumsklage (§ 366 ABGB) zurückverlangen.
• Wenn der Käufer in Insolvenz gerät, steht dem Verkäufer als Eigentümer ein Aussonderungsrecht
(§ 44 IO) hinsichtlich der Kaufsache zu.
• Greift ein anderer Gläubiger des Käufers mittels Exekution auf die Kaufsache, so steht dem Verkäufer die
Exszindierungsklage (§ 37 EO) zu.

Der Vorbehaltsverkäufer gestattet dem Vorbehaltskäufer, die Sache im eigenen


Verlängerter Eigentumsvorbehalt Namen einem Dritten weiterzuverkaufen (Verfügungsberechtigung). In aller Regel
lässt sich der Vorbehaltsverkäufer die Kaufpreisforderung des Vorbehaltskäufers
gegen den Dritten abtreten.

Der Vorbehaltskäufer veräußert, die unter einem Eigentumsvorbehalt stehende


Weitergeleiteter Eigentumsvorbehalt Sache einem Dritten, wobei der bestehende Eigentumsvorbehalt dem Dritten
nicht nur offen gelegt wird, sondern auch dessen Übertragung auf den Dritten
ausdrücklich vereinbart wird. Der Dritte erwirbt somit nur ein Anwartschaftsrecht
auf das Eigentum.

T3/K2/ 6
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Gebrauchsüberlassungsverträge

Gebrauchsüberlassungsverträge
Verträge über die Nutzung einer Sache auf Zeit

Darlehens-
Bestandsverträge Leihvertrag
vertrag

§§ 1090 ff ABGB §§ 971 ff ABGB §§ 983 ff ABGB


Unentgeltliche Hingabe vertretbarer
Miete Pacht Überlassung des Sachen in das
Gebrauchs einer Eigentum des
Entgeltliche Entgeltliche unvertretbaren Empfängers, der zur
Überlassung Überlassung (unverbrauchbaren) Rückübereignung
einer Sache einer Sache Sache der gleichen Menge
zum bloßen zum Gebrauch (§ 971 ABGB) gleicher Art und Güte
Gebrauch und Sonderform: verpflichtet ist.
(§ 1091 Fruchtgenuss Prekarium (Bittleihe) (§ 983 ABGB)
ABGB) (§ 1091 ABGB) Leihe auf jeder-
zeitigen Widerruf iZw entgeltlich
Konsensual- Konsensual- (§ 974 ABGB) Sonderform: Kreditvertrag
vertrag vertrag
Realvertrag
Konsensualvertrag

T3/K3/ 7
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Dienstleistungsverträge

Dienstleistungsverträge
Verträge über Tätigkeiten

Freier Verwahrungs-
Arbeitsvertrag Auftrag Werkvertrag
Dienstvertrag vertrag

§§ 1151 ff ABGB, § 4 Abs 2 ASVG §§ 1002 ff ABGB §§ 1165 ff ABGB § 957 ff ABGB
ArbVG, AngG, Die Arbeitsleistung Verpflichtung zur Verpflichtung zur Übernahme einer
UrlaubsG,… wird nicht in Geschäfts- Herstellung eines fremden Sache
Verpflichtung zur persönlicher besorgung für bestimmten in Obsorge
Arbeitsleistung in Abhängigkeit einen anderen Erfolgs (§ 957 ABGB)
persönlicher erbracht; im auf dessen gegen Entgelt
Abhängigkeit auf Zweifel gegen Rechnung (§ 1151 Abs 1
bestimmte oder angemessenes (§ 1002 ABGB) ABGB)
unbestimmte Zeit; Entgelt
im Zweifel gegen Beachte: Zum Besonderheit:
angemessenes Handeln im Namen Beachte: Gastwirtehaftung
des Auftraggebers
Entgelt Kostenvoranschlag (§ 970 ABGB)
bedarf es zusätzlich
(§ 1151 Abs 1 mit/ohne Gewähr
der Bevollmächtigung.
Entgeltlichkeit?
ABGB)
Konsensual- Konsensual- Konsensual- Realvertrag
Konsensual-
vertrag vertrag vertrag
vertrag
siehe Arbeitsrecht
T3/K4/ 8
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Sicherungsverträge
Sicherungsverträge
Verträge zur Sicherstellung einer Schuld

Bürgschaftsvertrag Pfandbestellungsvertrag Garantievertrag

§§ 1346 ff ABGB §§ 1368 ff ABGB


Verpflichtung des Bürgen gegenüber dem Gläubiger, den §§ 880a ABGB, 9b
Verpflichtung des Pfandbestellers,
Gläubiger zu befriedigen, wenn der Schuldner nicht zahlt KSchG
dem Pfandgläubiger ein Pfandrecht
(§ 1346 Abs 1 ABGB) an einer Sache einzuräumen Erweiterung der
• Akzessorietät: Existenz der Bürgschaft ist vom Bestehen der zu (§ 1368 ABGB) gesetzlichen
sichernden Forderung (zB Kaufpreisforderung) abhängig Gewährleistungsan-
Titel für den rechtsgeschäftlichen sprüche
• Subsidiarität (bei der „gemeinen Bürgschaft“): Bürge darf Pfandrechtserwerb
erst in Anspruch genommen werden, wenn der Gläubiger den
Schuldner erfolglos gemahnt hat Konsensualvertrag
• Legalzession: Gem § 1358 ABGB tritt der Bürge, wenn er an den
Gläubiger leistet, in dessen Rechte ein und kann sich beim Schuldner Unterscheide: Pfandvertrag
regressieren. Der Pfandvertrag ist kein
Sonderformen der Bürgschaft: schuldrechtlicher, sondern ein
• Bürge und Zahler (Solidarbürge): Bürgschaft nicht subsidiär gegen- sachenrechtlicher Vertrag. Er stellt
über Hauptschuld; Bürge kann sogleich in Anspruch genommen werden das Verfügungsgeschäft dar, durch
• Schadlos-(Ausfalls-)bürge: verbürgt sich für den Fall, dass die welches das Pfandrecht eingeräumt
Schuld auch mittels Exekution nicht hereingebracht werden kann wird. Der Pfandbestellungsvertrag
• Nachbürge: verbürgt sich für den Bürgen bildet das zugrunde liegende
• Rückbürge: verbürgt sich dem Bürgen gegenüber Verpflichtungsgeschäft.

Konsensualvertrag T3/K5/ 9
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Glücksverträge

Verträge mit aleatorischem (dh vom Zufall abhängigem) Element

Wette und Leibrenten- Versicherungs- Weitere


Spiel vertrag vertrag Glücksverträge

§§ 1270 ff ABGB §§ 1284 ff ABGB §§ 1288 ff ABGB


Zusage einer Leistung Zusage einer Zusage von Hoffnungskauf
für den Fall, dass sich Leistung gegen Versicherungs-
§§ 1275 f ABGB
eine Behauptung über eine Rente auf leistungen gegen
ein den Parteien noch Lebensdauer Entgelt (Prämie) für
unbekanntes Ereignis den Fall, dass die in Erbschafts-
kauf
als richtig erweist der Polizze
(§ 1270 ABGB) beschriebenen §§ 1278 ff ABGB
Abgrenzung: Bedingungen eintreten
Bei der Wette haben die
Parteien keinen Einfluss auf
(Einordnung als
den Eintritt des Ereignisses, Glücksvertrag strittig)
beim Spiel schon.

Konsensualvertrag Konsensualvertrag Konsensualvertrag Konsensualverträge


Ohne vorherige
Hinterlegung des
Wetteinsatzes bildet die
Wettschuld jedoch eine
(nicht einklagbare)
Naturalobligation. T3/K6/ 10
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Gesellschaftsverträge

Verträge über Rechtsformen zur Verfolgung eines gemeinsamen Zwecks


numerus clausus (Typenzwang)

GesbR Andere Gesellschaften

§§ 1175 ff ABGB gesellschaftsrechtliche Sondergesetze


• Offene Gesellschaft
Durch Vertrag begründete Gesellschaft zu gemeinschaft-
§§ 105 ff UGB
lichem Erwerb.
• Kommanditgesellschaft
§§ 161 ff UGB
• GmbH
GmbHG
• AG
AktG
• Verein
VerG

Konsensualverträge
Konsensualvertrag Die Gesellschaft entsteht
erst mit Eintragung ins
Firmenbuch
(Vereinsregister)
T3/K7/ 11
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Gesetzliche Schuldverhältnisse

Ungerechtfertigte Geschäftsführung Gläubiger-


Schadenersatz
Bereicherung ohne Auftrag anfechtung

§§ 1293 ff ABGB, §§ 877, 921,1041 ff, §§ 1035 ff ABGB AnfO, §§ 27 ff IO


Sondergesetze 1174, 1431ff ABGB,
(PHG, EKHG etc) § 4 KSchG

Ersatzpflicht des Rückabwicklung Eigenmächtige Anfechtung von ihn


Verursachers eines ungerechtfertigter Besorgung der benachteiligenden
Schadens Vermögens- Angelegenheiten Rechtshandlungen
verschiebungen eines anderen in der des Schuldners
Absicht, dessen durch den Gläubiger
Interessen zu
fördern

T3/K1/ 12
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Schadenersatzrecht

Schadenersatzrecht

Gefährdungs-
Verschuldenshaftung Eingriffshaftung
haftung
Voraussetzungen: Voraussetzungen: Voraussetzungen:
• Schaden • Gefährlichkeit • Rechtmäßige
• Kausalität einer erlaubten Inanspruchnahme
• Rechtswidrigkeit Tätigkeit eines fremden
(verschuldens- Guts
• Verschulden unabhängig!) • Schaden
• Schaden • Kausalität
• Kausalität
• Rechtswidrigkeit Fälle:
• Notstand
Sonderfall: (§ 1306a ABGB)
Produkthaftung • Immissionen
(PHG) einer behördlich
genehmigten
Anlage
(§ 364a ABGB)

T3/K2/ 13
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Schadenersatzrecht
• Grundsätzlich muss jeder den erlittenen Schaden selbst tragen (§ 1311 ABGB). Einen Sonderfall bildet das
Versicherungsrecht, wo
• Ausnahmsweise hat jemand anderer für den Schaden aufzukommen. ein Versicherer für den
• Das Schadenersatzrecht regelt die Ersatzpflicht des Verursachers. abgedeckten Schaden
aufkommen muss.

Zwecke Begriffe

• Ausgleich: Vermögens- Immaterieller


Ausgleich des erlittenen Schadens beim Realer Schaden
schaden (ideeller) Schaden
Geschädigten
Tatsächliche Nachteil an Schaden, der
• Prävention: nachteilige geldwerten Gütern nicht in Geld
Androhung der Ersatzpflicht soll motivieren, Veränderung am messbar ist
schädigendes Verhalten zu vermeiden Vermögensgut Positiver Entgangener
selbst Schaden Gewinn
• Sanktion:
eine Strafe des Schädigers hat im • Beschädigung eines • Zerstörung einer
• Primär ist Natural- schon vorhandenen Erwerbschance
Privatrecht nur sehr untergeordnete restitution Guts; Entstehen eines • Ersatzfähig bei grober
Funktion geschuldet. Aufwands oder einer Fahrlässigkeit oder Vorsatz
Verbindlichkeit • Im beiderseitigen
• Wenn diese nicht • Bereits bei leichter Unternehmergeschäft bereits
möglich ist, ist Fahrlässigkeit zu bei leichter Fahrlässigkeit zu
Ersatz in Geld zu ersetzen ersetzen (§ 349 UGB)
leisten.
T3/K2/ 14
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Immaterieller Schaden

• Unter immateriellen (ideellen) Schäden versteht man nicht in Geld messbare Schäden. Es handelt
sich dabei um „Gefühlsschäden“.
• Immaterielle Schäden sind nur dann ersatzfähig, wenn das Gesetz dies ausdrücklich vorsieht.

Ersatz des Werts der Ersatz entgangener Weitere


Schmerzengeld Bestimmungen
besonderen Vorliebe Urlaubsfreude

§ 1325 ABGB § 1331 ABGB § 31e Abs 3 KSchG Immaterielle Schäden


werden weiters ersetzt bei
• Bei • Bei Beschädigung • Erheblicher Teil der
Körperverletzung oder Zerstörung einer vertraglich • erheblicher Verletzung
Sache vereinbarten der Privatsphäre
• Ausgleich für die
Leistungen wird vom (§ 1328a ABGB)
erlittenen • Erfordert
Schmerzen qualifizierten Vorsatz Reiseveranstalter • Freiheitsberaubung
hinsichtlich der schuldhaft nicht bei Vorsatz oder
• Höhe hängt von
Herbeiführung: erbracht grober Fahrlässigkeit
Grad und Dauer
• durch eine strafbare • Anspruch auf Ersatz (§ 1329 ABGB)
der Schmerzen
ab Handlung der entgangenen • Vorsätzlicher oder
• aus Mutwillen Urlaubsfreude grob fahrlässiger
• aus Schadenfreude • Höhe abhängig von Tötung eines Menschen;
• Ersatz des Werts der Dauer und Schwere ersetzt wird der
besonderen Vorliebe der Beeinträchtigung, Seelenschmerz
(„Affektionsinteresse“) Zweck der Reise, naher Angehöriger
Grad des (sog „Trauerschäden“
Verschuldens stRsp seit OGH 2 Ob
84/01v)
T3/K2/ 15
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Verschuldenshaftung
Kausalität
Schaden Rechtswidrigkeit Verschulden
(Verursachung)
Nachteil am Vermögen, Äquivalenztheorie Verstoß gegen Subjektive Vorwerfbarkeit
den Rechten oder der • Verhalten muss notwendige rechtswidrigen Verhaltens
rechts-
Person des Geschädigten Bedingung für den
Gesetz geschäftliche Voraussetzungen:
(§ 1293 ABGB) Schadenseintritt sein
Pflichten
• Feststellungsmethode: • Diskretionsfähigkeit
conditio sine qua non • Absolut geschützte • Hauptleistungs- (Einsichtsfähigkeit)
Kausalität ist gegeben, wenn das Rechtspositionen pflichten
Fähigkeit, das Unrecht einer
Wegdenken des Verhaltens auch • Die guten Sitten • Nebenleistungs- Tat einzusehen
zum Wegfall des Erfolgs führt • Gesetzliche Ver- pflichten
• Sonderfälle: haltensanordnungen • Nebenpflichten • Dispositionsfähigkeit
(Schutzgesetze, Fähigkeit, sich seiner Einsicht
• Kumulative Kausalität: zB StVO-Normen)
Jede von mehreren gemäß zu verhalten
Handlungen hätte den Einschränkung durch die
Schaden herbeigeführt. • Lehre vom Schutzzweck der Verschuldensgrade:
• Alternative Kausalität: Norm (Rechtswidrigkeits-
zusammenhang) • Leichte Fahrlässigkeit
Nur einer von mehreren Tätern
hat den Schaden herbeigeführt; • Grobe Fahrlässigkeit
es kann jedoch nicht festgestellt • Rechtfertigungsgründe:
werden, welcher von ihnen. • Notwehr: • Vorsatz
• Überholende Kausalität: Abwehr eines gegenwärtigen
Ein Ereignis führt einen Schaden oder unmittelbar drohenden
herbei, den ein anderes später rechtswidrigen Angriffs auf
ebenfalls verursacht hätte. eigene oder fremde
Rechtsgüter im erforderlichen
• Einschränkung durch die
Ausmaß (§ 3 StGB)
Adäquanztheorie:
•Eine Ursache ist adäquat, wenn sie ihrer • Notstand:
Natur nach für die Herbeiführung eines Abwehr einer unmittelbar
solchen Schadens geeignet ist (keine bloß drohenden Gefahr durch
„außergewöhnliche Verkettung von T3/K2/ 16 Eingriff in die Rechtsgüter
Umständen“) eines unbeteiligten Dritten
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Prüfung des Verschuldens

Verschuldensformen Beweislast

• Grundsatz: Der Geschädigte muss das


Fahrlässigkeit Vorsatz Verschulden des Schädigers beweisen
(§ 1296 ABGB).
• Beweislastumkehr bei der Verletzung
leichte grobe Bewusstes und gewolltes
vertraglicher Pflichten (§ 1298 ABGB):
Herbeiführen eines
Der Schädiger muss beweisen, dass ihn kein
Erfolges; im Bewusstsein
Fehler, der Fehler Verschulden trifft.
der Rechtswidrigkeit
gelegentlich aufgrund • Beweislastumkehr gilt auch bei Verletzung
auch einem „auffallender vertragsähnlicher Pflichten (zB Pflichten im
sorgfältigen Sorglosigkeit“, vorvertraglichen Schuldverhältnis) und bei
Menschen der einem Schutzgesetzverletzung.
unterläuft ordentlichen
Menschen
keinesfalls
unterläuft

T3/K2/ 17
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Haftung für eigenes und fremdes Verschulden

Haftung für fremdes Verschulden


Haftung für eigenes Verschulden
(Gehilfenhaftung)

Grundsätzlich haftet der Schädiger selbst für Erfüllungs- Besorgungs-


Repräsentanten-
sein schuldhaftes Verhalten. gehilfenhaftung gehilfenhaftung
haftung
§ 1313a ABGB § 1315 ABGB
§ 1313 ABGB
Jemand bedient sich Haftung gegenüber Juristische Person
einer anderen Person Dritten (also nicht (zB GmbH, AG) haftet
zur Erfüllung gegenüber einem für das Handeln
bestehender Vertragspartner) natürlicher Personen,
Schuldverhältnisse, Jemand bedient sich die in ihrer
vor allem zur Organisation eine
• eines „habituell
Erfüllung von leitende Stellung
untüchtigen“ Gehilfen:
Verträgen; diesfalls einnehmen
Person, die zur Ausübung
haftet er für das der Tätigkeit überhaupt nicht
(„Machthaber“§ 337
Verschulden seiner geeignet ist (zB mangels ABGB; zB
Gehilfen wie für sein entsprechender Ausbildung) Geschäftsführer,
eigenes. • wissentlich eines Vorstand)
„gefährlichen“ Gehilfen:
„Gefährlichkeit“ bezieht sich
auf allgemeine Eigenschaften
der Person (zB Kleptomanie)

T3/K2/ 18
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Verschulden mehrerer Personen

Haftung mehrerer Schädiger Mitverschulden des Geschädigten

Grundsätzlich haftet jeder Schädiger für den von ihm Der Geschädigte muss einen Teil des Schadens selbst
verursachten Anteil am Schaden (§ 1302 ABGB) tragen, wenn ihn an der Beschädigung ebenfalls ein
Solidarhaftung (jeder der Schädiger haftet auf den Verschulden trifft (§ 1304 ABGB).
vollen Betrag) ist dagegen in folgenden Fällen Die Schadenstragung erfolgt im Verhältnis des
vorgesehen: Verschuldens des Schädigers zu dem des
• Mehrere Schädiger handeln gemeinschaftlich und Geschädigten. Ist das Verhältnis nicht feststellbar,
vorsätzlich. tragen beide den Schaden zu gleichen Teilen.
• Mehrere Schädiger handeln zwar unabhängig
voneinander oder fahrlässig, aber ihre jeweiligen
Anteile am verursachten Schaden lassen sich nicht
bestimmen.
Regressrecht (§ 896 ABGB)
Wer im Fall der Solidarhaftung zum Ersatz des
Schadens herangezogen wurde, kann sich bei den
Mithaftenden anteilig regressieren.

T3/K2/ 19
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Gefährdungshaftung

Haftung des Schädigers für eine an sich erlaubte Tätigkeit


verschuldensunabhängige Haftung

ABGB Sondergesetze

§ 1318 ABGB Haftung des Wohnungsinhabers


PHG
§ 1319 ABGB Haftung des Besitzers eines Bauwerkes
Verschuldensunabhängige Haftung für Produzenten,
§ 1319a ABGB „Wegehalterhaftung“ Importeure und Händler für Produkte
§ 1320 ABGB „Tierhalterhaftung“ Haftung für Sach- und Personenschäden (bei
§ 970 ABGB „Gastwirtehaftung“ Sachschäden besteht ein Selbstbehalt in der Höhe
von € 500,-)

EKHG
Haftung für Schäden beim Betrieb eines Kfz

T3/K3/ 20
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Bereicherungsrecht

Bereicherungsrecht

Leistungskondiktion Verwendungsanspruch

Schuldrechtlicher Anspruch des Leistenden gegen Schuldrechtlicher Anspruch des Entreicherten gegen
den Leistungsempfänger zur Rückgängig- den Bereicherten, zu dessen Nutzen eine Sache des
machung einer nicht gerechtfertigten Leistung Entreicherten rechtsgrundlos verwendet wurde
Beachte:
Eine „Leistung“ ist eine bewusste Vermögens-
zuwendung durch den Leistenden.

§ 1431 ABGB – Rückforderung wegen irrtümlicher §§ 1041 ff ABGB


Zahlung einer Nichtschuld
§ 1435 ABGB – Rückforderung wegen nachträglichen
Wegfalls des Leistungszwecks
§ 1435 ABGB analog – Rückforderung wegen
Nichteintritt des erwarteten Erfolges
§ 877 ABGB – Rückforderung wegen relevanten
Willensmangels
§ 1174 Abs 1 ABGB – Rückforderung wegen
ungerechten oder verwerflichen Grundes T3/K3/ 21
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Geschäftsführung ohne Auftrag


Geschäftsführung ohne Auftrag

Eigenmächtige Besorgung der


Angelegenheiten eines anderen in der
Absicht, dessen Interessen zu fördern
§§ 1035 ff ABGB

GoA im Notfall Nützliche GoA Unerlaubte GoA

§ 1036 ABGB § 1037 ABGB § 1038 ABGB


Besorgung eines fremden Geschäftsführung ohne Geschäftsführung gegen den
Geschäfts zur Abwendung Notfall, aber zum klaren und ausdrücklichen Willen des
eines unmittelbar überwiegenden Vorteil des Geschäftsherrn oder nicht zu
drohenden Schadens Geschäftsherrn dessen klarem und
überwiegendem Vorteil

Anspruch auf Ersatz des Anspruch auf Ersatz der Kein Anspruch auf
notwendigen und Aufwendungen in jener Aufwandersatz
zweckmäßigen Aufwands; Höhe, in der sie zum
unabhängig vom Erfolg Vorteil des
Geschäftsherrn waren

T3/K4/ 22
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Gläubigeranfechtung

Gläubigeranfechtung

AnfO, §§ 27 ff IO
Anfechtung von ihn benachteiligenden (= den
Haftungsfonds vermindernden) Rechts-
handlungen des Schuldners durch einen
Gläubiger
Eine zum Nachteil eines Gläubigers gesetzte
Rechtshandlung kann zugunsten dieses
Gläubigers als unwirksam erklärt werden
(§ 1 AnfO)

Anfechtung wegen
Absichts- Vermögensver- Schenkungs- Anfechtung im
Kenntnis der
anfechtung schleuderung anfechtung Konkurs Zahlungsunfähigkeit
Nachteilige Erwerber kannte Unentgeltliche Zusätzliche An-
Rechts- oder musste Zuwendung fechtungstatbe- Durch eine
handlung in benachteiligende des stände (§§ 30f IO): Rechtshandlung
der Absicht, Vermögensver- Schuldners an • wegen erlangt ein
Gläubiger zu schleuderung einen Dritten Begünstigung einzelner
schädigen erkennen (§ 28 (§ 29 IO, § 3 einzelner Insolvenzgläubiger
(§ 28 Z 1- 3 Gläubiger die Sicherstellung
Zif 4 IO, § 2 Z 4 AnfO)
IO, § 2 Z 1-3 • wegen Kenntnis der oder Befriedigung
AnfO) Zahlungsunfähigkeit
AnfO) (§ 31 IO)
T4/K5/ 23
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

4. Teil

Sachenrecht
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Grundsätze des Sachenrechts

Gutgläubiger
Publizität Typenzwang Spezialität Kausale Tradition
Eigentumserwerb

Sachzuordnungen Es gibt eine Dingliche Rechte Zur Begründung eines Niemand kann mehr
müssen nach außen geschlossene können nur für jede dinglichen Rechts Rechte übertragen als
hin erkennbar sein. Anzahl von Sache gesondert bedarf es eines er selbst hat.
Sachenrechten: begründet werden und rechtlichen Titels
Bewegliche Sachen: eben nicht an einer (titulus) und auch einer Ausnahme:
Besitz • Eigentum Sachgesamtheit. zulässigen Erwerbsart
Gutgläubiger
• Pfandrecht (modus).
Eigentumserwerb
Unbewegliche Sachen: • Dienstbarkeit nach § 367 ABGB
Eintragung im • Reallast Titel= zB Kaufvertrag,
Grundbuch • Baurecht Schenkung
Modus= zB Übergabe
Sonderstellung:
• Besitz

Anmerkung: Strikte Trennung zwischen den Begriffen Eigentum und Vermögen:


Jedes Eigentum ist Vermögen, aber nicht jedes Vermögen ist Eigentum.

T4/K1/ 2
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Der Besitz

Besitz und Innehabung Arten des Besitz

Besitzer Inhaber Sachbesitz Rechtsbesitz

Besitzer ist wer eine


Inhaber ist wer eine Gegenstand des
Sache innehat Gegenstand des
Sache tatsächlich in Besitzes ist ein
(corpus) und diese Besitzes ist eine
seiner Macht und Dauerrecht an der
auch als die seinige körperliche Sache.
Gewahrsame hat Sache:
behalten möchte
(corpus).
(animus).
Beispiele
• Mieter
Corpus Corpus • Pächter
• Entleiher

Animus Anmerkung: Der Rechtsbesitzer wird rechtlich


einem Sachbesitzer gleichgestellt, gleichwohl
er faktisch nur Inhaber der Sache bleibt.

T4/K2/ 3
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Rechtsmittel gegen die Besitzstörung

Possessorisches Verfahren Publizianische Klage

„Einfaches“ Besitzstörungsverfahren: Der Besitzer mit dem relativ besseren Recht zum
Besitz wird in diesem Verfahren ermittelt.
Der echte Besitzer hat nur seinen bisherigen Besitz
und die Störung desselben nachzuweisen.
(§§ 454 - 460 ZPO, § 339 ABGB) Der rechtmäßige, redliche und echte Besitzer kann
also vom jetzigen Besitzer, der insofern schlechter
qualifiziert ist, die Herausgabe der Sache verlangen
(actio publiciana) (§ 372 ABGB).

Ersitzung

• Bei beweglichen Sachen kann der rechtliche Besitzer nach 3 Jahren Eigentum erlangen (§ 1466 ABGB).
• Bei unbeweglichen Sachen kann der rechtliche Besitzer nach 30 Jahren Eigentum erlangen (§ 1468 ABGB).

T4/K2/ 4
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Eigentum
Definition: Eigentum ist die grundsätzlich unbeschränkte Befugnis über die Sache rechtlich wie auch
tatsächlich zu verfügen und jeden anderen davon auszuschließen (§ 354 ABGB).

Die Sache gehört einer einzelnen Person.


Alleineigentum

Die Sache gehört mehreren Personen. Jedem Miteigentümer steht ein


Miteigentum zu ideellen Anteilen ideeller Anteil (Quote) an der gesamten Sache zu. (§§ 361, 825 ff
ABGB)
Wohnungseigentum ist eine Sonderform des Miteigentums. Es umfasst
Wohnungseigentum ein ausschließliches Nutzungsrecht an einem Wohnungseigentumsobjekt.
(§ 2 Abs 2 WEG)
Den Eigentümern kommt kein ideeller Anteil wie beim Miteigentum zu.
Gesamthandeigentum Es ist stets nur eine gemeinschaftliche Verfügung aller Miteigentümer
möglich.

Beschränkungen des Eigentums:


• Nachbarschaftsrechte
• Ortsunübliche Einwirkungen und störende Pflanzen (§§ 364 Abs 1 Z 2, 422 ABGB)
• Immissionen durch behördlich genehmigte Betriebsanlagen (§ 364a ABGB)
• Öffentlich-rechtliche Beschränkungen
• Baurecht
• Umweltschutz
• Naturschutz
• Tierschutz T4/K3/ 5
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Eigentumserwerb
Eigentumserwerb

Derivativer Originärer Sonderfälle


Eigentumserwerb abhängig vom Recht Eigentumserwerb unabhängig vom Recht des • Eigentumserwerb durch Zuschlag
des Vormannes. Vormannes. bei einer Zwangsversteigerung
• Übertragung des Eigentums • Eigentumserwerb durch Zuwachs
benötigt Titel und Modus.  Ersitzung (§§ 404 ff ABGB)
(§ 380 ABGB)
• Eigentumserwerb durch
• Modus Verarbeitung oder Vereinigung
bei beweglichen Sachen durch:  Gutglaubenserwerb nach § 367 ABGB: (§§ 414 ff ABGB)
(§§ 426 ff ABGB) • Eigentumserwerb durch
• Übergabe  allgemeine Voraussetzungen (kumulativ): Bauführung (§§ 417 ff ABGB)

• Übergabe durch Erklärung: • bewegliche Sache • Eigentumserwerb durch Zueignung


(§§ 381 ff ABGB)
o Übergabe kurzer Hand • gültiger Titel
• Eigentumserwerb durch Fund
o Besitzkonstitut • Entgeltlichkeit
(§§ 388 ff ABGB)
o Besitzanweisung • Übergabe
• Eigentumserwerb durch
o Übergabe durch Versendung • Gutgläubigkeit Schatzfund (§§ 398 ff ABGB)
und eine der drei besonderen
bei unbeweglichen Sachen durch Voraussetzungen:
• Eintragung ins Grundbuch • Erwerb in einer öffentlichen Versteigerung
• von einem Unternehmer im gewöhnlichen
Betrieb seines Unternehmens
• Berechtigung des Vormannes
(Eigentum oder • vom Vertrauensmann des Eigentümers
Verfügungsberechtigung)
T4/K3/ 6
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Klagen aus dem Eigentum

Absoluter Schutz des Eigentums

Eigentumsklage § 366 ABGB Eigentumsfreiheitsklage § 523 ABGB


(rei vindicatio) (actio negatoria)

Der nichtbesitzende Eigentümer hat sein Eigentum zu Der besitzende Eigentümer kann Störungen der Sache
beweisen. abwehren.

Im Verfahren ist der Nachweis der störenden


Beeinträchtigung und das Eigentum an der Sache zu
erbringen.

Sonstige Klagen aus dem Eigentum


Klage aus dem rechtlich vermuteten Eigentum (§ 372 ABGB)
Eigentumsfeststellungsklage (§ 228 ZPO)
Aussonderungsklage (§§ 44 f IO)
Widerspruchsklage (= Exszindierungsklage) (§ 37 EO)
Löschungsklage (§ 61 GBG)

T4/K3/ 7
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Pfandrecht
Prinzipien des Pfandrechts

Recht an einer Unteilbare


Akzessorietät Spezialität Publizität Priorität
fremden Sache Pfandhaftung

Das Pfandrecht Das Pfandrecht kann Nur fremde Die Erkennbarkeit des Das ältere Solange auch nur
hängt vom nur an bestimmten Sachen können als Pfandrechts muss nach Pfandrecht geht ein Teil der
Entstehen und dem Sachen, nicht aber Sicherheit dienen. außen hin ersichtlich sein.
dem jüngeren gesicherten
Bestand der am gesamten Die Sache bleibt Pfandrecht vor und Forderung
gesicherten Vermögen einer weiterhin im Bei beweglichen Sachen: wird daher aushaftet, bleibt das
Forderung ab. Person begründet Eigentum des vorrangig befriedigt. Pfandrecht in
werden. • Übergabe der
Pfandbestellers Pfandsache an den vollem Umfang
bzw. Schuldners. Pfandgläubiger aufrecht.

Bei unbeweglichen
Sachen:
• Eintragung einer
Hypothek im
Grundbuch

T4/K4/ 8
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Erwerb des Pfandrechts

Voraussetzungen für den Erwerb eines Pfandrechts

Titel Modus

• Pfandbestellungsvertrag oder • Bei beweglichen Sachen:


körperliche Übergabe oder subsidiär
• Gesetzliches Pfandrecht: Übergabe durch Zeichen (§ 451 ABGB)

 Bestandgeber (§ 1101 ABGB) • Bei unbeweglichen Sachen:


 Kommissionär (§ 397 ABGB) Intabulation (Eintragung im Grundbuch)
(§§ 451 ABGB, 13 ff GBG)
 Spediteur (§ 410 UGB)
 Lagerhalter (§ 421 UGB) • Bei verpfändeten Forderungen:
 Frachtführer (§ 440 UGB) durch Drittschuldnerverständigung
 Rechtsanwalt (§§ 19 Abs 4, 19a RAO)
• Bei gesetzlichen Pfandrechten ersetzt
das Gesetz in der Regel auch den Modus

Pfandverwertung bei Schuldnerverzug


• Gerichtliche Pfandverwertung
• Außergerichtliche Pfandverwertung
• Verwertung bei Liegenschaften

T4/K4/ 9
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Rechte und Pflichten des Pfandgläubigers

Gerichtliche Außergerichtliche Herausgabe des


Grundlegendes
Pfandverwertung Pfandverwertung Mehrbetrags

Der Pfandgläubiger Gerichtliche Befriedigung durch den Verkauf


Sollte bei der
darf die Versteigerung der Sache (§§ 466a ff ABGB)
Pfandverwertung ein
Pfandsache nicht (§§ 461 ff ABGB) • Versteigerung Mehrbetrag erzielt werden,
gebrauchen,
• Freihändig ist dieser dem
solange die Schuld
Pfandbesteller heraus zu
nicht fällig ist. Er
geben. (§ 466c ABGB)
muss die
Pfandsache
sorgfältig
verwahren und bei
Bezahlung
zurückstellen.

T4/K4/ 10
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Weitere beschränkt dingliche Rechte

Dienstbarkeiten Reallast Baurecht Superädifikat

Dienstbarkeiten sind beschränkt Dingliche Belastung eines Baurecht, ist das dingliche Recht, Es erlaubt die Errichtung eines
dingliche Nutzungsrechte an Grundstückes mit bestimmten auf oder unter der Bodenfläche Bauwerkes auf einem fremden
fremden Sachen deren Eigentümer wiederkehrenden eines fremden Grundstückes ein Grundstück, wobei entweder
verpflichtet ist etwas zu dulden oder Leistungspflichten (Geld, Bauwerk zu errichten und dieses
• die Bauweise oder
zu unterlassen. (§ 472 ABGB) Naturalien, Dienste) des im Eigentum zu halten.
Grundstückeigentümers. • die Absicht des Bauführers
das Gebäude samt Grundstück
• Grunddienstbarkeiten • Voraussetzungen: nur zeitlich begrenzt zu nutzen,
(Realservitute): • Grundreallasten  Baurecht muss auf mindestens wesentlich ist.
Die Belastung ist an das 10 Jahre, höchstens aber auf Superädifikate gelten als bewegliche
Dienen der besseren Nutzung 100 Jahre begründet werden.
Grundstück gebunden. Sachen.
des begünstigten Grundstückes
(zB Wege oder Weiderechte)  Titel: Vertrag
(§§ 487 ff ABGB) • Persönliche Reallasten  Modus: Eintragung ins Beispiele: Blumen- oder
Grundbuch Würstelstände, Marktstände
Der Anspruch auf die Leistung
steht einer bestimmten Person  Ausnahme vom Grundsatz
zu und geht mit dem Tod unter. „superficies solo cedit“
• Persönliche Dienstbarkeiten
(Personalservitute):
 Gebrauchsrecht an einer Sache
 Fruchtgenuss/Nießbrauch einer
Sache
 (§§ 504 ff ABGB)
T4/K5/ 11
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Familienrecht

Recht der
Ehe- und
Kindschaftsrecht Sachwalterschaft und
Partnerschaftsrecht
Kuratel
ABGB ABGB ABGB
• Wirkungen der Ehe (§§ 89 ff ABGB) • Allgemeine Rechte und Pflichten Sachwalter
• Ehegüterrecht (§§ 1217 ff von Eltern und Kindern (§§ 137 ff • Sachwalter als gerichtlich bestellter
ABGB) ABGB) Vertreter für volljährige, psychisch
• Abstammung kranke oder geistig behinderte
EheG (§§ 143 ff ABGB) Personen (§ 268 ABGB)
• Abschluss der Ehe (§§ 15 f EheG) • Rechtsverhältnis zwischen Eltern • Bestellung eines Sachwalters
• Auflösung der Ehe (§§ 20 ff ABGB) und Kindern ( §§ 137 ff ABGB und (§§ 273 f ABGB)
§§158 ff ABGB) • Besondere Vorschriften für
EPG
• Annahme an Kindes Statt (§§ 191 ff Sachwalter (§§ 279 ff ABGB)
• Begründung der eingetragenen ABGB, § 8 EPG) • Rechte und Pflichten des
Partnerschaft (§§ 4 ff EPG)
Sachwalters (§§ 275 ff ABGB)
• Auflösung der eingetragenen
Kuratel
Partnerschaft (§§ 13 ff EPG)
• Kurator als gerichtlich bestellter
PersonenstandsG (PStG 2013) Vertreter in „Sonderfällen“:
• Zuständigkeit zur Eheschließung bzw • Kollisionskurator (§ 271 f ABGB)
Begründung einer eingetragenen • Kurator für Ungeborene
Partnerschaft (§§ 14 ff PStG 2013) (§ 269 ABGB)
• Abwesenheitskurator
• Eintragung in das Zentrale (§ 270 ABGB)
Personenstandsregister
(§§ 20,27 PStG 2013) T6/K1/ 1
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Obligatorische Zivilehe (§ 15 EheG)

nur für unterschiedlich


geschlechtliche Paare

Formvorschriften der
Ehefähigkeit Eheverbote
Eheschließung

• Vertragsschluss unter Mitwirkung • Ehegeschäftsfähigkeit (§ 3 EheG) • Blutsverwandtschaft (§ 6 EheG)


des Standesbeamten des • Nach den allgemeinen Regeln über
die Geschäftsfähigkeit: vollendetes • „Doppelehe“ (§ 8 EheG)
Trauungsortes
18. Lebensjahr • Eingetragene Partnerschaft
Beachte: Sowohl die Ermittlung der
Ehefähigkeit als auch die Eheschließung • Beschränkt Geschäftsfähige (§ 9 EheG)
kann bei jeder Personenstandsbehörde im benötigen die Zustimmung des
gesetzlichen Vertreters (§ 3 Abs 1 • Adoption (§ 10 EheG)
Bundesgebiet vorgenommen werden
(§ 19 PStG 2013). EheG) und des Erziehungs-
berechtigten (§ 3 Abs 2 EheG). Entgegen dieser Eheverbote
• Erklärungen müssen persönlich abgeschlossene Ehen sind für
• Bei Verweigerung kann das Gericht
(keine Stellvertretung) auf Antrag die Einwilligung nichtig zu erklären, aber vorerst
abgegeben werden. ersetzen. gültig.
• Grundsätzlich Anwesenheit von Beachte: Das Eheverbot der Adoption
zwei Zeugen • Ehemündigkeit (§ 1 EheG) stellt jedoch keinen Nichtigkeitsgrund dar.
(§ 18 Abs 2 PStG 2013) • Gegeben ab dem vollendeten
• Trauung kann aber auch ohne 18. Lebensjahr
oder mit nur einem Zeugen • Ab dem vollendeten 16. Lebensjahr
vorgenommen werden (§ 18 Abs 3 kann das Gericht eine Person für
PStG 2013). ehemündig erklären.
T6/K2/ 2
• Beurkundung durch Eintragung in
das Zentrale Personenregister
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Rechtswirkungen der Ehe 1

Eheliche Lebens- Unterhalt


Ehename
gemeinschaft während der Ehe
§§ 93 ff ABGB
§ 90 ABGB § 94 ABGB

Die Ehegatten führen idR einen Die Ehegatten sind einander Die Ehegatten haben zur
gemeinsamen Familiennamen. zur umfassenden Deckung ihres Lebens-
ehelichen Lebens- unterhalts nach ihren
• Als Familienname kann auch ein
gemeinschaft verpflichtet. Möglichkeiten beizutragen.
Doppelnamen vereinbart werden.
• Gemeinsames • Derjenige Ehegatte
• Sofern sich die Ehegatten nicht Wohnen der den Haushalt
auf einen gemeinsamen • Treue führt, leistet
Familiennamen einigen können,
• Anständige Begegnung dadurch seinen
behalten sie ihre bisherigen
• Beistand Beitrag und hat
Familiennamen.
gegen den anderen einen
•Kinder führen grds den Unterhalts-
gemeinsamen Ehenamen. anspruch.
Führen die Eltern keinen
• Abweichende
gemeinsamen Familiennamen,
einvernehmliche
kann der Name eines Elternteils
Regelung ist
zum Namen des Kindes bestimmt
zulässig.
werden. Ansonsten erhält das
Kind den Familiennamen der
Mutter.
•Erklärungen sind gegenüber dem
Standesamt abzugeben.

T6/K2/ 3
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Rechtswirkungen der Ehe 2

Gemeinsame Mitwirkung im Erwerb


Ehegüterrecht
Haushaltsführung des anderen
§§ 1233, 1237 ABGB
§§ 95 f ABGB § 90 Abs 2 ABGB
Beide Ehegatten sind zur Ein Ehegatte hat im Erwerb Wenn die Ehegatten nichts
Mitwirkung an der Haushalts- des anderen mitzuwirken, anderes vereinbaren, besteht
führung verpflichtet. sofern ihm dies zumutbar und Gütertrennung:
nach den Lebensverhältnissen Die Ehe hat (zunächst) keine
• Ist ein Ehegatte nicht
der Ehegatten üblich ist. Auswirkung auf bestehende
berufstätig, hat er den
gemeinsamen Haushalt zu • Der Ehegatte, der im Erwerb Eigentumsverhältnisse:
führen. des anderen mitwirkt, hat • Jeder Ehegatte behält das
Anspruch auf angemessene Eigentum an seinen Sachen.
• Ist der haushaltsführende
Abgeltung (§ 98 ABGB). • Jeder Ehegatte wird – mangels
Ehegatte einkommenslos,
vertritt er den anderen bei • Abweichende anderer Vereinbarung –
den Rechtsgeschäften einvernehmliche Regelung Alleineigentümer dessen, was
des täglichen Lebens. ist zulässig. er während aufrechter Ehe
(„Schlüsselgewalt“, erwirbt.
§ 96 ABGB) • Beachte: Zu einer Aufteilung
des ehelichen Gebrauchs-
vermögens und der
ehelichen Ersparnisse
kommt es aber bei Scheidung.
• Abweichende Regelungen
durch sog. Ehepakte sind
zulässig. Es besteht jedoch
Notariatsaktpflicht.
T6/K2/ 4
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Auflösung der Ehe 1


Nichtigerklärung Aufhebung Tod eines Ehepartners
§§ 20 ff EheG §§ 33 ff EheG § 1448 ABGB

Beachte: Die Ehe kommt zunächst Beachte: Die Ehe kommt zunächst Der Tod wird idR durch den
gültig zustande. gültig zustande. ärztlichen Totenschein bewiesen.
Nichtigkeitsgründe: Aufhebungsgründe: Wenn der Beweis des Todes nicht
• Schwere Formmängel (§ 21 EheG) erbracht werden kann, besteht die
• Irrtum
Möglichkeit der Todeserklärung
• Geschäftsunfähigkeit (§ 22 EheG) • über die Tatsache, dass eine auf Antrag.
• Namens- oder Ehe geschlossen wurde
Staatsangehörigkeitsehe (§ 23 EheG) • über die Identität des Partners Voraussetzung:
• „Doppelehe“ (§ 24 EheG) • über wesentliche Umstände, Verschollenheit (§ 1 TEG):
die die Person des Partners • unbekannter Aufenthalt einer Person,
• eingetr. Partnerschaft (§ 24 EheG) betreffen
• nachrichtenlose Abwesenheit und
• Blutsverwandtschaft (§§ 25 iVm 6 EheG) • Mangelnde Einwilligung des • ernsthafte Zweifel am Überleben
Nichtigerklärung der Ehe auf Antrag gesetzlichen Vertreters des Verschollenen
a) des Staatsanwalts im Fall des § 23, • Arglistige Täuschung oder Drohung Fristen (§§ 3 ff TEG):
b) des Staatsanwalts oder jeder der EG in • Wiederverheiratung im Falle Die Verschollenheit muss über einen
allen anderen Fällen der fälschlichen Todeserklärung des gewissen Zeitraum bestehen. Dieser
Rechtsfolgen: früheren Ehegatten beträgt grundsätzlich 10 Jahre, verkürzt
Die Nichtigerklärung wirkt grds ex tunc. sich jedoch, wenn der Verschollene
Aufhebung auf Antrag des gewissen gefährlichen Umständen wie
• Ausnahmen: Ehegatten, dessen Willensbildung Krieg oder Flugzeugabsturz ausgesetzt
• Kinder aus für nichtig erklärten Ehen mangelhaft war war und seit dem vermisst wird (sog.
gelten als ehelich. Rechtsfolgen: Gefahrenverschollenheit).
• Die Folgen der Scheidung treten ein, • Die Aufhebung führt zur Auflösung
wenn beide EG gutgläubig waren der Ehe ex nunc.
oder, wenn nur einer gutgläubig
• Die Rechtsfolgen der Scheidung treten
war und der gutgläubige EG NICHT
ein. (§ 42 Abs 1 EheG)
erklärt, dass er es bei den Folgen
der Nichtigkeit belassen möchte. T6/K2/ 5
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Auflösung der Ehe 2

Scheidung
§§ 46 ff EheG

Einseitiges
Scheidungsbegehren Einvernehmliche Scheidung
§§ 49 ff EheG § 55a EheG

Scheidung wegen Die Ehepartner stellen einen


Scheidung wegen Scheidung aus anderen
Auflösung der häuslichen gemeinsamen Antrag auf
Verschuldens Gründen
Gemeinschaft Scheidung der Ehe.
§ 49 EheG § 50 ff EheG
§ 55 EheG
Weitere Voraussetzungen:
Zerrüttung der Ehe aufgrund Zerrüttung der Ehe Auflösung der häuslichen • Aufhebung der ehelichen
einer schweren aufgrund objektiv Gemeinschaft Lebensgemeinschaft für
Eheverfehlung eines der ehewidrigen Verhaltens Die häusliche Gemeinschaft muss mindestens ein halbes Jahr
Ehegatten eines der Ehegatten, das seit mindestens 3 Jahren • Erklärung der Ehegatten,
zB körperliche Gewalt, Ehebruch, jedoch nicht schuldhaft aufgelöst und die Ehe unheilbar dass die Ehe unheilbar zerrüttet
Verletzung der Unterhaltspflicht gesetzt wird zerrüttet sein.
sei
Wenn der Kläger die Zerrüttung
zB bei Geisteskrankheit überwiegend verschuldet hat, kann • Einigung über die
der andere Ehegatte der wesentlichen
Scheidung widersprechen; in Scheidungsfolgen (schriftlich)
diesem Fall ist dem Scheidungs-
• Obsorge über die Kinder
begehren erst stattzugeben, wenn
die häusliche Gemeinschaft • Besuchsrecht
6 Jahre aufgelöst war. • Vermögensrechtliche
Ansprüche/ Unterhalt
T6/K2/ 6
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Scheidungsfolgen
Die Auflösung der Ehe erfolgt bei der Scheidung ex nunc. Mit der Rechtskraft der Scheidung
erlöschen die mit der Eheschließung entstandenen wechselseitigen Rechte und Pflichten der
Ehegatten.

Aufteilung des
Name der Ehegatten Unterhalt
Ehevermögens
§ 62 EheG §§ 66 ff EheG
§§ 81 ff EheG

Die Ehegatten behalten Aufzuteilen sind • Bei Scheidung wegen


grundsätzlich jenen Namen, den • das eheliche Verschuldens hat der überwiegend
sie während der Ehe geführt Gebrauchsvermögen schuldige Ehegatte dem anderen
haben, bei. Das sind jene körperlichen Sachen, die den angemessenen Unterhalt
während der Ehe dem Gebrauch beider zu leisten. Bei gleichem Verschulden
Der Ehegatte, dessen Name nicht
Ehepartner gedient haben, u.a. die gebührt Unterhalt nach Billigkeit,
der gemeinsame Familienname Ehewohnung zB wegen Notlage eines Ehepartners
war, kann aber auch seinen
früheren rechtmäßig geführten • die ehelichen Ersparnisse • Trifft bei der Scheidung nach
Dabei handelt es sich um § 55 EheG den Kläger überwiegendes
Namen wieder annehmen. (§ 93a
Wertanlagen, die während der Ehe
Abs 2 ABGB) Verschulden an der Auflösung der
angesammelt wurden und die
üblicherweise zur Verwertung häuslichen Gemeinschaft, hat der
Die Bestimmung oder andere Ehegatte Anspruch auf
bestimmt sind, zB Geld,
Wiederannahme eines Wertpapiere Unterhalt wie bei aufrechter Ehe.
Familiennamens ist nur einmalig
zulässig (§ 93 b ABGB) Aufteilung nach Billigkeit • Bei einvernehmlicher Scheidung
Zu berücksichtigen sind: richtet sich die Unterhaltspflicht
• Beiträge der Ehegatten nach der Scheidungsvereinbarung.
• Wohl der Kinder

T6/K2/ 7
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Eingetragene Partnerschaft
nur für gleichgeschlechtliche
Paare (§§ 1, 5 Abs 1 Z 1 EPG)

Begründungshindernisse
Begründung Auflösung
(§ 5 EPG)

• durch die Gerichte • Ehe oder eingetragene


• Beide Partner müssen volljährig
Partnerschaft (§ 5 Z 2 EheG)
sein (§ 4 Abs 1 EPG) • Auflösungsgründe entsprechen im
Wesentlichen den Bestimmungen über • Blutsverwandtschaft
• Vertragsschluss vor dem
Ehescheidung, Aufhebung und oder Adoption (§ 5 Z 3 EheG)
Standesamt (§ 25 Abs 3 PStG 2013 ) Nichtigkeit der Ehe
• Erklärungen müssen persönlich • wegen Willensmängeln (§ 14 EPG) Besonderheiten
(keine Stellvertretung) abgegeben
werden • zB bei Nötigung
•eine medizinisch unterstützte
• Es sind keine Zeugen erforderlich • wegen Verschuldens oder wegen
Fortpflanzung ist mittlerweile zulässig
Zerrüttung (§ 15 EPG)
(§ 2 Abs 1 FMedG)
• bei schweren Verfehlungen
• Seit Mitte 2013 ist es möglich ein
• bei 3-jähriger Aufhebung der
leibliches Kind des Partners zu
häuslichen Gemeinschaft
adoptieren; bislang war die
• Die Bestimmungen des Ehegüterrechts sind • Nichtigkeit (§ 19 EPG) gemeinsame Adoption eines fremden
auf eingetragene Partnerschaften • zB „Doppelpartnerschaft“ Kindes nur Eheleuten vorbehalten (§
sinngemäß anzuwenden (vgl § 1217 Abs 2 191 Abs 2 S 1 ABGB aF; § 8 Abs 4
ABGB).
EPG aF). Diese Bestimmungen wurden
• Dasselbe gilt für die Bestimmungen über jedoch durch den VfGH mit Wirkung
die Namensführung (§§ 93, 93a und 93b
ABGB) und die Trauung (§ 18 Abs. 1 bis 3
zum 01.01. 2016 aufgehoben
PStG) (vgl § 25 Abs 3 PStG 2013 ). T6/K3/ 8
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Kindschaftsrecht

Mutter Anderer Elternteil (Vater


§ 143 ABGB oder andere Frau)
§ 144 ABGB
Mutter ist die Frau, die das Kind
geboren hat.
• Vaterschaftsvermutung • Vermutung der Elternschaft
• Vater ist jener Mann, der mit der Mutter • Ist an der Mutter innerhalb von nicht mehr als 300 Tagen und nicht weniger als 180
im Zeitpunkt der Geburt verheiratet ist Tagen (=empfängniskritische Zeit) vor der Geburt eine medizinisch unterstützte
oder Fortpflanzung durchgeführt worden, so ist jene Frau Elternteil, die
• als Ehemann der Mutter nicht früher als • mit der Mutter im Zeitpunkt der Geburt des Kindes in eingetragener Partnerschaft
300 Tage vor der Geburt des Kindes verbunden ist oder
verstorben ist.
• als eingetragene Partnerin der Mutter nicht früher als 300 Tag vor der Geburt des
Kindes verstorben ist gilt jener Mann, der mit der Mutter im Zeitpunkt der Geburt
verheiratet ist

• Feststellung der Vaterschaft/Elternschaft


• Anerkenntnis des Vaters und des anderen Elternteils §§ 145 ff ABGB
Das Anerkenntnis der Vaterschaft bzw der Elternschaft erfolgt durch persönliche Erklärung des Mannes bzw der anderen
Frau (gemeint ist die „bloße“ Lebensgefährtin der Mutter) mittels öffentlicher oder öffentlich beglaubigter Urkunde.
Beachte: Die Feststellung der Vaterschaft erfolgt hier lediglich aufgrund der Erklärung des Mannes, ein Beweis der biologischen Vaterschaft ist nicht
erforderlich. Mutter und Kind kommt aber ein Widerspruchsrecht zu. Im Falle des Anerkenntnis der Elternschaft ist hingegen ein Nachweis über die
an der Mutter durchgeführten, medizinisch unterstützten Fortpflanzung beizulegen.

• Gerichtliche Feststellung der Vaterschaft/Elternschaft §§ 148 ff ABGB


Die Vaterschaft bzw Elternschaft wird aufgrund einer Klage von Vater oder Kind in einem gerichtlichen Verfahren
festgestellt. Wird die biologische Vaterschaft behauptet, so findet ein Beweisverfahren statt; im Fall einer medizinisch
unterstützten Fortpflanzung ist die Vaterschaft jenes Mannes bzw die Elternschaft jener Frau festzustellen, welche/r
dieser medizinisch unterstützten Fortpflanzung in FormT6/K4/
eines9Notariatsakts zugestimmt hat
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Begründung von Kindschaftsverhältnissen

mit der Geburt durch Adoption

Kind von nicht verheirateten


Kind von Ehegatten oder
Eltern oder nicht eingetragenen • Annahme eines fremden Kindes an Kindes
eingetragenen Partnern
Partnern Statt
• zur Mutter • zur Mutter • Schriftlicher Vertrag zwischen dem/den
Annehmenden und der anzunehmenden
• zum Ehemann der Mutter • zum Vater bzw zur
Person (§ 192 ABGB)
Der Ehemann kann jedoch anderen Frau nicht mit der
Klage auf Feststellung, dass Beachte: Handelt es sich bei der anzunehmenden
Geburt, sondern Person um einen Minderjährigen, bedarf dieser der
das Kind nicht von ihm
abstammt, erheben. • durch Anerkenntnis der Vertretung durch seinen gesetzlichen Vertreter. Dies ist
Vaterschaft/Elternschaft häufig der Jugendwohlfahrtsträger, dem die leiblichen
• zur eingetragenen Eltern die Vertretung des Kindes gem. § 208 ABGB
Partnerin der Mutter • durch gerichtliche Feststellung übertragen.
Auch die eingetragene Partnerin der Vaterschaft/Elternschaft • Gerichtliche Bewilligung erforderlich
kann die Elternschaft durch den
Nachweis beseitigen, dass das
• Bislang war die gemeinsame Annahme
Kind nicht durch die konsentierte eines Wahlkindes nur durch Ehegatten
medizinische unterstützte zulässig. (§ 191 Abs 2 ABGB aF;§ 8 Abs 4
Fortpflanzung, sondern etwa von EPG aF). Diese Bestimmungen wurden jedoch
einem Dritten auf natürliche durch den VfGH mit Wirkung zum 01.01. 2016
Weise gezeigt worden ist.
aufgehoben.
Eheliche und „uneheliche“ Kinder sind grundsätzlich rechtlich gleichgestellt.
Unterschiede gibt es vor allem bei Familienname und Obsorge. Beachte: Bereits mit dem Adoptionsrechts-
• Das eheliche Kind erhält den gemeinsamen Familiennamen der Eltern, das „uneheliche“ Änderungsgesetz 2013 wurde die Möglichkeit
jenen der Mutter.
geschaffen, das leibliche Kind des EP oder
• Mit der Obsorge für das eheliche Kind sind grundsätzlich Vater und Mutter betraut, mit
jener für das uneheliche Kind nur die Mutter. Eine gemeinsame Obsorge mit dem Vater
Lebensgefährten zu adoptieren.
kann jedoch vor dem Standesbeamten vereinbart werden T6/K4/ 10
• Dies gilt sinngemäß auch für Kinder von eingetragenen und nicht eingetragenen Partnern
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Inhalt des Kindschaftsverhältnisses

Obsorge Unterhalt
§§ 158 ff ABGB § 231 ABGB

• Die elterliche Obsorge umfasst • Die Eltern müssen nach ihren Kräften zur
• Pflege und Erziehung des Kindes Deckung der Bedürfnisse des Kindes
Dazu gehören die Wahrung des körperlichen beitragen.
Wohls und der Gesundheit, die Bestimmung des • Kriterien für die Höhe des
Aufenthaltsorts, die Aufsicht und die
Förderung der Fähigkeiten.
Unterhaltsanspruchs:
Der Wille des Kindes ist dabei nach Möglichkeit zu • Lebensverhältnisse der Eltern
berücksichtigen.
• Anlagen, Fähigkeiten und
• Vermögensverwaltung Entwicklungsmöglichkeiten des Kindes
Die Eltern haben das Vermögen des Kindes
sorgfältig zu verwalten. Maßnahmen, die nicht zum • Eigene Einkünfte des Kindes
„ordentlichen Wirtschaftsbetrieb“ gehören, • Anspruch auf Unterhalt haben Kinder bis
bedürfen der gerichtlichen Genehmigung.
zum Erreichen der Selbsterhaltungs-
• Gesetzliche Vertretung fähigkeit.
Jeder Elternteil ist berechtigt und verpflichtet, das Beachte: Dies entspricht nicht dem Erreichen der
minderjährige Kind bei rechtsgeschäftlichen Volljährigkeit, sondern kann bereits davor, aber auch
Handlungen zu vertreten. In wichtigen erst zu einem späteren Zeitpunkt (zB idR Abschluss
Angelegenheiten (wie Änderung des Namens, des Studiums) eintreten. Weiters kann ein bereits
Erwerb einer Staatsangehörigkeit, vorzeitige erloschener Unterhaltsanspruch wieder aufleben,
Lösung eines Ausbildungs- oder Dienstvertrags wenn das Kind seine Selbsterhaltungsfähigkeit
des Kindes) muss der andere Elternteil verliert.
zustimmen (§ 167 Abs 2 ABGB).
•uU kann auch das Kind seinen Eltern gegenüber
• Die Obsorgepflicht der Eltern endet mit der unterhaltspflichtig sein.
Volljährigkeit des Kindes.

T6/K4/ 11
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Obsorge anderer Personen für Minderjährige


Andere geeignete
Eltern, (Großeltern) Jugendwohlfahrtsträger
Personen
§ 145 ABGB § 207 ff ABGB
§ 204 ABGB
• Die verheirateten Eltern oder in • Das Gericht hat eine • Die Obsorge ist an den
einer eingetragenen Partnerschaft andere geeignete Person Jugendwohlfahrtsträger
lebenden Elternteile sind mit der Obsorge zu (Magistrat oder Bezirks-
gemeinsam; bei unverheirateten betrauen. hauptmannschaft) zu
Eltern oder nicht eingetragenen • „Andere geeignete übertragen, wenn eine
Partnern ist die Mutter des Kindes Personen“ können andere Betrauung einer anderen
zur Obsorge berechtigt und Verwandte oder nahe geeigneten Person nicht
verpflichtet. Eine Betrauung des stehende Personen sein. möglich ist.
Vaters (bzw der Partnerin) ist bei • Der Jugendwohlfahrtsträger ist
Unverheirateten (bzw nicht • Auswahlkriterium ist in
erster Linie das Wohl des ex lege mit der Obsorge über
eingetragenen Partnern) vor dem im Inland gefundene
Standesamt möglich (§§ 177 ABGB) Kindes; Wünsche von
Kind und Eltern sind zu Minderjährige betraut, deren
• Sind die Eltern bzw die Mutter zur berücksichtigen. Eltern unbekannt sind.
Obsorge nicht in der Lage oder ist (§ 207 ABGB)
sie ihnen entzogen, können die • Der Jugendwohlfahrtsträger
Großeltern oder (beim unehelichen hat zur Wahrung des Wohls
Kind) der Vater damit betraut des Minderjährigen die
werden. notwendigen gerichtlichen
Exkurs: Pflegekindschaft Verfügungen über die
(§§ 184 f ABGB) Obsorge zu beantragen.
Die Pflege und Erziehung eines Kindes (§ 211 ABGB)
kann auf Pflegeeltern übertragen werden;
die Vermögensverwaltung und Vertretung
bleiben zunächst beim
Obsorgeberechtigten. Werden sie diesem
T6/K4/ 12
entzogen, können damit ebenfalls die
Pflegeeltern betraut werden.
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Sachwalterschaft und Kuratel

Rechtsgeschäftliche
Sachwalterschaft Kuratel
Vorsorgevollmacht
§§ 268, 279 ff ABGB §§ 269 ff ABGB
§§ 284f ff ABGB
• Die Vorsorgevollmacht wird • Ein Sachwalter ist für eine volljährige Person • Ein Kollisionskurator ist für
wirksam, sobald der zu bestellen, die aufgrund psychischer Angelegenheiten zu bestellen,
Vollmachtgeber zur Besorgung Krankheit oder geistiger Behinderung nicht in denen die Interessen eines
der in der Vollmacht in der Lage ist, ihre Angelegenheiten ohne Minderjährigen im
Gefahr eines Nachteils für sich selbst zu
angeführten Angelegenheiten Widerspruch zu den
besorgen. (§ 268 Abs 1 ABGB)
nicht mehr in der Lage ist. Eigeninteressen seines
• Die Bestellung ist unzulässig, wenn für die gesetzlichen Vertreters stehen.
• Der Bevollmächtigte darf in Besorgung der Angelegenheiten auf andere
(§§ 271f ABGB)
keiner engen Beziehung zu Weise vorgesorgt ist.
jener Krankenanstalt oder • Betreuung durch Familie oder • Ein Kurator für Ungeborene
jenem Heim stehen, in dem soziale Einrichtungen ist zu bestellen, um dessen
sich der Vollmachtgeber aufhält. • Vorsorgevollmacht Interessen im Zuge eines
• Auswahl des Sachwalters: Verlassenschaftsverfahrens
• Besondere Formerfordernisse:
Zu Bestellen ist eine geeignete, dem Betroffenen oder bei der Durchsetzung
• Notariatsakt oder nahe stehende Person. Wünsche, die die anderer Rechte zu wahren.
behinderte Person vor Verlust der Einsichtsfähigkeit (§ 269 ABGB)
• Eigenhändig verfasste und geäußert hat (sog „Sachwalterverfügung“ ), sind
unterschriebene Vollmacht zu berücksichtigen. • Ein Kurator für Abwesende
oder oder unbekannte Teilnehmer
• Umfang der Bestellung:
• Eigenhändig unterschriebene Ein Sachwalter kann für einzelne, alle oder einen an einem Geschäft ist zu
Vollmacht und Bekräftigung bestimmten Kreis von Angelegenheiten bestellt bestellen, wenn diese sonst
vor drei Zeugen, dass die werden. Er hat aber jedenfalls für die gebotene
keinen Vertreter haben und
ärztliche und soziale Betreuung Sorge zu tragen.
Vollmacht dem Willen des (§ 282 ABGB) ihre Rechte oder die Rechte
Erklärenden entspricht Dritter gefährdet sind.
(§ 270 ABGB)
T6/K4/ 13
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Zusammenfassung: Vertretung

Rechtgeschäftliche Organmäßige
Gesetzliche Vertretung
Stellvertretung Vertretung

• Die rechtsgeschäftliche • Die Rechtsordnung nimmt • Juristische Personen sind nicht


Stellvertretung beruht auf dem Personen, die sie als besonders geschäftsfähig. Sie handeln durch
Grundsatz der Privatautonomie. schutzbedürftig ansieht, die ihre Organe.
Fähigkeit, selbst Rechtsgeschäfte
• Sie wird durch rechtsgeschäftliche • Organschaftliche Vertreter sind
abzuschließen (Beschränkung
Einräumung von Vertretungsmacht, ua
der Geschäftsfähigkeit).
sog Bevollmächtigung, • der Vorstand einer AG
begründet. • Nicht (voll) geschäftsfähige
Personen erhalten deshalb einen • der Geschäftsführer einer
• Beachte: GmbH
gesetzlichen Vertreter.
Eine rechtsgeschäftliche
Bevollmächtigung liegt auch bei
„Geistig behinderte“
der Vorsorgevollmacht vor. Minderjährige
volljährige Personen

Eltern, (Großeltern) Sachwalter


Ist für eine geistig behinderte oder
psychisch kranke Person kein
Andere, mit der Sachwalter bestellt, sieht das
Obsorge betraute Nächste Angehörige Gesetz eine Vertretungsbefugnis
Personen nächster Angehöriger für
Rechtsgeschäfte des täglichen
Lebens vor (§ 284b ff ABGB).
Jugendwohl-
fahrtsträger

T6/K4/ 14
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Erbrecht

im objektiven Sinn im subjektiven Sinn

… ist die Summe jener Normen, welche … ist die Befugnis, die Verlassenschaft
das rechtliche Schicksal der ganz oder zu einem nach Quoten
Verlassenschaft regeln. bestimmten Teil übertragen zu erhalten.
• Es dient der Überleitung des • Das (subjektive) Erbrecht ist ein
Vermögens des Verstorbenen an die (gegenüber jedermann durchsetzbares)
„Hinterbliebenen“. absolutes Erwerbsrecht. Es ist
veräußerlich und vererblich.
• Grundsätzlich sind nur private Rechte
und Pflichten davon betroffen. • Der Erbe ist Gesamtrechtsnachfolger in
die gesamte Verlassenschaft: Alle Rechte
und Pflichten gehen auf ihn über. Somit
heißt „erben“ auch „haften“.

T7/K1/ 15
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Grundsätze des Erbrechts

Testierfreiheit Familiennachfolge Aneignung durch den Bund

• Abgleitet aus der Privatautonomie • Pflichtteilsrecht für nahe Angehörige • Wenn kein zur Erbfolge
• Sie ermöglicht dem Verstorbenen • Zwingender Mindestanteil des Berechtigter vorhanden ist und
nach seinem Willen über sein Nachlass geht an bestimmte auch sonst niemand die
Vermögen zu verfügen Angehörige Verlassenschaft erwirbt, hat der
Bund das Recht sich die
• Es bestehen teilweise Verlassenschaft anzueignen
Einschränkungen

T6/K3/ 16
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Erbrecht

Erbe Ersatzerbe Nacherbe

Erbe ist, wer in die Rechte und Ersatzerbe ist, wer erben soll, Nacherbe ist hingegen, wer nach
Pflichten des Verstorbenen durch wenn der „Ersterbe“ die Erbschaft dem Ersterben erbt. Der
Universalsukzession nachfolgt. nicht erlangt. „Ersterbe“ hat also die Erbschaft
bereits erlangt.
Der Verstorbene kann beliebig
Besonderheit: Vermächtnis viele Zeitgenossen als
Nacherben einsetzen.
Mittels Vermächtnis vermacht der Verstorbene einem
Vermächtnisnehmer nur einzelne Ansprüche auf bestimmte Sachen oder Bei zukünftig gezeugten
Rechte. Personen (Nachkommen), ist die
Auswahl an Nacherben ABER
Vermächtnisnehmer sind keine Erben. Man spricht auch von
begrenzt:
Singularsukzession.
• Bei beweglichen Sachen
2 Nacherben
Zum gesetzlichen Pflegevermächtnis:
• Bei unbeweglichen Sachen
Einer dem Verstorbenen nahe stehenden Person, die diesen in den letzten 1 Nacherbe
drei Jahren vor seinem Tod mindestens sechs Monate in nicht bloß
geringfügigem Ausmaß gepflegt hat, gebührt dafür ein gesetzliches
Vermächtnis („Pflegevermächtnis“), soweit nicht eine Zuwendung gewährt
oder ein Entgelt vereinbart wurde (§ 677 ff ABGB).

T7/K2/ 17
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Verlassenschaftsverfahren
Verlassenschaftsverfahren

Tod des Annahme der


Verlassenschaft Einantwortung
Verstorbenen Erbschaft

• Das Vermögen des


Vermächtnis- Verstorbenen „gehört Erbantrittserklärung Gerichtsbeschluss
Erbe
nehmer sich selbst“. §§ 799 ff ABGB §§ 797, 819 ABGB
• Dabei handelt es sich
Gesamtrechts- Einzelrechts- um eine juristische Universalsukzession
nachfolger nachfolger Person
(Universal- (Singular- (§ 546 ABGB).
sukzession) sukzession)

Beachte: Schuldrechtlicher
Unbedingte Bedingte Negative
Erben heißt Anspruch gegen Erbantrittserklärung Erbantrittserklärung Erbantrittserklärung
auch haften! den/die Erben. § 801 ABGB § 802 ABGB („Entschlagung“)

T7/K1/ 18
o. Univ.-Prof. Dr. Dr. Arthur Weilinger Grundzüge des Rechts SS 2017

Rechtsfolgen der Erbantrittserklärung

Unbedingte Bedingte Negative


Erbantrittserklärung Erbantrittserklärung Erbantrittserklärung
§ 801 ABGB § 802 ABGB („Entschlagung“)

Die unbedingte Die bedingte Erbantrittserklärung Als Entschlagung bezeichnet man


Erbantrittserklärung ist die ist die Annahme einer Erbschaft die gegenüber dem
Annahme einer Erbschaft ohne mit Haftungsvorbehalt. Abhandlungsgericht abgegebene
Haftungsvorbehalt. Erklärung, die Erbschaft nicht
anzunehmen.

Rechtsfolgen: Rechtsfolgen: Rechtsfolgen:


• Der Erbe haftet für • Der Erbe haftet für • Der Erbe scheidet „rückwirkend“
Verbindlichkeiten aus der Verbindlichkeiten aus der aus dem Verlassenschafts-
Verlassenschaft unbeschränkt und Verlassenschaft zwar mit seinem verfahren aus.
mit seinem gesamten Vermögen. gesamten Vermögen, aber
begrenzt mit dem Wert des • Die Entschlagung wirkt jedoch
Vermögens, das er aus der nicht zu Lasten seiner
Verlassenschaft erhält. Nachkommen.
• Bei Abgabe einer bedingten
Erbantrittserklärung muss ein
Inventar errichtet werden.
Beachte: Durch die Inventarisierung
fallen zusätzliche Kosten an.

T7/K2/ 19
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Erbrecht

Testierfreiheit Gesetzliche Erbfolge Pflichtteilsrecht

T7/K3-K4/ 20
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Testierfreiheit

Testierfähigkeit Testamentsformen

• Volle Testierfähigkeit besteht ab dem 18. • Eigenhändiges Testament (§ 578 ABGB)


Lebensjahr (§ 569 ABGB) Das eigenhändige Testament muss sowohl eigenhändig
• Ab dem 14. Lebensjahr kann ein Testament durch geschrieben, als auch unterschrieben sein.
Erklärung vor Gericht oder Notar errichtet werden. • Fremdhändiges Testament
(§§ 579 ff ABGB)
Das fremdhändige Testament muss vom Verfügenden
in Gegenwart von 3 gleichzeitig anwesenden Zeugen
eigenhändig unterschrieben und mit einem eigenhändigen
Zusatz versehen werden, dass diese Urkunde seine letzten
Willen enthält. Weiters müssen die 3 Zeugen deren
Identität aus der Urkunde hervorgehen muss, auf der Urkunde
mit einem auf ihre Eigenschaft als Zeugen hinweisenden und
eigenhändig geschriebenen Zusatz unterschreiben.
• Nottestamente (§ 584 ABGB)
Nottestamentsformen (schriftlich und mündlich) ermöglichen
das Testieren in vereinfachter Form, wenn unmittelbar die
Gefahr droht, dass der Verfügende stirbt oder seine
Testierfähigkeit verliert (2 Zeugen notwendig).
• Öffentliche Testamente vor Gericht
oder Notar (§§ 581 ff ABGB)

T7/K3-K4/ 21
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Gesetzliche Erbfolge

1. Linie (§ 732 ABGB) Ehepartner bzw


Abkömmlinge: Kinder; eingetragener
deren Nachkommen haben ein Eintrittsrecht Partner
(§§ 733 f ABGB) (§§ 744 ff ABGB)

2. Linie (§§ 735 ff ABGB) Eltern und deren Ҁ


Nachkommen + Anteil
vorverstorbener
Elternteile des
Verstorbenen

3. Linie (§§ 738 ff ABGB) Großeltern und gesamter Nachlass


deren Nachkommen

4. Linie (§ 741 ABGB)


Urgroßeltern

Außerordentliches Erbrecht des Lebensgefährten


(§ 748 ABGB)

Außerordentliches Erbrecht der


Vermächtnisnehmer (§ 749 ABGB)
T7/K3-K4/ 22
Aneignung durch den Bund
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Pflichtteilsrecht

• Grundsätzliches: • Kreis der Pflichtteilsberechtigten:


• setzt Nichtvorliegen eines • Nachkommen des Verstorbenen
Enterbungsgrunds voraus • Ehegatte oder eingetragener
• schuldrechtlicher Anspruch in Partner
Geld gegen den/die Erben •Höhe:
• §§ 756 ff ABGB • Der Pflichtteil beträgt die Hälfte des
gesetzlichen Erbteils
• Eine Reduktion des Pflichtteils um
weitere 50% durch letztwillige
Verfügung ist möglich, wenn der
Verstorbene und der
Pflichtteilsberechtigte zu keiner Zeit
– oder zumindest über einen
längeren Zeitraum (20 Jahre) nicht
– in einem Naheverhältnis standen,
wie es zwischen solchen
Familienangehörigen gewöhnlich
besteht (§ 776 ABGB).
zB Adoptivkind zu den leiblichen Eltern

T7/K3-K4/ 23
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Gesetzliche Ansprüche des Ehegatten bzw des


eingetragenen Partners

Gesetzliches Erbrecht Vorausvermächtnis Unterhaltsanspruch


§ 744 ff ABGB § 745 ABGB gegen die Erben

Umfang des gesetzlichen Erbrechts • Recht in der Ehewohnung weiter zu • Unterhaltsanspruch gegen die Erben
hängt von der vorhandenen „Linie“ wohnen, und wie bei aufrechter Ehe oder
ab eingetragener Partnerschaft
• die zum ehelichen Haushalt
 Konkurrenzverhältnis gehörenden beweglichen Sachen zu • Anspruch besteht nur bis zur
benutzen, soweit sie zu dessen Wiederverehelichung
Fortführung entsprechend den
bisherigen Lebensverhältnissen
erforderlich sind
• Auch dem Lebensgefährten steht
ein solches Vorausvermächtnis zu,
jedoch nur befristet auf ein Jahr
(§ 745 Abs 2 ABGB)

Besonderheit bei Ehegatten bzw eingetragenen Partnern:


Erbvertrag (§ 1249 ff ABGB)
• Zwischen Ehegatten sowie eingetragenen Partnern kann auch durch Abschluss eines Erbvertrags über Vermögen
letztwillig verfügt werden.
• In der Form eines Notariatsaktes
• Nur bis zu ¾ der Verlassenschaft
T7/K3-K4/ 24
• Entweder dürfen sie sich gegenseitig oder der eine den anderen einsetzen.
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Ausnahmen vom Pflichtteilsrecht

Vereinbarung eines Erbverzichts Vorliegen eines Enterbungsgrundes

Vertrag zwischen dem Verstorbenen und einem Bei Vorliegen eines „Enterbungsgrundes“ kann der Erb-
(pflichtteilsberechtigten) potentiellen Erben, in dem und va der Pflichtteil ganz (oder teilweise) durch eine
letzterer auf seinen gesetzlichen Erb- bzw letztwillige Verfügung entzogen werden.
Pflichtteilsanspruch verzichtet. (§ 551 S 1 ABGB) (§ 769 ff ABGB)
Gründe:
• Ist nur gültig in der Form eines Notariatsaktes oder Wenn ein Erbberechtigter
wenn er vor Gericht protokolliert wurde.
• gegen den Verstorbenen (oder ihm nahestehende
• Sofern keine abweichende Vereinbarung getroffen Personen) eine gerichtlich strafbare Handlung
wurde, wirkt der Verzicht auf den gesamten begangen hat, die nur vorsätzlich begangen werden
„Folgestamm“ des Verzichtenden. kann und mit mehr als einjähriger Freiheitsstrafe
bedroht ist
Umfang: • absichtlich die Verwirklichung des wahren letzten
• „gesamtes“ (gesetzliches) Erbrecht, auch den Willens des Verstorbenen vereitelt oder zu vereiteln
Pflichtteil! versucht hat
• dem Verstorbenen in verwerflicher Weise schweres
seelisches Leid zugefügt hat oder sonst seine
familienrechtlichen Pflichten gegenüber dem
Verstorbenen gröblich vernachlässigt hat
• wegen einer oder mehrerer mit Vorsatz begangener
strafbarer Handlungen zu einer lebenslangen oder
zwanzigjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden ist

T7/K2/ 25