22 Expertenforum

eLearning Zwischen Hypetatsächlichem
Bewertung aktueller LMS-Trends
und
Mehrwert
EXPERTENFORUM

Learning Management Systems stellen weiterhin die zentrale Lerninfra-
struktur im deutschsprachigen Raum dar. Doch um nichts von der Re-
levanz zur verlieren, müssen sich LMS stetig weiterentwickeln, um etwa
neue Ansätze und Technologien zu unterstützen. Gleichzeitig setzt sich
nicht jede Entwicklung am Ende am Markt auch durch, d.h. es muss im-
mer abgewogen werden, welche Trends auch wirklich eine Praxisrelevanz
besitzen. Im Rahmen des Kaufberaters hat das eLearning Journal vier
Experten zu ihren Erfahrungen und Prognosen zu aktuellen Trends aus
dem LMS-Umfeld befragt.

Trend: Cloud einer flächendeckenden Verbreitung entfernt zu sein.
Der Trend sei allerdings positiv und vor allem in grö-
Cloudbasierte LMS haben in den vergangenen Jahren ßeren Unternehmen würde die vorherrschende Zu-
konstant an Bedeutung und Verbreitung gewonnen. rückhaltung gegenüber Cloud-Lösungen zunehmend
Einfache Skalierbarkeit, unkomplizierte Implemen- verschwinden. Eine ähnliche Auffassung vertritt auch
tierung oder geringere Start-up- sowie Maintenance- Dr. Daniel Stoller-Schai von der CREALOGIX AG. „Ich
Kosten sind nur einige der Argumente, die für ein weiß nicht, was heute die Gründe sein können, nicht
cloudbasiertes LMS sprechen. Jedoch können gerade auf ein cloudbasiertes LMS zu setzen“, so seine Ein-
in Deutschland Bedenken rund um den Datenschutz schätzung der aktuellen Situation. „Cloudbasierte
oder Serverstandort den Einsatz eines Cloud-LMS er- LMS werden zur gängigen Nutzungsform. On premise
schweren. Wie verbreitet sind cloudbasierte LMS also Lösungen sind im Unterhalt und Betrieb zu aufwändig
im deutschsprachigen Raum und welches Potential und schlussendlich zu teuer.“
hat dieser Trend für die kommenden Jahre?
Trend: Extended Enterprise
Um diese Fragen beantworten zu können, sollte man
sich zunächst Gedanken darüber machen, was „Cloud“ Typischerweise konzentrieren sich LMS noch immer
in diesem Kontext überhaupt bedeutet. „Cloud ist ein in erster Linie auf die Mitarbeiter eines Unterneh-
sehr dehnbarer Begriff. Eine echte Cloud-Umgebung mens – externe Zielgruppen wie Partner, Lieferanten
oder eher eine private Cloud, da gibt es sehr viele oder Kunden werden in der Regel nicht berücksich-
Auffassungen“, so die Erfahrung von Julien Boppert tigt. Dabei kann es sich für Unternehmen durchaus
von der Magh und Boppert GmbH. „Grundsätzlich ver- lohnen, diese externen Zielgruppen in den Lernpro-
stehen die Kunden darunter, dass sie Ihre Software zessen zu berücksichtigen, etwa weil dadurch die Ent-
aus dem Internet ohne lokale Installation beziehen. wicklungskosten von Trainingsmaßnahmen teilweise
Davon gibt es mittlerweile bei fast jedem Anbieter ein refinanziert werden können oder eine bessere Kun-
entsprechendes Angebot“. denbindung erreicht werden kann.

Folgt man dieser Definition ergeben sich für ein Soweit zumindest die Theorie. Doch lohnen sich der
cloudbasiertes LMS eine Reihe von Vorteilen. „Neben Einsatz eines Extended Enterprise LMS auch in der
dem stets verfügbaren und ortsunabhängigen Zugriff Praxis? Für Onno Reiners von der M.I.T e-Solutions
mittels sämtlicher Endgeräte gibt es noch weitere As- GmbH hängt die Antwort auf diese Frage von der ei-
pekte wie Kosten- und Zeitersparnis bei Implementie- genen Kosten/Nutzen-Rechnung ab: „Inwieweit rech-
rung und Wartung oder etwa der Entfall lästiger Soft- nen sich bei externen Zielgruppen digitale oder digital
ware-Updates“, so Nicole Nagel von WTT CampusONE angereicherte Kommunikations- und Schulungsmaß-
GmbH. Dennoch scheinen cloudbasierte LMS nach nahmen gegenüber rein analogen oder klassischen
der Erfahrung von Nicole Nagel bisher noch weit von Methoden und Medien? Welche nicht direkt quantifi-

ZITAT
„Es gibt noch einige Trends, die in modernen, hubbasierten Lernplattformen zu erwähnen
sind: Zu nennen sind unter anderem Artificial Intelligence und Recommendation Engines
für die Umsetzung von adaptiven, personalisierten Lernangeboten, der Einsatz von Skills
Management in Kombination mit standardisierten Jobprofilen und national oder internati-
onl anerkannten Zertfikaten, sowie die Implementierung von Learning Record Stores und
Learning Relation Managers, um die Bildungshistorie von Lernenden aufzuzeichnen und
Verküpfungen zu anderen ähnlichen Personen aufzuzeigen.“

Dr. Daniel Stoller-Schai, CREALOGIX AG

eLearning Journal | Kaufberater & Markt 2018/2019: LMS, Autorentools & Co.
Expertenforum 23

ZITAT
„Typischerweise konzentrieren sich LMS auf die Mitarbeiter eines Unternehmens – externe
Zielgruppen wie Partner, Lieferanten oder Kunden werden in der Regel nicht berücksichtigt.
Dabei kann es sich für Unternehmen durchaus lohnen, diese externen Zielgruppen in den
Lernprozessen zu berücksichtigen, etwa durch eine teilweise Refinanzierung der Entwick-
lungskosten von Trainingsmaßnahmen oder eine bessere Kundenbindung.“

Onno Reiners, M.I.T e-Solutions GmbH

zierbaren Vorteile wie Imagegewinn, Markenstärkung Einschätzung nach das Thema Extended Enterprise
oder Corporate Branding Effekte hat ein Extended von Anfang an im Auge haben.
Enterprise LMS?“
Trend: Gamification
Doch wie können die Vorteile bzw. Mehrwerte einer
Extended Enterprise-Lösung konkret aussehen? „Die Während das Thema Gamification in der betriebli-
Einbeziehung des gesamten Geschäftsnetzwerks in chen Bildung vor drei bis vier Jahren noch weitge-
die Weiterbildungsstrategie kann an vielen Stellen hend belächelt wurde, scheinen sich Gamification-
Wettbewerbsvorteile bieten, z.B. wenn durch Einbin- Elemente insbesondere im internationalen aber auch
dung von Kooperationspartnern und Lieferanten Feh- im deutschsprachigen Markt rasant verbreitet zu
ler vermieden werden, was so zu einem geringeren haben. Immer mehr LMS haben deshalb ausgewählte
Serviceaufkommen und somit zu einer Kostenredu- Gamification-Elemente integriert. Die Platte der ver-
zierung führt. Ein weiteres Beispiel für eine wertvolle wendeten Elemente ist dabei groß und reicht von ein-
und sinnvolle Ausweitung der Weiterbildungsstrate- fachen Punktesystemen und Badges über Rang- bzw.
gie auf externe Unternehmen besteht z.B. bei der Ge- Bestenlisten bis hin zu ganzen Belohnungssystemen.
währleistung von Sicherheitsvorschriften bei Fremd-
firmen auf dem Werksgelänge. Hier können Externe Auch die befragten Experten sind sich weitgehend ei-
Mitarbeiter schnell und unkompliziert im Vorfeld ge- nig, dass Gamification-Elemente im Kontext von LMS
schult und mit den lokalen Verhältnissen vertraut ge- in den vergangenen Jahren deutlich an Relevanz ge-
macht werden“, so Nicole Nagel. wonnen haben. „Die Relevanz steigt immer mehr. Das
ist auch logisch, denn die Mitarbeiter wollen etwas er-
Noch unkritischer sieht es sogar Julien Boppert, denn leben. Der Spaß darf nicht zu kurz kommen. Die Zeit
seiner Meinung nach lohnt sich eine Extended Enter- der langweiligen Lerneinheiten ist endlich zu Ende.
prise-Lösung eigentlich immer. „Irgendwann kommt Das Thema Gamification soll ja den Reiz ausmachen,
der Punkt, bei dem eine neue Zielgruppe außerhalb dass ein Lerner gerne wiederkommt“, bringt Julien
des Unternehmens geschult werden soll und dann Boppert den generellen Tenor auf den Punkt.
rentiert sich die Anschaffung. Wichtig ist ja nur, dass
das ausgewählte LMS weitere Zielgruppen ohne Pro- Diese Entwicklung ist nicht verwunderlich, schließlich
bleme aufnehmen kann“, so die Begründung für seine soll sich Gamification positiv auf die Motivation der
Einschätzung. Lerner auswirken, was so etwas wie der „Heilige Gral“
der betrieblichen Bildung darstellt. „‘Der Mensch ist
Vor diesem Hintergrund ist es nicht überraschend, nur da ganz Mensch, wo er spielt‘, sagte einst Schiller.
dass das Potential dieses Trends von den Experten Recht hatte er. Lernen, das mit Spiel, Spaß und – ja –
als positiv eingeschätzt wird. „Das Potential ist groß. auch mit Wettbewerb verbunden ist, ist für die meis-
Schon jetzt entwickelt M.I.T regelmäßig Content für ten attraktiver, als das intrinsisch motivierte Selbst-
externe Zielgruppen seiner Kunden, seien es Pro- lernen von Web Based Trainings. In diesem Sinne
motoren für Unternehmen aus der Unterhaltungs- sind gamifizierte Elemente in Lernangeboten sicher
elektronik, Vertriebspartner-Netzwerke für die Au- relevant“, unterstreicht Dr. Daniel Stoller-Schai die
tomobil- und Logistikbranche oder für unabhängige Bedeutung von Gamification für die Lernmotivation.
Expedienten und Berater in der Reise- und Trans-
portbranche. All diese Lösungen müssen ausgerollt Doch nur weil ein LMS Badges oder Punktetabellen
und ausgewertet werden, das wird nur über LMS integriert haben, bedeutet dies noch lange nicht, dass
mit dezidierten Lernangeboten für Externe und ent- mit solchen Funktionen automatisch die Motivation
sprechenden Möglichkeiten zur Erfolgsmessung plus der Lerner sprunghaft ansteigt. „Unsere Erfahrung
Anreizsysteme funktionieren“, so die Prognose von zeigt, dass viele Learning Management Systeme noch
Onno Reiners. Eine ähnliche Einschätzung vertritt recht technokratische Formen von Gamificiation im-
auch Julien Boppert, der ebenfalls eine zunehmen- plementiert haben, die auch rasch ihren Reiz verlie-
de Verbreitung von Extended Enterprise LMS in den ren. Nach der 10. Mission, dem 50. Badge und dem
kommenden drei Jahren vorhersieht. Insbesondere 100. Rating erschöpft sich das Potenzial. Interessant
bei Neuanschaffungen sollten Unternehmen seiner bleiben Peer-Ratings. Ich sehe, wo ich stehe im Ver-
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gleich zu anderen. Spielerfahrungen wie in aktuellen gen münden oder Favoritenfunktionen, mit denen
Games anzubieten, ist für die Produktion von digita- Lernende ihre eigenen Curricula zusammenstellen
len Lernangeboten meistens zu teuer“, fasst Dr. Da- können. Die Anwendung von Algorithmen für selbst-
niel Stoller-Schai die Schranken dieser Funktionen adaptive Lernsysteme befindet sich im deutschspra-
zusammen. Ähnlich sieht es auch Nicole Nagel: „Ga- chigen Raum in der Erprobungsphase mit vielen ge-
mifiaction darf nie ein Selbstzweck sein und muss im- förderten Pilotprojekten“, fasst Onno Reiners seine
mer im direkten Zusammenhang mit dem Inhalt und bisherigen Eindrücke zur Lage im deutschsprachigen
somit mit dem didaktischen Konzept stehen“. Raum zusammen. Ähnliches hat auch Dr. Daniel Stol-
ler-Schai zu berichten: „Bisher haben wir im deutsch-
Welche Relevanz besitzen integrierte Gamification- sprachigen Raum noch kein ‚wirklich adaptives‘ Sys-
Elemente also für den LMS-Markt in den kommenden tem gesehen. Ein adaptives System misst sich an den
Jahren? Laut den befragten Experten hängt die Rele- Vorgaben eines Jobprofiles mit den individuellen
vanz solcher Elemente in erster Linie davon ab, dass Fähigkeiten und eines personalisierten Entwicklungs-
sowohl Unternehmen als auch Anbieter intelligent pfades. Dafür ist seitens LMS auch der Einsatz von
mit Badges & Co. umgehen, so dass für die Lerner AI notwendig. Die ersten zaghaften Ansätze kommen
auch ein Mehrwert im Vergleich zur „langweiligen“ dabei aus dem angelsächsischen Raum.“
Lerneinheit entsteht.
Während die aktuelle Lage von Adaptiven Lernsys-
„Dies hängt von den Herstellern der Lernplattformen temen von den befragten Experten also eher als er-
und Autorensystemen ab. Interessant wären Gamifi- nüchternd eingeschätzt wird, scheinen sie dennoch
cation-Bausteine, die von Administratoren und An- ein zumindest zaghaftes Potential für die nächsten
wendern flexibel zusammengesetzt werden könnten. Jahre zu sehen. „Adaptive Lernsysteme werden ein
Auf diese Weise könnte vermieden werden, dass sich naheliegender Baustein in den Digitalisierungsstra-
die immer gleichen Gamification-Elemente zu schnell tegien vieler Unternehmen sein. Ich gehe davon aus,
‚abnutzen‘“, so die Einschätzung von Dr. Daniel Stol- dass wir innerhalb der nächsten drei Jahre viele
ler-Schai, wie Gamification-Elemente für LMS aber Lernmanagementsysteme haben werden, die nicht
auch Autorentools langfristig relevant sein können. nur passive Container mit aktiver Bewirtschaftung
durch Administratoren, Tutoren oder Bildungsver-
Trend: Adaptive Lernsysteme antwortliche und natürlich die Lernenden selbst sein
werden, sondern schrittweise mehr und mehr syste-
Die Lernmotivation gehört, wie bereits erwähnt, wei- mintelligente, aktive Komponenten zur Reaktion und
terhin zu den großen Herausforderungen, wenn es Adaption auf das Lernerverhalten anbieten werden“,
um erfolgreiches eLearning geht. Eine Möglichkeit, so die Prognose von Onno Reiners. Eine vergleichba-
um die Lernmotivation zu erhöhen, ist ein personali- re Position bezieht auch Dr. Daniel Stoller-Schai: „An
sierter Lernprozess. Haben Trainingsmaterialien und den Universitäten wurde jahrelang von Co-Writing,
Kurse für einen Mitarbeiter einen konkreten Bezug Collaborative Filtering und viele andere Funktionen
zur und Mehrwert für die tägliche Arbeit, dann steigt gesprochen. Unterdessen haben sich diese etabliert.
auch die Bereitschaft, sich mit der Materie auseinan- Mit adaptiven Lernsystemen wird es ähnlich sein. Bis
derzusetzen. Adaptive Lernsysteme, die Persönlich in drei Jahren werden maßgeschneiderte und perso-
Lernumgebung oder der Einsatz von Künstlicher In- nalisierte Lernsettings in Ansätzen in Lernplattfor-
telligenz sind alles Ansätze, mit denen ebensolches men umgesetzt sein. Damit Lernsysteme längerfristig
personalisiertes Lernen ermöglicht, unterstützt und überleben werden, ist es zwingend notwendig, vom
automatisiert werden soll. ‚one size fits all‘ hin zum personalisierten Lernen zu
kommen.“
Soweit zumindest die Theorie. Doch welche Erfah-
rungen haben die befragten Experten mit Adaptiven Trend: xAPI
Lernsystemen in der Praxis gemacht? „Zur Zeit be-
schränken sich adaptive Lernsysteme noch stark auf Die oft zitierte 70:20:10-Formel bringt auf den Punkt,
lernergesteuerte Adaptivität der Lernangebote, z.B. was heute eigentlich weitgehend verbreitetes Wissen
durch Profiling-Angaben oder Tests, die in mehr oder ist, wonach formales Lernen nur ein Teilaspekt des
weniger starre Lernwege oder Lernwegsempfehlun- Lernprozesses darstellt. Doch obwohl der Austausch

ZITAT
„Aktuell sind SaaS Lösungen noch nicht in der breiten Masse bei Unternehmen im Einsatz,
aber die Relevanz steigt zunehmend und auch die Eingangs z.T. vor allem in größeren
Unternehmen vorherrschende Zurückhaltung gegenüber cloudlösungen verschwindet
zunehmend. Aus unserer Wahrnehmung wird sich aus dem Trend eher eine ‚Massenbewe-
gung‘ entwickeln.“

Nicole Nagel, WTT CampusONE GmbH

eLearning Journal | Kaufberater & Markt 2018/2019: LMS, Autorentools & Co.
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ZITAT
„Ein weiterer Trend sind sicherlich die 3D-Druckthemen. Gerade in technischen Berufen
können praktische Übungen handgreiflicher und anschaubarer gemacht werden. Drucken
Sie sich einfach Ihr Ergebnis aus und testen es oder bauen Sie folgende Aufgabenstellung
zusammen, könnte es dann lauten.“

Julien Boppert, Magh und Boppert GmbH

mit Kollegen sowie informelles Lernen unverzichtbar gearbeitet, weshalb andere Technologien zum Einsatz
sind, fällt es Unternehmen notorisch schwer diese gelangen“, so seine Einschätzung.
Aspekte des Lernprozesses aktiv und adäquat zu
unterstützen sowie zu dokumentieren. Mit dem neu- Doch trotz der vielleicht ernüchternden aktuellen
en Standard xAPI soll es möglich werden, die unter- Lage, sehen die befragten Experten für xAPI ein Po-
schiedlichen und insbesondere informellen Lerner- tential für die nächsten Jahre, denn Unternehmen
fahrungen von Mitarbeitern aufzuzeichnen, so dass müssen sich zwangsläufig an das Lernverhalten ihrer
erlerntes Wissen bzw. neue Kompetenzen, die außer- Mitarbeiter anpassen, welches längst nicht mehr nur
halb des firmeneigenen Learning-Ecosystems erlangt auf das firmeneigene Angebot beschränkt ist. Deshalb
wurden, ebenfalls angerechnet und berücksichtigt schätzt Julien Boppert, dass die Relevanz von xAPI
werden können. zunehmen wird: „Potenzial ist vorhanden, Ausbau ge-
wünscht und nützlich. Lernen soll und muss ja nicht
Doch trotz dieser Vorteile scheint sich xAPI in der zwangsläufig nur auf einer Plattform stattfinden. Das
Praxis nach der Erfahrung der befragten Experten Internet ist voll mit guten Angeboten und Lerninhal-
eher schwer zu tun. „xAPI wird für das ein und andere ten. Für die Unternehmen ist letztlich ja nur wichtig,
Projekt bereits genutzt und kann recht sinnvoll ein- dass die Resultate nach Hause an der Basis festgehal-
gesetzt werden. Jedoch ist eine flächige Verbreitung ten werden können. Ansonsten können Bildungswege
zurzeit noch nicht vorhanden“, so der Eindruck von nicht nachvollzogen und berichtet werden. Denn auch
Julien Boppert. Vergleichbar äußert sich auch Nicole die Mitarbeiter, die die Bildungswege aufbauen und
Nagel: „Derzeit ist xAPI noch kein wirkliches Thema betreuen wollen lernen, wie die Mitarbeiter eigentlich
bei den Kunden, auch wenn das Thema vernetztes lernen“. Eine vergleichbare Position vertritt Dr. Dani-
Learning Ecosystem für die Bildung sehr wertvolle el Stoller-Schai, der xAPI insbesondere aus der Sicht
und interessante Aspekte besitzt.“ der Lerner zukünftig für wichtig erachtet. „xAPI ist
eine Schlüsselkomponente für offene Lernarchitektu-
Das generell geringe Interesse an xAPI von Seite ren. Auf Seite Content ist xAPI zentral, auf Seite LMS,
der Unternehmen hat laut Dr. Daniel Stoller-Schai wie bereits oben ausgeführt, ist die Bedeutung eher
zur Folge, dass das Thema für LMS bisher recht ir- gering. Es ist zukünftig wichtig, dass Ausbildungs-
relevant ist. „Für ein LMS ist xAPI nicht wirklich re- daten von Lernern nicht in einem ‚unternehmensin-
levant, weshalb wir hier in den letzten Jahren auch ternen‘ System verschwinden, sondern beim Lerner
keine wesentliche Durchdringung gesehen haben. Die verbleiben. Hier spielt der Gedanke des lebenslangen
Architektur von Lernumgebungen entwickelt sich hin Lernens ein wichtiger Aspekt. Es ist heute eine Tat-
zu offenen Systemen und für die Speicherung und sache, dass Mitarbeitende häufiger den Arbeitgeber
Analyse der Lerndaten etablieren sich sog. Learning wechseln und Reskilling und Upskilling für die Emplo-
Record Stores (LRS). Hier wird mit Big Data und AI yability zentral sind“, so seine Prognose.