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Hochschule

Zittau/Görlitz
Fakultät Maschinenwesen
Fachgebiet Strömungstechnik
UNIVERSITY OF APPLIED SCIENCES Prof. Dr.-Ing. habil. V. Weise

Übung/Seminar Fluiddynamik II
Version vom 28. Februar 2016

Hinweis:

Diese Materialien sind nur im Rahmen des Studiums an der Hochschule Zit-
tau/Görlitz zu benutzen. Darüber hinausgehende Kopien sind unzuläs-
sig.

1
1 Gasdynamik

1.1 Wiederholungsfragen

1. Wann spricht man von einer hydrodynamischen und wann von einer gasdynami-
schen Strömung?

2. Was bewirken groÿe Druckdierenzen in Gasen?

3. Wie ändert sich die Schallgeschwindigkeit mit der Temperatur?

4. Welche unterschiedlichen Schallgeschwindigkeiten sind für ein Gas deniert? Wel-


che Arten der Ma-Zahlen folgen daraus?

5. Wann verwendet man bei gasdynamischen Strömungen im Maschinen- und Anla-


genbau vorzugsweise die kritische Mach-Zahl Ma?
6. Welche Merkmale treen für den Schall zu?

7. Wovon ist die Schallgeschwindigkeit in einem idealen Gas abhängig?

8. Von welchen Gröÿen ist die Ausströmgeschwindigkeit aus einem unter Druck ste-
henden Gasbehälter abhängig?

9. Was versteht man unter dem Ruhezustand eines Gases in der Gasdynamik?

10. Was ist das kritische Druckverhältnis bei einem Ausströmvorgang?

11. Wovon ist das kritische Druckverhältnis abhängig?

12. Wie groÿ muss der Kesseldruck pR sein, um beim Ausströmen von Luft in die
Atmosphäre in der Düse gerade die Schallgeschwindigkeit zu erreichen (isentrope
Entspannung vorausgesetzt)?

13. Was sind hydrodynamische, subsonische, transsonische, supersonische und hyper-


sonische Strömungen?

14. Skizzieren Sie Düsen und Diusoren im Unterschall- und Überschallbereich, geben
Sie jeweils ihre Charakteristika an!

15. Wie kann eine Strömung von Ma < 1 auf Ma > 1 beschleunigt bzw. wie von
Ma > 1 auf Ma < 1 verzögert werden?

16. Beschreiben Sie die Strömung in einer Laval-Düse beim Auslegungsdruckverhält-


nis (ohne Stöÿe)!

17. Warum ist der Massedurchsatz bei einer Laval-Düse mit überkritischem Druck-
verhältnis bei sinkendem Gegendruck konstant?

18. Skizzieren Sie den Verlauf von p und Ma* in einer Laval-Düse im Auslegungszu-
stand!

19. Von welchen Gröÿen ist der Massendurchsatz durch eine Laval-Düse bei überkri-
tischem Druckverhältnis abhängig?

20. Wie arbeitet eine Düse bei bei unter- und überkritischem Druckverhältnis?

21. Warum wird die Durchlassfähigkeit einer Laval-Düse vom engsten Querschnitt
bestimmt?

2
22. Was verstehen Sie unter einem senkrechten bzw. einem schiefen Verdichtungsstoÿ?

23. Wie verhalten sich die Strömungsgröÿen p, c, pR , TR über einen senkrechten Ver-
dichtungsstoÿ?

24. Welche Zustandsänderung des strömenden Mediums tritt bei einem senkrechten
Verdichtungsstoÿ näherungsweise ein?

25. Welchen Druck misst man mit einem Pitot-Rohr in einer Überschallströmung?

Für weitere Informationen: siehe [13, Abschnitt 9.2 und Kapitel 11], [8, Kapitel 4]

1.2 Übungsaufgaben Gasdynamik

1.2.1 Flugzeug-Umströmung
Ein Flugzeug iegt in einer Höhe von H = 9000 m mit einer Geschwindigkeit v =
180 m/s. Kann die Umströmung noch als inkompressibel betrachtet werden? (Tempe-
ratur am Boden: T0 = 293 K, Druck am Boden: p0 = 0,1 MPa, RL = 287 J/(kg K);
κ = 1,4; polytrope Schichtung mit n = 1,235)

1.2.2 Überschallug
Welche Temperaturen treten an der Spitze des Körpers eines Überschallugzeuges auf,
wenn folgende Bedingungen gegeben sind:
Höhe (m) 1000 5000 10000
v (km/h)
1000
1800
2500

Am Erdboden beträgt die Umgebungstemperatur t0 = 15◦ C. Benutzen Sie für die poly-
trope Schichtung in der Erdatmosphäre den Expoenten n = 1,235. Die Gaskonstante sei
R = 287,1 J/(kg K).

1.2.3 Ausströmvorgang
Aus einem groÿen Druckbehälter mit dem Druck pR und der Temperatur TR strömt Luft
durch eine Düse aus. Gegeben sind: RL = 287,1 Nm/(kg K); κ = 1,4; pR = 0,2 MPa;
TR = 300 K
Gesucht:

1. Wie groÿ sind Austrittsgeschwindigkeit, örtliche Schallgeschwindigkeit am Aus-


tritt, kritische Schallgeschwindigkeit, Schallgeschwindigkeit im Ruhezustand und
*
die Mach-Zahlen Ma, Ma , MaR für die Gegendrücke pG = (0,1925; 0,15; 0,1056) MPa.

2. Welcher Massedurchsatz stellt sich jeweils ein, wenn der Austrittsquerschnitt der
2
Düse 20 cm beträgt?

3. Vergleichen Sie die berechneten Geschwindigkeiten mit den nach hydrodynami-


scher Rechnung (% = %R = konst.) ermittelten!

3
1.2.4 Behälter-Ausströmung
Aus einem groÿen Druckbehälter mit dem Druck pR = 0,3 MPa und der Temperatur
TR = 330 K strömt Luft durch eine Laval-Düse mit kreisförmigem Querschnitt aus

(RL = 287 J/(kg K); κ = 1,4). Der engste Durchmesser der Düse beträgt D = 2 cm,
der Austrittsdurchmesser ist DA = 4 cm.
Gesucht:
a) Wie groÿ sind Schallgeschwindigkeit und Strömungsgeschwindigkeit im Düsenaustritt?
b) Welcher Druck wird mit einer Pitot-Sonde im Austrittsquerschnitt gemessen?
c) Wie groÿ ist der Massestrom durch die Düse?

1.2.5 Laval-Düse
Für die in Strömungsrichtung aufeinanderfolgenden Querschnitte einer Lavaldüse AR →
∞ (Kesselquerschnitt); A1 = 25 cm2 ; A2 = A∗ = 20 cm2 (kritischer Querschnitt); A3 =
25 cm2 ; A4 = 40 cm2 ; A5 = 60 cm2 (Austrittsquerschnitt, Austritt in die Atmosphäre),
die von Luft durchströmt wird, sind zu bestimmen:

1. erforderlicher Ruhedruck und erforderliche Ruhetemperatur, um am Austritt einen


Druck von 1 bar und eine Temperatur von 293 K zu erreichen;

2. die Werte p,%,T, M a∗ und Ma in den angegebenen Querschnitten;

3. die Strömungs- und Schallgeschwindigkeit im Kessel, im kritischen Querschnitt


und am Düsenaustritt;

4. der Massendurchsatz!

1.2.6 Laval-Düse, Abmessungen


In einer rotationssymmetrischen Laval-Düse mit kegelförmigem Überschallteil wird Luft
isentrop von pR auf p2 = pgegen entspannt.

1 3 5 4 2

Gegeben:
Halber Erweiterungswinkel der Düse:
α
p2 = pgegen


α=5
p1 = pR = 1 MPa
TR = 500 K; R = 287,1J/(kg K); κ =
1,4
p2 = pgegen = 0,1 MPa
ṁ = 4 kg/s
A3 = A4 = 1,464 · A5 ; A5 = A∗ l
Gesucht:

1. Berechnen Sie die Hauptabmessungen der Laval-Düse d5 , d2 , l!


2. Berechnen Sie in den angegebenen Querschnitten p, %, Ma, Ma* , c!
3. Skizzieren Sie den Verlauf des Druckes und der Strömungsgeschwindigkeit längs
des Strömungsweges!

(Der Querschnitt 1 wird nicht mit berücksichtigt!)

4
1.2.7 Laval-Düse bei unterkritischem Druckverhältnis
Für eine Laval-Düse mit dem engsten Querschnitt A1 = 100 cm2 sind gegeben:
TR = 400 K; pR = 0,4 MPa; p2 = 0,1MPa; Fluid: Luft (κ = 1,4; R = 287,1 J/(kg K) ).
Gesucht:

1. Berechnen Sie Ma* 2 , A2 , T2 , ṁ!


2. Der Kesseldruck vor der Düse sinkt auf 0,12 MPa ab. Wie groÿ sind dann Ma* 1 , Ma* 2 , ṁ,
wenn TR und p2 unverändert bleiben?

1.2.8 Rotationssymmetrische Laval-Düse


Eine rotationssymmetrische Laval-Düse, deren Kontur r = f (x) festgelegt ist, be-
schleunigt Luft auf Überschallgeschwindigkeit. TR = 288 K; Umgebungsdruck pb =
9,81 · 104 Pa;
x (mm) 0 10 20 30 35 40 50 60 70
r (mm) 7,5 7,05 5,1 3,45 3,24 3,45 4,2 4,95 5,7

Aufgaben:

1. Berechnen Sie Ruhedruck pR , Austrittstemperatur TA , Massestrom ṁ!


2. Stellen Sie den Verlauf von p, %, T, Ma, Ma* entlang der Düsenachse graphisch dar!

3. Berechnen Sie die Schallgeschwindigkeit a und die Strömungsgeschwindigkeit c im


Eintritt, im engsten Querschnitt und im Austritt der Düse!

1.2.9 Laval-Düse mit Pitot-Rohr


Aus einem Kessel mit dem Druck pR = 3,7 MPa strömt Luft durch eine Laval-Düse
aus. Der Gegendruck beträgt 0,1 MPa. Gesucht:

1. Wie groÿ sind in der Düsenmündung Ma, Ma* , A∗ /A?


2. Der Gesamtdruck des Freistrahles wird in der Düsenmündung mit einem Pitot-
Rohr gemessen. Vor dieser Sonde bildet sich ein senkrechter Verdichtungsstoÿ aus.
Wie groÿ sind pb und pbR ? Wie groÿ ist die kritische Mach-Zahl unmittelbar nach
dem Verdichtungsstoÿ?

3. Stellen Sie den Verlauf p(Ma* ) in einem Diagramm dar! Markieren Sie die Punkte:
Kesselzustand, engster Querschnitt, Zustand vor dem Stoÿ bzw. hinter dem Stoÿ,
Staupunkt am Pitot-Rohr!

5
1.2.10 Space-Shuttle-Haupttriebwerk
Ein Haupttriebwerk des NASA-Space-Shuttle (siehe Skizze, stark vereinfacht!) besteht
im wesentlichen aus einer Brennkammer, der Brennsto(H2 )- und Oxydator(O2 )-Zufuhr
sowie einer Laval-Schubdüse. In der Brennkammer (Ruhezustand sei angenommen)
herrscht ein Druck pR = 20,7 MPa und eine Temperatur TR = 3788 K. Gegeben sind
RW asserdampf = 461,5 J/(kg K); κ = 1,33
weiterhin:
Laval-Schubdüse: Querschnittsverhältnis: AA /A∗ = 77,5; Austrittsdurchmesser:
DA = 3 m
Die Strömung kann als reibungsfrei und isentrop betrachtet werden. Thermische Disso-
ziationen sind vernachlässigbar.

O2 pR , TR H2

DA
NASA-Space-Shuttle kurz nach dem Start. Prinzipdarstellung einer Schub-
Quelle: http://apod.nasa.gov/apod/ap011115.html düse (Haupttriebwerk).

Gesucht:

1. Bestimmen Sie die Austrittsgeschwindigkeit bei einem Gegendruck pG = pb =


0,1 MPa!
2. Welche Schubkraft bewirkt ein Haupttriebwerk?

3. Welche Startbeschleunigung wird erreicht, wenn alle 3 Haupttriebwerke und 2 Fest-


stotriebwerke mit einer Schubkraft von je FF = 12 MN in Betrieb sind und die
Startmasse 2040 t beträgt? (Kräfte durch Stütz- und Steuertriebwerke können ver-
nachlässigt werden.)

6
1.2.11 Kraft auf Diusor
Zwischen zwei Rohrleitungsstücken unterschiedlichen Durchmessers (d1 ; d2 ) ist ein Dif-
1
fusor angeordnet. Ermitteln sie die Kraft, die auf den Diusor wirkt, wenn dieser ablö-
sungsfrei von Luft (R = 287,1 J/(kg K), κ = 1,4) durchströmt wird! Gegeben:
d1 = 150 mm; d2 = 300 mm;
ṁ = 20 kg/s; T1 = 300 K; p1 = 900 kPa; p0
Umgebungsdruck: p0 = 100 kPa.
Die Strömung kann als reibungsfrei aufge-
d1 d2
fasst werden.

1
2

1.2.12 Gesamtdruckverlustbeiwert des Verdichtungsstoÿes


Bestimmen Sie den Gesamtdruckverlustbeiwert für den senkrechten Verdichtungsstoÿ!

1.2.13 Meteorit in der Erdatmosphäre


Mit welcher Mach-Zahl und mit welcher Geschwindigkeit tritt ein Meteorit, der nahezu
vollständig aus Eisen besteht, in die tieferen Schichten der Erdatmosphäre ein, wenn
im Staupunkt gerade die Verdampfungstemperatur des Eisens (Td,F e = 2773 K) erreicht

wird? Die Temperatur der Erdatmosphäre betrage tU = −50 C.

2 Navier-Stokes-Gleichung

2.1 Zusammenfassung der Herleitungen

Ziel: Betrachtung mehrdimensionaler Strömungsvorgänge, wenn die Lage der Stromli-


nien nicht bekannt ist.

2.1.1 Wiederholung: Masseerhaltung - Kontinuitätsgleichung


Für die Herleitung einer Kontinuitätsgleichung für mehrdimensionale Strömungen wird
zunächst die Massebilanz an einem dierentiell kleinen Elementar-Fluidvolumen auf-
gestellt. Diese Herangehensweise wurde bereits in der Hydrostatikin der Fluiddynamik
I (und selbstverständlich auch bei anderen Aufgaben der Technischen Mechanik) er-
folgreich genutzt. Die Änderungen der austretenden Masseströme gegenüber den in der
jeweiligen Richtung eintretenden Masseströme wird dabei durch einen Zuwachs bzw. den
ersten Gliedern einer Taylor-Reihe ausgedrückt.

1 Genau diese Aufgabe wurde schon in der Fluiddynamik I behandelt - allerdings inkompressibel!

7
 
∂(%cz )  
%cz + ∂z dz dxdy %cy +
∂(%cy )
∂y dy dxdz

dz

 
∂(%cx )
%cx dydz ∂% %cx + ∂x dx dydz
∂t dxdydz

dy
z %cy dxdz
y
dx

%cz dxdy
x

Abbildung 1: Massestrombilanz an einem dierentiell kleinen Elementar-Fluidvolumen.

Die Dierenz zwischen der ausströmenden und der einströmenden Masse muss gleich der
Masseänderung im Volumen sein:

     
∂(%cz ) ∂(%cx ) ∂(%cy )
%cz + dz dxdy + %cx + dx dydz + %cy + dy dxdz −
∂z ∂x ∂y
∂%
−%cz dxdy − %cy dxdz − %cx dydz = − dxdydz
∂t
Nach Ausmultiplikation, Subtraktion der %ci und Division durch dV = dxdydz ergibt
sich die allgemeine Kontinuitätsgleichung:

∂% ∂(%cx ) ∂(%cy ) ∂(%cz )


+ + + =0, (1)
∂t ∂x ∂y ∂z
die für instationäre, kompressible und 3dimensionale Strömungen gilt.

Mit den weiteren Vereinfachungen % =konst. und stationäre Strömung ∂/∂t = 0 geht
Gl. (1) über in:
∂cx ∂cy ∂cz
+ + = div ~c = ∇~c = 0 . (2)
∂x ∂y ∂z
Der Zusammenhang zur Kontinuitätsgleichung für 1dimensionale Strömungen lässt sich
wie folgt herstellen. Gl. (1) für stationäre Strömung in x−Richtung lautet:

∂(%cx ) d(%cx )
= =0. (3)
∂x dx
Nach Integration entlang des Strömungsweges s folgt:

%cx = konst.

8
Die Identität zur Kontinuitätsgleichung für 1dimensionale Strömungen ergibt sich nach
der Multiplikation mit dem Querschnitt (an der betrachteten Stelle der Stromröhre):

A%cx = konst. = ṁ (4)

Von besonderer Bedeutung für inkompressible Fluide ist die Tatsache, dass die Kon-
tinuitätsgleichungen für stationäre und instationäre Strömungen identisch sind, da bei
beiden Betrachtungen der Term ∂%/∂t wegfällt (einmal wegen % =konst. und einmal we-
gen ∂/∂t = 0). Das bedeutet, dass sich instationäre Störungen unvermindert im ganzen
Strömungsraum ausbreiten können.

2.1.2 Impulserhaltung - Navier-Stokes-Gleichung


Ziel: Ableitung von Bewegungsgleichung(en), d. h. Zusammenhänge zwischen Kräfte/-
Drücken und den dadurch hervorgerufenen Strömungsgeschwindigkeiten.

Ausgangspunkt: 2. Newtonsches Axiom bzw. Impulserhaltungssatz:

X dI~
F~ = (5)
dt
Die Herleitung erfolgt zunächst an einem dierentiell kleinen Fluidvolumen-Element

d~c d~c
dm = dF~ bzw. = df~
dt dt
~. . . Summe der am Elementaruidvolumen angreifenden Kräfte je Masseeinheit). Tren-
(f
nung:
f~ . . . Masse(Feld)kräfte je Masseeinheit d~c
~k . . . Oberächenkräfte je Masseeinheit = df~ + d~k
dt

Ansatz für Kräftegleichgewicht: Oberächenkräfte durch Spannungen an den Sei-


tenächen des Elementaruidvolumens entsprechend Abbildung 2 ausdrücken

 
dcx 1 ∂σx ∂τxy ∂τxz
= fx + + +
dt % ∂x ∂y ∂z
 
dcy 1 ∂τxy ∂σy ∂τzy
= fy + + +
dt % ∂x ∂y ∂z
 
dcz 1 ∂τxz ∂τyz ∂σz
= fz + + + (6)
dt % ∂x ∂y ∂z

(Indizes für τxy : 1. Index: Fläche, an der Spannung angreift; 2. Index: Richtung in der
die Spannung/Kraft wirkt)

Eine Momentenbilanz an diesen Elementaruidvolumen liefert τij = τji , damit reduziert


sich die Zahl der Spannungen auf 6 und der Spannungstensor ist symmetrisch.

Ziel: Ausdruck der Spannungen durch Geschwindigkeiten (bzw. deren Ableitungen) und
den statischen Druck, damit keine Spannungen mehr explizit auftreten. Dazu wird die
Modellvorstellung des Newtonschen Fluides genutzt:

9
∂x dx
∂x dx

∂σx
∂τxy

σx +
dz

τxy +
∂x dx

dy
∂τxz
τxz +
∂z dz

∂y dy
∂τzx
∂z dz

∂τyx
∂τzy

∂y dy
τzx +

∂σy

τyx +
τzy +

σy +
∂y dy
∂z dz

∂τyz
∂σz

σz
τyz +
σz +

τyz

τzy
dx
τzx
σy
τyx

τxz

x
y
τxy
σx

Abbildung 2: Spannungen an einem Elementaruidvolumen in x−, y− und z− Richtung

• Im Ruhezustand treten nur Drücke (Normalspannungen) und keine Schubspan-


nungen auf.

• Für verschwindende Zähigkeiten verschwinden auch die Schubspannungen (Grenz-


fall des idealen Fluides).

• Die Schubspannungen sind den Quergradienten der Strömungsgeschwindigkeit (ent-


spricht der Formänderungsgeschwindigkeit) proportional.

Örtliche Geschwindigkeitsableitungen und Aufspaltung in einen Deformationstensor


und einen Rotationstensor:
 ∂cx ∂cx ∂cx
  ∂cx   
∂x ∂y ∂z ∂x
γxy γxz 0 −ωz ωy
∂cy ∂cy ∂cy ∂cy
 = γxy γyz  +  ωz 0 −ωx 
  
 ∂x ∂y ∂z ∂y
∂cz
∂x
∂cz
∂y
∂cz
∂z
γxz γyz ∂c
∂z
z −ωy ωx 0

10
Ausdruck des Spannungstensors durch statischen Druck und Deformationstensor für
Newtonsches Fluid:
     ∂cx   
σx τxy τxz −p 0 0 ∂x
γxy γxz ∇~c 0 0
 τxy σy τyz  =  0 −p 0  + 2η  γxy ∂cy γyz  + λ  0 ∇~c 0 
∂y
τxz τyz σz 0 0 −p γxz γyz ∂c
∂z
z 0 0 ∇~c

(η . . . dynamische Viskosität; λ. . . Volumenviskosität)


Ausdrücke für Spannungen werden entsprechend Gl. (6) abgeleitet und in Bewegungs-
gleichung (6) eingesetzt:

        
dcx 1 ∂p ∂ ∂cx ∂ ∂ ∂cx ∂cy ∂ ∂cx ∂cz
= fx + − + 2η + (λ∇~c) + η + + η +
dt % ∂x ∂x ∂x ∂x ∂y ∂y ∂x ∂z ∂z ∂x
        
dcy 1 ∂p ∂ ∂cy ∂ ∂ ∂cy ∂cx ∂ ∂cz ∂cy
= fy + − + 2η + (λ∇~c) + η + + η +
dt % ∂y ∂y ∂y ∂y ∂x ∂x ∂y ∂z ∂y ∂z
        
dcz 1 ∂p ∂ ∂cz ∂ ∂ ∂cx ∂cz ∂ ∂cz ∂cy
= fz + − + 2η + (λ∇~c) + η + + η +
dt % ∂z ∂z ∂z ∂z ∂x ∂z ∂x ∂y ∂y ∂z
Mit: (7)
• η 6= f (~r) (homogenes, isotropes Fluid);

• λ = −2/3η (Stokessche Hypothese);

• % = konst. (inkompressibles Fluid, d. h. ∇~c = 0);


• ν = η/% (kinematische Viskosität);

• Trennung von lokaler und konvektiver Beschleunigung:

~c (x,y,z,t) = ~c (x(t),y(t),z(t),t)

Für die x− Richtung ergibt damit sich beispielsweise:

dcx ∂cx ∂cx dx ∂cx dy ∂cx dz ∂cx ∂cx ∂cx ∂cx


= + + + = + cx + cy + cz
dt ∂t ∂x dt ∂y dt ∂z dt ∂t ∂x ∂y ∂z

ergeben sich die Navier-Stokes-Gleichungen:


 2
∂ cx ∂ 2 cx ∂ 2 cx

∂cx ∂cx ∂cx ∂cx 1 ∂p
+ cx + cy + cz = fx − +ν + +
∂t ∂x ∂y ∂z % ∂x ∂x2 ∂y 2 ∂z 2
 2
∂ cy ∂ 2 cy ∂ 2 cy

∂cy ∂cy ∂cy ∂cy 1 ∂p
+ cx + cy + cz = fy − +ν + +
∂t ∂x ∂y ∂z % ∂y ∂x2 ∂y 2 ∂z 2
 2
∂ cz ∂ 2 cz ∂ 2 cz

∂cz ∂cz ∂cz ∂cz 1 ∂p
+ cx + cy + cz = fz − +ν + + (8)
∂t ∂x ∂y ∂z % ∂z ∂x2 ∂y 2 ∂z 2

oder in Vektorform:
d~c ∂~c 1
= + (~c · ∇) ~c = f~ − ∇p + ν∆~c (9)
dt ∂t %

Zusammen mit der Kontinuitätsgleichung (1) bildet die Navier-Stokes-Gleichung (8)


ein System von 4 gekoppelten, nichtlinearen, partiellen Dierentialgleichungen für die

11
4 Unbekannten cx , cy , cz , p. Prinzipiell ist damit eine Lösung von Strömungsaufgaben
möglich. Leider ist eine allgemeine Lösung unmöglich. Das gilt erst recht, wenn man die
allgemeinere Form Gl. (7), eine Zustandsgleichung, die (thermische) Energiebilanz sowie
ein (empirisches) Viskositätsgesetz einbezieht (dann 7 Gleichungen und 7 Unbekannte).

How does a typical solution of a typical dierential equation behave over


a long run? [. . . ] The approach has at least two obvious drawbacks. One is
that there is no guarantee that the Navier-Stokes equation will indeed turn
out to be typical. (Oscar E. Lanford III [6, S. 348])

∂ 2 cx ∂ 2 cx ∂ 2 cx
 
∂cx ∂cx ∂cx ∂cx 1 ∂p
+ cx + cy + cz = fx − +ν + +
∂t ∂x ∂y ∂z % ∂x ∂x2 ∂y 2 ∂z 2

∂ 2 cy ∂ 2 cy ∂ 2 cy
 
∂cy ∂cy ∂cy ∂cy 1 ∂p
+ cx + cy + cz = fy − +ν + +
∂t ∂x ∂y ∂z % ∂y ∂x2 ∂y 2 ∂z 2

∂ 2 cz ∂ 2 cz ∂ 2 cz
 
∂cz ∂cz ∂cz ∂cz 1 ∂p
+ cx + cy + cz = fz − +ν + +
∂t ∂x ∂y ∂z % ∂z ∂x2 ∂y 2 ∂z 2

12
Navier-Stokes-Gl. in Zylinderkoordinaten

r-Richtung:
   
dcr ∂cr ∂cr cϕ ∂cr ∂cr c2ϕ ∂fr 1 ∂p 1 ∂ ∂cr 1 ∂ 2 cr ∂ 2 cr cr 2 ∂cϕ
= + cr + + cx − = − − +ν r + 2 + − 2− 2
dt ∂t ∂r r ∂ϕ ∂x r ∂r % ∂r r ∂r ∂r r ∂ϕ2 ∂x2 r r ∂ϕ

ϕ-Richtung:
   
dcϕ ∂cϕ ∂cϕ cϕ ∂cϕ ∂cϕ cr cϕ 1 ∂fϕ 1 ∂p 1 ∂ ∂cϕ 1 ∂ 2 cϕ ∂ 2 cϕ cϕ 2 ∂cr
= + cr + + cx + = − − +ν r + 2 + − 2+ 2
dt ∂t ∂r r ∂ϕ ∂x r r ∂ϕ %r ∂ϕ r ∂r ∂r r ∂ϕ2 ∂x2 r r ∂ϕ

x-Richtung:
   
dcx ∂cx ∂cx cϕ ∂cx ∂cx ∂fx 1 ∂p 1 ∂ ∂cx 1 ∂ 2 cx ∂ 2 cx
= + cr + + cx = − − +ν r + 2 +
dt ∂t ∂r r ∂ϕ ∂x ∂x % ∂x r ∂r ∂r r ∂ϕ2 ∂x2

13
2.2 Wiederholungsfragen

1. Wodurch ist eine reale Strömung gekennzeichnet?

2. Welche Kräfte können in realen, strömenden Fluiden auftreten?

3. Aus welchen Komponenten setzt sich der Spannungsvektor auf einer Fläche eines
Fluidelementes im allgemeine dreidimensionalen Fall zusammen?

4. Welche physikalisch-mathematischen Grundlagen werden zur Herleitung der Navier-


Stokes-Gleichung benötigt?

5. Welcher physikalische Sachverhalt wird durch die Navier-Stokes-Gleichung aus-


gedrückt?

6. Welche Arten von Fluiden und Strömungen können mit Hilfe der Navier-Stokes-
Gleichung beschrieben werden?

7. Welche prinzipiellen Lösungsmöglichkeiten bestehen für die Navier-Stokes-Glei-


chung?

8. Erläutern Sie physikalisch Beispiele elementarer Lösungen der Navier-Stokes-


Gleichung und deren Anwendung!

9. Wie kann die Viskosität einer Flüssigkeit experimentell ermittelt werden?

10. Was versteht man unter einer Schleichströmung?

2.3 Aufgaben

2.3.1 Leck-Volumenstrom bei Kolben-Zylinder-Paarung (1)


In einer Hydraulik-Anlage bendet sich ein Regelventil, des-
p2
sen Kolben (Durchmesser D = 25 mm; Länge L = 12,5 mm) in
einem Zylinder mit dem mittleren Spiel h = 0,005 mm einge-
passt ist. Bestimmen Sie den Leck-Volumenstrom V̇ des Öles L
−3 3
(η = 9,1 · 10 Pa s, % = 870 kg/m ) im Spalt zwischen Kolben
und Zylinder, wenn die Drücke auf den Seiten des Kolbens h
D p1
p1 = 20 MPa und p2 = 1,5 MPa betragen!
Hinweise:

• Es soll zunächst laminare Strömung vorausgesetzt werden. Die Bedingung ist nach
Berechnung zu überprüfen.

• Es ist zu überlegen, ob wegen hD Vereinfachungen in der Berechnung möglich


sind.

• Für die Berechnung des Leck-Volumenstromes kann die Kolbenbewegung vernach-


lässigt werden.

2.3.2 Laminare Rohrströmung


Durch ein glattes Rohr mit einem Innendurchmesser d = 5 cm strömt Wasser mit einem
3
Volumenstrom von V̇ = 0,14 m /h. Berechnen Sie die Strömungsgeschwindigkeit in 1 mm
Wandabstand sowie die mittlere und maximale Strömungsgeschwindigkeit im Rohr!

14
2.3.3 Leck-Volumenstrom bei Kolben-Zylinder-Paarung (2)
Ein vollständig mit Öl gefüllter Zylinder wird von einem Kolben
abgeschlossen. Über die Kolbenstange wirkt auf den Kolben eine
Kraft Fk = 9000 N. Gegeben sind weiterhin:
Durchmesser: D = 0,1 m; Kolbenlänge: L = 0,05 m h
2 3 L D
Viskosität: ν = 0,001 m /s; Dichte: % = 900 kg/m
−4 3
Leckvolumenstrom: V̇ = 10 m /min. Gesucht:

1. Wie groÿ darf die Spaltweite höchstens sein, wenn der vorge-

Öl
gebene Leckvolumenstrom V̇ nicht überschritten werden soll?

2. Bestimmen Sie das Verhältnis der Reibungskraft an der


Kolben-Manteläche bzw. an der Zylinderinnenäche zur Kol- Fk
benkraft Fk !

2.3.4 Gleitschuh auf Platte


Auf der Ölschicht der Höhe h über einer horizontalen Platte der Länge L und der Breite
b (b  L) gleitet ein Gleitschuh mit der Geschwindigkeit u0 . Durch eine Dichtleiste am
Ende der Platte wird das Öl am Wegieÿen gehindert.

Gegeben:
L L = 0,1 m; h = 1 mm
u0 = 1 m/s; % = 800 kg/m3
u0 ν = 4 · 10−4 m2 /s
Gleitschuh
Bestimmen Sie in allgemeiner Form

1. die Geschwindigkeitsverteilung
h Öl in der Ölschicht;

2. alle Kräfte die auf Platte, Gleit-


schuh und Dichtleiste wirken,
Dichtleiste wenn die Breite b = 1 m beträgt.

2.3.5 Schwingungsdämpfer
Ein Schwingungsdämpfer besteht aus einem Zylinder, in dem sich ein Kolben mit dem
Radius r0 = 3 cm und der Länge l = 5 cm bewegen kann (siehe Skizze). Zwischen Kolben
und Innenwandung des Zylinders bleibt ein konzentrischer Ringspalt der Breite h = 0,2
2
mm frei. Die Querschnittsäche der Kolbenstange ist gegenüber der Kolbenäche πr0
vernachlässigbar. Der Zylinderraum ist mit einem Öl der Viskosität η = 0,15 Pa s und
3
der Dichte % = 800 kg/m gefüllt.

15
h

2r0 ck
F

Gesucht:

1. Wie groÿ ist die auf den Kolben wirkende Kraft F, wenn die Kolbengeschwin-
digkeit ck = 1 m/s beträgt? Wegen h  r0 kann der Ringspalt als ebener Spalt
betrachtet werden. Der Betrag der Schubspannung an der Kolben-Manteläche
kann vernachlässigt werden.

2. Welche Abhängigkeit F = f (ck ) besteht, wenn man annimmt, dass:


- die Flüssigkeit reibungsfrei durch den Spalt strömt und
- beim Austritt aus dem Spalt die gesamte kinetische Energie der Strömung ver-
lorengeht (unstetige Querschnittserweiterung). Verwenden Sie für diesen Fall die
Werte:
h = 1 mm; ck = 1 m/s; η = 0,48 Pa s; % = 660 kg/m3 .
3. Stellen Sie ein dimensionsloses Kriterium auf, das die Grenze zwischen Fall 1 und
Fall 2 kennzeichnet!

2.3.6 Strömung in einer Kapillare


Durch eine Kapillarleitung von 2 m Länge und 1 mm Innendurchmesser ieÿt Öl mit
der dynamischen Viskosität η = 0,3 Pa s. Der Druckabfall in Strömungsrichtung in der
Leitung beträgt ∆pV = 0,5 MPa. Gesucht:

1. Volumenstrom;

2. Mittlere Strömungsgeschwindigkeit;

3. Maximale Strömungsgeschwindigkeit;

4. Schubspannungen in der Mitte der Kapillare und an der Wand.

16
2.3.7 Lagerreibung
Eine Welle mit einem Durchmesser von 20 mm wird in einer 120 mm langen Buchse
mit einer Geschwindigkeit von u = 1,5 m/s axial verschoben. Die Spaltbreite beträgt
h = 0,1 mm. Druckdierenzen zwischen beiden Seiten des Lagers sind vernachlässigbar.
Wie groÿ darf die maximale dynamische Viskosität des Schmiermittels (Öl) zwischen
Welle und Buchse sein, damit die axiale Kraft 10 N nicht übersteigt? (Verluste am Ein-
und Austritt können vernachlässigt werden!)

Öl
h
d
u; F

Lagerbuchse

2.3.8 Ring-Rohr
Fluidraum
In einem Rohr mit dem Innendurchmesser Da = 60 mm ist koaxi-
al ein zweites Rohr befestigt, so dass sich zwischen beiden Rohren
ein Ringspalt von 10 mm Breite ergibt. In diesem Spalt ieÿt Ke-
rosin (η= 1,5 · 10−3 Pa s; % = 800 kg/m3 ) mit dem Volumenstrom
V̇ = 0,01 m3 /s. Unter der Annahme laminarer Strömung sind zu
berechnen:

1. der Druckabfall je 1m Rohrlänge;


Di
2. die Wandschubspannungen an der inneren und der äuÿeren
Wand. Da

2.3.9 Kunststo-Ummantelung von Stäben oder Drähten


In der folgende Skizze ist das Prinzip einer Vorrichtung zur Kunststo-Ummantelung von
Stäben oder Drähten dargestellt. In einer groÿen Ringkammer bendet sich der erhitzte
und üssige Plastwerksto unter dem Druck pi = 2,79 MPa. Eine zylindrische Düse
der Länge L = 6 cm führt von der Ringkammer ins Freie mit dem Umgebungsdruck
pb = 0,1 MPa. Der zu ummantelnde Stab wird mit der Geschwindigkeit cS = 2 m/s
konzentrisch durch die Düse geschoben, wobei ein Ringspalt der Höhe h1 = 0,75mm

17
verbleibt.
Infolge der Schleppwirkung und der Druck-
gefälles ieÿt der Plastwerksto durch den
Ringspalt. Da auÿerhalb der Düse die Rei-
bung mit der Umgebungsluft vernachläs- pi h1
sigt werden kann, bewegt die Plastschicht pb h2
in einiger Entfernung von der Düse eben-
falls mit der Geschwindigkeit des Stabes cs . d0 cs
Das gilt erst recht nach der Abkühlung und
Verfestigung des Plastwerkstoes. Weiter-
hin sind gegeben:

d0 = 1cm; η = 6,3 Pa s
Der Ringspalt und die Plastschicht sollen
näherungsweise als eben betrachtet werden L
(h1  d0 ). Gesucht:

1. Schichtdicke des Plastwerkstoes auf dem Stab h2 nach der Verfestigung;

2. Erforderlicher Volumenstrom V̇ ;
3. Für welche Stabgeschwindigkeit cs wird h2 = h1 ?

2.3.10 Spaltströmung bei bewegter Wand


Bei welcher Ha-Zahl ergibt sich bei einer Spaltströmung mit bewegter (oberer) Wand
eine Rückströmung? Wie groÿ ist der gerade noch ohne Rückströmung zu realisierende
Druckanstieg in einem Spalt von 1 mm Höhe, wenn die obere Platte mit einer Geschwin-
digkeit von u0 = 1 m/s in positive x-Richtung bewegt wird? Das Fluid ist ein Öl mit der
−6 2 3
Viskosität ν = 100 · 10 m /s und der Dichte % = 920 kg/m .

2.3.11 Rotationsviskosimeter
M, ω
Mit Hilfe eines Rotationsviskosimeters soll die dy-
namische Viskosität einer Newtonschen Flüssigkeit
bestimmt werden. Der Messzylinder mit dem Radius
h = 0,6 mm

ri und der LängeL = 100 mm ist koaxial in einem


ra
Messbehälter vom Radius ra = 30 mm angeordnet.
Das Drehmoment MR wird am Messzylinder gemes-
L
sen, der mit der Winkelgeschwindigkeit ω rotiert. Die
ri
Messungen Messungen zur Ermittlung des Reibmo-
mentes MR = MR,Zyl + MR,Boden ergaben für ein Ra-
dienverhältnis ri /ra = 0,98 und verschiedene Winkel-
geschwindigkeiten folgende Ergebnisse:
b = 0,2 mm

ω (1/s) 0,521 0,942 2,36 4,24 6,32 8,14


MR (Nm) 0,0252 0,0455 0,114 0,205 0,305 0,3925

18
Berechnen Sie für die angegebenen Messpunkte die dynamische Viskosität η, wenn die
Strömung näherungsweise als Couette-Strömung behandelt wird. Die Reibungswir-
kungen am Zylinderboden sind mit einzubeziehen.

Wie ändert sich die Herangehensweise, wenn die Aufgabe exakt als rotationssymmetri-
sches Problem behandelt werden soll?

2.3.12 Riesellm
Eine Flüssigkeit mit der kinematischen Viskosität ν = 3 · 10−5 2
m /s ieÿt als dünner
Film eine geneigte Ebene herab. Der Neigungswinkel der Ebene zur Horizontalen beträgt
α = 30◦ . Bestimmen Sie die Dicke des Flüssigkeitslmes h und den Geschwindigkeits-
verlauf quer durch den Film, wenn der Volumenstrom der Flüssigkeit (bezogen auf eine
2
Breiteneinheit der geneigten Ebene) V̇ /b = 0,007 m /s beträgt.

Hinweis:
Es ist die Näherung der Navier-Stokes-Gleichung in Flieÿrichtung zu benutzen, die
nur Schwerkraft und Reibungskraft enthält, oder die Kräftebilanz an der Wand als Aus-
gangspunkt aufzustellen.

3 Potentialströmung
There is an art, it says, or rather, a knack to ying. The knack lies in
learning how to throw yourself at the ground and miss it [1, S. 459]

3.1 Wiederholungsfragen

1. Welche Voraussetzungen/Gesetze gelten für Potentialströmungen?

2. Erläutern Sie die Begrie 'drehungsfrei', 'drehungsbehaftet' !

3. Unter Welchen Bedingungen können Potentialströmungen die Strömungsverhält-


nisse realer Fluide näherungsweise beschreiben?

4. Was versteht man unter einer 'rotationssymmetrischen' und einer 'zweidimensio-


nalen' (in kartesischen Koordinaten) Strömung?

5. Charakterisieren Sie die beiden Bereiche des Prandtlschen Konzeptes:

• Grenzschichtströmung,

• Auÿenströmung!

6. Durch welche Gröÿen wird die Lage der Staupunkte (Winkel) beim parallel ange-
strömten rotierenden Zylinder beeinusst?

7. Welchen Verlauf hat die Umfangsgeschwindigkeit in einem Potentialwirbel?

8. Skizzieren Sie an einem umströmten Prol die von der Strömung auf das Prol
wirkenden Kräfte!

9. Erläutern Sie das Prinzip des Singularitätenverfahrens zur Berechnung von Poten-
tialströmungen (z. B. Umströmung einer Strebe)!

19
10. Erläutern Sie den Begri der 'Zirkulation' !

11. Ein Strömungsfeld sei drehungsfrei. Gilt dann die einfache Bernoulli-Gleichung?

12. Für eine Strömung ist die Potentialfunktion Φ bekannt. Wie wird daraus das Ge-
schwindigkeitsfeld und die Druckverteilung berechnet?

3.2 Aufgaben

3.2.1 Ermittlung einer Stromfunktion


Gegeben sei ein Ansatz
Ψ(x,y) = K1 x2 + K2 y 2 .
Gesucht:

1. Welche Beziehung muss zwischen den Konstanten K1 und K2 bestehen, damit der
Ansatz eine Potentialströmung beschreibt?

2. Ermitteln Sie das Stromlinienbild!

3. Ermitteln Sie die Linien gleicher Geschwindigkeit (Isotachen)!

3.2.2 Absaugung in der Decke einer Halle


In der Decke einer Werkhalle bendet sich ein Ventilator zur Absaugung feuchter, ver-
brauchter Luft. Wie groÿ ist sein Volumenstrom, wenn die Strömungsgeschwindigkeit in
einer Entfernung von 5m vom Ventilator nicht gröÿer als 0,1 m/s sein soll? Es wird eine
allseitige Absaugung im Halbraum unter der Decke vorausgesetzt.

3.2.3 Absaugung über einem Förderband


L

Beim Transport eines körnigen Gutes auf einem För-


derband soll die staubhaltige Luft abgesaugt wer-
den. Die dazu installierte Absaughaube hat eine
Länge von L = 20 m und einen Önungswinkel
α = 90◦ . Um das Fördergut nicht aufzuwirbeln, wird
gefordert, dass die Geschwindigkeit der abgesaugten R
α
Luft im Abstand R = 2m den Wert cmax = 0,5 m/s
nicht überschreitet! Die Strömung kann als ebene
Senkenströmung betrachtet werden. Gesucht:

1. Wie groÿ ist die Intensität m der Senke?

2. Welcher Luft-Volumenstrom V̇ darf maximal abgesaugt werden?

20
3.2.4 Windgeschwindigkeitsmessung an einem Turm
c∞ (Wind)
y
Windmessgerät

An einem Turm sind


h
in verschiedenen Höhen
Messgeräte des Wet-
terdienstes angebracht,
R
u. a. Windmessgeräte.
x
Die gemessene Windge-
Turm
schwindigkeit ist durch
den Einuss des Turmes
verfälscht. Gesucht:

1. Wie muss die gemessene Windgeschwindigkeit korrigiert werden, wenn das Wind-
messgerät in einer Entfernung von der Oberäche des Turmes mit h = 2·R ange-
bracht worden ist?

2. In welcher Entfernung von der Turmoberäche müsste man den Windmesser an-
bringen, um den Fehler unter 1% zu halten?

3.2.5 Dreiloch-Zylindersonde
An welche Stelle (Winkel ϕ) einer c∞
Dreiloch-Zylindersonde sind die Boh- ϕ
rungen zur Messung des statischen
Druckes anzubringen, wenn der dort ge-
messene Druck gleich dem statischen
Druck der ungestörten Strömung p sein
soll?

3.2.6 Strömung und Druckverteilung an einem Schütz


p0
Eine vertikale Wand eines Schützes, wie sie im
Wasserbau z. B. bei Schleusen, Wehren, Wasser-
kraftwerken verwendet wird, staut das Wasser vom
Boden aus bis zur Höhe r0 . Die Stauwand wird um
die Höhe ra  r0 angehoben. In dem entstehenden r0
Spalt zwischen Boden und Schütz-Wand ieÿt das
Wasser ab. Diese Strömung soll näherungsweise als
ra
ebene Senkenströmung im Bereich des angestauten
Wassers betrachtet werden.

Gesucht:

21
1. Wie lautet die Druckverteilung an der Stauseite der Schütz-Wand?

2. Wie groÿ ist die auf die Schütz-Wand wirkende Kraft je Meter Breite?

3. In welchem Verhältnis steht diese Kraft zur Wandkraft im Fall des vollständigen
Staus (ra = 0, r0 = konst.)?
4. Stellen Sie den Verlauf des statischen Überdruckes an der Schütz-Wand für die
3
Werte r0 = 8 m; ra /r0 = (0,025; 0,1; 0,5); % = 1000 kg/m dar.

5. Skizzieren Sie den Verlauf pü (r)/pü,Boden für die Werte nach 4. pü,Boden ist

dabei der Überdruck am Boden des Staubeckens ohne Abuss.

3.2.7 Krümmerströmung
Die Strömung in einem ebenen 90◦ -
Krümmer mit quadratischem Strö-
mungsquerschnitt soll näherungsweise
konst.
als Potentialströmung (Ausschnitt aus c= r
einem Potentialwirbel) behandelt wer-
den. Gegeben:
Innenradius: ri = 1 m;
3
Volumenstrom: V̇ = 4 m /s;
2
Querschnittsäche: A = 1 m
3
Dichte: % = 1000 kg/m
Gesucht:

1. Wie groÿ ist die Konstante in ra


der Gleichung c = f (r) = K/r ri
für die Geschwindigkeitsvertei-
lung?

2. Wie groÿ ist die Zirkulation Γ,


wenn c = Γ/(2πbr) gilt?

3. Bestimmen Sie die Druckdie-


renz zwischen Innen- und Au-
ÿenwand des Krümmers!

3.2.8 Strömung um einen rotierenden Kreiszylinder


Bestimmen Sie die Druck- und Geschwindigkeitsverteilung auf einem rotierenden Kreis-
zylinder in einer Parallelströmung (senkrecht zur Achse des Zylinders)! Gegeben:
Radius R = 0,1 m; Länge des Zylinders b = 0,5 m;
Anströmgeschwindigkeit c∞ = 10 m/s; Drehfrequenz des Zylinders ω = 200 s−1

22
c∞

ω b

3.2.9 Anströmbereich einer Strebe


Es ist das Strömungsfeld im Anströmbereich einer Strebe zu berechnen. Die Kontur
der Strebe soll durch die Überlagerung von Quell- und Parallelströmung nachgebildet
werden. Ermitteln Sie

1. die Kontur der Strebe (ΨGes = 0),


2. den Geschwindigkeitsverlauf c/c∞ im Anströmbereich und auf der Kontur,

3. den Druckverlauf
p − p∞
%/2c2∞
im Anströmbereich und auf der Kontur,

4. den Abstand r/d einer statischen Drucksonde axial vor der Strebe, bei dem der
statische Druck sich vom ungestörten Druck p∞ um maximal 3% unterscheidet

p − p∞
≤ 0,03 ,
%/2c2∞

5. den Isobarenverlauf im Anströmbereich!

6. Diskutieren Sie die erhaltenen Ergebnisse!

c∞ y

d
x

Parallelströmung Quellströmung Kontur der Strebe

23
3.3 Beispiele für Potentialströmungen

3.3.1 Körperumströmung
(siehe auch [13, Abschnitte 10.2 bis 10.4])

Ψ=0

 
Ψ = c∞ r sin θ 1 − M
2πbr2 c∞
Zylinderumströmung.

 
2ay
Ψ = c∞ y + m arctan x2 +y 2 −a2

Ψ=0

x
Q+ Q−

2a

Umströmung eines geschlossenen elliptischen Körpers.

Ψ = c∞ y + mϑ y

Ψ=0

Umströmung eines oenen (nach rechts unbegrenzten) elliptischen Körpers.

24
3.3.2 Eckenströmung
y
Ψ = C|z|n · sin(nθ)

n = 0.66667

Umströmung einer 90◦ -Kante.

y
Ψ = C|z|n · sin(nθ)

n = 0.57

Umströmung einer spitzwinkligen Kante.

25
y
Ψ = C|z|n · sin(nθ)

n = 0.5

Umströmung einer achen (unendlich dünnen) Kante.

y
Ψ = C|z|n · sin(nθ)

n = 1.2

Innenströmung in einer stumpfwinkligen Ecke.

26
y
Ψ = C|z|n · sin(nθ)

n= 2


Staupunktströmung (Innenanströmung einer '180 -Ecke').

y
Ψ = C|z|n · sin(nθ)

n= 3

Innenströmung einer 60◦ -Ecke.

4 Turbulenz
Ich bin jetzt ein alter Mann, und wenn ich sterbe und in den Himmel
komme, so gibt es zwei Dinge, auf deren Aufklärung ich hoe. Das eine ist die
Quantenelektrodynamik, das andere die turbulente Bewegung von Fluiden.
Und was das erste angeht, bin ich wirklich ziemlich optimistisch.
(Sir Horace Lamb, britischer Mathematiker und Physiker, 1932.)
Lamb (hatte) in zweierlei Hinsicht Recht - alle, die ihn kannten stimm-
ten überein, daÿ er in den Himmel kommen würde; und er war mit Recht
optimistischer im Hinblick auf die Quantenelektrodynamik als bezüglich der
Turbulenz.
(Sydney Goldstein, Harvard-Universität)

4.1 Wiederholungsfragen

1. Nennen Sie die Kennzeichen der laminaren und der turbulenten Strömung!

27
2. Erläutern Sie die Begrie

• Turbulenzgrad

• Turbulenzmaÿstab

• Turbulenzspektrum

3. Was versteht man unter Dissipation und molekularer Diusion?

4. Was versteht man unter turbulenter Diusion?

5. Wovon sind die scheinbaren oder Reynoldsschen Spannungen in einer turbulenten


Strömung abhängig?

6. Was versteht man in der Fluidmechanik unter dem 'Schlieÿungsproblem der Tur-
bulenz' ?

7. Was versteht man unter der 'Schubspannungsgeschwindigkeit' ?

4.2 Aufgaben

4.2.1 Kritische Geschwindigkeit


Gegeben ist ein Rohr von d = 20 mm Durchmesser. Bei welcher Geschwindigkeit ckrit
setzt die turbulente Strömung ein?


Fluide: a) Wasser (20 C; ν = 10−6 m2 /s) ◦
b) Luft (20 C; ν = 15 · 10−6 m2 /s)

4.2.2 Maximaler Volumenstrom bei Rekrit


Ermitteln Sie den maximalen Volumenstrom von Glyzerol durch ein horizontales Röhr-
chen, bei dem noch laminare Strömung vorliegt. Gegeben: D = 8 mm; η = 0,01137 Pa s;
% = 1260 kg/m3

4.2.3 Bernoulli-Gleichung bei instationärer Strömung


Die Bernoulli-Gleichung für die instationäre, inkompressible, eindimensionale Strö-
mung (Stromfaden, d. h. eindimensional)

Z 2
% % ∂c
p1 + %gh1 + c21 = p2 + %gh2 + c22 + % ds
2 2 1 ∂t

gilt natürlich auch für Momentanwerte (Druck, Geschwindigkeit). Wie lautet diese Glei-
chung nach einer zeitlichen Mittelung? Die Höhen sind dabei gleich zu setzen h1 = h2 .

28
4.2.4 Messung mit Prandtl-Staurohr
Wie ändert sich die Druckanzeige bei einem Prandtlschen Staurohr, wenn bei gleich-
bleibenden mittleren Gröÿen die turbulenten Schwankungen in einer Strömung zuneh-
men? Stellen Sie das Ergebnis in dimensionsloser Form mit Hilfe des Turbulenzgrades
dar!

Lösungshinweis: Näherungsweise ist in der turbulenten Strömung der statische Druck


(gemessen am Umfang des Prandtlschen Staurohres) gleich dem Druck p der unge-
störten Anströmung.

4.2.5 Turbulente Mischung


An einem mechanischen Rührwerk wird bei turbulenter Durchmischung von 1 kg Wasser
−6 2
(νW = 1,1 · 10 m /s) ein Energieeintrag je Zeit von P = 12 W gemessen. Welcher Ener-
gieeintrag ist nötig, um bei identischer geometrischer Anordnung und einem Fluid der
−6 2
kinematischen Viskosität νF = 4,3·10 m /s die gleiche Mischungsqualität zu erreichen?

4.2.6 Strahleinschnürung
Am Ende eines Kreisrohres vom Radius r1 strömt eine Flüssigkeit laminar mit dem
parabolischen Geschwindigkeitsprol der ausgebildeten Rohrströmung

 2
c1 r
=1−
c1,max r1

aus. Die Maximalgeschwindigkeit hat den Wert c1,max .


2
Nach dem Austritt aus der Rohrleitung in ein Medium vernachlässigbarer Dichte kann
am freien Strahlrand die Schubspannung vernachlässigt werden. Im Strahl kann daher
nicht mehr das parabolische Geschwindigkeitsprol bestehen bleiben; dieses würde eine
endliche Schubspannung am Rand ergeben. Das Geschwindigkeitsprol gleicht sich im
Strahl deshalb aus, und in einiger Entfernung vom Austritt strömt die Flüssigkeit mit
konstanter Geschwindigkeit c2 und einem Strahlradius r2 .

c2
r1 c1 (r) r2

c1,max

Gesucht:

1. Wie groÿ ist das Kontraktionsverhältnis α = (r2 /r1 )2 ?


2. Wie groÿ ist das Geschwindigkeitsverhältnis c2 /c1,max ?
2 Damit ist das kein Freistrahl.

29
3. Welche Werte für α und c2 /c1,max erhält man, wenn am Rohrende eine turbulente
Rohrströmung vorliegt, die durch das Geschwindigkeitsprol

 1/7
c1 r
= 1−
c1,max r1

beschrieben werden kann?

4.2.7 Geschwindigkeitsprol bei turbulenter Rohrströmung


Das Geschwindigkeitsprol bei turbulenter Rohrströmung kann durch

c  y 1/n
=
cmax R

mit n = 6 . . . 10 im Bereich der Reynolds-Zahlen Re = 4 · 103 . . . 2 · 106 dargestellt


werden.

R r c(r)

Bestimmen Sie den dimensionslosen Wandabstand yc /R, bei dem das Fluid im Kreis-
rohr (Radius R) gerade mit der mittleren Strömungsgeschwindigkeit c strömt. Welcher
Zahlenwert yc /R ergibt sich für n = 8,5?
Treten Nachteile auf, wenn man mit dieser 'ein-Punkt-Messung' die mittlere Geschwin-
digkeit und den Volumenstrom ermitteln will?

4.2.8 Druckkraft und Wandschubspannung


In der ausgebildeten (laminaren und turbulenten Rohrströmung ist der Druckgradient

dp 1 % 2
= −λ c
ds Dgl 2

1. Wie groÿ ist die Druckkraft auf das in einem Rohrstück der Länge δs enthaltene
Fluid?

2. Wie ist die an der Innenwand des Rohres der Länge δs angreifende Schubspannung
τW , wenn die damit die auf die Wand übertragene Kraft gleich der Druckkraft Fp
ist?

3. Bestimmen Sie die Funktion r


τW
= f (c,λ)
%

30
4.2.9 Riesellm
An einer senkrechten Wand ieÿt Wasser als Riesellm konstanter Dicke herab. Die
3
Breite der Wand ist B = 1 m; der Volumenstrom beträgt V̇ = 10 m /h. Die Viskosität
−6 2
beträgt ν = 1,306 · 10 m /s

Gesucht:

1. Flieÿt der Riesellm laminar oder turbulent (Rekrit. = 400)?


2. Berechnen Sie die Dicke des Riesellmes, wenn bei turbulenter Strömung für die
Geschwindigkeitsverteilung das 1/7−Potenzgesetz verwendet wird.

Hinweis: Die Wandschubspannung für den stationären Riesellm folgt aus dem Gleich-
gewicht zwischen Wandreibungskraft und dem Gewicht des Riesellmes.

4.2.10 Wandturbulenz
Über eine 1 m lange ebene Platte strömt Luft mit einer Geschwindigkeit von c = 50 m/s.
−6 2 3
Gegeben sind weiterhin: νLuf t = 14,9 · 10 m /s; %Luf t = 1,21 g/m .

Gesucht:
Wie groÿ sind die Grenzschichtdicke am Plattenende und die Widerstandskraft je Plat-
6
tenbreite, und zwar einmal für Rekrit.1 = 3 · 10 (störungsfreie Anströmung) und zum
5
anderen für Rekrit.2 = 6 · 10 ?

Lösungshinweis: Nach Berechnung des Umschlagpunktes soll die Grenzschichtdicke für


den Strömungszustand berechnet werden, der zum überwiegenden Teil auf der Platte
vorhanden ist.

4.2.11 Turbulente Plattengrenzschicht


Für die turbulente Plattengrenzschicht gelten bei glatter Oberäche im Bereich 5 · 105 <
Rex < 107 näherungsweise:

τW Cf δ(x)
2
= = 0,0296 · Rex−0,2 und = 0,37 · Rex−0,2 .
%c∞ 2 x

Gesucht: Wie groÿ ist das Verhältnis der Dicke der laminaren Unterschicht (entsprechend
y ∗ = 5) zur Grenzschichtdicke δ bei Rex = 106 ?

4.2.12 Test auf laminare Unterschicht


Bei einem von Luft (RL = 287 Nm/(kg K); η = 18,1 · 10−6 Pa s, p = p0 = 101 kPa; T =
293 K) umströmen Körper mit glatter Oberäche wurde im Abstand yp = 5 mm über
der Oberäche eine (zeitlich) mittlere örtliche Geschwindigkeit cx,p = 3 m/s gemessen.

1. Stellen Sie mit Hilfe des universellen Wandgesetzes fest, ober der Messpunkt in der

laminaren Unterschicht liegt. Als Grenzwert ist y = 11,6 anzuwenden.

2. Wie groÿ ist die Wandschubspannung τW an der Stelle der Körperoberäche, die
senkrecht unter dem Messpunkt liegt?

3. Ermitteln Sie zum Vergleich die Wandschubspannung aus dem 1/7-Potenzgesetz.

31
5 Formelzusammenstellungen

5.1 Gasdynamik
 
 κ−1
c22 c21

κ p1  p2 κ
Verallgemeinerte Bernoulli- − = 1− 
2 2 κ − 1 %1 p1
Gleichung (isentrope Strömung)
 
  κ−1
2κ pR  p κ
Ausströmgeschwindigkeit aus einem c2 = 1− 
κ − 1 %R pR
Behälter mit Ruhezustand

2κ pR 2κ
Maximale Ausströmgeschwindigkeit c2max = = RTR
κ − 1 %R κ−1
(Expansion ins Vakuum)

dp p
Örtliche Schallgeschwindigkeit (für a2 = = κ = κRT
d% %
isentrope Strömung)
κ −1 2
a2 = a2R − c
2
2κ pR 2κ
Kritische Schallgeschwindigkeit a∗2 = = RTR
κ + 1 %R κ+1
(Laval-Geschwindigkeit)

pR
Ruheschallgeschwindigkeit a2R = κ = κRTR
%R
c
Mach-Zahl Ma =
a
c
Kritische Mach-Zahl, Laval-Zahl Ma* =
a∗
c
Mach-Zahl bezogen auf Schallge- MaR =
aR
schwindigkeit im Ruhezustand
  1 r
κ − 1 * 2 κ−1 2κ p
Massestrom ṁ = 1 − Ma √ R Ma* A
κ+1 κ + 1 RTR
  1 r
2 κ−1 2κ p
Massestrom im engsten Querschnitt ṁ = √ R A∗
κ+1 κ + 1 RTR
bei Ma = 1
1
2 ! κ−1
A ∗ 1− κ−1
Ma*
Querschnittsverlauf einer Laval- = Ma* κ+1

Düse
A 1 − κ−1
κ+1

Mach-Zahl nach einem senkrechten d* = 1


Ma
Ma*
Verdichtungsstoÿ
  1
*2 κ−1
p̂R %̂r 2 1− κ−1
Ma
Ruhe-Druckverhältnis über Verdich- = = Ma*  κ+1
1

tungsstoÿ
pR %r 1− κ−1
κ+1 *2
Ma
’verbotene’ Lösungen
Stoßlösungen
exakter Schalldurchgang
Unterschallbereich
2

1.5

Ma∗

33
1

0.5

0
x∗ x
Dimensionslose Beziehungen zwischen p, %, T, a, Ma, Ma* für die eindimensionale, stationäre, isentrope Strömung:

2 T p %
Ma2 Ma*
TR pR %R
  #
*2
    κ−1 " κ−1
Ma 2 TR 2 %R
Ma2 = 1 −1 −1
2  pR κ
  − 1
1 − κ−1 Ma
* 2 −1 κ−1 T κ−1 p κ−1 %
2
  "
2     κ−1
κ
 κ−1 #
*2 Ma κ+1 T p κ+1 %
Ma = 1 1− 1− 1−
κ+1 
κ−1  κ−1 TR κ−1 pR κ−1 %R
1+ Ma2 −1
κ+1
 −1     κ−1  κ−1
T κ−1 p κ %
2 κ − 1 *2
= 1+ Ma 1− Ma 1
TR 2 κ+1 pR %R
 −1/2  1/2 r   κ−1   κ−1

34
a κ−1 T p 2κ % 2
2 κ − 1 *2
= 1+ Ma 1− Ma
aR 2 κ+1 TR pR %R
 − κ   κ   κ  κ
p κ−1 κ−1 κ − 1 *2 κ−1 T κ−1 %
= 1+ Ma2 1− Ma 1
pR 2 κ+1 TR %R
 − 1   1   1  1
% κ−1 κ−1 κ−1 T κ−1 p κ
2 κ − 1 *2
= 1+ Ma 1− Ma 1
%R 2 κ+1 TR pR
1

pˆR /pR κ = 1.40


0.9

0.8

T /TR
0.7

Gasdynamisches Diagramm für Luft (


0.6 Ma/10
A∗ /A

κ = 1,4)
p/pR
0.5 %/%R

0.4 A∗ /A
Ma

0.3

0.2

0.1
Ma/10

0
0 0.2 0.4 0.6 0.8 1 1.2 1.4 1.6 1.8 2 2.2 Ma∗ 2.4
1

pˆR /pR κ = 1.33


0.9

0.8
T /TR

0.7

0.6 A∗ /A
p/pR

Gasdynamisches Diagramm für Wasserdampf (


0.5 %/%R

A∗ /A
Ma/10

κ = 1,33)
0.4
Ma

0.3

0.2

0.1
Ma/10

0
0 0.2 0.4 0.6 0.8 1 1.2 1.4 1.6 1.8 2 2.2 2.4 Ma∗ 2.6
5.2 Schleichströmungen

Spaltströmung
Elementare Lösung der Navier-Stokes-Gleichung für die Parallel-Strömung in x-Richtung
in einem ebenen Spalt mit einer bewegten Wand (Geschwindigkeit der Wand u0 ).
Geschwindigkeitsverteilung :

y h2
 
dp y  y
cx (y) = u0 + − 1−
h 2η dx h h

Mittlere Geschwindigkeit:
h2
 
1 dp
cx = u0 + −
2 12η dx
Volumenstrom:
h2
  
1 dp
V̇ = hb u0 + −
2 12η dx

Hagen-Poiseullesche Rohrströmung (laminare Strömung im Rohr mit Kreis-


querschnitt)
Geschwindigkeitsverteilung:

 
1 dp
R2 − r 2

cx (r) = −
4η dx

Mittlere Geschwindigkeit:

R2
 
dp 1
cx = − = cx,max
8η dx 2

Volumenstrom:
πR4
 
dp
V̇ = −
8η dx

Hagen-Zahl:  
dp 2
− · Dgl
dx
Ha =
cx η
Zusammenhang zum Rohrreibungsbeiwert:

Ha
λ=2
Re

37
5.3 Potentialströmungen

∂Φ ∂Φ
Denition der Potentialfunktion: cx = ; cy =
∂x ∂y
∂Ψ ∂Ψ
Denition der Stromfunktion: cx = ; cy = −
∂y ∂x
Komplexes Strömungspotential: χ(z) = Φ(x,y) + iΨ(x,y)
Parallelströmung: χ(z) = c∞ · z

Quell- bzw. Senkenströmung: χ(z) = ln(z) = m ln(z)
2πb
M 1
Dipolströmung: χ(z) = ·
2πb z
R2
 
M 1
Kreiszylinderumströmung: χ(z) = c∞ z + · = c∞ z +
2πb z z
−i · Γ
Potentialwirbel: χ(z) = −im ln(z) = −im (ln(z) + ϑ) = (ln(z) + ϑ)
2πb

5.4 Turbulenz

c˜0x
Turbulenzgrad: Tu =
c
Wandturbulenz:
τW
r
Schubspannungsgeschwindigkeit: cτ =
%
ycτ
dimensionslose Wandkoordinate: y∗ =
ν
c x
dimensionslose Geschwindigkeit: c∗x =


y∗; für y ∗ ≤ 11,63

universelles Wandgesetz: c∗x =
2,5 · ln(y ∗ ) + 5,5; y ∗ > 11,63

für

Empirischer Ansatz: c∗x = 8,74 · (y ∗ )1/7 (1/7-Potenzgesetz)

Spezische Dissipation (dissipierte Energie je Zeit und je Masse) ε:


2
ν3

cK
ε= 4 =ν
lK lK

(lK : Kolmogorovscher Mikromaÿstab, cK : Schwankungsgeschwindigkeit kleinster zu-


sammenhängender Fluidgebiete im Gleichgewichtsbereich nach Kolmogorov bzw. Ge-
schwindigkeitsmaÿstab)

Literatur
[1] Adams, Douglas: Per Anhalter durch die Galaxis (original: The Hitchhiker's Guide
to the Galaxy). München : Rogner und Bernhard GmbH u. Co. Verlags KG, 1981

38
[2] Albring, Werner: Angewandte Strömungslehre. 5. Auf lage. Berlin : Akademie-
Verlag, 1978

[3] Käppeli, E.: Aufgabensammlung zur Fluidmechanik, Teil 1 Potentialströmungen.


1. Auf lage. Frankfurt a. M., Thun : Harri Deutsch, 1992.  ISBN 3817112491

[4] Kolmogorov, A. N.: Dissipation of energy in locally isotropic turbulence. In:


Dokl. Akad. Nauk. SSSR 32 (1941), S. 1921.  in Russian

[5] Kolmogorov, A. N.: The local structure of turbulence in incompressible viscous


uid for very large Reynolds numbers. In: Dokl. Akad. Nauk. SSSR 30 (1941), S.
299303.  in Russian

[6] Lanford III, Oscar E.: The Strange Attractor Theory of Turbulence. In: Ann.
Rev. Fluid Mech. 14 (1982), S. 347364

[7] Merker, Günther P. ; Baumgarten, Carsten: Fluid und Wärmetransport Strö-


mungslehre. Stuttgart, Leipzig, Wiesbaden : B.G.Teubner, 2000.  ISBN 3519
063859

[8] Nestler, Walter ; Iben, Hans-Karl: Strömungslehre. II. Auf lage. Lehrbrief,

[9] Prandtl, L. ; Oswatitsch, K. ; Wieghardt, K.: Führer durch die Strömungs-


lehre. 6. Auf lage. Braunschweig : Vieweg, 1965

[10] Rieÿinger, Th.: Mathematik für Ingenieure. Berlin : Springer-Verlag, 1996, 2000,
2001, 2004

[11] Schade, H. ; Kunz, E.: Strömungslehre. Berlin : de Gruyter, 1989

[12] Schlichting, Herrmann ; Gersten, Klaus: Grenzschicht-Theorie. 9. Auf lage.


Berlin, Heidelberg : Springer-Verlag, 1997.  ISBN 354055744x

[13] Spurk, Joseph H.: Strömungslehre. 5. Auf lage. Berlin : Springer-Verlag, 2004. 
ISBN 3540401660

[14] Truckenbrodt, E.: Lehrbuch der angewandten Fluidmechanik. Berlin : Springer,


1988

[15] Truesdell, Cliord ; Rajagopal, Kumbakonam R. ; Bellomo, Nicola (Hrsg.):


An Introduction to Mechanics of Fluids. Boston, Basel, Berlin : Birkhäuser, 2000

(Modelling and Simulation in Science, Engineering and Technology).  ISBN 0


817640142, 3764340142

[16] Zierep, Jürgen ; Bühler, K.: Strömungsmechanik. Berlin u. a. : Springer, 1991

39
Lösungen

1.2.1: Ma = 0,586.
1.2.2:
Höhe (m) 1000 5000 10000

TH (K) 282 256 223

c (m/s) Ma

278 0.826 0.867 0.928

500 1.49 1.56 1.67

694 2.06 2.17 2.32

c (m/s) TR
278 320 294 262

500 406 380 348

694 522 496 463

1.2.3:
Π 0.9625 0.75 0.528

Ma* 0.255276 0.688074 1.00038

Ma 0.23431 0.654474 1.00046

cA = Ma* ·a∗ (m/s) 80.9207 218.115 317.114

MaR = cA /aR 0.233034 0.628122 0.913219

aA = cA / Ma (m/s) 345.358 333.267 316.97

%A /%R = f (Ma* ) 0.973068 0.814251 0.633697

%A = %A /%R · %R (kg/m3 ) 2.25953 1.89075 1.47149

ṁ = %A ca A (kg/s) 0.365686 0.824801 0.933261

inkompressibel

cA,i (m/s) 80.3726 207.521 285.143

ṁi (kg/s) 0.373262 0.963757 1.32425

1.2.4: 1. cA = 648 m/s; 2. pˆR = 0,1039 MPa; 3. ṁ = 0.2097 kg/s.


1.2.5:
i R 1 2 3 4 5

Ai ∞ 0.0025 0.002 0.0025 0.004 0.006

A∗ /Ai 0 0.8 1 0.8 0.5 0.333333

Ma* 0 0.588623 1 1.42536 1.71696 1.86842

Ma 0 0.553557 1 1.59995 2.1976 2.6376

p (bar) 21.1482 17.1736 11.1722 4.97593 1.98524 1

% kg/m3 10.5129 9.06029 6.66453 3.73996 1.9401 1.18877

c m/s 0 285.158 484.449 690.516 831.78 905.155

a m/s 530.688 515.137 484.449 431.587 378.494 343.174

T (K) 700.676 660.214 583.896 463.42 356.416 293

40
ṁ = 6,4573 kg/s
1.2.6: D2 = 0,0738 m; L = 0,1183 m.
1.2.7: 1. ṁ = 8,082 kg/s; 2. ṁ = 2,257 kg/s.
1.2.10: cA = 3458 m/s; ṁ = 951 kg/s; FS = 3,32 MN; b = 6.84 m/s2 .
0
1.2.11: FW,x = −44,94 kN.
1.2.13: v = Ma ·a = 2,26 km/s
2.3.1: V̇ = 1,331 · 10−7 m3 /s Re = 0,324.
2.3.2: cmax = 2 · c = 0,0396 m/s; c(R − 1mm) = 0,0031 m/s.
2.3.3: h = 0,136 mm; FR /FK = 0,00272.
2.3.4:
    y 
y 2
Geschwindigkeitsprol cx (y) = u0 3 −2
h h
Druckkraft auf Gleitschuh Fpy = 9600 N
Schubkraft Grundplatte Fτ,0 = −64 N
Schubkraft Gleitschuh Fτ,h = 128 N
Druckkraft auf Leiste Fp,l = 192 N.

2.3.5: 1. F = 477 kN; 2. F = 210 N.


2.3.6:

1. V̇ = 2,045 · 10−8 m3 /s
2. c = 0,026 m/s
3. cmax = 0,052 m/s
4. τ = 62,5 Pa.
2.3.7: η ≤ 0,08842 Pa s.
2.3.8:
∆pV
1. = 1142,8 Pa/m
L
2. τi = 6,19 Pa; τa = 5,4 Pa.
2.3.9:

1. h2 = 0,5 mm
2. V̇ = 3,14 · 10−5 m3 /s
3. c∗S = 0,667 m/s.

41
2.3.10: Ha = −24.
2.3.11: η = (1,45 . . . 1,48) Pa s.
2.3.12: h = 0,005 m.
3.2.1: K1 = −K2 .
3.2.2: V̇ = 15,7 m3 /s.
3.2.5: ϕ1 = 150◦ ; ϕ2 = 210◦ .
3.2.3: V̇ = 31,4 m3 /s; m = 1 m2 /s.
3.2.6
ra2 r2
  
p(r) − p0 = %g r0 − r + 1 − 02 .
r0 + ra r

3.2.7: 3. ∆p/% = 12,48 m2 /s2 .


4.2.1: Für Wasser: ckrit = 0,116 m/s; für Luft: ckrit = 1,74, m/s;
4.2.2: V̇max = 0,00013 m3 /s.
4.2.3:
% %
p1 + c1 2 1 + Tu1 2 = p2 + c2 2 1 + Tu2 2 .
 
2 2
4.2.5: 717 W/kg
4.2.6: Laminar:
A2 3 c2 2
α= = ; =
A1 4 c1,max 3
Turbulent:
A2 49 c2 5
α= = ; =
A1 50 c1,max 6

4.2.7: yc /R = 0,239.
4.2.8: r
λ
c .
8
4.2.9: 1. Turbulent; 2. δ = 1,49 mm.
4.2.10: δ = 18,3 mm; FR = 11,07 N/m.
4.2.11:y/δ = 0,004956.
4.2.12: 1. In turb. GS; 2 τW = 0,04303 N/m2 .

42