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Singen in der Kindheit

Eine Veröffentlichung des


Canto-Forschungsinstituts
Thomas Blank
Karl Adamek

Singen in der Kindheit


Eine empirische Studie zur
Gesundheit und Schulfähigkeit von Kindergartenkindern
und das Canto elementar-Konzept zum Praxistransfer

Waxmann 2010
Münster / New York / München / Berlin
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Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Dank für finanzielle Unterstützung


gilt besonders der
Stiftung Deutsche Jugendmarke und der
Deutschen Stiftung Singen

ISBN 978-3-8309-2374-9

© Waxmann Verlag GmbH, 2010


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www.waxmann.com
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Gedruckt auf alterungsbeständigem Papier,


säurefrei gemäß ISO 9706

Alle Rechte vorbehalten


Printed in Germany
Inhalt

Geleitwort .............................................................................................................................................................................. 11

Vorwort .................................................................................................................................................................................. 13

Danksagungen ...................................................................................................................................................................... 15

Teil A Zur Bedeutung des Singens in der frühkindlichen Entwicklung

1. Einleitung ................................................................................................................................................................... 19
1.1 Zentrale Fragestellung.............................................................................................................................................. 20
1.2 Historischer Rückblick zur Entwicklung der Alltagskultur des Singens in Deutschland –
Auswirkungen auf das Singen der Kinder ............................................................................................................ 21
1.3 Zusammenfassung .................................................................................................................................................... 25

2. Stand der Forschung zur Wirkung des Singens auf Physis und Psyche .......................................................... 26
2.1 Physiologie des Singens ........................................................................................................................................... 26
2.1.1 Singen und Gesundheit ........................................................................................................................................... 26
2.1.2 Die vorgeburtliche Entwicklung von Kindern vorgeburtlich singender Mütter............................................. 26
2.1.3 Die frühkindliche gesunde Gehirnentwicklung................................................................................................... 27
2.1.4 Singen und Hirnfunktionen.................................................................................................................................... 27
2.1.5 Genregulation............................................................................................................................................................ 28
2.1.6 Die Produktion von Immunglobulin A ................................................................................................................ 29
2.1.7 Die Produktion von Melatonin .............................................................................................................................. 29
2.1.8 Singen und Herzfunktion ........................................................................................................................................ 29
2.1.9 Singen und Atmung ................................................................................................................................................. 29
2.1.10 Atemwegserkrankungen .......................................................................................................................................... 30
2.1.11 Körperliche Leistungsfähigkeit ............................................................................................................................... 30
2.1.12 Singen und Angstbewältigung – Senkung des Adrenalin- und Erhöhung des Serotonin-
und Oxytocinspiegels ............................................................................................................................................... 30
2.1.13 Singen und Aggressionsbewältigung – Der Abbau von Testosteron, Kortisol und Adrenalin..................... 30
2.1.14 Singen und Glück – Die Ausschüttung von Beta-Endorphin, Noradrenalin und Serotonin ....................... 30
2.1.15 Verbesserung der Lernfähigkeit ............................................................................................................................. 31
2.1.16 Verbesserung der Randbedingungen für Lernen ................................................................................................ 32
2.1.17 Singen und Sozialkompetenz .................................................................................................................................. 32
2.1.18 Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin ................................................................................................... 32
2.1.19 Entfaltung der Spiegelneuronen ............................................................................................................................. 32
2.1.20 Singen und Friedlichkeit ......................................................................................................................................... 34
2.2 Psychologische Aspekte des Singens...................................................................................................................... 34
2.2.1 Singen und Spracherwerb aus entwicklungspsychologischer Sicht .................................................................. 37
2.2.2 Singen und psychische Gesundheit allgemein ..................................................................................................... 38
2.2.3 Singen – emotionales und kognitives Gehirn ..................................................................................................... 39
2.2.4 Singen und neuronale Neubahnungen zwischen Fühlen und Denken ............................................................ 39
2.2.5 Singen und Angstbewältigung: Senkung der Nervenleitgeschwindigkeit ........................................................ 40
2.2.6 Singen und Aggressionsbewältigung ..................................................................................................................... 42
2.2.7 Singen und Trauerverarbeitung.............................................................................................................................. 42
2.2.8 Singen und Glücksempfindung .............................................................................................................................. 43
2.2.9 Singen und Lernen .................................................................................................................................................. 43
2.2.10 Singen und Sozialkompetenz .................................................................................................................................. 43
6

2.2.11 Singen und Friedlichkeit ......................................................................................................................................... 44


2.2.12 Missbrauchbarkeit des Singens ............................................................................................................................... 44
2.3 Zusammenfassung und Hypothesen ..................................................................................................................... 45

3. Untersuchungsdesign und Stichprobe ................................................................................................................... 47


3.1 Untersuchungsdesign .............................................................................................................................................. 47
3.2 Stichprobe ................................................................................................................................................................. 48
3.3 Zum Problem der Repräsentativität ...................................................................................................................... 50
3.4 Zusammenfassung .................................................................................................................................................... 51

4. Messinstrumente und deskriptive Befunde .......................................................................................................... 52


4.1 Kindliches Singverhalten ......................................................................................................................................... 52
4.1.1 Kindliche Singfähigkeit ............................................................................................................................................ 52
4.1.2 Elternbefragung: Alleinesingen und Singen in Stimmungen ................................................................... 60
4.2 Der körperliche und seelische Entwicklungsstand der Kinder und
ihre Schulfähigkeit .................................................................................................................................................... 62
4.2.1 Körperliche Gesundheit........................................................................................................................................... 62
4.2.2 Physische Entwicklung ............................................................................................................................................ 67
4.2.3 Sprachentwicklung ................................................................................................................................................... 69
4.2.4 Psychisch-kognitiver Entwicklungsstand .............................................................................................................. 72
4.2.5 Verhalten .................................................................................................................................................................... 75
4.2.6 Therapeutische Förderung....................................................................................................................................... 77
4.2.7 Schulfähigkeit ............................................................................................................................................................ 80
4.3 Ursachen des Singens ............................................................................................................................................... 80
4.3.1 Häusliche Förderung des Singens ......................................................................................................................... 80
4.3.2 Sozialstruktur und Soziodemographie .................................................................................................................. 83
4.4 Zusammenfassung .................................................................................................................................................... 88

5. Singen und Entwicklung: Empirische Befunde.................................................................................................... 89


5.1 Kindliches Singverhalten und häusliche Förderung des Singens als Ursachen von
Entwicklung, Gesundheit und Schulfähigkeit ...................................................................................................... 90
5.1.1 Kindliches Singverhalten als Ursache von Entwicklung, Gesundheit und Schulfähigkeit ............................ 90
5.1.2 Häusliche Förderung des Singens als Ursache von Entwicklung, Gesundheit
und Schulfähigkeit .................................................................................................................................................... 91
5.2 Ursachen des Singens ............................................................................................................................................... 92
5.2.1 Häusliche Förderung des Singens und kindliches Singverhalten...................................................................... 92
5.2.2 Soziodemographie, Sozialstruktur und kindliches Singverhalten ..................................................................... 93
5.2.3 Soziodemographie, Sozialstruktur und häusliche Förderung des Singens ...................................................... 95
5.3 Zur Unersetzbarkeit des Singens – Empirische Befunde ................................................................................... 95
5.3.1 Soziale Schicht, kindliches Singverhalten, Entwicklung, Gesundheit und
Regelschulfähigkeit ................................................................................................................................................... 97
5.3.2 Sport, kindliches Singverhalten, Entwicklung, Gesundheit und Regelschulfähigkeit .................................. 100
5.3.3 Belastende Lebensereignisse, kindliches Singverhalten, Entwicklung,
Gesundheit und Regelschulfähigkeit ................................................................................................................... 101
5.4 Zusammenfassung .................................................................................................................................................. 104

Teil B Praxistransfer

6. Singen – Ein bildungspolitischer Verantwortungsbereich ............................................................................... 109


6.1 Bildungspolitische Konsequenzen aus den Untersuchungsbefunden............................................................. 109
6.2 Zur Bedeutung des Singens im pädagogischen Feld ......................................................................................... 112
7

6.2.1 Singen, Persönlichkeit und Entwicklung ............................................................................................................ 113


6.2.2 Singen und soziale Kompetenzen ........................................................................................................................ 115
6.2.3 Singen und Lernen ................................................................................................................................................. 115
6.2.4 Singen lernen........................................................................................................................................................... 119
6.2.5 Grundsätze niederschwelligen Singens mit Kindern ........................................................................................ 122
6.3 Zusammenfassung .................................................................................................................................................. 123

7. Das Generationen verbindende Singpatenprogramm Canto elementar


zur Förderung des Singens in Kindergärten ...................................................................................................... 124
7.1 Pädagogische Aspekte von Canto elementar....................................................................................................... 124
7.1.1 Allgemeine pädagogische Prinzipien ................................................................................................................... 124
7.1.2 Spezielle pädagogische Prinzipien: Wie gesungen werden sollte .................................................................... 125
7.1.3 Die Lieder ................................................................................................................................................................ 126
7.1.4 Arbeitsmaterialien .................................................................................................................................................. 127
7.1.5 Klangspiele ............................................................................................................................................................... 127
7.2 Die beteiligten Personengruppen ......................................................................................................................... 127
7.2.1 Die Singpaten .......................................................................................................................................................... 127
7.2.2 Die Erzieher/innen ................................................................................................................................................. 129
7.2.3 Die Musikpädagogen – Canto Trainer ................................................................................................................ 130
7.2.4 Die Eltern................................................................................................................................................................. 130
7.3 Die Teilnahmemöglichkeiten ................................................................................................................................ 130
7.4 Die Weiterbildung .................................................................................................................................................. 131
7.5 Die Organisationsstruktur von Canto elementar ............................................................................................... 131
7.5.1 Das Netzwerk Canto-Kindergärten ....................................................................................................................... 131
7.5.2 Die Initiative Singen in Kindergärten und Grundschulen.................................................................................. 131
7.5.3 Die Deutsche Stiftung Singen ................................................................................................................................. 132
7.5.4 Die Schirmherrschaften ......................................................................................................................................... 132
7.5.5 Das Gütezeichen Canto-Kindergarten und andere Urkunden ........................................................................ 132
7.6 Die Verbreitung von Canto elementar ................................................................................................................. 132
7.7 Die Weiterentwicklung zu Canto primar ............................................................................................................ 133
7.8 Zusammenfassung .................................................................................................................................................. 134

8. Erfahrungsberichte zum Singen mit Kindern .................................................................................................... 135


8.1 Erfahrungen mit dem Programm Canto elementar im Kindergarten ............................................................ 135
8.1.1 Gabi Holtz (Erzieherin): Die Kinder wurden ausgeglichener –
Erfahrungen mit Canto elementar........................................................................................................................ 135
8.1.2 Annegret Mulisch (Kindergartenleiterin): Auswirkungen des Singens mit
Kindergartenkindern im Rahmen von Canto elementar auf die Ergebnisse des
Bielefelder Screenings zur Früherkennung von Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten .................................. 137
8.1.3 Gespräch von Karl Adamek mit Gudrun Seime (Fachberaterin für
Kindertageseinrichtungen der Evangelischen Kirche) über ihre Erfahrungen
mit Canto elementar ............................................................................................................................................... 138
8.2 Erfahrungsberichte zum Singen in der Grundschule, Canto primar, Eltern-Kind-Singen
und erweitertem Musikunterricht ........................................................................................................................ 140
8.2.1 Hartmut Köster (Grundschullehrer): Singpaten in der Grundschule –
Erfahrungen mit Canto primar ............................................................................................................................ 141
8.2.2 Gespräch von Karl Adamek mit dem „Vater der Sängerjugend“ Winfried Kocéa
über sein Programm Die singende Grundschule und seine Canto-Stimmbildung für Laien ...................... 149
8.2.3 Ernst Waldemar Weber: Eltern-Kind-Singen und erweiterter Musikunterricht
in Schulen – Zwei Praxisprojekte in der Schweiz .............................................................................................. 154
8

Teil C Zusammenfassung und Ausblick ..................................................................................................................... 163

Literatur ............................................................................................................................................................................... 169

Abbildungsverzeichnis ....................................................................................................................................................... 175

Tabellenverzeichnis ............................................................................................................................................................ 175

Anhang................................................................................................................................................................................. 177

Anhang A Indikatoren kindlichen Singverhaltens ................................................................................................ 179


Produkt-Moment-Korrelationen .............................................................................................................. 179

Anhang B Indikatoren physischer und psychischer Entwicklung, körperlicher


Gesundheit und Schulfähigkeit .............................................................................................................. 180
Produkt-Moment-Korrelationen .............................................................................................................. 180
Phi-Korrelationen ....................................................................................................................................... 187
Mittelwerte im t-Test .................................................................................................................................. 189

Anhang C Indikatoren zu den Ursachen des Singens ........................................................................................... 197


Produkt-Moment-Korrelationen .............................................................................................................. 197
Phi-Korrelationen ....................................................................................................................................... 199
Mittelwerte im t-Test .................................................................................................................................. 200

Anhang D Kindliches Singverhalten als Ursache physischer und psychischer Entwicklung,


körperlicher Gesundheit und Schulfähigkeit ...................................................................................... 201
Ergebnisübersicht 1 .................................................................................................................................... 201
Produkt-Moment-Korrelationen .............................................................................................................. 205
Phi-Korrelationen ....................................................................................................................................... 209
Mittelwerte im t-Test .................................................................................................................................. 211

Anhang E Häusliche Förderung des Singens als Ursache physischer und psychischer Entwicklung,
körperlicher Gesundheit und Schulfähigkeit ...................................................................................... 217
Ergebnisübersicht 2 .................................................................................................................................... 217
Produkt-Moment-Korrelationen .............................................................................................................. 221
Mittelwerte im t-Test .................................................................................................................................. 223
Phi-Korrelationen ....................................................................................................................................... 227

Anhang F Häusliche Förderung des Singens und kindliches Singverhalten ................................................... 228
Ergebnisübersicht 3 .................................................................................................................................... 228
Produkt-Moment-Korrelationen .............................................................................................................. 229
Mittelwerte im t-Test .................................................................................................................................. 229
Phi-Korrelationen ....................................................................................................................................... 231

Anhang G Soziodemographie, Sozialstruktur und kindliches Singverhalten ................................................. 232


Ergebnisübersicht 4 .................................................................................................................................... 232
Produkt-Moment-Korrelationen .............................................................................................................. 234
Mittelwerte im t-Test .................................................................................................................................. 236
Phi-Korrelationen ....................................................................................................................................... 240
9

Anhang H Soziodemographie, Sozialstruktur und häusliche Förderung des Singens .................................. 241
Ergebnisübersicht 5 .................................................................................................................................... 241
Produkt-Moment-Korrelationen .............................................................................................................. 243
Mittelwerte im t-Test .................................................................................................................................. 244
Phi-Korrelationen ....................................................................................................................................... 245

Anhang I Soziale Schicht: kindliches Singverhalten, physische und psychische Entwicklung,


körperliche Gesundheit und Schulfähigkeit ........................................................................................ 246
Ergebnisübersicht 6 .................................................................................................................................... 246
Produkt-Moment-Korrelationen ............................................................................................................. 251
Mittelwerte im t-Test .................................................................................................................................. 263
Phi-Korrelationen ....................................................................................................................................... 287

Anhang J Sport treibende Kinder: kindliches Singverhalten, physische und


psychische Entwicklung, körperliche Gesundheit und Schulfähigkeit.......................................... 289
Ergebnisübersicht 7 .................................................................................................................................... 289
Produkt-Moment-Korrelationen .............................................................................................................. 291
Mittelwerte im t-Test .................................................................................................................................. 299
Phi-Korrelationen ....................................................................................................................................... 315

Anhang K Kinder in unvollständigen Familien: kindliches Singverhalten, physische


und psychische Entwicklung, körperliche Gesundheit und Schulfähigkeit ................................. 317
Ergebnisübersicht 8 .................................................................................................................................... 317
Produkt-Moment-Korrelationen .............................................................................................................. 320
Mittelwerte im t-Test .................................................................................................................................. 324
Phi-Korrelationen ....................................................................................................................................... 330
Geleitwort

Musik ist kein bloßes Ornament, kein Luxus unserer lich begründete Neuorientierung der Pädagogik hin
Existenz, sondern elementarer Bestandteil und wich- zum Singen gewertet werden. Als Handlungsforscher
tige Grundlage unserer Lebens- und Alltagswelt. Dem hat Dr. Karl Adamek zugleich wirkungsvolle Impul-
Singen kommt in dieser Hinsicht als grundlegende se für den Praxistransfer der Forschungsergebnisse ge-
Weise musikalischen Verhaltens besondere Bedeutung setzt. So rief er 1998 das Internationale Netzwerk zur
zu. Singen macht uns zum Klangkörper, bringt Kör- Förderung der Alltagskultur des Singens – Il canto del
per, Seele und Geist in Schwingung, es beseelt und be- mondo e. V. unter der Schirmherrschaft von Lord Ye-
wegt. Es kann den Menschen mit sich selbst in Ein- hudi Menuhin sowie die Deutsche Stiftung Singen ins
klang bringen, Menschen miteinander verbinden und Leben und baut seitdem beide Organisationen ehren-
so aus Zwängen, Isolation und Einsamkeit befreien. amtlich auf. Dr. Thomas Blank und Dr. Karl Ada-
Gesang spielt eine lebenswichtige Rolle in jedem Alter, mek sind zudem Musiker und arbeiten seit über zwan-
besonders aber im Kindesalter. Es fördert, wie die vor- zig Jahren eng zusammen.
liegende Untersuchung zeigt, die Bildung von Persön- Ihr hier vorgelegtes Buch ist ein weiterer Meilen-
lichkeit und Identität, die Glücks- und Gemeinschafts- stein in der wissenschaftlichen Erforschung der Be-
fähigkeit des Menschen. Deshalb ist es bedeutsam für deutung des Singens für den Menschen und die Basis
eine nachhaltige Zukunftsfähigkeit des Menschen im für eine interdisziplinär begründete Theorie des Sin-
friedvollen Miteinander. gens. Hinsichtlich des aktuellen Forschungsstandes
Dr. Thomas Blank beschäftigt sich als quanti- stellt sie ein Desiderat dar. Dr. Thomas Blank und
tativ orientierter Soziologe seit über zwanzig Jahren Dr. Karl Adamek liefern in überzeugender und be-
theoretisch und empirisch mit Fragen individueller, eindruckender Weise erstmals eine Vielzahl von empi-
sozialer und gesellschaftlicher Identitätsbildung, -ent- rischen Gründen und Argumenten dafür, dass bereits
wicklung und -veränderung sowie den dabei entste- Kinder im Vorschulalter das Singen für ihre gesunde
henden individuellen und sozialen Konflikten. Angst physische und psychische Entwicklung brauchen. Da-
vor Identitätsverlust und das Streben nach Vertrauen nach stabilisiert Singen auf allen Ebenen die Lebens-
in die eigene Identität betrachtet er dabei als die ei- funktionen des Menschen, steigert die Hirnfunktionen,
gentliche Ursache individueller und sozialer Konflikte beeinflusst in positiver Weise die Randbedingungen
bis hin zum Krieg (vgl. Blank 2010). Ihm liegt des- des Lernens, fördert die Persönlichkeitsentwicklung
halb auch die Suche nach konstruktiven Lösungen für und die Gemeinschaftsfähigkeit. Neuere Forschungen
eine nachhaltige Zukunftsfähigkeit der Menschheit be- aus der Medizin, zur emotionalen Intelligenz oder zur
sonders am Herzen und die Bedeutung der Alltags- Hirnentwicklung unterstützen diese These des Zusam-
kultur des Singens interessiert ihn in diesem Zusam- menhangs von musisch-ästhetischer Bildung, allge-
menhang. Nach der Wende gehörte er zu den ersten meiner Intelligenz und Leistungsfähigkeit und damit
empirisch-quantitativ arbeitenden Sozialforschern, die der Unverzichtbarkeit einer gleichwertigen rationalen
sich mit dem Zusammenwachsen der alten und neu- und emotionalen Bildung. Nach den hier vorgestell-
en Bundesländer sowie den Prozessen der Entwick- ten Befunden ist Singen unersetzbar. Deshalb ist auch
lung einer neuen gesamtdeutschen Identität befassten. der noch fast unbemerkt stattfindende weltweite Ver-
Er beschäftigt sich seit über zwanzig Jahren mit Me- fallsprozess der Alltagskulturen des Singens ein sehr
thoden der empirischen Sozialforschung und multiva- viel wichtigeres Thema, als es auf den ersten Blick er-
riaten statistischen Auswertungsverfahren, die für ihn scheint.
jedoch immer nur ein Werkzeug für den Zugang zu Doch die Fähigkeit zu singen muss bereits von frü-
sozialen Fragen darstellen. Er ist u.a. Leiter des Canto- hester Kindheit an gefördert werden, idealerweise be-
Forschungsinstitutes. reits durch die werdenden Eltern. Schon das Eltern-
Dr. Karl Adamek zeigte 1996 erstmalig empirisch Kind-Singen trägt ganz entscheidend zur psychischen
mit seiner Arbeit „Singen als Lebenshilfe – Zu Empirie und physischen Entwicklung des Kindes bei, nicht nur
und Theorie von Alltagsbewältigung“ die Bedeutung weil es z.B. die Sprachentwicklung fördert, sondern
des Singens für die psychische und physische Gesund- auch erste positive Geborgenheitserfahrungen in der
heit des erwachsenen Menschen auf. Diese Richtung Gemeinschaft vermittelt. So könnte z.B. bereits in Ge-
weisende Arbeit und ihr Echo kann nach jahrzehnte- burtsvorbereitungskursen wieder die Freude am Sin-
langer weitgehender Singabstinenz in Deutschland als gen mit dem ungeborenen Kind vermittelt werden.
ein Wendepunkt und Anfang für eine wissenschaft- Ebenso könnten bereits werdende Eltern wieder ler-
12

nen, ihr Kind in den Schlaf zu singen. Es ist alarmie- cher als wichtig betont und insbesondere der Musik-
rend, dass man, betrachtet man es aus der Sicht ande- unterricht vernachlässigt werden. Wie die PISA-Stu-
rer Kulturen, über derartige Selbstverständlichkeiten die zeigt, liegen die skandinavischen Länder, in denen
wie die Kompetenz von Eltern zur emotionalen Kon- eben auch viel in der Schule gesungen wird, im Bil-
taktaufnahme mit ihrem Kind durch Singen derart dungsvergleich ganz vorne. Es ist deshalb höchste Zeit,
sprechen muss. Für all dies brauchen wir Fachkräfte, zu einer grundlegend neuen Bewertung des Singens zu
die solche Fähigkeiten vermitteln können. gelangen und pädagogisch wie bildungspolitisch rele-
Die aufgrund der hier dargestellten empirischen vante Schlüsse daraus zu ziehen. Seit langem weisen
Befunde und ihrer interdisziplinären theoretischen Re- führende Kultur- und Bildungseinrichtungen wie der
flexion erkennbare fundamentale Bedeutung des Sin- Deutsche Musikrat – und der einfache Blick auf die
gens für die Persönlichkeitsentwicklung und die Ent- Lehrpläne an unseren Schulen bestätigt es – auf die
wicklung der Gemeinschaftsfähigkeit des Menschen katastrophale Lage des Musikunterrichtes, der elemen-
verlangt ein sofortiges Umdenken mit praktischen taren musikalischen Bildung und des kindlichen Sin-
Konsequenzen im Bildungssystem sowie weiterführen- gens hin. Wenn alle Kindergartenkinder täglich ein
de interdisziplinäre Studien in diesem bisher vernach- gute halbe Stunde über den Tag verteilt zum Singen
lässigten Forschungsbereich. begeistert werden könnten, hätten wir die PISA-Prob-
Völlig zu Recht fordern die Autoren, das Singen lematik nicht in der Schärfe, wie sie uns jetzt entge-
als eine Facette des Rechts auf Bildung anzuerkennen gentritt. Das ist ein Ergebnis der hier vorgelegten em-
und deshalb wieder als festen Bestandteil in der Aus- pirischen Befunde.
bildung von Erziehern und Erzieherinnen, von Leh- Deshalb sei an dieser Stelle eindringlich an alle
rern und Lehrerinnen, von Pädagogen und Pädago- pädagogisch Verantwortlichen appelliert, bereits das
ginnen zu verankern, damit sich kindliche Stimmen frühkindliche Singen wieder viel stärker zu fördern.
entwickeln können und das Kind sich im Singen zu Die ebenfalls von den Autoren entwickelten und ini-
orientieren lernt. tiierten Wissenschaftstransferprojekte Canto elemen-
Der aktuelle Bildungsbetrieb trägt all diesen Er- tar und Canto primar weisen bereits konsequent in
kenntnissen bisher viel zu wenig Rechnung. Viel zu diese Richtung. Indem Seniorinnen und Senioren als
lange galt das Singen in der Schule als veraltet, über- Sing-Paten ausgebildet werden und ehrenamtlich re-
kommen oder gar aufgrund einer falschen Gleich- gelmäßig in Kindergärten und Grundschulen mit den
setzung von Singen und Ideologie als politisch nicht Kindern singen, ist eine erste Möglichkeit zur notwen-
korrekt. Die technische Entwicklung der vergange- digen Musikalisierung der Früherziehung in Kinder-
nen Jahrzehnte, die Musik immer und überall zu Ge- gärten und Grundschulen aufgezeigt.
hör bringt, hat aktiv betriebenes Musizieren und Sin- Ich wünsche den Autoren, dass sie mit dieser weg-
gen abgedrängt und scheinbar überflüssig gemacht. weisenden Arbeit eine Initialzündung bewirken und
Nach Veröffentlichung der ersten PISA-Studie, die die diesbezüglichen Diskussionen bereichern, fördern
deutschen Schülern und Schülerinnen einen der hin- und stärker in das öffentliche Bewusstsein rücken.
teren Ränge im Bildungsranking der europäischen
Nationen zuwies, schlugen Pädagogen und Politiker
zwar Alarm. Aber die daraus gezogenen Konsequen- Prof. (em.) Dr. Dr. h. c. Hermann Rauhe
zen sind angesichts der hier vorgelegten Befunde fatal. Universität Hamburg
Sie gehen in eine verkehrte Richtung, wenn weiterhin Ehrenpräsident der Hochschule für Musik und
die naturwissenschaftlichen und mathematischen Fä- Theater Hamburg
Vorwort

Als wir dieses Projekt konzipierten, interessierten sich Singen – den größten Nutzeffekt für die Entwicklung
Öffentlichkeit, die Pädagogik und die Bildungspoli- von Kindergehirnen hat. Und wer seine Singfähigkeit
tik nicht besonders für das Thema Singen. Seit Mit- in der Kindheit entfalten konnte, der kann diese Ef-
te der 1960er Jahre wurde das Singen zunehmend fekte später über den ganzen Lebensbogen bis ins Al-
als unwichtig für die Persönlichkeitsbildung erach- ter nutzen. Denn Singen fördert in jeder Lebenspha-
tet, verschwand zunehmend aus Kindergärten, Famili- se die Potenzialentfaltung des Gehirns.“ (Vgl. Hüther
en, Schulen, dem Alltag der Menschen und wurde als 2007) Dies weist nicht nur für die Bildungsdiskussio-
Lehrinhalt der Erzieherinnen- und Lehrerausbildung nen angesichts der PISA-Befunde auf eine bisher wei-
fast flächendeckend gestrichen. Aufgrund unserer mu- testgehend ungenutzte Ressource hin. Deshalb stellen
sikalischen Biografie kamen wir zu der Frage, ob hier wir folgende bildungspolitisch weitreichende These zur
vielleicht eine Fehlentwicklung im Gange ist und be- Diskussion:
gannen, das Singen mit empirischen Mitteln auf sei-
ne Bedeutung für den Menschen hin zu untersuchen. Singen, spielerisch und jenseits von Leistungs-
Aufgrund unserer empirischen Befunde bei Erwach- druck, fördert die physische, psychische und so-
senen (Adamek 1996) vermuteten wir auch eine Ent- ziale Entwicklung von Kindergartenkindern. Sin-
wicklung fördernde Wirkung des Singens bei Kinder- gen macht gesund und friedfertig. Deshalb sind
gartenkindern und haben deshalb u.W. erstmalig 500 viel singende Kindergartenkinder im Vergleich
Kindergartenkindern daraufhin untersucht. Diese Un- zu wenig singenden durchschnittlich u.a. auch
tersuchung, deren Grundkosten dankenswerterweise eher regelschulfähig.
von der Stiftung Deutsche Jugendmarke übernommen
wurden, sowie den Praxistransfer ihrer Befunde führ- Die bildungspolitische Umsetzung unserer im folgen-
ten wir mit der Begeisterung, die bei Pionierarbeiten den beschriebenen Untersuchungsbefunde verspricht
vonnöten ist, durch. Sie beschäftigte uns bis zum Zeit- weitreichende Konsequenzen. Wenn nämlich alle Kin-
punkt dieser Darstellung bald eine Dekade voll ein- der schon von der frühesten Kindergartenzeit an bis
druckvoller Erfahrungen im Spannungsfeld von Wis- mindestens zum Ende der Grundschulzeit über den
senschaft und sozialer Praxis. Wie in diesem Buch Tag verteilt täglich eine halbe bis zu einer Stunde spie-
detailliert dokumentiert, fanden wir knapp zusam- lerisch, bewegungsorientiert, ohne Leistungsdruck, aus
mengefasst heraus: Singen fördert die physische, psy- Spaß an der Freude und freiwillig zum Singen als di-
chische und soziale Entwicklung von Kindergarten- rektem Ausdruck der eigenen Gefühle und zu kreati-
kindern umfassend und grundlegend. Viel singende ver Stimmerprobung begeistert werden würden, hätten
Kinder haben nicht nur deutliche Entwicklungsvorteile wir erstens in Deutschland die grundlegende Bildungs-
gegenüber wenig singenden Kindern. Sie werden auch problematik nicht oder nicht in dieser Schärfe, wie sie
im Vergleich zu wenig singenden Kindern eher als re- sich auf allen Ebenen, u.a. in den PISA-Ergebnissen,
gelschulfähig beurteilt. spiegelt. Zweitens könnte Singen als ein wesentliches
Die wissenschaftliche Einordnung dieser Befunde Werkzeug zur Verbesserung des sozialen Klimas ge-
legt nahe, dass diese Effekte ursächlich als Folge des nutzt werden, denn Singen fördert auch die Entwick-
Singens zu betrachten sind und keine Artefakte dar- lung sozial-konstruktiver Kompetenzen der Kinder.
stellen. Wegen ihrer möglichen individuellen und so- Dies würde die Gewaltproblematik, nicht nur in Schu-
zialen Tragweite diskutieren wir unsere Befunde mit len, deutlich reduzieren, denn Singen erfüllt wie Spre-
vielen Fachleuten, wie etwa dem Neurobiologen Prof. chen allem Anschein nach wesentliche Lebensfunktio-
Gerald Hüther, Leiter der Zentralstelle für Neuro- nen des Menschen.
biologische Präventionsforschung an den Universi- Alles in allem sind unsere Befunde trotz weite-
täten Göttingen und Mannheim/Heidelberg. Ihn ba- rem Forschungsbedarf in Bezug auf Details in ihrer
ten wir um eine Expertise zur Bedeutung des Singens grundsätzlichen Aussage überzeugend und verwei-
für die Entwicklung von Kindern. Deren letzter Satz sen deutlich auf den bisher kaum beachteten Aspekt
lautet: „Es ist eigenartig, aber aus neurowissenschaft- des Menschen, dass das Singen ähnlich zentral wie das
licher Sicht spricht alles dafür, dass aus der Perspek- Sprechen zu seinem Wesen und damit zur freien Ent-
tive einer Leistungsgesellschaft die scheinbar nutzlo- faltung der Persönlichkeit gehört. Dies begründet die
seste Leistung, zu der Menschen befähigt sind – und folgende politische Forderung:
das ist unzweifelhaft das unbekümmerte, absichtslose
14

Jeder hat ein Recht auf die Entfaltung der Sing- er, Prof. Dr. Wolfgang Boochs, Wolfgang Bos-
fähigkeit als eine wesentliche Facette des Rechtes singer, Prof. Dr. Wolfgang Bretschneider, Prof.
auf Bildung. Dr. Wolfgang Edelstein, Gert Engel, KMD Lo-
thar Friedrich, Michel Harder, Dr. Ellis Huber,
Seit 2003 kommunizieren wir unsere zentralen Befun- Prof. Dr. Gerald Hüther, Reinhard Kahl, Win-
de auf Tagungen, suchen Kontakt zu den Medien, um fried Kocéa, Harmut Köster, Prof. Dr. Max Mo-
die demokratische Öffentlichkeit einzubeziehen, und ser, Prof. Dr. Dr. Hermann Rauhe, Enja Riegel,
finden ein breites Medienecho in Tageszeitungen, Funk Lioba Schlee-Tullius, Hardy Schumacher, Gud-
und Fernsehen. (Vgl. www.il-canto-del-mondo.de). run Seime, Dr. Willibert Strunz, Ernst Walde-
Zugleich aber sehen wir unsere Aufgabe darin, unse- mar Weber und Prof. Dr. Karin von Welck.
re Erkenntnisse in gesellschaftliche Praxis umzusetzen. Parallel dazu entstanden über die Jahre hinweg in
Deshalb entwickeln wir seit 2002 beispielhaft das Ge- ganz Deutschland immer mehr Initiativen zur Förde-
nerationen verbindende Singpatenprogramm für Kin- rung des Singens in der Kindheit. Dies vermittelt nicht
dergärten Canto elementar und schufen dafür eine nur einen Eindruck davon, wie viele sich schon für
grundlegende Organisationsstruktur. Bisher sind über dieses Thema stark machen und wie zunehmend sei-
einhundert Kindergärten mit nahezu eintausend Sing- ne gesellschaftliche Bedeutung erkannt wird. Vielmehr
paten und zehntausend Kindern dabei. Für Grund- gilt es nun, all dies in Zukunft zu vernetzen, damit alle
schulen erproben wir das entsprechende Programm Kinder zu ihrem Recht kommen, ihre Singfähigkeit zu
Canto primar. Über beide Programme berichten wir entfalten. Über dieses Recht hinaus liegt in der För-
hier ebenfalls. Sie werden durch Erfahrungsberichte derung des Singens auch eine Chance für die Gesell-
von Gabi Holtz, Annegret Mulisch, Gudrun Sei- schaft. Durch die Konzentration auf die Oberfläche des
me, Harmut Köster, Winfried Kocéa und Ernst- eigentlich nebensächlichen Leistungsranking der Län-
Waldemar Weber ergänzt. Damit versuchen wir eine der im internationalen Schülervergleich wurde hierzu-
Basis zu schaffen, um unsere Befunde grundsätzlich lande die zentrale Botschaft von PISA verkannt, dass
für alle Kindergärten und Grundschulen in Deutsch- dabei Länder systematisch besser abschneiden, die den
land zugänglich und nutzbar zu machen. nicht-rationalen Kommunikationsformen wie etwa
Da wir zudem eine Bündnisplattform zur besse- Singen eine angemessene Bedeutung beimessen und
ren gesellschaftlichen Umsetzung unserer Erkenntnis- in der Tendenz bewusst eine ganzheitliche Bildung an-
se für nötig erachten, haben wir die Initiative Singen streben. Dies passt zu unseren Forschungsergebnis-
in Kindergärten und Grundschulen (www.initiative- sen. Deshalb liegt in der Umsetzung dieser Erkenntnis
singen.de) gegründet. Diese Initiative wird nicht nur eine große Chance. Die schon vorliegende Vielzahl der
von der ehemaligen Präsidentin des Deutschen Bun- empirischen Befunde zur allgemein lebensfördernden
destages, Prof. Dr. Rita Süssmuth, unterstützt, son- Funktion des Singens in physischer, phsychischer und
dern auch vom Neurobiologen Prof. Dr. Gerald sozialer Hinsicht bestärkt erstens die Vermutung, dass
Hüther, der bundesweit bekannten Pädagogin Enja das Singen zum Wesen des Menschen gehört. Zwei-
Riegel, der Kultursenatorin der Stadt Hamburg, Prof. tens könnte die systematische Entfaltung der darin lie-
Dr. Karin von Welck, den Musikpädagogen Prof. genden vielfältigen Ressourcen in einer allgemeinen
Dr. Hermann Rauhe und Prof. Dr. Günther Bas- Renaissance des Singens im Alltag der Gesellschaften
tian, der Bildungsministerin von Schleswig-Holstein, weltweit gerade angesichts der globalen Krise zu ei-
Ute Erdsiek-Rave, und den Präsidenten der großen nem möglichen Lösungsweg Einiges beitragen. Diesem
deutschen Chorverbände Dr. Henning Scherf, Prof. Ausblick werden wir in weiteren Arbeiten nachzuge-
Dr. Wolfgang Bretschneider und KMD Lothar hen versuchen.
Friedrich sowie dem ehemaligen Direktor des Max- Mit aller Zuversicht, dass sich die Erkenntnisse un-
Planck-Instituts für Bildungsforschung Berlin, Prof. serer Untersuchung weiter gesellschaftlich umsetzen,
Dr. Wolfgang Edelstein, um nur einige zu nennen. können wir nun über alles andere hinaus auch dieses
Ebenso gründeten wir die Deutsche Stiftung Singen Buch beisteuern. Wir danken auch deshalb all den vie-
(www.deutschestiftungsingen.de), um in Zukunft len Unterstützern.
über finanzielle Mittel für weitere Forschung zu die-
ser Thematik und zur praktischen Förderung der All-
tagskultur des Singens verfügen zu können. Zu ihren Münster, den 1. Mai 2010
Beiratsmitgliedern zählen inzwischen Prof. Dr. Win-
fried Adelmann, Dr. Lore Auerbach, Prof. Dr. Dr. Thomas Blank und Dr. Karl Adamek
Hans Günther Bastian, Prof. Dr. Joachim Bau- Canto-Forschungsinstitut Münster
Danksagungen

Ohne die Hilfe von so vielen wäre das vorliegende Prof. Dr. Rolf Schweizer, Ernst-Waldemar We-
Projekt nicht möglich gewesen. Allen Helfern, auch ber, Dr. Mathias Weikert, Christiane Wieblitz,
den hier nicht namentlich genannten, möchten wir an Dr. Alfons Willeit und Prof. Dr. Erno Wolfs-
dieser Stelle unseren Dank aussprechen. hohl.

Projektentwicklung Praxistransfer
Danken möchten wir Prof. Dr. Walter Schurian Wir danken den Erzieher/innen der beteiligten Kin-
vom Psychologischen Institut der Westfälischen Wil- dergärten und den Eltern der beteiligten Kinder für
helms-Universität Münster für die wissenschaftliche ihre Unterstützung, natürlich den vielen Kindern und
und organisatorische Begleitung, Dr. Jürgen Gug- den vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern des Il canto
genmos, dem Leiter der Abteilung Kinder- und Ju- del mondo – Internationales Netzwerk zur Förderung
gendgesundheitspflege des Gesundheitsamtes der der Alltagskultur des Singens e.V. für die vielen kleinen
Stadt Münster und Dr. Axel Iseke von der Abteilung notwendigen Dienste, die zum Gelingen des Projektes
Kinder- und Jugendgesundheitspflege des Gesund- beigetragen haben. Hier vor allem Frau Bruns für die
heitsamtes der Stadt Münster für die inhaltliche Zu- Betreuung der ersten Kindergärten in Hamburg so-
sammenarbeit und Bereitstellung der Daten der Schul- wie Herrn Röllecke mit seinem Seniorenchor in der
eingangsuntersuchung, der Abteilung für Datenschutz Matthäusgemeinde Hamburg für das herzliche Ein-
der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und singen der Lieder, den vielen Kindern dabei und ih-
Herrn Homann vom Jugendamt der Stadt Münster ren Betreuerinnen Anke Bolz und Regine Steffens,
für fachliche Beratung zum Praxistransfer. Besonde- den Hunderten von Singpatinnen und Singpaten, der
rer Dank gilt Dagmar Petzgen für die aufwendigen Leiterin der Städtischen Musikschule Schwelm Ur-
ehrenamtlichen Abrechnungsarbeiten im Canto-Büro sula Doerfel für die Grundsteinlegung in den ers-
und Mariola Olesniewicz, M.A. für vielfältige en- ten Kindergärten, der Gymnasiallehrerin Reinhil-
gagierte und kompetente Recherche- und Korrekturar- de Buche-Ditie für ihre ehrenamtliche Pionierarbeit
beiten. in Kindergärten in Wesel sowie Vera Kimmig in glei-
cher Weise in Karlsruhe und Stuttgart, der Fachberate-
Datenerhebung und Auswertung rin für Kindertagesstätten im Evangelischen Kirchen-
Wir danken der Musikpädagogin Marika Hartig für kreis Recklinghausen Gudrun Seime, die mit Liebe
die Stimmaufnahmen mit den Kindern. Für die Beur- und Fachkenntnis die praktische Erprobung des Pra-
teilung der 500 Kinderstimmen danken wir Dr. Mi- xisprogramms Canto elementar ehrenamtlich unter-
chael Büttner vom Institut für Musik und Musikpä- stützt haben.
dagogik der Universität Potsdam, Prof. Dr. Winfried Für die Bereitschaft, bei den über drei Millionen
Adelmann von der Hochschule für Musik und The- aktiven und passiven Chormitgliedern in Deutsch-
ater Hamburg, dem Leiter der Abteilung Phoniatrie land für die ehrenamtliche Mitwirkung im Generatio-
und Pädaudiologie am Universitätsklinikum Charité nen verbindenden Singpatenprogramm Canto elemen-
der Humboldt Universität Berlin, Prof. Dr. Wolfram tar zur Musikalisierung der Kindergärten zu werben
Seidner und seinem Mitarbeiter Dr. Dirk Vargas. danken wir dem Präsidenten des Deutschen Chorver-
bandes, Dr. Henning Scherf, dem Präsidenten des
Wissenschaftliche und musikpädagogische Beratung Allgemeinen Cäcilienverbandes für Deutschland, Prof.
Für begleitende inhaltliche Beratung danken wir Prof. Dr. Wolfgang Bretschneider, dem Präsidenten des
Dr. Winfried Adelmann, Dr. Lore Auerbach, Verbandes Evangelischer Kirchenchöre Deutschlands,
Prof. Dr. Hans-Günther Bastian, Prof. Dr. Jo- Kirchenmusikdirektor Lothar Friedrich, und dem
achim Bauer, Dipl. Musiktherapeut Wolfgang Vorstandsmitglied der Initiative ZWAR e.V. (Zwischen
Bossinger, Dr. Jorgos Canacakis, Prof. Hans- Arbeit und Ruhestand), Prof. Dr. Rainer Noltenius,
Helmut Decker-Voigt, Dr. Johannes Echterhoff, für vielfältige intergenerative Kooperationen.
Prof. Dr. Wilfried Fischer, Prof. Dr. Dr. Karl Für die Pilotprojekte zum generationsübergreifen-
Hörmann, Reinhard Kahl, Winfried Kocéa, Prof. den Singen in Grundschulen unter dem Namen Can-
Dr. Irmgard Merkt, Prof. Dr. Franz Müller- to primar gilt unser Dank, stellvertretend für die vielen
Heuser, Prof. Dr. Günter Noll, Prof. Dr. Her- Helfenden, dem Grundschullehrer Hartmut Köster,
mann Rauhe, Prof. Dr. Walter Schurian, KMD der diese Projekte ehrenamtlich betreut, Jana Wehner
16

vom Schulamt der Stadt Iserlohn, die für diese Idee in Kaiserslautern. Für die organisatorische Hilfe in der
in Iserlohn das Feld bereitete, sowie den vielen Leh- Anfangsphase von Canto elementar Hamburg und Bre-
rern und Singpaten vor Ort. Dr. Martin Büscher men danken wir der Yehudi Menuhin Stiftung Deutsch-
von der Evangelischen Akademie Iserlohn gilt beson- land. Der Freien und Hansestadt Hamburg und be-
derer Dank für die Organisation und inhaltliche Be- sonders der Kultursenatorin Prof. Dr. Karin von
gleitung von Weiterbildungsveranstaltungen zum Pra- Welck danken wir neben aller Unterstützung beson-
xistransfer der vorliegenden Forschungsergebnisse im ders dafür, dass sie in der Frage der notwendigen Mu-
schulischen Kontext, Winfried Kneip von der Yehudi sikalisierung der Früherziehung durch Singen bereit
Menuhin Stiftung Deutschland für die Übernahme der sind, eine Vorreiterrolle zu übernehmen und sich zum
Organisation einer deutschlandweiten Verbreitung des Ziel gesetzt haben, schrittweise alle Kindergärten in
Praxistransferprogramms Canto elementar. Hamburg für das Singpatenprogramm Canto elemen-
tar zu begeistern und praktisch einzubeziehen. Beson-
Finanzielle Förderung derer Dank gilt auch der Beiersdorf AG, die den Start
Das Forschungs- wie das Praxisprojekt hätten ohne des Canto elementar-Programms in Hamburg großzü-
finanzielle Hilfe für Sachmittel nicht realisiert wer- gig unterstützte. Ebenso gilt für Hamburg unser Dank
den können. Helfer mit privaten Spenden haben die den Sikorski Musikverlagen, dem Rotary Club und be-
Grundlegung des Projektes ermöglicht. Hier sei beson- sonders der Organisation New Generation, die das Pro-
ders Dorothea Willach, Ursula Jost, Dr. Scha- jekt nach der Anfangsphase unter ihr Dach genommen
pur Homayun und Gertrud Metzdorf gedankt. haben. Für den Anschub von Canto elementar in Köln
Nach langem Suchen fanden wir endlich eine Stif- danken wir der Versicherungsgesellschaft Generali mit
tung, welche die Bedeutung des Themas erkannte und ihrem Generali Zukunftsfonds, für Berlin dem Nach-
den Anfang setzte. Unser besonderer Dank gilt hier barschaftsheim Schöneberg und für Bonn der Stiftung
der Stiftung Deutsche Jugendmarke e.V. für ihren ent- Bonner Musikleben und der Bonner Bürgerstiftung.
scheidenden Beitrag zur Sachmittelfinanzierung und
der Geduld mit dem Projekt, das sich unter unserer Musik
Hand erfreulicherweise immer weiter in die Praxis hi- Für die Tonaufnahmen von Liedern zum Singpaten-
nein entwickelte. Wir danken Il canto del mondo – In- programm danken wir Tom Dams für die Tontechnik,
ternationales Netzwerk zur Förderung der Alltagskultur Michael Lücker für die Gitarren und anderen Sai-
des Singens e. V. und der Deutschen Stiftung Singen für teninstrumente und für den Bass Urs Fuchs.
umfangreiche finanzielle und organisatorische Hilfe.
Für die finanzielle Förderung des Praxistransfers un- Nicht zuletzt danken wir all den Menschen in unse-
serer Forschungsergebnisse in das Singpatenprogramm rem privaten Umfeld, die uns in all den Jahren zur Sei-
Canto elementar gilt unser Dank dem Land Nordrhein- te standen und uns immer wieder ermutigt und unter-
Westfalen, der Hans-Grünewald-Stiftung, der Wilhelm stützt haben.
Erfurt-Stiftung für Kultur und Natur sowie der Alfred
Toepfer Stiftung F.V.S., durch welche die Pilotphase der
Praxisumsetzung in Kindergärten finanziell unterstützt Münster, den 1. Mai 2010
wurde. Wir danken Dr. Anne und Prof. Wilm Wip-
permann mit ihrer Anne und Wilm Wippermann-Stif- Dr. Thomas Blank und Dr. Karl Adamek
tung für die Anschubfinanzierung von Canto elementar Canto-Forschungsinstitut Münster
Teil A
Zur Bedeutung des Singens in der frühkindlichen Entwicklung
1. Einleitung

Seit vielen Jahrzehnten wurde in Deutschland die Fra- der üben, Töne, welche sie hervorbringen, mit Zei-
ge, ob das Singen für den Menschen eine wichtige Be- chen auf die Tafel schreiben zu lernen und nach An-
deutung hat und deshalb in der Früh- und Schulpä- lass diese Zeichen sodann wieder in ihrer Kehle zu
dagogik eine entsprechende Berücksichtigung finden finden, ferner den Text darunter zu singen, so üben
müsste, verneint. Singen wurde mehrheitlich als et- sie gleich Hand, Ohr und Auge und gelangen schneller
was Überflüssiges angesehen. Erste empirische Befun- zum Recht- und Schönschreiben als man denkt, und
de bei Erwachsenen Mitte der 90er Jahre zeigten je- da dies alles zuletzt nach reinen Maßen, nach genau
doch erstaunlich positive Effekte des Singens auf die bestimmten Zahlen ausgeübt und nachgebildet werden
physische, psychische und soziale Gesundheit von Er- muss, so fassen sie den hohen Wert der Mess- und Re-
wachsenen. (Vgl. Adamek 1996) Seither findet eine chenkunst viel geschwinder als auf jede andere Weis.
langsame aber stetige gesellschaftliche und pädagogi- Deshalb haben wir denn unter allem Denkbaren die
sche Rückbesinnung auf das Singen statt. Ob die für Musik zum Element unserer Erziehung gewählt, denn
Erwachsene gefundenen Effekte auch schon bei Kin- von ihr laufen gleich gebahnte Wege nach allen Sei-
dern auftreten, ist Gegenstand der vorliegenden Unter- ten.“ (Goethe 1987, S. 70) Goethe lag mit seinen in-
suchung. Diese Frage muss aufgrund der im Folgen- tuitiven Wahrnehmungen und Beobachtungen richtig,
den dargestellten Befunde eindeutig mit Ja beantwortet wie die heutigen Untersuchungen zeigen. Und die em-
werden. Sie zeigen, dass die neurobiologischen Ver- pirischen Befunde gehen noch weit darüber hinaus.
mutungen über die Bedeutung des Singens für Kin- Goethe scheint uns prosaisch den Weg zu weisen,
der eine breitenwirksame und empirisch messbare Re- schauen wir nach den PISA-Musterländern in Skandi-
levanz haben. „Singen ist Kraftfutter für Kinderhirne“ navien, wo das Singen in den pädagogischen Feldern,
sagt der Neurobiologe Prof. Gerald Hüther. (2007) zumindest im Vergleich zu Deutschland, noch selbst-
Die gesunde Funktionsweise des Gehirns ist entschei- verständlicher Bestandteil ist.
dend für alle Lebensprozesse. Vor allem wird beim Es scheint oft übersehen zu werden, dass unser Bil-
Singen offenbar die Herausbildung der Motivations- dungssystem nicht strukturell daran krankt, dass man
systeme im Gehirn gefördert, was besonders für Kin- vielleicht den Anschluss an die neuesten Techniken
der von zentraler Bedeutung ist, da sie in dieser Phase der computergestützten Wissensvermittlung verpasst
gefordert sind, unermüdlich und besonders mit Freu- hat, sondern an fehlenden Strukturen zur Einbezie-
de zu lernen, weil dies die nachhaltigsten Lerneffekte hung und Bildung des Fühlens der anvertrauten Kin-
mit sich bringt. (Vgl. Hüther 2007) Der Mensch und der und Jugendlichen. Erst daraus erwächst schließlich
insbesondere das Kind brauchen das Singen allem An- die Motivation als zentrale Lebenskraft und in der Fol-
schein nach zu ihrer gesunden Entfaltung. Es gibt also ge die Lernfreude als größte pädagogische Triebfeder
gute Gründe, das Singen auf der Basis empirischer Be- eines demokratischen Bildungssystems.
funde nüchtern als das zu erkennen, was es für den Dem Singen, das sich den Befunden dieser Arbeit
Menschen ist, nicht nur angesichts der PISA-Befun- zufolge als lange unterschätzter unmittelbarer Selbst-
de. Dies gibt Anlass zu einer bildungspolitischen Neu- ausdruck des Menschen mit Entwicklung fördernden
orientierung hin zur Förderung des Singens auf allen Wirkungen schon in der frühesten Kindheit heraus-
möglichen Ebenen. stellt, müsste bei der anstehenden Weiterentwicklung
Einer der geistigen Grundsteinleger unserer Kultur unseres demokratischen Bildungssystems eine ange-
kann uns offensichtlich auch heute noch bildungspo- messen wichtige Bedeutung gegeben werden. Von den
litische Wege weisen. Johann Wolfgang von Goe- 500 Kindergartenkindern, die wir im Rahmen der
the ahnte über die Bedeutung des Singens visionär Schuleingangsuntersuchung der Gesundheitsbehör-
voraus, was heute differenzierter wissenschaftlich ‚be- de Münster untersucht haben, wurden die viel singen-
stätigt‘ wird. Er beschrieb in seinem Werk „Wilhelm den Kinder statistisch signifikant eher als regelschulfä-
Meisters Wanderjahre“ eine Zukunftsgesellschaft. „Bei hig eingeschätzt als die wenig singenden Kinder (vgl.
uns ist der Gesang die erste Stufe der Bildung, alles Abbildung 1). Dieser Effekt kann mit vielen empiri-
andere schließt sich daran an und wird dadurch ein- schen Belegen auf das Singen zurückgeführt werden
geprägt, ja, selbst was wir überliefern vom Glaubens- und zeigt die allgemein Entwicklung fördernde Wir-
und Sittenbekenntnis wird auf dem Wege des Gesangs kung des Singens bei Kindergartenkindern.
mitgeteilt. Andere Vorteile zu selbständigen Zwecken Dieses Buch gliedert sich in zwei Teile. In Teil A
verschwistern sich sogleich: denn, indem wir die Kin- beschreiben wir in diesem Kapitel 1 zunächst unse-
20

re zentrale Fragestellung und geben einen kurzen his-


torischen Rückblick zur Entwicklung des Singens in
Deutschland. In Kapitel 2 fassen wir den Stand der
Forschung zusammen. Dabei konzentrieren wir uns
besonders auf empirische Befunde bezüglich der phy-
siologischen und psychologischen Wirkungen des ein-
fachen Singens als unmittelbarem Selbstausdruck.
Daraus entwickeln wir dann unsere zentralen For-
schungshypothesen. In Kapitel 3 folgen dann eine Be-
schreibung der Untersuchungsanlage und der Stich-
probe. Die für die Datenerhebung verwendeten
Messinstrumente werden in Kapitel 4 vorgestellt. Ka-
pitel 5 enthält dann die wesentlichen Befunde unserer
Studie.
In Teil B dokumentieren wir den Praxistransfer un-
serer Forschungsergebnisse. Dort findet sich zunächst
das Kapitel 6 über bildungspolitische und wissen-
schaftliche Konsequenzen, die sich aus unseren Befun-
den ergeben müssten. Kapitel 7 bietet eine umfassen-
de Beschreibung unseres Generationen verbindenden
Singpatenprogramms Canto elementar für Kindergär-
ten. In Kapitel 8 finden sich drei Erfahrungsberich-
te aus der Praxis dieses Singpatenprogramms, ein Be-
richt über seine Übertragung auf Grundschulen und
ein Interview mit dem sogenannten „Vater der Sänger-
jugend“ Winfried Kocéa. Ferner berichtet Ernst
Waldemar Weber über sein Projekt des erweiterten
Musikunterrichts in der Schweiz und seine erfolgrei-
che Initiative „Eltern-Kind-Singen“. Die Zusammenfas-
sung und der Ausblick fassen dann die gesamte Arbeit
zusammen.
Teil C
Zusammenfassung und Ausblick
165

Mit diesem Buch legen wir mit der umfassenden Un- Gesundheitszustand der Kinder sowie ihre allgemei-
tersuchung von Kindergartenkindern nach den voran- ne Regelschulfähigkeit. In ihrer Gesamttendenz zeigen
gegangenen Studien mit Erwachsenen weitere empiri- alle in dieser Arbeit vorgestellten empirischen Befun-
sche Argumente für die weitreichende Annahme vor, de, dass das Singen auch schon bei Kindergartenkin-
dass das Singen für die volle Entfaltung des Mensch- dern direkte positive Auswirkungen auf deren gesun-
seins unentbehrlich ist. Aber seit den 1960er Jahren de psychische und physische Entwicklung sowie ihre
verfällt die Alltagskultur des Singens in Deutschland Regelschulfähigkeit hat. Die Frage, ob Singen die so-
zunehmend. Menschen, nicht nur in Deutschland, ziale Kompetenz fördert, wurde durch die in Kapitel
können in den modernen Gesellschaften mehrheitlich 2 vorgestellten empirischen Untersuchungen von We-
immer weniger das Singen als Sprache ihrer Gefühle ber und Bastian überzeugend für Schulkinder posi-
entfalten. Eine misslingende Kommunikation von Ge- tiv beantwortet. Dies gilt mit hoher Wahrscheinlichkeit
fühlen sich selbst oder Anderen gegenüber ist jedoch auch für Kindergartenkinder. Auch hierfür sprechen
unseres Erachtens zum Nachteil sowohl für den Ein- zumindest indirekt die Befunde der vorliegenden Ar-
zelnen wie auch jede soziale Gemeinschaft bis hin zur beit und direkt die ebenfalls hier vorgestellten Erfah-
Gesellschaft. Singen ist vor allem Gefühlskommunika- rungsberichte der Erzieherinnen mit dem Praxistrans-
tion, ob alleine oder in der Gruppe. Singen zeigte sich ferprojekt Canto elementar, das wir parallel zu dieser
in unseren Untersuchungen – entgegen aller frühe- Arbeit entwickelt und erprobt haben. Die Erfahrun-
ren Annahmen der relativen Bedeutungslosigkeit der gen, dass durch das regelmäßige Singen mit den Sing-
menschlichen Singfähigkeit – als eine zentrale Lebens- paten die Kinder für alle Beteiligten im Alltag spürbar
funktion des Menschen. Es fördert nachhaltig die Ge- einen Entwicklungsschub in ihrer sozialen Kompetenz
sundheit in physischer, psychischer und sozialer Hin- machten, konnten auch die Erzieherinnen von über
sicht. Wir konnten früher schon bei Erwachsenen 100 Kindergärten, die das Generationen verbindende
feststellen, dass wenig oder nicht singende Menschen Singpatenprogramm Canto elementar eingeführt ha-
gegenüber viel Singenden empirisch messbare Nach- ben, uns gegenüber bestätigen. Dennoch besteht auch
teile bezüglich ihrer physischen, psychischen und so- hier noch weiterer Forschungsbedarf.
zialen Gesundheit haben. Mit unserer nun vorliegen- Wir kommen zusammenfassend u.a. zu folgenden
den Untersuchung können wir diese positiven Effekte grundsätzlichen Befunden:
des Singens auch bei Kindergartenkindern empirisch (1) Singen fördert eine gesunde psychische, physische
zeigen. Zusammenfassend weisen alle hier vorge- und soziale Entwicklung von Kindergartenkin-
stellten empirischen Befunde darauf hin, dass Singen dern.
ebenso zum Wesen des Menschen gehört wie Spre- (2) Viel singende Kindergartenkindern sind häufiger
chen. Singen als Sprache des Fühlens erfüllt allem An- ihrem Alter entsprechend regelschulfähig als we-
schein nach vergleichbar zentrale Funktionen für das nig singende Kindergartenkinder.
menschliche Leben wie die Wortsprache, ohne die un-
ser Denken nur rudimentär funktionieren kann. Dabei liegen die Entwicklungsvorteile von viel singen-
Die vielfältig begründete Annahme über die weit- den Kindergartenkindern vor allem in
reichenden Funktionen des Singens für ein gelingen- (1) ihrer Sprachentwicklung,
des individuelles und gesellschaftliches Leben des (2) ihrer kognitiven Entwicklung,
Menschen haben wir in der vorliegenden Arbeit unter (3) ihrer koordinativen Entwicklung und
einem speziellen Aspekt geprüft: In der vorliegenden (4) ihrem emotionalen Verhalten und
Studie wurden erstmalig Kindergartenkinder empi- (5) tendenziell im positiven Einfluss des Singens auf
risch daraufhin untersucht, ob die nachgewiesenen po- ihre körperliche Gesundheit insgesamt.
sitiven Auswirkungen des Singens auf die psychische
und physische Gesundheit bei Erwachsenen sich auch Alle vorgestellten Befunde haben sich als unabhängig
schon im Kindergartenalter zeigen. Dazu wurden in von der sozialen Schichtzugehörigkeit der Kinder er-
Münster im Rahmen der Schuleingangsuntersuchun- wiesen. Sie sind auch nicht anderen Faktoren wie z.B.
gen der Gesundheitsbehörde in den Jahren 2001-2002 den ebenfalls für die Entwicklung sehr wirkungsvollen
knapp 500 Kinder in eine umfangreiche Untersuchung Sportaktivitäten zuzuschreiben. Auch bei der Grup-
einbezogen. Die Münsteraner Schuleingangsuntersu- pe der Sport treibenden Kinder finden wir deutlich
chungen beurteilen aufgrund ihrer Eingebundenheit die benannten positiven Effekte unter den viel singen-
in ein bundesweites Forschungsprogramm mit über- den Kindern dieser Gruppe im Vergleich zu den we-
durchschnittlich umfangreichen und gründlichen Tests nig singenden Kindern. Das begründet überzeugend
den psychischen und physischen Entwicklungs- und die Eigenständigkeit des Singens als positiver Entwick-
166

lungsfaktor für Kinder und bildungspolitisch ein So- Zusammenhang. Es muss deshalb Gegenstand zukünf-
wohl-als-auch. tiger Forschung sein, die durch entsprechende sozial-
Unsere Ergebnisse sind konsistent mit dem inter- wissenschaftliche und endokrinologische Befunde für
disziplinären Stand der Forschung. Deshalb spricht Erwachsene gut begründete These über die positiven
Vieles nach unseren Befunden und Überlegungen auch Auswirkungen des Singens auf die körperliche Ge-
wissenschaftlich dafür, dass das Singen von Kindergar- sundheit von Kindergartenkindern eindeutiger empi-
tenkindern, ähnlich wie für Erwachsene bereits empi- risch zu prüfen. Ferner müssen wir bei der Interpreta-
risch gezeigt, für sie gleichermaßen Therapie und Prä- tion der Befunde berücksichtigen, dass in Deutschland
vention ist, weil es in starkem Maße ihre physische, im Vergleich zu früher und zu anderen Ländern das
psychische und soziale Gesundheit und damit ihre Singen im Alltag der meisten Kinder generell nur noch
Gesamtentwicklung fördert. Singen wird den Befun- eine sehr geringe Rolle spielt. Die in unserer Untersu-
den zufolge anscheinend auch schon von Kindern als chung als viel singenden Kinder klassifizierten Kin-
Bewältigungsstrategie negativer Emotionen genutzt. der wären in Ländern wie Finnland, wo das alltägliche
Dies zeigt sich u.a. darin, dass Kinder mit schwer be- Singen die Kindheit deutlich prägt, sicherlich eher in
lastenden Lebenskontexten wie der Trennung der El- die Gruppe der wenig Singer eingeordnet worden. Es
tern deutlich häufiger als Kinder ohne derartige Belas- ließen sich jedoch trotzdem immer noch bei denjeni-
tungserfahrungen zu der Gruppe der viel Singenden gen Kindern, die verhältnismäßig am meisten singen,
gehören und entsprechend häufiger die Gesamtbe- deutliche Vorteile gegenüber denen feststellen, die sel-
wertung „regelschulfähig“ erreichen. Allem Anschein ten oder überhaupt nicht mehr singen. Die Tatsache,
nach haben sie aufgrund ihrer Not bei der natürli- dass unter diesen beschränkten Bedingungen trotz-
chen Suche nach Lösungen die aufgezeigte salutogene- dem deutliche positive Effekte des Singens nachgewie-
tische Wirkung des Singens mit seiner Bewältigungs- sen werden konnten, ist ein starkes Argument dafür,
funktion wie auch immer für sich entdeckt und zu dass hier noch ein weitaus größeres positives Poten-
nutzen gelernt. Singen kann den Ergebnissen zufol- zial brachliegt, als wir dies mit unseren beschränkten
ge also auch schon bei Kindergartenkindern als phy- empirischen Mitteln zu messen in der Lage waren. Es
sischer, psychischer und sozialer „Gesundheitserreger“ deutet alles darauf hin, dass unsere Ergebnisse bei auf-
wirken, wie wir diese gefunden Effekte bei Erwachse- wendigeren Tests noch weitaus deutlicher ausfallen
nen zu benennen vorschlugen. Nicht nur Krankheit würden.
kann ansteckend sein, auch Gesundheit, wie dies bei Neben den direkten positiven Effekten auf die
der Freude am Singen in bisher viel zu wenig beachte- kindliche Individualentwicklung ist Singen auch als
ten Maße geschieht. Diese Wirkungsweise des Singens ein besonderes Übungsfeld sozialer Resonanz zu ver-
als Gesundheitserreger weist auf ein noch lange nicht stehen. Neuere neurobiologische Befunde zeigen, dass
systematisch genutztes soziales Potenzial für Mensch- beim Singen eine Veränderung der Ausschüttung von
heitsentwicklung hin. Unsere Annahme, dass sich das verschiedenen Botenstoffen im Gehirn festzustellen ist.
Singen ähnlich positiv auf ihre körperliche Gesundheit Hier eröffnet sich ein viel versprechendes neues For-
auswirkt, wie wir es bei Erwachsenen bereits empirisch schungsfeld. Diese Botenstoffe reduzieren Aggressi-
zeigen konnten, wird durch unsere Befunde lediglich on mit ihren individuell und sozial schädlichen Folgen
tendenziell bestärkt. Die positiven Wirkungen des Sin- von Lernblockaden bis hin zu zwischenmenschlicher
gens für die körperliche Gesundheit von Kindergar- Diskriminierung und Aggression. Zugleich fördern
tenkindern sind zwar in unseren Daten nachweisbar, solche Botenstoffe Glücksgefühle und die soziale Bin-
aber sie sind lange nicht so deutlich wie bei Erwachse- dungsfähigkeit des Einzelnen. Singen macht den Be-
nen. Wegen ihrer Tragweite erscheinen weitere Unter- funden unserer anderen empirischen Untersuchungen
suchungen für eine eindeutigere Bestätigung unserer zufolge friedlich, ausgeglichen und fördert besonders
These als ausgesprochen lohnenswert. Die nur tenden- wenn es gemeinsam geschieht die Gemeinschaftsfähig-
zielle Bestärkung unserer These liegt unseres Erachtens keit und soziale Kompetenz. Hierfür sprechen auch die
ursächlich in den Grenzen unseres Untersuchungsde- Ergebnisse anderer angeführter empirischer Untersu-
signs begründet. Es lässt zwar statistisch signifikan- chungen und die hier dokumentierten Erfahrungsbe-
te Einblicke in die summarische Wirkung des Singens richte von Erzieherinnen. Singen ist also nicht nur als
auf die Entwicklung von Kindergartenkindern zu, aber ein grundlegender Entwicklungsfaktor für Kindergar-
enthüllt nur teilweise, auch vor allem aufgrund unse- tenkinder anzusehen, sondern offenbart sich als wich-
rer begrenzten Ressourcen, das offensichtlich komple- tigerer Bildungsinhalt für die Zukunftssicherung als
xere Wirkungsgefüge der vielen Faktoren in diesem bisher angenommen.
167

Vor dem Hintergrund unsere Befunde stellen wir faltung der Persönlichkeit gehört. Dies begründet die
in der aktuellen bildungspolitischen Debatte folgende folgende politische Forderung:
empirisch begründete These zur Diskussion:
Jeder hat ein Recht auf die Entfaltung der Sing-
Singen, spielerisch und jenseits von Leistungs- fähigkeit als eine wesentliche Facette des Rech-
druck, fördert die physische, psychische und so- tes auf Bildung.
ziale Entwicklung von Kindergartenkindern.
Singen macht gesund und friedfertig. Deshalb In der Konsequenz sollte die Entfaltung der Singfähig-
sind viel singende Kinder im Vergleich zu wenig keit ab der frühesten Kindheit als verbindliches Bil-
singenden unter anderem auch durchschnittlich dungsgut in der Früh- und Schulpädagogik verankert
regelschulfähiger. und ihr in allen Bildungsinstitutionen und -organi-
sationen ein angemessener Raum gegeben werden.
Die bildungspolitische Umsetzung unserer Untersu- Deshalb muss zukünftig ein Lehrinhalt in der Aus-
chungsbefunde verspricht weitreichende Konsequen- und Weiterbildung von Erzieherinnen, Erziehern und
zen. Wenn nämlich alle Kinder schon von der frü- Grundschullehrenden sein, das stimmliche Ausdrucks-
hesten Kindergartenzeit an bis mindestens zum Ende verhalten der Kinder spielerisch durch Freiräume zur
der Grundschulzeit über den Tag verteilt täglich eine Selbstentdeckung zu fördern, um es durch Begeiste-
halbe bis zu einer Stunde spielerisch, bewegungsori- rung und in Freiwilligkeit zu einem bewegungsorien-
entiert, ohne Leistungsdruck, aus Spaß an der Freude tierten musikalischen Selbstausdruck im Singen und
und freiwillig zum Singen als direktem Ausdruck der Tanzen hin lenken zu können. Erst unter diesen Vor-
eigenen Gefühle und zu kreativer Stimmerprobung be- aussetzungen kann verhindert werden, dass Singhem-
geistert werden würden, hätten wir erstens in Deutsch- mungen entstehen und die Herausbildung der Sing-
land die grundlegende Bildungsproblematik nicht oder fähigkeit langfristig blockiert wird. Auch alle Träger,
nicht in dieser Schärfe, wie sie sich auf allen Ebenen, die sich mit Kinder- und Jugendarbeit beschäftigen,
u.a. auch in den PISA-Ergebnissen spiegelt. Zweitens können sich bestärkt fühlen, wenn sie dem Singen als
könnte Singen als ein wesentliches Werkzeug zur Ver- Selbstausdruck einen angemessenen Stellenwert ein-
besserung des sozialen Klimas genutzt werden, denn räumen.
Singen fördert auch die Entwicklung sozial-konstrukti- Aus den gleichen Gründen haben wir bereits selbst
ver Kompetenzen der Kinder. Dies würde die Gewalt- parallel zu unserem Forschungsprojekt ehrenamtlich
problematik, nicht nur in Schulen, deutlich reduzieren, begonnen, Möglichkeiten eines Praxistransfers unse-
denn Singen erfüllt wie Sprechen allem Anschein nach rer Befunde zu erproben und sozial zu verankern. So
wesentliche Lebensfunktionen des Menschen. haben wir erfolgreich das Generationen verbindende
Alles in allem sind unsere Befunde trotz weite- Singpatenprogramm für Kindergärten Canto elemen-
rem Forschungsbedarf in Bezug auf Details in ihrer tar und entsprechend für Grundschulen das Pilotpro-
grundsätzlichen Aussage überzeugend und verwei- jekt Canto primar entwickelt und erprobt. Wie wir in
sen deutlich auf den bisher kaum beachteten Aspekt diesem Buch berichten, singen im Rahmen von Can-
des Menschen, dass das Singen ähnlich zentral wie das to elementar und Canto primar Angehörige der älteren
Sprechen zu seinem Wesen und damit zur freien Ent- Generation regelmäßig als Singpaten ehrenamtlich mit

100,0%
88,9%

80,0%

60,0% 55,9%
44,1%
40,0%

20,0% 11,1%

0,0%
viel singende Kinder wenig singende Kinder
regelschulfähig nicht regelschulfähig Quelle: Blank/Adamek
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den Kindern im Kindergarten bzw. in der Grundschu- Bedeutung einer lebendigen Alltagskultur des Singens
le, weil diese Älteren häufig noch selbstverständlich allem Anschein nach um etwas grundlegend Existen-
singen können. Die Fähigkeit zu singen wird wie die zielles und wahrscheinlich weltweit Bedeutsames: um
Fähigkeit zu sprechen vor allem in der frühen Kind- ein tieferes Verständnis des menschlichen Wesens, zu
heit durch Lernen am Vorbild entfaltet. Im Rahmen dem Singen wie Sprechen gleichermaßen zu gehören
von Canto elementar werden die Singpaten, Erziehe- scheint, weil Singen zentrale Lebensfunktionen erfüllt
rinnen und Eltern gezielt professionell weitergebildet. sowie eine unglaublich große und bisher nicht ange-
Zudem wird der Titel Canto-Kindergarten als Güte- messen beachtete erneuerbare Ressource darstellt. Es
zeichen verliehen. Der „Vater der Sängerjugend“ Win- geht allen Befunden zufolge um die wirklich nach-
fried Kocéa, der in diesem Buch interviewt wird, haltige Verbesserung der Entwicklungs- und Lebens-
entwickelte zu diesem Programm seine „Canto-Stimm- chancen, um Friedfertigkeit, um die Fähigkeit zur So-
bildung“ als Basis-Stimmbildung für musikalische Lai- lidarität, um die Empathiefähigkeit des Menschen und
en aller Altersgruppen mit kindorientierten Hilfestel- damit um die wirklich nachhaltige Zukunftsfähigkeit
lungen für Pädagogen in der Traditionslinie von Josef der Menschheit. Ein angemessener Einsatz von For-
Kemper und Zoltan Kodály. Der Aufbau des Netz- schungsmitteln in diesem Bereich erscheint als loh-
werkes Canto Kindergärten soll darüber hinaus eine nenswerte Zukunftsinvestition. Denn angesichts so
langfristige selbstständige Basisstruktur zur Qualitäts- vieler düsterer Prognosen der Aussichtslosigkeit in
sicherung schaffen. Heute erfreuen sich bereits über der Gegenwart zeigt sich hier schon durch diese be-
100 Kindergärten, etwa 1000 Singpaten und knapp grenzte empirische Arbeit am Detail der Wirkung des
10.000 Kinder bundesweit an diesem Programm. Da- Singens auf die Entwicklung von Kindern etwas Neu-
bei zeigte sich in einem Kindergarten in Essen, in dem es, das Grund zur Hoffnung gibt: der Mensch kann
Canto elementar und zugleich das sogenannte Bielefel- aller Wahrscheinlichkeit nach durch die Höherent-
der Screening der Universität Bielefeld zum Test der wicklung seines empathischen Wesens auch mit Hil-
Sprachentwicklung durchgeführt wurde, eindeutig eine fe einer möglichen Renaissance der Alltagskulturen
bessere Sprachentwicklung der in unser Singprogramm des Singens weltweit die Gegenwarts- und Zukunfts-
einbezogenen Kinder. Im Gegensatz zu den dort nicht probleme durch eine Kulturentwicklung auf eine hö-
einbezogenen Kindern, deren Sprachförderungsbedarf here Ebene meistern. Ein praktischer Schritt in diese
durchschnittlich bei knapp 40 % lag, brauchten die in Richtung kann im Sinne des hier erprobten ehrenamt-
unser Singprogramm einbezogenen Kinder ausnahms- lichen Singpatenmodells Canto elementar die Ausdeh-
los keine Sprachförderung mehr. Hier zeigt sich unse- nung der hier schon entstehenden Bürgerbewegung
res Erachtens ein vielversprechender Weg zur Sprach- zur Musikalisierung der Früherziehung und Grund-
förderung durch Singen. Dieses auf bürgerschaftliches schulpädagogik sein, so dass tendenziell eine bundes-
Engagement bauende Konzept birgt viele Vorteile und weite Flächendeckung in den Kindergärten erreicht
lässt sich grundsätzlich gerade in Zeiten der Finanznot wird. Sie ginge natürlich dann mit allen anderen be-
und des Mangels an musikalischen Fachkräften auf die grüßenswerten musikpädagogischen Initiativen auf
ca. 50.000 deutschen Kindergärten ausdehnen. diesem Gebiet Hand in Hand. So könnte eine viel-
Deshalb laden wir alle Interessierten herzlich ein, fältig wirkungsvolle, auf das ganze pädagogische Feld
sich an der kritischen Diskussion unserer Befunde, und die Gesellschaft ausstrahlende bildungspolitische
unserer daraus gezogenen bildungspolitischen Forde- Wende hin zu einer Renaissance des Singens einge-
rungen und an der gesellschaftlich ausgesprochen loh- leitet werden, was unsere Zukunftsfähigkeit allen hier
nenswert erscheinenden wissenschaftlichen und prak- vorgestellten Befunden zufolge verbessern wird. Denn
tischen Weiterführung unserer Arbeit zu beteiligen. was wir Gutes zu den Kindern bringen wird immer
Es geht beim Thema Singen und der Frage nach der die Zukunft bestimmen.