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I

Die Milesier: Thales


II

Traditio Praesocratica

Zeugnisse frühgriechischer Philosophie


und ihres Fortlebens
Textual evidence on early Greek philosophy
and its continuation

Band 1
III

Die Milesier: Thales

Herausgegeben von
Georg Wöhrle
Mit einem Beitrag von
Gotthard Strohmaier
IV

∞ Gedruckt auf säurefreiem Papier, das die US-ANSI-Norm über Haltbarkeit erfüllt.

ISBN 978-3-11-019669-6

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Hubert & Co. GmbH & Co. KG, Göttingen
V

Vorwort

Wie es nicht anders sein kann, ist dieses ein Werk, das aus der Zusammen-
arbeit vieler entstanden ist. An erster Stelle möchte ich dabei Frau Mecht-
hild Siede M.A. nennen, die in mühevoller und geduldiger Arbeit die erste
Sammlung der Testimonien übernommen hat. Ermöglicht wurde dies durch
die finanzielle Förderung der Fritz Thyssen Stiftung, der an dieser Stelle
herzlicher Dank ausgesprochen sei. Frau Siedes Arbeit wurde fort- und zu
Ende geführt von Frau Maria Pätzold, die sich darüber hinaus noch durch oft
mühsame Korrekturarbeiten große Verdienste um die Sammlung gemacht
hat. Für eine finanzielle Förderung sei in diesem Falle dem Forschungsfonds
der Universität Trier gedankt. Auch Frau Katrin Beer, Frau Susanne Bretz
und Herr Sebastian Gäb haben geholfen, so manchen Fehler auszumerzen.
Größter Dank gilt Herrn Kollegen Gotthard Strohmaier, der bereit war, und dies
auch mit bekannter Kennerschaft und Umsichtigkeit geleistet hat, die syro-ara-
bische Überlieferung in Edition und Übersetzung zu betreuen. Der Heraus-
geber des vorliegenden Bandes hatte Texte aus vielen Jahrhunderten, von in je-
der Hinsicht verschiedensten Autoren zu sichten, zu verstehen und zu edieren.
Ohne die Beratung von Fachkollegen wäre dies überhaupt nicht möglich gewe-
sen. Namentlich seien hier dankbar genannt die Kollegen PD Dr. Alfred Breiten-
bach (Bonn), PD Dr. Oliver Hellmann (Trier), Prof. Dr. Wolfram Kinzig (Bonn),
Prof. Dr. em. Hans-Otto Kröner (Trier), Dr. Harald Merklin (Freiburg im Brsg.),
Prof. Dr. Christoph Riedweg (Rom/Zürich), Dr. Johannes Schwind (Trier) und
PD Dr. Gregor Staab (Köln). Schließlich hat das kontinuierliche Gespräch mit
Herrn Andreas Schwab M.A., der zurzeit im Rahmen seiner Doktorarbeit und
auf der Grundlage seiner soliden philosophischen Ausbildung einen Kom-
mentar zur vorliegenden Sammlung vorbereitet, manchen wichtigen Impuls
für die laufende Arbeit vermittelt. Ihm wird auch (in Zusammenarbeit mit
Sebastian Gäb) der Index rerum et nominum dieses Bandes verdankt. Dass
die Arbeit ohne die überaus kundige und hilfreiche verlegerische Betreuung
durch Frau Dr. Sabine Vogt vom Verlag Walter de Gruyter nicht erschienen
wäre, verdient an dieser Stelle ebenfalls der unbedingten Erwähnung.

Trier im Juli 2008


VII

Inhaltsverzeichnis

Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1

Edition . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27

Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 489
Abkürzungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 491
Textausgaben der griechischen und
lateinischen Autoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 493
Textausgaben der arabischen Autoren . . . . . . . . . . . . . 515
Literatur zu den griechischen und
lateinischen Autoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 517
Literatur zu den arabischen Autoren . . . . . . . . . . . . . 523
Konkordanz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 529

Liste der Testimonien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 531

Alphabetisches Autorenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . 553

Register der Personen und Orte . . . . . . . . . . . . . . . . 559

Register der Sachen und Begriffe . . . . . . . . . . . . . . . . 563


Allgemeine Bemerkungen 1

Einführung

1. Allgemeine Bemerkungen (Georg Wöhrle)

Wie wohl für kaum eine zweite Epoche der europäischen Philosophie gilt
für diejenige, die wir die vorsokratische nennen, dass das Wissen über deren
Vertreter, die so genannten Vorsokratiker,1 der Interpretation und damit dem
wechselnden Interesse der überliefernden Autoren unterworfen ist. Handelt
es sich doch, wenn nicht ausschließlich, so doch wesentlich, um indirekte
Überlieferung, die, wie im Falle des im vorliegenden Band dokumentierten
‚Thales‘, zunächst sogar nur auf raunendem Hörensagen beruht, auf das
selbst ein Aristoteles zurückgreifen musste. Natürlich lag das Interesse der
modernen philologiegeschichtlichen Forschung zunächst einmal darin be-
gründet, dennoch so weit wie eben möglich dem originären Denken dieser
Protagonisten griechischer Weisheit nahe zu kommen, was vielleicht in je
höherem Maße gelingen kann, je mehr unmittelbarer Wortlaut aus ihren
Schriften noch vorhanden ist. Hier mag es im einen oder anderen Falle so-
gar möglich sein, zu einer ungefähren Vorstellung von Inhalt und Aussage
eines Buches, eines Gedichtes, einer Sammlung zu gelangen. Nicht nötig
zu sagen, dass natürlich auch die Überlieferung solcher wörtlichen Zitate
der gesamten Problematik einer Tradition über die Jahrhunderte und Jahr-
tausende unterworfen ist, beginnend bei mechanischen Übermittlungsfeh-
lern und endend bei einer zuweilen völlig konträren Interpretation je nach
Überlieferungszusammenhang. Unterstützend trat daher das philologische
Bemühen um diese Texte hinzu, das aufzuzeigen und nachzuspüren ver-
suchte, wo die Überlieferungsstränge im Einzelnen verliefen, um eben auf
diese Weise zu einer Grundaussage vorzustoßen und Ursprüngliches von
später Hinzugekommenem, Irrtümlichem, Missverstandenem, ja bewusst
Gefälschtem abzutrennen. Da derartige, sehr berechtigte Rekonstruktions-
bemühungen ihrerseits wiederum im Kontext der je eigenen Zeit, des je

1 Zur Entstehung des Begriffs ‚Vorsokratiker‘, Eduard Zellers Bedeutung für seine
Etablierung und seine Problematik siehe die einführenden Bemerkungen von Ge-
melli Marciano in ihrer neuen Edition, Düsseldorf 2007, 373–85.
2 Einführung

eigenen Methodenverständnisses stehen, sind auch sie natürlich letztlich


nur mehr oder weniger flüchtige Produkte eben dieses eigenen Horizontes.
Gerade in einer Gegenwart also, in der die Gewissheit des ‚Autors‘ verlo-
ren gegangen ist und Texte als komplexe Zeichenzusammenhänge von mehr
oder weniger offener Verweisstruktur aufgefasst werden können, scheint es
angebracht, den Fokus des Interesses weniger auf die (erneute) Rekonstruk-
tion als sozusagen auf die Genese der Konstruktionen zu richten, das heißt,
den Verlauf der Rezeption nachzuzeichnen – sofern das aufgrund des über-
haupt Erhaltenen natürlich möglich ist – und dabei vor allem, wenigstens
im Ansatz, kenntlich zu machen, von welchen unmittelbaren Kontexten
diese Rezeption getragen wurde. Die vorliegende Neuedition unterscheidet
sich, das wird aus dem Gesagten schon klar, in ihren Prinzipien wesent-
lich vom ‚alten‘ Diels/Kranz. Zwar schreibt Hermann Diels (Vorreden zur
ersten Auflage, 1903), dass eine willkürliche Auswahl der Fragmente stets
als Hemmung und Bevormundung der Lehrenden und Lernenden emp-
funden werde, und darum strebe seine Sammlung auch Vollständigkeit der
eigentlichen Fragmente und Mitteilung des wesentlichen biographischen
und doxographischen Materials an. Nichtsdestoweniger aber handelt es sich
natürlich um eine extreme Auswahl, denn es ging Diels ja darum, „an Hand
der Originalurkunden den Entwicklungsprozeß des griechischen Denkens
in statu nascendi [Hervorhebung durch Diels] zu beobachten“ (ebd.). Und
daher schreibt er konsequent zur zweiten Auflage (1906): „Die getroffene
Auswahl hat mich mehr Zeit und Mühe gekostet, als wenn ich mein ge-
sammeltes Material vollständig in die Druckerei gesandt hätte. Ich glaube
aber gerade durch diese Beschränkung auf das Wesentliche und Alte [meine
Hervorhebung] den Anfängern, und nicht nur diesen, einen Dienst geleistet
zu haben. Es war meine Absicht, nur die Ähren in die Scheune zu fahren,
das Stroh aber draußen zu lassen, selbst auf die Gefahr hin, daß hier und
da ein gutes Korn darin bliebe.“ Es geht hier wohlgemerkt nicht darum,
Diels’ Verfahren zu kritisieren. Seine Verdienste stehen außer Frage, und
wahrscheinlich kannte er (abgesehen vielleicht von den Syro-Arabica) die
Großzahl der hier nun neu vorgelegten Testimonien bereits – meist eben
„Stroh“ in seiner Terminologie. Er war ein Kind seiner Zeit, wie wir Kinder
der unsrigen sind. Aber da er nun einmal diese rekonstruktive Auswahl ge-
troffen hatte, war auch für lange Zeit der Maßstab wesentlich festgelegt, wo-
nach ein Thales, ein Anaximander, ein Anaximenes und andere zu bemessen
wären. Gelegentlich kam ein neues Fragment hinzu, das unseren Maßstab
vielleicht etwas erweiterte, aber wer von einem der vorsokratischen Auto-
ren sprach oder schrieb, meinte zumeist oder oft das Bild desjenigen Autors,
dessen Rahmen Hermann Diels vorgezeichnet hatte. Es wird hier also nicht
Allgemeine Bemerkungen 3

erneut eine Sammlung vorgelegt, die zwar möglicherweise tatsächlich das


eine oder andere ‚Neue‘ bietet, letztlich aber doch auf eine Rekonstruk-
tion von authentischen Gedanken und Werken zielt, sondern vielmehr im
Sinne des Titels dieser neuen Reihe Traditio Praesocratica die aneignende
Rezeption – die Wirkungsgeschichte – dokumentiert, wie sie sich über die
frühesten uns greifbaren Zeugnisse bis ins Spätmittelalter hinein darstellt.
Vielleicht eignen sich die milesischen Autoren Thales, Anaximander, Ana-
ximenes für dieses Verfahren in besonderer Weise, da hier so gut wie keine
wörtliche Überlieferung vorliegt, es also grundsätzlich schon einmal nicht
darum gehen kann, Werke (die es vielleicht so nie gab) zu rekonstruieren.
Hier ist (fast) alles nur Zeugnis, Testimonium einer Doktrin, die im Laufe
der Traditio aus immer wieder neuer Perspektive betrachtet wurde. Um
diese Perspektive also soll es gehen,2 im Sinne der Überzeugung, dass wir
sind, was wir sind, nicht aufgrund dessen, was unsere fernen Vorfahren einst
gedacht oder geäußert haben, sondern aufgrund dessen, was die Geschichte
der Vermittlung aus diesen Gedanken und Äußerungen gemacht hat. Es
scheint mir auch sinnvoll – in diesem Zusammenhang wenigstens – nur
von Testimonien zu sprechen. Testimonien im doppelten Sinne des Wortes,
für die Lehre eben des betreffenden Philosophen und für die Perspektive
des überliefernden Autors/Textes auf diese Lehre. ‚Fragmente‘ sind das
im oben schon angesprochenen Verständnis einer semantischen Offenheit
jedes Textes allemal, im eingeschränkten philologischen Verständnis von
‚unvollständig Überliefertem‘ wäre hingegen zumindest für die Milesier
und erst recht einen Thales kaum zu sprechen, da wir nicht wüssten, auf
welches Vollständige wir uns dabei beziehen sollten.

Natürlich hat auch eine solche Vorgehensweise ihre sachlichen und me-
thodischen Tücken, die nicht verschwiegen werden sollen. Es ist klar, dass,
wenn es um eine Darlegung der Rezeptionsströme gehen soll, das Material
in chronologischer Folge dargeboten werden muss. Vielfach finden sich
unsere Testimonien aber bei Autoren, deren Lebenszeit – ganz abgesehen
von einer möglichen Abfassungszeit einzelner Werke – nur sehr näherungs-
weise angegeben werden kann. In Einzelfällen differieren die Ansichten von

2 Auf diesem Wege ist Serge Mouraviev im zweiten Teil seiner monumentalen Samm-
lung Heraclitea vorangegangen. Vgl. vor allem das Vorwort zu Band II A 1, x: „1) pré-
senter ensemble tous les textes relatifs à Héraclite qui sont parvenus jusqu’ à nous;
2) reconstituer à partir d’eux non pas la pensée et le verbe d’ Héraclite lui-même […],
mais, plus modestement, ce que ses citateurs et ses témoins savaient et pensaient de
lui et, à partir de là, ébaucher une histoire de la transmission et de l’interprétation
de son livre et de ses opinions …“.
4 Einführung

Fachleuten hierzu gleich um Jahrhunderte. Hier musste ein pragmatischer


Zugriff gewählt werden: Datierungen folgen in der Regel den Angaben des
Neuen Pauly (DNP) oder des Tusculum-Lexikons griechischer und lateini-
scher Autoren, in Einzelfällen wurde der Einschätzung des jeweiligen He-
rausgebers eines Autors gefolgt (das gilt auch für Autoren, die nicht im DNP
aufgeführt sind, insbesondere von anonym überlieferten Werken). Da es das
Anliegen der vorliegenden Edition ist, gerade den jeweiligen Rezeptions-
horizont zumindest anzudeuten, wurde vielen der vorgelegten Testimonien
ein kurzer Kontext zu Autor und Werkzusammenhang beigegeben. Das
kann jedoch letztlich nur ein erster, gelegentlich sicher recht knapper Hin-
weis sein. Aufgabe eines Kommentars wird es sein, diese Zusammenhänge
in weiterem Umfange aufzuhellen.3 An dieser Stelle seien nur zwei Beispiele
angeführt, die verdeutlichen können, wie Thales je nach Perspektive zum
Fluchtpunkt ganz unterschiedlicher Interessen werden kann. Einmal führen
pagane Autoren Thales’ Berührung mit ägyptischem Wissen eher im Sinne
eines allgemein akzeptierten Traditionsstromes an. Christliche Apologeten
dagegen sehen darin einen Beleg dafür, dass das griechisch-pagane Wissen
eben nicht vorgängig vor jüdisch-christlicher Weisheit ist, wozu auch ent-
sprechende chronologische Einordnungen – Moses war lange vor Thales
– ihren argumentativen Beitrag leisten sollen. Unterschiedlich wird auch
die berühmte, zuerst bei Platon (Th 19) berichtete Anekdote vom Brunnen-
fall des Thales interpretiert. Zielt sie zunächst auf die ‚Weltfremdheit‘ des
Weisen, so können christliche Autoren darin wiederum einen Beleg für die
Nutzlosigkeit heidnischen Wissens sehen.

Ein weiteres Manko bildet wohl, dass es sich natürlich auch um eine mehr
oder minder willkürliche Auswahl handelt. Minder, weil es sich selbst bei
einer möglicherweise angestrebten Vollständigkeit ja doch nur um das
handeln kann, was uns heute nicht verloren ist. Mehr, weil Beschränkung
insoweit geübt werden musste, als die Auswahl der Testimonien mit we-
nigen Ausnahmen durch die namentliche Erwähnung des betreffenden
Autors, in diesem Bande des Thales, bestimmt wurde. Selbstverständlich
findet sich etwa Thales’ Anschauung vom Wasser als dem Urgrund aller
Dinge noch vielfach auch ohne namentliche Erwähnung ihres Urhebers.
Eine Berücksichtigung auch solcher Zeugnisse würde ohne Zweifel ins
Uferlose führen (eine eigene Schwierigkeit bildet dabei die Namensver-
wechslung im Rahmen von Gnomologien, das heißt, wenn eine üblicher-

3 Ein Kommentar zum ‚neuen‘ Thales von Milet wird derzeit von Andreas Schwab in
Trier vorbereitet.
Allgemeine Bemerkungen 5

weise einem anderen Autor zugeschriebene Gnome an anderer Stelle etwa


Thales zugeschrieben ist)4. Um einer weiteren Problematik, nämlich der
völligen Unübersichtlichkeit (angesichts des Haufens an „Stroh“) zu ent-
gehen, wurde den Testimonien ein Similienapparat beigegeben, mit dessen
Hilfe sich gleichsam ein chronologischer Weg durch das Material finden
lässt. Zum einen kann aufgrund dieser Similien, die jeweils durch einen
knappen Begriff charakterisiert werden, ein erster Zugang zum Inhalt des
betreffenden Testimoniums gewonnen werden. Zum anderen kann man
aufgrund dieser Similien eben den Weg einer bestimmten doktrinalen,
biographischen, gnomologischen Zuweisung an Thales durch die Rezep-
tionsgeschichte verfolgen. Etwa den Weg der Anekdote vom ‚Fall‘ des
Thales in den Brunnen von Platon bis ins christliche Mittelalter. Es ver-
steht sich von selbst, dass damit allerdings nicht zugleich ein unmittelbarer
Überlieferungszusammenhang im Sinne einer Quellenabhängigkeit her-
gestellt werden soll oder kann (im Einzelfall ist das natürlich auch nicht
auszuschließen oder sogar nahe liegend – auf spezifische Ähnlichkeiten
innerhalb einer Similiengruppe wird gelegentlich hingewiesen). Der Blick
über die Zeiten hin führt also vor Augen, welche ‚Motive‘ weitergetragen
werden und welche nicht (oder welche neu hinzukommen), auch wel-
che zu bestimmten Zeiten oder bei bestimmten Autoren von besonderem
Interesse waren. Ein Mangel der üblichen doxographischen Anordnung
nach peripatetischem Modell (Prinzipien, Gott, Kosmos, Meteora, Psy-
chologie, Physiologie) ist es ja gerade, dass die Zeugnisse der überliefern-
den Autoren auf unterschiedliche Lemmata verteilt sind; jetzt ist auf den
ersten Blick zu sehen, welcher Autor welche Nachricht von Thales für er-
wähnenswert und diskussionswürdig hielt und oftmals weshalb. Es macht
eben einen Unterschied aus, ob die gleiche Geschichte – etwa die von der
angeblichen Vorhersage einer Sonnenfinsternis – in einem historischen Be-
richt, einem philosophiehistorischen Exkurs oder einer christlichen Chro-
nik erzählt wird. Das gilt auch für die Doxographen im engeren Sinne des
Wortes, die heute zumeist nur als Steinbruch für Fragmentsammlungen
gelesen werden, was kaum in ihrer Absicht stand. Autoren wie Pseudo-
Plutarch und Stobaeus fanden es zu unterschiedlichen Zeiten interessant,
bedeutsame Ansichten zu wichtigen Grundproblemen zu sammeln, nicht
‚Thales‘ oder andere Autoren zu rekonstruieren.5 Der ‚Fragmentierung‘

4 „Die Namen sind das unstabilste Element in dieser Literaturgattung“ (Strohmaier


2003, 16).
5 Daher findet sich in der vorliegenden Ausgabe auch kein seinerseits rekonstruierter
Autor ‚Aetios‘. Siehe dazu jetzt meisterlich Mansfeld & Runia 2009.
6 Einführung

solcher Textsammlungen wurde dadurch entgegenzuwirken gesucht, dass


zumindest die Kapitelüberschriften beigegeben wurden, in denen sich die
jeweiligen Lemmata finden.

Es versteht sich nach dem bereits Gesagten, dass eine künstliche Trennung
zwischen indirekter und direkter Überlieferung, Testimonien zu Leben und
Lehre und Fragmenten i. e. S. (die Sektionen ‚A‘ und ‚B‘ bei Diels/Kranz)
zunächst einmal nicht mehr vorgenommen wird. Was sich für die ‚Milesier‘,
wie eingangs schon gesagt, fast noch von selbst ergibt, da es sich ohnehin
faktisch um indirekte Überlieferung handelt. Im Falle anderer Autoren wie
Empedokles oder Parmenides scheint ein solches Verfahren ein methodi-
scher Rückschritt hinter die Einsichten Schleiermachers und Diels’ zu sein,
die ja durchaus erkannt hatten, dass sich im Falle des Testimoniums dessen
Verständnis auch und gerade aus dem Verständnis des zitierenden Autors
ergibt.6 Aber zum einen ist die Intention der hier vorliegenden neuen Samm-
lung eben nicht mehr oder zumindest nicht ausschließlich rekonstruktiv
und zum anderen kann auch für das Verständnis des wörtlichen ‚Fragments‘
der überliefernde Kontext von großem Interesse sein.7 Weiter versteht sich,
dass auch so genannte „Imitationen“ oder „Fälschungen“ aufgenommen
werden, werden müssen; denn jede Zeit schafft sich eben etwa ihren eigenen
‚Thales‘, ein Bild, das kritischer Überprüfung keinesfalls standhalten mag.
Aber um dieses Bild im Strom der Zeiten geht es eben. Wenn die jeweilige
Perspektive der Rezeption in den Fokus treten soll, dann muss – jedenfalls
im Rahmen einer Edition – eine durch entsprechende Kategorisierung vor-
gegebene Wertung dieser Perspektive (auch wenn es sich um scheinbare
oder offensichtliche Missverständnisse handelt) nicht vorgenommen wer-
den. Auf diese Weise wird, um es einmal etwas pathetisch zu formulieren,
den überliefernden Textzeugnissen und ihren Autoren auch eine Würde
zugestanden, die sie als bloße Referenzen der Rekonstruktion verlieren.
Es soll zum Schluss dieser allgemeinen Bemerkungen allerdings betont
werden, dass durch das so dargebotene Material weitere ‚rekonstruktive‘
Bemühungen keinesfalls ausgeschlossen werden – weder die philologische
Rekonstruktion der doxographischen Traditionslinien, für die das Material
hier zunächst einmal für Thales ausgebreitet liegt, und das, vielleicht erst

6 Vgl. hierzu Most 1998, 1–15, bes. 10 ff.


7 Dass bei Autoren wie Parmenides und Empedokles das Interesse auch in einer
rekonstruierenden und synthetischen Darlegung des wörtlich Überlieferten steht,
ist selbstverständlich und wird in den jeweiligen Bänden entsprechend berück-
sichtigt.
Vorbemerkung zur syro-arabischen Tradition 7

richtig im Verein mit den Zeugnissen der weiteren geplanten Bände, noch
weitere Rückschlüsse erlaubt, noch die philosophische Rekonstruktion, die
der philologischen den ideengeschichtlichen Rahmen vorgibt dessen, was
philologisch machbar ist, und die sich umgekehrt im Rahmen dessen, was
philologisch möglich ist, bewegen muss.

2. Vorbemerkung zur syro-arabischen Tradition


(Gotthard Strohmaier)

Die in arabischer Sprache fassbaren Testimonien zu den Vorsokratikern, die


in der islamischen Kultur mit einer Wertschätzung bedacht waren, die der in
der zeitgenössischen Christenheit durchaus vergleichbar ist, zeichnen sich
durch folgende Eigenheiten aus, die im Folgenden an ausgewählten Beispie-
len illustriert werden sollen, dies zugleich in kritischer Auseinandersetzung
mit der bisherigen Behandlung des Materials. Zum einen ist die Textbasis
schmaler, zum anderen konnte gerade deshalb und zudem aus bestimmten
ideologischen Gründen eine tendenziöse Verarbeitung Platz greifen, wie
sie in der europäischen Überlieferung nicht in dem Maße ausgeprägt war.
Quellort der arabischen Zeugnisse war die spätantike Schule von Alexan-
drien mit ihrem neuplatonisch interpretierten Aristotelismus, dieser ver-
schwistert mit der medizinischen und philosophischen Autorität Galens,
was auf die christlich-syrische Intelligenz und durch ihre Vermittlung auf
die muslimische einen prägenden Einfluss hatte. Dimitri Gutas umreißt die
Sachlage in treffender Weise: „… the fact remains that the philosophical ac-
tivity in Alexandria during the fifth to the seventh centuries, its tendencies
and intellectual orientations, as well as the written material it both pos-
sessed and produced, were determinative of the amount and nature of Greek
philosophy that was transmitted to the Arabs. From this derives the first
rule of thumb in Graeco-Arabic studies, which says that whatever was not
available, either as an idea or a cited text, or as a discrete written work, in
the philosophy of late antiquity is by the same token not to be expected to
appear in Arabic.“8

Diese Einschränkung gilt auch für naturphilosophische Spekulationen früh-


islamischer Theologen, die von fern an griechische erinnern, wo aber meines
Wissens jede Bezugnahme auf Namen oder Werke fehlt. Sie entwickelten
einen Atomismus, der auch die Zeit in analoger Weise zerstückelte, auch gab

8 Gutas 1994, 4941.


8 Einführung

es einen Gegenentwurf, der die Qualitäten der Dinge objektiv vorhanden


sein ließ und ihre Veränderungen als ein Auftauchen aus einem Verborgen-
sein begriff, was mit Anaxagoras in Parallele zu setzen wäre. Aber hier sollte
man durchaus eine Fähigkeit zum eigenständigen Spekulieren in Rechnung
stellen, und wenn schon Anregungen von außen bestanden haben sollten,
wäre auch an persisch-indische Einflüsse zu denken.9

Die Erforschung der so genannten Graeco-Arabica hat seit den Tagen von
Hermann Diels und Walther Kranz beträchtliche Fortschritte gemacht,
und damit lassen sich methodische Unsicherheiten ausräumen, die von ara-
bistischer Seite zu harten Urteilen über deren Auswahl der orientalischen
Zeugnisse geführt haben.10 Grundsätzlich ist der Übergang in das andere
sprachliche Medium in gleicher Weise zu beurteilen wie im Falle der la-
teinischen Tradition. Die arabischen Testimonien sind darum in gleicher
Weise chronologisch einzuordnen. Das geschieht im Folgenden aber nur
dann, wenn Material vorliegt, das im Griechischen fehlt, sowie bei bedeut-
samen Textabweichungen. Aufgenommen wurden zudem nur Stücke aus
solchen Quellen, die in einer Edition vorliegen, in Anbetracht der zurzeit
noch unerschlossenen Handschriftenschätze mag in Zukunft noch einiges
dazukommen.

Leider ist die arabische Schrift zur Wiedergabe fremder Eigennamen nicht
geeignet, und wenn sich schon die Übersetzer Mühe gaben, die fremden
Buchstaben genau wiederzugeben, so schlichen sich oft im Verlaufe der
handschriftlichen Tradierung so viele Fehler ein, dass die gemeinte Person
nicht mehr zu erkennen ist. Verschont wurden die bekannten Namen eines
Aristū, Buqrāt oder Ğālīnūs, die ein arabisches Gewand angelegt hatten und
˙
in dieser Form˙ auch halbgebildeten Abschreibern geläufig waren. Die Vor-
sokratiker waren weniger geschützt. Vollends erschwert wird eine Identifi-
zierung, wenn statt des arabischen Wortlauts nur noch eine mittelalterliche
lateinische Übersetzung vorliegt. Die Schrift De plantis des Nikolaos von
Damaskus bietet dafür ein Beispiel von vielen. Einen Namen „Abrucalis“,
der neben Anaxagoras aufgeführt ist, las Hermann Diels, mehr dem Sinn als
dem Buchstabenbestand folgend, als „Empedokles“; der Orientalist Hell-
mut Ritter übertrug aber diesen ins Arabische zurück und machte daraus
recht plausibel einen „Proklos“. Mit der Herausgabe des arabischen Tex-

9 Zum gegenwärtigen Forschungsstand s. van Ess 2002.


10 De Smet 1998, 23 („… indignes de philologues sérieux, trahissant un mépris mani-
feste pour la littérature arabe en général“).
Vorbemerkung zur syro-arabischen Tradition 9

tes stellte sich jedoch heraus, dass es sich doch um Empedokles handelt.11
Vollends undurchsichtig gestaltet sich die Lage, wenn der Übersetzer ins
Lateinische ein humanistisch Gebildeter war, der keine barbarischen Phan-
tasienamen dulden mochte. Das lange Fragment B 20 im Anaxagoraskapitel
bei Diels/Kranz verdankte seine prominente Stellung dem langen Durch-
gang des Galenkommentars zu Hippokrates’ De aere, aquis, locis durch das
Syrische, Arabische und Hebräische bis in das Latein des Moses Alatino
(1529–1605 n. Chr.). Mit der Kenntnis des arabischen Wortlauts der Stelle
ist nunmehr deutlich, wie schon von Hans Diller vermutet, dass nur zwei
knappe Zitate aus Hesiods Opera et dies vorliegen, und der Kontext stammt
auch nicht aus einer hesiodeischen „Astronomie“, sondern gehört keinem
anderen als dem Kommentator.12

Die umfassende arabische Rezeption der griechischen Philosophie, Natur-


wissenschaft und Medizin in Bagdad, der im Jahre 762 n. Chr. an den Ufern
des Tigris gegründeten Hauptstadt der Abbasidenkalifen, verlangt nach
einer Erklärung, zumal da in Damaskus, der Residenz der omaijadischen
Vorgängerdynastie, eine solche Aktivität noch nicht festzustellen ist. Die
neu bekehrte persische Intelligenz drängte hier in die führenden Posten,
und Dimitri Gutas sieht in der Rezeptionsbewegung das Weiterwirken eines
vorislamischen iranischen Regierungsprogramms, die Schätze der Weisheit,
die ihnen der verderbliche Alexander von Makedonien gestohlen hatte,
zurückzuholen.13 Nahe liegender erscheint mir als Motiv die einfache Tat-
sache, dass sich in Bagdad auf privater Basis eine Lehrtätigkeit entfaltete. Es
gab Kurse für islamische Theologie, Philosophie und Medizin, in denen die
Lehrer um die Gunst einer müßigen und wohlhabenden Jugend konkurrier-
ten. Die Lage war der im alten Athen nicht unähnlich, nur dass in der Phi-
losophie und der Medizin die Wahrheiten nicht neu gefunden, sondern nur
aufgenommen werden mussten. Man berichtet auch von Diskussionszir-
keln, in denen syrische Aristoteliker in der Tradition der alexandrinischen
Schule unter Umständen aggressiv ihre Überzeugungen verteidigten; der
Universalgelehrte al-Bīrūnī schildert eine Szene, in der einer der Übersetzer
einen muslimischen Theologen lächerlich machte, weil dieser nicht an die
Kugelgestalt der Erde glauben wollte.14

11 Drossaart Lulofs 1987, 5 f.; vgl. DK I 297, 2. 4 f. mit dem Nachtrag 499, 15 f.
12 Sezgin 2001, 70 (= fol. 62v2–5); vgl. DK II 41, 12–43, 5 u. 420, 37–43; eine textkriti-
sche Edition mit Kommentar und Übersetzung für das Corpus Medicorum Grae-
corum, Supplementum Orientale, ist in Vorbereitung.
13 Gutas 1998, bes. 34–45.
14 Strohmaier (Leipzig) 32002, Nr. 47.
10 Einführung

Verständlich war das Bestreben der muslimischen Zuhörer, die Texte, über
die debattiert wurde, in arabischer Übersetzung zu besitzen. Hoch gestellte
Persönlichkeiten, die durch die Ausbeutung der Provinzen und ihrer Land-
güter reich geworden waren, hatten die Mittel, um die kostspieligen Über-
setzungen zu bezahlen. Teuer waren sie auch deshalb, weil die Übersetzer
von einer geradezu modern zu nennenden philologischen Gewissenhaftig-
keit erfüllt waren. Der arabische Nestorianer Hunain ibn Ishāq (809–873
n. Chr.), um nur den bedeutendsten Übersetzer˙zu nennen,15 kollationierte
˙
so viele griechische Handschriften, wie er auftreiben konnte, wozu er auch
weite Reisen im Vorderen Orient nicht scheute, denn hier waren noch genü-
gend Majuskelhandschriften zu finden, wenngleich die alte griechisch-sy-
rische Zweisprachigkeit des Territoriums unter der neuen Herrschaft nach
und nach durch eine syrisch-arabische abgelöst worden war. Um Galens
philosophisches Hauptwerk De demonstratione zu finden, reiste er über
Syrien und Palästina bis nach Alexandrien. Seine perfekte Beherrschung des
Griechischen hatte er wahrscheinlich durch einen langjährigen Studienauf-
enthalt in Konstantinopel erworben.16 Wie weit seine einschlägige Bildung
reichen konnte, ersieht man aus folgendem Beispiel. Galen erwähnt in Quod
animi mores corporis temperamenta sequantur, dass der Boden Skythiens
nur einen einzigen Philosophen hervorgebracht habe, ohne den Namen des
Anacharsis ausdrücklich zu nennen. Hunain kennt ihn und fügt ihn hinzu,
da er seinen Lesern nicht geläufig sein˙ konnte.17

Die von chinesischen Kriegsgefangenen verratenen Geheimnisse der Papier-


herstellung ermöglichten dank des niedrigen Preises des neuen Beschreib-
stoffes eine ausgedehnte Buchproduktion. In Bagdad gab es sogar einen
eigenen Markt für die Buchhändler. Ein akademisches Proletariat war auch
vorhanden, das seinen Lebensunterhalt durch das Kopieren der gefragten
Standardwerke verdiente, und hier war die Versuchung groß, durch das An-
gebot neuer bibliophiler Raritäten unter berühmten Namen das kärgliche
Einkommen aufzubessern.18 Nur ausnahmsweise wurde der Schwindel auf-
gedeckt. Aus der Antike verdanken wir Lukian die Nachricht, dass einem
einfältigen Büchernarren eine auf den Namen des Teisias gefälschte Rede-

15 Anawati/Iskandar 1970, 230–49.


16 Strohmaier 1980, 196–200 (ND 1996, 222–6).
17 Vgl. 11: Müller 1891, Bd 2, 79, 21 f. (= Bd. 4, 822, 3 f. Kühn) u. Galens Traktat
Dass die Kräfte der Seele den Mischungen des Körpers folgen in arab. Übers. hrsg.
v. Biesterfeldt 1973, arab. 43, 19 (Übers. 78).
18 Strohmaier (Leuven) 2002 (ND 2007).
Vorbemerkung zur syro-arabischen Tradition 11

kunst für 750 Drachmen verkauft wurde.19 Der Name des Begründers der
Redekunst auf Sizilien war berühmt, aber schon früh war keine Schrift mehr
von ihm vorhanden, was einen Fälscher reizen musste, die Lücke zu füllen.
Gegenüber der Antike hat die Entstehung solcher Literatur auf dem Gebiet
der Philosophie und der profanen Wissenschaften stark zugenommen, und
auch hier ist als Motiv der reine Gelderwerb nicht gering zu veranschla-
gen. Wie weiter unten erwähnt,20 kennen wir den Namen eines Mannes,
der mit dem Verfassen alchemistischer Werke, die er einer schiitischen Au-
torität zuschrieb, viel Geld verdient hat. Doch was auch immer die Motive
gewesen sein mögen, diese Schriften entsprachen, wenn sie denn rezipiert
und immer wieder abgeschrieben und manchmal auch zitiert wurden, einer
Erwartungshaltung, und nicht zufällig wurde sie durch die darüber gesetz-
ten Namen von bekannten griechischen Autoritäten und darunter auch von
Vorsokratikern stimuliert.

Wie sehr ihre bloßen Namen auch in späteren Zeiten breiteren Kreisen ge-
läufig waren, ersieht man aus einer falschen Punktierung in der im persischen
Täbris im Jahre 1482 n. Chr. geschriebenen Kairiner Handschrift Talat, tibb
550, die den unikalen Text von Galens Kommentar zu Hippokrates, ˙ ˙ De
aere, aquis, locis enthält. Galen erwähnt hier sechsmal den Namen seines
Lehrers Pelops in Smyrna. In der sonst eher nachlässig punktierten Hand-
schrift ist der Name jedes Mal deutlich und falsch als Tālīs punktiert, wobei
der Schriftzug selber intakt geblieben ist.21 ¯

Dank der Herkunft aus der alexandrinischen Schule enthält die arabische
Tradition zu einem großen Teil Stücke, die in gleicher Weise wie in der grie-
chischen vorhanden sind. Dazu gehört fast das ganze Corpus Aristotelicum22
mit Ausnahme der Politik23, der Eudemischen Ethik, der Magna Moralia, der
Dialoge und der Sammlung der Staatsverfassungen. Folgende Schriften, die
Nachrichten von Vorsokratikern enthalten, waren in Übersetzung zugäng-
lich oder sind es noch heute, teils in Editionen oder noch nicht ediert in

19 Pseudologista 30.
20 S. u. 22.
21 Sezgin 2001, 131, 16 (= fol. 93r16); 132, 9 f. (= fol. 93v9 f.); 133, 5. 14. 17 (= fol. 94r5.
14. 17); dasselbe als Tālīs in: Mohaghegh 1993, 55, 15, wo aber auch hier im Kontext
nicht der Philosoph gemeint sein kann, denn es geht um den Widerspruch zu einer
medizinischen Autorität.
22 Vgl. Peters 1968, 7–54.
23 Brague 1993, 423–33.
12 Einführung

Handschriften. Es handelt sich um die Analytica posteriora24, die Topica25,


die Sophistischen Widerlegungen26, die Rhetorik27, die Poetik28, die Physik29,
De caelo30, De generatione et corruptione31, die Meteorologie32, De anima33,
De sensu et sensato34, De generatione animalium35, die Historia animalium36,
De partibus animalium37, die Metaphysik38 und die Nikomachische Ethik39.

Die Kommentatoren, angefangen von Alexander von Aphrodisias bis hin


zu den spätantiken, die in Alexandria gelesen wurden und die zu seinen
Auseinandersetzungen mit den Vorsokratikern illustrierende Belege aus den
zu ihrer Zeit noch erhaltenen Schriften beibringen konnten, fanden eben-
falls den Weg ins Arabische, und wenn diese Versionen auch verloren sein
sollten, so könnten doch Informationen bei späteren Philosophen erhal-
ten sein, wo sie allerdings vom Kontext nicht immer klar zu isolieren sind.
Olympiodor ist mit einem Kurzkommentar zur Meteorologie zu nennen. Er
enthält Referate der Erdbebentheorien des Anaximenes, des Anaxagoras und
Demokrits, die in seinem griechisch erhaltenen Kommentar fehlen, aber
nicht mehr zu bieten scheinen, als der Meteorologie zu entnehmen war.40
Anders steht es mit einer Nachricht über Leophanes, der manchmal als

24 Hrsg. v. Badawī 1980, Bd. 2, 309–462.


25 Hrsg. v. Badawī 1980, Bd. 2 u. 3, 467–733.
26 Hrsg. v. Badawī 1980, Bd. 3, 736–1018.
27 Hrsg. v. Lyons 1982.
28 Hrsg. v. Tkatsch 1929–32.
29 Hrsg. v. Badawī 1964–5; s. dazu die Studie von Lettinck 1991 (mit Zitaten aus Iohan-
nes Philoponos, die in den Informationen über die Vorsokratiker auch über Aristo-
teles hinausgehen, s. den Index)
30 Hrsg. v. Endreß 1966.
31 Die arabische Version ist nicht erhalten, aber die Grundlage für eine lateinische und
eine hebräische Übersetzung, s. Peters 1968, 37 f.
32 Hrsg. v. Daiber 1975.
33 Hrsg. v. Badawī 1954.
34 Die arabische Version ist nicht erhalten, jedoch ein Kompendium des Averroes,
s. Peters 1968, 45–7.
35 Hrsg. v. Brugman u. Drossaart Lulofs, Leiden 1971.
36 Hrsg. v. Badawī 1977 (Tibā al-hayawān).
˙ ˙
37 Hrsg. v. Badawī 1977 (Ağzā al-hayawān); Kruk 1979.
˙
38 Der arabische Text der Metaphysik ist ediert zugänglich in den Lemmata des großen
Kommentars von Averroes, hrsg. v. Bouyges 1938–52; vgl. Martin 1984 u. Gene-
quand 1986.
39 Hrsg. v. Akasoy 2005.
40 Badawī 1986, 133–5; vgl. Olympiodori in Aristotelis Meteora commentaria, hrsg.
v. Stüve 1890, u. Aristoteles, Met. 2.7.365a17–25, b1–12.
Vorbemerkung zur syro-arabischen Tradition 13

einer der Sieben Weisen geführt und von Theophrast in De causis plantarum
(II 4, 12) erwähnt wird: „Einige Leute behaupten auch, dass dann, wenn der
Testikel bei einem von links her beim Beischlaf abgebunden ist, das Kind ein
männliches wird, und wenn der Testikel von rechts her abgebunden ist, das
Kind ein weibliches wird. Leophanes hat sich so geäußert.“41 Empedokles
wird mit einer Meinung zur so genannten Pangenesislehre abgelehnt: „Die
Lust beim Beischlaf bewirkt nicht zwangsläufig, dass der Samen aus dem
ganzen Körper abgesondert wird, wie Empedokles wegen der Ursache der
Erregung behauptet.“42 Auch über die Milch hatte er noch mehr zu sagen, als
das Fragment 31 B 33 verrät: „Empedokles irrt, wenn er sagt, dass die Milch
wie der Eiter eine Fäulnis ist, wegen einer Verderbnis und eines Mangels an
Verdauung.“43

Dank der engen Verbindung von Philosophie und Medizin im Lehrpro-


gramm der alexandrinischen Schule ergab es sich, dass die teils umfang-
reichen Abhandlungen des philosophisch interessierten Arztes Galen von
Pergamon (129–216 n. Chr.) nahezu vollständig ins Arabische Eingang
fanden,44 wo sie auch von Nichtmedizinern aufmerksam gelesen wurden.45
Da auf diese Weise Schriften erhalten blieben, die im Griechischen verlo-
ren sind, sind mit ihrer Edition auch einige neue Zeugnisse zu den Vor-
sokratikern aufgetaucht, die zum Teil schon bei Diels/Kranz registriert
sind.46 Galens Kommentare zu den hippokratischen Epidemien sind in der
Originalfassung nur teilweise erhalten, vollständig hingegen in der arabi-
schen Version. In dieser beruft er sich in zwei lexikalischen Fragen auf
Anaxagoras. Zum Begriff des νίτρον, das hier mit bauraq47 wiedergege-
ben ist, heißt es: „Wir finden ja auch das Wasser, wenn das Feuer oder die
Sonne es übermäßig erhitzt, sozusagen zur Salzigkeit neigend, nur dass
die Arten des Wassers im Annehmen von Salzgeschmack sich nach ihrer
ersten Natur unterscheiden; Wasser nämlich, das schnell Salzgeschmack

41 Badawī 1986, 263, 6–8.


42 Badawī 1986, 246, 21 f.
43 Badawī 1986, 267, 1 f.
44 Strohmaier 1994 (ND 2003).
45 Strohmaier (London) 2002 (ND 2007).
46 Zu Thales s. u. Th 483; zu Diogenes von Apollonia Bd. 2, 421, 28–40 (aus De experi-
entia medica XIII, 4 f.: Galen on Medical Experience, hrsg. v. Walzer 1946, 30, 9–16,
Übers. 109); zu Antiphon, dem Rhetor, falls er mit dem Philosophen identisch ist,
Bd. 2, 426, 17–24 (aus De nominibus medicis: Galen Über die medizinischen Namen,
hrsg. v. Meyerhof/Schacht 1931: arab. 19, 7–12, Übers. 34, 11–9).
47 Vgl. Dietrich 1992, 1035.
14 Einführung

annimmt, wenn es erhitzt wird, und in dem er dann stark vorherrscht, kann
man nicht trinken. Anaxagoras48 nennt diesen Geschmack ‚natronisch‘ von
dem Wort ‚Natron‘, weil Natron auch Salz ist. Und er49 sagt von diesem
Geschmack, dass er von der Hitze erzeugt werde, aber die ihn erzeugende
Hitze sei nicht übermäßig stark wie die Bitterkeit erzeugende Hitze. Darin
liegt aber ein Beweis, dass man bei der Benennung dieses Geschmacks mit
‚natronisch‘ nicht das Richtige getroffen hat, weil das Bittere im Natron
das Salzige überwiegt. Die aber diesen Geschmack mit dem brauchbarsten
Namen bezeichnet haben, sind Hippokrates und Platon. Denn Hippokra-
tes nennt ihn ‚salzreich‘ (ἁλµώδης) und Platon ‚salzig‘ (ἁλµυρός).“50 Bei
dem zweiten erörterten Wort handelt es sich um den Begriff der bei den
Skythen auftretenden Krankheit der κέδµατα: „Rufus51 sagt, dass dieses
Wort die Schmerzen bezeichne, die in den Muskeln durch zwei Arten von
Schwächung auftreten, und dass WL.R52 und andere von den Alten diesen
Namen erwähnt haben. Sabinos53 hat erwähnt, dass schon Anaxagoras54
diesen Namen gebraucht habe.“55

Eine Aussage zur Materiekonzeption des Empedokles, die der Demokrits


an die Seite gestellt wird, aber gegenüber dem bisher Bekannten nichts

48 Der Buchstabenbestand LAK.MRĠWRS ist zwar nicht ganz eindeutig, aber vgl.
das Folgende, wo Anaxagoras in einer sicheren Lesung auch mit einer lexikalischen
Frage zitiert wird; hier und im Folgenden werden unsichere Lesungen der Hand-
schriften mit Großbuchstaben und nach den Regeln der Deutschen Morgenländi-
schen Gesellschaft wiedergegeben, des Weiteren vertritt ein Punkt das nach oben
gebogene Häkchen mit fehlender Punktierung, das b, t, t, n und y sein kann, ein
¯
kleines o vertritt den kleinen Kreis mit fehlender Punktierung, der in der Anfangs-
und in der mittleren Position sowohl f wie q sein kann.
49 Doch wohl noch Anaxagoras und nicht Hippokrates, wie Pfaff ergänzt.
50 II, 1, 10 (zu Bd. 5, 82,9–11 Littré): Wenkebach/Pfaff 1934 (= CMG V 10, 1), 193,
6–20 (Übers. von Pfaff, mit Korrekturen; aufgenommen in DK II 27, 14 f.; vgl. die
Handschrift Escorialensis arab. 804 (die in der Arbeitsgruppe des CMG vorhande-
nen Fotokopien zeigen keine brauchbare Paginierung).
51 Die Lesung RWFS ist eindeutig.
52 Der Buchstabenbestand lässt sich nicht identifizieren.
53 Ein von Galen geschätzter Hippokrateskommentator, der um 100 n. Chr. lebte. Die
Lesung S..S bietet keine Schwierigkeiten.
54 Hier bietet die Lesung BoSZRS keine Schwierigkeiten.
55 VI, 5, 2, 2 (zu Bd. 5, 320, 1 Littré): Wenkebach/Pfaff 21956 (= CMG V 10, 2, 2),
300, 9–12; vgl. die Handschrift Escorialensis arab. 805 (die in der Arbeitsgruppe des
CMG vorhandenen Fotokopien zeigen keine brauchbare Paginierung; die Überset-
zung von Pfaff ist fehlerhaft).
Vorbemerkung zur syro-arabischen Tradition 15

Neues bietet, findet sich in De causis contentivis.56 Galen hatte als An-
hänger der peripatetischen Naturphilosophie das ganze dreizehnte Buch
seines philosophischen Hauptwerkes De demonstratione der Auseinan-
dersetzung mit dem Atomismus gewidmet. Vermutlich daraus stammt ein
versprengtes Stück in der kunterbunten medizinischen Zitatensammlung
von Ibn al-Mutrān, einem Leibarzt Sultan Saladins. Aus ihm geht hervor,
dass Demokrit ˙seinen Urkörperchen, die er in den Sonnenstäubchen sicht-
bar werden ließ, eine regellose Bewegungsrichtung zuschrieb.57 Von daher
fällt Licht auf ein noch nicht herangezogenes griechisches Zeugnis in De
elementis ex Hippocratis sententia,58 dem zufolge Demokrit im Unter-
schied zu Epikur auch eine Aufwärtsbewegung der Atome annahm, was
vom Herausgeber leider athetiert wurde. Ein indirekter Beweis dafür, dass
Demokrit für seine Urkörperchen noch nicht den Ausdruck „Atome“ als
festen Terminus verwendet hat, findet sich in dem Kommentar Galens
zu Hippokrates’ De aere, aquis, locis, wo er hervorhebt, dass Epikur der
Erste war, der ihn eingeführt habe.59 Galens Interesse an Demokrit wird
auch bei einem weiteren Zitat aus De experientia medica deutlich, wo er
dessen Betonung der von den Menschen im Laufe der Zeit angesammel-
ten Erfahrungen hervorhebt.60 Es ist auch anzunehmen, dass Galen echte
Schriften von Vorsokratikern noch in gewissem Umfang vorliegen hatte.
Aus einem arabischen Zitat aus der ansonsten verlorenen Schrift De indo-
lentia, das sich bei mehreren Autoren findet, geht hervor, dass er bei einem
Brand in Rom, wo er in einem königlichen Schatzhaus Bücher von sich
deponiert hatte, auch Schriften von Aristoteles, Anaxagoras und Andro-
machos eingebüßt habe. Andromachos war ein Leibarzt Neros mit einem
von Galen geschätzten Theriakrezept.61 In den arabisch erhaltenen Teilen
der Epidemienkommentare findet sich auch eine kuriose Notiz, die für
die Wertschätzung der ältesten Denker in dem antiquarisch ausgerichteten
Zeitgeist der so genannten Zweiten Sophistik aufschlussreich ist. Galens
Zeitgenosse Lukian, ohne Zweifel der Samosatener, habe eine Schrift des
Heraklit gefälscht und sie einem Kenner in die Hände gespielt, der sich
sogleich daran machte, sie zu kommentieren. Hier flog der Schwindel auf,

56 5, 2 f.: hrsg. v. Lyons 1969 (= CMG Suppl. Orientale II), 58, 26–60, 4 (Übers. 59 f.);
vgl. in: DK I 291, 22–6.
57 Strohmaier 1968 (ND 1996).
58 2, 16: hrsg. v. De Lacy 1996 (= CMG V 1, 2), 60, 21.
59 Sezgin 2001, 67,1 f. (= fol. 61r1f.).
60 IX, 5: Walzer 1946, 19, 10–3 (Übers. 99; DK II 423, 17–24).
61 Badawī 1958, 291, 12–292, 1; A. Müller 1882, Bd. 1, 84, 31–85, 2; vgl. Halkin 1944,
Nr. 181 u. S. 63, u. Ilberg 1889, 211 f. (ND 1974, 5 f.).
16 Einführung

und wir müssen nicht befürchten, dass Stücke davon in unsere Sammlun-
gen gelangt sind.62

Die Fixierung der alexandrinischen Schule – und in ihrer Nachfolge der sä-
kular gestimmten syrischen Intelligenz – auf Galen und einen neuplatonisch
interpretierten Aristoteles übertrug sich auf die arabisch-islamische Kultur.
Ihr gehörte auch der Jude Moses Maimonides an, der von Kairo aus seinem
in Südfrankreich ansässigen Übersetzer Samuel ibn Tibbon zur Lektüre den
Aristoteles und seine griechischen und arabischen Erklärer empfiehlt, um
dann fortzufahren, dass andere Schriften wie die Bücher des Empedokles,
Pythagoras, die Bücher des Hermes und die Bücher des Porphyrios alle „alte
Philosophie“ seien, mit welchen man nicht die Zeit vergeude.63 Dabei ist zu
berücksichtigen, dass er sein Urteil vorwiegend auf Pseudepigraphen stützt.

Andere Peripatetiker registrierten frühere Denkweisen, um den von Aris-


toteles erzielten Fortschritt zu würdigen und abweichende Gedanken als
Rückschritt abzuqualifizieren. Der mehr an der Physik als an der spekulativen
Philosophie interessierte Universalgelehrte al-Bīrūnī hatte in einer streitbaren
Korrespondenz mit Avicenna zu Aristoteles’ De caelo und der Physikvor-
lesung64 die Möglichkeit erwogen, dass das Feuer über der Lufthülle kein selbst-
ständiges Element ist, sondern aus der Luft durch die erhitzende Schnellig-
keit der Mondsphäre umgewandelt wird. Avicenna wirft ihm daraufhin einen
Rückfall in den Monismus der alten Philosophen vor und versäumt nicht
darzulegen, worin dieser bestanden hat. Thales habe das Wasser als einziges
Element angenommen, Heraklit hingegen das Feuer, Diogenes – gemeint ist
Diogenes von Apollonia – einen Stoff in der Mitte zwischen Wasser und Luft
und Anaximander – so irrig für Anaximenes – allein die Luft. Dabei habe der
Letztere die Meinung vertreten, dass die Luft bei der Berührung mit der Kälte
zu Wasser werde, durch den Kontakt mit der schnellen Sphäre hingegen zu
Feuer oder Äther.65 Man weiß nicht, ob Avicenna hier mit der von al-Bīrūnī
vorgegebenen Einbeziehung der Mondsphäre eine ergänzende Abrundung
vorgenommen hat oder ob er mehr las, als heute zur Verfügung steht.

62 II 6, 29 (zu Bd. 5, 138, 6–9 Littré): Wenkebach/Pfaff 1934 (= CMG V 10, 1), 402; dazu
Strohmaier 1976 (ND 1996).
63 Cruz Hernández 1995, 484; Resümee auch bei Steinschneider 1893 (ND 1956), 42.
64 Teilweise Übersetzung bei Strohmaier 32002, Nr. 6–14.
65 Hrsg. v. Nasr/Mohaghegh 1352/1972, 30, 13–32, 9; vgl. Avicennas umständliche
Widerlegung vorsokratischer Materiekonzeptionen in seinem Hauptwerk Kitāb
aš-šifā, a t- tabī īyāt, fann 3, fa sl 1–5, hier allerdings ohne die Namen zu nennen
˙ ˙ ˙
(hrsg. v. Madkūr/Qāsim ND o. J., 77–121).
Vorbemerkung zur syro-arabischen Tradition 17

Ein bei den Muslimen lebendiger historischer Sinn ließ trotz der Abwer-
tung durch die strengen Peripatetiker danach fragen, wann und wo die
Philosophie entstand und wer der erste Philosoph war. Die feste Zahl der
Sieben Weisen wurde immer mit verschiedenen Personen besetzt, wobei
meist Thales an der Spitze stand.66 Sogar im persischen Alexanderepos des
Nizāmī (1141–1209 n. Chr.) lädt der Welteroberer, nachdem er erfolgreich
mit˙ Indern disputiert hat, die griechischen Weisen ein, und zwar Aristoteles,
Thales, Apollonios von Tyana, Sokrates, Porphyrios, Hermes und Platon,
die nacheinander ihre Lehren vortragen.67 Die Einordnung der alten griechi-
schen Denker in die Weltgeschichte vollzog sich nach dem Vorbild mancher
Kirchenväter oft in der Weise, dass man sie von den Ägyptern oder Perso-
nen des Alten Testaments abhängig sein ließ, dies auch unter Verwendung
der alten Notiz, dass Thales in Ägypten gewesen war. Muslime kannten aus
dem Koran die Gestalt des vorislamischen Weisen Luqmān (Sure  31), zu
dem al-Āmirī, der um das Jahr 985 n. Chr. in Buchara schrieb, die folgende
Verbindung herstellte: „Der erste, dem die Weisheit zugeschrieben wurde,
war Luqmān, der Weise, und Gott sagt: ‚Wir haben Luqmān die Weisheit
gegeben (Sure 31,12).‘ Er lebte zur Zeit des Propheten David, über dem
Friede sei, und ihrer beider Wohnort war das Land Syrien. Der Grieche
Empedokles verkehrte, wie berichtet wird, mit ihm und lernte von seiner
Weisheit. Als er jedoch in das Land der Griechen zurückkehrte, redete er
über die Ordnung der Welt, was ihm gut dünkte, und man fand ihren äuße-
ren Sinn im Widerstreit mit den Aussagen über das Jenseits, aber die Grie-
chen legten ihm die Weisheit bei, weil er ein Gefährte des weisen Luqmān
gewesen war.“68

Solidere Kenntnisse vermittelten übersetzte griechische Doxographien.


Die in Galens Zeit entstandenen und meist Plutarch zugeschriebenen Pla-
cita philosophorum wurden im neunten Jahrhundert von Qustā ibn Lūqā
˙
in Bagdad kompetent ins Arabische übersetzt. Diese Version hilft in eini-
gen Fällen den griechischen Text verbessern und ergänzen. Ihr entstammt
69

offenbar in der volkstümlichen Weltbeschreibung von al-Qazwīnī (um


1203–1283 n. Chr.) die Ansicht einiger Pythagoreer, der zufolge sich die

66 Vgl. die Übersicht bei Overwien 2005, 155 f.


67 Nizami, Das Alexanderbuch. Iskandarname, übers. v. Bürgel 1991, 459–68.
68 Rowson 1988, 70, 2–6; dasselbe bei Sāid al-Andalusī, Tabaqāt al-umam, hrsg.
˙ ˙
v. Bū Alwān 1985, 72, 8–11 (Übers. in Rosenthal 1965, 61); ähnlich auch schon Cle-
mens von Alexandrien, Stromata 1.1.87.2–7 u. 8.1.1.
69 Daiber 1980; vgl. dens. 1994, 4974–92, bes. 4975–84 (hier auch übersichtlich über die
weitergehende Rezeption bei den Muslimen).
18 Einführung

Erde um ihre eigene Achse drehe.70 Unklar ist die Vermittlung der hier auch
verzeichneten Meinung Demokrits, dass die Erde auf der Luft ruhe.71 Von
den anderen antiken Doxographien hat die des Diogenes Laertios nicht den
Weg in die arabische Überlieferung gefunden, hingegen gibt es Spuren einer
Porphyrios zugeschriebenen Philosophiegeschichte.72 Auch die Refutatio
omnium haeresium des Bischofs Hippolyt73 war durch syrisch-christliche
Vermittlung zugänglich, desgleichen die doxographischen Auslassungen
Kyrills von Alexandrien in seiner Polemik gegen Kaiser Julian.74

Die Doxographie wurde schon früh zum Tummelplatz von Leuten, die auf
der Suche nach Alternativen zum Aristotelismus waren und eine größere
Nähe zu ihren eigenen monotheistischen und kreationistischen Überzeu-
gungen bestätigt sehen wollten. Je lückenhafter die Überlieferung war, die
ihnen jeweils zur Verfügung stand, desto größer war der Spielraum, den sie
der rekonstruierenden Spekulation bot. Ulrich Rudolph sieht hier gegen-
über der Antike einen qualitativen Unterschied, indem ein gänzlich neuer
Typ von Doxographie auftaucht, der unter bekannten Namen nur die eigene
Meinung des ungenannten Verfassers darbietet.75 Jedoch würde ich auch
hier nur eine Variante der oben ausgeführten grassierenden Pseudepigraphie
sehen, indem sie nicht nur einen Namen darüber setzte, sondern eine fiktive
Auslese verschiedener antiker Autoritäten darbot, das Ganze geleitet von
der Erwartungshaltung einer zahlungskräftigen Leserschaft. Den interes-
sierten Muslimen ging es dabei genau genommen nicht um eine vorsokra-
tische, sondern um eine voraristotelische Weisheit. Ein herausragendes Bei-
spiel ist die von Ulrich Rudolph mustergültig erschlossene Doxographie des
Pseudo-Ammonios,76 deren Ausführungen mit der geschichtlichen Realität
kaum noch etwas zu tun haben, aber von Späteren vielfach aufgegriffen und
mit zuverlässigerem Material vermischt wurden. Über ihre Herkunft, ob
griechisch oder muslimisch, ist viel debattiert worden. Rudolph entscheidet

70 Kitāb ağāib al-mahlūqāt, hrsg. v. Wüstenfeld 1849, Bd. 1, 144 f.; vgl. Daiber 1980,
˘
180–3 (III 13, 3).
71 Vgl. Guthrie 1974, Bd. 2, 310 u. 424; bei Daiber 1980, 184 f. (III 15, 8) unter Anaxi-
menes.
72 Vgl. die von David Wasserstein übersetzten arabischen Fragmente in: Smith 1993, 11,
220 f., 226, 229–32 u. 249; des weiteren Rosenthal 1937, 39–56 (ND 1990, I). Siehe
jetzt die umfassende Untersuchung von Emily Cottrell (2008, 526–9).
73 Vgl. 1, 1–16, 2: hrsg. v. Marcovich 1986, 57–75.
74 Stern 1972, 442 f. (ND 1983 XIII).
75 Rudolph 2005.
76 Rudolph 1989.
Vorbemerkung zur syro-arabischen Tradition 19

sich mit der gebotenen Vorsicht für die Mitte des neunten Jahrhunderts, also
erst für die arabische Zeit.77 Dabei sollte man die zwischen der griechischen
und der muslimischen liegende Phase des vielfältigen syrischen Geistes-
lebens nicht außer Acht lassen, auch wenn davon wegen des Niedergangs
dieser Kultur unter der Herrschaft des Islams nur kümmerliche Reste auf
uns gekommen sind.78 Manchmal findet sich in arabischen Bibliographien
der Vermerk, dass ein Werk nur teilweise aus dem Syrischen ins Arabische
übersetzt sei. Geschah das vollständig, hielt man eine entsprechende No-
tiz nicht für nötig. Die Anklänge an Formulierungen bei Hippolyt79 deuten
auch in diese Richtung. Die bei Diels/Kranz zitierten syrischen Philoso-
phensprüche zeigen, dass man sich auch hier nicht gescheut hat, längere
pseudepigraphische Stücke zu verfassen.80 Eine für diese Tendenz typische
Erscheinung ist der so genannte Pseudo-Empedokles – nach der eindringen-
den Untersuchung De Smets eine schon in der Spätantike geformte fiktive
Gestalt mit weitreichender Wirkung.81

Daneben gab es auch zutreffendere Einordnungen bei den arabischen Wis-


senschaftshistorikern, so bei Ibn al-Qiftī: „Was die Materialisten (arab.
dahrīyūn) anlangt, so sind sie eine Gruppe ˙ der Alten, welche den Schöpfer
und Lenker der Welt leugneten und behaupteten, dass die Welt immer als
dieselbe vorhanden war und keinen Schöpfer habe, der sie gemacht hat,
und keinen, der sie in freier Wahl ausersehen hat, und dass die kreisende
Bewegung [der Sphären] keinen Anfang gehabt habe und dass der Mensch
aus einem Spermatropfen entstehe und der Spermatropfen aus einem Men-
schen und die Pflanze aus einem Samenkorn und das Samenkorn aus einer
Pflanze. Der Bekannteste der Weisen dieser Gruppe war Thales aus Milet,
und er ist der Älteste von denjenigen, die diese Lehre vertraten.“82 Noch in
der Spätblüte des Neuplatonismus im schiitischen Persien des 16. und 17.
Jahrhunderts hat Mullā Sadrā Šīrāzī (1572–1641) von solchen Nachrich-
ten Kenntnis und meint ˙trotzdem, dass Thales und die anderen nicht die

77 Ebenda, 13–6.
78 Vgl. Daiber 1994, 4975–9.
79 Vgl. Rudolph 1989, 82, 87, 90–4, 98, 100–6.
80 Ryssel 1896; bei DK I 276, 5–17; II 44, 7–22. 223, 12–23. 268, 18–26. 399, 25–7.
81 S. De Smet 1989, 12 f.: „Nous constaterons que cette doctrine s’avère très homogène,
proche, par ses thèmes et son vocabulaire, des autres représentants du néoplato-
nisme arabe (surtout des Plotiniana Arabica), mais fidèle malgré tout à une exégèse
d’Empédocle pratiquée par les derniers philosophes de l’Antiquité“. S. Brague/Freu-
denthal 2005.
82 Tarī h al-hukamā, hrsg. v. Lippert 1903, 49, 19–50, 1.
˘ ˙
20 Einführung

Weltewigkeit gelehrt hätten und dass die gegenteilige Interpretation erst


bei späteren Philosophen entstanden sei, welche die älteren nicht mehr ver-
standen.83

Abgesehen von den tendenziösen Fortentwicklungen gab es Veränderungen,


die in dem Komplex der so genannten Gnomologien eher unabsichtlich ent-
standen. Das in der griechischen Überlieferung grassierende Durcheinander
der Zuschreibung der einzelnen Maximen und Anekdoten an bestimmte Per-
sönlichkeiten setzte sich im Arabischen fort.84 Eine Übersicht, die erstmals
die griechischen wie die arabischen Sammlungen berücksichtigt, wurde von
Oliver Overwien vorgelegt.85 Sie sind in einer unbekannten Menge rezipiert
worden. Als einer der sicher zahlreichen Übersetzer lässt sich der genannte
Hunain ibn Ishāq namhaft machen, der eine Sammlung von Weisheitsleh-
˙
˙ der Philosophen
ren zusammengestellt hat.86 Eine kleine geschlossene Ein-
heit bildeten die populären Goldenen Verse des Pythagoras; ihre arabische
Version war der erste Text dieser Art, der 1640 in Europa durch Johannes
Elichmann im Druck herausgebracht wurde.87 Sie wurden zusammen mit der
Nachricht tradiert, dass Galen sie jeden Morgen und jeden Abend gelesen
und mit goldenen Lettern abgeschrieben habe.88 Eine vorbildliche Erschlie-
ßung kleinerer Sammlungen mit dem Nachweis der griechischen Parallelen
verdanken wir Franz Rosenthal89 und Dimitri Gutas.90

Allgemein ist festzuhalten, dass die arabischen Sammlungen den zeitgleichen


byzantinischen gleichwertig sind. Eine in jenen mehrfach vertretene Chrie
des Diogenes hat sich immerhin als Wandkritzelei in Herculaneum wiederge-
funden, wo der Vesuvausbruch einen sicheren terminus ante quem bietet.91

83 Horten 1913, 151; s. auch Rudolph 1989, 24.


84 Strohmaier 2003, 3–16; vgl. hier auch die Beiträge von Searby, Gerlach und Over-
wien.
85 Overwien 2005, 155 f.; Strohmaier 2007, 401–4, und jetzt auch die Einleitung in:
Searby 2007. Zu den syrischen Sammlungen vgl. Brock 2003, bes. 14 f.; zu einer äthio-
pischen Sammlung s. Pietruschka 2005, 485 f. (hier weitere Literatur). In einem künf-
tig zu erstellenden Corpus wären auch die koptischen, lateinischen, armenischen und
altslawischen Sammlungen zu berücksichtigen, s. Strohmaier 1998 (ND 2003).
86 Overwien 2003.
87 Thom 1995, 28 f.; s. auch Fück 1955, 91.
88 Vgl. Badawī 31983, 225, Anm. 1.
89 Rosenthal 1958, 29–54 u. 150–83 (ND 1990, VII).
90 Gutas 1975.
91 Strohmaier 1982 (ND 1996).
Vorbemerkung zur syro-arabischen Tradition 21

Trotz der in dieser Tradition grassierenden Namensverwirrungen ver-


dient dieses Material auch deswegen Aufmerksamkeit, weil es von den
seriöseren Doxographen ernst genommen wurde und das Bild der Wei-
sen mit geformt hat. Kennzeichnend für diese Literatur ist, dass sie die
Chrien, ganz nach Art des Diogenes Laertios, zur Rekonstruktion der
Biographie der Weisen verwenden, denen jeweils ein eigenes Kapitel ge-
widmet ist, wobei sich ihnen meist eine Sammlung weiterer ungerahmter
Chrien und Gnomen anschließt. Das einflussreichste Werk dieser Art
war der Siwān al-hikma (Der Schrank der Weisheit), der bisher einem
˙
Abū Sulaimān ˙
as-Siğistānī al-Mantiqī (gest. 987 n. Chr.) zugeschrieben
˙ Aristotelikern studiert hatte.92 Der
wurde, der in Bagdad bei christlichen
Text ist nur in zwei umfangreichen Auszügen erhalten, von denen bis
jetzt nur einer in einer Edition vorliegt.93 Die in den Jahren 1048 und
1049 n. Chr. verfasste Sammlung der Auserlesenen Maximen und vorzüg-
lichen Sentenzen des ägyptischen Gelehrten al-Mubaššir ibn Fātik enthält
zwanzig Kapitel, von denen zwölf mit einer Biographie des betreffenden
Weisen versehen sind. Von den vorsokratischen Philosophen sind Zenon
der Ältere und Pythagoras vertreten.94 Das im Jahre 1127 entstandene und
umfassend angelegte Kitāb al-milal wa-n-nihal (Buch der Religionen und
˙ der Behandlung religiöser
Sekten) des Schiiten aš-Šahrastānī enthält nach
und theologischer Lehrmeinungen am Ende auch einen Abschnitt über
die Philosophen. Durch die 1850 und 1851 erschienene Übersetzung von
Theodor Haarbrücker ist es schon früh außerhalb der Kreise der Orien-
talisten bekannt geworden.95 Einen ausgesprochenen Unfug veranstaltete
Franz Altheim, als er Teile ausgerechnet dieser späten Sammlung als
authentisch erweisen wollte,96 wovon leider etwas in eine Sammlung Grie-
chischer Atomisten Eingang fand.97 Eine umfangreiche Sammlung von 122
Biographien antiker und muslimischer Denker verfasste im 13. Jahrhun-
dert der Philosoph aš-Šahrazūrī (gest. vor 1305) unter dem Titel Nuzhat
al-arwāh wa-raudat al-afrāh fī tarīhi l-hukamā (Vergnügen der Geister
˙ ˙ ˘ ˙

92 Zu der umstrittenen Person des Autors vgl. Rudolph 1989, 213, Anm. 10.
93 Hrsg. v. Dunlop 1979; vgl. dazu Daiber 1984, 36–68; vgl. eine lange Liste von teil-
weise nicht identifizierten Namen bei Rosenthal 1965, 57–9.
94 Badawī 1958; vgl. dazu Rosenthal 1960–1.
95 Anstelle der noch unbefriedigenden verschiedenen Texteditionen heute am besten
zu benutzen in der Übersetzung von Gimaret/Monnot/Jolivet 1986/1993 (wichtig
in Bd. 2 die Einleitung von Jolivet); dazu Janssens 1993.
96 Vgl. Strohmaier 2003, 14–6.
97 Übers. u. hrsg. v. Jürß/Müller/Schmidt 31973, Nr. 264, 269 u. 288.
22 Einführung

und Lustgarten der Freuden bezüglich der Geschichte der Weisen). Da er


auf die eben genannten Werke aufbaut, ist nicht zu erwarten, dass er neue
Zeugnisse zu den Vorsokratikern liefern kann.98

Namen von Vorsokratikern, die in arabischer alchemistischer Literatur


hier und da auftauchen oder denen sogar ganze Traktate zugeschrieben
wurden, zeugen von ihrer Bekanntheit in breiteren Kreisen. Dazu zählen
Anaxagoras, Anaximander, Anaximenes, Demokrit, Ekphantos, Empe-
dokles, Heraklit, Leukipp, Parmenides, Pythagoras und Thales.99 Im Üb-
rigen waren die Alchemisten eine ungebildete und verachtete Randgruppe
in der muslimischen Gesellschaft.100 Interessant ist jetzt auch die erstmals
in einer Dissertation von Franz Allemann zugängliche vernichtende Kri-
tik an den Alchemisten durch den Philosophen Abd al-Latīf al-Baġdādī.101
Gerade sie wurden leicht das Opfer von Fälschern, die˙ ihren Lebens-
unterhalt lieber auf einem chaotischen Buchmarkt als im Laboratorium
gewinnen wollten, und die in ihren pseudepigraphischen Machwerken in
geheimnisvollen Andeutungen vorspiegelten, dass das Geheimnis des Eli-
xiers von den alten griechischen oder auch jüngeren muslimischen Weisen
schon gefunden worden sei.102 In einem Falle ist ein solcher Fälscher nam-
haft gemacht worden, und zwar von dem oben erwähnten Abū Sulaimān
as-Siğistānī al-Mantiqī, einem der aufgeklärtesten Geister im Bagdad des
zehnten Jahrhunderts.˙ 103 Eine Bedeutung für die abendländische Rezep-
tion gewannen sie, wenn etwas davon einer lateinischen Übersetzung
gewürdigt wurde. Das ist der Fall mit der Turba philosophorum, einer
fiktiven Debatte von sieben Weisen unter dem Vorsitz von Pythagoras,
die in einem ersten Teil einander kosmologische Lehren vortragen, bevor
sie auf die eigentlichen Geheimnisse der Alchemie zu sprechen kommen.
Ihre verunstalteten lateinischen Namen Eximedrus, Pandolfus, Arisleus,
Lucas, Locustor, Eximenus lassen sich mit Anaximander, Anaximenes,
Anaxagoras, Empedokles, Archelaos, Leukippos, Ekphantos, Pythago-
ras, Xenophanes identifizieren. Martin Plessner war noch der Meinung,

98 Vgl. Overwien 2005, 160, u. Gutas 1994, 4953 f. Die existierenden Editionen sind
ungenügend, vgl. Cottrell 2004–5.
99 Vgl. das magistrale Opus von Kraus 1942/3 (ND 1989/6), s. die beiden Indices; ferner
Ullmann 1972, Index; Sezgin 1971, Index.
100 Strohmaier 1989, 175–7 (ND 1996, 373–5).
101 Auszüge bei Bürgel 2007, 267–73.
102 Strohmaier (Leuven) 2002.
103 S. o. 11, u. Kraus 1942, Bd. 1, S. LXIII f.
Vorbemerkung zur syro-arabischen Tradition 23

dass dieser erste Teil „eine souveräne Kenntnis vorsokratischer Lehren


verrate“.104 Hierzu hat Ulrich Rudolph festgestellt, dass als Quelle nur
Hippolyt in Frage kommt.105

In einem Arzneimittelverzeichnis aus dem neunten Jahrhundert erscheint


Demokrit als Autor eines Rezepts für einen Trank, mit dem er sich zeit
seines Lebens vor Krankheiten bewahrte.106 Franz Altheim wollte auch diese
Nachricht als authentisch erweisen.107 Man muss also damit rechnen, dass
auch medizinischen Schriften mit der Zuschreibung an berühmte alte Phi-
losophen ein besserer Absatz auf dem Markt gesichert werden sollte. Ein
Badīġūras erscheint als Verfasser einer Liste von Ersatzdrogen. Manfred
Ullmann hat mit Hilfe des Iranisten Werner Sundermann nachgewiesen,
dass der Name als „Pythagoras“ gelesen werden kann, hier plausibel mit der
Annahme einer persischen Vermittlung.108 Entgegen seiner Annahme, dass
es sich um einen sonst kaum bekannten Arzt namens Pythagoras handelt,
würde ich eher an eine bewusste Pseudepigraphie denken.

In dem berüchtigten und auf Geheiß von Alfonso el Sabio ins Lateinische
übersetzten Zauberbuch des so genannten „Picatrix“ werden Empedokles
und Pythagoras mit quasi-philosophischen Grundlegungen für die Magie
angeführt.109 In einer mit viel Aberglauben durchsetzten Pestschrift des tür-
kischen Gelehrten Tāšköprüzāde (gest. 1560) werden zur Motivierung der
magischen Quadrate ˙ sogar Pythagoras und „der weise Thales aus Milet“
bemüht.110 Demokrit taucht des Weiteren in Zitaten als Autor eines land-
wirtschaftlichen Werkes auf. Fuat Sezgin hat hierzu die antiken Wurzeln
ermittelt.111

104 Plessner 1975, 102; s. auch Sezgin 1971, 60–6.


105 Rudolph 1990; ders. 2005.
106 Kahl 1994 u. ders. 2003, Nr. 344.
107 Strohmaier 1972 (ND 1996).
108 Ullmann 1973.
109 Ritter/Plessner 1962, s. die Indizes.
110 Ullmann 1970, 249.
111 Sezgin 1971, 310–2.
24 Einführung

3. Hinweise zur Benutzung des vorliegenden Bandes


(Georg Wöhrle)

Die Testimonien sind, wie eben grundsätzlich dargelegt, in der chronologi-


schen Reihenfolge ihrer überliefernden Autoren aufgeführt,112 und zwar ohne
gesonderte Wertung der griechischen, lateinischen und syro-arabischen
Zeugnisse. Längere Zeugnisse können dabei in mehrere Nummern unterteilt
sein. Finden sich bei demselben Autor mehrere Zeugnisse in verschiedenen
Schriften, so wurden diese – soweit es möglich war – nach doxographischen
Prinzipien angeordnet. Wenn es sich in Einzelfällen um Übersetzungen aus
dem Griechischen ins Lateinische (z. Bsp. Eusebios → Hieronymus) oder
Arabische (z. Bsp. Galen → Hunain ibn Ishāq) handelt, so findet sich ein
Verweis bei dem übersetzten ˙Autor, während ˙ die Übersetzung selbst (so-
weit zu verorten) chronologisch beim Übersetzer aufgeführt wird. Wird ein
überliefernder Autor seinerseits von einem späteren Autor zitiert (z.  Bsp.
Alkaios von Himerios), so findet sich auch hier zunächst ein Verweis bei
dem früheren Autor, die ausführliche Zitierung dann bei dem späteren
Autor. Zur ersten Orientierung ist in diesem Falle der ersten Angabe eine
knappe Zusammenfassung des Tenors des Zitates beigefügt.

Alle Zeugnisse sind ins Deutsche übersetzt oder (gelegentlich) zumindest mit
einer Zusammenfassung versehen. Abweichungen von der jeweils herange-
zogenen Textedition werden in Anmerkungen gegeben, wie ebenso einzelne
sachliche Erläuterungen.

Den Zeugnissen ist ein so genannter Similienapparat beigefügt. Bei diesen


Similien handelt es sich in der Regel eher um inhaltliche als um wörtliche
Parallelstellen, in denen vergleichbare Angaben zu Biographie, Lehre, An-
schauungen und Aussprüchen des Thales aufgeführt werden. Zur leichteren
Erfassung dieser Similien werden diese jeweils durch einen Begriff knapp
charakterisiert. Nur an der ersten Stelle werden alle Similien aufgeführt. An
den späteren Stellen findet sich dann ein Hinweis auf diese erste Stelle mit
der Bemerkung (w. s.): wo siehe!

Wie schon gesagt wurde, bemüht sich diese Sammlung (auf der Grundlage
vorhandener Indices bzw. elektronischer Ressourcen) um möglichst um-

112 Eine Ausnahme bilden die Scholien, die, oft ihrerseits nur vage datierbar, gelegentlich
auf weit zurückreichendes Material zurückgreifen. Sie werden daher insgesamt am
Ende der Sammlung aufgeführt.
Hinweise zur Benutzung des vorliegenden Bandes 25

fassende Vollständigkeit derjenigen Zeugnisse, in denen Thales namentlich


aufgeführt ist. Davon wird nur selten abgewichen, wenn spätere Zeugnisse
die entsprechende Zuschreibung einigermaßen verlässlich sein lassen. Par-
tiell konnte allerdings nur die so genannte gnomologische Überlieferung zu
Thales berücksichtigt werden, die ihre ureigene, in der Tradition eben der
Spruch- oder Gnomensammlungen liegende Problematik besitzt und trotz
wertvoller Vorarbeiten113 noch weiterer Syntheseleistung bedarf. Der Band
wird durch einen Index griechischer, lateinischer, arabischer und deutscher
Schlüsselbegriffe sowie eine Bibliographie der für die Sammlung benutzten
Editionen und der in den Anmerkungen zitierten Sekundärliteratur ergänzt.

113 Es sei hier etwa auf die mustergültige Arbeit von Overwien 2005 verwiesen. Einen
guten Überblick hinsichtlich der Sieben Weisen vermitteln Althoff/Zeller 2006,
3–81. Im Sinne eines erweiterten Textbegriffes wären zusätzlich noch die bildlichen
Darstellungen des Thales hinzuzuziehen. Beispielsweise gemeinsam mit Sokrates in
einem Mosaik aus Baalbek aus dem dritten Jahrhundert n. Chr. (siehe Grimm 2008,
59–61; vgl. Th 168). Verzichtet wurde auf die Anführung der einen oder anderen
Grammatikernotiz zur Beugung des Namens ‘Thales’.
Hinweise zur Benutzung des vorliegenden Bandes 27

EDITION
28 Alkaios – Xenophanes

Alkaios
Th 1
Fr. 448 Voigt, s. Th 303 (Him. Or. 28.2)

Pherekydes von Syros


Th 2
Fr. 2 Schibli, s. Th 498 (Suda Lex. phi 214.1–9)

Th 3
Fr. 58 Schibli, s. Th 241 (Diog. Laert. 2.46); Th 34 (Arist. Fr. 21.1 Gigon)

Th 4
Fr. 53a Schibli, s. Th 533 (Tzetz. Chil. 2.869 f.)

Th 5
Fr. 53b Schibli, s. Th 534 (Tzetz. Chil. 11.67 f.)

Xenophanes
Th 6
Fr. 21 A 1 DK, s. Th 243 (Diog. Laert. 9.18.11–12)

Th 7
Fr. 21 B 19 DK, s. Th 237 (Diog. Laert. 1.23)
Alkaios – Xenophanes 29

Alkaios (7./6. Jh. v. Chr.)


Th 1
Himerios sagt, Alkaios besinge Thales.

Pherekydes von Syros (6. Jh. v. Chr.)


Th 2
Die Suda berichtet, Pherekydes habe Thales nachgeahmt.

Th 3
Laut Diogenes Laertios erwähnt Aristoteles im dritten Buch Über die Dicht-
kunst, Pherekydes habe gegen Thales polemisiert.

Th 4 und Th 5


Nach Tzetzes ist Thales ein Schüler des Syrers Pherekydes.

Xenophanes (zw. 570–467 v. Chr.)


Th 6
Xenophanes soll laut Diogenes Laertios den Lehren des Thales und des Py-
thagoras widersprochen haben.

Th 7
Diogenes Laertios zufolge hat Xenophanes den Thales wegen seiner Be-
schäftigung mit Astronomie und Vorhersagen von Sonnenfinsternissen und
Sonnenwenden bewundert.
30 Heraklit – Herodot

Heraklit
Th 8
Fr. 22 B 38 DK, s. Th 237 (Diog. Laert. 1.23)

Choirilos aus Samos


Th 9
Fr. 331 Suppl. Hell. (= Fr. 13 Kinkel), s. Th 237 (Diog. Laert. 1.24)

Herodot
Th 10
Historiae 1.74 (ed. Rosén)
Μετὰ δὲ ταῦτα, οὐ γὰρ δὴ ὁ Ἀλυάττης ἐξεδίδου τοὺς Σκύθας ἐξαιτέοντι
Κυαξάρει, πόλεμος τοῖσι Λυδοῖσι καὶ τοῖσι Μήδοισι ἐγεγόνεε ἐπ᾽ ἔτεα πέν-
τε, ἐν τοῖσι πολλάκις μὲν οἱ Μῆδοι τοὺς Λυδοὺς ἐνίκησαν, πολλάκις δὲ οἱ
Λυδοὶ τοὺς Μήδους‧ ἐν δὲ καὶ νυκτομαχίην τινὰ ἐποιήσαντο‧ διαφέρουσι
δέ σφι ἐπὶ ἴσης τὸν πόλεμον τῷ ἕκτῳ ἔτεϊ συμβολῆς γενομένης συνήνεικε
ὥστε τῆς μάχης συνεστεώσης τὴν ἡμέρην ἐξαπίνης νύκτα γενέσθαι. Τὴν
δὲ μεταλλαγὴν ταύτην τῆς ἡμέρης Θαλῆς ὁ Μιλήσιος τοῖσι Ἴωσι προ-
ηγόρευσε ἔσεσθαι οὖρον προθέμενος ἐνιαυτὸν τοῦτον, ἐν ᾧ δὴ καὶ ἐγένετο
ἡ μεταβολή. Οἱ δὲ Λυδοί τε καὶ οἱ Μῆδοι ἐπείτε εἶδον νύκτα ἀντὶ ἡμέρης
γενομένην, τῆς μάχης τε ἐπαύσαντο καὶ μᾶλλόν τι ἔσπευσαν καὶ ἀμφότε-
ροι εἰρήνην ἑωυτοῖσι γενέσθαι.

Sim. (Sonnenfinsternis) Th 75, Th 77, Th 91, Th 93, Th 105, Th 158, Th 167,


Th 203, Th 237 (1.23), Th 244, Th 265, Th 277, Th 300, Th 307, Th 311,
Th 387, Th 399, Th 407, Th 432, Th 455, Th 482, Th 487, Th 489, Th 495,
Th 525, Th 535, Th 540, Th 578
Heraklit – Herodot 31

Heraklit (um 500 v. Chr.)


Th 8
Laut Diogenes Laertios bezeugt Heraklit Thales’ Beschäftigung mit Astro-
nomie und Vorhersagen von Sonnenfinsternissen und Sonnenwenden.

Choirilos aus Samos (5. Jh. v. Chr.)1


Th 9
Laut Diogenes Laertios soll Choirilos berichtet haben, Thales habe als Erster
die Seelen als unsterblich bezeichnet.

Herodot (ca. 485–um 424 v. Chr.)


Th 10
Herodot berichtet von einem Krieg der Lyder unter ihrem König Alyattes,
dem Vater des Kroisos, gegen die Meder unter Kyaxares. Der Krieg endete
mit einem Bündnis nach einer Schlacht am Halys, in der der Tag zur Nacht
geworden war. Dass es sich dabei (wie meist vermutet) um eine Sonnenfins-
ternis (28. Mai 585 v. Chr.) gehandelt hat, sagt der Text Herodots jedenfalls
nicht explizit.2 Umstritten ist vor allem, ob und wie Thales überhaupt eine
solche potentielle Sonnenfinsternis hätte vorhersagen können.3

Historien 1.74
Danach aber – Alyattes war nämlich nicht bereit, die Skythen auf Kyaxares’
Forderungen hin auszuliefern – entstand ein fünfjähriger Krieg zwischen
Lydern und Medern, wobei oftmals die Meder über die Lyder siegreich wa-
ren, oftmals aber auch die Lyder über die Meder. Dabei hatten sie auch eine
Art von Nachtkampf. Als sie den Krieg nun unentschieden führten, ergab

1 Es ist nicht ganz klar, ob es sich um Choirilos von Samos (5. Jh. v. Chr.) oder um
Choirilos von Iasos (3./2. Jh. v. Chr.) handelt. Für Letzteren plädieren KRS (H) 1994,
106, Anm. 119; vgl. aber Classen 1986, 43, Anm. 23 und Marcovich 1999, der ad. loc.
die Barbarika des Choirilos von Samos als Quelle vermutet, ansonsten jedoch auf
KRS verweist.
2 Siehe dazu Bowen 2002, bes. 313 f.
3 Ausführliche Diskussion bei O’Grady 2002, 126 ff.; vgl. auch Schmitz 2000, 144 f.
32 Herodot

Th 11
Hist. 1.75
Ὡς δὲ ἀπίκετο ἐπὶ τὸν Ἅλυν ποταμὸν ὁ Κροῖσος, τὸ ἐνθεῦτεν, ὡς μὲν ἐγὼ
λέγω, κατὰ τὰς ἐούσας γεφύρας διεβίβασε τὸν στρατόν, ὡς δὲ ὁ πολλὸς
λόγος Ἑλλήνων, Θαλῆς οἱ ὁ Μιλήσιος διεβίβασε‧ ἀπορέοντος γὰρ Κροί-
σου, ὅκως οἱ διαβήσεται τὸν ποταμὸν ὁ στρατός (οὐ γὰρ δὴ εἶναί κω
τοῦτον τὸν χρόνον τὰς γεφύρας ταύτας) λέγεται παρεόντα τὸν Θαλῆν ἐν
τῷ στρατοπέδῳ ποιῆσαι αὐτῷ τὸν ποταμὸν ἐξ ἀριστερῆς χειρὸς ῥέοντα
τοῦ στρατοῦ καὶ ἐκ δεξιῆς ῥέειν, ποιῆσαι δὲ ὧδε‧ ἄνωθεν τοῦ στρατοπέ-
δου ἀρξάμενον διώρυχα βαθέην ὀρύσσειν ἄγοντα μηνοειδέα, ὅκως ἂν τὸ
στρατόπεδον ἱδρυμένον κατὰ νώτου λάβοι ταύτῃ κατὰ τὴν διώρυχα
ἐκτραπόμενος ἐκ τῶν ἀρχαίων ῥεέθρων καὶ αὖτις παραμειβόμενος τὸ
στρατόπεδον ἐς τὰ ἀρχαῖα ἐσβάλλοι, ὥστε ἐπείτε καὶ ἐσχίσθη τάχιστα ὁ
ποταμός, ἀμφοτέρῃ διαβατὸς ἐγένετο. Οἱ δὲ καὶ τὸ παράπαν λέγουσι καὶ
τὸ ἀρχαῖον ῥέεθρον ἀποξηρανθῆναι. Ἀλλὰ τοῦτο μὲν οὐ προσίεμαι‧ κῶς
γὰρ ὀπίσω πορευόμενοι διέβησαν !ἂν" αὐτόν.

Sim. (Umlenkung des Halys) Th 170, Th 226, Th 237 (1.38), Th 535, Th 545,
Th 561, Th 586, Th 587

Th 12
Hist. 1.170
Αὕτη μὲν Βίαντος τοῦ Πριηνέος γνώμη ἐπὶ διεφθαρμένοισι Ἴωσι γενο-
μένη, χρηστὴ δὲ καὶ πρὶν ἢ διαφθαρῆναι Ἰωνίην Θαλέω ἀνδρὸς Μιλησίου
ἐγένετο τὸ ἀνέκαθεν γένος ἐόντος Φοίνικος, ὃς ἐκέλευε ἓν βουλευτήριον
Herodot 33

es sich bei einem Zusammentreffen im sechsten Jahr, dass, als die Schlacht
gerade begonnen hatte, der Tag unvermittelt zur Nacht wurde. Dass dieser
Umschlag des Tages eintreten werde, hatte Thales, der Milesier, den Ioniern
vorhergesagt, wobei er ebendieses Jahr als Termin angab, in dem also auch
der Umschlag eintrat. Als aber die Lyder und die Meder sahen, wie es Nacht
anstelle von Tag wurde, setzten sie dem Kampf ein Ende, und beide Seiten
betrieben mit höherem Nachdruck, dass zwischen ihnen Frieden werde.

Th 11
Der Friedensschluss wird mit einer Ehe besiegelt. Alyattes’ Tochter heiratet
Kyaxares’ Sohn Astyages. Dieser wird vom Perser Kyros gestürzt. Kroisos
will gegen Kyros zu Felde ziehen und erhält das berühmte Orakel, dass er,
wenn er gegen die Perser zu Felde zöge, ein großes Reich zerstören werde.
Bei seinem Feldzug (um 547 v. Chr.) muss er den Fluss Halys, den Grenzfluss
zwischen Phrygien und Kappadokien (heute Kyzylyrmak), überschreiten.

Historien 1.75
Wie Kroisos aber an den Fluss Halys kam, von da ab ließ er, wie ich we-
nigstens meine, das Heer über die vorhandenen Brücken übersetzen. Bei den
Griechen ist es allerdings verbreitete Meinung, Thales, der Milesier, habe ihm
den Übergang ermöglicht. Als nämlich Kroisos ratlos war, wie das Heer den
Fluss überqueren könne (denn zu dieser Zeit existierten noch nicht die jetzigen
Brücken), soll es Thales, der sich mit im Heer befunden habe, bewerkstelligt
haben, dass der zur Linken des Heeres fließende Fluss auch zu seiner Rechten
floss, und zwar auf diese Weise: Er habe einen tiefen Graben ziehen lassen,
der oberhalb des Heeres begann und halbmondförmig verlief, damit der Fluss
das gelagerte Heer im Rücken aufnehme, auf diese Weise im Graben aus dem
alten Flussbett abgeleitet werde, und wiederum, am Heer vorbeifließend, in
das alte Flussbett einmünde. Daher sei der Fluss, sobald er [in zwei Teile] ge-
spalten war, beiderseits gangbar geworden. Einige behaupten auch, dass das
alte Flussbett ganz eingetrocknet sei. Aber das glaube ich nicht: Wie hätten sie
ihn [den Fluß in seinem neuen Bett] denn auf dem Rückweg überschritten?

Th 12
Nach der Unterwerfung Ioniens unter persische Herrschaft durch Kyros’
Feldherrn Harpagos (546 v. Chr.) gab Bias von Priene den Ioniern den Rat,
nach Sardinien auszuwandern und dort eine Polis für alle Ionier zu gründen.
Dazu bemerkt Herodot:
34 Herodot

Ἴωνας κεκτῆσθαι, τὸ δὲ εἶναι ἐν Τέῳ, Τέων γὰρ μέσον εἶναι Ἰωνίης, τὰς
δὲ ἄλλας πόλιας οἰκεομένας μηδὲν ἧσσον νομίζεσθαι, καθάπερ εἰ δῆμοι
εἶεν.

Sim. (phönizische Abkunft) Th 127, Th 136, Th 202, Th 204, Th 237 (1.22),


Th 262, Th 327, Th 495, Th 574, Th 578

Th 13
Hist. 2.20
Ἀλλὰ Ἑλλήνων μέν τινες ἐπίσημοι βουλόμενοι γενέσθαι σοφίην ἔλεξαν περὶ
τοῦ ὕδατος τούτου τριφασίας ὁδούς, τῶν τὰς μὲν δύο [τῶν ὁδῶν] οὐδ᾽
ἀξιῶ μνησθῆναι εἰ μὴ ὅσον σημῆναι βουλόμενος μοῦνον. Τῶν ἡ ἑτέρη μὲν
λέγει τοὺς ἐτησίας ἀνέμους εἶναι αἰτίους πληθύειν τὸν ποταμὸν κωλύον-
τας ἐς θάλασσαν ἐκρέειν τὸν Νεῖλον. Πολλάκις δὲ ἐτησίαι μὲν οὐκ ὦν
ἔπνευσαν, ὁ δὲ Νεῖλος τὠυτὸ ἐργάζεται. Πρὸς δέ, εἰ ἐτησίαι αἴτιοι ἦσαν,
χρῆν καὶ τοὺς ἄλλους ποταμούς, ὅσοι τοῖσι ἐτησίῃσι ἀντίοι ῥέουσι, ὁμοίως
πάσχειν καὶ κατὰ ταὐτὰ τῷ Νείλῳ καὶ μᾶλλον ἔτι τοσούτῳ, ὅσῳ ἐλάσσο-
νες ἐόντες ἀσθενέστερα τὰ ῥεύματα παρέχονται. Εἰσὶ δὲ πολλοὶ μὲν ἐν τῇ
Συρίῃ ποταμοί, πολλοὶ δὲ ἐν τῇ Λιβύῃ, οἳ οὐδὲν τοιοῦτο πάσχουσι, οἷόν
τι καὶ ὁ Νεῖλος.

Sim. (Nilschwelle) Th 33, Th 82, Th 100, Th 164, Th 237 (1.37), Th 404,


Th 476, Th 491, Th 548, Th 560, Th 571
Vgl. auch Lukrez 6.715–23
Herodot 35

Historien 1.170
Diesen Rat gab Bias von Priene, nachdem die Ionier ins Verderben geraten
waren. Aber auch schon bevor Ionien ins Verderben geraten war, gab ihnen
Thales aus Milet, der von Seiten seiner Vorfahren ein Phönizier war, einen
guten Rat, indem er die Ionier aufforderte, ein gemeinsames Versammlungs-
haus zu errichten, und zwar in Teos1, denn Teos sei der Mittelpunkt Ioniens,
die anderen Städte sollten aber nach wie vor als eigenständige Kommunen
gelten, gleichsam als ob sie Landgemeinden [einer Polis] wären.

Th 13
In seinem Ägyptenbuch beschäftigt sich Herodot unter anderem mit der
Frage der Nilschwelle. Seidlmayer schreibt dazu: „Infolge der sommer-
lichen Regenfälle im äthiopischen Hochland schwillt der Nil ab Mitte Juli
an und erreichte (vor den Regulationsbauten der Moderne) die Talebene
überflutend sein Maximum Anfang September, um abschwellend Ende Ok-
tober wieder in sein Bett zurückzukehren.“2 Da Herodot in Ägypten keine
Antwort auf die Frage nach dem Grund für dieses Phänomen findet, wen-
det er sich griechischen Theorien zu. Die erste von ihnen wird von späteren
Autoren für Thales in Anspruch genommen:

Historien 2.20
Einige Griechen aber, die sich durch ihre Klugheit auszeichnen wollen, ha-
ben drei Deutungswege hinsichtlich dieses Wassers genannt. Zwei davon
halte ich nicht der Erinnerung für wert, und ich will sie nur kurz andeu-
ten. Nach der einen Ansicht sind die Etesien-Winde3 schuld daran, dass
der Fluss anschwillt, indem sie den Nil daran hindern, ins Meer zu fließen.
Oftmals aber wehen zwar die Etesien nicht, mit dem Nil aber geschieht
das Gleiche. Außerdem, wenn die Etesien schuld wären, müsste es auch
den anderen Flüssen, insoweit sie den Etesien entgegenfließen, gleich und
ebenso ergehen wie dem Nil – umso mehr noch, wenn sie kleiner sind und
ihre Strömung schwächer ist. Es gibt aber viele Flüsse in Syrien, viele auch
in Libyen, denen es nicht so ergeht wie dem Nil.

1 Hafenstadt, ca. 40 km südwestlich vom heutigen Izmir.


2 Seidlmayer 2000, 942. Zum möglichen ägyptischen Hintergrund von Thales’ Theorie
und ihrer weiteren Tradition (auch ohne Nennung des Namens Thales) s. Bonneau
1964, 151 f.; s. auch Lloyd 1975, 91–107.
3 Die Etesien sind im Sommer wehende Nordost-Winde.
36 Demokrit – Aristophanes

Demokrit
Th 14
Fr. 68 B 115a DK, s. Th 237 (Diog. Laert. 1.22)

Th 15
Fr. 68 B 115a DK, s. Th 237 (Diog. Laert. 1.23)

Hippias

Th 16
Fr. 86 B 7 DK, s. Th 237 (Diog. Laert. 1.24)

Aristophanes
Th 17
Nubes 168–180 (ed. Wilson)
ΜΑΘΗΤΗΣ Πρῴην δέ γε γνώμην μεγάλην ἀφῃρέθη
ὑπ᾽ ἀσκαλαβώτου.
ΣΤΡΕΨΙΑΔΗΣ τίνα τρόπον; κάτειπέ μοι.
ΜΑ. ζητοῦντος αὐτοῦ τῆς σελήνης τὰς ὁδοὺς
καὶ τὰς περιφοράς, εἶτ᾽ ἄνω κεχηνότος
ἀπὸ τῆς ὀροφῆς νύκτωρ γαλεώτης κατέχεσεν.
ΣΤ. ἥσθην γαλεώτῃ καταχέσαντι Σωκράτους.
ΜΑ. ἐχθὲς δέ γ᾽ ἡμῖν δεῖπνον οὐκ ἦν ἑσπέρας.
ΣΤ. εἶεν. τί οὖν πρὸς τἄλφιτ᾽ ἐπαλαμήσατο;
Demokrit – Aristophanes 37

Demokrit (470/60–380/70 v. Chr.)


Th 14
Diogenes Laertios berichtet, Demokrit und anderen Quellen zufolge stamme
Thales aus hochadeligem phönizischem Geschlecht.

Th 15
Nach Diogenes Laertios bezeugt Demokrit ferner seine Beschäftigung
mit Astronomie und Vorhersagen von Sonnenfinsternissen und Sonnen-
wenden.

Hippias
(5. Jh. v. Chr., tätig noch zu Beginn des 4. Jh.s)
Th 16
Laut Diogenes Laertios sagen Aristoteles und Hippias, Thales habe dem Un-
belebten eine Seele zugeschrieben und dabei auf Magnetstein und Bernstein
verwiesen.

Aristophanes (um 450–um 385 v. Chr.)


Th 17
In den 423 v. Chr. aufgeführten Wolken berichtet ein Schüler dem erstaun-
ten Strepsiades von den geistigen Errungenschaften des Sokrates.

Wolken 168–180
Schüler: Neulich raubte ihm eine Eidechse eine bedeutende Einsicht. —
Strepsiades: Wie das? Erzähl! — Schüler: Er war dabei, die Wege und Um-
läufe des Mondes zu erforschen, da schiss vom Dach des Nachts ein Gecko
auf ihn herab, als er mit offenem Mund nach oben blickte.1 — Strepsiades:
Ich freu’ mich an dem Gecko, der auf Sokrates scheißt! — Schüler: Gestern

1 Vgl. hierzu die bei Platon u. a. (s. Th 19) berichtete Anekdote von Thales, der bei
seinen astronomischen Forschungen in den Brunnen fällt.
38 Aristophanes

ΜΑ. κατὰ τῆς τραπέζης καταπάσας λεπτὴν τέφραν,


κάμψας ὀβελίσκον, εἶτα διαβήτην λαβὼν
ἐκ τῆς παλαίστρας θοἰμάτιον ὑφείλετο.
ΣΤ. τί δῆτ᾽ ἐκεῖνον τὸν Θαλῆν θαυμάζομεν.

Sim. Th 535

Th 18
Aves 992–1009 (ed. Wilson)
ΜΕΤΩΝ Ἥκω παρ᾽ ὑμᾶς-
ΠΕΙΣΕΤΑΙΡΟΣ Ἕτερον αὖ τουτὶ κακόν.
Τί δ᾽ αὖ σὺ δράσων; Τίς ἰδέα βουλεύματος;
Τίς ἡ ᾽πίνοια, τίς ποθ᾽ οὕρνις τῆς ὁδοῦ;
ΜΕ. Γεωμετρῆσαι βούλομαι τὸν ἀέρα
ὑμῖν διελεῖν τε κατὰ γύας.
ΠΕ. Πρὸς τῶν θεῶν,
σὺ δ᾽ εἶ τίς ἀνδρῶν;
ΜΕ. Ὅστις εἴμ᾽ ἐγώ; Μέτων,
ὃν οἶδεν Ἑλλὰς χὠ Κολωνός.
ΠΕ. Εἰπέ μοι,
ταυτὶ δέ σοι τί ἐστι;
ΜΕ. Κανόνες ἀέρος.
Αὐτίκα γὰρ ἀήρ ἐστι τὴν ἰδέαν ὅλος
κατὰ πνιγέα μάλιστα. Προσθεὶς οὖν ἐγὼ
τὸν κανόν᾽ 1 ἄνωθεν τουτονὶ τὸν καμπύλον
ἐνθεὶς διαβήτην{– μανθάνεις;
ΠΕ. Οὐ μανθάνω.
ΜΕ. Ὀρθῷ μετρήσω κανόνι προστιθείς, ἵνα
ὁ κύκλος γένηταί σοι τετράγωνος κἀν μέσῳ
ἀγορά, φέρουσαι δ᾽ ὦσιν εἰς αὐτὴν ὁδοὶ
ὀρθαὶ πρὸς αὐτὸ τὸ μέσον, ὥσπερ δ᾽ ἀστέρος
αὐτοῦ κυκλοτεροῦς ὄντος ὀρθαὶ πανταχῇ
ἀκτῖνες ἀπολάμπωσιν.
ΠΕ. Ἄνθρωπος Θαλῆς.

Sim. („Der Mensch ist ja ein Thales“) Th 495, Th 591

1 Zur Zeichensetzung siehe Gladigow 1968, 272, Anm. 3.


Aristophanes 39

Abend fehlte uns das Essen. — Strepsiades: Gut; wie packte er es also an,
euch Gerstengrütze zu verschaffen? — Schüler: Den Tisch bestreute er mit
feiner Asche, bog einen Spieß, ergriff dann einen Zirkel1 mit gespreizten
Beinen ... aus der Palaistra und nahm ihm das Gewand. — Strepsiades: Und
wir bewundern noch den Thales?

Th 18
In den Vögeln (aufgeführt 414 v. Chr.) wird Meton, ein Geometer, der von
der Stadtneugründung (Wolkenkuckucksburg) profitieren will, verspottet:

Vögel 992–1009
Meton: Ich bin zu euch gekommen — Peishetairos: Noch so ein Übel. Was
willst du hier? Von welcher Art ist dein Plan? Was ist deine Absicht? Was
ist das Vorzeichen deines Kommens? — Meton: Ich will euch die Luft ver-
messen und nach Fluren verteilen. — Peishetairos: Bei den Göttern, wer
unter den Männern bist du? — Meton: Wer ich bin? Meton, den [ganz]
Hellas kennt und Kolonos. — Peishetairos: Sag’: Was hast du da? — Meton:
Richtscheite für die Luft. Zunächst und insgesamt ist die Luft nämlich ihrer
Form nach am ehesten einem Ofendeckel ähnlich. Ich lege also [zeichnet
eine Figur in den Sand]2 das Richtscheit an, setze hier oben den gebogenen
Zirkel ein – du verstehst? — Peishetairos: Ich verstehe nicht! — Meton: –
und nehme nach Anlegung [des Zirkels] an das senkrechte Richtscheit eine
Messung vor, so dass dein Kreis zum Viereck wird, mit einem Marktplatz in
der Mitte und geraden Straßen, die auf ihn hinführen, unmittelbar zur Mitte,
und wie von einem runden Stern leuchten gerade Strahlen in alle Richtun-
gen von ihm ab. — Peishetairos: Der Mensch ist ja ein Thales!

1 Vgl. zur sexuellen Konnotation der Stelle Sommerstein 1982, 169 f. Ablehnend Holz-
berg/Maier 1993, 111ff. mit weiteren Vorschlägen.
2 Vgl. Sommerstein 1987, 265: „efforts by modern scholars to make sense of 1001–4
as a sequence of geometrical operations […] have met with little success“. Doch vgl.
Gladigow 1968, 273, der vermutet, dass das beschriebene Verfahren im Ansatz auf
Thales zurückgehen könnte. Vgl. auch Dührsen 2005, 99 ff.
40 Platon

Platon
Th 19
Theaetetus 174A4–B6 (ed. Duke)
ΣΩ. Ὥσπερ καὶ Θαλῆν ἀστρονομοῦντα, ὦ Θεόδωρε, καὶ ἄνω βλέπον-
τα, πεσόντα εἰς φρέαρ, Θρᾷττά τις ἐμμελὴς καὶ χαρίεσσα θεραπαινὶς
ἀποσκῶψαι λέγεται ὡς τὰ μὲν ἐν οὐρανῷ προθυμοῖτο εἰδέναι, τὰ δ᾽ ἔμπρο-
σθεν αὐτοῦ καὶ παρὰ πόδας λανθάνοι αὐτόν. ταὐτὸν δὲ ἀρκεῖ σκῶμμα ἐπὶ
πάντας [174b] ὅσοι ἐν φιλοσοφίᾳ διάγουσι. τῷ γὰρ ὄντι τὸν τοιοῦτον ὁ
μὲν πλησίον καὶ ὁ γείτων λέληθεν, οὐ μόνον ὅτι πράττει, ἀλλ᾽ ὀλίγου καὶ
εἰ ἄνθρωπός ἐστιν ἤ τι ἄλλο θρέμμα‧ τί δέ ποτ᾽ ἐστὶν ἄνθρωπος καὶ τί τῇ
τοιαύτῃ φύσει προσήκει διάφορον τῶν ἄλλων ποιεῖν ἢ πάσχειν, ζητεῖ τε
καὶ πράγματ᾽ ἔχει διερευνώμενος.

Sim. (Brunnenfall) Th 174, Th 210, Th 217, Th 222, Th 237 (1.34), Th 240,


Th 251, Th 269, Th 328, Th 361, Th 444, Th 445, Th 446, Th 456, Th 513,
Th 518, Th 564 (319), Th 582

Th 20
Protagoras 342E4–343B7 (ed. Burnet)
Τοῦτο οὖν αὐτὸ καὶ τῶν νῦν εἰσὶν οἳ κατανενοήκασι καὶ τῶν πάλαι, ὅτι
τὸ λακωνίζειν πολὺ μᾶλλόν ἐστιν φιλοσοφεῖν ἢ φιλογυμναστεῖν, εἰδότες
ὅτι τοιαῦτα οἷόν τ᾽ εἶναι ῥήματα φθέγγεσθαι τελέως πεπαιδευμένου ἐστὶν
ἀνθρώπου. [343a] τούτων ἦν καὶ Θαλῆς ὁ Μιλήσιος καὶ Πιττακὸς ὁ Μυτι-
ληναῖος καὶ Βίας ὁ Πριηνεὺς καὶ Σόλων ὁ ἡμέτερος καὶ Κλεόβουλος ὁ Λίν-
διος καὶ Μύσων ὁ Χηνεύς, καὶ ἕβδομος ἐν τούτοις ἐλέγετο Λακεδαιμόνιος
Χίλων. οὗτοι πάντες ζηλωταὶ καὶ ἐρασταὶ καὶ μαθηταὶ ἦσαν τῆς Λακεδαι-
μονίων παιδείας, καὶ καταμάθοι ἄν τις αὐτῶν τὴν σοφίαν τοιαύτην οὖσαν,
ῥήματα βραχέα ἀξιομνημόνευτα ἑκάστῳ εἰρημένα‧ οὗτοι καὶ κοινῇ συν-
ελθόντες [343b] ἀπαρχὴν τῆς σοφίας ἀνέθεσαν τῷ Ἀπόλλωνι εἰς τὸν νεὼν
τὸν ἐν Δελφοῖς, γράψαντες ταῦτα ἃ δὴ πάντες ὑμνοῦσιν, Γνῶθι σαυτὸν καὶ
Μηδὲν ἄγαν. τοῦ δὴ ἕνεκα ταῦτα λέγω; ὅτι οὗτος ὁ τρόπος ἦν τῶν πα-
λαιῶν τῆς φιλοσοφίας, βραχυλογία τις Λακωνική‧ καὶ δὴ καὶ τοῦ Πιττα-
κοῦ ἰδίᾳ περιεφέρετο τοῦτο τὸ ῥῆμα ἐγκωμιαζόμενον ὑπὸ τῶν σοφῶν, τὸ
Χαλεπὸν ἐσθλὸν ἔμμεναι.
Platon 41

Platon (428/7–348/7 v. Chr.)


Th 19
Ein berühmter Exkurs in Platons Dialog Theaitetos (172B–177C) zeichnet
das Portrait des weltfremden, ganz der Schau des Seienden zugewandten
Philosophen. Wer die Wahrheit im Blick auf das kosmische Geschehen sucht,
setzt sich dabei dem Spott der Leute aus, wie eine Anekdote über Thales
expliziert:

Theaitetos 174A4–B6
Sokrates: Thales, mein lieber Theodoros, fiel, als er sich mit den Sternen
beschäftigte und nach oben blickte, in einen Brunnen. Da soll ihn eine wit-
zige und reizende thrakische Magd verspottet haben, weil er zwar die Dinge
am Himmel zu erkennen begehre, ihm aber, was ihm vor den Füßen liege,
entgehe.1 Dieser Spott gilt aber für alle, [174b] die in der Philosophie leben.
Denn in der Tat: Wer dazu gehört, weiß nichts von seinem Nächsten und
nichts von seinem Nachbarn. Nicht nur nicht, was dieser tut, sondern bei-
nahe nicht einmal, ob er ein Mensch ist oder sonst ein Lebewesen. Was aber
ein Mensch überhaupt ist und was seiner spezifischen Natur im Unterschied
zu den anderen Wesen zu tun oder zu leiden zukommt, danach sucht er und
müht sich, es zu erforschen.2

Th 20
Die Spartaner sind für philosophische Gespräche am besten vorgebildet: Die
Sprüche der Sieben Weisen, unter denen Thales ist, werden als Muster lako-
nischen Philosophierens angeführt:

Protagoras 342E4–343B7
Ebendas haben manche heutzutage und früher erkannt: Die Nachahmung
der Spartaner bedeutet viel eher eine Liebe zur Philosophie als zur Gymnas-
tik. Sie wissen nämlich, dass nur ein vollendet gebildeter Mensch zu derarti-
gen Äußerungen fähig ist. Dazu gehörte Thales aus Milet und Pittakos aus
Mytilene und Bias aus Priene und unser Solon und Kleobulos aus Lindos
und Myson aus Chen und als siebenter unter ihnen wurde der Spartaner

1 Vgl. Platon, Phaidros 249D7–8. Zur Rezeptionsgeschichte der Anekdote siehe Blu-
menberg 1976.
2 Vgl. Aesop, Fabel 40 ed. Perry (Der Astrologe); Antipatros von Sidon (Beckby AP 7.
172).
42 Platon

Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 52, Th 68, Th 70, Th 71, Th 76,
Th 81, Th 82, Th 83, Th 87, Th 89, Th 95, Th 127, Th 131, Th 137, Th 171,
Th 172, Th 173, Th 176, Th 178, Th 199, Th 210, Th 236, Th 237 (1.22, 34,
40–42) Th 254, Th 264, Th 265, Th 271, Th 294, Th 295, Th 290, Th 304,
Th 311, Th 313, Th 314, Th 315, Th 316, Th 329, Th 385, Th 386, Th 473,
Th 476, Th 480, Th 482, Th 485, Th 505, Th 506, Th 509, Th 527, Th 530,
Th 533, Th 535, Th 539, Th 540, Th 541, Th 553, Th 560, Th 561, Th 577,
Th 581, Th 585, Th 587, Th 588, Th 589, Th 591, Th 592

Th 21
Hippias maior 281C3–D8 (ed. Burnet)
ΣΩ. Ἀτάρ, ὦ Ἱππία, τί ποτε τὸ αἴτιον ὅτι οἱ παλαιοὶ ἐκεῖνοι, ὧν ὀνόματα
μεγάλα λέγεται ἐπὶ σοφίᾳ, Πιττακοῦ τε καὶ Βίαντος καὶ τῶν ἀμφὶ τὸν Μι-
λήσιον Θαλῆν καὶ ἔτι τῶν ὕστερον μέχρι Ἀναξαγόρου, ὡς ἢ πάντες ἢ οἱ
πολλοὶ αὐτῶν φαίνονται ἀπεχόμενοι τῶν πολιτικῶν πράξεων; ΙΠ. Τί δ᾽
οἴει, ὦ Σώκρατες, ἄλλο γε ἢ ἀδύνατοι ἦσαν [281d] καὶ οὐχ ἱκανοὶ ἐξ-
ικνεῖσθαι φρονήσει ἐπ᾽ ἀμφότερα, τά τε κοινὰ καὶ τὰ ἴδια; ΣΩ. Ἆρ᾽ οὖν πρὸς
Διός, ὥσπερ αἱ ἄλλαι τέχναι ἐπιδεδώκασι καὶ εἰσὶ παρὰ τοὺς νῦν δημιουρ-
γοὺς οἱ παλαιοὶ φαῦλοι, οὕτω καὶ τὴν ὑμετέραν τὴν τῶν σοφιστῶν τέχνην
ἐπιδεδωκέναι φῶμεν καὶ εἶναι τῶν ἀρχαίων τοὺς περὶ τὴν σοφίαν φαύλους
πρὸς ὑμᾶς; ΙΠ. Πάνυ μὲν οὖν ὀρθῶς λέγεις.

Sim. (Politische Tätigkeit) Th 70, Th 228, Th 237 (1.25), Th 454, Th 479,


Th 497
Platon 43

Chilon genannt. Alle diese waren Nacheiferer, Liebhaber und Schüler der
spartanischen Bildung. Und man mag an den kurzen und erwähnenswerten
Aussprüchen, die ein jeder von ihnen getan hat, erkennen, dass ihre Weisheit
von dieser Art war. Sie kamen auch zusammen [343b] und brachten Apol-
lon für den Tempel in Delphi die Erstlingsgabe ihrer Weisheit dar, indem
sie schrieben, was alle im Munde führen: ‚Erkenne dich selbst‘ und ‚Nichts
allzusehr‘. Weshalb sage ich das? Weil das die Art der Alten war zu philo-
sophieren: eine gewisse spartanische Kürze.

Th 21
Hippias ist ein Prototyp des politisch tätigen Sophisten. Im Einleitungsge-
spräch des Dialogs fragt Sokrates:

Der Größere Hippias 281C3–D8


Sokrates: Indessen, Hippias, was ist die Ursache dafür, dass jene alten Phi-
losophen, deren Namen wegen ihrer Weisheit in hohen Ehren stehen – Pit-
takos und Bias und Thales aus Milet und seine Schüler und noch Spätere bis
auf Anaxagoras –, dass sie entweder alle oder doch die meisten von ihnen
sich offenbar politischer Tätigkeit fern gehalten haben?
Hippias: Was anderes, meinst du, Sokrates, als dass sie unfähig [281d] und
nicht dazu geeignet waren, mit ihrem Denken beidem, dem Öffentlichen
und dem Privaten, zu genügen?
Sokrates: Wie also, beim Zeus, die anderen Künste Fortschritte gemacht
haben und die alten Künstler im Vergleich zu den heutigen wenig wert sind,
so sollen wir sagen, dass auch eure Sophistenkunst Fortschritte gemacht hat
und dass im Blick auf euch die Alten in der Weisheit wenig wert sind?
Hippias: Das sagst du ganz richtig.
44 Platon – Andron von Ephesus

Th 22
Res publica 10. 600A4–7 (ed. Burnet)
ΣΩ. Ἀλλ᾽ οἷα δὴ εἰς τὰ ἔργα σοφοῦ ἀνδρὸς πολλαὶ ἐπίνοιαι καὶ εὐμήχανοι
εἰς τέχνας ἤ τινας ἄλλας πράξεις λέγονται, ὥσπερ αὖ Θάλεώ τε πέρι τοῦ
Μιλησίου καὶ Ἀναχάρσιος τοῦ Σκύθου.

Th 23
Epistula 2.311A1–7 (ed. Burnet)
Οἷον καὶ περὶ Ἱέρωνος ὅταν διαλέγωνται ἄνθρωποι καὶ Παυσανίου τοῦ
Λακεδαιμονίου, χαίρουσι τὴν Σιμωνίδου συνουσίαν παραφέροντες, ἅ τε
ἔπραξεν καὶ εἶπεν πρὸς αὐτούς‧ καὶ Περίανδρον τὸν Κορίνθιον καὶ Θαλῆν
τὸν Μιλήσιον ὑμνεῖν εἰώθασιν ἅμα, καὶ Περικλέα καὶ Ἀναξαγόραν, καὶ
Κροῖσον αὖ καὶ Σόλωνα ὡς σοφοὺς καὶ Κῦρον ὡς δυνάστην.

Andron von Ephesus


Th 24
FHG II 347.3, s. Th 205 (Clem. Al. Strom. 1.21.129.3–4)
Platon – Andron von Ephesus 45

Th 22
Die Dichtung repräsentiert nur die unterste Stufe der Wirklichkeit. Ein
Dichter wie Homer muss auf der zweiten Stufe nicht bestehen:

Staat 10. 600A4–7


Sokrates: Oder sagt man, er sei zu praktischer Arbeit geschickt gewesen,
und erwähnt von ihm allerlei sinnreiche Erfindungen auf dem Gebiet der
Künste oder anderer Tätigkeiten, so wie vom Milesier Thales oder dem Sky-
then Anacharsis1?2

Th 23
Die Vernunft des Weisen und die Macht des Tyrannen müssen zusammen-
gehen.

2. Brief 311A1–7
Wenn sich die Menschen über Hieron oder den Spartaner Pausanias un-
terhalten, so freuen sie sich, auch den Umgang des Simonides mit ihnen zu
erwähnen, was er tat und was er zu ihnen sprach; auch Periander von Ko-
rinth und Thales von Milet verherrlichen sie gewöhnlich zur gleichen Zeit,
ebenso Perikles und Anaxagoras, weiterhin Kroisos und Solon als Weise
und Kyros als Herrscher.

Andron von Ephesus (1. Hälfte 4. Jh. v. Chr.)


Th 24
Clemens Alexandrinus bezieht sich auf Androns Dreifuß hinsichtlich der
Datierung des Thales und der übrigen Weisen auf die Zeit um die 50. Olym-
piade.

1 Aus einer Königsfamilie stammender Skythe (s. Herodot, Hist. 4.46 u. 76 ff.). Auf-
grund seiner natürlichen Klugheit wurde er zum idealistischen Gegenbild der grie-
chischen Zivilisation stilisiert und teilweise unter die Sieben Weisen gezählt.
2 Übersetzung Gigon/Rufener 1974.
46 Eudoxos von Knidos – Aristoteles

Eudoxos von Knidos


Th 25
Fr. F 371 Lasserre, s. Th 237 (Diog. Laert. 1.29)

Herakleides Pontikos
Th 26
Fr. 45 Wehrli2, s. Th 237 (Diog. Laert. 1.25)

Aristoteles
Th 27
Ethica Nicomachea 6.7.1141b2–8 (ed. Bywater)
Ἐκ δὴ τῶν εἰρημένων δῆλον ὅτι ἡ σοφία ἐστὶ καὶ ἐπιστήμη καὶ νοῦς τῶν τι-
μιωτάτων τῇ φύσει. διὸ Ἀναξαγόραν καὶ Θαλῆν καὶ τοὺς τοιούτους σοφοὺς
μὲν φρονίμους δ᾽ οὔ φασιν εἶναι, ὅταν ἴδωσιν ἀγνοοῦντας τὰ συμφέροντα
ἑαυτοῖς, καὶ περιττὰ μὲν καὶ θαυμαστὰ καὶ χαλεπὰ καὶ δαιμόνια εἰδέναι
αὐτούς φασιν, ἄχρηστα δ᾽, ὅτι οὐ τὰ ἀνθρώπινα ἀγαθὰ ζητοῦσιν.

Sim. (Weise ohne praktische Vernunft) Th 110, Th 524, Th 531, Th 556


Vgl. aber Th 237 (Diog. Laert. 1.40) die Aussage des Dikaiarch, die Sieben
Weisen (zu denen er ebd. 1.41 auch Thales zählt = Th 36) seien verständige
und zur Gesetzgebung fähige Männer gewesen.
Eudoxos von Knidos – Aristoteles 47

Eudoxos von Knidos (verm. 391/0–338/7 v. Chr.)


Th 25
Diogenes Laertios zufolge sagen Eudoxos und Euanthes, Thales sei durch
einen Freund des Kroisos als Weisester der Griechen ausgezeichnet worden.

Herakleides Pontikos (ca. 390–nach 322 v. Chr.)


Th 26
Diogenes Laertios zufolge berichtet Herakleides, dass Klytos gesagt habe,1
Thales sei ein abgeschiedener Einzelgänger gewesen.

Aristoteles (384–322 v. Chr.)


Th 27
Um die begriffliche Abgrenzung der praktischen Einsicht von der philoso-
phischen Weisheit geht es Aristoteles in EN 6.7:

Nikomachische Ethik 6.7.1141b2–8


Aus dem Gesagten wird aber klar, dass die philosophische Weisheit sowohl
wissenschaftliche Einsicht als auch intuitive Erkenntnis der ihrer Natur nach
erhabensten Dinge ist. Daher behaupten die Leute, dass Anaxagoras und
Thales und Menschen ihrer Art zwar weise, aber ohne praktische Vernunft
seien, wenn sie sehen, dass sie ihren eigenen Vorteil nicht kennen. Die Leute
sagen aber auch, dass sie [die Weisen] wohl Bedeutendes, Staunenswertes,
schwer Verständliches und Rätselhaftes, aber doch Unnützes wüssten, weil
sie nicht nach dem suchten, was für die Menschen gut ist.

1 Wehrli2 liest allerdings καὶ αὐτός (sc. Thales) anstelle von κλύτος. Zur Problematik
der Zuschreibung an Herakleides Pontikos siehe Schorn 22.
48 Aristoteles

Th 28
Politica 1.11.1259a5–19 (ed. Ross)
Πάντα γὰρ ὠφέλιμα ταῦτ᾽ ἐστὶ τοῖς τιμῶσι τὴν χρηματιστικήν, οἷον καὶ
τὸ Θάλεω τοῦ Μιλησίου‧ τοῦτο γάρ ἐστι κατανόημά τι χρηματιστικόν,
ἀλλ᾽ ἐκείνῳ μὲν διὰ τὴν σοφίαν προσάπτουσι, τυγχάνει δὲ καθόλου τι
ὄν. ὀνειδιζόντων γὰρ αὐτῷ διὰ τὴν πενίαν ὡς ἀνωφελοῦς τῆς φιλοσοφίας
οὔσης, κατανοήσαντά φασιν αὐτὸν ἐλαιῶν φορὰν ἐσομένην ἐκ τῆς ἀστρο-
λογίας, ἔτι χειμῶνος ὄντος εὐπορήσαντα χρημάτων ὀλίγων ἀρραβῶνας
διαδοῦναι τῶν ἐλαιουργίων τῶν τ᾽ ἐν Μιλήτῳ καὶ Χίῳ πάντων, ὀλίγου
μισθωσάμενον ἅτ᾽ οὐθενὸς ἐπιβάλλοντος‧ ἐπειδὴ δ᾽ ὁ καιρὸς ἧκε, πολλῶν
ζητουμένων ἅμα καὶ ἐξαίφνης, ἐκμισθοῦντα ὃν τρόπον ἠβούλετο, πολλὰ
χρήματα συλλέξαντα ἐπιδεῖξαι ὅτι ῥᾴδιόν ἐστι πλουτεῖν τοῖς φιλοσόφοις,
ἂν βούλωνται, ἀλλ᾽ οὐ τοῦτ᾽ ἐστὶ περὶ ὃ σπουδάζουσιν. Θαλῆς μὲν οὖν
λέγεται τοῦτον τὸν τρόπον ἐπίδειξιν ποιήσασθαι τῆς σοφίας.

Sim. (Miete der Ölpressen) Th 77, Th 225, Th 237 (1.26)

Th 29
Metaphysica 1.3.983b20–984a7 (ed. Ross)
[...] Ἀλλὰ Θαλῆς μὲν ὁ τῆς τοιαύτης ἀρχηγὸς φιλοσοφίας ὕδωρ φησὶν εἶναι
(διὸ καὶ τὴν γῆν ἐφ᾽ ὕδατος ἀπεφήνατο εἶναι), λαβὼν ἴσως τὴν ὑπόληψιν
ταύτην ἐκ τοῦ πάντων ὁρᾶν τὴν τροφὴν ὑγρὰν οὖσαν καὶ αὐτὸ τὸ θερμὸν
ἐκ τούτου γιγνόμενον καὶ τούτῳ ζῶν (τὸ δ᾽ ἐξ οὗ γίγνεται, τοῦτ᾽ ἐστὶν
ἀρχὴ πάντων) – διά τε δὴ τοῦτο τὴν ὑπόληψιν λαβὼν ταύτην καὶ διὰ
τὸ πάντων τὰ σπέρματα τὴν φύσιν ὑγρὰν ἔχειν, τὸ δ᾽ ὕδωρ ἀρχὴν τῆς
φύσεως εἶναι τοῖς ὑγροῖς. εἰσὶ δέ τινες οἳ καὶ τοὺς παμπαλαίους καὶ πολὺ
πρὸ τῆς νῦν γενέσεως καὶ πρώτους θεολογήσαντας οὕτως οἴονται περὶ
τῆς φύσεως ὑπολαβεῖν‧ Ὠκεανόν τε γὰρ καὶ Τηθὺν ἐποίησαν τῆς γενέσεως
πατέρας [Hom. Ξ 201], καὶ τὸν ὅρκον τῶν θεῶν ὕδωρ, τὴν καλουμένην
ὑπ᾽ αὐτῶν Στύγα [τῶν ποιητῶν]‧ τιμιώτατον μὲν γὰρ τὸ πρεσβύτατον,
ὅρκος δὲ τὸ τιμιώτατόν ἐστιν. εἰ μὲν οὖν [984a] ἀρχαία τις αὕτη καὶ πα-
λαιὰ τετύχηκεν οὖσα περὶ τῆς φύσεως ἡ δόξα, τάχ᾽ ἂν ἄδηλον εἴη, Θαλῆς
μέντοι λέγεται οὕτως ἀποφήνασθαι περὶ τῆς πρώτης αἰτίας. (Ἵππωνα
Aristoteles 49

Th 28
Im Gegensatz zu Platon (s. Th 19) gesteht Aristoteles auch dem Theoretiker
die Integration in seiner Lebenswelt zu. Wie Platon verdeutlicht auch Aris-
toteles dies mit einer Anekdote über Thales:1

Politik 1.11.1259a5–19
Denn all dies [Nachrichten über erfolgreiche Erwerbstätigkeit] ist für dieje-
nigen, die den Besitzerwerb schätzen, nützlich – wie zum Beispiel auch die
Geschichte über Thales aus Milet.2 Es ist ein dem Besitzerwerb dienlicher
Einfall, den sie jenem zwar aufgrund seiner Weisheit zuschreiben, der aber
eine gewisse Allgemeingültigkeit besitzt. Man hielt ihm nämlich aufgrund
seiner Armut vor, dass die Philosophie eine nutzlose Beschäftigung sei. Da
er nun infolge seiner Sternbeobachtung erkannt hatte, dass es eine reiche
Olivenernte geben werde, soll er noch im Winter, da er gerade ein wenig
Geld hatte, für alle Ölpressen in Milet und Chios Anzahlungen hinterlegt
und sie, da niemand dagegenhielt, für einen geringen Betrag gemietet ha-
ben. Als aber der rechte Augenblick gekommen war, und gleichzeitig und
plötzlich ein hoher Bedarf an Ölpressen entstand, habe er sie zu seinen Be-
dingungen vermietet und viel Geld dabei gemacht. Er habe damit bewiesen,
dass es für Philosophen leicht sei, reich zu werden, wenn sie nur wollten,
es jedoch dies nicht sei, wonach sie strebten. So soll nun Thales einen Beleg
seiner Weisheit gegeben haben.

Th 29
Im ersten Buch der Metaphysik setzt sich Aristoteles mit den Prinzipienleh-
ren seiner Vorgänger auseinander. Von den frühesten Philosophen, so Aris-
toteles, hätten die meisten nur in den materiellen Prinzipien die Prinzipien
allen Seins gefunden. Es sei die immer erhalten bleibende und nur in ihren
Affektionen sich ändernde Natursubstanz. Allerdings stimmten sie weder
hinsichtlich der Anzahl dieser materiellen Prinzipien noch ihrer Beschaffen-
heit überein:

Metaphysik 1.3.983b20–984a7
Thales, der Archeget dieser Art von Philosophie, behauptet, es [das Prinzip]3
sei Wasser (weshalb er auch der Ansicht war, dass sich die Erde auf dem

1 Vgl. Kullmann 1998, 418 f.


2 Die gleiche Geschichte von Demokrit bei Plinius, Naturalis historia 18.68.273 f.
3 Die Physis. Siehe dazu O’Grady 2002, 35.
50 Aristoteles

γὰρ οὐκ ἄν τις ἀξιώσειε θεῖναι μετὰ τούτων διὰ τὴν εὐτέλειαν αὐτοῦ τῆς
διανοίας)‧ Ἀναξιμένης δὲ ἀέρα καὶ Διογένης πρότερον ὕδατος καὶ μάλιστ᾽
ἀρχὴν τιθέασι τῶν ἁπλῶν σωμάτων, [...].

Sim. (Prinzip Wasser) Th 72, Th 85, Th 87, Th 94, Th 98, Th 116, Th 138,
Th 140, Th 143, Th 144, Th 145, Th 147, Th 184, Th 187, Th 188, Th 189,
Th 190, Th 191, Th 196, Th 197, Th 198, Th 206, Th 210, Th 213, Th 215,
Th 229, Th 230, Th 232, Th 234, Th 237 (1.27), Th 254, Th 255, Th 259,
Th 260, Th 261, Th 271, Th 286, Th 287, Th 288, Th 289, Th 291, Th 292,
Th 293, Th 295, Th 309, Th 310, Th 311, Th 312, Th 317, Th 318, Th 319,
Th 324, Th 329, Th 338, Th 320 Th 321, Th 343, Th 372, Th 390, Th 392,
Th 409, Th 411, Th 414, Th 416, Th 417, Th 418, Th 423, Th 427, Th 429,
Th 430, Th 431, Th 436, Th 438, Th 440, Th 447, Th 448, Th 452, Th 453,
Th 459, Th 460, Th 462, Th 463, Th 464, Th 465, Th 467, Th 485, Th 499,
Th 508, Th 519, Th 525, Th 528, Th 532, Th 537, Th 547, Th 553, Th 558,
Th 570, Th 578, Th 579, Th 580, Th 583, Th 584; (Wasserhypothese geht
auf erste Theologen/Homer zurück) Th 94, Th 145, Th 147, Th 187, Th 189,
Th 271, Th 286, Th 287, Th 292, Th 329, Th 460, Th 499, Th 532, Th 570,
Th 583; (erster Weiser/Philosoph) Th 138, Th 147, Th 189, Th 190, Th 218,
Th 219, Th 237 (1.24), Th 254, Th 256, Th 257, Th 271, Th 287, Th 292,
Th 300, Th 321, Th 409, Th 460, Th 461, Th 473, Th 478, Th 500, Th 501,
Th 525, Th 530, Th 541, Th 557, Th 569, Th 578, Th 589

Th 30
De caelo 2.13.294a28–b6 (ed. Allan)
Οἱ δ᾽ ἐφ᾽ ὕδατος κεῖσθαι [sc. τὴν γὴν]. τοῦτον γὰρ ἀρχαιότατον παρειλή-
φαμεν τὸν λόγον, ὅν φασιν εἰπεῖν Θαλῆν τὸν Μιλήσιον, ὡς διὰ τὸ πλωτὴν
εἶναι μένουσαν ὥσπερ ξύλον ἤ τι τοιοῦτον ἕτερον (καὶ γὰρ τούτων ἐπ᾽ ἀέ-
ρος μὲν οὐθὲν πέφυκε μένειν, ἀλλ᾽ ἐφ᾽ ὕδατος), ὥσπερ οὐ τὸν αὐτὸν λόγον
ὄντα περὶ τῆς γῆς καὶ τοῦ ὕδατος τοῦ ὀχοῦντος τὴν γῆν‧ οὐδὲ γὰρ τὸ
ὕδωρ πέφυκε μένειν μετέωρον, ἀλλ᾽ ἐπί τινός [294b] ἐστιν. ἔτι δ᾽ ὥσπερ
ἀὴρ ὕδατος κουφότερον, καὶ γῆς ὕδωρ‧ ὥστε πῶς οἷόν τε τὸ κουφότε-
ρον κατωτέρω κεῖσθαι τοῦ βαρυτέρου τὴν φύσιν; ἔτι δ᾽ εἴπερ ὅλη πέφυκε
μένειν ἐφ᾽ ὕδατος, δῆλον ὅτι καὶ τῶν μορίων ἕκαστον [αὐτῆς]‧ νῦν δ᾽ οὐ
φαίνεται τοῦτο γιγνόμενον, ἀλλὰ τὸ τυχὸν μόριον φέρεται εἰς βυθόν, καὶ
θᾶττον τὸ μεῖζον.
Aristoteles 51

Wasser befinde). Diese Annahme hat ihren Grund vielleicht darin, dass er
sah, dass die Nahrung aller Dinge feucht ist und dass selbst das Warme aus
diesem [dem Feuchten] entsteht und davon lebt (das aber, aus dem alles ent-
steht, ist auch das Prinzip von allem). Deshalb gelangte er also zu dieser An-
nahme, und [auch] weil die Samen aller Dinge eine feuchte Natur besitzen:
Das Wasser aber ist das Naturprinzip für das Feuchte. Einige glauben aber,1
dass auch die ganz alten und lange vor der jetzigen Generation lebenden
ersten Theologen eine solche Annahme über die Natur gehabt hätten. Sie
machten nämlich Okeanos und Tethys zu den Eltern der [Welt]entstehung2
und Wasser zum Eidgegenstand der Götter – die von den Dichtern selbst so
genannte Styx3: Denn das Älteste ist das Ehrwürdigste, der Eidgegenstand
aber ist das Ehrwürdigste. Ob nun diese [984a] Meinung über die Natur ur-
sprünglich und alt ist, muss wohl unklar bleiben,4 Thales soll sich jedenfalls
so über die erste Ursache geäußert haben. (Es wird kaum einer fordern, den
Hippon zu diesen zu zählen; wegen des geringen Wertes seiner Gedanken).
Anaximenes und Diogenes schreiben der Luft eine Priorität vor dem Wasser
zu und behaupten, dass sie besonders die Funktion eines Prinzips unter den
Elementen besitze [...].

Th 30
Im Rahmen seiner Kosmologie setzt sich Aristoteles mit früheren Theorien
über die Position der Erde im Weltraum sowie über ihre Bewegung bzw.
Ruhe auseinander.

Über den Himmel 2.13.294a28–b6


Andere sagen, dass [die Erde] auf dem Wasser liege. Denn diese Erklärung
ist uns als die älteste überliefert. Man sagt, Thales aus Milet habe sie in der
Annahme formuliert, die Erde ruhe, weil sie schwimmfähig sei, wie Holz
oder dergleichen (denn auch von diesen Dingen kann zwar nichts von Natur
aus auf der Luft ruhen, jedoch auf dem Wasser). Als ginge es nicht um die-

1 Vgl. hierzu Snell 1976, 478–90, bes. 481ff. Vgl. dazu auch O’Grady 2002, 20 ff.
2 Homer, Ilias 14.201.
3 Z. Bsp. Homer, Ilias 15.37.
4 Zur Interpretation dieses Satzes s. Mansfeld 1985, 115 f. (1990, 131 f.).
52 Aristoteles

Sim. (Erde ruht auf dem Wasser) Th 99, Th 101, Th 163, Th 210, Th 230,
Th 387, Th 403, Th 409, Th 425, Th 426, Th 460, Th 526, Th 553, Th 554,
Th 555, Th 572

Th 31
De anima 1.2.405a19–21 (ed. Ross)
Ἔοικε δὲ καὶ Θαλῆς ἐξ ὧν ἀπομνημονεύουσι κινητικόν τι τὴν ψυχὴν ὑπο-
λαβεῖν, εἴπερ τὴν λίθον ἔφη ψυχὴν ἔχειν, ὅτι τὸν σίδηρον κινεῖ.

Sim. (Natur der Seele/Magnetstein) Th 165, Th 221, Th 237 (1.24), Th 301,


Th 323, Th 336, Th 360, Th 422, Th 423, Th 442, Th 495, Th 516, Th 525,
Th 558, Th 578

Th 32
De an. 1.5.411a7–8
Καὶ ἐν τῷ ὅλῳ δέ τινες αὐτὴν [sc. τὴν ψυχήν] μεμῖχθαί φασιν, ὅθεν ἴσως καὶ
Θαλῆς ᾠήθη πάντα πλήρη θεῶν εἶναι.

Sim. (Beseeltheit des Alls/göttliche Wesen) Th  76, Th  126, Th  237 (1.27),
Th 302, Th 340, Th 424, Th 443, Th 517, Th 559, Th 578

Th 33
De inundacione Nili; s. Th 548.
Aristoteles 53

selbe Erklärung hinsichtlich der Erde und hinsichtlich des Wassers, das die
Erde trägt. Denn auch das Wasser bleibt nicht von Natur aus im Schweben,
sondern stützt sich auf etwas. [294b] Außerdem, wie die Luft leichter ist als
Wasser, so ist auch das Wasser leichter als Erde. Wie ist es daher möglich,
dass das Leichtere weiter unterhalb liegt als das von Natur aus Schwerere?
Außerdem, wenn sie [die Erde] wirklich insgesamt von Natur aus auf dem
Wasser zu bleiben in der Lage ist, dann doch offenbar auch ein jeder ihrer
Teile; nun geschieht das offenbar nicht, sondern jeder beliebige Teil wird in
die Tiefe getragen, und zwar um so schneller, je größer er ist.

Th 31
In seiner Seelenlehre mustert und kritisiert Aristoteles die Ansichten seiner
Vorgänger über die Seele. So die Auffassung, die Seele sei ein Bewegendes:

Über die Seele 1.2.405a19–21


Es scheint auch Thales nach dem, was man berichtet,1 die Seele für etwas
Bewegungsfähiges gehalten zu haben, falls er jedenfalls sagte, der [Magnet-]
Stein habe eine Seele, weil er das Eisen bewegt.

Th 32
An späterer Stelle der Kritik wird noch auf einzelne Vorstellungen zum We-
sen der Seele eingegangen und en passant Thales erwähnt:

Über die Seele 1.5.411a7–8


Manche behaupten auch, dass sie [die Seele] mit dem All vermischt sei. Da-
her glaubte vielleicht auch Thales, dass alles voll von Göttern sei.2

Th 33
Die aristotelische Schrift Über die Nilschwelle ist nur in einer lateinischen
Übersetzung erhalten. Darin werden Gegenargumente gegen Thales’ Er-
klärung angebracht, der Nil werde durch die jährlichen Winde angestaut.

1 O’Grady 2002, 17 zieht Alkmaion von Kroton als eine mögliche Quelle für Aristo-
teles’ Bericht in Betracht. Vgl. De An. 1.2.405a29 f.
2 Vgl. Platon, Leges 10.9.899B; Aristoteles, De generatione animalium 3.11.762a21.
Dazu KRS (H) 105, Anm. 16.
54 Aristoteles – Theophrast

Th 34
Fr. 21.1 Gigon = 75 Rose3 [Über Dichter, 3. Buch], s. Th 241 (Diog. Laert.
2.46)

Klytos
Th 35
FHG II 333.3, s. Th 237 (Diog. Laert. 1.25)

Dikaiarch
Th 36
Fr. 32 Wehrli2, s. Th 237 (Diog. Laert. 1.41)

Theophrast
Th 37
583 FHS&G, s. Th 111 (Plu. Sol. 4.7.80E)

Th 38
225 FHS&G; s. Th 409 (Simp. in Ph. 9.23.21–33)
Aristoteles – Theophrast 55

Th 34
Laut Aristoteles polemisierte Pherekydes gegen Thales.

Klytos (Schüler des Aristoteles)1


Th 35
Diogenes Laertios zufolge berichtet Herakleides, dass Klytos gesagt habe,2
Thales sei ein abgeschiedener Einzelgänger gewesen.

Dikaiarch (geb. um 375 v. Chr.)


Th 36
Nach Diogenes Laertios zählt Dikaiarch Thales, Bias, Pittakos und Solon zu
den (unbestrittenen) ‚Sieben Weisen‘.

Theophrast (ca. 371/0–287/6 v. Chr.)


Th 37
Plutarch überliefert, dass Theophrast zufolge der Dreifuß von Bias aus über
Thales zurück an Bias gereicht und schließlich nach Delphi gesandt worden
sei.

Th 38
Simplikios überliefert die Ansicht Theophrasts, schon vor Thales habe es
viele gegeben, die sich mit der Erforschung der Natur befassten; Thales aber
habe sie alle in den Schatten gestellt.

1 Siehe Flashar 2004, 566.


2 Siehe Anm. 1 zu Th 26.
56 Theophrast – Eudemos

Th 39
226A FHS&G; s. Th 410 (Simp. in Ph. 9.24.13–16)

Chamaileon
Th 40
Fr. 2a Wehrli2, s. Th 200 (Clem. Al. Strom. 1.14.60.3)

Demetrios von Phaleron


Th 41
Fr. 149 Wehrli2, s. Th 237 (Diog. Laert. 1.22)

Th 42
Fr. 114 Wehrli2, s. Th 362 (Stob. Ecl. 3.1.172)

Eudemos
Th 43
Fr. 134 Wehrli2, s. Th 384 (Procl. in Euc. 352.14–18)

Th 44
Fr. 135 Wehrli2, s. Th 383 (Procl. in Euc. 299.1–5)
Theophrast – Eudemos 57

Th 39
Anaximander, Nachfolger und Schüler des Thales nach Simplikios/Theo-
phrast.

Chamaileon (2. Hälfte 4. Jh. v. Chr.)


Th 40
Clemens berichtet, nach Chamaileon stamme der Spruch „Erkenne dich
selbst“ von Thales.

Demetrios von Phaleron (ca. 360–280 v. Chr.)


Th 41
Nach dem Zeugnis des Demetrios, auf das Diogenes Laertios sich stützt, kam
es unter dem Archontat des Damasias (582/0 v. Chr.) zur Bezeichnung der
‚Sieben Weisen‘, zu denen auch Thales zählt.

Th 42
Auf Demetrios geht wohl die Zuweisung zahlreicher Aussprüche an Thales
zurück, die Stobaios überliefert.

Eudemos (geb. vor 350 v. Chr.)


Th 43
Proklos überliefert, dass nach Eudemos der Zweite Kongruenzsatz auf Tha-
les zurückgehe, der diesen bei der Berechnung der Schiffe auf dem Meer
angewendet habe.

Th 44
Proklos überliefert, dass nach Eudemos der Satz, dass der Scheitelwinkel
zweier sich schneidender Geraden gleich sei, von Thales entdeckt wurde.
58 Eudemos – Leandr(i)os

Th 45
Fr. 143 Wehrli2, s. Th 203 (Clem. Al. Strom. 1.14.65.1)

Th 46
Fr. 144 Wehrli2, s. Th 237 (Diog. Laert. 1.23)

Th 47
Fr. 145 Wehrli2, s. Th 93 (Heron Def. 138.11), s. Th 167 (Theon Sm. 198
Hiller)

Duris von Samos


Th 48
FGrHist II A 76 F 74, s. Th 237 (Diog. Laert. 1.22)

Phoinix von Kolophon


Th 49
Fr. 4, 234 ed. Powell, s. Th 235 (Ath. Deipn. 11.91.495D)

Leandr(i)os (= Maiandrios ?)
Th 50
FGrHist III B 491–2 F 17, s. Th 202 (Clem. Al. Strom. 1.14.62.1–63.2), s.
Th 327 (Theod. Gr. aff. cur. 1.24)
Eudemos – Leandr(i)os 59

Th 45
Clemens gibt das Zeugnis des Eudemos wieder, dass Thales die Sonnenfins-
ternis bei der Schlacht der Meder gegen die Lyder vorhergesagt habe, von
der auch Herodot berichtet.

Th 46
Diogenes Laertios beruft sich bei dem Bericht, Thales habe als Erster Astro-
nomie betrieben und Sonnenfinsternisse und -wenden vorhergesagt, auf
Eudemos.

Th 47
Nach Theon, der sich auf Derkyllides beruft, sagt Eudemos, Thales habe als
Erster die Verfinsterung der Sonne und ihren abweichenden Umlauf hin-
sichtlich der Solstitien entdeckt.

Duris von Samos (4./3. Jh. v. Chr.)


Th 48
Diogenes Laertios berichtet, Duris und anderen Quellen zufolge stamme
Thales aus hochadeligem phönizischem Geschlecht.

Phoinix von Kolophon (4./3. Jh. v. Chr.)


Th 49
Athenaios überliefert ein Versfragment des Phoinix, dem zufolge Thales als
der Beste unter den Menschen und in der Gestirnkunde der Trefflichste eine
goldene Schale erhalten habe.

Leandr(i)os (= Maiandrios ?, frühhellenistische Zeit)


Th 50
Clemens und Theodoret berichten, nach dem Zeugnis von Leandros und
Herodot sei Thales Phönizier gewesen.
60 Leandr(i)os – Kallimachos

Th 51
FGrHist III B 491–2 F 18, s. Th 237 (Diog. Laert. 1.28–29)

Kallimachos
Th 52
Iambus 1.52–77 = Fr. 191 Pfeiffer
⌊ἔπλευσεν ἐς Μίλητον‧ ἦν γὰρ ἡ νίκη
Θάλητος, ὅς τ᾽ ἦν ἄλλα δεξιὸς γνώμην⌋
καὶ τῆς Ἀμάξης ἐλέγετο σταθμήσασθαι
τοὺς ἀστερίσκους, ᾗ πλέουσι Φοίνικες.
εὗρεν δ᾽ ὁ Προυσέληνο[ς] α̣ἰσίῳ σίττῃ
ἐν τοῦ Δ̣ιδυμέος τὸν γέρ[ο]ντα κωνῄῳ
ξύοντα τὴν γῆν καὶ γράφοντα τὸ σχῆμα,
τοὐξεῦρ᾽ ὁ Φρὺξ Εὔφορβ⌊ος⌋, ὅστις ἀνθρώπων
τρ⌊ίγ⌋ωνα καὶ σκ⌊αληνὰ⌋ πρῶτος ἔγρ⌊α⌋ψε
καὶ κύκλον έπ[...]⌊κἠδίδαξε νηστεύειν
τῶν ἐμπνεό⌊ντων‧ ο⌋ἱ̣ ⌊δ᾽ ἄρ᾽ οὐχ ὑπήκουσαν,
οὐ πάντες, ἀλλ᾽ οὓς εἶχεν ⌊οὕτερος δαίμων.
πρὸς δή [μ]ιν ὧδ᾽ ἔφησε.[
ἐκεῖ[νο] τοὐλόχρυσον ἐξ[ελὼν πήρης‧
‘οὑμὸς πατὴρ ἐφεῖτο τοῦ[το τοὔκπωμα
δοῦ[ναι], τίς ὑμέων τῶν σοφ[ῶν ὀνήιστος
τῶν ἑπτά‧ κἠγὼ σοὶ δίδωμ[ι πρωτῇον.’
ἔτυψε δὲ] σκίπωνι τοὔδα[φος πρέσβυς
καὶ τ]ὴν ὑπήνην τἠτέρῃ [καταψήχων
ἐξεῖπ̣[ε‧] ‘τ̣ὴν δ̣ό̣σιν μὲν [οὐκ ἔγωγ᾽ ἄξω‧
σὺ δ᾽ εἰ̣ [το]κ̣εῶνος μὴ λό[γοις ἀπειθήσεις,
Βίης [‧‧‧‧‧‧‧‧‧‧‧‘]ε̣ ι̣ λ̣[
* . . . . . .
Σόλων‧ ἐκεῖνος δ᾽ ὡς Χίλων᾽ ἀπέστειλεν
. . . . . . .
πάλιν τὸ δῶρον ἐς Θάλητ᾽ ἀνώλισθεν
. . . . . . .
‘Θάλης με τῷ μεδεῦντι Νείλεω δήμου
δίδωσι, τοῦτο δὶς λαβὼν ἀριστῇον.’
Leandr(i)os – Kallimachos 61

Th 51
Auf Leandrios beruht eine abweichende Version der Dreifußepisode, auf
deren Schilderung nach Diogenes Laertios Kallimachos zurückgreift: Eine
Phiale, die reihum wiederholt an Thales gegeben worden sei, habe dieser
dem didymäischen Apoll gesandt.

Kallimachos (zw. 320 u. 302–nach 246 v. Chr.)


Th 52
Der erste Iambus handelt unter anderem davon, wie der Arkader Amphal-
kes den Auftrag seines sterbenden Vaters erfüllt, dem Besten der Sieben Wei-
sen einen goldenen Becher zu überbringen. Von Thales geht der Becher an
Bias und gelangt in der Runde wieder zu Thales zurück. Dieser weiht den
Becher dem Apollon von Didyma mit einer Aufschrift.1

Iambus 1.52–77
Er segelte nach Milet; der Sieg war nämlich
des Thales, der überhaupt von klugem Geiste war
und an dem Wagen2, so sagt man, vermessen hatte
die Sternlein, wonach zur See fahren die Phönizier.
Es fand aber der Vormöndler3 zu günstiger Stunde4
im Tempel des Didymeers5 den Greis, wie er mit einem Griffel
die Erde glättete und die Figur zeichnete,
die der Phryger Euphorbos6 herausgefunden hatte, der von den
Menschen
Dreiecke und Skalenen als Erster zeichnete
und den Kreis [...] und er lehrte, sich zu enthalten
vom [Genuss] belebter Wesen. Die aber gehorchten nicht –
nicht alle, doch die, welche der andere Daimon festhielt.
Zu ihm also sprach er so [...]

1 Siehe auch Scholia ad Fr. 191 Iamb. 1, Dieg. VI 1–19 Pfeiffer.


2 Der kleine Wagen. Vgl. Arat, Phainomena 42–44.
3 Eine Bezeichnung für die Arkader, die sich ihrer alten Herkunft – vor der Entstehung
des Mondes – rühmten.
4 Eigentlich: unter günstigen Vogelzeichen (σίττη = eine Vogelart [Kleiber?]).
5 Apollonheiligtum (Didymaion) bei Milet.
6 Pythagoras, der behauptete, in seinem früheren Leben der Trojakämpfer Euphorbos
gewesen zu sein.
62 Kallimachos – Lobon von Argos

Sim. (Vermessung der Gestirne, Entdecker des Wagens) Th  136, Th  178,
Th 235, Th 231, Th 237 (1.23), Th 387, Th 543, Th 573, Th 574, Th 578,
Th  592; (Auszeichnung des Thales/Umlauf des Dreifußes) Th  83, Th  95,
Th 111, Th 235, Th 237 (1.27 ff.), Th 295, Th 375, Th 379, Th 504, Th 509,
Th 536, Th 539; (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.)

Timon von Phleius


Th 53
Fr. 797 Suppl. Hell. (Diels Fr. B 23), s. Th 237 (Diog. Laert. 1.34)

Aristarch von Samos


Th 54
P. Oxy. 53.3710 col. 2.36–43 (ed. Bowen/Goldstein), s. Th 91 (Komm. zu
Od. 20.156)

Lobon von Argos


Th 55
Fr. 509 Suppl. Hell., s. Th 237 (Diog. Laert. 1.34 = AP 7.83)
Kallimachos – Lobon von Argos 63

jenes solide Gold aus seinem Ranzen nehmend:


„Mein Vater gab den Auftrag, diesen Becher hier
dem zu geben, der von euch Weisen der Beste ist,
von euch den Sieben; und ich gebe ihn dir als ersten Preis.“
Es schlug aber den Stab auf den Boden der Greis,
strich mit der anderen Hand den Bart und
sagte: „Deine Gabe will ich nicht haben
du aber, wenn du den Worten deines Vaters nicht ungehorsam sein
willst, Bias [...]“
Solon; der aber schickte [den Becher] an
Chilon weiter [...]
Wieder zu Thales kehrte das Geschenk zurück [...]
Thales gibt mich dem, der über Neileos’ Volk waltet,1
nachdem er dies zweimal als Siegespreis empfangen hat.

Timon von Phleius (ca. 320/15–230/25 v. Chr.)


Th 53
Diogenes Laertios überliefert einen Vers des Timon als Zeugnis für Thales
als Astronomen.

Aristarch von Samos (etwa 310–230 v. Chr.)


Th 54
Ein Kommentar zu Homers Odyssee auf Papyrus enthält ein Zitat aus Aris-
tarch mit einer Angabe zu Thales’ Erklärung der Sonnenfinsternis.

Lobon von Argos (3. Jh. v. Chr.)


Th 55 und Th 56
Wie Diogenes Laertios sagt, habe Thales nach Lobon etwa 200 Verse verfasst
(Th 237 [1.34]); außerdem überliefert Diogenes Laertios die Aufschrift eines

1 Neileos, der mythische Gründer Milets. Es spricht der gestiftete Becher.


64 Lobon von Argos – Hieronymos von Rhodos

Th 56
Fr. 510 Suppl. Hell., s. Th 237 (Diog. Laert. 1.39 = AP 7.84)

Hermipp von Smyrna

Th 57
Fr. 10 Wehrli = FGrHist cont. IV A 3 1026 F 17, s. Th 112 (Plu. Sol. 6.6.4–
7.3. 81D)

Th 58
Fr. 11 Wehrli = FGrHist cont. IV A 3 1026 F 13, s. Th 237 (Diog. Laert.
1.33)

Th 59
Fr. 6 Wehrli = FGrHist cont. IV A 3 1026 F  10, s. Th  237 (Diog. Laert.
1.42)

Hieronymos von Rhodos


Th 60
Fr. 39 Wehrli2, s. Th 237 (Diog. Laert. 1.26)

Th 61
Fr. 40 Wehrli2, s. Th 237 (Diog. Laert. 1.27)
Lobon von Argos – Hieronymos von Rhodos 65

Standbildes des Thales, die ihn als ehrwürdigsten Astronomen würdigt und
die auf Lobon zurückgeführt wird (ebd.), wie auch eine Grabschrift, die den
Ruhm des Thales hervorhebt (ebd. 1.39).

Hermipp von Smyrna


(„der Kallimacheer“, 3. Jh. v. Chr.)
Th 57
Bei Plutarch wird von einem Gespräch zwischen Solon und Thales berichtet,
bei dem Thales die Trauer Solons über den vermeintlichen Tod seines Sohnes
als Argument für seine eigene Kinderlosigkeit anführt, eine Erzählung, die
Plutarch zufolge letztendlich auf Hermipp (bzw. Pataikos) zurückgeht.

Th 58
Nach Diogenes Laertios schreibt Hermipp dem Thales die sonst zuweilen So-
krates zugewiesene Aussage zu, er sei für dreierlei Dinge dankbar, nämlich
als Mensch und als Mann geboren zu sein, außerdem Hellene zu sein.

Th 59
Diogenes Laertios zufolge nennt Hermipp Thales als einen von 17 Weisen.

Hieronymos von Rhodos (ca. 290–230 v. Chr.)


Th 60
Laut Diogenes Laertios berichtet Hieronymos, Thales habe als Beweis da-
für, dass auch ein Weiser reich werden könne, in Voraussicht auf eine reiche
Olivenernte Ölpressen gemietet und großen Gewinn gemacht.

Th 61
Diogenes Laertios führt Hieronymos als Gewährsmann dafür an, dass Tha-
les Pyramiden anhand ihres Schattens vermessen habe.
66 T. Maccius Plautus

T. Maccius Plautus
Th 62
Captivi 274–276 (ed. Lindsay)
TYN. Eugepae! Thalem talento non emam Milesium,
nam ad sapientiam huiius nimius nugator fuit.
ut facete orationem ad seruitutem contulit!

Sim. Th 63, Th 64

Th 63
Rudens 997–1006 (ed. Fay)
TR Quo colore est?
GR hoc colore capiuntur pauxilluli;
sunt alii puniceo corio, magni autem; atque atri.
TR scio.
tu hercle, opino, in vidlum piscem te convortes, nisi caves:
fiet tibi puniceum corium, postea atrum denuo.
GR quod scelus hodie hoc inveni!
TR verba facimus; it dies.
vide, sis, quoiius arbitratu nos vis facere.
GR viduli
arbitratu.
TR itane?
GR ita enim vero.
TR stultus es.
GR salue, Thales.
TR tu istunc hodie non feres, nisi das sequestrum aut arbitrum,
quoiius haec res arbitratu fiat.
GR quaeso, sanun’ es?
TR elleborosus sum.

Sim. Th 62
T. Maccius Plautus 67

T. Maccius Plautus (geb. um 250 v. Chr.)


Th 62
Nicht nur in der griechischen Komödie (siehe oben Aristophanes, Th  18),
sondern auch in der römischen Komödie konnte ‚Thales‘ als Prototyp eines
klugen Menschen gelten. So preist in den Captivi der Sklave Tyndarus seinen
Herrn Philocrates für dessen Fähigkeit, einen Sklaven zu mimen:

Die Gefangenen 274–276


Gut so! Nicht für ein Talent würde ich Thales von Milet erwerben,
denn gegen dieses Mannes Weisheit war er nur ein arger Schwätzer.
Geschickt hat er seine Rede dem Sklavenstand angepasst.1

Th 63
Das Seil 997–1006
Den Vorwurf des Sklaven Trachalio an den Sklaven Gripus, „Du bist wahr-
haftig dumm“, repliziert dieser mit einem ironischen „Gruß dir, [weiser]
Thales“.

1 Ein Talent wäre ein geringer Preis für einen Thales. Jedoch wäre ein so günstiger
Thales nichts im Vergleich zu Philocrates für das gleiche Geld.
68 T. Maccius Plautus – Apollodor

Th 64
Bacchides 120–124 (ed. Barsby)
LY. An deus est ullus Suauisauiatio?
PI. an non putasti esse umquam? o Lyde, es barbarus;
quem ego sapere nimio censui plus quam Thalem,
is stultior es barbaro poticio,
qui tantus natu deorum nescis nomina.

Sim. Th 62

Hippobotos
Th 65
Fr. 6 Gigante, s. Th 237 (Diog. Laert. 1.42)

Sosikrates
Th 66
FHG IV 501.10, s. Th 237 (Diog. Laert. 1.38)

Apollodor
Th 67
FGrHist II B 244 F 28, s. Th 237 (Diog. Laert. 1.37)
T. Maccius Plautus – Apollodor 69

Th 64
Die beiden Bacchides 120–124
Pistoclerus tadelt seinen Pädagogen Lydus, den er für weiser als Thales ge-
halten habe.

Hippobotos (tätig gg. Ende 3. Jh. v. Chr.)


Th 65
Laut Diogenes Laertios wird Thales mit im Philosophenverzeichnis des Hip-
pobotos aufgeführt.

Sosikrates (Akmé Anfang 2. Jh. v. Chr.)


Th 66
Sosikrates gibt, wie Diogenes Laertios sagt, das Todesalter des Thales mit 90
Jahren an.

Apollodor (um 180–um 110 v. Chr.)


Th 67
Nach Diogenes Laertios überliefert Apollodor als Geburtsjahr des Thales das
erste Jahr der 39. Olympiade (624 v. Chr.).
70 Antipatros von Sidon – M. Terentius Varro

Antipatros von Sidon


Th 68
AP 7.81
Ἑπτὰ σοφῶν, Κλεόβουλε, σὲ μὲν τεκνώσατο Λίνδος‧
φατὶ δὲ Σισυφία χθὼν Περίανδρον ἔχειν‧
Πιττακὸν ἁ Μιτυλᾶνα‧ Βίαντα δὲ δῖα Πριήνη‧
Μίλητος δὲ Θαλῆν, ἄκρον ἔρεισμα Δίκας‧
ἁ Σπάρτα Χίλωνα‧ Σόλωνα δὲ Κεκροπὶς αἶα,
πάντας ἀριζάλου σωφροσύνας φύλακας.

Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w.s.)

M. Terentius Varro
Th 69
Res rusticae 2.1.3 (ed. Flach)
Cum accepissem condicionem et meae partes essent primae [...] »Igitur«,
inquam, »et homines et pecudes cum semper fuisse sit necesse natura – sive
enim aliquod fuit principium generandi animalium, ut putavit Thales Mile-
sius et Zeno Citieus, sive contra principium horum extitit nullum, ut credi-
dit Pythagoras Samius et Aristoteles Stagerites – necesse est humanae uitae
a summa memoria gradatim descendisse ad hanc aetatem, ut scribit Dicae-
archus, et summum gradum fuisse naturalem, cum viverent homines ex his
rebus, quae inviolata ultro ferret terra.«
Antipatros von Sidon – M. Terentius Varro 71

Antipatros von Sidon (2.–1. Jh. v. Chr.)


Th 68
Antipatros von Sidon, AP 7.81
Von den Weisen, den sieben, kamst du, Kleobulos, aus Lindos,
und des Sisyphos Land nennt Periandros als Sohn.
Pittakos hat Mytilene, und Bias die hehre Priëne,
Thales dagegen Milet, Dikes erhabene Burg,
Cheilon Sparta, und Solon des Kekrops Erde als Heimat:
alle waren zur Hut herrlicher Weisheit gesetzt.1

M. Terentius Varro (116–27 v. Chr.)


Th 69
Die Landwirtschaft 2.1.3
Da ich den Vorschlag angenommen hatte, die beiden ersten Teile zu überneh-
men [nämlich über Ursprung und Ansehen der Viehzucht zu sprechen] [...],
sagte ich: „Da es also notwendigerweise von Natur aus immer Menschen
und Vieh gegeben haben muss – sei es nämlich, dass es irgendein Prinzip
der Entstehung der Lebewesen gab, wie es Thales aus Milet und Zenon
von Kition glaubten, sei es, dass im Gegenteil kein Prinzip dafür existierte,
wie es Pythagoras aus Samos annahm und Aristoteles aus Stageira – muss
die menschliche Lebensweise von der Stufe an, zu der die früheste Erinne-
rung reicht, schrittweise zu unserer Zeit hinabgestiegen sein, wie Dikaiarch
schreibt, und muss die früheste Stufe die natürliche gewesen sein, als die
Menschen von den Dingen lebten, die die Erde unverletzt von sich aus
trug.“

1 Übersetzung Beckby AP 7/8, 1957.


72 M. Tullius Cicero

M. Tullius Cicero
Th 70
De oratore 3.137 (ed. Wilkins)
Sed ut ad Graecos referam orationem, quibus carere hoc quidem in sermo-
nis genere non possumus – nam ut virtutis a nostris, sic doctrinae sunt ab
illis exempla petenda – septem fuisse dicuntur uno tempore, qui sapientes
et haberentur et vocarentur: hi omnes praeter Milesium Thalen civitatibus
suis praefuerunt.

Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th  20 (w.s.); (Politische Tätigkeit)
Th 21 (w. s.)

Th 71
Academica priora sive Lucullus 118 (ed. Plasberg)
Princeps Thales unus e septem, cui sex reliquos concessisse primas ferunt, ex
aqua dixit constare omnia. at hoc Anaximandro populari et sodali suo non
persuasit; is enim infinitatem naturae dixit esse e qua omnia gignerentur.
post eius auditor Anaximenes infinitum aera, sed ea quae ex eo orerentur
definita; gigni autem terram aquam ignem, tum ex iis omnia.

Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.)

Th 72
De natura deorum 1.25–26 (ed. Pease)
Thales enim Milesius, qui primus de talibus rebus quaesivit, aquam dixit
esse initium rerum, deum autem eam mentem quae ex aqua cuncta fingeret
(si dei possunt esse sine sensu). Et mentem cur aquae adiunxit, si ipsa mens
constare potest vacans corpore? Anaximandri autem opinio est nativos esse
deos longis intervallis orientis occidentisque, eosque innumerabilis esse
mundos. [26] Sed nos deum nisi sempiternum intellegere qui possumus?
Post Anaximenes aera deum statuit, eumque gigni esseque inmensum et
infinitum et semper in motu; quasi aut aer sine ulla forma deus esse possit,
cum praesertim deum non modo aliqua sed pulcherrima specie deceat esse,
aut non omne quod ortum sit mortalitas consequatur.
M. Tullius Cicero 73

M. Tullius Cicero (106–43 v. Chr.)


Th 70
Das Lob der universalen Bildung als Grundlage der Beredsamkeit.

Über den Redner 3.137


Aber um auf die Griechen zurückzukommen, auf die wir jedenfalls bei einem
solchen Vortrag nicht verzichten können – denn wie man die Beispiele für
Tüchtigkeit bei den Unseren suchen muss, so für die Gelehrsamkeit bei je-
nen: Es sollen sieben Männer zu ein und derselben Zeit gelebt haben, die
man für weise hielt und auch so nannte. Alle standen sie mit Ausnahme des
Thales aus Milet an der Spitze ihrer Staaten.1

Th 71
Hinsichtlich der Prinzipien aller Dinge besteht große Uneinigkeit.

Lucullus 118
Am Anfang steht Thales, einer der Sieben Weisen – die sechs Übrigen sollen
ihm die führende Rolle eingeräumt haben –, der sagte, dass alles aus Wasser
bestehe. Aber hierin überzeugte er seinen Landsmann und Gefährten Ana-
ximander nicht; dieser nämlich sagte, es gebe eine Unendlichkeit der Natur,
aus der alles entstehe. Nach ihm hat sein Schüler Anaximenes behauptet,
dass die Luft unbestimmt, aber das, was aus ihr entstehe, bestimmt sei: Es
entstehe aber Erde, Wasser, Feuer, und dann daraus alles andere.

Th 72
In De natura deorum 1.25–42 expliziert der Epikureer Velleius 27 verschie-
dene Theologien von Thales bis ins 2. Jahrhundert v. Chr.2

Über das Wesen der Götter 1.25–26


Thales von Milet, der sich als Erster mit solchen Gegenständen beschäftigte,
sagte, dass das Wasser der Anfang der Dinge sei, Gott aber der Geist, der aus
dem Wasser alles bilde (wenn Götter ohne Empfindung existieren können).

1 Vgl. Th 21.
2 Zur Quellenfrage und zur Frage der Wirkung der Liste Ciceros auf spätere Autoren
(Minucius Felix, Lactantius, Augustinus) siehe Gigon/Straume-Zimmermann 1996,
345 ff.
74 M. Tullius Cicero

Sim. (Gott [als Geist des Kosmos]) Th 149, Th 186, Th 229, Th 254, Th 272,
Th 338, Th 340, Th 375, Th 393, Th 458, Th 475, Th 485, Th 499, (vgl. aber
Th 311); (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 73
De nat. deor. 1.91–92
Etenim enumerasti memoriter et copiose, ut mihi quidem admirari luberet
in homine esse Romano tantam scientiam, usque a Thale Milesio [Th 72] de
deorum natura philosophorum sententias. [92] Omnesne tibi illi delirare visi
sunt qui sine manibus et pedibus constare deum posse decreverint? Ne hoc
quidem vos movet considerantis, quae sit utilitas quaeque oportunitas in
homine membrorum, ut iudicetis membris humanis deos non egere?

Th 74
De re publica 1.21–22 (ed. Ziegler)
Cuius ego sphaerae cum persaepe propter Archimedi gloriam nomen audis-
sem, speciem ipsam non sum tanto opere admiratus; erat enim illa venustior
et nobilior in volgus, quam ab eodem Archimede factam posuerat in templo
Virtutis Marcellus idem. [22] sed posteaquam coepit rationem huius operis
scientissime Gallus exponere, plus in illo Siculo ingenii quam videretur na-
tura humana ferre potuisse iudicavi fuisse. dicebat enim Gallus sphaerae
illius alterius solidae atque plenae vetus esse inventum, et eam a Thalete
Milesio primum esse tornatam, post autem ab Eudoxo Cnidio, discipulo ut
ferebat Platonis, eandem illam astris quae caelo inhaererent esse descriptam;
[...] hoc autem sphaerae genus, in quo solis et lunae motus inessent et earum
quinque stellarum quae errantes et quasi vagae nominarentur, in illa sphaera
solida non potuisse finiri, [...].
M. Tullius Cicero 75

Und warum hat er den Geist mit dem Wasser verknüpft, wenn doch der
Geist allein ohne Körper bestehen kann? Die Meinung Anaximanders aber
ist, dass die Götter geboren werden und in langen Zeitabständen1 auf- und
untergehen, und dass sie unzählige Welten seien. [26] Doch können wir
uns Gott anders als ewig vorstellen? Nach ihm hat Anaximenes behauptet,
dass die Luft Gott sei und dass sie entstehe und unermesslich und unbe-
stimmt und in steter Bewegung sei: als ob entweder Gott gestaltlose Luft
sein könnte, zumal doch gerade Gott nicht nur von irgendeiner, sondern
von der schönsten Erscheinung sein muss, oder als ob nicht alles, was ent-
steht, der Sterblichkeit anheim fiele.

Th 73
Über das Wesen der Götter 1.91–92
Jetzt hast du aus dem Gedächtnis und in Ausführlichkeit – ich jedenfalls
muss mich über eine so große Kenntnis bei einem Römer wundern – die An-
sichten der Philosophen, angefangen bei Thales von Milet (Th 72), über die
Natur der Götter aufgezählt. [92] Sind dir alle von Sinnen erschienen, die zur
Ansicht gelangten, dass Gott ohne Hände und Füße bestehen könne? [...]

Th 74
Im ersten Buch von Ciceros De re publica berichtet einer der Gesprächsteil-
nehmer, L. Furius Philus, wie einst Sulpicius Gallus im Hause des Marcus
Marcellus mit Hilfe der Himmelskugel des Archimedes, die der Großvater
des Marcellus aus Syrakus mitgenommen hatte, das Phänomen einer Dop-
pelsonne erläutert habe:

Über den Staat 1.21–22


Obwohl ich den Namen dieser Himmelskugel wegen des Ruhmes des Ar-
chimedes sehr oft gehört hatte, bewunderte ich ihren Anblick selber nicht so
sehr; es war nämlich jene hübscher und edler für das Allgemeinverständnis,
die von demselben Archimedes hergestellt worden war und die derselbe
Marcellus im Tempel der Virtus aufgestellt hatte. [22] Aber als Gallus äu-
ßerst kundig den Sinn dieses Werkes zu erklären begonnen hatte, kam ich
zu dem Urteil, dass mehr Geist in jenem Sizilier gewesen sei, als dass Men-

1 Zur Frage, ob longis intervallis zeitlich oder räumlich zu verstehen ist, siehe Kahn
1960, 47 f.; Conche 1991, 104.
76 M. Tullius Cicero

Th 75
Rep. 1.25
Erat enim tum haec nova et ignota ratio, solem lunae oppositu solere defi-
cere, quod Thaletem Milesium primum vidisse dicunt.

Sim. (Sonnenfinsternis) Th 10 (w. s.)

Th 76
De legibus 2.26 (ed. Ziegler)
Adfert enim haec opinio religionem utilem civitatibus, si quidem et illud
bene dictum est a Pythagora doctissimo viro, tum maxume et pietatem et
religionem versari in animis, cum rebus divinis operam daremus, et quod
Thales qui sapientissimus in septem fuit, homines existimare oportere, om-
nia !quae" cernerent deorum esse plena; fore enim omnis castioris, veluti
quom in fanis essent maxime religiosis. Est enim quaedam opinione species
deorum in oculis, non solum in mentibus.

Sim. (Beseeltheit des Alls) Th 32 (w. s.); (Thales, einer der Sieben Weisen)
Th 20 (w. s.)

Th 77
De divinatione 1.111–112 (ed. Ax)
Rarum est quoddam genus eorum qui se a corpore avocent et ad divinarum
rerum cognitionem cura omni studioque rapiantur: horum sunt auguria non
divini impetus sed rationis humanae; nam et natura futura praesentiunt, ut
aquarum eluviones et deflagrationem futuram aliquando caeli atque terra-
rum; alii autem in re publica exercitati, ut de Atheniensi Solone accepimus,
M. Tullius Cicero 77

schennatur ihn scheinbar hätte hervorbringen können. Gallus sagte näm-


lich, die Erfindung jener anderen festen und vollen Himmelskugel sei alt,
und zwar sei sie von Thales von Milet zum ersten Mal gedrechselt worden,1
danach aber sei von Eudoxos von Knidos, einem Schüler Platons, wie er
meinte, eben jene mit den Gestirnen und Sternen, die am Himmel haften,
bemalt worden [...]. Diese Art von Himmelskugel aber, auf der die Bewe-
gungen der Sonne und des Mondes wären und derjenigen fünf Sterne, die
die irrenden und gleichsam wandelnden genannt würden, hätte auf jener
festen Himmelskugel nicht abgegrenzt werden können [...].

Th 75
Über den Staat 1.25
Damals war nämlich diese Erklärung neu und unbekannt, dass die Sonne
durch das Dazwischentreten des Mondes sich zu verfinstern pflege. Man
sagt, dass Thales aus Milet dies zuerst beobachtet habe.

Th 76
Gesetze 2.26
Es bringt nämlich diese Ansicht [dass die Götter in den Städten Heiligtümer
haben müssten] eine den Städten nützliche Achtung vor den Göttern bei,
sofern es ein guter Ausspruch des hochgelehrten Pythagoras ist, dass eine
fromme Achtung vor den Göttern vor allem dann in den Herzen walte,
wenn wir uns dem Gottesdienst widmeten, und sofern zutrifft, was Tha-
les, der Weiseste unter den Sieben, behauptete, dass die Menschen glauben
müssten, alles, was sie sähen, sei voller Götter; dann lebten nämlich alle
Menschen in größerer Reinheit, als ob sie sich an besonders heiligen Stät-
ten aufhielten. Es gibt nämlich nach allgemeiner Meinung eine in gewisser
Weise sichtbare Gestalt der Götter für die Augen, nicht nur für den Geist.

Th 77
Über die Weissagung 1.111–112
Die Fähigkeit bestimmter Männer, Naturereignisse oder politische Umwäl-
zungen vorherzusehen. [...] Solche Männer können wir ‚vorbedacht‘, das
heißt ‚voraussehend‘ nennen. ‚Prophetisch‘ können wir sie auf keine Weise

1 Vgl. Diog. Laert. Vit. Phil. 2.2 (von Anaximander).


78 M. Tullius Cicero – Nikolaos von Damaskus

orientem tyrannidem multo ante prospiciunt; quos prudentes possumus di-


cere id est providentes, divinos nullo modo possumus, non plus quam Mile-
sium Thalem, qui ut obiurgatores suos convinceret ostenderetque etiam phi-
losophum si ei commodum esset pecuniam facere posse, omnem oleam ante
quam florere coepisset in agro Milesio coemisse dicitur: [112] animadverterat
fortasse quadam scientia olearum ubertatem fore. et quidem idem primus
defectionem solis, quae Astyage regnante facta est, praedixisse fertur.

Sim. (Miete der Ölpressen) Th 28 (w. s.); (Sonnenfinsternis) Th 10 (w. s.)

Th 78
Div. 2.58
Sanguine[m] pluisse senatui nuntiatum est, Atratum etiam fluvium fluxisse
sanguine[m], deorum sudasse simulacra. num censes his nuntiis Thalen aut
Anaxagoran aut quemquam physicum crediturum fuisse? nec enim sanguis
nec sudor nisi e corpore. sed et decoloratio quaedam ex aliqua contagione
terrena maxume potest sanguini similis esse, et umor adlapsus extrinsecus,
ut in tectoriis videmus austro, sudorem videtur imitari.

Nikolaos von Damaskus


Th 79
FGrHist II A 90 F 68, s. Th 503 (Konst. Porph. Virt. 1.348.21–22)
M. Tullius Cicero – Nikolaos von Damaskus 79

nennen, jedenfalls nicht mehr als Thales von Milet. Der soll, um seine Kri-
tiker zu widerlegen und zu erweisen, dass sogar ein Philosoph, wenn er nur
wolle, Geld machen könne, die ganze Ölbaumernte in Milet vor der Blüte
aufgekauft haben. [112] Er hatte vielleicht aus einer gewissen Kenntnis her-
aus bemerkt, dass es eine reiche Ölbaumernte geben werde. Er soll übrigens
auch als Erster die Sonnenfinsternis vorausgesagt haben, die während der
Regierungszeit des Astyages stattfand.

Th 78
Über die Weissagung 2.58
Dem Senat wurde berichtet, dass es Blut geregnet habe, dass sogar der Fluss
Atratus von Blut geströmt habe und dass die Götterbilder Schweiß ver-
gossen hätten. Glaubst du etwa, dass ein Thales oder Anaxagoras oder ir-
gendein anderer Naturphilosoph dem Glauben geschenkt hätte? Blut und
Schweiß gibt es nur bei [lebendigen] Körpern. Aber auch die Verfärbung,
die bei einer bestimmten Mischung von Erde [und Wasser] entsteht, kann
Blut sehr ähnlich sein, und die an die Außenseite gelangte Feuchtigkeit, wie
wir das bei Südwind an den getünchten Wänden sehen, scheint Schweiß
nachzuahmen.

Nikolaos von Damaskus (geb. ca. 64 v. Chr.)


Th 79
In einem durch Konstantin Porphyrogennetos erhaltenen Auszug aus den
Historien des Nikolaos von Damaskus wird berichtet, wie Kroisos auf dem
Scheiterhaufen von einem Gewitterregen, den Thales vorhergesehen habe,
gerade noch gerettet wird.
80 Strabon – Diodorus Siculus

Strabon
Th 80
Geographica 1.1.11 (ed. Radt)
Φανερῶς [δὲ κα]ὶ οἱ ἐπακολουθήσαντες αὐτῷ ἄνδρες ἀξιόλογοι [καὶ]
οἰκεῖοι φιλοσοφίας. ὧν τοὺς πρώτους μεθ᾽ Ὅ[μηρο]ν δύο φησὶν Ἐρατο-
σθένης, Ἀναξίμανδρόν τε — Θαλοῦ [γεγο]νότα γνώριμον καὶ πολίτην —
καὶ Ἑκαταῖον τὸν Μιλή[σιο]ν‧ τὸν μὲν οὖν ἐκδοῦναι πρῶτον γεωγραφικὸν
[πίνα]κα, τὸν δὲ Ἑκαταῖον καταλιπεῖν γράμμα πιστού[μενο]ν ἐκείνου
εἶναι ἐκ τῆς ἄλλης αὐτοῦ γραφῆς.

Th 81
Geog. 14.1.7
Ἄνδρες δ᾽ ἄξιοι μνήμης ἐγένοντο ἐν τῇ Μιλήτῳ Θαλῆς τε εἷς τῶν Ἑπτὰ
σοφῶν, ὁ πρῶτος φυσιολογίας ἄρξας ἐν τοῖς Ἕλλησι καὶ μαθηματικῆς, καὶ
ὁ τούτου μαθητὴς Ἀναξίμανδρος καὶ ὁ τούτου πάλιν Ἀναξιμένης· ἔτι δ᾽
Ἑκαταῖος [...].

Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.); (Urheber der Naturphi-
losophie und Mathematik/Geometrie) Th 92, Th 178, Th 237 (1.24), Th 252,
Th 265, Th 338, Th 380

Diodorus Siculus
Th 82
Bibliotheca historica 1.38.1–2 (ed. Bertrac)
Ἐπειδὴ δὲ περὶ τῶν πηγῶν καὶ τῆς ῥύσεως αὐτοῦ διεληλύθαμεν, πει-
ρασόμεθα τὰς αἰτίας ἀποδιδόναι τῆς πληρώσεως. [1.38.2] Θαλῆς μὲν οὖν,
εἷς τῶν ἑπτὰ σοφῶν ὀνομαζόμενος, φησὶ τοὺς ἐτησίας ἀντιπνέοντας ταῖς
ἐκβολαῖς τοῦ ποταμοῦ κωλύειν εἰς θάλατταν προχεῖσθαι τὸ ῥεῦμα, καὶ
διὰ τοῦτ᾽ αὐτὸν πληρούμενον ἐπικλύζειν ταπεινὴν οὖσαν καὶ πεδιάδα τὴν
Αἴγυπτον.

Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th  20 (w.  s.); (Nilschwelle) Th  13
(w. s.)
Strabon – Diodorus Siculus 81

Strabon (vor 62 v. Chr.–zw. 23 u. 25 n. Chr.)


Th 80
Geographiebücher 1.1.11
[...] Eratosthenes sagt, die zwei Ersten [Geographen] nach Homer seien
Anaximander, ein Bekannter und Mitbürger des Thales, und der Milesier
Hekataios gewesen: Der eine habe als Erster eine geographische Karte he-
rausgegeben, Hekataios aber habe ein Schriftstück1 hinterlassen, das zufolge
seiner sonstigen Schrift2 verlässlich sein Werk sei.

Th 81
Geographiebücher 14.1.7
Erinnerungswürdige Männer waren in Milet Thales, einer der Sieben Wei-
sen, der Archeget der Naturphilosophie und Mathematik bei den Griechen,
sein Schüler Anaximander und wiederum dessen Schüler Anaximenes; au-
ßerdem noch Hekataios [...].

Diodorus Siculus (vor 60–nach 36 v. Chr.)


Th 82
Historische Bibliothek 1.38.1–2
Die Ursachen der Nilschwelle. [...] Thales, einer der Sieben Weisen, sagt,
dass die Etesien, die der Mündung des Flusses entgegenwehen, den Fluss
daran hindern, sich ins Meer zu ergießen. Daher überschwemme er in seiner
Fülle das niedrig liegende, flache Ägypten.

1 γράμμα im Gegensatz zum πίναξ des Anaximander. Vgl. Conche 1991, 25 f., Anm. 3.
2 Der Περιήγησις oder Γῆς περίοδος.
82 Diodoros Siculus – Marcus V. Vitruvius

Th 83
Bibl. Hist. 9.3.3
Ὅτι οἱ Μιλήσιοι ἀκολουθῆσαι βουλόμενοι τῷ χρησμῷ Θάλητι τῷ Μιλη-
σίῳ [τῶν ἑπτὰ σοφῶν] τὸ ἀριστεῖον ἐβούλοντο δοῦναι τὸν δ᾽ εἰπεῖν ὡς οὐκ
ἔστι πάντων σοφώτατος, συμβουλεύειν δὲ πρὸς ἕτερον πέμπειν σοφώτε-
ρον. τούτῳ δὲ τῷ τρόπῳ καὶ τῶν ἄλλων τῶν ἑπτὰ σοφῶν ἀποποιησα-
μένων τὸν τρίποδα Σόλωνι δίδοσθαι δοκοῦντι πάντας ἀνθρώπους ὑπερ-
βεβλῆσθαι σοφίᾳ τε καὶ συνέσει. τὸν δὲ συμβουλεῦσαι τοῦτον ἀναθεῖναι
Ἀπόλλωνι‧ τοῦτον γὰρ εἶναι σοφώτερον πάντων.

Sim. (Auszeichnung des Thales/Umlauf des Dreifußes) Th 52 (w. s.); (Tha-


les, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.)

Didymos Chalkenteros
Th 84
Symp. Fr. 4 Schmidt, s. Th 201 (Clem. Al. Strom. 1.14.61.2–3)

Marcus V. Vitruvius
Th 85
De architectura 2.2.1 (ed. Callebat)
Thales primum aquam putauit omnium rerum esse principium. Heraclitus
Ephesius, qui propter obscuritatem scriptorum a Graecis Σκοτεινός est ap-
pellatus, ignem; Democritus quique est eum secutus Epicurus atomos, quas
nostri insecabilia corpora, nonnulli indiuidua uocitauerunt.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 86
Arch. 7. praef. 1–2 (ed. Liou/Zuinghedau)
Maiores cum sapienter tum etiam utiliter instituerunt per commentari-
orum relationes cogitata tradere posteris, ut ea non interirent, sed singulis
aetatibus crescentia uoluminibus edita gradatim peruenirent uetustatibus ad
Diodoros Siculus – Marcus V. Vitruvius 83

Th 83
Historische Bibliothek 9.3.3
Die Milesier wollten den Siegespreis der höchsten Weisheit Thales verleihen.
Nach dessen Ablehnung gelangt er zu allen Sieben Weisen und zu Solon, der
ihn dem Apollon zu weihen rät.

Didymos Chalkenteros (2. Hälfte 1. Jh. v. Chr.)


Th 84
Nach Clemens weist Didymos den Spruch „Bürge, und schon ist das Unheil
da“ dem Thales zu.

Marcus V. Vitruvius (Ende 1. Jh. v. Chr.)


Th 85
Über Architektur 2.2.1
Die Ansichten der Naturphilosophen über die Grundstoffe, Thales’ Wasser.

Th 86
Über Architektur 7. Vorwort 1–2
Ohne die schriftliche Überlieferung der Alten, der maiores, wüssten wir
nichts über die Vergangenheit, auch nicht, welche Ansicht Thales und andere
Naturphilosophen über die Natur der Dinge gehabt haben.
84 Marcus V. Vitruvius

summam doctrinarum subtilitatem. Itaque non mediocres sed infinitae sunt


his agendae gratiae quod non inuidiose silentes praetermiserunt, sed om-
nium generum sensus conscriptionibus memoriae tradendos curauerunt. [2]
Namque si non ita fecissent, non potuissemus scire quae res in Troia fuissent
gestae, nec quid Thales, Democritus, Anaxagoras, Xenophanes reliquique
physici sensissent de rerum natura, quasque Socrates, Platon, Aristoteles,
Zenon, Epicurus aliique philosophi hominibus agendae uitae terminationes
finissent, seu Croesus, Alexander, Darius ceterique reges quas res aut quibus
rationibus gessissent, fuissent notae, nisi maiores praeceptorum comparati-
onibus omnium memoriae ad posteritatem commentariis extulissent.

Th 87
Arch. 8. praef. 1 (ed. Callebat)
De septem sapientibus Thales Milesius omnium rerum principium aquam
est professus, Heraclitus ignem, Magorum sacerdotes aquam et ignem, Eu-
ripides, auditor Anaxagorae, quem philosophum Athenienses scaenicum
appellauerunt, aera et terram [...].

Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.); (Prinzip Wasser) Th 29
(w. s.)

Th 88
Arch. 9.6.3 (ed. Soubiran)
De naturalibus autem rebus Thales Milesius, Anaxagoras Clazomenius,
Pythagoras Samius, Xenophanes Colophonius, Democritus Abderites rati-
ones, quibus e rebus natura rerum gubernare[n]tur quemadmodumcumque
effectus habeat, excogitatas reliquerunt.

Sim. (Schrift) Th 108, Th 117, Th 184, Th 191, Th 237 (1.23), Th 263, Th 300,
Th 311, Th 314, Th 409, Th 422, Th 442, Th 461, Th 495, Th 501
Marcus V. Vitruvius 85

Th 87
Über Architektur 8. Vorwort 1
Thales, einer der Sieben Weisen, erklärte das Wasser zum Prinzip.

Th 88
Über Architektur 9.6.3
Thales von Milet, Anaxagoras aus Klazomenai, Pythagoras aus Samos, Xe-
nophanes aus Kolophon und Demokrit aus Abdera haben ausgearbeitete
naturphilosophische Theorien hinterlassen, die erklären, wie und mit wel-
chen Wirkungen die Natur gesteuert wird.
86 Anonymus – Corpus Hermeticum

Anonymus
(Antipatros von Thessalonike ?)
Th 89
AP 9.366 (Beckby)
Ἑπτὰ σοφῶν ἐρέω κατ᾽ ἔπος πόλιν, οὔνομα, φωνήν.
„Μέτρον“ μὲν Κλεόβουλος ὁ Λίνδιος εἶπεν „ἄριστον“‧
Χίλων δ᾽ ἐν κοίλῃ Λακεδαίμονι‧ „Γνῶθι σαυτόν‧ “
ὃς δὲ Κορίνθον ἔναιε „Χόλου κρατέειν“ Περίανδρος‧
Πιττακὸς „Οὐδὲν ἄγαν,“ ὃς ἔην γένος ἐκ Μυτιλήνης‧
„Τέρμα δ᾽ ὁρᾶν βιότοιο“ Σόλων ἱεραῖς ἐν Ἀθήναις.
„Τοὺς πλέονας κακίους“ δὲ Βίας ἀπέφηνε Πριηνεύς.
„Ἐγγύην φεύγειν“ δὲ Θαλῆς Μιλήσιος ηὔδα.

Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.); (Spruchweisheit) Th 90,
Th 96, Th 119, Th 121, Th 125, Th 128, Th 154, Th 200, Th 201, Th 207,
Th 237 (1.35 f.), Th 290, Th 294, Th 295, Th 339, Th 341, Th 342, Th 351,
Th 362, Th 363, Th 365, Th 371, Th 385, Th 386, Th 471, Th 495, Th 501,
Th 510, Th 511, Th 525, Th 552, Th 564, Th 568, Th 578, Th 581
Vgl. Th 68, Th 137, Th 294.

Corpus Hermeticum
Th 90
Fr. 28.1 Nock/Festugière (= Stob. 1.1.29a, vol. I, 34 Wachsmuth 1954
[= Th 339])
Θαλῆς ἐρωτηθείς, Τί πρεσβύτατον τῶν ὄντων; ἀπεκρίνατο‧ Θεός, ἀγέν-
νητον γάρ.

Sim. (Spruchweisheit) Th 89 (w.s.)


Anonymus – Corpus Hermeticum 87

Anonymus
(Antipatros von Thessalonike ?, um Chr. Geburt)
Th 89
Für das Gedicht über die Sieben Weisen, das in den Scholien zu Platons
Protagoras 343A (Greene) überliefert und in die Anthologia Palatina auf-
genommen ist, wird Antipatros als Verfasser angenommen.

Anthologia Palatina 9.366 (Aussprüche der Sieben Weisen)


Hört von den sieben Weisen im Vers Wort, Heimat und Namen:
Kleobulos von Lindos verkündete: „Maß ist das Beste,“
doch „Erkenne dich selbst“ sprach Chilon im Tale von Sparta,
und Periandros befahl in Korinthos: „Bezähme den Zornmut,“
Pittakos von Mytilene ermahnte: „Alles mit Maßen,“
Solon im heiligen Athen sprach: „Schau auf das Ende des Lebens,“
Bias entschied in Priene: „Die Mehrheit sind immer die Schlechten,“
und „Vermeide die Bürgschaft“ gebot der Milesier Thales.1

Corpus Hermeticum (1.–3. Jh. n. Chr.)


Th 90
Fragment 28.1
Thales antwortete auf die Frage, was das Älteste der seienden Dinge sei:
„Gott; denn er ist ungeworden“ (vgl. Th 121; Th 237 [Diog. Laert. 1.35];
Th 339; Th 564 [320a]).

1 Übersetzung: Beckby AP 9, 1958.


88 Kommentar zum 20. Buch von Homers Odyssee – Heron

Kommentar zum 20. Buch von Homers Odyssee

Th 91
Komm. zu 20.156, P. Oxy. 53.3710 col. 2.36–43 (ed. Bowen/Goldstein)
Ὅτι ἐν νουμηνίᾳ αἱ ἐκλείψεις δηλο[ῖ] Ἀρίσταρχος ὁ Σάμ[ι]ος γράφων‧ ἔφη
τε ὁ μὲν Θαλῆς ὅτι ἐκλείπειν τὸν ἥλ[ι]ον σελήνης ἐπίπροσθεν αὐτῷ γενο-
μένης, σημειουμένης τῇ κρύψει τῆς ἡμέρας,1 ἐν ᾗ ποιεῖται τὴν ἔκλειψιν, ἣ[ν]
οἱ μὲν τριακάδα καλοῦσιν ο[ἱ] δὲ νουμηνίαν.

Sim. (Sonnenfinsternis) Th 10 (w. s.)

Heron
Th 92
Definitiones 136.1 (ed. Heiberg)
Εὕρηται ἡ γεωμετρία πρῶτον μὲν ἐκ τῶν Αἰγυπτίων, ἤγαγε δὲ εἰς τοὺς
Ἕλληνας Θαλῆς. μετὰ δὲ τὸν Θαλῆν Μαμέρτιος ὁ Στησιχόρου ποιητοῦ
ἀδελφὸς καὶ Ἱππίας ὁ Ἠλεῖος καὶ μετὰ ταῦτα ὁ Πυθαγόρας ἄνωθεν τὰς
ἀρχὰς αὐτῆς ἐπισκοπούμενος καὶ ἀύλως καὶ νοερῶς τὰ θεωρήματα δι-
ερευνώμενος καὶ μετὰ τοῦτον Ἀναξαγόρας καὶ ὁ Πλάτων καὶ Οἰνοπίδης ὁ
Χῖος καὶ Θεόδωρος ὁ Κυρηναῖος καὶ Ἱπποκράτης πρὸ τοῦ Πλάτωνος.

Sim. (Urheber der Naturphilosophie und Mathematik/Geometrie) Th  81


(w.  s.); (ägyptischer Einfluss) Th  108, Th  115, Th  116, Th  118, Th  147,
Th 202, Th 204, Th 208, Th 214, Th 217, Th 237 (1.24, 1.27, 1.43), Th 249,
Th 253, Th 262, Th 263, Th 271, Th 326, Th 374, Th 380, Th 426, Th 499,
Th 500, Th 501, Th 507, Th 551, Th 578

1 σημειουμένης τῇ κρύψει τῆς] coni. Haslam pro σημ̣ειουμε̣ [c.9]...τῆς: σημειούμε[νος


τοὺς ὅρους] τῆς ἡμέρας κτλ. coni. Burkert 1993, 50.
Kommentar zum 20. Buch von Homers Odyssee – Heron 89

Kommentar zum 20. Buch von Homers Odyssee


(1. Jh. n. Chr.?)1
Th 91
Kommentar zu 20.156, P. Oxy. 53.3710 col. 2.36–43
Dass Eklipsen in der noumenia [bei Neumond] auftreten, macht Aristarch
aus Samos (Th 54) klar, wenn er schreibt: „Thales sagte, dass sich die Sonne
verfinstert, wenn der Mond vor sie tritt. Der Tag, an dem der Mond die Ver-
finsterung bewirkt, den die einen triakas, die anderen noumenia nennen,2 ist
durch sein Verbergen markiert.“

Heron (verm. 1. Jh. n. Chr.)


Th 92
Definitionen 136.13
Die Geometrie wurde in Ägypten entdeckt und von Thales nach Griechen-
land gebracht (vgl. Th 380).

1 Siehe Bowen/Goldstein 1994, 696 f., 709, sowie Bowen 2002, 314 f.
2 Vgl. Th 237 (Diog. Laert. 1.24).
3 Zur Problematik der Herkunft und Datierung des letzten Teils der Heronischen
Exzerptensammlung (Deff. 133–138) siehe Asper 2007, 80–1 mit Anm. 164.
90 Heron – Herakleitos Stoiko

Th 93
Def. 138.11 (Th 167)
Τίς τί εὗρεν ἐν μαθηματικοῖς; Εὔδημος ἱστορεῖ (Th 47) ἐν ταῖς Ἀστρολο-
γίαις, ὅτι Οἰνοπίδης εὗρε πρῶτος τὴν τοῦ ζωδιακοῦ διάζωσιν καὶ τὴν
τοῦ μεγάλου ἐνιαυτοῦ περίστασιν, Θαλῆς δὲ ἡλίου ἔκλειψιν καὶ τὴν κατὰ
τροπὰς αὐτοῦ περίοδον, ὡς οὐκ ἴση ἀεὶ συμβαίνει, Ἀναξίμανδρος δέ, ὅτι
ἐστὶν ἡ γῆ μετέωρος καὶ κινεῖται περὶ τὸ τοῦ κόσμου μέσον, Ἀναξιμένης δέ,
ὅτι ἡ σελήνη ἐκ τοῦ ἡλίου ἔχει τὸ φῶς, καὶ τίνα ἐκλείπει τρόπον.

Sim. (Sonnenfinsternis) Th 10 (w. s.); (Sonnenbahn/Sonnenwenden) Th 167,


Th 178, Th 237 (1.23, 24), Th 265, Th 578

Herakleitos Stoikos

Th 94
Quaestiones Homericae (= Allegoriae) 22.3–8 (ed. Buffière)
Θάλητα μέν γε τὸν Μιλήσιον ὁμολογοῦσι πρῶτον ὑποστήσασθαι τῶν
ὅλων κοσμογόνον στοιχεῖον τὸ ὕδωρ‧ ἡ γὰρ ὑγρὰ φύσις, εὐμαρῶς εἰς ἕκα-
στα μεταπλαττομένη, πρὸς τὸ ποικίλον εἴωθε μορφοῦσθαι. [4] Τό τε γὰρ
ἐξατμιζόμενον αὐτῆς ἀεροῦται, καὶ τὸ λεπτότατον ἀπὸ ἀέρος αἰθὴρ ἀνά-
πτεται, συνιζάνον τε τὸ ὕδωρ καὶ μεταβαλλόμενον εἰς ἰλὺν ἀπογαιοῦται‧
[5] διὸ δὴ τῆς τετράδος τῶν στοιχείων ὥσπερ αἰτιώτατον ὁ Θάλης ἀπε-
φήνατο στοιχεῖον εἶναι τὸ ὕδωρ. [6] Τίς οὖν ἐγέννησε ταύτην τὴν δόξαν;
οὐχ Ὅμηρος, εἰπών‧
Ὠκεανός, ὅσπερ γένεσις πάντεσσι τέτυκται,
[7] […]; [8] Ἀλλ᾽ ὁ Κλαζομένιος Ἀναξαγόρας, κατὰ διαδοχὴν γνώριμος ὢν
Θάλητος, συνέζευξε τῷ ὕδατι δεύτερον στοιχεῖον τὴν γῆν [...].

Sim. (Prinzip Wasser) Th  29 (w.  s.); (Aggregatzustände) Th  179, Th  180,
Th 195, Th 210, Th 259, Th 288, Th 289, Th 324, Th 415, Th 416, Th 421,
Th 436, Th 448, Th 449, Th 450, Th 451, Th 452, Th 485, Th 523, Th 547;
(Wasserhypothese geht auf erste Theologen/Homer zurück) Th 29 (w. s.)
Heron – Herakleitos Stoikos 91

Th 93
Definitionen 138.11
Wer entdeckte was in der Astronomie? Eudemos (Th 47) berichtet in sei-
nen astronomischen Büchern,1 dass Oinopides2 als Erster den Gürtel des
Tierkreises3 und den Zyklus des Großen Jahres entdeckte; [dass] Thales
aber eine Eklipse der Sonne und ihren Umlauf hinsichtlich der Solstitien
[als Erster entdeckte], und auch, dass er [der Umlauf] nicht immer gleich
verläuft;4 [dass ]Anaximander [als Erster entdeckte], dass die Erde in der
Luft ist und sich um die Mitte des Kosmos bewegt5; [dass] Anaximenes
[als Erster entdeckte], dass der Mond das Licht von der Sonne hat und auf
welche Art er sich verfinstert.

Herakleitos Stoikos
(1. Jh. n. Chr., Augustus’/Neros Zeit)
Th 94
Homerische Fragen (= Allegorien) 22.3–8
Nach allgemeiner Ansicht soll Thales als Erster als welterzeugendes Ele-
ment für alle Dinge das Wasser angesetzt haben. Denn die feuchte Natur, die
sich leicht in ein jedes umformt, ist gewohnt, sich mannigfaltig zu gestalten.
[4] Was von ihr nämlich verdampft, wird zu Luft, und der feinste Teil der
Luft wird als Äther entzündet. Wenn sich das Wasser niederschlägt und in
Schlamm umwandelt, wird es zu Erde. [5] Daher legte Thales dar, dass das
Wasser aus der Vierheit der Elemente das gleichsam ursächlichste Element
sei. [6] Wer brachte nun diese Lehre ans Licht? Nicht Homer, wenn er sagt
[Il. 14.246]: „Okeanos, der doch der Ursprung ist von allen“ [...]? [8] Ana-
xagoras aber aus Klazomenai, ein Schulnachfolger des Thales, verknüpfte
mit dem Wasser als zweites Element die Erde [...].

1 Zu diesem Titel vgl. Bowen 2002, 311, Anm. 8.


2 Astronom der 2. Hälfte des 5. Jh.s v. Chr.
3 Die Schiefe der Ekliptik? Siehe Szabó 1977, 343 mit Anm. 11.
4 Vgl. dazu Bowen 2002, 311, Anm. 10; KRS (H) 91. Περίοδον ist eine Konjektur von
Fabricius für das überlieferte πάροδον. Vgl. Th 237 (1.24).
5 Oder: liegt (κεῖται); s. zu Th 167.
92 Valerius Maximus – Aristokles von Messene

Valerius Maximus
Th 95
Facta et dicta memorabilia 4.1.7 (de externis) (ed. Kempf)
Huius uiri [Pittacus] mentio subicit ut de septem sapientium moderatione
referam. a piscatoribus in Milesia regione euerriculum trahentibus quidam
iactum emerat. extracta deinde magni ponderis aurea Delphica mensa orta
controuersia est, illis piscium se capturam uendidisse adfirmantibus, hoc for-
tunam ductus emisse dicente. qua cognitione propter nouitatem rei et magni-
tudinem pecuniae ad uniuersum ciuitatis eius populum delata placuit Apolli-
nem Delphicum consuli cuinam adiudicari mensa deberet. deus respondit illi
esse dandam, qui sapientia ceteros praestaret, his uerbis: τίς σοφίᾳ πρῶτος
πάντων; τούτῳ τρίποδ᾽ αὐδῶ. tum Milesii consensu Thaleti mensam de-
derunt. ille cessit ea Bianti, Bias Pittaco, is protinus alii, deincepsque per om-
nium VII sapientium orbem ad ultimum ad Solonem peruenit, qui et titulum
amplissimae prudentiae et praemium ad ipsum Apollinem transtulit.

Sim. (Auszeichnung des Thales/Umlauf des Dreifußes) Th 52 (w. s.); (Tha-


les, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.)

Th 96
Facta et dicta memorabilia 7.2.8 (de externis); vgl. auch Epitome Valerii
Maximi 7.2.8.
Mirifice etiam Thales: nam interrogatus an facta hominum deos fallerent
‚ne cogitata quidem‘ inquit, ut non solum manus, sed etiam mentes puras
habere uellemus, cum secretis cogitationibus nostris caeleste numen adesse
credidissemus.

Sim. (Spruchweisheit) Th 89 (w. s.)

Aristokles von Messene


Th 97
Fr. 1 Mullach (FPhG III 206) = Fr.1 Heiland. Zitat aus dem 7. Buch von
Aristokles’ Schrift Über die Philosophie, s. Th 268 (Eus. PE 11.3.1)
Valerius Maximus – Aristokles von Messene 93

Valerius Maximus (1. Hälfte 1. Jh. n. Chr.)


Th 95
Erwähnenswerte Taten und Aussprüche 4.1.7
Die Geschichte vom Dreifuß (hier: aurea mensa), der zunächst Thales über-
geben wird und dann, die Reihe der Sieben durchgehend, über Solon zu
Apollon gelangt, wird als Beispiel für die Tugend der moderatio berichtet.

Th 96
Erwähnenswerte Taten und Aussprüche 7.2.8
Wunderbar auch Thales; auf die Frage nämlich, ob die Taten der Menschen
die Götter täuschen könnten, antwortete er: „Nicht einmal im Gedanken“
(vgl. Th 207; Th 237 [Diog. Laert. 1.36]; Th 564 [316]). Wir wollten ja nicht
nur reine Hände, sondern auch reine Gesinnungen haben, wenn wir glaubten,
dass eine himmlische Macht bei unseren geheimen Gedanken anwesend sei.

Aristokles von Messene (1. Hälfte 1. Jh. n. Chr.)1


Th 97
Eusebios zitiert Aristokles’ De Philosophia zum Verhältnis der Philosophie
Platons zu derjenigen der Naturphilosophen (u. a. des Thales).

1 Vgl. Moraux 1984, 89.


94 L. Annaeus Seneca

L. Annaeus Seneca
Th 98
Naturales quaestiones 3.13.1 (ed. Hine)
Adiciam, ut Thales ait, ‘ualentissimum elementum est.’ hoc fuisse primum
putat, ex hoc surrexisse omnia.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 99
Nat. quaest. 3.14.1–2
Quae sequitur Thaletis inepta sententia est. ait enim terrarum orbem aqua
sustineri et uehi more nauigii, mobilitateque fluctuare tunc cum dicitur
tremere; ‘non est ergo mirum si abundat umore ad flumina profundenda,
cum in umore sit totus.’ [2] hanc ueterem et rudem sententiam explode: nec
!***nec"1 est quod credas in hunc orbem aquam subire per rimas et facere
sentinam.

Sim. (Erde ruht auf dem Wasser) Th 30 (w. s.); (Erdbeben) Th 101, Th 163,
Th 210, Th 223, Th 338, Th 403, Th 485, Th 525, Th 526, Th 554, Th 555,
Th 572

Th 100
Nat. quaest. 4A.2.22
Si Thaleti credis, etesiae descendenti Nilo resistunt, et cursum eius acto con-
tra ostia mari sustinent: ita reuerberatus in se recurrit; nec crescit, sed exitu
prohibitus resistit, et quacumque mox potuit in se congestus erumpit.

Sim. (Nilschwelle) Th 13 (w. s.)

1 lacunam indicavit Hine : nec !verisimile est terram in aquis natare, nec" ex. gr. sup-
plendum esse uel non est quod scribendum esse coni. Hine.
L. Annaeus Seneca 95

L. Annaeus Seneca (um 0–65 n. Chr.)


Th 98
Wasser ist ein Element und kann daher nicht versiegen.

Naturforschungen 3.13.1
Ich füge hinzu: „Es ist“, wie Thales sagt, „das vermögendste Element.“ Er
nimmt an, dass es das erste Element gewesen und alles aus ihm entstanden sei.

Th 99
Naturforschungen 3.14.1–2
Weiterhin ist die Ansicht des Thales töricht. Er sagt nämlich, dass die Erde
vom Wasser getragen werde und wie ein Schiff fahre. Infolge seiner [des
Wassers] Beweglichkeit schwanke sie dann, wenn man sagt, dass sie bebt;
“es ist also nicht zu verwundern, wenn sie über genug Feuchtigkeit verfügt,
um die Flüsse hervorströmen zu lassen, da sie sich ja ganz im Feuchten be-
findet.” [2] Verwirf diese alte und primitive Ansicht: Es gibt keinen Grund
zu glauben, dass in diese[r] Erde Wasser gleich wie Kielwasser durch Risse
eindringt [aufsteigt].

Th 100
Naturforschungen 4A.2.22
Wenn wir Thales glauben wollen, dann leisten die Etesien dem ausströmen-
den Nil Widerstand und halten seinen Lauf auf, indem das Meer gegen seine
Mündungen getrieben wird. Auf diese Weise zurückgedrängt läuft der Nil
in sich selbst zurück. Und er wächst nicht, sondern kommt, am Ausgang
gehindert, zum Stehen und tritt, in sich aufgestaut, wo immer er eben kann,
über die Ufer.
96 L. Annaeus Seneca – Pamphila

Th 101
Nat. quaest. 6.6.1–2
In aqua causam esse nec ab uno dictum est nec uno modo. Thales Milesius
totam terram subiecto iudicat umore portari et innare, siue illud oceanum
uocas, seu magnum mare, siue alterius naturae simplicem adhuc aquam
et umidum elementum. ‘hac’ inquit ‘unda sustinetur orbis uelut aliquod
grande nauigium et graue his aquis quas premit.’ [2] superuacuum est red-
dere causas propter quas existimat grauissimam partem mundi non posse
spiritu tam tenui fugacique gestari; non enim nunc de situ terrarum sed de
motu agitur. illud argumenti loco ponit, aquas esse in causa quibus hic orbis
agitetur, quod in omni maiore motu erumpunt fere noui fontes (sicut in
nauigiis quoque euenit ut si inclinata sunt et abierunt in latus, aquam sor-
beant, quae nimio1 eorum onere quae uehunt si inmodice depressa sunt, aut
superfunditur aut certe dextra sinistraque solito magis surgit).

Sim. (Erde ruht auf dem Wasser) Th 30 (w. s.); (Erdbeben) Th 99 (w. s.)

Pamphila
Th 102
FHG III 520.1, s. Th 237 (Diog. Laert. 1.24)

1 nimio Watt : (in) omni Hss : lacunam post in omni statuit Haase : impatiens Mad-
vig : ui omni Gercke : enormi (et onere) Rossbach 1484 : ui Winterbottom : momine
Shackelton Bailey | onere ed. Ven. : (h)onerum/(h)oneri Hss : onerariorum Michaelis
345 : motu (om. eorum) Leo : pondere (uel !pondere" eorum suppl.) Watt.
L. Annaeus Seneca – Pamphila 97

Th 101
Naturforschungen 6.6.1–2
Dass die Ursache [des Erdbebens] im Wasser liege, wurde nicht nur von
einem gesagt und nicht nur auf eine Weise. Thales aus Milet urteilt, dass
die ganze Erde von dem unter ihr befindlichen Feuchten getragen werde
und auf ihm schwimme. Man kann darunter den Ozean verstehen, oder das
große Meer, oder das noch unvermischte Wasser von einer anderen Beschaf-
fenheit, das feuchte Element. „Durch dieses Wasser“, sagt er, „wird die Erde
getragen wie ein großes Schiff, das eine schwere Last für das Wasser, auf dem
es liegt, ist.“ [2] Überflüssig ist es, die Gründe anzugeben, entsprechend de-
nen er glaubt, dass der schwerste Teil der Welt [des Weltalls] nicht von der so
zarten und flüchtigen Luft getragen werden könne;1 es geht ja jetzt nicht um
die Lage der Erde, sondern um ihre Bewegung. Als Beweis dafür, dass das
Wasser die Ursache sei, dass diese Erde sich bewegt [bebt], führt er an, dass
bei jeder größeren Bewegung regelmäßig neue Quellen entspringen. (Wie es
auch bei den Schiffen geschieht, dass sie Wasser aufnehmen, wenn sie sich
neigen und Schlagseite haben. Und wenn sie durch das Gewicht der Lasten,
die sie führen, übermäßig tief liegen, ergießt sich das Wasser [über sie] oder
erhebt sich auf der rechten oder der linken Seite mehr als gewöhnlich.)

Pamphila (Mitte 1. Jh. n. Chr.)


Th 102
Nach Diogenes Laertios überliefert Pamphile, dass Thales von den Ägyptern
die Geometrie gelernt habe und dass von ihm erstmals das rechtwinklige
Dreieck in den Kreis eingeschrieben worden sei.

1 Vgl. Arist. Cael. 2.13 (oben Th 30).


98 Pomponius Mela – C. Plinius Secundus

Pomponius Mela
Th 103
De chorographia 1.86 (ed. Parroni)
Post Basilicum Ionia aliquot se ambagibus sinuat et primum a Posideo
promunturio flexum inchoans cingit oraculum Apollinis, dictum olim
Branchiadae, nunc Didym!e"i; Miletum, urbem quondam Ioniae totius belli
pacisque artibus principem, patriam Thaletis astrologi et Timothei musici et
Anaximandri physici aliorumque civium inclutis ingeniis merito inclutam,
utcumque Ioniam vocant.

Sim. (Thales als Vertreter der Astronomie) Th 117, Th 136, Th 139, Th 210,
Th 224, Th 237 (1.23, 34), Th 311, Th 409, Th 457, Th 468, Th 473, Th 538,
Th 585, Th 590

C. Plinius Secundus
Th 104
Naturalis historia 1.1: Quellen zu lib. XVIII: Externis [...] (ed. Mayhoff)
Dionysio qui Magonem transtulit. Diophane qui ex Dionysio epitomas fe-
cit. Thalete. Eudoxo. Philippo. Callippo. Dositheo. Parmenisco. Metone.
Critone. Oenopide. Conone. […]

Th 105
Nat. hist. 2.53
Apud Graecos autem investigavit primus omnium Thales Milesius Olym-
piadis XLVIII anno quarto praedicto solis defectu, qui Alyatte rege factus
est urbis conditae anno CLXX.

Sim. (Sonnenfinsternis) Th 10 (w. s.)


Pomponius Mela – C. Plinius Secundus 99

Pomponius Mela (Mitte 1. Jh. n. Chr.)


Th 103
Länderbeschreibung 1.86
Milet, die berühmte Heimatstadt des Astronomen Thales, des Musikers
Timotheos, des Naturphilosphen Anaximander und anderer berühmter
Geister.

C. Plinius Secundus (23/4–79 n. Chr.)


Th 104
Naturgeschichte 1.1
Die Quellen zu Buch XVIII (Ackerbau), darunter Thales.

Th 105
Bei den Römern hat Sulpicius Gallus die Berechnung der Finsternisse einge-
führt (vgl. Th 407).

Naturgeschichte 2.53
Bei den Griechen aber erforschte [die Ursache der Verfinsterung] als Ers-
ter von allen Thales aus Milet, der im vierten Jahr der 48. Olympiade [585
v. Chr.] die Sonnenfinsternis voraussagte, welche unter dem König Alyattes
im Jahre 170 der Stadt Rom eintrat.
100 C. Plinius Secundus – Iosephos

Th 106
Nat. hist. 18.213
Eorum, qui in eadem regione dissedere, unam discordiam ponemus exem-
pli gratia: occasum matutinum vergiliarum Hesiodus – nam huius quoque
nomine exstat astrologia – tradidit fieri, cum aequinoctium autumni confi-
ceretur, Thales XXV die ab aequinoctio, Anaximander XXXI,1 Euctemon
XLIIII, Eudoxus XLVIII.

Th 107
Nat. hist. 36.82
Mensuram altitudinis earum omnemque similem deprehendere invenit Tha-
les Milesius umbram metiendo, qua hora par esse corpori solet.

Sim. (Vermessen der Pyramidenhöhe) Th 119, Th 237 (1.27)

Iosephos
Th 108
Contra Apionem 1.2 (ed. Reinach)
Ἀλλὰ μὴν καὶ τοὺς περὶ τῶν οὐρανίων τε καὶ θείων πρώτους παρ᾽ Ἕλλησι
φιλοσοφήσαντας, οἷον Φερεκύδην τε τὸν Σύριον καὶ Πυθαγόραν καὶ Θά-
λητα, πάντες συμφώνως ὁμολογοῦσιν Αἰγυπτίων καὶ Χαλδαίων γενομέ-
νους μαθητὰς ὀλίγα συγγράψαι, καὶ ταῦτα τοῖς Ἕλλησιν εἶναι δοκεῖ πάν-
των ἀρχαιότατα καὶ μόλις αὐτὰ πιστεύουσιν ὑπ᾽ ἐκείνων γεγράφθαι.

Sim. (ägyptischer Einfluss) Th 92 (w.s.); (Schrift) Th 88 (w. s.)

1 XXXI Schol.Germ. XI.XX F1E. XXIX dv. XXX F2 D.


C. Plinius Secundus – Iosephos 101

Th 106
Astronomische Bedingungen der Landwirtschaft (Einfluss der Gestirne):

Naturgeschichte 18.213
Von denen, die, [obwohl sie] in derselben Gegend [ihre Beobachtungen
anstellten], nicht übereinstimmen, wollen wir nur eine einzige nicht über-
einstimmende Ansicht als Beispiel hier anführen: Hesiod hat gesagt – denn
auch unter seinem Namen existiert ein Werk über die Astronomie –, der
Frühuntergang der Plejaden finde gleich nach der Herbst-Tagundnacht-
gleiche statt, Thales am 25.1, Anaximander am 31., Euktemon2 am 44. und
Eudoxos3 am 48. Tage danach.4

Th 107
Naturgeschichte 36.82
Thales aus Milet erdachte ein Verfahren, die Höhe [der Pyramiden] und jede
ähnliche Höhe dadurch zu bestimmen, dass er den Schatten in der Stunde
maß, in der er der Körperlänge gleich zu sein pflegt.

Iosephos (37/8–verm. 100 n. Chr.)


Th 108
Die griechische Literatur im Kontext der Kulturen:

Gegen Apion 1.2


Aber die über himmlische und göttliche Dinge als Erste bei den Griechen
philosophiert haben, wie Pherekydes von Syros und Pythagoras und Tha-
les, diese waren nach einhelliger Meinung Schüler der Ägypter und Chal-
däer und haben wenig geschrieben. Diese Schriften sind in den Augen der
Griechen die ältesten von allen und man hält sie kaum für authentisch.

1 Vgl. die Nachrichten über Thales’ astronomische Schriften (Th 237 [1.23], Th 495).
2 Athenischer Astronom und Meteorologe des 5. Jh.s v. Chr.
3 Eudoxos von Knidos, Astronom, Mathematiker und Philosoph des 4. Jh.s v. Chr.
4 Übersetzung nach König 1995.
102 Plutarch

Plutarch
Th 109
Solon 2.8.1–4.79E (ed. Ziegler)
Καὶ Θαλῆν δέ φασιν ἐμπορίᾳ χρήσα σθαι καὶ Ἱπποκράτη τὸν μαθηματικόν,
καὶ Πλάτωνι τῆς ἀποδημίας ἐφόδιον ἐλαίου τινὸς ἐν Αἰγύπτῳ διάθεσιν γε-
νέσθαι.

Th 110
Sol. 3.8.1–3.80B–C
Καὶ ὅλως ἔοικεν ἡ Θάλεω μόνου σοφία τότε περαιτέρω τῆς χρείας ἐξικέσθαι
τῇ θεωρίᾳ‧ τοῖς δ᾽ ἄλλοις ἀπὸ τῆς πολιτικῆς ἀρετῆς τοὔνομα τῆς σοφίας
ὑπῆρξε.

Sim. (Weise ohne praktische Vernunft) Th 27 (w. s.)

Th 111
Sol. 4.7.1–4.80E
Θεόφραστος δέ φησι (Th 37) πρῶτον μὲν εἰς Πριήνην Βίαντι τὸν τρίποδα
πεμφθῆναι, δεύτερον δ᾽ εἰς Μίλητον Θαλῇ Βίαντος ἀποπέμψαντος‧ οὕτω
δὲ διὰ πάντων πάλιν εἰς Βίαντα περιελθεῖν, καὶ τέλος εἰς Δελφοὺς ἀπο-
σταλῆναι.

Sim. (Auszeichnung des Thales/Umlauf des Dreifußes) Th 52 (w. s.)


Plutarch 103

Plutarch (um 45–vor 125 n. Chr.)


Th 109
Zu Beginn der Vita Solons berichtet Plutarch, dass Solon sich dem Handel
widmete, wie überhaupt in früheren Zeiten eine solche Erwerbstätigkeit und
die damit verbundenen Reisen nicht anstößig waren:

Solon 2.8.1–4.79E
Auch Thales und Hippokrates, der Mathematiker, sollen Handel getrieben,
und Platon durch den Ölverkauf in Ägypten sich die Kosten zu seiner Reise
verdient haben.

Th 110
Angesichts der eingeschränkten Kenntnisse Solons im Bereich der Physik
kommt Plutarch zu folgender generellen Einschätzung:

Solon 3.8.1–3.80B–C
Überhaupt scheint die Weisheit von Thales als einzigem der damaligen Zeit
über die [bloße] Praxis hinaus zur [reinen] Anschauung gelangt zu sein; die
übrigen erhielten den Namen der Weisen aufgrund ihrer Tüchtigkeit in der
Politik.

Th 111
Auch die Geschichte vom Umlauf des Dreifußes (vgl. bes. Th 237 [1.27 ff.])
wird hier erzählt:

Solon 4.7.1–4.80E
Theophrast aber sagt (Th 37), dass der Dreifuß zuerst nach Priene zu Bias
und dann von Bias nach Milet zu Thales geschickt worden sei. So sei er im
Kreis bei allen herumgereicht wieder zu Bias gelangt und schließlich nach
Delphi gesandt worden.1

1 Vgl. noch ebd. 13.155E (Anspielung auf Bathykles’ Becher).


104 Plutarch

Th 112
Sol. 6.6.4–7.3.81D
‛Ταῦτά τοι’ φάναι ‛ὦ Σόλων ἐμὲ γάμου καὶ παιδοποιίας ἀφίστησιν, ἃ
καὶ σὲ κατερείπει τὸν ἐρρωμενέστατον. ἀλλὰ [6.7] θάρρει τῶν λόγων
ἕνεκα τούτων‧ οὐ γάρ εἰσιν ἀληθεῖς.’ ταῦτα μὲν οὖν Ἕρμιππος ἱστορεῖν
(s. Th 57) φησι Πάταικον, ὃς ἔφασκε τὴν Αἰσώπου ψυχὴν ἔχειν.

Sim. (Familienstand) Th 113, Th 129, Th 237 (1.26), Th 368, Th 369, Th 496,


Th 512, Th 562, Th 564 (318)

Th 113
Sol. 7.1.1–3.1.81D–E
Ἄτοπος δὲ καὶ ἀγεννὴς ὁ τῷ φόβῳ τῆς ἀποβολῆς τὴν κτῆσιν ὧν χρὴ
προϊέμενος‧ οὕτω γὰρ ἄν τις οὐ πλοῦτον, οὐ δόξαν, οὐ σοφίαν ἀγαπήσειε
παραγενομένην, [2] δεδιὼς στέρεσθαι. καὶ γὰρ ἀρετήν, ἧς κτῆμα μεῖζον
οὐδὲν οὐδ᾽ ἥδιον, ἐξισταμένην ὑπὸ νόσων καὶ φαρμάκων ὁρῶμεν, αὐτῷ τε
Θαλῇ μὴ γήμαντι πλέον οὐδὲν εἰς ἀφοβίαν, εἰ μὴ καὶ φίλων κτῆσιν ἔφυγε
καὶ οἰκείων καὶ πατρίδος. ἀλλὰ καὶ παῖδα θετὸν ἔσχε ποιησάμενος αὐτὸς
[3] τὸν τῆς ἀδελφῆς ὥς φασι Κύβισθον.

Sim. (Familienstand) Th 112 (w. s.)

Th 114
Sol. 12.11.1–12.1.84F
Ὅμοιον δέ τι καὶ Θαλῆν εἰκάσαι λέγουσι‧ κελεῦσαι γὰρ αὑτὸν ἔν τινι τόπῳ
τῆς Μιλησίας φαύλῳ καὶ παρορωμένῳ τελευτήσαντα θεῖναι, προειπὼν ὡς
ἀγορά ποτε τοῦτο Μιλησίων ἔσται τὸ χωρίον.
Plutarch 105

Th 112
Im sechsten Kapitel (vgl. Sol. 5.1–2) berichtet Plutarch von einem Besuch des
Solon bei Thales in Milet. Solon habe sich gegenüber Thales gewundert, dass
dieser ohne Frau und Kinder lebte. Thales habe zunächst nicht geantwortet,
sondern einige Tage später einen Fremden angestiftet, gegenüber Solon zu
behaupten, er käme von einer Reise nach Athen. Auf Solons Nachfrage, was
es denn dort Neues gebe, habe der Fremde schließlich behauptet, dass Solons
Sohn gestorben sei. Den aufs Äußerste betrübten Solon habe dann Thales bei
der Hand genommen und lachend gesagt:

Solon 6.6.4–7.3.81D
„Eben das, mein Solon, was dich sonst so tapferen Mann niederschlägt, hält
auch mich vom Heiraten und Kinderzeugen ab. Wegen jener Nachricht sei
aber beruhigt, sie ist unwahr.“ Das nun, sagt Hermippos1 (s. Th 57), berichte
Pataikos, der fest behauptet, Aisopos’ Seele zu besitzen.

Th 113
Solon 7.1.1–3.1.81D–E
Thales war, so meint Plutarch, weil er nicht heiratete, noch nicht von Furcht
befreit, wenn er sich nicht auch noch von anderen Beziehungen frei machte.
Indessen soll er den Sohn seiner Schwester, Kybisthos, an Kindes statt ange-
nommen haben.

Th 114
An einer weiteren Stelle erwähnt Plutarch eine Prophezeiung des – von
einigen auch unter die Sieben Weisen gerechneten – Kreters Epimenides über
die Festung Munychia bei Athen. Die Athener würden diesen Ort zerstören,
wenn sie wüssten, welches Unglück er ihnen künftig bringen werde:2

1 Biograph (2. Hälfte des 3. Jh.s v. Chr.). Zur Gestaltung der Episode vgl. Bollansée
1999, 118 f., jedoch ohne Angaben zu Pataikos; Wehrli 1974, 49 f.
2 Dies wurde mit der späteren makedonischen Besatzung unter Antipater in Verbin-
dung gebracht.
106 Plutarch

Th 115
De Iside et Osiride 9–10.354D–E; 9.10–14 (ed. Sieveking)
Ἡ μὲν οὖν εὐλάβεια τῆς περὶ τὰ θεῖα σοφίας Αἰγυπτίων τοσαύτη [ἦν],
μαρτυροῦσι δὲ καὶ τῶν Ἑλλήνων οἱ [354E] σοφώτατοι, Σόλων Θαλῆς
Πλάτων Εὔδοξος Πυθαγόρας, ὡς δ᾽ ἔνιοί φασι, καὶ Λυκοῦργος εἰς Αἴγυ-
πτον ἀφικόμενοι καὶ συγγενόμενοι τοῖς ἱερεῦσιν.

Sim. (ägyptischer Einfluss) Th 92 (w. s.)

Th 116
De Is. et Os. 34.364C–D; 33.24–34.3
Οἴονται δὲ καὶ Ὅμηρον ὥσπερ Θαλῆν [364D] μαθόντα παρ᾽ Αἰγυπτίων
ὕδωρ ἀρχὴν ἁπάντων καὶ γένεσιν τίθεσθαι‧ τὸν γὰρ Ὠκεανὸν Ὄσιριν
εἶναι, τὴν δὲ Τηθὺν Ἶσιν ὡς τιθηνουμένην πάντα καὶ συνεκτρέφουσαν.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (ägyptischer Einfluss) Th 92 (w. s.)

Th 117
De Pythiae oraculis 18.402F–403A; 44.9–14 (ed. Sieveking)
Οὐδ᾽ ἀστρολογίαν ἀδοξοτέραν ἐποίησαν οἱ περὶ Ἀρίσταρχον καὶ Τιμόχα-
ριν καὶ Ἀρίστυλλον καὶ Ἵππαρχον καταλογάδην γράφοντες, ἐν μέτροις
πρότερον Εὐδόξου [403A] καὶ Ἡσιόδου καὶ Θαλοῦ γραφόντων, εἴ γε
Θαλῆς ἐποίησεν ὡς ἀληθῶς εἰπεῖν 〈τὴν〉 εἰς αὐτὸν ἀναφερομένην Ἀστρο-
λογίαν.

Sim. (Thales als Vertreter der Astronomie) Th 103 (w. s.); (Schrift) Th 88
(w. s.)
Plutarch 107

Solon 12.11.1–12.1.84F
Man sagt aber, dass etwas Ähnliches auch Thales vermutet habe. Er habe
nämlich die Anweisung gegeben, ihn nach seinem Tode an einer wertlo-
sen und nicht beachteten Stelle des milesischen Gebietes zu bestatten, da er
voraussah, dass dieser Platz einst der Markt der Milesier sein werde.

Th 115
Über Isis und Osiris 9–10.354D–E
Thales unter den griechischen Weisen, die in Ägypten waren und mit den
Priestern verkehrten.

Th 116
Aus der Schrift Plutarchs zur Deutung des ägyptischen Mythos von Isis und
Osiris erfahren wir zahlreiche Einzelheiten zur Religion und Kultur Ägyp-
tens:

Über Isis und Osiris 34.364C–D


Sie [die Ägypter] glauben aber, dass Homer,1 ebenso wie Thales, sein Wissen
von den Ägyptern bezogen habe, als er das Wasser als das Prinzip und den
Ursprung von allem postulierte. Denn der Okeanos sei Osiris, die Tethys
aber Isis, da sie für alles die Amme sei und es mit pflegen helfe.

Th 117
Im Zentrum des Gesprächs über das Orakel der Pythia geht es um die Frage,
weshalb die Weissagungen heute nicht mehr in metrischer Form, sondern in
schlichter Prosa erteilt würden. Zur Unterstützung der These, dass dies nicht
als ein Verfall gedeutet werden dürfe, wird auf die vergleichbare Entwick-
lung in Philosophie und Wissenschaft hingewiesen. Frühere Philosophen, wie
Orpheus und Hesiod, Parmenides, Xenophanes und Empedokles hätten ihre
Lehren in Gedichtform vorgetragen. Dies sei später aufgegeben worden,
dennoch berühre das nicht den Wert jener Werke:

1 Ilias 14.201.
108 Plutarch

Th 118
Septem sapientium convivium 2.146D–E; 301.2–5 (ed. Paton/Wegehaupt/
Gärtner)
Ἐβαδίζομεν οὖν ἐκτραπόμενοι διὰ τῶν χωρίων καθo [146E] ἡσυχίαν, καὶ
μεθ᾽ ἡμῶν τρίτος ὁ Ναυκρατίτης Νειλόξενος, ἀνὴρ ἐπιεικὴς καὶ τοῖς περὶ
Σόλωνα καὶ Θαλῆν γεγονὼς ἐν Αἰγύπτῳ συνήθης.

Sim. (ägyptischer Einfluss) Th 92 (w. s.)

Th 119
Sept. sap. conv. 2. 147A–B; 301.19–302.10
Ἐπεὶ σοῦ γε καὶ τἄλλα θαυμάζει, καὶ τῆς πυραμίδος τὴν μέτρησιν ὑπερ-
φυῶς ἠγάπησεν, ὅτι πάσης ἄνευ πραγματείας καὶ μηδενὸς ὀργάνου δε-
ηθεὶς ἀλλὰ τὴν βακτηρίαν στήσας ἐπὶ τῷ πέρατι τῆς σκιᾶς ἣν ἡ πυραμὶς
ἐποίει, γενομένων τῇ ἐπαφῇ τῆς ἀκτῖνος δυεῖν τριγώνων, ἔδειξας ὃν ἡ σκιὰ
πρὸς τὴν σκιὰν λόγον εἶχε τὴν πυραμίδα πρὸς τὴν βακτηρίαν ἔχουσαν.
ἀλλ᾽, ὅπερ ἔφην, διεβλήθης μισοβασιλεὺς εἶναι, καί τινες ὑβριστικαί σου
[147B] περὶ τυράννων ἀποφάσεις ἀνεφέροντο πρὸς αὐτόν, ὡς ἐρωτηθεὶς
ὑπὸ Μολπαγόρου τοῦ Ἴωνος τί παραδοξότατον εἴης ἑωρακώς, ἀποκρί-
ναιο ‘τύραννον γέροντα’, καὶ πάλιν ἔν τινι πότῳ, περὶ τῶν θηρίων λόγου
γενομένου, φαίης κάκιστον εἶναι τῶν μὲν ἀγρίων θηρίων τὸν τύραννον,
τῶν δ᾽ ἡμέρων τὸν κόλακα τοιαῦτα γάρ, εἰ καὶ πάνυ προσποιοῦνται δια-
φέρειν οἱ βασιλεῖς τῶν τυράννων, οὐκ εὐμενῶς ἀκούουσιν.’ ‘ἀλλὰ τοῦτο
μέν’ εἶπεν ὁ Θαλῆς ‘Πιττακοῦ ἐστιν, εἰρημένον ἐν παιδιᾷ ποτε πρὸς Μυρ-
σίλον‧ ἐγὼ δὲ θαυμάσαιμ᾽ ἄν’ ἔφη1 ‘οὐ τύραννον ἀλλὰ κυβερνήτην γέρο-
ντα θεασάμενος’.

Sim. (Vermessen der Pyramidenhöhe) Th 107 (w. s.); (Spruchweisheit) Th 89


(w. s.)

1 ἔφην Onv II ἔφη Ο


Plutarch 109

Über die Orakel der Pythia 18.402F–403A


Auch haben ein Aristarch, Timocharis, Aristyllos, Hipparchos1 die Astro-
nomie nicht dadurch unbedeutender gemacht, dass sie in Prosa schrieben,
während Eudoxos2, Hesiod und Thales früher in Versen schrieben – wenn
Thales wirklich die ihm zugeschriebene Astronomie verfasst hat.

Th 118
Im Gastmahl der Sieben Weisen3 wird über ein Symposion am Hof des Ty-
rannen von Korinth, Periander, berichtet. Dabei ist auch Thales, auf dessen
Ägyptenaufenthalt kurz angespielt wird:

Gastmahl der Sieben Weisen 2.146D–E.


Neiloxenos aus Naukratis, ein ägyptischer Bekannter Solons und Thales’.

Th 119
Der Abgesandte des ägyptischen Königs Amasis, Niloxenos, sagt zu Thales,
dass Bias von Priene vom König nicht nur wegen seiner Weisheit geschätzt
werde, sondern auch, weil er, im Gegensatz zu anderen, die Freundschaft
von Königen nicht meide:

Gastmahl der Sieben Weisen 2.147A–B


Da er [der König] dich ja ohnehin bewundert und die Messung der Pyra-
mide überaus schätzte, weil du ohne jeden Aufwand und ohne eines In-
strumentes zu bedürfen nur deinen Stock am Ende des Pyramidenschat-
tens aufstelltest und, indem durch die Berührung des Sonnenstrahls zwei
Dreiecke entstanden, gezeigt hast, dass die Höhe der Pyramide zur Länge
des Stockes im selben Verhältnis steht wie der eine Schatten zum anderen.
Aber du bist, wie gesagt, als Königsfeind verdächtigt, und es wurden ihm
einige trotzige Aussprüche von dir über Tyrannen hinterbracht. So sollst du
auf die Frage des Ioniers Molpagoras, was besonders Widersprüchliches du
je gesehen hast, geantwortet haben: „Einen alten Tyrannen“ (vgl. Th 128;

1 Aristarch von Samos, Astronom und Mathematiker (etwa 310–230 v. Chr.); Timo-
charis, Astronom in der Zeit Ptolemaios I.; Aristyllos, Astronom, Zeitgenosse des
Timocharis; Hipparchos von Nikaia, Astronom im 2. Jh. v. Chr.
2 Eudoxos von Knidos, s. Anm. zu Th 106.
3 Bei den folgenden Stellen aus dem Gastmahl, in dem Thales eine Hauptrolle zu-
kommt, handelt es sich um eine Auswahl.
110 Plutarch

Th 120
Sept. sap. conv. 7.152A; 311.24–312.4
Μικρὸν οὖν ἐπισχὼν ὁ Σόλων ‛ἐμοὶ μέν’ ἔφη ‛δοκεῖ μάλιστ᾽ ἂν ἔνδοξος
γενέσθαι καὶ βασιλεὺς καὶ τύραννος, εἰ δημοκρατίαν ἐκ μοναρχίας κατα-
σκευάσειε τοῖς πολίταις.’ δεύτερος δ᾽ ὁ Βίας εἶπεν, ‛εἰ πρῶτος1 χρῷτο τοῖς
νόμοις τῆς πατρίδος.’ ἐπὶ τούτῳ δ᾽ ὁ Θαλῆς ἔφησεν εὐδαιμονίαν ἄρχοντος
νομίζειν, εἰ τελευτήσειε γηράσας κατὰ φύσιν.

Th 121
Sept. sap. conv. 9.153C–D; 314.21–315.4
‘Τί πρεσβύτατον;’ ‘θεός’ ἔφη Θαλῆς‧ ‘ἀγέννητον γάρ ἐστι.’ ‘τί μέγι-
στον;’ ‘τόπος‧ τἄλλα μὲν γὰρ ὁ κόσμος, τὸν δὲ κόσμον οὗτος περιέχει.’ ‘τί
κάλλιστον;’ ‘κόσμος‧ [153D] πᾶν γὰρ τὸ κατὰ τάξιν τούτου μέρος ἐστί.’
‘τί σοφώτατον;’ ‘χρόνος‧ τὰ μὲν γὰρ εὕρηκεν οὗτος ἤδη, τὰ δ᾽ εὑρήσει.’
‘τί κοινότατον;’ ‘ἐλπίς‧ καὶ γὰρ οἷς ἄλλο μηδέν, αὕτη πάρεστι.’ ‘τί ὠφε-
λιμώτατον;’ ‘ἀρετή‧ καὶ γὰρ τἄλλα τῷ χρῆσθαι καλῶς ὠφέλιμα ποιεῖ.’
‘τί βλαβερώτατον;’ ‘κακία‧ καὶ γὰρ τὰ πλεῖστα2 βλάπτει παραγενο-
μένη.’ ‘τί ἰσχυρότατον;’ ‘ἀνάγκη‧ μόνον γὰρ ἀνίκητον.’ ‘τί ῥᾷστον;’ ‘τὸ
κατὰ φύσιν, ἐπεὶ πρὸς ἡδονάς γε πολλάκις ἀπαγορεύουσιν.’

Sim. (Spruchweisheit) Th 89 (w. s.)

1 Paton/Wegehaupt lesen hier τρόποις. Ich folge Ω Stob. M.


2 Andere Lesart: χρηστά.
Plutarch 111

Th 237 [Diog. Laert. 1.36]; Th 564 [321e]). Und als man bei einem Gelage
über Tiere sprach, sollst du gesagt haben: „Das schlimmste wilde Tier ist
der Tyrann, das schlimmste zahme der Schmeichler.“ Dergleichen hören die
Könige nicht gern, wenn sie auch unbedingt darauf wert legen, sich von den
Tyrannen zu unterscheiden. „Aber das“, sagte Thales, „stammt von Pitta-
kos. Er hat es einst im Scherz gegenüber Myrsilos geäußert. Ich meinerseits
würde mich wundern“, sagte er weiter, „nicht, einen alten Tyrannen, son-
dern einen alten Steuermann zu sehen.“1

Th 120
Später geht es um die Frage, worin der Ruhm oder die Glückseligkeit eines
Herrschers liegt:

Gastmahl der Sieben Weisen 7.152A


Solon hielt kurz inne und sagte dann: „Ich glaube, am meisten erwirbt der
König oder der Tyrann Ruhm, der für seine Bürger die Monarchie in eine
Demokratie verwandelt.“ Als Zweiter sagte Bias: „Wenn er die Gesetze des
Vaterlandes zuerst zu Gesetzen für sich macht.“ Darauf sagte Thales, er sehe
die Glückseligkeit eines Herrschers darin, im Alter auf natürliche Weise zu
sterben (vgl. Th 367).

Th 121
Während des Symposions wird ein Brief des Amasis an Bias verlesen. Darin
ist von einem Wettstreit in der Weisheit zwischen Amasis und dem äthio-
pischen König die Rede. Der Ägypter hatte einige Fragen an den Äthiopier
gestellt, dessen Antworten Thales nicht befriedigen. Er gibt daher eigene
Antworten:

Gastmahl der Sieben Weisen 9.153C–D


„Was ist das Älteste?“ „Gott“, sagte Thales, „denn er ist ungeworden (vgl.
Th 90).“ „Was ist das Größte?“ „Der Raum; denn der Kosmos umfasst alles
andere, der Raum aber den Kosmos (vgl. Th 351).“ „Was ist das Schönste?“
„Der Kosmos; denn alles, was Ordnung hat, ist ein Teil von ihm.“ „Was ist
das Weiseste?“ „Die Zeit; denn das eine hat sie schon gefunden, das andere
wird sie finden (vgl. Th 342).“2 „Was ist das Allgemeinste?“ „Die Hoff-

1 Vgl. Gigante 1983, 217 f.


2 Vgl. Arist. Ph. 4.13.222b16 f.; Kahn 1960, 170 f.; Schibli 1990, 29, Anm. 39.
112 Plutarch

Th 122
Sept. sap. conv. 11.154E; 317.8–9
Ἐπὶ τούτῳ Θαλῆς τὴν μήτε πλουσίους ἄγαν μήτε πένητας ἔχουσαν πο-
λίτας.

Th 123
Sept. sap. conv. 12.155D; 319.1–2
Ὁ δὲ Θαλῆς ‘ἐν ᾧ πλείστην ἄγειν τῷ δεσπότῃ σχολὴν ἔξεστιν.’

Th 124
Sept. sap. conv. 15.158C; 325.7–11
‘Ως δὲ Θαλῆς λέγει τῆς γῆς ἀναιρεθείσης σύγχυσιν τὸν ὅλον ἕξειν κόσμον,
οὕτως οἴκου διάλυσις 〈ἡ τροφῆς κατάλυσις〉 ἐστι‧ συναναιρεῖται γὰρ αὐτῇ
πῦρ ἑστιοῦχον ἑστία κρατῆρες ὑποδοχαὶ ξενισμοί, φιλανθρωπότατα καὶ
πρῶτα κοινωνήματα πρὸς ἀλλήλους [...].
Plutarch 113

nung; denn wer auch sonst nichts hat, hat immer noch Hoffnung (vgl. Th
371).“ „Was ist das Nützlichste?“ „Die Tüchtigkeit; denn sie macht alles
andere durch einen guten Gebrauch nützlich.“ „Was ist das Schädlichste?“
„Die Schlechtigkeit; denn ihre Gegenwart fügt den meisten Schaden zu (vgl.
Th 363).“ „Was ist das Stärkste?“ „Die Notwendigkeit; denn sie allein ist
unbesiegbar (vgl. Th 154; Th 341; Th 395).“ „Was ist das Leichteste?“ „Das
Naturgemäße; denn man ist der Lust oft überdrüssig (vgl. insgesamt die
Liste in Th 237 [Diog. Laert. 1.35]; Th 564 [320]) .“

Th 122
Gastmahl der Sieben Weisen 11.154E
Thales sagte, [die beste Demokratie sei] die, welche weder zu reiche noch
zu arme Bürger habe (vgl. Th 366).

Th 123
Gastmahl der Sieben Weisen 12.155D
(Die beste Hausverwaltung.) Thales sagte: „Wo dem Hausherrn die meiste
Muße gegönnt ist (vgl. Th 370).“

Th 124
Eine Diskussion um vegetarische Ernährung. Kleodoros plädiert für fleisch-
liche Kost:

Gastmahl der Sieben Weisen 15.158C


Wie aber Thales sagt, dass, wenn die Erde zerstört wird, die ganze Welt zu-
sammenstürzen werde, so wird es 〈bei einer Abschaffung der Ernährung〉
auch eine Auflösung des Hauses geben. Denn zusammen mit ihr werden
auch das heimatliche Feuer aufgehoben, der Herd, die Mischkrüge, die gast-
lichen Bewirtungen, die Grundlagen einer humanen Gemeinschaft.
114 Plutarch

Th 125
Sept. sap. conv. 17.160E; 330.1–5
‘Ὀκνῶ δ᾽ ἀκούσας Θαλέω ποτ᾽ εἰπόντος ὅτι δεῖ τὰ μὲν εἰκότα λέγειν, τὰ δ᾽
ἀμήχανα σιωπᾶν.’ ὑπολαβὼν οὖν ὁ Βίας ‘ἀλλὰ καὶ τοῦτ᾽’ ἔφη ‘Θαλέω τὸ
σοφόν ἐστιν, ὅτι δεῖ τοῖς μὲν ἐχθροῖς καὶ περὶ τῶν πιστῶν ἀπιστεῖν, τοῖς
δὲ φίλοις καὶ τὰ ἄπιστα πιστεύειν, [...]’.

Sim. (Spruchweisheit) Th 89 (w. s.)

Th 126
Sept. sap. conv. 21.163D; 336.5–8
Μετὰ δὲ τοῦτον ὁ Ἀνάχαρσις εἶπεν ὅτι τοῦ Θαλέω καλῶς ὑπολαμβάνον-
τος ἐν πᾶσιν εἶναι τοῖς κυριωτάτοις μέρεσι τοῦ κόσμου καὶ μεγίστοις ψυ-
χήν, οὐκ ἄξιόν ἐστι θαυμάζειν εἰ τὰ κάλλιστα περαίνεται θεοῦ γνώμῃ.

Sim. (Beseeltheit des Alls) Th 32 (w. s.)

Th 127
De Herodoti malignitate 15.857F; 14.10–12 (ed. Häsler)
Καὶ μὴν τῶν ἑπτὰ σοφῶν, οὓς αὐτὸς σοφιστὰς προσεῖπε, τὸν μὲν Θάλητα
Φοίνικα τῷ γένει τὸ ἀνέκαθεν ἀποφαίνεται βάρβαρον.

Sim. (phönizische Abkunft) Th 12 (w. s.); (Thales, einer der Sieben Weisen)
Th 20 (w. s.)
Plutarch 115

Th 125
Später kommt noch Gorgos, der Bruder Perianders, hinzu und berichtet die-
sem von seinen spektakulären Erlebnissen. Periander meint, er wolle gerne
die eben gehörten Neuigkeiten erzählen, zögere aber noch:

Gastmahl der Sieben Weisen 17.160E


Ich habe Thales einst sagen hören, dass man das Wahrscheinliche sagen,
über das Unmögliche aber schweigen solle. Da fiel ihm Bias ins Wort und
sagte: „Aber auch das ist ein weiser Ausspruch des Thales, man solle sei-
nen Feinden nicht mal das Glaubwürdige, den Freunden aber auch das Un-
glaubwürdige glauben.“

Th 126
In der Folge werden wundersame Geschichten von menschenfreundlichen
Delphinen erzählt, die allerdings die Bereitschaft der Zuhörer, sie zu glau-
ben, auf die Probe stellen:

Gastmahl der Sieben Weisen 21.163D


Nach ihm [Pittakos] sagte Anacharsis: „Wie Thales in schöner Weise an-
nimmt, gibt es in allen der vornehmsten und bedeutendsten Teile des Kos-
mos eine Seele. Man muss sich also nicht wundern, wenn die schönsten
Dinge nach der Einsicht Gottes zustande kommen.“

Th 127
Über die Boshaftigkeit Herodots 15.857F
Und von den Sieben Weisen, die er [Herodot] „Sophisten“ nennt, legt er dar
(Th 12), dass Thales ein Phönizier war, von barbarischer Herkunft.
116 Plutarch

Th 128
De genio Socratis 6.578C–D; 468.9–19 (ed. Sieveking)
Ταῦτα τοῦ Θεοκρίτου λέγοντος ὁ Λεοντίδης ἐξῄει μετὰ τῶν φίλων, ἡμεῖς
δ᾽ εἰσελθόντες ἠσπαζόμεθα τὸν Σιμμίαν ἐπὶ τῆς κλίνης καθεζόμενον οὐ κα-
τατετευχότα τῆς δεήσεως, οἶμαι, μάλα σύννουν καὶ διαλελυπημένον‧ ἀπο-
βλέψας δὲ πρὸς ἅπαντας ἡμᾶς ‛ὦ Ἡράκλεις,’ εἶπεν [578D] ‛ἀγρίων καὶ
βαρβάρων ἠθῶν‧ εἶτ᾽ οὐχ ὑπέρευ Θαλῆς ὁ παλαιὸς ἀπὸ ξένης ἐλθὼν διὰ
χρόνου τῶν φίλων ἐρωτώντων ὅ τι καινότατον ἱστορήκοι ‛τύραννον’ ἔφη
‛γέροντα.’ καὶ γὰρ ᾧ μηδὲν ἰδίᾳ συμβέβηκεν ἀδικεῖσθαι, τὸ βάρος αὐτὸ
καὶ τὴν σκληρότητα τῆς ὁμιλίας δυσχεραίνων ἐχθρός ἐστι τῶν ἀνόμων καὶ
ἀνυπευθύνων δυναστειῶν.

Sim. (Spruchweisheit) Th 89 (w. s.)

Th 129
Quaestiones convivales 3.6.3.654B–C; 103. 5–13 (ed. Hubert)
Καὶ γὰρ ὃ Ζώπυρος εἴρηκε νῦν, ἔχει τινὰ λόγον, καὶ τὸν ἕτερον καιρὸν
ἄλλας ἀκαιρίας ἔχοντα πρὸς τὸ πρᾶγμα καὶ δυσχερείας ὁρῶ. καθάπερ οὖν
Θαλῆς ὁ σοφὸς ὑπὸ τῆς μητρὸς ἐνοχλούμενος γῆμαι [654C] κελευούσης †
πῶς ὑπεξέφυγε παρήγαγε λέγων πρὸς αὐτὴν ἐν ἀρχῇ μέν ‛οὔπω καιρὸς
ὦ μῆτερ,’ ὕστερον δ᾽ ‛οὐκέτι καιρὸς ὦ μῆτερ’, οὕτως ἄρα καὶ πρὸς ἀφροδί-
σια κράτιστον [ἔσται] ἔχειν ἕκαστον, ὥστε κατακλινόμενον λέγειν ‛οὔπω
καιρός’, ἀνιστάμενον δ᾽ ‛οὐκέτι καιρός’.’

Sim. (Familienstand) Th 112 (w. s.)

Th 130
De sollertia animalium 16.971A–C; 41.1–17 (ed. Hubert)
Πανουργίας δὲ πολλῶν παραδειγμάτων ὄντων, ἀφεὶς ἀλώπεκας καὶ
λύκους καὶ τὰ γεράνων σοφίσματα καὶ [971B] κολοιῶν, ἔστι γὰρ δῆλα,
μάρτυρι χρήσομαι Θαλῇ τῷ παλαιοτάτῳ τῶν σοφῶν, ὃν οὐχ ἥκιστα θαυ-
μασθῆναι λέγουσιν ὀρέως τέχνῃ περιγενόμενον. τῶν γὰρ ἁληγῶν ἡμιόνων
εἷς ἐμβαλὼν εἰς ποταμὸν ὤλισθεν αὐτομάτως καὶ τῶν ἁλῶν διατακέντων
ἀναστὰς ἐλαφρὸς ᾔσθετο τὴν αἰτίαν καὶ κατεμνημόνευσεν‧ ὥστε διαβαί-
νων ἀεὶ τὸν ποταμὸν ἐπίτηδες ὑφιέναι καὶ βαπτίζειν τὰ ἀγγεῖα, συγκα-
θίζων καὶ ἀπονεύων εἰς ἑκάτερον μέρος. ἀκούσας οὖν ὁ Θαλῆς ἐκέλευσεν
ἀντὶ τῶν ἁλῶν ἐρίων τὰ ἀγγεῖα καὶ σπόγγων ἐμπλήσαντας καὶ ἀναθέν-
τας ἐλαύνειν τὸν [971C] ἡμίονον. ποιήσας οὖν τὸ εἰωθὸς καὶ ἀναπλήσας
Plutarch 117

Th 128
Das Daimonion des Sokrates 6.578C–D
Es wird der Ausspruch des Thales zitiert, der nach der Heimkehr aus der
Fremde auf die Frage der Freunde, was das Neueste wäre, wovon er ver-
nommen habe, geantwortet habe: „Von einem alten Tyrannen“ (vgl. Th 119;
Th 564 [321e]).

Th 129
Tischgespräche 3.6.3.654B–C
Thales’ Antwort auf die nach seiner Verheiratung drängende Mutter (vgl.
Th 237 [Diog. Laert. 1.26]; Th 564 [318]).

Th 130
Über die Schlauheit der Tiere 16.971A–C
Es gibt viele Beispiele für Verschlagenheit, wobei ich nicht von Füchsen und
Wölfen sprechen will oder den Kunststücken von Kranichen und Dohlen
– denn die sind ja bekannt. Zum Zeugen werde ich Thales, den ältesten der
Weisen, nehmen. Man sagt, er sei nicht am wenigsten bewundert worden,
weil er ein Lasttier durch einen Kunstgriff überwunden habe. Denn eines
von den Salz befördernden Maultieren ging in einen Fluss hinein, glitt zu-
fällig aus und, da das Salz sich auflöste, stand von der Last befreit auf. Es
erkannte den Grund dafür und prägte ihn sich ein. Und immer, wenn es
durch den Fluss ging, gab es absichtlich nach und befeuchtete das Gepäck,
indem es sich niederkauerte und sich nach beiden Seiten bog. Als Thales
118 Plutarch – D. Iunius Iuvenalis

ὕδατος τὰ φορτία συνῆκεν ἀλυσιτελῆ σοφιζόμενος ἑαυτῷ, καὶ τὸ λοιπὸν


οὕτω προσέχων καὶ φυλαττόμενος διέβαινε τὸν ποταμόν, ὥστε μηδ᾽ ἄκον-
τος αὐτοῦ τῶν φορτίων παραψαῦσαι τὸ ὑγρόν.

Th 131
De E apud Delphos 3.385D–E; 3.24–27 (ed. Sieveking)
Λέγουσι γὰρ ἐκείνους τοὺς σοφοὺς ὑπ᾽ ἐνίων δὲ σοφιστὰς προσαγορευθέν-
τας αὐτοὺς μὲν [385Ε] εἶναι πέντε, Χίλωνα καὶ Θαλῆν καὶ Σόλωνα καὶ Βί-
αντα καὶ Πιττακόν.

Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.)

D. Iunius Iuvenalis
Th 132
Saturae 13.180–191 (ed. Willis)
‚At vindicta bonum vita iucundius ipsa.‘
nempe hoc indocti quorum praecordia nullis
interdum aut levibus videas flagrantia causis.
quantulacunque adeo est occasio, sufficit irae.
Chrysippus non dicet idem nec mite Thaletis
ingenium dulcique senex vicinus Hymetto,
qui partem acceptae saeva inter vincla cicutae
accusatori nollet dare. plurima felix
paulatim vitia atque errores exuit omnes
prima docens rectum sapientia. quippe minuti
semper et infirmi est animi exiguique voluptas
ultio.
Plutarch – D. Iunius Iuvenalis 119

das hörte, gab er Anordnung, das Gepäck mit Wolle und Schwämmen statt
mit Salz zu füllen und das Maultier so beladen zu treiben. Als es nun wie
gewohnt handelte und seine Last mit Wasser füllte, erkannte es, dass sein
Kunststück vergeblich war und durchschritt den Fluss künftig so aufmerk-
sam und vorsichtig, dass das Wasser nicht einmal versehentlich die Last
berühren konnte.1

Th 131
Über das E in Delphi 3.385D–E
Die Sieben Weisen sind ursprünglich nur fünf gewesen: Chilon, Thales, So-
lon, Bias, Pittakos. Dafür steht nach einer Deutung auch der Buchstabe bzw.
das Zahlzeichen „Ε“.

D. Iunius Iuvenalis (67–nach 99/ 100 n. Chr.)


Th 132
Satiren 13.180–191
Trostzusprüche wegen eines Treuebruchs (Unterschlagung).

„Aber die Rache ist doch etwas Gutes, schöner selbst als das Leben!“ Ja,
aber das sagen doch die Ungebildeten, deren Herzen oft aus nichtigem oder
geringem Grund entbrennen: Wie gering ist nicht ein Anlass, dass er nicht
dem Zorn genügte! Aber Chrysippus wird so etwas nicht sagen noch des
Thales sanftes Genie, noch der Greis nahe dem süßen Hymettos, der noch
in Fesseln selbst seinem Ankläger nicht einen Teil des Schierlingssaftes hätte
geben wollen. Schon in ihren Anfängen lehrt beglückende Philosophie uns
alle nach und nach, Fehler und Irrtum abzulegen. Rache ist ja die Freude nur
eines kleinlichen Geistes, der unsicher und unbedeutend ist.2

1 Vgl. Th 227 sowie Babrios Fabel 111 (Lachmann); Aesop Fabel 180 (Perry).
2 Übersetzung: Schnur 1969.
120 Sabinos – Pseudo-Hyginus

Sabinos
Th 133
Gal. in Hipp. de nat. hom. 1.15.24.14–25.6 = Mewaldt CMG V 9.1.15.11–18,
s. Th 182

Agathemeros
Th 134
Geographiae informatio 1.1–2 (ed. Müller)
Ἀναξίμανδρος ὁ Μιλήσιος, ἀκουστὴς Θάλεω, πρῶτος ἐτόλμησε τὴν οἰκου-
μένην ἐν πίνακι γράψαι.

Pseudo-Plutarch
Th 135
Stromata: Strom. Fr. 179.1–40 Sandbach, s. Th 260 (Eus. PE 1.7.16–8.3)

Pseudo-Hyginus
Th 136
De astronomia 2.2.3 (ed. Le Boeuffle)
Incidit etiam compluribus erratio, quibus de causis minor Arctus Phoenice
appelletur, et illi qui hanc obseruant uerius et diligentius nauigare dicantur:
quare, si haec sit certior quam maior, non omnes hanc obseruent. Qui non
intellegere uidentur, de qua historia sit profecta ratio ut Phoenice appel-
laretur. Thales enim, qui diligenter de his rebus exquisiuit et hanc primus
Arctum appellauit, natione fuit Phoenix, ut Herodotus Milesius dicit. Igi-
tur omnes qui Peloponnesum incolunt, priore utuntur Arcto; Phoenices
autem, quam a suo inuentore acceperunt, obseruant, et hanc studiosius
perspiciendo diligentius nauigare existimantur, et uere ab inuentoris genere
Phoenicen appellant.
Sabinos – Pseudo-Hyginus 121

Sabinos (1./2. Jh. n. Chr.)


Th 133
Galen zufolge schreibt Sabinos, dass nach Thales der Mensch aus Wasser
bestehe.

Agathemeros (1./2. Jh. n. Chr.)1


Th 134
Darlegung der Geographie 1.1–2
Anaximander, der Schüler des Thales, wagte es als Erster, die bewohnte Welt
auf einer Karte einzuzeichnen.

Pseudo-Plutarch (2. Jh. n. Chr.)2


Th 135
Eusebios zitiert (Pseudo-)Plutarch über die Prinzipienlehren der Philoso-
phen.

Pseudo-Hyginus (2. Jh. n. Chr.)


Th 136
Über die Astronomie 2.2.3
Es gibt bei mehreren eine Verwirrung darüber, weshalb der Kleine Bär
‚Phoenice‘ genannt wird und warum die, die ihn beobachten [angeblich]
richtiger und genauer segeln sollen; und weshalb ihn nicht alle beobach-
ten, wenn er doch zuverlässiger als der Große Bär ist. Sie scheinen nicht
zu wissen, was der Hintergrund für die Überlegung ist, ihn ‚Phoenice‘
zu nennen. Thales nämlich, der über diese Dinge sorgfältig geforscht und
ihn zuerst ‚Bär‘ genannt hat, war phönizischer Herkunft, wie der Milesier
Herodot sagt. Alle also, die den Peloponnes bewohnen, machen vom ersten

1 Siehe Diller 1975, 59.


2 Siehe Diels 19582, 156 ff.
122 Pseudo Hyginus – Maximus von Tyros

Sim. (Vermessung der Gestirne/Entdecker des Wagens) Th 52 (w. s.); (Thales


als Vertreter der Astronomie) Th 103 (w. s.); (phönizische Abkunft) Th 12
(w. s.)

Th 137
Fabula 221 (ed. Marshall)
CCXXI SEPTEM SAPIENTES
Pittacus Mitylenaeus, Periander Corinthius, Thales Milesius, Solon Atheni-
ensis, Chilon Lacedaemonius, Cleobulus Lindius, Bias Prieneus. sententiae
eorum sunt:
Optimus est, Cleobulus ait, modus, incola Lindi;
ex Ephyre Periandre doces, Cuncta emeditanda;
Tempus nosce, inquit Mitylenis Pittacus ortus;
Plures esse malos Bias autumat ille Prieneus;
Milesiusque Thales Sponsori damna minatur;
Nosce, inquit, tete, Chilon Lacedaemone cretus;
Cepcropiusque Solon Ne quid nimis induperauit.

Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.); (Spruchweisheit) Th 89
(w. s.)

Maximus von Tyros


Th 138
Dialexeis 26.2.f.1–h.2 (ed. Koniaris)
Καὶ Ὅμηρος μὲν ἀποκηρύττεται φιλοσοφίας, ὁ ἡγεμὼν τοῦ γένους, ἀφ᾽
οὗ δὲ τὰ ἐκ Θρᾴκης καὶ Κιλικίας σοφίσματα εἰς τὴν Ἑλλάδα παρέδυ, καὶ
ἡ Ἐπικούρου ἄτομος, καὶ τὸ Ἡρακλείτου πῦρ, καὶ τὸ Θαλοῦ ὕδωρ, καὶ
τὸ Ἀναξιμένους πνεῦμα, καὶ τὸ Ἐμπεδοκλέους νεῖκος, καὶ ὁ Διογένους πί-
θος, καὶ τὰ πολλὰ τῶν φιλοσόφων στρατόπεδα ἀντιτεταγμένα ἀλλήλοις
[26.2.g] καὶ ἀντιπαιωνίζοντα, λόγων μὲν πάντα μεστὰ καὶ ψιθυρισμάτων,
σοφιστῶν σοφισταῖς συμπιπτόντων, ἔργου [26.2.h] δὲ ἐρημία δεινή‧ καὶ
τὸ θρυλούμενον τοῦτο, τὸ ἀγαθόν, ὑπὲρ οὗ διέστηκεν καὶ διεστασίασται
τὸ Ἑλληνικόν, οὐδεὶς ὁρᾷ.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (erster Weiser/Philosoph) Th 29 (w. s.)


Pseudo Hyginus – Maximus von Tyros 123

Bären Gebrauch; die Phönizier aber beobachten [den Bären], den sie von
ihrem Entdecker übernommen haben, und man glaubt, dass sie, indem sie
ihn sorgfältig beobachten, genauer segeln. Zurecht nennen sie ihn nach der
Herkunft seines Entdeckers ‚Phoenice‘.

Th 137
Fabeln 221
Thales wird hier mit dem Spruch „Bürge, und schon ist das Unheil da“ auf-
geführt (vgl. Th 89).1

Maximus von Tyros (2. Jh. n. Chr.)


Th 138
Unterredungen 26.2.f.1–h.2
Und Homer zwar, der Archeget der Gattung [der Philosophen] wird als
Philosoph verbannt. Seitdem aber die Klügeleien aus Thrakien und Kili-
kien nach Griechenland kamen sowie das Atom Epikurs, das Feuer He-
raklits, Thales’ Wasser, Anaximenes’ Luft, der Streit des Empedokles und
die Tonne des Diogenes und all die sich bekämpfenden und gegeneinander
den Kriegsgesang anstimmenden Heerlager der Philosophen, ist alles voller
Reden und Ohrenbläsereien, wo Sophisten mit Sophisten aneinander gera-
ten, aber es gibt einen gewaltigen Mangel an Taten. Und das viel beredete

1 Vgl. Anthologia Latina 882 (Riese)


124 Maximus von Tyros – Sextus Empiricus

Th 139
Dial. 29.7.i.1–l.1
Τὴν δὲ τῶν ἀνθρώπων ἀγέλην, τὴν σύννομον, τὴν ἡμερωτάτην, τὴν κοινω-
νικοτάτην, τὴν λογικωτάτην, κινδυνεύει διαλύειν καὶ διασπᾶν οὐκ ἐπιθυ-
μία δημώδης μόνον, οὐδὲ ὀρέξεις ἄλογοι, οὐδὲ ἔρωτες κενοί, [29.7.k] ἀλλὰ
καὶ τὸ βεβαιότατον τῶν ὄντων, φιλοσοφία‧ πολλοὺς καὶ αὕτη δήμους ποιεῖ
καὶ νομοθέτας μυρίους· διασπᾷ καὶ διασκίδνησιν τὴν ἀγέλην, καὶ πέμπει
ἄλλον ἀλλαχοῦ, Πυθαγόραν μὲν ἐπὶ μουσικήν, Θαλῆ〈ν〉 δὲ ἐπὶ ἀστρονο-
μίαν, Ἡράκλειτον δὲ ἐπὶ ἐρημίαν, Σωκράτην δὲ ἐπὶ ἔρωτας, Καρνεάδην δὲ
ἐπὶ ἄγνοιαν, Διογένην [29.7.l] ἐπὶ πόνους, Ἐπίκουρον ἐφ᾽ ἡδονήν.

Sim. (Thales als Vertreter der Astronomie) Th 103 (w. s.)

Sextus Empiricus
Th 140
Pyrrhoniae hypotyposes 3.30 (ed. Mutschmann)
Περὶ μὲν οὖν τῆς δραστικῆς τοσαῦτα νῦν ἀρκέσει λελέχθαι‧ συντόμως δὲ
καὶ περὶ τῶν ὑλικῶν καλουμένων ἀρχῶν λεκτέον. ὅτι τοίνυν αὗταί εἰσιν
ἀκατάληπτοι, ῥᾴδιον συνιδεῖν ἐκ τῆς περὶ αὐτῶν γεγενημένης διαφωνίας
παρὰ τοῖς δογματικοῖς. Φερεκύδης μὲν γὰρ ὁ Σύριος γῆν εἶπε τὴν πάντων
εἶναι ἀρχήν, Θαλῆς δὲ ὁ Μιλήσιος ὕδωρ, Ἀναξίμανδρος δὲ ὁ ἀκουστὴς
τούτου τὸ ἄπειρον, Ἀναξιμένης δὲ καὶ Διογένης ὁ Ἀπολλωνιάτης ἀέρα
[...].

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 141
Adversus mathematicos 7.5 (ed. Mutschmann/Mau)
Φυσικὸν μὲν οὖν μόνον ὑπεστήσαντο μέρος Θαλῆς τε καὶ Ἀναξιμένης καὶ
Ἀναξίμανδρος, Ἐμπεδοκλῆς τε καὶ Παρμενίδης καὶ Ἡράκλειτος, ὧν Θαλῆς
μὲν καὶ Ἀναξιμένης καὶ Ἀναξίμανδρος κατὰ πάντας καὶ ἀναμφιλέκτως, ὁ δὲ
Ἐμπεδοκλῆς καὶ Παρμενίδης ἔτι δὲ Ἡράκλειτος οὐ κατὰ πάντας.
Maximus von Tyros – Sextus Empiricus 125

‚Gute‘, über das die griechische Welt in streitende Parteien zerfiel, ist aus
dem Blick geraten.

Th 139
Unterredungen 29.7.i.1–l.1
Die Philosophie gibt keine klare Antwort hinsichtlich des Lebensziels. Sie
zersplittert die menschliche Herde und schickt den einen hierhin, den ande-
ren dorthin: [...] Pythagoras zur Musik, Thales zur Astronomie, Heraklit
zur Einsamkeit, Sokrates zu Liebesdingen [...].

Sextus Empiricus (2. Jh. n. Chr.)


Th 140
Grundzüge des Pyrrhonismus 3.30
Über die Wirkursache soweit. Kurz soll aber auch über die so genannten
stofflichen Prinzipien gesprochen werden. Dass diese unerkennbar sind, ist
leicht aus der über sie entstandenen Kontroverse bei den Dogmatikern zu
ersehen. Pherekydes nämlich aus Syros sagt, dass die Erde das Prinzip aller
Dinge sei, Thales aus Milet das Wasser, Anaximander, sein Hörer, das Un-
endliche, Anaximenes und Diogenes aus Apollonia die Luft [...].

Th 141
Unterschiedliche Ansichten über die Abteilungen der Philosophie:

Gegen die Dogmatiker 7.5


Lediglich einen naturphilosophischen Bereich nahmen Thales, Anaximenes,
Anaximander, Empedokles, Parmenides und Heraklit an. Thales, Anaxime-
126 Sextus Empiricus

Th 142
Math. 7.89
Ἀλλ᾽ οὗτοι μὲν τοιαύτης μετεσχήκασι στάσεως, πρῶτοι δ᾽ ἔδοξαν οἱ ἀπὸ
Θάλεω φυσικοὶ τὴν περὶ κριτηρίου σκέψιν εἰσηγήσασθαι. καταγνόντες
γὰρ τῆς αἰσθήσεως ἐν πολλοῖς ὡς ἀπίστου, τὸν λόγον κριτὴν τῆς ἐν τοῖς
οὖσιν ἀληθείας ἐπέστησαν‧ ἀφ᾽ οὗ ὁρμώμενοι περί τε ἀρχῶν καὶ στοιχείων
καὶ τῶν ἄλλων διετάσσοντο, ὧν ἡ κατάληψις διὰ τῆς τούτου δυνάμεως
περιγίνεται.

Th 143
Math. 9.359–360
Οἱ μὲν γὰρ σώματα ἔλεξαν εἶναι τὰ τῶν ὄντων στοιχεῖα, οἱ δὲ ἀσώματα.
[9.360] καὶ τῶν σώματα φαμένων Φερεκύδης μὲν ὁ Σύριος γῆν ἔλεξε πάντων
εἶναι ἀρχὴν καὶ στοιχεῖον, Θαλῆς δὲ ὁ Μιλήσιος ὕδωρ, Ἀναξίμανδρος δὲ
ὁ ἀκουστὴς τούτου τὸ ἄπειρον, Ἀναξιμένης δὲ καὶ Ἰδαῖος ὁ Ἱμεραῖος καὶ
Διογένης ὁ Ἀπολλωνιάτης καὶ Ἀρχέλαος ὁ Ἀθηναῖος, Σωκράτους δὲ καϑ-
ηγητής, [...].

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 144
Math. 10.313
Ἐξ ἑνὸς δὲ καὶ ποιοῦ γεγενῆσθαι τὰ πάντα θέλουσιν οἵ τε περὶ τὸν Ἵππα-
σον καὶ Ἀναξιμένη καὶ Θαλῆ, ὧν Ἵππασος μὲν καὶ κατά τινας Ἡράκλειτος
ὁ Ἐφέσιος ἐκ πυρὸς ἀπέλιπον τὴν γένεσιν, Ἀναξιμένης δὲ ἐξ ἀέρος, Θαλῆς
δὲ ἐξ ὕδατος, Ξενοφάνης δὲ κατ᾽ ἐνίους ἐκ γῆς.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)


Sextus Empiricus 127

nes und Anaximander nach Ansicht aller und ohne Frage; Empedokles aber,
Parmenides, außerdem Heraklit nicht nach Ansicht aller.

Th 142
Gegen die Dogmatiker 7.89
Aber diese [Metrodor und andere] haben einen solchen Standpunkt geteilt.
Als Erste scheinen aber die Naturphilosophen seit Thales die Untersuchung
über das Kriterium [der Wahrheit] eingeführt zu haben. Da sie nämlich die
Wahrnehmung in vielem als unglaubwürdig verurteilten, bestimmten sie
den Logos zur Beurteilung der Wahrheit im Seienden; von ihm ausgehend
unternahmen sie ihre Bestimmungen über die Prinzipien, die Elemente und
die anderen Dinge, deren Erfassung mit Hilfe von dessen [des Logos’] Ver-
mögen geschieht.

Th 143
Gegen die Dogmatiker 9.359–360
Thales als Vertreter des körperlichen Prinzips Wasser.

Th 144
Gegen die Dogmatiker 10.313
Die Entstehung aller Dinge aus einer einzigen Qualität, Thales zufolge aus
dem Wasser.
128 Irenäus von Lyon – Pseudo-Plutarch

Irenäus von Lyon


Th 145
Adversus haereses 2.14.2 (ed. Brox)
Et non solum quae apud comicos posita sunt arguuntur quasi propria pro-
ferentes, sed etiam quae apud omnes qui Deum ignorant et qui dicuntur
philosophi sunt dicta, haec congregant et, quasi centonem ex multis et pes-
simis panniculis consarcientes, finctum superficium subtili eloquio sibi ipsi
praeparaverunt, novam quidem introducentes doctrinam, propterea quod
nunc nova arte substituta sit, veterem autem et inutilem, quoniam quidem
de veteribus dogmatibus ignorantiam et irreligiositatem olentibus haec ea-
dem subsuta sunt. Thales quidem Milesius universorum generationem et
initium aquam dixit esse: idem autem est dicere aquam et Bythum. Homerus
autem poeta Oceanum deorum genesim et matrem Tethyn dogmatizavit:
quae quidem hi in Bythum et Sigen transtulerunt. Anaximander autem hoc
quod immensum est omnium initium subiecit, seminaliter habens in semet-
ipso omnium genesim, ex quo immensos mundos constare ait: et hoc autem
in Bythum et in Aeonas ipsorum transfiguraverunt.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (Wasserhypothese geht auf erste Theolo-
gen/Homer zurück) Th 29 (w. s.)

Pseudo-Plutarch
Th 146
Placita philosophorum 1.2.875C4–D7 (ed. Lachenaud)
(βʹ. Τίνι διαφέρει ἀρχὴ καὶ στοιχεῖα) Οἱ μὲν οὖν περὶ Ἀριστοτέλην καὶ
Πλάτωνα διαφέρειν ἡγοῦνται ἀρχὴν καὶ στοιχεῖα, Θαλῆς δ᾽ ὁ Μιλήσιος
ταὐτὸν νομίζει ἀρχὴν καὶ στοιχεῖα. Πλεῖστον δ᾽ ὅσον διαφέρει ἀλλήλων‧ τὰ
μὲν γὰρ στοιχεῖά ἐστι σύνθετα, τὰς δ᾽ ἀρχάς φαμεν εἶναι οὔτε συνθέτους
οὔτ᾽ ἀποτελέσματα‧ οἷον [875D] στοιχεῖα μὲν καλοῦμεν γῆν ὕδωρ ἀέρα
πῦρ‧ ἀρχὰς δὲ λέγομεν διὰ τοῦτο, ὅτι οὐκ ἔχει τι πρότερον ἐξ οὗ γεννᾶται,
ἐπεὶ οὐκ ἔσται ἀρχὴ τοῦτο, ἀλλ᾽ ἐκεῖνο ἐξ οὗ γεγέννηται. Τῆς δὲ γῆς καὶ
τοῦ ὕδατος ἔστι τινὰ πρότερα ἐξ ὧν γέγονεν, ἡ ὕλη ἄμορφος οὖσα καὶ ἀει-
Irenäus von Lyon – Pseudo-Plutarch 129

Irenäus von Lyon (2. Jh. n. Chr.)


Th 145
In seinem gegen die Gnostiker gerichteten (nur in lateinischer Übersetzung
erhaltenen) Werk beschuldigt Irenäus die Anhänger des Valentinus u. a. der
falschen Abhängigkeit von der Philosophie

Gegen die Häresien 2.14.2


Und man ertappt sie nicht nur dabei, dass sie als eigenes Gedankengut aus-
geben, was bei den Komikern vorgegeben ist, sondern auch die Aussagen
all der Leute, die Gott nicht kennen, der so genannten Philosophen, die
sammeln sie. Sie haben sich sozusagen aus vielen schlechtesten Fetzen einen
Lumpenrock zusammengeflickt und so ein Obergewand aus akkurater Rede
geschaffen. Die Lehre, die sie einführen, ist zwar neu, weil sie erst jetzt mit
neuartiger Geschicklichkeit hergestellt wurde; alt ist sie aber und wertlos,
weil sie von alten Dogmen, die nach Unwissenheit und Gottlosigkeit stin-
ken, gesäumt ist. Nach Thales von Milet ist das Wasser der Ursprung und
Anfang aller Dinge; statt Wasser kann man [nach Meinung der Valentinia-
ner] aber auch Bythos sagen. Der Dichter Homer hat die Lehre vorgetra-
gen, der Okeanos [Ozean] sei der Ursprung der Götter und Tethys ihre
Mutter. Das haben die [Valentinianer] auf Bythos und Sige übertragen. An-
aximander hat als Anfang von allem das Unermessliche gesetzt, das keim-
haft den Ursprung aller Dinge in sich trägt und aus dem nach seiner Lehre
die unendlichen Welten entstanden. Auch das haben die [Valentinianer] in
ihren Bythos und ihre Äonen umgewandelt [Übersetzung Norbert Brox].

Pseudo-Plutarch (ca. 1. Hälfte 2. Jh. n. Chr.?)


Th 146
Thales steht in dieser aristotelisch geprägten Passage1 für die nur ein materi-
elles Prinzip annehmenden Monisten.

Philosophische Lehrmeinungen 1.2.875C4–D7


(Wodurch sich Prinzip und Elemente unterscheiden.) Aristoteles und Pla-
ton nehmen an, dass sich Prinzip und Elemente unterscheiden. Thales aus
Milet aber glaubt, dass Prinzip und Elemente ein und dasselbe sind (vgl.

1 Siehe Lachenaud 196–8.


130 Pseudo-Plutarch

δής, καὶ τὸ εἶδος ὃ καλοῦμεν ἐντελέχειαν, καὶ ἡ στέρησις. Ἁμαρτάνει οὖν ὁ


Θαλῆς στοιχεῖον καὶ ἀρχὴν λέγων τὸ ὕδωρ.

Th 147
Plac. phil. 1.3.875D8–F5
(γʹ. Περὶ τῶν ἀρχῶν τί εἰσιν) Θαλῆς ὁ Μιλήσιος ἀρχὴν τῶν ὄντων ἀπεφή-
νατο τὸ ὕδωρ. [875E] Δοκεῖ δ᾽ ὁ ἀνὴρ οὗτος ἄρξαι τῆς φιλοσοφίας καὶ ἀπ᾽
αὐτοῦ ἡ Ἰωνικὴ αἵρεσις προσηγορεύθη‧ ἐγένοντο γὰρ πλεῖσται διαδοχαὶ
φιλοσοφίας. Φιλοσοφήσας δ᾽ ἐν Αἰγύπτῳ ἦλθεν εἰς Μίλητον πρεσβύτερος·
[ὃς] ἐξ ὕδατος 〈γάρ〉 φησι πάντα εἶναι καὶ εἰς ὕδωρ πάντα ἀναλύεσθαι‧
στοχάζεται δ᾽ ἐκ τούτου πρῶτον ὅτι πάντων τῶν ζῴων ἡ γονὴ ἀρχή
ἐστιν, ὑγρὰ οὖσα‧ οὕτως εἰκὸς καὶ τὰ πάντα ἐξ ὑγροῦ τὴν ἀρχὴν ἔχειν.
Δεύτερον, ὅτι πάντα τὰ φυτὰ ὑγρῷ τρέφεται καὶ καρποφορεῖ, ἀμοι-
ροῦντα δὲ ξηραίνεται‧ [875F] τρίτον, ὅτι καὶ αὐτὸ τὸ πῦρ τὸ τοῦ ἡλίου
καὶ τὸ τῶν ἄστρων ταῖς τῶν ὑδάτων ἀναθυμιάσεσι τρέφεται καὶ αὐτὸς ὁ
κόσμος‧ διὰ τοῦτο καὶ Ὅμηρος ταύτην τὴν γνώμην ὑποτίθεται περὶ τοῦ
ὕδατος Ὠκεανός, ὅσπερ γένεσις πάντεσσι τέτυκται.

Sim. (Ionische Schule) Th 148, Th 202, Th 236, Th 239, Th 242, Th 262,


Th 271, Th 311, Th 344, Th 391, Th 472, Th 520, Th 540

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (ägyptischer Einfluss) Th 92 (w. s.); (ers-
ter Weiser/Philosoph) Th 29 (w. s.); (Wasserhypothese geht auf erste Theo-
logen/Homer zurück) Th 29 (w. s.)
Pseudo-Plutarch 131

Th 345). Es gibt aber einen beträchtlichen Unterschied zwischen ihnen. Die


Elemente sind nämlich zusammengesetzt, von den Prinzipien aber behaup-
ten wir, dass sie weder zusammengesetzt noch Prozessergebnisse sind. Wir
nennen zum Beispiel Erde, Wasser, Feuer und Luft Elemente. Von Prinzi-
pien aber sprechen wir deshalb, weil es nichts Vorheriges gibt, aus dem es
erzeugt wird; denn dies wird nicht das Prinzip sein, sondern jenes, aus dem
es erzeugt wurde. Es gibt aber etwas vor der Erde und dem Wasser, aus dem
sie wurden: die gestalt- und formlose Materie, die Form, die wir „Entele-
chie“ nennen, und die Privation. Thales irrt sich also, wenn er das Wasser
Element und Prinzip nennt.

Th 147
Philosophische Lehrmeinungen 1.3.875D8–F5
(Was die Prinzipien sind.) Thales aus Milet legte dar, dass das Prinzip alles
Seienden das Wasser ist. Es scheint aber dieser Mann der Archeget der Phi-
losophie gewesen zu sein, und nach ihm erhielt die Ionische Schule ihren
Namen; denn es entstanden sehr viele Schulen der Philosophie. Nachdem er
in Ägypten philosophiert hatte, kam er in höherem Alter nach Milet zurück.
Aus dem Wasser, so sagt er, sei alles und in Wasser löse sich alles wieder
auf. Er schließt dies zunächst aus der Tatsache, dass der Same, der feucht
ist, das Prinzip aller Lebewesen ist. So ist es wahrscheinlich, dass alle Dinge
ihr Prinzip aus dem Feuchten haben. Zweitens [schließt er dies aus der Tat-
sache], dass alle Pflanzen dank des Feuchten ernährt werden und Frucht
tragen, aber vertrocknen, wenn sie keinen Anteil [am Feuchten] haben.
Drittens [schließt er dies aus der Tatsache], dass auch das Feuer der Sonne
selbst und das der Gestirne durch die Ausdünstungen der Wasser ernährt
werden, ebenso der Kosmos. Daher äußert auch Homer diese Ansicht über
das Wasser: „Der Okeanos, der der Ursprung von allem ist.“1

1 Ilias 14.246.
132 Pseudo-Plutarch

Th 148
Plac. phil. 1.3.876D13–E2
(γʹ. Περὶ τῶν ἀρχῶν τί εἰσιν) Οὗτοι μὲν οὖν ἐφεξῆς ἀλλήλοις ταῖς διαδο-
χαῖς γενόμενοι τὴν λεχθεῖσαν Ἰωνικὴν συμπληροῦσι φιλοσοφίαν ἀπὸ Θά-
λητος.

Sim. (Ionische Schule) Th 147 (w. s.)

Th 149
Plac. phil. 1.7.881D8
(ζʹ. Τίς ὁ θεός) [...] Θαλῆς νοῦν τοῦ κόσμου θεόν.

Sim. (Gott [als Geist des Kosmos]) Th 72 (w. s.)

Th 150
Plac. phil. 1.8.882B1–7
(ηʹ. Περὶ δαιμόνων καὶ ἡρώων) Παρακειμένως δὲ τῷ περὶ θεῶν λόγῳ τὸν
περὶ δαιμόνων καὶ ἡρώων ἱστορητέον. Θαλῆς Πυθαγόρας Πλάτων οἱ
Στωικοὶ δαίμονας ὑπάρχειν οὐσίας ψυχικάς‧ εἶναι δὲ καὶ ἥρὡας τὰς κεχω-
ρισμένας ψυχὰς τῶν σωμάτων, καὶ ἀγαθοὺς μὲν τὰς ἀγαθὰς κακοὺς δὲ
τὰς φαύλας.

Sim. (Dämonen, Heroen) Th 186, Th 275, Th 340, Th 394

Th 151
Plac. phil. 1.9.882C3–5
(θʹ. Περὶ ὕλης) [...] Οἱ ἀπὸ Θάλεω καὶ Πυθαγόρου καὶ οἱ Στωικοὶ τρεπτὴν
καὶ ἀλλοιωτὴν καὶ μεταβλητὴν καὶ ῥευστὴν ὅλην δι᾽ ὅλης τὴν ὕλην.

Sim. (Materie) Th 276, Th 331, Th 346

Th 152
Plac. phil. 1.16.883D4–6
(ιϚʹ. Περὶ τομῆς σωμάτων) Οἱ ἀπὸ Θάλεω καὶ Πυθαγόρου παθητὰ 〈τὰ〉
σώματα καὶ τμητὰ εἰς ἄπειρον.
Pseudo-Plutarch 133

Th 148
Philosophische Lehrmeinungen 1.3.876D13–E2
(Was die Prinzipien sind.) Diese [Thales, Anaximander, Anaximenes, An-
axagoras, Archelaos] machen also in kontinuierlicher Abfolge von Thales
an die besagte ‚ionische Philosophie‘ vollzählig.

Th 149
Philosophische Lehrmeinungen 1.7.881D8
(Was Gott ist.) [...] Für Thales ist der Geist des Kosmos Gott.

Th 150
Philosophische Lehrmeinungen 1.8.882B1–7
(Dämonen und Heroen.) Parallel zu dem Bericht über die Götter müssen
wir auch den über Dämonen und Heroen wiedergeben. Thales, Pythagoras,
Platon und die Stoiker nehmen an, dass die Dämonen seelische Substanzen
seien. Die Heroen aber seien von den Körpern getrennte Seelen, und zwar
gute, wenn die Seele gut, schlechte, wenn sie schlecht ist.

Th 151
Philosophische Lehrmeinungen 1.9.882C3–5
(Die Materie.) [...] Thales und seine Schule, Pythagoras und seine Schule
und die Stoiker sagen, dass die Materie umwandelbar, veränderbar, modifi-
zierbar und im Fluss in ihrem ganzen Umfange sei.

Th 152
Philosophische Lehrmeinungen 1.16.883D4–6
(Die Zerteilung der Körper.) Die Schule des Thales und die Schule des Py-
thagoras sagen, dass die Körper affizierbar seien und unbegrenzt zerteilt
werden könnten (vgl. Th 348).
134 Pseudo-Plutarch

Th 153
Plac. phil. 1.18.883E10–F1
(ιηʹ. Περὶ κενοῦ) Οἱ ἀπὸ Θάλεω φυσικοὶ πάντες μέχρι Πλάτωνος τὸ κενὸν
ἀπέγνωσαν.

Th 154
Plac. phil. 1.25.884D13–E1
(κεʹ. Περὶ ἀνάγκης) Θαλῆς‧ ἰσχυρότατον ἀνάγκη, κρατεῖ γὰρ τοῦ
παντός.

Sim. (Spruchweisheit) Th 89 (w. s.)

Th 155
Plac. phil. 2.1.886B8
(αʹ. Περὶ κόσμου) [...] Θαλῆς καὶ οἱ ἀπ᾽ αὐτοῦ ἕνα τὸν κόσμον.

Sim. (Ein einziger Kosmos) Th 332, Th 352, Th 377, Th 396

Th 156
Plac. phil. 2.12.888C1–5
(ιβʹ. Περὶ διαιρέσεως οὐρανοῦ, εἰς πόσους κύκλους διαιρεῖται) Θαλῆς Πυ-
θαγόρας οἱ ἀπ᾽ αὐτοῦ μεμερίσθαι τὴν τοῦ παντὸς οὐρανοῦ σφαῖραν εἰς
κύκλους πέντε, οὕστινας προσαγορεύουσι ζώνας.

Th 157
Plac. phil. 2.13.888D3–5
(ιγʹ. Τίς ἡ οὐσία τῶν ἄστρων, πλανητῶν καὶ ἀπλανῶν, καὶ πῶς συνέστη)
Θαλῆς γεώδη μὲν ἔμπυρα δὲ τὰ ἄστρα.

Sim. (Natur der Gestirne) Th 233, Th 274, Th 333, Th 354, Th 398


Pseudo-Plutarch 135

Th 153
Philosophische Lehrmeinungen 1.18.883E10–F1
(Das Leere.) Alle Physiker von Thales bis Platon haben das Leere abgelehnt.
(vgl. Th 350, dagegen aber Th 488)

Th 154
Philosophische Lehrmeinungen 1.25.884D13–E1
(Die Notwendigkeit.) Thales: Die Notwendigkeit ist das Stärkste; denn sie
beherrscht das Ganze (vgl. Th 121; Th 237 [Diog. Laert. 1.35]; Th 341; Th
395; Th 564 [320e]).1

Th 155
Philosophische Lehrmeinungen 2.1.886B8
(Der Kosmos.) [...] Thales und seine Schule nahmen an, dass es einen Kos-
mos gebe.

Th 156
Philosophische Lehrmeinungen 2.12.888C1–5
(Die Unterteilung des Himmels: In wie viele Kreise er unterteilt ist.) Thales
und Pythagoras und seine Schule nehmen an, dass die Sphäre des gesamten
Himmels in fünf Kreise geteilt sei, die sie Zonen nennen. [Es folgen die
Bezeichnungen der einzelnen Zonen.]2

Th 157
Philosophische Lehrmeinungen 2.13.888D3–5
(Die Natur der Gestirne, der Planeten und Fixsterne, und ihre Beschaffen-
heit.) Nach Thales sind die Gestirne erdartig und feurig.

1 Siehe Schreckenberg 1964, 109.


2 Vgl. Th 353, Th 397. Zum Ursprung der Einteilung der Himmelssphäre (und der
Erde) in Zonen vgl. Zhmud 1997, 211 ff.
136 Pseudo-Plutarch

Th 158
Plac. phil. 2.24.890F1–5
(κδʹ. Περὶ ἐκλείψεως ἡλίου) Θαλῆς πρῶτος ἔφη ἐκλείπειν τὸν ἥλιον τῆς
σελήνης αὐτὸν ὑποτρεχούσης κατὰ κάθετον, οὔσης φύσει γεώδους‧ †βλέ-
πεσθαι δὲ τοῦτο κατοπτρικῶς ὑποτιθεμένῳ τῷ δίσκῳ†.

Sim. (Sonnenfinsternis) Th 10 (w. s.); (Beschaffenheit der Sonne/des Mon-


des) Th 277, Th 334, Th 335, Th 355, Th 356, Th 489

Th 159
Plac. phil. 2.28.891D1–10
(κηʹ. Περὶ φωτισμῶν σελήνης) Ἀναξίμανδρος ἴδιον αὐτὴν ἔχειν φῶς,
ἀραιότερον δέ πως. Ἀντιφῶν [...]. Θαλῆς καὶ οἱ ἀπ᾽ αὐτοῦ ὑπὸ τοῦ ἡλίου
φωτίζεσθαι τὴν σελήνην.

Sim. (Licht des Mondes) Th 273, Th 357, Th 400, Th 406, Th 434

Th 160
Plac. phil. 3.9.895C7–8
(θʹ. Περὶ γῆς καὶ τίς ἡ ταύτης οὐσία καὶ πόσαι) Θαλῆς καὶ οἱ ἀπ᾽ αὐτοῦ
μίαν εἶναι τὴν γῆν.

Sim. (eine Erde) Th 278, Th 401

Th 161
Plac. phil. 3.10.895D5–7
(ιʹ. Περὶ σχήματος γῆς) Θαλῆς καὶ οἱ Στωικοὶ καὶ οἱ ἀπ᾽ αὐτῶν σφαιροειδῆ
τὴν γῆν.

Sim. (kugelförmige Erde) Th 279, Th 402, Th 490


Pseudo-Plutarch 137

Th 158
Philosophische Lehrmeinungen 2.24.890F1–5
(Die Sonnenfinsternis.) Thales sagte als Erster, dass sich die Sonne verfins-
tere, wenn der von Natur erdartige Mond senkrecht unter ihr geht; man
beobachtet das im Spiegelbild, indem man die [mit einer Flüssigkeit gefüllte]
Schale unten hinlegt. (vgl. Th 489)1

Th 159
Philosophische Lehrmeinungen 2.28.891D1–10
(Das Licht des Mondes.) Nach Anaximander hat er sein eigenes Licht; es
ist aber irgendwie schwächer. Nach Antiphon [...]. Thales und seine Schule
nehmen an, dass der Mond von der Sonne beleuchtet wird.2

Th 160
Philosophische Lehrmeinungen 3.9.895C7–8
(Welches die Natur der Erde ist und wie viele es davon gibt.) Thales und
seine Schule nahmen an, dass es eine Erde gebe.

Th 161
Philosophische Lehrmeinungen 3.10.895D5–7
(Die Form der Erde.) Thales und die Stoiker und ihre Schule nahmen an,
dass die Erde kugelförmig sei.3 (vgl. aber Th 490)

1 Vgl. Platon, Phaidon 99D5–E1; Seneca Nat. Quest. 1.12.1. Siehe Diels 21958, 53.
2 Vgl. hierzu Panchenko 2002, 223–36.
3 Vgl. hierzu O’Grady 2002, 95 ff. (Argumente für eine Zuweisung dieser Theorie an
Thales).
138 Pseudo-Plutarch – Publius Aelius Phlegon von Tralleis

Th 162
Plac. phil. 3.11.895E1–2
(ιαʹ. Περὶ θέσεως γῆς) Οἱ ἀπὸ Θάλεω τὴν γῆν μέσην.

Th 163
Plac. phil. 3.15.896B9–C2
(ιεʹ. Περὶ σεισμῶν γῆς) Θαλῆς μὲν καὶ Δημόκριτος ὕδατι τὴν αἰτίαν τῶν
σεισμῶν προσάπτουσιν.

Sim. (Erdbeben) Th 99 (w. s.); (Erde ruht auf dem Wasser) Th 30 (w. s.)

Th 164
Plac. phil. 4.1.897F1–5
(αʹ. Περὶ Νείλου ἀναβάσεως) Θαλῆς τοὺς ἐτησίας ἀνέμους οἴεται πνέοντας
τῇ Αἰγύπτῳ ἀντιπροσώπους ἐπαίρειν τοῦ Νείλου τὸν ὄγκον διὰ τὸ τὰς
ἐκροὰς αὐτοῦ τῇ παροιδήσει τοῦ ἀντιπαρήκοντος πελάγους ἀνακόπτε-
σθαι.

Sim. (Nilschwelle) Th 13 (w. s.)

Th 165
Plac. phil. 4.2.898B10–12
(βʹ. Περὶ ψυχῆς) Θαλῆς ἀπεφήνατο πρῶτος τὴν ψυχὴν φύσιν ἀεικίνητον
ἢ αὐτοκίνητον.

Sim. (Natur der Seele/Magnetstein) Th 31 (w. s.)

Publius Aelius Phlegon von Tralleis

Th 166
FGrHist II B 257 F 33, s. Th 495 (Suda Lex. theta 17.1–18.3)
Pseudo-Plutarch – Publius Aelius Phlegon von Tralleis 139

Th 162
Philosophische Lehrmeinungen 3.11.895E1–2
(Die Position der Erde.) Thales und seine Schule nahmen an, dass die Erde
im Zentrum sei. (vgl. Th 280)

Th 163
Philosophische Lehrmeinungen 3.15.896B9–C2
(Die Erschütterungen der Erde.) Thales und Demokrit weisen dem Wasser
die Ursache für die Erschütterungen zu.

Th 164
Philosophische Lehrmeinungen 4.1.897F1–5
(Die Nilschwelle.) Thales glaubt, dass die Etesien-Winde, die Ägypten ent-
gegenwehen, die [Wasser]masse des Nils steigen lassen, weil seine Mün-
dungen durch das Anschwellen des entgegenkommenden Meeres blockiert
werden. (vgl. aber Th 491)

Th 165
Philosophische Lehrmeinungen 4.2.898B10–12
(Die Seele.) Thales legte als Erster dar, dass die Seele von immer bewegter
oder sich selbst bewegender Natur sei.

Publius Aelius Phlegon von Tralleis


(gest. nach 137 n. Chr., Freigelassener Hadrians)
Th 166
Die Suda überliefert, Thales sei nach Phlegon bereits während der siebten
Olympiade bekannt gewesen.
140 Theon aus Smyrna – Wandinschriften zu einer Darstellung der Sieben Weisen

Theon aus Smyrna


Th 167
De utilitate mathematicae 198.9–199.3 (ed. Hiller) (~ Th 93 = teilweise Eu-
demos Fr. 145 Wehrli)
Ταυτὶ μὲν ὁ Ἄδραστος. ὁ δὲ Δερκυλλίδης οὐδεμιᾷ μὲν οἰκείᾳ καὶ προσ-
ηκούσῃ τάξει περὶ τούτων ἀνέγραψεν‧ ἃ δὲ καὶ αὐτὸς ὑποδείκνυσιν ἐν τῷ
περὶ τοῦ ἀτράκτου καὶ τῶν σφονδύλων τῶν ἐν τῇ Πολιτείᾳ παρὰ Πλά-
τωνι λεγομένων ἐστὶ τοιαῦτα.
Εὔδημος (Th 47) ἱστορεῖ ἐν ταῖς Ἀστρολογίαις, ὅτι Οἰνοπίδης εὗρε πρῶτος
τὴν τοῦ ζῳδιακοῦ διάζωσιν καὶ τὴν τοῦ μεγάλου ἐνιαυτοῦ περίστασιν‧
Θαλῆς δὲ ἡλίου ἔκλειψιν καὶ τὴν κατὰ τὰς τροπὰς αὐτοῦ περίοδον, ὡς οὐκ
ἴση ἀεὶ συμβαίνει‧ Ἀναξίμανδρος δὲ ὅτι ἐστὶν ἡ γῆ μετέωρος καὶ κινεῖται1
περὶ τὸ τοῦ κόσμου μέσον‧ Ἀναξιμένης δὲ ὅτι ἡ σελήνη ἐκ τοῦ ἡλίου ἔχει
τὸ φῶς καὶ τίνα ἐκλείπει τρόπον. οἱ δὲ λοιποὶ ἐπὶ ἐξευρημένοις τούτοις
ἐπεξεῦρον ἕτερα.

Sim. (Sonnenfinsternis) Th 10 (w. s.); (Sonnenbahn/Sonnenwenden) Th 93


(w. s.)

Wandinschriften zu einer Darstellung


der Sieben Weisen in einem Gebäude in Ostia,
Terme dei Sette Sapienti

Th 168
Die Taverne der Sieben Weisen in Ostia (ed. Calza = Nr.
16–18 p. 146 f. Zarker)
Ut bene cacaret ventrem palpavit Solon – Durum cacantes monuit ut nitant
Thales – Vissire tacite Chilon docuit subdolus.

1 κεῖται Montucla (s. Bowen 2002, 311, Anm. 11 und Szabó 1977, 344 mit Anm. 19).
Theon aus Smyrna – Wandinschriften zu einer Darstellung der Sieben Weisen 141

Theon aus Smyrna (Mitte 2. Jh. n. Chr.?)1


Th 167
Vom Nutzen der Mathematik 198.9–199.3
Soweit Adrastos. Derkyllides2 hat über diese Dinge in nicht passender oder
geeigneter Weise geschrieben. Doch Folgendes macht er in seinem Buch
Über die Spindel und die Wirbel, die von Platon im Staat erwähnt werden,
bekannt:
Eudemos (Th 47) berichtet in seinen astronomischen Büchern,3 dass Oin-
opides4 als Erster den Gürtel des Tierkreises5 und den Zyklus des Gro-
ßen Jahres entdeckte; [dass] Thales aber eine Eklipse der Sonne und ihren
Umlauf hinsichtlich der Solstitien [als Erster entdeckte], und auch, dass er
[der Umlauf] nicht immer gleich verläuft;6 [dass] Anaximander [als Erster
entdeckte], dass die Erde in der Luft ist und sich um die Mitte des Kosmos
bewegt7; [dass] Anaximenes [als Erster entdeckte], dass der Mond das Licht
von der Sonne hat und auf welche Art er sich verfinstert. Die anderen aber
fanden andere Dinge zusätzlich zu dem Entdeckten heraus.

Wandinschriften zu einer Darstellung


der Sieben Weisen in einem Gebäude in Ostia,
Terme dei Sette Sapienti (Mitte 2. Jh. n. Chr.)8

Th 168
Um gut zu kacken, massierte Solon den Bauch. – Die Hartleibigen mahnte
Thales zu drücken. – Leise zu furzen lehrte der listige Chilon.

1 Zur Datierung vgl. Bowen 2002, 312, Anm. 12.


2 Platoniker des 1. Jh.s n. Chr.
3 Zu diesem Titel vgl. Bowen 2002, 311, Anm. 8.
4 Astronom der 2. Hälfte des 5. Jh.s v. Chr.
5 Die Schiefe der Ekliptik? Siehe Szabó 1977, 343 mit Anm. 11.
6 Vgl. dazu Bowen 2002, 311, Anm. 10; KRS (H) 91. περίοδον ist eine Konjektur von
Fabricius für das überlieferte πάροδον. Vgl. Th 237 (1.24).
7 Oder: liegt (κεῖται) nach einer Vermutung Montuclas (s. Bowen 2002, 311,
Anm. 11).
8 Siehe Calza 1939; Mols 1997.
142 Attikos – Lukian

Attikos
Th 169
Fr. 1 Mullach (FPhG III 185) = Fr. 1 Des Places: Auszug aus der Schrift des
Attikos Gegen diejenigen, die Platon aus Aristoteles [erklären], s. Th 267
(Eus. PE 11.2.2–3)

Lukian
Th 170
Hippias 2.10–14 (ed. MacLeod)
Καὶ Θαλῆς δὲ ὁ Μιλήσιος πρὸ αὐτῶν ὑποσχόμενος Κροίσῳ ἄβροχον δια-
βιβάσειν τὸν στρατὸν ἐπινοίᾳ κατόπιν τοῦ στρατοπέδου μιᾷ νυκτὶ τὸν
Ἅλυν περιήγαγεν, οὐ μηχανικὸς οὗτος γενόμενος, σοφὸς δὲ καὶ ἐπινοῆσαι
καὶ συνεῖναι πιθανώτατος.

Sim. (Umlenkung des Halys) Th 11 (w. s.)

Th 171
Macrobii 18.8–19.2 (ed. MacLeod)
Σόλων δὲ καὶ Θαλῆς καὶ Πιττακός, οἵτινες τῶν κληθέντων ἑπτὰ σοφῶν
ἐγένοντο, ἑκατὸν ἕκαστος ἔζησεν ἔτη, Ζήνων δὲ ὁ τῆς Στωϊκῆς φιλοσοφίας
ἀρχηγὸς ὀκτὼ καὶ ἐνενήκοντα.

Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.); (Datierung) Th 176,
Th 205, Th 210, Th 218, Th 237 (1.37 f.), Th 264, Th 266, Th 281 (Th 304),
Th  282 (Th  305), Th  283 (Th  306), Th  284 (Th  307), Th  285 (Th  308),
Th 313, Th 314, Th 315, Th 373, Th 407, Th 454, Th 455, Th 474, Th 477,
Th 478, Th 479, Th 480, Th 481, Th 482, Th 492, Th 495, Th 500, Th 501,
Th 514, Th 525, Th 529, Th 535, Th 541, Th 557
Attikos – Lukian 143

Attikos (zweite Hälfte 2. Jh. n. Chr.)


Th 169
Eusebios zitiert Attikos zum Verhältnis der Philosophie Platons zu derjeni-
gen der Naturphilosophen (u. a. des Thales).

Lukian (zw. 112 u. 125–nach 180 n. Chr.)


Th 170
Hippias 2.10–14
Schon vor diesen beiden [Archimedes und Sostratos] führte Thales von Mi-
let, der dem Kroisos versprochen hatte, sein Heer trockenen Fußes über-
zusetzen, mit klugem Plan in einer Nacht den Halys hinter dem Heerlager
herum. Er war kein Ingenieur, aber ein kluger Kopf und konnte eine Sache
verständig machen und zu ihrer Ausführung überreden.

Th 171
Die Langlebenden 18.8–19.2
Solon, Thales und Pittakos, die zu den Sieben Weisen gehörten, lebten je-
weils hundert Jahre. Zenon aber [...].
144 Lukian – Ailios Aristeides

Th 172
Dialogi mortuorum 4 (ed. MacLeod)
{ΑΙΑΚΟΣ} Οὗτος δὲ Σόλων ὁ Ἐξηκεστίδου καὶ Θαλῆς ἐκεῖνος καὶ παρ᾽
αὐτοὺς Πιττακὸς καὶ οἱ ἄλλοι‧ ἑπτὰ δὲ πάντες εἰσὶν ὡς ὁρᾷς. {ΜΕΝΙΠ-
ΠΟΣ} Ἄλυποι, ὦ Αἰακέ, οὗτοι μόνοι καὶ φαιδροὶ τῶν ἄλλων‧ [...]

Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.)

Pausanias Periegetes
Th 173
Graeciae descriptio 10.24.1 (ed. Rocha-Pereira)
Ἐν δὲ τῶι προνάωι τῶι ἐν Δελφοῖς γεγραμμένα ἐστὶν ὠφελήματα ἀνθρώποις
ἐς βίον‧ ἐγράφη δὲ ὑπὸ ἀνδρῶν οὓς γενέσθαι σοφοὺς λέγουσιν Ἕλληνες.
οὗτοι δὲ ἦσαν ἐκ μὲν Ἰωνίας Θαλῆς τε Μιλήσιος καὶ Πριηνεὺς Βίας, Αἰολέων
δὲ τῶν ἐν Λέσβωι Πιττακὸς Μιτυληναῖος, ἐκ δὲ Δωριέων τῶν ἐν τῆι Ἀσίαι
Κλεόβουλος Λίνδιος, καὶ Ἀθηναῖός τε Σόλων καὶ Σπαρτιάτης Χίλων‧ τὸν δὲ
ἕβδομον Πλάτων ὁ Ἀρίστωνος ἀντὶ Περιάνδρου τοῦ Κυψέλου 〈Μύσων〉α
κατείλοχε τὸν Χηνέα‧ κώμη δὲ ἐν τῆι Οἴτηι τῶι ὄρει ὠικοῦντο αἱ Χῆναι. οὗτοι
οὖν οἱ ἄνδρες ἀφικόμενοι ἐς Δελφοὺς ἀνέθεσαν τῶι Ἀπόλλωνι τὰ ἀιδόμενα
Γνῶθι σαυτὸν καὶ Μηδὲν ἄγαν.

Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.)

Ailios Aristeides
Th 174
Aigyptios 353.20–354E1 (ed. Dindorf)
Εἰ γὰρ μὴ συνίης, ὦ χαριέστατε Εὐθύμενες, εἰ ταῦτ᾽ ἀληθῆ Ἔφορος λέγει
σοὶ φάσκων δοκεῖν, ὅτι οὐ λύεις ἀπορίαν, ἀλλὰ [354] κινεῖς μείζω καὶ ἀτο-
πωτέραν τῆς ἐξ ἀρχῆς, πῶς οὐκ ἀληθῶς ἔξω στηλῶν καὶ Γαδείρων φήσει
τις ἐπισκώπτων εἶναί σοι τὸν νοῦν, ὥσπερ τὴν Θρᾶττάν φασί ποτ᾽ ἐκεῖνο
εἰς Θαλῆν εἰπεῖν, εἰ ποταμὸν φεύγων ἀγνοεῖς εἰς τὴν θάλατταν ἐμπίπτων,
ἀνὴρ ὁ σκώπτων ἐρεῖ.

Sim. (Brunnenfall) Th 19 (w. s.)


Lukian – Ailios Aristeides 145

Th 172
Totengespräche 4
Thales, einer der Sieben Weisen, im Totenreich.

Pausanias Periegetes (ca. 115–nach 180 n. Chr.?)


Th 173
Beschreibung Griechenlands 10.24.1
Im Pronaos in Delphi sind Lebensweisheiten angeschrieben. Die Autoren
sind die von den Griechen als Weise bezeichneten Männer, darunter Thales.

Ailios Aristeides (117–177/ 8 n. Chr.)


Th 174
In seiner Ägyptischen Rede geht Aristides kritisch auf unterschiedliche The-
orien zur Nilschwelle ein (auch – ohne namentliche Erwähnung – auf die-
jenige des Thales: 331.15–334.10; 358.5–10). An nachfolgender Stelle geht es
um eine Theorie des Geographen Euthymenes (um 500 v. Chr.), die mit der
Anekdote vom Brunnenfall ironisiert wird.

Ägyptische Rede 353.20–354.1


Denn wenn du nicht einsiehst, lieber Euthymenes – wenn Ephoros’ Bericht
über deine Ansicht stimmt –, dass du die Aporie nicht löst, sondern eine
146 Ailios Aristeides – Tatian der Syrer

Th 175
ΠΡΟΣ ΚΑΠΙΤΩΝΑ 327.15 (ed. Dindorf)
Ἀλλ᾽ οἷα δὴ εἰς τὰ ἔργα σοφοῦ ἀνδρὸς πολλαὶ ἐπίνοιαι καὶ εὐμήχανοι εἰς τέχ-
νας, ἤ τινες ἄλλαι πράξεις λέγονται, ὥσπερ αὖ Θάλεω πέρι τοῦ Μιλησίου
καὶ Ἀναχάρσιος τοῦ Σκύθου; Οὐδαμῶς τοιοῦτον οὐδέν.

Tatian der Syrer


Th 176
Oratio ad Graecos 41.9–10 (ed. Marcovich)
Δράκων δὲ περὶ Ὀλυμπιάδα τριακοστὴν καὶ ἐνάτην εὑρίσκεται γεγονώς,
Σόλων περὶ μϚ, Πυθαγόρας περὶ ξβ (τὰς δ᾽ Ὀλυμπιάδας ὕστερον τῶν
Ἰλιακῶν ἔτεσιν ἀπεδείξαμεν γεγονυίας τετρακοσίοις ἑπτά). [10] Καὶ δὴ
τούτων οὕτως ἀποδεδειγμένων, διὰ βραχέων ἔτι καὶ περὶ τῆς τῶν ἑπτὰ
σοφῶν ἡλικίας ἀναγράψομεν. Τοῦ γὰρ πρεσβυτάτου τῶν προειρημένων
Θάλητος γενομένου περὶ τὴν πεντηκοστὴν Ὀλυμπιάδα, καὶ τὰ περὶ τῶν
μετ᾽ αὐτὸν σχεδὸν ἡμῖν συντόμως εἴρηται.

Sim. (Datierung) Th  171 (w.  s.); (Thales, einer der Sieben Weisen) Th  20
(w. s.)
Ailios Aristeides – Tatian der Syrer 147

größere und ungewöhnlichere als die anfängliche in Bewegung setzt, wird


dann nicht zu Recht einer spöttisch sagen, dass sich dein Geist außerhalb
der Säulen des Herakles und von Gadeira befinde (wie die Thrakerin einst
jenes Wort zu Thales gesagt haben soll), wenn du, um den Fluss zu vermei-
den, unvermerkt ins Meer fällst?

Th 175
An Kapiton 327.15
Zitat aus Platon, Staat 10.600A4–7 (Th 22) im Rahmen einer kritischen Prü-
fung von Platons Homerkritik.

Tatian der Syrer (um 120–nach 172 n. Chr.)


Th 176
Moses ist nicht nur älter als Homer, sondern auch als die Schriftsteller vor
Homer und die Sieben Weisen.

Rede an die Griechen 41.9–10


[...] Man findet, dass Drakon um die neununddreißigste Olympiade [624/3–
621/0] gelebt hat, Solon um die sechsundvierzigste [594/3–591/0], Pytha-
goras um die zweiundsechzigste [532/1–529/8]. Wir haben gezeigt, dass die
Olympiaden 407 Jahre von der Zeit des troianischen Krieges an datieren.
[10] Nach diesen Beweisen will ich auch noch kurz auf die Lebenszeit der
Sieben Weisen eingehen. Da der älteste von ihnen, Thales, um die fünfzigste
Olympiade [580/79–577/6] lebte, ist auch über seine Nachfolger ganz all-
gemein bereits gesprochen.
148 Apuleius aus Madaura

Apuleius aus Madaura


Th 177
Florida 18.17–18 (ed. Hunink)
Haec tanta ac totiuga inuitamenta communia non minus uos ad audiendum
prolectant quam me ad aud[i]endum retardant, faciliusque laudes uestras
alibi gentium quam apud uos praedicarim: ita apud 〈s〉uos cuique modestia
obnoxia est, apud extrarios autem ueritas libera. [18] Semper adeo et ubi-
que uos quippe ut parentis ac primos magistros meos celebro mercedemque
uobis rependo, non illam, quam Protagora sophista pepigit nec accepit, sed
quam Thales sapiens nec pepigit et accepit. Video, quid postuletis: utramque
narrabo.

Sim. (ideeller Lohn) Th 178, Th 296

Th 178
Florida 18.30–35
Thales Milesius ex septem illis sapientiae memoratis uiris facile praecipuus –
enim geometriae penes G〈r〉aios primus repertor et naturae rerum certis-
simus explorator et ast〈r〉orum peritissimus contemplator  – maximas res
paruis lineis repperit: [31] temporum ambitus, uentorum flatus, stellarum
meatus, tonitruum sonora miracula, siderum obliqua curricula, solis annua
reuerticula, i〈ti〉dem lunae uel nascentis incrementa uel senescentis dispendia
uel deli〈n〉quentis obstiticula. [32] Idem sane iam procliui senectute diuinam
rationem de sole commentus est, quam equidem non didici modo, uerum
etiam experiundo comprobaui, quoties sol magnitudine sua circulum quem
permeat metiatur. [33] Id a se recens inuentum Thales memoratur edocuisse
Mandraytum Prien[n]ensem, qui noua et inopinata cognitione impendio de-
lectatus optare iussit, quantam uellet mercedem sibi pro tanto documento
rependi. [34] ‘Satis’, inquit, ‘mihi fuerit mercedis’, Thales sapiens, ‘si id quod
a me didicisti, cum proferre ad quospiam coeperis, 〈non〉 tibi adsciueris, sed
eius inuenti me potius quam alium repertorem praedicaris.’ [35] Pulchra
merces prorsum ac tali uiro digna et perpetua; nam et in hodiernum ac dein
semper Thali ea merces persoluetur ab omnibus nobis, qui eius caelestia
studia uere cognouimus.
Apuleius aus Madaura 149

Apuleius aus Madaura (um 125–nach 158 n. Chr.)


Th 177
Blütenlese 18.17–18
Diese so großen und so vielen allgemeinen Verlockungen reizen euch nicht
weniger zu hören als sie mich hindern, es zu wagen [sie zu erzählen]; und
leichter könnte ich euren Ruhm irgendwo auf der Welt als vor euch preisen:
So ist einem jeden die Bescheidenheit angesichts der Seinen schwach, ange-
sichts von Fremden aber ist die Wahrheit freizügig. [18] Stets und allenthal-
ben feiere ich ja euch wie meine Eltern und ersten Lehrer und erstatte euch
den Lohn, nicht den, den der Sophist Protagoras ausbedungen und nicht
erhalten hat, sondern den, den Thales, der Weise, einerseits nicht ausbedun-
gen und andererseits erhalten hat. Ich sehe, was ihr fordert: Beides werde
ich erzählen. Es wird zunächst die Geschichte von Protagoras und seinem
Schüler Euathlus erzählt, der seinem Lehrer das geschuldete Honorar nicht
bezahlen wollte. Darüber kam es zu einem Streit. Anschließend folgt die
Anekdote über Thales (s. Th 178).

Th 178
Blütenlese 18.30–35
Thales aus Milet, der sicher unter den sieben für ihre Weisheit berühmten
Männern herausragte – er war nämlich bei den Griechen der erste Urheber
der Geometrie, der zuverlässigste Erforscher der Natur und der kundigste
Betrachter der Gestirne – hat die größten Dinge mit Hilfe kleiner Linien
herausgefunden: [31] den Kreislauf der Jahreszeiten, das Wehen der Winde,
den Lauf der Gestirne, der Donnerschläge tönende Wunder, die schrägen
Bahnen der Sterne, das jährliche Wiederkehren der Sonne, ebenso die Zu-
nahme des werdenden, die Abnahme des alternden und die Hindernisse des
fehlenden Mondes. [32] Derselbe hat freilich schon im vorgerückten Alter eine
vortreffliche Berechnung über die Sonne erdacht, die ich meinerseits nicht
nur studiert, sondern auch durch eigene Expertise bestätigt habe, wievielmal
nämlich die Sonne mit ihrem Durchmesser den Kreis, den sie durchläuft, ab-
misst.1 [33] Thales soll diese neue Entdeckung den Mandrolytos aus Priene
gelehrt haben. Der war infolge der neuen und unvermuteten Erkenntnis
außerordentlich erfreut und hieß ihn, sich so viel Lohn zu wünschen, wie er
für eine so bedeutende Lehre erstattet haben wolle. [34] „Es wird mir genug
Lohnes sein“, sagte Thales der Weise, „wenn du das, was du von mir gelernt

1 Vgl. Wasserstein 1955, 114–6 und O’Grady 2002, 150 ff.


150 Apuleius aus Madaura – Galen

Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.); (Vermessung der Ge-
stirne) Th 52 (w. s.); (Sonnenbahn/Sonnenwenden) Th 93 (w. s.); (Sonnen-
größe, -durchmesser) Th 237 (1.24), Th 578; (Mondfinsternis/Mondphasen)
Th 265, Th 311, Th 358, Th 387, Th 433, Th 434, Th 435, Th 500, Th 507,
Th 515, Th 535, Th 540; (Winde) Th 210, Th 485, Th 525; (Jahreszeiten)
Th 237 (1.27), Th 389, Th 538; (Urheber der Naturphilosophie und Mathe-
matik/Geometrie) Th 81 (w. s.); (ideeller Lohn) Th 177 (w. s.)

Galen
Th 179
De elementis ex Hippocrate 4.5–7 (ed. De Lacy = CMG V 1.2.88.9–18)
Ἐπεί τοι καὶ Πλάτων ὑπὲρ τῆς εἰς ἄλληλα μεταβολῆς αὐτῶν ἐν Τιμαίῳ διεί-
λεκται κοινὴν ὑποβεβλῆσθαι πᾶσιν ὕλην μίαν ἀποδεῖξαι βουλόμενος. ἀλλ᾽
οὗτος μὲν ὡς ἂν εἰδὼς ἀποδεικνύειν εἰς δέον ἐχρήσατο τῇ τῶν πρώτων
σωμάτων εἰς ἄλληλα μεταβολῇ, Θαλῆς δὲ καὶ Ἀναξιμένης καὶ Ἀναξίμαν-
δρος καὶ Ἡράκλειτος ἓν ἐξ αὐτῶν ὁτιοῦν ἄλλος ἄλλο θέμενος εἶναι στοι-
χεῖον ἐκ τῆς εἰς ἄλληλα μεταβολῆς αὐτῶν ἀποδεικνύναι πειρῶνται. καί
μοί γε δοκοῦσιν ἅπαντες ἐκεῖνοι τὴν ὕλην ὀνειρώττειν, ἣ κοινὴ πᾶσιν
ὑποβέβληται τοῖς στοιχείοις, καὶ ταύτην μίαν ὁρῶντες ἓν ὑπολαμβάνειν
εἶναι καὶ τὸ στοιχεῖον.

Sim. (Aggregatzustände) Th 94 (w. s.)

Th 180
De elementis ex Hippocrate 9.7 (CMG V 1.2.128.13–16)
Τὸ μὲν οὖν εἰς ἄλληλα μεταβάλλειν τὰ στοιχεῖα καὶ πρὸς τῶν ἀμφὶ τὸν
Θαλῆν συγκεχώρηται διὰ τὴν ἐνάργειαν καίτοι μαχόμενόν γε ταῖς ὑπο-
θέσεσιν αὐτῶν, ὡς ἐδείκνυτο.

Sim. (Aggregatzustände) Th 94 (w. s.)


Apuleius aus Madaura – Galen 151

hast, nicht dir zuschreibst, falls du es an irgendjemanden weiterzugeben


beginnst, sondern mich als Entdecker dieser Erfindung eher als irgendeinen
anderen preist.“ [35] Ein ganz und gar schöner Lohn, der einem solchen
Manne auf immer würdig ist; denn heute wie damals soll stets Thales dieser
Lohn von uns allen abgestattet werden, die wir seine himmlischen Studien
wahrhaft erfassen.

Galen (129–ca. 216 n. Chr.)


Th 179
Über die Elemente nach Hippokrates 4.5–7
Auch Platon sprach im Timaios [56D1–57B7] über den Wandel der Ele-
mente ineinander, als er beweisen wollte, dass ihnen allen ein einziger ge-
meinsamer Stoff zugrunde liegt. Aber Platon als jemand, der wusste, wie
man etwas beweist, verwendete die Umwandlung der ersten Körper inei-
nander nach Notwendigkeit, während Thales, Anaximenes, Anaximander
und Heraklit jeder einen anderen davon ansetzen und aus ihrem Wandel
ineinander zu beweisen versuchen, dass dieser das Element sei. Und mir
scheinen alle diese Männer von dem Stoff zu träumen, der gemeinsam allen
Elementen zugrunde liegt; und da sie sehen, dass dieser Stoff ein einziger ist,
scheinen sie zu vermuten, dass auch das Element ein einziges ist.

Th 180
Über die Elemente nach Hippokrates 9.7
Dass sich die Elemente ineinander wandeln, wurde auch von Thales und
seiner Umgebung zugestanden, da es auf der Hand liegt; und doch steht es
im Widerspruch zu ihren Annahmen, wie gezeigt wurde (88, 4 ff. De Lacy;
s. Th 179).
152 Galen

Th 181
In Hippocratis de humoribus librum commentarii I 1 (16.37 ed. Kühn)
Θαλῆς μὲν εἰ καί περ ἐκ τοῦ ὕδατος φησὶ συνεστάναι πάντα, ἀλλ᾽ ὅμως καὶ
τοῦτο βούλεται [sc. μεταβάλλειν εἰς ἄλληλα τὰ στοιχεῖα]1. ἄμεινον δὲ καὶ
αὐτοῦ τὴν ῥῆσιν προσθεῖναι ἐκ τοῦ δευτέρου περὶ τῶν ἀρχῶν ἔχουσαν
ὧδέ πως‧ τὰ μὲν οὖν πολυθρύλητα τέτταρα, ὧν τὸ πρῶτον ὕδωρ εἶναι
φαμὲν καὶ ὡσανεὶ μόνον στοιχεῖον τίθεμεν, πρὸς σύγκρισίν τε καὶ πήγνυ-
σιν καὶ σύστασιν τῶν ἐγκοσμίων πρὸς ἄλληλα συγκεράννυται. πῶς δέ,
ἤδη λέλεκται ἡμῖν ἐν τῷ πρώτῳ.

Th 182
In Hippocratis de natura hominis librum commentarii I 2 (ed. Mewaldt =
CMG V 9.1.15.11–18)
κακῶϲ δὲ καὶ τῶν ἐξηγητῶν ἔνιοι κατεψεύϲαντο Ξενοφάνουϲ, ὥϲπερ καὶ
Σαβῖνοϲ (Th 133), ὡδί πωϲ γράψαϲ αὐτοῖϲ ὀνόμαϲιν‧ οὔτε γὰρ τὸ πά-
μπαν ἀέρα λέγω τὸν ἄνθρωπον, ὥϲπερ Ἀναξιμένηϲ, οὔτε πῦρ, ὡς Ἡηρά-
κλειτος, οὔτε ὕδωρ, ὡϲ Θαλῆϲ, οὔτε γῆν, ὡϲ ἔν τινι Ξενοφάνηϲ.’ οὐδαμόθι
γὰρ εὑρίϲκεται Ξενοφάνηϲ ἀποφηνάμενοϲ οὕτωϲ.

Th 183
In Hippocratis de natura hominis librum commentarii I 10 (= CMG V
9.1.24.22–25.1.)
ἔνιοι δὲ τῶν φυσικῶν ὀνομασθέντων φιλοσόφων οὐκ οἶδ᾽ ὅπως ἐτόλμησαν
ἀποφήνασθαι δόξαν ἀλλόκοτον ἅπασαν ἀνατρέπουσαν τὴν φυσικὴν θε-
ωρίαν. ὁ ἓν γὰρ εἶναι τὸ ὂν εἰπὼν ἀναιρεῖ τῷ λόγῳ γένεσιν ἅπασαν. εἴπερ
γὰρ ἓν τὸ γενόμενον, οὐκ ἦν ἔμπροσθεν, ὥσπερ οὐδὲ ἔσται μικρὸν ὕστε-
ρον. οὔτε γὰρ ὁ Θαλῆς οὔθ᾽ ὁ Μέλισσος οὐδ᾽ ὁ Ἡράκλειτος ἔμπροσθεν
ἦσαν, εἰ νῦν εἰσιν‧ ἆρ᾽ οἆν ἀληθῶς ἄν τις εἴποι μὴ γεγονέναι τούτους τοὺς
ἄνδρας;

1 Ergänzung durch DK 11 B 3.
Galen 153

Th 181
Kommentar zu Hippokrates’ Über die Säfte I 11
Wenn Thales auch sagt, dass sich alles aus dem Wasser konstituiere, so will
er gleichwohl auch dies [dass sich die Elemente ineinander umwandeln]. Es
ist aber besser, auch von ihm die Passage aus dem zweiten Buch Über die
Prinzipien hinzuzufügen, die etwa so lautet: Die viel beredeten Vier, von
denen wir sagen, dass das Wasser das erste sei, und es als gleichsam einziges
Element setzen, werden zur Formierung und Verfestigung und Konstitu-
ierung der irdischen Dinge miteinander vermischt. Wie aber, haben wir be-
reits im ersten Buch gesagt.

Th 182
Kommentar zu Hippokrates’ Über die Natur des Menschen I 2
Einige Kommentatoren haben Xenophanes in übler Weise verleumdet, wie
auch Sabinos (Th 133), der etwa in diesen Worten geschrieben hat: „Denn
ich behaupte nicht, dass der Mensch ganz Luft ist, wie Anaximenes, noch
Feuer, wie Heraklit, noch Wasser, wie Thales, noch Erde, wie Xenophanes
es an irgendeiner Stelle sagt“. Denn nirgendwo lässt sich finden, dass sich
Xenophanes in dieser Weise geäußert hat.

Th 183
Kommentar zu Hippokrates’ Über die Natur des Menschen I 10
Einige der als Naturphilosophen Bezeichneten wagten irgendwie, eine un-
gewöhnliche und die gesamte Naturanschauung auf den Kopf stellende
Lehre aufzustellen. Denn wer sagt, das Seiende sei ein Einziges, hebt the-
oretisch jede Entstehung auf. Wenn das Entstandene nämlich wirklich ein
Einziges ist, dann war es zuvor nicht, wie es auch nicht wenig später sein
wird. Denn weder waren Thales, noch Melissos, noch Heraklit zuvor, wenn
sie jetzt sind. Sollte wirklich einer behaupten, dass diese Männer nicht ent-
standen sind?

1 Die Schrift gilt als eine Fälschung der Renaissance, in der jedoch „echter Galen
steckt“ (vgl. Deichgräber 1972, 38 ff., 44).
154 Galen – Athenagoras Apologetes

Th 184
In Hippocratis de natura hominis librum commentarii I 27 (= CMG V
9.1.37.7–11)
καὶ ἄλλος τις ἐβούλετο τὸν πρῶτον καὶ στοιχειώδη χυμὸν εἶναι φλέγμα.
μὴ τοίνυν ζητήσωμεν ὀνόματα τῶν τὰς ἀλλοκότους δόξας ταύτας πρῶτον
ἀποφηναμένων, εἴ γε, ὅτι Θαλῆς ἀπεφήνατο στοιχεῖον μόνον εἶναι τὸ
ὕδωρ, ἐκ συγγράμματος αὐτοῦ δεικνύναι οὐκ ἔχομεν, ἀλλ᾽ ὅμως ἅπασι
καὶ τοῦτο πεπίστευται.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29; (Schrift) Th 88 (w. s.)

Th 185
Über die Siebenmonatskinder

Athenagoras Apologetes
Th 186
Legatio pro Christianis 23.2 (ed. Marcovich)
Πρῶτος Θαλῆς διαιρεῖ, ὡς οἱ τὰ ἐκείνου [διαιροῦντες] ἀκριβοῦντες μνη-
μονεύουσιν, εἰς θεόν, εἰς δαίμονας, εἰς ἥρὡς. Ἀλλὰ θεὸν μὲν τὸν νοῦν τοῦ
κόσμου ἄγει, δαίμονας δὲ οὐσίας νοεῖ ψυχικάς, καὶ ἥρωας τὰς κεχωρισμένας
ψυχὰς τῶν ἀνθρώπων, ἀγαθοὺς μὲν τὰς ἀγαθάς, κακοὺς δὲ τὰς φαύλους.

Sim. (Gott [als Geist des Kosmos]) Th 72 (w. s.); (Dämonen, Heroen) Th 150
(w. s.)
Galen – Athenagoras Apologetes 155

Th 184
Kommentar zu Hippokrates’ Über die Natur des Menschen I 27
Dass Thales das Wasser als einziges Element postulierte, ist allen vertraut,
lässt sich aber nicht anhand einer Schrift nachweisen.

Th 185
Über die Siebenmonatskinder
Galens Schrift Über die Siebenmonatskinder liegt nur noch in arabischer
Überlieferung vor; siehe Th 487.

Athenagoras Apologetes (Ende 2. Jh. n. Chr.)


Th 186
Bittschrift für die Christen 23.2
Als Erster unterscheidet Thales, wie diejenigen berichten, die seine Lehren
genau kennen, Gott, Dämonen und Heroen. Als Gott achtet er den Geist
des Kosmos (s. Th 149), als Dämonen stellt er sich seelische Substanzen und
als Heroen von den Menschen getrennte Seelen vor, und zwar als gute, wenn
die Seelen gut, als schlechte, wenn sie schlecht sind (s. Th 150).
156 Pseudo-Plutarch – Diogenes von Oinoanda

Pseudo-Plutarch
Th 187
De Homero 2.93 (ed. Kindstrand)
Ἀρξώμεθα τοίνυν ἀπὸ τῆς τοῦ παντὸς ἀρχῆς καὶ γενέσεως, ἣν Θαλῆς ὁ
Μιλήσιος εἰς τὴν τοῦ ὕδατος οὐσίαν ἀναφέρει, καὶ θεασώμεθα εἰ πρῶτος
Ὅμηρος τοῦθ᾽ ὑπέλαβεν, εἰπὼν
Ὠκεανός θ᾽ ὅς περ γένεσις πάντεσσι τέτυκται.
μετ᾽ ἐκεῖνον δὲ Ξενοφάνης ὁ Κολοφώνιος, ὑφιστάμενος τὰς πρώτας ἀρχὰς
εἶναι τὸ ὕδωρ καὶ τὴν γῆν, ἔοικε σπάσαι τὴν ἀφορμὴν ταύτην ἐκ τῶν Ὁμη-
ρικῶν τούτων‧
ἀλλ᾽ ὑμεῖς μὲν πάντες ὕδωρ καὶ γαῖα γένοισθε‧
σημαίνει γὰρ τὴν ἀνάλυσιν εἰς τὰ γεννητικὰ στοιχεῖα τοῦ παντός.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (Wasserhypothese geht auf erste Theolo-
gen/Homer zurück) Th 29 (w. s.)

Diogenes von Oinoanda


Th 188
Fr. 6.col1.1–2.7 (ed. Smith)
[- - - - - - - - - - - - -] [- - - - - - - - - -τὰ δ]ὲ̣ [πρῶτα σώματα, ἃ κ]α̣ὶ στοι[χεῖα
προ]σαγορ̣[ε]ύεται, ἐξ ἀρ[χῆς] μ̣ὲν ὑφεστηκότα [καὶ ὄ]ντα ἄφθαρτα,
γεννῶν[τα δὲ] τὰ πράγματα, τίνα [ἐστί]ν, πα̣ραθήσομεν προ[διαλ]υ̣σά-
μενοι τὰς ἑτέ[ρων] δ̣όξας. Ἡράκλειτος [μὲν] ο̣ὖν ὁ Ἐφέσιος πῦρ εἶ[ναι σ]
τ̣οιχεῖον εἶπεν, Θα[λῆς δ]ὲ ὁ Μειλήσ̣ι̣ ος ὕδωρ, [Διογέν]η̣ς̣ [δὲ ὁ] Ἀ̣πολλω
[6.col2] νιάτης καὶ Ἀναξ̣ιμένης ἀέρα, Ἐνπεδοκλῆς δ᾽ ὁ Ἀκραγ〈αντεῖν〉ος̣ κ̣αὶ
πῦρ καὶ ἀέρα καὶ ὕδωρ καὶ γῆν, Ἀναξαγόρας δ᾽ ὁ Κλαζομένιος τὰς ὁμοιο-
μερείας ἑκάστου πράγματος, [...].

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)


Pseudo-Plutarch – Diogenes von Oinoanda 157

Pseudo-Plutarch (Ende 2. Jh. n. Chr.)1


Th 187
Über Homer 2.93
Thales’ Prinzip Wasser und Homers Vorahnung dieses Prinzips (Il. 14.246).

Diogenes von Oinoanda (Wende 2./ 3. Jh. n. Chr.)


Th 188
Kritische Auseinandersetzung mit den Elementenlehren der anderen Philo-
sophen, bevor Diogenes zur Atomlehre gelangt. Erhalten ist nur der Beginn
der Auseinandersetzung mit Heraklit.

Fr. 6.col1.1–2.7
[…] Worum es sich nun bei dem handelt, was man die Grundstoffe der
Dinge nennt, die einerseits von Anfang an bestehen und unvergänglich sind
und andererseits die Dinge hervorbringen, werden wir auseinandersetzen,
nachdem wir zuvor die Auffassungen anderer Philosophen widerlegt ha-
ben. Heraklit von Ephesos sagte, dass das Feuer der Grundstoff sei, Thales
von Milet das Wasser, Diogenes von Apollonia und Anaximenes die Luft,
Empedokles von Agrigent Feuer, Luft, Wasser und Erde, Anaxagoras von
Klazomenai die Homoiomerien jedes Dinges.2

1 Siehe Hillgruber 1994–99, I 74–6.


2 Übersetzung Müller, in: Jürß/ Müller/ Schmidt 1991.
158 Alexander von Aphrodisias

Alexander von Aphrodisias


Th 189
In Aristotelis Metaphysica commentaria 1.24.7–25.10 (ed. Hayduck)
[Metaph. 1.3.983b6] τίνες δέ εἰσιν οἱ τὴν ὑλικὴν αἰτίαν μόνην ὑποθέμε-
νοι, καθ᾽ οὓς ἡ κυρίως λεγομένη γένεσις οὐ σώζεται, ἑξῆς παρατίθεται. ὧν
πρῶτόν φησι Θαλῆν γενέσθαι (ἀρχηγὸς γὰρ οὗτος τῆς φυσικῆς φιλοσο-
φίας δοκεῖ τῶν μνημονευομένων γεγονέναι) καὶ σαφῶς ἐκτίθεται τὴν δόξαν
αὐτοῦ. ἔδειξε δὲ γνωρίμως διὰ τοῦ παραδείγματος ἐπὶ τοῦ Σωκράτους,
πῶς οὐ σώζεται γένεσις καθ᾽ οὓς τὸ ὑποκείμενον παντάπασιν ἐνεργείᾳ
ἐστί, σῶζον ἀεὶ τὴν οἰκείαν οὐσίαν ἐν οἷς ἂν ᾖ‧ ἕκαστον γὰρ τῶν ἐκ τούτου
γιγνομένων πως ἔχον τὸ ὑποκείμενόν ἐστιν. τὸ δὲ δεῖ γὰρ εἶναί τινα φύσιν
ἢ μίαν ἢ πλείους μιᾶς, ἐξ ὧν γίγνεται τὰ ἄλλα σωζομένης ἐκείνης εἶπε καθ᾽
οὓς μὲν ἓν τὸ ὑποκείμενον καὶ ἡ ὕλη ἐνεργείᾳ τι ὂν ἤδη καθ᾽ αὑτό ἐστι, καθ᾽
οὓς δὲ πλείω, ὡς καὶ αὐτὸς δι᾽ ὧν ἐπιφέρει δηλοῖ‧ οὐδὲ καθ᾽ οὓς πλείω, κατὰ
τούτους οὐ τὰ αὐτά. διὸ εἶπε τὸ μέντοι πλῆθος καὶ τὸ εἶδος τῆς τοιαύτης
ἀρχῆς οὐ τὸ αὐτὸ πάντες λέγουσιν, ἀλλὰ Θαλῆς μὲν ὁ τῆς τοιαύτης
ἀρχηγὸς φιλοσοφίας. τοιαύτης, τῆς φυσικῆς τε καὶ θεωρητικῆς‧ αὐτὸς γὰρ
τῶν μνημονευομένων φυσικῶν ἀρχαιότατος. ὅτι δὲ κατὰ τοῦτον τὸ ὕδωρ
ἡ ἀρχή, καὶ διὰ τί, σαφῶς παρατίθεται‧ ὅτι τε γὰρ ἡ τροφὴ πάντων ὑγρά,
ἐκ δὲ τῆς τροφῆς ἑκάστῳ τὸ εἶναι, καὶ ὅτι πάντων τὰ σπέρματα, ἐξ ὧν ἡ γέ-
νεσις αὐτοῖς, ὑγρὰ τὴν φύσιν, καὶ αὐτὸ τὸ θερμὸν ἐκ τούτου γινόμενον, ἐκ
τοῦ ὑγροῦ. ἐκ γὰρ τῆς ἀναθυμιάσεως τῆς ἀπὸ τοῦ ὑγροῦ τὴν γένεσιν τοῦ
θερμοῦ τε καὶ πυρὸς οἱ περὶ Θαλῆν γίγνεσθαι ἐτίθεντο‧ καὶ γὰρ τρέφεσθαι
ὑπὸ τούτου αὐτὸ καὶ εἶναί τε καὶ σώζεσθαι‧ τοῦτο γάρ ἐστι τὸ καὶ τούτῳ
ζῆν. ὥστε καὶ τοῦ θερμοῦ τὸ ὑγρὸν αὐτοῖς ἀρχή τε καὶ στοιχεῖον, [25] εἴγε
τρέφεται καὶ γίγνεται ἐκ τούτου‧ καὶ γὰρ ἐξ οὗ γίγνεται τὰ γιγνόμενα,
τοῦτο αὐτῶν ἐστιν ἀρχή‧ ὥστε καὶ τοῦ πυρὸς τὸ ὕδωρ, εἰ ἐκ τούτου γί-
γνεται‧ γίγνεται δὲ ἐκ τούτου, ἐπεὶ καὶ τρέφεται. τὸ δ᾽ ὕδωρ ἀρχὴ φύσεώς
ἐστι τοῖς ὑγροῖς, ἀντὶ τοῦ τὸ ὕδωρ ἀρχὴ καὶ φύσις καὶ αἰτία τοῦ εἶναί ἐστι
τοῖς ὑγροῖς. εἰ δὲ τοῖς μὲν ἄλλοις ὡς καὶ τοῖς σπέρμασιν ἀρχὴ τὸ ὑγρόν,
τῶν δὲ ὑγρῶν ἀρχὴ τὸ ὕδωρ, εἴη ἂν τοῦτο καὶ τῶν ὑπ᾽ αὐτὸ ἀρχή. εἰσὶ δέ
τινες οἳ καὶ τοὺς πάνυ παλαιοὺς ἱστοροῦσιν, ὡς τῆς δόξης ταύτης καὶ εἰς
τοὺς ἀρχαιοτάτους ἀναφερομένης ὑπό τινων καὶ τοὺς πρώτους εἰπόντας
τι περὶ θεῶν‧ καὶ πῶς, λέγει. λέγοι δ᾽ ἂν περὶ Ὁμήρου τε καὶ Ἡσιόδου ὡς
πρώτων θεολόγων.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (erster Weiser/Philosoph) Th 29 (w. s.);


(Wasserhypothese geht auf erste Theologen/Homer zurück) Th 29 (w. s.)
Alexander von Aphrodisias 159

Alexander von Aphrodisias (Wende 2./ 3. Jh. n. Chr.)


Th 189
Kommentar zu Aristoteles’ Metaphysik 1.24.7–25.10 [Metaph. 1.3.983b6]
Er [Aristoteles] zählt der Reihe nach auf, welche [Philosophen] nur eine
Materialursache postulieren, denen zufolge die „Entstehung“ im eigentli-
chen Sinn nicht gewahrt bleibt. Er sagt, dass Thales der Erste von ihnen ge-
wesen sei (denn von den Erwähnten scheint er der Archeget der Naturphi-
losophie gewesen zu sein) und er expliziert klar seine Lehre. Er zeigt aber
in verständlicher Weise am Beispiel hinsichtlich des Sokrates [983b13 ff.]
auf, dass eine Entstehung nicht gewahrt bleibt denen zufolge, für die das
Substrat ganz und gar aktuell ist und stets die eigene Natur wahrt, worin
es auch immer ist; denn ein jedes von den Dingen, das aus ihm entsteht, ist
das Substrat in einem bestimmten Zustand. „Es muß also eine Natursubs-
tanz – oder auch mehr als eine – geben, aus der das andere wird, während
sie selbst gewahrt bleibt.“ [983b17 f.] Das sagt er in Bezug auf diejenigen,
denen zufolge ein Einziges das Substrat und Material als bereits aktuelle
Substanz ist; und [er sagt es auch] in Bezug auf diejenigen, denen zufolge
es mehrere [Prinzipien] gibt, wie er es selbst durch das, was er hinzufügt,
verdeutlicht. Aber auch für die, denen zufolge es mehrere gibt, sind [die
Prinzipien] nicht dieselben. Daher sagt er: „Hinsichtlich der Anzahl und
der Beschaffenheit solcher [materiellen] Prinzipien stimmen sie nicht alle
überein, sondern Thales, der Archeget dieser Art von Philosophie, [behaup-
tet, das Wasser sei das Prinzip].“ [983b20 f.] Mit „dieser Art von Philoso-
phie“ [meint er] die theoretische Naturwissenschaft; denn er [Thales] ist
der älteste der erwähnten Naturphilosophen. Er [Aristoteles] führt genau
aus, dass nach diesem [Thales] das Wasser das Prinzip ist und weshalb [es
das Prinzip ist]: Weil nämlich die Nahrung aller Dinge feucht ist und jedes
Ding das Sein aus seiner Nahrung hat; und weil die Samen von allen Dingen,
aus denen sie ihre Entstehung haben, von Natur aus feucht sind; und weil
selbst das Warme aus diesem, dem Feuchten, entstehe. Thales nämlich und
seine Schüler postulierten, dass das Warme und das Feuer aus der feuchten
Ausdünstung entstünden, und dass sie von ihm [dem Feuchten] ernährt
würden und [so] existierten und erhalten würden. Denn das ist es, was er
mit „und davon leben“ [983b24] [meint]. Daher war für sie das Feuchte
Prinzip und Element sogar des Warmen, wenn es denn aus ihm seine Nah-
rung und seine Entstehung erhält; denn woraus entsteht, was entsteht, das
ist auch sein Prinzip. Daher ist das Wasser sogar das Prinzip des Feuers,
wenn dieses aus jenem entsteht. Es entsteht aber aus Wasser, da es auch von
ihm ernährt wird. Dass „das Wasser aber das Naturprinzip für das Feuchte
160 Alexander von Aphrodisias

Th 190
In Metaph. 1.25.13–18
[Metaph. 1.3.983b32] Ὃ βούλεται μὲν συνάγειν ἔστιν ὅτι οἱ τὸν τῶν θεῶν
ὅρκον ὕδωρ ὑποθέμενοι παραπλησίως Θαλῇ ἀρχὴν τῶν ὄντων τὸ ὕδωρ
ὑποτίθενται. διὰ τοιούτου δὲ συλλογισμοῦ τοῦτο λαμβάνομεν. τὸ τι-
μιώτατον καὶ πρεσβύτατον δηλονότι καὶ ἀρχή‧ ὅρκος δὲ τὸ τιμιώτατον‧
ὃ γὰρ ὄμνυμεν, ὡς τιμιώτατον ὄμνυμεν‧ ὁ ὅρκος ἄρα πρεσβύτατόν ἐστι καὶ
ἀρχή. τοῦτο δὲ ἦν ὕδωρ‧ ἡ γὰρ Στὺξ τὸ ὕδωρ κατ᾽ αὐτούς.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (Wasserhypothese geht auf erste Theolo-
gen/Homer zurück) Th 29 (w. s.)

Th 191
In Metaph. 1.26.14–23
[Metaph. 1.3.984a2–3] Θαλῆς μέντοι λέγεται οὕτως ἀποφήνασθαι περὶ τῆς
πρώτης αἰτίας. Εἰκότως τὸ λέγεται οὕτως ἀποφήνασθαι‧ οὐδὲν γὰρ προ-
φέρεται αὐτοῦ σύγγραμμα, ἐξ οὗ τις τὸ βέβαιον ἕξει τοῦ ταῦτα λέγεσθαι
τοῦτον τὸν τρόπον ὑπ᾽ αὐτου. [...]
[984a3] Ἵππωνα ἱστοροῦσιν ἀρχὴν ἁπλῶς τὸ ὑγρὸν ἀδιορίστως ὑποθέ-
σθαι, οὐ διασαφήσαντα πότερον ὕδωρ, ὡς Θαλῆς, ἢ ἀήρ, ὡς Ἀναξιμένης
καὶ Διογένης.

Sim. (Schrift) Th 88 (w. s.); (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)


Alexander von Aphrodisias 161

ist“ [983b27] bedeutet, dass das Wasser das Prinzip und die Natur und die
Ursache des Seins der feuchten Dinge ist. Wenn aber das Feuchte Prinzip
für andere Dinge, wie für die Samen, das Wasser aber Prinzip für die feuch-
ten Dinge ist, dann dürfte wohl dieses [das Wasser] auch Prinzip der Dinge
sein, die vom Feuchten abhängen. „Es gibt einige, die auch die ganz alten
[Denker]“ [983b27–28] angeben, als ob diese Lehre [über das Wasser] von
irgendwelchen Leuten auch auf die ältesten [Denker] und die Ersten, die
etwas über die Götter sagten, zurückgeführt wird. Und er gibt an, wie [sie
das tun]. Er dürfte über Homer und Hesiod als erste Theologen sprechen.

Th 190
Kommentar zu Aristoteles’ Metaphysik 1.25.13–18 [Metaph. 1.3.983b32]
Was er [Aristoteles] beweisen will, ist, dass diejenigen, die als Eidgegenstand
der Götter das Wasser annehmen, in sehr ähnlicher Weise wie Thales an-
nehmen, dass das Wasser das Prinzip der Dinge sei. Das erfahren wir durch
den folgenden Syllogismus: Es ist klar, dass das, was am ehrwürdigsten und
am ältesten ist, auch ein Prinzip ist. Der Eidgegenstand aber ist das Ehr-
würdigste; denn wenn wir schwören, schwören wir bei dem, was wir am
meisten verehren. Der Eidgegenstand ist also das Älteste und ein Prinzip.
Das aber war das Wasser; denn die Styx stand nach ihnen [den Theologen]
für das Wasser.

Th 191
Im Folgenden geht Alexander auf die Frage ein, ob diese Zurückführung auf
die frühen „Theologen“ annehmbar ist.

Kommentar zu Aristoteles’ Metaphysik 1.26.14–23 [Metaph. 1.3.984a2–3]


„Thales soll sich jedenfalls so über die erste Ursache geäußert haben.“ Die
Aussage „er soll sich so geäußert haben“ ist vernünftig; denn es wird keine
Schrift von ihm vorgebracht, aufgrund derer man die Sicherheit hätte, dass
dies so von ihm gesagt wurde. [...] [984a3] Von Hippon berichten sie, dass
er undifferenziert das Feuchte als Prinzip schlechthin angenommen habe,
ohne klar zu machen, ob es Wasser sei, wie Thales es annahm, oder Luft, wie
Anaximenes und Diogenes es annahmen.
162 Alexander von Aphrodisias

Th 192
In Metaph. 1.29.10–14
[Metaph. 1.3.984a27] Λέγει πάλιν περὶ τῶν μόνῃ τῇ ὑλικῇ τε αἰτίᾳ καὶ
ἀρχῇ χρησαμένων‧ δόξει δὲ τὸ πάμπαν ἐξ ἀρχῆς προστεθεικέναι ὑπὲρ
τοῦ δηλῶσαι τοὺς περὶ Θαλῆν καὶ Ἀναξιμένην, ἐπεὶ ὧν γε ἐμνημόνευσεν,
Ἀναξαγόρας καὶ Ἐμπεδοκλῆς δοκοῦσί τι εἰρηκέναι καὶ περὶ τῆς ποιητικῆς
ἀρχῆς, ὡς καὶ αὐτός τε προϊὼν μνημονεύσει.

Th 193
In Metaph. 1.45.14–24
[Metaph. 1.5.987a2] Παρὰ μὲν τῶν πρώτων. ὑπομιμνήσκει τῶν εἰρημένων
ἀρχαίων, ὅτι οἱ μὲν ἀρχαιότεροί τε καὶ πρῶτοι σωματικὴν ἀρχὴν ἐποίουν
καὶ ὑλικήν, ὡς ὕδωρ μὲν Θαλῆς, πῦρ δὲ Ἵππασός τε καὶ Ἡράκλειτος, καὶ τὰ
τούτοις ὅμοια‧ καὶ ἀέρα γάρ, ὡς εἴρηκεν, ἐτίθεντο ἀρχὴν Ἀναξιμένης τε καὶ
Διογένης. ἐν τούτοις δ᾽ ἂν καὶ Ἀναξίμανδρος εἴη ὁ τὴν μεταξὺ φύσιν θέμε-
νος, ἧς δόξης ἐμνημόνευσεν ἐν τοῖς Περὶ γενέσεως. τοιοῦτοι δὲ καὶ Λεύκιπ-
πος καὶ Δημόκριτος‧ καὶ γὰρ οὗτοι ὑλικὰς τὰς ἀρχὰς ἔθεντο. καὶ τῶν μὲν
μίαν τῶν δὲ πλείους. ἔθεντο μίαν, ὡς Θαλῆς Ἀναξιμένης Ἡράκλειτος, πλεί-
ους, ὡς οἱ περὶ Λεύκιππόν τε καὶ Δημόκριτον‧ κατὰ γὰρ τούτους πάντας
αἱ ὑλικαὶ ἀρχαὶ πλείους, καὶ κατὰ Παρμενίδην.

Th 194
In Metaph. 1.461.26–35
[Metaph. 6.1.1028a31] Ἐκ δὴ τῶν εἰρημένων φανερόν ἐστι, φησίν, ὅτι καὶ τὸ
πάλαι μὲν καὶ ἀεὶ ὑπό τε τοῦ Πλάτωνος καὶ τῶν ἄλλων, νῦν δὲ ὑφ᾽ ἡμῶν
ζητούμενον καὶ ἀπορούμενον, τί τὸ ὄν, τοῦτό ἐστι τίς ἡ οὐσία. ἐπειδὴ γὰρ
κυρίως ὂν καὶ πρῶτον ὂν καὶ τῷ χρόνῳ καὶ τῷ λόγῳ καὶ τῇ γνώσει ἐστὶν
ἡ οὐσία, τὸ ζητεῖν τί τὸ ὂν τὸ ζητεῖν ἐστι τίς ἡ οὐσία. τοῦτο δὲ τὸ ὄν (λέ-
γων τὴν οὐσίαν) οἱ μὲν ἓν εἶναί φασιν‧ ὅσοι γὰρ μίαν ἔλεγον τὴν ἀρχήν,
ὥσπερ Θαλῆς καὶ οἱ λοιποί, οὓς ἴσμεν, καὶ τὸ ὂν ἓν ἔλεγον‧ ὅσοι δ᾽ ἀπεί-
ρους, ὥσπερ Ἀναξαγόρας καὶ Δημόκριτος, καὶ τὰ ὄντα ἄπειρα ἀπεφήναν-
το εἶναι. διόπερ καὶ ἡμῖν, φησί, πρῶτον καὶ μάλιστα καὶ μόνως ὡς εἰπεῖν
περὶ τοῦ ὄντως ὄντος καὶ κυρίως ὄντος θεωρητέον τί ἐστιν.
Alexander von Aphrodisias 163

Th 192
Kommentar zu Aristoteles’ Metaphysik 1.29.10–14 [Metaph. 1.3.984a27]
Er spricht erneut über diejenigen, die auf eine einzige stoffliche Ursache und
[ein einziges stoffliches] Prinzip zurückgegriffen haben. Das „bereits ganz
am Anfang“ hat er offenbar im Hinweis auf Thales und Anaximenes und
ihre Umgebung hinzugefügt. Anaxagoras und Empedokles scheinen unter
denen, die er erwähnt hat, auch etwas über die Wirkursache gesagt zu haben,
woran er auch selbst im Weiteren erinnern wird.

Th 193
Kommentar zu Aristoteles’ Metaphysik 1.45.14–24 [Metaph. 1.5.987a2]
„Von den frühesten Philosophen.“ Er bringt auch in Erinnerung, dass von
den besagten alten [Philosophen] die ältesten und ersten ein körperliches
und stoffliches Prinzip annahmen, wie zum Beispiel Thales das Wasser,
Hippasos und Heraklit das Feuer und dergleichen; denn auch die Luft pos-
tulierten, wie er gesagt hat, Anaximenes und Diogenes [als Prinzip]. Zu
ihnen dürfte auch Anaximander zählen, der die Zwischennatur postulierte.
Diese Lehre erwähnte er in den Büchern Über das Werden. [328b35; 332a20]
Dazu gehören aber auch Leukipp und Demokrit; denn auch diese postu-
lierten ihre Prinzipien als stofflich. „Und einige [postulierten] ein einziges
[Prinzip], andere [postulierten] mehrere.“ [987a5] Ein einziges setzten z.
Bsp. Thales, Anaximenes und Heraklit an; mehrere die um Leukipp und
Demokrit; denn nach diesen allen sind die stofflichen Prinzipien mehrere,
auch nach Parmenides.

Th 194
Kommentar zu Aristoteles’ Metaphysik 1.461.26–35 [Metaph. 6.1.1028a31]
Die Frage nach dem Seienden ist die Frage nach dem Wesen. Die eine Gruppe
von Forschern behauptet, dass es eines sei; [...] denn alle, die sagten, dass es
ein Prinzip gebe, wie Thales und die übrigen, soweit wir wissen, sagten
auch, dass das Seiende eines sei [...].
164 Alexander von Aphrosidias – Clemens aus Alexandria

Th 195
In Metaph. 1.549.2–6
[Metaph. 8.2.1042b31–33] Ταῦτα εἰπὼν λέγει ὅτι δεῖ λαβεῖν τὰ τῶν δια-
φορῶν γένη‧ αὗται γὰρ ἀρχαὶ καὶ αἰτίαι ἔσονται ἑκάστοις τοῦ εἶναι τοῦθ᾽
ὅπερ εἰσίν, οἷον τοῖς μὲν ἀρχὴ ἔσται εἰδοποιὸς τὸ μᾶλλον, ὥσπερ Θαλῆς
ἔλεγεν ὅτι τὸ ὕδωρ μᾶλλον μανωθὲν γίνεται ἀὴρ καὶ ἔτι μᾶλλον πῦρ.

Sim. (Aggregatzustände) Th 94 (w. s.)

Th 196
In Metaph. 1.670.19–23
[Metaph. 9.1.1069a26] Οἱ δὲ πάλαι τοὐναντίον οὐσίας ἔλεγον τὰ καθ᾽
ἕκαστα‧ ὁ μὲν Ἡράκλειτος οὐσίαν καὶ ἀρχὴν ἐτίθετο τὸ πῦρ, Παρμενίδης
δὲ ἐν τοῖς πρὸς δόξαν πῦρ καὶ γῆν, Θαλῆς ὕδωρ, καὶ ἄλλος ἄλλο. τὸ δὲ
κοινὸν καθόλου σῶμα τὸ κατὰ παντὸς σώματος κατηγορούμενον οὐδεὶς
εἶπεν ἀρχήν.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Clemens aus Alexandria


Th 197
Protrepticus 5.64.2 (ed. Mondésert)
Στοιχεῖα μὲν οὖν ἀρχὰς ἀπέλιπον ἐξυμνήσαντες Θαλῆς ὁ Μιλήσιος τὸ
ὕδωρ καὶ Ἀναξιμένης ὁ καὶ αὐτὸς Μιλήσιος τὸν ἀέρα, ᾧ Διογένης ὕστερον
ὁ Ἀπολλωνιάτης κατηκολούθησεν.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)


Alexander von Aphrosidias – Clemens aus Alexandria 165

Th 195
Das sich in verschiedenen Formen manifestierende Seiende:

Kommentar zu Aristoteles’ Metaphysik 1.549.2–6


[Metaph. 8.2.1042b31–33]
Danach sagt er, dass man die Arten der Unterschiede erfassen müsse; denn
diese werden für die einzelnen Dinge die Prinzipien und Ursachen dafür
sein, dass sie sind, was sie sind, wie für die einen Dinge etwas in höherem
Grade zu sein das formschaffende Prinzip sein wird – zum Beispiel sagte
Thales, dass das Wasser in höherem Grade aufgelockert Luft wird und in
noch höherem Grade [aufgelockert] Feuer.

Th 196
Kommentar zu Aristoteles’ Metaphysik 1.670.19–23 [Metaph. 9.1.1069a26]
Die frühen Philosophen fassten die einzelnen Dinge als Wesen auf, z. Bsp.
Thales das Wasser.

Clemens aus Alexandria (etwa 150–211/ 16 n. Chr.)


Th 197
Ansichten der Philosophen über die Götter. Der Stoff als Bild der Gottheit:

Ermahnungsschrift 5.64.2
[Folgende] ließen die Elemente als Prinzipien zu und priesen sie laut: Thales
aus Milet das Wasser und Anaximenes, selbst auch Milesier, die Luft, dem
später der Apolloniate Diogenes folgte.
166 Clemens aus Alexandria

Th 198
Stromata 1.11.52.4 (ed. Stählin/Treu)
Στοιχεῖα δὲ σέβουσι Διογένης μὲν τὸν ἀέρα, Θαλῆς δὲ τὸ ὕδωρ, Ἵππασος
δὲ τὸ πῦρ, καὶ οἱ τὰς ἀτόμους ἀρχὰς ὑποτιθέμενοι, φιλοσοφίας ὄνομα ὑπο-
δυόμενοι, ἄθεοί τινες ἀνθρωπίσκοι καὶ φιλήδονοι.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 199
Strom. 1.14.59.1
Φασὶ δὲ Ἕλληνες μετά γε Ὀρφέα καὶ Λίνον καὶ τοὺς παλαιοτάτους παρὰ
σφίσι ποιητὰς ἐπὶ σοφίᾳ πρώτους θαυμασθῆναι τοὺς ἑπτὰ τοὺς ἐπικλη-
θέντας σοφούς, ὧν τέσσαρες μὲν ἀπὸ Ἀσίας ἦσαν, Θαλῆς τε ὁ Μιλήσιος καὶ
Βίας ὁ Πριηνεὺς καὶ Πιττακὸς ὁ Μιτυληναῖος καὶ Κλεόβουλος ὁ Λίνδιος,
δύο δὲ ἀπὸ Εὐρώπης, Σόλων τε ὁ Ἀθηναῖος καὶ Χίλων ὁ Λακεδαιμόνιος,
τὸν δὲ ἕβδομον οἳ μὲν Περίανδρον εἶναι λέγουσιν τὸν Κορίνθιον, οἳ δὲ Ἀνά-
χαρσιν τὸν Σκύθην, οἳ δὲ Ἐπιμενίδην τὸν Κρῆτα.

Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.)

Th 200
Strom. 1.14.60.3
Τὸ μὲν οὖν “γνῶθι σαυτὸν” οἳ μὲν Χίλωνος ὑπειλήφασι, Χαμαιλέων (Th 40)
δὲ ἐν τῷ περὶ θεῶν Θαλοῦ, Ἀριστοτέλης δὲ τῆς Πυθίας.

Sim. (Spruchweisheit) Th 89 (w. s.)

Th 201
Strom. 1.14.61.2–3
Τὸ δ᾽ “ἐγγύα, πάρα δ᾽ ἄτα” Κλεομένης μὲν ἐν τῷ περὶ Ἡσιόδου Ὁμήρῳ
φησὶ προειρῆσθαι διὰ τούτων‧ [...] οἳ δὲ περὶ Ἀριστοτέλη Χίλωνος αὐτὸ
νομίζουσι, Δίδυμος (Th 84) δὲ Θαλοῦ [61.3] φησιν εἶναι τὴν παραίνεσιν.

Sim. (Spruchweisheit) Th 89 (w. s.)


Clemens aus Alexandria 167

Th 198
Die christliche Lehre verehrt den Schöpfer als Gott.

Teppiche 1.11.52.4
Als Elemente verehren Diogenes die Luft, Thales das Wasser, Hippasos das
Feuer und diejenigen, die die Atome als Prinzipien postulieren, die sich
den Namen ‚Philosophie‘ beiziehen, irgendwelche gottlosen lustergebenen
Menschlein.

Th 199
Teppiche 1.14.59.1
Die Sieben Weisen, von denen vier (Thales, Bias, Pittakos, Kleobulos) aus
Asien stammen.

Th 200
Die Vorliebe der griechischen Philosophen für Spruchformen.

Teppiche 1.14.60.3
Einige nehmen an, dass der Spruch „Erkenne dich selbst“ von Chilon
stamme, Chamaileon (Th 40) aber in seiner Schrift Über die Götter nimmt
an von Thales, und Aristoteles [3.2 Rose3, 29.1 Gigon] von der Pythia.

Th 201
Teppiche 1.14.61.2–3
Kleomenes sagt in seiner Schrift über Hesiod, dass der Spruch „Bürge, und
schon ist das Unheil da“ von Homer vorweggenommen worden sei [...].
Aristoteles und seine Schule glauben, er stamme von Chilon [4 R3, 29.2 Gi-
gon]. Didymos (Th 84) aber sagt, dass die Ermahnung [„Bürge, und schon
ist das Unheil da“] von Thales stamme.
168 Clemens aus Alexandria

Th 202
Strom. 1.14.62.1–63.2
Φιλοσοφίας τοίνυν μετὰ τοὺς προειρημένους ἄνδρας τρεῖς γεγόνασι δια-
δοχαὶ ἐπώνυμοι τῶν τόπων περὶ οὓς διέτριψαν, Ἰταλικὴ μὲν ἡ ἀπὸ Πυ-
θαγόρου, Ἰωνικὴ δὲ ἡ ἀπὸ Θαλοῦ, Ἐλεατικὴ δὲ ἡ ἀπὸ Ξενοφάνους. [...]
[62.3] ἀλλὰ καὶ Θαλῆς, ὡς Λέανδρος (FGrHist III B 491–2 F 17, s. Th 50) καὶ
Ἡρόδοτος (Th 12) ἱστοροῦσι, Φοῖνιξ ἦν, ὡς δέ τινες ὑπειλήφασι, Μιλήσιος.
[62.4] μόνος οὗτος δοκεῖ τοῖς τῶν Αἰγυπτίων προφήταις συμβεβληκέναι,
διδάσκαλος δὲ αὐτοῦ οὐδεὶς ἀναγράφεται, [...] [63.2] Ἀναξίμανδρος δὲ
Πραξιάδου Μιλήσιος Θαλῆν διαδέχεται, τοῦτον δὲ Ἀναξιμένης Εὐρυστρά-
του Μιλήσιος, μεθ᾽ ὃν Ἀναξαγόρας Ἡγησιβούλου Κλαζομένιος.

Sim. (Ionische Schule) Th 147 (w. s.); (phönizische Abkunft) Th 12 (w. s.);


(ägyptischer Einfluss) Th 92 (w. s.)

Th 203
Strom. 1.14.65.1
Θαλῆν δὲ Εὔδημος ἐν ταῖς Ἀστρολογικαῖς ἱστορίαις τὴν γενομένην ἔκλει-
ψιν τοῦ ἡλίου προειπεῖν φησι (s.  Th  45) καθ᾽ οὓς χρόνους συνῆψαν μά-
χην πρὸς ἀλλήλους Μῆδοί τε καὶ Λυδοὶ βασιλεύοντος Κυαξάρους μὲν τοῦ
Ἀστυάγους πατρὸς Μήδων, Ἀλυάττου δὲ τοῦ Κροίσου Λυδῶν. συνᾴδει
δὲ αὐτῷ καὶ Ἡρόδοτος ἐν τῇ πρώτῃ (Th 10). εἰσὶ δὲ οἱ χρόνοι ἀμφὶ τὴν
πεντηκοστὴν ὀλυμπιάδα.

Sim. (Sonnenfinsternis) Th 10 (w. s.)

Th 204
Strom. 1.15.66.2
Θαλῆς δὲ Φοῖνιξ ὢν τὸ γένος καὶ τοῖς Αἰγυπτίων προφήταις συμβεβληκέ-
ναι εἴρηται, καθάπερ καὶ ὁ Πυθαγόρας αὐτοῖς γε τούτοις.

Sim. (phönizische Abkunft) Th 12 (w. s.); (ägyptischer Einfluss) Th 92 (w. s.)


Clemens aus Alexandria 169

Th 202
Teppiche 1.14.62.1–63.2
Beginn der ‚Ionischen Schule‘ mit Thales. [...] Aber auch Thales, wie Lean-
dros (Th 50) und Herodot (Th 12) erforschen, war ein Phönizier, wie aber
einige annehmen, ein Milesier. Nur er scheint mit den Priestern der Ägypter
zusammengetroffen zu sein, es wird aber kein Lehrer von ihm aufgeführt
[...]. Anaximander, der Sohn des Praxiades, der Milesier, folgt ihm als Schü-
ler, diesem [folgt] Anaximenes, der Sohn des Eurystratos, aus Milet, danach
der Klazomenier Anaxagoras, der Sohn des Hegesibulos.

Th 203
Teppiche 1.14.65.1
[...] Eudemos (s. Th 45) sagt in seinen Astronomischen Forschungen,1 Thales
habe die Sonnenfinsternis vorausgesagt, die zu der Zeit eintrat, als die Meder
und die Lyder eine Schlacht gegeneinander begannen. Kyaxares, der Vater
des Astyages, war damals König der Meder, Alyattes, der Vater des Kroi-
sos, [war König] der Lyder. Herodot in seinem ersten Buch stimmt mit ihm
[Eudemos] überein (Th 10 [1.74]). Es sind die Jahre um die 50. Olympiade
[580–577 v. Chr.].

Th 204
Die ältesten griechischen Weisen waren Nichtgriechen und lernten bei Nicht-
griechen.

Teppiche 1.15.66.2
Thales war phönizischer Abstammung und soll mit den Priestern der Ägyp-
ter zusammengekommen sein, wie auch Pythagoras [...].

1 Oder: Geschichte der Astronomie. Vgl. Bowen 2002, 308, Anm. 2.


170 Clemens aus Alexandria

Th 205
Strom. 1.21.129.3–4
Ἀποδείκνυνται τοίνυν οἱ ἐπὶ Δαρείου τοῦ ῾Υστάσπου προφητεύσαντες
κατὰ τὸ δεύτερον ἔτος τῆς βασιλείας αὐτοῦ Ἀγγαῖος καὶ Ζαχαρίας καὶ ὁ
ἐκ τῶν δώδεκα Ἄγγελος κατὰ τὸ πρῶτον ἔτος τῆς ὀγδόης καὶ τεσσαρα-
κοστῆς ὀλυμπιάδος προφητεύσαντες πρεσβύτεροι εἶναι Πυθαγόρου τοῦ
κατὰ τὴν δευτέραν καὶ ἑξηκοστὴν ὀλυμπιάδα φερομένου καὶ τοῦ πρεσβυ-
τάτου τῶν παρ᾽ Ἕλλησι σοφῶν Θαλοῦ περὶ τὴν πεντηκοστὴν ὀλυμπιάδα
γενομένου. [129.4] συνεχρόνισαν δὲ οἱ συγκαταλεγέντες σοφοὶ τῷ Θαλεῖ,
ὥς φησιν Ἄνδρων ἐν τῷ Τρίποδι (Th 24).

Sim. (Datierung) Th 171 (w. s.)

Th 206
Strom. 2.4.14.1–2
Πίστει οὖν ἐφικέσθαι μόνῃ οἷόν τε τῆς τῶν ὅλων ἀρχῆς. πᾶσα γὰρ ἐπιστήμη
διδακτή ἐστι‧ τὸ δὲ διδακτὸν ἐκ προγινωσκομένου. [14.2] οὐ προε-
γινώσκετο δὲ ἡ τῶν ὅλων ἀρχὴ τοῖς Ἕλλησιν, οὔτ᾽ οὖν Θαλῇ ὕδωρ ἐπι-
σταμένῳ τὴν πρώτην αἰτίαν οὔτε τοῖς ἄλλοις [τοῖς] φυσικοῖς τοῖς ἑξῆς.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 207
Strom. 5.14.96.4
Τί δ᾽; οὐχὶ κἀκεῖνα τοῦ Θάλητος ἐκ τῶνδε ἤρτηται; τὸ εἰς τοὺς αἰῶνας τῶν
αἰώνων δοξάζεσθαι τὸν θεὸν καὶ τὸ “καρδιογνώστην” λέγεσθαι πρὸς ἡμῶν
ἄντικρυς ἑρμηνεύει. ἐρωτηθεὶς γέ τοι ὁ Θάλης, τί ἐστι τὸ θεῖον, “τὸ μήτε
ἀρχήν”, ἔφη, “μήτε τέλος ἔχον.” πυθομένου δὲ ἑτέρου, εἰ λανθάνει τὸ θεῖον
πράσσων τι ἄνθρωπος, “καὶ πῶς,” εἶπεν, “ὅς γε οὐδὲ διανοούμενος.”

Sim. (Spruchweisheit) Th 89 (w. s.)


Clemens aus Alexandria 171

Th 205
Teppiche 1.21.129.3–4
Es ist nun gezeigt, dass die Propheten zur Zeit des Dareios, des Sohnes
des Hystaspes, im zweiten Jahr seiner Königsherrschaft, Aggäus [Haggai]
und Zacharias und der Engel [Maleachi] aus dem Kreis der Zwölf [kleinen
Propheten], die im ersten Jahr der 48. Olympiade prophezeiten, älter sind
als Pythagoras, der während der 62. Olympiade gelebt haben soll, und als
der älteste der griechischen Weisen, Thales, der um die 50. Olympiade lebte.
Zur gleichen Zeit lebten die mit Thales zusammen aufgezählten Weisen, wie
Andron im Dreifuß sagt (Th 24).

Th 206
Teppiche 2.4.14.1–2
Durch Glauben allein kann man also das Prinzip aller Dinge erreichen. Alles
Wissen ist nämlich lehrbar. Das Lehrbare aber baut auf vorher Erfasstem
auf. Das Prinzip aller Dinge war aber von den Griechen nicht vorher erfasst,
weder also von Thales, der der Meinung war, dass das Wasser die erste Ur-
sache sei, noch von den anderen Naturphilosophen nach ihm.

Th 207
Die Abhängigkeit der griechischen Philosophie von der hebräischen.

Teppiche 5.14.96.4
Was aber? Beruhen nicht auch jene Worte des Thales darauf [nämlich auf
der Einsicht, dass der Mensch zum Ziel gelangt, wenn er sein Denken mit
dem Gegenstand des Denkens in Übereinstimmung bringt]? Dass Gott
auf Ewigkeit gepriesen wird und dass er von uns „Herzenskündiger“1 ge-
nannt wird, legt er geradewegs aus. Jedenfalls hat Thales auf die Frage, was
das Göttliche sei, gesagt (vgl. Th 210; Th 237 [Diog. Laert. 1.36]; Th 564
[321d]): „Was weder Anfang noch Ende hat.“ Und auf die weitere Frage,
ob der Mensch etwas unbemerkt vor dem Göttlichen tun könne, sagte er:
„Wie sollte er, wo er es doch nicht einmal im Gedanken kann?“ (vgl. Th 96;
Th 237 [ebd.]; Th 564 [316]).

1 Vgl. Apostelgeschichte 1.24; 15.8.


172 Clemens aus Alexandria – Hippolytos von Rom

Th 208
Strom. 6.7.57.3
Κλεάνθης μὲν γὰρ Ζήνωνα ἐπιγράφεται καὶ Θεόφραστος Ἀριστοτέλη
Μητρόδωρός τε Ἐπίκουρον καὶ Πλάτων Σωκράτην‧ ἀλλὰ κἂν ἐπὶ Πυ-
θαγόραν ἔλθω καὶ Φερεκύδην καὶ Θάλητα καὶ τοὺς πρώτους σοφούς,
ἵσταμαι τὸν τούτων διδάσκαλον ζητῶν κἂν Αἰγυπτίους εἴπῃς κἂν Ἰνδοὺς
κἂν Βαβυλωνίους κἂν τοὺς Μάγους αὐτούς, οὐ παύσομαι τὸν τούτων δι-
δάσκαλον ἀπαιτῶν, ἀνάγω δέ σε καὶ ἐπὶ τὴν πρώτην γένεσιν ἀνθρώπων,
κἀκεῖθεν ἄρχομαι ζητεῖν, τίς ὁ διδάσκαλος.

Sim. (ägyptischer Einfluss) Th 92 (w. s.)

Hippolytos von Rom


Th 209
Refutatio omnium haeresium 1.pinax.3 (ed. Marcovich)
Φυσικοὶ μὲν οὖν Θαλῆς, Πυθαγόρας, Ἐμπεδοκλῆς, Ἡράκλειτος, Ἀναξί-
μανδρος, Ἀναξιμένης, Ἀναξαγόρας, Ἀρχέλαος, Παρμενίδης, Λεύκιππος,
Δημόκριτος, Ξενοφάνης, Ἔκφαντος, Ἵππων.

Th 210
Haer. 1.1
Λέγεται Θαλῆν τὸν Μιλήσιον, ἕνα τῶν ἑπτὰ σοφῶν, πρῶτον ἐπικεχειρη-
κέναι φιλοσοφίαν φυσικήν. οὗτος ἔφη ἀρχὴν τοῦ παντὸς εἶναι καὶ τέλος
τὸ ὕδωρ‧ ἐκ γὰρ αὐτοῦ τὰ πάντα συνίστασθαι πηγνυμένου καὶ πάλιν
διανιεμένου,1 ἐπιφέρεσθαί τε αὐτῷ τὰ πάντα. ἀφ᾽ οὗ καὶ σεισμοὺς καὶ
πνευμάτων 〈συ〉στροφὰς καὶ ἄστρων κινήσεις 〈γίνεσθαι〉. καὶ τὰ πάντα
φέρεσθαί τε καὶ ῥεῖν, τῇ τοῦ πρώτου ἀρχηγοῦ τῆς γενέσεως αὐτῶν φύσει
συμφερόμενα. θεὸν δὲ τοῦτ᾽ εἶναι, τὸ μήτε ἀρχὴν μήτε τελευτὴν ἔχον. οὗτος
περὶ τὸν τῶν ἄστρων λόγον καὶ τὴν ζήτησιν ἀσχοληθεὶς Ἕλλησι ταύτης
τῆς μαθήσεως αἴτιος πρῶτος γίνεται. ὃς ἀποβλέπων πρὸς τὸν οὐρανὸν
καὶ τὰ ἄνω ἐπιμελῶς κατανοεῖν λέγων, εἰς φρέαρ ἐνέπεσεν‧ ὃν ἐγγελῶσά
τις θεραπαινὶς Θρᾷττα τοὔνομα ἔφη‧ τὰ ἐν οὐρανῷ προθυμούμενος εἰδέ-
ναι, τὰ ἐν ποσὶν οὐκ εἶδεν. ἐγένετο δὲ κατὰ Κροῖσον.

1 〈εἰς αὐτὸ διαχεῖσθαι〉 ex gr. supplevit Mansfeld. Siehe Mansfeld 1985, 121.
Clemens aus Alexandria – Hippolytos von Rom 173

Th 208
Teppiche 6.7.57.3
Wissen bedarf eines Lehrers. Kleanthes beansprucht den Zenon als Lehrer,
Theophrast den Aristoteles, Metrodor den Epikur und Platon den Sokrates.
Aber wenn ich auch zu Pythagoras komme und Pherekydes und Thales und
zu den ersten Weisen, halte ich stand bei der Suche nach deren Lehrer. Wenn
du die Ägypter nennst und die Inder und die Babylonier und die Magier
selbst, werde ich nicht aufhören, nach deren Lehrer zu fragen. Ich führe
dich aber zur ersten Generation der Menschen und beginne da zu fragen:
Wer war ihr Lehrer?

Hippolytos von Rom (ca. 160–235 n. Chr.)


Th 209
Widerlegung aller Häresien 1.pinax.3
Die Gruppe der Naturphilosophen von Thales bis Hippon.

Th 210
Hippolytos’ Widerlegung der gnostischen Häretiker beginnt, indem er ihre
heidnischen Quellen offen legt, mit der Darstellung von Leben und Lehre
der griechischen Naturphilosophen:

Widerlegung aller Häresien 1.1


Man sagt, dass Thales aus Milet, einer der Sieben Weisen, sich als Erster mit
Naturphilosophie befasst habe. Er behauptete, Ursprung und Ziel des Alls
sei das Wasser; denn aus ihm [dem Wasser] entstünden alle Dinge, indem es
sich verfestige und indem es sich wieder verflüssige. Auch seien alle Dinge
auf ihm platziert. Davon kämen die Erdbeben, die Zusammenballungen der
Winde und die Bewegungen der Gestirne. Und alle Dinge bewegten sich
und seien im Fluss in Übereinstimmung mit der Natur des ersten Urhe-
bers ihres Werdens. Das aber, was weder Ursprung noch Ende habe, sei
Gott (vgl. Th 207; Th 237 [Diog. Laert. 1.36]; Th 564 [321d]). Er (Tha-
les) beschäftigte sich mit der Erklärung und der Erforschung der Gestirne
und wurde so für die Griechen der Archeget dieser Disziplin. Er, der zum
174 Hippolytos von Rom

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (Erde ruht auf dem Wasser) Th 30 (w. s.);
(Erdbeben) Th 99 (w. s.); (Brunnenfall) Th 19 (w. s.); (Aggregatzustände)
Th 94 (w. s.); (Winde) Th 178 (w. s.); (Datierung) Th 171 (w. s.)
(Thales, einer der Sieben Weisen) Th  52 (w.  s.); (Thales als Vertreter der
Astronomie) Th 103 (w. s.)

Th 211
Haer. 1.5.1–6.1
Ἀλλ᾽ ἐπεὶ καθόλου οὐ μικρὰ γεγένηται ἡ σχολὴ πολλοί τε οἱ μετέπειτα
φυσικοὶ ἐξ αὐτῆς γεγένηνται, ἄλλοι ἄλλως περὶ φύσεως τοῦ παντὸς δι-
ηγούμενοι, [καὶ] δοκεῖ ἡμῖν τὴν ἀπὸ Πυθαγόρου ἐκθεμένους φιλοσοφίαν
κατὰ διαδοχὴν ἀναδραμεῖν ἐπὶ τὰ δόξαντα τοῖς μετὰ Θαλῆν, καὶ ταῦτα
ἐξειπόντας ἐλθεῖν ἐπί τε τὴν ἠθικὴν καὶ 〈τὴν〉 λογικὴν φιλοσοφίαν, ὧν
ἦρξαν Σωκράτης μὲν ἠθικῆς, Ἀριστοτέλης δὲ διαλεκτικῆς. [6.1] Θαλοῦ τοί-
νυν Ἀναξίμανδρος γίνεται ἀκροατής.

Th 212
Haer. 1.10.1
Ἡ μὲν οὖν φυσικὴ φιλοσοφία ἀπὸ Θάλητος ἕως Ἀρχελάου διέμεινε‧ τούτου
γίνεται Σωκράτης ἀκροατής.

Th 213
Haer. 5.9.13
Εἶναι δὲ τὸν ὄφιν λέγουσιν οὗτοι τὴν ὑγρὰν οὐσίαν, καθάπερ καὶ Θαλῆς
〈ἔφη〉 ὁ Μιλήσιος, καὶ μηδὲν δύνασθαι τῶν ὄντων ὅλως, ἀθανάτων ἢ
θνητῶν, [τῶν] ἐμψύχων ἢ ἀψύχων, συνεστηκέναι χωρὶς αὐτοῦ.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)


Hippolytos von Rom 175

Himmel blickte und behauptete, die Dinge oben sorgsam zu erkennen, und
dabei in einen Brunnen fiel. Da lachte ihn eine Magd mit Namen Thraitta
aus und sagte: „Was am Himmel ist, begehrte er zu sehen, und sah nicht, was
vor seinen Füßen ist.“ Er lebte zur Zeit des Kroisos.

Th 211
Widerlegung aller Häresien 1.5.1–6.1
Nach der Darlegung der pythagoreischen Philosophie soll die Sprache auf
die anderen auf Thales folgenden naturphilosophischen Denker kommen.
Begonnen wird mit Anaximander, dem Schüler des Thales.

Th 212
Widerlegung aller Häresien 1.10.1
Die Naturphilosophie reichte von Thales bis Archelaos [Schüler des Anaxa-
goras]; dessen Schüler war Sokrates.

Th 213
Widerlegung aller Häresien 5.9.13
Sie [die Naassener/ Gnostiker] sagen, die Schlange sei die feuchte Wesen-
heit, wie es auch Thales aus Milet sagte, und ohne ihn [den Naas] könne
überhaupt nichts von dem Seienden bestehen, weder von den Unsterblichen
noch von den Sterblichen, von den Beseelten oder Unbeseelten.1

1 „Ophiten [zu griech. óphis = Schlange] (Naassener), Sammelbez. für die Anhänger
einer in unterschiedl. Gruppen im Orient vertretenen Richtung der Gnosis. In ihren
Systemen, die Gedankengut aus griech. Mysterien, oriental. Kultmythen, hellenist.
Theologie und AT enthielten, hatte die Schlange sowohl als Vermittlerin der Er-
kenntnis [...] als auch als Bringerin des Verderbens eine zentrale Stellung“ (Brunner/
Flessel/ Hiller 1993, 69).
176 Hippolytos von Rom – Quintus Sept. F. Tertullianus

Th 214
Haer. 9.17.2–3
Ταῦτα δὲ 〈τὰ μυστήρια〉 οὐδὲ Αἰγυπτίων σοφοὶ ἐν ἀδύτοις ἐχώρησαν,
οὐδὲ ὁ σοφὸς Ἑλλήνων Πυθαγόρας ἐχώρησεν, 〈ὃς τοῦ Ἠλχασαῒ πρότερος
ἦν‧〉 εἰ γὰρ 〈τῷ ὄντι〉 τετυχήκει κατ᾽ ἐκεῖνο καιροῦ 〈ὁ〉 Ἠλχασαΐ, τίς ἀνάγκη
Πυθαγόραν ἢ Θαλῆν ἢ Σόλωνα ἢ τὸν σοφὸν Πλάτωνα ἢ καὶ τοὺς λοιποὺς
Ἑλλήνων σοφοὺς μαθητεύειν Αἰγυπτίων ἱερεῦσιν, ἔχοντας τὴν τοιαύτην
καὶ τοσαύτην σοφίαν παρὰ Ἀλκιβιάδῃ, [3] [ἃ] τῷ θαυμασιωτάτῳ ἑρμηνεῖ
τοῦ δυστήνου Ἠλχασαΐ;

Sim. (ägyptischer Einfluss) Th 92 (w. s.)

Th 215
Haer. 10.6.4
〈Ἐξ〉 ἀποίου μὲν οὖν καὶ ἑνὸς σώματος τὴν τῶν ὅλων συνεστήσαντο γέ-
νεσιν οἱ Στωϊκοί‧ ἀρχὴ γὰρ τῶν ὅλων κατ᾽ αὐτούς ἐστιν ἡ ἄποιος ὕλη καὶ
δι᾽ ὅλων τρεπ〈τ〉ή, μεταβαλλούσης τε αὐτῆς γίνεται πῦρ, ἀήρ, ὕδωρ, γῆ.
ἐξ ἑνὸς δὲ καὶ ποιοῦ γεγενῆσθαι τὰ πάντα θέλουσιν οἵ τε περὶ τὸν Ἵππα-
σον καὶ Ἀναξίμανδρον καὶ Θαλῆ τὸν Μιλήσιον. 〈ὧν〉 Ἵππασος μὲν ὁ Με-
ταπόντιος καὶ Ἡράκλειτος ὁ Ἐφέσιος ἐκ πυρὸς ἀπεφήναντο τὴν γένεσιν,
Ἀναξίμανδρος δὲ ἐξ ἀέρος, Θαλῆς δὲ ἐξ ὕδατος, Ξενοφάνης δὲ ἐκ γῆς.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Quintus Sept. F. Tertullianus

Th 216
Ad nationes 2.2.10–11 (ed. Borleffs CCL I.43)
Diogenes consultus, quid in caelis agatur, ‚numqu〈am〉‘, inquit, ‚ascendi‘.
Item, an dei essent, ‚nescio‘, inquit, ‚nisi, ut sint, expedire.‘ [11] Thales Mi-
lesius Croeso sciscitanti, quid de deis arbitraretur, pos〈t ali〉quot deliberandi
commeatus, ‚nihil‘ renuntiauit.
Hippolytos von Rom – Quintus Sept. F. Tertullianus 177

Th 214
Widerlegung aller Häresien 9.17.2–3
Solche Mysterien haben nicht einmal die ägyptischen Weisen in ihren
Tempeln, noch der Weise der Griechen, Pythagoras, erfasst, der früher als
Elchasaï1 lebte. Wenn nämlich in der Tat zu jener Zeit Elchasaï aufgetreten
wäre, welche Notwendigkeit hätte bestanden, dass Pythagoras oder Thales
oder Solon oder der weise Platon oder die übrigen Weisen der Griechen
Schüler der ägyptischen Priester werden, die nach Alkibiades, dem erstaun-
lichen Ausleger des unglücklichen Elchasaï, eine derartig große Weisheit
besitzen?

Th 215
Widerlegung aller Häresien 10.6.4
Thales gehört zur Gruppe derer, die behaupteten, dass alles aus einem be-
stimmten Stoff (Thales: aus Wasser) entstanden sei.

Quintus Sept. F. Tertullianus


(ca. 160/ 70–nach 212 n. Chr.)

Th 216
Die unsicheren Spekulationen der Philosophen über Gott.
An die Völker 2.2.10–112
Diogenes sagte auf die Frage, was im Himmel vor sich gehe: „Ich habe ihn
niemals erstiegen.“ Ebenso sagte er auf die Frage, ob es Götter gebe: „Ich
weiß es nicht. Ich weiß nur, dass es förderlich ist, dass es sie gibt.“ Thales

1 Siehe ebd. 9.13.


2 Vgl. dazu Tibiletti 1967/ 8.
178 Quintus Sept. F. Tertullianus

Sim. (Unwissen über die Götter) Th 218, Th 219 (vgl. Cic. De nat. deorum
1.22.60)

Th 217
Nat. 2.4.18–19 (Borleffs CCL I.47–48)
Merito ergo Milesius Thales, 〈dum t〉otum caelum examinat et ambulat
oculis, in puteum cecidit 〈turpite〉r, multum inrisus Aegyptio illi: ‚in terra‘,
inquit, ‚nihil perspici〈ens cae〉lum tibi speculandum existimas?‘ [19] Itaque
casus eius per figuram 〈philosoph〉os notat, scilicet eos, qui stupidam exer-
ceant curiositatem1 〈in res〉 naturae quam prius in artificem eius et praesi-
dem, in uacuum 〈.......〉dum2 habituros.

Sim. (Brunnenfall) Th 19 (w. s.); (ägyptischer Einfluss) Th 92 (w. s.)

Th 218
Apologeticum 19.1.4 (ed. Dekkers CCL I.119–20)3
[4*] Deinceps multa et alii prophetae, uetustiores litteris uestris; nam et qui
ultimo cecinit, aut aliquantulo praecucurrit aut certe concurrit aetate sa-
pientiae auctoribus, etiam latoribus legis. [4*] Cyri enim et Darii regno fuit
Zacharias, quo in tempore Thales, physicorum princeps, sciscitanti Croeso
nihil certum de diuinitate respondit, turbatus scilicet uocibus prophetarum.
Solon eidem regi finem longae uitae intuendum praedicauit, non aliter quam
prophetae.

Sim. (Datierung) Th 171 (w. s.); (Unwissen über die Götter) Th 216; (erster
Weiser/Philosoph) Th 29 (w. s.)

1 Komma nach curiositatem bei Borleffs.


2 Die Übersetzung folgt der Konjektur von Oehler für die Überlieferungslücke: suum
studium.
3 Fr. Fuld. 4 Dekkers CCL I.120 (Zuordnung zu Tertullian nach Becker 1954, 149–62):
Cyri enim et Darii regno fuit Zacharias, quo in tempore Thales physicorum princeps
sciscitanti Croeso nihil certum de divinitate respondit, turbatus scilicet vocibus pro-
phetarum.
Quintus Sept. F. Tertullianus 179

aus Milet antwortete nach einigem Überlegen dem Krösus auf seine Frage,
was er über die Götter glaube: „nichts“.1

Th 217
An die Völker 2.4.18–19
Verdient fiel also der Milesier Thales, während er den ganzen Himmel mus-
terte und mit seinen Augen abwanderte, schmachvoll in einen Brunnen und
erntete den heftigen Spott von jenem Ägypter: „Glaubst du“, sagte er, „dass
du, weil du auf der Erde nichts erkennst, den Himmel beobachten musst?“
[19] Sein Fall kennzeichnet also sinnbildlich die Philosophen, diejenigen
freilich, die eine törichte Neugier im Blick auf die Naturdinge anstatt auf
deren Schöpfer und Lenker an den Tag legen, um damit ihre Bemühungen
auf einen vergeblichen Zweck zu richten.

Th 218
Apologeticum 19.1.4
Danach [nach Moses] haben vieles auch andere Propheten [verkündet], die
älter sind als eure Schriften; denn auch der, welcher zuletzt geweissagt hat,
geht entweder um etwas voraus oder gehörte wenigstens demselben Zeital-
ter an wie eure Weisen und sogar Gesetzgeber. Denn Zacharias lebte unter
der Regierung des Kyros und Dareios, zur Zeit als Thales, der erste Natur-
philosoph, auf die Frage des Kroisos nichts Bestimmtes über die Gottheit
antwortete; er war natürlich durch die Aussprüche der Propheten in Verwir-
rung gesetzt. Solon hat demselben König den Rat gegeben, man müsse das
Ende des langen Lebens im Auge behalten, nicht anders als die Propheten.

1 Oder: „Er antwortete dem Krösus nichts.“


180 Quintus Sept. F. Tertullianus

Th 219
Apologeticum 46.8–9 (Dekkers CCL I.161)
Adeo neque de scientia neque de disciplina, ut putatis, aequamur. Quid
enim Thales, ille princeps physicorum, sciscitanti Croeso de diuinitate cer-
tum renuntiauit, commeatus deliberandi saepe frustratus? [9] Deum quilibet
opifex Christianus et inuenit et ostendit et exinde totum, quod in Deum
quaeritur, re quoque assignat; licet Plato affirmet factitatorem uniuersitatis
neque inueniri facilem et inuentum enarrari in omnes difficilem.

Sim. (Unwissen über die Götter) Th 216; (erster Weiser/Philosoph) Th 29


(w. s.)

Th 220
Adversus Marcionem 1.13.3 (ed. Braun)
Vt ergo aliquid et de isto huius mundi indigno loquar, cui et apud Graecos
ornamenti et cultus, non sordium, nomen est, indignas uidelicet substantias
ipsi illi sapientiae professores, de quorum ingeniis omnis haeresis animatur,
deos pronuntiauerunt, ut Thales aquam, ut Heraclitus ignem, ut Anaxime-
nes aerem, ut Anaximander uniuersa caelestia, ut Strato caelum et terram,
ut Zeno aerem et aetherem, ut Plato sidera […].

Th 221
De anima 5.2 (ed. Waszink)
Nec illos dico solos qui eam de manifestis corporalibus effingunt, ut Hipp-
archus et Heraclitus ex igni, ut Hippon et Thales ex aqua, ut Empedocles et
Critias ex sanguine, ut Epicurus ex atomis […].

Sim. (Seele aus Wasser) Th 422, Th 440, Th 442, Th 516; (Natur der Seele/
Magnetstein) Th 31 (w. s.)
Quintus Sept. F. Tertullianus 181

Th 219
Apologeticum 46.8–9
Daher lassen wir uns weder hinsichtlich der Weisheit noch der Moral, wie
ihr annehmt, vergleichen. Denn was hat Thales, jener erste Naturphilosoph,
auf die Frage des Kroisos über die Gottheit mit Bestimmtheit geantwortet,
nachdem dieser durch eine Bedenkzeit oft hingehalten worden war? (vgl.
Th 218) [9] Jeder beliebige christliche Handwerker aber hat Gott bereits ge-
funden, tut ihn kund und besiegelt in der Folge alles, was man in Bezug auf
Gott fragen kann, durch die Tat; Platon mag immerhin behaupten, dass man
den Schöpfer des Weltalls nicht leicht finden und, wenn man ihn gefunden
habe, nur schwer allen verkünden könne.

Th 220
Gegen Marcion 1.13.3
Um also auch etwas über die angebliche Unwürdigkeit dieser Welt zu sagen,
die auch bei den Griechen den Namen Schmuck und Zierde, nicht Schmutz
trägt, so haben auch jene Lehrer der Weisheit selbst, von deren Gedanken
alle Häresien belebt werden, die unwürdigen Substanzen freilich als Götter
ausgegeben, so z. Bsp. Thales das Wasser, Heraklit das Feuer, Anaximenes
die Luft, Anaximander alle Himmelskörper, Straton den Himmel und die
Erde, Zenon die Luft und den Äther, Platon die Gestirne [...].

Th 221
Anhänger der Körperlichkeit der Seele.

Über die Seele 5.2


Und ich meine nicht bloß die, welche sie aus handgreiflich körperlichen Ele-
menten bestehen lassen, wie Hipparch und Heraklit aus Feuer, wie Hippon
und Thales aus Wasser, wie Empedokles und Kritias aus Blut, wie Epikur
aus den Atomen [...].
182 Quintus Sept. F. Tertullianus – Flavius Philostratos

Th 222
De an. 6.8
Sed enormis intentio philosophiae solet plerumque nec prospicere pro pe-
dibus (sic Thales in puteum). Solet et sententias suas non intellegendo vale-
tudinis corruptelam suspicari (sic Chrysippus ad elleborum).

Sim. (Brunnenfall) Th 19 (w. s.)

Flavius Philostratos
Th 223
Epistulae 68 (ed. Penella)
ξηʹ. Μιλησίοις. Σεισμὸς ὑμῶν τὴν γῆν ἔσεισε, καὶ γὰρ ἄλλων πολλῶν πολ-
λάκις. ἀλλ᾽ ἔπασχον μὲν ἃ ἠτύχουν ἐξ ἀνάγκης, ἐλεοῦντες δέ, οὐ μισοῦντες
ἀλλήλους ἐφαίνοντο. μόνοι δὲ ὑμεῖς καὶ θεοῖς ὅπλα καὶ πῦρ ἐπηνέγκατε,
καὶ θεοῖς τοιούτοις ὧν καὶ οἱ ἑτέρωθεν δέονται καὶ μετὰ κινδύνους καὶ πρὸ
κινδύνων. ἀλλὰ καὶ φιλόσοφον ἄνδρα προ. . . . . . . . .† ἡμεῖς Ἑλλήνων δύο
† δημοσίᾳ τὸ πάθημα φήναντα [καὶ] πολλάκις, καὶ προαγορεύσαντα γι-
νομένους τοὺς σεισμούς, αὐτόν, ὅτε ἔσεισεν ὁ θεός, ποιεῖν ἐλέγετε καθ᾽ ἑκά-
στην ἡμέραν. ὢ τῆς δημοσίας ἀμαθίας. καὶ πατὴρ ὑμῶν λέγεται Θαλῆς.

Sim. (Erdbeben) Th 99 (w. s.)

Th 224
Vita Apollonii 2.5.25 (ed. Kayser)
„Καὶ μὴν“ ἔφη „καταβήσεσθαί γε σοφώτερος ᾤμην ἀκούων, Ἀπολλώνιε,
τὸν μὲν Κλαζομένιον Ἀναξαγόραν ἀπὸ τοῦ κατὰ Ἰωνίαν Μίμαντος ἐπεσκέ-
φθαι τὰ ἐν τῷ οὐρανῷ, Θαλῆν τε τὸν Μιλήσιον ἀπὸ τῆς προσοίκου Μυ-
κάλης, λέγονται δὲ καὶ τῷ Παγγαίῳ ἔνιοι φροντιστηρίῳ χρήσασθαι καὶ
ἕτεροι τῷ Ἄθῳ. ἐγὼ δὲ μέγιστον τούτων ἀνελθὼν ὕψος οὐδὲν σοφώτερος
ἑαυτοῦ καταβήσομαι.“

Sim. (Thales als Vertreter der Astronomie) Th 103 (w. s.)


Quintus Sept. F. Tertullianus – Flavius Philostratos 183

Th 222
Abwegige Ansichten über die Körperlichkeit der Seele.

Über die Seele 6.8


In ihrem gewaltigen Eifer pflegt die Philosophie meist nicht auf die Füße zu
schauen (so fiel Thales in den Brunnen). Sie pflegt auch, wenn sie ihre eige-
nen Meinungen nicht versteht, ein Verderben der Gesundheit zu vermuten
(so griff Chrysipp zur Nieswurz).

Flavius Philostratos (ca. 170–nach 212 n. Chr.)


Th 223
Briefe 68
Brief an die Milesier, die den Philosophen (Apollonios von Tyana) für ein
Erdbeben, das er vorausgesagt hatte, verantwortlich machen wollen: [...]
Welche allgemeine Unwissenheit! Und Thales soll euer ‚Vater‘ gewesen sein.

Th 224
Leben des Apollonios 2.5.25
„Und doch“, sagte er [Damis], „glaubte ich weiser zu sein, wenn ich [vom
Berg] herabstiege, Apollonios, da ich hörte, dass Anaxagoras von Klazo-
menai seine astronomischen Beobachtungen vom Mimas in Ionien, Thales
von Milet aber vom nahen Mykale [Gebirgszug an der Westküste Kleinasi-
ens, Samos gegenüber] aus machte. Man sagt, dass einige Leute auch den
Pangaios als Ort ihrer Forschungen und andere den Athos benutzt haben.
Obwohl ich aber den höchsten Berg von allen bestiegen habe, werde ich um
nichts weiser herabsteigen“.
184 Flavius Philostratos – Claudius Aelianus

Th 225
VA 8.7.158
Τί οὖν ἐνταῦθα ἐρεῖ Σωκράτης ὑπὲρ ὧν ἔφασκε τοῦ δαιμονίου μανθάνειν;
τί δὲ Θαλῆς τε καὶ Ἀναξαγόρας, τὼ Ἴωνε, ὁ μὲν τὴν εὐφορίαν τὴν τῶν
ἐλαιῶν, ὁ δὲ πολλὰ τῶν οὐρανίων παθῶν προειπόντε; ἦ γοητεύοντε
προειπεῖν ταῦτα; καὶ μὴν καὶ ὑπήχθησαν οὗτοι δικαστηρίοις ἐφ᾽ ἑτέραις
αἰτίαις, καὶ οὐδαμοῦ τῶν αἰτιῶν εἴρηται γόητας εἶναι σφᾶς, ἐπειδὴ προ-
γιγνώσκουσι.

Sim. (Miete der Ölpressen) Th 28 (w. s.)

Th 226
Nero 338.3–6 (ed. Kayser)
Νέρωνα δὲ τῆς μὲν τοῦ Ἰσθμοῦ τομῆς οὐδ᾽ ἂν Θαλῆς μετέστησεν ὁ
σοφώτατός τε καὶ φυσικώτατος, τοῦ γὰρ τεμεῖν αὐτὸν ἤρα μᾶλλον ἢ τοῦ
δημοσίᾳ ᾄδειν.

Sim. (Umlenkung des Halys) Th 11 (w. s.)

Claudius Aelianus
Th 227
Natura animalium 7.42 (ed. Hercher)
Κακουργίαν δὲ ὀρέως Θαλῆς ὁ Μιλήσιος ἠμύνατο, καταφωράσας πάνυ
ἀπορρήτως. ἅλας ἡμίονος ἦγε φόρτον, καί ποτε διὰ ποταμοῦ ἰὼν κατὰ
τύχην κατώλισθε καὶ περιετράπη. βραχέντες οὖν οἱ ἅλες κατετάκησαν,
καὶ κοῦφος ὁ ὀρεὺς γενόμενος ἥσθη‧ καὶ συνιδὼν ὁπόσον τὸ μεταξὺ ἦν τοῦ
μόχθου καὶ τῆς ῥᾳστώνης, τοῦ λοιποῦ τὴν τύχην διδάσκαλον ποιησάμε-
νος, ὃ πρότερον ἄκων ἔπαθεν, εἶτα μέντοι τοῦτο εἰργάζετο ἑκών. ἄλλην
δὲ τῷ ὀρεωκόμῳ ἐλαύνειν καὶ ἔξω τοῦ ποταμοῦ ἄπορον ἦν. τοῦτό τοι
διηγουμένου ὁ Θαλῆς ὡς ἐπύθετο, σοφίᾳ ἀμύνασθαι τῆς κακουργίας τὸν
ὀρέα ᾠήθη δεῖν, καὶ προστάττει ὑπὲρ τῶν ἁλῶν σπογγιαῖς καὶ ἐρίοις ἐπι-
σάξαι αὐτόν. ὃ δὲ τὴν ἐπιβουλὴν οὐκ εἰδὼς κατὰ τὸ σύνηθες ὤλισθε, καὶ
ἀναπλήσας ὕδατος τὰ ἐπικείμενα, ᾔσθετο ὅπως οἱ τὸ σόφισμα ἐτράπη ἐπὶ
Flavius Philostratos – Claudius Aelianus 185

Th 225
Verteidigung gegen den Vorwurf der Zauberei wegen der Vorhersage einer
Seuche.

Leben des Apollonios 8.7.158


„Was wird da Sokrates zur Verteidigung sagen, der von seinem Daimonion
zu lernen behauptete? Was die Ionier Thales und Anaxagoras? Der eine
sagte voraus, dass es eine reiche Olivenernte geben werde, der andere zahl-
reiche astronomische Ereignisse. Dass sie dies als Zauberer vorausgesagt
hätten? Wohl wurden sie wegen anderer Vorwürfe vor Gericht gebracht,
doch nirgendwo mit dem Vorwurf, sie seien Zauberer, nur weil sie die Zu-
kunft kennen.“

Th 226
Ägyptische Geometer versuchten, Nero von seinem Vorhaben, einen Kanal
durch den Isthmos zu bauen, abzubringen.

Nero1 338.3–6
Nero hätte aber nicht einmal Thales, der weiseste und bedeutendste Natur-
philosoph, vom Durchstich des Isthmos abgebracht; denn ihn hatte ein grö-
ßeres Verlangen ergriffen, ihn zu durchstechen, als öffentlich zu singen.

Claudius Aelianus (vor 178–zw. 222 u. 238 n. Chr.)


Th 227
Das Wesen der Tiere 7.42
Die Arglist eines Lasttieres wehrte Thales aus Milet ab, indem er es in ganz
erstaunlicher Weise überführte. Ein Maultier trug eine Last Salz, und beim
Durchschreiten eines Flusses glitt es zufällig aus und fiel um. Die Salzkörner
wurden nass und lösten sich auf, und das Lasttier – so erleichtert – freute
sich. Da es den Unterschied zwischen Mühe und Bequemlichkeit erkannte,
nahm es sich künftig den Zufall zum Lehrer und betrieb absichtlich, was
ihm zuvor unabsichtlich widerfahren war. Es war dem Treiber aber nicht

1 Der Dialog Nero wird in einigen Handschriften Lukian zugewiesen. Die moderne
Forschung diskutiert die Zuweisung zu einem der drei Träger des Namens Philo-
strat.
186 Claudius Aelianus – M. Minucius Felix

κακόν, καὶ ἐξ ἐκείνου ἡσυχῆ διερχόμενος καὶ κρατῶν τῶν σκελῶν ἀπαθεῖς
τοὺς ἅλας διεφύλαττεν.

Sim. Th 130

Th 228
Varia Historia 3.17.1–10 (ed. Dilts)
Ἐπολιτεύσαντο οὖν καὶ φιλόσοφοι ἢ αὐτὸ τοῦτο μόνον τὴν διάνοιαν
ἀγαθοὶ γενόμενοι ἐφ᾽ ἡσυχίας κατεβίωσαν. ἐπηνώρθωσαν γὰρ τὰ κοινὰ
Ζάλευκος μὲν τὰ ἐν Λοκροῖς, Χαρώνδας δὲ τὰ ἐν Κατάνῃ καὶ τὰ ἐν Ῥηγίῳ,
ὅτε ἐκ Κατάνης ἔφευγε. Ταραντίνοις δὲ ἐγένετο ἀγαθὸν Ἀρχύτας, Σόλων
δὲ Ἀθηναίοις. Βίας δὲ καὶ Θαλῆς τὴν Ἰωνίαν πολλὰ ὤνησαν, Χίλων δὲ Λα-
κεδαιμονίους, Μιτυληναίους γε μὴν Πιττακός, Κλεόβουλος δὲ Ῥοδίους. καὶ
Ἀναξίμανδρος δὲ ἡγήσατο τῆς εἰς Ἀπολλωνίαν ἐκ Μιλήτου ἀποικίας.

Sim. (Politische Tätigkeit) Th 21 (w. s.)

M. Minucius Felix
Th 229
Octavius 19.4–5 (ed. Kytzler)
Sit Thales Milesius omnium primus, qui primus omnium de caelestibus dis-
putavit. idem Milesius Thales rerum initium aquam dixit, deum autem eam
mentem, quae ex aqua cuncta formaverit. esto1 altior et sublimior aquae et
spiritus ratio, quam ut ab homine potuerit inveniri, a deo traditum; vides
philosophi principalis nobiscum penitus opinionem consonare. [5] Anaxi-
menes deinceps et post Apolloniates Diogenes aera deum statuunt infinitum
et inmensum; horum quoque similis de divinitate consensio est.

Sim. (Prinzip Wasser) Th  29 (w.  s.); (Gott [als Geist des Kosmos]) Th  72
(w. s.)

1 eo: cod. esto coniecit Vahlen.


Claudius Aelianus – M. Minucius Felix 187

möglich, einen anderen Weg unter Vermeidung des Flusses zu nehmen. Wie
ihn Thales dies erzählen hörte, glaubte er, der Arglist des Lasttieres durch
Klugheit begegnen zu müssen, und riet, ihm statt des Salzes Schwämme
und Wolle aufzuladen. Das Tier aber erkannte die List nicht und glitt wie
gewohnt aus. Als sich die Ladung voll Wasser sog, merkte es, dass ihm sein
Kunststück zum Nachteil ausschlug. Seitdem ging es ruhig durch den Fluss,
nahm seine Beine in Acht und brachte das Salz unbeschädigt hindurch (vgl.
Th 130).

Th 228
Bunte Geschichten 3.17.1–10
Auch Philosophen haben sich den Staatsgeschäften gewidmet und nicht nur
der Muße gepflegt: [...] Bias und Thales brachten Ionien großen Nutzen [...].

M. Minucius Felix (tätig zw. 197 u. 246 n. Chr.)


Th 229
Auch die herausragenden Philosophen kamen zu derselben Ansicht wie die
Christen hinsichtlich der Einheit Gottes.

Octavius 19.4–5
Thales von Milet möge zuerst genannt sein, der als Erster von allen eine
Erörterung über himmlische Dinge angestellt hat. Eben dieser Thales aus
Milet sagte, dass das Wasser das Prinzip aller Dinge sei, Gott aber der Geist,
der aus Wasser alles gebildet habe. Gut, eine Theorie von Wasser und Geist,
höher und erhabener, als dass sie von einem Menschen erfunden werden
könnte; von Gott wurde sie übergeben.1 Du siehst, dass die Meinung des
Vaters der Philosophie ganz mit der unsrigen in Einklang steht. [5] Ana-

1 Siehe dazu: Buchheit 2006, 350–8.


188 Hermias – Achilleus Tatios Astronomos

Hermias
Th 230
Irrisio gentilium philosophorum 10 (ed. Hanson)
Ἀλλαχόθεν δέ μοι Θαλῆς τὴν ἀλήθειαν νεύει ὁριζόμενος ὕδωρ τοῦ παντὸς
ἀρχήν. Καὶ ἐκ τοῦ ὑγροῦ τὰ πάντα συνίσταται καὶ εἰς ὑγρὸν ἀναλύεται,
καὶ ἡ γῆ ἐπὶ ὕδατος ὀχεῖται. Διὰ τί τοίνυν μὴ πεισθῶ Θαλῇ τῷ πρεσβυ-
τέρῳ τῶν Ἰώνων; Ἀλλ᾽ ὁ πολίτης αὐτοῦ Αναξίμανδρος τοῦ ὑγροῦ πρεσβυ-
τέραν ἀρχὴν εἶναι λέγει τὴν ἀίδιον κίνησιν καὶ ταύτῃ τὰ μὲν γεννᾶσθαι, τὰ
δὲ φθείρεσθαι. Καὶ δὴ τοίνυν πιστὸς Ἀναξίμανδρος ἔστω.

Sim. (Prinzip Wasser) Th  29 (w.  s.); (Erde ruht auf dem Wasser) Th  30
(w. s.)

Achilleus Tatios Astronomos


Th 231
Isagoga excerpta 1.53–61 (ed. Maass)
Τινὲς δὲ ἄλλον ἄλλο τι εὑρηκέναι. διὸ καὶ συμβέβηκεν εἶναι διαφωνίαν περὶ
τῆς εὑρέσεως αὐτῶν. ὅτι δὲ ἄλλοι ἄλλο εὑρήκασιν, ἐκ τοῦ καὶ Θάλητα τὴν
μικρὰν Ἅμαξαν εὑρηκέναι δῆλον. ὁ γοῦν Καλλίμαχός φησιν (Iamb. 1.52–55;
s. Th 52)
ἔπλευσεν εἰς Μίλητον‧ ἦν γὰρ ἡ νίκη
Θάλητος, ὃς τά τ᾽ ἄλλα δεξιὸς γνώμην
καὶ τῆς Ἁμάξης ἐλέγετο σταθμήσασθαι
τοὺς ἀστερίσκους, ἧι πλέουσι Φοίνικες.

Sim. (Vermessung der Gestirne, Entdecker des Wagens) Th 52 (w. s.)


M. Minucius Felix – Achilleus Tatios Astronomos 189

ximenes darauf und später Diogenes der Apolloniate erklären die Luft für
einen unendlichen und unermesslichen Gott; auch sie haben also eine ähn-
lich übereinstimmende Ansicht über die Gottheit.

Hermias (Schrift wohl um 200 n. Chr.)


Th 230
Verspottung der heidnischen Philosophen 10
Andernorts nickt mir Thales die Wahrheit zu, indem er das Wasser als das
Prinzip des Alls definiert. Und aus dem Feuchten entsteht alles und in das
Feuchte löst es sich auf, und die Erde bewegt sich auf dem Wasser. Weshalb
also soll ich nicht Thales, dem älteren der Ionier, vertrauen? Aber sein Mit-
bürger Anaximander sagt, dass die ewige Bewegung ein älteres Prinzip sei
als das Feuchte, und dass durch sie das eine entstehe, das andere zugrunde
gehe. Und also soll Anaximander vertrauenswürdig sein.

Achilleus Tatios Astronomos (wohl 3. Jh. n. Chr.)


Th 231
Einführung (in die Himmelserscheinungen Arats), Exzerpte 1.53–61
Thales als Entdecker des Kleinen Wagens (unter Berufung auf die Verse des
Kallimachos, s. Th 52).
190 Achilleus Tatios Astronomos – Fragmentum Censorini

Th 232
Isagoga excerpta 3.28–30
Θαλῆς δὲ ὁ Μιλήσιος καὶ Φερεκύδης ὁ Σύριος ἀρχὴν τῶν ὅλων τὸ ὕδωρ
ὑφίστανται, [...].

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 233
Isagoga excerpta 11.1–2
Θαλῆς μὲν δὴ γηΐνην ἔμπυρον εἶπε τὴν τῶν ἀστέρων οὐσίαν.

Sim. (Natur der Gestirne) Th 157 (w. s.)

Fragmentum Censorini

Th 234
Anonymi cuiusdam epitoma disciplinarum (fragmentum Censorini quod
aiunt) 1.1 (ed. Sallmann)
I De naturali institutione. Initia rerum eadem elementa et principia dicuntur.
ea stoici credunt tenorem adque materiam; tenorem, qui rarescente materia
a medio tendat ad summum, eadem concrescente rursus a summo referatur
ad medium. Thales Milesius aquam principium omnium dixit, et alias opi-
niones supra rettuli.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)


Achilleus Tatios Astronomos – Fragmentum Censorini 191

Th 232
Einführung (in die Himmelserscheinungen Arats), Exzerpte 3.28–30
Thales und Pherekydes1 werden hier als Vertreter der Wasser-Hypothese
aufgeführt.

Th 233
Einführung (in die Himmelserscheinungen Arats), Exzerpte 11.1–2
Die erdige und feurige Natur der Sterne (vgl. Th 157).

Fragmentum Censorini (verm 3. Jh. n. Chr.)


Kurzgefasste, als Anhang zu Censorin überlieferte Enzyklopädie

Th 234
Auszug der Wissenschaften eines unbekannten Verfassers. Sog. Censorin-
Fragment 1.1
Thales’ Prinzip Wasser.

1 Siehe hierzu Schibli 41.


192 Athenaios von Naukratis – Diogenes Laertios

Athenaios von Naukratis

Th 235
Deipnosophistae 11.91.495D (ed. Kaibel)
Φοῖνιξ δ᾽ ὁ Κολοφώνιος ἐν τοῖς Ἰάμβοις ἐπὶ φιάλης τίθησι τὴν λέξιν λέγων
οὕτως (Th 49)‧
Θαλῆς γάρ, ὅστις ἀστέρων ὀνήιστος ...
καὶ τῶν τότ᾽, ὡς λέγουσι, πολλὸν ἀνθρώπων
ἐὼν ἄριστος, ἔλαβε πελλίδα χρυσῆν.

Sim. (Auszeichnung des Thales/Umlauf des Dreifußes) Th 52 (66 f.) (w. s.)

Diogenes Laertios
Th 236
Vitae philosophorum 1.13.1–14.5 (ed. Marcovich)
Σοφοὶ δὲ ἐνομίζοντο οἵδε‧ Θαλῆς, Σόλων, Περίανδρος, Κλεόβουλος, Χεί-
λων, Βίας, Πιττακός. Τούτοις προσαριθμοῦσιν Ἀνάχαρσιν τὸν Σκύθην,
Μύσωνα τὸν Χηνέα, Φερεκύδην τὸν Σύριον, Ἐπιμενίδην τὸν Κρῆτα‧ ἔνιοι
δὲ καὶ Πεισίστρατον τὸν τύραννον. Καὶ οἵ〈δε〉 μὲν σοφοί. Φιλοσοφίας δὲ
δύο γεγόνασιν ἀρχαί, ἥ τε ἀπὸ Ἀναξιμάνδρου καὶ ἡ ἀπὸ Πυθαγόρου‧ τοῦ
μὲν Θαλοῦ διακηκοότος, Πυθαγόρου δὲ Φερεκύδης καθηγήσατο. Καὶ ἐκα-
λεῖτο ἡ μὲν Ἰωνική, ὅτι Θαλῆς Ἴων ὤν, Μιλήσιος γάρ, καθηγήσατο Ἀνα-
ξιμάνδρου‧ ἡ δὲ Ἰταλικὴ ἀπὸ Πυθαγόρου, ὅτι τὰ πλεῖστα κατὰ τὴν Ἰτα-
λίαν ἐφιλοσόφησε. [14] Καταλήγει δὲ ἡ μὲν εἰς Κλειτόμαχον καὶ Χρύσιπ-
πον καὶ Θεόφραστον [ἡ Ἰωνική]‧ ἡ δὲ Ἰταλικὴ εἰς Ἐπίκουρον. Θαλοῦ μὲν
γὰρ Ἀναξίμανδρος, οὗ Ἀναξιμένης, οὗ Ἀναξαγόρας, οὗ Ἀρχέλαος, οὗ Σω-
κράτης ὁ τὴν ἠθικὴν εἰσαγωγών.

Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.); (Ionische Schule) Th 147
(w. s.)
Athenaios von Naukratis – Diogenes Laertios 193

Athenaios von Naukratis


(Deipnosophistae ca. 230 n. Chr.)
Th 235
Gelehrtengastmahl 11.91.495D
Phoinix aus Kolophon verwendet in den Iamben die Bezeichnung [pellis]
bei einer Phiale folgendermaßen (Th 49):
„Denn Thales, der Trefflichste hinsichtlich der Gestirn[skunde],
und, wie man sagt, von den Menschen damals bei weitem
der beste, erhielt die goldene Schale.“

Diogenes Laertios (Werk Mitte 3. Jh. n. Chr.)


Th 236
Philosophenleben 1.13.1–14.5
Thales in der Gruppe der Weisen. [...] Die Philosophie hat zwei Anfänge:
Sie beginnt einerseits bei Anaximander, andererseits bei Pythagoras. Je-
ner ist ein Schüler des Thales, Pythagoras unterwies Pherekydes. Die eine
wurde die „ionische“ Philosophie genannt, weil Thales ein Ionier war; er
war nämlich Milesier und unterwies Anaximander. Die andere „italische“
wegen Pythagoras, der meist in Italien philosophierte. Die ionische endet
mit Kleitomachos, Chrysipp und Theophrast, die italische mit Epikur. Auf
Thales folgte Anaximander, dann Anaximenes, Anaxagoras, Archelaos, So-
krates, der die Ethik einführte.
194 Diogenes Laertios

Th 237
Vit. 1.22–44
Ἦν τοίνυν ὁ Θαλῆς, ὡς μὲν Ἡρόδοτος (Th  12) καὶ Δοῦρις (Th  48) καὶ
Δημόκριτός (Th 14) φασι, πατρὸς μὲν Ἐξαμύου, μητρὸς δὲ Κλεοβουλίνης, ἐκ
τῶν Θηλιδῶν1, οἵ εἰσι Φοίνικες, εὐγενέστατοι τῶν ἀπὸ Κάδμου καὶ Ἀγήνο-
ρος. (〈Ἦν δὲ τῶν ἑπτὰ σοφῶν,〉2 καθὰ καὶ Πλάτων φησί (Th 20)‧ καὶ πρῶτος
σοφὸς ὠνομάσθη ἄρχοντος Ἀθήνησι Δαμασίου, καθ᾽ ὃν καὶ οἱ ἑπτὰ σο-
φοὶ ἐκλήθησαν, ὥς φησι Δημήτριος ὁ Φαληρεὺς ἐν τῇ τῶν Ἀρχόντων ἀνα-
γραφῇ) (Th  41). Ἐπολιτογραφήθη δὲ ἐν Μιλήτῳ, ὅτε ἦλθε σὺν Νείλεῳ
ἐκπεσόντι Φοινίκης‧ ὡς δ᾽ οἱ πλείους φασίν, ἰθαγενὴς Μιλήσιος ἦν καὶ γέ-
νους λαμπροῦ. [23] Μετὰ δὲ τὰ πολιτικὰ τῆς φυσικῆς ἐγένετο θεωρίας.
Καὶ κατά τινας μὲν σύγγραμμα κατέλιπεν οὐδέν‧ ἡ γὰρ εἰς αὐτὸν ἀναφε-
ρομένη Ναυτικὴ ἀστρολογία Φώκου λέγεται εἶναι τοῦ Σαμίου. Καλλίμα-
χος δ᾽ αὐτὸν οἶδεν εὑρετὴν τῆς ἄρκτου τῆς μικρᾶς, λέγων ἐν τοῖς Ἰάμβοις
(Fr. 191.54–55 Pfeiffer; s. Th 52) οὕτως‧
καὶ τῆς Ἀμάξης ἐλέγετο σταθμήσασθαι
τοὺς ἀστερίσκους, ᾗ πλέουσι Φοίνικες,
Κατά τινας δὲ μόνα δύο συνέγραψε, Περὶ τροπῆς καὶ Ἰσημερίας, τὰ ἄλλ᾽
ἀκατάληπτα εἶναι δοκιμάσας. Δοκεῖ δὲ κατά τινας πρῶτος ἀστρολογῆσαι
καὶ ἡλιακὰς ἐκλείψεις καὶ τροπὰς προειπεῖν, ὥς φησιν Εὔδημος (Th 46) ἐν
τῇ Περὶ τῶν ἀστρολογουμένων ἱστορίᾳ‧ ὅθεν αὐτὸν καὶ Ξενοφάνης (Th 7)
καὶ Ἡρόδοτος (Th 10) θαυμάζει. Μαρτυρεῖ δ᾽ αὐτῷ καὶ Ἡράκλειτος (Th 8)
καὶ Δημόκριτος (Th 15). [24] Ἔνιοι δὲ καὶ αὐτὸν πρῶτον εἰπεῖν φασιν ἀθα-
νάτους τὰς ψυχάς‧ ὧν ἐστι Χοιρίλος ὁ ποιητής (Th 9). Πρῶτος δὲ καὶ τὴν
ἀπὸ τροπῆς ἐπὶ τροπὴν πάροδον 〈τοῦ ἡλίου〉 εὗρε, καὶ πρῶτος τὸ τοῦ
ἡλίου μέγεθος 〈τοῦ ἡλιακοῦ κύκλου καὶ τὸ τῆς σελήνης μέγεθος〉 τοῦ σελη-
ναίου ἑπτακοσιοστὸν καὶ εἰκοστὸν μέρος ἀπεφήνατο κατά τινας. Πρῶτος
δὲ καὶ τὴν ὑστάτην τοῦ μηνὸς τριακάδα εἶπε. Πρῶτος δὲ καὶ περὶ φύσεως
διελέχθη, ὥς τινες.
Ἀριστοτέλης (Th 31) δὲ καὶ Ἱππίας (Th 16) φασὶν αὐτὸν καὶ τοῖς ἀψύχοις
μεταδιδόναι ψυχάς, τεκμαιρόμενον ἐκ τῆς λίθου τῆς μαγνήτιδος καὶ τοῦ
ἠλέκτρου. Παρά τε Αἰγυπτίων γεωμετρεῖν μαθόντα φησὶ Παμφίλη (Th 102)
πρῶτον καταγράψαι κύκλου τὸ τρίγωνον ὀρθογώνιον καὶ θῦσαι βοῦν.
[25] (Οἱ δὲ Πυθαγόραν φασίν, ὧν ἐστιν Ἀπολλόδωρος ὁ λογιστικός [vgl.
Diog. 8.12]. Οὗτος 〈γὰρ〉 προήγαγεν ἐπὶ πλεῖστον ἅ φησι Καλλίμαχος
ἐν τοῖς Ἰάμβοις Εὔφορβον εὑρεῖν τὸν Φρύγα, οἷον “σκαληνὰ καὶ τρίγωνα”
καὶ ὅσα γραμμικῆς ἔχεται θεωρίας.)

1 Νηλειδῶν Bywater/Tannery.
2 Supplevit DK 11 A 1.
Diogenes Laertios 195

Th 237
Philosophenleben 1.22–44
Thales war nun, wie Herodot (Th 12), Duris (Th 48) und Demokrit (Th
14) sagen, ein Sohn des Examyas und der Kleobulina und stammte aus dem
hochadeligen phönizischen Geschlecht der Theliden, die sich von Kadmos
und Agenor herleiten. (Er war aber einer der Sieben Weisen, wie auch Pla-
ton sagt (Th 20); und er wurde als Erster „Weiser“ benannt zu der Zeit, als
Damasias in Athen Archont war [582–580 v. Chr.]. Demetrios von Phaleron
sagt in seinem Verzeichnis der Archonten (Th 41), dass es während Dama-
sias’ Archontat auch zur Bezeichnung der Sieben Weisen kam). Er1 wurde in
die Bürgerliste von Milet eingetragen, als er dorthin mit dem aus Phönizien
verbannten Neileos kam. Die meisten aber meinen, dass er ein echtbürtiger
Milesier von vornehmer Abstammung war.
[23] Er betätigte sich zunächst politisch und wandte sich dann der Natur-
betrachtung zu. Nach der Auffassung einiger Autoren hinterließ er keine
Schrift; denn die ihm zugeschriebene Nautische Astronomie soll ein Werk
des Samiers Phokos sein. Kallimachos aber kennt ihn als Entdecker des
Kleinen Bären, wenn er in seinen Iamben folgendermaßen dichtet (Th 52):

„und an dem Wagen, so sagt man, habe er vermessen


die Sternlein, wonach zur See fahren die Phönizier.“

Nach einigen hat er aber nur zwei Schriften verfasst, nämlich Über Son-
nenwenden und Über Tag- und Nachtgleichen.2 Alles andere habe er für
unerkennbar gehalten. Er scheint aber nach der Ansicht einiger als Erster
Astronomie betrieben und Sonnenfinsternisse und Sonnenwenden vorher-
gesagt zu haben, wie Eudemos in der Geschichte der Astronomie sagt (Th
46);3 deshalb bewundern ihn auch Xenophanes (Th 7) und Herodot (Th 10).
Es bezeugen dies aber auch Heraklit (Th 8) und Demokrit (Th 15).
[24] Einige sagen aber auch, darunter der Dichter Choirilos (Th 9), dass er
als erster die Seelen als unsterblich bezeichnet habe. Als Erster entdeckte
[bestimmte] er auch die Bahn der Sonne von Wende zu Wende und als Ers-
ter erwies er nach einigen, dass der Sonnendurchmesser zur Kreisbahn der
Sonne und der Monddurchmesser zur Kreisbahn des Mondes das Verhältnis
von 1:720 besitze.4 Als Erster hat er auch den letzten Tag des Monats den

1 Thales, nicht Agenor (so KRS (H) 85). Siehe Maddalena 1940, 20 f.
2 Zu den beiden Buchtiteln vgl. Mejer 2002, 255 f.
3 Zum Titel der Schrift des Eudemos und zur Sache siehe Bowen 2002, bes. 308 ff.
4 Siehe oben die Anm. zu Th 178.
196 Diogenes Laertios

Δοκεῖ δὲ καὶ ἐν τοῖς πολιτικοῖς ἄριστα βεβουλεῦσθαι. Κροίσου γοῦν πέμ-


ψαντος πρὸς Μιλησίους ἐπὶ συμμαχίᾳ ἐκώλυσεν‧ ὅπερ Κύρου κρατήσαν-
τος ἔσωσε τὴν πόλιν.
Κλύτος1 (Th 35) δέ φησιν, ὡς Ἡρακλείδης (Th 26) ἱστορεῖ, μονήρη αὐτὸν
γεγονέναι καὶ ἰδιαστήν. [26] Ἔνιοι δὲ καὶ γῆμαι αὐτὸν καὶ Κύβισθον υἱὸν
σχεῖν‧ οἱ δὲ ἄγαμον μεῖναι, τῆς δὲ ἀδελφῆς τὸν υἱὸν θέσθαι. Ὅτε καὶ ἐρω-
τηθέντα διὰ τί οὐ τεκνοποιεῖ, “Διὰ φιλοτεκνίαν” εἰπεῖν. Καὶ λέγουσιν ὅτι
τῆς μητρὸς ἀναγκαζούσης αὐτὸν γῆμαι ἔλεγεν “Οὐδέπω καιρός‧” εἶτα,
ἐπειδὴ παρήβησεν ἐγκειμένης, εἰπεῖν “Οὐκέτι καιρός.” Φησὶ δὲ καὶ Ἱερώνυ-
μος ὁ Ῥόδιος ἐν τῷ δευτέρῳ Τῶν σποράδην ὑπομνημάτων (Th  60) ὅτι
βουλόμενος δεῖξαι ῥᾴδιον εἶναι 〈τοῖς σοφοῖς〉 πλουτεῖν, φορᾶς ἐλαιῶν μελ-
λούσης ἔσεσθαι, προνοήσας ἐμισθώσατο τὰ ἐλαιουργεῖα καὶ πάμπλειστα
συνεῖλε χρήματα. [27] Ἀρχὴν δὲ τῶν πάντων ὕδωρ ὑπεστήσατο, καὶ τὸν
κόσμον ἔμψυχον καὶ δαιμόνων πλήρη. Τάς τε ὥρας τοῦ ἐνιαυτοῦ φασιν
αὐτὸν εὑρεῖν καὶ εἰς τριακοσίας ἑξήκοντα πέντε ἡμέρας διελεῖν. Οὐδεὶς δὲ
αὐτοῦ καθηγήσατο, πλὴν ὅτι εἰς Αἴγυπτον ἐλθὼν τοῖς ἱερεῦσι συνδιέτρι-
ψεν. Ὁ δὲ Ἱερώνυμος (Th 61) καὶ ἐκμετρῆσαί φησιν αὐτὸν τὰς πυραμίδας
ἐκ τῆς σκιᾶς, παρατηρήσαντα ὅτε ἡμῖν ἰσομεγέθεις εἰσίν.2 Συνεβίω δὲ καὶ
Θρασυβούλῳ τῷ Μιλησίων τυράννῳ, καθά φησι Μινύης (Th 566).
Τὰ δὲ περὶ τὸν τρίποδα φανερά3, τὸν εὑρεθέντα ὑπὸ τῶν ἁλιέων καὶ δια-
πεμφθέντα τοῖς σοφοῖς ὑπὸ τοῦ δήμου τῶν Μιλησίων. [28] Φασὶ γὰρ Ἰω-
νικούς τινας νεανίσκους βόλον ἀγοράσαι παρὰ Μιλησίων ἁλιέων. Ἀνα-
σπασθέντος δὲ τοῦ τρίποδος ἀμφισβήτησις ἦν, ἕως οἱ Μιλήσιοι ἔπεμψαν
εἰς Δελφούς‧ καὶ ὁ θεὸς ἔχρησεν οὕτως‧
Ἒκγονε Μιλήτου, τρίποδος πέρι Φοῖβον ἐρωτᾷς;
Τίς σοφίῃ πάντων πρῶτος, τούτου τρίποδ᾽ αὐδῶ.
Διδοῦσιν οὖν Θαλῇ‧ ὁ δὲ ἄλλῳ 〈σοφῷ〉 καὶ ἄλλος ἄλλῳ ἕως Σόλωνος‧ ὁ δὲ
ἔφη σοφίᾳ πρῶτον εἶναι τὸν θεὸν, καὶ ἀπέστειλεν εἰς Δελφούς. Ταῦτα δὴ
ὁ Καλλίμαχος ἐν τοῖς Ἰάμβοις (Pf. 191.32) ἄλλως ἱστορεῖ, παρὰ Λεανδρίου
λαβὼν τοῦ Μιλησίου (Th 51). Βαθυκλέα γάρ τινα Ἀρκάδα φιάλην κατα-
λιπεῖν καὶ ἐπισκῆψαι “δοῦναι τῶν σοφῶν τῷ ὀνηΐστῳ4”. Ἐδόθη δὴ Θαλῇ
καὶ κατὰ περίοδον πάλιν Θαλῇ‧ [29] ὁ δὲ τῷ Διδυμεῖ Ἀπόλλωνι ἀπέστει-
λεν, εἰπὼν οὕτω κατὰ τὸν Καλλίμαχον (Th 52)‧

1 καὶ αυτός (sc. Thales) codd. (Wehrli2 Herakl. Fr. 45).


2 codd.: ἰσομεγέθης ἐστί Ménage, Marcovich.
3 〈οὐ〉 φανερά add. Richards, Marcovich.
4 Andere Lesart πρωτίστῳ
Diogenes Laertios 197

„dreißigsten“ genannt.1 Als Erster hat er, wie einige sagen, naturtheoreti-
sche Fragen erörtert.
Aristoteles (Th 31) und Hippias (Th 16) sagen,2 dass er auch dem Unbeleb-
ten eine Seele zugeschrieben habe, indem er dabei auf den Magneten und
den Bernstein3 verwies. Pamphile sagt (Th 102), dass er von den Ägyptern
die Geometrie gelernt habe und als Erster das rechtwinklige Dreieck in den
Kreis eingetragen und [daraufhin] einen Stier geopfert habe. [25] (Andere,
wie der Mathematiker Apollodor, behaupten das von Pythagoras.4 Denn
dieser brachte am weitesten die Entdeckungen voran, die Kallimachos in
den Iamben dem Phryger Euphorbos zuschreibt,5 wie die „Skalenen und
Dreiecke“ und was sonst zur Theorie der Linien gehört.)
Er scheint aber auch in politischen Angelegenheiten besonders gut beraten
gewesen zu sein. Wenigstens hintertrieb er das Bündnisangebot des Kroisos
an Milet. Das rettete die Stadt nach dem Sieg des Kyros. Klytos aber sagt
(Th 35), wie Herakleides berichtet (Th 26), er sei ein abgeschiedener Ein-
zelgänger gewesen. [26] Einige sagen aber auch, dass er geheiratet und einen
Sohn namens Kybisthos gehabt habe. Nach anderen ist er ehelos geblieben
und hat den Sohn seiner Schwester adoptiert. Auf die Frage, weshalb er
keine Kinder zeuge, habe er geantwortet: „Aus Liebe zu den Kindern.“ Man
erzählt auch, dass er, als die Mutter ihn zu heiraten drängte, zu sagen pflegte:
„Es ist noch nicht Zeit.“ Als sie ihn später, als er im Alter schon fortgeschrit-
ten war, bedrängte, habe er gesagt: „Es ist nicht mehr Zeit.“ (vgl. Th 129;
Th 368; Th 512; Th 564 [318]). Es sagt aber auch Hieronymos von Rhodos
im zweiten Buch seiner Verstreuten Aufzeichnungen (Th 60), dass er im
Bestreben nachzuweisen, dass es den Weisen ein Leichtes sei, reich zu wer-
den, in Voraussicht einer reichen Olivenernte die Ölpressen gemietet und
so einen gewaltigen Gewinn gemacht habe.
[27] Er nahm an, das Prinzip aller Dinge sei das Wasser, der Kosmos beseelt
und voller Gottheiten. Die Jahreszeiten, sagt man, habe er gefunden6 und
das Jahr in 365 Tage aufgeteilt.
Keiner aber leitete ihn an, abgesehen davon, dass er nach Ägypten reiste
und sich bei den Priestern aufhielt. Hieronymos sagt (Th 61), dass er die
Pyramiden anhand ihres Schattens vermessen habe, indem er genau zu dem

1 Vgl. Th 91.
2 Vgl. hierzu Snell, 19662, 119–128.
3 Zum Bernstein siehe O’Grady 2002, 113 f.
4 Vgl. Diog. Laert. 8.12, Maddalena 1963, 25 f.
5 Siehe Th 52 (59 f.).
6 Wohl: die Ursache der Jahreszeiten.
198 Diogenes Laertios

Θαλῆς με τῷ μεδεῦντι Νείλεω δήμου


δίδωσι, τοῦτο δὶς λαβὼν ἀριστεῖον.
Τὸ δὲ πεζὸν οὕτως ἔχει‧ “Θαλῆς Ἐξαμύου Μιλήσιος Ἀπόλλωνι Δελφινίῳ
Ἑλλήνων ἀριστεῖον δὶς λαβών.” Ὁ δὲ περιενεγκὼν τὴν φιάλην τοῦ Βαθυ-
κλέους παῖς Θυρίων ἐκαλεῖτο, καθά φησιν Ἔλευσις ἐν τῷ Περὶ Ἀχιλλέως
[FGrHist. I 296 F1] καὶ Ἀλέξων ὁ Μύνδιος ἐν ἐνάτῳ Μυθικῶν [=   Ἀλέξαν-
δρος, FGrHist. I 189 F1].
Εὔδοξος δ᾽ ὁ Κνίδιος (Th 25) καὶ Εὐάνθης ὁ Μιλήσιός (Th 565) φασι τῶν
Κροίσου τινὰ φίλων λαβεῖν παρὰ τοῦ βασιλέως ποτήριον χρυσοῦν, ὅπως
δῷ τῷ σοφωτάτῳ τῶν Ἑλλήνων‧ τὸν δὲ δοῦναι Θαλῇ. [30] Καὶ περιελθεῖν
εἰς Χίλωνα· ὃν πυνθάνεσθαι τοῦ Πυθίου τίς αὐτοῦ σοφώτερος‧ καὶ τὸν
ἀνειπεῖν Μύσωνα, περὶ οὗ λέξομεν. (Τοῦτον οἱ περὶ τὸν Εὔδοξον ἀντὶ Κλε-
οβούλου τιθέασι, Πλάτων δ᾽ ἀντὶ Περιάνδρου [Prot. 343a].) Περὶ αὐτοῦ δὴ
τάδε ἀνεῖπεν ὁ Πύθιος [cf. Diod. 9.6]‧
Οἰταῖόν τινα φημὶ Μύσων᾽ ἐν Χηνὶ γενέσθαι
σοῦ μᾶλλον πραπίδεσσιν ἀρηρότα πευκαλίμῃσιν.
Ὁ δ᾽ ἐρωτήσας ἦν Ἀνάχαρσις. Δαΐμαχος δ᾽ ὁ Πλαταιϊκὸς [FGrHist 2 A 16 F6])
καὶ Κλέαρχος [Wehrli Bd. 3, Fr. 70]) φιάλην ἀποσταλῆναι ὑπὸ Κροίσου
Πιττακῷ καὶ οὕτω περιενεχθῆναι.
Ἄνδρων δ᾽ ἐν τῷ Τρίποδι [FHG II 347.2] Ἀργείους ἆθλον ἀρετῆς τῷ σο-
φωτάτῳ τῶν Ἑλλήνων τρίποδα θεῖναι‧ κριθῆναι δὲ Ἀριστόδημον Σπαρ-
τιάτην, ὃν παραχωρῆσαι Χίλωνι. [31] Μέμνηται τοῦ Ἀριστοδήμου καὶ
Ἀλκαῖος οὕτως [Lobel-Page Fr. 360])‧
ὣς γὰρ δή ποτ᾽ Ἀριστόδαμόν φασ᾽ οὐκ ἀπάλαμνον ἐν Σπάρτᾳ λόγον
εἰπεῖν‧ χρήματ᾽ ἄνηρ, πενιχρὸς δ᾽ οὐδεὶς πέλετ᾽ ἐσλός.
Diogenes Laertios 199

Zeitpunkt seine Beobachtung gemacht habe, zu dem sie gleich groß sind wie
wir.1 Er hatte enge Beziehungen zu Thrasybulos, dem Tyrannen von Milet,
wie Minyes2 berichtet (Th 566).
Die Berichte über den Dreifuß sind vor aller Augen. Er wurde von Fischern
gefunden und den Weisen vom Volk der Milesier geschickt. [28] Es heißt
nämlich, einige junge Ionier hätten milesischen Fischern einen Fang ab-
gekauft. Als aber der Dreifuß hochgezogen wurde, gab es [darüber] eine
Auseinandersetzung, bis sich die Milesier nach Delphi wandten. Der Gott
gab folgendes Orakel:

„Spross von Milet, über den Dreifuß befragst du Phoibos?


Wer an Weisheit von allen der Erste ist, soll, so künde ich,
den Dreifuß besitzen.“

Man gibt ihn also dem Thales. Der gibt ihn einem anderen Weisen, und so
geht es weiter bis auf Solon. Der wiederum sagte, an Weisheit der Erste sei
der Gott, und sandte den Dreifuß nach Delphi zurück. Abweichendes nun
berichtet Kallimachos in seinen Iamben, das er von Leandrios aus Milet hat
(Th 51). Ein Arkadier mit Namen Bathykles soll nämlich eine Phiale mit der
Auflage, sie „dem Würdigsten der Weisen zu geben“, hinterlassen haben.
Sie wurde also dem Thales gegeben, wanderte reihum und kam wieder an
Thales zurück. [29] Er sandte sie schließlich dem didymäischen Apollon,
gemäß Kallimachos (Th 52) mit den Worten:

„Thales gibt mich dem, der über Neileos’ Volk waltet,


nachdem er dies zweimal als Siegespreis empfangen hat.“

In Prosa lautet das so: „Thales, Sohn des Examyas, der Milesier, der den
Siegespreis der Hellenen zweimal errang, [überreicht ihn] dem delphischen
Apollon.“ Der Überbringer der Schale, der Sohn des Bathykles, hieß Thy-
rion, wie Eleusis in Über Achilleus und Alexon von Myndos im neunten
Buch der Mythen sagen.
Eudoxos aus Knidos (Th 25) und Euanthes aus Milet (Th 565) sagen, ei-
ner der Freunde des Kroisos habe von dem König einen goldenen Becher
erhalten, damit er ihn dem weisesten der Griechen gebe; der aber habe ihn
dem Thales gegeben. [30] Dann sei er weiter an Chilon gelangt, der den

1 Siehe dazu die Ausführungen von Goulet 2000, bes. 207 ff.
2 Unbekannt. Möglicherweise Korruptele. Thrasybulos verteidigte als Tyrann (um
600) erfolgreich Milet gegen die Angriffe der Lyder.
200 Diogenes Laertios

Ἔνιοι δέ φασιν ὑπὸ Περιάνδρου Θρασυβούλῳ τῷ Μιλησίων τυράννῳ


πλοῖον ἔμφορτον ἀποσταλῆναι‧ τοῦ δὲ περὶ τὴν Κῴαν θάλασσαν ναυαγή-
σαντος, ὕστερον εὑρεθῆναι πρός τινων ἁλιέων τὸν τρίποδα. Φανόδικος δὲ
περὶ τὴν Ἀθηναίων θάλασσαν εὑρεθῆναι καὶ ἀνενεχθέντα εἰς ἄστυ γενομέ-
νης ἐκκλησίας Βίαντι πεμφθῆναι [FGrHist. III B 291 F4a]‧ διὰ τί δέ, ἐν τῷ
περὶ Βίαντος λέξομεν. [32] Ἄλλοι φασὶν ἡφαιστότευκτον εἶναι αὐτὸν καὶ
δοθῆναι πρὸς τοῦ θεοῦ Πέλοπι γαμοῦντι‧ αὖθίς τε εἰς Μενέλαον ἐλθεῖν καὶ
σὺν τῇ Ἑλένῃ ἁρπασθέντα ὑπ᾽ Ἀλεξάνδρου ῥιφῆναι εἰς τὴν Κῴαν θάλασ-
σαν πρὸς τῆς Λακαίνης, εἰπούσης ὅτι περιμάχητος ἔσται. Χρόνῳ δὲ Λεβε-
δίων τινῶν αὐτόθι γρῖφον ὠνησαμένων καταληφθῆναι καὶ τὸν τρίποδα,
μαχομένων δὲ πρὸς τοὺς ἁλιέας 〈περί τοῦ τίνος ἂν〉 γενέσθαι, τὴν ἄνοδον
ἕως τῆς Κῶ 〈ποιῆσαι〉‧ καὶ ὡς οὐδὲν ἤνυτον, τοῖς Μιλησίοις μητροπόλει
οὔσῃ μηνύουσιν. Οἱ δ᾽ ἐπειδὴ διαπρεσβευόμενοι ἠλογοῦντο, πρὸς τοὺς
Κῴους πολεμοῦσι. Καὶ πολλῶν ἑκατέρωθεν πιπτόντων ἐκπίπτει χρησμὸς
δοῦναι τῷ σοφωτάτῳ‧ καὶ ἀμφότεροι συνῄνεσαν Θαλῇ. Ὁ δὲ μετὰ τὴν πε-
ρίοδον τῷ Διδυμεῖ τίθησιν Ἀπόλλωνι. [33] Κῴοις μὲν οὖν τοῦτον ἐχρήσθη
τὸν τρόπον [Diod. 9.3.2]‧
Οὐ πρότερον λήξει νεῖκος Μερόπων καὶ Ἰώνων,
πρὶν τρίποδα χρύσειον, ὃν Ἥφαιστος βάλε πόντῳ,
ἐκ πόλιος πέμψητε καὶ ἐς δόμον ἀνδρὸς ἵκηται,
ὃς σοφίᾳ τά τ᾽ ἐόντα τά τ᾽ ἐσσόμενα πρό τ᾽ ἐόντα
〈ᾒδει〉.
Μιλησίοις δέ [Diod. 9.3.2]‧
Ἒκγονε Μιλήτου, τρίποδος πέρι Φοῖβον ἐρωτᾷς;
Diogenes Laertios 201

pythischen Gott befragt habe, wer weiser sei als er. Der habe geantwortet:
„Myson“, über den [gleich] zu reden ist. (Diesen setzen Eudoxos und seine
Leute an die Stelle von Kleobulos, Platon an die Stelle von Periander). Über
ihn gab also der pythische Gott folgende Auskunft:

„Einer vom Öta, sage ich, Myson in Chen,


ist viel mehr als du mit klugen Sinnen versehen.“

Gefragt aber hatte Anacharsis. Daimachos aber aus Plataia und Klearchos
behaupten, dass die Phiale von Kroisos dem Pittakos geschickt worden sei
und so in Umlauf kam.
Andron wiederum behauptet in seinem Buch Der Dreifuß, dass die Argiver
einen Dreifuß als Preis der Tüchtigkeit für den weisesten der Hellenen aus-
gesetzt hätten. Bestimmt worden sei aber der Spartaner Aristodemos, der
[den Preis] an Chilon abgetreten habe.
[31] Den Aristodemos erwähnt auch Alkaios folgendermaßen:

„So hat also, heißt es, Aristodemos einst in Sparta kein


ungeschicktes Wort
gesprochen: Geld macht den Mann; kein Bedürftiger wurde
je zum Adligen.“

Einige aber sagen, Thrasybulos, dem Tyrannen der Milesier, sei von Peri-
ander ein Frachtschiff geschickt worden; dies habe im Meer bei Kos Schiff-
bruch erlitten, und später sei der Dreifuß von irgendwelchen Fischern ge-
funden worden. Phanodikos aber sagt, dass er im Meer bei Athen gefunden
und in die Stadt gebracht worden sei. Auf Beschluss der Volksversammlung
wurde er Bias geschickt. Über die Gründe werde ich im Kapitel über Bias
berichten.
[32] Andere behaupten, er sei ein Werk des Hephaistos und von dem Gott
dem Pelops zur Hochzeit geschenkt worden. Dann sei er zu Menelaos ge-
kommen und von Alexandros zusammen mit Helena geraubt worden. Die
Lakonerin habe ihn ins Meer bei Kos geworfen und dabei gesagt, dass er
umkämpft sein werde. Später hätten Lebedier dort einen Fang gekauft und
seien dabei an den Dreifuß gelangt. Es gab einen Streit mit den Fischern,
wem er gehören sollte, und man ging nach Kos. Und wie sie nichts erreich-
ten, zeigten sie es in ihrer Mutterstadt Milet an. Die Milesier schickten eine
Gesandtschaft [nach Kos], wurden abgewiesen und führten gegen die Koer
Krieg. Nach hohen Verlusten auf beiden Seiten erging ein Orakel, den Drei-
fuß dem Weisesten zu geben. Beide Seiten einigten sich auf Thales. Der aber
202 Diogenes Laertios

καὶ ὡς προείρηται. Καὶ τόδε μὲν οὕτως.


Ἕρμιππος δ᾽ ἐν τοῖς Βίοις (Th 58) εἰς τοῦτον ἀναφέρει τὸ λεγόμενον ὑπό
τινων περὶ Σωκράτους. Ἕφασκε γάρ, φασί, τριῶν τούτων ἕνεκα χάριν
ἔχειν τῇ Τύχῃ‧ πρῶτον μὲν ὅτι ἄνθρωπος ἐγενόμην καὶ οὐ θηρίον, εἶτα
ὅτι ἀνὴρ καὶ οὐ γυνή, τρίτον ὅτι Ἕλλην καὶ οὐ βάρβαρος. [34] Λέγεται δ᾽
ἀγόμενος ὑπὸ γραὸς ἐκ τῆς οἰκίας, ἵνα τὰ ἄστρα κατανοήσῃ, εἰς βόθρον
ἐμπεσεῖν καὶ αὐτῷ ἀνοιμώξαντι φάναι τὴν γραῦν‧ “Σὺ γάρ, ὦ Θαλῆ, τὰ
ἐν ποσὶν οὐ δυνάμενος ἰδεῖν τὰ ἐπὶ τοῦ οὐρανοῦ οἴει γνώσεσθαι;” Οἶδε δ᾽
αὐτὸν ἀστρονομούμενον καὶ Τίμων, καὶ ἐν τοῖς Σίλλοις ἐπαινεῖ αὐτὸν λέ-
γων (Th 53)‧
οἷόν θ᾽ ἑπτὰ Θάλητα σοφῶν σοφὸν ἀστρονόμημα.
Τὰ δὲ γεγραμμένα ὑπ᾽ αὐτοῦ φησι Λόβων ὁ Ἀργεῖος εἰς ἔπη τείνειν δια-
κόσια. Ἐπιγεγράφθαι δ᾽ αὐτοῦ ἐπὶ τῆς εἰκόνος τόδε (Th 55)‧
Τόνδε Θαλῆν Μίλητος Ἰὰς θρέψασ᾽ ἀνέδειξεν
ἀστρολόγον πάντων πρεσβύτατον σοφίῃ.
[35] Τῶν τε ᾀδομένων αὐτοῦ εἶναι τάδε [Bergk iii. 200]‧
Οὔ τι τὰ πολλὰ ἔπη φρονίμην ἀπεφήνατο δόξαν‧
ἕν τι μάτευε σοφόν,
ἕν τι κεδνὸν αἱροῦ‧
λύσεις γὰρ ἀνδρῶν κωτίλων
γλώσσας ἀπεραντολόγους.
Φέρεται δὲ καὶ ἀποφθέγματα αὐτοῦ τάδε‧
Πρεσβύτατον τῶν ὄντων θεός‧ ἀγένητον γάρ.
Κάλλιστον κόσμος‧ ποίημα γὰρ θεοῦ.
Μέγιστον τόπος‧ ἅπαντα γὰρ χωρεῖ.
Τάχιστον νοῦς‧ διὰ παντὸς γὰρ τρέχει.
Ἰσχυρότατον ἀνάγκη‧ κρατεῖ γὰρ πάντων.
Σοφώτατον χρόνος‧ ἀνευρίσκει γὰρ πάντα.
Οὐδὲν ἔφη τὸν θάνατον διαφέρειν τοῦ ζῆν. “Σὺ οὖν,” ἔφη τις, “διὰ τί οὐκ
ἀποθνῄσκεις;” “Ὅτι,” ἔφη, “οὐδὲν διαφέρει.” [36] Πρὸς τὸν πυθόμενον
τί πρότερον γεγόνοι, νὺξ ἢ ἡμέρα, “Ἡ νύξ,” ἔφη, “μιᾷ ἡμέρᾳ πρότερον.”
Ἠρώτησέ τις αὐτὸν εἰ λάθοι θεοὺς ἄνθρωπος ἀδικῶν‧ “Ἀλλ᾽ οὐδὲ διανο-
ούμενος,” ἔφη. Πρὸς τὸν μοιχὸν ἐρόμενον εἰ ὀμόσῃ μὴ μεμοιχευκέναι, “Οὐ
χεῖρον,” ἔφη, “μοιχείας ἐπιορκία.1” Ἐρωτηθεὶς τί δύσκολον, ἔφη, “Τὸ ἑαυτὸν
γνῶναι‧” τί δὲ εὔκολον, “Τὸ ἄλλῳ ὑποθέσθαι‧” τί ἥδιστον, “Τὸ ἐπιτυγχά-
νειν‧” τί τὸ θεῖον, “Τὸ μήτε ἀρχὴν ἔχον μήτε τελευτήν.” Τί δύσκολον εἴη τε-
θεαμένος, ἔφη‧ “Γέροντα τύραννον.” Πῶς ἄν τις ἀτυχίαν ῥᾷστα φέροι, “Εἰ
τοὺς ἐχθροὺς χεῖρον πράσσοντας βλέποι.” Πῶς ἂν ἄριστα καὶ δικαιότατα

1 ἐπιορκίας μοιχεία Searby 2007, CP 6, 84 Lesart.


Diogenes Laertios 203

weiht ihn nach dem Umlauf dem Apollon von Didyma. [33] Den Koern
erging folgendes Orakel:

„Nicht vorher wird der Zwist der Meroper1 und Ionier enden,
bevor ihr den goldenen Dreifuß, den Hephaistos ins Meer warf,
aus der Stadt schickt, und er in das Haus des Mannes gelangt,
der in seiner Weisheit das, was ist, was sein wird und das,
was zuvor war,
erkennt.“

Den Milesiern aber:

„Spross von Milet, über den Dreifuß befragst du Phoibos?“

Und wie oben [28] angegeben. Und darüber soweit.


Hermipp schreibt aber in seinen Lebensbeschreibungen (Th 58) diesem
[dem Thales] zu, was von manchen über Sokrates gesagt wird. Denn er
[Sokrates] hat behauptet, sagen sie, dem Schicksal für folgende drei Dinge
dankbar zu sein: „Zuerst, dass ich als Mensch geboren wurde und nicht als
Tier, dann, dass ich ein Mann bin und nicht eine Frau, und drittens, dass ich
ein Hellene bin und nicht ein Barbar [vgl. Th 563].“ [34] Thales soll, als er
von einer alten Frau begleitet aus dem Haus gegangen war, um die Sterne
zu beobachten, in eine Grube gefallen sein. Dem Jammernden habe die Alte
gesagt: „So glaubst du, Thales, der du nicht in der Lage bist, zu sehen, was
vor deinen Füßen ist, die Dinge am Himmel zu erkennen?“ Als Astrono-
men kennt ihn aber auch Timon, der ihn in seinen Sillen (Th 53) mit den
Worten lobt:
„Von den Sieben Weisen war Thales weise in Astronomie.“
Was er geschrieben hat, beläuft sich, wie Lobon von Argos sagt (Th 55), auf
zweihundert Verse. Sein Standbild soll folgende Aufschrift getragen haben:

„Den Thales hier ehrt die Stadt Milet, die ionische, die ihn aufzog,
[ihn,] den aufgrund seiner Weisheit von allen ehrwürdigsten
Astronomen.“

[35] Zu seinen Sprüchen gehörten folgende2:

1 Merops ist der mythische König der Koer.


2 Vgl. zu den folgenden Sprüchen Searby 2007, CP 6, 80–7.
204 Diogenes Laertios

βιώσαιμεν, “Ἐὰν ἃ τοῖς ἄλλοις ἐπιτιμῶμεν, αὐτοὶ μὴ δρῶμεν.” [37] Τίς εὐδαί-
μων, “Ὁ τὸ μὲν σῶμα ὑγιής, τὴν δὲ ψυχὴν εὔπορος, τὴν δὲ φύσιν εὐπαί-
δευτος.” Φίλων παρόντων καὶ ἀπόντων μεμνῆσθαί φησι‧ μὴ τὴν ὄψιν καλ-
λωπίζεσθαι, ἀλλὰ τοῖς ἐπιτηδεύμασιν εἶναι καλόν. “Μὴ πλούτει,” φησί,
“κακῶς,” “μηδὲ διαβαλλέτω σε λόγος πρὸς τοὺς πίστεως κεκοινωνηκότας.”
“Οὓς ἂν ἐράνους εἰσενέγκῃς,” φησί, “τοῖς γονεῦσι, τοὺς αὐτοὺς προσδέχου
καὶ παρὰ τῶν τέκνων.” Τὸν Νεῖλον εἶπε πληθύειν ἀνακοπτομένων τῶν
ῥευμάτων ὑπὸ τῶν ἐτησίων ἐναντίων ὄντων.
Φησὶ δ᾽ Ἀπολλόδωρος ἐν τοῖς Χρονικοῖς (Th 67) γεγενῆσθαι αὐτὸν κατὰ
τὸ πρῶτον ἔτος τῆς τριακοστῆς ἐνάτης1 Ὀλυμπιάδος (= 624 v. Chr.). [38]
Ἐτελεύτησε δ᾽ ἐτῶν ἑβδομήκοντα ὀκτώ (ἤ, ὡς Σωσικράτης (Th 66) φησίν,
ἐνενήκοντα)‧ τελευτῆσαι γὰρ ἐπὶ τῆς πεντηκοστῆς ὀγδόης Ὀλυμπιάδος
(548–4 v. Chr.), γεγονότα κατὰ Κροῖσον, ᾧ καὶ τὸν Ἅλυν ὑποσχέσθαι ἄνευ
γεφύρας περᾶσαι, τὸ ῥεῖθρον παρατρέψαντα (546 v. Chr.).
Γεγόνασι δὲ καὶ ἄλλοι Θαλαῖ, καθά φησι Δημήτριος ὁ Μάγνης ἐν τοῖς
Ὁμωνύμοις, πέντε‧ ῥήτωρ Καλλατιανός, κακόζηλος‧ ζωγράφος Σικυώνιος,
μεγαλοφυής‧ τρίτος ἀρχαῖος πάνυ, κατὰ Ἡσίοδον καὶ Ὅμηρον καὶ Λυ-
κοῦργον‧ τέταρτος οὗ μέμνηται Δοῦρις ἐν τῷ Περὶ ζωγραφίας‧ πέμπτος
νεώτερος, ἄδοξος, οὗ μνημονεύει Διονύσιος ἐν Κριτικοῖς.
[39]      Ὁ δ᾽ οὖν σοφὸς ἐτελεύτησεν ἀγῶνα θεώμενος γυμνικὸν ὑπό τε
καύματος καὶ δίψους καὶ ἀσθενείας, ἤδη γηραιός. Καὶ αὐτοῦ ἐπιγέγραπ-
ται τῷ μνήματι (Th 56)‧
Ἦ ὀλίγον τόδε σᾶμα, τὸ δὲ κλέος οὐρανόμακες,
τῶ πολυφροντίστω τοῦτο Θάλητος ὅρη.
Ἔστι καὶ παρ᾽ ἡμῖν ἐς αὐτὸν ἐν τῷ πρώτῳ τῶν Ἐπιγραμμάτων ἢ Παμ-
μέτρῳ τόδε τὸ ἐπίγραμμα [= AP 7.85]‧
Γυμνικὸν αὖ ποτ᾽ ἀγῶνα θεώμενον, Ἠέλιε Ζεῦ,
τὸν σοφὸν ἄνδρα Θαλῆν ἥρπασας ἐκ σταδίου.
Αἰνέω ὅττι μιν ἐγγὺς ἀπήγαγες‧ ἦ γὰρ ὁ πρέσβυς
οὐκέθ᾽ ὁρᾶν ἀπὸ γῆς ἀστέρας ἠδύνατο.
[40] Τούτου ἐστὶν τὸ Γνῶθι σαυτόν, ὅπερ Ἀντισθένης ἐν ταῖς Διαδοχαῖς
Φημονόης εἶναί φησιν, ἐξιδιοποιήσασθαι δὲ αὐτὸ Χίλωνα.
Περὶ δὴ τῶν ἑπτά (ἄξιον γὰρ ἐνταῦθα καθολικῶς κἀκείνων ἐπιμνησθῆναι)
λόγοι φέρονται τοιοῦτοι. Δάμων ὁ Κυρηναῖος, 〈ὁ〉 γεγραφὼς Περὶ τῶν φι-
λοσόφων, πᾶσιν ἐγκαλεῖ, μάλιστα δὲ τοῖς ἑπτά. Ἀναξιμένης δέ φησι πάν-
τας ἐπιθέσθαι ποιητικῇ‧ ὁ δὲ Δικαίαρχος οὔτε σοφοὺς οὔτε φιλοσόφους
φησὶν αὐτοὺς γεγονέναι, συνετοὺς δέ τινας καὶ νομοθετικούς. Ἀρχέτιμος
δὲ ὁ Συρακούσιος ὁμιλίαν αὐτῶν ἀναγέγραφε παρὰ Κυψέλῳ, ᾗ καὶ αὐτός

1 codd.: πέμπτης.
Diogenes Laertios 205

„Viele Worte machen noch keine verständige Meinung.


Eine einzige Weisheit suche!
Ein einziges Gut wähle!
Beenden wirst du nämlich schwatzhafter Männer
unermüdlichen Redefluss.“

Auch folgende Aussagen werden von ihm überliefert:1


„Das älteste der seienden Dinge ist Gott; denn er ist ungeworden.
Das schönste ist der Kosmos; denn er ist ein Werk Gottes.
Das größte ist der Raum; denn er umfasst alles.
Das schnellste ist der Geist; denn er durchläuft alles.
Das stärkste ist die Notwendigkeit; denn sie bezwingt alles.
Das weiseste ist die Zeit; denn sie erfindet alles (vgl. Th 564 [320a–f]).“
In nichts, sagte er, unterscheide sich der Tod vom Leben. „Weshalb“, fragte
jemand, „stirbst du dann nicht?“ „Weil“, so die Antwort, „es sich in nichts
unterscheidet.“ [36] Einem, der wissen wollte, was früher entstanden sei,
die Nacht oder der Tag, antwortete er: „Die Nacht, und zwar um einen Tag
früher.“ Jemand fragte ihn, ob der Mensch unbemerkt vor den Göttern Un-
recht tun könne. „Nicht einmal im Gedanken!“, antwortete er. (vgl. Th 96;
Th 207; Th 564 [316]) Zu einem Ehebrecher, der ihn fragte, ob er beschwö-
ren solle, keinen Ehebruch begangen zu haben, sagte er: „Meineid ist nicht
schlechter als Ehebruch.“ (vgl. Th 564 [317]) Auf die Frage, was schwierig
sei, antwortete er: „Sich selbst zu erkennen.“ Was leicht: „Einem anderen
einen Rat erteilen.“ Was besonders angenehm: „Erfolg haben.“ (vgl. Th 362)
Was das Göttliche: „Das weder Anfang noch Ende hat.“ Was Unerquickli-
ches er gesehen habe: „Einen alten Tyrannen.“ (vgl. Th 119). Wie man ein
Unglück am leichtesten tragen könne: „Wenn man seine Feinde in noch
schlimmerer Lage sieht.“ Wie wir am besten und gerechtesten leben könnten:
„Wenn wir selbst nicht tun, was wir anderen vorwerfen.“ [37] Wer glücklich
sei: „Wer körperlich gesund, seelisch begabt und von wohlerzogener Natur
ist.“ (vgl. Th 564 [321a–h]) Der Freunde solle man gedenken, seien sie anwe-
send oder abwesend, meinte er. Man solle seine Ehre nicht in äußere Schön-
heit setzen, sondern im Leben und Handeln schön sein. „Werde nicht auf
verwerfliche Weise reich“, sagte er, „und keine Rede soll dich gegen die ein-
nehmen, die dein Vertrauen haben.“2 „Die Liebesdienste“, sagte er, „die du
deinen Eltern erwiesen hast, erwarte auch von deinen Kindern.“ (vgl. Th 362)

1 Vgl. zur Reihenfolge der Aussagen Classen 1986, 32.


2 Übersetzung bei Althoff/ Zeller 2006, 37: „Deine Rede soll dich nicht in Misskredit
bringen gegenüber denen, die dir Vertrauen geschenkt haben.“
206 Diogenes Laertios

φησι παρατυχεῖν‧ Ἔφορος δὲ παρὰ Κροίσῳ πλὴν Θαλοῦ. Φασὶ δέ τινες καὶ
ἐν Πανιωνίῳ καὶ ἐν Κορίνθῳ καὶ ἐν Δελφοῖς συνελθεῖν αὐτούς. [41] Διαφω-
νοῦνται δὲ καὶ αἱ ἀποφάσεις αὐτῶν καὶ ἄλλου ἄλλο φασὶν εἶναι, ὡς ἐκεῖνο‧
Ἦν Λακεδαιμόνιος Χίλων σοφός, ὃς τάδ᾽ ἔλεξε‧
“μηδὲν ἄγαν‧ καιρῷ πάντα πρόσεστι καλά.”
Στασιάζεται δὲ καὶ περὶ τοῦ ἀριθμοῦ αὐτῶν. Λεάνδριος μὲν γὰρ ἀντὶ
Κλεοβούλου καὶ Μύσωνος Λεώφαντον Γοργιάδα, Λεβέδιον ἢ Ἐφέσιον,
ἐγκρίνει καὶ Ἐπιμενίδην τὸν Κρῆτα‧ Πλάτων δὲ ἐν Πρωταγόρᾳ Μύσωνα
ἀντὶ Περιάνδρου‧ Ἔφορος δὲ ἀντὶ Μύσωνος Ἀνάχαρσιν‧ οἱ δὲ καὶ Πυ-
θαγόραν προσγράφουσιν. Δικαίαρχος δὲ (Th  36) τέσσαρας ὡμολογη-
μένους ἡμῖν παραδίδωσι, Θαλῆν, Βίαντα, Πιττακόν, Σόλωνα. Ἄλλους δὲ
ὀνομάζει ἕξ, ὧν ἐκλέξασθαι τρεῖς, Ἀριστόδημον, Πάμφυλον, Χίλωνα Λα-
κεδαιμόνιον, Κλεόβουλον, Ἀνάχαρσιν, Περίανδρον. Ἔνιοι προστιθέασιν
Ἀκουσίλαον Κάβα ἢ Σκάβρα Ἀργεῖον. [42] Ἕρμιππος δ᾽ ἐν τῷ Περὶ τῶν
σοφῶν (Th 59) ἑπτακαίδεκά φησιν, ὧν τοὺς ἑπτὰ ἄλλους ἄλλως αἱρεῖσθαι‧
εἶναι δὲ Σόλωνα, Θαλῆν, Πιττακόν, Βίαντα, Χίλωνα, 〈Μύσωνα,〉 Κλεόβου-
λον, Περίανδρον, Ἀνάχαρσιν, Ἀκουσίλαον, Ἐπιμενίδην, Λεώφαντον, Φε-
ρεκύδην, Ἀριστόδημον, Πυθαγόραν, Λᾶσον Χαρμαντίδου ἢ Σισυμβρίνου
(ἢ ὡς Ἀριστόξενος Χαβρίνου) Ἑρμιονέα, Ἀναξαγόραν. Ἱππόβοτος δ᾽ ἐν τῇ
Τῶν φιλοσόφων ἀναγραφῇ (Th 65)‧ Ὀρφέα, Λίνον, Σόλωνα, Περίανδρον,
Ἀνάχαρσιν, Κλεόβουλον, Μύσωνα, Θαλῆν, Βίαντα, Πιττακόν, Ἐπίχαρμον,
Πυθαγόραν.

Φέρονται δὲ καὶ τοῦ Θαλοῦ ἐπιστολαὶ αἵδε‧


Diogenes Laertios 207

Er behauptete, dass der Nil anschwelle, wenn seine Fluten infolge der ent-
gegengesetzten Etesien zurückgestaut würden.
Apollodor sagt in seinen Chronika (Th 67), dass er im ersten Jahr der 39.
Olympiade [624 v. Chr.]1 geboren sei. [38] Er starb mit 78 Jahren (oder,
wie Sosikrates sagt (Th 66), mit 90 Jahren). Er sei nämlich während der 58.
Olympiade [548–545 v. Chr.] gestorben. Er habe zur Zeit des Kroisos ge-
lebt, dem er auch den Halys ohne Brücken zu überqueren versprochen
habe, indem er den Strom umlenkte.
Es gab aber auch noch fünf andere Personen mit dem Namen Thales, wie
Demetrios aus Magnesia in den Homonymen sagt: ein manierierter Rhe-
tor aus Kallatis; ein genialer Maler aus Sikyon; ein dritter ganz früher, ein
Zeitgenosse Hesiods, Homers, Lykurgs; ein vierter, den Duris in dem Werk
Über die Malerei erwähnt; ein fünfter jüngerer und weniger bekannter, den
Dionysios in seinen Kritika erwähnt.
[39] Der Weise nun starb, als er einem Sportwettkampf zuschaute, infolge
von Hitze, Durst und Schwäche in bereits fortgeschrittenem Alter. Seine
Grabschrift lautet (Th 56):

„Gewiss, klein ist das Grabmal, der Ruhm aber reicht zum Himmel,
sieh doch, des vielbedachten Mannes Thales.“

Es gibt auch von uns folgendes Epigramm auf ihn im ersten Buch der Epi-
gramme oder Vermischten Versmaße:

„Als er einen sportlichen Wettkampf einst schaute, Lichtbringer Zeus,


hast du den weisen Mann Thales aus dem Stadion entrückt.
Ich preise dich, dass du ihn in deine Nähe geführt hast; denn der Alte
konnte nicht mehr von der Erde aus die Sterne erblicken.“

[40] Von ihm stammt auch das „Erkenne dich selbst“; Antisthenes sagt frei-
lich in seinen Abfolgen [der Philosophen], es stamme von der Phemonoe2,
Chilon habe es sich aber zu eigen gemacht.
Über die Sieben Weisen (denn hier ist eine allgemeine Bemerkung zu ihnen
angebracht) gibt es nun folgende Berichte: Damon aus Kyrene, der Über
die Philosophen geschrieben hat, greift alle an, besonders aber die Sieben;

1 Überliefert ist eindeutig das erste Jahr der 35. Olympiade, also 640 v. Chr. Das stimmt
jedoch nicht mit den folgenden Angaben überein.
2 Die erste Pythia in Delphi.
208 Diogenes Laertios

Θαλῆς Φερεκύδει
[43] Πυνθάνομαί σε πρῶτον Ἰώνων μέλλειν λόγους ἀμφὶ τῶν θείων χρημά-
των ἐς τοὺς Ἕλληνας φαίνειν. Καὶ τάχα μὲν ἡ γνώμη τοι δικαίη ἐς τὸ ξυνὸν
καταθέσθαι γραφὴν, μᾶλλον ἢ ἐφ᾽ ὁποιοισοῦν ἐπιτρέπειν χρῆμα ἐς οὐδὲν
ὄφελος. Εἰ δή τοι ἥδιον, ἐθέλω γενέσθαι λεσχηνώτης περὶ ὁτέων γράφεις‧
καὶ ἢν κελεύῃς, παρὰ σὲ ἀφίξομαι ἐς Σῦρον. Ἢ γὰρ ἂν οὐ φρενήρεες εἴημεν
ἐγώ τε καὶ Σόλων ὁ Ἀθηναῖος, 〈εἰ〉 πλώσαντες μὲν ἐς Κρήτην κατὰ 〈τὴν〉
τῶν κεῖθι ἱστορίην, πλώσαντες δὲ ἐς Αἴγυπτον ὁμιλήσοντες τοῖς ἐκείνῃ
ὅσοι ἱερέες τε καὶ ἀστρολόγοι, παρὰ σὲ δὲ μὴ πλώσαιμεν; Ἥξει γὰρ καὶ
ὁ Σόλων, ἢν ἐπιτρέπῃς. [44] Σὺ μέντοι χωροφιλέων ὀλίγα φοιτέεις ἐς Ἰω-
νίην, οὐδέ σε ποθὴ ἴσχει ἀνδρῶν ξείνων‧ ἀλλά, ὡς ἔλπομαι, ἑνὶ μούνῳ χρή-
ματι πρόσκεαι τῇ γραφῇ. Ἡμέες δὲ οἱ μηδὲν γράφοντες περιχωρέομεν τήν
τε Ἑλλάδα καὶ Ἀσίην.

Θαλῆς Σόλωνι
῾Υπαποστὰς ἐξ Ἀθηνέων δοκέεις ἄν μοι ἁρμοδιώτατα ἐν Μιλήτῳ οἶκον
ποιέεσθαι παρὰ τοῖς ἀποίκοις ὑμέων‧ καὶ γὰρ ἐνθαῦτά τοι δεινὸν οὐδέν.
Εἰ δὲ ἀσχαλήσεις ὅτι καὶ Μιλήσιοι τυραννεόμεθα (ἐχθαίρεις γὰρ πάντως
αἰσυμνήτας), ἀλλὰ τέρποιο ἂν σὺν τοῖς ἑτάροις ἡμῖν καταβιούς. Ἐπέστειλε
δέ τοι καὶ Βίης ἥκειν ἐς Πριήνην‧ σὺ δὲ εἰ προσηνέστερόν τοι τὸ Πριηνέων
ἄστυ, κεῖθι οἰκέειν, καὶ αὐτοὶ παρὰ σὲ οἰκήσομεν.

Sim. (phönizische Abkunft, 1.22) Th  12 (w.  s.); (Thales, einer der Sieben
Weisen, 1.22, 34, 40–42) Th 20 (w. s.)
(Schrift, 1.23) Th 88 (w. s.); (Entdecker des Wagens, 1.23) Th 52 (w. s.); (Son-
nenbahn/ Sonnenwenden, 1.23, 24) Th 93 (w. s.); (Sonnenfinsternis, 1.23)
Th 10 (w. s.); (Thales als Vertreter der Astronomie, 1.23, 34) Th 103 (w. s.);
(erster Weiser/Philosoph, 1.23) Th 29 (w. s.); (Natur der Seele, 1.24) Th 31
(w. s.); (Sonnengröße, -durchmesser, 1.24) Th 178 (w. s.); (Urheber der Na-
Diogenes Laertios 209

Anaximenes1 behauptet, alle hätten gedichtet. Dikaiarch aber sagt, sie seien
weder Weise noch Philosophen, sondern verständige und zur Gesetzgebung
fähige Männer gewesen. Archetimos aus Syrakus hat ihr Treffen bei Kyp-
selos2 geschildert, bei dem er selbst dabeigewesen zu sein angibt. Ephoros
ihr Treffen bei Kroisos ohne Thales. Einige aber behaupten, sie seien in
Panionion oder in Korinth oder in Delphi zusammengekommen. [41] Un-
stimmigkeiten gibt es aber auch über ihre Aussprüche, die bald dem einen,
bald dem anderen zugeschrieben werden, wie etwa jener:

„Es war der Spartaner Chilon, der Weise, der Folgendes sagte:
‚Nichts allzu sehr; dem rechten Maß kommt alles Schöne zu‘.“

Man streitet sich auch über ihre Zahl. Leandrios rechnet anstelle von
Kleobulos und Myson den Leophantos, des Gorgias Sohn aus Lebedos oder
Ephesos dazu, sowie den Epimenides aus Kreta, Platon im Protagoras den
Myson anstelle des Periander, Ephoros aber anstelle von Myson den Ana-
charsis. Manche fügen noch den Pythagoras hinzu. Dikaiarch überliefert
uns vier unbestrittene Namen (Th 36): Thales, Bias, Pittakos, Solon. Außer-
dem nennt er noch sechs, von denen er drei bevorzugt: Aristodemos, Pam-
phylos, Chilon aus Sparta, Kleobulos, Anacharsis, Periander. Einige fügen
noch Akusilaos, den Sohn des Kabas oder Skabras, aus Argos hinzu. [42]
Hermipp nennt 17 in seinem Buch Über die Sieben Weisen (Th 59), aus
denen jeder eine andere Auswahl treffe. Es seien dies: Solon, Thales, Pit-
takos, Bias, Chilon, Myson, Kleobulos, Periander, Anacharsis, Akusilaos,
Epimenides, Leophantos, Pherekydes, Aristodemos, Pythagoras, Lasos, der
Sohn des Charmantides oder Sisymbrinos (oder nach Aristoxenos des Cha-
brinos) aus Hermione, Anaxagoras. Hippobotos nennt in seinem Verzeich-
nis der Philosophen (Th 65): Orpheus, Linos, Solon, Periander, Anacharsis,
Kleobulos, Myson, Thales, Bias, Pittakos, Epicharmos, Pythagoras.
Folgende Briefe des Thales werden überliefert:3

Thales an Pherekydes

[43] Ich erfahre, dass du als erster Ionier beabsichtigst, theologische Erör-
terungen vor die Griechen zu bringen. Und vielleicht ist deine Meinung

1 Anaximenes aus Lampsakos (FGrHist 72 F 22).


2 30 Jahre lang Tyrann der Korinther (vor und nach 600 v. Chr.).
3 Siehe Dührsen 1994 zum Versuch der Rekonstruktion eines hypothetischen Briefro-
mans.
210 Diogenes Laertios

turphilosophie und Mathematik/ Geometrie, 1.24) Th 81 (w. s.); (Politische


Tätigkeit) Th 21 (w. s.); (Miete der Ölpressen, 1.26) Th 28 (w. s.); (Famili-
enstand, 1.26) Th 112 (w. s.); (Beseeltheit des Alls, 1.27) Th 32 (w. s.); (Aus-
zeichnung des Thales/ Umlauf des Dreifußes, 1.27 ff.) Th 52 (w. s.); (Ver-
messen der Pyramidenhöhe, 1.27) Th 107 (w. s.); (ägyptischer Einfluss, 1.24,
27, 43) Th 92 (w. s.); (Prinzip Wasser, 1.27) Th 29 (w. s.); (Jahreszeiten, 1.27)
Th  178 (w.  s.); (Brunnenfall, 1.34) Th  19 (w.  s.); (Spruchweisheit, 1.35 f.)
Th  89 (w.  s.), vgl. insbesondere Th  90, Th  121, Th  351, Th  362, Th  564;
(Nilschwelle, 1.37) Th 13 (w. s.); (Datierung, 1.37 f.) Th 171 (w. s.); (Umlen-
kung des Halys, 1.38) Th 11 (w. s.); (Todesumstände, 1.39) Th 495, Th 501,
Th 578; (Briefwechsel, 1.43) Th 238

Th 238
Vit. 1.122
(Φερεκύδης Θαλῇ) Εὖ θνήσκοις ὅταν τοι τὸ χρεὼν ἥκῃ. Νοῦσός με κατα-
λελάβηκε δεδεγμένον τὰ παρὰ σέο γράμματα. Φθειρῶν ἔθυον πᾶς καί με
εἶχεν ἠπίαλος. Ἐπέσκηψα δ᾽ ὦν τοῖσιν οἰκιήτῃσιν, ἐπήν με καταθάψωσιν,
ἐς σὲ τὴν γραφὴν ἐνέγκαι. Σὺ δὲ ἢν δοκιμώσῃς σὺν τοῖς ἄλλοις σοφοῖς,
οὕτω μιν φῆνον‧ ἢν δὲ οὐ δοκιμώσητε, μὴ φήνῃς. Ἐμοὶ μὲν γὰρ οὔκω ἥνδα-
νεν. Ἔστι δὲ οὐκ ἀτρεκείη πρηγμάτων, οὐδ᾽ ὑπίσχνέομαι 〈κ〉ου τὠληθὲς
εἰδέναι, ἅσσα δ᾽ ἂν ἐπιλέγω θεολογέων‧ τὰ ἄλλα χρὴ νοέειν‧ ἅπαντα γὰρ
αἰνίσσομαι. Τῇ δὲ νούσῳ πιεζόμενος ἐπὶ μᾶλλον, οὔτε τῶν τινα ἰητρῶν
οὔτε τοὺς ἑταίρους ἐσιέμην‧ προσεστεῶσι δὲ τῇ θύρῃ καὶ εἰρομένοις ὁκοῖόν
τι εἴη, διεὶς δάκτυλον ἐκ τῆς κλειθρίης ἔδειξ᾽ ἂν ὡς ἔθυον τοῦ κακοῦ. Καὶ
προεῖπα αὐτοῖσιν ἥκειν εἰς τὴν ὑστεραίην ἐπὶ τὰς Φερεκύδεω ταφάς.

Sim. (Briefwechsel) Th 237 (w. s.) (Diog. Laert. 1.43)


Diogenes Laertios 211

richtig, die Schrift lieber in die Öffentlichkeit zu bringen, als die Sache ohne
jeden Nutzen irgendjemandem zu überlassen. Wenn es dir also angenehm
ist, will ich ein Hörer dessen werden, worüber du schreibst; und wenn du es
forderst, komme ich nach Syros. Denn wir, ich und Solon, der Athener, die
wir zwar nach Kreta zur Erforschung der dortigen Verhältnisse und nach
Ägypten zur Begegnung mit den dortigen Priestern und Astronomen ge-
reist sind, wären wir denn nicht von Sinnen, wenn wir zu dir nicht reisten?
Denn auch Solon wird kommen, wenn du erlaubst. [44] Du freilich kommst
aus Heimatliebe selten nach Ionien und hast keine Sehnsucht nach fremden
Leuten; vielmehr hast du dich ganz, wie ich annehme, deiner Schrift als
einziger Sache hingegeben. Wir aber, die wir nichts schreiben, reisen durch
Griechenland und Asien.

Thales an Solon

Wenn du dich aus Athen zurückziehst, scheinst du mir am passendsten


deinen Wohnsitz in Milet zu nehmen, bei euren Kolonisten. Da hast du
nämlich nichts Schlimmes zu befürchten. Wenn du aber bekümmert bist,
weil auch die Milesier eine Tyrannenherrschaft haben (denn gänzlich hasst
du die Gewalthaber), so könnte es dir doch willkommen sein, mit uns, dei-
nen Freunden, zusammenzuleben. Es hat dir aber auch Bias geschrieben,
du sollst nach Priene kommen. Ist es dir angenehmer, dort in der Stadt der
Prieneer zu wohnen, so werden auch wir selbst bei dir wohnen.

Th 238
Philosophenleben 1.122
Pherekydes schreibt, von Krankheit geplagt, an Thales. Er vermacht ihm
seine Schrift mit der Bitte, sie zu veröffentlichen, wenn er und die anderen
Weisen sie für gut befänden.
212 Diogenes Laertios

Th 239
Vit. 1.122 B
Καὶ οὗτοι μὲν οἱ κληθέντες σοφοί, οἷς τινες καὶ Πεισίστρατον τὸν τύραννον
προσκαταλέγουσι. Λεκτέον δὲ περὶ φιλοσόφων‧ καὶ πρῶτόν γε ἀρκτέον
ἀπὸ τῆς Ἰωνικῆς φιλοσοφίας, ἧς καθηγήσατο Θαλῆς, οὗ διήκουσεν Ἀνα-
ξίμανδρος.

Sim. (Ionische Schule) Th 147 (w. s.)

Th 240
Vit. 2.4
(Αναξιμένης Πυθαγόρῃ) Θαλῆς ἐκ καλοῦ 〈πότμου ἐλθὼν〉 ἐπὶ γήρας, οὐκ
εὔποτμος οἴχεται‧ εὐφρόνης, ὥσπερ ἔωθεν, ἅμα τῇ ἀμφιπόλῳ προϊὼν ἐκ
τοῦ αὐλίου τὰ ἄστρα ἐθηεῖτο‧ καὶ (οὐ γὰρ ἐς μνήμην ἔθετο) θηεύμενος ἐς τὸ
κρημνῶδες ἐκβὰς καταπίπτει. Μιλησίοισι μέν νυν ὁ αἰθερολόγος ἐν τοιῷδε
κεῖται τέλει. Ἡμέες δὲ οἱ λεσχηνῶται αὐτοί τε μεμνώμεθα τοῦ ἀνδρός, οἵ τε
ἡμέων παῖδές τε καὶ λεσχηνῶται, ἐπιδεξιώμεθα δ᾽ ἔτι τοῖς ἐκείνου λόγοις.
Ἀρχὴ μέντοι παντὸς τοῦ λόγου Θαλῇ ἀνακείσθω.

Sim. (Brunnenfall) Th 19 (w. s.)

Th 241
Vit. 2.46.6–11 (cf. 8.49)
Τούτῳ τις, καθά φησιν Ἀριστοτέλης ἐν τρίτῳ Περὶ ποιητικῆς (Th 34), ἐφι-
λονείκει Ἀντίλοχος Λήμνιος [...]‧ Θάλητι δὲ Φερεκύδης (Th 3) [...].

Th 242
Vit. 8.1
Ἐπειδὴ δὲ τὴν Ἰωνικὴν φιλοσοφίαν τὴν ἀπὸ Θαλοῦ καὶ τοὺς ἐν ταύτῃ δι-
αγενομένους ἄνδρας ἀξιολόγους διεληλύθαμεν, φέρε καὶ περὶ τῆς Ἰταλικῆς
διαλάβωμεν.

Sim. (Ionische Schule) Th 147 (w. s.)


Diogenes Laertios 213

Th 239
Philosophenleben 1.122 B
Überleitung zur Ionischen Philosophie, die Thales einleitete, dessen Schüler
Anaximander war.

Th 240
Philosophenleben 2.4
(Anaximenes an Pythagoras) Thales hatte nach einem glücklichen Leben im
Alter keinen glücklichen Tod. Wie üblich ging er nachts mit seiner Magd
aus dem Hof heraus, um die Sterne zu beobachten. Da stürzte er bei seiner
Betrachtung in Gedanken versunken einen Abhang hinab. Das war für die
Milesier das Ende des Himmelskundlers. Wir aber, seine Schüler, wollen des
Mannes gedenken, und ebenso unsere Kinder und Schüler; außerdem wol-
len wir seine Lehren beherzigen. Ausgangspunkt einer jeden Untersuchung
soll Thales sein.

Th 241
Philosophenleben 2.46.6–11
Wie Aristoteles im dritten Buch Über die Dichtkunst [Über Dichter] sagt
(Th 34), polemisiert gegen diesen [Sokrates] ein gewisser Antilochos aus
Lemnos [...], gegen Thales aber Pherekydes (Th 3) [...].1

Th 242
Philosophenleben 8.1
Nach Abschluss der Ionischen Philosophie ab Thales Übergang zur Itali-
schen.

1 Vgl. hierzu: Schibli 1990, 13.


214 Diogenes Laertios – Porphyrios

Th 243
Vit. 9.18.14–16
Ἀντιδοξάσαι τε λέγεται (Th 6) Θαλῇ καὶ Πυθαγόρᾳ, καθάψασθαι δὲ καὶ
Ἐπιμενίδου.

Porphyrios
Th 244
In Aristotelis categorias 4.1.120.18–23 (ed. Busse)
Ἐπεὶ καὶ τὸ τὰς ἐκλείψεις τοῦ ἡλίου καὶ τῆς σελήνης γνῶναι καὶ προειπεῖν
ἔστιν μέν, ὥσπερ καὶ εὕρηται, πρὸ μέντοι Θαλοῦ οὐδέπω ἦν ὄντος τοῦ
ἐπιστητοῦ. ἀλλὰ τὸ μὲν ἐπιστητὸν ἀναιρεθὲν ἀνέλοι ἂν καὶ τὴν ἐπιστή-
μην, ἐπιστήμη δὲ ἀναιρεθεῖσα οὐκ ἂν ἀνέλοι τὸ ἐπιστητόν. πρότερον ἄρα
τὸ ἐπιστητόν, ὑστέρα δὲ ἡ ἐπιστήμη, πρός τι δὲ ὄντα, οὐχ ἅμα.

Sim. (Sonnenfinsternis) Th 10 (w. s.); (Relation von Wissbarem und Wissen)


Th 432, Th 433, Th 434, Th 435, Th 457, Th 468, Th 515, Th 534

Th 245
203 F Smith (vgl. Th 509) und 425 F Smith; s. Th 375 (Cyrillus contra Juli-
anum 1.38, 544D–545B)

Th 246
273 F Smith, s. Th 365 (Stob. Anth. 3.21.26)

Th 247
194bT Smith, s. Th 505 (Ibn an-Nadīm, Fihrist 245.12–15)

Th 248
204 F Smith, s. Th 500 (Ṣiwān al-ḥikma 176–187), s. Th 529 (Aš-Šahrastānī,
Kitāb al-milal wa-n-niḥal 2.167.9–13), Th 557 (Barhebräus, Weltgeschichte
51.1–8).
Diogenes Laertios – Porphyrios 215

Th 243
Philosophenleben 9.18.14–16
Den Lehren des Thales und des Pythagoras soll er (Xenophanes [Th 6])
widersprochen und Epimenides angegriffen haben.

Porphyrios (ca. 234–305/ 10 n. Chr.)


Th 244
Kommentar zu Aristoteles’ Kategorien 4.1.120.18–23 [Cat. 7b22–8a12]
Denn auch die Eklipsen von Sonne und Mond zu erkennen und vorher-
zusagen, ist möglich, wie es auch herausgefunden wurde. Vor Thales war
es freilich noch nicht möglich, obwohl es wissbar war. Indessen, wenn das
Wissbare aufgehoben wird, dürfte es auch das Wissen aufheben, wenn das
Wissen aber aufgehoben wird, dürfte es nicht das Wissbare aufheben. Vor-
her ist also das Wissbare, später das Wissen; sie sind relativ, aber nicht zu-
gleich.

Th 245
Kyrill zitiert Porphyrios, der in seiner Philosophiegeschichte den Bericht vom
Umlauf des goldenen Dreifußes wiedergibt.

Th 246
Thales (nach Porphyrios) als möglicher Autor des „Erkenne dich selbst“.

Th 247
Thales (nach Porphyrios) der erste der ‚Sieben Philosophen‘.

Th 248
Datierung des Thales (durch Porphyrios).
216 Iamblichos aus Chalkis

Iamblichos aus Chalkis


Th 249
Vita Pythagorae 2.11–12 (ed. v. Albrecht)
[...], μετὰ τούτου πρὸς τὸν Φερεκύδην διεπόρθμευε καὶ πρὸς Ἀναξίμαν-
δρον τὸν φυσικὸν καὶ πρὸς Θαλῆν εἰς Μίλητον, [12] καὶ παραγενόμενος
πρὸς ἕκαστον αὐτῶν ἀνὰ μέρος οὕτως ὡμίλησεν, ὥστε πάντας αὐτὸν
ἀγαπᾶν καὶ τὴν φύσιν αὐτοῦ θαυμάζειν καὶ ποιεῖσθαι τῶν λόγων κοι-
νωνόν. καὶ δὴ καὶ ὁ Θαλῆς ἄσμενος αὐτὸν προσήκατο, καὶ θαυμάσας τὴν
πρὸς τοὺς ἄλλους νέους παραλλαγήν, ὅτι μείζων τε καὶ ὑπερβεβηκυῖα ἦν
τὴν προφοιτήσασαν ἤδη δόξαν, μεταδούς τε ὅσων ἠδύνατο μαθημάτων,
τὸ γῆράς τε τὸ ἑαυτοῦ αἰτιασάμενος καὶ τὴν ἑαυτοῦ ἀσθένειαν προετρέ-
ψατο εἰς Αἴγυπτον διαπλεῦσαι καὶ τοῖς ἐν Μέμφει καὶ Διοσ〈πόλει〉 μάλιστα
συμβαλεῖν ἱερεῦσι‧ παρὰ γὰρ ἐκείνων καὶ ἑαυτὸν ἐφωδιάσθαι ταῦτα, δι᾽ ἃ
σοφὸς παρὰ τοῖς πολλοῖς νομίζεται. οὐ μὴν τοσούτων γε προτερημάτων
οὔτε φυσικῶς οὔτε ὑπ᾽ ἀσκήσεως ἐπιτετευχέναι ἑαυτὸν ἔλεγεν, ὅσων τὸν
Πυθαγόραν καθορᾶν‧ ὥστε ἐκ παντὸς εὐηγγελίζετο, εἰ τοῖς δηλουμένοις
ἱερεῦσι συγγένοιτο, θειότατον αὐτὸν καὶ σοφώτατον ὑπὲρ ἅπαντας ἔσε-
σθαι ἀνθρώπους.

Sim. (ägyptischer Einfluss) Th 92 (w. s.); (Lehrer des Pythagoras) Th 252

Th 250
Vita Pythagorae 3.13–14
Ὠφεληθεὶς οὖν παρὰ Θάλεω τά τε ἄλλα καὶ χρόνου μάλιστα φείδεσθαι, καὶ
χάριν τούτου οἰνοποσίᾳ τε καὶ κρεωφαγίᾳ καὶ ἔτι πρότερον πολυφαγίᾳ
ἀποταξάμενος, τῇ δὲ τῶν λεπτῶν καὶ εὐαναδότων ἐδωδῇ συμμετρηθείς,
κἀκ τούτου ὀλιγοϋπνίαν καὶ ἐπεγρίαν καὶ ψυχῆς καθαρότητα κτησάμε-
νος ὑγείαν τε ἀκριβεστάτην καὶ ἀπαρέγκλιτον τοῦ σώματος, ἐξέπλευσεν
εἰς τὴν Σιδόνα, φύσει τε αὑτοῦ πατρίδα πεπυσμένος εἶναι καὶ καλῶς οἰόμε-
νος ἐκεῖθεν αὑτῷ ῥᾴονα τὴν εἰς Αἴγυπτον ἔσεσθαι διάβασιν. [14] [...],
προσμαθών τε ὅτι ἄποικα τρόπον τινὰ καὶ ἀπόγονα τῶν ἐν Αἰγύπτῳ
ἱερῶν τὰ αὐτόθι ὑπάρχει, ἐκ τούτου τε ἐλπίσας καλλιόνων καὶ θειοτέρων
καὶ ἀκραιφνῶν μεθέξειν μυημάτων ἐν τῇ Αἰγύπτῳ, ἀγασθεὶς κατὰ τὰς
Θάλεω τοῦ διδασκάλου ὑποθήκας διεπορθμεύθη ἀμελλητὶ ὑπό τινων
Αἰγυπτίων πορθμέων καιριώτατα προσορμισάντων τοῖς ὑπὸ Κάρμηλον
τὸ Φοινικικὸν ὄρος αἰγιαλοῖς, ἔνθα ἐμόναζε τὰ πολλὰ ὁ Πυθαγόρας κατὰ
τὸ ἱερόν.
Iamblichos aus Chalkis 217

Iamblichos aus Chalkis (ca. 240–325 n. Chr.)


Th 249
Leben des Pythagoras 2.11–12
[...] mit diesem [Hermodamas] fuhr er [Pythagoras] übers Meer zu Phere-
kydes und zu Anaximander, dem Naturphilosophen, und zu Thales nach
Milet. [12] Und er hielt sich bei jedem von ihnen auf und pflegte jeweils
solchen Umgang, dass sie alle ihn lieb gewannen und seine natürliche An-
lage bewunderten und ihn an ihren Lehren teilnehmen ließen. Auch Thales
nahm ihn also bereitwillig auf und staunte über den Unterschied zu den
anderen Jugendlichen; denn er übertraf bei weitem den Ruf, der ihm schon
vorausgeeilt war. Er [Thales] gab ihm, soweit er vermochte, an den Wis-
senschaften Anteil, forderte ihn aber auf, indem er auf sein [Thales’] Alter
und seine schwache Gesundheit verwies, nach Ägypten zu segeln und vor
allem mit den Priestern in Memphis und in Diospolis zu verkehren. Denn
auch er selbst sei von jenen mit dem ausgestattet worden, aufgrund dessen
er bei der großen Menge als Weiser gelte. Indessen, so sagte er, sei er weder
von Natur noch durch Übung mit so vielen Vorzügen ausgestattet, wie er
sie bei Pythagoras wahrnehme. Daher verkündete er als ganz und gar gute
Nachricht: Wenn er [Pythagoras] mit den bezeichneten Priestern verkehre,
werde er der göttlichste und der weiseste vor allen Menschen sein.

Th 250
Leben des Pythagoras 3.13–14
Thales hatte ihn [Pythagoras] vor allem im Sparen der Zeit vorwärts ge-
bracht. Pythagoras fährt nun nach Sidon in Phönizien und lässt sich voll
Freude nach den Ratschlägen seines Lehrers Thales von ägyptischen Schiffs-
leuten übersetzen.
218 Iamblichos aus Chalkis

Th 251
Protrepticus 14.P72–73 (ed. Des Places)
Καὶ ταῦτα πάντα οὐδ᾽ ὅτι οὐκ οἶδεν, οἶδεν‧ οὐδὲ γὰρ αὐτῶν ἀπέχεται τοῦ
εὐδοκιμεῖν χάριν, ἀλλὰ τῷ ὄντι τὸ σῶμα μόνον ἐν τῇ πόλει κεῖται αὐτοῦ καὶ
ἐπιδημεῖ, ἡ δὲ διάνοια, ταῦτα πάντα ἡγησαμένη σμικρὰ [P 73] καὶ οὐδέν,
ἀτιμάσασα πανταχῇ πέτεται κατὰ Πίνδαρον τά τε γᾶς ὑπένερθε καὶ
τὰ ἐπίπεδα γεωμετροῦσα, οὐρανοῦ τε ὕπερ ἀστρονομοῦσα καὶ πᾶσαν
πάντῃ φύσιν ἐρευνωμένη τῶν ὄντων ἑκάστου ὅλου, εἰς τῶν ἐγγὺς οὐδὲν
ἑαυτὴν συγκαθιεῖσα. Ὥσπερ δὴ καὶ Θαλῆν ἀστρονομοῦντα καὶ ἀναβλέ-
ποντα πεσόντα εἰς φρέαρ Θρᾷττά τις ἐμμελὴς καὶ χαρίεσσα θεραπαινὶς
ἀποσκῶψαι λέγεται, ὡς τὰ μὲν ἐν οὐρανῷ προθυμοῖτο εἰδέναι, τὰ δὲ ὄπι-
σθεν αὐτοῦ καὶ παρὰ πόδας λανθάνοι αὐτόν. Ταὐτὸν δὲ ἀρκεῖ σκῶμμα
ἐπὶ πάντας ὅσοι ἐν φιλοσοφίᾳ διάγουσι. Τῷ γὰρ ὄντι τὸν τοιοῦτον ὁ μὲν
πλησίον καὶ ὁ γείτων λέληθεν, οὐ μόνον ὅ τι πράττει, ἀλλ᾽ ὀλίγου καὶ 〈εἰ〉
ἄνθρωπός ἐστιν ἤ τι ἄλλο θρέμμα‧ τί δή ποτ᾽ ἐστὶν ἄνθρωπος καὶ τί τῇ
τοιαύτῃ φύσει προσήκει διαφέρον τῶν ἄλλων ἢ ποιεῖν ἢ πάσχειν, ζητεῖ τε
καὶ πράγματ᾽ ἔχει διερευνώμενος.

Sim. (Brunnenfall) Th 19 (w. s.)

Th 252
De communi mathematica scientia 21 (ed. Klein)
Φασὶ τοίνυν ὡς Θαλῆς πρῶτος ἐξευρὼν οὐκ ὀλίγα τῶν ἐν γεωμετρίᾳ παρ-
έδωκε Πυθαγόρᾳ‧ ὥστε καὶ ὅσα παρειλήφαμεν μαθηματικὰ σκέμματα
Θαλοῦ, δικαίως ἂν αὐτὰ προσοικειώσαιμεν τῇ Πυθαγορείῳ μαθηματικῇ.

Sim. (Lehrer des Pythagoras) Th 249; (Urheber der Naturphilosophie und


Mathematik/Geometrie) Th 81 (w. s.)

Th 253
In Nicomachi arithmeticam introductionem 10–11 (ed. Klein)
Τὸ δὲ ποσόν, ὅπερ ἐστὶ τὸν ἀριθμόν, Θαλῆς μὲν μονάδων σύστημα ὡρί-
σατο (κατὰ τὸ Αἰγυπτιακὸν ἀρέσκον, ὅπου περ καὶ ἐφιλομάθησε).

Sim. (ägyptischer Einfluss) Th 92 (w. s.)


Iamblichos aus Chalkis 219

Th 251
Protrepticus 14.P72–73
Die Anekdote vom Brunnenfall des Thales (wörtliches Zitat von Th 19)
beleuchtet die Weltabgewandtheit des Philosophen. Er weiß nicht einmal,
dass er von all dem, was dort vorgeht, nichts weiß.

Th 252
Über die allgemeine mathematische Wissenschaft 21
Man sagt, dass Thales als Erster nicht wenig im Bereich der Geometrie her-
ausgefunden habe und es an Pythagoras weitergegeben habe; was wir daher
an mathematischen Betrachtungen [Sätzen] des Thales übernommen haben,
dürfen wir wohl zu Recht auch für die pythagoreische Mathematik rekla-
mieren.

Th 253
Über die Einführung in die Arithmetik des Nikomachos 10–11
Das ‚Wieviel‘ [die Quantität], d. h. die Zahl, definierte Thales als ‚Zusam-
menstellung von Monaden‘1 (entsprechend der ägyptischen Lehre, wo er ja
auch den Studien nachging).

1 Vgl. Aristoxenos Fr. 23 Wehrli2.


220 Laktanz

Laktanz
Th 254
Divinae institutiones 1.5.15–16 (ed. Heck/Wlosok)
Sed hactenus de poetis. ad philosophos ueniamus, quorum grauior est auc-
toritas certiusque iudicium, quia non rebus commenticiis, sed inuestigandae
ueritati studuisse creduntur. [16] Thales Milesius qui unus e septem sapien-
tium numero fuit quique primus omnium quaesisse de causis naturalibus
traditur, aquam esse dixit ex qua nata sint omnia, deum autem esse mentem
quae ex aqua cuncta formauerit. ita materiam rerum posuit in umore, prin-
cipium causamque nascendi constituit in deo.

Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.); (Prinzip Wasser) Th 29
(w. s.); (Gott [als Geist des Kosmos]) Th 72 (w. s.); (erster Weiser/Philosoph)
Th 29 (w. s.)

Th 255
Inst. 2.10.18
Heraclitus ex igni nata esse dixit omnia, Thales ex aqua. uterque uidit ali-
quid, sed errauit tamen uterque, quod alterutrum si solum fuisset, neque
aqua nasci posset ex igni neque rursus ignis ex aqua. sed est uerius simul ex
utroque permixto cuncta generari.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 256
Inst. 3.14.4–5
Sed ille ut hominem laudauit, qui tamen ob id ipsum deberet pro deo haberi,
quod sapere inuenerit. nam sic ait:
‚nonne decebit
hunc hominem numero diuum dignarier esse?‘
[5] unde apparet aut Pythagoram uoluisse laudare, qui se primus ut dixi
philosophum nominauit, aut Milesium Thalen, qui de rerum natura primus
traditur disputasse.

Sim. (erster Weiser/Philosoph) Th 29 (w. s.)


Laktanz 221

Laktanz (um 250–325 n. Chr.)


Th 254
Göttliche Unterweisungen 1.5.15–16
Die Zeugnisse der Dichter und Philosophen von Gott. Aber soweit zu den
Dichtern. Kommen wir zu den Philosophen, deren Autorität von größerem
Gewicht und deren Urteil zuverlässiger ist, weil man meint, dass sie sich
nicht um fiktive Dinge, sondern um die Erforschung der Wahrheit bemüht
haben. [16] Thales von Milet, der einer aus der Zahl der Sieben Weisen war
und der als Erster über die Ursachen in der Natur geforscht haben soll,
sagte, dass es das Wasser sei, aus dem alle Dinge entstanden seien, dass Gott
aber der Geist sei, der alles aus dem Wasser gebildet habe (vgl. Th 72). So
verlegte er den Stoff der Dinge in die Feuchtigkeit, und das Prinzip und die
Ursache ihrer Entstehung legte er in Gott.

Th 255
Göttliche Unterweisungen 2.10.18
Wärme und Feuchtigkeit als die von Gott geschaffenen Grundelemente der
Welt. Heraklit sagte, dass aus dem Feuer alle Dinge entstanden seien, Thales
aus dem Wasser. Jeder sah etwas, aber dennoch irrte jeder. Wenn nur ein
Element existiert hätte, könnte weder das Wasser aus dem Feuer, noch um-
gekehrt Feuer aus dem Wasser entstehen. Es ist aber wahrscheinlicher, dass
alle Dinge aus einer Mischung der beiden erzeugt werden.

Th 256
Göttliche Unterweisungen 3.14.4–6
Philosophie ist keine Weisheit. Aber er [Lukrez] pries ihn wie einen Men-
schen, der doch gerade deswegen für einen Gott gehalten werden müsste,
weil er die Weisheit fand; denn er sagt:
„wird sich’s nicht ziemen
dass in der Götter Zahl dieser Mann gewürdiget werde?“ [Lukrez, De re-
rum natura 5.50 f.]
Daher hat er offenbar entweder Pythagoras preisen wollen, der sich, wie
gesagt, als Erster Philosoph genannt hat, oder Thales von Milet, der sich als
Erster über die Natur der Dinge ausgelassen haben soll.
222 Laktanz – Arnobius der Ältere

Th257
Inst. 3.16.12–13
Praeterea illud quoque argumentum contra philosophiam ualet plurimum,
quo idem est usus Hortensius, ‘ex eo posse intellegi philosophiam non esse sa-
pientiam, quod principium et origo eius appareat’. [13] ‘quando’ inquit ‘philo-
sophi esse coeperunt? Thales ut opinor primus. recens haec quidem aetas’.

Sim. (erster Weiser/Philosoph) Th 29 (w. s.)

Th 258
Epitome divinarum institutionum 4.3 (ed. Heck/Wlosok, verfasst um 320
n. Chr.)
Longum est recensere, quae de summo deo uel Thales uel Pythagoras et
Anaximenes antea uel postmodum Stoici, Cleanthes et Chrysippus et Zeno,
uel nostrorum Seneca Stoicos secutus et ipse Tullius praedicauerint, cum
hi omnes et quid sit deus definire temptauerint et ab eo solo regi mundum
adfirmauerint nec ulli subiectum esse naturae, cum ab ipso sit omnis natura
generata.

Arnobius der Ältere


Th 259
Adversus nationes 2.9–10 (ed. Marchesi)
Nonne vestrum quicumque est huic vel illi credit auctoribus? non quod
sibi persuaserit quis verum dici ab altero velut quadam fidei astipulatione
tutatur? Qui cunctarum 〈rerum〉 originem 〈ignem〉 esse dicit aut aquam, non
Thaleti aut Heraclito credit? qui causam in numeris ponit, non Pythagorae
Samio, non Archytae? qui animam dividit et incorporales constituit formas,
non Platoni Socratico? [...]. [10] Ipsi demus principes et praedictarum pa-
tres sententiarum, nonne ea quae dicunt suis credita suspicionibus dicunt?
Vidit enim Heraclitus res ignium conversionibus fieri, concretione aquarum
Thales, Pythagoras numeros coire, incorporales formas Plato, individuo-
rum Democritus concursiones?

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (Aggregatzustände) Th 94 (w. s.)


Laktanz – Arnobius der Ältere 223

Th 257
Göttliche Unterweisungen 3.16.12–13
Der Vorzug der Weisheit vor der Philosophie. Außerdem hat das Argument,
das eben jener Hortensius verwendet [Fr. 52 Grilli], auch starkes Gewicht
gegenüber der Philosophie: Weil ihr Anfang und ihr Ursprung offensicht-
lich sei, könne ersehen werden, dass die Philosophie keine Weisheit sei.
„Wann“, sagte er, „traten die Philosophen auf? Thales war, wie ich vermute,
der Erste. Das ist noch nicht lange her.“

Th 258
Epitome der Göttlichen Unterweisungen 4.3
Es wäre zu weitläufig, durchzugehen, was Thales, Pythagoras, Anaxime-
nes zuvor oder später die Stoiker, Kleanthes, Chrysipp und Zenon, oder
von den Unsrigen in der Nachfolge der Stoiker, Seneca, und unser Tullius
[Cicero] selbst über den höchsten Gott behauptet haben. Sie alle haben ver-
sucht zu bestimmen, was Gott sei, und haben versichert, dass von ihm allein
die Welt regiert werde und dass er nicht Subjekt einer Natur sei, da von ihm
selbst jede Natur erschaffen sei.

Arnobius der Ältere (um 300 n. Chr.)


Th 259
Gegen die Heiden 2.9–10
Glaubt nicht ein jeder von euch diesem oder jenem Autor? Verteidigt nicht
einer das, wovon er überzeugt ist, dass es von einem anderen wahr gesagt
ist, mit einer gewissen glaubensgleichen Beistimmung? Wer sagt, dass aller
Dinge Ursprung das Feuer sei oder das Wasser, glaubt der nicht Thales oder
Heraklit? Wer die Ursache von allem in die Zahlen legt, nicht dem Samier
Pythagoras, nicht Archytas? Wer die Seele teilt und unkörperliche Formen
ansetzt, nicht dem Sokratiker Platon? […] [10] Sagen schließlich nicht die
Urheber und Väter der erwähnten Ansichten das, was sie sagen, weil sie an
ihre [eigenen] Vermutungen glauben? Sah denn Heraklit die Dinge aus den
Wandlungen des Feuers entstehen, Thales aus der Verdichtung des Wassers?
Sah Pythagoras die Zahlen sich vereinigen? Sah Platon die unkörperlichen
Formen, Demokrit das Zusammentreffen der Atome?
224 Eusebios von Kaisareia

Eusebios von Kaisareia

Th 260
Praeparatio Evangelica 1.7.16–8.3 (ed. DesPlaces), zitiert Plut. Strom. Fr.
179.1–40 Sandbach (Th 135)
Τούτῳ δ᾽ ἂν εὕροις συμφώνους καὶ τοὺς πλείστους τῶν παρ᾽ Ἕλλησι φι-
λοσόφων, ὧν ἐγώ σοι τὰς περὶ ἀρχῶν δόξας καὶ τὰς πρὸς ἀλλήλους δια-
στάσεις καὶ διαφωνίας, ἐκ στοχασμῶν, ἀλλ᾽ οὐκ ἀπὸ καταλήψεως ὁρμη-
θείσας, ἀπὸ τῶν Πλουτάρχου Στρωματέων ἐπὶ τοῦ παρόντος ἐκθήσομαι.
Σὺ δὲ μὴ παρέργως, σχολῇ δὲ καὶ μετὰ λογισμοῦ θέα τῶν δηλουμένων τὴν
πρὸς ἀλλήλους διάστασιν. [8.1] “Θάλητα πρῶτον πάντων φασὶν ἀρχὴν
τῶν ὅλων ὑποστήσασθαι τὸ ὕδωρ‧ ἐξ αὐτοῦ γὰρ εἶναι τὰ πάντα καὶ εἰς
αὐτὸ χωρεῖν. [2] Μεθ᾽ ὃν Ἀναξίμανδρον, Θάλητος ἑταῖρον γενόμενον, τὸ
ἄπειρον φάναι τὴν πᾶσαν αἰτίαν ἔχειν τῆς τοῦ παντὸς γενέσεώς τε καὶ
φθορᾶς, ἐξ οὗ δή φησι τούς τε οὐρανοὺς ἀποκεκρίσθαι καὶ καθόλου τοὺς
ἅπαντας ἀπείρους ὄντας κόσμους. Ἀπεφήνατο δὲ τὴν φθορὰν γίνεσθαι,
καὶ πολὺ πρότερον τὴν γένεσιν, ἐξ ἀπείρου αἰῶνος ἀνακυκλουμένων πά-
ντων αὐτῶν. Ὑπάρχειν δέ φησι τῷ μὲν σχήματι τὴν γῆν κυλινδροειδῆ,
ἔχειν δὲ τοσοῦτον βάθος ὅσον ἂν εἴη τρίτον πρὸς τὸ πλάτος. Φησὶ δὲ τὸ
ἐκ τοῦ ἀϊδίου γόνιμον θερμοῦ τε καὶ ψυχροῦ κατὰ τὴν γένεσιν τοῦδε τοῦ
κόσμου ἀποκριθῆναι καί τινα ἐκ τούτου φλογὸς σφαῖραν περιφυῆναι τῷ
περὶ τὴν γῆν ἀέρι ὡς τῷ δένδρῳ φλοιόν‧ ἧς ἀπορραγείσης καὶ εἴς τινας
ἀποκλεισθείσης κύκλους ὑποστῆναι τὸν ἥλιον καὶ τὴν σελήνην καὶ τοὺς
ἀστέρας. Ἔτι φησὶν ὅτι κατ᾽ ἀρχὰς ἐξ ἀλλοειδῶν ζῴων ὁ ἄνθρωπος ἐγεν-
νήθη ἐκ τοῦ τὰ μὲν ἄλλα δι᾽ ἑαυτῶν ταχὺ νέμεσθαι, μόνον δὲ τὸν ἄνθρω-
πον πολυχρονίου δεῖσθαι τιθηνήσεως‧ διὸ καὶ κατ᾽ ἀρχὰς οὐκ ἄν ποτε τοι-
οῦτον ὄντα διασωθῆναι. Ταῦτα μὲν οὖν ὁ Ἀναξίμανδρος. [3] Ἀναξιμένην
δέ φασι τὴν τῶν ὅλων ἀρχὴν τὸν ἀέρα εἰπεῖν καὶ τοῦτον εἶναι τῷ μὲν γέ-
νει ἄπειρον, ταῖς δὲ περὶ αὐτὸν ποιότησιν ὡρισμένον‧ γεννᾶσθαί τε πά-
ντα κατά τινα πύκνωσιν τούτου καὶ πάλιν ἀραίωσιν. Τήν γε μὴν κίνησιν
ἐξ αἰῶνος ὑπάρχειν‧ πιλουμένου δὲ τοῦ ἀέρος πρώτην γεγενῆσθαι λέγει
τὴν γῆν, πλατεῖαν μάλα‧ διὸ καὶ κατὰ λόγον αὐτὴν ἐποχεῖσθαι τῷ ἀέρι‧
καὶ τὸν ἥλιον καὶ τὴν σελήνην καὶ τὰ λοιπὰ ἄστρα τὴν ἀρχὴν τῆς γενέσεως
ἔχειν ἐκ γῆς. Ἀποφαίνεται γοῦν τὸν ἥλιον γῆν, διὰ δὲ τὴν ὀξεῖαν κίνησιν
καὶ μάλ᾽ ἱκανῶς θερμότητα [κίνησιν] λαβεῖν.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)


Eusebios von Kaisareia 225

Eusebios von Kaisareia


(vor 260–zw. 337 u. 340 n. Chr.)
Th 260
Evangelische Vorbereitung 1.7.16–8.3
Du wirst finden, dass die meisten griechischen Philosophen mit ihm [Dio-
dor] übereinstimmen. Ich werde dir ihre Prinzipienlehren mit ihren Diffe-
renzen und Unstimmigkeiten, die [bloßen] Vermutungen und nicht klarem
Verständnis entspringen, bei dieser Gelegenheit aus Plutarchs Stromateis
präsentieren. Du beachte sorgfältig und mit aufmerksamer Überlegung
die wechselseitigen Differenzen der zitierten Autoren. [8.1] Thales soll als
Erster das Wasser als Prinzip aller Dinge angesetzt haben; denn alles sei
aus ihm und kehre auch wieder dahin zurück. [2] Nach ihm [Thales] sage
Anaximander, der ein Gefährte des Thales war, dass das Unendliche die
gesamte Ursache für das Werden und Vergehen des Alls enthalte. Aus ihm,
sagt er, hätten sich alle Himmel ausgesondert und überhaupt alle Welten, die
unendlich seien. Er legte dar, dass das Vergehen und viel früher das Entste-
hen infolge eines unendlichen Zeitalters1 stattfinde, da sie sich alle im Kreis
herumbewegten. Die Erde, sagt er, habe die Form eines Zylinders, und ihre
Tiefe mache ein Drittel ihrer Breite aus. Er sagt, bei der Entstehung dieser
unserer Welt hätte sich aus dem Ewigen das, was Wärme und Kälte erzeugt,
abgesondert,2 und daraus sei eine Feuersphäre um die die Erde umgebende
Luft gewachsen, wie um einen Baum die Rinde. Als diese Sphäre geplatzt
war und in bestimmte Kreise eingeschlossen wurde, hätten sich Sonne,
Mond und Sterne gebildet. Außerdem sagt er, dass der Mensch anfangs aus
andersartigen Lebewesen geboren wurde; denn die anderen Lebewesen ver-
sorgten sich schnell selbst, nur der Mensch bedürfe einer langen Pflege.
Daher hätte er, wenn er anfangs von solcher Art gewesen wäre, auch nicht
überleben können. Soweit Anaximander. [3] Man behauptet, Anaximenes
sage, dass das Prinzip aller Dinge die Luft sei, und dass diese hinsichtlich ih-
rer Art unendlich, hinsichtlich ihrer Qualitäten aber definiert sei. Und alles
entstehe durch eine bestimmte Verdichtung bzw. Verdünnung eben dieser
Luft. Ihre Bewegung bestehe ewig. Er sagt aber, dass, nachdem sich die Luft
zusammengezogen habe, zunächst die Erde entstanden sei. Und diese sei
ganz flach. So sei es auch einsichtig, dass die Erde auf der Luft treibe. Die

1 Conche 1991, 148 ff. übersetzt αἰὼν ἄπειρος mit „force vitale infinie“.
2 Oder: was von Ewigkeit her Wärme und Kälte erzeugt; „at the beginning of this
world occured the separation-off of that in the Eternal which was productive of hot
and cold“ (Finkelberg 1993, 246).
226 Eusebios von Kaisareia

Th 261
PE 7.12.1
Θαλῆς μὲν ὁ Μιλήσιος ἀρχὴν τῶν ἁπάντων τὸ ὕδωρ εἶναι ἀπεφήνατο,
Ἀναξιμένης δὲ τὸν ἀέρα, Ἡράκλειτος τὸ πῦρ, Πυθαγόρας ἀριθμούς [...].

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 262
PE 10.4.17–18
Ὁ μὲν οὖν Πυθαγόρας τοιοῦτος. Πρώτη δ᾽ ἐκ τῆς τούτου διαδοχῆς ἡ κλη-
θεῖσα ἰταλικὴ φιλοσοφία συνέστη, τῆς ἐπωνυμίας ἐκ τῆς κατὰ τὴν Ἰταλίαν
διατριβῆς ἀξιωθεῖσα‧ μεθ᾽ ἣν ἡ ἀπὸ Θαλοῦ τοῦ τῶν ἑπτὰ σοφῶν ἑνὸς ἰω-
νικὴ προσαγορευθεῖσα‧ κἄπειτα ἡ Ἐλεατική, Ξενοφάνην τὸν Κολοφώνιον
πατέρα ἐπιγραψαμένη. [18] Ἀλλὰ καὶ ὁ Θαλῆς, ὥς τινες ἱστοροῦσι, Φοῖνιξ
ἦν, ὡς δέ τινες ὑπειλήφασι, Μιλήσιος‧ Αἰγυπτίων δὲ καὶ οὗτος λέγεται τοῖς
προφήταις συμβεβληκέναι.

Sim. (Ionische Schule) Th 147 (w. s.); (phönizische Abkunft) Th 12 (w. s.);


(ägyptischer Einfluss) Th 92 (w. s.)

Th 263
PE 10.7.10 (= Th 108)
Ἀλλὰ μὴν καὶ τοὺς περὶ τῶν οὐρανίων τε καὶ θείων πρώτους παρ᾽ Ἕλλησι
φιλοσοφήσαντας, οἷον Φερεκύδην τε τὸν Σύριον καὶ Πυθαγόραν καὶ Θά-
λητα, πάντες συμφώνως ὁμολογοῦσιν Αἰγυπτίων καὶ Χαλδαίων γενομέ-
νους μαθητὰς ὀλίγα συγγράψαι‧ καὶ ταῦτα τοῖς Ἕλλησιν εἶναι δοκεῖ πάν-
των ἀρχαιότατα καὶ μόλις αὐτὰ πιστεύουσιν ὑπ᾽ ἐκείνων γεγράφθαι.

Sim. (ägyptischer Einfluss) Th 92 (w. s.); (Schrift) Th 88 (w. s.)


Eusebios von Kaisareia 227

Sonne, der Mond und die übrigen Gestirne hätten den Anfang ihrer Entste-
hung aus der Erde. Er behauptet wenigstens, dass die Sonne Erde sei, infolge
ihrer schnellen Bewegung aber erhalte sie hinreichend Hitze.

Th 261
Evangelische Vorbereitung 7.12.1
Thales aus Milet legte dar, dass das Wasser das Prinzip aller Dinge sei, Ana-
ximenes aber [legte dar, dass] die Luft [das Prinzip sei], Heraklit das Feuer,
Pythagoras die Zahlen [...].

Th 262
Evangelische Vorbereitung 10.4.17–18
Die griechischen Philosophen haben ihre Weisheit aus dem ‘Osten’. [...] [18]
Aber Thales war, wie einige berichten, Phönizier, wie andere wieder ver-
mutet haben, Milesier. Er soll auch mit den Priestern der Ägypter zusam-
mengekommen sein.

Th 263
Evangelische Vorbereitung 10.7.10 (Zitat aus Josephos)
Aber die über himmlische und göttliche Dinge als Erste bei den Griechen
philosophiert haben, wie Pherekydes von Syros und Pythagoras und Tha-
les, diese waren nach einhelliger Meinung Schüler der Ägypter und Chal-
däer und haben wenig geschrieben. Diese Schriften sind in den Augen der
Griechen die ältesten von allen und man hält sie kaum für authentisch.
228 Eusebios von Kaisareia

Th 264
PE 10.11.34 (= Th 176)
Καὶ δὴ τούτων οὕτως ἀποδεδειγμένων διὰ βραχέων ἔτι καὶ περὶ τῆς τῶν
ἑπτὰ σοφῶν ἡλικίας ἀναγράψομεν. Τοῦ γὰρ πρεσβυτάτου τῶν προειρη-
μένων Θάλητος γενομένου περὶ τὴν πεντηκοστὴν Ὀλυμπιάδα καὶ τὰ περὶ
τῶν μετ᾽ αὐτὸν σχεδὸν ἡμῖν συντόμως εἴρηται.

Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th  20 (w.  s.); (Datierung) Th  171
(w. s.)

Th 265
PE 10.14.10–12
Τούτων δὴ τῶν ἑπτὰ Θαλῆς ὁ Μιλήσιος φυσικὸς πρῶτος Ἑλλήνων γε-
γονὼς περὶ τροπῶν ἡλίου καὶ ἐκλείψεως καὶ φωτισμῶν σελήνης καὶ ἰση-
μερίας διελέχθη‧ ἐγένετο δ᾽ ὁ ἀνὴρ ἐπισημότατος ἐν τοῖς Ἕλλησι. [11] Θά-
λεω δὲ γίνεται ἀκουστὴς Ἀναξίμανδρος, Πραξιάδου μὲν παῖς, γένος δὲ καὶ
αὐτὸς Μιλήσιος. Οὗτος πρῶτος γνώμονας κατεσκεύασε πρὸς διάγνωσιν
τροπῶν τε ἡλίου καὶ χρόνων καὶ ὡρῶν καὶ ἰσημερίας. [12] Ἀναξιμάνδρου
δὲ γνώριμος ἐγένετο Ἀναξιμένης Εὐρυστράτου Μιλήσιος‧ τούτου δὲ Ἀνα-
ξαγόρας Ἡγησιβούλου Κλαζομένιος.

Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.); (Urheber der Natur-
philosophie) Th 81 (w. s.); (Sonnenbahn/Sonnenwenden) Th 93 (w. s.); (Son-
nenfinsternis) Th 10 (w. s.); (Mondfinsternis/ Mondphasen) Th 178 (w. s.);
(Tag-und-Nacht-Gleiche) Th 525, Th 538

Th 266
PE 10.14.16
Τούτου δὲ Λεύκιππος ἀκουστὴς γέγονε, Λευκίππου δὲ Δημόκριτος, οὗ
Πρωταγόρας, καθ᾽ ὃν ἤκμασε Σωκράτης. Καὶ ἄλλους δὲ σποράδην ἔστιν
εὑρεῖν φυσικοὺς φιλοσόφους πρὸ Σωκράτους γενομένους‧ πλὴν ἀλλὰ
πάντες ἀπὸ Θαλοῦ ἀρξάμενοι κατώτεροι Κύρου τοῦ Περσῶν βασιλέως
φαίνονται ἠκμακότες. Ὁ δὲ Κῦρος μετὰ πλεῖστον τῆς εἰς Βαβυλῶνα αἰχμα-
λωσίας τοῦ Ἰουδαίων ἔθνους δῆλός ἐστι γεγονώς.

Sim. (Datierung) Th 171 (w. s.)


Eusebios von Kaisareia 229

Th 264
Evangelische Vorbereitung 10.11.34 (Zitat aus Tatian)
Die Vorgängigkeit von Moses und den Propheten. Nach diesen Beweisen
will ich auch noch kurz auf die Lebenszeit der Sieben Weisen eingehen. Da
der älteste von ihnen, Thales, um die fünfzigste Olympiade [580/79–577/6]
lebte, ist auch über seine Nachfolger ganz allgemein bereits gesprochen.

Th 265
Evangelische Vorbereitung 10.14.10–12
Ein Blick auf alle, die nach Moses kamen. Unter diesen Sieben Weisen hat
Thales aus Milet als erster Naturphilosoph der Griechen die Wenden der
Sonne, die Eklipse, die Mondphasen und die Tag-und-Nacht-Gleiche er-
örtert. Er war der herausragendste Mann bei den Griechen. [11] Hörer des
Thales aber war Anaximander, Sohn des Praxiades, seiner Abstammung
nach aber auch selbst ein Milesier. Dieser richtete als Erster Gnomones ein
zur Erkenntnis der Wenden der Sonne und der Zeitdauer, der Jahreszeiten
und der Tag-und-Nacht-Gleiche. [12] Ein Bekannter [Freund] des Anaxi-
mander aber war Anaximenes, der Sohn des Eurystratos, der Milesier; von
ihm aber [war ein Bekannter (Freund)] Anaxagoras, der Sohn des Hegesi-
bulos, der Klazomenier.

Th 266
Evangelische Vorbereitung 10.14.16
Alle Naturphilosophen vor Sokrates, angefangen bei Thales, haben später als
der Perserkönig Kyros ihre Blütezeit gehabt. Der wiederum lebte lange nach
der Babylonischen Gefangenschaft des jüdischen Volkes.
230 Eusebios von Kaisareia

Th 267
PE 11.2.2–3
Ὅτι μὲν Πλάτων πρῶτος καὶ μάλιστα συναγείρας εἰς ἓν πάντα τὰ τῆς φι-
λοσοφίας μέρη, τέως ἐσκεδασμένα καὶ διερριμμένα ὥσπερ τὰ τοῦ Πενθέως
μέλη, καθάπερ εἶπέ τις, σῶμά τι καὶ ζῷον ὁλόκληρον ἀπέφηνε τὴν φιλοσο-
φίαν, δῆλα παντὶ λεγόμενα. [3] Οὔτε γὰρ οἱ περὶ Θαλῆν καὶ Ἀναξιμένην
καὶ Ἀναξαγόραν καὶ ὅσοι κατὰ ταὐτὸ γεγόνασι τούτοις ἀγνοοῦνται περὶ
μόνην τὴν ὑπὲρ τῆς φύσεως τῶν ὄντων σκέψιν διατρίψαντες.

Th 268
PE 11.3.1
Ἐφιλοσόφησε δὲ Πλάτων, εἰ καί τις ἄλλος τῶν πώποτε, γνησίως καὶ τε-
λείως. Οἱ μὲν γὰρ ἀπὸ Θάλεω φυσιολογοῦντες διετέλεσαν, οἱ δὲ περὶ Πυ-
θαγόραν ἐπεκρύψαντο πάντα.

Th 269
PE 12.29.4–5 (= Th 19)
Πῶς τοῦτο λέγεις, ὦ Σώκρατες; Ὥσπερ καὶ Θαλῆν ἀστρονομοῦντα, ὦ
Θεόδωρε, καὶ ἄνω βλέποντα πεσόντα εἰς φρέαρ Θρᾷττά τις ἐμμελὴς καὶ
χαρίεσσα θεραπαινὶς ἀποσκῶψαι λέγεται ὡς τὰ μὲν ἐν οὐρανῷ προθυ-
μοῖτο εἰδέναι, τὰ δὲ ὄπισθεν αὐτοῦ καὶ παρὰ πόδας λανθάνοι αὐτόν. [5]
Ταὐτὸν δὲ ἀρκεῖ σκῶμμα ἐπὶ πάντας ὅσοι ἐν φιλοσοφίᾳ διάγουσι. Τῷ γὰρ
ὄντι τὸν τοιοῦτον ὁ μὲν πλησίον καὶ ὁ γείτων λέληθεν, οὐ μόνον ὅ τι πράτ-
τει, ἀλλ᾽ ὀλίγου καὶ εἰ ἄνθρωπός ἐστιν ἤ τι ἄλλο θρέμμα· τί δέ ποτ᾽ ἐστὶν
ἄνθρωπος καὶ τί τῇ τοιαύτῃ φύσει προσήκει διἁφορον τῶν ἄλλων ποιεῖν
ἢ πάσχειν ζητεῖ τε καὶ πράγματ᾽ ἔχει διερευνώμενος. Μανθάνεις γάρ που,
ὦ Θεόδωρε, ἢ οὔ.

Sim. (Brunnenfall) Th 19 (w. s.)

Th 270
PE 12.49.6 (= Th 22)
Ἀλλ᾽ οἷα δὴ εἰς τὰ ἔργα σοφοῦ ἀνδρὸς πολλαὶ ἐπίνοιαι καὶ εὐμήχανοι εἰς
τέχνας ἤ τινας ἄλλας πράξεις λέγονται, ὥσπερ αὖ Θάλεώ τε πέρι τοῦ Μι-
λησίου καὶ Ἀναχάρσιδος τοῦ Σκύθου; Οὐδαμῶς τοιοῦτον οὐθέν.
Eusebios von Kaisareia 231

Th 267
Evangelische Vorbereitung (aus Attikos, s. Th 169) 11.2.2–3
Platon hat die Teile der Philosophie vereinigt. Thales, Anaximenes, Anaxa-
goras und deren Zeitgenossen haben sich nur mit Naturphilosophie beschäf-
tigt.

Th 268
Evangelische Vorbereitung (aus Aristokles, s. Th 97) 11.3.1
Wenn überhaupt einer, so philosophierte Platon wahrhaft und vollgültig.
Thales nämlich und seine Schule haben nur Naturphilosophie betrieben, die
um Pythagoras aber haben alles verschleiert.

Th 269
Evangelische Vorbereitung 12.29.4–5
Platons Übereinstimmung mit den Hebräern. Seine Sicht des wahren Phi-
losophen aus dem Theaitetos wird zitiert. Dabei die Anekdote vom Brun-
nenfall (Th 19).

Th 270
Evangelische Vorbereitung 12.49.6
Die Homerkritik im 10. Buch von Platons Staat. Dabei der Vergleich mit
Thales und Anacharsis (Th 22).
232 Eusebios von Kaisareia

Th 271
PE 14.14.1 (~ Th 147)
“Θαλῆς ὁ Μιλήσιος,” εἷς τῶν ἑπτὰ σοφῶν, “ἀρχὴν τῶν ὄντων ἀπεφήνατο
εἶναι τὸ ὕδωρ· δοκεῖ δὲ ὁ ἀνὴρ οὗτος ἄρξαι τῆς φιλοσοφίας καὶ ἀπ᾽ αὐτοῦ ἡ
ἰωνικὴ αἵρεσις προσηγορεύθη‧ ἐγένοντο γὰρ πλεῖσται διαδοχαί. Φιλοσο-
φήσας δὲ ἐν Αἰγύπτῳ πρεσβύτερος ἦλθεν εἰς Μίλητον. Ἐξ ὕδατος δέ φησι
πάντα εἶναι καὶ εἰς ὕδωρ πάντα ἀναλύεσθαι. στοχάζεται δὲ ἐκ τούτου
πρώτου ὅτι πάντων ζῴων ἡ γονὴ ἀρχή ἐστιν, ὑγρὰ οὐσία‧ οὕτως εἰκὸς
καὶ τὰ πάντα ἐξ ὑγροῦ τὴν ἀρχὴν ἔχειν· δεύτερον‧ πάντα τὰ φυτὰ ὑγρῷ
τρέφεταί τε καὶ καρποφορεῖ, ἀμοιροῦντα δὲ ξηραίνεται· τρίτον δέ, ὅτι καὶ
αὐτὸ τὸ πῦρ τὸ τοῦ ἡλίου καὶ τῶν ἄστρων ταῖς τῶν ὑδάτων ἀναθυμι-
άσεσι τρέφεται καὶ αὐτὸς ὁ κόσμος· διὰ τοῦτο καὶ Ὅμηρος ταύτην τὴν
γνώμην ὑποτίθεται περὶ τοῦ ὕδατος‧ Ὠκεανόν, ὅσπερ γένεσις πάντεσσι
τέτυκται”· ταῦτα μὲν ὁ Θαλῆς.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (Ionische Schule) Th 147 (w. s.); (ägypti-
scher Einfluss) Th 92 (w. s.); (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.);
(erster Weiser/Philosoph) Th  29 (w.  s.); (Wasserhypothese geht auf erste
Theologen/Homer zurück) Th 29 (w. s.)

Th 272
PE 14.16.6
Θαλῆς τὸν κόσμον εἶναι τὸν θεόν.

Sim. (Gott [als Geist des Kosmos]) Th 72 (w. s.)

Th 273
PE 15.29.3 (= Th 159)
Θαλῆς καὶ οἱ ἀπ᾽ αὐτοῦ ἀπὸ τοῦ ἡλίου φωτίζεσθαι τὴν σελήνην.

Sim. (Licht des Mondes) Th 159 (w. s.)


Eusebios von Kaisareia 233

Th 271
Eusebios zitiert in den folgenden Passagen aus Pseudo-Plutarch u. a. zu Tha-
les, um die Diaphonie der Naturphilosophen zu belegen.

Evangelische Vorbereitung 14.14.1


„Thales aus Milet“, einer der Sieben Weisen, „legte dar, dass das Prinzip
alles Seienden das Wasser ist. Es scheint aber dieser Mann der Archeget der
Philosophie gewesen zu sein, und nach ihm erhielt die Ionische Schule ihren
Namen; denn es entstanden sehr viele Schulen [der Philosophie]. Nach-
dem er in Ägypten philosophiert hatte, kam er in höherem Alter nach Milet
zurück. Aus dem Wasser, so sagt er, sei alles und in Wasser löse sich alles
wieder auf. Er schließt dies zunächst aus der Tatsache, dass der Same, eine
feuchte Substanz, das Prinzip aller Lebewesen ist. So ist es wahrscheinlich,
dass alle Dinge ihr Prinzip aus dem Feuchten haben. Zweitens [schließt er
dies aus der Tatsache], dass alle Pflanzen dank des Feuchten ernährt werden
und Frucht tragen, aber vertrocknen, wenn sie keinen Anteil [am Feuchten]
haben. Drittens [schließt er dies aus der Tatsache], dass auch das Feuer der
Sonne selbst und das der Gestirne durch die Ausdünstungen der Wasser er-
nährt werden, ebenso der Kosmos. Daher äußert auch Homer diese Ansicht
über das Wasser: „Der Okeanos, der der Ursprung von allem ist.“1 Soweit
Thales.

Th 272
Evangelische Vorbereitung 14.16.6
Thales sagte, dass der Kosmos Gott sei (vgl. Th 149).

Th 273
Evangelische Vorbereitung 15.29.3
Thales und seine Schule nehmen an, dass der Mond von der Sonne beleuch-
tet wird.2

1 Ilias 14.246.
2 Vgl. hierzu Panchenko 2002, 223–36.
234 Eusebios von Kaisareia

Th 274
PE 15.30.1 (= Th 157)
Θαλῆς γεώδη μέν, ἔμπυρα δὲ τὰ ἄστρα.

Sim. (Natur der Gestirne) Th 157 (w. s.)

Th 275
PE 15.43.2 (= Th 150)
Θαλῆς, Πυθαγόρας, Πλάτων, οἱ Στωϊκοὶ δαίμονας ὑπάρχειν οὐσίας ψυχι-
κάς‧ εἶναι δὲ καὶ ἥρωας τὰς κεχωρισμένας ψυχὰς τῶν σωμάτων, καὶ ἀγα-
θοὺς μὲν τὰς ἀγαθάς, κακοὺς δὲ τὰς φαύλας.

Sim. (Dämonen, Heroen) Th 150 (w. s.)

Th 276
PE 15.44.2 (~ Th 151)
Οἱ ἀπὸ Θάλεω καὶ Πυθαγόρα καὶ οἱ Στωϊκοὶ τρεπτὴν καὶ ἀλλοιωτὴν καὶ
ῥευστὴν ὅλην δι᾽ ὅλων τὴν ὕλην.

Sim. (Materie) Th 151 (w. s.)

Th 277
PE 15.50.1 (~ Th 158)
Θαλῆς πρῶτος ἔφη ἐκλείπειν τὸν ἥλιον τῆς σελήνης αὐτὸν ὑπερχομένης
κατὰ κάθετον, οὔσης φύσει γεώδους‧ βλέπεσθαι δὲ τοῦτο κατοπτρικῶς,
ὑποτιθεμένῳ1 τῷ δίσκῳ.

Sim. (Sonnenfinsternis) Th 10 (w. s.); (Beschaffenheit der Sonne/ des Mon-


des) Th 158 (w. s.)

1 Ich lese ὑποτιθεμένῳ anstelle des überlieferten ὑποτιθεμένην. Vgl. zu Th 158.


Eusebios von Kaisareia 235

Th 274
Evangelische Vorbereitung 15.30.1
Nach Thales sind die Gestirne erdartig und feurig.

Th 275
Evangelische Vorbereitung 15.43.2
Thales, Pythagoras, Platon und die Stoiker nehmen an, dass die Dämo-
nen seelische Substanzen seien. Die Heroen aber seien von den Körpern
getrennte Seelen und zwar gute, wenn die Seele gut, schlechte, wenn sie
schlecht ist.

Th 276
Evangelische Vorbereitung 15.44.2
Thales und seine Schule, Pythagoras und seine Schule und die Stoiker sagen,
dass die Materie umwandelbar, veränderbar, modifizierbar und im Fluss in
ihrem ganzen Umfange sei.

Th 277
Evangelische Vorbereitung 15.50.1
Thales sagte als Erster, dass sich die Sonne verfinstere, wenn der von Natur
erdartige Mond senkrecht unter ihr geht; man beobachtet das im Spiegel-
bild, indem man die [mit einer Flüssigkeit gefüllte] Schale unten hinlegt.
236 Eusebios von Kaisareia

Th 278
PE 15.55.1 (= Th 160)
Θαλῆς καὶ οἱ ἀπ᾽ αὐτοῦ μίαν εἶναι τὴν γῆν.

Sim. (eine Erde) Th 160 (w. s.)

Th 279
PE 15.56.1 (~ Th 161)
Θαλῆς καὶ οἱ Στωϊκοὶ σφαιροειδῆ τὴν γῆν.

Sim. (kugelförmige Erde) Th 161 (w. s.)

Th 280
PE 15.57.1 (= Th 162)
Οἱ ἀπὸ Θάλεω τὴν γῆν μέσην.

Th 281
Chronica 13.19–14.1 (ed. Helm)

Th 282
Chron. 88b.19(k) s. Hier. Chron. Th 305

Th 283
Chron. 96a.9–12(b) s. Hier. Chron. Th 306

Th 284
Chron. 100b.25(f) s. Hier. Chron. Th 307
Eusebios von Kaisareia 237

Th 278
Evangelische Vorbereitung 15.55.1
Thales und seine Schule nahmen an, dass es eine Erde gebe.

Th 279
Evangelische Vorbereitung 15.56.1
Thales und die Stoiker nahmen an, dass die Erde kugelförmig sei.1

Th 280
Evangelische Vorbereitung 15.57.1
Thales und seine Schule nahmen an, dass die Erde im Zentrum sei (vgl.
Th 162).

Th 281
Die Chronik des Eusebius ist griechisch fragmentarisch überliefert, der
zweite Teil des Werkes in einer lateinischen Bearbeitung des Hieronymus,
s. Th 304–8. Vollständig liegt die Chronik nur in einer armenischen Über-
setzung des 6. Jh.s vor, s. Anm. zu Th 306 und Th 308.

Th 282
Chronik zum Jahr 747 v. Chr.

Th 283
Chronik zum Jahr 640 v. Chr.

Th 284
Chronik zum Jahr 586 v. Chr.

1 Vgl. hierzu O’Grady 2002, 95 ff. (Argumente für eine Zuweisung dieser Theorie an
Thales).
238 Eusebios von Kaisareia – Chalcidius

Th 285
Chron. 103b.12(h) s. Hier. Chron. Th 308

Pseudo-Valerius Probus (scripta Probiana)

Th 286
Commentarius in Bucolica 6.31 (ed. Thilo)
Sunt qui singulis elementis principia adsignaverunt: Parmenides Eleates
terram, Hippasus Metapontinus et Heraclitus Ephesius, qui σκοτεινός ap-
pellatur, ignem, Anaximenes Lampsacenus, qui primus existimatur physica
induxisse, aerem, Thales Milesius, magister eius, aquam. Hanc quidem Tha-
letis opinionem ab Hesiodo putant manare, qui dixerit: ἤτοι μὲν πρώτιστα
Χάος γένετ᾽, αὐτὰρ ἔπειτα.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (Wasserhypothese geht auf erste Theolo-
gen/Homer zurück) Th 29 (w. s.)

Chalcidius
Th 287
Commentarius in Platonis Timaeum 280 (ed. Waszink)
CCLXXX. Sed hi quidem omnes informem eam et sine ulla qualitate con-
stituunt, alii formam dederunt, ut Thales, quem ferunt ante omnes naturalia
esse secreta rimatum, cum initium rerum aquam esse dicat, opinor ideo
quod omnem uictum quo utuntur quae uiuunt humectum uideret; inque
eadem sententia Homerus esse inuenitur, cum Oceanum et Tethyn dicat
parentes esse geniturae, cumque iusiurandum deorum constituat aquam,
quam quidem ipse appellat Stygem, antiquitati tribuens reuerentiam et iu-
reiurando nihil constituens reuerentius. At uero Anaximenes aera iudicans
initium rerum, initium quoque corporum ceterorum et ipsius aquae, non
consentit Heraclito caput rerum ignem putanti.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (erster Weiser/Philosoph) Th 29 (w. s.);


(Wasserhypothese geht auf erste Theologen/Homer zurück) Th 29 (w. s.)
Eusebios von Kaisareia – Chalcidius 239

Th 285
Chronik zum Jahr 548 v. Chr.

Pseudo-Valerius Probus (scripta Probiana)


(4. Jh. n. Chr.)
Th 286
Kommentar zu Vergils Eklogen 6.31
Einige haben die Prinzipien den einzelnen Elementen zugewiesen: Parme-
nides aus Elea die Erde, Hippasos von Metapont und Heraklit von Ephe-
sos, der σκοτεινός [der Dunkle] genannt wird, das Feuer, Anaximenes aus
Lampsakos,1 der als Erster die Naturphilosophie eingeführt haben soll, die
Luft, Thales aus Milet, sein Lehrer, das Wasser. Diese Ansicht des Thales soll
von Hesiod herrühren, der sagte: ἤτοι μὲν πρώτιστα Χάος γένετ᾽, αὐτὰρ
ἔπειτα. [„Wahrlich, am Anfang entstand das Chaos, danach aber..“]2.

Chalcidius (4. Jh. n. Chr.)


Th 287
Kommentar zu Platons Timaios 280 [51A7]
Aber diese [Pythagoras, Platon, Aristoteles, die Stoiker] bestimmen freilich
alle die Materie als formlos und ohne jede Qualität, andere haben [ihr] eine
Form gegeben, wie Thales, der vor allen die Geheimnisse der Natur durch-
forscht haben soll. Er sagt, das Prinzip der Dinge sei das Wasser, vermutlich
weil er sah, dass alle Nahrung, auf die die Lebewesen zurückgreifen, feucht
ist. Dieselbe Ansicht findet man bei Homer, wenn er sagt, dass Okeanos und
Tethys die Eltern der „[Welt]entstehung“ seien [Ilias 14.201], und wenn er
als den Eid[gegenstand] der Götter das Wasser bestimmt, das er selbst Styx
nennt [Ilias 15.37], wobei er dem Alter Verehrung zuweist und bestimmt,
dass nichts verehrungswürdiger ist als der Eid. Anaximenes hat dagegen ge-
urteilt, dass die Luft das Prinzip der Dinge sei, das Prinzip auch der übrigen

1 Verwechslung mit dem Redner aus dem 4. Jh. v. Chr.


2 Hesiod, Theogonie 116. Vgl. Th 532, Th 583.
240 Chalcidius

Th 288
In Tim. 325
CCCXXV. Sumpsit tamen, quo perfectius tractaret de mutua elemento-
rum ex alio in aliud conuersione. Ait enim: Atque ita circuitu quodam uires
fomentaque generationis corporibus inuicem sibi mutuantibus nec in una
eademque forma perseuerantibus quae tandem erit certa eorum et a cuncta-
tione semota comprehensio?   Nulla certe.   Merito; fingamus enim esse hunc
ignem sincerum et sine ullius materiae permixtione, ut putat Heraclitus, uel
aquam, ut Thales, uel aera, ut Anaximenes: „haec“, inquit, „si semper eadem
immutabilia censeamus, multos et inextricabiles incurremus errores.“

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (Aggregatzustände) Th 94 (w. s.)

Th 289
In Tim. 332
CCCXXXII. Et concludit asserens omne quod bene atque affabre recep-
turum erit formas informe esse debere purumque ab his omnibus quae erit
recepturum, hoc est, sine figura et sine colore, odore etiam et ceteris quae
corporis naturam sequuntur. Etenim si erit, inquit, alicuius eorum quae in
se recipit simile receptaculum, cum quid obueniet dissimile his quibus si-
mile est, discordabit, opinor, 〈uultus eius cum introgressi corporis〉 uultu
nullamque exprimet similitudinem. Quod dicit tale est: si aqua sit uniuersae
rei silua siue substantia, ut Thales censet, habebit certe qualitates naturae
suae proprias, quae numquam ab ea recedent, sed si necesse sit eam a natura
sua declinare aliquatenus et ignescere, suscipiet certe rursum igneas quali-
tates. Humecta et ignea contrariae sibi sunt, quippe alterius humor et frigus
propria sunt, alterius siccitas et calor. „Haec ergo“, inquit, „diversa sibi et
repugnantia non patientur alterius sinceram exprimi qualitatem, cum calor
quidem frigus inpugnet, siccitas demum interimat umorem“.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (Aggregatzustände) Th 94 (w. s.)


Chalcidius 241

Körper und selbst des Wassers, wobei er nicht mit Heraklit übereinstimmt,
der das Feuer für das Prinzip der Dinge hält.

Th 288
Kommentar zu Platons Timaios 325 [49D]
Im Kreislauf der Elemente (Thales’ Wasser) erscheint keines je in derselben
Gestalt. [...] Nehmen wir einmal an, dass dieses Feuer rein und ohne irgend-
eine materielle Beimischung sei, wie es Heraklit glaubt, oder das Wasser, wie
Thales [es glaubt], oder die Luft, wie Anaximenes [es glaubt]: „Wenn wir
der Meinung sind“, sagt er [Platon], „dass sie immer unveränderlich bleiben,
geraten wir in zahlreiche unauflösbare Irrtümer.“

Th 289
Kommentar zu Platons Timaios 332 [50E]
Das receptaculum, das alles aufnimmt, ohne je auf irgendeine Weise eine
Gestalt zu bekommen, die mit etwas von dem, was in sie eintritt, ähnlich ist
[Timaios 50B]. [...] Was er sagt, ist derart: Wenn Wasser das Material oder
die Substanz eines jeden Dinges sein sollte, wie Thales meint, wird es si-
cherlich für seine Natur spezifische Qualitäten besitzen, die niemals an ihm
verschwinden, aber wenn es notwendig sein sollte, dass es von seiner Natur
bis zu einem gewissen Grade abweicht und zu Feuer wird, dann wird es
sicherlich wiederum Qualitäten des Feuers annehmen. Das Feuchte und das
Feurige sind einander entgegengesetzt, da ja Feuchtigkeit und Kälte Eigen-
schaften des einen, Trockenheit und Wärme Eigenschaften des anderen sind.
„Diese verschiedenen und einander widerstreitenden Eigenschaften wer-
den es also nicht zulassen“, sagt Platon, „dass die Qualität des anderen rein
zum Ausdruck gelangt, da die Wärme die Kälte bekämpft, die Trockenheit
schließlich der Feuchtigkeit ein Ende macht“.
242 Pseudo-Ausonius – Pseudo-Justinus Martyr

Pseudo-Ausonius
Th 290
Appendix A, Moralia varia, 2. De septem sapientibus ex Graeco (676 ed.
Green)
Septenis patriam sapientum nomina voces
versibus expediam; sua quemque monosticha dicent.
Chilo, cui patria est Lacedaemon, ‘noscere se ipsum’.
Periander, ‘trepidam moderare’, Corinthius, ‘iram’.
ex Mitylenaeis, ‘nimium nil’, Pittacus oris.
‘mensuram optimum’ ait Cleobulus Lindius ‘in re’.
exspectare Solon finem docet ortus Athenis,
plures esse Bias pravos, quem clara Priene,
Mileti fugisse Thales vadimonia alumnus.

Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.); (Spruchweisheit) Th 89
(w. s.)

Pseudo-Justinus Martyr
Th 291
Cohortatio ad Graecos 3.1–2   (ed. Marcovich)
Οὐκοῦν ἐπειδήπερ ἀπὸ τῶν παλαιῶν καὶ πρώτων 〈σοφῶν〉 ἄρξασθαι
προσήκει, ἐντεῦθεν ἀρξάμενος τὴν ἑκάστου δόξαν ἐκθήσομαι, πολλῷ γε-
λοιοτέραν τῆς τῶν ποιητῶν θεολογίας οὖσαν. [2] Θαλῆς μὲν γὰρ ὁ Μι-
λήσιος, ὁ πρῶτος τῆς φυσικῆς φιλοσοφίας ἄρξας, ἀρχὴν εἶναι τῶν ὄντων
ἁπάντων ἀπεφήνατο τὸ ὕδωρ‧ ἐξ ὕδατος γάρ φησι τὰ πάντα εἶναι καὶ εἰς
ὕδωρ τὰ πάντα ἀναλύεσθαι. [...] Οὗτοι πάντες, ἀπὸ Θαλοῦ τὰς διαδοχὰς
ἐσχηκότες, τὴν φυσικὴν ὑπ᾽ αὐτῶν καλουμένην μετῆλθον φιλοσοφίαν.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)


Pseudo-Ausonius – Pseudo-Justinus Martyr 243

Pseudo-Ausonius (4. Jh. n. Chr.?)


Th 290
Pseudo-Ausonius Appendix A, Moralia varia, 2. Über die Sieben Weisen
aus dem Griechischen
Sprüche der Sieben Weisen, darunter Thales’ Aufforderung, Bürgschaften zu
meiden (vgl. Th 89).1

Pseudo-Justinus Martyr (frühes 4. Jh. n. Chr.)2


Th 291
Mahnung an die Griechen 3.1–2
Da man bei den alten und ersten Weisen beginnen soll, werde ich dort be-
ginnend die Lehre jedes einzelnen darlegen, die um vieles lächerlicher als
die Theologie der Dichter ist. [2] Denn Thales aus Milet (vgl. Th 147), der
Archeget der Naturphilosophie, bezeichnete das Wasser als Prinzip aller
Dinge; denn aus dem Wasser, sagt er, sei alles und in Wasser löse sich alles
wieder auf [es folgen die Lehren von Anaximander und Anaximenes]. Diese
alle befleißigten sich in der Nachfolge des Thales der von ihnen so genann-
ten Naturphilosophie.

1 Vgl. Spahlinger, in: Althoff/Zeller (2006) 163 f.


2 Riedweg 1994, 52.
244 Pseudo-Justinus Martyr

Th 292
Cohort. ad Graec. 5.3–4
Γέγραφε γάρ‧ „Οὕτως γοῦν καὶ Ὅμηρος ἔφη‧
Ζεὺς δ᾽ ἔλαχ᾽ οὐρανὸν εὐρὺν ἐν αἰθέρι καὶ νεφέλῃσιν‧“ [Il. 15.192]
βουλόμενος 〈μὲν〉 ἐκ τῆς Ὁμήρου μαρτυρίας ἀξιόπιστον τὴν ἑαυτοῦ
δεικνύναι δόξαν, ἀγνοῶν 〈δ᾽〉 ὅτι, εἰ Ὁμήρῳ πρὸς ἀπόδειξιν τοῦ ἀληθῆ
ἑαυτὸν λέγειν μάρτυρι χρῷτο, πολλὰ τῶν αὑτῷ δοξάντων οὐκ ἀληθῆ φα-
νήσεται ὄντα.
[4] Θαλῆς γὰρ ὁ Μιλήσιος, ὁ πρῶτος παρ᾽ αὐτοῖς τῆς φιλοσοφίας ἄρξας,
τὴν πρόφασιν παρ᾽ αὐτοῦ λαβὼν τὰς πρώτας αὐτοῦ 〈τοῦ Ἀριστοτέλους〉
περὶ ἀρχῶν ἀθετήσει δόξας. Αὐτοῦ γὰρ [Ἀριστοτέλους] θεὸν καὶ ὕλην
ἀρχὰς εἶναι τῶν πάντων εἰρηκότος ὁ πρεσβύτατος τῶν κατ᾽ αὐτοὺς ἁπά-
ντων 〈σοφῶν〉 Θαλῆς ἀρχὴν τῶν ὄντων ὕδωρ εἶναι λέγει‧ ἐξ ὕδατος γάρ
φησι τὰ πάντα εἶναι καὶ εἰς ὕδωρ ἀναλύεσθαι τὰ πάντα. Στοχάζεται δὲ
πρῶτον μὲν ἀπὸ τοῦ πάντων τῶν ζῴων τὴν γονήν, ἀρχὴν οὖσαν, ὑγρὰν
εἶναι‧ δεύτερον δὲ ὅτι πάντα τὰ φυτὰ ὑγρῷ τρέφεται καὶ καρποφορεῖ,
ἀμοιροῦντα δὲ τοῦ ὑγροῦ ξηραίνεται. Εἶθ᾽, ὥσπερ μὴ ἀρκούμενος οἷς στο-
χάζεται, καὶ τὸν Ὅμηρον ὡς ἀξιόπιστον μαρτύρεται οὕτως λέγοντα‧
Ὠκεανός, ὅσπερ γένεσις πάντεσσι τέτυκται. [Il. 14.246]
Πῶς οὖν οὐκ εἰκότως ὁ Θαλῆς πρὸς αὐτὸν φήσει‧ Δι᾽ ἣν αἰτίαν, ὦ Ἀριστότε-
λες, τὰς μὲν Πλάτωνος ἀναιρεῖν ἐθέλων δόξας, ὡς ἀληθεύοντι προσέχεις
Ὁμήρῳ, ἡμῶν δὲ τὴν ἐναντίαν ἀποφηνάμενος δόξαν οὐκ ἀληθεύειν Ὅμη-
ρον οἴει.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (Wasserhypothese geht auf erste Theo-
logen/Homer zurück) Th 29 (w. s.); (erster Weiser/Philosoph) Th 29 (w. s.)
Pseudo-Justinus Martyr 245

Th 292
Die religiösen Anschauungen von Platon und Aristoteles können keine
Grundlage für den wahren Glauben sein, sie widersprechen auch einander.
Justin greift hier auf eine Passage aus der pseudo-aristotelischen Schrift Über
die Welt zurück, wo die Transzendenz Gottes durch Dichterzitate unterstri-
chen wird.

Mahnung an die Griechen 5.3–4


[Aristoteles] hat nämlich geschrieben1: „So sagte ja auch Homer: ‚Zeus aber
erlangte den Himmel, den breiten, in Äther und Wolken‘ [Il. 15.192].“ Mit
einem Zeugnis aus Homer will Aristoteles seine eigene Lehre als glaubwür-
dig erweisen und verkennt dabei, dass, wenn er Homer zum Zeugen für den
Beweis der Wahrheit seiner Worte nimmt, sich offenbar viele seiner eigenen
Lehren als nicht wahr erweisen werden. Thales von Milet, der erste Begrün-
der ihrer Philosophie, wird nämlich unter Berufung auf ihn [Homer] Aris-
toteles’ Grundlehren über die Prinzipien verwerfen. Denn während Aris-
toteles gesagt hat, Gott und Materie seien die Prinzipien aller Dinge, sagt
der älteste unter allen ihren Weisen, das Prinzip der seienden Dinge sei das
Wasser; denn aus dem Wasser, behauptet er, sei alles und in Wasser löse sich
alles wieder auf (vgl. Th 147). Er geht dabei zunächst von der Tatsache aus,
dass der Same aller Lebewesen, ihr Prinzip, feucht ist. Zweitens, dass alle
Pflanzen dank des Feuchten ernährt werden und Frucht tragen, aber ver-
trocknen, wenn sie keinen Anteil am Feuchten haben. Schließlich begnügt
er sich nicht mit seinen Mutmaßungen und ruft noch als glaubwürdigen
Zeugen Homer an, der folgendermaßen spricht: „Okeanos, der doch der
Ursprung ist von allen“ [Il. 14.246]. Wird nun Thales nicht billigerweise zu
ihm [Aristoteles] sagen: „Weshalb, Aristoteles, hältst du dich, wenn du Pla-
tons Lehren widerlegen willst, an Homer als einen Mann, der die Wahrheit
spricht, glaubst aber, wenn du gegen uns eine Lehre aufstellst, dass Homer
nicht wahr rede?“

1 De Mundo 6.400a19.
246 Epiphanios – D. Magnus Ausonius

Epiphanios
Th 293
De fide 3.504.32–505.3 (ed. Dummer)
Καὶ εἰσὶ μὲν αἱ ἐξ Ἑλλήνων αἵδε, ὧν πρώτην τάξαιμι ἀπ᾽ ἀρχῆς τὴν Θαλοῦ
τοῦ Μιλησίου γνώμην τε καὶ δόξαν. [505] Αὐτὸς γὰρ Θαλῆς ὁ Μιλήσιος,
εἷς ὢν τῶν ἑπτὰ σοφῶν, ἀρχέγονον πάντων ἀπεφήνατο τὸ ὕδωρ‧ ἐξ ὕδα-
τος γάρ φησι τὰ πάντα εἶναι καὶ εἰς ὕδωρ πάλιν ἀναλύεσθαι.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

D. Magnus Ausonius
Th 294
XXVI Ludus septem sapientium 69–70 (ed. Greene)
Thales 〈et〉 ἐγγύα‧ παρὰ δ᾽ ἄτα protulit,
spondere qui nos, noxa quia praesto est, vetat.

Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.); (Spruchweisheit) Th 89
(w. s.)

Th 295
XXVI Ludus sept. sap. 162–188
Venit Thales.
Milesius Thales sum, aquam qui principem
rebus creandis dixi, ut vates Pindarus.
---
dedere piscatores extractum mari.
namque hi iubente Delio me legerant,
quod ille munus hoc sapienti miserat.
ego recusans non recepi et reddidi
ferendum ad alios quos priores crederem.
dein per omnes septem sapientes viros
missum ac remissum rursus ad me deferunt.
Ego receptum consecravi Apollini.
Nam si sapientem deligi Phoebus iubet,
non hominem quemquam, sed deum credi decet.
Epiphanios – D. Magnus Ausonius 247

Epiphanios (zw. 310 u. 320–403/ 2 n. Chr.)


Th 293
Über den Glauben 3.504.32–505.3
Eine Aufzählung griechischer Häresien beginnt mit der Lehre des Thales,
wonach aus dem Wasser alles besteht und es sich dahinein wieder auflöst.
(vgl. Th 147)

D. Magnus Ausonius (etwa 310–394 n. Chr.)


Th 294
Das Spiel von den Sieben Weisen 69–70
Thales aber brachte vor: ἐγγύα‧ παρὰ δ᾽ ἄτα.
Der uns zu bürgen verbietet, weil das Schaden bringt.1

Th 295
Das Spiel von den Sieben Weisen 162–188
Es kommt Thales.
Thales von Milet bin ich: der ich das Wasser als Ursprung
für die Entstehung aller Dinge benannt habe, wie der Dichter
Pindar.
........ [Verse ausgefallen, ergänze „den Dreifuß“]
165 gaben mir Fischer, nachdem sie ihn aus dem Meer gezogen hatten.
Denn sie hatten mich ausgewählt auf Befehl Apolls,
weil jener dem Weisen diesen als Geschenk bestimmt hatte.
Ich aber weigerte mich, nahm ihn nicht an und gab ihn zurück,
ihn Anderen zu bringen, die ich für mir überlegen hielt.
170 Dann aber, nachdem er allen Sieben Weisen
zugesandt und wieder zurückgeschickt worden war, bringen sie

1 Übersetzung: L. Spahlinger, in: Althoff/ Zeller 2006, 179.


248 D. Magnus Ausonius – Flavius C. Iulianus Apostata

is igitur ego sum. causa sed in scaenam fuit


mihi prodeundi quae duobus ante me,
assertor ut sententiae fierem meae.
ea displicebit, non tamen prudentibus,
quos docuit usus et peritos reddidit.
〈en〉 ἐγγύα‧ παρὰ δ᾽ ἄτα Graece dicimus;
Latinum est ‚sponde; noxa 〈sed〉 praesto tibi.‘
per mille possem currere exempla ut probem
praedes vadesque paenitudinis reos,
sed nolo nominatim quemquam dicere.
sibi quisque vestrum dicat et secum putet,
spondere quantis damno fuerit et malo.
gratum hoc officium maneat, ambobus tamen.
pars plaudite ergo, pars offensi explodite.

Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.); (Prinzip Wasser) Th 29
(w.  s.); (Auszeichnung des Thales/Umlauf des Dreifußes) Th  52 (w.  s.);
(Spruchweisheit) Th 89 (w. s.)

Flavius C. Iulianus Apostata

Th 296
Oratio 3.162.2–5 (ed. Hertlein)
(γ᾽ τῆς βασιλίδος ἐγκώμιον) Ἐρομένου γάρ τινος, ὑπὲρ ὧν ἔμαθεν ὁπόσον
τινὰ χρὴ καταβαλεῖν μισθόν‧ ὁμολογῶν, ἔφη, τὸ παρ᾽ ἡμῶν μαθεῖν τὴν
ἀξίαν ἡμῖν ἐκτίσεις.

Sim. (ideeller Lohn) Th 177 (w. s.)

Th 297
Contra Galilaeos Fr. 39 (ed. Masaracchia) = Th 378 (aus Cyr. c. Iul. 6.184B–D)
D. Magnus Ausonius – Flavius C. Iulianus Apostata 249

ihn wieder zu mir,


ich nahm ihn an und weihte ihn dem Apoll;
denn wenn Phoebus befiehlt, ein Weiser solle ausgewählt werden,
so ist es angemessen, dass man nicht einen Menschen, sondern
Gott dafür hält.
175 Der also bin ich. Aber der Grund für meinen Auftritt hier
auf die Bühnenfront ist derselbe wie für die beiden vor mir,
dass ich ein Verteidiger meines Wortes werde.
Es wird missfallen, freilich nicht den Klugen,
die der Gebrauch schon gelehrt und erfahren gemacht hat.
180 Wohlan, ἐγγύα, πάρα δ᾽ ἄτα, sagen wir auf Griechisch:
Lateinisch heißt das: Bürge, und schon hast Du Deinen Schaden.
An tausenden von Beispielen könnte ich es zeigen, um vorzuführen
Beutemacher und Bürgen, der Reue angeklagt;
aber ich will keinen namentlich nennen.
185 Ein jeder von euch mag mit sich zu Rate gehen und errechnen,
wie vielen schon eine Bürgschaft Schaden und Übel brachte.
Den Nichtsnutzen bleibt dieses Geschäft gleichwohl willkommen.
Ein Teil von Euch spende also Beifall, der andere – beleidigt –
buhe mich aus. 1

Flavius C. Iulianus Apostata


(röm. Kaiser 331/2–363 n. Chr.)
Th 296
Rede 3.162.2–5
(Lobrede auf die Kaiserin Eusebia) Zuweilen soll man nicht versuchen, un-
mittelbaren Dank abzustatten, sondern das Beispiel des Thales nachzuah-
men. Als ihn [Thales] einer fragte, wie viel Honorar er für das, was er gelernt
habe, zahlen müsse, sagte der: „Wenn du anerkennst, dass du es von mir
gelernt hast, dann erstattest du mir den gebührenden Lohn.“

Th 297
Kyrill zitiert einen Vergleich Julians herausragender griechischer Gestalten,
darunter Thales, mit Mose.

1 Übersetzung: L. Spahlinger, in: Althoff/ Zeller 2006, 185.


250 Libanios – Themistios

Libanios
Th 298
Declamationes 1.158 (ed. Foerster)
(α᾽ Ἀπολογία Σωκράτους) Ἀλλὰ γὰρ τίς οὐκ ἂν στενάξειε Βίαντος κακῶς
ἀκούοντος, τοῦ Σόλωνος ἑταίρου, 〈τοῦ〉 φίλου τῷ Πυθίῳ, τοῦ πάντας
ἀνθρώπους ἐκ Δελφῶν νουθετοῦντος, καὶ μετὰ Βίαντος πολλῶν ἑτέρων
δι᾽ οὓς σεμνὴ γέγονεν ἡ Ἰωνία; οὐ διὰ Μέλισσον καὶ Θαλῆν καὶ Πυθαγόραν
ἤρχθησάν τε καὶ ἐστασίασαν οἱ τὰς πόλεις ἔχοντες, ἀλλ᾽ αἱ μὲν στάσεις
κοινὸν τῆς ἀνθρωπείας φύσεως νόσημα, τὸ δ᾽ ὑπακούειν ἐκ τοῦ βασιλείαν
σφίσιν ἐφορμεῖν μεγάλην συνέβη, τὴν δὲ Περσῶν ἰσχὺν οὐ Πυθαγόρας οὐδὲ
Μέλισσος, ἀλλὰ Κῦρος Κροῖσον καθελὼν ἐποίησε καὶ μετ᾽ ἐκεῖνον Δαρεῖος.

Th 299
Decl. 2.9
(β᾽ κωλύουσι Σωκράτην ἐν τῷ δεσμωτηρίῳ διαλέγεσθαι καὶ ἀντιλέγει τις)
Πονηρός τε καὶ κατεψηφισμένος ὤν. ἔστω πονηρός. μηδὲν ἄπιστον ἔστω
τῆς γραφῆς μηδὲ τῆς Ἀνύτου καὶ Μελήτου καταβοῆς. εὖ οἶδα ὡς ἔσται
χρόνος ἐν ᾧ ποτε σεμνυνεῖσθε Σωκράτει, ὡς Ἡρακλείτῳ μὲν Ἐφέσιοι, Πυ-
θαγόρᾳ δὲ Σάμιοι καὶ Χείλωνι Λακεδαιμόνιοι καὶ Θάλητι Μιλήσιοι καὶ
Πιττακῷ Λέσβιοι καὶ Περιάνδρῳ Κορίνθιοι καὶ ὑμεῖς αὐτοί ποτε Σόλωνι.
πᾶσι γὰρ τοῖς σοφοῖς ζῶσι μὲν ὁ παρὰ τῶν πλησίον φθόνος ἀνταγωνίζε-
ται, ἀποθανόντων δὲ καθαρῶς ἐξ ἀλύπου τῆς αἰσθήσεως ἡ σοφία κρίνεται.

Themistios
Th 300
Oratio 26.317A–C (ed. Maisano)
Πρότερον μὲν γὰρ Θαλοῦ τοῦ Μιλησίου ὀλίγα ῥήματα περιφερόμενα ἦν
Θαλοῦ τε αὐτοῦ καὶ τῶν ἄλλων σοφῶν, ὧν καὶ νῦν ἐμπεπλησμένοι εἰσὶν
οἱ τοῖχοι καὶ τὰ πινάκια, χρηστὰ μέν, νοῦν [B] ἔχοντα ἱκανὸν καὶ ὅσος ἂν
πλεῖστος γένοιτο νοῦς δυοῖν ὀνομάτων, ἀλλὰ ψιλά γε πίστει καὶ ἐπιτάγ-
Libanios – Themistios 251

Libanios (314–393 n. Chr.)


Th 298
Deklamationen 1.158
(1. Dekl.: Verteidigung des Sokrates.) Aber wer stöhnte nicht auf, wenn Bias
in üblem Rufe steht, der Gefährte Solons, der Freund Apollons, der aus
Delphi allen Menschen weise Ratschläge gibt, und [wenn] mit Bias viele an-
dere [in schlechtem Rufe stehen], durch die Ionien angesehen wurde? Nicht
wegen Melissos und Thales und Pythagoras kamen sie unter die Herrschaft
und gerieten die Machthaber der Städte in Parteikämpfe. Vielmehr sind die
Parteikämpfe ein gemeinsames Übel der menschlichen Natur. Dass sie Un-
tertanen wurden, ergab sich aber daraus, dass ihnen eine große Königs-
macht auflauerte, die Stärke der Perser aber brachte nicht Pythagoras und
auch nicht Melissos zustande, sondern Kyros, nachdem er Kroisos beseitigt
hatte, und nach ihm Dareios.

Th 299
Deklamationen 2.9
(2. Dekl.: Man hält Sokrates im Gefängnis von der Unterhaltung ab, und
einer hält eine Gegenrede.) „Er ist gefährlich und verurteilt.“ Soll er ge-
fährlich sein. Und soll nichts Unglaubwürdiges an der Anklage und an dem
Vorwurf des Anytos und Meletos sein. Ich weiß wohl, dass eine Zeit sein
wird, in der ihr auf Sokrates stolz sein werdet, wie die Epheser auf Heraklit,
die Samier auf Pythagoras, die Spartaner auf Chilon, die Milesier auf Thales,
die Lesbier auf Pittakos, die Korinther auf Periander und ihr selbst einst
auf Solon. Denn allen Weisen steht, solange sie leben, der Neid von Seiten
der Mitmenschen entgegen, nach ihrem Tod aber wird ihre Weisheit infolge
leidloser Wahrnehmung aufrichtig beurteilt.

Themistios (ca. 317–ca. 388 n. Chr.)


Th 300
In einem Exkurs seiner 26. Rede geht Themistios auf die Geschichte der
Philosophie ein, die durch ständige Neuerungen Fortschritte machte.
252 Themistios

ματι προσεοικότα καὶ νουθετοῦντα πρὸς μικρὸν μόριον ἀρετῆς. Θαλῆς δὲ


ὕστερον καὶ πρὸς γήρᾳ φύσεώς τε ἥψατο πρῶτος καὶ ἀνέβλεψεν εἰς τὸν
οὐρανὸν καὶ τὰ ἄστρα ἐξήτασε, καὶ προεφήτευσεν ἐν κοινῷ ἅπασι Μιλη-
σίοις ὅτι νὺξ ἔσοιτο ἐν ἡμέρᾳ καὶ δύσεται ἄνω ὁ ἥλιος καὶ ὑποθεύσεται
αὐτὸν ἡ σελήνη, ὥστε ἀποτέμνεσθαι τὴν αὐγὴν καὶ τὰς ἀκτῖνας. Θαλῆς
μὲν δὴ τοσαῦτα εἰσενεγκάμενος οὐ κατέθετο ὅμως εἰς συγγραφὴν τὰ εὑρή-
ματα, [C] οὔτε αὐτὸς ὁ Θαλῆς οὔτε ἄλλος τις τῶν εἰς ἐκεῖνον τὸν χρόνον.
Ἐκείνου γεγονὼς ζηλωτὴς Ἀναξίμανδρος ὁ Πραξιάδου οὐ πάντῃ ὁμοίως
ἐζήλωσεν, ἀλλὰ τοῦτ᾽ εὐθὺς παρήλλαξέ τε καὶ ἐξετράπετο, ὅτι ἐθάρρησε
πρῶτος ὧν ἴσμεν Ἑλλήνων λόγον ἐξενεγκεῖν περὶ φύσεως ξυγγεγραμμέ-
νον. Πρὶν δ᾽ εἰς ὄνειδος καθειστήκει τὸ λόγους συγγράφειν, ἀλλ᾽ οὐκ ἐνομί-
ζετο τοῖς πρόσθεν Ἕλλησι.

Sim. (Sonnenfinsternis) Th 10 (w. s.); (Schrift) Th 88 (w. s.); (erster Weiser/


Philosoph) Th 29 (w. s.)

Th 301
In Aristotelis libros de anima paraphrasis 5.3.13.21–25 (ed. Heinze) [de
an. 1.2.405a2–b8]
Ἔοικε δὲ καὶ Θαλῆς κινητικόν τι τὴν ψυχὴν ὑπολαβεῖν, εἴπερ διὰ τοῦτο
ἔφη τὸν σίδηρον ἕλκεσθαι ὑπὸ τῆς λίθου τῆς ἡρακλείας, ὅτι ἔμψυχος ἐκείνη
ἡ λίθος. οὕτως δὲ καὶ Ἀναξιμένης καὶ Διογένης καὶ ὅσοι ἀέρα λέγουσι τὴν
ψυχὴν ἀμφότερα πειρῶνται διασώζειν, καὶ τὸ κινεῖν διὰ τὴν λεπτομέρειαν,
καὶ τὸ γιγνώσκειν διὰ τὸ τίθεσθαι ταύτην ἀρχήν.

Sim. (Natur der Seele/ Magnetstein) Th 31 (w. s.).


Themistios 253

Rede 26.317A–C
Zuerst waren einige Aussprüche des Thales aus Milet in Umlauf, von Thales
selbst und den anderen Weisen, von denen auch jetzt die Wände und die
Tafeln voll sind. Sie sind zwar nützlich und hinreichend geistvoll – soweit
das bei zwei Worten1 möglich ist –, aber von schwacher Überzeugungskraft,
gleichen einer Anordnung und legen einem die Tüchtigkeit nur zu einem
geringen Teil ans Herz. Später aber, als er sich schon dem Alter näherte,
widmete sich Thales als Erster [dem Studium] der Natur. Er blickte in den
Himmel und erforschte die Gestirne. Er sagte öffentlich allen Milesiern vo-
raus, dass es Nacht werde während des Tages, dass die Sonne auf der Höhe
ihrer Bahn untergehen und der Mond vor sie treten werde, so dass ihr Licht
und ihre Strahlen abgeschnitten würden. Obwohl Thales soviel einbrachte,
legte er seine Entdeckungen gleichwohl nicht in einer Schrift nieder – weder
Thales selbst noch irgendein anderer bis zu jener Zeit. Anaximander, der
Sohn des Praxiades, war ein Schüler von ihm, aber er folgte ihm gleichwohl
nicht in jeder Hinsicht. Vielmehr ging er einen neuen Weg und unterschied
sich sehr bald darin, dass er es als erster der Griechen, soweit wir wissen,
wagte, eine schriftlich verfaßte Abhandlung über die Natur zu veröffentli-
chen. Zuvor hatte es Schande gebracht, Abhandlungen schriftlich zu verfas-
sen, und es war bei den Griechen vorher [vor Anaximander] nicht üblich.

Th 301
Paraphrase zu Aristoteles’ Über die Seele 5.3.13.21–25 [de an. 1.2, 405a2–b8]
Es scheint auch Thales die Seele für etwas Bewegungsfähiges gehalten zu
haben, wenn er deshalb behauptete, dass das Eisen von dem Magnetstein an-
gezogen werde, weil jener Stein beseelt sei. Auf diese Weise versuchen auch
Anaximenes und Diogenes sowie alle diejenigen, die sagen, dass die Seele
Luft sei, beides zu bewahren: die Bewegungsfähigkeit infolge der Feintei-
ligkeit und die Erkenntnisfähigkeit, indem diese als Prinzip postuliert wird.

1 Wie z. Bsp. Μηδὲν ἄγαν, γνῶθι σαυτόν.


254 Themistios – Hieronymus

Th 302
In de an. 5.3.35.26–29 [de An. 1.5.411a7–8]
Ἔστι δὲ καὶ ἑτέρα τις δόξα παρὰ τὰς εἰρημένας περὶ ψυχῆς, ἐν παντὶ τῷ
ὄντι μεμῖχθαι λέγουσα τὴν ψυχὴν καὶ διὰ παντὸς διήκειν τοῦ κόσμου καὶ
πᾶν αὐτοῦ μόριον ἔμψυχον εἶναι. διὰ γὰρ ταύτην τὴν δόξαν καὶ Θαλῆς
ᾠήθη πάντα πλήρη θεῶν εἶναι.

Sim. (Beseeltheit des Alls/göttliche Wesen) Th 32 (w. s.)

Himerios
Th 303
Declamationes et orationes 28.2 (ed. Colonna) (= Him. 30 Cod. Neap.)
Ἦιδε μὲν Ὀλυμπιάσι τὴν Ἱέρωνος δόξαν πρὸς λύραν ὁ Πίνδαρος, ᾖδε δὲ
Ἀνακρέων τὴν Πολυκράτους τύχην Σαμίων τῇ θεῷ πέμπουσαν ἱερά‧ καὶ
Ἀλκαῖος ἐν ᾠδαῖς εἶχε Θαλῆν (Th 1), ὅτε καὶ Λέσβος πανήγυριν 〈ἤγειρε〉‧

Hieronymus
Th 304
Interpretatio Chronicae Eusebii – interpretata Eusebii praefatio (13.19–14.1
ed. Helm = GCS 7)
Homerus autem Solone et Thalete Milesio ceterisque, qui cum his septem
sapientes appellati sunt, multo prior repperitur.

Sim. (Datierung) Th  171 (w.  s.); (Thales, einer der Sieben Weisen) Th  20
(w. s.)
Themistios – Hieronymus 255

Th 302
Paraphrase zu Aristoteles’ Über die Seele 5.3.35.26–29 [de An. 1.5.411a7–8]
Es gibt aber auch noch eine andere Ansicht neben den genannten über die
Seele, wonach sie mit dem gesamten Seienden vermischt sei und den ganzen
Kosmos durchdringe und wonach jeder Teil von ihm beseelt sei. Infolge
dieser Ansicht glaubte nämlich Thales, dass alles voll von Göttern sei.

Himerios (ca. 320–nach 383 n. Chr.)


Th 303
Privatreden und Schulreden 28.2
Pindar besang zur Lyra den Ruhm des Hieron in Olympia, es besang Ana-
kreon den Reichtum des Polykrates, wodurch der Göttin der Samier Op-
fergaben dargebracht wurden1, und Alkaios (Th 1) besang den Thales,2 als
auch Lesbos eine Versammlung berief.

Hieronymus (zw. 331 u. 348–419/ 20 n. Chr.)


Th 304
Übersetzung der Cronik des Eusebios 13.19–14.1
Es wird berichtet gefunden, dass Homer viel früher als Solon und Thales
von Milet und die übrigen, die zusammen mit diesen die Sieben Weisen
genannt werden, lebte.3

1 Siehe Völker 2003, 222, Anm. 6.


2 „möglicherweise als einen der Sieben Weisen“ (Classen 1986, 29). Vgl. Völker 2003,
222, Anm. 8 (Verwechslung mit Pittakos?). Schenkl 1911, 421, Anm. 3 vertritt die
These, es handle sich um einen anderen Thales.
3 Vgl. Frechulf von Lisieux, Historiae (Allen CCL 169A, 953C).
256 Hieronymus

Th 305
Interpr. Chron. Eus.  – Chronicorum canones ad ann. a. Chr. n. 747
(88b.19)
Thales Milesius physicus philosophus agnoscitur.

Sim. (Datierung) Th 171 (w. s.)

Th 306
Interpr. Chron. Eus. – Chron. canones ad ann. a. Chr. n. 640 (96a.9–12)
Thales Milesius, Examyis filius, primus physicus philosophus agnoscitur,1
quem aiunt vixisse usque ad LVIII olympiadem.

Sim. (Datierung) Th 171 (w. s.)

Th 307
Interpr. Chron. Eus. – Chron. canones ad ann. a. Chr. n. 586 (100b.25)
Solis facta defectio, cum futuram eam Thales antedixisset […] Alyattes et
Astyages dimicaverunt [582].

Sim. (Datierung) Th 171 (w. s.); (Sonnenfinsternis) Th 10 (w. s.)

1 Helm weist darauf hin, dass die Bemerkung von Diels zur Stelle (VS 11A7), es müsse
richtig nascitur heißen, fragwürdig ist (vgl. die armenische Version und Th 480).
Hieronymus 257

Th 305
Übersetzung der Cronik des Eusebios zum Jahr 747 v. Chr.
Thales von Milet ist als Naturphilosoph bekannt.1

Th 306
Übersetzung der Chronik des Eusebios zum Jahr 640 v. Chr.
Thales von Milet, Sohn des Examyas, ist als der erste Naturphilosoph
bekannt;2 er soll bis zur 58. Olympiade [548–545] gelebt haben.3

Th 307
Übersetzung der Chronik des Eusebios zum Jahr 586 v. Chr.
Es gab eine Sonnenfinsternis, deren Eintreten Thales vorausgesagt hatte […]
Alyattes und Astyages lieferten sich eine Schlacht.4

1 Vgl. Ekkehard von Aura, Chronicon universale (Migne PL 154.541). Vgl. Th 495.
2 Vgl. Prosper Aquitanus, Epitoma chronicorum 165 (ed. Mommsen chron. min. I
(1892) = MGH auct. ant. IX 394); Chronicum integrum (Migne PL 51.543). Vgl.
Chronicum Gall. a. 511 (Mommsen chron. min. I (1892) = MGH auct. ant. IX 636,
170): „Tales Melezius primus phisicus philosophus“; Isidoros von Sevilla, Chronicon
444, 158 (Mommsen chron. min. II (1894) = MGH auct. ant. XI): Thales Milesius
primus fisicus clarus habetur, [qui defectus solis, acutissima perscrutatione compre-
hensis astrologiae numeris, primus investigavit]. Außerdem: Frechulf von Lisieux,
Historiae (Allen CCL 169 A, 984B).
3 Eus. chron. armen. ad. ann. ab Abr. 1376–9 = 35. Olympiade (GCS Eus. 5, 185 Karst
(1911)): „Thales von Amilos, der Milesier, war als erster Physiker gekannt; und es
wird berichtet, er habe sein Leben bis zur 48ten Olympiade ausgedehnt.“
4 Eus. chron. armen. ad. ann. ab Abr. 1433 = 49. Olympiade (GCS Eus. 5, 187 Karst):
„Die Sonne ward verfinstert nach Thales des Weisen Vorausverkündigung. Aliates
und Azdahak lieferten eine Schlacht“. Vgl. Petrus Comestor, Historia scholastica
(Migne PL 198.1427C–D).
258 Hieronymus – Tyrannios Rufinos

Th 308
Interpr. Chron. Eus. – Chron. canones ad ann. a. Chr. n. 548 (103b.12)
Thales moritur.

Sim. (Datierung) Th 171 (w. s.)

Ambrosius von Mailand


Th 309
Exameron 1.2.6 (ed. Schenkl)
Qui cum de aqua nomen acceperit, non putauit tamen dicendum quod ex
aqua constarent omnia, ut Thales dicit, et cum esset in aula educatus regia,
maluit tamen pro amore iustitiae subire exilium uoluntarium quam in ty-
rannidis fastigio peccati perfunctionem deliciis adquirere.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Tyrannios Rufinos
Th 310
Clementina sec. translationem quam fecit Rufinus – Recognitiones 8.15.1–3
(ed. Rehm/Paschke) (vgl. Th 580)
Nam Graecorum philosophi de principiis mundi quaerentes, alius alia in-
cessit via. denique Pythagoras elementa principiorum numeros esse dicit,
Callistratus qualitates, Alcmeon contrarietates, Anaximandrus inmensi-
tatem, Anaxagoras aequalitates partium, [2] Epicurus atomos, Diodorus
amere, hoc est [ex his] in quibus partes non sint, Asclepiades oncos, quod
nos tumores vel elationes possumus dicere, geometrae fines, Democritus
ideas, Thales aquam, [3] Heraclitus ignem, Diogenes aerem, Parmenides ter-
ram, Zenon Empedocles Plato ignem aquam aerem terram.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)


Hieronymus – Tyrannios Rufinos 259

Th 308
Übersetzung der Chronik des Eusebios zum Jahr 548 v. Chr.
Thales stirbt.1

Ambrosius von Mailand (um 340–397 n. Chr.)


Th 309
Den widersprüchlichen heidnischen Kosmologien wird der Fundamentalsatz
von der göttlichen Schöpfung durch den in ägyptischer Weisheit bewander-
ten Mose entgegengestellt:

Hexaëmeron 1.2.6
Obwohl er [Moses] seinen Namen vom Wasser empfangen hatte, glaubte er
doch nicht, sagen zu müssen, dass alles aus Wasser bestehe, wie Thales es
behauptet. Und obwohl an einem königlichen Hof erzogen, wollte er sich
doch lieber aus Gerechtigkeitsliebe einer freiwilligen Verbannung unterzie-
hen als an der Spitze einer Zwangsherrschaft in Üppigkeit in den Genuss
der Sünde zu gelangen.

Tyrannios Rufinos (345–410 n. Chr.)


Th 310
Ps.-Clementinen/ Recognitiones 8.15.1–3
Die unterschiedlichen Ansätze der griechischen Philosophen hinsichtlich der
Prinzipien der Welt. Thales’ Wasser.

1 Eus. chron. armen. ad. ann. ab Abr. 1468 = 58. Olympiade (GCS Eus. 5, 189 Karst):
„Thales stirbt.“ Vgl. Ekkehard von Aura, Chronicon universale (Migne PL 154.
549).
260 Augustinus

Augustinus
Th 311
De civitate Dei 8.2 (ed. Dombart/ Kalb)
Ionici uero generis princeps fuit Thales Milesius, unus illorum septem, qui
sunt appellati sapientes. Sed illi sex uitae genere distinguebantur et qui-
busdam praeceptis ad bene uiuendum accommodatis; iste autem Thales, ut
successores etiam propagaret, rerum naturam scrutatus suasque disputatio-
nes litteris mandans eminuit maximeque admirabilis extitit, quod astrolo-
giae numeris conprehensis defectus solis et lunae etiam praedicere potuit.
Aquam tamen putauit rerum esse principium et hinc omnia elementa mundi
ipsumque mundum et quae in eo gignuntur existere. Nihil autem huic operi,
quod mundo considerato tam mirabile aspicimus, ex diuina mente praepo-
suit. Huic successit Anaximander, eius auditor, mutavitque de rerum natura
opinionem. Non enim ex una re, sicut Thales ex umore, sed ex suis prop-
riis principiis quasque res nasci putavit. Quae rerum principia singularum
esse credidit infinita, et innumerabiles mundos gignere et quaecumque in
eis oriuntur; eosque mundos modo dissolvi, modo iterum gigni existimavit,
quanta quisque aetate sua manere potuerit; nec ipse aliquid divinae menti
in his rerum operibus tribuens. Iste [sc. Anaximander] Anaximenen disci-
pulum et successorem reliquit, qui omnes rerum causas aeri infinito dedit,
nec deos negauit aut tacuit; non tamen ab ipsis aerem factum, sed ipsos ex
aere ortos credidit. Anaxagoras uero eius auditor [...]. Diogenes quoque
Anaximenis alter auditor, aerem quidem dixit rerum esse materiam, de qua
omnia fierent.

Sim. (ionische Schule) Th 147 (w. s.); (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20
(w. s.); (Schrift) Th 88 (w. s.); (Thales als Vertreter der Astronomie) Th 103
(w.  s.); (Sonnenfinsternis) Th  10 (w.  s.); (Mondfinsternis/ Mondphasen)
Th 178 (w. s.); (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (Gott [als Geist des Kosmos])
Th 72 (w. s.)
Augustinus 261

Augustinus (354–430 n. Chr.)


Th 311
Gottesstaat 8.2
Der Archeget der ionischen Richtung [der Philosophie] war Thales aus Mi-
let, einer der so genannten Sieben Weisen. Jene sechs [anderen Weisen] zeich-
neten sich durch ihre Lebensweise und bestimmte Regeln für ein [sittlich]
gutes Leben aus. Thales aber,1 der auch eine Nachfolge begründen wollte,
erforschte die Natur der Dinge, legte seine Untersuchungen schriftlich nie-
der und ragte vor allem deshalb heraus und wurde bewundert, weil er astro-
nomische Berechnungen anstellte und sogar Sonnen- und Mondfinsternisse
vorhersagen konnte. Er glaubte dennoch, dass das Wasser das Prinzip der
Dinge sei und dass daher alle Elemente der Welt stammten und die Welt
selbst und was in ihr entsteht. In keiner Weise aber setzte er diesem Werk,
das uns bei der Betrachtung der Welt so wunderbar erscheint, einen göttli-
chen Geist voran. Ihm folgte Anaximander, sein Hörer, nach, der auch eine
andere Ansicht über die Natur der Dinge hatte. Er glaubte nämlich, dass die
Dinge nicht aus einer Sache, wie bei Thales aus der Feuchtigkeit, sondern
aus ihren jeweiligen Prinzipien entstünden. Er glaubte, dass diese Prinzipien
der einzelnen Dinge unendlich seien und unzählige Welten hervorbrächten
und alles, was immer in ihnen entsteht; und diese Welten, glaubte er, lösten
sich bald wieder auf, bald entstünden sie erneut, je nach dem Alter, das eine
jede erreichen könne. Auch er wies dem göttlichen Geist bei diesem Ge-
schehen keine Rolle zu. Er hinterließ als Schüler und Nachfolger den Ana-
ximenes, der die Ursachen aller Dinge auf die unendliche Luft zurückführte
und Götter weder leugnete noch verschwieg; dennoch glaubte er nicht, dass
von ihnen die Luft geschaffen worden sei, sondern dass sie selbst aus der
Luft entstanden seien. Anaxagoras aber, sein Hörer, meinte, dass ein gött-
licher Geist der Bewirker aller Dinge, die wir sehen, sei. Er sagte, dass aus
einem unendlichen Stoff, der aus den unter sich gleichartigen Teilchen aller
Dinge bestehe, das Einzelne entstehe durch die ihm eigenen Teilchen, un-
ter der Wirkung aber eines göttlichen Geistes. Auch Diogenes, der andere
Hörer des Anaximenes, sagte, dass die Luft der Stoff der Dinge sei, aus dem
alles entstehe.

1 Vgl. Frechulf von Lisieux, Historiae (Allen CCL 169 A, 981B; ebd. 990 B/C; ebd.
1002 A/B); Rodrigo Jimenez de Rada, Breviarum historie catholica 6.59 (Valverde).
262 Augustinus

Th 312
Civ. 8.5
Sed alii quoque philosophi, qui corporalia naturae principia corpori deditis
mentibus opinati sunt, cedant his tantis et tanti Dei cognitoribus viris, ut
Thales in umore, Anaximenes in aere, Stoici in igne, Epicurus in atomis,
[...].

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 313
Civ. 18.24
Eodem Romulo regnante Thales Milesius fuisse perhibetur, unus e septem
sapientibus, qui post theologos poetas, in quibus Orpheus maxime omnium
nobilitatus est, σοφοί appellati sunt, quod est Latine sapientes.

Sim. (Datierung) Th  171 (w.  s.); (Thales, einer der Sieben Weisen) Th  20
(w. s.)

Th 314
Civ. 18.25
Eo tempore Pittacus Mitylenaeus, alius e septem sapientibus, fuisse perhi-
betur. Et quinque ceteros, qui, ut septem numerentur, Thaleti, quem supra
(Th  313) commemoravimus, et huic Pittaco adduntur, eo tempore fuisse
scribit Eusebius, quo captivus Dei populus in Babylonia tenebatur. Hi sunt
autem: Solon Atheniensis, Chilon Lacedaemonius, Periandrus Corinthius,
Cleobulus Lindius, Bias Prienaeus. Omnes hi, septem appellati sapientes,
post poetas theologos claruerunt, quia genere vitae quodam laudabili prae-
stabant hominibus ceteris et morum nonnulla praecepta sententiarum brevi-
tate complexi sunt. Nihil autem monumentorum, quod ad litteras adtinet,
posteris reliquerunt, nisi quod Solon quasdam leges Atheniensibus dedisse
perhibetur; Thales vero physicus fuit et suorum dogmatum libros reliquit.
Eo captivitatis Iudaicae tempore et Anaximander et Anaximenes et Xeno-
phanes physici claruerunt.

Sim. (Datierung) Th 171 (w. s.); (Schrift) Th 88 (w. s.); (Thales, einer der
Sieben Weisen) Th 20 (w. s.)
Augustinus 263

Th 312
Gegenüber den platonischen Philosophen müssen alle anderen heidnischen
Philosophien und Theologien das Feld räumen:

Gottesstaat 8.5
Aber auch die anderen Philosophen, die ihren Geist auf den Körper rich-
teten und die Prinzipien der Natur für körperlich hielten, mögen diesen so
großen Männern [den Platonikern], die den so großen Gott erkannten, das
Feld räumen, wie Thales, der das Prinzip in der Feuchtigkeit [vermutete],
Anaximenes in der Luft, die Stoiker im Feuer, Epikur in den Atomen [...].

Th 313
Gottesstaat 18.24
Zur Regierungszeit des Romulus soll Thales aus Milet gelebt haben, einer
der Sieben Weisen, die nach den Dichtertheologen, unter denen am aller-
meisten Orpheus gefeiert wurde, ‚sophoi‘ – lateinisch ‚sapientes‘ – genannt
wurden.1

Th 314
Gottesstaat 18.25
Zu dieser Zeit [der Babylonischen Gefangenschaft der Juden] soll Pitta-
kos aus Mytilene, ein anderer der Sieben Weisen, gelebt haben. Auch die
fünf übrigen, die, um die Siebenzahl voll zu machen, dem Thales, den wir
oben (Th 313) erwähnt haben, und diesem Pittakos hinzugefügt werden,
lebten, wie Eusebios schreibt2, zu der Zeit, in der das Volk Gottes in Baby-
lonischer Gefangenschaft gehalten wurde. Es sind dies: Solon aus Athen,
der Spartaner Chilon, Periander aus Korinth, Kleobulos aus Lindos und
Bias aus Priene. Alle diese3 sieben so genannten Weisen erhielten nach den
Dichtertheologen Berühmtheit, weil sie sich durch eine bestimmte lobens-
werte Lebensweise vor den übrigen Menschen auszeichneten und manche

1 Vgl. Otto von Freising, Chronica, II 5 (S. 73.21–3 Hofmeister).


2 Hier. Chron. I 98, 18 (g); 101, 12 (e).
3 Vgl. Frechulf von Lisieux, Historiae (Allen CCL 169 A, 989 C/D) ; Ekkehard von
Aura, Chronicon universale (Migne PL 154.547); ebd. (539); Otto von Freising,
Chronica, II 7 (75.4–11 Hofmeister).
264 Augustinus

Th 315
Civ. 18.37
Quibus si addamus etiam superiores, qui nondum philosophi vocabantur,
septem scilicet sapientes ac deinde physicos, qui Thaleti successerunt in
perscrutanda natura rerum studium eius imitati, Anaximandrum scilicet
et Anaximenem et Anaxagoram aliosque nonnullos, antequam Pythago-
ras philosophum primus profiteretur: nec illi prophetas nostros universos
temporis antiquitate praecedunt, quando quidem Thales, post quem ceteri
fuerunt, regnante Romulo eminuisse fertur, quando de fontibus Israel in eis
litteris, quae toto orbe manarent, prophetiae flumen erupit.

Sim. (Datierung) Th  171 (w.  s.); (Thales, einer der Sieben Weisen) Th  20
(w. s.)

Th 316
Contra Iulianum 4.15.75 (ed. Migne PL 44.776)
Convocasti etiam in auxilium turbam philosophorum, quasi susceptae tuae,
si non possunt pecorum solertiae naturales, saltem doctorum hominum opi-
tulentur errores. Sed quis non videat, doctrinae te quaesisse jactantiam in
commemorandis nominibus doctorum hominum sectisque diversis, quando
perspicit quicumque ista tua legit, ad quaestionem quae inter nos vertitur,
haec nullatenus pertinere? Quis enim audiat, quod abs te commemoran-
tur, «Thales Milesius unus e septem sapientibus, deinde Anaximander, An-
aximenes, Anaxagoras, Xenophanes, Parmenides, Leucippus, Democritus,
Empedocles, Heraclitus, Melissus, Plato, Pythagoraei,» unusquisque cum
proprio dogmate suo de naturalibus rebus: quis, inquam, haec audiat, et non
ipso nominum sectarumque conglobatarum strepitu terreatur, si est ineru-
ditus, qualis est hominum multitudo; et existimet te aliquem magnum, qui
haec scire potueris?

Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.)


Augustinus 265

Sittenregeln in kurzen Sentenzen erfassten. Allerdings hinterließen sie der


Nachwelt keine schriftlichen Monumente, außer dass Solon den Athenern
einige Gesetze gegeben haben soll. Thales aber war Naturforscher und hin-
terließ Bücher mit seinen Lehren. Zu der Zeit der jüdischen Gefangenschaft
erlangten auch die Naturphilosophen Anaximander, Anaximenes und Xe-
nophanes Berühmtheit.

Th 315
Die heidnischen Philosophen sind später als die Propheten.

Gottesstaat 18.37
Nehmen wir noch die Früheren hinzu, die noch nicht Philosophen hie-
ßen, nämlich die Sieben Weisen und dann die Naturforscher, die auf Thales
folgten und es bei der Erforschung der Natur seinem wissenschaftlichen
Streben nachtaten, Anaximander nämlich und Anaximenes und Anaxagoras
und einige andere, ehe sich Pythagoras als Erster einen Philosophen nannte:
Auch jene gehen nicht allen unseren Propheten zeitlich voran, da ja Thales,
nach dem die übrigen lebten, während Romulus regierte hervorgetreten sein
soll, als sich aus Israels Quellen in den Schriften, die sich im ganzen Erdkreis
ausbreiteten, der Strom der Weissagung ergoss.

Th 316
Gegen Julian [von Eclanum] 4.15.75
Du hast sogar die Schar der Philosophen zu Hilfe gerufen, als ob deinem
Unternehmen wenigstens die Irrtümer gelehrter Leute Hilfe leisten sollten,
wenn es die natürlichen Fertigkeiten von Tieren nicht können. Aber wer
sähe nicht, dass du das Prahlen mit Gelehrsamkeit gesucht hast, indem du
Namen gelehrter Leute und verschiedener Schulen erwähnst, da ja durch-
schaut, wer immer deine Erzeugnisse da liest, dass das zu unserer Frage in
keiner Hinsicht beiträgt? Wer sollte nämlich hören, was von dir erwähnt
wird (s. Th 325), Thales aus Milet, einer der Sieben Weisen, dann Ana-
ximander, Anaximenes, Anaxagoras, Xenophanes, Parmenides, Leukipp,
Demokrit, Empedokles, Heraklit, Mellissos, Platon, die Pythagoreer, jeder
mit seiner spezifischen Lehre über die Natur: Wer, sage ich, sollte das hören,
und nicht durch den bloßen Lärm der Namen und der versammelten Schu-
len in Schrecken geraten, wenn er, wie die meisten Menschen, ungebildet
ist; und sollte dich nicht für bedeutend halten, der du das wissen kannst?
266 Servius grammaticus

Servius grammaticus
Th 317
Commentarii in Vergilii Aeneida 3.241 (ed. Thilo)
Pelagi volucres quia dicuntur Ponti et Terrae filiae: unde in insulis habitant
partem terrarum, partem maris tenentes. alii dicunt eas Neptuni filias, qui
fere prodigiorum omnium pater est: nec inmerito; nam secundum Milesium
Thaletem omnia ex umore procreantur: unde est Oceanumque patrem re-
rum. hinc fit ut, quotienscumque desunt parentes, redeatur in generalitatem.
sic et peregrinos Neptuni filios dicimus, quorum ignoramus parentes.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 318
In Aen. 11.186
Thales vero qui confirmat omnia ex umore creari, dicit obruenda corpora,
ut possint in umorem resolvi.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 319
Commentarii in Vergilii bucolica 6.31 (ed. Thilo)
Namque canebat uti magnum per inane coacta semina variae sunt philo-
sophorum opiniones de rerum origine: nam alii dicunt omnia ex igne pro-
creari, ut Anaxagoras; alii ex umore, ut Thales Milesius, unde est Ocea-
numque patrem.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 320
Commentarii in Vergilii georgica 4.363 (ed. Thilo)
[...] redditi narrabant lucos esse sub terris et inmensam aquam omnia conti-
nentem, ex qua cuncta procreantur: unde est illud secundum Thaleta Oce-
anumque patrem rerum.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)


Servius grammaticus 267

Servius grammaticus (4./ 5. Jh. n. Chr.)


Th 317
Kommentar zu Vergils Aeneis 3.241
„Vögel des Meeres“ [die Harpyen], weil sie die Töchter des Pontos und der
Terra heißen. Daher bewohnen sie Inseln und nehmen so einen Teil der Erde
und einen Teil des Meeres ein. Andere nennen sie die Töchter Neptuns, der
so ziemlich der Vater aller Ungeheuer ist. Und nicht zu Unrecht; denn nach
Thales von Milet wird alles aus der Feuchtigkeit erzeugt. Woher [die Formu-
lierung] stammt „den Ozean, den Vater der Dinge“ (Georgica 4.382). Daher
kommt es, dass man verallgemeinert, wenn die Eltern fehlen. So nennen wir
auch diejenigen auswärtige Söhne Neptuns, deren Eltern wir nicht kennen.

Th 318
Über unterschiedliche Begräbnisweisen in unterschiedlichen Kulturen:

Kommentar zu Vergils Aeneis 11.186


Thales aber, der behauptet, dass alles aus Feuchtigkeit geschaffen werde,
sagt, dass die Körper vergraben werden müssten, damit sie sich in Feuch-
tigkeit auflösten.1

Th 319
Kommentar zu Vergils Eklogen 6.31
„Er sang, wie rings im Raum unendlicher Leere sich die Keime“. Vielfältig
sind die Ansichten der Philosophen über den Ursprung der Dinge: Die ei-
nen sagen nämlich, dass alles aus dem Feuer erzeugt werde, wie Anaxagoras,
andere aus der Feuchtigkeit (umor), wie Thales aus Milet, woher die Formu-
lierung stammt „den Ozean, den Vater“.

Th 320
Kommentar zu Vergils Georgica 4.363
„Das unterirdische Wasserreich“. Sie erzählten, dass Haine unter der Erde
seien und ein ungeheures, alles umfassendes Wasser, aus dem Sämtliches

1 Vgl. dazu Maddalena 1963, 57.


268 Servius grammaticus – Nemesios von Emesa

Th 321
In georg. 4.379
Et Oceanum patrem rerum secundum physicos dixit, qui aiunt omnium
rerum elementum aquam esse: in quibus Thales primus.

Sim. (ersterWeiser/Philosoph) Th 29 (w. s.); (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 322
In georg. 4.381
Oceanumque Patrem secundum Thaleta, ut diximus supra (Th 317 ff.).

Nemesios von Emesa


Th 323
De natura hominis 2.68–69 (ed. Morani)
Πάλιν δὲ καὶ τῶν λεγόντων ἀσώματον εἶναι τὴν ψυχὴν ἄπειρος γέγονεν ἡ
διαφωνία, τῶν μὲν οὐσίαν αὐτὴν καὶ ἀθάνατον λεγόντων, τῶν δὲ ἀσώμα-
τον μὲν, οὐ μὴν οὐσίαν οὐδὲ ἀθάνατον. Θαλῆς μὲν γὰρ πρῶτος τὴν ψυχὴν
ἔφησεν ἀεικίνητον καὶ αὐτοκίνητον, Πυθαγόρας δὲ ἀριθμὸν ἑαυτὸν κι-
νοῦντα [...].

Sim. (Natur der Seele/Magnetstein) Th 31 (w. s.)

Th 324
De nat. hom. 5.169
Καὶ γὰρ Θαλῆς, τὸ ὕδωρ μόνον λέγων εἶναι στοιχεῖον, πειρᾶται δεικνύναι
τὰ ἄλλα τρία ὑπὸ τούτου γινόμενα‧ τὴν μὲν γὰρ ὑποστάθμην αὐτοῦ γῆν
γίνεσθαι, τὸ δὲ λεπτομερέστερον ἀέρα, τοῦ δὲ ἀέρος τὸ λεπτομερέστε-
ρον πῦρ. Ἀναξιμένης δέ, ἀέρα μόνον λέγων, καὶ αὐτὸς ὁμοίως πειρᾶται
δεικνύναι τὰ ἄλλα στοιχεῖα ἐκ τοῦ ἀέρος ἀποτελούμενα.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (Aggregatzustände) Th 94 (w. s.)


Servius grammaticus – Nemesios von Emesa 269

erzeugt wird: Woher jene Formulierung entsprechend Thales stammt: „den


Ozean, den Vater der Dinge“.

Th 321
Kommentar zu Vergils Georgica 4.379
Und er sagte, dass der Ozean der Vater der Dinge sei entsprechend den
Naturphilosophen, die sagen, dass das Wasser das Element aller Dinge sei.
Darunter als Erster Thales.

Th 322
Kommentar zu Vergils Georgica 4.381
„den Ozean, den Vater“ entsprechend Thales, wie oben gesagt (Th 317 ff.).

Nemesios von Emesa (Werk um 400 n. Chr.)


Th 323
Über die Natur des Menschen 2.68–69
Grenzenlose Unstimmigkeit über die Natur der Seele. [...] Thales sagte als
Erster, dass die Seele immer bewegt und selbstbewegt sei (s. Th 165), Py-
thagoras aber [...].

Th 324
Über die Natur des Menschen 5.169
Auch Thales sagt, dass das Wasser das einzige Element sei, und versucht zu
zeigen, dass die anderen drei Elemente von diesem her entstehen. Sein Nie-
derschlag werde nämlich Erde; das Feinteiligere Luft und von der Luft das
Feinteiligere Feuer. Anaximenes aber nennt nur die Luft und versucht auf
gleiche Weise zu zeigen, dass die anderen Elemente aus der Luft entstehen.
270 Iulianus Aeclanensis – Theodoret

Iulianus Aeclanensis
Th 325
Libri IV ad Turbantium 2.148 (ed. de Coninck CCL 88) (= Th 316)
(Conuocasti etiam in auxilium turbam philosophorum [...] Quis enim audiat
quod abs te commemorantur) Thales Milesius unus e septem sapientibus,
deinde Anaximander, Anaximenes, Anaxagoras, Xenophanes, Parmenides,
Leucippus, Democritus, Empedocles, Heraclitus, Melissus, Plato, Pytha-
goraei [...].

Theodoret
Th 326
Graecarum affectionum curatio 1.12 (ed. Canivet)
Οἱ δὲ τῶν Ἑλληνικῶν φιλοσόφων περιφανέστατοι, ὧν ἡ μνήμη παρὰ τοῖς
ἐλλογίμοις μέχρι καὶ τήμερον πολυθρύλητος, Φερεκύδης ὁ Σύριος καὶ
Πυθαγόρας ὁ Σάμιος καὶ Θαλῆς ὁ Μιλήσιος καὶ Σόλων ὁ Ἀθηναῖος, καὶ
μέντοι καὶ Πλάτων ἐκεῖνος, ὁ Ἀρίστωνος μὲν υἱός, Σωκράτους δὲ φοιτητής,
εὐστομίᾳ δὲ πάντας ἀποκρύψας, οὐκ ὤκνησαν ἕνεκα τοῦ τἀληθὲς ἐξευρεῖν
καὶ Αἴγυπτον περινοστῆσαι καὶ Θήβας τὰς Αἰγυπτίας καὶ Σικελίαν καὶ
Ἰταλίαν, καὶ ταῦτα οὐ μιᾶς βασιλείας τάδε τὸ τηνικαῦτα ἰθυνούσης τὰ
ἔθνη, ἀλλὰ διαφόρων μὲν πολιτειῶν ἐν ταῖς πόλεσιν οὐσῶν, διαφόρων δὲ
νόμων.

Sim. (ägyptischer Einfluss) Th 92 (w. s.)

Th 327
Gr. aff. cur. 1.23–24
Εἰ δὲ καὶ τὰς τέχνας καὶ τὰς ἐπιστήμας καὶ τῶν δαιμόνων τὰς τελετὰς καὶ
τὰ πρῶτα στοιχεῖα παρὰ βαρβάρων ἐδιδάχθησαν Ἕλληνες καὶ ἐπὶ τοῖς
διδασκάλοις ἁβρύνονται, τί δήποτε ὑμεῖς, οὐδὲ ξυνιέναι τὰ ὑπ᾽ ἐκείνων
ξυγγεγραμμένα δυνάμενοι, παραιτεῖσθε μαθεῖν τὴν ἀλήθειαν παρ᾽ ἀνδρῶν
θεόσδοτον σοφίαν εἰσδεξαμένων; [24] Εἰ δέ, ὅτι οὐκ ἐκ τῆς Ἑλλάδος ἐβλά-
στησαν, τὰς ἀκοὰς αὐτοῖς ὑπέχειν οὐ βούλεσθε, ὥρα ὑμῖν μήτε Θαλῆν
ὀνομάζειν σοφὸν μήτε Πυθαγόραν φιλόσοφον μήτε Φερεκύδην τὸν ἐκείνου
διδάσκαλον. Ὁ μὲν γὰρ Φερεκύδης Σύριος ἦν, οὐκ Ἀθηναῖος οὐδὲ Σπαρ-
τιάτης οὐδέ γε Κορίνθιος‧ τὸν δὲ Πυθαγόραν Ἀριστόξενος καὶ Ἀρίσταρχος
Iulianus Aeclanensis – Theodoret 271

Iulianus Aeclanensis (ca. 385 bis vor 455 n. Chr.)


Th 325
Vier Bücher an Turbantius 2.148
[...] Wer sollte nämlich hören, was von dir erwähnt wird, Thales aus Milet,
einer der Sieben Weisen, dann Anaximander, Anaximenes, Anaxagoras, Xe-
nophanes, Parmenides, Leukipp, Demokrit, Empedokles, Heraklit, Mellis-
sos, Platon, die Pythagoreer [...].

Theodoret (um 393–um 466 n. Chr.)


Th 326
Heilung der griechischen Krankheiten 1.12
Die berühmtesten Philosophen der Griechen, darunter Thales, [...] zögerten,
um die Wahrheit zu finden, nicht, auch nach Ägypten zu reisen und zum
ägyptischen Theben und nach Sizilien und nach Italien, und dies, obwohl
damals nicht eine einzige Königsherrschaft diese Völker lenkte, sondern es
unterschiedliche Verfassungen in den Städten gab und unterschiedliche Ge-
setze.

Th 327
Heilung der griechischen Krankheiten 1.23–24
Wenn aber die Griechen die Künste und die Wissenschaften und die religiösen
Geheimnisse und die ersten Buchstaben von den Barbaren lernten und sich
mit ihren Lehrern brüsten, was verweigert ihr da, die ihr das von jenen Ver-
fasste nicht verstehen könnt, die Wahrheit von Männern zu lernen, die eine
gottgegebene Weisheit empfangen haben? [1.24] Wenn ihr ihnen aber kein
Gehör schenken wollt, da sie nicht Griechenland entstammen, dann ist es Zeit
für euch, weder Thales, den Weisen, zu nennen, noch den Philosophen Pytha-
goras, noch seinen Lehrer Pherekydes. Denn Pherekydes war Syrier, nicht
Athener, nicht Spartaner und auch nicht Korinther; Pythagoras soll laut
272 Theodoret

καὶ Θεόπομπος Τυρρηνὸν εἶναί φασιν, ὁ δὲ Νεάνθης Τύριον ὀνομάζει‧ τὸν


δὲ Θαλῆν οἱ μὲν Μιλήσιον λέγουσι, Λέανδρος (Th  50) δὲ καὶ Ἡρόδοτος
(Th 12) Φοίνικα προσηγόρευσαν.

Sim. (phönizische Abkunft) Th 12 (w. s.)

Th 328
Gr. aff. cur. 1.37
Καὶ μέντοι κἀν τῷ Θεαιτήτῳ τοὺς μετεωρολέσχας διαβάλλων ὧδε λέ-
γει‧ „Ὡσπερ καὶ Θαλῆν ἀστρονομοῦντα, ὦ Θεόδωρε, καὶ ἄνω βλέπον-
τα, πεσόντα εἰς φρέαρ, Θρᾷττά τις ἐμμελὴς καὶ χαρίεσσα θεραπαινὶς
ἀποσκῶψαι λέγεται ὡς τὰ μὲν ἐν οὐρανῷ προθυμοῖτο εἰδέναι, τὰ δ᾽ ὄπι-
σθεν αὐτοῦ καὶ παρὰ πόδας λανθάνοι αὐτόν.“

Sim. (Brunnenfall) Th 19 (w. s.)

Th 329
Gr. aff. cur. 2.8–9
Εἰ δὲ δὴ τοὺς φιλοσόφους ἡμῖν προβάλλεσθε, εὖ ἴστε, ὡς καὶ οὗτοι πλά-
νον ὑπέμειναν πάμπολυν. Οὐ γὰρ δὴ μίαν ἅπαντες λεωφόρον ἐσχήκασιν
οὐδὲ τοῖς τῶν προωδευκότων ἠκολούθησαν ἴχνεσιν, ἀλλ᾽ ἰδίαν ἕκαστος
ἐτέμετο τρίβον καὶ μυρίας ἐπινενοήκασι [τρίβους]‧ πολυσχιδεῖς γάρ που
τοῦ ψεύδους αἱ ἀτραποί‧ [9] καὶ τοῦτο διαρρήδην αὐτίκα δὴ μάλα δει-
χθήσεται. Θαλῆς μὲν γάρ, τῶν ἑπτὰ καλουμένων σοφῶν ὁ πρεσβύτατος,
ἀρχὴν πάντων τὸ ὕδωρ ὑπέλαβεν, Ὁμήρῳ γε οἶμαι εἰρηκότι πιστεύσας‧
Ὠκεανόν τε θεῶν γένεσιν καὶ μητέρα Τηθύν.
Ἀναξίμανδρος δέ, τοῦτον διαδεξάμενος, ἀρχὴν ἔφη τὸ ἄπειρον‧ Ἀναξιμένης
δέ, ὁ τούτου διάδοχος, καὶ Διογένης ὁ Ἀπολλωνιάτης τὸν ἀέρα ξυμφώνως
ἀρχὴν προσηγορευσάτην.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20
(w. s.); (Wasserhypothese geht auf erste Theologen/Homer zurück) Th 29
(w. s.)
Theodoret 273

Aristoxenos, Aristarch und Theopomp Tyrrhener sein, Neanthes aber


nennt ihn Tyrer. Von Thales sagen die einen, er sei Milesier, Leandros aber
(Th 50) und Herodot (Th 12) sprechen von ihm als Phönizier.

Th 328
Heilung der griechischen Krankheiten 1.37
Der Unterschied zwischen unfruchtbarer Wissenschaft und Weisheit soll
auch mit Hilfe von Platon-Zitaten belegt werden. [...] Und im Theaitetos
(Th 19) attackiert er [Platon] die Himmelsgaffer und sagt folgendermaßen1:
„Thales, mein lieber Theodoros [...].“

Th 329
Heilung der griechischen Krankheiten 2.8–9
Wenn ihr euch aber gegen uns auf die Philosophen beruft, so müsst ihr
wissen, dass sich auch diese jedem erdenklichen Irrtum unterzogen haben.
Denn sie haben keineswegs alle einen einzigen Weg eingeschlagen und folg-
ten auch nicht den Spuren ihrer Vorgänger. Vielmehr bahnte sich ein jeder
seinen eigenen Weg, und unzählige Wege dachten sie hinzu. Denn vielfach
verzweigt sind die Pfade der Falschheit. [2.9] Und dies soll sogleich aus-
drücklich gezeigt werden. Denn Thales, der älteste der so genannten Sieben
Weisen, nahm an, dass das Wasser das Prinzip aller Dinge sei, indem er,
nehme ich an, den Worten Homers vertraute: „Okeanos, den Ursprung der
Götter, und die Mutter Tethys“ [Il. 14.201]. Anaximander aber, sein Nach-
folger, sagte, dass das Unendliche das Prinzip sei. Anaximenes aber, dessen
Nachfolger, und Diogenes von Apollonia sprachen übereinstimmend von
der Luft als dem Prinzip.

1 Zur Interpretation der Stelle vgl. Siniossoglu (2008) 111.


274 Theodoret

Th 330
Gr. aff. cur. 2.50
Εἰ τοίνυν τούτων μὲν κατὰ τὸν Πορφύριον ὁ Μωϋσῆς πλείοσιν ἢ χιλίοις
πρεσβύτερος ἔτεσιν, οὗτοι δὲ παλαιότατοι τῶν ποιητῶν ἐγένοντοΖ μετὰ
γὰρ τούτους καὶ Ὅμηρος καὶ Ἡσίοδος ἐγενέσθην, καὶ οὗτοι δ᾽ αὖ πάλιν
Θαλοῦ καὶ τῶν ἄλλων φιλοσόφων πολλοῖς ἔτεσιν ἀρχαιότεροι, καὶ οἱ ἀμφὶ
Θαλῆν τῶν μετ᾽ αὐτοὺς πεφιλοσοφηκότωνΖ, τί δήποτε μὴ τούτους πάν-
τας καταλιπόντες πρὸς Μωϋσέα τὸν τῆς θεολογίας ὠκεανὸν μεταβαίνο-
μεν, „ἐξ οὗπερ“, ποιητικῶς εἰπεῖν, „πάντες ποταμοὶ καὶ πᾶσα θάλασσα“.

Sim. (Datierung) Th 171 (w. s.)

Th 331
Gr. aff. cur. 4.13
Καὶ τὴν ὕλην δέ γε Θαλῆς μὲν καὶ Πυθαγόρας καὶ Ἀναξαγόρας καὶ Ἡρά-
κλειτος καὶ ὁ τῶν Στωϊκῶν ὁρμαθὸς τρεπτὴν καὶ ἀλλοιωτὴν καὶ ῥευστὴν
ἔφασαν εἶναι.

Sim. (Materie) Th 151 (w. s.)

Th 332
Gr. aff. cur. 4.15–16
Οὐ μόνον δὲ ἐν τούτοις διαφωνίᾳ γε πλείστῃ, ἀλλὰ κἀν τοῖς ἄλλοις ἐχρή-
σαντο. Καὶ γὰρ δὴ τὸν κόσμον Θαλῆς μὲν καὶ Πυθαγόρας καὶ Ἀναξαγόρας
καὶ Παρμενίδης καὶ Μέλισσος καὶ Ἡράκλειτος καὶ Πλάτων καὶ Ἀριστοτέ-
λης καὶ Ζήνων ἕνα εἶναι ξυνωμολόγησαν‧ Ἀναξίμανδρος δὲ καὶ Ἀναξιμένης
καὶ Ἀρχέλαος καὶ Ξενοφάνης καὶ Διογένης καὶ Λεύκιππος καὶ Δημόκριτος
καὶ Ἐπίκουρος πολλοὺς εἶναι καὶ ἀπείρους ἐδόξασαν. [16] Καὶ οἱ μὲν σφαι-
ροειδῆ τοῦτον εἶναι, οἱ δὲ ἑτεροειδῆ‧ καὶ οἱ μὲν μυλοειδῶς, οἱ δὲ τροχοῦ δί-
κην περιδινεῖσθαι‧ καὶ οἱ μὲν ἔμψυχόν τε καὶ ἔμπνουν, οἱ δὲ παντάπασιν
ἄψυχον‧ καὶ οἱ μὲν κατ᾽ ἐπίνοιαν γενητόν, οὐ κατὰ χρόνον, οἱ δὲ ἀγένη-
τον παντελῶς καὶ ἀναίτιον‧ καὶ οὗτοι μὲν φθαρτόν, ἐκεῖνοι δὲ ἄφθαρτον.

Sim. (Ein einziger Kosmos) Th 155 (w. s.)


Theodoret 275

Th 330
Heilung der griechischen Krankheiten 2.50
Wenn demnach Porphyrios zufolge Moses um mehr als tausend Jahre älter
als diese [Orpheus, Linos, Musaios u. a.] ist, sie aber die ältesten Dichter
waren – denn nach ihnen lebten Homer und Hesiod, und diese wiederum
sind um viele Jahre älter als Thales und die übrigen Philosophen, und Thales
und die um ihn [sind älter] als die, die nach ihnen philosophierten –, wa-
rum sollen wir diese dann nicht alle beiseite lassen und uns zu Moses, dem
Ozean der Theologie wenden, „aus dem doch“, dichterisch gesprochen,
„alle Ströme und alles Meer“ [Hom. Il. 21.196] [hervorgegangen sind] ?

Th 331
Heilung der griechischen Krankheiten 4.13
Thales, Pythagoras, Anaxagoras, Heraklit und der Schwarm der Stoiker
sagten, dass die Materie umwandelbar, veränderbar und im Fluss sei (vgl.
Th 151).

Th 332
Heilung der griechischen Krankheiten 4.15–16
Nicht nur darin1 waren sie ganz unterschiedlicher Ansicht, sondern auch
in anderen Dingen. Thales, Pythagoras, Anaxagoras, Parmenides, Melissos,
Heraklit, Platon, Aristoteles und Zenon stimmten überein, dass es eine ein-
zige Welt gebe. Anaximander, Anaximenes, Archelaos, Xenophanes, Dio-
genes, Leukipp, Demokrit und Epikur waren der Ansicht, dass es viele und
unendliche [Welten] gebe. Und die einen [meinten, dass sie] kugelförmig sei,
die anderen andersförmig; die einen, dass sie wie ein Mühlrad, die anderen2
wie ein Wagenrad herumwirble. Die einen hielten sie für beseelt und mit
Pneuma [Atem, Hauch] versehen, die anderen für gänzlich unbeseelt. Die
einen meinten, sie sei mit Vorsatz entstanden, nicht im Laufe der Zeit, die
anderen, sie sei gänzlich unentstanden und ohne Ursache. Die einen hielten
sie für vergänglich, jene wieder für unvergänglich.

1 Über die Materie, das Leere.


2 Anaximander nach Diels 19582, 46. Vgl. aber Conche 1991, 212, Anm. 40.
276 Theodoret

Th 333
Gr. aff. cur. 4.17
Καὶ τοὺς ἀστέρας δὲ Θαλῆς μὲν γεώδεις καὶ ἐμπύρους ὠνόμασεν.

Sim. (Natur der Gestirne) Th 157 (w. s.)

Th 334
Gr. aff. cur. 4.21
Καὶ μέντοι καὶ τὸν ἥλιον καὶ τὴν σελήνην [...] Θαλῆς δὲ γεώδη [...].

Sim. (Beschaffenheit der Sonne/ des Mondes) Th 158 (w. s.)

Th 335
Gr. aff. cur. 4.23
Καὶ περὶ σελήνης δὲ ὁμοίως ὑθλοῦσιν‧ γεώδη μὲν γὰρ αὐτὴν ὁ Θαλῆς φη-
σιν, Ἀναξιμένης δὲ καὶ Παρμενίδης καὶ Ἡράκλειτος ἐκ μόνου ξυνεστάναι
πυρός.

Sim. (Beschaffenheit der Sonne /des Mondes) Th 158 (w. s.)

Th 336
Gr. aff. cur. 5.17
Θαλῆς τοίνυν κέκληκε τὴν ψυχὴν ἀκίνητον φύσιν.

Sim. (Natur der Seele/ Magnetstein) Th 31 (w. s.)

Th 337
Gr. aff. cur. 5.44–45
Τοσαύτην καὶ ξυγγραφεῖς καὶ φιλόσοφοι καὶ ποιηταὶ καὶ ψυχῆς πέρι καὶ
σώματος καὶ αὐτῆς γε τῆς τοῦ ἀνθρώπου ξυστάσεως πρὸς ἀλλήλους
ἐσχήκασιν ἔριν καὶ διαμάχην, οἱ μὲν ταῦτα, οἱ δὲ ἐκεῖνα πρεσβεύοντες, οἱ
δὲ τούτων τε κἀκείνων ἐναντίαν δόξαν ὠδίνοντες. Οὐ γὰρ τἀληθὲς μαθεῖν
ἐπεθύμησαν, ἀλλὰ κενοδοξίᾳ καὶ φιλοτιμίᾳ δουλεύσαντες καινῶν εὑρε-
ταὶ κληθῆναι δογμάτων ἐπεθύμησαν. [45] Διὰ δὴ τοῦτο καὶ τὸν πολὺν
ὑπομεμενήκασι πλάνον, τῶν ὕστερον ἐπιγενομένων ἀνατετροφότων τῶν
πρεσβυτέρων τὰς δόξας. Καὶ Ἀναξίμανδρος μέν, τελευτήσαντος ἤδη τοῦ
Theodoret 277

Th 333
Heilung der griechischen Krankheiten 4.17
Thales benannte die Sterne als erdartig und feurig.

Th 334 Gr. aff. cur. 4.21


Thales aber sah die Sonne und den Mond als erdartig an.

Th 335
Heilung der griechischen Krankheiten 4.23
Und über den Mond schwatzen sie gleichermaßen: Erdartig nämlich sei er,
sagt Thales. Anaximenes, Parmenides und Heraklit nahmen an, dass der
Mond allein aus Feuer bestehe.

Th 336
Heilung der griechischen Krankheiten 5.17
Thales nannte die Seele von Natur unbewegt (vgl. aber Th 165).

Th 337
Heilung der griechischen Krankheiten 5.44–45
Leerer Streit von Schriftstellern, Philosophen und Dichtern über die Natur
von Seele und Körper und Zusammensetzung des Menschen. Dabei ging es
ihnen nicht um Wahrheit, sondern um den Ruhm neuer Lehren. [45] [...] Da-
her haben sie auch das große Irren geduldig ausgehalten, wobei die Nach-
geborenen die Lehren der Älteren umwarfen. Auch Anaximander hielt sich
nach Thales’ Tod an entgegengesetze Ansichten. Nach Anaximanders Tod
machte das Anaximenes ebenso; und ebenso Anaxagoras.
278 Theodoret – Aponius

Θάλεω, τοῖς ἐναντίοις ἐχρήσατο δόγμασι‧ καὶ Ἀναξιμένης δὲ μετὰ τὸν


Ἀναξιμάνδρου γε θάνατον ταὐτὸ τοῦτο πεποίηκε‧ καὶ Ἀναξαγόρας δὲ
ὡσαύτως.

Aponius
Th 338
In canticum canticorum expositio 5.22–23 (ed. de Vregille/Neyrand)
Quod autem secundo haec uerba repetuntur in Cantico hoc, ubi secundo
dumtaxat per capreas ceruosque camporum adiurantur filiae Hierusalem,
non pigebit priora alterius libelli repetere dicta. In priore enim filiarum
adiuratione, in caprearum et ceruorum personas thalesianae et ferecidensis
philosophiae intellegi diximus. Quae licet in Ecclesiae doctrina non infera-
tur, sicut caprearum et ceruorum animalia non sunt iussa Moysi in altario
sacrificium Deo offerri, ut iussa sunt agnus, uitulus uel capra in altario im-
molanda, tamen inter immunda non sunt reputata et uesci iubentur populo
fuso sanguine in terra: ita et praedicta philosophia non est immunda iniuriis
creatoris, sicut aliorum philosophrum uita uel dogmata, qui bestiis, canibus
et porcis comparandi probantur, libidinem summum bonum esse docen-
tes, a quorum insania procul supradicta philosophia antedictis animalibus
comparata esse dignoscitur. [23] De quibus Thales nomine initium omnium
rerum aquam in suo esse dogmate pronuntiauit, et inde omnia facta sub-
sistere ab inuiso et magno; causam uero motus aquae spiritum insidentem
confirmat; simulque geometricam artem perspicaci sensu prior inuenit, per
quam suspicatus est unum rerum omnium creatorem.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (Urheber der Naturphilosophie und Ma-
thematik/ Geometrie) Th  81 (w.  s.); (Erdbeben) Th  99 (w.  s.); (Gott [als
Geist des Kosmos]) Th 72 w. s.
Theodoret – Aponius 279

Aponius (5. Jh. n. Chr.)


Th 338
Auslegung zum Lied der Lieder 5.22–23
Wenn aber diese Worte ein zweites Mal in diesem Lied [III 5]1 wiederholt
werden, da nämlich zum zweiten Mal die Töchter Jerusalems bei den Re-
hen oder Hirschkühen auf dem Felde beschworen werden, wird man es mir
nicht verargen zu wiederholen, was früher in einem anderen Buch gesagt
wurde. Bei der ersten Beschwörung der Töchter haben wir nämlich gesagt,
dass man unter den Rehen und Hirschkühen die personifizierte Philosophie
des Thales und des Pherekydes verstehen muss.2 Wenngleich diese Philo-
sophie nicht in den Bereich der Lehre der Kirche fällt, wie auch Moses
nicht befohlen wurde, die Rehe und Hirschkühe Gott auf dem Altar zu
opfern, ebenso wie befohlen wurde, Lamm, Kalb oder die Ziege auf dem
Altar darzubringen, werden sie doch nicht zu den unreinen Tieren gezählt,
und die Menschen sollen sich von ihnen ernähren, nachdem ihr Blut auf
die Erde gegossen wurde.3 So ist auch die besagte Philosophie nicht durch
Ungerechtigkeiten gegen den Schöpfer unrein, wie das für das Leben oder
die Lehren anderer Philosophen gilt, die man wilden Tieren, Hunden und
Schweinen vergleichen muss, und die lehren, dass die Lust das höchste Gut
sei. Man erkennt den Abstand zwischen deren Wahnsinn und der oben ge-
nannten Philosophie im Vergleich mit den in Frage stehenden Tieren. [23]
Unter diesen Philosophen verkündete nun der genannte Thales in seiner
Lehre, dass das Wasser der Beginn aller Dinge sei. Und von da aus sei alles
von einem Unsichtbaren und Großen geschaffen worden und bestehe es; er
versichert aber, dass die Ursache des Bebens der dem Wasser innewohnende
Geist sei.4 Zugleich erfand er mit scharfem Sinn die Geometrie, wodurch er
zur Ahnung gelangte, dass der Schöpfer aller Dinge einer sei.

1 Zuerst II 7.
2 « En réalité, il y est bien question des platoniciens et des stoïciens, mais non de Thalès
et de Phérécyde. » (Vregille/ Neyrand zur Stelle). Vgl. Schibli (1990) 109 f.
3 Vgl. 5. Mose 12.15–16.
4 „et il affirme que la cause du mouvement de l’eau est l’esprit qui y réside“ (Vregille/
Neyrand).
280 Iohannes Stobaios

Iohannes Stobaios
Th 339
Anthologium 1.1.29a (ed. Wachsmuth/Hense)
(ὅτι θεὸς δημιουργὸς τῶν ὄντων καὶ διέπει τὸ ὅλον τῷ τῆς προνοίας λόγῳ
καὶ ποίας οὐσίας ὑπάρχει.) Θαλῆς ἐρωτηθείς, Τί πρεσβύτατον τῶν ὄντων;
ἀπεκρίνατο‧ Θεός, ἀγέννητον γάρ.

Sim. (Spruchweisheit) Th 89 (w. s.)

Th 340
Anth. 1.1.29b
Θαλῆς νοῦν τοῦ κόσμου τὸν θεόν, τὸ δὲ πᾶν ἔμψυχον ἅμα καὶ δαιμόνων
πλῆρες‧ διήκειν δὲ καὶ διὰ τοῦ στοιχειώδους ὑγροῦ δύναμιν θείαν κινη-
τικὴν αὐτοῦ.

Sim. (Gott [als Geist des Kosmos]) Th 72 (w. s.); (Beseeltheit des Alls) Th 32
(w. s.); (Dämonen, Heroen) Th 150 (w. s.)

Th 341
Anth. 1.4.7a
(περὶ ἀνάγκης 〈θείας〉 καθʹ ἣν ἀπαραιτήτως τὰ κατὰ τὴν τοῦ θεοῦ γίνεται
βούλησιν.) Θαλῆς ἐρωτηθείς, Τί ἰσχυρότατον; εἶπεν‧ Ἀνάγκη, κρατεῖ γὰρ
πάντων.

Sim. (Spruchweisheit) Th 89 (w. s.)

Th 342
Anth. 1.8.40a
(περὶ χρόνου οὐσίας καὶ μερῶν καὶ πόσων εἴη αἴτιος.) Θαλῆς ἐρωτηθείς,
τί σοφώτατον; 〈ἔφη,〉 Χρόνος‧ ἀνευρίσκει γὰρ τὰ πάντα. [...] Θαλῆς ἔφη-
σεν, ὅτι σαφέστατος ἔλεγχος πραγμάτων ἁπάντων ἐστὶν ὁ χρόνος, οὗτος
〈γὰρ〉 τὴν ἀλήθειαν ἐμφανίζει.

Sim. (Spruchweisheit) Th 89 (w. s.)


Iohannes Stobaios 281

Iohannes Stobaios (5. Jh. n. Chr.)


Th 339
Blütenlese 1.1.29a
(Dass Gott der Schöpfer der Dinge ist und das All mit dem Logos der Vorse-
hung verwaltet und welches Wesens er ist.) Thales antwortete auf die Frage,
was das Älteste der seienden Dinge sei: „Gott; denn er ist ungeworden.“
(vgl. Th 90; Th 121; Th 237 [Diog. Laert. 1.35]; Th 564 [320a]).

Th 340
Blütenlese 1.1.29b
Thales sagt, dass der Geist des Kosmos Gott sei, das All aber beseelt zu-
gleich und voll von Dämonen; es durchdringe aber auch das elementartige
Feuchte eine göttliche Kraft, die es in Bewegung setze.1

Th 341
Blütenlese 1.4.7a
(Über die göttliche Notwendigkeit, nach der unerbittlich das dem Willen
Gottes Entsprechende entsteht.) Thales sagte auf die Frage, was das Stärkste
sei: „Die Notwendigkeit; denn sie besiegt alles.“ (vgl. Th 121; Th 154;
Th 237 [Diog. Laert. 1.35]; Th 564 [320e]).

Th 342
Blütenlese 1.8.40a
(Über das Wesen und die Teile der Zeit und wessen sie ursächlich ist.) Thales
sagte auf die Frage, was das Weiseste sei: „Die Zeit; denn sie findet alles.“
[...]. Thales sagte, dass der klarste Aufweis aller Dinge die Zeit sei, denn
sie bringe die Wahrheit ans Licht (vgl. Th 121; Th 237 [Diog. Laert. 1.35];
Th 342; Th 564 [320f]).

1 Siehe Kerschensteiner 1962, 26.


282 Iohannes Stobaios

Th 343
Anth. 1.10.12.1–10
(περὶ ἀρχῶν καὶ στοιχείων τοῦ παντός.) Θαλῆς ὁ Μιλήσιος ἀρχὴν τῶν
ὄντων ἀπεφήνατο τὸ ὕδωρ, ἐξ ὕδατος γάρ φησι πάντα εἶναι καὶ εἰς ὕδωρ
πάντα ἀναλύεσθαι. Στοχάζεται δὲ πρῶτον ἐκ τούτου, ὅτι πάντων τῶν
ζῴων ἡ γονὴ ἀρχή ἐστιν, ὑγρὰ οὖσα. οὕτως εἰκὸς καὶ τὰ πάντα ἐξ ὑγροῦ
τὴν ἀρχὴν ἔχειν. Δεύτερον, 〈ὅτι〉 πάντα φυτὰ ὑγρῷ τρέφεται καὶ καρ-
ποφορεῖ, ἀμοιροῦντα δὲ ξηραίνεται. Τρίτον, ὅτι καὶ αὐτὸ τὸ πῦρ τὸ τοῦ
ἡλίου καὶ τῶν ἄστρων ταῖς τῶν ὑδάτων ἀναθυμιάσεσι τρέφεται καὶ αὐτὸς
ὁ κόσμος.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 344
Anth. 1.10.12.47–53
Ἀρχέλαος ἀέρα ἄπειρον καὶ τὴν περὶ αὐτὸν πυκνότητα καὶ μάνωσιν.
τούτων δὲ τὸ μὲν εἶναι πῦρ, τὸ δ᾽ ὕδωρ. Οὗτοι μὲν οὖν ἐφεξῆς ἀλλήλοις ταῖς
διαδοχαῖς γενόμενοι τὴν Ἰωνικὴν ἐκπληροῦσι φιλοσοφίαν, οὕτω προσ-
αγορευθεῖσαν, διότι Μιλήσιος αὐτῆς κατῆρξεν ἀνήρ, ὁ Θαλῆς ἀπὸ τῆς τῶν
Ἰώνων μητροπόλεως.

Sim. (Ionische Schule) Th 147 (w. s.)

Th 345
Anth. 1.10.16b
Οἱ μὲν οὖν περὶ Αριστοτέλην καὶ Πλάτωνα διαφέρειν ἡγοῦνται ἀρχὴν καὶ
στοιχεῖα. Θαλῆς δ᾽ ὁ Μιλήσιος ταὐτὸν νομίζει ἀρχὴν καὶ στοιχεῖα.

Th 346
Anth. 1.11.3
(περὶ ὕλης.) Οἱ ἀπὸ Θάλεω καὶ Πυθαγόρου, λέγω δὲ τοὺς μέχρι τῶν Στω-
ικῶν καταβεβηκότας σὺν Ἡρακλείτῳ, τρεπτὴν καὶ ἀλλοιωτὴν καὶ μετα-
βλητὴν καὶ ῥευστὴν ὅλην δι᾽ ὅλης τὴν ὕλην ἀπεφήναντο.

Sim. (Materie) Th 151 (w. s.)


Iohannes Stobaios 283

Th 343
Blütenlese 1.10.12.1–10
(Über die Prinzipien und Elemente des Alls.) Thales aus Milet legte dar,
dass das Prinzip alles Seienden das Wasser ist. Aus dem Wasser, so sagt er,
sei alles und in Wasser löse sich alles wieder auf. Er schließt dies zunächst
aus der Tatsache, dass der Same, der feucht ist, das Prinzip aller Lebewesen
ist. So ist es wahrscheinlich, dass alle Dinge ihr Prinzip aus dem Feuchten
haben. Zweitens [schließt er dies aus der Tatsache], dass alle Pflanzen dank
des Feuchten ernährt werden und Frucht tragen, aber vertrocknen, wenn
sie keinen Anteil [am Feuchten] haben. Drittens [schließt er dies aus der
Tatsache], dass auch das Feuer der Sonne selbst und das der Gestirne durch
die Ausdünstungen der Wasser ernährt werden, ebenso der Kosmos (vgl.
Th 147).

Th 344
Blütenlese 1.10.12.47–53
Die so genannte „Ionische“ Philosophie, die auf Thales zurückgeführt wird.

Th 345
Blütenlese 1.10.16b
Aristoteles und Platon nehmen an, dass sich Prinzip und Elemente unter-
scheiden. Thales aus Milet aber hält Prinzip und Elemente für dasselbe (vgl.
Th 146).

Th 346
Blütenlese 1.11.3
(Über die Materie.) Thales und Pythagoras und ihre Schule bis zu den Sto-
ikern einschließlich Heraklit nahmen an, dass die Materie umwandelbar,
veränderbar, modifizierbar und im Fluss in ihrem ganzen Umfange sei.
284 Iohannes Stobaios

Th 347
Anth. 1.13.1d
(περὶ αἰτίων.) Θαλῆς καὶ οἱ ἐφεξῆς τὸ πρῶτον αἴτιον ἀκίνητον ἀπεφήναν-
το.

Th 348
Anth. 1.14.1i (= Th 152)
(περὶ σωμάτων καὶ περὶ τῆς τούτων τομῆς καὶ περὶ ἐλαχίστου.) Οἱ ἀπὸ
Θάλεω καὶ Πυθαγόρου παθητὰ 〈τὰ〉 σώματα καὶ τμητὰ εἰς ἄπειρον, καὶ
πάντα τὰ συνεχῆ, γραμμήν, ἐπιφάνειαν, στερεὸν σῶμα, τόπον, χρόνον.

Th 349
Anth. 1.17.1
(περὶ μίξεως καὶ κράσεως.) Θαλῆς καὶ οἱ ἀπ᾽ αὐτοῦ κράσεις εἶναι τὰς τῶν
στοιχείων μίξεις κατ᾽ ἀλλοίωσιν.

Th 350
Anth. 1.18.1a
(περὶ κενοῦ καὶ τόπου 〈καὶ χώρας〉.) Οἱ ἀπὸ Θάλεω φυσικοὶ πάντες τὸ
κενὸν ὡς ὄντως κενὸν ἀπέγνωσαν.

Th 351
Anth. 1.18.1e
Θαλῆς ἐρωτηθείς, Τί τὸ μέγιστον; ἔφησε, Τόπος‧ τἄλλα μὲν γὰρ ὁ κόσμος,
τὸν δὲ κόσμον οὗτος περιέχει.

Sim. (Spruchweisheit) Th 89 (w. s.)


Iohannes Stobaios 285

Th 347
Blütenlese 1.13.1d
(Über die Ursachen.) Thales und seine Nachfolger legten dar, dass das erste
Ursächliche unbewegt sei.

Th 348
Blütenlese 1.14.1i
(Über die Körper und ihre Zerteilung und über das Kleinste.) Die Schule
des Thales und die Schule des Pythagoras sagen, dass die Körper affizierbar
seien und unbegrenzt zerteilt werden könnten, und alles damit Zusammen-
hängende, Linie, Oberfläche, räumlicher Körper, Ort, Zeit (vgl. Th 152).

Th 349
Blütenlese 1.17.1
(Über Mischung und Verbindung.) Thales und die nach ihm sagten, dass die
Verbindungen Mischungen der Elemente infolge von Veränderung seien.1

Th 350
Blütenlese 1.18.1a
(Über das Leere und den Raum und den Platz.) Alle Physiker um Thales
haben das Leere als aktuell Leeres abgelehnt (vgl. Th 153, dagegen aber
Th 488).

Th 351
Blütenlese 1.18.1e
Thales sagte auf die Frage, was das Größte sei : „Der Raum; denn der Kos-
mos umfasst alles andere, der Raum aber den Kosmos.“ (vgl. Th 121; Th 237
[Diog. Laert. 1.35]; Th 564 [320c]). 

1 Vgl. [Plu.] Plac. phil. 883E1.


286 Iohannes Stobaios

Th 352
Anth. 1.22.3b
(περὶ τάξεως τοῦ κόσμου· 〈εἰ ἓν τὸ πᾶν〉.) Θαλῆς, Πυθαγόρας, Ἐμπεδοκλῆς,
Ἔκφαντος, Παρμενίδης, Μέλισσος, Ἡράκλειτος, Ἀναξαγόρας, Πλάτων,
Ἀριστοτέλης, Ζήνων ἕνα τὸν κόσμον.

Sim. (Kosmos) Th 155 (w. s.)

Th 353
Anth. 1.23.3 (= Th 156)
(περὶ τῆς οὐρανοῦ οὐσίας καὶ διαιρέσεως.) Θαλῆς Πυθαγόρας καὶ οἱ ἀπ᾽
αὐτοῦ μεμερίσθαι τὴν τοῦ παντὸς οὐρανοῦ σφαῖραν εἰς κύκλους πέντε,
οὕστινας προσαγορεύουσι ζώνας.

Th 354
Anth. 1.24.1a (= Th 157)
(περὶ οὐσίας ἄστρων καὶ σχημάτων, κινήσεώς τε καὶ ἐπισημασίας.) Θαλῆς
γεώδη μέν, ἔμπυρα δὲ τὰ ἄστρα.

Sim. (Natur der Gestirne) Th 157 (w. s.)

Th 355
Anth. 1.25.3b (= etwa Th 158)
(περὶ οὐσίας ἡλίου καὶ μεγέθους σχήματός τε καὶ τρόπων καὶ ἐκλείψεως
καὶ σημείων καὶ κινήσεως.) Θαλῆς γεώδη τὸν ἥλιον. – Ἐκλείπειν δὲ αὐτὸν
τῆς σελήνης ὑπερχομένης κατὰ κάθετον, οὔσης φύσεως γεώδους‧ βλέπε-
σθαι δὲ τοῦτο κατοπτρικῶς ὑποτιθέμενῳ τῷ δίσκῳ.

Sim. (Beschaffenheit der Sonne/des Mondes) Th 158 (w. s.)

Th 356
Anth. 1.26.1e
(περὶ σελήνης οὐσίας καὶ μεγέθους καὶ σχήματος […].) Θαλῆς γεώδη τὴν
σελήνην ἀπεφήνατο.

Sim. (Beschaffenheit des Mondes) Th 158 (w. s.)


Iohannes Stobaios 287

Th 352
Blütenlese 1.22.3b
(Über die Ordnung des Kosmos: Ob das All eines ist.) Thales, Pythagoras,
Empedokles, Ekphantos, Parmenides, Melissos, Heraklit, Anaxagoras, Pla-
ton, Aristoteles und Zenon nahmen an, dass es einen Kosmos gebe.

Th 353
Blütenlese 1.23.3
(Über das Wesen des Himmels und seine Einteilung.) Thales und Pythago-
ras und seine Schule nehmen an, dass die Sphäre des gesamten Himmels in
fünf Kreise geteilt sei, die sie Zonen nennen (vgl. Th 156, Th 397).

Th 354
Blütenlese 1.24.1a
(Über das Wesen und die Formen der Sterne, ihre Bewegung und Bedeu-
tung.) Nach Thales sind die Gestirne erdartig und feurig.

Th 355
Blütenlese 1.25.3b
(Über das Wesen der Sonne, ihre Größe und Form, die Wenden, die Fins-
ternis, die Zeichen und die Bewegung.) Thales sagte, dass die Sonne erdartig
sei. – Sie verfinstere sich aber, wenn der von Natur erdartige Mond senk-
recht unter ihr geht; man beobachtet das im Spiegelbild, indem man die [mit
einer Flüssigkeit gefüllte] Schale unten hinlegt.1

Th 356
Blütenlese 1.26.1e
(Über Wesen, Größe und Form des Mondes [...].) Thales sagte, dass der
Mond erdartig sei.

1 Ich lese ὑποτιθεμένῳ anstelle des überlieferten ὑποτιθεμένον. Siehe zu Th 158.


288 Iohannes Stobaios

Th 357
Anth. 1.26.2
Θαλῆς πρῶτος ἔφη ὑπὸ τοῦ ἡλίου φωτίζεσθαι.

Sim. (Licht des Mondes) Th 159 (w. s.)

Th 358
Anth. 1.26.3
Θαλῆς, Ἀναξαγόρας, Πλάτων, οἱ Στωικοὶ τοῖς μαθηματικοῖς συμφώνως
τὰς μὲν μηνιαίους ἀποκρύψεις συνοδεύουσαν αὐτὴν ἡλίῳ καὶ περιλαμ-
πομένην ποιεῖσθαι, τὰς δ᾽ ἐκλείψεις εἰς τὸ σκίασμα τῆς γῆς ἐμπίπτουσαν,
μεταξὺ [μὲν] ἀμφοτέρων τῶν ἀστέρων γενομένης, μᾶλλον δὲ τῆς σελήνης
ἀντιφραττομένης.

Sim. (Mondfinsternis/Mondphasen) Th 178 (w. s.)

Th 359
Anth. 1.45.1
(πῶς ηὐξήθη τὰ φυτὰ καὶ εἰ ζῷα.) Πλάτων Θαλῆς καὶ τὰ φυτὰ ἔμψυχα
ζῷα. Φανερὸν δὲ καὶ ἀπὸ τοῦ σαλεύεσθαι καὶ ἐντεταμένους ἔχειν τοὺς
κλάδους καὶ ταῖς ἐπαγωγαῖς εἴκειν καὶ πάλιν σφοδρῶς ἀναχαλᾶσθαι,
ὥστε καὶ συνανέλκειν βάρη.

Th 360
Anth. 1.49.1a
(περὶ ψυχῆς.) Θαλῆς ἀπεφήνατο πρῶτος τὴν ψυχὴν ἀεικίνητον ἢ αὐτο-
κίνητον.

Sim. (Natur der Seele) Th 31 (w. s.)


Iohannes Stobaios 289

Th 357
Blütenlese 1.26.2
Thales sagte als Erster, dass der Mond von der Sonne beleuchtet wird.

Th 358
Blütenlese 1.26.3
Thales, Anaxagoras, Platon, die Stoiker [sagen] übereinstimmend mit den
Mathematikern, dass das monatliche Verschwinden [des Mondes] eintritt,
wenn er sich in Konjunktion mit der Sonne befindet, die ihn beleuchtet, und
dass die Verfinsterungen eintreten, wenn er in den Schatten der Erde ein-
tritt, die sich mitten zwischen beiden Gestirnen befindet, oder eher noch,
wenn der Mond abgeschirmt wird (vgl. [Plu.] Plac. 2.29.891F7 ff.).

Th 359
Blütenlese 1.45.1
(Wie die Pflanzen wachsen und ob sie Lebewesen sind.) Platon, Thales
[meinten, daß] auch die Pflanzen beseelte Lebewesen [seien]. Das ergibt
sich daraus, dass sie sowohl schwanken als auch ihre Zweige gespannt halten
und einem Anprall ausweichen, um darauf wieder heftig emporzuschnellen,
so dass sie sogar schwere Sachen mit sich reißen (vgl. Th 405 und [Plu.] Plac.
5.26.910B4 ff.).1

Th 360
Blütenlese 1.49.1a
(Über die Seele.) Thales legte als Erster dar, dass die Seele immer bewegt
oder sich selbst bewegend sei.

1 Siehe dazu Drossaart Lulofs 1987, 11 f.


290 Iohannes Stobaios

Th 361
Anth. 2.1.22.
(περὶ τῶν τὰ θεῖα ἑρμηνευόντων, καὶ ὡς εἴη ἀνθρώποις ἀκατάληπτος ἡ
τῶν νοήτων κατὰ τὴν οὐσίαν ἀλήθεια.)
Ἐκ τῶν Σερήνου Ἀπομνημονευμάτων. Θαλῆν εἰς τὸν οὐρανὸν ὁρῶντα καὶ
ἐμπεσόντα εἰς βόθρον ἡ θεράπαινα, Θρᾷττα οὖσα, δίκαια παθεῖν ἔφη, ὃς
τὰ παρὰ ποσὶν ἀγνοῶν τὰ ἐν οὐρανῷ ἐσκόπει.

Sim. (Brunnenfall) Th 19 (w. s.)

Th 362
Anth. 3.1.172.4 (s. Th 42 = Demetrios v. Phaleron)
(περὶ ἀρετῆς.) Δημητρίου Φαληρέως τῶν ἑπτὰ σοφῶν ἀποφθέγματα.
Θαλῆς Ἐξαμίου Μιλήσιος ἔφη‧ Ἐγγύα, πάρα δ᾽ ἄτα. Φίλων παρόντων καὶ
ἀπόντων μέμνησο. Μὴ τὴν ὄψιν καλλωπίζου, ἀλλ᾽ ἐν τοῖς ἐπιτηδεύμασιν
ἴσθι καλός. Μὴ πλούτει κακῶς. Μή σε διαβαλλέτω λόγος πρὸς τοὺς πί-
στεως κεκοινωνηκότας. Κολακεύειν γονεῖς μὴ ὄκνει. Μὴ προσδέχου τὸ
φαῦλον1. Οἵους ἂν ἐράνους ἐνέγκῃς τοῖς γονεῦσι, τούτους αὐτοὺς ἐν τῷ
γήρᾳ παρὰ τῶν τέκνων προσδέχου. Χαλεπὸν τὸ εὖ γνῶναι. Ἥδιστον τὸ
ἐπιθυμίας τυχεῖν. Ἀνιαρὸν ἀργία. Βλαβερὸν ἀκρασία. Βαρὺ ἀπαιδευσία.
Δίδασκε καὶ μάνθανε τὸ ἄμεινον. Ἀργὸς μὴ ἴσθι, μηδ᾽ ἂν πλουτῇς. Κακὰ2
ἐν οἴκῳ κρύπτε. †Φθόνου χάριν μὴ οἰκτείρου.3 Μέτρῳ χρῷ. Μὴ πᾶσι πί-
στευε. Ἄρχων κόσμει σεαυτόν.

Sim. (Spruchweisheit) Th 89 (w. s.), bes. Th 237 (1.36–37)

1 Vgl. Par.1 Thal. 6 (Tziatzi-Papagianni 1994): πατροῦ λοιδορίαν μὴ προσδέχου


φαῦλον γάρ. Mon. Thal. 12 (Tziatzi-Papagianni): μὴ προσδέχου κατὰ τῶν φίλων
φαῦλα.
2 Vgl. Par.1 Thal. 14 (Tziatzi-Papagianni 1994): τὰ καλὰ ἐν οἴκῳ κρύπτε.
3 inepte secundum Hense: φθονοῦ μᾶλλον ἤ Diels (VS 10.3): Werde lieber beneidet als
bemitleidet.
Iohannes Stobaios 291

Th 361
Blütenlese 2.1.22
(Über die Ausleger der göttlichen Dinge und dass den Menschen die Wahr-
heit der intellegiblen Dinge hinsichtlich ihres Wesens unerfassbar ist.) Brun-
nenfallanekdote (aus den Aufzeichnungen des Serenos1).

Th 362
Blütenlese 3.1.172.4
(Über die Tugend.) Des Demetrios von Phaleron (Th 42) [Sammlung der]
Aussprüche der Sieben Weisen2: Thales, der Sohn des Examyes, aus Milet
sagte: „Bürge, und schon ist das Unheil da. Gedenke der Freunde, seien
sie anwesend oder abwesend! Setze deine Ehre nicht in äußere Schönheit,
sondern sei in Leben und Handeln schön! Werde nicht auf verwerfliche
Weise reich! Keine Rede soll dich gegen die einnehmen, die dein Vertrauen
haben! Zögere nicht, deinen Eltern zu schmeicheln! Nimm nichts Schlech-
tes an! Die Liebesdienste, die du deinen Eltern erwiesen hast, erwarte auch
im Alter von deinen Kindern! Es ist schwer, sich selbst zu erkennen (vgl.
Th 564 [321a]). Das Angenehmste ist es, zu bekommen, was du begehrst
(vgl. Th 564 [321c]). Untätigkeit ist eine Qual. Unbeherrschtheit ist schäd-
lich. Unbildung ist eine Last. Lehre und lerne das Bessere! Sei nicht träge,
auch wenn du Geld hast! Übles im Haus verbirg! Um des Neides wegen
werde nicht bemitleidet!3 Sei maßvoll! Traue nicht allen! Herrschend
schmücke dich selbst!“

1 Zu Serenos siehe Overwien 2005, 58; Searby 2007, CP 3, 556.


2 Siehe hierzu: Althoff/ Zeller 2006, 10 ff.
3 Vgl. Tziatzi-Papagianni zu Par.1 Thal. 14.
292 Iohannes Stobaios

Th 363
Anth. 3.2.19
(περὶ κακίας.) Θαλῆς ἐρωτηθεὶς τί βλαβερώτατον, ἔφη ‛κακία‧ καἱ γὰρ τὰ
χρηστὰ βλάπτει παραγενομένη’.

Sim. (Spruchweisheit) Th 89 (w. s.)

Th 364
Anth. 3.12.14
(περὶ ψεύδους.) Θαλῆς ὁ Μιλήσιος ἐρωτηθεὶς πόσον ἀπέχει τὸ ψεῦδος τοῦ
ἀληθοῦς ‛ὅσον’ ἔφη ‛ὀφθαλμοὶ τῶν ὤτων.’

Th 365
Anth. 3.21.26 (s. Th 246 (Porphyrios) = Aristotels Fr. 3.1R3)
(περὶ τοῦ γνῶθι σαυτόν.) Πορφυρίου ἐκ τοῦ αʹ 〈Περὶ τοῦ γνῶθι σαυτόν〉.
Τί ποτε ἦν ἄρα καὶ τίνος τὸ ἱερὸν πρόσταγμα τὸ ἐν Πυθοῖ, ὃ γνῶναι
ἑαυτὸν τοῖς τοῦ θεοῦ δεησομένοις προσαγορεύει; μήτε γὰρ τιμῆσαι θεὸν
τὰ προσήκοντα μηδ᾽ αὖ τυχεῖν τοῦ θεοῦ δεηθέντα τὸν ἀγνοίᾳ τῇ ἑαυτοῦ
ἐνισχόμενον παραγγέλλειν ἔοικεν. ἀλλ᾽ εἴτε Φημονόη ἐπὶ πάντα λυσιτε-
λοῦν τὰ ἀνθρώπινα τοῦτο ἐθέσπισεν, δι᾽ ἧς πρώτης ὁ Πύθιος λέγεται τὰς
εἰς ἀνθρώπους διαδοῦναι χάριτας, εἴτε Φανοθέα ἡ Δελφοῦ, εἴτε καὶ Βίαν-
τος ἢ Θαλοῦ ἢ Χείλωνος ἦν ἀνάθημα, ὁρμηθὲν ἀπό τινος θείας ἐπιπνοίας‧
εἴτε Κλεάρχῳ προσεκτέον μᾶλλον τοῦ μὲν Πυθίου φράζοντι εἶναι παράγ-
γελμα, χρησθῆναι δὲ Χείλωνι, τί ἄριστον ἀνθρώποις μαθεῖν πυνθανομένῳ‧
εἴτε καὶ πρὸ Χείλωνος ἦν ἔτι ἀνάγραπτον ἐν τῷ ἱδρυθέντι νεῷ μετὰ τὸν
πτέρινόν τε καὶ χαλκοῦν, καθάπερ Ἀριστοτέλης ἐν τοῖς περὶ φιλοσοφίας
εἴρηκεν.

Sim. (Spruchweisheit) Th 89 (w. s.)

Th 366
Anth. 4.1.134
(περὶ πολιτείας.) Τῶν ἑπτὰ σοφῶν Περὶ πολιτείας. Ἔπειτα Θαλῆς τὴν
μήτε πλουσίους ἄγαν μήτε πένητας ἔχουσαν πολίτας [sc. κρατίστην
εἶναι].
Iohannes Stobaios 293

Th 363
Blütenlese 3.2.19
(Über die Schlechtigkeit.) Thales sagte auf die Frage, was das Schädlichste
sei: „Die Schlechtigkeit; denn ihre Gegenwart fügt auch dem Brauchbaren
Schaden zu.“ (vgl. Th 121).

Th 364
Blütenlese 3.12.14
(Über die Lüge.) Auf die Frage, wie weit die Lüge von der Wahrheit entfernt
ist, sagte Thales aus Milet: „Soweit wie die Augen von den Ohren.“

Th 365
Blütenlese 3.21.26
(Über den Spruch „Erkenne dich selbst“.) Exzerpt aus dem ersten Buch von
Porphyrios, Über das „Erkenne dich selbst“ (Fr. 273 F Smith). Die Frage nach
Bedeutung und Herkunft der delphischen Inschrift. Auch Thales kommt als
möglicher Autor in Betracht.1

Th 366
Blütenlese 4.1.134
(Über die Verfassung.) Die Sieben Weisen über die Verfassung. Thales sagte
(vgl. Th 122), dass weder die mit sehr reichen, noch mit sehr armen Bür-
gern … [die beste Demokratie sei].

1 Vgl. dazu Flashar/ Dubielzig/ Breitenberger 2006, 133 f.


294 Iohannes Stobaios

Th 367
Anth. 4.7.47
(ὑποϑήκαι περὶ βασιλείας.) Τῶν ἑπτὰ σοφῶν. Βίας εἶπεν, εἰ πρῶτος1
χρῷτο τοῖς νόμοις τῆς πατρίδος. ἐπὶ τούτῳ δὲ ὁ Θαλῆς ἔφησεν, εὐδαιμο-
νίαν ἄρχοντος νομίζειν, εἰ τελευτήσειε γηράσας κατὰ φύσιν.

Th 368
Anth. 4.22b.58
(ὅτι οὐκ ἀγαθὸν τὸ γαμεῖν.) Θαλῆς τῇ μητρὶ γυναῖκα λαβεῖν δεομένῃ
‛οὔπω καιρός’ ἔλεγεν‧ εἶτα προβάς ‘οὐκέτι καιρός’.

Sim. (Familienstand) Th 112 (w. s.)

Th 369
Anth. 4.22b.65
Θαλῆς ἐρωτηθεὶς διὰ τί ἀκμάζων οὐκ ἐπαιδοποίησεν, ἀπεκρίνατο διότι τὸ
ζῆν οὐκ ἐβουλόμην λύπαις αὐθαιρέτοις κατεγγυῆσαι.

Sim. (Familienstand) Th 112 (w. s.)

Th 370
Anth. 4.28.14
(οἰκονομικός.) Τῶν ἑπτὰ σοφῶν περὶ τῆς κατὰ τὰς οἰκίας ἐπιμελείας. ὁ δὲ
Θαλῆς, ἐν ᾧ πλείστην ἄγειν τῷ δεσπότῃ σχολὴν ἔξεστιν.

Th 371
Anth. 4.46.24
(περὶ ἐλπίδος.) Θαλῆς ἐρωτηθεὶς τί κοινότατον, ἀπεκρίνατο ‛ἐλπίς‧ καὶ
γὰρ οἷς ἄλλο μηδέν, αὕτη πάρεστιν.’

Sim. (Spruchweisheit) Th 89 (w. s.)

1 ἀτρόποις Meineke: τρόποις S πρῶτος M πρῶτος τρόποις A.


Iohannes Stobaios 295

Th 367
Blütenlese 4.7.47
(Sprüche über das Königtum.) Die Sieben Weisen. Bias sagte: „Wenn er die
Gesetze des Vaterlandes zuerst zu Gesetzen für sich macht.“ Darauf sagte
Thales, er sehe die Glückseligkeit eines Herrschers darin, im Alter auf na-
türliche Weise zu sterben (vgl. Th 120).

Th 368
Blütenlese 4.22b.58
(Dass es nicht gut ist zu heiraten.) Thales sagte auf die Bitte seiner Mutter
hin, eine Frau zu nehmen: „Es ist noch nicht Zeit.“; darauf, in fortgeschrit-
tenem Alter: „Es ist nicht mehr Zeit.“ (vgl. Th 129; Th 237 [Diog. Laert.
1.26]; Th 512; Th 564 [318]).

Th 369
Blütenlese 4.22b.65
Auf die Frage, weshalb er in der Blüte seiner Jahre keine Kinder gezeugt
habe, antwortete Thales: „Weil ich das Leben nicht mit selbstgewählten Sor-
gen verbinden wollte.“

Th 370
Blütenlese 4.28.14
(Hausverwaltung.) Die Sieben Weisen über die Sorge um das Haus. Thales
aber sagte, [die beste Hausverwaltung ist die,] in der es dem Herrn am ehes-
ten möglich ist, Muße zu pflegen (vgl. Th 123).

Th 371
Blütenlese 4.46.24
(Über die Hoffnung.) Thales sagte auf die Frage, was das Allgemeinste sei:
„Die Hoffnung; denn wer auch sonst nichts hat, hat immer noch Hoff-
nung.“ (vgl. Th 121).
296 Syrianos – Kyrill aus Alexandria

Syrianos
Th 372
In Aristotelis metaphysica commentaria 6.1.11.37–12.2 (ed. Kroll)
[Metaph. 996a4] Εἰ δὲ Θαλῆς μὲν ὕδωρ τὸ ἓν καὶ τὸ ὂν ἔλεγεν, ἄλλος δὲ ἄλλο
τι τῶν φαινομένων, δεδώκασιν εὐθύνας αἱ δόξαι παρά τε πολλοῖς καὶ δια-
φερόντως παρὰ τούτῳ τῷ δαιμονίῳ ἀνδρί.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Kyrill aus Alexandria

Th 373
Contra Iulianum 1.14.520D (ed. Burguière/Évieux)
Τριακοστῇ πέμπτῃ ὀλυμπιάδι Θαλῆς Ἐξαμύου Μιλήσιος πρῶτος φυσικὸς
φιλόσοφος γενέσθαι λέγεται, παρατεῖναι δὲ τὴν ζωὴν αὐτοῦ φασιν ἕως
πεντηκοστῆς ὀγδόης ὀλυμπιάδος.

Sim. (Datierung) Th 171 (w. s.)

Th 374
Contra Iul. 1.18.524C–D
Εἶτα πῶς οἵ γε τοιοῦτοι καὶ χρηστομαθεῖν εἰωθότες κατημέλησαν ἂν τοῦ
χρῆναι [524D] διαμαθεῖν ἱστορίας οὕτω σεμνάς, δογμάτων τε καὶ νόμων
ἀρχαιοπρεπεστάτων ἀκριβῆ διασάφησιν; Καίτοι Πυθαγόρας ὁ ἐκ Σάμου
καὶ Θαλῆς ὁ Μιλήσιος οὐκ εὐαρίθμητον ἐν Αἰγύπτῳ διατετριφότες καιρόν,
συλλεξάμενοί τε τὰ ἐκεῖθεν καὶ μαθημάτων ἄθροισιν ἣν ἐσχηκέναι λέγον-
ται συναγηγερκότες, εἰς τὴν ἐνεγκοῦσαν ἀνεκομίζοντο.

Sim. (ägyptischer Einfluss) Th 92 (w. s.)

Th 375
Contra Iul. 1.38.544D–545B
Πορφύριος μὲν οὖν, ὁ πικροὺς ἡμῶν καταχέας λόγους, καὶ τῆς Χριστιανῶν
θρησκείας μονονουχὶ κατορχούμενος, τοὺς ὠνομασμένους ‘σοφούς’, τὸν
Syrianos – Kyrill aus Alexandria 297

Syrianos (1. Hälfte 5. Jh. n. Chr.)


Th 372
Kommentar zu Aristotles’ Metaphysik 6.1.11.37–12.2. [Metaph. 996a4]
Wenn aber Thales das Wasser als das Einzige und das Seiende bezeichnete,
jeder aber etwas anderes von dem, was sich in der Erscheinung zeigt [als
das Einzige und Seiende bezeichnete], haben die Ansichten vor vielen und
besonders vor diesem dämonischen Mann, Rechenschaft abgelegt.

Kyrill aus Alexandria


(Werk ca. Mitte 5. Jh. n. Chr.)
Th 373
Gegen Julian 1.14.520D
Im Rahmen der Vorgängigkeit des Moses und der hebräischen Weisheit.
Während der 35. Olympiade [640–637] soll der Milesier Thales, der Sohn
des Examyas, der erste Naturphilosoph, geboren worden sein; er soll bis
zur 58. Olympiade [548–545] gelebt haben. (vgl. Th 306, vgl. aber Th 500,
Th 529, Th 557)

Th 374
Gegen Julian 1.18.524C–D
Pythagoras und Thales haben einige Zeit in Ägypten verbracht, um sich dort
das ihnen zugeschriebene Wissen anzueignen.

Th 375
Gegen Julian 1.38.544D–545B
Zitat aus dem ersten Buch der Philosophiegeschichte des Porphyrios
(Th 245) [= Porph. Fr. 203 F, 425 F Smith] mit dem Bericht der Geschichte
298 Kyrill aus Alexandria

ἀριθμὸν ὄντας ἑπτά, τὴν τοιάνδε κλῆσιν ἁρπάσαι φησὶν ἐξ αἰτίας τοιᾶσδε‧
γράφει δὲ οὕτως ἐν τῷ πρώτῳ βιβλίῳ τῆς ‘Φιλοσόφου ἱστορίας’ [= Porph.
Fr. 203 F, 425 F Smith]‧ “Ἐννέα δὲ ὄντων, ἑπτὰ κληθῆναι ‛σοφοὺς’ ἐξ αἰτίας
τοιαύτης. Ἁλιέως βόλον νεανίσκοις ἀποδομένου ἰχθύων, συνέβη χρυσοῦν
τρίποδα ἐν τῷ βόλῳ εὑρεθῆναι‧ τοῦ δὲ ἁλιέως ἰχθῦς, ἀλλὰ μὴ τρίποδα πε-
πρακέναι λέγοντος, καὶ τῶν νεανίσκων εἰς τὴν αὑτῶν τύχην ἀναφερόντων
τὴν εὕρησιν, ἔδοξε τῷ θεῷ τὴν κρίσιν ἐπιτρέψαι‧ τοῦ δὲ χρήσαντος διδόναι
τὸν τρι- [545A] ποδα τῷ ‘σοφῷ’, Θάλητι πρώτῳ ὁ τρίπους προσηνέ-
χθη, ὁ δὲ πρὸς Βίαντα ἀπέπεμψεν, ἐκεῖνον φάμενος εἶναι τὸν σοφόν‧ ὁ δὲ
πρὸς ἕτερον πέμπει, κἀκεῖνος πρὸς ἄλλον, ἕως εἰς τοὺς ἑπτὰ τοῦ τρίποδος
ἐκπεριαχθέντος καὶ πάλιν ὑποστρέψαντος ἐπὶ τὸν πρῶτον, ἔδοξεν ἀνα-
θεῖναι τῷ θεῷ‧ τοῦτον γὰρ εἶναι πάντων τὸν σοφώτατον.” Ὁποῖαι τοίνυν
αὐτῶν αἱ δόξαι γεγόνασιν, ἐπὶ καιροῦ λελέξεται πρὸς ἡμῶν‧ Θάλης μὲν οὖν
ὁ Μιλήσιος νοῦν τοῦ κόσμου φησὶν εἶναι τὸν θεόν, Δημόκριτος δὲ ὁ Ἀβδη-
ρίτης συμφέρεται κατά τι, προσεπάγει δέ τι καὶ ἕτερον‧ νοῦν μὲν γὰρ εἶναι
τὸν θεὸν ἰσχυρίζεται καὶ αὐτός, πλὴν ἐν πυρὶ σφαιροειδεῖ, καὶ αὐτὸν εἶναι
τὴν τοῦ κόσμου ψυχήν. Ἀναξίμανδρος δὲ οἶμον ὥσπερ ὁλοτρόπως ἑτέραν
[B] ἰὼν θεὸν διορίζεται εἶναι τοὺς ἀπείρους κόσμους, οὐκ οἶδ᾽ ὅ τι λέγων.

Sim. (Auszeichnung des Thales/Umlauf des Dreifußes) Th 52 (w. s.); (Gott


[als Geist des Kosmos]) Th 72 (w. s.)

Th 376
Contra Iul. 1.40.547D–548A
Εἰ γὰρ δὴ βούλοιτό τις εὖ μάλα διαμαθεῖν τὸν ὀρθῶς τε καὶ ἀκιβδήλως ἔχον-
τα λόγον περὶ τοῦ πάντων ἐπέκεινα Θεοῦ, τὴν τίνος ἂν εἰσδέξηται δόξαν
[548A] καὶ οὐκ ἂν ἁμάρτοι σκοποῦ; Θάλης μὲν γὰρ καὶ Ἀναξίμανδρος,
ἕτεροί τε ὧν ἀρτίως διεμνημονεύσαμεν, εἰκῆ πεφλυαρηκότες ἁλοῖεν ἄν.
Kyrill aus Alexandria 299

vom goldenen Dreifuß und seinem Umlauf unter den Sieben Weisen, deren
Bezeichnung als solche ätiologisch auf diese Geschichte zurückgeführt wird.
[...] Welches ihre Ansichten waren, soll bei dieser Gelegenheit gesagt sein.
Thales aus Milet behauptet, dass Gott der Geist des Kosmos ist; Demokrit
von Abdera stimmt in gewisser Hinsicht überein1, er fügt aber noch etwas
Weiteres hinzu. Auch er behauptet fest, dass Gott der Geist sei, nur [befinde
er sich] in einer Feuersphäre und sei die Seele des Kosmos. Anaximander
geht irgendwie einen ganz anderen Weg und definiert Gott als die unendli-
chen Welten – ich weiß nicht, aufgrund welcher Überlegung.

Th 376
Gegen Julian 1.40.547D–548A
Denn wenn man unbedingt einen geraden und unverfälschten Begriff des
alltranszendenten Gottes erhalten wollte, wessen Lehre sollte man dann
annehmen, ohne das Ziel zu verfehlen? Denn Thales und Anaximander und
andere, die wir eben erwähnt haben, dürften sich als sinnlose Schwätzer
erweisen.

1 Vgl. DK II 68 A 74.
300 Kyrill aus Alexandria

Th 377
Contra Iul. 2.14.571D–572A
Πλούταρχος τοίνυν, ἀνὴρ τῶν παρ᾽ αὐτοῖς οὐκ ἄσημος γεγονώς, ἐν τῷ
δευτέρῳ βιβλίῳ τῆς τῶν ‛Φυ- [572A] σικῶν δογμάτων’ συναγωγῆς, οὕτω
φησὶ περὶ τοῦ κόσμου‧ “Πυθαγόρας πρῶτος ὠνόμασε τὴν τῶν ὅλων πε-
ριοχὴν ‘κόσμον’ ἐκ τῆς ἐν αὐτῷ τάξεως. Θαλῆς καὶ οἱ ἀπ᾽ αὐτοῦ ἕνα τὸν
κόσμον.”

Sim. (Ein einziger Kosmos) Th 155 (w. s.)

Th 378
Contra Iul. 6.184B–D (= Julian, Contra Gallilaeos Fr. 39 Masaracchia)
Ἀλλ᾽ ἰδοὺ δὴ καὶ νῦν οἷς ἤδη προεῖπεν ἕτερα προστιθεὶς οὕτω φησί·
πότερον οὖν χρή με κατ᾽ ἄνδρα ὀνομάζειν καὶ τὰ ἐπιτηδεύματα ἢ τοὺς
ἀνθρώπους, οἷον Πλάτωνα, Σωκράτην, Ἀριστείδην, Κίμωνα, Θαλῆν,
Λυκοῦργον, Ἀγησίλαον, Ἀρχίδαμον, ἢ μᾶλλον τὸ τῶν φιλοσόφων
γένος, τὸ τῶν στρατηγῶν, τὸ τῶν δημιουργῶν, τὸ τῶν νομοθετῶν;
εὑρεθήσονται γὰρ οἱ μοχθηρότατοι καὶ βδελυρώτατοι τῶν στρατηγῶν
ἐπιεικέστερον χρησάμενοι τοῖς τὰ μέγιστα ἠδικηκόσι ἢ Μωσῆς τοῖς οὐδὲν
ἐξημαρτηκόσιν. Αἰτιᾶται μὲν οὖν, ὥς γε οἶμαι, πάλιν τὸ πραχθῆναι δίκας
τοὺς ἀπό γε τῶν Μωαβιτῶν, ὡς ὑφέντας τοῖς ἐξ Ἰσραὴλ τὰ τῶν γυναίων
ἑταιριζόμενα, ἃ ταῖς τῶν σωμάτων ὥραις σεσαγηνεύκασιν εἰς ἀσέλγειαν
οὐκ εὐαριθμήτους τῶν ὑπὸ θεῷ, καὶ τοῖς τῆς ἀποστάσεως ἐγκλήμασιν
ἐνεῖσαι τοὺς ἀπατωμένους τελεσθῆναι παρεσκεύασαν τῷ Βεελφεγώρ.
Kyrill aus Alexandria 301

Th 377
Gegen Julian 2.14.571D–572A
Plutarch, ein Mann, der bei ihnen nicht unbedeutend war, äußert sich im
zweiten Besuch seiner Sammlung der Lehren der Physiker [oder der Phy-
sikalischen Lehren] folgendermaßen über den Kosmos: „Pythagoras be-
nannte als Erster die Umfassung des Alls ‚Kosmos‘ infolge der in ihm ent-
haltenen Ordnung. Thales und seine Schule nahmen an (Th 155), dass es
einen Kosmos gebe.“

Th 378
Eine Synkrisis von paganen Heerführern und Mose in Julians Schrift soll die
Unterlegenheit des Letzteren erweisen. Der weitere Zusammenhang ist die
Diskussion der Providenz Gottes, die sich auf alle Menschen erstrecke und
dabei die Heiden bevorzuge (so in fr. 37). Kyrill greift dabei im Folgenden
fr. 33 auf (daher hier „palin“), wo Julian die Geschichte Numeri 25 als Beleg
für die jüdisch-christliche Vorstellung eines zornigen Gottes herangezogen
hatte, die er als Platoniker ablehnt. Kyrill hatte die Moabiter-Episode dem-
entsprechend bereits in Buch V, PG 76.752A–B behandelt. Hier nun dient
sie Julian (offenbar nur implizit, daher „hos ge oimai“) als Illustration für
die Grausamkeit Moses’:

Zitat aus Julians Schrift Gegen die Galiläer 6.184B–D


Aber nun fügt er [Julian] dem, was er schon früher gesagt hat, noch ande-
res hinzu und sagt (Th 297): „Soll ich nun einzeln die Lebensweisen oder
die Männer durchgehen, wie Platon, Sokrates, Aristides, Kimon, Thales,
Lykurg, Agesilaos, Archidamos, oder eher den Stand der Philosophen, der
Heerführer, der Künstler, der Gesetzgeber? Es wird sich herausstellen, dass
gerade die unredlichsten und verbrecherischsten Heerführer diejenigen, die
am meisten Unrecht getan hatten, freundlicher behandelten als Moses die-
jenigen, die sich in keiner Weise vergangen hatten.“ Er [Julian] klagt nun
wieder, wie ich freilich glaube, an, dass die Moabiter dafür büßen mussten,
dass sie den Israeliten Dirnen zugeführt hatten, die durch die Reize ihrer
Körper unzählige der Kinder Gottes mit den Fesseln der Lust banden und
sie, nachdem sie durch Betrug in die Schuld der Abtrünnigkeit verstrickt
waren, dahin brachten, sich dem Beelphegor zu weihen.
302 Proklos Diadochos

Proklos Diadochos
Th 379
In Platonis Timaeum commentaria 20E, 1.81.6–13 (ed. Diehl)
Λέγει δὲ καὶ 〈ἡ〉 περὶ τοῦ τρίποδος τοῦ σαγηνευθέντος ὑπό τινων νεανί-
σκων ἱστορία, κἂν μὴ πάντες αὐτὴν λέγωσιν, ὅτι τοῦ θεοῦ χρήσαντος τῷ
σοφωτάτῳ δοθῆναι Θαλῇ μὲν προσηνέχθη πρῶτον, οὗτος δὲ πρὸς ἄλλον
ἀνέπεμψε τῶν ἑπτὰ καὶ οὗτος πρὸς ἄλλον καὶ τέλος ἧκεν εἰς Σόλωνα, πάν-
των ἐκείνῳ παραχωρησάντων, οὗτος δὲ εἰς θεὸν ἀφ᾽ ἑαυτοῦ ἀνήγαγεν
εἰπὼν ἐκεῖνον εἶναι τὸν ὄντως σοφώτατον.

Sim. (Auszeichnung des Thales/ Umlauf des Dreifußes) Th 52 (w. s.)

Th 380
In primum Euclidis Elementorum librum commentarium Prologus 2.65.3–
11 Friedlein (= teilweise Eudemos Fr. 133 Wehrli2)
Ὥσπερ οὖν παρὰ τοῖς Φοίνιξιν διὰ τὰς ἐμπορείας καὶ τὰ συναλλάγματα
τὴν ἀρχὴν ἔλαβεν ἡ τῶν ἀριθμῶν ἀκριβὴς γνῶσις, οὕτω δὴ καὶ παρ᾽ Αἰγυπ-
τίοις ἡ γεωμετρία διὰ τὴν εἰρημένην αἰτίαν εὕρηται. Θαλῆς δὲ πρῶτον
εἰς Αἴγυπτον ἐλθὼν μετήγαγεν εἰς τὴν Ἑλλάδα τὴν θεωρίαν ταύτην καὶ
πολλὰ μὲν αὐτὸς εὗρεν, πολλῶν δὲ τὰς ἀρχὰς τοῖς μετ᾽ αὐτὸν ὑφηγήσατο,
τοῖς μὲν καθολικώτερον ἐπιβάλλων, τοῖς δὲ αἰσθητικώτερον.

Sim. (Urheber der Naturphilosophie und Mathematik/ Geometrie) Th 81


(w. s.); (ägyptischer Einfluss) Th 92 (w. s.)
Proklos Diadochos 303

Proklos Diadochos (412–485 n. Chr.)


Th 379
Kommentar zu Platons Timaios 20E, 1.81.6–13
Zur Bemerkung des Kritias (Tim. 20D8–E1), dass Solon der weiseste der
Sieben Weisen sei, führt Proklos die Geschichte vom umlaufenden Dreifuß
an, wonach Thales den Preis zuerst, Solon den Preis zuletzt erhalten und an
den Gott weitergegeben habe.

Th 380
In seinem Kommentar zu den Elementa des Euklid zeichnet Proklos unter
Verwendung von Eudemos1 eine Kulturentwicklung von den empirischen
Kenntnissen des Orients bis zur griechischen Wissenschaft:

Zum ersten Buch der Euklidischen Elemente, Prolog 2.65.3–11


So nahm also bei den Phöniziern infolge von Handel und Geschäften die
genaue Kenntnis der Zahlen ihren Anfang, so wurde bei den Ägyptern die
Geometrie aus dem besagten Grund [Bodenvermessungen nach Nilüber-
schwemmungen] erfunden. Thales aber ging nach Ägypten und brachte
zum ersten Male diese Wissenschaft nach Griechenland. Vieles entdeckte
er dabei selbst, von vielem zeichnete er für diejenigen, die nach ihm kamen,
die Anfänge vor, indem er das eine allgemeiner, das andere mehr von der
Wahrnehmung aus [empirisch] anging.

Auch die beiden folgenden Nachrichten gehen vermutlich auf Eudemos


zurück:2

1 Vgl. Zhmud 2002, 297 f.


2 Siehe Zhmud 2002, 268 sowie 284 mit Anm. 91 zu Porphyrios als möglicher Zwi-
schenquelle.
304 Proklos Diadochos

Th 381
In Euc. 157.10–13
Τὸ μὲν οὖν διχοτομεῖσθαι τὸν κύκλον ὑπὸ τῆς διαμέτρου πρῶτον Θαλῆν
ἐκεῖνον ἀποδεῖξαί φασιν, αἰτία δὲ τῆς διχοτομίας ἡ τῆς εὐθείας ἀπαρέγκλι-
τος διὰ τοῦ κέντρου χώρησις.

Th 382
In Euc. 250.20–251.2; vgl. Schol. in Eucl. El. 1.37 (Stamatis).
Τῷ μὲν οὖν Θαλῇ τῷ παλαιῷ πολλῶν τε ἄλλων εὑρέσεως ἕνεκα καὶ τοῦδε
τοῦ θεωρήματος χάρις. λέγεται γὰρ δὴ πρῶτος ἐκεῖνος ἐπιστῆσαι καὶ
εἰπεῖν, ὡς ἄρα παντὸς ἰσοσκελοῦς αἱ πρὸς τῇ βάσει γωνίαι [251] ἴσαι εἰσίν,
ἀρχαϊκώτερον δὲ τὰς ἴσας ὁμοίας προσειρηκέναι.

Th 383
In Euc. 299.1–5 (= Fr. 135 Wehrli2); vgl. Schol. in Eucl. El. 1.62.1–16 (Sta-
matis)
Τοῦτο τοίνυν τὸ θεώρημα δείκνυσιν, ὅτι δύο εὐθειῶν ἀλλήλας τεμνουσῶν
αἱ κατὰ κορυφὴν γωνίαι ἴσαι εἰσίν, εὑρημένον μὲν, ὡς φησὶν Εὔδημος
(Th 44) ὑπὸ Θαλοῦ πρώτου, τῆς δὲ ἐπιστημονικῆς ἀποδείξεως ἠξιωμένον
παρὰ τῷ στοιχειωτῇ.

Th 384
In Euc. 352.14–18 (= Fr. 134 Wehrli2); vgl. Schol. in Eucl. El. 1.88; 1.96–97
(Stamatis).
Εὔδημος δὲ ἐν ταῖς γεωμετρικαῖς ἱστορίαις (Th 43) εἰς Θαλῆν τοῦτο ἀνάγει
τὸ θεώρημα. τὴν γὰρ τῶν ἐν θαλάττῃ πλοίων ἀπόστασιν δι᾽ οὗ τρόπου
φασὶν αὐτὸν δεικνύναι τούτῳ προσχρῆσθαί φησιν ἀναγκαῖον.
Proklos Diadochos 305

Th 381
Zu den Euklidischen Elementen 157.10–13
Man sagt, dass Thales als erster bewiesen habe, dass der Kreis von seinem
Durchmesser in zwei gleiche Hälften geteilt werde. Der Grund für diese
Zweiteilung ist der nicht abweichende Verlauf der Geraden durch das Zen-
trum.

Th 382
Zu den Euklidischen Elementen 250.20–251.2
Dem alten Thales gebührt wegen der Entdeckung vieler anderer Sätze sowie
auch dieses Satzes Dank. Er soll nämlich als Erster gewusst und gesagt ha-
ben, dass in jedem gleichschenkligen Dreieck die Winkel an der Grundlinie
gleich groß sind, die gleich großen Winkel aber soll er etwas altertümlich als
„von gleicher Gestalt“ angesprochen haben.1

Th 383
Zu den Euklidischen Elementen 299.1–5
Dieser Satz zeigt nun, dass von zwei sich schneidenden Graden die Schei-
telwinkel gleich sind. Entdeckt wurde dieser Satz zwar, wie Eudemos sagt
(Th 44), zuerst von Thales; für den wissenschaftlichen Beweis aber [wurde
er zuerst] vom Autor der Elemente gewürdigt.

Th 384
Der Zweite Kongruenzsatz: Zwei Dreiecke sind identisch, wenn sie eine
Seite und die beiden anliegenden Winkel gleich haben.

Zu den Euklidischen Elementen 352.14–18


Eudemos (Th 43) führt aber in seinen Geometrischen Forschungen diesen
Satz auf Thales zurück. Er sagt, die Methode, nach der er die Entfernung
der Schiffe auf dem Meer errechnete, müsse notwendig auf Verwendung
dieses Satzes beruhen.2

1 Vgl. hierzu O’Grady 2002, 204 f.; Panchenko 1994, 37 ff.


2 Zu den bisherigen Rekonstruktionen dieses hypothetischen Verfahrens s. Dührsen
2005, 87 f.
306 Sidonius Apollinaris

Sidonius Apollinaris
Th 385
Carmen 2.156–163 (ed. Loyen)
Nec minus haec inter ueteres audire sophistas:
Mileto quod crete Thales uadimonia culpas,
Lindie quod Cleobule canis: „modus optimus esto“,
ex Efyra totum meditaris quod Periander,
Attice quodue Solon finem bene respicis aeui,
Prienaee Bia, quod plus tibi turba malorum est,
noscere quod tempus, Lesbo sate Pittace, suades,
quod se nosse omnes uis, ex Lacedaemone Chilon.

Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.); (Spruchweisheit) Th 89
(w. s.)

Th 386
Carm. 15.42–50
Ilicet hic summi resident septem sapientes,
innumerabilium primordia philosophorum:
Thales Mileto genitus uadimonia damnat;
Lindie tu Cleobule iubes modus optimus ut sit;
tu meditans totum decoras, Periandre, Corinthon;
Atticus inde Solon „ne quid nimis“ approbat unum;
Prienaee Bia, plures ais esse malignos;
tu Mytilene satus cognoscere, Pittace, tempus,
noscere sese ipsum, Chilon Spartane, docebas.

Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.); (Spruchweisheit) Th 89
(w. s.)

Th 387
Carm. 15.79–90
Thales hic etiam numeris perquirit et astris
defectum ut Phoebi nec non Lunaeque laborem
nuntiet anterius; sed rebus inutile ponit
principium, dum credit aquis subsistere mundum.
Huius discipuli versa est sententia dicens
Sidonius Apollinaris 307

Sidonius Apollinaris (430/ 1–480er Jahre n. Chr.)


Th 385
Gedichte 2.156–163
Sprüche der Sieben Weisen. Thales’ Rat, nicht zu bürgen.

Th 386
Gedichte 15.42–50.
Sprüche der Sieben Weisen. Thales’ Rat, nicht zu bürgen.

Th 387
Gedichte 15.79–90
Thales erforscht nach Zahlen und Sternen,
die Finsternis der Sonne und die Mühen des Mondes
im Voraus zu künden; doch für die Dinge setzt er ein rohes
Prinzip, der glaubt, dass die Welt auf dem Wasser ruhe.
Dessen Schüler war anderer Ansicht, wenn er sagt,
308 Sidonius Apollinaris

principiis propriis semper res quasque creari,


singula qui quosdam fontes decernit habere
aeternum irriguos ac rerum semine plenos.
Hunc etiam sequitur qui gignere cuncta putabat
hunc aerem pariterque deos sic autumat ortos.
Quartus Anaxagoras Thaletica dogmata seruat,
sed diuinum animum sentit, qui fecerit orbem.

Sim. (Vermessung der Gestirne) Th  52 (w.  s.); (Sonnenfinsternis) Th  10


(w. s.); (Mondfinsternis/ Mondphasen) Th 178 (w. s.); (Erde ruht auf dem
Wasser) Th 30 (w. s.)

Th 388
Carm. 23.97–110
His tu ciuibus, urbe, rure pollens,
Consenti mihi gignis, alme, patrem,
illum cui nitidi sales rigorque
Romanus fuit Attico in lepore.
Hunc Milesius et Thales stupere
auditum potuit simulque Lindi est
notus qui Cleobulus inter arces,
et tu qui, Periandre, de Corintho es,
et tu quem dederat, Bias, Priene,
et tu, Pittace, Lesbius sophistes,
et tu qui tetricis potens Athenis
uincis Socraticas, Solon, palaestras,
et tu, Tyndareis satus Therapnis,
Chilon, legifero prior Lycurgo.

Th 389
Epistula 4.3.5 (ed. Loyen)
Ad hoc unica singularisque doctrina et in diuersarum rerum assertione
monstrabilis, cui moris est de singulis artibus cum singulis artificibus phi-
losophari, quaeque, si fors exigit, tenere non abnuit cum Orpheo plectrum,
cum Aesculapio baculum, cum Archimede radium, cum Euphrate horosco-
pium, cum Perdice circinum, cum Vitruuio perpendiculum quaeque num-
Sidonius Apollinaris 309

dass die jeweiligen Dinge aus stets eigenen Prinzipien geschaffen


würden.1
Das Einzelne, meint er, besitze gewisse
ewig bewässernde Quellen, voll des Samens der Dinge.
Sein Nachfolger glaubte, dass die Luft alles
erzeuge, und in gleicher Weise, behauptet er, seien so die Götter
entstanden.
Als vierter wahrt Anaxagoras die Lehren des Thales,
aber er denkt an einen göttlichen Geist, der die Welt geschaffen hat.

Th 388
Gedichte 23.97–110 (Angeredet: Narbonne)2

Stark durch diese Bürger, die Stadt,


das Land, erzeugst du, Gütige, mir den Vater
des Consentius, jenen, dem [gegeben] waren glänzender Witz
[salzige Sprüche] und römischer Ernst in Attischer Anmut.
Diesen hätte sowohl Thales aus Milet, wenn er ihn gehört hätte,
bestaunen können und zugleich Kleobulos, der in Lindos unter
den Bergeshöhen bekannt ist, und du, Periander,
der du aus Korinth bist;
und du, Bias, den Priene gegeben hatte [hat]
und du, Pittacos, ein Weiser aus Lesbos, und
du, Solon, der du im strengen Athen mächtig bist und die
sokratischen Ringplätze [Gymnasien]
besiegst, und du, Cheilon, geboren in den
spartanischen/tyndareischen Therapnai, der du früher lebtest
als der gesetzgebende Lykurg.

Th 389
Briefe 4.3.5 (An Claudianus [Mamertus], 471 n. Chr.)
Und dazu die vorzügliche und einzigartige Gelehrsamkeit, die sich in so
verschiedenen Bereichen behauptet und bemerkbar macht und die in den

1 Vgl. Th 311.
2 Übersetzung: H.-O. Kröner, Trier.
310 Sidonius Apollinaris – Pseudo-Galen

quam inuestigare destiterit cum Thalete tempora, cum Atlante sidera, cum
Zeto pondera, cum Chrysippo numeros, cum Euclide mensuras.

Sim. (Jahreszeiten) Th 178 (w. s.)

Martianus Capella
Th 390
De nuptiis Philologiae et Mercurii 2.212–213 (ed. Willis)
Linum, Homerum Mantuanumque vatem redimitos canentesque conspice-
res, Orpheum atque Aristoxenum fidibus personantes, Platonem Archime-
denque sphaeras aureas devolventes. [213] ardebat Heraclitus, udus Thales,
circumfusus atomis Democritus videbatur; Samius Pythagoras caelestes
quosdam numeros replicabat, Aristoteles per caeli quoque culmina Ente-
lechiam scrupulosius requirebat, Epicurus vero mixtas violis rosas et totas
apportabat illecebras voluptatum.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Pseudo-Galen
(um 500 n. Chr. gefertigte Kompilation)
Th 391
De historia philosophica 3.1–6 (ed. Diels)
Ἔστι τοίνυν ὁ πρῶτος ὑπὸ τῶν πλείστων ὑπειλημμένος τὸν φιλόσοφον
τρόπον εἰς τοὺς Ἴωνας †εἰσηγμένος Θαλῆς ὁ Μιλήσιος, δι᾽ ὃν καὶ τὴν κατ᾽
ἐκεῖνον φιλοσοφίαν Ἰωνικὴν ἅπαντες ὀνομάζουσιν. τούτου δὲ γνώριμος
Ἀναξίμανδρος γεγονὼς ὁμοίως φιλοσοφῶν γέγονε καὶ τὸν Ἀναξιμένην μετὰ
ταῦτα ζηλωτὴν εἶναι τῆς αὑτοῦ προαιρέσεως πεποιηκὼς Ἀναξαγόρου
καθηγητὴν γενέσθαι παρεσκεύασεν.

Sim. (Ionische Schule) Th 147 (w. s.)


Sidonius Apollinaris – Pseudo-Galen 311

verschiedenen Künsten mit den jeweiligen Meistern zu philosophieren


pflegt. Sie zögert nicht, wenn nötig, gemeinsam mit Orpheus das Plectrum,
mit Aesculap den Stab, mit Archimedes den Zeichenstock, mit Euphrates
das Horoskop, mit Perdix den Zirkel und mit Vitruv das Senkblei zu er-
greifen. Niemals lässt sie ab, mit Thales die [Jahres]zeiten, mit Atlas die
Gestirne, mit Zetus die Gewichte, mit Chrysipp die Zahlen oder mit Euklid
die Maße zu erforschen.

Martianus Capella (Werk wohl um 470 n. Chr.)


Th 390
Über die Hochzeit Philologias und Merkurs 2.212–213
Auch Linus, Homer und den Seher von Mantua könntest du bekränzt und
singend erblicken, Orpheus und Aristoxenos, die Leier spielend, Platon und
Archimedes, rollend die goldenen Sphären. [213] Im Feuer stand Heraklit,
feucht war Thales und umgeben von Atomen schien Demokrit [...].

Pseudo-Galen
(um 500 n. Chr. gefertigte Kompilation)
Th 391
Über die Geschichte der Philosophie 3.1–6
Thales als Archeget der „Ionischen“ Philosophie. Seine Nachfolger Anaxi-
mander, Anaximenes, Anaxagoras.
312 Pseudo-Galen

Th 392
Hist. phil. 18.1–7
Καὶ περὶ μὲν τῆς δραστικῆς αἰτίας ἐπὶ τοσοῦτον. διεξελθεῖν δ᾽ ἂν εἴη καιρὸς
καὶ περὶ τῆς ὑλικῆς. οἱ φυσικοὶ περὶ ταύτης εἰπόντες εἶναι μὲν ἀρχὴν ὑλικὴν
ἅπαντες ὁμοίως δεδώκασιν, οὐ μὴν ἅπαντες εἶναι τὴν αὐτήν. ἀλλὰ Φε-
ρεκύδης μὲν ὁ Ἀσσύριος γῆν εἶναι ταύτην ἐνόμισε, Θαλῆς δὲ ὕδωρ, Ανα-
ξίμανδρος δὲ τὸ ἄπειρον, Αναξιμένης δὲ καὶ Διογένης ὁ Ἀπολλωνιάτης
ἀέρα, πῦρ δὲ Ἵππασος ὁ Μεταποντῖνος, Ξενοφάνης δ᾽ ὁ Κολοφώνιος γῆν
καὶ ὕδωρ.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 393
Hist. phil. 35.10–12
(περὶ θεοῦ). Θαλῆς δὲ νοῦν τοῦ κόσμου τὸν θεὸν ἡγήσατο. Ἀναξίμανδρος
δὲ τοὺς ἀπείρους οὐρανοὺς θεοὺς εἶναι νομίζει.

Sim. (Gott [als Geist des Kosmos]) Th 72 (w. s.)

Th 394
Hist. phil. 36.1–5
(Περὶ ἡρώων καὶ δαιμόνων). Θαλῆς μὲν καὶ Πλάτων καὶ Πυθαγόρας καὶ
πρὸς τούτοις οἱ Στωικοὶ γιγνώσκουσιν ὁμοίους1 εἶναι καὶ τούτους οὐσίας
ψυχικάς. τοὺς δ᾽ ἥρωας ψυχὰς κεχωρισμένας τῶν σωμάτων, τὰς μὲν
ἀγαθὰς τῶν τὸν βίον διαγαγόντων ἄριστα ἀνθρώπων, κακὰς δὲ τῶν πο-
νηρῶν. Ἐπίκουρος δὲ οὐδέτερον τούτων συγκεχώρηκεν.

Sim. (Dämonen, Heroen) Th 150 (w. s.)

Th 395
Hist. phil. 40.1–2
(Περὶ ἀνάγκης.) Τὴν ἀνάγκην Θαλῆς ἰσχυροτάτην εἶναί φησι. κρατεῖν γὰρ
αὐτὴν τοῦ παντός.

1 ὁμοίους AB δαίμονας? (Diels).


Pseudo-Galen 313

Th 392
Über die Geschichte der Philosophie 18.1–7
Die Vertreter der stofflichen Prinzipien, darunter Thales’ Wasser (vgl. Th 140).

Th 393
Über die Geschichte der Philosophie 35.10–12
(Gott). Thales nahm an, dass der Geist des Kosmos Gott sei (vgl. Th 149).
Anaximander aber glaubt, dass die unendlichen Himmel Götter seien.

Th 394
Über die Geschichte der Philosophie 36.1–5
(Heroen und Dämonen). Thales, Platon, Pythagoras und dazu die Stoiker
meinen, dass sie gleichartig sind und dass diese seelische Substanzen sind.
Die Heroen aber seien von den Körpern getrennte Seelen und zwar gute
von den Menschen, die das Leben auf beste Weise geführt hätten, schlechte
von den üblen [Menschen]. Epikur aber gestand keinen von diesen zu (vgl.
Th 150).

Th 395
Über die Geschichte der Philosophie 40.1–2
(Die Notwendigkeit). Thales sagt, dass die Notwendigkeit das Stärkste sei,
denn sie beherrsche das Ganze (vgl. Th 121; Th 154; Th 237 [Diog. Laert.
1.35]; Th 564 [320e]).
314 Pseudo-Galen

Th 396
Hist. phil. 44.2
(Περὶ κόσμου.) Θαλῆς ἕνα τὸν κόσμον.

Sim. (Ein einziger Kosmos) Th 155 (w. s.)

Th 397
Hist. phil. 55.1–2
(Περὶ διαιρέσεως οὐρανοῦ.) Θαλῆς [τὸν οὐρανὸν οὐ] μεμερίσθαι τὴν τοῦ
παντὸς σφαῖραν εἰς κύκλους τινὰς προσαγορευομένας ζώνας.

Th 398
Hist. phil. 56.1
(Τίς ἡ οὐσία τῶν πλανητῶν καὶ ἀπλανῶν.) Θαλῆς ὑπολαμβάνει γεώδη μὲν
εἶναι τὰ ἄστρα, ἔμπυρα δέ.

Sim. (Natur der Gestirne) Th 157 (w. s.)

Th 399
Hist. phil. 66.1–3
(Περὶ ἐκλείψεως ἡλίου.) Θαλῆς πρῶτος εἶπεν ἐκλείπειν τὸν ἥλιον τῆς σε-
λήνης αὐτὸν ὑπερχομένης κατὰ κάθετον οὔσης φύσει γεώδους. Ἀναξίμαν-
δρος τοῦ στόματος τῆς τοῦ πυρὸς διεκπνοῆς ἀποκλειομένου.

Sim. (Sonnenfinsternis) Th 10 (w. s.)

Th 400
Hist. phil. 69.1–2
(Περὶ φωτισμοῦ σελήνης.) Ἀναξίμανδρος ἴδιον ἔχειν αὐτὴν φῶς εἴρηκεν,
ἀραιότερον δέ πως. Θαλῆς δὲ ἀπὸ τοῦ ἡλίου φωτίζεσθαι τὴν σελήνην.

Sim. (Licht des Mondes) Th 159 (w. s.)


Pseudo-Galen 315

Th 396
Über die Geschichte der Philosophie 44.2
(Der Kosmos). Thales [sagt, dass es] einen Kosmos [gibt] (vgl. Th 155).

Th 397
Über die Geschichte der Philosophie 55.1–2
(Die Unterteilung des Himmels). Thales sagt, dass die Sphäre des gesamten
[Himmels] in „Zonen“ genannte Kreise geteilt sei (vgl. Th 156, Th 353).

Th 398
Über die Geschichte der Philosophie 56.1
(Die Natur der Planeten und Fixsterne). Thales nimmt an, dass die Gestirne
erdartig, aber feurig sind (vgl. Th 157).

Th 399
Über die Geschichte der Philosophie 66.1–3
(Die Sonnenfinsternis). Thales sagte als Erster, dass sich die Sonne ver-
finstere, wenn der von Natur erdartige Mond senkrecht unter ihr geht;
Anaximander, wenn die Ausblaseöffnung des Feuers verschlossen sei (vgl.
Th 158).

Th 400
Über die Geschichte der Philosophie 69.1–2
(Das Licht des Mondes). Nach Anaximander hat er sein eigenes Licht; es ist
aber irgendwie schwächer. Nach Thales aber wird der Mond von der Sonne
beleuchtet (vgl. Th 159).
316 Pseudo-Galen

Th 401
Hist. phil. 81.1
(Περὶ γῆς.) Θαλῆς καὶ οἱ ἀπ᾽ αὐτοῦ μίαν εἶναι τὴν γῆν ὑπολαμβάνουσιν.

Sim. (eine Erde) Th 160 (w. s.)

Th 402
Hist. phil. 82.1–3
(Περὶ σχήματος γῆς.) Θαλῆς καὶ οἱ ἀπ᾽ αὐτοῦ σφαιροειδῆ τὴν γῆν νομί-
ζουσιν. Ἀναξίμανδρος δὲ λίθῳ κίονι τῇ περιφερείᾳ ἐκ τῶν ἐπιπέδων. Ἀνα-
ξιμένης τραπεζοειδῆ.

Sim. (kugelförmige Erde) Th 161 (w. s.)

Th 403
Hist. phil. 86.1
(Περὶ σεισμῶν γῆς.) Θαλῆς καὶ Δημόκριτος ὕδατι τὴν αἰτίαν τῶν σεισμῶν
προσάπτουσιν.

Sim. (Erde ruht auf dem Wasser) Th 30 (w. s.); (Erdbeben) Th 99 (w. s.)

Th 404
Hist. phil. 89.1–3
(Περὶ ἀναβάσεως τοῦ Νείλου.) Θαλῆς τοὺς ἐτησίους ἀνέμους αἰτιᾶται
πνέοντας τῇ Αἰγύπτῳ *1 καὶ τῇ παροιδήσει τοῦ ἀντιπαρήκοντος πελά-
γους ἀντικόπτεσθαι καὶ πληροῦσθαι τὸν Νεῖλον.

Sim. (Nilschwelle) Th 13 (w. s.)

1 „ante καί hiat oratio“ (Diels).


Pseudo-Galen 317

Th 401
Über die Geschichte der Philosophie 81.1
(Die Erde). Thales und seine Schule nehmen an, dass es eine Erde gebe (vgl.
Th 160).

Th 402
Über die Geschichte der Philosophie 82.1–3
(Die Form der Erde). Thales und seine Schule glauben, dass die Erde kugel-
förmig ist (vgl. Th 161). Anaximander, dass sie einer steinernen Säulentrom-
mel [...]1. Anaximenes, dass sie tischförmig sei.

Th 403
Über die Geschichte der Philosophie 86.1
(Die Erschütterungen der Erde). Thales und Demokrit weisen dem Wasser
die Ursache für die Erschütterungen zu (vgl. Th 163).

Th 404
Über die Geschichte der Philosophie 89.1–3
(Die Nilschwelle). Thales sieht in den Etesienwinden, die Ägypten [entge-
gen]wehen, die Ursache [dafür] [...], dass der Nil durch das Anschwellen des
entgegenkommenden Meeres blockiert werde und sich fülle (vgl. Th 164).

1 Vgl. [Plut.] Plac. phil. 3.10.895D8–9.


318 Pseudo-Galen – Iohannes L. Lydos

Th 405
Hist. phil. 130.1–3
(Πῶς αὔξεται τὰ φυτὰ καὶ εἰ ζῷα.) Θαλῆς καὶ Πλάτων τὰ φυτὰ ἔμψυχα
ζῷα‧ φανερὸν δὲ ἐκ τοῦ σαλεύεσθαι καὶ ἐν ταῖς συναγωγαῖς ἥκειν μετὰ βίας
καὶ πάλιν σφοδρῶς ἀναχαλᾶσθαι, ὥστε καὶ συνέλκειν βάρη.

Iohannes L. Lydos
Th 406
De mensibus 3.12.15–16 (ed. Wünsch)
Θαλῆς δὲ καὶ οἱ ἀπ᾽ αὐτοῦ ὑπὸ τοῦ ἡλίου φωτίζεσθαι τὴν σελήνην ἐνέκρι-
ναν.

Th 407
De ostentis 9.30A–B (ed. Wachsmuth) (De solis lunaeque significatibus) 9
Ἰστέον ἐν πρώτοις ὡς μόνος ὁ ἥλιος καθολικὰς ἔχει ἐνεργείας, τῶν ἄλλων
διοσημειῶν τοπικὰς ἐχουσῶν. δέδοται γὰρ ἅπαξ ἡλίῳ μὲν καλύπτεσθαι
τῇ παρεμπτώσει τῆς σελήνης, αὐτῇ δὲ τῇ ἀντιπτώσει τῆς γῆς, καὶ τὸν μὲν
ἐν συνόδῳ πάντων, [τὴν σελήνην] δέ, ὅταν ᾖ πλησιφαής. καὶ τούτου χά-
ριν οὐδεὶς ἂν ἀμφισβητήσειε. προγνωσθῆναι δὲ τοῦτο λέγεται παρὰ μὲν
Ἕλλησι πρὸς Θαλοῦ τοῦ Μιλησίου ἐπὶ τῆς ἐνάτης καὶ τεσσαρακοστῆς
ὀλυμπιάδος, ἔτει ἑβδομηκοστῷ καὶ ἑκατοστῷ τῆς κτίσεως Ῥώμης ὕστε-
ρον, παρὰ δὲ Ῥωμαίοις ὑπὸ Σουλπικίου Γάλλου, μιᾷ πρόσθεν ἡμέρᾳ τῆς
Περσέως τοῦ Μακεδόνος ἥττης.

Sim. (Sonnenfinsternis) Th 10 (w. s.); (Datierung) Th 171 (w. s.)


Pseudo-Galen – Iohannes L. Lydos 319

Th 405
Über die Geschichte der Philosophie 130.1–31
(Wie die Pflanzen wachsen und ob sie Lebewesen sind). Thales und Platon
halten die Pflanzen für beseelte Lebewesen. Das ergibt sich daraus, dass sie
sowohl schwanken und [...], um darauf wieder heftig emporzuschnellen, so
dass sie sogar schwere Sachen mit sich reißen (vgl. Th 359).

Iohannes L. Lydos (490–um 560. n. Chr.)


Th 406
Über die Festmonate 3.12.15–16
Thales und seine Schule meinten, dass der Mond von der Sonne beleuchtet
wird (vgl. Th 159).

Th 407
Über Wunderzeichen 9.30A–B (Die Vorzeichen von Sonne und Mond)
Die wissenschaftliche Erklärung von Sonnen- und Mondfinsternis. [...] Bei
den Griechen soll das von Thales aus Milet vorausgesagt worden sein wäh-
rend der 49. Olympiade [584–1], im 170. Jahr nach der Gründung Roms,
bei den Römern aber von Sulpicius Gallus, einen Tag vor der Niederlage des
Makedonen Perseus.2

1 Vgl. Daiber 1980, 242, 2–5.


2 In der Schlacht bei Pydna 168 v. Chr.; C. Sulpicius Gallus soll die Mondfinsternis am
Vorabend der Schlacht von Pydna wissenschaftlich erklärt haben (vgl. Cic. Rep. 1,
23; vgl. auch Th 74, Th 105).
320 Simplikios

Simplikios
Th 408
In Aristotelis physicorum libros commentaria I Prooemium 9.6.31–7.1 (ed.
Diels)
Ἀλλ᾽ ὀλίγα ἔτι προσθεὶς ἐπὶ τὴν λέξιν τραπήσομαι. τῶν γὰρ πρὸ τοῦ Πλά-
τωνος φιλοσοφησάντων οἱ μὲν περὶ Θαλῆν καὶ Ἀναξίμανδρον καὶ τοὺς τοι-
ούτους, ἅτε πρώτως τότε μετὰ τὸν κατακλυσμὸν καὶ τὴν τῶν ἀναγκαίων
περιποίησιν φιλοσοφίας ἀρξαμένης ἐν τῇ Ἑλλάδι, τὰς τῶν φύσει γινομέ-
νων αἰτίας ζητοῦντες ἅτε κάτωθεν ἀρχόμενοι τὰς ὑλικὰς καὶ στοιχειώδεις
ἀρχὰς ἐθεάσαντο καὶ ἐξέφηναν ἀδιορίστως ὡς πάντων τῶν ὄντων τὰς
ἀρχὰς ἐκφαίνοντες.

Th 409
In ph. 9.23.21–33 (ed. Diels = teilweise Theophrast Fr. 225 FHS&G)
[Ph. 1.2.184b15] Τῶν δὲ μίαν καὶ κινουμένην λεγόντων τὴν ἀρχήν, οὓς καὶ
φυσικοὺς ἰδίως καλεῖ, οἱ μὲν πεπερασμένην αὐτήν φασιν, ὥσπερ Θαλῆς
μὲν Ἐξαμύου Μιλήσιος καὶ Ἵππων, ὃς δοκεῖ καὶ ἄθεος γεγονέναι, ὕδωρ
ἔλεγον τὴν ἀρχὴν ἐκ τῶν φαινομένων κατὰ τὴν αἴσθησιν εἰς τοῦτο προ-
αχθέντες. καὶ γὰρ τὸ θερμὸν τῷ ὑγρῷ ζῇ καὶ τὰ νεκρούμενα ξηραίνεται
καὶ τὰ σπέρματα πάντων ὑγρὰ καὶ ἡ τροφὴ πᾶσα χυλώδης‧ ἐξ οὗ δέ
ἐστιν ἕκαστα, τούτῳ καὶ τρέφεσθαι πέφυκεν‧ τὸ δὲ ὕδωρ ἀρχὴ τῆς ὑγρᾶς
φύσεώς ἐστι καὶ συνεκτικὸν πάντων. διὸ πάντων ἀρχὴν ὑπέλαβον εἶναι
τὸ ὕδωρ καὶ τὴν γῆν ἐφ᾽ ὕδατος ἀπεφήναντο κεῖσθαι. Θαλῆς δὲ πρῶτος
παραδέδοται τὴν περὶ φύσεως ἱστορίαν τοῖς Ἕλλησιν ἐκφῆναι, πολλῶν
μὲν καὶ ἄλλων προγεγονότων, ὡς καὶ τῷ Θεοφράστῳ (Th 38) δοκεῖ, αὐτὸς
δὲ πολὺ διενεγκὼν ἐκείνων, ὡς ἀποκρύψαι πάντας τοὺς πρὸ αὐτοῦ‧ λέ-
γεται δὲ ἐν γραφαῖς μηδὲν καταλιπεῖν πλὴν τῆς καλουμένης Ναυτικῆς
ἀστρολογίας.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (Erde ruht auf dem Wasser) Th 30 (w. s.);
(Schrift) Th 88 (w. s.); (Thales als Vertreter der Astronomie) Th 103 (w. s.);
(erster Weiser/Philosoph) Th 29 (w. s.)

Th 410
In ph. 9.24.13–16
[Ph. 1.2.184b15] Τῶν δὲ ἓν καὶ κινούμενον καὶ ἄπειρον λεγόντων Ἀνα-
ξίμανδρος μὲν Πραξιάδου Μιλήσιος Θαλοῦ γενόμενος διάδοχος καὶ μα-
Simplikios 321

Simplikios (ca. 490–560 n. Chr.)


Th 408
Kommentar zu Aristoteles’ Physik I Vorwort 9.6.31–7.1
Die vorplatonischen Archegeten der Philosophie wie Thales und Anaximan-
der nahmen die stofflichen und elementartigen Prinzipien in den Blick.

Th 409
Kommentar zu Aristoteles’ Physik 9.23.21–33 [Ph. 1.2.184b15]
Von denjenigen, die nur ein einziges, bewegtes Prinzip annehmen, die er
[Aristoteles] auch speziell Physiker nennt, behaupten die einen, dass es be-
grenzt sei, wie denn Thales, der Sohn des Examyas, aus Milet und Hip-
pon, der auch die Götter geleugnet zu haben scheint, Wasser als das Prinzip
annahmen, indem sie von den wahrnehmbaren Phänomenen dazu [zu die-
ser Annahme] gebracht wurden. Denn das Warme lebt durch das Feuchte
und das Tote trocknet aus und die Samen von allen Dingen sind feucht und
die Nahrung ist insgesamt saftig. Woraus aber ein jedes ist, dadurch wird
es auch von Natur aus genährt. Das Wasser aber ist das Prinzip der feuch-
ten Natur und fähig, alles zu bewahren. Daher nahmen sie an, das Wasser
sei das Prinzip aller Dinge, und legten dar, dass die Erde auf dem Wasser
ruhe. Es ist aber überliefert, dass Thales als Erster den Griechen die Er-
forschung hinsichtlich der Natur ans Licht gebracht hat. Es gab zwar viele
andere zuvor, wie Theophrast meint (Th 38), da er sich aber weit vor jenen
hervorhob, stellte er alle vor ihm in den Schatten. Er soll aber an Schriften
nichts hinterlassen haben außer der so genannten Nautischen Astronomie
(vgl. Th 237 [Diog. Laert. 1.23]).

Th 410
Kommentar zu Aristoteles’ Physik 9.24.13–16 [Ph. 1.2.184b15]
Von denen, die sagen, dass [das Prinzip] eines und prozesshaft und unend-
lich ist, erklärte Anaximander, der Sohn des Praxiades, aus Milet, Nach-
322 Simplikios

θητὴς ἀρχήν τε καὶ στοιχεῖον εἴρηκε τῶν ὄντων τὸ ἄπειρον, πρῶτος τοῦτο
τοὔνομα κομίσας τῆς ἀρχῆς.

Th 411
In ph. 9.36.8–14
[Ph. 1.2.184b15]   Ἀνάγκη δὲ ἤτοι μίαν εἶναι τὴν ἀρχὴν ἢ πλείους.
Καὶ ὅσοι δὲ ἓν ἔθεντο στοιχεῖον, ὡς Θαλῆς καὶ Ἀναξίμανδρος καὶ Ἡράκλει-
τος, καὶ τούτων ἕκαστος εἰς τὸ δραστήριον ἀπεῖδεν τὸ καὶ πρὸς γένεσιν
ἐπιτήδειον ἐκείνου, Θαλῆς μὲν εἰς τὸ γόνιμον καὶ τρόφιμον καὶ συνεκτικὸν
καὶ ζωτικὸν καὶ εὐτύπωτον τοῦ ὕδατος, Ἡράκλειτος δὲ εἰς τὸ ζῳογόνον
καὶ δημιουργικὸν τοῦ πυρός, Ἀναξιμένης δὲ εἰς τὸ τοῦ ἀέρος εὔπλαστον
καὶ ἑκατέρωσε ῥᾳδίως μεταχωροῦν ἐπί τε τὸ πῦρ καὶ ἐπὶ τὸ ὕδωρ, ὥσπερ
καὶ Ἀναξίμανδρος, εἴπερ τὸ μεταξὺ διὰ τὸ εὐαλλοίωτον ὑποτίθεται.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 412
In ph 9.40.23–41.1 (Alexandrum excerpit Simplicius)
[Ph. 1.2.184b16] ‘ Ἐκθέμενος τοὺς ἀκίνητον λέγοντας τὸ ὂν ἤτοι τὴν ἀρχὴν
μεταβαίνει ἐπὶ τὸ ἕτερον τμῆμα καὶ φησὶν ἢ κινουμένην ὥσπερ οἱ φυσικοί,
ἀντιδιαστέλλων τοὺς ἀκίνητον λέγοντας πρὸς τοὺς φυσικούς, ὡς μηδὲ φυ-
σικῶν ὅλως ὄντων τῶν ἀναιρούντων τὴν κίνησιν, ὅπερ ἐφεξῆς σαφέστε-
ρον ἐρεῖ καὶ δείξει‧ εἰ γὰρ ἀρχὴ κινήσεως ἡ φύσις, πῶς ἂν εἴη φυσικὸς ὁ τὴν
φύσιν αὐτὴν ἀναιρῶν. εἰώθασι δὲ τοὺς περί τι μέρος φιλοσοφίας σπουδά-
σαντας ἢ μόνον ἢ μάλιστα ἀπ᾽ ἐκείνου καλεῖν, ὡς ἠθικὸν μὲν ἐκάλουν τὸν
Σωκράτην, φυσικοὺς δὲ τοὺς περὶ Θαλῆν καὶ Ἀναξίμανδρον καὶ Ἀναξιμέ-
νην καὶ Ἀναξαγόραν καὶ Δημόκριτον καὶ τοὺς τοιούτους’.

Th 413
In ph. 9.113.27–30
[Ph. 1.3.186a19] Κατὰ ταύτην γάρ, ὡς ὁ Ἀλέξανδρος ἐξηγεῖται, δυνατὸν ἓν
τῷ εἴδει λέγειν τὸ ὄν, ὥσπερ καὶ ἄλλοι τινὲς τῶν φυσικῶν ἔλεγον, Θαλῆς
μὲν καὶ Ἵππων ὕδωρ λέγοντες, Ἀναξιμένης δὲ ἀέρα, Ἡράκλειτος δὲ πῦρ.
Simplikios 323

folger und Schüler des Thales, dass das Prinzip und Element der seienden
Dinge das Unendliche sei, wobei er als Erster eben den Terminus ‚Prinzip‘
einführte.1

Th 411
Kommentar zu Aristoteles’ Physik 9.36.8–14 [Ph. 1.2.184b15]
„Notwendigerweise gibt es entweder nur ein Prinzip oder aber mehrere.“
Und alle, die ein einziges Element postulierten, wie Thales, Anaximander
und Heraklit, von diesen richtete ein jeder seinen Blick auf die gute Wirk-
samkeit jenes Elementes hinsichtlich der Erzeugung: Thales auf die erzeu-
gende, ernährende, bewahrende, lebensspendende und formbare Eigen-
schaft des Wassers, Heraklit auf die lebenserzeugende und gestalterische
Kraft des Feuers, Anaximenes auf die gute Gestaltbarkeit der Luft, die sich
leicht in beiden Richtungen vollziehen kann, zum Feuer hin oder zum Was-
ser, ebenso wie Anaximander, sofern er das Mittelding [zwischen ihnen]
wegen seiner guten Fähigkeit zur Veränderung annimmt.

Th 412
Kommentar zu Aristoteles’ Physik 9.40.23–41.1 [Ph. 1.2.184b16]
Wenn die Natur das Prinzip der Bewegung/Veränderung ist, so wäre kein
Naturphilosoph, wer die Prozesslosigkeit des Seienden vertritt (wie die Elea-
ten). Zu den Naturphilosophen, die sich mit dem Prinzip, insofern es prozess-
haft ist, beschäftigen, gehören Thales, Anaximander, Anaximenes, Anaxago-
ras, Demokrit und vergleichbare Forscher.

Th 413
Kommentar zu Aristoteles’ Physik 9.113.27–30 [Ph. 1.3.186a19]
Denn danach [hinsichtlich der Stoffursache] ist es möglich, wie Alexander
ausführt, das Seiende als der Art nach eines zu nennen, wie es auch irgend-

1 Oder: wobei er als Erster diese Bezeichnung [„das Unendliche“] des Prinzips ein-
führte. Zur Diskussion siehe Kahn 1960, 29–32; KRS (H) 118 f.; Conche 1984, 55 f.;
Maddalena 1963, 116 f.; Mansfeld 2002, 29 ff.
324 Simplikios

Th 414
In ph 9.149.3–11
[Ph. 1.4.187a12] Καὶ γὰρ τῶν φυσικῶν οἱ μὲν ἕν, οἱ δὲ πολλὰ λέγουσι.
καὶ τῶν ἓν λεγόντων δύο τρόπους εἶναί φησι τῆς ἐκ τούτου τῶν ὄντων
γενέσεως. πάντες μὲν γὰρ σωματικόν τι τὸ ἓν ὑποτίθενται τοῦτο, ἀλλ᾽
οἱ μὲν ἕν τι τῶν τριῶν στοιχείων, ὥσπερ Θαλῆς μὲν καὶ Ἵππων τὸ ὕδωρ,
Ἀναξιμένης δὲ καὶ Διογένης τὸν ἀέρα, Ἡράκλειτος δὲ καὶ Ἵππασος τὸ πῦρ
(τὴν γὰρ γῆν οὐδεὶς ἠξίωσεν ὑποθέσθαι μόνην διὰ τὸ δυσαλλοίωτον),
τινὲς δὲ ἄλλο τι τῶν τριῶν ὑπέθεντο, ὅ ἐστι πυρὸς μὲν πυκνότερον, ἀέ-
ρος δὲ λεπτότερον, ἢ ὡς ἐν ἄλλοις φησίν, ἀέρος μὲν πυκνότερον, ὕδατος
δὲ λεπτότερον.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 415
In ph. 9.180.14–16
[Ph. 1.5.188a19] Πάντες δὴ τἀναντία ἀρχὰς ποιοῦσιν ἕως τοῦ ὅτι μὲν οὖν
τἀναντία πάντες ποιοῦσι τὰς ἀρχάς, 〈δῆλον〉.
Καὶ οἱ ἓν δὲ καὶ κινούμενον τὴν ἀρχὴν ὑποθέμενοι, ὡς Θαλῆς καὶ Ἀναξι-
μένης, μανώσει καὶ πυκνώσει τὴν γένεσιν ποιοῦντες, ἐναντίας καὶ οὗτοι
ἀρχὰς ἔθεντο τὴν μάνωσιν καὶ τὴν πύκνωσιν.

Sim. (Aggregatzustände) Th 94 (w. s.)

Th 416
In ph. 9.202.32–203.5
[Ph. 1.6.189a34] Καὶ πάλιν εὑρίσκει συμφωνοῦντας αὑτοῦ τῷ λόγῳ τοὺς
φυσικούς, οἳ μίαν φύσιν ὑποτιθέντες τοῖς ἐναντίοις, δι᾽ ἣν ἓν τὸ πᾶν ἔλε-
γον, ἐκ ταύτης γεννῶσι τὰ πάντα, ὡς Θαλῆς μὲν ὕδωρ, Ἡράκλειτος δὲ
πῦρ, Ἀναξιμένης δὲ ἀέρα, Διογένης δὲ τὸ μεταξύ. καὶ γὰρ οὗτοι πάντες
τὴν μίαν ταύτην φύσιν τοῖς ἐναντίοις ὑπετίθεσαν συγκρίσει καὶ διακρίσει
ἢ μανώσει καὶ πυκνώσει τὰ ἄλλα γίνεσθαι λέγοντες ἀπ᾽ αὐτῆς.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (Aggregatzustände) Th 94 (w. s.)


Simplikios 325

welche andere Naturphilosophen sagten, indem Thales und Hippon das


Wasser, Anaximenes die Luft und Heraklit das Feuer nannten.

Th 414
Kommentar zu Aristoteles’ Physik 9.149.3–11 [Ph. 1.4.187a12]
Die unterschiedlichen körperlichen Prinzipien der Monisten: Thales’ und
Hippons Wasser, Anaximenes’ und Diogenes’ Luft, Heraklits und Hippasos’
Feuer. Die Erde, da schwer veränderbar, hat keiner gesetzt. Das Mittelding.

Th 415
Kommentar zu Aristoteles’ Physik 9.180.14–16 [zu Ph. 1.5.188a19]
„Alle erblicken in den Gegensätzen Prinzipien [...] dass also alle die Ge-
gensätze als Prinzipien ansetzen, das ist deutlich.“ Und diejenigen, die ein
einziges und bewegtes Prinzip postulierten, wie Thales und Anaximenes,
und die Entstehung durch Verdünnung und Verdichtung bewirken ließen,
auch diese setzten als gegensätzliche Prinzipien die Verdünnung und Ver-
dichtung an.1

Th 416
Kommentar zu Aristoteles’ Physik 9.202.32–203.5 [Ph. 1.6.189a34]
Die Monisten, darunter Thales, und ihre Erklärung der Entstehung durch
Zusammen- und Auseinandertreten, Verdichtung und Verdünnung.

1 188a22: καὶ οἱ μανὸν καὶ πυκνόν.


326 Simplikios

Th 417
In ph. 9.274.20–26
[Ph. 2.1.193a9] Ὥστε ὁ μὲν Ἀντιφῶν κοινῶς ἐῴκει λέγειν τὸ ὑποκείμενον
τὴν φύσιν, τῶν δὲ ἄλλων ἕκαστος ὅπερ ἔλεγε πρῶτον ὑποκείμενον, τοῦτο
καὶ φύσιν ἐκάλει τῶν ὄντων εἴτε ἓν ἦν τοῦτο, ὥσπερ Θαλῆς μὲν ὕδωρ ἔλε-
γεν, Ἀναξιμένης δὲ ἀέρα, Ἡράκλειτος δὲ πῦρ, εἴτε πλείονα, ὡς Παρμενίδης
πῦρ καὶ γῆν, εἴτε τὰ τέτταρα, ὡς Ἐμπεδοκλῆς‧ γῆν δὲ μόνην οὐδεὶς εἶπεν,
ἀλλὰ τῇ συνεκδρομῇ τῶν ἄλλων καὶ ταύτην τέθεικεν ὁ Ἀριστοτέλης.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 418
In ph. 9.452.30–32
[Ph. 3.4.202b36] Συμβεβηκὸς δέ τινι τὸ ἄπειρον ἐποίουν οἱ πλεῖστοι τῶν
φυσικῶν, οἱ μὲν ἀέρα ἄπειρον ὑποτιθέντες ὡς Ἀναξιμένης καὶ Διογένης, οἱ
δὲ ὕδωρ ὡς Θαλῆς, οἱ δὲ τὸ μεταξὺ ὡς Ἀναξίμανδρος‧

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 419
In ph. 9.458.19–26
[Ph. 3.4.203a16] Φυσικοὺς εἴωθε καλεῖν ὁ Ἀριστοτέλης τοὺς περὶ τοῦτο τὸ
μόριον τῆς φιλοσοφίας καταγινομένους τὸ φυσικόν, καὶ τούτων ἐξαιρέτως
τοὺς τῇ ὑλικῇ ἀρχῇ ἢ μάλιστα ἢ μόνῃ χρησαμένους. οὗτοι οὖν οἱ φυσι-
κοὶ τὴν ὕλην ὑποτιθέντες τοῖς γινομένοις καὶ περὶ αὐτὴν τὸ ἄπειρον θεω-
ροῦντες, εἰκότως οὐκέτι ὡς οὐσίαν ἀλλ᾽ ὡς συμβεβηκὸς ἔλεγον τὸ ἄπειρον.
τούτων δὲ οἱ μὲν ἕν τι στοιχεῖον ὑποτιθέντες τοῦτο ἄπειρον ἔλεγον τῷ με-
γέθει, ὥσπερ Θαλῆς μὲν ὕδωρ, Ἀναξιμένης δὲ καὶ Διογένης ἀέρα, Ἀναξί-
μανδρος δὲ τὸ μεταξύ, [...].
Simplikios 327

Th 417
Kommentar zu Aristoteles’ Physik 9.274.20–26 [Ph. 2.1.193a9]
Und so sagte Antiphon vermutlich allgemein, dass das Substrat die Natur
sei, und von den anderen bezeichnete ein jeder das, was er das erste Sub-
strat nannte, auch als die Natur der Dinge, sei es, es handelte sich um ein
Einziges, wie Thales das Wasser nannte, Anaximenes die Luft, Heraklit das
Feuer, sei es [es handelte sich] um mehrere, wie Parmenides Feuer und Erde
[nannte], oder um vier, wie Empedokles. Die Erde allein aber nannte keiner;
Aristoteles führte aber aus Analogie zu den anderen Elementen auch diese
an [193a21].

Th 418
Kommentar zu Aristoteles’ Physik 9.452.30–32 [Ph. 3.4.202b36]
Das Unendliche als zusätzliche Bestimmtheit – bei Thales des Wassers (s.
Th 419).

Th 419
Die Naturphilosophen haben erkannt, dass Unendlichkeit nur als Bestimmt-
heit an etwas möglich ist.1

Kommentar zu Aristoteles’ Physik 9.458.19–26 [Ph. 3.4.203a16]


Aristoteles nennt gewöhnlich diejenigen Naturphilosophen, die mit diesem
Teil der Philosophie, dem die Natur betreffenden, beschäftigt sind. Und
davon besonders diejenigen, die entweder hauptsächlich oder allein vom
Materialprinzip Gebrauch machen. Diese Naturphilosophen also legen die
Materie [als Substrat] den entstehenden Dingen zugrunde und betrachten
das Unendliche an ihr. Sie sprachen ferner natürlich nicht vom Unendlichen

1 „Für Ar. ist Unendlichkeit ein mögliches accidens accidentis, keinesfalls also ein
Unendliches im Sinne eines selbständigen Gegenstands. Unendlichkeit ist nur als
eine mögliche Bestimmtheit an einer Quantität denkbar, welche nur wiederum
als Bestimmtheit an einem Weiteren, nämlich an einer Substanz, denkbar ist. Alle
Unendlichkeit ist also Unendlichkeit der Quantität (der Anzahl oder der Ausdeh-
nungsgröße) eines Gegenstandes (bzw. einer Gegenstandsmenge.) [...] . – Die Na-
turphilosophen haben immerhin dieses richtig erkannt, dass Unendlichkeit nur als
Bestimmtheit an etwas möglich ist, also etwa als unendliches Wasser [...]“ (Wagner
41983, 498 f.)
328 Simplikios

Th 420
In ph. 9.484.5–14
[Ph. 3.5, 205a7–205b1] Καὶ ὅτι ἀδύνατον ἀφωρισμένων τῶν τόπων εἶναί τι
ἓν ἄπειρον, ὡς ἐναντιώσεως εὐθὺς οὔσης καὶ φθορᾶς τῶν λοιπῶν, δείκνυσι
καὶ ἐκ τῆς τῶν ἄλλων φυσιολόγων ὑπονοίας τῶν ἓν ἄπειρον λεγόντων
τὸ στοιχεῖον. οὐδεὶς γὰρ τούτων ἢ πῦρ ἢ γῆν ἄπειρον εἶπε τὸ στοιχεῖον,
διότι ἀφωρισμένους ταῦτα τόπους ἔχοντα καὶ ἄπειρα ὄντα ἔφθειρε πάν-
τως τὰ ἐν τοῖς ἀντικειμένοις ἀντικειμένην ἔχοντα τὴν φύσιν, ἀλλ᾽ ὕδωρ, ὡς
Θαλῆς, ἢ ἀέρα ὡς Ἀναξιμένης, ἢ τὸ μεταξὺ ἐκεῖνο ὡς Ἀναξίμανδρος, διότι
ταῦτα ἐπαμφοτερίζειν δοκοῦντα τοῖς τόποις καὶ ἄνω καὶ κάτω δυνάμενα
εἶναι οὐκ ἦν φθαρτικὰ ὡς μηδ᾽ ἐναντία κατὰ τοὺς τόπους.

Th 421
In ph. 10.1319.17–27
[Ph. 8.9.265b17] Εἰπὼν δὲ ὅπως οἱ πλείονας ἀρχὰς τῶν γινομένων τι-
θέντες καὶ τούτων οἵ τε ποιητικὰ αἴτια παραλαμβάνοντες καὶ οἱ χωρὶς
τούτου τὰς γενέσεις διακοσμοῦντες πρώτην τῶν κινήσεων ἀπελογίζον-
το τὴν φορὰν ἐφεξῆς λέγει [265b30] καὶ ὅπως οἱ μίαν τὴν ἀρχὴν καὶ τὸ
στοιχεῖον λέγοντες, ὡς οἱ περὶ Θαλῆν καὶ Ἀναξιμένη καὶ Ἀναξίμανδρον καὶ
Ἡράκλειτον, φυσικοὶ καὶ οὗτοι, τὴν φορὰν πρώτην τῶν κινήσεων τίθε-
νται‧ διὰ γὰρ πυκνώσεως καὶ μανώσεως τὰς γενέσεις καὶ φθορὰς ἀπο-
διδόασι‧ σύγκρισις δέ τις ἡ πύκνωσίς ἐστι καὶ διάκρισις ἡ μάνωσις. οἰκείως
δὲ οἶμαι οἱ μὲν ἓν λέγοντες πύκνωσιν καὶ μάνωσιν ἐκάλεσαν τὰ περὶ αὐτὸ
πάθη, οἱ δὲ πλείονα σύγκρισιν καὶ διάκρισιν. καὶ ταῦτα δὲ καὶ ἐκεῖνα τὴν
κατὰ τόπον ἐνδείκνυται κίνησιν.

Sim. (Aggregatzustände) Th 94 (w. s.)


Simplikios 329

als Substanz, sondern als Accidens. Von ihnen legten nun die einen ein ein-
ziges Element zugrunde und sagten, dass es unendlich in seiner Größe sei,
wie Thales [dies vom] Wasser [sagte], Anaximenes und Diogenes [von der]
Luft, Anaximander aber [vom] Mittelding [...].

Th 420
Die Unmöglichkeit eines unendlich großen Grund- oder Elementarkörpers.

Kommentar zu Aristoteles’ Physik 9.484.5–14 [Ph. 3.5.205a7–205b1]


Und dass es unmöglich ist, dass es angesichts fest bestimmter Orte [der
Elemente] etwas einziges Unendliches gibt, da sofort ein Gegensatz ent-
stünde und die übrigen vernichtet würden, zeigt er auch anhand der Ver-
mutung derjenigen anderen Naturphilosophen, die ein einziges unendliches
Element genannt hatten. Denn keiner von diesen [205a26] sprach entweder
vom Feuer oder der Erde als unendlichem Element, weil diese, wenn sie
bestimmte Orte besäßen, und wenn sie unendlich wären, gänzlich die in den
entgegengesetzten [Orten] befindlichen und eine entgegengesetzte Natur
besitzenden Elemente vernichteten. Vielmehr sprachen sie vom Wasser, wie
Thales, oder von der Luft, wie Anaximenes, oder von jenem Mittelding, wie
Anaximander, weil diese keinen eindeutigen Ort zu haben scheinen, oben
und unten sein können und, insofern sie hinsichtlich der Orte nicht entge-
gengesetzt sind, nicht zerstörerisch wären.

Th 421
Ortsveränderung als Grundform aller Prozessualität

Kommentar zu Aristoteles’ Physik 10.1319.17–27 [Ph. 8.9.265b17]


Nachdem er [Aristoteles] gesagt hat, dass diejenigen, die mehrere Prinzipien
der werdenden Dinge annehmen, und von diesen sowohl die, die bewir-
kende Ursachen dazunehmen,1 als auch die, die ohne Derartiges die Entste-
hungen regulieren,2 die [Orts]veränderung als Grundform der Bewegungen
kalkulieren, sagt er in der Folge [265b30], wie auch die, die ein Prinzip und
Element nennen, wie die um Thales, Anaximenes, Anaximander und Hera-
klit, – Naturphilosophen auch sie –, die [Orts]veränderung als Grundform
der Bewegungen annehmen. Durch Verdichtung nämlich und Verdünnung

1 Wie Empedokles oder Anaxagoras.


2 Die Atomisten.
330 Simplikios

Th 422
In Aristotelis libros de anima commentaria 11.31.20–26 (ed. Hayduck)
[de An. 1.2.405a19] Ἔοικε δὲ καὶ Θαλῆς ἐξ ὧν ἀπομνημονεύουσι.
Ὅτι μηδὲν αὐτοῦ ἐφέρετο σύγγραμμα. τοσοῦτον δὲ περὶ Θαλοῦ ἱστορή-
σας, καὶ τοῦτο μετά τινος ἐπιτιμήσεως, ὅτι τῇ μαγνήτιδι λίθῳ ψυχὴν ἐδί-
δου ὡς κινητικῇ τοῦ σιδήρου, ἵνα κατ᾽ ἐκεῖνον κινητικὴν εἶναι τὴν ψυχὴν
πιστώσηται, οὐκέτι τὸ ὕδωρ εἶναι τὴν ψυχὴν εἰς αὐτὸν ἀνέπεμψεν, καίτοι
στοιχεῖον τὸ ὕδωρ τιθέμενον, ἐπειδὴ τῶν σωμάτων τὸ ὕδωρ ἔλεγε στοι-
χεῖον, εἰκὸς δὲ ἀσώματον αὐτὴν ἐκεῖνον ὑποτίθεσθαι.

Sim. (Schrift) Th  88 (w.  s.); (Natur der Seele/Magnetstein) Th  31 (w.  s.);
(Seele aus der Wasser) Th 221 (w. s.)

Th 423
In de an. 11.32.14–17
[de An. 1.2.405b1] Τῶν δὲ φορτικωτέρων καὶ ὕδωρ τινὲς ἀπεφήναντο,
καθάπερ Ἴππων. Ἐτίθετο μὲν καὶ Θαλῆς ὕδωρ τὸ στοιχεῖον, ἀλλὰ σωμά-
των, καὶ οὐχὶ τὴν ψυχὴν πάντως σῶμα ᾤετο.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (Natur der Seele/Magnetstein) Th 31


(w. s.)
Simplikios 331

erklären sie Entstehung und Vergehen.1 Eine Art Zusammentreten ist aber
die Verdichtung und eine Art Auseinandertreten die Verdünnung. Ich glaube
aber, dass diejenigen, die ein einziges [Prinzip] nennen, in geeigneter Weise
dessen Affektionen als Verdichtung und Verdünnung bezeichnen, diejeni-
gen, die mehrere [Prinzipien, Elemente] nennen, [in geeigneter Weise deren
Affektionen] als Zusammentreten und Auseinandertreten. Dieses aber wie
jenes erweist sich als Ortsbewegung.

Th 422
Kommentar zu Aristoteles’ Über die Seele 11.31.20–26 [de an. 1.2.405a19]
„Es scheint auch Thales nach dem, was man berichtet.“ Weil keine Schrift
von ihm überliefert wurde. Nachdem er [Aristoteles] aber so viel über Tha-
les berichtet hat, und auch dieses mit einem gewissen Tadel, dass er dem Ma-
gnetstein eine Seele gab, da er das Eisen bewege, damit glaubwürdig wird,
dass entsprechend jenem [Thales] die Seele bewegungsfähig ist, schrieb er
ihm nicht mehr zu, dass die Seele Wasser sei, obwohl er doch das Wasser als
Element annahm, da er sagte, dass das Wasser das Element der Körper sei;
es ist aber wahrscheinlich, dass jener [Thales] sie als unkörperlich annimmt.2

Th 423
Kommentar zu Aristoteles’ Über die Seele 11.32.14–17 [de an. 1.2.405b1]
„Von primitiveren Forschern erklärten die Seele einige für Wasser, wie Hip-
pon.“ Zwar setzte auch Thales das Wasser als Element, aber als Element der
Körper; die Seele hielt er keineswegs für einen Körper.

1 Siehe Kahn 1960, 55, der im Einschluss Anaximanders in die Gruppe der Monisten
„who explain generation and corruption by condensation and rarefaction“ eine „ca-
relessness on the part of Simplicius“ sieht.
2 Vgl.Th 423.
332 Simplikios

Th 424
In de an. 11.73.19–23
[de An. 1.5.411a8] Ὅθεν ἴσως καὶ Θαλῆς ᾠήθη πάντα πλήρη θεῶν εἶναι.
Ὅτι μὲν πλήρη πάντα θεοῦ, δημιουργοῦντος, ἀγαθύνοντος, συνέχοντος
αὐτά, οὐδεὶς ἂν ἀμφισβητήσειεν. οὐ δὴ τοῦτο ἐπισημαίνεται, οὐδὲ τὸ ἴσως
διὰ τοῦτο εἴρηκεν, ἀλλὰ πρὸς τὸ μεμῖχθαι. οὕτω γὰρ ἴσως καὶ Θαλῆς ᾠήθη
πάντα πλήρη θεῶν εἶναι, τῷ μεμῖχθαι αὐτούς‧ καὶ τοῦτο ἄτοπον.

Sim. (Beseeltheit des Alls/göttliche Wesen) Th 32 (w. s.)

Th 425
In Aristotelis quattuor libros de caelo commentaria 7.520.26–31 (ed. Hei-
berg)
[Cael. 2.13, 294a11 ff.] Καὶ πρῶτον μνημονεύει τῶν μένειν λεγόντων διὰ τὸ
ἄπειρον αὐτὴν εἶναι, ὥσπερ Ξενοφάνης ὁ Κολοφώνιος, δεύτερον δὲ τῶν ἐφ᾽
ὕδατος ὀχουμένην μένειν, ὡς Θαλῆς ὁ Μιλήσιος, τρίτον δὲ τῶν λεγόντων
μένειν αὐτὴν ἀνεχομένην ὑπὸ τοῦ ὑποκειμένου ἀέρος, ὃν ἐπιπωματίζει
πλατεῖα οὖσα καὶ τυμπανοειδὴς ἡ γῆ καὶ οὐ συγχωρεῖ ἀναχωρεῖν‧ οὕτω
δὲ Ἀναξιμένης καὶ Ἀναξαγόρας καὶ Δημόκριτος ἐδόκουν λέγειν.

Sim. (Erde ruht auf dem Wasser) Th 30 (w. s.)

Th 426
In de cael. 7.522.13–18
[Cael. 2.13.294a21] Ἀλλὰ ταύτην μὲν οὐδὲ ἀντιλογίας ἠξίωσε τὴν δόξαν
ὡς παντελῶς ἀπίθανον, ἐπ᾽ αὐτῇ δὲ τὴν Θαλοῦ τοῦ Μιλησίου τίθησιν ἐφ᾽
ὕδατος λέγοντος ὀχεῖσθαι τὴν γῆν ὥσπερ ξύλον ἢ ἄλλο τι τῶν ἐπινήχεσθαι
τῷ ὕδατι πεφυκότων. πρὸς ταύτην δὲ τὴν δόξαν ὁ Ἀριστοτέλης ἀντιλέ-
γει μᾶλλον ἴσως ἐπικρατοῦσαν διὰ τὸ καὶ παρ᾽ Αἰγυπτίοις οὕτως ἐν μύθου
σχήματι λέγεσθαι καὶ τὸν Θαλῆν ἴσως ἐκεῖθεν τὸν λόγον κεκομικέναι.

Sim. (Erde ruht auf dem Wasser) Th 30 (w. s.); (ägyptischer Einfluss) Th 92
(w. s.)
Simplikios 333

Th 424
Kommentar zu Aristoteles’ Über die Seele 11.73.19–23 [de an. 1.5.411a8]
„Daher glaubte vielleicht auch Thales, dass alles voll von Göttern sei.“ Kei-
ner dürfte bezweifeln, dass alles voll von Gott ist, der es erschafft, zum Gu-
ten bringt und umfasst. Das hebt er also nicht hervor, und nicht deswegen
hat Aristoteles „vielleicht“ gesagt, sondern im Hinblick auf das „vermischt
sein“ [a7]. Denn so glaubte vielleicht auch Thales, dass alles voll von Göt-
tern sei, weil sie damit vermischt seien. Und das ist ungewöhnlich.

Th 425
Kommentar zu Aristoteles’ Über den Himmel 7.520.26–31 [Cael. 2.13.
294a11 ff.]
Und zuerst bringt er diejenigen in Erinnerung, die behaupten, dass sie [die
Erde] infolge ihrer Unendlichkeit ruhe, wie Xenophanes aus Kolophon,
an zweiter Stelle diejenigen, die [behaupten, dass] sie ruhe, indem sie auf
dem Wasser treibe, wie Thales aus Milet, drittens diejenigen, die behaupten,
dass sie ruhe, weil sie von der darunter gelegenen Luft gehalten werde, die
sie [die Erde], die flach und wie ein Tympanon geformt sei, wie ein Deckel
abschließe und nicht entweichen lasse. Dies schienen Anaximenes, Anaxa-
goras und Demokrit zu behaupten.

Th 426
Kommentar zu Aristoteles’ Über den Himmel 7.522.13–18 [Cael. 2.13.
294a21]
Aber diese Lehre [dass nämlich die Erde im Unendlichen wurzele] hielt er
keiner Widerrede für wert, da sie ganz und gar unglaubwürdig sei. Darauf
[Cael. 2.13.294a28 ff.] lässt er die Lehre des Thales von Milet folgen, der sagt,
dass die Erde auf dem Wasser fahre wie Holz oder irgendetwas anderes von
den Dingen, die von Natur aus auf dem Wasser schwimmen. Dieser Lehre
aber widerspricht Aristoteles. Sie herrscht vielleicht in höherem Maße vor,
weil sie auch bei den Ägyptern so in der Form eines Mythos erzählt wird
und Thales die Erklärung vielleicht von dort mitgebracht hat. [Es folgt eine
Rekapitulation der von Aristoteles gegebenen Argumente (s. o. Th 30) ge-
gen die Ansicht des Thales].
334 Simplikios

Th 427
In de cael. 7.561.1–6
[Cael. 3.1.298b24] Διαστήσας οὖν οὕτω τὰς ἐναντίας ἀλλήλαις δόξας τρί-
τον προστίθησι τὴν τῶν κυρίως φυσικῶν λεγομένων δόξαν, οἵτινες πάντα
γίνεσθαι λέγοντες ἓν μόνον ἔφασκον ἀγένητον ὑπομένειν, ἐξ οὗ τὰ ἄλλα γί-
νεται καὶ εἰς ὃ ἀναλύεται, Θαλῆς μὲν ὕδωρ, Ἀναξιμένης δὲ ἀέρα, Ἀναξίμαν-
δρος τὸ μεταξύ, πῦρ δὲ Ἡράκλειτος. δῆλον δέ, ὅτι, κἂν ἀγένητον τὸ ἓν ἔλε-
γον ἐκεῖνοι, ἀλλ᾽ οὐκ ἀκίνητον, εἴπερ μετασχηματιζομένου αὐτοῦ τὰ ἄλλα
γίνεσθαί φασιν.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 428
In de cael. 7.590.17–19
[Cael. 3.2.301a11] Μαρτύρεται δὲ καὶ τοὺς ἄλλους φυσιολόγους, τοὺς μὲν
ἐξ ἑνὸς ποιοῦντας, ὥσπερ οἱ περὶ Θαλῆν καὶ Ἀναξιμένην καὶ Ἡράκλειτον,
τοὺς δὲ ἐκ συγκεκριμένων, ὥσπερ Ἐμπεδοκλῆς.

Th 429
In de cael. 7.602.18–25
[Cael. 3.3.302a19] Ἐπειδὴ δὲ οὔπω δέδεικται τὸ εἶναι τέσσαρα στοιχεῖα,
ἦσαν δέ τινες οἱ ἓν λέγοντες, Θαλῆς μὲν καὶ Ἵππων ὕδωρ, Ἀναξιμένης δὲ καὶ
Διογένης ἀέρα, Ἵππασος δὲ καὶ Ἡράκλειτος πῦρ, καὶ τὸ μεταξὺ Ἀναξίμαν-
δρος, εἰκότως προσέθηκεν, ὅτι, καὶ εἰ μὴ τέσσαρα εἴη τὰ πρῶτα σώματα
ἀλλὰ ἕν, οὐκ ἐνυπάρξει ἐν ἐκείνῳ οὔτε κατ᾽ ἐνέργειαν οὔτε κατὰ δύναμιν
τὰ ἐξ αὐτοῦ γινόμενα, ἀλλὰ προσθεωρητέον τὸν τῆς γενέσεως τρόπον·
εἰ μὲν γὰρ ἐκκρίσει λέγει τις τὴν γένεσιν, ἐνυπάρχειν ἀνάγκη, εἰ δὲ κατὰ
μεταβολήν, οὐκέτι.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)


Simplikios 335

Th 427
Kommentar zu Aristoteles’ Über den Himmel 7.561.1–6 [Cael. 3.1.298b24]
Die Ansicht der wichtigsten Naturphilosophen, wonach es einen einzigen
des Entstehens unfähigen Urkörper gibt, aus dem alles werde und in den
sich alles wieder auflöse; nach Thales das Wasser, nach Anaximenes die Luft,
nach Anaximander das Mittelding und nach Heraklit das Feuer. [...] Es ist
aber klar, dass, wenn sie auch sagten, dieser einzige Körper sei des Entste-
hens unfähig, so [meinten sie] doch nicht, er sei auch prozesslos; denn sie
behaupten ja, das andere entstehe aus seiner Umgestaltung.

Th 428
Kommentar zu Aristoteles’ Über den Himmel 7.590.17–19 [Cael. 3.2.
301a11]
Die Entstehung des Kosmos. Er führt aber auch die übrigen Naturphilo-
sophen an, die aus Einem [die Entstehung] bewirken ließen, wie Thales,
Anaximenes und Heraklit, und die, die, wie Empedokles, aus zusammenge-
setzten Körpern [die Entstehung bewirken ließen].

Th 429
Kommentar zu Aristoteles’ Über den Himmel 7.602.18–25 [Cael. 3.3.
302a19]
Auch wenn es nur einen Grundkörper gibt (wie das Wasser des Thales), so ist
darin weder aktuell noch potentiell das vorhanden, was aus ihm entsteht, es
sei denn, man setzt ein Heraustreten für die Entstehung an.
336 Simplikios

Th 430
In de cael. 7.603.10–14
[Cael. 3.3.302a28] Πάντες γὰρ στοιχεῖον ἔλεγον, εἰς ὃ ἐνυπάρχον διαι-
ρεῖται τὰ σώματα, αὐτὸ δέ ἐστιν ἀδιαίρετον εἰς ἕτερα τῷ εἴδει‧ ἀλλ᾽ ἡ δια-
φωνία γέγονε, καθ᾽ ὅσον τὴν τοιαύτην φύσιν οἱ μὲν ἄλλοις οἱ δὲ ἄλλοις
σώμασιν ἐνυπάρχειν ἔλεγον, Ἐμπεδοκλῆς μὲν τοῖς τέτρασιν ἐκεῖνα λέγων
στοιχεῖα, Ἀναξαγόρας δὲ ταῖς ὁμοιομερείαις, Θαλῆς δὲ τῷ ὕδατι, ἄλλος δὲ
ἄλλῳ τινί.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 431
In de cael 7.615.8–21
[Cael. 3.4.303b4] Δείξας δὲ καί, ὅτι μὴ οἷόν τε ἀπείρους εἶναι τὰς τῶν σω-
μάτων ἀρχάς, καὶ ὅτι ἀνάγκη πεπερασμένας εἶναι, εἴπερ αἱ ἁπλαῖ κινή-
σεις πεπερασμέναι, ἐπὶ τοὺς ἓν τὸ στοιχεῖον λέγοντας μέτεισι. πλειόνων
δὲ ὄντων ἄλλος ἄλλο τι τὸ ἓν ὑπέθετο τοῦτο, Θαλῆς μὲν ὁ Μιλήσιος καὶ
Ἵππων ὕδωρ, ἐπειδὴ ἐξ ὕδατος τά τε σπέρματα τῶν ζῴων ἑώρων καὶ τὰς
τροφὰς τῶν τε ζῴων καὶ τῶν φυτῶν, Ἀναξίμανδρος δὲ Θαλοῦ πολίτης καὶ
ἑταῖρος ἀόριστόν τι ὕδατος μὲν λεπτότερον ἀέρος δὲ πυκνότερον, διότι
τὸ ὑποκείμενον εὐφυὲς ἐχρῆν εἶναι πρὸς τὴν ἐφ᾽ ἑκάτερα μετάβασιν. ἄπει-
ρον δὲ πρῶτος ὑπέθετο, ἵνα ἔχῃ χρῆσθαι πρὸς τὰς γενέσεις ἀφθόνως‧ καὶ
κόσμους δὲ ἀπείρους οὗτος καὶ ἕκαστον τῶν κόσμων ἐξ ἀπείρου τοῦ τοι-
ούτου στοιχείου ὑπέθετο, ὡς δοκεῖ. Ἀναξιμένης δὲ ἑταῖρος Ἀναξιμάνδρου
καὶ πολίτης ἄπειρον μὲν καὶ αὐτὸς ὑπέθετο τὴν ἀρχήν, οὐ μὴν ἔτι ἀόρι-
στον‧ ἀέρα γὰρ ἔλεγεν εἶναι ἀρκεῖν νομίζων τὸ τοῦ ἀέρος εὐαλλοίωτον
πρὸς μεταβολήν.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 432
In Aristotelis categorias commentarium 8.191.2–7 (ed. Kalbfleisch)
[Cat. 7.7b15] Ὡς γὰρ ἐπὶ τὸ πολύ, φησίν, προϋπαρχόντων τῶν πραγμάτων
τὰς ἐπιστήμας λαμβάνομεν‧ οὖσιν γὰρ αὐτοῖς πελάζομεν, καὶ ὅτε ἦμεν κο-
μιδῇ βρέφη, τὰ μὲν ἐπιστητὰ ὕστερον ἡμῖν γενόμενα καὶ τότε ἦν, ἐπιστήμη
δὲ αὐτῶν οὔπω ἦν, καὶ ἡ μὲν τῆς ἐκλείψεως ἐπιστήμη διὰ Θαλοῦ ὕστερον
ἦλθεν εἰς τοὺς Ἕλληνας, ἡ δὲ ἔκλειψις αὐτὴ καὶ τὸ ἐπιστητὸν προϋπῆρχεν.
Simplikios 337

Th 430
Kommentar zu Aristoteles’ Über den Himmel 7.603.10–14 [Cael. 3.3.
302a28]
Das nicht weiter zu differenzierende Grundelement ist für Thales das Was-
ser.

Th 431
Kommentar zu Aristoteles’ Über den Himmel 7.615.8–21 [Cael. 3.5.303b4]
Nachdem er [Aristoteles] aber gezeigt hat, dass die Prinzipien der Körper
nicht unendlich sein können, und dass sie notwendigerweise begrenzt sind,
da ja die einfachen Bewegungen begrenzt sind, geht er zu denen über, die ein
einziges Element angeben. Da es mehrere gab, postulierte jeder etwas anderes
als dieses Eine. Thales der Milesier und Hippon das Wasser, da sie sahen, dass
aus dem Wasser die Samen der Tiere und die Nahrung der Tiere und der Pflan-
zen [stammten]. Anaximander aber, der Mitbürger und Gefährte des Thales,
etwas Undefiniertes, Feineres als Wasser, Dichteres als Luft, da das Zugrunde-
liegende geeignet sein musste für den Übergang in beide Richtungen. Er nahm
als Erster ein Unendliches an, um es in Fülle zum Gebrauch der Entstehungen
zu haben; und er nahm, wie es scheint, an, dass es unendliche Welten gebe und
dass eine jede der Welten aus dem derartigen unendlichen Element entstehe.
Anaximenes aber, der Gefährte und Mitbürger Anaximanders, postulierte das
Prinzip zwar auch seinerseits als unendlich, indessen nicht als undefiniert; er
behauptete nämlich, es sei Luft, wobei er glaubte, die gute Fähigkeit der Luft
zur Qualitätsveränderung genüge hinsichtlich der Umwandlung.

Th 432
Kommentar zu Aristoteles’ Kategorien 8.191.2–7 [Cat. 7.7b15]
Das Wissen über die Finsternis kam durch Thales später zu den Griechen; die
Finsternis selbst und das Wissbare aber waren zuvor vorhanden.
338 Simplikios – Iohannes Philoponos

Sim. (Sonnenfinsternsis) Th 10 (w. s.); (Relation von Wissbarem und Wissen)


Th 244 (w. s.)

Th 433
In cat. 8.194.11–15
[Cat. 7.7b15] Ἰστέον μέντοι ὅλως μὴ εἶναί ποτε θάτερον τῶν πρός τι μὴ
οὐχὶ καὶ τοῦ ἑτέρου ὄντος. ἡ γὰρ τῆς σελήνης ἔκλειψις ἦν μὲν καὶ πρὸ Θα-
λοῦ, ἐπιστητὸν δὲ οὐκ ἦν τοῖς Ἕλλησιν πρὸ Θαλοῦ‧ εἰ δὲ βαρβάροις τισὶν
ἦν ἐπιστητόν, ἦν αὐτοῦ καὶ ἐπιστήμη παρ᾽ ἐκείνοις, ὥστε ἢ ἄμφω δεῖ εἶναι
ἢ μηδέτερον.

Sim. (Mondfinsternis/Mondphasen) Th 178 (w. s.); (Relation von Wissbarem


und Wissen) Th 244 (w. s.)

Iohannes Philoponos
Th 434
In Aristotelis categorias commentarium 13.1.118.4–25 (ed. Busse)
[Cat. 7.7b22–24] Τὸ οὖν ἐπιστητὸν τῆς ἐπιστήμης πρότερον ἂν δόξειεν
εἶναι φύσει‧ ἐπιστητοῦ γὰρ μὴ ὄντος ἐπιστήμη οὐκ ἔστιν, ἐπιστήμης δὲ
μὴ οὔσης τὸ ἐπιστητὸν δύναται εἶναι. ἀμέλει φασὶ Θαλῆν τὸν Μιλήσιον
πρῶτον ἐπιστῆσαι τῇ αἰτίᾳ τῆς σεληνιακῆς ἐκλείψεως κατανοήσαντα ὅτι
ἐκ τοῦ ἡλίου ἡ σελήνη δέχεται τὸ φῶς, διότι ἀεὶ τὸ πεφωτισμένον αὐτῆς
μέρος πρὸς τὸν ἥλιον νεύει, ὅθεν αὐξομένη μὲν τῇ ἀποστάσει τοῦ ἡλίου
τὸ μὲν πεφωτισμένον μέρος ἔχει πρὸς δυσμάς, δυτικωτέρου ὄντος τότε
τοῦ ἡλίου, τὸ δὲ κερατοειδὲς αὐτῆς καὶ ἀφώτιστον νεύει πρὸς ἀνατολάς.
ἐπὰν δὲ γένηται ἀντιπρόσωπος ὅλη τῷ ἡλίῳ, κατὰ διάμετρον αὐτοῦ
ἀποστᾶσα, τότε πᾶσα φωτίζεται ὅλη ὅλῳ τῷ ἡλίῳ προσβάλλουσα (ὅλην
δὲ λέγω κατὰ τὸ πρὸς ἡμᾶς αὐτῆς νενευκὸς μέρος), ἡνίκα δὲ ἄρξηται μει-
οῦσθαι τῇ συνόδῳ τῇ πρὸς τὸν ἥλιον, τότε πάλιν τὸ μὲν πεφωτισμένον
αὐτῆς μέρος νεύει πρὸς ἀνατολάς, τοῦ ἡλίου τότε ἀνατολικωτέρου ὄντος,
τὸ δὲ ἀφώτιστον καὶ κερατοειδὲς πρὸς δυσμάς. ἐντεῦθεν τοίνυν ἐπέστησε
τῇ σεληνιακῇ ἐκλείψει, ὅτι ἐπειδὰν ἐμπέσῃ εἰς τὸ καλούμενον σκίασμα τῆς
γῆς, τοῦ ἡλίου κατὰ κάθετον αὐτῇ ὄντος ἐν τῷ ὑπὸ γῆν ἡμισφαιρίῳ, πά-
σχειν συμβαίνει αὐτῇ παντελῆ ἔκλειψιν, τῶν ἀκτίνων τῶν ἡλιακῶν μη-
δαμῶς αὐτῇ προσβαλλουσῶν. ἀμέλει εἰ μὴ ἐν πανσελήνῳ μόνῃ τοῦτο οὐ
συμβαίνει. εἰ τοίνυν πρῶτος ὁ Θαλῆς ἐπέστησε τῇ σεληνιακῇ ἐκλείψει,
Simplikios – Iohannes Philoponos 339

Th 433
Kommentar zu Aristoteles’ Kategorien 8.194.11–15 [Cat. 7.7b15]
Man muss freilich wissen, dass überhaupt nie das eine der Relative sein
kann, wenn nicht auch das andere existiert. Denn die Mondfinsternis gab
es zwar auch vor Thales, sie war aber für die Griechen vor Thales nicht
wissbar; wenn sie aber für irgendwelche Barbaren wissbar war, gab es auch
ein Wissen davon bei ihnen. Daher muss entweder beides sein oder keines
von beiden.

Iohannes Philoponos (um 490–um 575 n. Chr.)


Th 434
Kommentar zu Aristoteles’ Kategorien 13.1.118.4–25 [Cat. 7.7b22–24]
Das Wissbare dürfte also, wie es scheint, von Natur aus früher sein als das
Wissen; denn wenn es kein Wissbares gibt, gibt es kein Wissen, es kann
aber Wissbares geben, auch wenn es kein Wissen gibt. Und in der Tat sagt
man, dass Thales aus Milet als Erster seine Aufmerksamkeit der Ursache
der Mondfinsternis geschenkt hat, weil er erfasst hatte, dass der Mond sein
Licht von der Sonne empfängt, weil er stets seinen beleuchteten Teil der
Sonne zuneigt. Daher richtet er bei seiner Zunahme infolge des [wachsen-
den] Winkelabstandes von der Sonne1 seinen beleuchteten Teil nach Son-

1 Bei der apostasis handelt es sich um den beim zunehmenden Mond immer größer
werdenden Winkelabstand zwischen Sonne und Mond. Wenn ein irdischer Beobach-
ter beim ersten Auftauchen des zunehmenden Mondes (nach Neumond) die Sonne
einerseits und den Mond andererseits anvisiert, dann schließen die beiden Visierli-
nien zunächst ja einen engen Winkel ein. Mit der Wanderung des Mondes durch die
Tierkreis-Sternbilder der Ekliptik wird dieser Winkel (und der beleuchtete Teil der
Mondscheibe) immer größer, bis er bei Vollmond 180 Grad erreicht. Dann stehen
Sonne und Mond in Opposition zueinander. Bis zu diesem Zeitpunkt gilt immer,
dass die beleuchtete Rundung des Mondes nach Westen und die unbeleuchtete nach
Osten weist. Genau das ändert sich, wenn der Mond abnimmt. Nun weist die be-
leuchtete Rundung nach Osten und die unbeleuchtete nach Westen. Mit synodos ist
340 Iohannes Philoponos

δῆλον ὅτι πρὸ αὐτοῦ τὸ μὲν ἐπιστητὸν ἦν, λέγω δὴ ἡ σεληνιακὴ ἔκλειψις,
ἐπιστήμη δὲ ταύτης οὐκ ἦν.

Sim. (Mondfinsternis/ Mondphasen) Th  178 (w.  s.); (Licht des Mondes)
Th 159 (w. s.); (Relation von Wissbarem und Wissen) Th 244 (w. s.)

Th 435
In cat. 13.1.123.18–30
[Cat. 7.8a6] Ὅταν οὖν τὸ ἐπιστητὸν ἢ τὸ αἰσθητὸν ἐνεργείᾳ ᾖ, καὶ ἡ ἐπι-
στήμη καὶ ἡ αἴσθησις ἐνεργείᾳ ἔσται, ἐὰν δὲ τὰ πρότερα δυνάμει, δυνά-
μει καὶ τὰ δεύτερα. εἴ οὖν τις τὴν ἔκλειψιν τὴν σεληνιακὴν πρὸ τοῦ Θαλοῦ
ὡς ἐπιστητὸν προεπινοήσειε, δυνάμει ἔσται ἐπιστητὸν καὶ οὐκ ἐνεργείᾳ,
καὶ ἡ ἐπιστήμη δὲ ταύτης πάντως καὶ αὐτὴ δυνάμει προεπινοηθήσεται‧
εἰ γὰρ μὴ ἦν πρὸ τοῦ Θαλοῦ ἡ ἐπιστήμη τῆς σεληνιακῆς ἐκλείψεως δυνά-
μει, οὐδ᾽ ἂν ἐκβεβήκει εἰς ἐνέργειαν ἐπὶ αὐτοῦ‧ ὃ γὰρ πρότερον οὐκ εἶχε
δύναμιν τοῦ γενέσθαι, τοῦτο ἀδύνατον εἰς ὕστερον γενέσθαι‧ ὥσπερ γὰρ
ὁ ἵππος οὐκ ἔχων δύναμιν τοῦ γενέσθαι γραμματικὸς οὐδέποτε ἐνεργείᾳ
γενήσεται γραμματικός, οὕτως εἰ μὴ πρὸ τοῦ Θαλοῦ δυνάμει ὑπῆρχεν ἡ
ἐπιστήμη τῆς σεληνιακῆς ἐκλείψεως, οὐδ᾽ ἂν ὑπ᾽ αὐτοῦ εἰς ἐνέργειαν προ-
ήχθη. ἐνεργείᾳ δὲ ἐπ᾽ αὐτοῦ γενομένης τῆς ἐπιστήμης καὶ τὸ ἐπιστητόν, ἡ
σεληνιακὴ ἔκλειψις, ἐνεργείᾳ γεγένηται.

Sim. (Mondfinsternis/ Mondphasen) Th 178 (w. s.); (Relation von Wissba-


rem und Wissen) Th 244 (w. s.)
Iohannes Philoponos 341

nenuntergang, wobei dann die Sonne weiter westlich ist, der hornartige und
unbeleuchtete Teil neigt sich nach Sonnenaufgang. Wenn er aber insgesamt
der Sonne gegenübersteht, diagonal von ihr abstehend, dann wird er völlig
beleuchtet, wobei er ganz im Gegenschein zur ganzen Sonne steht („ganz“
sage ich in bezug auf den Teil von ihm, der uns zugewendet ist). Sobald er
aber abzunehmen beginnt infolge seines [abnehmenden] Winkelabstandes
von der Sonne, neigt sich wiederum sein beleuchteter Teil nach Sonnen-
aufgang, wobei die Sonne dann weiter östlich ist, der unbeleuchtete und
hornartige Teil aber nach Sonnenuntergang. Von hier ausgehend schenkte er
[Thales] folglich seine Aufmerksamkeit der Mondfinsternis, weil der Mond,
wenn er in den so genannten Erdschatten fällt, wobei sich die Sonne senk-
recht von ihm in der Hemisphäre unter der Erde befindet, eine vollständige
Verfinsterung erleidet und die Strahlen der Sonne überhaupt nicht mehr auf
ihn treffen. Und in der Tat: Außer zur Zeit des Vollmondes allein tritt dies
nicht ein. Wenn Thales folglich als Erster seine Aufmerksamkeit der Mond-
finsternis schenkte, ist es klar, dass es vor ihm zwar wissbar war – ich meine
die Mondfinsternis –, ein Wissen davon aber nicht gab.

Th 435
Kommentar zu Aristoteles’ Kategorien 13.1.123.18–30 [Cat. 7.8a6]
Das Verhältnis von Wissbarem und Wissen, Wahrnehmbarem und Wahr-
nehmung. Das Wissen um die Mondfinsternis existierte auch schon vor Tha-
les potentiell. Wenn es sich bei ihm aktualisierte, dann existierte auch das
Wissbare, die Mondfinsternis, tatsächlich.

also die Bewegung des Mondes bezeichnet von seiner Opposition zur Sonne (Voll-
mond) bis zur Konjunktion mit der Sonne (Neumond), durch die der Winkelabstand
zwischen beiden Himmelskörpern, der bei Vollmond 180 Grad betrug, immer klei-
ner wird, bis er bei Neumond den Wert 0 erreicht (freundlicher Hinweis von Herrn
Dr. Harald Merklin, Freiburg im Brsg.).
342 Iohannes Philoponos

Th 436
In Aristotelis libros de Generatione et Corruptione commentaria 14.2.11.1–
12 (ed. Vitelli)
[GC 1.1.314a11] Ὅσοι, φησίν, ἑνὸς πλείω τὴν ὕλην τιθέασιν, ὕλην καλέσας
τὰ πρῶτα παρ᾽ αὐτοῖς στοιχεῖα (κατὰ γὰρ ἐκείνους ὕλη ταῦτα, ἀμετά-
βλητα καὶ ἀναλλοίωτα αὐτὰ ὑποτιθεμένους), κατὰ τούτους, φησίν, ἕτερον
γένεσις ἀλλοιώσεως. οὐκ εἰπὼν δὲ τίνες ἓν τὸ στοιχεῖον ὑπέθεντο, τοὺς
πλείω λέγοντας προσέθηκεν, εἰπὼν Ἐμπεδοκλέα (οὗτος γὰρ τέσσαρα
στοιχεῖα ὑπέθετο, πῦρ καὶ ἀέρα καὶ ὕδωρ καὶ γῆν), καὶ Ἀναξαγόραν ἀπεί-
ρους ὁμοιομερείας ὑποθέμενον, καὶ Λεύκιππον‧ οὗτος γὰρ καὶ Δημόκριτος
ἄπειρα ὑπέθεντο σώματα, ἄπειρα δὲ καὶ πλήθει καὶ τῇ τῶν σχημάτων δια-
φορᾷ. εἰσὶ δὲ καὶ οἱ ἓν τὸ ὑποκείμενον ποιοῦντες, ὡς Θαλῆς μὲν τὸ ὕδωρ,
Ἀναξιμένης δὲ καὶ Διογένης τὸν ἀέρα, Ἀναξίμανδρος δὲ τὴν μεταξὺ φύσιν
ἀέρος καὶ ὕδατος οὖσαν ἄπειρον, Ἡράκλειτος δὲ τὸ πῦρ.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (Aggregatzustände) Th 94 (w. s.)

Th 437
In GC 14.2.124.15–22
[GC 1.6.322b1] Διὰ τοῦτο πρῶτον τὸν περὶ αὐτῶν προχειρίζεται λόγον,
εἴτε ἔστι στοιχεῖα τῶν γινομένων τὰ τέσσαρα ταῦτα τὰ πολυθρύλλητα
εἴτε μὴ ἔστι, καὶ πότερον γενητά ἐστι ταῦτα ἢ ἀγένητα καὶ ἀμετάβλητα,
ὡς ἐδόκει Ἐμπεδοκλεῖ, καὶ εἰ γενητά, πότερον ἐξ ἀλλήλων ἢ ἐξ ἄλλου τινός,
καὶ εἰ ἐξ ἀλλήλων, πότερον ὁμοίως πάντα εἰς πάντα μεταβάλλει ἢ ἔστι τι
αὐτῶν πρῶτον ἐξ οὗ τὰ ἄλλα πάντα μεταβάλλει, οἷον ὕλη τοῖς λοιποῖς
ὑποκείμενον, ὡς δοκεῖ Θαλῇ μὲν τὸ ὕδωρ, ἀὴρ δὲ Ἀναξιμένει, πῦρ δὲ Ἡρα-
κλείτῳ.

Th 438
In GC 14.2.206.21–31
[GC 2.1.328b34] Κατασκευάσας ὅτι χρὴ περὶ τῶν γινομένων καὶ φθειρομέ-
νων τὸν λόγον ποιουμένους τῶν αἰσθητῶν σωμάτων τὰς ἀρχὰς ζητεῖν (ἐν
τούτοις γὰρ ἡ γένεσις καὶ ἡ φθορά), νῦν χωρεῖ ἐπὶ τὴν ζήτησιν, καὶ δείκνυ-
σιν ὅτι τὰ καλούμενα τέσσαρα στοιχεῖα οὐκ ἔστιν ὕλη κοινὴ τῶν αἰσθητῶν
σωμάτων οὐδὲ κυρίως ἀρχή, οὔτε πάντα οὔτε ἕν τι αὐτῶν, ὥσπερ τινὲς
ᾠήθησαν, ἀλλὰ καὶ αὐτὰ αἰσθητὰ σώματά εἰσι γενητὰ καὶ φθαρτά. τίθησι
Iohannes Philoponos 343

Th 436
Kommentar zu Aristoteles’ Über Werden und Vergehen 14.2.11.1–12
[GC 1.1.314a11]
Alle, die annehmen, sagt Aristoteles, dass der Stoff mehr als einer sei, wobei
er als „Stoff“ ihre ersten Elemente bezeichnet (denn nach jenen Forschern
sind diese Elemente der Stoff, die sie der Veränderung und Umwandlung
für unfähig halten), für alle diese, sagt er, ist Entstehung etwas anderes als
Umwandlung. Er sagte zwar nicht, wer ein einziges Element ansetzte, fügte
aber diejenigen hinzu, die mehrere nannten: Empedokles (denn dieser pos-
tulierte vier Elemente: Feuer, Luft, Wasser, Erde) und Anaxagoras, der un-
endliche Homoiomerien postulierte, und Leukipp. Denn er und Demokrit
postulierten unendliche Körper, unendlich sowohl hinsichtlich der Menge
als auch hinsichtlich des Unterschiedes der Formen. Dann gibt es aber auch
diejenigen, die ein einziges Substrat annehmen, wie Thales das Wasser, Ana-
ximenes und Diogenes die Luft, Anaximander die unendliche mittlere Na-
tur zwischen Luft und Wasser, und Heraklit das Feuer.

Th 437
Kommentar zu Aristoteles’ Über Werden und Vergehen 14.2.124.15–22
[GC 1.6.322b1]
Daher diskutiert er zuerst die Rede über sie, ob die Elemente der entstehen-
den Dinge die allbekannten vier sind oder nicht, und ob sie des Entstehens
fähig sind oder ob sie des Entstehens und der Veränderung unfähig sind,
wie es Empedokles meinte, und wenn fähig, ob aus einander oder aus ir-
gendetwas anderem, und wenn aus einander, ob alles sich in gleicher Weise
in alles verändern kann oder ob irgendetwas von ihnen zuerst ist, aus dem
heraus sich alle anderen verändern, indem es gleichsam als Stoff den übrigen
zugrunde liegt, wie es Thales vom Wasser meinte, Anaximenes von der Luft,
Heraklit vom Feuer.

Th 438
Kommentar zu Aristoteles’ Über Werden und Vergehen 14.2.206.21–31
[GC 2.1.328b34]
Nachdem er gezeigt hat, dass man, wenn man Entstehen und Vergehen er-
örtert, die Prinzipien der wahrnehmbaren Körper suchen muss (hier gibt es
nämlich Entstehen und Vergehen), geht er nun zu dieser Untersuchung über
und zeigt, dass die so genannten vier Elemente nicht der gemeinsame Stoff
der wahrnehmbaren Körper und auch nicht im eigentlichen Sinn ihr Prin-
344 Iohannes Philoponos

δὲ τὰς δόξας τῶν οἰηθέντων ἀρχὰς αὐτὰ εἶναι τῶν γενητῶν καὶ φθαρτῶν.
οἱ μὲν γὰρ ἕν τι αὐτῶν ὑπέθεντο ἀρχὴν τῶν σωμάτων, ὥσπερ πῦρ μὲν
Ἡράκλειτος ὁ Ἐφέσιος καὶ Ἵππασος, ἀέρα δὲ Διογένης ὁ Ἀπολλωνιάτης
καὶ Ἀναξιμένης, Θαλῆς δὲ καὶ Ἵππων τὸ ὕδωρ‧ Ἀναξίμανδρος δὲ ἄλλο τι
παρὰ τὰ τέσσαρα στοιχεῖα ὑπέθετο τῶν ὄντων ἀρχήν.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 439
In GC 14.2.237.22–25
[GC 2.5.332a3] Ἀνάγκη γὰρ τὸν ἀρχὰς σωματικὰς τῶν ὄντων ὑποτιθέ-
μενον ἤτοι μίαν λέγειν ἢ πλείους‧ καὶ εἰ μίαν, ἤτοι ἑτέραν οὖσαν τῶν τεσ-
σάρων, ὡς Ἀναξίμανδρος ἔλεγεν, ἢ ἓν τῶν τεσσάρων, ὡς Ἡράκλειτος καὶ
Θαλῆς καὶ οἱ ἄλλοι.

Th 440
In Aristotelis de anima libros commentaria I Prooemium 15.9.5–12 (ed.
Hayduck)
Τῶν δὲ ἁπλοῦν σῶμα εἰρηκότων τὴν ψυχὴν εἶναι οἱ μὲν εἰρήκασιν αἰθέριον
εἶναι σῶμα, ταὐτὸν δέ ἐστιν εἰπεῖν οὐράνιον, ὥσπερ Ἡρακλείδης ὁ Πο-
ντικός, οἱ δὲ πῦρ, ὡς Ἡράκλειτος, ἐπειδὴ καὶ πῦρ ἔλεγεν εἶναι τὴν ἀρχὴν
τῶν ὄντων‧ οὕτως οὖν καὶ τὴν ψυχὴν πυρίαν εἶναι διὰ τὸ εὐκίνητον‧ οἱ δὲ
ἀερίαν, ὡς Ἀναξιμένης καί τινες τῶν Στωικῶν, οἱ δὲ ἐξ ὕδατος, ὡς Θαλῆς
καὶ Ἵππων ὁ ἐπίκλην ἄθεος‧ ἐπειδὴ γὰρ τὴν γονὴν ἑώρων ἐξ ὑγρᾶς οὖσαν
οὐσίας, διὰ τοῦτο καὶ ὕδωρ τὴν ἀρχὴν τῶν ὄντων ἐνόμισαν.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (Seele aus Wasser) Th 221 (w. s.) (vgl.
Th 516)
Iohannes Philoponos 345

zip sind. Und zwar weder alle, noch ein einziges von ihnen, wie es einige
Forscher glaubten. Vielmehr sind auch sie wahrnehmbare Körper, die der
Entstehung und des Vergehens fähig sind. Er führt aber die Ansichten derer
an, die sie für Prinzipien der zu Entstehung und Vergehen fähigen Dinge
hielten. Denn einige nahmen ein einziges davon als Prinzip der Körper an,
wie Heraklit aus Ephesos und Hippasos das Feuer, Diogenes von Apollonia
und Anaximenes die Luft, Thales und Hippon das Wasser. Anaximander
aber postulierte etwas anderes neben den vier Elementen als Prinzip der
seienden Dinge.

Th 439
Kommentar zu Aristoteles’ Über Werden und Vergehen 14.2.237.22–25
[GC 2.5.332a3]
Es ist aber notwendig, dass derjenige, der körperliche Prinzipien für die
seienden Dinge postuliert, entweder ein einziges nennt oder mehrere. Und
wenn ein einziges, entweder ein anderes als die vier Elemente, wie Anaxi-
mander, oder eines von den vieren, wie Heraklit und Thales und die ande-
ren.

Th 440
Im Proömium von Philoponos’ Kommentar zu De anima wird die theo-
retische Basis für das Verständnis der Natur der Seele gelegt, die dann, im
eigentlichen Kommentar, anhand von De anima expliziert wird. Auch auf
frühere Ansichten, beginnend mit den vorsokratischen Philosophen, wird
eingegangen. Unterschiedliche Gruppierungen werden gebildet, so dieje-
nige, die annimmt, dass die Seele ein einfacher Körper sei.

Kommentar zu Aristoteles’ Über die Seele I Proöm 15.9.5–12


Von denen, die behauptet haben, die Seele sei ein einfacher Körper, haben
die einen behauptet, sie sei ein ätherischer Körper, man kann auch sagen
ein uranischer, wie Herakleides Pontikos. Die anderen [haben behauptet,
sie sei] Feuer, wie Heraklit, da er auch sagte, das Feuer sei das Prinzip der
seienden Dinge; so sei also auch die Seele feurig infolge ihrer guten Be-
weglichkeit. Andere [haben behauptet, sie sei] luftig, wie Anaximenes und
einige Stoiker, die anderen [sie sei] aus Wasser [bestehend], wie Thales1 und
Hippon mit dem Beinamen „der Gottlose“; denn da sie sahen, dass der Sa-

1 Vgl. aber Th 442 und Th 422.


346 Iohannes Philoponos

Th 441
In de an.15.82.14–20
[de an. 1.2.404b30] Διαλαμβάνει δὲ τὴν διαφορὰν ἀπό τε τῆς οὐσίας καὶ
τοῦ ποιοῦ καὶ ἀπὸ τοῦ ποσοῦ, ἀπὸ μὲν τῆς οὐσίας καὶ τοῦ ποιοῦ ὅτι οἱ μὲν
σωματικὰς οἱ δὲ ἀσωμάτους, ἀπὸ δὲ τοῦ ποσοῦ ὅτι οἱ μὲν μίαν οἱ δὲ πλεί-
ους. σωματικὰς μὲν οὖν τὰς ἀρχὰς ἐτίθεντο οἱ φυσικοί, Θαλῆς, Δημόκρι-
τος, Ἀναξιμένης, Ἀναξίμανδρος, Ἡράκλειτος, ἀσωμάτους δὲ οἱ ἀριθμοὺς λέ-
γοντες ὡς οἱ Πυθαγόρειοι καὶ Ξενοκράτης, δοκεῖ δὲ καὶ ὁ Πλάτων.

Th 442
In de an. 15.86.11–35
[de an. 1.2.405a18] Ἔοικε δὲ καὶ Θαλῆς ἐξ ὧν ἀπομνημονεύουσι κινητικόν
τι τὴν ψυχὴν ὑπολαβεῖν.
Δοκεῖ μὴ προσφυῶς τῆς Θαλοῦ δόξης μεμνῆσθαι‧ προκειμένου γὰρ τοῦ
δεῖξαι ὅτι οἱ ἀποβλέψαντες εἰς τὸ γνωστικὸν τῆς ψυχῆς ἐκ τῶν ἀρχῶν ἐξ
ὧν τὰ πράγματα ὑπετίθεντο εἶναι καὶ αὐτήν φασι, διότι τὸ ὅμοιον ὑπὸ
τοῦ ὁμοίου γινώσκεται, ἱστορῶν τὴν περὶ Θαλοῦ δόξαν οὐδὲν εἶπε τοι-
οῦτον οἷον ἐπὶ τῶν ἄλλων, ἀλλ᾽ ὅτι τὴν λίθον τὴν ἕλκουσαν τὸν σίδηρον
ἔμψυχον ἔλεγε τῆς ψυχῆς ἰδίαν λέγων τὴν κίνησιν. ἀλλὰ καὶ τῶν εἰς τὸ κι-
νητικὸν ἀπιδόντων ἱστορῶν τὰς δόξας, ἕκαστον ἔλεγε τὸ κινητικώτατον
αὐτῷ δόξαν τοῦτο τῆς ψυχῆς εἰπεῖν στοιχεῖον, Δημόκριτον μὲν τὰς σφαι-
ρικὰς ἀτόμους, τοὺς δὲ Πυθαγορείους τὰ ἐν τῷ ἀέρι ξύσματα, ἄλλον τὸ
πῦρ, ἄλλον τὸν ἀέρα‧ ἐπὶ μέντοι τῆς τοῦ Θαλοῦ δόξης ἀρχὴν τῶν ὄντων τὸ
ὕδωρ τιθεμένου οὐδὲν τοιοῦτόν φησιν. οὐ γὰρ εἶπε φέρ᾽ εἰπεῖν ὅτι Θαλῆς
τὸ ὕδωρ ψυχὴν τίθεται καὶ διὰ τοῦτο ἕλκειν φησὶ τὸν σίδηρον τὴν λίθον
ὡς ἔμψυχον καὶ διὰ τοῦτο ἐξ ὕδατος οὖσαν. ταὐτὸ οὖν οὐκ εἶπεν, ἀλλ᾽ ὅτι
μόνον ἔμψυχον ἔλεγε τὴν λίθον. τίνος ἕνεκα; ἢ ὅτι οὐκ ἐφέροντο αὐτοῦ συγ-
γράμματα ἀλλ᾽ ἀπομνημονεύματα, καὶ διὰ τοῦτο ἔφυγε τὸ φορτικὸν τοῦ
λόγου ἀγράφως κατηγορῆσαι τοῦ ἀνδρός, ἢ ὅτι καὶ αἰδῶ τινα τῷ ἀνδρὶ
ἀπένειμε διὰ τὸ πολλὰ αὐτοῦ ἀξιόλογα δόγματα ἀπομνημονεύεσθαι. φασὶ
γὰρ ὅτι ἔλεγεν ὡς ἡ πρόνοια μέχρι τῶν ἐσχάτων διήκει καὶ οὐδὲν αὐτὴν
λανθάνει, οὐδὲ τὸ ἐλάχιστον. διὰ ταῦτα τούτου μὲν οὐ λέγει εἶναι τὴν
δόξαν ταύτην ὅτι ἐξ ὕδατος ἡ ψυχή, ἀλλὰ τοσοῦτον μόνον ὅτι καὶ αὐτὸς
τὴν κίνησιν τῇ ψυχῇ ἀπένειμεν. ἐφεξῆς δὲ Ἵππωνά φησι τοῦτο δοξάσαι ὅτι
ἐξ ὕδατος ἡ ψυχή‧ καὶ γὰρ τῶν πάντων ἀρχὴν καὶ αὐτὸς ἔλεγε τὸ ὕδωρ.
Iohannes Philoponos 347

men aus feuchter Substanz besteht, hielten sie deshalb auch Wasser für das
Prinzip der seienden Dinge.

Th 441
Kommentar zu Aristoteles’ Über die Seele 15.82.14–20 [de an. 1.2.404b30]
Thales unter den Naturphilosophen, die körperliche Prinzipien annahmen.

Th 442
Kommentar zu Aristoteles’ Über die Seele 15.86.11–35 [de an. 1.2.405a18]
„Es scheint auch Thales nach dem, was man berichtet, die Seele für etwas
Bewegungsfähiges gehalten zu haben.“ Es scheint nicht angemessen, dass er
[Aristoteles] hier die Lehre des Thales in Erinnerung bringt. Wo es nämlich
darum geht zu zeigen, dass diejenigen, die auf die Erkenntnisfähigkeit der
Seele blicken, behaupten, dass auch sie [die Seele] selbst aus den Prinzipien
bestehe, aus denen nach ihrer Auffassung die Dinge bestehen, weil das Glei-
che vom Gleichen erkannt wird [404b17], bringt er bei seinem Bericht über
die Lehre des Thales nichts Derartiges wie bei den anderen vor, sondern,
dass er [Thales] sagte, der Stein, der das Eisen anziehe, sei beseelt, womit er
sagte, dass der Seele die Bewegung eigentümlich sei. Aber auch wo er die
Lehren von denen wiedergibt, die sich auf die Bewegungsfähigkeit bezogen
[403b28], sagte er, dass ein jeder vorgebracht habe, dass das seiner Meinung
nach Bewegungsfähigste ein Element der Seele sei: Demokrit die kugeligen
Atome [405a11], die Pythagoreer die Sonnenstäubchen in der Luft [404a18],
ein anderer das Feuer [405a5], ein anderer die Luft [405a21]. Bei der Lehre
des Thales freilich, der als das Prinzip der seienden Dinge das Wasser fest-
setzte, sagt er nichts Derartiges. Denn er brachte zum Beispiel nicht vor,
dass Thales annimmt, die Seele sei das Wasser, und daher sagt, dass der [Ma-
gnet]stein das Eisen anziehe, da er beseelt sei und infolgedessen aus Wasser
bestehe. Das also brachte er nicht vor, sondern, dass er nur sagte, dass der
[Magnet]stein beseelt sei. Weshalb? Entweder weil von ihm [Thales] keine
Schriften, sondern nur Aussprüche überliefert wurden, und er es daher mied,
dem Mann die Schlichtheit des nicht schriftlich vorliegenden Argumentes
vorzuwerfen, oder weil er dem Mann auch eine gewisse Achtung entgegen-
348 Iohannes Philoponos

Sim. (Natur der Seele/ Magnetstein) Th 31 (w. s.); (Schrift) Th 88 (w. s.);
(Seele aus Wasser) Th 221 (w. s.)

Th 443
In de an. 15.188.12–18
[de an. 1.5.411a7] Καὶ ἐν τῷ ὅλῳ δέ τινες αὐτὴν μεμῖχθαι φασιν, ὅθεν
ἴσως καὶ Θαλῆς ᾠήθη πλήρη πάντα θεῶν εἶναι. Ἑτέραν δόξαν ἐκτίθεται
περὶ ψυχῆς. ὑπενόησαν, φησί, τινὲς ψυχὴν ἐν παντὶ σώματι μεμῖχθαι, ὡς
πᾶν εἶναι σῶμα ἔμψυχον‧ ἐκ δὲ τῆς τοιαύτης δόξης καὶ τὸν Θαλῆν νομί-
σαι πάντα πλήρη θεῶν εἶναι, τοπικῶς ὑπονοοῦντος τοῦ Θαλοῦ παντα-
χοῦ εἶναι τὸ θεῖον, ἢ τῷ αὐτὴν τὴν ψυχὴν θεὸν ὑπονοεῖν, ἢ θείας μοίρας
αὐτὴν εἶναι.

Sim. (Beseeltheit des Alls) Th 32 (w. s.)

Th 444
In de an. 15.571.1–7
[de an. 3.9.432a15] Ἡνίκα δέ φησιν Ἀριστοτέλης τὸ ὀρεκτικὸν κινεῖν, οὐχ
ὡς τελικὸν αὐτὸ αἴτιον λέγει, ἀλλ᾽ ὡς ποιητικόν‧ καὶ τοῦτο δῆλον, ἐπειδὴ
ζητῶν τί τὸ κινοῦν φησιν ὅτι ἢ νοῦς ἐστιν ἢ ὄρεξις‧ ὁ δὲ νοῦς ποιητικός
ἐστι καὶ οὐ τελικός † οὐδὲ ἄνευ κινήσεως δὲ οὔτε δύναται εἶναι τελικός.1
τοὐναντίον γὰρ ἡνίκα κατὰ νοῦν ἐνεργῶμεν, τῆς κινήσεως ἐκτρεπόμεθα‧
διὸ Θαλῆς ἀστρονομῶν εἰς φρέαρ ἔπεσεν.

Sim. (Brunnenfall) Th 19 (w. s.)

1 Οὐδὲ ἄνευ – τελικός depravata sunt secundum Hayduck.


Iohannes Philoponos 349

brachte, weil von ihm viele erwähnenswerte Ansichten tradiert werden. Es


heißt nämlich, dass er [Thales] sagte, dass die Voraussicht bis an die äußers-
ten Grenzen reicht und ihr nichts verborgen ist, auch nicht das Geringste.
Deswegen sagt er nicht, dass diese Lehre, dass die Seele aus Wasser besteht,
von diesem [Thales] stamme, sondern nur soviel, dass auch er der Seele
Bewegung zuschrieb. Danach aber sagt er, dass Hippon dies vermutet habe,
dass die Seele aus Wasser bestehe [405b1]; denn auch er sagte, dass das Was-
ser das Prinzip aller Dinge sei.

Th 443
Kommentar zu Aristoteles’ Über die Seele 15.188.12–18 [de an. 1.5.411a7]
„Manche behaupten auch, dass sie [die Seele] mit dem All vermischt sei.
Daher glaubte vielleicht auch Thales, dass alles voll von Göttern sei.“ Eine
weitere Lehre über die Seele legt er dar. Es vermuteten, sagt er, einige, dass
die Seele mit jedem Körper vermischt sei, da das All ein beseelter Körper sei;
aufgrund dieser Lehre habe auch Thales geglaubt, dass alles voll von Göt-
tern sei, da Thales annahm, dass das Göttliche in einem räumlichen Sinne
überall sei, entweder in der Annahme, dass die Seele selbst Gott sei, oder
dass sie von göttlichem Anteil sei.

Th 444
Kommentar zu Aristoteles’ Über die Seele 15.571.1–7 [de an. 3.9.432a15]
Wenn aber Aristoteles sagt, dass das Strebungsvermögen bewege, spricht
er davon nicht als Final-, sondern als Wirkursache. Und dies ist klar, denn
wenn er untersucht, was es ist, das die Bewegung bewirkt, sagt er, dass es
entweder der Intellekt oder das Streben sei [433a10]. Der Intellekt aber ist
bewirkend, nicht final, und kann ohne Bewegung auch nicht final sein.1
Im Gegenteil, wenn wir uns intellektuell betätigen, werden wir von der
Bewegung abgelenkt; daher fiel Thales, als er Astronomie betrieb, in den
Brunnen.

1 Siehe Charlton 2000, 63, Anm. 3 zur Stelle.


350 Iohannes Philoponos

Th 445
In de an. 15.572.38–573.4
[de an. 3.9.432a15] Ἀντιπράττει γὰρ ὁ νοῦς τῇ κινήσει‧ οὐ γὰρ συναισθά-
νονται κινήσεως, ὅπου γε οὐδὲ στάσεως, οἱ περὶ [15.573] τὰ νοητὰ ἠσχο-
λημένοι‧ διὸ καὶ Σωκράτης ἐν τῇ ἐπὶ Δηλίῳ μάχῃ νυχθήμερον στὰς οὐκ
ᾔσθετο τῆς στάσεως, διὰ τὸ ἐννοεῖν τι. καὶ ὅτι εἰ ἐκίνει ὁ νοῦς τὸ ζῷον, οὐ
πρὸς κακὸν ἂν αὐτοῦ ἐκίνει‧ εἴπομεν γὰρ ὅτι Θαλῆς ἀστρονομῶν εἰς φρέαρ
ἐνέπεσε.

Sim. (Brunnenfall) Th 19 (w. s.)

Th 446
In de an. 15.583.5–10
[de an. 3.9.432b26] Ἐντεῦθεν δείκνυσιν ὅτι οὐδὲ ὁ νοῦς ἐστιν ὁ κινῶν. καὶ
ἃ μὲν λέγει Ἀριστοτέλης, ἐν τῇ θεωρίᾳ εἴρηται. ἡμεῖς δὲ καὶ ἄλλο ἔξωθεν
ἐκ τῆς ἱστορίας προσευπορήσαμεν ἐπιχείρημα, ὅτι πολλάκις τις θεωρή-
ματά τινα κινῶν καθ᾽ ἑαυτὸν οὐ μόνον τῆς προκειμένης ὁδοῦ παρεπλα-
νήθη, ἀλλὰ καὶ κατὰ κρημνῶν ἠνέχθη, ὡς καὶ Θαλῆς πέπτωκεν εἰς φρέαρ.
ἐξ οὗ δῆλον ὡς οὐκ ἔστιν ὁ νοῦς ὁ κινῶν κατὰ τόπον.

Sim. (Brunnenfall) Th 19 (w. s.)

Th 447
In Aristotelis physicorum libros commentaria 16.23.1–10 (ed. Vitelli)
[Ph. 1.2.184b15] Μίαν μὲν τὴν ἀρχὴν ἔλεγον καὶ ἀκίνητον οἱ εἰρημένοι, τῶν
δὲ μίαν καὶ κινουμένην λεγόντων οἱ μὲν πεπερασμένην ἔλεγον, οἱ δὲ ἄπει-
ρον. μίαν μὲν καὶ κινουμένην καὶ πεπερασμένην ἔλεγεν Ἵππασος Ἡράκλει-
τος Θαλῆς Ἵππων ὁ ἐπικληθεὶς ἄθεος [...], Θαλῆς δὲ καὶ Ἵππων τὸ ὕδωρ
διὰ τὸ γόνιμον, καὶ ὅτι τὴν γονὴν ὑγρὰν ἑώρων, καὶ τὰ σπέρματα δὲ εἰ καὶ
ξηρά εἰσιν, ἀλλ᾽ οὖν οὐ φύει μὴ ὑγρανθέντα τε καὶ ἤδη λοιπὸν διαρρέοντα.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)


Iohannes Philoponos 351

Th 445
Kommentar zu Aristoteles’ Über die Seele 15.572.38–573.4 [de an. 3.9.
432a15]
Denn der Intellekt handelt der Bewegung entgegen; denn die Leute sind sich
der Bewegung nicht bewusst, sie sind sich nicht einmal dessen bewusst, wo
sie stehen, wenn sie in Objekte des Intellekts vertieft sind. Deshalb nahm
auch Sokrates, als er bei der Schlacht bei Delium eine Nacht und einen
Tag lang stand, sein Stehen nicht wahr, weil er etwas bedachte. Und wenn
der Intellekt das Lebewesen bewegte, würde er es nicht zu seinem Schaden
bewegen; denn wir sagten, dass Thales, als er Astronomie betrieb, in den
Brunnen fiel.

Th 446
Kommentar zu Aristoteles’ Über die Seele 15.583.5–10 [de an. 3.9.432b26]
Erneuter Beleg dafür, dass es nicht der Intellekt ist, der bewegt, anhand der
Anekdote von Thales’ Brunnenfall.

Th 447
Kommentar zu Aristoteles’ Physik 16.23.1–10 [Ph. 1.2.184b15]
Hippasos, Heraklit, Thales und Hippon sagten, dass das Prinzip eines, be-
wegt und endlich sei: [...] Thales und Hippon sagten, es sei das Wasser, in-
folge der Fähigkeit zur Erzeugung und weil sie sahen, dass die Samenflüs-
sigkeit feucht ist und dass die [Getreide]samen, auch wenn sie trocken sind,
nur wachsen, wenn sie befeuchtet werden und dann nur, wenn sie bereits
durchgeweicht sind.
352 Iohannes Philoponos

Th 448
In ph. 16.86.25–87.10
[Ph. 1.4.187a10] [...] Μίαν δὲ ἀρχὴν ὑποτίθενται Ἡράκλειτος μὲν τὸ πῦρ,
Ἀναξιμένης δὲ τὸν ἀέρα, Θαλῆς δὲ τὸ ὕδωρ, Ἀναξίμανδρος δὲ τὸ μεταξύ‧
τούτων δὲ διττοί εἰσιν οἱ τρόποι. οἱ μὲν γὰρ αὐτῶν μανώσει καὶ πυκνώσει
τοῦ κατ᾽ αὐτοὺς στοιχείου, οὕτω γεννῶσι τὰ ἄλλα (οἷον Θαλῆς τὸν ἀέρα
στοιχεῖον ὑποτιθέμενος, τοῦτον μανούμενον μὲν ἔλεγε ποιεῖν τὸ πῦρ, πυ-
κνούμενον δὲ ἠρέμα ποιεῖν τὸν ἄνεμον, ἔτι δὲ μᾶλλον πυκνούμενον ποι-
εῖν τὰ νέφη, ἔτι δὲ μᾶλλον τὸ ὕδωρ, καὶ ἐπὶ πλέον τὰ γήινα πάντα), οἱ
μὲν οὖν οὕτως ἔλεγον ἐκ τοῦ ἑνὸς τὴν γένεσιν γίνεσθαι [87], Ἀναξίμαν-
δρος δὲ τὸ μεταξὺ πυρὸς καὶ ἀέρος ἢ ἀέρος καὶ ὕδατος λέγων στοιχεῖον
τὰ ἄλλα ἐκ τούτου ἐκκρίνεσθαι ἔλεγεν‧ ἐνυπάρχειν γὰρ ἐν τούτῳ ἀπείρῳ
ὄντι τὰς ἐναντιότητας, εἶτα ἐκκρινομένας ἐξ αὐτοῦ ποιεῖν τὰ λοιπά. οἱ μὲν
οὖν πυκνώσει καὶ μανώσει λέγοντες, ἀλλοιώσει τοῦ κατ᾽ αὐτοὺς στοιχείου
γεννῶσι τὰ ἄλλα, ὥστε συμβαίνειν αὐτοῖς τὴν γένεσιν ἀλλοίωσιν λέγειν
(οὕτω γοῦν καὶ λέγουσιν ὅτι τὸ γίνεσθαι τοιόνδε καθέστηκεν ἀλλοιοῦσθαι
[187a29]), Ἀναξίμανδρος δὲ οὐκ ἀλλοιώσει τοῦ μεταξὺ γεννᾷ τὰ ἄλλα, ἀλλ᾽
ἐκκρίσει ἐνυπαρχόντων ἐν αὐτῷ. εἶτα θέλων σαφέστερον δεῖξαι πῶς ἔλε-
γεν ἐκκρίσει γίνεσθαι ὁ Ἀναξίμανδρος ἐκ τοῦ ἑνὸς τὰ ἄλλα, μέμνηται τῶν
περὶ Ἀναξαγόραν καὶ Ἐμπεδοκλέα.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (Aggregatzustände) Th 94 (w. s.)

Th 449
In ph. 16.110.4–7
[Ph. 1.5.188a19] Καὶ ὁ Ἐμπεδοκλῆς τὰ τέσσαρα στοιχεῖα λέγων ἀρχάς, τὸ
μὲν πῦρ θερμὸν ἔλεγε, τὰ δὲ λοιπὰ ψυχρά. καὶ ὅσοι δὲ μανώσει ἢ πυκνώσει
τοῦ κατ᾽ αὐτοὺς στοιχείου τὰ ἄλλα γεννῶσιν, οἷός ἐστιν ὁ Θαλῆς, τὰ ἐναν-
τία ἀρχὰς ὑποτίθενται‧ μάνωσις γὰρ καὶ πύκνωσις ἐναντία.

Sim. (Aggregatzustände) Th 94 (w. s.)


Iohannes Philoponos 353

Th 448
Kommentar zu Aristoteles’ Physik 16.86.25–87.10 [Ph. 1.4.187a10]
[...] Als einziges Prinzip postulieren Heraklit das Feuer, Anaximenes die
Luft, Thales das Wasser, Anaximander das Zwischenelement. Unter ihnen
gibt es zwei Typen. Denn die einen lassen durch Verdünnung und Verdich-
tung ihres jeweiligen Elementes so alles Weitere hervorgehen (wie zum Bei-
spiel Thales die Luft1 als Element postulierte und sagte, dass diese, indem sie
lockerer werde, das Feuer entstehen lasse, indem sie nach und nach dichter
werde, den Wind, noch dichter die Wolken, noch dichter das Wasser und
weiterhin alles Erdige). Die eine Gruppe sagte also, dass so aus dem einzi-
gen [Element] die Entstehung geschehe. Anaximander aber sagte, dass das
Element das Zwischending zwischen Feuer und Luft oder Luft und Was-
ser sei und dass alles Weitere aus diesem heraustrete. Denn die Gegensätze
seien in diesem unendlichen Seienden vorhanden und bewirkten, aus ihm
herausgetreten, die übrigen Dinge. Die Gruppe also, die behauptet, dass
durch Verdichtung und Verdünnung [das Übrige entstehe], lässt durch Ver-
änderung ihres jeweiligen Elementes alles Übrige entstehen. Daher ergibt
es sich, dass sie die Entstehung „Veränderung“ nennen (und so erklären sie:
„Das Entstehen eines Bestimmten ist immer nur ein qualitativer Verände-
rungsprozess“ [187a29]). Anaximander aber läßt nicht durch Veränderung
des Zwischenelementes alles Übrige entstehen, sondern durch Heraustreten
des in ihm Vorhandenen. Dann will er [Aristoteles] verdeutlichen, wie Ana-
ximander sagte, dass alles Übrige durch Heraustreten aus dem einen Ein-
zigen entstehe, und er bringt Anaxagoras und Empedokles in Erinnerung.

Th 449
Kommentar zu Aristoteles’ Physik 16.110.4–7 [Ph. 1.5.188a19]
Auch Empedokles, der die vier Elemente Prinzipien nennt, sagte, dass das
Feuer warm ist, die übrigen [Elemente] aber kalt [sind]. Und alle die, die
durch Verdünnung oder Verdichtung des von ihnen angenommenen Ele-
mentes das andere entstehen lassen, wie Thales, nehmen die Gegensätze
als Prinzipien an; Verdünnung und Verdichtung sind nämlich Gegensätze.

1 Vgl. Th 450 und Diels 21958, 145.


354 Iohannes Philoponos

Th 450
In ph. 16.116.18–21
[Ph. 1.5.188a19] Ὁ γὰρ Παρμενίδης, καίτοι ἓν λέγων τὸ πᾶν, ὅμως ἐν τοῖς
πρὸς δόξαν θερμὸν καὶ ψυχρὸν ἀρχὰς τίθεται τῶν ὄντων. καὶ οἱ μανὸν καὶ
πυκνόν, ὧν ἐστι Θαλῆς‧ τὸν γὰρ ἀέρα ὡς ὕλην ὑποτιθεὶς μανότητι καὶ
πυκνότητι ἐξ αὐτοῦ εἰδοποιεῖ τὰ λοιπά.

Sim. (Aggregatzustände) Th 94 (w. s.)

Th 451
In ph. 16.123.14–17
[Ph. 1.5.188b26] Ὅσοι μὲν οὖν ἀρχὰς εἰλήφασιν ἢ τὸ θερμὸν καὶ ψυχρόν,
ὡς Παρμενίδης, ἢ τὸ μανὸν καὶ πυκνόν, ὡς Θαλῆς, ἢ τὸ μέγα καὶ μικρόν, ὡς
Πλάτων, οὗτοι τῇ αἰσθήσει γνωριμωτέρας λαμβάνουσι τὰς ἀρχάς, ἀλλ᾽ οἱ
μὲν καθολικωτέρας οἱ δὲ μερικωτέρας.

Sim. (Aggregatzustände) Th 94 (w. s.)

Th 452
In ph. 16.139.10–24
[Ph. 1.6.189a21] Καὶ τῶν ἓν εἰρηκότων οἱ μὲν ἕν τι τῶν τεσσάρων, οἱ δ᾽
ἕτερον παρὰ ταῦτα μεταξὺ τούτων. [...] τῶν δὲ τὸ ἓν τὸ ὑποκείμενον
εἰρηκότων μᾶλλον τῶν ἄλλων ἀποδέχεται τὸν Ἀναξίμανδρον τὸ μεταξὺ
εἰρηκότα, ὡς ἐγγυτέρω πως ὄντος τούτου τῆς ὕλης διὰ τὸ μηδὲν εἶδος
ἔχειν τῶν ἐξ αὐτοῦ γινομένων. μετὰ δὲ τοῦτον μᾶλλον κατορθοῖ ὁ Ἀνα-
ξιμένης τὸν ἀέρα ὕλην ὑποτιθέμενος‧ ἥκιστα γὰρ αἰσθητὰς διαφορὰς τῶν
ἄλλων ἔχει ὁ ἀήρ. μετὰ τοῦτον Θαλῆς τὸ ὕδωρ ὕλην ὑποτιθέμενος‧ καὶ
γὰρ καὶ τοῦτο πρὸς τῷ ἄποιον εἶναι καὶ τἀναντία ὑπομένει πάθη. θερ-
μαίνεται γὰρ καὶ ψύχεται τὸ αὐτό, καὶ χεῖται καὶ πήγνυται ὑπομένον τὸ
αὐτό (ὑγρὸν γὰρ ὂν καὶ “δυσόριστον τῷ οἰκείῳ ὅρῳ, εὐόριστον δὲ ἀλλο-
τρίῳ”‧ οὕτως γὰρ ὁ τοῦ ὑγροῦ λόγος ἐν τῷ Περὶ γενέσεως ἀποδέδοται),
καὶ ξηραίνεται τὸ αὐτὸ κρυσταλλούμενον‧ ξηρὸν γάρ ἐστι τὸ δυσόριστον
ἀλλοτρίῳ ὅρῳ, εὐόριστον δὲ οἰκείῳ.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (Aggregatzustände) Th 94 (w. s.)


Iohannes Philoponos 355

Th 450
Kommentar zu Aristoteles’ Physik 16.116.18–21 [Ph 1.5.188a19]
Thales wird auch hier für die Anschauung in Anspruch genommen, wonach
aus der Luft durch Verdünnung und Verdichtung die übrigen Dinge entste-
hen (vgl. Th 448/9).

Th 451
Kommentar zu Aristoteles’ Physik 16.123.14–17 [Ph 1.5.188b26]
Auch hier wird Thales mit den prinzipiellen Gegensätzen „dünn“ und
„dicht“ in Verbindung gebracht.

Th 452
Kommentar zu Aristoteles’ Physik 16.139.10–24 [Ph 1.6.189a21]
Und von denen, die ein einziges Prinzip angaben, nannten die einen eines
von den vier Elementen, die anderen ein anderes daneben, ein Mittelding
von diesen. [...] Von denjenigen, die ein einziges Prinzip als Substrat ange-
geben haben, akzeptiert er mehr als die anderen Anaximander mit seinem
Mittelding, da dies irgendwie näher an dem Stoff ist, weil es keine Form von
dem hat, was aus ihm entsteht. Nach Anaximander trifft Anaximenes mehr
das Richtige, wenn er die Luft als Stoff postuliert. Denn die Luft besitzt am
wenigsten wahrnehmbare Unterschiede gegenüber den anderen Elemen-
ten. Danach kommt Thales, der das Wasser als Stoff postulierte; denn auch
dieses unterzieht sich zusätzlich zur Qualitätslosigkeit den gegensätzlichen
Qualitäten. Denn es wird warm und kalt und flüssig und fest, wobei es
dasselbe bleibt (denn das Feuchte ist „das, was sich schwierig in eine eigene
Grenze fügt, leicht aber in eine fremde“; denn so lautet die Definition des
Feuchten in Über das Werden [2.2.329b30 f.]), und es trocknet, wenn es zu
Eis wird; denn was trocken ist, fügt sich schwer in eine fremde Grenze,
leicht aber in eine eigene [ebd. 31 f.].
356 Iohannes Philoponos – Iohannes Malalas

Th 453
In ph. 16.407.13–20
[Ph. 3.4.203b11] Ὅσοι, φησί, τῶν πάλαι φυσιολόγων μὴ ἀπέβλεψαν εἰς τὸ
ποιητικὸν αἴτιον, ὥσπερ Ἀναξαγόρας μὲν εἰς τὸν νοῦν, ὃν ποιητικὸν εἶναι
αἴτιον ἔλεγεν, Ἐμπεδοκλῆς δὲ τὸ νεῖκος καὶ τὴν φιλίαν, οὗτοι ἣν ὑπέθεντο
ὕλην εἶναι τῶν πάντων, ἄπειρόν τε αὐτὴν ὑπέθεντο τῷ μεγέθει καὶ ἀγένη-
τον καὶ ἄφθαρτον, καὶ ταύτην εἶναι τὸ θεῖον, ὅπερ καὶ διακυβερνᾶν πάντα
καὶ ἐπιστατεῖν τῇ τῶν ὅλων συστάσει, ἀθάνατόν γε καὶ ἀνώλεθρον, ὅπερ
Ἀναξιμένης μὲν τὸν ἀέρα εἶναι ἔλεγε, Θαλῆς δὲ τὸ ὕδωρ, Ἀναξίμανδρος δὲ
τὸ μεταξύ, καὶ ἄλλος ἄλλο.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Iohannes Malalas
Th 454
Chronographia 51.77–78 (Logos 4.6) (ed. Thurn)
Καὶ ἔλυσε τοὺς νόμους Δράκοντος Σόλων. καὶ πάλιν ἐνομοθέτησε Θαλῆς
ὁ Μιλήσιος.

Sim. (Datierung) Th 171 (w. s.); (politische Tätigkeit) Th 21 (w. s.)

Th 455
Chronogr. 118.41–45 (Logos 6.4)
Μετὰ δὲ τὴν βασιλείαν Δαρείου ἐβασίλευσαν ἕτεροι βασιλεῖς Ἀσσυρίων
ἕως Ἀστυάγους. καὶ λοιπὸν ὁ Ἀστυάγης ἐβασίλευσε Περσῶν, ὃς ἐπεστρά-
τευσε κατὰ τῶν Λυδῶν, ἀνελθὼν μετὰ δυνάμεως πολλῆς. ἐν ᾧ χρόνῳ ὁ
ἥλιος ἐξέλειψεν ἐπὶ πολλὰς ὥρας τῆς ἡμέρας, προειπόντος Θαλοῦ τοῦ φι-
λοσόφου τὴν ἔκλειψιν τοῦ ἡλίου.

Sim. (Sonnenfinsternis) Th 10 (w. s.); (Datierung) Th 171 (w. s.)


Iohannes Philoponos – Iohannes Malalas 357

Th 453
Kommentar zu Aristoteles’ Physik 16.407.13–20 [Ph 3.4.203b11]
Alle diejenigen alten Naturphilosophen, sagt Aristoteles, die nicht die Wirk-
ursache ins Auge fassten, wie Anaxagoras die Weltvernunft, von der er
sagte, dass sie die Wirkursache sei, Empedokles Streit und Liebe, diese pos-
tulierten, dass das, was sie für den Stoff aller Dinge hielten, der Größe nach
unendlich und des Entstehens und Vergehens unfähig sei. Und es sei das
Göttliche, was auch alles Konkrete beherrsche und dem Bau des Ganzen
voranstehe, „unsterblich“ und „unvergänglich“, wie es Anaximenes von der
Luft sagte, Thales vom Wasser, Anaximander vom Mittelding und ein ande-
rer von etwas anderem.1

Iohannes Malalas (490/ 500–nach 570 n. Chr.)


Th 454
Weltchronik 51.77–78 (Logos 4.6)
Solon hob die Gesetze Drakons auf. Dann wieder war Thales, der Milesier,
Gesetzgeber.

Th 455
Weltchronik 118.41–45 (Logos 6.4)
Nach der Königsherrschaft des Dareios herrschten andere Könige der As-
syrer bis Astyages. Und danach war Astyages König der Perser, der gegen
die Lyder zu Felde zog und mit einer großen Macht aufzog. In dieser Zeit
verfinsterte sich die Sonne für viele Stunden des Tages. Der Philosoph Tha-
les hatte die Sonnenfinsternis vorhergesagt.

1 In Ph. 3.4.203b10–15 wird namentlich nur Anaximander erwähnt.


358 Olympiodor

Olympiodor

Th 456
In Platonis Gorgiam commentaria 26.16 (ed. Westerink)
Καταγέλαστοι γίνονται [484e1]: Καὶ γὰρ θέλουσιν ὑπὸ τῶν ἀνοήτων
καταγελᾶσθαι. οὕτω γοῦν καὶ ὁ Θαλῆς1 περιπατῶν καὶ τὸν νοῦν εἰς
τὸν οὐρανὸν ἔχων καὶ ἀστρονομῶν εἰς τέλμα ἐνέπεσεν‧ καί φησιν αὐτῷ
Θρῇσσα γυνὴ ὅτι ‘οὗτος τὰ κατὰ γῆν οὐκ οἶδεν καὶ τὰ ἐν οὐρανοῖς θέλει
εἰδέναι’. δεῖ τοίνυν τῶν τοιούτων ἀμελεῖν, κἂν κατὰ κόρρης πατάξωσιν
ἡμᾶς, πρὸς δὲ τὸ θεῖον ἀνατείνειν ἑαυτούς.

Sim. (Brunnenfall) Th 19 (w. s.)

Th 457
In Aristotelis categorias commentarium 12.1.108.32–109.2 (ed. Busse)
[Cat. 7.7b15] Ὡς γὰρ εἴρηται, καὶ μὴ οὔσης ἐπιστήμης τὰ πρός τι ἔστι‧
δῆλον ὅτι οὔκ εἰσιν ἅμα τὰ πρός τι. καὶ τοῦτο μὲν τὸ ἀπὸ τοῦ χρόνου
ἐπιχείρημα. τὸ δὲ ἀπὸ τῆς φύσεώς ἐστι τοιοῦτον‧ τὸ ζῷον ἀναιρούμενον
τὴν ἐπιστήμην ἀναιρεῖ, οὐ μέντοι γε καὶ τὸ ἐπιστητόν‧ δύναται γὰρ καὶ
μὴ οὔσης ἐπιστήμης εἶναι τὰ ἐπιστητὰ ὡς πράγματα‧ τὰ γὰρ πράγματα
πρὸ τῆς ἐπιστήμης. οὕτω καὶ τὰ τέσσαρα στοι-[109] χεῖα πρὸ τῆς Ἱππο-
κράτους ἰατρικῆς ὑπῆρχεν, καὶ τὰ ἄστρα πρὸ τῆς Θαλοῦ ἀστρονομίας.

Sim. (Thales als Vertreter der Astronomie) Th  103 (w.  s.); (Relation von
Wissbarem und Wissen) Th 244 (w. s.)

1 Siehe die Randbemerkung zur Stelle in der Handschrift M bei Westerink: τὰ περὶ
Θαλοῦ, καὶ ὅτι τὰ κατὰ τὸν οὐρανὸν τοῖς ὄμμασιν διαθρῶν ἐμπέπτωκε τέλματι, καὶ
τοῦ ἐπὶ τῇ πτώσει αὐτοῦ τῆς γυναικὸς λόγου.
Olympiodor 359

Olympiodor
(geb. zw. 495 u. 505 n. Chr., noch 565 lehrend)
Th 456
Kommentar zu Platons Gorgias 26.16
„So wirken sie lächerlich“. Dass die Philosophen im öffentlichen Leben lä-
cherlich wirken [zu Pl. Gorg. 484e1], wird an der Brunnenfallgeschichte (s.
Th 19) expliziert. [...] Solche Leute muss man vernachlässigen, auch wenn sie
uns hinter die Ohren schlagen, sich aber zum Göttlichen erheben.

Th 457
Kommentar zu Aristoteles’ Kategorien 12.1.108.32–109.2 [Cat. 7.7b15]
Das Verhältnis von Wissbarem und Wissen. [...] Die Sachverhalte gibt es
schon vor dem Wissen darum. So gab es die vier Elemente vor der hippo-
kratischen Medizin und die Gestirne vor Thales’ Astronomie.
360 Olympiodor – Asklepios von Tralleis

Olympiodor
(Alchemista ?, ev. identisch mit Olympiodor, s.o.)
Th 458
Εἰς τὸ κατʹ ἐνέργειαν Ζωσίμου 2.20.4–5 (ed. Berthelot/ Ruelle)
Καὶ σκόπει ὅτι ὁ Μιλήσιος Θαλῆς πρὸς τὴν οὐσίαν τοῦ Θεοῦ ἀποβλέπων
ἔλεγεν αὐτὸν ἄπειρον‧ ἀπειροδύναμος γὰρ ὁ Θεός.

Sim. (Gott [als Geist des Kosmos]) Th 72 (w. s.)

Th 459
Εἰς τὸ κατʹ ἐνέργειαν Ζωσίμου 2.21
Μίαν δὲ πεπερασμένην ἀρχὴν τῶν ὄντων ἐδόξαζεν Θαλῆς τὸ ὕδωρ, ἐπειδὴ
γόνιμόν ἐστιν καὶ εὐδιάπλαστον‧ γόνιμον γὰρ οὕτω, ἐπειδὴ γεννᾷ ἰχθύας‧
εὐδιάπλαστον δὲ, τὸ δυνάμενον διαπλᾶσθαι ὡσὰν βούλῃς νῦν‧ καὶ τὸ
ὕδωρ ὡσὰν θέλῃς διαπλάττεις‧ ἐν ᾧ γὰρ ἀγγείῳ βάλῃς τοῦτο, πρὸς αὐτὸ
διαπλάττεις τὸ ὕδωρ, καὶ πρὸς ξέστην, καὶ πρὸς κεράμιον, καὶ πρὸς τρί-
γωνον, καὶ πρὸς τετράγωνον ἄγγος, καὶ ὡς ἐθέλεις. Καὶ μία ἐστὶν αὐτοῦ ἡ
ἀρχὴ κινουμένη‧ κινεῖται γὰρ τὸ ὕδωρ. Πεπερασμένη δέ‧ οὔτε γὰρ ἀΐδιόν
ἐστιν τοῦτο.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Asklepios von Tralleis


Th 460
In Aristotelis metaphysicorum libros commentaria 6.2.24.34–25.15 (ed.
Hayduck)
[Metaph. 1.3.983a24] Τὸ μέντοι εἶδος καὶ τὸ πλῆθος τῆς τοιαύτης ἀρχῆς
οὐ πάντες τὸ αὐτὸ λέγουσιν [Metaph. 1.3.983b19], ἀλλ᾽ οἱ μὲν ὕδωρ τὸ
ὑλικὸν αἴτιον, οἱ δὲ πῦρ, οἱ δὲ ἄλλο. διό φησιν ὅτι Θαλῆς μὲν ὁ Μιλήσιος ὁ
ἀρχηγὸς τῆς τοιαύτης φιλοσοφίας ὕδωρ φησὶν εἶναι τὴν ἀρχὴν τῶν πάν-
των. διὸ καὶ τὴν γῆν ἐφ᾽ ὑδάτων ὀχεῖσθαι ὡς ἀρχῆς οὔσης. ταύτην δὲ ἔσχε
τὴν ὑπόληψιν ἐκ τοῦ ὁρᾶν πάντων τὴν τροφὴν ὑγρὰν οὖσαν (ἀδύνατον
γάρ ἐστιν ἄνευ ὑγρότητος [25] τρέφεσθαι τὰ ζῷα) καὶ ὅτι τὰ σπέρματα
πάντα, ἐξ ὧν τὰ ζῷα ὑπάρχουσιν, ὑγρά ἐστιν‧ ἀρχὴ δὲ τῶν ὑγρῶν τὸ
ὕδωρ. καὶ πάλιν φησίν ‘αὐτὸ τὸ θερμὸν ἐκ τοῦ ὑγροῦ ἐστι’‧ δευομένη γὰρ ἡ
γῆ ἐκπέμπει τὴν καπνώδη ἀναθυμίασιν, ἐξ ἧς τὸ ὑπέκκαυμα, ὅ ἐστι τὸ πῦρ.
Olympiodor – Asklepios von Tralleis 361

Olympiodor
(Alchemista ?, ev. identisch mit Olympiodor, s.o.)1
Th 458
Kommentar zu Zosimus’ Hinsichtlich Energeia 2.20.4–5
Und sieh, dass Thales aus Milet im Blick auf das Wesen Gottes ihn unend-
lich nannte; denn Gott ist grenzenlos mächtig.

Th 459
Kommentar zu Zosimus’ Hinsichtlich Energeia 2.21
Als einziges, begrenztes Prinzip der Dinge vermutete Thales das Wasser, da
es fruchtbar und gut formbar ist. Fruchtbar nämlich, da es Fische hervor-
bringt. Gut formbar aber ist, was geformt werden kann, wie du es gerade
willst.2 Und das Wasser formst du, wie du willst. Gibst du es nämlich in ein
Gefäß, formst du das Wasser nach ihm, sei es ein Becher, ein Krug, sei es ein
dreieckiges, ein viereckiges Gefäß, und wie du willst. Und dieses Prinzip
ist einzig und bewegt; denn es bewegt sich das Wasser. Es ist aber begrenzt;
denn es ist nicht ewig.

Asklepios von Tralleis (6. Jh. n. Chr.)


Th 460
Kommentar zu Aristoteles’ Metaphysik 6.2.24.34–25.15 [Metaph. 1.3.
983a24]
Was freilich die Form und die Menge eines derartigen Prinzipes betrifft,
so geben nicht alle das Gleiche an [983b19], sondern die einen nennen das
Wasser als stoffliche Ursache, die anderen das Feuer, die dritten wieder et-
was anderes. Daher sagt Thales aus Milet, der Archeget einer derartigen
Philosophie, dass das Wasser das Prinzip aller Dinge sei. Daher fahre auch
die Erde auf dem Wasser, da es [das Wasser] Prinzip sei. Zu dieser Ansicht
aber kam er, weil er sah, dass die Nahrung aller Dinge feucht ist (denn un-

1 Zu Autor und Werk vgl. Mertens (2006) 215–7.


2 Vgl. Arist. GC 2.2.329b34 ff.
362 Asklepios von Tralleis

ὥστε καὶ τὸ θερμὸν ἐκ τοῦ ὑγροῦ γίνεται [...]. τινὲς δὲ εἰρήκασι καὶ τοὺς πα-
λαιοτέρους τῆς νῦν περιόδου, οὓς καὶ πρώτους φησὶ θεολόγους, τὸ ὕδωρ
ὑπολαβεῖν ἀρχήν. διὸ ἔλεγον “Ὠκεανόν τε θεῶν γένεσιν καὶ μητέρα Τηθύν”,
καὶ συνελογίζοντο οὕτως ‘ὁ ὅρκος τίμιος, τὸ τίμιον πρεσβύτερον‧ ὁ ὅρκος
ἄρα πρεσβύτερος. ὅρκος δὲ τὸ ὕδωρ‧ τὸ ὕδωρ ἄρα πρεσβύτερον’. “καὶ τὸ
κατειβόμενον Στυγὸς ὕδωρ“. τὴν ῥευστὴν γένεσιν διὰ τούτων ᾐνίττον-
το. εἰ μὲν οὖν οἱ παλαιότεροι τῷ ὄντι οὕτως εἶχον ὡς εἰρήκασι κατὰ τὸ
φαινόμενον, ἄδηλόν ἐστι‧ Θαλῆς μέντοι λέγεται τῷ ὄντι ὕδωρ ἀποφήνα-
σθαι τὴν πρώτην αἰτίαν.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (Erde ruht auf dem Wasser) Th 30 (w. s.);
(erster Weiser/Philosoph) Th  29 (w.  s.); (Wasserhypothese geht auf erste
Theologen/Homer zurück) Th 29 (w. s.)

Th 461
In metaph. 6.2.26.14–27
[Metaph. 1.3.984a27] Οἱ μὲν οὖν πάμπαν ἐξ ἀρχῆς ἁψάμενοι τῆς μεθόδου
ταύτης. Ἐξ ἀρχῆς λέγει πάλιν περὶ τῶν μόνῃ τῇ ὑλικῇ αἰτίᾳ τε καὶ ἀρχῇ
χρησαμένων‧ δόξει δὲ τὸ πάμπαν ἐξ ἀρχῆς προστεθεικέναι ὑπὲρ τοῦ
δηλῶσαι τοὺς περὶ Θαλῆν καὶ Ἀναξιμένην, ἐπεὶ οἱ περὶ Ἀναξαγόραν καὶ
Ἐμπεδοκλέα ἐμνημόνευσαν τῶν ποιητικῶν ἀρχῶν, ὁ μὲν λέγων νεῖκος καὶ
φιλίαν 〈ὁ δὲ νοῦν, ὡς〉1 καὶ προϊὼν ἐρεῖ περὶ αὐτῶν. οὕτως οὖν ὁ Θαλῆς
ἀρχηγὸς τῆς τοιαύτης φιλοσοφίας‧ τῶν γὰρ μνημονευομένων φυσικῶν
ἀρχαιότατος. καλῶς δὲ εἶπε τὸ “λέγεται”‧ οὔτε γὰρ φέρεται αὐτοῦ βι-
βλίον τοῦτο ἔχον. οἱ οὖν περὶ Θαλῆν καὶ Ἀναξιμένην οὐδὲ ἐδυσχέραναν
πρὸς ἑαυτούς, ὃ ἔθος ἐστὶ τοῖς ἄτοπα ὑποτιθεμένοις‧ οἷον οὐκ ἐπέστησαν
τῇ τῶν λεγομένων ὑπ᾽ αὐτῶν ἀτοπίᾳ, οὐδ᾽ ἐμέμψαντο τοῖς λεγομένοις,
ὡς οὐχ ἱκανῶς λελεγμένοις, οὐδ᾽ ἐζήτησάν τινα καὶ ἄλλην ἀρχὴν πρὸς τῇ
ὑλικῇ ὡς οὐχ ἱκανῶς ἐχούσῃ τε καὶ λεγομένῃ ὑπ᾽ αὐτῶν.

Sim. (ersterWeiser/Philosoph) Th 29 (w. s.); (Schrift) Th 88 (w. s.)

1 lacunam indicavit et supplevit Hayduck.


Asklepios von Tralleis 363

möglich können die Lebewesen ohne Feuchtigkeit aufwachsen) und weil


alle Samen, aus denen die Lebewesen hervorgehen, feucht sind. Das Prinzip
des Feuchten aber ist das Wasser. Weiterhin sagt Aristoteles: „Das Warme
selbst entsteht aus dem Feuchten.“ [983b23 f.] Die befeuchtete Erde entsen-
det nämlich die rauchartige Ausdünstung, aus der der Brennstoff entsteht,
der das Feuer ist. Daher entsteht auch das Warme aus dem Feuchten [...]. Ei-
nige haben auch gesagt, dass auch die, die vor dieser Zeitperiode lebten, die
Aristoteles auch „erste Theologen“ [983b29] nennt, das Wasser als Prinzip
angenommen hätten. Daher sagten sie: „Okeanos, den Ursprung der Götter,
und die Mutter Tethys“ [Il. 14.201] und schlossen so: „Der Eidgegenstand
ist ehrwürdig, das Ehrwürdige ist älter; der Eidgegenstand ist also älter. Der
Eidgegenstand aber ist das Wasser; das Wasser ist also älter.“ „Und das her-
abfließende Wasser der Styx“ [Il. 15.37]. Damit spielten sie auf die fließende
Entstehung an. Ob also die älteren Theologen, wie einige sagten, in der Tat
so in Bezug auf das Phänomen dachten, ist unklar. Thales freilich soll in der
Tat das Wasser als erste Ursache aufgewiesen haben.

Th 461
Kommentar zu Aristoteles’ Metaphysik 6.2. 26.14–27 [Metaph. 1.3.984a27]
„Die also bereits ganz am Anfang ein derartiges Verfahren einschlugen“.
„Am Anfang“ sagt Aristoteles wiederum über diejenigen, die auf eine ein-
zige stoffliche Ursache und [ein einziges stoffliches] Prinzip zurückgegrif-
fen haben. Das „bereits ganz von Anfang“ hat er offenbar im Hinweis auf
Thales und Anaximenes und ihre Umgebung hinzugefügt, da die Gruppe
um Anaxagoras und Empedokles auch die Wirkursachen in Erwähnung
brachten,1 wobei der eine Streit und Liebe nannte, der andere den Nous, wie
Aristoteles im Weiteren über sie sagen wird. So war also Thales der Archeget
einer derartigen Philosophie; denn er war von den erwähnten Naturfor-
schern der älteste. Richtig sprach Aristoteles aber auch davon, dass [sich
Thales so geäußert haben] „soll“ [984a2]. Denn es ist kein Buch von ihm
mit diesem Inhalt überliefert. Die Leute um Thales und Anaximenes waren
auch nicht „untereinander uneins“ [984a29], wie es bei denen üblich ist, die
Ungewöhnliches postulieren. Zum Beispiel standen sie der Ungewöhnlich-
keit des von ihnen Gesagten nicht feindlich gegenüber und sie tadelten das
Gesagte auch nicht, weil es nicht hinreichend gesagt sei, und sie suchten
auch nicht irgendein anderes Prinzip zu dem stofflichen hinzu, weil es nicht
hinreichend sei oder nicht hinreichend von ihnen benannt sei.

1 Vgl. die Version bei Alexander (Th 192).


364 Asklepios von Tralleis

Th 462
In metaph. 6.2.41.4–7
[Metaph. 1.5.986b8] Ἄχρηστος οὖν ἡ τούτων δόξα εἰς τὴν περὶ τῶν αἰτίων
ζήτησιν‧ οὐ γὰρ ἀρχὴν καὶ αἰτίαν τὸ ἓν ἐτίθεντο οὗτοι, ὡς οἱ ὕδωρ ἢ πῦρ ἢ
ἀέρα λέγοντες καὶ γεννῶντες ὡς ἐξ ὕλης τοῦ ἑνὸς τὰ ἄλλα, ὥσπερ ὁ Θαλῆς
ἀπὸ τοῦ ὕδατος ἐγέννα τὰ ἄλλα.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 463
In metaph. 6.2.42.36–43.2
[Metaph. 1.5.987a4] Οἱ πρῶτοι φυσιολόγοι σωματικὴν τὴν ἀρχὴν ὑπέθεν-
το‧ οἱ μὲν γὰρ ὕδωρ ὥσπερ Θαλῆς, οἱ δὲ πῦρ, ὡς Ἡράκλειτος, καὶ οἱ μὲν
μίαν ὑπετί-[43] θεντο, οἱ δὲ πλείους, οἷον πῦρ καὶ γῆν, ὥσπερ Παρμενίδης‧
ἀμφοτέρας δὲ ὑλικὰς ὑπετίθεντο τὰς ἀρχάς.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 464
In metaph. 6.2.54.1–4
[Metaph. 1.7.988a18] Καὶ ἔτι ὅσοι ἀέρα καθάπερ Ἀναξιμένης, ἢ ὕδωρ καθ-
άπερ Θαλῆς, ἢ πῦρ, καθάπερ Ἡράκλειτος, ἢ τὸ μεταξὺ καθάπερ Ἀναξί-
μανδρος, σωματικὴν ἀρχὴν ὑλικὴν ὑπετίθεντο. οὗτοι μὲν οὖν, ὡς εἴρηται,
τῆς ὑλικῆς καὶ μόνης ἀρχῆς ἥψαντο.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 465
In metaph. 6.2.58.24–26
[Metaph. 1.7.988b29] Ἕκαστον δὲ τῶν ἄλλων τριῶν στοιχείων εἴληφε κρι-
τήν, φημὶ δὴ προστάτην‧ οἱ μὲν γὰρ πῦρ ὡς Ἡράκλειτος, οἱ δὲ ὕδωρ ὡς
Θαλῆς, οἱ δὲ ἀέρα ὡς Ἀναξιμένης.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)


Asklepios von Tralleis 365

Th 462
Kommentar zu Aristoteles’ Metaphysik 6.2.41.4–7 [Metaph. 1.5.986b8]
Unbrauchbar ist also deren [sc. Parmenides’ und Melissos’] Lehre hinsicht-
lich der Untersuchung der Ursachen; denn sie setzten das Eine nicht als
Prinzip und Ursache an, wie diejenigen, die Wasser oder Feuer oder Luft
nannten und aus dem Einen gleichsam als Stoff die anderen Dinge entstehen
ließen, wie Thales aus dem Wasser die anderen Dinge entstehen ließ.

Th 463
Kommentar zu Aristoteles’ Metaphysik 6.2.42.36–43.2 [Metaph. 1.5.987a4]
Thales als Vertreter eines körperlichen Prinzips (Wasser).

Th 464
Kommentar zu Aristoteles’ Metaphysik 6.2.54.1–4 [Metaph. 1.7.988a18]
Thales als Vertreter eines körperlichen Prinzips (Wasser).

Th 465
Kommentar zu Aristoteles’ Metaphysik 6. 2. 58.24–26 [Metaph. 1.7.988b29]
Thales als Vertreter der Lehre vom Wasser als Prinzip.
366 Asklepios von Tralleis – Stephanos aus Byzanz

Th 466
In metaph. 6.2.111.17–20
[Metaph. 1.10.993a11] Καὶ τρόπον μέν τινα πᾶσαι εἴρηνται πρότερον αἱ
τέσσαρες ἀρχαὶ ὑπὸ τῶν παλαιοτέρων, διότι οἱ μὲν αὐτῶν μίαν εἰρήκασι
τὴν ὑλικήν, ὥσπερ Θαλῆς Ἀναξίμανδρος καὶ Ἡράκλειτος, οἱ δὲ δύο, [...].

Th 467
In metaph. 6.2.148.18–20
[Metaph. 2.1.996a4] Ἄλλοι δὲ ἀρχὰς τῶν ὄντων τὸ πῦρ ὑπετίθεντο, καθά-
περ Ἡράκλειτος, διὸ καὶ μεγάλῳ πτώματι περιέπεσεν‧ ἢ ὕδωρ, καθάπερ
Θαλῆς, ἀέρα Ἀναξιμένης.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Elias
Th 468
In Aristotelis categorias commentarium 18.1.213.32–214.4 (ed. Busse)
[Cat. 7.7b15]   Ἀλλ᾽ ἐπὶ μὲν τῆς ἐπιστήμης καὶ τοῦ ἐπιστητοῦ προτάττει
τὸ ἀπὸ τοῦ χρόνου τοῦ ἀπὸ τῆς φύσεως, ἐπὶ δὲ τῆς αἰσθήσεως καὶ τοῦ
[214] αἰσθητοῦ προτάττει τὸ ἀπὸ τῆς φύσεως τοῦ ἀπὸ τοῦ χρόνου. φησὶ
δὲ οὕτως‧ ἐπιστήμης οὔσης ἐπιστητὸν ἔστι πάντως, ἐπιστητοῦ δὲ ὄντος
δύναται ἐπιστήμη μὴ εἶναι‧ ἦσαν γὰρ τὰ ἄστρα πρὸ τοῦ Θαλῆν ἀστρο-
νομῆσαι. πρὸς ὅ φαμεν ὅτι ἦσαν τὰ ἄστρα οὐχ ὡς ἐπιστητά.

Sim. (Thales als Vertreter der Astronomie) Th  103 (w.  s.); (Relation von
Wissbarem und Wissen) Th 244 (w. s.)

Stephanos aus Byzanz


Th 469
Ethnica 452.15–17 (ed. Meineke)
(Μίλητος). οὕτως καὶ Θαλῆς Ἐξαμύου πατρὸς Μιλήσιος ἐχρημάτιζε καὶ
Φωκυλίδης καὶ Τιμόθεος κιθαρῳδός [...].
Asklepios von Tralleis – Stephanos aus Byzanz 367

Th 466
Kommentar zu Aristoteles’ Metaphysik 6.2.111.17–20 [Metaph. 1.10.993a11]
Die Monisten Thales, Anaximander, Heraklit.

Th 467
Kommentar zu Aristoteles’ Metaphysik 6.2.148.18–20 [Metaph. 2.1.996a4]
Thales als Vertreter der Lehre vom Wasser als Prinzip.

Elias (6. Jh. n. Chr.)


Th 468
Kommentar zu Aristoteles’ Kategorien 18.1.213.32–214.4 [Cat. 7.7b15]
Das Verhältnis von Wissbarem und Wissen. Die Gestirne gab es vor Thales’
Astronomie.

Stephanos aus Byzanz (6. Jh. n. Chr.)


Th 469
Ethnica 452.15–17
(Milet). Thales, Sohn des Examyas, war Bürger Milets wie Phokylides und
Timotheos, der Kitharöde [...].
368 Stephanos aus Byzanz – Anonymus De Philosophia Platonica

Th 470
Ethn. 692.13–18
Χήν, πόλις τῆς Λακωνικῆς. ὁ πολίτης Χηνιεύς‧ οὕτω γὰρ Μύσων τῶν ἑπτὰ
σοφῶν κριθέντων εἷς Χηνιεὺς ἐχρημάτιζεν. ἀλλὰ καὶ Χηνεύς, ὡς Πλάτων ἐν
Πρωταγόρᾳ „τούτων τῶν ἀνδρῶν ἦν Θαλῆς καὶ Πιττακὸς καὶ Βίας καὶ
Κλεόβουλος καὶ Σόλων ὁ ἡμέτερος καὶ Μύσων ὁ Χηνεὺς καὶ ἕβδομος ἐξ
αὐτῆς τῆς Λακεδαίμονος Χίλων“.

Luxurius
Th 471
De sententiis septem philosophorum distichi (Anthologia Latina 346)
[…]
Thales ingenio sapiens Milesius acri
errorem in terris firmat non caelitus esse.
[…].

Sim. (Spruchweisheit) Th 89 (w. s.)

Anonymus De Philosophia Platonica

Th 472
Prolegomena philosophiae Platonicae 7.4–8 (ed. Westerink)
Ἦσαν δὲ πρὸ αὐτοῦ μὲν αἱρέσεις αὗται‧ ἥ τε ποιητική, ἧς καθηγεμόνες
γεγόνασιν Ὀρφεύς, Ὅμηρος, Μουσαῖός τε καὶ Ἡσίοδος‧ γέγονεν δὲ καὶ ἡ
ἀπὸ τοῦ Ἰωνικοῦ διδασκαλείου, ἧς προκατήρξατο Ἡράκλειτος καὶ Θαλῆς
καὶ Ἀναξαγόρας‧ γέγονεν δὲ καὶ ἡ Πυθαγόρου καὶ Παρμενίδου.

Sim. (Ionische Schule) Th 147 (w. s.)


Stephanos aus Byzanz – Anonymus De Philosophia Platonica 369

Th 470
Ethnica 692.13–18
Bemerkung zur lakonischen Stadt Chen unter Anführung des Zitats aus Pla-
tons Protagoras (Th 20).

Luxurius (Werk ca. 534 n. Chr.)


Th 471
Distichen über die Sprüche der Sieben Philosophen:
[...]
Thales, der scharfsinnige Weise aus Milet,
versichert, dass der Irrtum auf Erden nicht vom Himmel ist.
[...].

Anonymus De Philosophia Platonica


(verm. 2. Hälfte 6. Jh. n. Chr.)
Th 472
Prolegomena zur Platonischen Philosophie 7.4–8
Die „Ionische“ Schule, zu der Heraklit, Thales und Anaxagoras gezählt
werden.
370 Isidor von Sevilla

Isidor von Sevilla


Th 473
Etymologiae 2.24.4 (ed. Lindsay)
(Cap. 24: De definitione philosophiae) In Physica igitur causa quaerendi, in
Ethica ordo vivendi, in Logica ratio intellegendi versatur. Physicam apud
Graecos primus perscrutatus est Thales Milesius,1 unus ex septem illis sapi-
entibus. Hic enim ante alios caeli causas atque vim rerum naturalium con-
templata ratione suspexit, quam postmodum Plato in quattuor definitiones
distribuit, id est Arithmeticam, Geometricam, Musicam, Astronomiam.

Sim. (erster Weiser/Philosoph) Th 29 (w. s.); (Thales als Vertreter der Astro-
nomie) Th 103 (w. s.); (Thales einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.)

Th 474
Etym. 5.39.18
(Cap. 39: De descriptione temporum) Quarta aetas [...] Iosias ann. XXXII.
Thales philosophus agnoscitur. [IVMDLXXXVII].

Sim. (Datierung) Th 171 (w. s.)

Th 475
Etym. 8.6.18
(Cap. 6: De philosophis gentium) Theologi autem idem sunt qui et Physici.
Dicti autem Theologi, quoniam in scriptis suis de Deo dixerunt. Quorum
varia constat opinio, quid Deus esset dum quaererent. Quidam enim corpo-
reo sensu hunc mundum visibilem ex quattuor elementis Deum esse dixe-
runt, ut Dionysius Stoicus. Alii vero spiritaliter intellexerunt mentem esse
Deum, ut Thales Milesius.

Sim. (Gott [als Geist des Kosmos]) Th 72 (w. s.)

1 Vgl. den Traktat De septem artibus liberalibus 218–20 bei Schindel (2004) 134.
Isidor von Sevilla 371

Isidor von Sevilla (ca. 560–636 n. Chr.)


Th 473
Ursprünge 2.24.4
(Kap. 24: Definition der Philosophie) Thales, einer der Sieben Weisen, als
erster Naturforscher und Astronom.

Th 474
Ursprünge 5.39.18
(Kap. 39: Einteilung der Zeitalter) Viertes Zeitalter [...] Josia, Jahr 32.1 Der
Philosoph Thales ist bekannt. [4587].2

Th 475
Ursprünge 8.6.18
(Kap. 6: Die heidnischen Philosophen) Die Theologen sind aber zugleich
auch die Naturphilosophen. Sie heißen aber Theologen, weil sie in ihren
Schriften über Gott sprachen. In ihren Untersuchungen gibt es mannigfal-
tige Ansichten hinsichtlich der Natur Gottes. Einige nämlich, wie der Stoi-
ker Dionysius, sagten, dass Gott diese dem körperlichen Sinn sichtbare Welt
aus den vier Elementen sei. Andere aber, wie Thales aus Milet, verstanden
Gott in spiritueller Weise als Geist.3

1 Josia (Joschija), 639 – 609 König des Reiches von Juda.


2 Vgl. bes. Th 306 sowie Annales Hildesheimenses I Iosias ann. 32 (4 ed. Waitz); Beda
Venerabilis, De temporibus liber 20 (ed. Jones); Lambert von Hersfeld, Annales (5.25
ed. Holder-Egger).
3 Vgl. Honorius Augustodunensis, De haresibus (ed. Migne PL 172.236A).
372 Theophylaktos Simokattes – Chronikon paschale

Theophylaktos Simokattes
Th 476
Historiae 7.17.9–10 (ed. de Boor)
Θαλῆς μὲν οὖν εἷς τῶν ἑπτὰ σοφῶν ὀνομαζόμενος φησὶ τοὺς ἐτησίας ἀντι-
πνέοντας ταῖς ἐκβολαῖς τοῦ ποταμοῦ κωλύειν εἰς τὴν θάλασσαν προ-
χεῖσθαι τὸ ῥεῖθρον, καὶ διὰ τοῦτο αὐτὸν πληρούμενον ἐπικλύζειν τα-
πεινὴν οὖσαν καὶ πεδιάδα τὴν Αἴγυπτον. [10] τοῦ δὲ λόγου τούτου καί-
περ εἶναι δοκοῦντος πιθανοῦ ῥᾴδιον ἐξελέγξαι τὸ ψεῦδος‧ εἰ γὰρ ἦν ἀληθὲς
τὸ λεγόμενον, ἅπαντες οἱ ποταμοὶ οἱ τοῖς ἐτησίαις ἐναντίας κεκτημένοι τὰς
ἐκβολὰς ἂν ἐποιοῦντο τὴν ὁμοίαν ἀνάβασιν.

Sim. (Nilschwelle) Th  13 (w.  s.); (Thales, einer der Sieben Weisen) Th  20
(w. s.)

Chronikon paschale
Th 477
Chronicon paschale 214.15–22 (ed. Dindorf)
ιʹ Ὀλυμπιάς. [...] εʹ. Τούτῳ τῷ ἔτει Θαλῆς ὁ Μιλήσιος φιλόσοφος ἐν Τε-
νέδῳ ἀπέθανεν.

Sim. (Datierung) Th 171 (w. s.)

Th 478
Chr. pasch. 268.9–11
νεʹ Ὀλυμπίας. ιϚʹ. Θαλῆς ὁ Ἐξαμύου Μιλήσιος πρῶτος φυσικὸς φιλόσο-
φος ἀπέθανεν ζήσας ἔτη Ϟαʹ.

Sim. (Datierung) Th 171 (w. s.); (erster Weiser/Philosoph) Th 29 (w. s.)


Theophylaktos Simokattes – Chronikon paschale 373

Theophylaktos Simokattes (tätig ca. 610–640 n. Chr.)


Th 476
Historien 7.17.9–10
Thales also, einer der Sieben Weisen, sagt, dass die Etesien, die der Mündung
des Flusses entgegenwehen, den Fluss daran hindern, sich ins Meer zu er-
gießen. Daher überschwemme er in seiner Fülle das niedrig liegende, flache
Ägypten (vgl. Th 82). Obwohl diese Argumentation überzeugend zu sein
scheint, lässt sich ihre Falschheit leicht aufzeigen (vgl. Th 13). Denn wenn
das Gesagte wahr wäre, dann würden alle Flüsse, die den Etesien entgegen-
liegende Mündungen besitzen, die gleiche Überschwemmung verursachen.

Chronikon paschale (zw. 631–641 n. Chr.)


Th 477
Osterchronik 214.15–22
Zehnte Olympiade [740–736] [...] Fünftes Jahr [der Herrschaft Hiskias’]. In
diesem Jahr starb Thales aus Milet, der Philosoph, auf Tenedos.

Th 478
Osterchronik 268.9–11
55. Olympiade [560–557]. 16. Jahr [der Herrschaft des Kyros]. Thales aus
Milet, der Sohn des Examyas, der erste Naturphilosoph, stirbt, nachdem er
91 Jahre gelebt hat.
374 Iohannes Antiochenos – Georgios Synkellos

Iohannes Antiochenos
Th 479
Fragmenta 24.4 (ed. Roberto)
Ἐκ τότε μετέπεσεν ἡ τῶν Ἀθηναίων βασιλεία εἰς ἀριστοκρατίαν, καὶ ἐγέ-
νετο πρῶτος Δράκων ὁ νομοθέτης, εἶτα Σόλων, μετὰ [τοῦτον] Θαλῆς, ἑξῆς
Αἰσχύλος καὶ ἕτεροι.

Sim. (Datierung) Th 171 (w. s.); (Politische Tätigkeit) Th 21 (w. s.)

Georgios Synkellos
Th 480
Ecloga chronographica 253.16–17 (ed. Mosshammer)
Θαλῆς Ἐξαμοίου Μιλήσιος φιλόσοφος εἷς τῶν ζʹ σοφῶν ἐγνωρίζετο, ὃς
λέγεται ζῆσαι ὑπὲρ τὰ ρʹ ἔτη.

Sim. (Datierung) Th  171 (w.  s.); (Thales, einer der Sieben Weisen) Th  20
(w. s.)

Th 481
Ecl. chron. 285.2–5
Πρῶτοι ὕπατοι Ῥωμαίων Κολατῖνος καὶ Βροῦττος. Σάμου τύραννοι Πο-
λυκράτης καὶ Συλοσῶν καὶ Παντόγνωστος ἀδελφοὶ γεγόνασι. Θαλῆς
θνήσκει.

Sim. (Datierung) Th 171 (w. s.)

Th 482
Ecl. chron. 286.13–22
Θαλῆς Μιλήσιος ἔκλειψιν ἡλίου σύμπασαν1 προεῖπεν. Ἴσθμια καὶ Πύθια
πρώτως ἤχθη μετὰ Μελικέρτην. Οἱ ζʹ σοφοὶ ὠνομάσθησαν. Ἀστυάγης
Λυδοὺς κατεπολέμει. Ἀναξίμανδρος Μιλήσιος φυσικὸς φιλόσοφος ἐγνωρί-

1 Lapini (1999, 115) schlägt συμβᾶσαν (eclissi [realmente] accaduta) vor.


Iohannes Antiochenos – Georgios Synkellos 375

Iohannes Antiochenos (Anf. 7. Jh. n. Chr.)


Th 479
Fragmente 24.4
Dann wechselte die Königsherrschaft der Athener zu einer Aristokratie.
Drakon wurde als Erster Gesetzgeber, dann Solon, danach Thales (vgl.
Th 454), in der Folge Aischylos und andere.

Georgios Synkellos (gest. kurz nach 810 n. Chr.)


Th 480
Weltchronik 253.16–17
Thales aus Milet, der Sohn des Examoios [Examyas], der Philosoph, einer
der Sieben Weisen, war anerkannt (vgl. Th 306). Er soll über 100 Jahre gelebt
haben (vgl. Th 171).

Th 481
Weltchronik 285.2–5
Die ersten Konsuln der Römer waren Collatinus und Brutus. Die Brüder
Polykrates, Syloson und Pantognostos waren Tyrannen auf Samos. Thales
stirbt (vgl. Th 308).

Th 482
Weltchronik 286.13–22
Thales von Milet sagte eine totale Sonnenfinsternis voraus. Die Isthmischen
und Pythischen Spiele wurden zum ersten Mal nach Melikertes durchge-
führt. Die Sieben Weisen wurden benannt. Astyages führte Krieg gegen die
Lyder. Anaximander von Milet, der Naturphilosoph, war bekannt. Abaris
kam von Skythien nach Griechenland. Zu dieser Zeit sollen die Sieben Wei-
sen geblüht haben. Ihre Namen sind: Solon aus Athen, Thales von Milet [...].
‫‪376‬‬ ‫‪Georgios Synkellos – Pseudo-Ammonios‬‬

‫‪ζετο. Ἄβαρις ἦλθεν ἐκ τῆς Σκυθίας εἰς Ἑλλάδα. Κατὰ τούτους τοὺς χρόνους‬‬
‫‪τοὺς παρ᾽ Ἕλλησιν ζʹ φιλοσόφους ἀκμάσαι λόγος, ὧν τὰ ὀνόματα Σόλων‬‬
‫‪Ἀθηναῖος, Θαλῆς Μιλήσιος, Πιττακὸς Λέσβιος, Χείλων Λακεδαιμόνιος,‬‬
‫‪Βίας Πριηνεύς, Ἀνάχαρσις ὁ Σκύθης ἀγράμματος, Κλεόβουλος Λίνδιος.‬‬

‫‪Sim. (Datierung) Th 171 (w. s.); (Sonnenfinsternis) Th 10 (w. s.); (Thales,‬‬


‫)‪einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.‬‬

‫‪Pseudo-Ammonios‬‬

‫‪Th 483‬‬
‫)‪Kitāb Amūniyūs fī ārāi l-falāsifa 2.1–12 (34.3–35.4 ed. Rudolph‬‬

‫اﳌﺒﺪع ﰷن وﻻ ﳾء َ‬
‫ﻣﺒﺪع وأﺑﺪع اذلي‬ ‫ﻗﺎل اثﻟﻴﺲ إنّ اﻟﻘﻮل اذلي ﻻ ﻣﺮ ّد هل ﻫﻮ أنّ ِ‬
‫أﺑﺪع وﻻ ﺻﻮرة هل ﻋﻨﺪﻩ ﰲ اذلات ﻷنّ ﻗﺒﻞ اﻹﺑﺪاع إﻧّـﲈ ﻫﻮ ﻓﻘﻂ واﻟﺼﻔﺎت ّﳇﻬﺎ ﰲ‬
‫ﻫﻮ ﻫﻮ وإذا ﰷن إﻧّـﲈ ﻫﻮ ﻓﻘﻂ ﻓﻠﻴﺲ ﯾﻘﺎل ﺣﻴﻨﺌﺬ هجﺔ وهجﺔ ﺑﻞ ﻫﻮ وﻛﻴﻒ ﻫﻮ وﲟﺎ ﻫﻮ‬
‫وﻋﲆ ﻣﺎ ﻫﻮ داﺧﻞ ﰲ ﻫﻮ ﻫﻮ واﻹﺑﺪاع إﻧّـﲈ ﻫﻮ ﺗﺄﯾﻴﺲ ﳾء ﳑّﺎ ﱂ ﻳﻜﻦ وﺗﺄﯾﻴﺲ اﻟﴚء‬
‫إذا أﻳّﺲ ﻟﻴﺲ ﻳﻜﻮن ﺣﻴﻨﺌﺬ ﳓﻮ ذات اﳌﺆﻳِّﺲ ﺑﻞ ﳓﻮ ﻣﺎ ﻫﻮ ﺧﺎرج ﻣﻨﻪ ﻓﻼ ﳏﺎةل أﻧّﻪ‬
‫ﱂ ﻳﻜﻦ ذلكل اﳌﺆﻳَّﺲ ﺻﻮرة اﻟﺒ ّﺘﺔ ّ‬
‫وإﻻ ﻓﻠﻴﺲ ﻫﻮ ﲟﺆﻳِّﺲ ﻓﺈذا ﰷن ﻫﻮ ﻣﺆﻳِّﺲ اﻷﺷـﻴﺎء‬
‫ﻓﺎﻟﺘﺄﯾﻴﺲ ﻻ ﻣﻦ ﳾء ﻣﺘﻘﺎدم وﻻ ﳾء إﻧّـﲈ ﻫﻮ ﻣﺆﻳَّﺲ ﻓﺈذا ﰷن ﻛﺬكل ﳁﺆﻳِّﺲ اﻷﺷـﻴﺎء‬
‫وإﻻ ﻓﻘﺪ ﻟﺰﻣﻪ إن ﰷﻧﺖ اﻟﺼﻮرة‬‫ﻻ ﳛﺘﺎج إﱃ أن ﻳﻜﻮن ﻋﻨﺪﻩ ﺻﻮرة اﻟﴚء ﺑﺄﻳﺴ ّﻴﺘﻪ ّ‬
‫ﻋﻨﺪﻩ أن ﻳﻜﻮن ً‬
‫ﻣﻘﺎران ﻟﻠﺼﻮرة اﻟﱵ ﻋﻨﺪﻩ ﻷنّ ﻣﻦ ﰷﻧﺖ اﻟﺼﻮرة ﻋﻨﺪﻩ ﻗﺎﲚﺔ ﻣﻨﻔﺼةل‬
Georgios Synkellos – Pseudo-Ammonios 377

Pseudo-Ammonios (vermutlich Mitte 9. Jh. n. Chr.)


In der arabisch vorliegenden Doxographie, die dem alexandrinischen Phi-
losophen Ammonios Hermeiou zugeschrieben, aber nach dem vorsichtigen
Urteil von U. Rudolph um die Mitte des neunten Jahrhunderts arabisch
verfasst wurde, werden die Lehren von Vorsokratikern mit sehr wenigen aus
Hippolytos übernommenen Versatzstücken im Geiste eines neuplatonisch
gefärbten Kreationismus und Monotheismus rekonstruiert.

Th 483
Die Ansichten der Philosophen 2.1–12
Thales vertrat die Ansicht: Die Feststellung, die unbestreitbar ist, lautet, dass
[ursprünglich] der Schöpfer existierte, aber nichts Geschaffenes. Er schuf,
was Er erschuf, ohne dass eine Form davon bei Ihm selbst bestanden hätte.
Denn vor der Schöpfung war nur Er, und alle Eigenschaften waren in [der
Aussage] „Er ist Er“ [enthalten]. Wenn nur Er existiert, kann man folglich
nicht jeweils einen Aspekt [an Ihm] benennen, sondern „Er“, „wie Er ist“,
„wodurch Er ist“ und „in welcher Weise Er ist“ fallen unter [die Aussage]
„Er ist Er“. „Erschaffen“ aber heißt etwas aus dem Nichtseienden zum Sein
bringen. Wenn nun etwas zum Sein gebracht wird, richtet sich dieser Akt
nicht auf den In-Existenz-Bringenden selbst, sondern auf das, was von Ihm
ausgeht. Jenes aber, dem die Existenz verliehen wird, kann keinerlei [ewige]
Form besitzen – sonst wäre Er kein Existenzverleihender. Denn wenn Er
es ist, der den Dingen Existenz gibt, vollzieht sich dieser Akt weder aus
etwas, das [schon] vorher bestand, noch aus etwas, dem nur Existenz ver-
liehen wurde. Und wenn dem so ist, hat der, der die Dinge ins Sein ruft, es
nicht nötig, eine Form davon bei sich in Seinem Sein zu haben. Andernfalls
nämlich, wenn die Form bei Ihm bestand, war Er notwendigerweise [von
Anfang an] zugleich mit ihr; denn wer eine Form bei sich hat, die selbst-
‫‪378‬‬ ‫‪Pseudo-Ammonios‬‬

‫اﳌﺒﺪع اﻷ ّول إذا ﺑﻠﻎ ﻣﺎ ﻻ ﻏﺎﯾﺔ ﺑﻌﺪﻩ ﻓﺈﻧّﻪ ﻻ ﯾﻠﺰﻣﻪ‬


‫ﻓﻼ ﳏﺎةل أﻧّﻪ ﻣﻘﺎرن ﻟﺘكل اﻟﺼﻮرة و ِ‬
‫ﻣﺒﺪﻋًﺎ‬
‫ﻣﺒﺪﻋًﺎ وﻟﻮ ﰷﻧﺖ اﻟﺼﻮرة ﻋﻨﺪﻩ ﱂ ﻳﻜﻦ ِ‬ ‫أن ﺗﻜﻮن اﻟﺼﻮرة ﻋﻨﺪﻩ ّ‬
‫وإﻻ ﻓﻠﻴﺲ ﻫﻮ ِ‬

‫‪Th 484‬‬
‫)‪Kitāb Amūniyūs fī ārāi l-falāsifa 5.5 (42.16 f.‬‬

‫وأﻣّﺎ اذلﻳﻦ ذﻛﺮوا أنّ اﻟﺒﺎرئ ّ‬


‫ﺟﻞ وﻋﻼ ﺳﺎﻛﻦ ﻏﲑ ﻣﺘﺤ ّﺮك ﻓﺜﺎﻟﻴﺲ وﻓﻠﻮﻃﺮﺧﺲ‬
‫†واﯾﻮﻗﻴﻮس† †واﺳﻘﺎﻟﻴﺲ† وأﻧﺒﺎدﻗﻠﻴﺲ‬

‫‪Th 485‬‬
‫)‪Kitāb Amūniyūs fī ārāi l-falāsifa 13.1–28 (48.17–50.12‬‬

‫اﳌﻠﻴﴘ أﺣﺪ اﻟﻨﻔﺮ اﻟﺴـﺒﻌﺔ اذلﻳﻦ ﰷﻧﻮا ﯾ ّﺪﻋﻮن أﺳﺎﻃﲔ اﳊﳬﺔ ﰲ‬‫ّ‬ ‫وﰷن رأي اثﻟﻴﺲ‬
‫ﻟﲁ ﺻﻮرة وﻣﻨﻪ ُأﺑﺪع ﺳﺎﺋﺮ اﳉﻮاﻫﺮ‬ ‫اﳌﺒﺪع اﻷ ّول أﻧّﻪ اﳌﺎء وﻫﻮ اﻟﻌﻨﴫ اﻷ ّول اﻟﻘﺎﺑﻞ ّ‬
‫َ‬
‫ﻣﺒﺪع ﻻ أﻧّﻪ ّﻋةل ّ‬
‫ﰻ ﻣﻜ َّﻮن ﺑﻞ أ ّول وﻏﺎﯾﺔ‬ ‫ﰻ َ‬ ‫ّﳇﻬﺎ ﻣﻦ اﻟﺴﲈء وﻣﺎ دوﳖﺎ وﻫﻮ ﻏﺎﯾﺔ ّ‬
‫ﻣﺒﺪع واﺣﺘﺞّ ﻋﲆ ذكل ﺑﺄن ﻗﺎل إنّ اﻟﺰﻻزل واﻟﺮﱖ واﻟﻬﻮاء وﺣﺮﻛﳤﺎ اخملﺘﻠﻔﺔ ﻣﻦ‬ ‫ﰻ َ‬ ‫ّ‬
‫اﳌﺎء وذﻛﺮ أﻧّﻪ ﻣﻦ ﲨﺪ اﳌﺎء ﺗﻜ ّﻮﻧﺖ اﻷرض وﻣﻦ اﳓﻼهل ﺗﻜ ّﻮن اﻟﻬﻮاء وﻣﻦ ﲨﻊ اﻟﻬﻮاء‬
‫ﺗﻜ ّﻮﻧﺖ اﻟﻨﺎر واﳌﺎء ذﻛﺮ واﻷرض أﻧﱺ وﻫﲈ ﻳﻜﻮانن ﺳﻔﻼ واانر ذﻛﺮ واﻟﻬﻮاء أﻧﱺ وﻫﲈ‬
‫ﻳﻜﻮانن ﻋﻠ ًّﻮا وﰷن ﯾﻘﻮل إنّ ﻫﺬا اﻟﻌﻨﴫ اذلي ﻫﻮ أ ّول وآﺧﺮ إﻧّـﲈ ﻫﻮ ﻋﻨﴫ اﳉﺴﲈﻧ ّﻴﺔ‬
‫واﳉﺮﻣ ّﻴﺔ ﻻ أﻧّﻪ ﻋﻨﴫ اﻟﺮوﺣﺎﻧ ّﻴﺔ اﻟﺒﺴـﻴﻄﺔ ﻓﻬﺬا اﻟﻌﻨﴫ هل ﺻﻔﻮ وهل ﻛﺪر ﳁﺎ ﰷن ﻣﻦ‬
‫ﺻﻔﻮﻩ ﻓﺈﻧّﻪ ﻳﻜﻮن ﺟﺴﻤًﺎ وﻣﺎ ﰷن ﻣﻦ ﺛﻔهل ﻓﺈﻧّﻪ ﯾﺼﲑ ﺟﺮﻣًﺎ ﻓﺎﳉﺮم ﯾﺪﺛﺮ واﳉﺴﻢ ﻻ‬
‫وﰻ ﺟﺮم ﻣﻦ ﻫﺬﻩ اﻷﺟﺮام اﻟﻈﺎﻫﺮة ﻓﺈﻧّﻪ ﺟﺴﻢ ﻏﲑ ﻣﻠﻤﻮس وﻫﻮ ﰲ اﻟﻨﺸﺄة‬ ‫ﯾﺪﺛﺮ ّ‬
‫اس اﶆﺲ اﻟﺒﺎﻃﻨﺔ وﰷن‬ ‫ﲝﺲ اﻟﺒﴫ وابﳊﻮ ّ‬ ‫اﻟﺜﺎﻧﻴﺔ ﯾﻈﻬﺮ وﻳﻜﻮن ﰷﳉﺮم اﻟﻈﺎﻫﺮ ﯾﺪرك ّ‬
‫ﻣﺒﺪﻋﺔ ﻻ ﯾﻘﺪر اﳌﻨﻄﻖ أن ﯾﺼﻒ ﺗكل اﻷﻧﻮار‬ ‫أﯾﻀﺎ إنّ ﻣﻦ ﻓﻮق اﻟﺴﲈء ﻋﻮاﱂ َ‬ ‫ﯾﻘﻮل ً‬
Pseudo-Ammonios 379

ständig ist und getrennt [von ihm], der muss zugleich mit jener Form beste-
hen. Wenn der Erste Schöpfer aber die äußerste Vollendung besitzt, bedarf
Er bei sich keiner Form; sonst ist Er nicht [wahrhaft] Schöpfer. Wäre die
Form [nämlich] bei Ihm, so wäre er nicht [wahrhaft] Schöpfer.1

Th 484
Die Ansichten der Philosophen 5.5
Diejenigen, die meinten, der Schöpfer – Er ist erhaben und hoch – sei ru-
hend und unbewegt, waren Thales, Plutarch, ᾽YWQYWS, ᾽SQ᾽LYS2 und
Empedokles. [Übersetzung S. 85.]

Th 485
Die Ansichten der Philosophen 13.1–28
Hinsichtlich des ersten Geschaffenen lautete die Ansicht des Thales von
Milet, eines der Sieben, welche „die Säulen der Weisheit“ genannt wurden,
dass es das Wasser sei. [Er lehrte:] Es ist die erste Materie, die alle Formen
aufnimmt. Aus ihm wurden alle übrigen Substanzen geschaffen, als da sind
der Himmel und was unter ihm ist. Es ist der Endpunkt alles Geschaffenen;
nicht Ursache alles Gewordenen, sondern Ausgangs- und Endpunkt alles
Geschaffenen. Als Argument dafür nannte er, dass die Erdbeben, der Wind,
die Luft und ihre verschiedenartige Bewegung vom Wasser herrührten.
[Ferner] äußerte er: Aus dem Gefrieren des Wassers entsteht die Erde, aus
seiner Auflösung die Luft; aus der Vereinigung der Luft aber entsteht das
Feuer. Das Wasser ist männlich, die Erde weiblich; beide befinden sich un-
ten. Das Feuer ist männlich und die Luft weiblich; und beide befinden sich
in der Höhe. [Des Weiteren] lehrte er: Diese Materie, die Anfang und Ende
bildet, ist nur die Materie der feinkörperlichen und körperlichen Dinge,
nicht aber der einfachen geistigen. Und diese Materie besitzt sowohl Rein-
heit als auch Trübe. Ihr reiner Teil wird zum Feinkörper; was aber zu ihrem
Bodensatz zählt, wird zum Körper.3 Der Körper ist vergänglich, der Fein-
körper hingegen nicht. Nun ist aber jeder von diesen sichtbaren Körpern

1 Übersetzung: Rudolph 1989, 80 f. Vgl. auch seine eingehende Kommentierung.


2 Die transliterierten Namen sind nicht zu identifizieren.
3 Zu dem hier auftauchenden Konzept von zweierlei Körpern, das im Arabischen
durch eine Differenzierung zweier gleichbedeutender Synonyme ausgedrückt wird
(ğirm von Rudolph mit „Körper“ übersetzt, ğism mit „Feinkörper“), s. Jolivet 1987–
8, 28–48 (ND 1995, 90–110).
‫‪380‬‬ ‫‪Pseudo-Ammonios‬‬

‫ﻣﺒﺪﻋﺔ ﻣﻦ ﻋﻨﴫ ﻻ‬ ‫وﻻ ﯾﻘﺪر اﻟﻌﻘﻞ أن ﯾﻘﻒ ﻋﲆ إدراك ذكل اﳊﺴﻦ واﻟﳢﺎء وﱔ َ‬
‫ﯾﺪ ِرك اﻟﻌﻘﻞ ﻧﻮرﻩ وﻏﻮرﻩ واﳌﻨﻄﻖ واﻟﻨﻔﺲ واﻟﻄﺒﻴﻌﺔ ﲢﺘﻪ وﻫﻮ ادلﻫﺮ اﶈﺾ ﻣﻦ ﳓﻮ‬
‫آﺧﺮﻩ ﻻ ﻣﻦ ﳓﻮ ﺑﺪﺋﻪ وإﻟﻴﻪ ﺗﺸـﺘﺎق اﻟﻌﻘﻮل واﻷﻧﻔﺲ ﺷ ّﺪة اﻟﺸﻮق وﻫﻮ اذلي ّﲰﻴﻨﺎﻩ‬
‫ﻣﺒﺪﻋًﺎ ﻻ ُﺗﺪرَك ﺻﻔﺘﻪ‬
‫ادلﳝﻮﻣﺔ واﻟﺒﻘﺎء ﰲ ﺣ ّﺪ اﻟﻨﺸﺄة اﻟﺜﺎﻧﻴﺔ وﰷن ﯾﺬﻛﺮ أنّ ﻟﻬﺬا اﻟﻌﻨﴫ ِ‬
‫وﻻ ﺗﺪ ِرﻛﻪ اﻟﻌﻘﻮل ّإﻻ ﻣﻦ هجﺔ آاثرﻩ ﻓﺄﻣّﺎ ﻣﻦ هجﺔ ﺟﻮﻫﺮﯾّﺔ ﻫﻮﯾّﺘﻪ ﻓﻐﲑ ﻣﺪرَك ﻣﻦ هجﺔ‬
‫ﻓﻀﻼ ﻋﻦ ﺟﻮﻫﺮﻩ ّإﻻ ﻣﻦ ﳓﻮ ﻣﺎ ُﻋ ِﲏ وإﺑﺪاﻋﻪ‬‫ﻣﻦ اﳉﻬﺎت وﻫﻮ اذلي ﻻ ﯾﻌﺮف اﲰﻪ ً‬
‫وﺗﻜﻮﯾﻨﻪ اﻷﺷـﻴﺎء ﻓﻠﺴـﻨﺎ ﻧﺪرك هل ا ًﲰﺎ ﻣﻦ ﳓﻮ ذاﺗﻪ ﺑﻞ ﻣﻦ ﳓﻮ ذاﺗﻨﺎ وﰷن ﯾﻘﻮل إنّ‬
‫اﳋﺎﻟﻖ ﻫﺬﻩ اﻟﻌﻮ َاﱂ ﻟﻴﺲ ﲝﺎﺟﺔ ﺑﻪ إﻟﳱﺎ ﺑﻞ ﻓﻀﻴةل ﻣﻨﻪ وﻟﻮﻻ ﻇﻬﻮر ﻓﺎﻋﻞ اﻟﻔﻀﻴةل‬
‫إﺑﺪاع ِ‬
‫ﳌﺎ ﻇﻬﺮت اﻟﻔﻀﻴةل وﻟﻮﱂ ﺗﻈﻬﺮ اﻟﻔﻀﻴةل ﻋﻦ أﻓﺎﻋﻴﻠﻬﺎ ﻗﺪ ﰷﻧﺖ ﻓﻀﻴﻠﺘﻪ ﳓﻮ ذاﺗﻪ ﻓﻘﻂ‬
‫‪Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w.s.); (Prinzip Wasser) Th 29‬‬
‫)‪(w. s.); (Aggregatzustände) Th 94 (w. s.); (Erdbeben) Th 99 (w. s.); (Winde‬‬
‫)‪Th 178 (w. s.); (Gott [als Geist des Kosmos]) Th 72 (w. s.‬‬

‫‪Th 486‬‬
‫)‪Kitāb Amūniyūs fī ārāi l-falāsifa 24.29 (74.8 f.‬‬

‫وأﻣّﺎ اﻷ ّوﻟﻮن ﻣﺜﻞ اثﻟﻴﺲ وأﻧﺒﺎدﻗﻠﻴﺲ ﻓﺈﳖّ ﻢ ﻗﺎﻟﻮا ﺑﺄنّ اﻹرادة اﻷوﱃ أﻋﲏ إرادة ِ‬
‫اﳌﺒﺪع‬
‫اﳌﺒﺪع ﱔ َ‬
‫اﳌﺒﺪع‬ ‫اﳌﺒﺪع وﱔ ﻣﻦ هجﺔ َ‬ ‫اﳌﺒﺪع ﱔ ِ‬ ‫ﱔ ﻣﻦ هجﺔ ِ‬
Pseudo-Ammonios 381

[zugleich] ein Feinkörper, der nicht fühlbar ist. Er [d. h. der Körper] wird
bei der zweiten Schöpfung sichtbar werden und [dann] gleich dem sicht-
baren Körper mit dem Gesichtssinn und den fünf inneren Sinnen erfass-
bar sein. Er lehrte ebenfalls: Oberhalb des Himmels existieren [weitere]
geschaffene Welten. [Doch] ist weder die Logik in der Lage, jene Lichter zu
beschreiben, noch der Intellekt imstande, zur Erkenntnis jener Schönheit
und Pracht zu gelangen. Sie sind (nämlich) aus einer Materie geschaffen, de-
ren Licht und Tiefe der Intellekt nicht erkennen [kann]. Die Logik, die Seele
und die Natur stehen unter ihr [d. h. der Materie]. Sie ist die reine Ewigkeit
hinsichtlich ihres Endes, nicht jedoch, was ihren Anfang betrifft. Nach ihr
verspüren die Intellekte und Seelen ein heftiges Verlangen. Und sie ist es, die
wir als „Fortdauer“ und „Fortbestehen“ im Bereich der zweiten Schöpfung
[wörtlich: Entstehung] bezeichnen. [Ferner] äußerte er: Diese Materie hat
einen Schöpfer, dessen Beschaffenheit nicht zu erfassen ist. Die Intellekte
erkennen Ihn lediglich aus Seinen Werken; von Seinem eigentlichen Wesen
her aber ist Er in jeglicher Hinsicht unerkennbar. Er ist der, dessen Namen
man nicht kennt, geschweige denn Sein Wesen, es sei denn infolge Seiner
[göttlichen] Vorsehung und dadurch, dass Er die Dinge geschaffen und her-
vorgebracht hat. Und so erkennen wir nicht aus Ihm selbst, sondern aus
uns selbst einen Namen von Ihm. [Außerdem] erklärte er: Dass der Schöp-
fer diese Welten erschaffen hat, geschah nicht, weil Er ihrer bedurft hätte,
sondern aus Vorzüglichkeit von Ihm. Wäre der, welcher die Vorzüglichkeit
bewirkt, nicht in Erscheinung getreten, so wäre [auch] die Vorzüglichkeit
nicht sichtbar geworden. Und wäre die Vorzüglichkeit nicht an Seinen Wer-
ken sichtbar geworden, so wäre sie nur auf Ihn selbst gerichtet geblieben.1

Th 486
Die Ansichten der Philosophen 24.29
Die Alten aber, wie z. B. Thales und Empedokles, vertraten die Ansicht,
dass der erste Wille, d. h. der Wille des Erschaffers, insofern er erschaffend,
der Erschaffende und, insofern er geschaffen, das Geschaffene sei. [Über-
setzung S. 108.]

1 Übersetzung S. 89 f.
‫‪382‬‬ ‫‪Ḥunain ibn Isḥāq‬‬

‫‪Ḥunain ibn Isḥāq‬‬

‫‪Th 487‬‬
‫)‪Fī l-maulūdi li-sabati ašhur 337.69–71 (ed. Walzer‬‬

‫وﻗﺪ ﰷن ﲨﻴﻊ اﻟﻨﺎس اذلﻳﻦ ﰷﻧﻮا ﻋﲆ ﻋﻬﺪ أﺑﻘﺮاط ّ‬


‫اﻟﺸﺎذ ﻣﳯﻢ ﻋﻠﻤﻮا أﻧّﻪ ﯾﻨﺒﻐﻲ أن‬
‫ﯾﻀﺎف إﱃ ّأايم اﻟﺴـﻨﺔ وﱔ ﺛﻠامثﺋﺔ ﯾﻮم وﲬﺴﺔ وﺳـ ّﺘﻮن ﯾﻮﻣﺎ رﺑﻊ ﯾﻮم ﻓﻘﺪ ﰷن ﺑﻠﻎ‬
‫‪1‬‬

‫ﻣﻦ ﻣﻌﺮﻓﺔ اثﻟﻴﺲ اذلي ﻣﻦ أﻫﻞ ﻣﻴﻠﺲ أن ﺗﻘ ّﺪم ﻓﺄﻧﺬر ﺑﻜﺴﻮف ﰷن ﰲ ﻧﻮايح‬
‫أﻟﺴﻔﻨﻄﺲ ﻋﲆ ﻋﻬﺪ ﻛﴪﻛﺴﺲ اﳌكل‬
‫‪2‬‬

‫)‪Sim. (Sonnenfinsternis) Th 10 (w. s.‬‬

‫‪1‬‬ ‫‪ Hs.: corr Walzer‬ورﺑﻊ ] رﺑﻊ‬


‫‪2‬‬ ‫‪ Hs.: correxi‬اﻟﺴﻔﻴﻄﺲ ] أﻟﺴﻔﻨﻄﺲ‬
Ḥunain ibn Isḥāq 383

Ḥunain ibn Isḥāq (809–873 n. Chr.)


Der viel beschäftigte Übersetzer1 überließ die Herstellung einer arabischen
Version vielfach seinen Schülern, die nach seiner syrischen Vorlage arbeite-
ten, die er zuvor für einen syrischen Kollegen angefertigt hatte. Die heute
nur noch arabisch vorliegende Version von Galens Über die Siebenmonats-
kinder stammt jedoch vom Meister selbst.2

Th 487
Über die Siebenmonatskinder 337.69–71
Und von allen Menschen, welche in der Zeit des Hippokrates lebten, wuss-
ten nur die wenigsten, dass man zu den Tagen des Jahres – es sind 365 Tage
– ein Viertel eines Tages hinzufügen müsse. Es war aber die Kenntnis des
Thales von Milet3 so weit fortgeschritten, dass er vor einer Finsternis im
Voraus warnte, welche in der Gegend des Hellespont4 zur Zeit des Königs
Xerxes5 stattfand.6

Von den Zeugnissen, die im griechischen Galen erhalten sind, finden sich
ebenfalls arabische Parallelen aus der Ḥunainschule, so von De elementis ex
Hippocratis sententia.7 Von der arabischen Version von De natura hominis
(Th 182, Th 183 u. Th 184) gibt es noch keine Edition.8

1 Über ihn s. o. in der Einleitung S. 10.


2 Vgl. Bergsträßer 1925, Nr. 63.
3 MYLS ist paläographisch leicht zu Mīlitus zu korrigieren, was genau mit Μίλητος
übereinstimmt.
4 LSFYṬS ist, abgesehen von der falschen Punktierung des Y, eine so genaue Tran-
skription von Ἑλλήσποντος, wie dies in der arabischen Schrift überhaupt möglich
ist. Walzer hat hier mit Rücksicht auf Herodot (Th 10 (1.74)) „Halysfluss“ über-
setzt, es kann aber kein Zweifel sein, dass der Übersetzer an den Hellespont gedacht
hat, falls es nicht schon Galen war, dem es nur auf eine ungefähre Ortsbestimmung
ankam. Außerdem ist nicht sicher, dass die Gegend des Halys, die Herodot (Th 11
(1.75)) erwähnt, mit dem Ort identisch ist, an dem eine Schlacht wegen der Sonnen-
finsternis abgebrochen wurde (so Weissbach, RE XI.2, Sp. 2249).
5 Die Ersetzung des Königs Kyaxares durch den bekannteren Xerxes (KSRKSS) geht
in diesem Fall sicher auf das Konto des Übersetzers oder eines Abschreibers.
6 Übersetzung Walzer 1935, 346.102–105. Der Text wurde übernommen in DK I 486,
12–20, vgl. Th 91 u. Sim.
7 Kitāb Ğālīnūs fī l-usṭuqussāt, hrsg. v. M. Salīm Sālim 1986.53.18–55, 6 (= Th 179) u.
104, 13 f. (= Th 180); vgl. 1996, 20–5.
8 Ullmann 1970, 51; Sezgin 1970, 37 f.
384 Qusṭā ibn Lūqā

Qusṭā ibn Lūqā

Th 488
Placita Philosophorum (Kitāb Fulūṭarḫus fī l-ārāi ṭ-ṭabīīya allatī taqūlu
bihā l-ḥukamā) 1.18.1 (ed. Daiber)

‫إنّ اﻟﻄﺒﻴﻌ ّﻴﲔ ﲨﻴﻌﺎ أﺻﺤﺎب اثﻟﻴﺲ إﱃ أﻓﻼﻃﻮن ﰷﻧﻮا ﯾﻌﺘﻘﺪون ابﳋﻼء‬

Th 489
Plac. phil. 2.24.1

‫إنّ اثﻟﻴﺲ أ ّول ﻣﻦ ﻗﺎل أنّ اﻟﺸﻤﺲ ﺗﻨﻜﺴﻒ ﲟﺴﲑ اﻟﻘﻤﺮ ﲢﳤﺎ إذ ﰷن اﻟﻘﻤﺮ ﰲ‬
‫ﻃﺒﻴﻌﺘﻪ أرﺿ ّﻴﺎ ﻓﻴﺴﱰ ﻣﺎ ﻓﻮﻗﻪ ﻛﲈ ﻳﺴﱰ اﳉﺎم‬
Sim. (Sonnenfinsternis) Th 10 (w. s.); (Beschaffenheit der Sonne/ des Mon-
des) Th 158 (w. s.)
Qusṭā ibn Lūqā 385

Qusṭā ibn Lūqā (gest. um 912 n. Chr.)


Der vielseitige und originelle Autor und Übersetzer war ein aus dem syri-
schen Baalbek gebürtiger und in Bagdad tätiger orthodoxer Grieche, wo er
auch wegen seines guten arabischen Stils geschätzt wurde; er nahm gegen
Ende seines Lebens eine Berufung an den armenischen Königshof an.1 Seine
Übersetzung der Placita philosophorum, die auch in der arabischen Über-
lieferung Plutarch zugeschrieben sind, weist in den Einträgen zu Thales fol-
gende für den Sinn relevante Abweichungen auf.

Th 488
Philosophische Lehrmeinungen 1.18.1
Die Naturforscher insgesamt von den Anhängern des Thales bis Platon
waren fest von [der Existenz] des leeren Raumes überzeugt (vgl. dagegen
Th 153, Th 350).2

Th 489
Philosophische Lehrmeinungen 2.24.1
Thales war der Erste, welcher sagte, dass die Sonne durch den Gang des
Mondes unter ihr verfinstert wird, da der Mond von Natur aus Erde be-
steht. Daher verhüllt er, was über ihm ist, wie die Schale verhüllt.3

1 Harvey 1970, 244–6.


2 Übersetzung Daiber 1980, 128 f. Qusṭā las nach Daibers Vermutung vermutlich ἐπέ-
γνωσαν statt ἀπέγνωσαν, oder Qusṭā hat es so konjiziert.
3 Der letzte Satz steht anstelle von βλέπεσθαι δὲ τοῦτο κατοπτρικῶς ὑποτιθεµένῳ
τῷ δίσκῳ (“Man beobachtet das im Spiegelbild, indem man die [mit einer Flüssigkeit
gefüllte] Schale unten hinlegt.“), vgl. dazu die Interpretation von Diels 1929, 53. Nun
würde zwar ğam (Becher, Glas, Trinkgefäß, Schale) dem δίσκος entsprechen und
man musste annehmen, dass dem Übersetzer der Sinn des griechischen Satzes unklar
war und er hilflos reagiert hat. Mit einer paläographisch plausiblen Korrektur von
ğam zu ġamām wird aber das Arabische verständlich: „wie die Wolken verhüllen“.
Das Griechische wäre dann eher als ein sekundärer Zusatz zu verstehen, der eine
Anweisung gibt, wie man bei diesen Beobachtungen die Augen schont.
386 Qusṭā ibn Lūqā – Symeon Logothetes

Th 490
Plac. phil. 3.10.1

‫أﻣّﺎ اثﻟﻴﺲ واﻟﺮواﻗ ّﻴﻮن ﻓﺈﳖّ ﻢ أﺧﺬوا ﻋﻨﻪ أنّ اﻷرض ﻛﺮﯾّﺔ‬
Sim. (kugelförmige Erde) Th 161 (w. s.)

Th 491
Plac. phil. 4.1.1

‫اثﻟﻴﺲ ﻳﺮى أنّ اﻟﺮايح اﻟﺸـﺘﻮﯾّﻪ إذا ﻫ ّﺒﺖ ﲟﴫ ﻣﻦ أﻣﺎهمﺎ ﺗﺰﯾﺪ ﰲ ﻋﻈﻢ اﻟﻨﻴﻞ‬
ّ ‫وﺳـﻴﻼﻧﻪ واﻧﺘﻔﺎﺧﻪ ﲟﺎ‬
‫ﯾﻨﺼﺐ إﻟﻴﻪ ﻣﻦ اﻟﻠﺞّ اذلي ﳜﺮﻗﻪ‬
Sim. (Nilschwelle) Th 13 (w. s.)

Symeon Logothetes
Th 492
Chronicon 42.12.52–53 (ed. Wahlgren)
Κατὰ τούτους τοὺς χρόνους Θαλῆς Μιλήσιος ἐν Τενέδῳ ἀπέθανε καὶ Σί-
βυλλα Ἐρυθραία ἐγνωρίζετο.

Sim. (Datierung) Th 171 (w. s.)


Qusṭā ibn Lūqā – Symeon Logothetes 387

Th 490
Philosophische Lehrmeinungen 3.10.1
Thales und die Stoiker übernahmen von ihm, dass die Erde kugelförmig ist.1

Th 491
Philosophische Lehrmeinungen 4.1.1
Thales meint, dass die winterlichen Winde,2 wenn sie in Ägypten von vorn
wehen, das Volumen, die Strömung und das Anschwellen des Nils wegen
dessen vermehren, was sich zu ihm von der Höhe des Meeres her ergießt
und was in ihn eindringt [vgl. Th 164].

Symeon Logothetes (10. Jh. n. Chr.)


Th 492
Chronikon 42.12.52–53
In diesen Zeiten [der Herrschaft des Königs Hiskias] starb Thales von Milet
auf Tenedos (vgl. Th 477, vgl. AG II 263.31–2). Die Sibylle von Erythrai
war bekannt.

1 Anstelle des im Griechischen weggelassenen Verbs hat das Arabische aḫadū anhu
(„übernahmen von ihm“), was sich auf den zuvor genannten Metrodoros beziehen
würde.
2 So irrig für die im Sommer wehenden Etesien.
388 Suda

Suda
Th 493
Lexicon alpha 425.65–68 (ed. Adler)
(Ἀδάμ). Ἐντεῦθεν Ὀρφεύς τε καὶ Ὅμηρος καὶ ὁ τῶν ἀθεμίτων γονῶν
ζῳγράφος Ἡσίοδος. ἐντεῦθεν ἡ Θάλητος δόξα καὶ ὁ κλεινὸς Πυθαγόρας
καὶ ὁ σοφὸς Σωκράτης καὶ Πλάτων, τὸ τῆς Ἀθηναίων Ἀκαδημίας πο-
λυθρύλητον σεμνολόγημα.

Th 494
Lexicon alpha 986.1–2
Ἀναξίμανδρος, Πραξιάδου, Μιλήσιος, φιλόσοφος, συγγενὴς καὶ μαθητὴς
καὶ διάδοχος Θάλητος.

Th 495
Lexicon theta 17.1–18.3 (ed. Adler)
Θαλῆς, Ἐξαμύου καὶ Κλεοβουλίνης, Μιλήσιος, ὡς δὲ Ἡρόδοτος Φοῖνιξ
(Th  12)‧ γεγονὼς πρὸ Κροίσου, ἐπὶ τῆς λεʹ ὀλυμπιάδος, κατὰ δὲ Φλέ-
γοντα γνωριζόμενος ἤδη ἐπὶ τῆς ζʹ (Th  166). ἔγραψε περὶ μετεώρων ἐν
ἔπεσι, Περὶ ἰσημερίας, καὶ ἄλλα πολλά. ἐτελεύτησε δὲ γηραιός, θεώμενος
γυμνικὸν ἀγῶνα, πιληθεὶς δὲ ὑπὸ τοῦ ὄχλου καὶ ἐκλυθεὶς ὑπὸ τοῦ καύμα-
τος. πρῶτος δὲ Θαλῆς τὸ τοῦ σοφοῦ ἔσχεν ὄνομα καὶ πρῶτος τὴν ψυχὴν
εἶπεν ἀθάνατον ἐκλείψεις τε καὶ ἰσημερίας κατείληφεν. ἀποφθέγματα δὲ
αὐτοῦ πλεῖστα‧ καὶ τὸ θρυλλούμενον‧ γνῶθι σαυτόν. τὸ γάρ, ἐγγύα,
πάρα δ᾽ ἄτα, Χίλωνός ἐστι μᾶλλον, ἰδιοποιησαμένου αὐτό‧ καὶ τό, μηδὲν
ἄγαν. [18] Θαλῆς ὁ φυσικὸς φιλόσοφος ἐπὶ Δαρείου (?) προειπὼν τὴν τοῦ
ἡλίου ἔκλειψιν. καὶ Ἀριστοφάνης φησίν, ἄνθρωπος Θαλῆς (Th  18). ἀντὶ
τοῦ ἄκρος τὴν ἀστρονομίαν. κλίνεται δὲ Θαλοῦ [...].

Sim. (phönizische Abkunft) Th 12 (w. s.); (Datierung) Th 171 (w. s.); (Schrift)


Th 88 (w. s.); (Todesumstände) Th 237 (1.39) (w. s.); (erster Weiser/philo-
soph) Th 29 (w. s.); (Natur der Seele) Th 31 (w. s.); (Sonnenfinsternis) Th 10
(w. s.); (Spruchweisheit) Th 89 (w. s.); („Der Mensch ist ja ein Thales“) Th 18
(w. s.)
Suda 389

Suda (10. Jh. n. Chr.)


Th 493
Lexicon alpha 425.65–68
Die negativen Folgen des Falls Adams [...]. Daher Orpheus und Homer
und der Porträtist unlauterer Nachkommen, Hesiod; daher der Ruhm des
Thales, der berühmte Pythagoras, der weise Sokrates und Platon, der viel
berufene Stolz der Akademie in Athen.

Th 494
Lexicon alpha 986.1–2
Anaximander, Sohn des Praxiades, aus Milet, Philosoph, ein Verwandter,
Schüler und Nachfolger des Thales.

Th 495
Lexikon theta 17.1–18.3
Thales, Sohn des Examyas und der Kleobuline, aus Milet, wie aber Herodot
sagt (Th 12), ein Phönizier. Geboren wurde er vor Kroisos während der 35.
Olympiade,1 nach Phlegon2 (Th 166) war er bereits während der siebten
[Olympiade (752–749)] bekannt (vgl. Th 305). Er schrieb Über astrono-
mische Phänomene in Versen, Über Tagundnachtgleiche und vieles andere.
Er starb schon alt, als Zuschauer eines gymnischen Wettkampfs, von der
Menge erdrückt und von der Hitze geschwächt. Thales erhielt als Erster
den Namen des Weisen und er nannte als Erster die Seele unsterblich. Er
verstand Eklipsen und Tagundnachtgleichen. Es gibt sehr viele Aussprüche
von ihm; darunter das in aller Munde seiende „Erkenne dich selbst“. Denn
das „Bürge, und schon ist das Unheil da“ stammt eher von Chilon,3 der
es beansprucht hat. Auch das „Nichts allzusehr“. Thales, der Naturphilo-
soph, hat zur Zeit des Dareios die Verfinsterung der Sonne vorausgesagt.
Aristophanes sagt: „Der Mensch ist ja ein Thales“ (Th 18), das heißt, er ist
der Größte in der Astronomie. Die Genetivform des Namens Θαλῆς lautet
Θαλοῦ [...].

1 Siehe oben zu Diog. Laert. Th 237 (1.37).


2 P. Aelius Phlegon aus Tralleis, Freigelassener Hadrians. Sein Hauptwerk heißt der
Suda zufolge Olympiades.
3 Vgl. Th 200, Th 201, Th 237 (1.40), Th 525, Diog. Laert. 1.73.
390 Suda – Ṣiwān al-ḥikma

Th 496
Lexicon theta 295.1–2
Θετόν: εἰσποιητόν, οὐ γνήσιον. Θαλῆν τὸν φιλόσοφον μὴ γήμαντα τῆς
ἀδελφῆς τὸν υἱὸν θέσθαι.

Sim. (Familienstand) Th 112 (w. s.)

Th 497
Lexicon nu 472.1–2 (ed. Adler)
Νομοθέται: παρ᾽ Ἀθηναίοις πρῶτος ἐγένετο Δράκων καὶ μετ᾽ αὐτὸν Σόλων
καὶ μετὰ τοῦτον Θαλῆς καὶ μετὰ τοῦτον Αἰσχύλος.

Sim. (politische Tätigkeit Th 21 (w. s.)

Th 498
Lexicon phi 214.1–9 (ed. Adler)
Φερεκύδης (Th  2), Βάβυος, Σύριος‧ [...] ἐζηλοτύπει δὲ τὴν Θάλητος
δόξαν.

Ṣiwān al-ḥikma

Th 499
Ṣiwān al-ḥikma 13–17 (Ed. Dunlop)

‫اﳌﻠﻄﻲ ﻫﻮ أ ّول ﻣﻦ ﺗﻔﻠﺴﻒ ﲟﴫ وﺻﺎر إﱃ ﻣﻠﻄﻴﺔ‬ ّ ‫ُذ ِﻛﺮ ﰲ ﺑﻌﺾ اﻟﻜﺘﺐ أنّ اثﻟﻴﺲ‬
‫وﻫﻮ ﺷـﻴﺦ وﺑﻪ ُ ّﲰﻴﺖ ﻓﺮﻗﺔ ﻣﻦ اﻟﻴﻮانﻧ ّﻴﲔ ﻓﻼﺳﻔﺔ ﻓﻘﺪ ﰷن ﻟﻠﻔﻠﺴﻔﺔ اﻧﺘﻘﺎل ﻛﺜﲑ وﰷن‬
ّ ‫ﯾﻌﺘﻘﺪ أنّ أ ّول ﻣﺎ ﺧﻠﻖ ّاهلل ﺗﻌﺎﱃ ﻫﻮ اﳌﺎء و‬
‫ﯾﻨﺤﻞ ﲨﻴﻊ اﻟﲀﺋﻨﺎت أ ّوﻻ إﱃ اﳌﺎء و َدﻋﺎ ُﻩ‬
Suda – Ṣiwān al-ḥikma 391

Th 496
Lexikon theta 295.1–2
Θετόν: in die Familie hineingenommen, nicht echtbürtig. Thales, der Philo-
soph, soll, da er nicht verheiratet war, den Sohn seiner Schwester adoptiert
haben (vgl. Th 113, Th 237 [Diog. Laert. 1.26]).

Th 497
Lexikon nu 472.1–2
Gesetzgeber: Bei den Athenern war der erste Drakon, danach Solon, danach
Thales, danach Aischylos (vgl. Th 454, Th 479).

Th 498
Lexikon phi 214.1–9
Pherekydes, der Sohn des Babys, aus Syros: [...] er ahmte eifrig die Lehre
des Thales nach (Th 2).1

Ṣiwān al-ḥikma (Der Schrank der Weisheit)


(10. Jh. n. Chr.)
In der mit gnomologischem Material angereicherten Doxographie, die bis-
her einem Abū Sulaimān as-Siğistānī al-Manṭiqī (gest. 987 n. Chr.) zuge-
schrieben wurde und heute nur in zwei Auszügen vorliegt,2 ist Thales an
mehreren Stellen behandelt.

Th 499
Der Schrank der Weisheit 13–17
In einem Buch wird erwähnt, dass der Milesier Thales der erste war, der
in Ägypten philosophierte. Er kam als alter Mann nach Milet. Nach ihm
nannte man eine Gruppe der Griechen Philosophen. Die Philosophie wurde

1 Siehe Schibli 1990, 13. Vgl. Th 533, Th 534 sowie Th 537 und Th 583.
2 Vgl. dazu Daiber 1984, 36–68.
‫‪392‬‬ ‫‪Ṣiwān al-ḥikma‬‬

‫ﺗﻮﱒ ﻫﺬا أنّ ﲨﻴﻊ اﻷﺷـﻴﺎء ﻣﻦ اﻟﺮﻃﻮﺑﺔ واﺳ ّ‬


‫ـﺘﺪل ﺑﻘﻮل أوﻣﲑس اﻟﺸﺎﻋﺮ ﺣﻴﺚ‬ ‫إﱃ أن ّ‬
‫ُﻮدلا ّ‬
‫ﻟﻠﲁ‬ ‫ﻗﺎل إنّ أوﻗﺎاﻧﻮس ﻛﺄﻧّﻪ ُ ِﲻﻞ ﻣ ّ ً‬
‫‪Sim. (ägyptischer Einfluss) Th 92 (w. s.); (Gott [als Geist des Kosmos]) Th 72‬‬
‫‪(w. s.); (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (Wasserhypothese geht auf erste Theo-‬‬
‫)‪logen/Homer zurück) Th 29 (w. s.‬‬

‫‪Th 500‬‬
‫‪Ṣiwān al-ḥikma 176–187‬‬

‫وﻗﻴﻞ إنّ أ ّول ﻇﻬﻮر اﻟﻔﻠﺴﻔﺔ ﰷن ﰲ زﻣﺎن ُﲞﺘﻨﴫ وأ ّول ﻣﻦ اﺑﺘﺪأ ﻓﳱﺎ وﳒﻢ ﲠﺎ ﰷن‬
‫اﳌﻠﻄﻲ ﻫﺬا اذلي ذﻛﺮان وإنّ أ ّول أﻃﺮف أﻫﻞ زﻣﺎﻧﻪ ﺑﻪ ﻣﳯﺎ أﻧّﻪ ﻗﺪ ﰷن ّ‬
‫أﻇﻞ‬ ‫اثﻟﻴﺲ ّ‬
‫ﳃﺮي ﲿﺴـﺒﻪ ﻓﺄﻧﺬرﱒ ﺑﻪ ﻗﺒﻞ ﻛﻮﻧﻪ ﻓﻠ ّﻤﺎ وﻗﻊ اﻟﻜﺴﻮف َﻗ ِﺒ َﻞ ﰲ أﻧﻔﺴﻬﻢ‬
‫ﻛﺴﻮف ّ‬
‫وﻗﺖ ٍ‬
‫ﲟﺎ أﻧﺬرﱒ ﺑﻪ وﺻﺎر إﻟﻴﻪ ﺟﲈﻋﺔ ﻓﺘﻠ ّﻤﺬوا هل وﱂ ﻳﻜﻦ ﻗﺒﻞ ذكل ﰲ ﺑﻼد ﯾﻮانن ﳾء ﻣﻦ‬
‫اﻟﻌﻠﻮم اﻟﱪﻫﺎﻧ ّﻴﺔ وإﻧّـﲈ ﰷﻧﺖ ﺣﺎﳍﻢ ﻛﺤﺎل أﻣّﺔ اﻟﻌﺮب اﳉﺎﻫﻠ ّﻴﺔ ﻟﻴﺲ ﻋﻨﺪﱒ ّإﻻ ﻋﲅ اﻟﻠﻐﺔ‬
‫وﺗﺄﻟﻴﻒ اﻷﺷﻌﺎر واﳋﻄﺐ واﻷﻣﺜﺎل واﻟﺮﺳﺎﺋﻞ إﱃ أن ﳒﻢ اثﻟﻴﺲ ابﻟﻔﻠﺴﻔﺔ وﻛﺬكل ﻋﲅ‬
‫اﳊﺴﺎب واﻟﻬﻨﺪﺳﺔ واﳌﺴﺎﺣﺔ أﺧﺬوﻫﺎ ﻋﻦ اﳌﴫﯾّﲔ ﻓﺄﻣّﺎ وﺟﻮد اﻟﺸﻌﺮ ﰲ أﻣّﺔ ﯾﻮانن‬
‫ﻓﺈﻧّﻪ ﻇﻬﺮ ﻓﳱﻢ ﻗﺒﻞ اﻟﻔﻠﺴﻔﺔ وأﺑﺪﻋﻪ أوﻣﲑس اﻟﺸﺎﻋﺮ وﻫﻮ ﻋﻨﺪﱒ ﲟﲋةل إﻣﺮئ اﻟﻘﻴﺲ‬
‫ﰲ اﻟﻌﺮب واثﻟﻴﺲ ﰷن ﺑﻌﺪ أوﻣﲑس ﺑﺜﻠامثﺋﺔ واﺛﻨﲔ وﲦﺎﻧﲔ ﺳـﻨﺔ ﳁﻦ ﻛﻮن اثﻟﻴﺲ إﱃ‬
‫اﺑﺘﺪاء ﻣكل ُﲞﺘﻨﴫ ﲦﺎﻧﻴﺔ وﻋﴩﻳﻦ ﺳـﻨﺔ وأايم وأﻣّﺔ اﻟﻴﻮانﻧ ّﻴﲔ ﳒﻤﺖ ﺑﻌﺪ ﻣﻮﳻ ﻋﻠﻴﻪ‬
‫اﻟﺴﻼم وإنّ اﻟﺸﻌﺮ ﺑﺪأ ﻣﳯﻢ ﻗﺒﻞ اﻟﻔﻠﺴﻔﺔ ﺑامثﻧﲔ ﻣﻦ اﻟﺴـﻨﲔ وأ ّول ﻓﻴﻠﺴﻮف ﰷن‬
‫ﻣﳯﻢ ﰲ ﺳـﻨﺔ ﺗﺴﻌﲈﺋﺔ وإﺣﺪى وﲬﺴﲔ ﻣﻦ وﻓﺎة ﻣﻮﳻ ﻋﻠﻴﻪ اﻟﺴﻼم وﻫﺬا ﻣﺎ ﺧﱪ ﺑﻪ‬
‫ﻛﻮرﻟّﺲ ﰲ ﻛﺘﺎﺑﻪ اذلي ر ّد ﻓﻴﻪ ﻋﲆ ﯾُﻠﻴﺎﻧﺲ ﻓامي انﻗﺾ ﺑﻪ اﻹﳒﻴﻞ وذﻛﺮ ﻓﺮﻓﻮرﯾﻮس أنّ‬
‫اثﻟﻴﺲ ﻇﻬﺮ ﰲ ﺳـﻨﺔ ﺛﻼث وﻋﴩﻳﻦ وﻣﺎﺋﺔ ﻣﻦ ﻣكل ُﲞﺘﻨﴫ‬
Ṣiwān al-ḥikma 393

vielfach weitergegeben. Er glaubte, dass das Erste, das Gott, der Erhabene,
schuf, das Wasser war und dass sich alles, was entsteht, sich primär auf das
Wasser zurückführen lässt. Zu dieser Meinung wurde er gebracht, weil alle
Dinge aus der Feuchtigkeit entstehen. Er bekam auch einen Hinweis aus der
Rede des Dichters Homer, wo er sagt: „Der Okeanos, als ob er zu einem
Erzeuger von allem gemacht sei.“1

Th 500
Der Schrank der Weisheit 176–187
Es heißt, dass das erste Auftreten der Philosophie in der Zeit des Buḫtnaṣar2
war und der Erste, der damit begann und sich darin hervortat, jener Milesier
Thales war, den wir erwähnten, und dass ein Erstes davon, womit er seine
Zeitgenossen beschenkte, Folgendes war. Es stand die Zeit einer Mondfins-
ternis bevor, und er berechnete sie und warnte die Leute vor ihr, noch ehe
sie sich ereignete. Und als die Finsternis eintrat, gewann er ihr Wohlwol-
len durch das, wovor er sie gewarnt hatte, und es kamen zu ihm viele, um
seine Schüler zu werden. Zuvor gab es im Land der Griechen nichts von
den auf Beweis gegründeten Wissenschaften. Ihre Verhältnisse waren wie
die der heidnischen Araber, sie hatten nur das Wissen um die Sprache, die
Dichtung, die Redekunst, Fabeln und Episteln bis dass Thales mit der Phi-
losophie auftrat. In gleicher Weise haben sie die Mathematik, die Technik
und die Geometrie von den Ägyptern übernommen. Die Dichtung aber
gab es im Volk der Griechen, denn sie war bei ihnen vor der Philosophie
entstanden. Ihr Schöpfer war der Dichter Homer, der bei ihnen den gleichen
Rang hat wie Imru al-Qais3 bei den Arabern. Thales war um 382 Jahre
nach Homer. Vom Auftreten des Thales bis zum Beginn der Herrschaft von
Buḫtnaṣar waren 28 Jahre und einige Tage. Das Volk der Griechen entstand
nach Moses, über dem Friede sei, und die Dichtung begann bei ihnen vor
der Philosophie um 80 Jahre, und einen ersten Philosophen gab es bei ihnen

1 Das Zitat aus der Ilias (14.201) wurde durch die Übersetzung von Aristoteles’ Meta-
physik vermittelt (1.3.983b30 f.).
2 Die moderne Orientalistik unterscheidet zwei babylonische Könige namens Nabu-
kudurri-usur; der erste wird der 2. Hälfte des 12. Jh.s v. Chr. zugerechnet, der zweite
regierte 605–562 v. Chr., er ist der biblische Nebukadnezar, der Jerusalem eroberte
und im Arabischen als Buḫtnaṣar bekannt war. Mit Buḫtnaṣar I. identifizierte man
Nabonassar, mit dessen Regierungsantritt 747 v. Chr. die von Hipparch und Ptole-
maios übernommene Ära beginnt.
3 Ein berühmter vorislamischer Dichter des sechsten Jahrhunderts n. Chr.
‫‪394‬‬ ‫‪Ṣiwān al-ḥikma‬‬

‫)‪Sim. (erster Weiser/Philosoph) Th 29 (w. s.); (Mondfinsternis/Mondphasen‬‬


‫)‪Th 178 (w. s.); (ägyptischer Einfluss) Th 92 (w. s.); (Datierung) Th 171 (w. s.‬‬

‫‪Th 501‬‬
‫‪Ṣiwān al-ḥikma 398–416‬‬

‫اﳌﻠﻄﻲ ﻫﻮ أ ّول ﻣﻦ اﺑﺘﺪأ ابﻟﻔﻠﺴﻔﺔ وﺑﻪ ُ ّﲰﻴﺖ ﻓﺮﻗﺔ ﻣﻦ اﻟﻴﻮانﻧ ّﻴﲔ ﻓﻼﺳﻔﺔ ﻓﻘﺪ‬‫اثﻟﻴﺲ ّ‬
‫ﰷن ﻟﻠﻔﻠﺴﻔﺔ اﻧﺘﻘﺎل ﻛﺜﲑ وﻫﺬا اﻟﺮﺟﻞ ﺗﻔﻠﺴﻒ ﲟﴫ وﺻﺎر إﱃ ﻣﻠﻄﻴﺔ وﻫﻮ ﺷـﻴﺦ وﱂ‬
‫اﳊﻖ ﻟﻴﺲ ﲟﻤﺪوح‬ ‫ﯾﻮﺟﺪ ﻣﻦ الكﻣﻪ ّإﻻ اﻟﻴﺴﲑ ﻟﺘﻘﺎدم اﻟﻌﻬﺪ وﺗﻄﺎول اﳌ ّﺪة وﻫﻮ ﻗﻮهل ّ‬
‫ﻟﻜ ّﻨﻪ ﳑﺠَّ ﺪ ﻷﻧّﻪ أرﻓﻊ وأﻋﲆ ﻣﻦ اﳌﺪح وإﻧّـﲈ ﳕﺪح اﻷﺷـﻴﺎء اﻟﱵ ﻧﻘﻮى أن ﳕﻴﻞ ﺑﻔﻌﻠﻬﺎ‬
‫اﻟﴩ وﻗﺎل رأس اﻟﻔﻀﺎﰁ اﻟﳰﲔ وإن ﺻﺪق ﺻﺎﺣﳢُ ﺎ ﻓﺈﳖّ ﺎ ﺗﻌ ّﻴﺒﻪ‬ ‫ﻣّﺮة إﱃ اﳋﲑ وﻣّﺮة إﱃ ّ‬
‫اﻟﻌﻲ واﻟﻐﻀﺐ ﻣﻦ ﺿﻴﻖ اﻟﻔﻜﺮ واﻟﺘﻨ ّﺪم ﻋﲆ ﻣﺎ ﻓﺎت ﻣﻦ اﻟﻔﺸﻞ وﻗﺎل ﻣَﻦ‬ ‫واﻟﺸﺘﳰﺔ ّ‬
‫ﲻﻼ ﻳﺴـﺘﺤﻲ ﻣﻨﻪ ﰲ اﻟﻌﻼﻧﻴﺔ ﻓﻠﻴﺲ ﻟﻨﻔﺴﻪ ﻋﻨﺪﻩ ﻗﺪر وﻗﺎل إنّ اذلي‬ ‫اﻟﴪ ً‬ ‫ﲻﻞ ﰲ ّ‬
‫ﳛﺲ ﺑﺄﻧّﻪ ﻻﺑﺲ ً‬
‫ﺑﺪان ﻣ ّﻴـ ًﺘـﺎ ﻓﻘﻂ ﻓﺈﻧّﻪ ﲠﳰﺔ وﳚﺐ‬ ‫ﳛﺲ ﺑﺄنّ ﻓﻴﻪ ﻧﻔﺴﺎ انﻃﻘﺔ وإﻧّـﲈ ّ‬ ‫ﻻ ّ‬
‫ﳛﺲ ﺑﺄن ﻓﻴﻪ ﻧﻔﺴً ﺎ انﻃﻘﺔ ﻏﲑ ﻣﺎﺋﺘﺔ ﻓﻠﻴﺲ‬ ‫أن ﻳﻜﻮن ﺷﺄﻧﻪ ﻣﺎ ﺗﻔﻌهل اﻟﳢﺎﰂ ﻓﺄﻣّﺎ اذلي ّ‬
‫ابﻟﻮاﺟﺐ أن ﻳﻜﻮن ﺷﺄﻧﻪ ﻣﺎ ﺗﻔﻌهل اﻟﳢﺎﰂ ﻟﻜﻦ اﻟﻮاﺟﺐ ﻋﻠﻴﻪ أن ﻳﳣ ّﺜـﻞ أﻓﻌﺎل ّاهلل ﺗﻌﺎﱃ‬
‫اﻟﴩ إﻧّﲈ ﯾﻌﺎﻗﺒﻮن ﻋﲆ أﻓﻌﺎﳍﻢ ﻣﻦ دون اذلﻳﻦ َﯾ ْﻨﻮُون‬ ‫وﻗﻴﻞ هل ﻟِ َﻢ ﺻﺎر اذلﻳﻦ ﯾﻔﻌﻠﻮن ّ‬
‫ﯾﺘﻔﻜﺮ ﻟﻜﻦ ﻷن ﻻ‬ ‫اﻟﴩ؟ ﻓﻘﺎل ﻣﻦ ﻗﺒﻞ أﻧّﻪ إﻧّﲈ ﻣﺎ ﻗﺼﺪ ابﻻﻧﺴﺎن ﻻ ﻷن ﻻ ّ‬ ‫ﻓﻌﻞ ّ‬
‫ﯾﺘﻔﻜﺮ ﻓﻴﻪ وﻗﻴﻞ هل ّأي اﳊﻴﻮان اذلي ﻻ َﻳ ْﺸ َﺒﻊ؟ ﻓﻘﺎل اﻹﻧﺴﺎن اذلي‬‫ﯾﻔﻌﻞ اﻟﺮديء ﳑّﺎ ّ‬
‫َﻳ ْﺮﺑَﺢ وﻗﺎل اﻟﻜﺒﲑ اﳍ ّﻤﺔ اذلي ﻳﻜﻮن ﻋﻨﻒ اﻟﻨﺎﰠ ﻋﻨﺪﻩ أﻟﻄﻒ ﻣﻮﻗﻌًﺎ ﻣﻦ ﻟﲔ اﳌﻠﻖ‬
‫وﻋﻈﺖ ﻣﺬﻧ ًﺒﺎ ﻓﱰ ّﻓﻖ ﺑﻪ ّﻟﺌﻼ ﳜﺮج إﱃ اﳌﲀﺷﻔﺔ وﻗﺎل ﻛﻮﻧﻮا ﻣﻦ اﻟـﻤ ِ ّ‬
‫ُﴪ‬ ‫َ‬ ‫اﻟﲀﴊ وﻗﺎل إذا‬
‫اﻟـﻤ ُْﺪ ِﻏﻞ أﺧﻮف ﻣﻨﲂ ﻣﻦ اﳌﲀﺷﻒ اﻟـﻤُـﻌْـ ِﻠﻦ ﻷنّ ﻣﺪاواة اﻟﻌﻠﻞ اﻟﻈﺎﻫﺮة أﻫﻮن ﻣﻦ‬
Ṣiwān al-ḥikma 395

im neunhunderteinundfünfzigsten Jahr nach dem Tod des Moses, über dem


Friede sei. Dies berichtet Kyrill in seinem Buch, wo er Julians Kritik am
Evangelium zurückweist.1 Porphyrios erwähnt (Th 248), dass Thales im
Jahre 123 von der Herrschaft des Buḫtnaṣar an gerechnet auftrat.2

Th 501
An einer weiteren Stelle der Sammlung folgt ein gnomologischer Teil:

Der Schrank der Weisheit 398–416


Thales, der Milesier: Er war der Erste, der mit der Philosophie begann. Nach
ihm nannte man eine Gruppe der Griechen Philosophen. Die Philosophie
wurde vielfach weitergegeben. Dieser Mann philosophierte in Ägypten und
kam nach Milet, als er ein alter Mann war. Von seinen Äußerungen findet
sich nur noch wenig, weil sie weit zurückliegen und die Zeit fortgeschritten
ist.

Und dies ist seine Rede: Das Recht ist nicht zu loben, vielmehr ist es hoch
zu preisen, denn es ist über das Lob hoch erhaben. Wir loben nämlich dasje-
nige, mit dessen Ausführung wir uns manchmal zum Guten und manchmal
zum Schlechten hinneigen können.

Er sagte: Der Wortführer der Beschämung ist die rechte Hand, und wenn
derjenige, der sie hat, ein Gerechter ist, so tadelt sie ihn, und die Schmähung
besteht in der Kraftlosigkeit, und der Zorn kommt von dem Ärger und der
Reue wegen dem, was wegen des Misslingens entgangen ist.

Er sagte: Wenn jemand im Geheimen etwas macht, dessen er sich in der


Öffentlichkeit schämt, so hat er vor sich selbst keine Achtung.

Er sagte: Wer nicht spürt, dass in ihm eine vernünftige Seele ist, und nur
fühlt, dass er mit einem toten Körper bekleidet ist, der ist ein Tier, und ihm
obliegt es, das zu tun, was die Tiere machen. Derjenige aber, der spürt, dass
in ihm eine vernünftige und unsterbliche Seele ist, der muss nicht das tun,
was die Tiere machen, sondern er ist verpflichtet, das Handeln Gottes, der
erhaben ist, nachzuahmen.

1 Vgl. Th 373: Contra Iulianum 1.13 f.; dazu Stern 1972, 439 u. 442 f. (ND 1983, XIII).
2 Der Eintrag fehlt in der Sammlung von Smith 1993.
‫‪396‬‬ ‫‪Ṣiwān al-ḥikma‬‬

‫ﻣﺪاواة ﻣﺎ اﺳـﺘﺨﻔﻰ وﺑﻄﻦ وﻗﺎل ﻣﻦ ﺳﻘﺎك اﳌ ّﺮ ﻟﺘﱪأ أﺷﻔﻖ ﻋﻠﻴﻚ ﳑّﻦ أوﺟﺮك اﳊﻠﻮ‬
‫ﺣﱴ َﲣ َ‬
‫ﺎف وﻗﻴﻞ هل ْأﺧ ِﺮج ﻫﺬا‬ ‫ﺣﱴ ﺗﺄﻣﻦَ أﺑ ُّﺮ ﺑﻚ ﳑّﻦ آﻧﺴﻚ ّ‬
‫ﻟﺘﺴﻘﻢ وﻣﻦ ﺧ ّﻮﻓﻚ ّ‬
‫اﻟﻐ ّﻢ ﻣﻦ ﻗﻠﺒﻚ ﻓﻘﺎل ﻟﻴﺲ ﺑﺈذﱐ دﺧﻞ وﺳُ ـﺌﻞ ﻋﻦ ﺣﺎهل ﺑﻌﺪ ﻣﺎ َﻫﺮم ﻓﻘﺎل ﻫﻮ ذا أﻣﻮت‬
‫همﻞ‬
‫ﻋﲆ ٍ‬
‫‪Sim. (erster Weiser/Philosoph) Th  29 (w.  s.); (ägyptischer Einfluss) Th  92‬‬
‫)‪(w. s.); (Datierung) Th 171 (w. s.); (Spruchweisheit) Th 89 (w. s.); (Schrift‬‬
‫)‪Th 88 (w. s.); (Todesumstände) Th 237 (1.39) (w. s.‬‬
Ṣiwān al-ḥikma 397

Man sagte zu ihm: Warum werden nur diejenigen, die Böses tun, nach ihren
Taten bestraft, nicht aber diejenigen, die Böses zu tun beabsichtigen? Er ant-
wortete: Weil man vom Menschen nicht erwarten darf, dass er nicht denkt,
sondern dass er das Böse, an das er denkt, nicht ausführt.1

Man sagte zu ihm: Gibt es ein Lebewesen, das niemals satt wird? Er antwor-
tete: Ein Mensch, der Profit macht.2

Er sagte: Der Anspruchsvolle, der mit Strenge Ratschläge erteilt, ist am


Ende freundlicher als die Sanftmut des falschen Schmeichlers.

Er sagte: Wenn du einen Übeltäter ermahnst, so sei nett zu ihm, damit es


nicht auf eine Bloßstellung hinausläuft.

Er sagte: Hütet euch mehr vor dem, der verschlossen und falsch ist, als vor
dem, der aufdeckt und enthüllt, denn die Heilung der sichtbaren Krankhei-
ten ist leichter als die Heilung des Versteckten und Verborgenen.

Er sagte: Wenn dir jemand Bitteres zu trinken gibt, damit du kuriert wirst, ist
er gütiger zu dir als einer, der dir Süßes einflößt, damit du krank wirst. Und
wenn dir einer Angst macht, damit du dich in Sicherheit bringst, ist er auf-
richtiger zu dir als einer, der dich heiter stimmt, damit du in Angst gerätst.

Ihm wurde gesagt: Entferne diesen Kummer aus deinem Herzen. Er erwi-
derte: Er ist ohne meine Erlaubnis hineingegangen.3

Man fragte ihn nach seinem Zustand, als er alt und schwach geworden war.
Er sagte: Ich sterbe halt gemächlich.
Angeschlossen ist mit geringen Abweichungen ein längeres Zitat aus Pseudo-
Ammonios (416–425), es entspricht dem Kap. II des Textes (S. 34 f., Übers.
80 f.), s. o. Th 483.

1 Dasselbe auch unter al-Mubaššir, s. u. Th 510.


2 In einer Parallele mit unsicherer Lesung des Namens bei dem Philologen und Le-
xikographen Ibn Duraid (837–933 n. Chr.) ist pointierter von einem Kaufmann die
Rede, s. Rosenthal 1958, 29–54 u. 150–83, Nr. 43 (ND 1990, VII). S. außerdem eine
Erwägung hinsichtlich einer alternativen Zuschreibung an den kynischen Prediger
Teles (3. Jh. v. Chr.) bei Rosenthal 1991, 203, Nr. 40.
3 Dasselbe auch anonym bei al-Mubaššir: Badawī 1958, 324, 19, u. bei Ibn Hindū: al-
Qabbānī 1900, 130, 10 f.
398 Pseudo-Ğābir ibn Ḥayyān – Konstantinos VII. Porphyrogennetos

Pseudo-Ğābir ibn Ḥayyān

Th 502
Kitāb al-baḥt 2.331.9 f. (ed. Kraus)

‫ﰻ اﻟﻨﺎس أذﻛﻴﺎء وﻻ اتﻣّﻲ اﳋﻠﻖ ﻛﲈ ُﳛﲃ ﻋﻦ اثﻟﻴﺲ وﻓﻮاثﻏﻮرس وﺳﻘﺮاط‬ ّ ‫إذ ﻟﻴﺲ‬
ّ ‫وأﻓﻼﻃﻦ وأﻣﺜﺎﳍﻢ ﳑّﻦ ﱂ‬
‫ﯾﺘﻌﲅ ﻣﻦ أﺣﺪ ﺷﻴﺌﺎ وﰷن انﻃﻘﺎ ابﻟﻌﲅ ﻣﻦ ﺻﻐﺮﻩ وأ ّول أﻣﺮﻩ‬

Konstantinos VII. Porphyrogennetos

Th 503
De virtutibus et vitiis 1.348.21–22 (ed. Büttner-Wobst/ Roos)
Φασὶ δέ τινες Θαλῆν προϊδόμενον ἔκ τινων σημείων ὄμβρον γενησόμενον
καὶ ἀναμένειν τὴν ὥραν ἐκείνην.
Pseudo-Ğābir ibn Ḥayyān – Konstantinos VII. Porphyrogennetos 399

Pseudo-Ğābir ibn Ḥayyān (Mitte 10. Jh. n. Chr.)


In dem umfangreichen alchemistischen Schriftenkorpus, das einem Anhän-
ger des schiitischen Imams Ğafar aṣ-Ṣādiq (um 700 – 765 n. Chr.) zuge-
schriebenen wurde,1 werden viele alte Autoritäten bemüht, darunter auch
Thales.2 In einem Kitāb al-baḥt (Buch der Untersuchung) heißt es in einer
Erzählung von Archimedes:

Th 502
Buch der Untersuchung 2.331.9 f.
Nicht alle Menschen sind nämlich scharfsinnig oder von sich aus vollkom-
men, wie man sich das von Thales, Pythagoras, Sokrates, Platon und ande-
ren erzählt, die nichts von anderen zu lernen hatten, sondern von Jugend auf
und von Anfang an wissenschaftlich produktiv gewesen sind.3

Konstantinos VII. Porphyrogennetos


(906–959 n. Chr.)
Th 503
Auszug aus dem 7. Buch der Historien des Nikolaos von Damaskus (s.
Th 79). Die Geschichte von Kroisos auf dem Scheiterhaufen (vgl. Her.
Hist. 1.86 f.), der in letzter Sekunde durch einen plötzlich einsetzenden Ge-
witterregen gerettet wird.

Über Tugenden und Laster 1.348.21–22


Einige sagen aber, Thales habe aus bestimmten Anzeichen vorhergesehen,
dass es einen Gewitterregen geben werde, und dass er ihn zu eben jenem
Zeitpunkt erwartet habe (vgl. Th 10).

1 F. Sezgin (1971, 132–229) hält an der damit vorgegebenen frühen Datierung fest. Zur
Person des oder eines Fälschers vgl. P. Kraus, 1942 (Bd. 1), LXIII f.
2 Kraus 1943 (Bd. 2), 46, Anm. 1; 47, Anm. 1; 53, Anm. 5; 55, Anm. 4; 59, Anm. 1; 119,
Anm. 2; 128, Anm. 5; 280, Anm. 1; 332 u. 336 mit Zitaten aus den Placita philosopho-
rum, s. auch Sezgin 1971, Index s.v. Thales, und hier bes. S. 163 in einem Buch über
das Silber eine lange Diskussion zwischen Sokrates und Thales.
3 Übersetzung Rosenthal 1965, 31.
400 Konstantinos VII. Porphyrogennetos – Ibn an-Nadīm

Th 504
De sententiis 38–39, 282.18–283.2 (ed. Boissevain)
Ὅτι περὶ τοῦ χρυσοῦ τρίποδος ἀμφισβητήσεως οὔσης ἡ Πυθία ἔχρησεν
οὕτως ἔκγονε Μιλήτου, τρίποδος πέρι Φοῖβον ἐρωτᾷς; τίς σοφίᾳ πρῶτος
πάντων; τούτῳ τρίποδ᾽ αὐδῶ.
οἱ δέ φασιν ἄλλως ὅτι πολέμου γενομένου τοῖς Ἴωσι πρὸς ἀλλήλους, καὶ
τοῦ τρίποδος παρὰ σαγηνέων ἀνενεχθέντος, ἐπερωτῆσαι τὸν θεὸν περὶ
τῆς καταλύσεως τοῦ πολέμου. ἡ δὲ ἔφη οὔποτε μὴ λήξῃ πόλεμος Μερόπων
καὶ Ἰώνων πρὶν τρίποδα χρύσειον, ὃν Ἥφαιστος κάμε τεύχων, ἐκ μέσσου
πέμψητε, καὶ ἐς δόμον ἀνδρὸς ἵκηται ὃς σοφίᾳ τά τ᾽ ἐόντα τά τ᾽ ἐσσόμενα
προδέδορκεν. [39] Ὅτι οἱ Μιλήσιοι ἀκολουθῆσαι βουλόμενοι τῷ χρησμῷ
Θάλητι τῷ Μιλησίῳ τῶν ἑπτὰ σοφῶν τὸ ἀριστεῖον ἐβούλοντο δοῦναι‧
τὸν δὲ εἰπεῖν ὡς οὐκ ἔστιν πάντων σοφώτατος, συμβουλεύειν δὲ πρὸς ἕτε-
ρον πέμπειν σοφώτερον. τούτῳ δὲ τῷ τρόπῳ καὶ τῶν ἄλλων τῶν ἑπτὰ
σοφῶν ἀποποιησαμένων τὸν τρίποδα Σόλωνι δίδοσθαι δοκοῦντι πάντας
ἀνθρώπους ὑπερβεβλῆσθαι σο-[283] φίᾳ τε καὶ συνέσει. τὸν δὲ συμβου-
λεῦσαι τοῦτον ἀναθεῖναι Ἀπόλλωνι‧ τοῦτον γὰρ εἶναι σοφώτερον πά-
ντων.

Sim. (Auszeichnung des Thales/Umlauf des Dreifußes) Th 52 (w. s.)

Ibn an-Nadīm

Th 505
Fihrist 245.12–15 (ed. Flügel)1

‫اﶆﺎر ﲝﴬة أﰊ اﻟﻘﺎﰟ ﻋﻴﴗ ﺑﻦ ﻋﲇ وﻗﺪ ﺳﺄﻟﺘﻪ ﻋﻦ أ ّول ﻣﻦ‬ ّ ‫ﻗﺎل ﱄ أﺑﻮ اﳋﲑ ﺑﻦ‬
‫اﻟﺼﻮري ﰲ ﻛﺘﺎﺑﻪ اﻟﺘﺄرﱗ وﻫﻮ ﴎاي ّﱐ أنّ أ ّول‬
ّ ّ
‫ﺗﳫﻢ ﰲ اﻟﻔﻠﺴﻔﺔ ﻓﻘﺎل زﰪ ﻓﺮﻓﻮرﯾﻮس‬
‫اﻟﻔﻼﺳﻔﺔ اﻟﺴـﺒﻌﺔ اثﻟﺲ ﺑﻦ ﻣﺎﻟّﺲ اﻷﻣﻠﻴﴘ وﻗﺪ ﻧﻘﻞ ﻣﻦ ﻫﺬا اﻟﻜﺘﺎب ﻣﻘﺎﻟﺘﲔ إﱃ‬
1 Übers. auch bei Smith 1993, 220 f. (Nr. 194bT).
Konstantinos VII. Porphyrogennetos – Ibn an-Nadīm 401

Th 504
Über Aussprüche 38–39, 282.18–283.2
Die Geschichte vom wandernden Dreifuß, der von Thales über Solon zu
Apollon gelangt.

Ibn an-Nadīm (gest. 995 o. 998 n. Chr.)


Der Bagdader Buchhändler schiitischer Konfession war von einer besonderen
Verehrung für Aristoteles und die anderen griechischen Denker erfüllt. Sein um-
fassend angelegtes und unter dem schlichten Titel Fihrist (Katalog) veröffent-
lichtes Bücherverzeichnis ist zugleich eine Fundgrube kulturhistorischer Details.

Th 505
Katalog 245.12–15
Abū l-Ḫair ibn al-Ḫammār1 sagte mir, als ich ihn in Gegenwart von Abū
l-Qāsim Īsā ibn Alī2 fragte, wer der Erste war, der über die Philosophie

1 Christlicher Arzt und Philosoph, geboren 942 n. Chr. in Bagdad, übersetzte viel aus
dem Syrischen ins Arabische, ging von Bagdad nach Choresm, wurde von dort nach
Afghanistan verschleppt, wo er vor 1030 starb.
2 Sekretär am Kalifenhof, galt als Experte in den griechischen Wissenschaften, lebte
von 914 bis 1001 n. Chr.
‫‪402‬‬ ‫‪Ibn an-Nadīm – Al-Bīrūnī‬‬
‫اﻟﻌﺮ ّﰊ ﻓﻘﺎل أﺑﻮ اﻟﻘﺎﰟ ﻛﺬا ﻫﻮ وﻣﺎ أﻧﻜﺮﻩ وﻗﺎل آﺧﺮون أنّ أ ّول ﻣﻦ ّ‬
‫ﺗﳫﻢ ﰲ اﻟﻔﻠﺴﻔﺔ‬
‫ﺑﻮاثﻏﻮرس‬
‫)‪Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.‬‬

‫‪Al-Bīrūnī‬‬
‫‪Th 506‬‬
‫)‪Tarīḫ al-Hind 15.19–16.1 (ed. Sachau‬‬

‫إنّ ﻗﺪﻣﺎء اﻟﻴﻮانﻧ ّﻴﲔ ﻗﺒﻞ ﳒﻮم اﳊﳬﺔ ﻓﳱﻢ ابﻟﺴـﺒﻌﺔ اﳌﺴ ّﻤﲔ أﺳﺎﻃﲔ اﳊﳬﺔ وﱒ ﺳﻮﻟﻦ‬
‫اﻷﺛﻴﲏ وﺑﻴﻮس اﻟﻔﺎرﯾﲏ وﻓﺎرايﻧﺪروس اﻟﻘﻮرﻧﱻ واثﻟﺲ اﳌﻠﻴﺴﻮﳼ وﻛﻴﻠﻮن اﻟﻠﻘﺎذوﻣﻮﱐ‬
‫وﲥ ُّﺬ ِب اﻟﻔﻠﺴﻔﺔ ﻋﻨﺪﱒ ﲟﻦ ﻧﺸﺄ ﺑﻌﺪﱒ ﰷﻧﻮا‬
‫ﻓﻴﻄﻴﻘﻮس ﻟﺴﺒﻴﻮس ﻗﻴﻠﻴﺒﻮﻟﻮس ﻟﻨﺪﯾﻮس َ َ‬
‫ﻋﲆ ﻣﺜﻞ ﻣﻘﺎةل اﻟﻬﻨﺪ‬
‫)‪Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.‬‬
Ibn an-Nadīm – Al-Bīrūnī 403

gesprochen habe, Folgendes: „Porphyrios von Tyros behauptet (Th 247) in


seinem Buch Die Geschichte, das auf Syrisch vorliegt, dass der erste der sie-
ben Philosophen Thales aus Milet, der Sohn des MLLS,1 gewesen sei.“ Von
diesem Werk hatte er zwei Bücher ins Arabische übersetzt. Abū l-Qāsim
sagte, dass es sich so verhält, und hat es nicht bestritten. Andere sagen, dass
der Erste, der über die Philosophie gesprochen hat, Pythagoras war.

Al-Bīrūnī (973–1048 n. Chr.)


Th 506
Der aus Choresm, der alten Kulturoase südlich des Aralsees am Unterlauf
des Oxus stammende Vertreter eines liberalen und weltoffenen, dabei durch-
aus rechtgläubigen Islam gilt gemeinhin als der bedeutendste und kreativste
Universalgelehrte des ganzen muslimischen Mittelalters. In seinen Werken
bezieht er sich ständig auf die von ihm hochgeschätzten Griechen.2 In seiner
großen Monographie über Indien vergleicht er die dortigen Verhältnisse mit
den alten griechischen, wobei er auch die Sieben Weisen erwähnt.

Geschichte Indiens 15.19–16.1


Bevor bei den alten Griechen die Philosophie ihren Einzug hielt durch die
Sieben, die man die Säulen der Weisheit nennt, als da sind der Athener So-
lon, Bias von Priene, Periandros von Korinth, Thales von Milet, Chilon der
Lakedämonier, Pittakos von Lesbos und Kleobulos von Lindos, und die
Philosophie durch die, die nachher auftraten, bei ihnen verbessert wurde,
ließ sich von ihnen dasselbe sagen wie von den Indern.3

1 Der Name kann als Mallos gelesen werden, was sich mit dem bei Diogenes Laertios
(1.22) und anderen genannten Ἐξαµύης nicht in Übereinstimmung bringen lässt,
auch wenn H. Diels darin nur eine „Verderbnis“ erkennen will (1888/9, 165–70;
vgl. auch O. Immisch 1888/9, 515 f. zu Thales’ Abkunft). Eher sollte man an eine
eigenständige Lokaltradition denken, welcher der aus Tyros stammende Porphyrios
gefolgt ist.
2 S. Kennedy 1970, 147–58; s. auch die Einleitung zu Strohmaier 32002, 9–31.
3 Übersetzung Sachau 1888, Bd. 1, 33.
‫‪404‬‬ ‫‪Al-Bīrūnī – Avicenna‬‬

‫‪Th 507‬‬
‫)‪Al-ātār al-bāqiya an al-qurūn al-ḫāliya 27.14–21 (ed. Sachau‬‬

‫وﻗﺪ زﰪ ﺑﻌﺾ اﻟﻨﺎس أنّ ﻫﺬﻩ اﻷدوار ﰷﻧﺖ ُﺗ ْـﺴـ َﺘـ ْﻌ َﻤ ُﻞ ُ‬


‫ابﻟﺮ ْؤﯾَﺔ دون اﳊﺴﺎب إذ ﰷن‬
‫اﻟﻨﺎس ﺣﻴﻨﺌﺬ ﱂ ﯾﻔﻄﻨﻮا ﲝﺴﺎب اﻟﻜﺴﻮﻓﺎت اﻟﱵ ﻻ ُﯾ ْﻌ َﺮ ُف ﻣﻘﺪار اﻟﺸﻬﺮ ّ‬
‫اﻟﻘﻤﺮي وﻻ‬
‫ﯾ ّﱲ ﻫﺬﻩ اﳊﺴـﺒﺎانت ّإﻻ ﲠﺎ وأنّ أ ّول ﻣﻦ وﻗﻒ ﻋﻠﻴﻪ ﰷن اثﻟﺲ ﻣﻦ أﻫﻞ ﻣﻠﻄﻴﺔ ﻓﺈﻧّﻪ‬
‫ﻟـ ّﻤﺎ اﺧﺘﻠﻒ اﱃ أﲱﺎب اﻟﺮايﺿﺎت وأﺧﺬ ﻣﳯﻢ ﻋﲅ اﻟﻬﻴﺌﺔ واﳊﺮﰷت ّ‬
‫ﺗﺮﰵ ﻣﻨﻪ إﱃ‬
‫اﺳـﺘﻨﺒﺎط اﻟﻜﺴﻮﻓﺎت ّﰒ َو َﻗ َﻊ إﱃ ْﻣﴫ ﻓﺄﻧﺬر اﻟﻨﺎس ﺑﻜﻮن اﻟﻜﺴﻮف ﻓﻠ ّﻤﺎ ﺻﺪق ﺧﱪﻩ‬
‫وﳇﲈ ﻗﺮﺑﺖ‬‫ﻟﲁ ﺻﻨﺎﻋﺔ ﻣﺒﺎدئ ﯾُﻨﳤـﻰ إﻟﳱﺎ ّ‬ ‫اﺳـﺘﻌﻈﻤﻮﻩ وﻫﺬا اﳋﱪ ﻣﻦ اﳌﻤﻜﻨﺎت ﻓﺈنّ ّ‬
‫ﺣﱴ ﯾُﻨﳤـﻰ إﻟﻴﻪ وﻟﻜﻦّ اﻟﻮاﺟﺐ أن ﻻ ﯾُﻄﻠﻖ ﰲ ﻫﺬا اﳋﱪ‬ ‫ﻣﻦ ﻣﺒﺪﲛﺎ ﰷﻧﺖ أﺑﺴﻂ ّ‬
‫اﻟﻘﻮل ﺑﺄنّ اﻟﻜﺴﻮف ﱂ ﯾُﻌﺮف ﻗﺒﻞ اثﻟﺲ ّإﻻ ابﺷﱰاط َﻣﻮاﺿ َﻊ دون ُأﺧﺮ‬
‫)‪Sim. (Mondfinsternis/Mondphasen) Th  178 (w.  s.); (ägyptischer Einfluss‬‬
‫)‪Th 92 (w. s.‬‬

‫‪Avicenna‬‬
‫‪Th 508‬‬
‫)‪Kitāb aš-šifā 87.1–6 (ed. Madkūr/Qāsim‬‬

‫ﻓﻴﺸـﺒﻪ أن ﻳﻜﻮن أﻗﺪهمﻢ ﻣﻦ رأى أنّ اﻟﻌﻨﴫ اﻟﻮاﺣﺪ ﻫﻮ اﳌﺎء ودﻋﺎﻩ إﱃ ذكل ﻇ ّﻨﻪ‬
‫ﺣﱴ ﻳﻜﻮن ﻣﻨﻪ ﻣﺎ ﻫﻮ ﻋﻨﴫ‬ ‫أن اﻟﻌﻨﴫ ﯾﻨﺒﻐﻲ أن ﻳﻜﻮن ﻣﻄﺎوﻋﺎ ّ‬
‫ﻟﻠﺘﺸﲁ واﻟﺘﺨﻠﻴﻖ ّ‬
‫هل ّ‬
‫ﻓﲁ ﻣﺎ ﻫﻮ أﺷ ّﺪ ﻣﻄﺎوﻋﺔ ذلكل ﻓﻬﻮ أوﱃ ابﻟﻌﻨﴫﯾّﺔ ّﰒ وﺟﺪ ﻫﺬﻩ اﳌﻄﺎوﻋﺔ ﻛﺄﳖّ ﺎ‬
‫ﺧﺎص ابﻟﺮﻃﻮﺑﺔ واﻟﻨﺎس ّﳇﻬﻢ ﯾﻌﺘﻘﺪون أنّ اﻟﺮﻃﻮﺑﺔ ﻣﺎء أو ﳾء اﻟﻐﺎﻟﺐ ﻋﻠﻴﻪ‬
‫ﻓﺼﻞ ّ‬
Al-Bīrūnī – Avicenna 405

Th 507
In seiner Chronologie erörtert er die Möglichkeit, ob Thales wirklich eine
Finsternis voraussagen konnte. Er ist dabei von einer Tradition abhän-
gig, die von einer Mondfinsternis ausging. Er erörtert die Bestimmung der
Mondmonate und ihre Kongruenz mit den Sonnenjahren, die durch die Re-
gistrierung der Eklipsen erzielt wird, nennt auch die Periode des Meton zu
neunzehn Jahren, um dann fortzufahren:

Chronologie 27.14–21
Manche Leute behaupten, dass diese Perioden auf Beobachtung und nicht
auf Berechnung beruhen, weil damals die Leute sich nicht auf die Berech-
nung der Finsternisse verstanden haben, ohne die die Länge des Mond-
monats nicht erkannt werden kann und derartige Berechnungen nicht
vollkommen auszuführen sind. Der Erste, der darauf kam, sei Thales von
Milet gewesen, denn da er die Mathematiker aufsuchte und von ihnen die
Astronomie und die Bewegungen [der Himmelskörper] lernte, sei er von
da ausgehend zur Herleitung der Finsternisse gelangt. Dann sei er nach
Ägypten gekommen, habe den Leuten das Eintreten der Finsternis ange-
kündigt, und als sich seine Rede als wahr herausstellte, hätten sie ihn sehr
geschätzt. Diese Geschichte liegt im Bereich des Möglichen, denn jede
Kunst hat Grundlagen, zu denen man gelangen kann, und je näher sie ihrer
Grundlage ist, desto einfacher ist es, zu ihr zu gelangen. Jedoch darf man
bei dieser Geschichte nicht verallgemeinernd behaupten, dass die Finsternis
vor Thales nur an bestimmten Orten und nicht an anderen erkannt werden
konnte.1

Avicenna (vor 980 – 1037 n. Chr.)


Th 508
Der auch im Abendland einflussreiche Philosoph und Vertreter eines neu-
platonisch überformten Aristotelismus2 referiert im Kitāb aš-šifā (Buch der
Genesung), seinem philosophischen Hauptwerk, die von Aristoteles über-
wundenen Materiekonzeptionen der Vorgänger, ohne deren Namen zu nen-
nen, wobei er aber Thales immerhin als den ältesten apostrophiert.

1 Übersetzung Sachau 1879, 31 f.


2 Strohmaier 2006.
‫‪406‬‬ ‫‪Avicenna – Al-Mubaššir ibn Fātik‬‬

‫ﺗﺘﺨﻠﻖ ّإﻻ ﻣﻦ‬


‫اﳌﺎء ﲾﻌﻞ اﳌﺎء اﻟﺒﺴـﻴﻂ ﻫﻮ اﻟﻌﻨﴫ ﻗﺎل وﻟﻬﺬا ﻣﺎ ﻧﺮى اﳊﻴﻮاانت ﻻ ّ‬
‫اﻟﺮﻃﺐ وﻫﻮ اﳌﲏ‬
‫)‪Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.‬‬

‫‪Al-Mubaššir ibn Fātik‬‬

‫‪Th 509‬‬
‫)‪Muḫtār al-ḥikam wa-maḥāsin al-kalim 34.7–36.2 (ed. Badawī‬‬

‫وﰷن ﺳﻮﻟﻮن أﺣﺪ اﳊﻜﲈء اﻟﺴـﺒﻌﺔ اذلﻳﻦ ﰷﻧﻮا ﰲ وﻗﺖ واﺣﺪ وﱒ اثﻟﻴﺲ وﺳﻮﻟﻮن‬
‫وﺑِ ّﻄﺎﻗﻮس وابرايﻧﺪروس وﺧﻴﻠﻮن وﻗﻼوﺑﻮﻟﻮس وﺑﻴﺎس وأﻧﻜﺮ ﻗﻮم ﺑِ ّﻄﺎﻗﻮس وابرايﻧﺪروس‬
‫وﺟﻌﻠﻮا ﻣﲀﳖﲈ أﺑاميﻧﻴﺪس اﻷﻗﺮﯾﻄﻲ وأانﺧﺎرﺳﻴﺲ اﻹﺳﻘﻮﰔ وﻗﻴﻞ إﳖّ ﻢ ﺗﺴﻌﺔ وأﺿﺎﻓﻮا إﻟﳱﻢ‬
‫أﯾﻀﺎ وﻣﻮﺳﻮن اذلي ﻣﻦ ﺧﻴﻨﻴﺎ وإﻧّـﲈ ﺣﺴـﺒﻮا ﺳـﺒﻌﺔ وأﺳﻘﻂ‬ ‫أانﺧﺎرﺳﻴﺲ اذلي ﻣﻦ ﺳﻘﻮﺛﻴﺎ ً‬
‫ً‬
‫ﻣﻨﻘﻮﺷﺎ ﻟﻴﻠﻘﻰ ﺷـﺒﻜﺘﻪ ﰲ‬ ‫ً‬
‫أﺣﺪااث وﻗﻔﻮا ﺑﺼ ّﻴﺎد ﻓﺪﻓﻌﻮا إﻟﻴﻪ‬ ‫ﻣﳯﻢ اﺛﻨﺎن ﳌﺎ أذﻛﺮﻩ وﻫﻮ أنّ‬
‫اﳌﺎء ﳁﺎ أﺻﻌﺪﺗﻪ ﺑﺒﺨﳤﻢ ﰷن ﳍﻢ ﻓﺄﺧﺬﻩ ﻣﳯﻢ وﻃﺮح ﺷـﺒﻜﺘﻪ ﰲ اﳌﺎء ﻓﺄﺻﻌﺪ ﻃﺮﯾﺒﻮذا ﻣﻦ‬
Avicenna – Al-Mubaššir ibn Fātik 407

Buch der Genesung 87.1–61


Es scheint, dass der älteste von ihnen derjenige war, der meinte, dass das
Wasser das einzige Element sei. Dazu brachte ihn seine Überzeugung, dass
das Element nachgiebig gegenüber der Gestaltung und Formung sein müsse,
so dass aus ihm das entsteht, dessen Element es ist, und alles, was dazu am
nachgiebigsten ist, das sei am geeignetsten, ein Element zu sein. Dann fand
er, dass diese Nachgiebigkeit eine differentia specifica der Feuchtigkeit sei,
und alle Leute glauben, dass die Feuchtigkeit Wasser sei oder etwas, in dem
das Wasser überwiegt. So machte er das einfache Wasser zum Element. Er
sagte: „Und deswegen sehen wir, wie die Lebewesen nur aus dem Feuchten
entstehen, nämlich dem Sperma.“

Al-Mubaššir ibn Fātik (11. Jh. n. Chr.)


Die in den Jahren 1048 und 1049 n. Chr. verfasste Sammlung Muḫtār al-
ḥikam wa-maḥāsin al-kalim (Auserlesene Maximen und vorzügliche Sen-
tenzen) des ägyptischen Gelehrten al-Mubaššir ibn Fātik enthält zwar kein
Kapitel über Thales, jedoch im Rahmen der Biographie Solons die Geschichte
mit dem goldenen Dreifuß.2 Franz Rosenthal hat wahrscheinlich gemacht,
dass sie über die Chronologie des Abū Isā ibn al-Munağğim auf die Philo-
sophiegeschichte des Porphyrios zurückgeht.3

Th 509
Auserlesene Maximen und vorzügliche Sentenzen 34.7–36.2
Solon war einer der Sieben Weisen, die zu ein und derselben Zeit lebten, näm-
lich Thales, Solon, Pittakos, Periandros, Chilon, Kleobulos und Bias. Manche
haben Pittakos und Periandros gestrichen und an ihre Stelle den Kreter Epi-
menides und den Skythen Anacharsis gesetzt. Man sagte auch, dass es neun
seien und fügte ihnen noch Anacharsis von Skythien und Myson von Chenea
hinzu. Jedoch rechnete man mit sieben, und zwei wurden davon gestrichen
wegen dem, was ich erwähnen werde. Und zwar traten junge Leute an einen

1 Vgl. auch die Korrespondenz zwischen Al-Bīrūnī u. Ibn Sīnā, Al-asila wa-l-ağwiba
bei Nasr/Mohaghegh 1972, 32, 2–4.
2 Vgl. Rosenthal 1960–1, 132–58.
3 Rosenthal 1937, 40 f. (ND 1990, I); vgl. Smith 1993, 225–8 (= Nr. 203aF).
‫‪408‬‬ ‫‪Al-Mubaššir ibn Fātik‬‬

‫ذﻫﺐ ﻓﺄز َﻣ َﻊ اﻟﺼ ّﻴﺎد ﻋﲆ ﻣﻨﻌﻬﻢ ّإايﻩ واﺣﺘﺞّ ﻋﻠﳱﻢ ﺑﺄﻧّﻪ إﻧّـﲈ ابﻋﻬﻢ ﲰﻜﺔ وﱂ ﯾﺒﻌﻬﻢ ﻃﺮﯾﺒﻮذا‬
‫ﴍط ﻋﲆ ﻧﻔﺴﻪ أن ﯾﻄﻠﻊ ﳍﻢ ﺑﺒﺨﳤﻢ ﻣﺎ ﻃﻠﻊ ﳍﻢ ﻓﻠ ّﻤﺎ ﻃﺎﻟﺖ‬ ‫ﻣﻦ ذﻫﺐ ﻓﺎﺣﺘﺠّ ﻮا ﻋﻠﻴﻪ أﻧّﻪ َ َ‬
‫ُ‬
‫ويح إﻟﳱﻢ أن ﯾﻨﻄﻠﻘﻮا‬ ‫اﳌﺸﺎﺟﺮة اﺗّﻔﻘﻮا ﻋﲆ أن ﯾﺘﻔﺎﺗَ ْﻮا إﱃ ّاهلل ﺳـﺒﺤﺎﻧﻪ ﳁﺎ أﻣﺮﱒ أﻧﻔﺬوﻩ ﻓﺄ ِ‬
‫ﺑﺪاي إﱃ اثﻟﻴﺲ ﻓﻮﺟّ ﻪ ﺑﻪ إﱃ‬ ‫ﺑﻪ إﱃ ﺑﻌﺾ اﳊﻜﲈء اﻟﺴـﺒﻌﺔ وﯾﻘﺒﻠﻮا ﺣُ ْ َﳬﻪ ﻓﺄﺗﻮا ابﻹﻃﺮﯾﺒﻮذ ً‬
‫ﺑﻴﺎس اﳊﻜﲓ واﺣﺘﺠﺰ ﺑﺄن ﻗﺎل ﻫﻮ أﺣﲂ ّﻣﲏ ﻓﺒﻌﺚ ﺑﻴﺎس إﱃ اﳊﻜﲓ اﻟﺜﺎﻟﺚ ﻓﺄرﺳهل‬
‫ﺣﱴ ﺟﺎز ﻋﲆ اﻟﺴـﺒﻌﺔ اﳊﻜﲈء ﻓﺮ ّدﻩ‬ ‫اﺣﺪ ﻳﺮﺳهل إﱃ اﻵﺧﺮ ّ‬ ‫ﰻو ٍ‬ ‫اﻟﺜﺎﻟﺚ إﱃ اﻟﺮاﺑﻊ ﻓﲅ ﻳﺰل ُّ‬
‫وﺟﻞ ﲾﻌﻠﻮﻩ ﰲ ﻫﻴﲁ أﻓﻮﻟﻮن‬ ‫اﻟﺴﺎﺑﻊ إﱃ اثﻟﻴﺲ ﻓﺄﺟﺎب ﺑﺄن ُ ْﳚﻌَﻞ ﰲ ﻫﻴﲁ اﻹهل ﻋ َّﺰ ّ‬
‫ـﺒﻌﺔ ]اﻹﻃﺮﯾﺒﻮذ[ ﻟﻠﺴـﺒﻌﺔ اﳊﻜﲈء اذلﻳﻦ َﻣ َّﺮ ﻋﲆ أﯾﺪﳞﻢ وأﻣّﺎ‬
‫‪2‬‬ ‫‪1‬‬ ‫اذلي ﺑﺪاﻟﻔﺲ ﻓﺼﺎرت ﺳ ً‬
‫اﻵﺧﺮون اذلﻳﻦ ﱂ ﯾ ّﺘﻔﻘﻮا ﻣﻌﻬﻢ ﰲ ﻫﺬا اﳌﻌﲎ ﻓﺄﻗ ُّﺮوا ﺑﻔﻀﻴةل ا ّﻟﺴﻦّ‬
‫‪Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.); (Auszeichnung des Tha-‬‬
‫)‪les/Umlauf des Dreifußes) Th 52 (w. s.‬‬

‫‪Th 510‬‬
‫‪Muḫtār al-ḥikam wa-maḥāsin al-kalim 302.5–8‬‬

‫وﺳـﺌﻞ اثﻟﻴﺲ اذلي ﻣﻦ أﻫﻞ ﻣﺎﻟﻄﻴﻪ ﱂ ﺻﺎر اذلﻳﻦ ﯾﻌﺎﻗﺒﻮن اﻟﺒﴩ ﻻ ﯾﻌﺎﻗﺒﻮﳖﻢ ﻋﲆ‬
‫ﻓﻜﺮﱒ اﻟﺮدﯾﺌﺔ وإﻧّـﲈ ﯾﻌﺎﻗﺒﻮﳖﻢ ﻋﲆ أﻓﻌﺎﳍﻢ ﻓﻘﻂ؟ ﻓﻘﺎل ﻣﻦ ِﻗـ َﺒﻞ أن اﻹﻧﺴﺎن ُﻗﺼِ ﺪ ﺑﻪ‬
‫ﻷن ﻻ ﯾﻔﻌﻞ اﻟﺮديء ﳑّﺎ ﯾﻔﻜﺮ ﻓﻴﻪ ﻻ أن ﻻ ﯾﻔﻜﺮ‬
‫)‪Sim. (Spruchweisheit) Th 89 (w. s.‬‬

‫‪1‬‬ ‫‪ Ed.: correxi‬ﺳﺎﺑﻌﺔ ] ﺳـﺒﻌ ًﺔ‬


‫‪2‬‬ ‫‪ Ed.: seclusi‬اﻹﻃﺮﯾﺒﻮذ‬
Al-Mubaššir ibn Fātik 409

Fischer heran und gaben ihm Geld, damit er sein Netz ins Wasser werfe und
wenn er zu ihrem Glück etwas heraufholte, sollte es ihnen gehören. Er nahm
das Geld von ihnen, warf sein Netz ins Wasser und holte einen goldenen
Dreifuß herauf. Da beharrte der Fischer darauf, ihnen diesen vorzuenthalten
und argumentierte gegen sie, dass er ihnen nur einen Fisch verkauft habe
und nicht einen goldenen Dreifuß. Sie argumentierten gegen ihn, dass er sich
verpflichtet habe, dass ihnen auf ihr Glück zukommen sollte, was für sie
herauskommt. Als sich der Streit in die Länge zog, kamen sie überein, dass
sie Gott, der gepriesen sei, um den Rechtsentscheid bitten sollten, und was er
ihnen befehlen würde, wollten sie so ausführen. Da gab er ihnen ein, dass sie
sich an einen der sieben Weisen wenden und seinen Richterspruch annehmen
sollten. Da brachten sie den Dreifuß zuerst zu Thales, und der sandte ihn
weiter an den weisen Bias. Der übte Zurückhaltung, indem er sagte: Er ist
weiser als ich. Da schickte ihn Bias an den dritten Weisen, und da sandte der
dritte ihn an den vierten. So schickte ihn jeder weiter an den anderen, bis er
bei den sieben Weisen die Runde gemacht hatte. So gab ihn der siebente an
Thales zurück. Der fand die Antwort, dass er im Tempel des Gottes, der groß
und erhaben ist, aufgestellt werden sollte. Da setzten sie ihn in den Tempel
Apollons in Delphi.1 So wurden es Sieben wegen der sieben Weisen, durch
deren Hände er gegangen war.2 Was die anderen anlangt, die nicht mit ihnen
übereinstimmen, so wurden sie wegen des Rangs ihres Alters eingefügt.

In einem angehängten Kapitel finden sich Gnomen und Chrien, die ver-
schiedenen Griechen zugeschrieben sind, darunter auch drei dem Thales.

Th 510
Auserlesene Maximen und vorzügliche Sentenzen 302.5–8
Man fragte Thales den Milesier, warum man die Menschen nicht wegen
schlechter Gedanken, sondern nur wegen schlechter Taten bestrafe. Er ant-

1 Der Buchstabenbestand DLFS ließe auch an Delos denken, aber da in der Majuskel-
schrift die Endungen oft durch Kürzel ausgedrückt wurden, ist in dem S am Ende
nur eine falsche Ergänzung durch den Übersetzer anzunehmen.
2 Der in der Edition bzw. in den Handschriften vorliegende Wortlaut (fa-ṣārat sābiatu
l-iṭrībūd li-s-sabati al-ḥukama alladīna marra alā aidīhim) ergibt keinen Sinn.
Mit einer kleineren Korrektur und der Tilgung von al-iṭrībūd („der Dreifuß“, so
zu punktieren) als einer sekundären, aber entbehrlichen Randglosse, die an falscher
Stelle in den Text geraten ist, habe ich den Satz versuchsweise wiederhergestellt. Der
Verfasser oder seine Vorlage wollte die kanonische Zahl Sieben begründen, obwohl
mehr alte Philosophen bekannt waren.
410 Al-Mubaššir ibn Fātik – Petrus Damianus

Th 511
Muḫtār al-ḥikam wa-maḥāsin al-kalim 314.8 f.

‫وﻗﺎل اثﻟﻴﺲ اﳌﻠﻴﴘ اﻟﻮاﺟﺐ ﻋﲆ اﻹﻧﺴﺎن ان ﯾﻌﲅ إذا ﺟﺎء ﻣﻦ أﻳﻦ ﺟﺎء وإذا ﺟﺎء ﱂ‬
‫ﺟﺎء وإذا اﻧﻘﻠﺐ إﱃ أﻳﻦ ﻳﻜﻮن اﻧﻘﻼﺑﻪ‬
Sim. (Spruchweisheit) Th 89 (w. s.)

Th 512
Muḫtār al-ḥikam wa-maḥāsin al-kalim 318.8 f.

‫وﻗﺎل اثﻟﻴﺲ ﻷﻣّﻪ وﻗﺪ ﻃﻠﺒﺖ إﻟﻴﻪ أن ﯾﱱ ّوج اﻣﺮأة ﻣﺎ آن ﱄ ﺑﻌﺪ ﻓﻠ ّﻤﺎ ﻃﺎل إﳊﺎهحﺎ‬
‫ﻋﻠﻴﻪ ﻗﺎل ﻗﺪ ﻣﴣ وﻗﺖ اﻟﱱوﱕ‬
Sim. (Familienstand) Th 112 (w. s.) (vgl. Th 237 [1.26])
Vgl. Th 129, Th 237 (Diog. Laert. 1.26), Th 368, Gnomologium Vaticanum
(Th 564) Nr. 318.

Petrus Damianus
Th 513
Epistulae 5.139–40 (ed. Migne PL 144.337A–B)
Philosophus quidam (92) nocte dum stellarum cursus, et meatus siderum
subtiliter rimaretur, in puteum repente corruit, et hianti, sicut dicitur, im-
manitate profundum et obscenis sordidum squaloribus plenum (93). Cui
nimirum philosopho domestica erat ancilla nomine Iambi, quae in domi-
num suum libere, ac prudenter invecta, per metrum Iambicum, quod ex
ea postmodum tale nomen accepit, super eo plausibiliter dixit: „Dominus,
inquit, meus ignorabat stercora, quae sub ejus pedibus erant, et nosse ten-
tabat sidera.“ Hoc itaque modo fit in diebus nostris, fit rustici et insipientes
quique, qui nil pene noverunt, nisi vomeribus arva proscindere, percos ac
Al-Mubaššir ibn Fāti – Petrus Damianus 411

wortete: „Weil man beabsichtigt, dass niemand eine schlechte Tat tue, was er
auch immer denken mag, aber nicht beabsichtigt, dass er nicht denken soll“.1

Th 511
Auserlesene Maximen und vorzügliche Sentenzen 314.8 f.
Thales aus Milet sagte: „Ein Mensch muss wissen, wenn er kommt, woher er
kommt und wozu er kommt, und, wenn er zurückkehrt, wohin er zurück-
kehrt.“ [Übers. S. 191, Nr. 113.]

Th 512
Auserlesene Maximen und vorzügliche Sentenzen 318.8 f.
Als die Mutter des Thales ihn bat, sich zu verheiraten, sagte er, dass die Zeit
dazu noch nicht gekommen sei. Als dann viel Zeit vergangen war und sie
ihn immer wieder drängte, sagte er: „Die Zeit zum Heiraten ist vorbei.“
[Übers. S. 195, Nr. 143.]

Petrus Damianus (um 1007–1072 n. Chr.)


Th 513
Briefe 5.139–40
Ein gewisser Philosoph stürzte, während er nachts den Lauf der Sterne und die
Bahnen der Gestirne genau auszuforschen suchte, plötzlich in einen Brunnen,
der ungeheuer tief war und von schmutzigem Unrat strotzte.2 Der Philosoph
hatte freilich eine Magd mit Namen Iambe, die gegen ihren Herren in freier, aber
kluger Weise loszog, und zwar im iambischen Versmaß, das später nach ihr

1 Übersetzung Rosenthal 1965, 178, Nr. 46; sinngemäß dasselbe auch oben unter dem
Ṣiwān al-ḥikma Th 499 12.
2 Siehe hierzu Blumenberg 1976, 30 ff.
412 Petrus Damianus – Michael Psellos

diversorum [337B] pecorum captabula custodire, nunc in compitis ac triviis


ante mulierculas, et combubulcos suos, non erubescant de Scripturarum
sanctarum sententiis disputare: imo, quod turpe est dicere, in tota nocte
subant [f. qui tota nocte cubant] inter femora mulierum, die non verentur
tractare de sermonibus angelorum, et hoc modo sanctorum dijudicant verba
doctorum.

Sim. (Brunnenfall) Th 19 (w. s.)

Michael Psellos
Th 514
Opuscula logica, physica, allegorica, alia 3.31–35 (ed. Duffy)
Ἓν μὲν οὖν εἶδος τῶν λόγωνÎ – ἢ εἰ βούλοιτό τις γένος καλεῖν – ἡ τῶν
Ἑλληνικῶν λόγων παιδεία τε καὶ συνάσκησις, ἧς διαιρεθείσης δόξαις ἑτε-
ρογνώμοσι προστάται τῶν παρ᾽ ἑκάστοις δοξῶν ἄλλοι ἄλλως ἐπέστησαν,
ὧν πάντων ἐπισημότερος Πυθαγόρας ἐγένετο, Θαλῇ μὲν συνακμάσας τῷ
Μιλησίῳ, πολὺ δὲ τὴν ἐκείνου σοφίαν διενεγκών‧

Sim. (Datierung) Th 171 (w. s.)

Th 515
Opusc. log., phys., alleg., alia 51.828–844
Φύσει δὲ πρῶτον τὸ συναναιροῦν καὶ μὴ συναναιρούμενον καὶ τὸ συ-
νεισφερόμενον καὶ μὴ συνεισφέρον δέ, ὡς ἐπὶ ζῴου καὶ ἀνθρώπου. εἰ οὖν
φαμεν Θαλῆν τὸν Μιλήσιον πρότερον ἐπιστῆσαι καὶ ἐπιγνῶναι, ὅτι ἐκ
τοῦ ἡλίου ἡ σελήνη τὸ φῶς δέχεται καὶ ὅτι μακρὰν ἐκείνου ἀφισταμένη
πλεῖον αὐτῆς τὸ φῶς καθορᾶται, πρὸς αὐτὸν δὲ ἐπανατρέχουσα καὶ τῇ
πρὸς αὐτὸν συνόδῳ τὴν πορείαν ποιουμένη ἄρξηται μειοῦσθαί τε καὶ τὸ
φῶς ἀποβάλλεσθαι καὶ τῷ σκιάσματι τῆς γῆς παρεμπεσοῦσα, τοῦ ἡλίου
κατὰ κάθετον αὐτῇ ὑπόντος ἐν τῷ ὑπὸ γῆν ἡμισφαιρίῳ, ἔκλειψιν παντελῆ
τοῦ ταύτης φωτὸς γίγνεσθαι, τῶν ἡλιακῶν ἀκτίνων ταύτῃ μὴ προσβα-
λουσῶνΖ τοῦτο δὲ τὸ πάθος ταύτῃ συμβέβηκεν ἐν μόνῃ πανσελήνῳ –, εἰ
οὖν πρώην ὁ Θαλῆς ἐπέστησε τῇ σεληνιακῇ ἐκλείψει, δηλονότι πρότερον
Petrus Damianus – Michael Psellos 413

den Namen erhielt. Sie sagte über ihn in einleuchtender Weise: „Den Unrat“,
so sagte sie, „der unter seinen Füßen war, wollte mein Herr nicht kennen, aber
ihn verlangte, die Gestirne zu erkennen.“ Und so geschieht es auf diese Weise
in unseren Tagen, es geschieht, dass ungebildete und törichte Leute, die bei-
nahe nichts wissen außer mit Pflügen die Schollen zu furchen und Schweine und
Pferche verschiedenen Viehs zu hüten, jetzt nicht rot werden, an Kreuzwegen
und öffentlichen Straßen vor Weibsbildern und ihren Mitknechten sich über
Aussagen aus den heiligen Schriften zu ergehen. In der Tat, es ist eine Schan-
de zu sagen, die ganze Nacht verbringen sie zwischen den Schenkeln der Wei-
ber und scheuen sich am Tage nicht, über die Reden der Engel zu handeln,
und urteilen auf diese Weise über die Worte heiliger gelehrter Männer.

Michael Psellos (um 1018 bis um 1078 n. Chr.)


Th 514
Logische, philosophische, allegorische Opuscula, Varia 3.31–35
Die Arten der philosophischen Diskurse – die Logoi der Griechen: Der be-
sonders hervorragende Pythagoras ‚blühte‘ zwar gemeinsam mit Thales,
zeichnete sich aber sehr vor dessen Weisheit aus.

Th 515
Logische, philosophische, allegorische Opuscula, Varia 51.828–844 (Die
zehn Kategorien)
Die Relation und Ungleichzeitigkeit von Wissen und Wissbarem. Die Mond-
finsternis existierte als Wissbares auch bevor Thales sie (bzw. ihre Ursachen
[vgl. Th 434]) entdeckte.
414 Michael Psellos

ἦν πρὸ αὐτοῦ τὸ ἐπιστητόν, ἤγουν ἡ σεληνιακὴ ἔκλειψις, καὶ ἡ ἐπιστήμη


αὐτοῦ οὐκ ἦν. οὐκοῦν καὶ χρόνῳ καὶ φύσει τὸ ἐπιστητὸν τῆς ἐπιστήμης
προϋπάρχει καὶ οὐχ ἅμα τοῖς πρός τί εἰσι. καὶ αἰσθητοῦ δὲ μὴ ὄντος οὐδὲ
αἴσθησίς ἐστι‧ ταύτης δὲ μὴ ὑπούσης οὐδὲν κωλύει αἰσθητὸν εἶναι πῦρ,
ἀέρα, ὕδωρ καὶ γῆν.

Sim. (Mondfinsternis/ Mondphasen) Th 178 (w. s.); (Relation von Wissba-


rem und Wissen Th 244 (w. s.)

Th 516
Opuscula psychologica, theologica, daemonologica 13.32.18–23 (ed. O’Meara)
Τὴν ψυχὴν οἱ μέν φασιν ἀσώματον, οἱ δὲ σῶμα, καὶ τούτων οἱ μὲν ἁπλοῦν,
οἱ δὲ σύνθετον, καὶ τούτων οἱ μὲν ἐκ συνημμένων, οἱ δὲ ἀσυνάπτων. τῶν
δὲ ἁπλοῦν οἱ μὲν αἰθέριον ἤγουν οὐράνιον, ὡς Ἡρακλείδης ὁ Ποντικός,
οἱ δὲ πῦρ, ὡς Ἡράκλειτος (ὅθεν καὶ πυρίαν αὐτὴν καλεῖ), οἱ δὲ ἀερίαν, ὡς
Ἀναξιμένης καί τινες τῶν Στωικῶν, οἱ δὲ δι᾽ ὕδατος, ὡς Θαλῆς καὶ Ἵππων
ὁ ἄθεος.

Sim. (Natur der Seele/ Magnetstein) Th 31 (w. s.); (Seele aus Wasser) Th 221
(w. s.) (vgl. Th 440)

Th 517
Opusc. psych., theol., daem. 13.44.20–21
Θαλῆς ἐν παντὶ σώματί φησιν εἶναι ψυχήν. πῶς οὖν ἐν πυρὶ καὶ ἀέρι τοῖς
καθαρωτέροις καὶ λεπτοτέροις οὐκ ἔστιν;

Sim. (Beseeltheit des Alls/göttliche Wesen) Th 32 (w. s.)

Th 518
Opusc. psych., theol., daem. 13.70.8–12
Ἀριστοτέλης βούλεται τὰς τρεῖς ψυχὰς καὶ μὴ ἓν εἶναι, καὶ οὐχ ἓν κυρίως‧
τὰ τρία γὰρ ταῦτα μίαν ἐμψυχίαν ποιεῖ. τὰ λογικὰ κινεῖ νοῦς, τὰ δὲ ἄλογα
φαντασία, ὡς κρείττονα μέρη ψυχῆς λογικῆς καὶ τῆς ἀλόγου. Σωκράτης
ἐν τῇ ἐπὶ Δηλίῳ μάχῃ νυχθήμερον στὰς οὐκ ᾔσθετο διὰ τὸ ἐννοεῖν τι, καὶ
Θαλῆς ἔπεσεν εἰς φρέαρ.

Sim. (Brunnenfall) Th 19 (w. s.)


Michael Psellos 415

Th 516
Psychologische, theologische, dämonologische Opuscula 13.32.18–23
Thales und Hippon glaubten, dass die Seele aus Wasser bestehe (vgl. Th 221).

Th 517
Psychologische, theologische, dämonologische Opuscula 13.44.20–21
Thales sagt, dass die Seele in jedem Körper sei. Weshalb ist sie nicht im Feuer
und in der Luft [vgl. Arist. De an. 1.5.411a9 f.], die reiner und feiner sind?

Th 518
Psychologische, theologische, dämonologische Opuscula 13.70.8–12
Thales fällt in den Brunnen (vgl. Th 444/ Th 445).
416 Michael Psellos – Ṣāid al-Andalusī

Th 519
Theologica opuscula 6.69–71 (ed. Gautier)
Ἀλλὰ τίνες ‛οἱ καταφυγόντες ἐπὶ τὰς ὑλικὰς ὑποθέσεις’; οἱ μὲν καθ᾽ ἓν τῶν
στοιχείων‧ Θαλῆς μὲν γὰρ τὸ ὕδωρ τοῦ παντὸς ᾐτιάσατο, τὸ δὲ πῦρ Ἀνα-
ξίμανδρος, τὴν δὲ γῆν Ἵππων‧

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 520
Theol. opusc. 23.25–32
Μία μὲν οὖν αὕτη δόξα τῶν κακῶς ὑπειλημμένων περὶ τοῦ πρώτου αἰτίου.
ἕτεροι δὲ ταύτην ὡς ἄτοπον καὶ ἀνόητον παραγκωνισάμενοι, ἐφιστῶσι
δυνάμεις τῷ κόσμῳ τινάς‧ ἡ δὲ ὑπόληψις αὕτη πολυμερὴς καὶ τῷ ὄντι
πολύαρχος‧ τοῦτο γὰρ εὖ ἴστε, ὅτι μὴ μία τις κεκράτηκεν ἐπὶ πάντων
Ἑλληνικὴ δόξα, ἀλλὰ τοῖς σφῶν ἡγεμόσι διεμερίσθησαν, καὶ οἱ μὲν τοῖς
Πυθαγόρου, οἱ δὲ τοῖς Πλάτωνος, οἱ δὲ τοῖς Ἀριστοτέλους προστίθενται‧
καὶ ἄλλοι τὴν Ἰωνικὴν ἀσπάζονται αἵρεσιν, εἰσὶ δὲ οὗτοι οἱ ἀπὸ Θαλοῦ‧
Ἴων γὰρ οὗτος ὢν τὴν οἰκείαν δόξαν Ἰωνικὴν ἐπωνόμασε.

Sim. (Ionische Schule) Th 147 (w. s.)

Ṣāid al-Andalusī
Th 521
Ṭabaqāt al-umam 82.2–4 (ed. Bū Alwān))

‫ﻓﻬﺆﻻء اﶆﺴﺔ ﱒ ﺳﺎدة اﳊﻜﲈء ﻋﻨﺪ اﻟﻴﻮانﻧ ّﻴﲔ اﳌﻌﺘﻨﻮن ﺑﻌﲅ اﻟﻔﻠﺴﻔﺔ وﳍﻢ ﻓﻼﺳﻔﺔ‬
‫ﻣﺸﻬﻮرون ﻏﲑ ﻫﺆﻻء ﻣﺜﻞ اثﻟﻴﺲ اﳌﻠﻄﻲ ﺻﺎﺣﺐ ﻓﻴﺜﺎﻏﻮرس‬
Michael Psellos – Ṣāid al-Andalusī 417

Th 519
Theologische Opuscula 6.69–71
Zu Basilius, Hexaem. hom. 1,2: „Einige nahmen bei den stofflichen Grund-
lagen Zuflucht“. Thales fand die Ursache des Ganzen im Wasser.

Th 520
Theologische Opuscula 23.25–32
Die Irrlehren über die erste Ursache (Zu Greg. Or. 29,2). Die „Ionische“
Schule des Thales. [...] Als Ionier benannte er nämlich die eigene Lehre als
„ionisch“.

Ṣāid al-Andalusī (1029–1070 n. Chr.)


Th 521
Der in Spanien lebende Historiker zählt in seinem Werk Ṭabaqāt al-umam
(Klassen der Völker) in einem Kapitel über die Wissenschaften in Griechen-
land fünf Persönlichkeiten auf, nämlich Empedokles, Pythagoras, Sokrates,
Platon und Aristoteles, um dann fortzufahren:

Klassen der Völker 82.2–4


Diese fünf Männer waren die Führer unter den griechischen Philosophen.
Es gab andere wohl bekannte griechische Philosophen wie Thales von Mi-
let, den Gefährten von Pythagoras.1

1 Übersetzung in: Semaan/Kumar 1991, 25.


418 Ṣāid al-Andalusī – Eustratios

Th 522
Ṭabaqāt al-umam 94.9–11

‫ﻗﺪ ﰷن ﻗﺪﻣﺎء ﻫﺆﻻء اﻟﻔﻼﺳﻔﺔ ﯾﻨﺘﺤﻠﻮن اﻟﻔﻠﺴﻔﺔ اﻟﻄﺒﻴﻌ ّﻴﺔ اﻟﱵ ﰷن ﯾﺬﻫﺐ إﻟﳱﺎ‬
‫ﻓﻴﺜﺎﻏﻮرس واثﻟﻴﺲ اﳌﻠﻄﻲ وﻋﻮا ّم اﻟﺼﺎﺑﺌﺔ ﻣﻦ اﻟﻴﻮانﻧ ّﻴﲔ واﳌﴫﯾّﲔ‬

Iohannes Sikeliotes
Th 523
Commentarius in Hermogenis librum περὶ ἰδέων 6.90.22–31 (ed. Walz)
Καί τις ἕτερος εἰς τὸν θεολόγον γράφων ἐγκώμιον τῇ φύσει πτηνὸν χιόνος
ψυχρότερον προοίμιον ὑπεστήσατο, ὡδί πως εἰπών‧ τὰ γὰρ πλείω ὡς
ἴλιγγον ποιοῦντα ἀφίημι, θείας μὲν ὑπόστασις οὐσίας καὶ φύσεως‧ λόγῳ
δὲ Γρηγόριος οὗτος τὸ ὕδωρ ὡς ὁ Θαλῆς πῦρ ἐποίησε, καὶ τὸν οὐρανὸν
εἰς γῆν ἔκλινεν, οὐ καταλλήλως μόνον, ἀλλὰ καὶ πάντη ἀνοήτως τῇ παρα-
βολῇ χρησάμενος, οὗ τὰ πονήματά τινες ἐξελίττοντες, χαλκοκορώνη φασὶ
τὰ μειράκια, καταβοῶσιν, οὐ γὰρ ἴσασιν, εἰ τὸ αἱρεθὲν φαίνεται μᾶλλον
τοῦ παραιρεθέντος‧

Sim. (Aggregatszustände) Th 94 (w. s.)

Eustratios
Th 524
In Aristotelis ethicam Nicomacheam commentaria 20.331.4–16 (ed. Heyl-
but)
[EN 6.7–8.1141b3]   Διὸ Ἀναξαγόραν καὶ Θαλῆν καὶ τοὺς τοιούτους σοφοὺς
μέν, φρονίμους δ᾽ οὔ φασιν εἶναι, ὅταν ἴδωσιν ἀγνοοῦντας τὰ συμφέροντα
ἑαυτοῖς, καὶ περιττὰ μὲν καὶ θαυμαστὰ καὶ χαλεπὰ καὶ δαιμόνια εἰδέναι
αὐτούς φασιν, ἄχρηστα δὲ διότι οὐ τὰ ἀνθρώπινα ἀγαθὰ ζητοῦσιν. 〈ἡ δὲ
φρόνησις περὶ τὰ ἀνθρώπινα〉 καὶ περὶ ὧν ἔστι βουλεύσασθαι.
Δείκνυσι τὸ ῥηθέν, ὅτι ἑτέρα τῆς φρονήσεως ἡ σοφία, καὶ εἰσέτι διά τινος
ἑτέρας κοινῆς ὑπολήψεως‧ περὶ δὲ ἄνδρας ὁμολογουμένους σοφοὺς Ἀνα-
Ṣāid al-Andalusī – Eustratios 419

Th 522
Etwas weiter im Text heißt es:

Klassen der Völker 94.9–11


Die frühen griechischen Philosophen spezialisierten sich auf das Studium
der Naturphilosophie, wie sie von Pythagoras und Thales von Milet vorge-
tragen wurde, ebenso wie die meisten Sabier,1 seien es Griechen oder Ägyp-
ter. [Übers. S. 29.]

Iohannes Sikeliotes (Ende 11. Jh. n. Chr.)


Th 523
Die rhetorische Fähigkeit Gregors von Nazianz wird mit der naturphiloso-
phischen Leistung des Thales verglichen:

Kommentar zu Hermogenes’ Über die Arten des Stils 6.90.22–31


[...] Durch seine Rede aber machte dieser Gregor [von Nazianz] das Wasser
wie Thales zu Feuer [...].

Eustratios (11./ 12. Jh. n. Chr.)


Th 524
Kommentar zu Aristoteles’ Nikomachischer Ethik 20.331.4–16 [EN 6.7–8.
1141b3]
„Daher behaupten die Leute, dass Anaxagoras und Thales und Menschen
ihrer Art zwar weise, aber ohne praktische Vernunft seien, wenn sie sehen,

1 Sabier wurden die gestirnanbetenden Heiden genannt, die sich in der Stadt Ḥarrān
im oberen Mesopotamien als ihrem religiösen Zentrum bis ins 11. Jahrhundert halten
konnten. Hier steht der Name als Synonym für die Anhänger aller vorchristlichen
Kulte.
420 Eustratios – Georgios Kedrenos

ξαγόραν τε καὶ Θαλῆν. ἰδοὺ γὰρ οὗτοι σοφοὶ μὲν λέγονται, φρόνιμοι δ᾽
οὔ, διότι ἀγνοοῦσι τὰ συμφέροντα ἑαυτοῖς. περὶ γὰρ τὰ ὑπὲρ τὸν βίον
τῶν ἀνθρώπων καὶ τὴν κοινὴν αὐτῶν διαγωγὴν ἀπασχολήσαντες ἑαυ-
τοὺς τῶν κατὰ τὸν βίον συμφερόντων ὑπερεφρόνησαν. οὗτοι γάρ, φησίν,
οἴδασι χαλεπὰ καὶ δαιμόνια καὶ περιττὰ καὶ θαυμαστά.

Sim. (Weise ohne praktische Vernunft) Th 27 (w. s.)

Georgios Kedrenos
Th 525
Compendium historiarum 1.275 (ed. Migne PG 121.312A)
Πρὸ τούτου δὲ γέγονε Θαλῆς, ὃς ἐπικεχείρηκε φιλοσοφίαν φυσικήν, ἀρχὴν
τοῦ παντὸς καὶ τέλος τὸ πῦρ καὶ τὸ ὕδωρ εἶναι φήσας, καὶ ἐξ αὐτῶν τὰ
πάντα συνίστασθαι‧ ἀφ᾽ ὧν καὶ τοὺς σεισμοὺς καὶ πνευμάτων συστροφὰς
καὶ ἄστρων κινήσεις γίνεσθαι. Ὅτι πρῶτος ὁ Θαλῆς τὸ τοῦ σοφοῦ ἔσχεν
ὄνομα, καὶ πρῶτος τὴν ψυχὴν εἶπεν ἀθάνατον, ἐκλείψεις τε καὶ ἰσημερίας
κατείληφε. Καὶ ἀποφθέγματα πλεῖστα κατέλιπε, καὶ τὸ θρυλούμενον,
„Γνῶθι σεαυτόν.“ Τὸ γάρ, „Ἐγγύα, πάρα δ᾽ ἄτη,“ Χίλωνος μᾶλλόν ἐστιν,
ἰδιοποιησαμένου αὐτὸ καὶ τὸ, „Μηδὲν ἄγαν.“

Sim. (Datierung) Th 171 (w. s.); (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (Erdbeben)


Th 99 (w. s.); (Winde) Th 178 (w. s.); (Natur der Seele/Magnetstein) Th 31
(w. s.); (Tag-und-Nacht-Gleiche) Th 265 (w. s.); (Sonnenfinsternis) Th 10
(w. s.); (Spruchweisheit) Th 89 (w. s.); (erster Weiser/Philosoph) Th 29 (w. s.)
Eustratios – Georgios Kedrenos 421

dass sie ihren eigenen Vorteil nicht kennen. Die Leute sagen aber auch, dass
sie [die Weisen] wohl Bedeutendes, Staunenswertes, schwer Verständliches
und Rätselhaftes, aber doch Unnützes wüssten, weil sie nicht nach dem
suchten, was für die Menschen gut ist. Die praktische Vernunft hat aber als
Bereich die menschlichen Angelegenheiten und das, was ein Mit-sich-zu-
Rate-gehen zulässt.“
Das Gesagte zeigt aber, dass die Weisheit etwas anderes ist als die praktische
Vernunft, auch noch durch eine weitere allgemeine Annahme: hinsichtlich
der nach allgemeiner Ansicht weisen Männer Anaxagoras und Thales. Denn
sie gelten zwar als weise, aber als nicht mit praktischer Vernunft begabt,
weil sie ihren eigenen Vorteil nicht kennen. Da sie keine Zeit für das hatten,
was über die Lebensweise und allgemeine Lebensführung der Menschen
hinausgeht, schätzten sie die Vorteile des Lebens gering. Denn sie wissen,
sagt Aristoteles, schwer Verständliches und Rätselhaftes, Bedeutendes und
Staunenswertes.

Georgios Kedrenos (11./ 12. Jh. n. Chr.)


Th 525
Weltchronik 1.275
Vor ihm [Pythagoras] lebte Thales, der sich an der Naturphilosophie ver-
suchte. Er sagte, dass das Prinzip des Alls und sein Ziel das Feuer und das
Wasser sei und dass aus ihnen alles Konkrete entstehe; von ihnen kämen auch
die Erdbeben, die Zusammenballungen der Winde und die Bewegungen der
Gestirne (vgl. Th 210). Er erhielt als Erster den Namen „Weiser“ und sagte
als Erster, dass die Seele unsterblich sei, und er erfasste die Finsternisse und
Tag-und-Nacht-Gleichen. Er hinterließ auch sehr viele Aussprüche, so das
viel erwähnte „Erkenne dich selbst!“. Der Ausspruch „Bürge, und schon ist
das Unheil da“ stammt nämlich eher von Chilon, der ihn beansprucht (vgl.
Th 495) und auch das „Nichts allzu sehr!“.
422 Wilhelm von Conches – Aš-Šahrastānī

Wilhelm von Conches


Th 526
Dragmaticon Philosophiae 6.2.1 (ed. Ronca)
(Cap. 2: De forma terrae) Philosophus: Vt superius praediximus, terra est
elementum in medio mundi positum atque ideo infimum. In omni enim
sperico, quod medium est infimum est. Cum uero sit infima, non est quo
descendat: non est ergo necesse quod aliquo sustineatur. Sed quia de hoc
satis superius diximus, de hoc taceamus. Illud uero quod dicit Thales, terram
ab aqua ad modum nauis sustineri; uel quod dixerunt quidam, terram ruere,
nec sentiri, qua in infinitum ruit, quia apertissime est falsum, dedignamur
refellere.

Sim. (Erde ruht auf dem Wasser) Th  30 (w.  s.); Sim. (Erdbeben) Th  99
(w. s.)

Aš-Šahrastānī
Th 527
Kitāb al-milal wa-n-niḥal 2.119.2–5 (ed. al-Wakīl) (= Jolivet S. 179)

‫اﳊﻜﲈء اﻟﺴـﺒﻌﺔ اذلﻳﻦ ﱒ أﺳﺎﻃﲔ اﳊﳬﺔ ﻣﻦ اﳌﻠﻄﻴﺔ وﺳﺎﻣﻴﺎ وأﺛﻴﻨﺔ وﱔ ﺑﻼدﱒ وأﻣﺎ‬
‫أﺳﲈؤﱒ ﻓﻬـﻲ اثﻟﻴﺲ اﳌﻠﻄﻲ وأﻧﻜﺴﺎﻏﻮرس وأﻧﻜﺴـاميﻧﺲ وأﻧﺒﺎدﻗﻠﻴﺲ وﻓﻴﺜﺎﻏﻮرس‬
‫وﺳﻘﺮاط وأﻓﻼﻃﻮن‬
Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.)

Th 528
Kitāb al-milal wa-n-niḥal 2.121.19–122.12 (= Jolivet 183.29–184.19)

َ ‫ﻓﻈﻬﺮ ﲠﺬﻩ اﻹﺷﺎرات أﻧﻪ إﻧّﲈ أراد ﺑﻘﻮهل اﳌﺎء ﻫﻮ‬


‫اﳌﺒﺪع اﻷ ّول أى ﻫﻮ ﻣﺒﺪأ اﻟﱰﻛﻴﺒﺎت‬
‫اﳉﺴﲈﻧ ّﻴﺔ ﻻ اﳌﺒﺪأ اﻷ ّول ﰲ اﳌﻮﺟﻮدات اﻟﻌﻠﻮﯾّﺔ ﻟﻜ ّﻨﻪ ﳌّـﺎ اﻋﺘﻘﺪ أنّ اﻟﻌﻨﴫ اﻷ ّول ﻫﻮ‬
Wilhelm von Conches – Aš-Šahrastānī 423

Wilhelm von Conches (um 1080–1154 n. Chr.)


Th 526
Dialog über Naturphilosophie 6.2.1
(Kap. 2: Die Form der Erde) Philosoph: Wie zuvor gesagt, ist die Erde ein
in der Mitte der Welt befindliches Element und daher unendlich. In jeder
Kugel ist nämlich unendlich, was in der Mitte ist. Da sie aber unendlich ist,
fällt sie nicht herunter. Sie muss also nicht gestützt werden. Aber genug
davon, da wir oben schon darüber gesprochen haben. Jene Behauptung des
Thales jedoch, dass die Erde vom Wasser wie ein Schiff getragen werde (vgl.
Th 99), oder was einige gesagt haben, dass die Erde falle, ohne dass man es
merke, weil sie ins Unendliche falle,1 ist offensichtlich falsch. Daher müssen
wir es nicht widerlegen.

Aš-Šahrastānī (1086–1153 n. Chr.)


Th 527
Das im Jahre 1127 n. Chr. entstandene und umfassend angelegte Kitāb
al-milal wa-n-niḥal (Buch der Religionen und der Sekten) des Schiiten aš-
Šahrastānī2 nennt im Kapitel über die griechischen Philosophen eingangs die
Sieben Weisen.

Buch der Religionen und der Sekten 2.119.2–5


Die Sieben Weisen, die da waren die Koryphäen der Weisheit aus Milet,
Samos und Athen, und das war ihre Heimat. Was ihre Namen anlangt, so
sind es Thales aus Milet, Anaxagoras, Anaximenes, Empedokles, Pythago-
ras, Sokrates und Platon.

Th 528
Es folgt ein etwas gekürzter und veränderter und mit Umstellungen behaf-
teter Auszug aus Pseudo-Ammonios, dabei entspricht in der Ausgabe von

1 Vgl. Sen. Quaest. nat. 7.14.3 f.


2 Anstelle der noch unbefriedigenden verschiedenen Texteditionen heute am besten zu
benutzen in der Übersetzung von Jolivet/Monnot 1993, Bd. 2, 180 f.
‫‪424‬‬ ‫‪Aš-Šahrastānī‬‬

‫ﻗﺎﺑﻞ ﰻ ﺻﻮرة أى ﻣﻨﺒﻊ اﻟﺼﻮر ّﳇﻬﺎ ﻓﺄﺛﺒﺖ ﰲ اﻟﻌﺎﱂ اﳉﺴﲈﱐ هل ﻣﺜﺎﻻ ﯾﻮازﯾﻪ ﰲ ﻗﺒﻮل‬
‫اﳌﺒﺪع اﻷ ّول ﰲ ّ‬
‫اﳌﺮﻛﺒﺎت‬ ‫اﻟﺼﻮر ّﳇﻬﺎ وﱂ ﳚﺪ ﻋﻨﴫا ﻋﲆ ﻫﺬا اﻟﳯﺞ ﻣﺜﻞ اﳌﺎء ﲾﻌهل َ‬
‫وأﻧﺸﺄ ﻣﻨﻪ اﻷﺟﺴﺎم واﻷﺟﺮام اﻟﺴﲈوﯾّﺔ واﻷرﺿ ّﻴﺔ وﰲ اﻟﺘﻮراة ﰲ اﻟﺴﻔﺮ اﻷ ّول ﻣﳯﺎ أن‬
‫ﻣﺒﺪأ اﳋﻠﻖ ﻫﻮ ﺟﻮﻫﺮ ﺧﻠﻘﻪ ّاهلل ﺗﻌﺎﱃ ّﰒ ﻧﻈﺮ إﻟﻴﻪ ﻧﻈﺮة اﻟﻬﻴﺒﺔ ﻓﺬاﺑﺖ أﺟﺰاؤﻩ ﻓﺼﺎرت‬
‫ﻣﺎء ّﰒ اثر ﻣﻦ اﳌﺎء ﲞﺎر ﻣﺜﻞ ادلﺧﺎن ﳀﻠﻖ ﻣﻨﻪ اﻟﺴﻤﻮات وﻇﻬﺮ ﻋﲆ وﺟﻪ اﳌﺎء زﺑﺪ‬
‫ﻣﺜﻞ زﺑﺪ اﻟﺒﺤﺮ ﳀﻠﻖ ﻣﻨﻪ اﻷرض ّﰒ أرﺳﺎﻫﺎ ابﳉﺒﺎل وﻛﺄنّ اثﻟﻴﺲ اﳌﻠﻄﻲ إﳕّﺎ ﺗﻠ ّﻘﻰ‬
‫ﻣﺬﻫﺒﻪ ﻣﻦ ﻫﺬﻩ اﳌﺸﲀة اﻟﻨﺒﻮﯾّﺔ واذلي أﺛﺒﺘﻪ ﻣﻦ اﻟﻌﻨﴫ اﻷ ّول اذلي ﻫﻮ ﻣﻨﺒﻊ اﻟﺼﻮر‬
‫ﺷﺪﯾﺪ اﻟﺸـﺒﻪ ابﻟﻠﻮح اﶈﻔﻮظ اﳌﺬﻛﻮر ﰲ اﻟﻜﺘﺐ اﻹﻟﻬ ّﻴﺔ إذ ﻓﻴﻪ ﲨﻴﻊ أﺣﲀم اﳌﻌﻠﻮﻣﺎت‬
‫وﺻﻮر ﲨﻴﻊ اﳌﻮﺟﻮدات واﳋﱪ ﻋﻦ اﻟﲀﺋﻨﺎت واﳌﺎء ﻋﲆ اﻟﻘﻮل اﻟﺜﺎﱐ ﺷﺪﯾﺪ اﻟﺸـﺒﻪ‬
‫ابﳌﺎء اذلي ﻋﻠﻴﻪ اﻟﻌﺮش ) َوﰷنَ َﻋ ْﺮ ُﺷ ُﻪ ﻋ ََﲆ اﳌـﺎءِ(‬
‫)‪Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.‬‬
Aš-Šahrastānī 425

al-Wakīl, Teil 2, S. 119, 17–20 (vgl. Jolivet, S. 181, 2–8) der Passus bei Ru-
dolph, Kap. XIII, S. 6–9 (Übers., S. 90), und S. 120, 1–13 (vgl. Jolivet, S. 181,
9–182, 13) der Passus bei Rudolph, Kap. II, S. 34, 3–35, 4 (Übers., S. 80 f.)
und S. 120, 21–121, 18 (vgl. Jolivet, S. 182, 27–183, 28) der Passus bei Ru-
dolph, Kap. XIII, S. 48, 17–50, 5, s.o. Th 483. Dem schließt aš-Šahrastānī
eigene Gedanken an:

Buch der Religionen und der Sekten 2.121.19–122.12


Aus diesen Andeutungen geht hervor, dass er mit seiner Rede, dass das
Wasser das erste Geschaffene war, d. h. der Anfang der zusammengesetzten
Körper, nicht den ersten Anfang von den höheren existierenden Dingen ge-
meint hat, sondern dass er, da er überzeugt war, dass das erste Element jede
Form aufnimmt, d. h. der Ursprung aller Formen ist, in der körperlichen
Welt ein Gleichnis statuierte, das zu ihm in der Aufnahme aller Formen ein
Gegenstück bildet. So fand er kein Element, das so wie das Wasser dazu
geeignet war. So machte er es zum ersten Geschaffenen bei den zusammen-
gesetzten Dingen und ließ aus ihm die gestalteten und die ungestalteten
Körper entstehen, die himmlischen wie die irdischen. Er1 sagte in der Thora
im ersten Buch, dass der Anfang der Schöpfung eine Substanz war, die Gott,
der erhaben ist, schuf. Dann blickte er ehrfurchtgebietend darauf, und da
schmolzen ihre Teile und wurden zu Wasser. Dann stieg von dem Wasser
ein Dampf auf wie ein Rauch, und daraus schuf er die Himmel. Auf der
Oberfläche des Wassers erschien ein Schaum wie der Schaum des Meeres.
Da schuf er daraus die Erde, dann befestigte er sie mit den Bergen.2 Das
ist, als ob Thales von Milet seine Lehre aus der Lichtnische der Prophetie3
genommen hätte. Was er von dem ersten Element, welches der Ursprung
der Formen ist, versicherte, ist sehr ähnlich der verwahrten Tafel, die in den
göttlichen Büchern erwähnt ist4, denn in ihr sind alle Entscheidungen über
die bekannten Dinge und die Formen aller existierenden Dinge und die
Nachricht von denen, die entstehen sollen. Und das Wasser ist gemäß der
zweiten Rede sehr ähnlich dem Wasser, auf dem der Thron steht. „Und sein
Thron war auf dem Wasser.“5

1 Wer ist hier gemeint? Vermutlich Gott selbst, da die Thora nach muslimischer Über-
zeugung auch eine offenbarte Schrift ist.
2 Zu den Abweichungen vom biblischen Bericht wie auch vom Koran vgl. Jolivet 1993,
184, Anm. 12.
3 Vgl. Sure 24.35.
4 Sure 85.22.
5 Sure 11.7.
426 Aš-Šahrastānī – Heliodor

Th 529
Kitāb al-milal wa-n-niḥal 2.167.9–13 (= Jolivet 259)

‫وﻗﻴﻞ إنّ وﺟﻮد اﻟﺸﻌﺮ ﰲ أﻣّﺔ ﯾﻮانن ﰷن ﻗﺒﻞ اﻟﻔﻠﺴﻔﺔ وإﻧّـﲈ أﺑﺪﻋﻪ أوﻣﲑوس واثﻟﻴﺲ‬
‫ﰷن ﺑﻌﺪﻩ ﺑﺜﻼﲦﺎﺋﺔ واﺛﻨﺘﲔ وﲦﺎﻧﲔ ﺳـﻨﺔ وأ ّول ﻓﻴﻠﺴﻮف ﰷن ﻣﳯﻢ ﰲ ﺳـﻨﺔ ﺗﺴﻌﲈﺋﺔ‬
‫وإﺣﺪى وﲬﺴﲔ ﻣﻦ وﻓﺎة ﻣﻮﳻ ﻋﻠﻴﻪ اﻟﺴﻼم وﻫﺬا ﻣﺎ أﺧﱪ ﺑﻪ ﻛﻮرﻟﺲ ﰲ ﻛﺘﺎﺑﻪ‬
‫وذﻛﺮ ﻓﻮرﻓﻮرﯾﻮس أنّ اثﻟﻴﺲ ﻇﻬﺮ ﰲ ﺳـﻨﺔ ﺛﻼث وﻋﴩﻳﻦ وﻣﺎﺋﺔ ﻣﻦ ﻣكل ﲞﺘﻨﴫ‬
Sim. (Datierung) Th 171 (w. s.)

Hugo von St. Victor


Th 530
Didascalion de studio legendi 3.2 (ed. Offergeld)
(Cap.2 De auctoribus artium) Theologus apud Graecos Linus fuit, apud
Latinos, Varro, et nostri temporis, Ioannes Scotus de decem categoriis in
Deum. Physicam naturalem, apud Graecos, Thales Milesius unus de septem
sapientibus repperit, apud Latinos, Plinius descripsit.

Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.); (erster Weiser/Philo-
soph) Th 29 (w. s.)

Heliodor (12. Jh. n. Chr.)


Th 531
Paraphrasis ethicae Nicomacheae 19.2.122.23–28 (ed. Heylbut)
[Arist. EN 6.8.141a20–b19] Ἐκ τῶν εἰρημένων δὲ δῆλον, ὅτι σοφία ἐστὶ
νοῦς καὶ ἐπιστήμη, περὶ τὰ φύσει τιμιώτατα, ἅ εἰσι τὰ ἀναγκαῖα καὶ ἀεὶ
ὡσαύτως ἔχοντα. διὸ Ἀναξαγόραν καὶ Θαλῆν καὶ τοὺς τοιούτους σο-
φοὺς μὲν λέγουσι, φρονίμους δὲ οὐδαμῶς, διότι τὰ μὲν αὑτοῖς συμφέρο-
ντα ἠγνόουν καὶ τὰ πρὸς τὸν βίον χρήσιμα, ἐγίνωσκον δὲ περιττά τινα
καὶ θαυμαστὰ καὶ χαλεπὰ καὶ δαιμόνια.

Sim. (Weise ohne praktische Vernunft) Th 27 (w. s.)


Aš-Šahrastānī – Heliodor 427

Th 529
Am Ende eines Kapitels über Homer wird noch Folgendes nachgetragen:

Buch der Religionen und der Sekten 2.167.9–13


Es wird gesagt, dass es im Volk der Griechen die Dichtung vor der Philoso-
phie gab. Geschaffen hatte sie Homer, und Thales war 382 Jahre nach ihm.
Ihr erster Philosoph lebte im Jahre 951 nach dem Tod des Moses, über dem
Friede sei. Das ist es, was Kyrill in seinem Buch berichtet, und Porphyrios
erwähnt (Th 248), dass Thales im Jahre 123 der Ära Buḫtnaṣars auftrat.1

Hugo von St. Victor um 1096–1141


Th 530
Anleitung zum Studium des Lesens 3.2 (verf. um 1127 n. Chr.)
(Die Urheber der Künste). Thales, einer der Sieben Weisen, hat die Natur-
philosophie bei den Griechen entdeckt.2

Heliodor (12. Jh. n. Chr.)


Th 531
Paraphrase zu Aristoteles’ Nikomachischer Ethik 19.2.122.23–28 [Arist. EN
6.8.1141a20–b19].

Paraphrase von Th 27.

1 Vgl. Smith 1993, 229 (= Nr. 204F).


2 Vgl. Auctor incertus, Excerptiones allegoricae I 24 (Migne PL 177.202C)
428 Iohannes Galenos Grammaticus – Iohannes Tzetzes

Iohannes Galenos Grammaticus

Th 532
Allegoriae in Hesiodi theogoniam 305.30–306.3 (ed. Flach)
Ἡσίοδος δὲ γεννᾷ τἆλλα ἐκ τοῦ ὕδατος καὶ ἀρχαιότερον πάντων τὸ ὕδωρ
τίθησιν, ἀπὸ τῆς χύσεως παρονομάσας αὐτὸ χάος‧ χυτὸν γὰρ καὶ ῥυτὸν
τὸ [306] ὕδωρ. ἐξ αὐτοῦ δ᾽ οἶμαι καὶ τὸν Μιλήσιον Θάλητα τὴν δόξαν
ταύτην σφετερίσασθαι καὶ Πίνδαρον, ἄριστον τὸ ὕδωρ λέγοντα.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (Wasserhypothese geht auf erste Theolo-
gen/Homer zurück) Th 29 (w. s.)

Iohannes Tzetzes
Th 533
Chiliades 2.872–80 (Ed. Leone)
Θαλῆς σοφὸς Μιλήσιος εἷς τῆς σοφῶν ἑπτάδος
τοῦ Ἀσσυρίου μαθητὴς ὑπάρχων Φερεκύδους,
ἐκλείψεις περιόδους τε σελένης εὗρε πρῶτος,
ἐν χρόνοις ὢν τοῖς τοῦ Λυδοῦ Κροίσου τοῦ πολυχρύσου,
ᾧ καὶ προεῖπεν ἔκλειψιν γενέσθαι σεληναίαν.
Οὗ γεγονότος ἅπαντας τότε πρὸς θάμβος ἦξεν·
ἀσύνηθες εἰσέτι γὰρ ἔκλειψις ἦν σελήνης.
Τινὲς μὲν τοῦτον ἔφασαν ἐφενρετὴν ὧν ἔφην.
οἱ δὲ τῷ Ἐνδυμίωνι πορσάπτουσιν ἐκεῖνα [...]

Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.); (Mondfinsternis/Mond-


phasen) Th 178 (w. s.)

Th 534
Chil. 11.77 f.
[...]    οὗτος ὁ Πυθαγόρας,
σὺν τῷ Θαλῇ κατήκουσε τοῦ Σύρου Φερεκύδους (Th 5)
Iohannes Galenos Grammaticus – Iohannes Tzetzes 429

Iohannes Galenos Grammaticus


(verm. 1. Hälfte 12. Jh. n. Chr.)
Th 532
Allegorien zur Theogonie Hesiods 305.30–306.3
Hesiod aber lässt alles andere aus dem Wasser entstehen und behauptet, dass
das Wasser älter als alle Dinge sei, indem er vom Wort „Ausgießen“ (Chysis)
das Chaos ableitet; denn das Wasser ist gießbar und flüssig. Ich glaube, dass
sich danach auch Thales von Milet diese Ansicht angeeignet hat und Pindar,
der sagte, dass das Wasser das Beste sei (vgl. Th 286, Th 583).

Iohannes Tzetzes (ca. 1110–1185 n. Chr.)


Th 533
Chiliaden 2.872–80
Thales, der Weise aus Milet, einer der Sieben Weisen,
ein Schüler des Assyrers Pherekydes [vgl. Th 498, Th 534],
fand zuerst die Finsternisse und Umläufe des Mondes.
Er lebte zur Zeit der vielgoldenen Lyders Kroisos.
Ihm sagte er auch voraus, dass eine Mondfinsternis sein werde.
Als sie eintrat, brachte er alle damals zum Staunen;
denn eine Finsternis des Mondes war noch ungewohnt.
Manche sagten, er sei der Entdecker, von dem ich sprach.
Manche aber schreiben es dem Endymion zu [...]

Th 534
Chiliaden 11.77 f.
Dieser Pythagoras
hörte zusammen mit Thales den Syrer Pherekydes (vgl. Th 498, Th 533).
430 Iohannes Tzetzes

Th 535
Commentarium in nubes 180a.1–b.1 (ed. Holwerda)
Τί δῆτ᾽ ἐκεῖνον τὸν Θαλῆν: ἐνταῦθα μηδὲν προσφυὲς εἰπεῖν ἔχοντες οἱ γρά-
ψαντες πρὸ ἐμοῦ φασιν ἅπερ φασίν. σὺ δὲ σαφῶς τε ὁμοῦ καὶ συντόμως
καὶ προσφυῶς τῇ ἐννοίᾳ νῦν ἄκουε. ὁ Θαλῆς οὗτος σοφὸς Μιλήσιος ἦν
ἰσόχρονος τῇ τῶν σοφῶν ἑπτάδι τῇ κατὰ Σόλωνα. καὶ πρῶτος Ἑλλήνων
σελήνης ἔκλειψιν, μᾶλλον δὲ ὑποσκίασιν μέλλουσαν γεγονέναι τοῖς περὶ
Ἀλυάττην προεῖπεν. καὶ τὸν Κροῖσον δὲ μὴ περαιωθέντα τὸν Ἅλυν πε-
περακέναι πεποίηκε μηνοειδέσιν 〈ἡμι〉κυκλίοις/ μηνισκοκύκλοις1 τῶν τά-
φρων ὀρύγμασιν. ὡς οὖν κἀνταῦθα ὁ Στρεψιάδης τὸ περὶ τῆς ἐνδείας καὶ
τῆς τοῦ ἱματίου κλοπῆς μηχάνημα τὸ γεγονὸς τάχα παρὰ τοῦ Σωκρά-
τους κατήκουσεν, ἐκπλήττεται καί φησι‧ τί δῆτα τὸν Θαλῆν ἐκεῖνον θαυ-
μάζομεν τοιαῦτα ἐπὶ τοῦ Κροίσου μηχανησάμενον, νῦν τοῦ Σωκράτους
μηχανωμένου τοιαῦτα; ἰστέον δέ σοι, ὅτι διττῶς γράφεται‧ Θάλης Θάλη-
τος, καὶ Θαλῆς Θαλοῦ.

Sim. Th 17; (Datierung) Th 171 (w. s.); (Thales, einer der Sieben Weisen)
Th 20 (w. s.); (Mondfinsternis/ Mondphasen) Th 178 (w. s.); (Umlenkung
des Halys) Th 11 (w. s.); (Sonnenfinsternis) Th 10 (w. s.)

Th 536
Commentarium in plutum 9.1–42 (ed. Positano)
((Ὅς)) θεσπιῳδεῖ: ((ἀντὶ τοῦ)) χρησμολογεῖ, θεσμολογεῖ. τρίπους ἀνάκει-
ται τῷ Ἀπόλλωνι ὡς εἰδότι ((τὰ τῶν τριῶν χρόνων,)) „τά τ᾽ ἐόντα τά τ᾽
ἐσσόμενα πρό τ᾽ ἐόντα“. χρυσοῦς δὲ τρίπους ἀφ᾽ ἱστορίας τῆσδε‧ ἁλιεῖς
Μιλήσιοι βόλον ἐκ θαλάσσης ἐξεῖλκον ἰχθύων, Κῷοι δὲ διερχόμενοι τὸ ἀνα-
χθησόμενον ὠνοῦνται εἰς τύχην. ἀνήχθη (δὲ) χρυσοῦς τρίπους ἀλλ᾽ οὐκ
ἰχθύες. οὗ φανέντος καὶ φιλονεικούντων Κῴων καὶ Μιλησίων περὶ αὐτοῦ,
βαρὺν ἡ Μίλητος συρρήγνυσι πόλεμονΖ ἁρμοδιαίτατον γὰρ ἦν τοῦτο-
καὶ ἡ Κῶς‧ παίζειν χρεὼν γὰρ καὶ γελᾶν γενειάδας σχεδεκδοτούντων καὶ
στυγούντων τὰς βίβλους. τρυχόμενοι δὲ τῷ πολέμῳ Κῷοί τε καὶ Μιλήσιοι
ἄμφω τινὰς στείλαντες τοῦτον ἀκούουσι τὸν χρησμόν‧ [...]
πρώτως οὖν (ὁ τρίπους) ἐδόθη Θαλῇ‧ ἐκείνου δὲ σοφώτερον ἕτερον εἶναι
λέγοντος ἑαυτοῦ, κἀκείνου δὲ ἕτερον, διὰ τῶν ἑπτὰ σοφῶν ὁ τρίπους πε-
ριστρεφόμενος πάλιν εἰς τὸν Θαλῆν δευτέρως ἀνέκαμψεν‧ ὁ δὲ τοῦτον ἀνέ-
θετο τῷ Διδυμαίῳ Ἀπόλλωνι, ἐπιγράψας τούσδε τοὺς χωλιάμβους‧

1 Es handelt sich bei μηνοειδέσιν 〈ἡμι〉κυκλίοις und μηνισκοκύκλοις um Textvarian-


ten, die in der Edition in einer Zeile übereinander abgedruckt sind.
Iohannes Tzetzes 431

Th 535
Kommentar zu Aristophanes’ Wolken 180
„Und wir bewundern noch den Thales?“ Da hier die Schreiber vor mir
nichts Geeignetes zu sagen hatten, sagen sie, was sie sagen. Du aber ver-
nimm jetzt klar, kurz und in dem Sinn geeigneter Weise: Dieser Thales war
ein weiser Milesier, ein Zeitgenosse der Sieben Weisen zur Zeit Solons. Und
als erster Grieche sagte er eine Mondfinsternis oder eher eine eintretende
Verdunklung dem Alyattes und seinen Leuten voraus. Und als Kroisos
nicht hinübergedrungen war, ließ er ihn über den Halys übersetzen mit
Hilfe von halbmondförmigen Gräben. Wie also Strepsiades die Sache mit
dem fehlenden Essen und das schnell von Sokrates ersonnene Mittel des
Gewanddiebstahls vernimmt, ist er erstaunt und sagt: „Und wir bewundern
noch den Thales, der solche Dinge bei Kroisos bewerkstelligt hat, wo doch
Sokrates nun solche Dinge bewerkstelligt?“ Du musst aber wissen, dass es
zwei Schreibweisen gibt: Θάλης Θάλητος und Θαλῆς Θαλοῦ.

Th 536
Kommentar zu Aristophanes’ Plutos 9.1–42
„Der sein Orakel singt“ Zur Erläuterung des Dreifußes des Apollonorakels
wird die Geschichte vom umlaufenden goldenen Dreifuß berichtet. Dieser
wandert von Thales wieder zu Thales, der ihn schließlich Apollon weiht
(Zitat Th 52, 76–77)
432 Iohannes Tzetzes – Iohannes von Salisbury

«Θαλῆς με τῷ μεδεῦντι Νείλεω δήμου


δίδωσι, τοῦτο δὶς λαβὼν ἀριστεῖον».
οὕτω χρυσοῦς τρίπους ἦν τῷ Ἀπόλλωνι.

Sim. (Auszeichnung des Thales/ Umlauf des Dreifußes) Th 52 (w. s.)

Th 537
Scholia in Lycophronem 145 (ed. Scheer)
Πήναις ἀτράκτοις νήμασι παρὰ τὸ πένω τὸ ἐνεργῶ πίνα δὲ τὸ ζῶον παρὰ
τὸ πῖνος, ὃ σημαίνει τὸν ῥύπον. δὴν τὸ πολυχρόνιον καὶ ἐξ αὐτοῦ δηναιὸς
καὶ δηναιά. πολυχρονίαν δὲ καὶ παλαιὰν τὴν θάλασσαν λέγει διὰ τὸ
πρῶτον εἶναι στοιχεῖον κατὰ Φερεκύδην καὶ Θαλῆν.

Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.)

Th 538
Schol. in Lyc. 482
Ἀστρολογίαν γὰρ, ἐνιαυτόν, μῆνας, ἰσημερίας καὶ τὰ τοιαῦτα Πᾶν Ἀρρκά-
δων βασιλεὺς ἢ Ἄτλας Λίβυς (879) εὗρεν ἀπὸ σελήνης τοὺς μῆνας συλλο-
γισάμενος, ὕστερον δὲ Θαλῆς.

Sim. (Jahreszeiten) Th 178 (w. s.); (Tag-und-Nacht-Gleiche) Th 265 (w. s.);


(Thales als Vertreter der Astronomie) Th 103 (w. s.)

Iohannes von Salisbury


Th 539
Epistolae 143 (ed. Millor/ Butler/ Brooke)
Ad tertiam progredior quaestionem: Quidnam sit mensa solis in sabulo,
quam famosissimam inter gymnosophistas scrutator veritatis, et litterarum
[0130C] diligentissimus persecutor Appollonius conspexit in sabulo, super
quo omnes consului, qui in Francia primatum videntur habere Scriptura-
rum, sed quia eos gentilis historia latuit, non multum reprehendo, si quod
non didicerant, docere nequiverunt. Quidam tamen imprudentiam suam
impudentius detexerunt, id solum inepta responsione persuadentes, quod
a doctoribus, quos diu et multa mercede conduxerant, nihil scire didicer-
Iohannes Tzetzes – Iohannes von Salisbury 433

Th 537
Scholien zu Lykophron Vers 145
Er nennt das Meer „langwährend“ und „alt“, weil es nach Pherekydes und
Thales das erste Element ist.

Th 538
Scholien zu Lykophron Vers 482
Die Astronomie, das Jahr, die Monate, die Tag-und-Nacht-Gleichen und
Derartiges entdeckte der König der Arkader, Pan, oder der Libyer Atlas,
indem sie die Monate nach dem Mond berechneten, später aber Thales.1

Iohannes von Salisbury (um 1115–1180 n. Chr.)


Th 539
Briefe 143
Die Geschichte vom Dreifuß nach Valerius Maximus erzählt (Th 95).

1 Vgl. Schol. in Aesch. Prometheum vinctum 438d1–10 (ed. Herington). Leider erst in
der Korrekturphase wurde mir die Edition des unbekannten Teils der Ilias-Exegesis
des Iohannes Tzetzes (Lolos 1981) zugänglich. Hier finden sich einige Erwähnungen
des Thales zum Prinzip Wasser bzw. zur Ursache der Nilschwelle.
434 Iohannes von Salisbury

unt. Historia autem haec quam veritate refertus et litteris Hieronymus in


praefatis apicibus tangit, apud Valerium Maximum reperitur in lib. III, cap.
1, titulo De moderatione. Accidit enim, ut refert, quod a piscatoribus in
Milesia regione everriculum trahentibus, [0130D] quidam jactum emerat.
Extracta demum magni ponderis aurea Delphica mensa, orta controversia
est, illis se capturam piscium vendidisse affirmantibus, hoc econtra dicente
se emisse duntaxat fortunam jactus. Audita quaestione populus civitatis,
propter novitatem et magnitudinem rei, causam ad consultationem Delphici
Apollinis censuit referendam. Consultus vero respondit ei dandam esse, qui
omnes alios sapientia antecederet, alioquin accipienti injucundam fore et
noxiam. Itaque quia Thales Milesius judicio auditorum, inter septem, quos
tunc prae caeteris Graecia celebrabat, sapientissimus habebatur, denuntia-
verunt ei, ut jam dictae mensae possessionem adiret, qui, audita consultati-
onis forma et responso Apollinis, [0131A] prudenti humilitate, non se, sed
Biam Pyrenaeum, dixit Apollinis oraculo designatum. Aditus est et iste pri-
ori similiter, et in eumdem modum conditionem in Mitylenaeum Pittacum
transtulit; interim mensa jacente in sabulo, et propter novitatem eventus et
moderationem sapientum: et quia nullus de populo praesumebat invadere
aurum, quod a se tanto studio sapientissimi removebant, casum hunc non
tam mirabilem quam stupendum, talium praeconatrix fama longe lateque
vulgavit. Mensa itaque famosissima facta est, dum ad singulos sapientum
septem sic ipsius procedebat oblatio, donec ventum est ad Solonem, qui et
titulum amplissimae sapientiae, et munus oblatum contulit in Apollinem, in
quo sol colitur, quia omnia contemplatur, [0131B] et cujus virtus ignea sic
penetrat universa, ut ei nihil possit esse absconditum: unde et mensa solis
dicta est, quam Apollonius in sabulo jacentem, dum litteras persequeretur,
inspexit.

Sim. (Auszeichnung des Thales/ Umlauf des Dreifußes) Th 52 (w. s.); (Tha-
les, einer der Sieben Weisen) Th 20 (w. s.)

Th 540
Polycraticus 5 (ed. Webb)
(Cap. 5 De Ionico genere philosophorum, et auctoritate Socratis, et dogmate
Platonis, et opinione ejus post mortem. [0643D]) Alterum vero philosopho-
rum genus est, quod Ionicum dicitur, et a Graecis ulterioribus traxit origi-
nem. Horum princeps fuit Thales Milesius, unus illorum septem, qui dicti
sunt sapientes. Iste cum rerum naturam scrutatus, inter caeteros emicuisset,
maxime admirabilis exstitit, quod astrologiae numeris comprehensis, solis
Iohannes von Salisbury 435

Th 540
Polycraticus 5
Die ‚ionische‘ Schule der Philosophie geht auf Thales, einen der Sieben Wei-
sen zurück. Er zeichnete sich besonders durch seine astronomischen Kennt-
nisse aus, die Voraussage von Sonnen- und Mondfinsternissen (vgl. Th 311).
Seine Schüler waren Anaximander und Anaximenes.
436 Iohannes von Salisbury – Philippus de Harvengt

et lunae defectus praedicebat. Huic successit Anaximander ejus auditor, qui


Anaximenem discipulum reliquit et successorem.

Sim. (ionische Schule) Th  147 (w.  s.); (Thales, einer der Sieben Weisen)
Th 20 (w. s.); (Sonnenfinsternis) Th 10 (w. s.); (Mondfinsternis/Mondpha-
sen) Th 178 (w. s.)

Philippus de Harvengt
Th 541
De institutione clericorum (Migne PL 203.1020B–D)
(De silentio clericorum cap. 45.) [...] Thales Milesius surrexisse, qui unus, et
primus septem Graeciae sapientium dicitur exstitisse, et pollens in physica
per id temporis claruisse, quo et Judaea laetabatur praedicto Ezechia justius
imperante, et Roma recens condita Romulo dominante. Post Thaletem Mi-
lesium sex alii fuisse memorantur, quibus illo priore addito septem sapientes
Graeciae nominantur, et isti sex illo claruisse tempore perhibentur, cum jam
filii Israel Babylonia captivi tenerentur. Horum autem nomina sunt haec:
Pittacus Mityleneus, Solon Atheniensis, Chilo Lacedemonius, Periander
Corinthius, Cleobulus Lydius, Bias Prieneus. Isti quia vita et scientia cae-
teris sunt praelati, generali quodam vocabulo sophi sunt appellati, nondum
usu obtinente, ut qui docti litteris haberentur, ad distinctionem multitudinis
imperitae philosophi dicerentur. Dicti sunt etiam sophi, quod Latine dici-
tur sapientes, Anaximenes, Xenophanes, Thaleti Milesio succedentes, quin
perscrutando rerum causas et naturas, eumdem magistrum imitantur, in suo
tamen sensu abundantes singuli diversa plurimum opinantur.

Sim. (Thales, einer der Sieben Weisen) Th  20 (w.  s.); (Datierung) Th  171
(w. s.); (erster Weiser/Philosoph) Th 29 (w. s.)
Vgl. Th 313–315
Iohannes von Salisbury – Philippus de Harvengt 437

Philippus de Harvengt (gest. 1183 n. Chr.)


Th 541
Über die Ausbildung der Kleriker Kap. 45
[...] ist Thales aus Milet aufgetreten, der einer und der erste der Sieben Wei-
sen Griechenlands gewesen sein soll. Er soll berühmt für seine Leistungen in
der Naturphilosophie in jener Zeit gewesen sein, als sich einerseits Judäa der
ziemlich gerechten Herrschaft des vorgenannten Ezechiel erfreute, ande-
rerseits das gerade gegründete Rom an der Herrschaft des Romulus. Nach
Thales von Milet sollen sechs Weitere gelebt haben, die, unter Einschluss
jenes Vorigen, als die Sieben Weisen Griechenlands benannt werden. Diese
sechs sollen zu jener Zeit berühmt gewesen sein, als bereits die Söhne Israels
in der babylonischen Gefangenschaft gehalten wurden. Ihre Namen sind:
Pittakos aus Mytilene, Solon aus Athen, Chilon aus Sparta, Periander aus
Korinth, Kleobulos aus Lydien, Bias aus Priene. Da sie nach ihrer Lebens-
führung und in ihrem Wissen die übrigen Menschen überragten, wurden sie
mit einer allgemeinen Bezeichnung sophoi benannt. Es gab nämlich noch
nicht die Gewohnheit, die wissenschaftlich Gebildeten zur Unterscheidung
von der unkundigen Menge ‚Philosophen‘ zu nennen. Sophoi, lateinisch sa-
pientes, werden auch Anaximenes und Xenophanes, die Nachfolger des Mi-
lesiers Thales genannt, die bei der Erforschung der Ursachen und der Natur
der Dinge eben ihren Lehrer nachahmen und dennoch ein jeder, überreich
an eigenem Verstand, ganz abweichende Meinungen vertreten.
438 Eustathios aus Thessalonike

Eustathios aus Thessalonike


Th 542
Commentarii ad Homeri Iliadem II 647 (ed. van der Valk)
Μίλητος δέ, ἡ Κρητικὴ αὕτη, προϋπῆρχε τῆς Ἀσιανῆς Μιλήτου, ἣν ἔκτι-
σεν ὁ παλαιὸς Σαρπηδὼν ἀγαγὼν οἰκήτορας καὶ καλέσας αὐτὴν κατὰ
τὸν Γεωγράφον ἐκ τῆς Κρητικῆς Μιλήτου. ὅτι δὲ πολλαὶ Μίλητοι, καὶ ὡς
πολλὰς ἀποικίας ἔστειλαν, δῆλον ἐκ τῶν ἱστοριῶν. καὶ ἡ μὲν Κρητικὴ οὐ
πολὺν ἔχει παρὰ τοῖς ἱστοροῦσι πλατυσμόν, ἡ δὲ Ἰωνικὴ πλουτίζεται τοῖς
κατ᾽ αὐτὴν σεμνώμασι, τοῖς τε ἄλλοις καὶ τῷ περὶ αὐτὴν μεγίστῳ ναῷ
ποτε, ὃς διέμεινε, φασί, χωρὶς ὀροφῆς διὰ τὸ μέγεθος, καὶ τοῖς σοφοῖς δέ,
ὧν εὐφόρησε, τῷ τε Θάλητι καὶ τῷ Φωκυλίδῃ [...].

Th 543
Comm. ad Il. XVIII 489
Ἐν οἷς τὸ ἄμοιρός ἐστι λουτρῶν Ὠκεανοῦ ἀντὶ τοῦ ἄδυτός ἐστι καὶ οὐ
δύνει εἰς Ὠκεανὸν οὔτε αὐτὴ ἡ καὶ μεγάλη καλουμένη καὶ Ἑλίκη, πρὸς ἣν
οἱ Ἕλληνες, ὡς εἴρηται, ναυτιλλόμενοι ἑλίκωπες δι᾽ αὐτὴν ἐλέγοντο, οὔτε ἡ
Κυνόσουρα ἡ ἐγγὺς αὐτῆς ἡ μικρά, ἥτις μεθ᾽ Ὅμηρον ὑπὸ Θαλοῦ τοῧ Μι-
λησίου εὕρηται, πρὸς ἣν Φοίνικες ἔπλεον.

Sim. (Vermessung der Gestirne/Entdecker des Wagens) Th 52 (w. s.)

Th 544
Commentarium in Dionysii periegetae orbis descriptionem, epistola 208.9–
17 (ed. Müller)
Ἦ γὰρ οὕτω μικροῦ πεποιήκασιν, ὅσοι τὴν τῆς οἰκουμένης πινακογρα-
φίαν μεμελετήκασιν, ὀνυχιαίῳ που τάχα τινὶ διαστήματι τὴν ἀπείρονα
περικλείσαντες, καὶ τὸ τοῦ κατὰ γῆν πληρώματος ἀπερίληπτον ἐπιπέδῳ
βραχυτάτῳ καὶ οὕτω μικροδιαστάτῳ ἐμπεριγράψαντες. Οὗ δὴ τολμήμα-
τος κατάρξαι μὲν ἱστόρηται Ἀναξίμανδρος μαθητευσάμενος Θάλητι, Ἑκα-
ταῖος δὲ μετ᾽ αὐτὸν τῇ αὐτῇ τόλμῃ ἐπιβαλεῖν, μετὰ δε Δημόκριτος, καὶ τέ-
ταρτος Εὔδοξος.
Eustathios aus Thessalonike 439

Eustathios aus Thessalonike (ca. 1115–1195 n. Chr.)


Th 542
Kommentar zu Homers Ilias 2.647
Milet ist u. a. durch Thales berühmt.

Th 543
Kommentar zu Homers Ilias 18.489
Der Kleine Wagen, der von Thales entdeckt wurde.

Th 544
Kommentar zur Herumführung um die bewohnte Welt des Dionysios Pe-
riegetes, Epistel 208.9–17
Anaximander, Schüler des Thales (vgl. Th 576), hat als Erster eine Karte der
bewohnten Welt gezeichnet.
440 Eustathios aus Thessalonike – Niẓāmī

Th 545
Comm. in Dion. Per. 354.12–19
Ἡρόδοτος δέ φησιν ὅτι ὁ Ἅλυς ὥριζε μέν ποτε τὴν Μηδικὴν ἀρχὴν καὶ τὴν
Λυδικὴν, ῥέει δὲ ἐξ   Ἀρμενίου ὄρους διὰ τῆς γῆς τῶν Κιλίκων‧ παραμειβόμε-
νος δὲ Ματιανοὺς μὲν ἐν δεξιᾷ, ἑτέρωθεν δὲ Φρύγας, ῥέει πρὸς βορρᾶν,
ἔνθεν μὲν Συρίους Καππαδόκας ἀφεὶς, ἐξ εὐωνύμων δὲ Παφλαγόνας. Λέγει
δὲ καὶ ὅτι Θαλῆς ὁ Μιλήσιος ἔσχισέ ποτε τὸν Ἅλυν τῷ Κροίσῳ διὰ βαθείας
διώρυχος εἰς εὐδιάβατον.

Sim. (Umlenkung des Halys) Th 11 (w. s.)

Th 546
Comm. in Dion. Per. 362.12–17
Περὶ δὲ τῆς πόλεως ταύτης καὶ τοιαῦτα γέγραπται‧ „Μίλητος πόλις
Ἰώνων ἐπιφανής. Ἐκλήθη δέ ποτε καὶ Λελεγὶς διὰ ἐποίκους Λέλεγας, καὶ
Πιτύουσα δὲ ἀπὸ τῶν ἐκεῖ πιτύων, καὶ διότι ἐκεῖ πρῶτον πίτυς ἔφυ.“
Ἐκεῖθεν ἦν Θαλῆς ὁ Μιλήσιος, καὶ ῥήτωρ Αἰσχίνης, [...].

Niẓāmī

Th 547
Iskandarname 125 f. (ed. Dastgirdi)

‫ﮔﻔﺘﺎر واﻟﻴﺲ‬
‫ﻛﻪ ﻧﻮ ابد ﺷﻪ در هجﺎن ﻛﻬﻦ‬ ‫ﭼﻨﲔ راﻧﺪ واﻟﻴﺲ داان ﲯﻦ‬
‫ﺑﻪ داﻧﺶ ﭘﮋوﱓ ﺑﺮوﻣﻨﺪ ﺑـﺎد‬ ‫ﺑﻪ ﺗﻌﻠﲓ داﻧﺶ ﺗﻨﻮﻣﻨﺪ ابد‬
‫ﻛﻪ ﻫﺮﻛﺲ دﻫﺪ زاچنﻪ دارد ﻧﺸﺎن‬ ‫ﭼﻮ ﻓﺮﻣﻮد ﺳﺎﻻر ﮔﺮدﻧﻜﺸﺎن‬
‫ﻛﻪ ﺟﺰ آب ﺟﻮﻫﺮ ﻧﺒﻮد از ﳔﺴﺖ‬ ‫ﭼﻨﲔ ﮔﺸﺖ ﺑﺮ ﻣﻦ ﺑﻪ داﻧﺶ درﺳﺖ‬
‫ﻛﺰو آﺗﴙ در ﲣﻠﺨﻞ دﻣﻴﺪ‬ ‫ز ﺟﻨﺒﺶ ﳕﻮدن ﲜﺎﰃ رﺳـﻴﺪ‬
Eustathios aus Thessalonike – Niẓāmī 441

Th 545
Kommentar zur Herumführung um die bewohnte Welt des Dionysios Pe-
riegetes 354.12–19
Umlenkung des Halys.

Th 546
Kommentar zur Herumführung um die bewohnte Welt des Dionysios Pe-
riegetes 362.12–17
Thales, Einwohner Milets.

Niẓāmī (1141–vor 1200):


Im persischen Alexanderepos lädt der Herrscher die Sieben Weisen ein, dar-
unter auch Thales, der seine Lehre vorträgt.

Th 547
Alexanderepos 125 f.
Mir gilt es als durch Wissenschaft erwiesen, dass anfangs kein Stoff vorhan-
den war außer dem Wasser. Dieses aber bewegte sich so heftig, dass Stru-
del in ihm entstanden, aus denen Feuerflammen schlugen. Als dieses Feuer
Blitz und Rauch erzeugte, blieb feuchte Luft zurück. Danach verdickte sich
durch Stillstand das Wasser, und es bildete sich die Erde. Als diese Stoffe
ihren Standort gefunden hatten, gelangte die Erde zu ihrer natürlichen Har-
monie. Der feine Schaum aber, der aus all dem emporstieg, verwob sich zum
Himmel, und dieser hob an, sich zu drehen. So mancher, der dies vernimmt,
wird nicht glauben wollen, dass all dies aus dem Wasser entstanden sein soll.
Doch wer es recht erwägt, dem wird der Samentropfen als Beweis genügen.1

1 Übersetzung Bürgel 1991, 463 f.


442 Niẓāmī – Anonymus

‫ﻫﻮاﰃ ﻓﺮو ﻣﺎﻧﺪ از او آﺑﺪار‬ ‫ﭼﻮ آﺗﺶ ﺑﺮون راﻧﺪ ﺑﺮق از ﲞﺎر‬
‫زﻣﲔ ﺳﺎزور ﮔﺸﺖ از آن ﺑﺴـﺘﮕﻰ‬ ‫ﺗﲀﺛﻒ ﮔﺮﻓﺖ آب از آﻫﺴـﺘﮕﻰ‬
‫هجﺎن از ﻃﺒﻴﻌﺖ ﻧﻮاﰃ ﮔﺮﻓﺖ‬ ‫ﭼﻮ ﻫﺮ ﺟﻮﻫﺮ ﺧﺎص ﺟﺎﰃ ﮔﺮﻓﺖ‬
‫ﮔﺮﻩ ﺑﺴﺖ ﮔﺮدون و ﺟﻨﺒﺶ ﳕﻮد‬ ‫ز ﻟﻄﻔﻰ ﻛﻪ ﴎ ﺟﻮش آﳒﻤهل ﺑﻮد‬
‫ﻛﺰ آﰉ ﭼﻨﲔ ﭘﻴﻜﺮ آﻣﺪ ﭘﺪﯾﺪ‬ ‫ﻧﻴﻮﺷﺎﮔﺮ اﻳﻦ را ﳔﻮاﻫﺪ ﺷﻨﻴﺪ‬
‫دﻟﻴﲆ اﺳﺖ ﻗﻄﻌﻰ ﺑﺮ اﻳﻦ داﺳـﺘﺎن‬ ‫ﳕﻮدار ﻧﻄﻔﻪ ﺑﺮ راﺳـﺘﺎن‬
Sim. (Prinzip Wasser) Th 29 (w. s.); (Aggregatzustände) Th 94 (w. s.)

Anonymus
Th 548
Liber Aristotelis de inundacione Nili 3 (ed. Bonneau, vgl. Fr. 248 R3, vgl.
FGrHist III C 646 F 1.2)
Thales qui quidem de Ameo Milesius a ventis annualibus repulsum inquit
fluvium inundare: crescit enim si illi flant, et e regione fluit ipsorum. acci-
dit autem contrarium: supernatat enim ad modicum desubtus, principium
autem repletionis videtur deorsum. adhuc idem alios oportebat pati magis
fluvios, qui ex opposito fluunt ipsis magis, et minores existentes faciles1 sunt
cogi a ventis. frequenter autem et annuales non flant, fluvius autem videtur
idem faciens.

Sim. (Nilschwelle) Th 13 (w. S.)

1 faciles sunt ist vielleicht eine Dittographie für facile sunt.


Niẓāmī – Anonymus 443

Anonymus (13. Jh. n. Chr.)


Th 548
Über die Nilschwelle1 3
Thales aus Milet, Sohn des Examyas,2 sagt, dass der Fluss anschwillt, weil er
von den jährlichen Winden [den Etesien] aufgestaut wird. Er wächst näm-
lich, wenn sie wehen, und er fließt in ihrer Richtung. Es geschieht aber das
Gegenteil. [1.] Er [der Nil] überschwemmt nämlich nur in geringem Maße
von unten [von der Mündung] her, der Anfang aber der Anfüllung scheint
von oben [vom Oberlauf] zu erfolgen.3 Außerdem müsste [2.] mit anderen
Flüssen dasselbe in noch höherem Grade geschehen, die mehr aus der [den
Etesien] entgegengesetzten Richtung fließen und die als kleiner [als der Nil]
seiende leicht von den Winden [zum Rückwärtslauf] gezwungen werden;
oft aber wehen [3.] die jährlichen Winde nicht, man sieht aber, dass sich der
Fluss [der Nil] in derselben Weise verhält.

1 Zur Authentizität des Traktats vgl. jetzt Jakobi/ Luppe 2000, 15–8. Vgl. auch Stein-
metz 1964, 278 ff., der für Theophrast als Verfasser der Schrift plädiert (als Teil der
Vorlesungsreihe περὶ ὑδάτων). Die Diskussion geht weiter, vgl. Fowler (2000).
2 Die lateinische Version „De Ameo“ ist aus einem Missverständnis des griechischen
Ἐξ-αμίου entstanden.
3 Anders Bonneau 1971, 9, die übersetzt: „le Nil déborde peu à peu, d