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Der «unsichtbare» Baustoff Synthetische Baustoffe

Ob sichtbar oder unsichtbar, die beschriebenen Formender Wärmedämmung


sind Teil eines aufwendig zu erstellenden Systems sich ergänzender und von-
einander abhängiger Schichten. Den Wunsch nach einfacherer Verbaubarkeit
erfüllen synthetische Baustoffe wie Dämmmauerwerk oder Dämmbeton. Die
Eva Geering, Andrea Deplazes Industrie bietet inzwischen eine breite Palette von Baustoffen an, die sowohl
tragen als auch dämmen. In dieser Dualität liegt auch die physikalische und
Vom Verbergen und Herzeigen statische Schlüsselfrage. Das tragende Material ist so stark mit lufteinschlies-
Nach der Energiekrise der Siebzigerjahre und der darauf folgenden Einsicht senden Poren durchsetzt, dass es gerade noch genügend Tragfestigkeit auf-
zur notwendigen Reduktion des Energieverbrauchs wird der bauphysikalisch weist und gleichzeitig, durch die in den Poren eingeschlossene, schlecht
«mehrschichtige Wandaufbau» entwickelt. Die äusserste Lage der in Schich- leitende Luft, dämmende Wirkung hat. Die dämmende Funktion ist also stets
ten aufgelösten Mauer dient dazu, die meist instabile Dämmung vor Witterung diejenige, die das tragende Material schwächt, wobei das Verhältnis von Fes-
zu schützen. Die Dämmung wiederum umhüllt die innere, tragende Struktur tigkeit und Dämmfähigkeit fallweise bestimmt werden muss. Die Unschärfe,
des ganzen Gebäudes, an der sie befestigt ist, wie ein Wollmantel. Durch ob es sich um einen mit Dämmung durchsetzten, tragenden Baustoff oder um
diese technisch einleuchtende Entwicklung entsteht eine neue gestalterische einen tragenden Dämmstoff handelt, kennzeichnet diese Materialien. Synthe-
Fragestellung: Wie sieht eine gedämmte Wand aus? Kann oder soll ihr Aus- tische Baustoffe, besonders das poröse und spröde Dämmmauerwerk, er-
druck der plastischen Wirkung einer monolithischen Mauer entsprechen? fordern eine sorgfältige Verarbeitung auf der Baustelle und müssen konstant
Eine nahe liegende Lösung dieses Dilemmas ist die Ausbildung der äusseren vor Feuchtigkeit geschützt werden. Um den notwendigen Witterungsschutz
Schutzschicht als selbsttragende Schale aus Backstein oder Beton. Dadurch zu gewährleisten, müssen synthetische Baustoffe hydrophobiert oder verputzt
erscheint die mehrschichtige Wand als vermeintlich massive Mauer. Fast so, werden.
als hätte es die Energiekrise nie gegeben. Sogar wenn die Dämmung, um den
baulichen Aufwand zu verringern, nur mehr durch eine dünne Putzschicht Polyurethan als tragende Schalung
geschützt ist, ergibt sich ein täuschend massives Bild. Jedenfalls so lange, Bei den in der Folge beschriebenen Beispielen kommt eine weitere Strategie
wie wir die Mauer nicht tastend prüfen. Hinterlüftete Systeme verzichten auf zum Zug: Die Dämmung ist nicht mehr Applikation oder Implikation der Tra
diese Täuschung und übertragen einer leichten Verkleidung, sei sie aus Holz, schicht, sondern die Dämmschicht ist Tragschicht.
Blech oder Eternitschindeln, eine schützende und bekleidende Funktion. Auch Zur Dämmung von druckbelasteten Bauteilen wie Flachdächern oder Park-
diese Konstruktion kaschiert die notwendige Dämmschicht und nutzt sie nur decks für Lastwagen wurdendruckfeste Dämmstoffe entwickelt. Philip John-
indirekt als Auslöser für eine gestalterische Erneuerung. Kaum verwunder- son machte sich diese technische Entwicklung für das Gate House in New
lich ist, dass in den Siebzigerjahren, entgegen den Dogmen der Moderne, Canaan (Massachusetts, USA) gestalterisch zu Nutze.
Architektur wieder Bedeutungsträger sein darf und die Bekleidungstheorie Das Gate House wurde in einem komplementären Verfahren, mit Hilfe her-
Gottfried Sempers neue Aktualität gewinnt. kömmlicher Materialien erstellt: Dämmstoff, Beton, Armierung. Ihr Zusam-
Herzog & de Meuron verfolgen beim Suva-Gebäude in Basel eine dem Verber- menspiel aber ist nicht einfach zu entschlüsseln. Weder ergänzen sich die
gen entgegengesetzte Strategie. Da die Dämmung durch eine transparente, Komponenten im fertig gestellten Gebäude lediglich, noch sind sie vollständig
gläserne Haut geschützt wird, zeigt sich, was nicht zum Vorzeigen bestimmt miteinander verschmolzen. Die armierte Dämmschicht dient als «verlorene»
war. Doch während die Moderne aller Dekoration entsagt und die «Wahrheit Schalung für eine dünne Verfestigungs- und Schutzschicht aus Beton. Die
der Konstruktion» proklamiert, geht es bei diesem Vorzeigen des Dämmstof- Konstruktionsmethode des Gate House beruht auf einem italienischen Pa-
fes nicht um ein didaktisches Herleiten konstruktiver Details. Vielmehr geht es tent, mit dem Johnson von seinem Tragwerksplaner Ysrael A. Seinuk vertraut
um den konstruktiven Tabubruch und die Faszination von «hässlichen» Ma- gemacht wurde. In der konventionellen Anwendung dieser Bauweise werden
terialien. Insbesondere hinterfragt die Verwendung ungewohnter Materialien Paneele aus zwei parallelen Lagen Armierungsgittern und einer dazwischen-
kulturelle Konventionen und offenbart die Schönheit ihrer Schäbigkeit. Aus liegenden Schicht Dämmung aus Polyurethan-Hartschaum zur Erstellung
der Spannung zwischen Bedeutung und Wirkung ergibt sich eine Poetik des von billigem Wohnraum errichtet und mit einer dünnen Schicht Spritzbeton
Materials: «Wie zeigt sich Poetik? Sie zeigt sich darin, dass ein Wort als Wort überzogen. Es werden keine Schalungselemente wie beim herkömmlichen
empfunden wird und nicht als blosser Ersatz für die Sache, die es bezeich- Betonierverfahren benötigt. Um die komplexen Formen des Gate House zu
net.» (Roman Jakobson: Questions de poétique) errichten, wurden die horizontalen Schnitte des Gebäudes als hölzerne Scha-
blonen gebaut und mit Hilfe eines Gerüsts positioniert. Mit dieser Führung,
Wärmeverlust versus Wärmegewinn ähnlich den Hilfslinien auf einem Plan, wurde das Gebäude aus den vorab
Dämmung schützt gegen Wärmeverlust von innen, aber auch gegen Wärm fabrizierten Hartschaum-Paneelen zusammengestellt. Die teilweise flachen,
überschuss von aussen. Je nach Klima ist die eine oder andere Wirkungs- teilweise gerundeten oder gebauchten Teile wurden dabei auf der Baustelle
richtung relevant; im gemässigten Kontinentalklima Europas sind, je nach wie Puzzlestücke aneinander gefügt. Zu diesem Zeitpunkt konnte die Form
Jahreszeit, Wärmeerhalt und Wärmegewinn erwünscht. Ein Versuch, diesem des Gebäudes noch verändert werden, wovon Johnson ausgiebig Gebrauch
materialimmanenten Paradox Rechnung zu tragen, ist die Entwicklung der machte; die Öffnung für die Tür wurde ausgeschnitten, die Flächen und Kan-
sogenannten Transparenten Wärmedämmung (TWD). Die aus mehreren Kom- ten in die gewünschte Form gebracht. Die erste Schicht Spritzbeton steifte
ponenten zusammengesetzte Dämmung sperrt Licht und somit Wärme nicht die Assemblage der Paneele aus und erlaubte es, den Grossteil der Schab-
ab, sondern lässt sie nach innen an eine speicherfähige Mauer eindringen. lonen und des Gerüsts zu entfernen. Die zweite Betonschicht sorgte für die
Die TWD ist nicht nur für Licht und Wärme durchlässig, sondern auch op- gewünschte Stärke der Wand und die nötige Überdeckung der Bewehrung.
tisch transparent. Dies zeigt sich insbesondere beim Direktgewinnsystem, bei Das Resultat dieses umgedrehten Verfahrens, bei dem das Schalungsmaterial
welchem die transparente Wärmedämmung als Hüllenelement ohne dahinter plötzlich innen liegt, ist eine scheinbar monolithische, dünnwandige Beton-
liegende Wand eingesetzt wird. Diese Art der Anwendung von TWD ähnelt schale. Ihre Konstruktionsweise, die gestalterische Manipulationen während
einem nicht völlig durchsichtigen Fenster. Nicht nur die äussere Schutzschicht des Bauprozesses zulässt, macht den Traum vom plastisch formbaren, ge-
dieses Wandaufbaus ist transparent, wie wir dies vom Suva-Gebäude ken- dämmten Beton möglich.
nen, sondern die Dämmung selbst ist annähernd unsichtbar. Sie ist gleichsam
nicht vorhanden und erlaubt die Illusion der bauphysikalischen Sorglosigkeit. «Mauern» aus Stroh
Stroh ist purer Dämmstoff. Durch Kompression kann daraus jedoch ein tra-

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gender Baustoff werden. Auch hier sorgt die umschlossene Luft, nicht das
Material der Halme, für dämmende Wirkung. Um 1800 begann in den USA
die Entwicklung von Strohballenpressen. In Gegenden, in denen viel Getreide
angebaut wurde und die abgeernteten Felder bald wie von überdimensionalen
Ziegeln übersät waren, brauchte es nur geringe Phantasie, um diese Elemente
für provisorische Unterkünfte zu verwenden. Es stellte sich heraus, dass die
temporären Bauten ihre geplante Lebensdauer schadlos überstanden, sogar
den extremen Sommer- und Wintermonaten Nebraskas trotzten und dass in
ihrem Innern während des ganzen Jahrs ein angenehmes Klima herrschte.
Unter neuen Vorzeichen, mit dem Ziel des nachhaltigen Bauens, wird heu-
te diese alte Strategie beispielsweise durch Werner Schmidt für das Haus
Tscheppa in Disentis, Graubünden, wieder aufgenommen. Um Feuchtigkeits-
problemen vorzubeugen, wird ein Betonfundament erstellt, das als Auflager für
Strohballen und die hölzernen Leibungen der Öffnungen dient. Die Strohballen
werden wie Backsteine im Verband «aufgemauert». Mit Hilfe von vertikalen
Gurten, die während des kurzen Bauprozesses mehrfach nachgezurrt werden,
kann Stroh so dicht zusammengepresst und somit verfestigt werden, dass
daraus sogar ein zweigeschossiges Gebäude errichtet werden kann. Hölzerne
Zwischenlagen dienen als Auflager für die Decken und Öffnungsleibungen
des zweiten Geschosses. Nachdem sich das Strohhaus endgültig gesetzt hat,
kann es verputzt und damit vor Verwitterung geschützt werden. Aus konstruk-
tiv zwingenden Gründen entsteht so ein Haus mit meterdicken, plastisch form-
wirksamen Mauern. Ganz lässig scheint die Strohmauer das Dilemma zu lö-
sen, das die Energiekrise ausgelöst hat. Was hier als ökologisches Experiment
angesetzt wurde, könnte architektonisch zu einer neuen «barocken Plastizität»
führen – das Spiel ist eröffnet.

aus: Architektur konstruieren – Ein Handbuch, 4. Auflage 2013, S. 141-144

Literatur
- Gottfried Semper: Der Stil in den technischen und tektonischen Künsten,
Frankfurt a. M. 1860–1863.
- Martin Steinmann: Die Unterwäsche von Madonna, Vortrag, 1996, publiziert im
Rahmen des Alcopor-Preisausschreibens 2000.
- Roman Jakobson: Questions de poétique, Paris 1973.
- Jeffrey Kipnis, Philip Johnson: Architectural Monographs No 44, London 1996.
- Herbert Gruber, Astrid Gruber: Bauen mit Stroh, Staufen 2000.
- Die Südostschweiz, «Im Stroh schlafen», 27.11.2002, S. 19.

weitere Textbeiträge zu «Tomografie der Aussenwand»:

Dämmung
Wärmedämmstoffe und ihre Verwendung S. 146
Systeme Wärmedämmung S. 148

Bauphysik, Energie
Zum Problem von Wärmefluss und Dampfdiffusion S. 346
Dämmkonzepte Schichtenriss S. 347

Architektur konstruieren – Ein Handbuch, 4. Auflage 2013

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Tomografie der Aussenwand
> Einführung der Bauphysik
> Der Schichtensplit
> Die Entwicklung des Wärmeschutzes

Aufbau der Vorlesung

1. Generelle Einflüsse auf das Bauwerk


2. Der Schichtensplit
3. Das Prinzip der «Wärmedämmung»
4. Wärmefluss und Dampfdiffusion
5. Zwei Dämmkategorien

Kräfte

Wasser

Licht

+
0 Temperatur
-

Problembetrachtungen: Generelle Einwirkungen auf das Bauwerk


> Umwelt: Gravitation (global) + Klima (lokal)

Kräfte
A. Gravitation
> Globale Kraft, sog. Universalie (Statik, vertikal wirkend)

B. Lokale Kräfte
> Winddruck (Stabilität, horizontal wirkend)
> Erddruck (Stabilität, Fugendichtheit)
> Erdbeben (Horizontalstösse)
> Dynamische oder mechanische Einflüsse aus der Benützung

Kräfte – «mit oder gegen die Kräfte arbeiten»

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Wasser
> Meteorwasser (Regenwasser)
> Schneelast
> Vereisung oder Wassereinbrüche in Bauteile
> Aufsteigende Erdfeuchtigkeit (Kapillarfeuchte oder Grundwasser)
> Kondensation von Luftfeuchtigkeiten

Klima, lokale Einflüsse – «mit oder gegen das Klima arbeiten»

Licht / Sonnenstrahlung
negativ:
> UV–Strahlung des Sonnenlichts (materielle Alterungsprozesse)
> Raumüberhitzung (Wärmetransmission bei Glasfronten)
positiv:
> Nutzung passiver Solarenergie (Nutzung der Wärmestrahlung mit Hilfe der
Gebäudehülle, der Ausrichtung des Hauses, sowie dem überlegten Einsatz von
Wärme speichernden und von wärmedämmenden Materialien)
> Nutzung aktiver Solarenergie (Umwandlung der Sonnenenergie
in Wärme (Sonnenkollektoren) oder elektrischen Strom (Solarzellen,
(z.B.Photovoltaikanlagen, Luft- und Wasserkollektoren))

Klima, lokale Einflüsse – «mit oder gegen das Klima arbeiten»

Temperatur
> Kälte
> Hitze

   
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> Windexposition (Fugendichtigkeit)

Klima, lokale Einflüsse – «mit oder gegen das Klima arbeiten»

Kräfte

Wasser

Licht

+
0 Temperatur
-

> Konstruktives Know-how: Geeignete technische Massnahmen zur Schaden-


prävention und Sicherung der «Lebensdauer» eines Bauwerks!

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1. Generelle Einflüsse auf das Bauwerk
2. Der Schichtensplit
3. Das Prinzip der «Wärmedämmung»
4. Wärmefluss und Dampfdiffusion
5. Zwei Dämmkategorien

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> Der Zwang zum Schichtensplit

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heute: «Energie sparen ist keine Kunst»

Thermografie: Infrarotaufnahme zeigt Wärmestrahlung einer Fassade am Tag

Profesur Deplazes, Departement Architektur, ETH Zürich, Vorlesung Konstruktion III/IV, HS 2017, Tomografie der Aussenwand 5
1. Einführung der Dämmung

2. Schichtung der Mauer in «aussen – dazwischen – innen»

3. Funktionsaufteilung in «schützen – dämmen – tragen»

4. Entkoppelung von Ausdruck und konstruktiver Struktur

Der Schichtensplit *=[ &! ;=@2@1\=9 4 <0@"

Tragschicht (Tragwerk + Träger


der Dämmschicht)

Dämmschicht (Wärmedämmung) aussen innen

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auf Tragschicht rückverankert)

Der Schichtenriss > Funktions-Split (von innen > aussen)

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Innenwand

Aussenwand

Schutzkappe
Vakuumisolation

Kaffeekocher Thermosflasche

Die optimale Dämmschicht wäre ein Vakuum!


3CHUTZSCHICHT

3CHUTZSCHICHT
$ËMMSCHICHT

$ËMMSCHICHT
4RAGSCHICHT

4RAGSCHICHT

4RAGSCHICHT

3CHUTZSCHICHT
$ËMMSCHICHT
4RAGSCHICHT

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$ËMMSCHICHT
4RAGSCHICHT

Tragschicht (T) 3CHUTZSCHICHT


$ËMMSCHICHT
4RAGSCHICHT

(Tragwerk + Träger der Dämmschicht)


3CHUTZSCHICHT
$ËMMSCHICHT
4RAGSCHICHT

Dämmschicht (D) 3CHUTZSCHICHT

(Wärmedämmung) $ËMMSCHICHT
4RAGSCHICHT

3CHUTZSCHICHT
$ËMMSCHICHT

Schutzschicht (S) 4RAGSCHICHT

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 &\ 4   
 3CHUTZSCHICHT
$ËMMSCHICHT

rückverankert
4RAGSCHICHT

3CHUTZSCHICHT
4RAGSCHICHT
$ËMMSCHICHT

"SP +ELLERKALTNICHTWËRMEGEDËMMT

4RAGSCHICHT

Der Schichtenriss

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$ACH $ACHRAND
&LACHDACH 3TEILDACH ABSCHLUSS

!TTIKA 4ERRASSEN !NSCHLUSS


$ACHTERRASSE $ACHGARTEN ABSCHLUSS 4ERRASSE
AN&ASSADE

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,AUBENGANG

¾FFNUNG &ENSTER
&ENSTER 4àRE ANSCHLàSSE
3TURZ
"RàSTUNG
,EIBUNGEN

$ECKEn7AND $ECKEN
!USSENWAND )NNENWAND ANSCHLUSS

3OCKEL 4ERRAIN
i'RUBENHAUSw ANSCHLUSS
i0LATTFORMHAUSw
i0FAHLBAUw

Der Schichtenriss-Normalfall &UNDATION


0UNKT 3TREIFEN
0LATTENFUNDAMENT
"ODENPLATTE
&UNDAMENTANSCHLUSS

Tragschicht innen

Schutzschicht Schutzschicht
Dämmschicht Dämmschicht
Tragschicht Tragschicht
Schutzschicht
Schutzschicht

Schutzschicht

Dämmschicht
Dämmschicht

Dämmschicht
Schutzschicht
Dämmschicht

Tragschicht
Tragschicht

Tragschicht
Tragschicht

Prinzipschema Fallbeispiel Prinzipschema Fallbeispiel

Fallbeispiel: Aussendämmung verputzt Fallbeispiel: Zweischalenmauerwerk

Der Schichtenriss-Normalfall
Tragschicht innen

$ACH $ACHRAND
&LACHDACH 3TEILDACH ABSCHLUSS

!TTIKA 4ERRASSEN !NSCHLUSS


$ACHTERRASSE $ACHGARTEN ABSCHLUSS 4ERRASSE
AN&ASSADE

%IN UND6ORSPRàNGE ,OGGI A 5NTERSICHT,OGGIA


,OGGIA "ALKON 4ROPFNASE !NSCHLUSSAN3TURZ
,AUBENGANG

¾FFNUNG &ENSTER
&ENSTER 4àRE ANSCHLàSSE
3TURZ
"RàSTUNG
,EIBUNGEN

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!USSENWAND )NNENWAND ANSCHLUSS

3OCKEL 4ERRAIN
@'RUBENHAUS ANSCHLUSS
@0LATTFORMHAUS
@0FAHLBAU

Der Schichtenriss-Spezialfall &UNDATION

z.B. Sichtbeton aussen 0UNKT 3TREIFEN


0LATTENFUNDAMENT
"ODENPLATTE
&UNDAMENTANSCHLUSS

Tragschicht aussen

Schutzschicht Schutzschicht
Dämmschicht Dämmschicht
Tragschicht Tragschicht
Schutzschicht

Schutzschicht
Dämmschicht

Dämmschicht
Schutzschicht
Dämmschicht
Schutzschicht
Dämmschicht

Tragschicht

Tragschicht
Tragschicht
Tragschicht

Prinzipschema Fallbeispiel
Prinzipschema Fallbeispiel

Fallbeispiel: Deckenanschluss nicht getrennt Fallbeispiel: Deckenanschluss getrennt

Der Schichtenriss-Spezialfall (z.B. Sichtbeton aussen)


Tragschicht aussen

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Das Prinzip «Kontinuität der Schichten»:

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> Vermeidung von Wärme- resp.
Kältebrücken
d.h. möglichst wenige Durchdringungen
oder Schwächungen der Dämmschicht

Probleme: Öffnungen, Durchdringungen


durch Haustechnik, Fixation von S auf T
durch D

«Kontinuität der Schichten»

1. Generelle Einflüsse auf das Bauwerk


2. Der Schichtensplit
3. Das Prinzip der «Wärmedämmung»
4. Wärmefluss und Dampfdiffusion
5. Zwei Dämmkategorien

Grundsätzlich weist jedes Material eine spezifische Wärmeleitfähigkeit auf


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Beton 2.1 ;
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Kalkstein 2.2 ~ / =@<=0
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–> gesucht werden Materialien mit sehr schlechter Wärmeleitfähigkeit:


«Luft!» (ohne Konvektion)

Das Prinzip der «Wärmedämmung»*=[ &! ;=00X0"

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Natur-Lavastein Bimsstein

> Poröse Materialien, Werkstoffe mit Luftkapillar-Einschlüssen (Holz,


Lehm+Stroh, poröser Backstein, Blähton, Porenbeton, Schaumglas,
Dämmstoffe)

> Dilemma: je poröser, desto besser die Dämmfähigkeit, aber umso schlechter
die Materialfestigkeit, und umgekehrt.

> Poröse Materialien saugen Wasser auf («Schwämme»)

Das Prinzip der «Wärmedämmung»*=[ &! ;=00X0"

natürliche Rohstoffe
nachwachsende Ressourcen wie Holzfasern, Kork,
organisch Schafwolle, Stroh, Hanf, Flachs, etc

synthetische Rohstoffe
Polymerisation von Kohlenwasserstoffverbindungen
zu Polystyrol extrudiert (XPS), Polystyrol expandiert
(EPS), Polyurethan (PUR), etc
Dämmstoffe

natürliche Rohstoffe
Aufbereitung von Mineralien, Ton, Quarz zu Blähton,
anorganisch Perlit, Blähglimmer, Naturbims, etc

synthetische Rohstoffe
Aufbereitung von Mineralfasern (Basalt, Diabas,
Dolomit oder Altglas) zu Stein- und Glaswolle.

Dämmstoffe – Struktur und Herstellung

Schafwolle Stroh Zellulose, Holzfasern

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Dampfdiffusionswiderstand: dampfdiffusionsoffen

Module: Matten, Platten, Ballen, Flocken,etc

1. Dämmstoffe aus organischen, natürlichen Rohstoffen

Die Rinde der Korkeiche wird zu Rohgranulat ge-


mahlen, unter Hitzeeinwirkung entfeuchtet und ge-
röstet und Dank dem korkeigenen Harz, bindemittel-
frei zu Platten gepresst.

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Produktbezeichnung:

Kork organisch, natürlich

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Holzfaserplatten werden aus zerfastem, verfilztem
Holzfaserbrei mit oder ohne Bindemittelzusatz her-
gestellt. Der auf dem Siebrand austropfende Holz-
brei wird, je nach Produkt mit mehr oder weniger
Druck ausgetrocknet.

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Produktbezeichnung: Pavatex, Pavatherm, Sager

Holzfaserplatten (Weichfaserplatten) organisch, natürlich

Altpapier wird zu Zellulose-Wolle aufgearbeitet und


mit Minrealsalz (Borsalz) gemischt oder mit Gips zu
Platten gebunden.

> Hohlraum-Injektion

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Produktebezeichnung: Isofloc, Fermacell

Zellulosefasern organisch, natürlich

Glaswolle Steinwolle Schaumglas

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Dampfdiffusionswiderstand: dampfdiffusionsoffen, (Schaumglas dampfdicht)

Module: Matten, Platten und Rollen in unterschiedlichen Stärken

2. Dämmstoffe aus anorganischen, synthetischen Rohstoffen

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schmolzen und zu dünnen Fäden gezogen und zu
Platten und Matten gepresst, mit oder ohne Binde-
mittel.

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Produktebezeichnung: Isover

Glaswolle anorganisch, synthetisch

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liner Struktur aus Diabas und Dolomit gewonnen. Das
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versponnen, imprägniert und mit einem modifizierten
Phenolharz gebunden und im Härteofen ausgehärtet.

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Produktebezeichnung: Flumroc, Isover, Rockwool

Steinwolle anorganisch, synthetisch

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einen thermochemischen Prozess in Schaum umge-
wandelt und (ohne Bindemittel) zu Platten geformt.

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Produktebezeichnung: Foamglas

Schaumglas anorganisch, synthetisch

Polystyrol expandiert (EPS) Polystyrol extrudiert (XPS) Polyurethan Hartschaum (PUR)

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Dampfdiffusionswiderstand: dampfdicht

Module: Platten in unterschiedlichen Stärken

3. Dämmstoffe aus organischen, synthetischen Rohstoffen

Das mit Treibmittel Pentan versetzte expandierte


Polystyrol-Gries wird mit Wasserdampf in zwei
Stufen zum Fertigprodukt aufgebläht. (Je nach ge-
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Ausgangsvolumens)

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Produktebezeichnung: Swisspor, Sagex, Sarnatherm

Styropor expandiert (EPS) organisch, synthetisch

Profesur Deplazes, Departement Architektur, ETH Zürich, Vorlesung Konstruktion III/IV, HS 2017, Tomografie der Aussenwand 11
Das geschmolzene Polystyrol wird mit Hilfe eines
leichtflüchtigen, organischen Lösungsmittel zu einem
geschlossenzelligen Schaumstoff mit feiner Zellstruk-
tur extrudiert.

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Produktebezeichnung: Styrodur, Styrofoam, Swisspor

Polystyrol extrudiert (XPS) organisch, synthetisch

Das geschmolzene Polystyrol wird mit Hilfe eines


leichtflüchtigen, organischen Lösungsmittel zu
einem geschlossenzelligen Schaumstoff mit feiner
Zellstruktur extrudiert.

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Produktebezeichnung: Alpur, Sarnapur

Polyurethanschaum (PU oder PUR) organisch, synthetisch

(XPS) zementgebundene
Glaswolle Schaumglas Polystyrol extrudiert Holzfaser Holzwolle
Wärmedämmstoffe mit erhöhter Druckbelastbarkeit unter druck-

z.B. zur Bekleidung von windbelasteten Ständerkonstruktionen

Trittschalldämmstoffe, auch geeignet für Verwendung mit


Wärmedämmstoff, druckbelastbar z.B. zum Anbetonieren
als verlorene Schalung, allgemein für Dächer und Böden

Wärmedämmstoffe, beanspruchbar auf Abreissfestigkeit


z.B. für Dämmung zwischen Sparren- und Balkenlagen

Wärmedämmstoffe mit besonderer Druckbelastbarkeit


unter druckverteilenden Böden z.B. Industrieböden

Wärmedämmstoffe, beanspruchbar auf Biegung

geforderter geringerer Zusammendrückbarkeit


z.B. für Wände, Decken und belüftete Dächer

verteilenden Böden z.B. Parkdecks für LKWs

z.B. für Fassaden mit mineralischem Putz


Wärmedämmstoff, nicht druckbelastbar

Wärmedämmstoff, nicht druckbelastbar

(EPS)
Steinwolle Polystyrol expandiert Hartschaum Zellulosefaser Schafwolle
Trittschalldämmstoffe

Dämmstoff gängiger Beschrieb Isolation Wärmeleitfähigkeit [ W/mK] Preisklasse Bemerkungen


Produktename (* Fugen verkleben) 0.06 0.09 0.12

anorganische Mineralfaser - Glaswolle Isover gelbe Platten dampfdiffusionsoffen (μ = 1) günstig Kleinstfasern sind lungengängig x x x x x x
synthetische Rohstoffe
Mineralfaser - Steinwolle Flumroc / grün-graue Platten dampfdiffusionsoffen (μ = 1-2) günstig Kleinstfasern sind lungengängig x x x x x x
Rockwool
Schaumglas Foamglas schwarze harte Platten dampfdicht * (μ = ') teuer Wiederverwendung als Strassenschotter / Rohstoff Altglas x x x x x x

anorganische Blähton Leca brauner Schotter Dämmstoff nicht brennbar x x x


natürliche Rohstoffe

organische Polystyrol expandiert (EPS) Styropor (BASF) weisse, körnige Platten dampfdicht * (μ = 40-100) günstig unverrottbar / Versprödung unter UV-Bestrahlung / x x x x x x
synthetische Rohstoffe mechanische Bearbeitung möglich
Polystyrol extrudiert (XPS) Styrofoam hellblaue Platten dampfdicht * (μ = 80-250 ) mittel - teuer unverrottbar / Versprödung unter UV-Bestrahlung / x x
mechanische Bearbeitung möglich
Polyurethan Hartschaum Alcopor weiss-gelbe Platten dampfdicht * (μ = 60-80) mittel - teuer Staub bei der Verarbeitung soll nicht eingeatmet werden / x x x x x
nicht UV-beständig
Polyurethan Ortschaum gelber Schaum x x x x x

organische Holzfaser Pavatex mittelbraune, fasrige Platten dampfdiffusionsoffen (μ = 5) mittel Feinstaub beim Sägen / Wiederverwendung der x x x x x x
natürliche Rohstoffe Platten möglich
zementgebundene Holzwolle Heraklith / “Spaghetti-Platten” dampfdiffusionsoffen (μ = 2-7) mittel Befestigung mit Nägeln, Dübeln, Klebemörtel / als Unterlage x x x x
Schichtex für Putz, keramische Platten, Gipskartonplatten geeignet
Zellulosefaser Isofloc i.d.R. Zeitungspapier-Flocken dampfdiffusionsoffen (μ = 1-2) günstig Schüttverfahren oder Einblasverfahren x x x x

Baumwolle Matten dampfdiffusionsoffen günstig Wiederverwendung problemlos möglich x

Flachs / Hanf / Schafwolle Vliese, Filze, Matten dampfdiffusionsoffen (μ = 1-2) günstig - teuer x x x

Kork braune, grobkörnige Platten dampfdiffusionsoffen (μ = 2-8) günstig - teuer Bei Verwendung im Innenbereich Eigengeruch berücksichtigen x x x x

Quelle: Kompendium der Dämmstoffe / Reyer, Schild, Völkner / Fraunhofer IRB Verlag / 2000

(Wärme)dämmstoffe &T& *=[ &! ;=0}\02"

Füllen der Hohlräume im Holzbau: Stopfen mit Mineralfaserdämmstoffen

(Wärme)dämmstoffe und ihre Verwendung

Profesur Deplazes, Departement Architektur, ETH Zürich, Vorlesung Konstruktion III/IV, HS 2017, Tomografie der Aussenwand 12
Füllen der vorgesehenen Hohlräume: Injektion mit Zellulosefasern

(Wärme)dämmstoffe und ihre Verwendung

Perimeterdämmung: Wasser- und druckbeständige Wärmedämmung im Sockelbereich (Erdreich)

(Wärme)dämmstoffe und ihre Verwendung

Die Thermografie einer Fassade mit gedämmter (links) und ungedämmter Haushälfte (rechts).
Blau steht für minimale, rot für maximale Wärmeverluste durch die Fassade.

Thermografie (Wärmebild): Abbild des Dämmverhaltens

Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert)

Mass für den Wärmedurchgang pro m2 &07


 
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> je kleiner der U-Wert, umso geringer der Wärmedurchgang

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Profesur Deplazes, Departement Architektur, ETH Zürich, Vorlesung Konstruktion III/IV, HS 2017, Tomografie der Aussenwand 13
Aussenwandkonstruktion Aussenwandkonstruktion

1970 2004

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` &=0=0`\2K, (Minergie P)

Veränderung des Schichtenrisses – Dämmschicht dicker als Tragschicht

= 0.06 W/mK
z.B. Dämmstoffe aus organischen,
natürlichen Rohstoffen (Weichfaser-
platten, Flachs, Hanf, Schafwolle)

= 0.04 W/mK
z.B. Dämmstoffe aus anorganisch,
synthetischen Rohstoffen (Steinwol-
le, Glaswolle, Schaumglas, etc)

= 0.03 W/mK
z.B. Dämmstoffe aus organischen,
synthetischen Rohstoffen (EPS,
XPS, PU, PUR, etc)

Verhältnis U-Wert – Dämmstärke

Neue Dämmprodukte: Neue Wandsysteme: z.B. Isorast


z.B. Vakuum-Isolations-Paneele (VIP) (Hohlmodule aus verdichtetem Schaumstoff))

Entwicklungen im Bereich Dämm- und Wandsysteme

Vacuspeed Platten bestehen aus dem in der Hüllfo-


lie vakuumierten Stützkörper, ohne Schutzschichten.
Sie sind durch ein spezielles Rastermass auf eine
einfache und schnelle Verlegung ausgerichtet.

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Graue Energie: hoch

Produktebezeichnung: Vacuspeed, Vacupomp Ž


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Vakuum Isolation Paneele (VIP) Hochleistungswärmedämmung

Profesur Deplazes, Departement Architektur, ETH Zürich, Vorlesung Konstruktion III/IV, HS 2017, Tomografie der Aussenwand 14
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Struktur verhindert die Weitergabe von Energie an
andere wärmeleitende Luftmoleküle. Diese Eigen-
schaft macht Aerogel zum höchst effizienten Wär-
medämmstoff.

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Produktebezeichnung: Aerogel Spaceloft $O48


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Aerogel Hochleistungswärmedämmung

Wärmeleitfähigkeit von Wärmedämmstoffen


O [W/(m K)]
Wärmedämmendes Einsteinmauer-
0,100
werk ohne Füllung (0,08 bis 0,12)
Pflanzen-
0,095 fasern,
Schaf-
wolle,
0,090 (Matten, Wärmedämmendes Einsteinmauer-
Platten, werk mit Füllung (0,06 bis 0,09)
lose)
0,065

0,060
Schaumglas
(Platten)
0,055 Zellulose OD Wärmedämmputz
Zellulose (lose) Steinwolle
(Platten) (Platten, Glaswolle
0,050
Matten, (Platten,
Rollen) Matten, Polystyrol Polystyrol
0,045 expandiert EPS extrudiert XPS
Rollen)
(15 bis 40 kg/m2) (Zellinhalt Luft)
0,040

Polyurethan PUR
0,035 (Zellinhalt Pentan,
diffusionsoffen)
0,030 Polyurethan PUR OD EPS grau
(Zellinhalt Pentan, O Wärmedämmputz Aerogel*
diffusionsdicht)
0,025
OD Phenolharzhartschaum
0,020 OD Vakuumdämmung (VIP) ohne Vakuum
O Aerogelgranulat*
0,015
O Aerogelplatten*

0,010
OD VIP < 30 x 40 cm
OD VIP > 30 x 40 cm
0,005
HLWD
0

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1. Generelle Einflüsse auf das Bauwerk


2. Der Schichtensplit
3. Das Prinzip der «Wärmedämmung»
4. Wärmefluss und Dampfdiffusion
5. Zwei Dämmkategorien

T (°C)

20 20.0
18.5 18.7

14.9

10

Taupunkt >

aussen 0 innen
-10°C +20°C

-6.2

-9.2
-9.4
-10 -10.0

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> Taupunkt: Kondensation (kalte Luft enthält weniger Wasserdampf)
  
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Problematik: Dampfdiffusion von innen nach aussen

Profesur Deplazes, Departement Architektur, ETH Zürich, Vorlesung Konstruktion III/IV, HS 2017, Tomografie der Aussenwand 15
Die Dampfdichtheit der Baumaterialien im Wandquerschnitt
muss von innen nach aussen abnehmen!

Innen dicht –> Aussen weniger dicht


(warmseitig) (kaltseitig)

Konstruktive Massnahmen nach dem Prinzip


«innen dicht – aussen weniger dicht»

> nur so ist eine Austrocknung von Kondensat gewährleistet.

Grundregel zum Problem Dampfdiffusion

T (°C)

20 20.0
18.5 18.7

14.9

10

aussen 0 innen
-10°C +20°C

-6.2

-9.2
-9.4
-10 -10.0

> Verhinderung von Kondensatbildung!


> Symbol für Dampfsperre-Massnahmen im Schichtenplan

Konstruktive Massnahmen: Prinzip «Dampfbremse / Dampfsperre»

aussen innen

Verhinderung von Kondensatbildung

1. Tragschicht innen aus gasundurchlässigen, dampfdichten Baumaterialien,


z.B. Beton, Stahlblech, Holzwerkstoffplatten (Verleimung!)

aussen innen

Verhinderung von Kondensatbildung

2. Dampfsperre-Folie, warmseitig direkt zwischen Wärmedämmung und


Tragschicht

Profesur Deplazes, Departement Architektur, ETH Zürich, Vorlesung Konstruktion III/IV, HS 2017, Tomografie der Aussenwand 16
aussen innen

Verhinderung von Kondensatbildung

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z.B. Schaumglas, Polystyrol expandiert (EPS), Polystyrol extrudiert (XPS),
Polyurethan Hartschaum (PUR)

aussen innen

Kondensat wegtrocknen

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Luftzirkulation («Kaminwirkung») muss gewährleistet sein.
Belüftung im Sockelbereich, Entlüftung im Anschluss Fassade-Dach.

1. Generelle Einflüsse auf das Bauwerk


2. Der Schichtensplit
3. Das Prinzip der «Wärmedämmung»
4. Wärmefluss und Dampfdiffusion
5. Zwei Dämmkategorien

Sockelleiste Trennlage Sockelleiste


Schrotstein/
Ausgleichsstein Trennstreifen Trennstreifen
29/12/6.5

Lagerfugen-
armierung vor Putzarmierung
Deckenstirne Ausgleichstein
Wärmedämm-
einlage
Tonfertigdecke TFD
Rückhalteanker Gleitlager d=19-24 cm
in Chromstahl besonders bei
in der obersten letzter Decke/ Trennlage oder
Lagerfuge Dachplatte Hochbaulager

Rückhalteanker

Trennlage Sockelleiste

Schrotstein/ Sockelleiste Trennstreifen


Ausgleichsstein
29/12/6.5 Trennstreifen Schutzschicht
Schutzschicht
Dämmschicht Dämmschicht
Putzarmierung
Lagerfugen- Ausgleichstein
armierung vor Tragschicht: Tragschicht
Deckenstirne Flachdecke Wärmedämm-
in Stahlbeton einlage
(Konstruktion Tonfertigdecke TFD
ungerichtet) d=19-24 cm
Gleitlager
Rückhalteanker Trennlage oder
in Chromstahl Hochbaulager
in der obersten
Lagerfuge

Komplementäre Systeme: Synthetische Systeme:


aus monofunktionalen Komponenten, als polyfunktionale Komplexe,
(T / D / S) sog. Mehr-Schalen-Prinzip (T = D = S) sog. Einschalen-Prinzip

Zwei Dämmkategorien: Komplementäre Systeme – Synthetische Systeme

Profesur Deplazes, Departement Architektur, ETH Zürich, Vorlesung Konstruktion III/IV, HS 2017, Tomografie der Aussenwand 17
Filigranbau

– Stahlskelettbau – Holzblockbau, – Holzfachwerkbau, – Holzblockbau,


mit Vorhangfassade innengedämmt, gedämmt, verkleidet homogen, sicht
innere Schutzschicht – Holzskelettbau,
gedämmt, verkleidet
– Holzrahmenbau,
gedämmt, verkleidet
– Holzrippenplattenbau
gedämmt, verkleidet

komplementäre synthetische
Systeme T/D/S T/D=S D/T=S T=D/S T=D=S Systeme
Tragschicht (T)
– Backsteinbau einschalig, – Beton-Stützenplattenbau – Sichtbetonbau, – Dämmbacksteinbau, – Dämmbacksteinbau,
Dämmschicht (D)
aussen gedämmt, mit Vorhangfassade innengedämmt, verkleidet verputzt
Schutzschicht (S)
verputzt od. verkleidet innere Schutzschicht – Gasbetonsteinbau, – Gasbetonsteinbau,
– Backsteinbau zweischalig, – Stahlplattenbau, verkleidet verputzt
mittig gedämmt, innengedämmt, – Dämmbetonbau,
sicht od. verputzt innere Schutzschicht homogen, sicht
– Betonbau einschalig, – Sichtbacksteinbau,
aussen gedämmt, homogen, sicht
verputzt od. verkleidet
– Betonbau zweischalig,
mittig gedämmt,
sicht
– Holztafelbau,
aussen gedämmt,
verkleidet
Massivbau

Komplementäre Systeme – Synthetische Systeme *=[ &! ;=01}"

Mauerbau: Betonbau:

T/D/S (komplementär, Tragschicht innen) T/D/S (komplementär, Tragschicht innen)


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> Mauerwerk zweischalig, mittig gedämmt > Beton zweischalig, mittig gedämmt

T=D=S (synthetisch) D/T=S (komplementär, Tragschicht aussen)


> Einsteinmauerwerk verputzt (Grossblocksteine) > Beton (sicht), innen gedämmt, innere Verkleidung
> Verbundmauerwerk, sicht (homogen)
T=D=S (synthetisch)
> Konstruktionsdämmbeton (homogen)

Komplementäre Systeme – Synthetische Systeme *=[ &! ;=01}"

Holzbau: Stahlbau:

T/D/S (komplementär, Tragschicht innen) T/D=S (komplementär, Tragschicht innen)


> Tafelbau (dicke Platte), aussen gedämmt, > Stahlskelettbau, Vorhangfassade (curtain-wall)
verkleidet
T=S/D (komplementär, Tragschicht aussen)
T=D/S (semi-synthetisch) > Stahlplattenbau, innen gedämmt, innen verkleidet
> Fachwerkbau, gedämmt, verkleidet
> Rahmenbau, gedämmt, verkleidet
> Tafelbau (dünne Platte), gedämmt, verkleidet
(T-D-S sind ineinander verschränkt)

T=D=S (synthetisch)
> Tafelbau (dicke Platte) homogen
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Komplementäre Systeme – Synthetische Systeme *=[ &! ;=01}"

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Tendenz: Zunahme der Dämmschicht (D), Ausdünnung der Schutzschicht (S)

Profesur Deplazes, Departement Architektur, ETH Zürich, Vorlesung Konstruktion III/IV, HS 2017, Tomografie der Aussenwand 18
Vorlesung Übung Phänomene Grundlagen Bauteile Beispiele
Material - Dämmstoffe
Wärmedämmstoffe
Übersicht

Wärmedämmstoffe... ... und ihre Verwendung


Übersicht

(XPS) zementgebundene
Glaswolle Schaumglas Polystyrol extrudiert Holzfaser Holzwolle

(EPS)
Steinwolle Polystyrol expandiert Hartschaum Zellulosefaser Schafwolle

Dämmstoff gängiger Beschrieb Isolation Wärmeleitfähigkeit [ W/mK] Preisklasse Bemerkungen


Wärmedämmstoff, nicht druckbelastbar
z.B. für Wände, Decken und belüftete Dächer
Wärmedämmstoff, nicht druckbelastbar
z.B. für Dämmung zwischen Sparren- und Balkenlagen
Wärmedämmstoff, druckbelastbar z.B. zum Anbetonieren
als verlorene Schalung, allgemein für Dächer und Böden
Wärmedämmstoffe mit besonderer Druckbelastbarkeit
unter druckverteilenden Böden z.B. Industrieböden
Wärmedämmstoffe mit erhöhter Druckbelastbarkeit unter druck-
verteilenden Böden z.B. Parkdecks für LKWs
Wärmedämmstoffe, beanspruchbar auf Biegung
z.B. zur Bekleidung von windbelasteten Ständerkonstruktionen
Wärmedämmstoffe, beanspruchbar auf Abreissfestigkeit
z.B. für Fassaden mit mineralischem Putz
Trittschalldämmstoffe
Trittschalldämmstoffe, auch geeignet für Verwendung mit
geforderter geringerer Zusammendrückbarkeit

Produktename (* Fugen verkleben) 0.06 0.09 0.12

anorganische Mineralfaser - Glaswolle Isover gelbe Platten dampfdiffusionsoffen (µ = 1) günstig Kleinstfasern sind lungengängig x x x x x x
synthetische Rohstoffe
Mineralfaser - Steinwolle Flumroc / grün-graue Platten dampfdiffusionsoffen (µ = 1-2) günstig Kleinstfasern sind lungengängig x x x x x x
Rockwool
Schaumglas Foamglas schwarze harte Platten dampfdicht * (µ = ∞) teuer Wiederverwendung als Strassenschotter / Rohstoff Altglas x x x x x x

anorganische Blähton Leca brauner Schotter Dämmstoff nicht brennbar x x x


natürliche Rohstoffe

organische Polystyrol expandiert (EPS) Styropor (BASF) weisse, körnige Platten dampfdicht * (µ = 40-100) günstig unverrottbar / Versprödung unter UV-Bestrahlung / x x x x x x
synthetische Rohstoffe mechanische Bearbeitung möglich
Polystyrol extrudiert (XPS) Styrofoam hellblaue Platten dampfdicht * (µ = 80-250 ) mittel - teuer unverrottbar / Versprödung unter UV-Bestrahlung / x x
mechanische Bearbeitung möglich
Polyurethan Hartschaum Alcopor weiss-gelbe Platten dampfdicht * (µ = 60-80) mittel - teuer Staub bei der Verarbeitung soll nicht eingeatmet werden / x x x x x
nicht UV-beständig
Polyurethan Ortschaum gelber Schaum x x x x x

organische Holzfaser Pavatex mittelbraune, fasrige Platten dampfdiffusionsoffen (µ = 5) mittel Feinstaub beim Sägen / Wiederverwendung der x x x x x x
natürliche Rohstoffe Platten möglich
zementgebundene Holzwolle Heraklith / “Spaghetti-Platten” dampfdiffusionsoffen (µ = 2-7) mittel Befestigung mit Nägeln, Dübeln, Klebemörtel / als Unterlage x x x x
Schichtex für Putz, keramische Platten, Gipskartonplatten geeignet
Zellulosefaser Isofloc i.d.R. Zeitungspapier-Flocken dampfdiffusionsoffen (µ = 1-2) günstig Schüttverfahren oder Einblasverfahren x x x x

Baumwolle Matten dampfdiffusionsoffen günstig Wiederverwendung problemlos möglich x

Flachs / Hanf / Schafwolle Vliese, Filze, Matten dampfdiffusionsoffen (µ = 1-2) günstig - teuer x x x

Kork braune, grobkörnige Platten dampfdiffusionsoffen (µ = 2-8) günstig - teuer Bei Verwendung im Innenbereich Eigengeruch berücksichtigen x x x x

Quelle: Kompendium der Dämmstoffe / Reyer, Schild, Völkner / Fraunhofer IRB Verlag / 2000

ETH Zürich, Departement Architektur, Architektur + Konstruktion I/II, Prof. Andrea Deplazes