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Galvanotechnik

D-88348 Bad Saulgau


2440 91 (2000) Heft Nr. 9

Verwendung organischer Additive


bei der elektrolytischen
Band- und Rohrbeschichtung
mit Zink und Zinklegierungen
Von Peter Hülser, Zwingenberg

1 Typische Elektrolyte Im Chloridelektrolyten werden Additive zuge-


und Additiveinsatz setzt, um eine Kornverfeinerung zu erzielen
Wie in der konventionellen Galvanik (Trom- sowie den Arbeitsbereich zu vergrößern, in-
mel- und Gestellbeschichtung) werden auch dem die Anbrennungsgrenze heraufgesetzt
bei der kontinuierlichen Band- bzw. Rohrbe- wird. In diesem Elektrolyten werden lösliche
schichtung organische Additive zur Beein- Zinkanoden bzw. bei Zink/Nickel-Legie-
flussung der Schichteigenschaften einge- rungsabscheidung Zink- und Nickelanoden
setzt. Ein optimiertes Zelldesign sowie eine im entsprechenden Verhältnis eingesetzt. Im
hohe Elektrolytbewegung erlauben hierbei Sulfatelektrolyten bei pH-Werten von 2,0 bis
deutlich höhere Stromdichten (>30 A/dm2), 3,0 werden Additive ebenfalls zur Kornverfei-
so dass die Verweilzeit im Elektrolyten zur nerung eingesetzt und um die Dendritenbil-
Abscheidung von Schichtdicken bis maximal dung zu vermindern, da diese aufgrund der
10 µm bei Band und 25 µm bei Rohr in der Re- schlechteren Leitfähigkeit im Vergleich zum
gel weniger als eine Minute beträgt. Die ge- Chloridelektrolyten in verstärktem Masse auf-
wünschten Abscheidungen brauchen in den tritt. In Elektrolyten mit niedrigeren pH-Werten
meisten Fällen nicht dekorativ glänzend zu werden feinkristalline Abscheidungen auch
sein (Ausnahmen gibt es für die Lampen- und ohne Additive erzielt; hier werden sie
Möbelfertigung), da es sich um funktionale hauptsächlich zur Vermeidung von Dendri-
Beschichtungen für beispielsweise Karosse- tenwachstum an den Rändern eingesetzt. Bei
rie und Bremsleitungen handelt, bei denen es höheren pH-Werten werden Zinkanoden, bei
im wesentlichen auf den Korrosionsschutz niedrigen pH-Werten unlösliche Blei- (meist
ankommt. In den meisten Fällen werden mit geringem Silberanteil) oder mischoxid-
die abgeschiedenen Schichten zusätzlich beschichtete Titananoden eingesetzt. Da
phosphatiert (Karosserie) oder chromatiert mischoxidbeschichtete Titananoden sehr
(Bremsleitung, Chassis) und anschließend empfindlich gegen organische Verunreini-
lackiert. Hierfür sind eine definierte Grundrau- gungen sind, müssen die Additive auf diese
higkeit und eine gute Verformbarkeit erforder- Anoden abgestimmt werden.
lich. Dies führt zu einer anderen Additiv- und Die beschriebenen Zink/Nickel- bzw. Zink/
Elektrolytzusammensetzung als bei den kon- Eisen-Legierungsabscheidungen (Fe: 10 bis
ventionellen Verfahren. Üblicherweise kom- 15 %) werden hauptsächlich im Automobilbau,
men zwei verschiedene saure Elektrolyttypen die Nickelabscheidungen in Elektronikbautei-
zum Einsatz (Tab. 1). len oder Batterien angewandt.

Tab. 1: Einsatz von Additiven bei der kontinuierlichen Band- bzw. Rohr-
beschichtung in verschiedenen Elektrolyten
Metallabscheidung Elektrolyttyp Additiveinsatz in Prozent
Zink Chlorid >90 %
Sulfat pH <2,0 <10 %
Sulfat pH >2,0 >90 %
Zink/Nickel Chlorid >90 %
Sulfat <10 %
Zink/Eisen Chlorid >90 %
Nickel Sulfat <10 %
Sulfamat >90 %
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2 Funktion organischer Additive Ausgewählte organische Additive belegen


Vor einer jeden Elektrode befindet sich eine aufgrund ihrer Polarität (funktionelle Gruppen)
Diffusionsschicht, deren Schichtdicke einige ebenfalls bevorzugt diese aktiven Spitzen.
Mikrometer beträgt und von der Elektrolyt- Dies führt zu einer Verringerung der Abschei-
strömung abhängt. In der Diffusionsschicht dung und somit zu einer Unterdrückung der
bewegen sich die Ionen nur mittels Diffusion Aufwachsungen, darüber hinaus zu einer ver-
und Migration, aber nicht durch Konvektion. stärkten Abscheidung in den Mulden (Abb. 1)
Enthält der Elektrolyt hohe Konzentrationen und zu einer Einebnung. Organische Additive
an Leitsalzen (Kaliumchlorid, Natriumsulfat können auch den Polarisationswiderstand
etc.), beschränkt sich die Bewegung der ab- der Metallabscheidung erhöhen, wodurch
zuscheidenden Ionen hauptsächlich auf die eine vermehrte Kristallitbildung und damit
Diffusion. Bei hohen Stromdichten wird die eine feine kristalline und glattere Abscheidung
Diffusion damit zum geschwindigkeitsbe- entsteht. In Tabelle 2 sind einige typische
stimmenden Schritt, was dazu führen kann, funktionelle Gruppen aufgeführt, die aufgrund
dass die Konzentration der abzuscheidenden ihrer Polarität mit der Kathode in Wechselwir-
Ionen an der Elektrodenoberfläche gegen Null kung treten.
geht und eine weitere Erhöhung des Stromes Tab. 2: Funktionelle Gruppen typischer organi-
nur noch zur Wasserzersetzung führen kann. scher Additive
Diese Stromdichte wird als diffusionskontrol-
Funktionelle Gruppe R, organischer Rest
lierte Grenzstromdichte jlim bezeichnet und
läßt sich mit der Gleichung RSO H Alkyl, Phenyl, Naphthyl
R-C=S Alkyl
jlim = z · F · D · c/δn <1> R-NH Alkyl, Phenyl
beschreiben, mit: R-COOH Alkyl, Phenyl
z = Wertigkeit des Ions, RCHO Phenyl
R-(O-CH -CH -O)-R Alkyl, Phenyl
F = Faradaykonstante,
D = Diffusionskonstante, Bei der Verwendung unlöslicher Anoden kön-
c = Metallkonzentration nen aufgrund des positiven Potentials nur
δn = Dicke der Diffusionsschicht. schwer oxidierbare Moleküle verwendet wer-
Um den Beschichtungsprozess wirtschaftlich den, bei löslichen Anoden steht eine deutliche
zu betreiben, ist man bemüht, mit höchst- größere Bandbreite zur Verfügung. Die fol-
möglichen Stromdichten (j<jlim, also immer gende Charakterisierung der Abscheidungen
noch unterhalb der Grenzstromdichte) zu ar- mit hohen Stromdichten erfolgte in Chlorid-
beiten, was durch die Einstellung hoher Io- bzw. Sulfatelektrolyten mit folgenden praxis-
nenkonzentrationen (c >1 mol/l), hoher Tem- nahen Elektrolyten:
peratur (50 bis 70 °C) und einem guten Zellde- - Sulfatelektrolyt:
sign (hohe Elektrolytströmung) gelingt. Bei Zink (als Sulfat) 100 g/l
hohen Stromdichten verläuft die Abschei- Na2SO4 · 10 H2O 272 g/l
dung der Metallionen bevorzugt an Rauheits- pH 1,7
spitzen (Abb. 1), was dort zu Aufwachsungen Temperatur 60 °C
(sogenannten Anbrennungen) führt.
- Chloridelektrolyt:
Zink (als Chlorid) 105 g/l
KCl 390 g/l
pH 4,8
Temperatur 60 °C
Des weiteren wurden die Einflüsse verschie-
dener Additive (Tab. 3) auf die Metallabschei-
dung in den Elektrolyten getestet.
Tab. 3: Organische Bestandteile
der verwendeten Additive
Additiv
Additiv Organische Bestandteile
SurTec 307 Sulfonate und Thionate
SurTec 312 Aldehyde und verschiedene Zucker
Bild 1: Vorgänge an der Kathode Additiv P Polyglykole
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Abb. 2: Strom-Spannungskurve im Sulfat- und Chloridelektrolyten,


v = 1 mV/s, kein Additiv, Chloridelektrolyt (punktiert) und Sulfatelektrolyt
(durchgezogene Linie)

Im Chloridelektrolyten beginnt die Zinkab- fatelektrolyten (93 mV bei 10 A/dm2) höher als
scheidung bei negativeren Potentialen als im im Chloridelektrolyten (35 mV bei 10 A/dm2). In
Sulfatelektrolyten (Abb. 2). Die Überspan- beiden Fällen beginnt die Abscheidung mit
nung der Zinkabscheidung ist jedoch im Sul- einer verstärkten Wasserstoffbildung (Bereich
j <4 A/dm2) und erst nach kompletter Bele-
gung der Oberfläche mit Zink geht diese deut-
lich zurück, da die Wasserstoffüberspannung
auf Zink höher ist als auf Eisen. In den be-
schriebenen Elektrolyten werden dabei
Stromausbeuten von mehr als 95 % erzielt.
Ohne organische Additive führt die höhere
Überspannung im Sulfatelektrolyten zu einer
deutlich feineren Kristallisation im Vergleich
zum Chloridelektrolyten (Abb. 3).
Durch Zugabe eines organischen Additivs,
das den Polarisationswiderstand erhöht,
kann die Überspannung der Zinkabscheidung
im Chloridelektrolyten auf Werte vergleichbar
dem Sulfatelektrolyten und höher angehoben
werden. Je nach Additivkonzentration kann
die Überspannung dabei auf 60 mV bei 10
A/dm2 steigen (Abb. 4). Die flache Anfangs-
kurve gibt dabei wie in Abbildung 2 eine ver-
stärkte Wasserstoffentwicklung wieder.
Das führt zu einer feiner kristallinen Abschei-
dung (Abb. 3 (unten) und 5), die mit der im Sul-
fatelektrolyten (Abb. 3 (oben)) vergleichbar ist.
Das geringfügig erhöhte Abscheidungspo-
tential macht sich bei Zellspannungen zwi-
schen 3 und 10 V nicht bemerkbar; diese sind
Abb. 3: Zinkschicht (2000-fach), abgeschieden aus hauptsächlich auf den Elektrolytwiderstand
einem Sulfatelektrolyten (oben) und aus einem zurückzuführen und lassen sich durch einen
Chloridelektrolyten (unten) jeweils ohne Additive, möglichst geringen Anoden-Kathoden-Ab-
j = 140 A/dm2, v = 70 m/min stand und eine hohe Leitfähigkeit minimieren.
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Abb. 4: Strom-Spannungskurve im Chloridelektrolyten unter Variation der


Konzentration von SurTec 312, v = 1 mV/s, ___ kein Additiv, ...... 0,3 ml/l,
- - - - 0,5 ml/l, . . . . 2,0 ml/l

Während im Chloridelektrolyten die Leitfähig-


keit deutlich höher ist, führen die dort einge-
setzten löslichen Anoden zu einem größeren
Anoden-Kathoden-Abstand als im Sulfat-
elektrolyten, wo zur Minimierung des Wider-
stands bei den unlöslichen Anoden geringst-
mögliche Abstände zur Kathode eingestellt
werden können.
Der gezeigte Kristallisationstyp im Sulfat-
(Abb. 3 (unten)) und Chloridelektrolyten (Abb.
5) ist ideal für die weitere Bearbeitung (Verfor-
mung, Lackierung) im Karosserie- und Chas-
sisbereich und wird bei der Produktion von
verzinktem Stahlblech angestrebt. Kristallisa-
tion, Schichtdicke und die Rauhigkeit des
Basismaterials haben einen signifikanten Ein-

Abb. 6: Rauhigkeit in Bezug auf die Stromdichte,


SurTec 312 = 4,5 ml/l, Additiv P = 2 ml/l, v = 140
m/min, dRa = dRa (Abscheidung) - dRa (Basismate-
rial), dRa(Basismaterial) = 0,4-0,8 µm

fluss auf die Rauhigkeit der abgeschiedenen


Zinkschicht. Bei konstanter Schichtdicke und
Rauhigkeit des Basismaterials führt die grob-
kristalline Abscheidung des additivfreien Chlo-
ridelektrolyten zu einer deutlich raueren Zink-
abscheidung im Vergleich zum Sulfatelektro-
lyten. Durch Zugabe von SurTec 312 wird eine
Abb. 5: Zinkschicht (2000fach), abgeschieden aus deutlich feiner kristalline und auch glattere
einem Chloridelektrolyten mit 2,5 ml/l SurTec 312, Oberfläche erzielt. Diese ist sogar glatter als ei-
j = 140 A/dm2, v = 70 m/min ne vergleichbare Abscheidung im Sulfatelek-
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dings ist die Zugabe von SurTec 307 zum Sul-


fatelektrolyten auch bei glatten Stahlbändern
zur Verhinderung der Dendritenbildung an
den Blechrändern, was als Nebeneffekt auch
zu einer gewissen Kornverfeinerung (Abb. 7)
und zu einer glatteren, eingeebneten Schicht
(Abb. 8) führt.

Die Orientierung der Kristallite ist vergleichbar


mit der additivfreien Variante und, wie die Pra-
xisanwendung beweist, für die weitere Verar-
beitung im Automobilbereich geeignet. Auch
beeinflusst die Rauhigkeitsverminderung das
Abb. 7: Zinkschicht (2000fach), abgeschieden aus Beölen und Verformen nicht negativ und bie-
einem Sulfatelektrolyten mit 7 ml/l SurTec 307 I, tet darüber hinaus die Möglichkeit, auch raue-
3 ml/l SurTec 307 II, j = 140 A/dm2, v = 70 m/min re Basismaterialien erfolgreich zu verarbeiten.

Wie bereits eingangs erwähnt, spielt neben


trolyten, die den technischen Anforderungen der Elektrolytzusammensetzung auch die
aber entspricht. Ein weiteres, großtechnisch Stromdichte eine entscheidende Rolle bei der
verbreitetes Additiv (Additiv P) führt im Chlorid- Kristallisation. So zeigen Röntgendiffrakto-
elektrolyten zu einer mit dem Sulfatelektrolyten gramme einer aus einem Sulfatelektrolyten
vergleichbaren Rauhigkeit (Abb. 6). abgeschiedenen Zinkschicht (Abb. 9, oben)
Daraus ergibt sich, dass im Sulfatelektrolyten eine starke Änderung der Kristallorientierung
für glatte Oberflächen (Stahlbänder mit dRa = zwischen 30 und 70 A/dm2 und 140 und 200
0,4 bis 0,8 µm) polarisierende Additive nicht A/dm2. Zwar sind die 002-, 101- und 110-Ori-
erforderlich sind; bei rauen Oberflächen entierungen in allen Fällen die bevorzugten,
(Rohrveredelung, dRa (Basismaterial) >1 µm) doch schwankt deren prozentualer Anteil un-
sind sie jedoch notwendig, um eine Eineb- tereinander stark. Sogar zwischen 70 und
nung zu erreichen. Die Rauhigkeit im addi- 140 A/dm2, einem Bereich, der in der Praxis oft
tivfreien Chloridelektrolyten ist für den Auto- Anwendung findet, lassen sich Unterschiede in
mobilbereich nicht akzeptabel. Sinnvoll aller- der Orientierung feststellen. Die Zugabe von
SurTec 307 kann hierbei zu einer gleichblei-
benden Orientierung im Stromdichtebereich
von 30 bis 140 A/dm2 führen. Erst bei 200
A/dm2 verändert sich die Orientierung der Kri-
stallite (Abb. 9 unten) dramatisch, sie ähnelt
nun dem additivfreien Elektrolyten, wobei die
110-Orientierung vorherrscht; Dies macht
sich durch ein Kippen der Zinkkristallitbasis
um 90° zur Bandoberfläche bemerkbar.

Die Unterschiede in der Kristallorientierung


treten optisch als Helligkeitsschwankungen in
Erscheinung (Abb. 10). Die Helligkeit (gemes-
sen wird die diffuse Reflexion des Lichtes),
nach Hunter L*, schwankt dabei zwischen 30
und 140 A/dm2 um 5,7 Einheiten (0 = Schwarz,
100 = weiß). Die gleichmäßige Orientierung im
selben Stromdichtebereich bei Verwendung
von SurTec 307 führt zu einer gleichmäßigen
Abb. 8: Rauhigkeit in Bezug auf die Stromdichte im Helligkeit bei Schwankungen unter 1 Einhei-
Sulfatelektrolyten bei Verwendung von 7 ml/l Sur- ten. Erst bei sehr hohen Stromdichten (j = 200
Tec 307 I und 3 ml/l SurTec 307 II, v = 70 m/min, dRa A/dm2) sind die Orientierung und somit die
= dRa (Abscheidung) - dRa (Basismaterial), dRa (Ba- Helligkeit wieder vergleichbar dem additiv-
sismaterial) = 0,4-0,8 µm freien Elektrolyten.
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Abb. 9b: Orientierung der Zinkkristallite im Sulfatelektrolyten ohne Additiv (oben) und mit 7 ml/l SurTec 307
I und 3 ml/l SurTec 307 II (unten), v = 70 m/min

In der Praxis sind die Elektrolyte mit vielerlei und Verwendung hochreiner Anoden; Eisen
Fremdmetallen (Fe, Ni, Pb, Cd, Mo, Cr, etc.) und Blei werden aus dem Elektrolyten auch
verunreinigt. Diese Verunreinigungen können mittels Ionenaustauscher (Eisen) oder Zuga-
die Abscheidung bezüglich Kristallisation, be von Strontiumcarbonat (Blei) entfernt. Wo
Helligkeit und Rauhigkeit mit und ohne Addi- Vermeidung oder Entfernung von Fremdme-
tiv nachhaltig beeinflussen. Generell emp- tallverunreinigungen nicht möglich ist, muss
fiehlt es sich, die Konzentration der Verunrei- der Einfluss dieser Verunreinigung untersucht
nigungen niedrig zu halten. Dies geschieht am und das Additiv nach Möglichkeit darauf ein-
besten durch Auswahl geeigneter Rohstoffe gestellt werden.
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Abb. 12: Zinkschicht mit dendritischer Abschei-


dung am Bandrand (400fach), abgeschieden aus ei-
nem Sulfatelektrolyten ohne Additiv, j = 200 A/dm2,
v = 70 m/min
Abb. 10: Helligkeit der Zinkschichten in Bezug auf
die Stromdichte im Sulfatelektrolyten, 70 m/min,
7 ml/l SurTec 307 I, 3 ml/l SurTec 307 II seiner schlechteren Leitfähigkeit noch drama-
tischer, wodurch es zur Bildung von nadelför-
migen Dendriten kommt (Abb. 12). Während
im Chloridelektrolyten die knospenförmigen
3 Randanbrennungen,
Aufwachsungen meist nur eine optische Be-
Dendritenproblematik
einträchtigung des Randbereiches darstellen,
Die Stromdichteverteilung auf einem Stahl- führen die Dendriten aus den Sulfatelektro-
band variiert mit der Bandbreite, der Anoden- lyten zu massiven Störungen. Beide Abbil-
breite, der Elektrolytleitfähigkeit sowie dem dungen zeigen Laborproben; In der Praxis tre-
Anoden-Kathoden-Abstand. Anodenbreite, ten die Dendrite und knospenförmigen Auf-
Leitfähigkeit und Anoden-Kathoden-Abstand wachsungen schon bei deutlich niedrigeren
sind meistens festgelegt, nur die Bandbreite Stromdichten auf. Während des Abschei-
kann variieren. Dabei stellen sich besonders dungsprozesses brechen die Dendriten ab,
bei schmalen Bändern an den Rändern deut- fallen in den Elektrolyten oder geraten auf
lich höhere Stromdichten als in der Mitte ein. Stromrollen und Umlenkrollen, um von dort
Dies führt im Chloridelektrolyten zu einem ver- auf das Band gepresst zu werden. Des weite-
stärkt knospenförmigen Zinkwachstum (Abb. ren geraten die Dendriten beim mechani-
11). Im Sulfatelektrolyten ist dies aufgrund schen Umformen in die entsprechenden Ag-
gregate, was bei diesen zu Störungen führt.
Um dies zu verhindern, werden Kantenmas-
ken eingesetzt, die die Kanten abschirmen
und somit das Dendritenwachstum verringern
können. Der Einsatz dieser Masken ist aber
besonders aufgrund ständig wechselnder
Bandbreiten nicht unproblematisch und führt
immer wieder zu Schwierigkeiten. Wird die
Kantenmaske zu weit über den Rand gescho-
ben, schirmt sie diesen zu stark ab und führt
zu einer mangelhaften Abscheidung; Reicht
sie zu wenig über den Rand hinaus, ist die Ab-
schirmung mangelhaft und Dendrite bilden
sich dennoch. Des weiteren werden Bandrän-
der abgeschnitten (teilweise auch um die
Abb. 11: Zinkschicht mit knospenförmiger Abschei- Bandbreiten exakt auf Kundenwünsche ein-
dung am Bandrand (400fach) abgeschieden aus zustellen), was jedoch zu Verlusten und damit
einem Chloridelektrolyten ohne Additiv, j = 200 zu Einbußen an Produktivität führt, oder die
A/dm2, v = 70 m/min Dendrite werden mechanisch beseitigt. All
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4 Elektrolytführung und Analytik


Wie hier gezeigt, beeinflussen die Additive die
Metallabscheidung in vielfältiger Art und Wei-
se; Auch konnte der signifikante Einfluss der
Konzentration (Abb. 4) nachgewiesen wer-
den. So führt eine zu niedrige Dosierung nicht
zum gewünschten Resultat, da der Be-
deckungsgrad, welcher konzentrationsab-
hängig ist, eine entscheidende Rolle spielt.
Bei zu hoher Konzentration kann es dadurch
ebenfalls zu negativen Effekten kommen. Die-
se sind beispielsweise die Verringerung der
Stromausbeute, zu feinkristalline, nicht mehr
Abb. 13: Zinkschicht mit deutlich verringerter knos- duktile Abscheidungen und dunklere Zinkab-
penförmiger Abscheidung am Bandrand (400fach), scheidung. Die Additive wirken optimal in ei-
abgeschieden aus einem Chloridelektrolyten mit
2,5 ml/l SurTec 312, j = 200 A/dm2, v = 70 m/min
nem Konzentrationsfenster, das im laufenden
Prozess überwacht werden muss. Dies muss
regelmäßig durchgeführt werden, da die Addi-
das schützt zwar bei der Umformung, kann tivkonzentration an der Kathode (Einbau),
aber nicht ein Aufpressen auf das Band ver- Anode (Oxidation) sowie durch Verschleppung
hindern. kontinuierlich verringert wird. Die Kompensie-
rung erfolgt üblicherweise als Zugabe bezogen
Additive, die speziell bei hohen Stromdichten auf die geflossene Strommenge.
und den damit verbundenen negativen Poten-
Viele organische Additive sind UV-aktiv und
tialen die Bandränder belegen, führen zu einer
lassen sich leicht mittels UV-Spektroskopie
deutlichen Verringerung der knospenförmi-
quantitativ bestimmen. Elektrolytverunreini-
gen Aufwachsungen im Chloridelektrolyten
gungen, besonders Eisen, führen hierbei je-
(Abb. 13) bzw. der Dendritenbildung im Sul-
doch zu Verfälschungen. Um dies zu umge-
fatelektrolyten (Abb. 14).
hen, ist eine HPLC-Analyse unter Verwen-
Bei den in Abbildung 14 benutzten hohen dung eines UV-Detektors sinnvoll. Hierbei
Stromdichten sind noch Ansätze von Dendri- wird die zu bestimmende Substanz in einer
tenwachstum zu erkennen; In der Praxis zeigt Trennsäule von anderen Verunreinigungen
es sich aber, dass ein Dendritenwachstum bei getrennt und kann so separat auf ihre Kon-
130 A/dm2 und einer Bandgeschwindigkeit zentration hin analysiert werden. Besonders
von 25 m/min in einer Radialzelle durch Zuga- elegant ist die cyclische Voltammetrie, da sie
be von SurTec 307 komplett beseitigt werden eine direkte Bestimmung der Wirksamkeit des
kann. Additivs (Abb. 4) zulässt. Hierbei wird der
Strom-Spannungs-Verlauf gemessen und
durch Zugabe oder Verringerung des Additivs
dem Optimum angepasst. Auch das Extrahie-
ren der organischen Bestandteile mittels or-
ganischer Lösungsmittel findet in der Praxis
Anwendung. Diese Methode verlangt jedoch
eine deutlich bessere Löslichkeit der organi-
schen Komponente in einem wasserunlös-
lichen Medium als in Wasser, was oft nicht
gegeben ist.
Wie oben erwähnt, kann die Überdosierung
eines Additivs zu negativen Effekten führen.
Ebenso kann die Anreicherung von Abbau-
produkten in seltenen Fällen Probleme her-
Abb. 14: Zinkschicht mit deutlich verringerter Den-
dritenbildung am Bandrand (400fach), abgeschie- vorrufen. Als Alternative kann parallel zur An-
den aus einem Sulfatelektrolyten mit 7 ml/l SurTec lage eine Aktivkohlefiltration zur Verringerung
307 I und 3 ml/l SurTec 307 II, j = 200 A/dm2, v = bzw. Beseitigung der unerwünschten Kom-
70 m/min ponenten durchgeführt werden.
Galvanotechnik
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2448 Ausbildung wird oft nicht angetreten 91 (2000) Heft Nr. 9

5 Zusammenfassung Auch in Anwendungsbereichen, in denen bis-


her Additive kaum Einsatz finden, wie bei-
Organische Additive werden in der Band- spielsweise der Verzinkung von Stahlbändern
und Rohrbeschichtung erfolgreich einge- in stark sauren Sulfatelektrolyten, sind sie
setzt, um eine Oberfläche mit definierter sinnvoll, um das Dendritenwachstum an den
Textur und Rauhigkeit einzustellen sowie Kanten zu verhindern. Durch Analytik und
die Anbrennungsgrenze zu erhöhen und Badpflege können eventuelle Nachteile der
damit den Arbeitsbereich zu vergrößern. Verwendung organischer Additive sicher ver-
mieden werden.

Ausbildung wird oft nicht angetreten

Diskussionen über den Ausbildungsstellenmarkt Aus Sicht der Unternehmen sind die wichtigsten
drehen sich meist um die Schwierigkeiten von Ju- Gründe mangelnde Qualifikation der Bewerber und
gendlichen, eine Lehrstelle zu finden. Kaum er- der Umstand, dass viele Jugendliche ihre Ausbil-
wähnt wird die Tatsache, dass viele Unternehmen dung nicht antreten. -hk/dir-
keine geeigneten Azubis finden können. Besonders Grafik /Text: imu-Infografik
kleine Betriebe sind von diesem Problem betroffen. Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft (IW)