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JUNI 2018

Prof. Dr. Jens Großklags

Inter­disziplinäres
Vorgehen ist
notwendig
Stiftungsprofessur Cyber Trust
vorgestellt. Forschung zu Privatheit
und Privatsphäre, Vertrauen und
Sicherheit im Internet

Digitale Revolution
Sieben goldene Regeln für
die nächste Generation
Training allein reicht nicht mehr zum Erfolg
Digitalisierung und Sport:
das neue Dream-Team?
4 Inhalt
3 Editorial
Training digital, Cyber Trust und Zukunftsblicke
4 Inside DIVSI
Die Schutzpflicht des Staates ist gefordert, um die Rechte
des Bürgers zu verteidigen. Professur für Cyber Trust
offiziell vorgestellt
8 8 Stiftungsprofessur
Priorisierung der Aufgabenstellungen. Und: wo die
Schwerpunkte der künftigen Arbeit liegen
12 Digitalisierung und Sport: das neue Dream-Team?
Der Einsatz moderner Technik steigert die Leistung

SCHWERPUNKT

12 16 Zwischen Anthropozän und Technozän


Selbstbestimmtes Leben im Zeitalter von Algorithmen
und KI? Grundsätzliche Gedanken zu aktuellen Problemen
in unserer vernetzten Gesellschaft. Und Blicke auf das,
worauf es künftig ankommt
20 Herausforderungen der Digitalethik
Noch steht die Debatte darüber am Anfang. Sie wird
sicher auf absehbare Zeit notwendig bleiben

24 22 Abwehrmechanismus
Sieben goldene Regeln für die nächste Generation
24 DIVSI-Bucerius Forum 2018
Das Internet gestalten – die große Chance in freien
Gesellschaften
27 Aktuelle Bücher

Impressum Haben Sie Fragen oder wünschen


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Herausgeber: Chefredakteur: Realisierung:
Deutsches Institut Jürgen Selonke (V.i.S.d.P.) Lohrengel Mediendesign Web: www.divsi.de Wissenschaftliche Leitung:
für Vertrauen und Schulterblatt 58 E-Mail: info@divsi.de Joanna Schmölz
Autoren: 20357 Hamburg Tel.: + 49 40 226 369 896
Sicherheit
Prof. Dr. Jens Großklags, Anfragen DIVSI magazin: E-Mail: wissenschaft@divsi.de
im Internet (DIVSI) Björn Haferkamp, Prof. Verbreitete Auflage: Michael Schneider,
Matthias Kammer, Dr. Horst W. Opaschowski, ca. 7.500 Exemplare, Leitung Kommunikation
Direktor Joanna Schmölz, Michael Abgabe kostenlos Tel.: + 49 40 226 369 895
Mittelweg 110B Schneider, Agnieszka Titel: Frank Röthel – E-Mail: michael.schneider@divsi.de
20149 Hamburg Walorska facesbyfrank.com E-Mail: presse@divsi.de

DIVSI ist eine gemeinnützige Initiative der Deutsche Post AG, gegründet im Jahr 2011.

2
Sommer, Sonne, Sport – und die Fuß-
ball-WM geht in ihre entscheidende Pha-
se. Bei den Wettbüros rangierte Brasilien
zur Eröffnung knapp vor Deutschland.
Mit dem Blick auf die Nutzung digitaler
Trainingsmöglichkeiten allerdings hatte
das Team von Joachim Löw eine unange-
fochtene Spitzenposition. Der Deutsche feld um Sicherheitsfragen. Eindrücke von
Fußballbund (DFB) gilt als besonders „Wer regiert das Internet? Macht – Kontrolle
technologieaffin. So werden mit Virtual- – Verantwortung“ (ab S. 24).
Reality-Brillen gezielt Strafstoßsituati-
onen für Feldspieler und Torwart geübt. Ist Künstliche Intelligenz (KI) dem
Abwarten, was es nach dem Schluss- Menschen überlegen? Irgendwann? Wo-
pfiff gebracht hat. Wie nicht nur Profis, möglich schon jetzt? Haben in naher
sondern auch Freizeitsportler die neuen Zukunft Maschinen das Sagen? Joanna
digitalen Möglichkeiten gezielt für sich Schmölz stellt in „Zwischen Anthropozän
nutzen (können), zeigt ein hochaktueller und Technozän“ grundsätzliche Fragen,
Bericht von Agnieszka Walorska (S. 12). versucht Antworten und Lösungen zu be-
Also – tun Sie etwas für die Fitness! nennen. Ein Bericht, der auch beunruhi-
gen könnte (S. 16).
Training digital, Bundespräsident a.  D. und DIVSI-

Cyber Trust Schirm­herr Joachim Gauck ist 78 Jahre Dazu passt, woran Björn Haferkamp
jung. Ich werde bei nächster Gelegenheit forscht. Er umreißt „Herausforderungen
und Zukunfts­- sein Fitness-Geheimnis zu erkunden ver- der Digitalethik“. Ein neues Feld, dessen
suchen. Bewundernswert seine Agilität, Bewirtschaftung erst am Anfang steht,
blicke sein Temperament, sein mitreißender und doch für unsere Zukunft unendlich
Schwung. Gleich zwei DIVSI-Veranstal- wichtig ist (S. 20). Oder sollten wir uns
tungen drückte er in München und Ham- insgesamt besser den Gedanken von
burg den besonderen Stempel auf. Bei Zukunftsforscher Horst Opaschowski
der offiziellen Einführung einer Stiftungs- anschließen? Er skizziert „7 goldene Re-
professur für Cyber Trust an der TUM (ab geln für die nächste Generation“. Damit
S. 4) mahnte er die Internet-Gesellschaft: die digitale Revolution ihre Nutzer nicht
„Wir können heute nur an uns selbst ap- endgültig zu Getriebenen macht.
pellieren, die Geister, die wir riefen, in die
Beherrschbarkeit zurückzuführen.“ Ich bin sicher, dass unsere aktuellen
Themen Ihnen einmal mehr informative
Im Mittelpunkt des festlich-wissen- Unterhaltung bieten.
schaftlichen Münchener Treffens stand
die Übergabe der Cyber-Trust-Professur
an Jens Großklags. Seinen ersten Beitrag
in diesem Magazin – natürlich zum Thema
Sicherheit – finden Sie ab S. 8. Auch beim
DIVSI-Bucerius Forum in der Hamburger
Law School ging es an zwei Tagen mit ei- Jürgen Selonke
nem hochkarätig besetzten Teilnehmer- Chefredakteur, DIVSI magazin

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Juni 2018 3
INSIDE DIVSI

DIVSI Schirmherr Joachim Gauck:

Die Schutzpflicht des Staates


ist gefordert, um die Rechte des
Bürgers zu verteidigen
Stiftungsprofessur Cyber Trust offiziell vorgestellt. Festliche Veranstaltung
in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.
Jürgen Selonke

I
Glückwunsch! Jens Groß-
m Rahmen eines wissenschaftlichen In seinen Grußwor- klags, neuer Professor an
Kolloquiums und einer festlichen ten erinnerte Dr. Hans der Technischen Universi-
Abendveranstaltung wurde die Stif- Pongratz, CIO der TU tät München.
tungsprofessur Cyber Trust für die München und geschäfts-
Technische Universität München, ver- führender Vizepräsident Technischen Universität Mün-
geben an Jens Großklags, offiziell vor- für IT-Systeme & Dienstleis- chen, betonte: „Informatik ist
gestellt. Hausherr Prof. Dr. Thomas O. tungen, bedauernd daran, dass die nicht alles, aber ohne Informatik ist
Höllmann begrüßte dabei in den Räum- E-Mail 30 Jahre alt sei, wir es aber noch inzwischen alles nichts.” Mit Blick auf die
lichkeiten der Bayerischen Akademie der immer nicht schafften, verschlüsselt zu neue Stiftungsprofessur stellte er fest, das
Wissenschaften die Teilnehmer und Gäs- kommunizieren. Mit Blick auf das Ur- Cyber Trust eine „eminent wichtige Brü-
te aus allen Bereichen des öffentlichen heberrecht stellte er fest, dass unter- cke zwischen Technologie, Gesellschaft
Lebens zum TUM–DIVSI Forum Cyber schiedliche Regelungen zu Geofencing und Politik” darstelle: „Es steht für eine
Trust „Vertrauen und Sicherheit – exis- und dadurch zu einer Art Zensur führten. breite Öffnung der Informatik. Vertrauen
tenzielle Bedürfnisse im digitalen Zeit- Prof. Dr. Hans-Joachim Bungartz, ist wichtig in unserem Wertegerüst, weil
alter”. Dekan der Fakultät für Informatik an der wir ohne nicht existieren können.“

4
Festrahmen. In der
Bayerischen Akademie
der Wissenschaften
ging es um eine neue
Professur und um
Cyber Trust.

Prof. Dr. Thomas O. Joanna Schmölz. Dr. Hans Pongratz.


Höllmann. Hausherr der Wissenschaftliche Leite- CIO an der Techni-
Bayerischen Akademie rin und stellvertretende schen Universität
der Wissenschaften. Direktorin des DIVSI. München.

seinem leidenschaftlich vorgetragenen von einer Institution genutzt, die niemals


Statement bedauerte er ausdrücklich, dazu befugt worden war. Da glaubte sich
dass zu den täglichen Bad News über Facebook frei von jeder Verant­ wortung
Kriege oder Terroranschläge in letzter für das, was mit seinen Daten geschah.
Zeit zunehmend Bad News aus der di- Selbst Nutzer, die bisher freimütig be-
gitalen Welt kommen: „Über Skanda- kannten, dass sie den Einblick in ihre
le ausgerechnet aus jener Technik, die Daten nicht fürchten, weil sie nichts zu
doch eigentlich angetreten war, um der verbergen hätten, waren plötzlich aufge-
Menschheit mehr Freiheit und mehr schreckt aufgrund des Umfangs der Ab-
Teilhabe zu schenken. Und von der die schöpfung und der sichtbar gewordenen
Welt zweifellos auch ungeheuer profi- Möglichkeiten der Manipulation.”
tiert hat.”
Nachdrücklich verurteilte Gauck jede Datenmissbrauch. Dabei betonte er
durch den Staat betriebene politische jedoch auch: „Was die Öffentlichkeit au-
Zensur im Bereich der Sozialen Medien. genblicklich im Westen bei den Sozialen
Mit Blick auf den Skandal um Cambridge Medien am meisten aufregt, ist aller-
Analytica, der – so der DIVSI-Schirmherr – dings der Missbrauch von Daten, vor dem
„gleichzeitig ein Skandal um Facebook ist”, uns der Staat schützen soll. Wir haben es
prangerte er an: „Da wurden millionen- also nicht mit der klassischen Konstella-
fach Da­ ten von Personen ausgewertet, tion zu tun, in der ein Bürger seine Rech-
die niemals ihre Zustimmung dazu ge- te gegenüber dem Staat verteidigt. Viel-
geben hatten. Da wurden Informationen mehr ist die Schutzpflicht des Staates

Zu den Referenten im Rahmen des


wissenschaftlichen Kolloquiums gehörte
auch Joanna Schmölz, Vize-Direktorin des
DIVSI. Sie sprach zum Thema „Zwischen
Wir können heute
Anthropozän und Technozän – Selbst-
bestimmtes Leben im Zeitalter von Algo-
nur an uns selbst
rithmen und Künstlicher Intelligenz?“ (s. appellieren, die Geister,
Fotos: Frank Röthel – facesbyfrank.com

auch ab S. 16). Prof. Dr. Christian Pieter


Hoffmann, Professur für Kommunika- die wir riefen, in die
tionsmanagement der Universität Leipzig,
informierte über „Beteiligung im Internet“. Beherrschbarkeit
Facebook-Skandal. Im Mittelpunkt zurückzuführen.
der festlichen Abendveranstaltung stand
DIVSI-Schirmherr Joachim Gauck
die Rede von Bundespräsident a. D. und
DIVSI-Schirmherr Joachim Gauck. In

Juni 2018 5
Es liegt an uns, ob wir
weiterhin ein Geschäfts-
modell erlauben, in dem
unsere Daten wie Kapital
eingesetzt werden.
DIVSI-Schirmherr Joachim Gauck

Prof. Dr. Christian Pieter


Hoffmann von der Uni
Leipzig referierte über
Internet-Beteiligung.

gefordert, um die Rechte des Bürgers


zu verteidigen.”
Der Staat müsse sich schützend vor
seine Bürger stellen, ihnen mit Gesetzen
und Verordnungen die Entscheidung über
den Umgang mit ihren Daten sichern
und so das Recht auf informationelle
Selbstbestimmung garantieren. Europa
habe bereits vor dem augenblicklichen Mahnung. Joachim Gauck erinnerte an die Eigenverantwortung der Nutzer von
Facebook-­ Skandal entsprechende Maß- Internet-Angeboten beim Austausch persönlicher Daten.
nahmen auf den Weg gebracht. In diesem
Zusammenhang betonte Joachim Gauck derhandeln, können mit Bußgeldern bis wir selbst zu souveränen Verwaltern
die Bedeutung der ePrivacy­ -Richtlinie zu vier Prozent ihres weltweiten Jahres- unserer Daten werden. Wir sollten dabei
und die EU-Datenschutz-Grundverord- umsatzes bestraft werden – eine Strafan- nicht vergessen, dass wir keineswegs
nung. drohung, die selbst für Plattformen wie hilflos sind, denn immerhin können wir
Der DIVSI-Schirmherr: „Manche hal- Facebook nicht aus der Portokasse zu einen Absatzmarkt von 500 Millionen
ten die neue Verordnung zwar für über- bezahlen ist.” Einwohnern als ein gewisses Druckmit-
zogen, weil sie den Unternehmen zahl- Dabei beinhalte der augenblickliche tel einsetzen.”
reiche und strenge Informationspflichten Skandal auch etwas Gutes. Er habe be- Im Rückblick erscheine es erschre-
auferlegt, die nur mit großem finanziellen wusst gemacht, dass es an uns liegt – an ckend und erschreckend naiv, wie lange
Aufwand zu implementieren sind und die Gesellschaft und Politik in Deutschland Soziale Medien fast außerhalb jeglicher
– so die Kritiker – den kleinen Mittelständ- und in Europa –, wie weitgehend man Kontrolle und ohne massiven Wi­derspruch
ler weit schärfer treffen als die Monopo- weiterhin dem Hausrecht von Google, durch Nutzer und Politik agieren konnten
listen aus den USA.” Apple, Facebook und Amazon folgen wol- – und können. Joachim Gauck: „Wir wis-
le. Auf eine freiwillige Selbstkorrektur sen es zwar alle von Anfang an: Auch das
Druckmittel. Für Internet-Nutzer aber der digitalen Giganten sei kein Verlass. Individuum trägt Verantwortung für seine
dürfte die Datenschutz-Grundverordnung Joachim Gauck: „Es liegt an uns, ob Daten. Doch selbst die letzten Wochen
eine positive Zäsur bilden, da sie bei der wir ihnen weiterhin ein Geschäftsmo- haben gezeigt: Obwohl die Nutzer wissen,
Verarbeitung von Daten ihre ausdrück- dell erlauben, in dem unsere Daten wie dass sie immer noch keine oder nur we-
liche Einwilligung voraussetze. Gauck: Kapital eingesetzt werden, mit dem sich nig Kontrolle über ihren digitalen Zwilling
„Unternehmen, die der Regelung zuwi- Mehrwert schaffen lässt – oder aber ob haben, wollen sie auf Facebook nicht ver-

6
Am Ende ein Juwel gefunden
Joachim Gauck und Matthias Kammer zur Übergabe der
Stiftungsprofessur.

Der frühere Bundespräsident be- der gesamten Universität für ihre


grüßte es außerordentlich, dass herausragenden Leistungen zu
die Deutsche Post über DIVSI danken und zu ihrer Rolle und zu
an der Technischen Universität ihren Erfolgen zu gratulieren! Die
München eine Professur für Professur für Cyber Trust ist eben
Cyber Trust gestiftet hat. Joachim hier gut aufgehoben.”
Gauck: „Die interdisziplinäre Und mit einer direkten An-
Erforschung von Risiken und sprache an den Lehrstuhlinhaber
Chancen des Netzes ist ein Gebot Prof. Dr. Jens Großklags schloss
der Stunde. Anhand der Themen der frühere Bundespräsident:
zichten. Insofern denke ich, es wäre reali- der Seminare, die nun schon im „Nutzen Sie das inspirierende Um-
tätsfremd und wenig Erfolg versprechend, zweiten Semester stattfinden, feld, um Ihren großen Herausfor-
wollte man sie dazu auffordern, ihr Konto konnte ich erkennen, wie weit derungen gerecht zu werden!”
zu löschen, wie es einige bekannte Grö- das Feld ist, das bearbeitet wird. DIVSI-Direktor Matthias
ßen wie Elon Musk mit großem medialen Vom Schutz der Privatsphäre über Kammer begrüßte es, dass der
Echo getan haben. Analysten sagen sogar Sicherheit im Netz. Wir brauchen Weg der Zusammenarbeit im
umgekehrt ein weiteres Wachstum von hervorragend und interdisziplinär Rahmen der Stiftungsprofessur in
Facebook voraus.” ausgebildete Spezialisten mit In- „Richtung Technische Universität
formatik als Basis, die nicht mehr München“ gegangen worden sei.
Echokammer. Bedenken äußerte der in die USA auswandern, um ihrem Für ihn sei es eine ganz beson-
frühere Bundespräsident im Hinblick Forscherdrang nachzugehen. Wir dere Erfahrung gewesen, bei
darauf, dass Soziale Netzwerke so man- brauchen Sie hier!” der nicht einfachen Suche nach
chen bereits süchtig gemacht hätten. Er sei überzeugt, dass kein einem qualitativ herausragenden
Gauck: „Angeblich 88-mal schaut der Ort zur Ausbildung dieser neuen Professor dabei gewesen zu sein.
Mensch in Deutschland durchschnittlich IT-Generation besser geeignet Er freute sich außerordentlich,
am Tag auf sein Handy. Je öfter und je sei als die Technische Universität dass am Ende mit Jens Großklags
länger, desto besser für die Plattformbe- München, die sich seit 150 Jahren ein „Juwel“ gefunden wurde.
treiber, um Werbung für ihn zu platzieren. darum bemühe, Studierende Ausdrücklich beglückwünsch-
Wir wissen ferner, dass Soziale Medien auf ihrem Weg in unbekanntes te er die Fakultät zu dieser
die sozialen Kontakte in der wirklichen Terrain zu begleiten. Gauck: „Eine interdisziplinären Erweiterung.
Welt verringern, Nutzer in Echokammern Universität, deren Fakultäten Kammer: „Es sind die Absolven-
hineinlocken und sie in quasi geschlos- Spitzenleistungen hervorbringen ten solcher Fakultäten, die unsere
senen Welten anfällig werden lassen für und international und interdis- Welt künftig prägen.“
Manipulationen, Desinformation und Ver- ziplinär vernetzt sind. Und die
schwörungstheorien.” die Ergebnisse der Wissenschaft
Manchmal sehe er uns als Nachfah- rückkoppeln in Gesellschaft und
ren des Zauberlehrlings, der den Besen Politik. Es ist mir ein Anliegen,
losschickte, um Wasser vom Fluss zu ho-
len. Der dann jedoch das Zauberwort ver-
gaß, um den Besen zu stoppen, und des-
halb von den Wassermengen überspült zu
Fotos: Frank Röthel – facesbyfrank.com

werden drohte. ,,Herr, die Not ist groß!”,


rief Goethes Zauberlehrling. ,,Die ich rief,
die Geister, werd ich nun nicht los!” Schutzschirm. Ein DIVSI-Geschenk
Joachim Gauck: „Goethe gönnte sei- mit Symbolcharakter von Matthias
nem Zauberlehrling noch einen Herren Kammer für Jens Großklags:
und Meister, der das Chaos wieder rich- „Er zeigt, was Cybertrust ausmacht.
tete. Wir können heute nur an uns selbst Sicherheit und Convenience
appellieren, die Geister, die wir riefen, in müssen zusammenwachsen.“
die Beherrschbarkeit zurückzuführen.”

Juni 2018 7
CYBER TRUST

Interdisziplinäres Vorgehen
dringend notwendig
Grundlegende Gedanken und Aufgabenstellungen für die Professur Cyber Trust.
Schwerpunkte ist die Forschung zu Privatheit und Privatsphäre, zu Vertrauen im
Internet und Sicherheit.
Jens Großklags

Komplex. Der berühmte


Zauberwürfel in neuem
Gewand: nicht einfach,
die Aufgaben zu ordnen
und zu lösen.

8
D
ie neue Professur für Cyber Trust
ist an der Fakultät für Informa-
tik der Technischen Universität
München eingerichtet. Meine
Vision ist es dabei, eine Brückenfunktion
zu installieren und mit Leben zu füllen.
Dabei geht es mir auf der einen Seite um
die technischen Aspekte der Informatik,
auf der anderen Seite um die Sozial- und
Wirtschaftswissenschaften. Gleichzeitig
habe ich auch den Anspruch, den öffent-
lichen Dialog über Privatheit, Sicherheit Cambridge Analytica. Experimentelle Studien haben durch diesen Skandal
und Vertrauen im Internet zu stärken. besondere Relevanz gewonnen.
Um diese Ziele zu erreichen, ist inter-
disziplinäres Vorgehen dringend notwen-
dig. Funktionen hierfür sind insbesondere
innovative Forschung zur Erfassung und des modernen Lebens, die es häufig fast ten von Nutzern, die mit einer Facebook
Kommunikation komplexer Zusammen- unmöglich machen, Datenflüsse zu be- Application kommuniziert hatten. 2) Eine
Fotos: chrisdorney/Peter Gudella – Shutterstock, Icons made by Freepik/Gregor Cresnar/Kiranshastry/SimpleIcon/ from www.flaticon.com

hänge, sei es mit theoretischen Ansätzen, schneiden, wenn zum Beispiel bestimm- Vielzahl von Daten, welche auf Facebook
experimentellen Studien oder Datenana- te Kommunikationsplattformen in Beruf, über diese Nutzer gespeichert waren.
lysen. Von besonderem Interesse sind Bildung oder Freizeit de facto unabding- 3)  Die Daten von Freunden, welche (zu
hier Möglichkeiten zur Zusammenarbeit bar sind. dem Zeitpunkt) keine vernünftige Mög-
mit DIVSI bei repräsentativen Studien Andererseits ist es für den Einzel- lichkeit hatten, über solche Datenflüsse
mit Unternehmen und Nutzern über de- nen häufig viel zu schwierig festzustel- informiert zu werden oder diese unter-
ren Entscheidungsverhalten und Erfah- len, ob Daten gesammelt oder in großen binden zu können.
rungen mit Datenschutz und Sicherheit. Mengen von Nutzern oder Unternehmen
Schlussendlich ist das Ziel, besser auf weitergegeben werden. Kürzlich haben Fragenfülle. Diese Situation wirft eine
Risiken reagieren zu können und Verbes- wir verschiedene experimentelle Studien Vielzahl von Forschungsfragen auf: Wie
serungen zu erreichen. hierzu publiziert, die jetzt durch den Fall soll die Architektur eines technischen Me-
Cambridge Analytica besondere Relevanz chanismus gestaltet werden, sodass eine
Strukturierung. Mit der Professur will gewonnen haben. In diesem Fall wurden gute Balance zwischen positiver Kom-
ich unsere Forschung in unterschied- mindestens drei Datenkomponenten munikation und Datenschutz geschaf-
lichen Arbeitsbereichen strukturieren. zweckentfremdet: 1) Psychologische Da- fen wird? Welche Rolle haben wir als
Dabei geht es vor allem um Forschung zu
Privatheit und Privatsphäre, zu Vertrauen
im Internet und schließlich um Sicherheit.
Im Hinblick auf die Thematik Privat-
heit geht es darum zu erforschen, wie Wie soll die Architektur eines
Menschen ihre Bedürfnisse bezüglich ei-
nes privaten Lebens kommunizieren, und technischen Mechanismus gestaltet
andererseits, wie sie sich dann verhalten.
Zu den Anfängen meiner Forschung
werden, sodass eine gute Balance
zählt die empirische Beobachtung, wo-
nach eine Kluft zwischen Privatsphä-
zwischen positiver Kommunikation
re-Bedürfnis und gelebter Realität be-
steht. Teilweise sind es psychologische
und Datenschutz geschaffen wird?
Faktoren, die uns daran hindern, unse-
re Vorsätze umzusetzen. Andererseits
sind es aber auch die Anforderungen

Juni 2018 9
Nutzer und als Teil der Gesellschaft, um Design)? Oder machen sogar großflächi- Festzustellen bleibt auch, dass Si-
Kommunikation positiver zu gestalten? gere Teilhabemechanismen Sinn? cherheit in Unternehmen nur bedingt ge-
Ein neuerer Schauplatz für diese Fra- Beim Thema Vertrauen im Internet währleistet ist. Eine Studie des Ponemon
gen ist die Privatheit von unseren geneti- halte ich die Vielzahl von verschiedenen Institute zeigte kürzlich, dass über die
schen Daten. Individuell angepasste me- Betrugsstrategien für sehr besorgnis- Hälfte von Hunderten von Unternehmen
dizinische Behandlungen auf der Basis erregend. Das macht Forschung in die- den Ursprung von Cyberangriffen nicht
von solchen Informationen bieten viele sem Gebiet besonders schwierig, da es feststellen konnte. Noch viel problema-
Möglichkeiten und Vorteile, aber eben einfach zu viele Ausprägungen von Be- tischer ist es, dass es im Durchschnitt
auch Risiken und schwierige Entschei- trug gibt. Aber noch schwieriger ist es für um die 220 Tage dauert, bis Angriffe
dungsprozesse über den Zugang zu me- Menschen, diese Versuche immer sofort überhaupt registriert werden. Daten von
dizinischen Behandlungen. Und nicht nur zu erkennen. Verizon, die wir analysiert haben, machen
für die Teilnehmer an genetischen Tests, In der Vergangenheit habe ich zu ei- dieses Problem deutlich. In Deutschland
sondern auch für deren existierende nigen verschiedenen Formen von Betrug ist es nicht anders, wie auch die Angriffe
Blutsverwandte und noch nicht geborene Forschungsarbeiten durchgeführt, auch auf den Bundestag gezeigt haben.
Kinder und Kindeskinder. Wie soll damit zu Telefonbetrug. Wir wollen jetzt hier-
in der Zukunft umgegangen werden? Ein zu einen Beitrag in Deutschland leisten Sicherheitsplus. Dabei geben wir
Datenleck wie im Cambridge-Analyti- und hier auch mit dem DIVSI zusammen- schon enorme Summen für Sicherheit
ca-Fall hätte hier Auswirkungen auf Ge- arbeiten. aus. Das Problem liegt teilweise darin,
nerationen von Menschen. Dazu ist anzumerken, dass viele Be- dass unser Verständnis über die Art und
trugsfälle zwischenmenschliche Bezie- Weise, wie wir in Sicherheit investieren
Schutzmaßnahmen. In diesem Zu- hungen ausnutzen. Daten aus den USA sollten, immer noch sehr mangelhaft ist.
sammenhang ist die Frage zu klären, zeigen, dass die Mehrheit der Fälle von Unternehmen werden mit Maßnahmen-
inwiefern verschiedene Strategien zum Identitätsdiebstahl auf Personen zurück- katalogen und internationalen Sicher-
Schutz der Privatheit zukunftstauglich zuführen ist, welche dem Opfer bekannt heitsstandards überschwemmt. Dabei
sind. Soll man Menschen die Möglich- sind. Wie schützt man Schutzbedürftige ist jedoch unklar, wie die einzelnen Maß-
keit geben, sich zu informieren und eine nicht nur vor Kriminellen, sondern auch nahmen zu priorisieren sind und welche
gewisse Kontrolle über ihre Daten aus- vor solchen persönlichen Kontakten, ins- Investitionen tatsächlich einen positiven
zuüben? Oder soll man in Technologien besondere, wenn unsere menschlichen Effekt bewirken würden. Unsere For-
Datenschutz vorab einbauen (Privacy by Schwächen ausgenutzt werden? schung setzt hier durch verschiedene

Hacker-Ziel. Auch der Bundestag ist nicht vor Angriffen von außen unverwundbar geschützt.

10
Ransomware
WannaCry.
Über 200.000
Windows-PCs
wurden im Mai
2017 infiziert.
Dieser Angriff gilt Wir alle
als bisher größte
bekannte Attacke möchten das
dieser Art.
Internet und
die verschie-
denen Service­

Fotos: EvrenKalinbacak/Peter Gudella – Shutterstock, Frank Röthel – facesbyfrank.com, Icons made by Freepik/Gregor Cresnar/Kiranshastry/SimpleIcon from www.flaticon.com, public domain
leistungen
weiterhin
produktiv für
theoretische und empirische Arbeiten lentiertesten Hacker? Gibt es plattform- Arbeit, Bildung
an. So arbeiten wir an theoretischen
Modellen, welche uns helfen sollen, An-
übergreifend Erkenntnisse über Sicher-
heitslücken?
und Freizeit
sätze zu finden, um die Zeit bis zur Er- Das Spannende an der Forschung in nutzen können.
kennung von Angriffen zu verringern. den Bereichen Privatheit, Vertrauen im
Und wir forschen auch an Möglichkeiten, Internet und Sicherheit ist sicherlich das
welche die Wahl zwischen verschiede- enorme Tempo, mit dem sich diese The-
nen Arten von Sicherheitstechnologien menbereiche weiterentwickeln und sich
verbessern sollen. damit die Problemfelder, Anforderungen
Im Problemfeld Ransomware be- und Lösungsansätze ändern.
steht beispielsweise die Frage, wie man
ein Sicherheitsbudget auf Maßnahmen Verbundenheit. Eine relative Konstan-
zur Prävention, zum Schutz durch Back- te bleibt letztlich nur der Mensch. Wir
up-Mechanismen oder zur Zahlung von alle möchten das Internet und die ver-
Lösegeldern verteilen sollte. All diese schiedenen Serviceleistungen weiterhin
Maßnahmen haben bestimmte Vorteile, produktiv für Arbeit, Bildung und Frei-
aber auch Schwächen. zeit nutzen können. Der Anspruch dieser
Professur ist es, dafür einen Beitrag zu
Prämiensystem. Zusätzlich arbeiten leisten durch Arbeiten, welche informati-
wir auch an verschiedenen empirischen sche und gesellschaftswissenschaftliche
Studien, etwa im Bereich Softwaresi- Methodiken zusammenführen. DIVSI hat
cherheit. Ein Ansatz, um hier Fortschrit- sich als Arbeitsgrundlage dazu verpflich-
te zu erreichen, ist es, Software einer tet, einen offenen und transparenten
breiten Masse von Experten zugänglich Dialog über Vertrauen und Sicherheit im
zu machen und für gefundene Schwach- Internet zu organisieren und mit neuen
stellen im Code dann Prämien zu zahlen. Aspekten zu beleben. Als Professor für
Solche sogenannten Bug-Bounty-Pro- Cyber Trust fühle ich mich diesen Zielen
gramme werden mehr und mehr auch sehr verbunden.
auf Plattformen zusammengeführt und
zentralisiert, welche dann wiederum
Möglichkeiten bieten, die Effizienz sol- Prof. Dr. Jens Großklags
cher Ökosysteme zu verbessern. studierte zunächst in Berlin,
forschte dann über zehn Jahre
Dieses Vorgehen eröffnet zahlreiche
in den USA, u.a. an der UC Ber-
interessante Fragestellungen. Wie viel keley und Princeton University.
sollte an Prämien gezahlt werden? Wie Vor dem Ruf an die TU Mün-
gestaltet man den Wettbewerb zwischen chen war er Professor an der
den einzelnen Programmen um die ta- Pennsylvania State University.

Juni 2018 11
FITNESS-OPTIMIERUNG

Digitalisierung
und Sport:
das neue
Dream-Team?
Training allein reicht nicht mehr
aus. Egal ob beim Profi oder
Freizeit-Akteur. Der Einsatz
moderner Technik steigert die
Leistung und beugt auch der
Gefahr von Verletzungen vor.
Agnieszka Walorska

H
öher, weiter, schneller, besser – Generell ist seit einigen Jahren ein Profialltag. Digitale Technologien
das gilt nicht nur für die laufen- großes Wachstum im Breitensport zu be- wie Fitness-Tracker von Polar oder
de Fußball-Weltmeisterschaft. obachten, das parallel zum Trend hin zu Whoop sind bei Leistungssportlern
Schon immer haben Sportler gesunder Ernährung und ausgewogener schon zum Alltag geworden. Eine Befra-
sowohl mit erlaubten als auch unerlaub- Work-Life-Balance verläuft. 10,1 Millio- gung unter Fußballclubs in der 1. und 2.
ten Mitteln versucht, ihre Leistung zu nen Menschen besuchen in Deutschland Bundesliga zeigt, dass über 85 Prozent
steigern. Dank der allgegenwärtigen regelmäßig ein Fitnessstudio, damit sind GPS-Sportuhren einsetzen, um Daten
Sensoren und der nie da gewesenen es drei Millionen mehr als noch vor sie- über die zurückgelegte Strecke, die Ge-
Möglichkeiten der Datenerfassung und ben Jahren. Die Besinnung auf körperli- schwindigkeit und Herzfrequenz zu er-
-analyse haben Profisportler und Trainer, che Aktivität schlägt sich auch in einem fassen. Daneben kommen Lichtschran-
aber auch Hobbysportler neue Lösun- Umsatzwachstum von Fitness-Trackern ken zur Verbesserung der Koordination
gen an die Hand bekommen, um gezielt um 46 Prozent seit 2013 nieder. 2,8 Mil- und Reaktion sowie intelligente Vereins-
einzelne Aspekte zu trainieren und Fort- liarden US-Dollar an weltweitem Umsatz software zum Einsatz, um die Daten aus-
schritte unmittelbar nachzuverfolgen. prognostiziert IHS Technology für 2019. zuwerten.

12
ABER HALO!
Intelligente Kopf-
hörer helfen in der
Aufwärmphase und
unterstützen mit ge-
zielten Impulsen. Immer mehr Sportclubs setzen zu- Impulsen angeregt. Anschließend soll
dem auf ein umfassendes Monitoring ih- das Gehirn eine Stunde lang über eine er-
rer Sportler. Dazu gehören die Kontrolle höhte neuronale Plastizität verfügen und
von Blutwerten und Schlafverhalten oder empfänglicher für Trainingsimpulse sein.
die Analyse der Körperzusammenset- Damit sollen Muskelaufbau und Muskel-
zung (Bioimpedanz). Damit soll nicht nur gedächtnis effektiver trainiert werden.
ein Trainingsoptimum erreicht, sondern Darüber hinaus ist der Einsatz von
auch das Verletzungsrisiko minimiert Virtual-Reality-Technologien in der NFL,
werden. Mit Predictive Analytics warnen NBA, NHL schon gängig, um Spielsitu-
Algorithmen die Sportler oder Betreuer ationen im Training zu simulieren. Im
vor Ermüdungszuständen oder Konzent­ europäischen Raum gilt der DFB als
rationsschwächen, noch bevor es zu ei- VR-Pionier. Mit VR-Brillen simuliert die
ner Verletzung kommt. deutsche Nationalmannschaft gezielt
Strafstoßsituationen für Feldspieler und
Technologie-Einsatz. Wearable-Tra- Torwarte.
cker sind schon im Wettkampfgeschehen
Fotos: Halo Neuroscience, Oleksii Sidorov/Ozz Design – Shutterstock

angekommen. Die US-amerikanische Trainingsmethode. Der DFB zeigt sich


Baseball-Liga MLB lässt so ausgewähl- insgesamt als sehr technologieaffin. In
te Geräte bei Ligaspielen zu. Die Spieler einer Kooperation mit SAP werden Spiel-
dürfen ein Hemd mit Sensoren tragen, und Trainingsdaten gesammelt, ausge-
die Daten zur Atemfrequenz, Körperhal- wertet und weiterverarbeitet. In Daten-
tung, Geschwindigkeit und zum Aktivi- banken sind wichtige Spielsituationen,
tätslevel erfassen. gegnerische Teams mit ihren Stärken,
Daten-Tracking ist jedoch nur eine Schwächen und Taktiken sowie einzelne
Form, wie Technologien im Sport zum Spieler mit ihrem Schussverhalten beim
Einsatz kommen. In den USA wird u.a. Elfmeter angelegt. Eine weitere innova-
vom olympischen Skisprung-Team die tive Trainingsmethode aus Deutschland
neuronale Stimulation angewendet. Un- ist der Einsatz des Footbonauten. In ei-
ter Einsatz des Halo Sport, eines intelli- nem quadratischen Raum werden dem
genten Kopfhörers, wird in der Aufwärm- Fußballspieler Bälle aus verschiede-
phase der Motorcortex mit elektrischen nen Richtungen von Ballmaschinen

VIRTUAL REALITY.
Mit dieser Methode
können Spielsitua-
tionen lebensecht
In Datenbanken sind simuliert werden.
Der DFB gilt als
wichtige Spielsitua- Pionier auf diesem
Gebiet.
tionen, gegnerische
Teams mit ihren Stär-
ken, Schwächen und
Taktiken sowie einzel-
ne Spieler mit ihrem
Schussverhalten beim
Elfmeter angelegt.

Juni 2018 13
WEARABLES.
Der Trainings-
Kontrolleur am Hand-
gelenk überwacht
die Leistung und kon-
trolliert den Stress-
zugespielt. Der Spieler faktor. App-Zeit. Mit Runtastic nährungsverhalten zu liefern. Weltweit
muss in kurzer Zeit realisie- kam 2009 eine der ersten führen zurzeit Xiaomi, Apple, Garmin und
ren, aus welcher Richtung die Sport-Apps für Smartphones Fitbit den Wearable-Markt an.
Bälle kommen, und sie in wechseln- auf den Markt, die zunächst Läu- Seit Fitbit 2007 den Anfang machte,
de Zieltore schießen. Kameras erfassen fer, Wanderer und Radfahrer ansprach. gefolgt von Jawbone, Garmin und der
dabei alle Bewegungen, sodass Trainer Inzwischen hat der Hersteller sein Ange- Apple Watch, ist der Wearable-Markt
und Spieler am Ende eine detaillier- bot mit Sportuhren und Fitnesswaagen stetig gewachsen. Im Jahr 2017 wurden
te Statistik über Trefferquote oder Zeit auch für andere Disziplinen erweitert. allein in Deutschland rund 1,55 Millionen
zwischen Ballannahme und Schuss er- Auf einer Plattform können die Nutzer Fitness-Tracker verkauft, und sie haben
halten ihre Fortschritte und Erfolge mit ande- längst das Image von klobigen Gerä-
Besonders aktiv trägt das Institut für ren teilen und auf Übungsvideos oder Er- ten abgeschüttelt, die den Nutzer sofort
Angewandte Trainingswissenschaften nährungspläne zugreifen. Die App wird als Tech-Nerd entlarven. Die Wearables
Leipzig zur Digitalisierung des Sports bei. mittlerweile von über 130 Millionen Men- kommen in unzähligen Farben und Va-
Es hat eine multimediale Datenbank ent- schen genutzt und wurde 2015 von Adi- rianten daher und fügen sich in Form von
wickelt, auf die Judo-Kämpfer zur Wett- das für 220 Millionen Euro übernommen. Ohrsteckern oder Halsketten als Life-
kampfvorbereitung via Smartphones zu- Strava, MyfitnessPal oder Freeletics style-Accessoire in die Modetrends ein.
greifen und sich über mögliche Gegner sind nur einige populäre Anwendungen Als Lifestyle-Accessoire, das jedoch mit
informieren können. Das Institut erstellt auf dem neuen SportTech-Markt, der zahlreichen Sensoren bestückt ist.
zudem 3-D-Scans von Skispringern, um von Equipment über Communities hin zu
die Körperhaltung bei der Anfahrt zu ver- Coaching ziemlich jeden Aspekt rund um Nicht nur Allrounder. Darüber hinaus
bessern. den Sport abdeckt. gibt es ein breites Angebot an sportspe-
Auch im Breitensport haben sich di- zifischen Wearables und Apps, die sich
gitale Hilfsmittel etabliert, um Trainings- Neue Zeiten. Die Anwendungen sind auf einzelne Aspekte von Sportarten kon-
einheiten, Erholungs- und Schlafphasen in der Regel mit Schnittstellen ausge- zentrieren. Für den Basketball existieren
oder die Ernährungsweise zu messen stattet, an die Wearables andocken, um beispielsweise zahlreiche Gadgets wie
und zu optimieren. Daten zum Bewegungs-, Schlaf- und Er- Smart-Ärmel oder -Bälle, um Wurfpräzi-

14
sion oder Dribbelbewegungen gezielt zu ness-Tracker und auf die Haut aufkleb- Frage der Zeit, bis ein solches Feature in
trainieren. bare Sensoren passé sein werden und Zwang umschlägt und in noch strengeren
Das Funktionsspektrum erstreckt sich stattdessen dauerhafte Lösungen wie Zulassungsbeschränkungen für den Pro-
über den reinen Leistungsaspekt hinaus implantierbare Chips und Smart-Tat- fisport mündet als ohnehin schon?
und wirkt auch in Bereiche wie die Sicher- toos zum Einsatz kommen, um Leis-
heit hinein. Der smarte Fahrradhelm von tungsfähigkeit, Herzschlagfrequenz, Datenschutz. Gegen 24/7-Kontrollmech­a-
Livall umfasst neben integrierten Lich- Blutdruck, Sauerstoffgehalt im Blut, nismen sprechen sich auch Datenschützer
tern und einem Anrufsystem auch eine Hydrationslevel oder Glukosespiegel aus. Imke Sommer, Landesbeauftragte
SOS-Funktion, die automatisch einen Not- rund um die Uhr zu messen. Formen für Datenschutz und Informationsfreiheit
ruf absetzt, sobald der Helm einen Un- dieses Kontrollgedanken ließen sich in Bremen, stellt heraus, dass Da-
fall registriert. In der Strava App können im Vorfeld der Winterolympiade 2018 ten-Tracking Leistungskontrollen gleich-
Sportler außerdem ihre Trainingsstrecken beobachten. Dort wurde die Forderung kämen, die laut Rechtsprechung des
oder Standortdaten via GPS teilen. laut, Olympiateilnehmern zu Implanta- Bundesarbeitsgerichts nicht lückenlos
ten zu verpflichten, um ihre Blutwerte sein dürften: „Es muss klar sein, jetzt
Performance-Steigerung. Die digita- lückenlos auf mögliche Doping-Verge- wird ein Test gemacht, und dann ist wie-
len Möglichkeiten bringen jedoch nicht hen zu analysieren. der keiner.“
Auch für den Hobbysportler entste-
hen neue Risiken, wenn sie ihre intimen
Fitnessdaten Unternehmen und Servern
in der Cloud anvertrauen. Laut einer
BITKOM-Befragung aus dem Jahr 2016
sehen 39 Prozent von Verbrauchern bei

Fotos: Creative Construction Heroes, Dragon Images, Natali_ Mis/Ozz Design – Shutterstock
der Nutzung von Wearables dahingehend
Risiken, dass die Daten durch Dritte wei-
terverwendet werden könnten.
Dass den Daten eine Brisanz inne-
wohnt, die auf den ersten Blick nicht
sofort ersichtlich ist, unterstreicht ein
Vorfall mit dem Sportnetzwerk Strava.
Strava bietet Nutzern die Möglichkeit,
Trainingsdaten (Trainingsleistung und
Strecken) auf die Plattform hochzuladen
und sie mit anderen Nutzern zu teilen.
Im November 2017 veröffentlichte Strava
eine Karte, auf der alle bisherigen Nut-
zeraktivitäten visualisiert waren. Anhand
dieser Visualisierung konnten Militär-
analysten beispielsweise versteckte Mili-
tärbasen u.a. in Syrien und Afghanistan
ermitteln und Laufrouten sowie Lager-
strukturen ablesen.
DNA-ANALYSE.
Die Digitalisierung des Sports ist voll
Diese Methode
im Gange. Von innovativen Produkten
erlaubt es, maß-
und Trainingsmethoden profitieren aber
geschneiderte
nicht nur die wenigen Profisportler, auch
Trainingspläne zu
nur Vorteile mit sich. Je erstellen. Mit der zunehmenden jeder Hobbysportler erhält Zugang zu
weiter die Digitalisierung Kostensenkung durch Ge- einer Vielzahl von neuen Möglichkeiten.
des Sports voranschreitet, nomanalysen von 23andMe Gleichsam bringt die Entwicklung neue
desto stärker wächst die Ge- oder Ancestry hält auch die Gene- Herausforderungen mit sich, die nicht
fahr von gläsernen Sportlern. Ath- tik Einzug in den Sportbereich. Anbieter außer Acht gelassen werden sollten.
leten tracken ihre Körper- und Leis- wie Athletigen erlauben Nutzern, ihre
tungsdaten, um konkurrenzfähig zu DNA-Analysen hochzuladen und sich
Agnieszka Walorska
bleiben, und setzen sich gleichzeitig maßgeschneiderte Trainings- und Er- ist Gründerin und
dem Risiko aus, durch ihre Sportverei- nährungspläne erstellen zu lassen, die Geschäftsführerin der
ne oder Trainer überwacht zu werden. die individuelle genetische Zusammen- Berliner Creative Construction
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Fit- setzung berücksichtigen. Ist es nur eine Heroes Gmbh.

Juni 2018 15
MENSCH & MASCHINE

Zwischen Anthropozän
und Technozän
Selbstbestimmtes Leben im Zeitalter von Algorithmen
und KI? Grundsätzliche Gedanken zu aktuellen
Problemen in unserer vernetzten Gesellschaft. Und
Blicke auf das, worauf es künftig ankommt.
Joanna Schmölz
Leonardo da Vinci.
Der vitruvianische

D
Mensch des Meisters,
ie Digitalisierung ist nicht ein- Im Zentrum stehen seit jeher
perfekt in den Propor-
fach nur technischer Fortschritt Ängste vor den Zerstörungs-
tionen: Müsste er im
– sie nimmt enormen Einfluss auf möglichkeiten moderner Zeitalter von KI neu
das Hier und Jetzt sowie auf die Technik, vor dem Neuen und gezeichnet werden?
Zukunft der zunehmend vernetzten Ge- Unbekannten. Die oft ange-
sellschaft und betrifft den Menschen da- führte Technikskepsis allein
bei in all seinen sozialen und „sozietalen“ reicht als Erklärungsmuster
Bezügen. Ganze Bevölkerungsgruppen für die sich jeweils ausbrei-
stehen vor großen Herausforderungen. tenden Ängste jedoch nicht aus.
Wer sich im digitalen Dickicht nicht zu- Mit Blick auf die zunehmende
rechtfinden kann oder will, steht schnell Digitalisierung und Vernetzung
im sozialen Abseits. Eine neue Plattform- sind es vielmehr sozioökonomische
ökonomie lässt nur die teilhaben, die ihre Disruptionen, die gefürchtet werden.
persönlichen Daten hergeben, und ge- Aktuell wird vermehrt über den
fährdet mit ihren zentralisierenden Ef- Einsatz von Algorithmen und künstli-
fekten die Demokratie. Überdeutlich klar chen Intelligenzen sowie die Auswirkun-
wird zudem, dass die Gesetze des Kapita- gen der Verlagerung von Entscheidungen
lismus weder vor der digitalen Welt noch auf „lernende Maschinen“ und damit ver-
vor der persönlichen Sphäre des Men- bundene soziale (Folge-)Kosten debattiert.
schen haltmachen. Für die einen erweitert Technik – in
welcher Form auch immer – die mensch-
Superintelligenz. Die neuen Möglich- lichen Fähigkeiten. In diesem Verständ-
keiten der Datensammlung, -analyse und nis dient sie allen voran der Entlastung
Profilbildung öffnen der Diskriminierung des Menschen. Statt den Wegfall von Be-
von Menschen Tür und Tor und können rufen und Arbeitsplätzen als Bedrohung Fehlern neigende Mensch keine Chance
unser bisheriges Solidarsystem unter- zu empfinden, freuen sich die Vertreter habe gegen die aufwachsende Allmacht
graben. Nicht wenige sehen Algorithmen dieser Sichtweise auf ein Zeitalter des algorithmengesteuerter Entscheidungen.
und künstliche Intelligenz (KI) auf dem geistigen Müßiggangs, in dem die Ma-
Weg zu einer Art Superintelligenz, die – schinen alle Arbeit verrichten, während Minisprung. Manch eine aktuelle Ent-
einmal „angeknipst“ – unbeherrschbar sich der Mensch dem Intellektuellen, wicklung spielt den Kritikern unmittel-
und unbesiegbar die menschliche Spe- dem Sinnvolleren hingeben kann. bar in die Hände. Amazons „Echo“ ist
zies in Gänze infrage stellen könnte. Diametral entgegengesetzt argu- zu Weihnachten 2017 in mehr als eine
Dystopische Szenarien haben Hoch- mentieren diejenigen, die den Menschen Million Haushalte eingezogen. Die darin
konjunktur. Dennoch: Neue technologi- vor ihrem geistigen Auge bereits wegra- „wohnende“ Sprachassistentin Alexa war-
sche Errungenschaften wurden schon im- tionalisiert sehen. Ihre Position basiert tet nun tagein, tagaus auf Fragen und Be-
mer von Skepsis und Ablehnung begleitet. häufig auf der Annahme, dass der zu fehle. Und es ist nur ein kleiner Sprung

16
von „Alexa, wie wird das Wetter heute?“
zu „Alexa, was soll ich anziehen? … was
hören? … wen treffen?“. Es ist zwar noch
nicht alles ausgereift, aber technisch
allemal möglich – und Alexa und Co.
lernen, auch dank unserer Hilfe,
täglich dazu.
In einer solchen „World With­ Alltag. In China wird Überwachung für
out Mind“– so die Conclusio der Social Scoring bereits praktiziert.
Verfechter dieser Sichtweise –
werde der Mensch von der Frei- schon Realität. „Predictive Policing“ z.B.
heit der freien Entscheidung sortiert Menschen in Schubladen. Jetzt
„erlöst“, indem er seine Fra- schon entscheiden Algorithmen vielfach
gen einfach in den Raum stel- über die Vergabe von Krediten oder Ein-
len kann. Stattdessen werde ladungen zum Bewerbungsgespräch.
sein Verhalten analysiert
und konform mit dem durch Teilhabe. Heißt es also „falscher“ Stadt-
Algorithmen determinierten teil = schlechtere Konditionen oder gleich
Mainstream gesteuert. Am gar kein Kredit? Und was ist, wenn in Zu-
Ende dieser Überlegungen kunft alle Firmen dieselbe Bewerberaus-
stehen die Herrschaft der Ma- wahl-Software einsetzen? Ein umfäng-
schinen über die Mensch- licher „Social Score“ könnte in Zukunft
heit und ein der Technik über Zugang und Ablehnung und damit
ausgelieferter Mensch, weitreichend über gesellschaftliche Teil-
der nach ihren Weisun- habe entscheiden.
gen agiert – degradiert Wer ein solches Szenario für un-
zum Assistenten von realistisch hält, braucht nur einen Blick
Robotern. nach China zu riskieren, wo ein solches
Über derart düs- Sozialkredit-System bereits eingeführt
tere Zukunftsszenari- wird. Das aktuelle und vergangene Ver-
en könnte hinwegge- halten entscheidet über die Zukunft. An
schaut werden, wenn diese scheinbar simple Formel schließen
sie vollkommen ab- sich viele unbeantwortete Fragen an.
surd wären. Tatsächlich Kann überhaupt von Objektivität die
aber sind die technischen Rede sein, wenn nur bestimmte Daten zu-
Möglichkeiten einer solchen grunde gelegt werden? Und selbst wenn
Entwicklung zum Teil heute quasi alles über eine Person bekannt
wäre, ist der Mensch nicht mehr als die
Gesamtheit der Daten, die er (freiwillig
oder unfreiwillig) hinterlässt? Droht der
Foto: Louis Constant/RYGER/siart – Shutterstock

Verlust des Sonderfalls? Wie lässt sich


Dystopische Szenarien haben unter den genannten Umständen Ange-
messenheit und Richtigkeit algorithmi-
Hochkonjunktur. Dennoch: Neue scher Entscheidungen überprüfen?

technologische Errungenschaften Kontext. Die Analyse und möglichst ef-


fektive Unterscheidung ist das eine, die
wurden schon immer von Skepsis Frage nach dem Kontext und dem Zweck

und Ablehnung begleitet. das andere. In welchem Verhältnis zu-


einander stehen Ziel und Maßnahme?
Welche gesellschaftlichen Para­meter

Juni 2018 17
und Grunderfordernisse müssen langen Prozessen haben wir bestimmten Kontrolle behalten. Der
noch Berücksichtigung finden? Ist dis- Dingen und Zuständen einen Wert beige- Mensch muss der Technik
kriminierungsfreie Teilhabe unter sol- messen, haben um Grundwerte gerungen. den Weg vorzeigen, um
chen Umständen überhaupt möglich? Ist Wir haben ein demokratisches Bewusst- sie für den Fortschritt
sie (noch) erwünscht? Oder sollten sich sein dafür entwickelt, was gut ist – für uns nutzbar zu machen.
solch grundlegenden Fragen zukünf- und für unsere Nachkommen.
tig auch lernende und über moralische Im Zentrum von alledem steht der
Zweifel erhabene Maschinen widmen? aufgeklärte Mensch, der frei von Über-
Von der Bewertung und Klassifizie- wachung oder Beeinflussung entschei-
rung ist der Weg zur Manipulation nicht den und so das eigene Leben gestalten
sonderlich weit. Je mehr Einzelinformati- kann – eingebettet in eine Gemeinschaft
onen über eine Person zusammenfließen, und ein System, dem er vertrauen kann,
desto besser kann über ihren Gesamtzu- dass es im vorgenannten Sinne zum
stand spekuliert werden. Auf Basis der- Wohle aller funktioniert.
artiger Einschätzungen lassen sich Maß-
nahmen implementieren, die nicht nur Herausforderung. Die disruptiven
die Wahrnehmung, sondern auch konkret Kräfte der Digitalisierung rütteln nun
das Verhalten beeinflussen können. aber an diesen Grundpfeilern. Auf der keit einer Entscheidung gegen die Nut-
Als eine der bereits etablierten For- einen Seite bergen die technischen Er- zung solcher Angebote eine rein theore-
men sei das „Nudging“ genannt, mit dem rungenschaften großes volkswirtschaft- tische.
Menschen „sanft“ zu einem erwünschten liches Potenzial und bereichern den Le- Genau hierin liegt ein zentrales Prob­
Verhalten gebracht werden sollen („Per- bensalltag der Menschen. lem: Dann nämlich, wenn der Einzelne
sonen, die das gekauft haben, kauften Auf der anderen Seite bringt die „Da- nicht mehr überblicken kann, was mit
auch dies …“). tafizierung“ unseres Lebens neue He­ seinen Daten geschieht, und er auch
rausforderungen mit sich. Die Mehrheit kaum eine Chance hat, darüber mit-
Urteilskraft. In vielfacher Hinsicht las- der Menschen weiß, dass sie die von ihr zubestimmen oder gar die Folgen der
sen diese Entwicklungen fundamentale rege genutzten vermeintlich kostenlosen Datenerfassung und -weiterverwertung
Fragen aufkommen: Inwieweit steuern Dienste mit den eigenen Daten bezahlt, abzuschätzen, kann von informationel-
wir unseren Alltag – jetzt und in Zukunft, und geht sogar davon aus, dass die An- ler Selbstbestimmung keine Rede sein.
bewusst oder unbewusst – noch selbst, bieter mit diesen Daten Geschäfte ma- Die aber ist für die freie Entfaltung der
und welchen Anteil daran übernehmen chen. Trotz Empörung über diese Praxis Persönlichkeit unabdingbar. An ihre Stel-
Algorithmen und lernende Maschinen? reagiert sie aber nicht mit Abstinenz. le tritt Fremdbestimmung – und sei es
Wollen wir zukünftig noch unsere eigene Diese Dienste sind zur unentbehrlichen auch „nur“ im Foucault’schen Sinne in
Urteilskraft bemühen? Infrastruktur des persönlichen Alltags Form eines Panoptismus, der sich durch
Gegenwärtig fußt das Vertrauen west- und damit unverzichtbar geworden. Dies ein zunehmend konformes Verhalten des
licher Gesellschaften im Wesentlichen auf erklärt auch, warum die meisten den Individuums aus Vorsicht und Angst vor
dem Dreiklang aus freier/sozialer Markt- Nutzungsbedingungen, die ihnen eigent- den Konsequenzen einer steten Überwa-
wirtschaft, Rechtsstaat und freiheitlicher lich nicht gefallen dürften, ohne Weiteres chung und Kontrolle ausdrückt.
Demokratie. In zum Teil jahrhunderte- zustimmen. Für viele bleibt die Möglich-
Menschsein. Wenn also – wie renom-
mierte Wissenschaftler, Philosophen und
andere Experten prognostizieren – der
Entfaltungsraum des Einzelnen durch den
Einsatz von Algorithmen und KI massiv
eingeschränkt zu werden droht und wir
auf Sicht gar unserer Autonomie beraubt
werden könnten, dann geht es um nicht
weniger als um das Menschsein in Gänze.
Während im Zeitalter der Industriali-
sierung vor allem die menschliche Mus-
kelkraft durch Maschinen ersetzt wurde,
übernahmen die ersten Computer unsere
„Rechenleistung“. In Zeiten von Algorith-
men und KI übertragen wir zusehends
Chancen und Risiken. Digitalisierung birgt, besonnen eingesetzt, großes auch kognitive Fähigkeiten auf Maschinen.
Potenzial für unsere Zukunft und die Zukunft unserer Kinder. Ein Bewusst- Die Folgen dieser Verlagerung höherer
sein für den Umgang mit persönlichen Daten muss geschaffen werden. geistiger Leistungen können wir aus heu-

18
tiger Sicht allenfalls in Ansätzen be-
greifen. Smarte Lösungen schicken die
Menschheit auf eine Reise vom Anthropo-
zän zum Technozän.
Technik behebt ohne Zweifel viele
Probleme, ihr Einsatz aber bleibt selten
folgenlos. Nicht alles technisch Mögliche
ist auch im Sinne der Gesellschaft und
des Einzelnen.

Spielraum. Durch Algorithmen und KI Wie wollen wir in Zukunft zusammen- Zukunft zeichnet. Statt nur Geschäfts-
getroffene Entscheidungen können fai- leben? Wie steht es um das Gemein- modelle im Blick zu haben, sollte sozia-
rer ausfallen, weil sie immer zuverläs- schaftsgefühl in einer zunehmend indivi- ler Fortschritt ein Motor für Innovationen
sig nach der gleichen Logik und damit dualisierten Welt? Wohin wird sich unsere sein – nicht nur ihr zufälliges Anhängsel.
konsistent gefällt werden. Gleichzeitig Gesellschaft entwickeln, und nach wel- Die zentrale Frage könnte lauten: Wo
verschwindet damit der Ermessensspiel- chen Maßstäben wollen wir sie gestalten? kann Technik helfen, die Gesellschaft
raum des Menschen, der in besonderen Fest steht: Für die Gestaltung der Zukunft humaner zu machen, wo kann sie sinn-
Fällen existenziell sein kann. Maschinen bedarf es eines besonnenen Blickes auf stiftend sein und dem Menschen nützen?
sind unbestechlich, aber sie drücken technische Errungenschaften. Welche Werte sind uns jetzt und in Zu-
Fotos: frederike heim photography, ESB Professional/RYGER/Worawee Meepian – Shutterstock

eben auch im Notfall kein Auge zu. kunft wichtig? Welche sich in einer global
Feuer, Dampfmaschine, Handy, Herr- Humanismus. Es ist unabdingbar, dass vernetzten Welt neu formenden gesell-
schaft der Maschinen. Ist das eine logi- wir auch mit uns selbst ins Gericht ge- schaftlichen Konventionen sind wir ge-
sche oder gar natürliche Entwicklung? hen und uns fragen, wie bequem und wie willt zu akzeptieren?
Die Technische Evolution? Zweifelsfrei käuflich wir womöglich (geworden) sind, Unter der Voraussetzung, dass wir
werden Algorithmen, Künstliche Intel- welches Maß an Sicherheit wir fordern uns in dieser Hinsicht nicht „zurück-
ligenz und Automatisierung die Gesell- und was wir bereit sind, dafür zu tun. Vor entwickeln“, sondern am Humanismus
schaft dramatischer verändern als viele allem aber dürfen Sicherheit und Kom- und dem Menschenbild der Aufklärung
andere technische Entwicklungen. Die fort (bzw. noch konkreter „Convenience“) festhalten wollen, muss es nicht zuletzt
Weichen dafür, in welche Richtung das nicht als zwei sich gegenseitig ausschlie- darum gehen, Bildung darauf zurück-
Pendel auf Sicht ausschlägt, sollen wir ßende Antworten auf dieselbe Frage be- zuführen, was sie immer war: eine kri-
aber lieber früher als später stellen, be- trachtet werden. tische Aneignung der Welt. Denn das
vor die technischen Systeme eine solche All diese Fragen sollten wir voller Op- humanistische Modell appelliert immer
Wirkmacht erlangt haben, dass man sie timismus angehen und uns dafür einset- an den Einzelnen. An die Urteilskraft von
nur schlecht wird abschalten können. zen, dass Urteilskraft und Sittlichkeit, die Unmündigen ist schwer zu appellieren.
Unsere Zukunft wird maßgeblich da- Grundwerte der Aufklärungsgesellschaft
Joanna Schmölz
von abhängen, welche Antworten die Poli- und die demokratischen Prinzipien, nicht
studierte Medienkultur
tik weltweit auf die Herausforderungen nur überleben, sondern gestärkt werden. und Politische Wissenschaft.
der Digitalisierung findet, die ihr gesam- Dazu braucht es einen Gestaltungswil- Sie ist stellv. Direktorin und
tes Gesellschaftsmodell und die Demo- len, der selbstbewusst positive Narrative wissenschaftliche Leiterin
kratie langfristig infrage stellen könnten. schafft und ein hoffnungsvolles Bild der des DIVSI.

Juni 2018 19
VORAUSBLICK

I
n Vorträgen, Positionspapieren und
dem lebhaften Konferenzprogramm
zu Themen der Digitalisierung ist das
Stichwort der Digitalethik mittlerweile
eine feste Größe. Doch so komplex und
vielschichtig die Digitalisierung ist – die
Ethik für eine digitale Welt ist es nicht
weniger. Die Karikatur all der gut ge-
meinten Reden und Manifeste zur Digi-
talisierung ist das schon seit Langem
beliebte Buzz­ word-Bingo. Es persifliert
die gehäufte Verwendung inhaltsleer ge-
wordener Schlagworte. Dieses Schicksal
sollte der Digitalethik erspart bleiben. Die
Digitalethik sollte keine Buzzword-Ethik
werden.
Für Skeptiker vielleicht ein frommer
Wunsch, doch auf anderen Ethikfeldern
ist das tatsächlich einigermaßen gut ge-
lungen, etwa in der Wirtschaftsethik oder
in der Medizinethik. Dieser Stand wurde
allerdings nicht von heute auf morgen
erreicht. Dahinter stecken allgemeine
und detailreiche Analysen, zahlreiche Lö-
sungsvorschläge und viele Diskussionen.

Definition. Einige Erfahrungen mit die-

Herausforderungen
sen Ethiken kann man auf die Digitalethik
übertragen: zum Beispiel, dass niemand
über eine größere ethische Autorität als

der Digitalethik
jeder andere klar denkende Beurteiler
verfügt, wie der Moralphilosoph Dieter
Birnbacher hervorhebt, aber auch, dass
mitunter von Ethikern zu viel erwartet
wird, nämlich Sicherheit und weltan- Noch steht die Debatte darüber am Anfang. Sie wird sicher
schauliche Orientierung. Auch die Digi- auf absehbare Zeit notwendig bleiben.
talethik kann keine Doktrin oder Formel- Björn Haferkamp
sammlung sein. Denn oft sind ethische
Probleme vielschichtig, nicht auf Anhieb
transparent und betreffen die Interessen verschiedenen normativen Schlussfol- schen Fortschritt „hinkt das Verständnis
sehr unterschiedlicher Akteure. gerungen führen. Was in der einen Sicht der ethischen Implikationen oft hinter-
Häufig sind auch die Begriffe, die ein Kern des Problems ist, taucht in einer an- her“, wie Brent Mittelstadt und Lucia-
Thema vorgeben, unklar. Was genau ist deren vielleicht nur am Rande auf. no Floridi vom Oxford Internet Institute
Big Data, was Social Media, Dateneigen- konstatieren. Ein solches Verständnis
tum, Digitale Teilhabe oder Maschinen- Problemfeld. Überhaupt liegt hier eine wäre aber erst einmal die Voraussetzung,
lernen? Das sind nicht nur Fragen von der größten derzeitigen Aufgaben der um über ethische Antworten nachdenken
Laien, auch die Fachleute operieren mit Digitalethik. In der konventionellen ethi- zu können. Entsprechend geht es in der
uneinheitlichen Definitionen. Meist ist das schen Praxis ist in der Regel das Problem Digitalethik zunächst auch darum, das
kein Problem, solange sich Arbeitsfelder bekannt, für das dann eine ethisch ange- Problemfeld zu kartografieren und zu
nicht überlappen. Dies ändert sich aber messene Lösung gesucht wird. Bei der strukturieren.
spätestens, sobald sich ethische Proble- Digitalisierung sind aber oft nicht einmal Nehmen wir die Frage des Daten-
me aufdrängen. Denn unterschiedliche Art und Anzahl der ethischen Probleme eigentums. Rechtswissenschaft und poli-
Auffassungen einer Sache können zu sehr eindeutig: Bei dem raschen technologi- tische Akteure diskutieren eifrig, denn

20
Feste Größe.
Digitalethik ist im
Gespräch, aber
fen wurden – anhalten werden. Zu viele man natürlich keine wahllosen und un-
längst nicht aus-
unterschiedliche Aspekte sind betroffen verantwortlichen Verhaltensweisen in
diskutiert.
– Lebensbereiche, Interessen, ordnungs- die Welt setzen, sondern besonders
politische Aspekte, Werte usw. –, als dass umsichtige und schadensminimierende.
unmittelbar auf der Hand läge, welcher Entsprechende Prinzipien wird aber nur
Weg zu beschreiten ist. eine sorgfältige Debatte liefern können,
die nicht von Marketing- oder politischen
Privatsphäre. Besitzt ein mittelstän- Werbestrategien dominiert wird. Das gilt
disches Unternehmen seine Maschi- auch für die anderen ethischen Heraus-
nen- und Produktionsdaten? Wie ist es forderungen, die teilweise überhaupt erst
mit Anwendern von eHealth-Apps? Oder einmal angemessen aufbereitet und ver-
mit Autofahrern, Herstellern, Versiche- standen werden müssen.
rern und Verkehrsbehörden? Viele unter- Wie bei Medizinethik, Wirtschafts-
schiedliche Arten von Akteuren spielen ethik oder Technikethik erfordert auch
eine Rolle. Bei all dem sind die Interessen die Digitalethik Sachkenntnis von Ver-
des einzelnen Menschen aus ethischer tretern verschiedener Bereiche, ein ethi-
Sicht besonders prekär und schützens- sches Gespür für die unterschiedlichen
wert. Aber für das Recht auf Privatsphäre Interessen und Bedürfnisse der Stake-
des Einzelnen finden sich unterschied- holder und manchmal auch Geduld. Die
liche ethische Begründungen, die teils Vielfalt der Gesichtspunkte hat dabei
weit in die vordigitale Zeit zurückreichen. auch ihr Gutes. Sie trägt dazu bei, dass in
Macht sie das obsolet oder im Gegenteil einer komplexen Gemengelage wichtige
vielleicht besonders relevant? Einzelaspekte nicht unter den Tisch fal-
Manche ethischen Begründungen len – ein Problem, das man in den letzten
führen das Recht auf Privatheit auf an- Jahren bei der Digitalisierung gelegent-
dere, grundlegendere Rechte zurück, lich beobachten konnte.
betrachten es also als reduzibel. Die
Auffassung dagegen, Privatheit sei ein Beharrlichkeit. Es ist mitunter eine Ver-
Entscheidungen darüber, wie mit Daten intrinsischer Wert, kommt der verbrei- suchung für wirtschaftliche und politische
umgegangen werden soll, sind dringend teten Intuition entgegen, dass sie an Akteure, voreilig vollendete Tatsachen
notwendig. Dabei bezieht man sich auf sich wertvoll ist. Schließlich gibt es noch zu schaffen. Aber die Ethik ist beharr-
bestehende Gesetze, Regelungen und die eigentumsbasierte und funktionale Be- lich. Unbefriedigend beantwortete Fragen
Rechtsprechungspraxis. Sollen Daten den gründungen des besonderen Wertes des stellt sie einfach immer weiter. Noch steht
betroffenen Personen als Vermögensrecht Privaten. Nicht alle diese Positionen sind die Debatte über die Digitalethik in vielem
zugewiesen werden? Handelt es sich um befriedigend, aber sie heben unterschied- ganz am Anfang. Sie wird sicher auf ab-
Sacheigentum oder um Immaterialgüter? liche Aspekte hervor, die nicht außer Acht sehbare Zeit notwendig bleiben.
Oder führen solche Konzepte bei Daten zu gelassen werden können, wenn man
unerwünschten Resultaten, wie etwa der ethisch akzeptable Prinzipien finden will.
Björn Haferkamp
leichtfertigen und endgültigen Übertra- Besonders deutlich wird das Problem
(Uni Bremen) arbeitet an
gung von Rechten an den eigenen Daten? der Identifikation und Implementierung einem Promotionsprojekt zu
Und wie kann man dem allgemeinen Per- ethisch akzeptabler Prinzipien bei auto- Digitalethik und Vertrauen,
sönlichkeitsrecht und dem Selbstbestim- nomen Maschinen, denn hier möchte unterstützt durch das DIVSI.
mungsrecht gerecht werden?
Selbst juristische Laien in dieser De-
batte erkennen, dass den dringenden
ethischen Erfordernissen bislang keine Die Ethik ist beharrlich. Unbefriedi-
eindeutigen und überzeugenden Normen
gend beantwortete Fragen stellt sie
Foto: pikcha – Shutterstock

gegenüberstehen. Der Klärungsbedarf


besteht nicht nur juristisch und politisch,
sondern ganz grundsätzlich auch auf einfach immer weiter.
der Ebene der Ethik. Solange das so ist,
darf man erwarten, dass die Diskussio-
nen – auch wenn Vereinbarungen getrof-

Juni 2018 21
ABWEHRMECHANISMUS

7 goldene Regeln für die


nächste Generation
Die digitale Revolution macht die Nutzer zu Getriebenen. Niemand will den Zug verpassen
oder abgehängt werden. Drohen die smarten User ihr Bürgerrecht auf informationelle
Selbstbestimmung zu verlieren?
Horst Opaschowski

D
er kanadische Kultschriftsteller in denen um die Zeit (und nicht nur um als Facebook-Nutzer bewusst abhängig
Douglas Coupland nannte die das Geld) der Verbraucher gekämpft wird. zu machen. Der Klick auf den Gefällt-
neue Silicon-Valley-Generation Es ist jetzt so weit: Sean Parker, der Mitbe- mir-Knopf wirke wie ein Dopaminschub
einmal „Microsklaven“. Seine gründer des Musikdienstes Napster und und verführe zum Immer-mehr: „Ich will
Begründung: Für deren Unterbewusst- Ex-Präsident von Plaxo, Inc. sowie Bera- noch mehr Likes!“ Die Folge: Die Ver-
sein ist nur noch der Computer zustän- ter von Facebook, gab auf der Konferenz wundbarkeit in der Psyche von Kindern
dig. „Microsklaven“ drücken sich oft vor des Online-Portals Axios im November und Jugendlichen wird regelrecht ausge-
sozialen Verpflichtungen und tun dabei 2017 bekannt, dass es bei der Gründung nutzt und ausgebeutet.
so, als hätten sie etwas vom Leben. Und von Facebook nur um eine zentrale Frage
je weniger sie davon haben, desto mehr für die Verbraucher ging: „Wie verspeisen Achtsamkeit. Das ist jetzt das Gebot
Zeit verbringen sie im Internet. Am Ende wir so viel wie möglich eurer Zeit?“ der Stunde. Wir brauchen eine digitale
wird irgendwann der Punkt erreicht, wo Die Nutzer sollten von Anfang an zum Agenda, die über individuelle Abwehr-
jeder sagt: „Ich habe keine Zeit mehr!“ Opfer einer Wertschätzungsschleife wer- mechanismen nachdenkt und sich auch
den und in einen Kreislauf der sozialen vor gesellschaftlichen und politischen
Schachmatt. Ja, so muss man heute Bestätigung („Likes“) geraten, aus dem Konsequenzen nicht scheut. Konkret: Wir
Fotos: Benjamin Roeber, Iakov Filimonov – Shutterstock

fragen: Wie kann die Zeit einfach ver- es kaum ein Entrinnen gibt. Die Erfinder müssen in Zukunft die Zeit von Kindern
schwinden? Coupland fand schon vor der Sozialen Medien wollten die Nutzer und Jugendlichen genauso konsequent
über 20 Jahren eine Erklärung dafür: Die ständig und zeitraubend am Angelhaken beschützen wie ihre Privatsphäre. „Es
Internet-Giganten haben es „nur auf eure behalten, ihre ganze Aufmerksamkeit in wird Zeit“ – zur Reaktion, zur Gegenwehr
Zeit abgesehen, nicht auf euer Geld“. Hier Anspruch nehmen und sie wie bei einem oder auch zum Boykott der Verbraucher
läuft das Leben „fünfzigmal schneller ab Spielautomaten geradezu süchtig ma- gegen das Zeitdiktat von Silicon Valley.
als normal“. Das extreme Lebenstempo chen, ja ihnen am Ende fast den Verstand Die Nutzer müssen Zeitdieben wie Apple,
erzeugt geradezu Schachmatt-Gefühle. rauben. Google und Microsoft sowie Sozialen Me-
Werden sich die Nutzer gegen diese mo- Parker fällte ein vernichtendes Ur- dien wie Facebook den Zeitkrieg erklären,
dernen Zeitdiebe überhaupt noch wehren teil: „Nur Gott weiß, was Facebook mit wenn sie nicht ihren Zeitwohlstand ver-
können? Vor einem Jahrzehnt sagte ich den Gehirnen unserer Kinder anstellt.“ lieren und ihre persönliche und soziale
für die nahe Zukunft „Zeitkriege“ voraus, Er warf Mark Zuckerberg vor, die Kinder Lebensqualität einbüßen wollen.

22
Spaßzeit. Digitale Technik
kann gute Laune machen
- wenn man ihr nicht die
Herrschaft überlässt.

Natürlich lässt sich die Digitalisie-


rungsuhr nicht mehr zurückdrehen – 4 Pflege echte Freundschaften:
Verdränge nicht deine mit-
vom Schein des Likens und Gelikt-­
Werdens.
wohl aber zeitweilig oder für Momente menschlichen Kontakte und Beziehun- Die Anzahl der „Follower“ und „Freunde“
anhalten. Für Kinder und Jugendliche gen durch digitale Compunikation. täuscht dir eine hohe Beliebtheit vor, die
müssen Wege aus der Zeitfalle von Face- Überwinde die Angst, im Leben etwas zu nicht nachhaltig und von langer Dauer ist.
book & Co. gefunden werden. Ich schlage verpassen, wenn du nicht alles Neue mit-
der nächsten Generation „7 Goldene Re-
geln“ für ein gelingendes Leben im digi-
machst.
7 Steige aus der Zeitfalle aus:
Entdecke die Hängematte wieder.
talen Zeitalter vor:
5 Vertrau auf deinen inneren
Stressschutzschalter: Halte nach
Verabschiede dich von dem Irrglauben,
das schnelle Netz würde dir helfen, Zeit

1 Habe Mut zur digitalen Diät:


Sei öfter offline.
Notausgängen zum Flüchten aus der
Stressrallye des Alltags Ausschau.
zu sparen. Leiste dir eine Mañana-Menta-
lität: Morgen ist auch noch ein Tag!
Suche und finde deine persönlichen Halt- Frage dich öfter: „Was ist eigentlich wich-
und Ruhepunkte. Lass dich vom Anbie- tig für mich und was nicht?“ Prof. Dr. Horst W.
ter-Imperativ „Bleib dran – abschalten Opaschowski

6
kannst du woanders“ nicht unter Druck Definiere dich nicht über Soziale ist ein deutscher Zukunfts-
setzen. Medien: Lass dich nicht blenden forscher und Berater für
Politik und Wirtschaft.

2
Werde zum eigenen Zeitverteidi-
ger: Steig aus dem Erreichbar-
keits- und Beschleunigungswahn
zeitweilig aus.
Der fundierte Blick in die Zukunft
Lebe wieder nach dem Grundsatz: „Eine Zukunftswissenschaftler Prof. Twitter
Sache zu einer Zeit“ statt „Mehr tun in Opaschowski setzt sich für Teilhabe twitter.com/HOpaschowski
gleicher Zeit“. aller beim Bick in die Zukunft ein. Hier bennennt er
Dafür nutzt er verschiedene Kanäle: gezielt Positionen und

3 Nimm realistisch zur Kenntnis: Im


digitalen Zeitalter ist nichts mehr Website Opaschowski
Visionen zu Zukunfts­-
themen.
sicher und fast alles manipulierbar. www.opaschowski.de
Schütze deine persönlich sensiblen Da- Website Forschungsinstitut E-Mail
ten durch den Aus-Knopf. Zieh öfter den www.oiz-hamburg.de horst@opaschowski.de
Stecker!

Juni 2018 23
MACHT & VERANTWORTUNG

Das Internet gestalten - die große


Chance in freien Gesellschaften
DIVSI-Bucerius Forum 2018: Zweitägiges Treffen hochkarätiger Experten in der
Hamburger Law School vor voll besetzten Zuhörerreihen.
Michael Schneider

Z
um vierten Mal luden DIVSI und
die Hamburger Bucerius Law
School gemeinsam zum Aus-
tausch über Themen des digitalen
Zeitalters ein. Thema des Forums 2018:
„Wer regiert das Internet? Macht – Kont-
rolle – Verantwortung“.
Prof. Dr. Katharina Boele-Woelki,
Präsidentin der Law School, unterstrich
bei dieser Gelegenheit die gemeinsa-
me „sehr erfolgreiche Kooperation“, die
man künftig „gern fortsetzen möchte“.
DIVSI-Direktor Matthias Kammer beton-
te in seinen Grußworten: „Wir bemühen
uns, Themen zu finden und anzubieten,
über die in unserer Gesellschaft disku-
tiert wird oder diskutiert werden sollte.“
Angesichts eines voll besetzten Zuhö-
rerraums konnte er dann den Erfolg des
Prophetisch. Prof. Dr. Sebastian Heilmann zeichnete den chinesischen Weg:
Konzepts konstatieren: „Um unsere Zu-
„Überraschend, wie weit die sind!“
sammenarbeit herum hat sich eine inte­
ressierte Familie gebildet.“
bei der Befragung von Mark Zuckerberg behörden in der realen Wirtschaft längst
Aufklärung. Mit Blick auf den Arbeits- vor dem amerikanischen Senat enthüll- zerschlagen hätten, oder dass man mit
titel des Forums „Wer regiert das Inter- ten.“ Und er beklagte: „Erstaunlich, dass persönlichen Daten einen schwunghaften
net?“ stellte Bundespräsident a. D. Joa- ein Großteil der Betroffenen die Bestim- Handel betreibe. Was augenblicklich mit
chim Gauck fest: „Aufklärung tut not.“ mungen der neuen Datenschutz-Grund- der DSGVO geschehe, sei aber eine opti-
Der DIVSI-Schirmherr weiter: „In Bezug verordnung nicht rechtzeitig implemen- mistisch stimmende Erfahrung. Gauck:
auf mögliche Gefahren oder rechtsfreie tiert hat, obwohl zwei Jahre Zeit dafür „Selbst Giganten wie Facebook und Ama-
Räume im Internet stoße ich immer noch gewesen wären.“ zon können nur so lange und so ausufernd
auf erstaunlich viel Unkenntnis, Inte­ Mit Bedauern konstatierte Gauck: die Bedingungen im Internet diktieren,
resselosigkeit oder auch Abwehr – in der „Noch sind wir ganz offenkundig nicht so wie wir, die Gesellschaften, sie gewähren
Politik ebenso wie in der Gesellschaft, weit, dass der Bürger die Frage, wer im lassen. Wir sind nicht hilflose Opfer tech-
obwohl das Internet wesentlich über die Internet regiert, nicht einer naturwüch- nischer Entwicklungen und gewinnorien-
wirtschaftliche und politische Macht von sigen Entwicklung überlässt, sondern tierter Unternehmer, sondern wir können
Staaten entscheiden wird.“ selbst beantworten will – in allen Berei- ihrem Agieren Grenzen aufzeigen. Auch
Joachim Gauck nahm in diesem Zu- chen, und bewusst, und zum Nutzen der das Internet in einem emanzipatorischen
sammenhang Bezug auf zwei aktuelle Menschheit.“ Sinn zu gestalten, das ist – im Unterschied
Ereignisse. Er sprach von „Unkenntnis Es dürfe nicht sein, dass sich im In- etwa zu China und Russland – die große
und Inkompetenz, die manche Politiker ternet Giganten entwickeln, die Kartell- Chance in freien Gesellschaften.“

24
Nachdrücklich. DIVSI-Schirmherr Joachim Gauck und Dr. Josef Braml
argumentierten voller Leidenschaft.

Prof. Dr. Claudia Eckert (TU umriss er so: Man wolle eine Cyber-Su-
München) eröffnete den Re- permacht werden, die Durchsetzung
feratsreigen der Experten. Sie nationaler Souveränität und Sicherheit
erklärte umfassend, präzise im Cyberspace vorantreiben, staatliche
und für jeden nachvollziehbar Cloud-Zentren als Daten-Superhubs ein-
grundlegende technische Infra- richten sowie eine politisch machtvolle
strukturen des Internets. Und Cyberspace-Administration schaffen.
sie beantwortete die Kernfrage Bereits jetzt sei die permanente vi-
des Forums so: „Niemand regiert suelle Überwachung des öffentlichen
das Internet. Und das ist gut so. Raums für uns kaum vorstellbar weit ge-
Wir sollten alles tun, damit das so diehen. So erhielten beispielsweise regis-
bleibt.“ Gleichzeitig unterstrich sie trierte Verkehrssünder unmittelbar nach
die Bedeutung eines verschlüssel- ihrem Vergehen einen Strafzettel aufs
ten Datenverkehrs. Handy geschickt. Wobei Sebastian Heil-
In ihrem Fazit verwies sie auch auf mann nachdrücklich kritisierte, dass die
die Stärken des Internets („Ein Netz Bürger „keinerlei Datenschutz gegenüber
Niemand von Netzen“):
■ Es gibt keine Kontrolle durch Einzelne.
staatlichen Stellen“ hätten. Und es beste-
he ein disruptiver Anspruch: Behebung
regiert das ■ E s ist offen, unabhängig und von kei-
ner Organisation kontrolliert.
der Defizite von traditionellen Rechtssys-
temen in der Verhaltenssteuerung. Das
Internet. Und ■ E s ist dezentral, robust, global:
Staatliche Einflüsse sind begrenzt.
Fazit des Experten im Vergleich zwischen
China und uns: „Wir werden verlieren.“
das ist gut so. Prof. Dr. Sebastian Heilmann (Institut Rivale. Mit Blick auf die Rolle der USA
Wir sollten für China-Studien, MERICS, Berlin) in- stellte Dr. Josef Braml, Experte für trans-
formierte über „Den chinesischen Weg – atlantische Beziehungen, fest, dass aus
alles tun, Digitale Totalkontrolle und internationale dortiger Sicht „Europa ein Rivale“ gewor-
Standardsetzung“. Gegenüber unseren den sei. Gleichzeitig sah er die Chinesen
damit das westlichen Verhältnissen sei es ein „völ- als „massive Bedrohung für die USA“.
lig anderes Konzept“, das China verfol- In der von DIVSI-Direktor Matthias
so bleibt. ge: „Ein radikal anderes Denken.“ Und er Kammer moderierten Diskussionsrunde
machte nachdrücklich klar: „Es ist über- waren mahnende Töne nicht zu über-
Prof. Dr. Claudia Eckert,
raschend, wie weit die sind.“ hören. Dabei stellte Hamburgs oberster
TU München
Mit Blick auf die Zukunft schloss Prof. Datenschützer Prof. Dr. Johannes Cas-
Fotos: Kerstin Lakeberg

Heilmann nicht aus, dass man dort auch par nachdrücklich fest: „Im Westen ist
daran arbeiten könne, das chinesische Chinas Weg keine Alternative.“ Dr. Nadi-
Politbüro durch Künstliche Intelligenz ne Godehardt von der Forschungsgrup-
zu ersetzen. Die offiziellen politischen pe Asien der Stiftung Wissenschaft und
Ziele für Chinas digitale Transformation Politik (SWP) betonte, dass wir „China

Juni 2018 25
Fotos: frederike heim photography, Kerstin Lakeberg
Es diskutierten (v.l.):
Die Instrumente sind Prof. Dr. Johannes Caspar,
Dr. Nadine Godehardt, Daniel
schärfer geworden. Lachmann, DIVSI-Direktor
Matthias Kammer, Janwillem
Prof. Dr. Johannes Caspar, Hamburgischer Beauftragter van de Loo (Uni Hamburg),
für Datenschutz und Informationsfreiheit Saskia Esken.

und chinesische Unternehmen immer Digitale Agenda) machte nachdrücklich gen gespickte Tage, geprägt von Ex-
mitdenken“ müssten. Eine Diskussion klar, dass „niemand allein das Internet perten, verständlich auch für Laien.
über Systemunterschiede bringe nichts: beherrschen“ solle. Wir müssten Ver- DIVSI-Schirmherr Joachim Gauck: „Fra-
„Die chinesischen Akteure sind hier längst trauen in unsere Regulierungsmöglich- gen über Fragen, wer welche Macht im
aktiv.“ keiten haben. Die DSGVO sei ein richtiger Internet besitzt und wer sie auf welche
Schritt. Das unterstrich auch Daten- Weise besitzen oder entrissen bekom-
Super-Power. Diesen Punkt stellte schützer Prof. Caspar: „Die Instrumente men sollte. Kernfragen unserer Zukunft,
auch Unternehmer und China-Experte sind schärfer geworden.“ Jetzt ginge es komplex und verwirrend, über die sich
Daniel Lachmann heraus: „Die Chinesen darum, das Ganze mit Leben zu füllen. zunächst Fachleute wie hier auf dem
sind in Europa schon da. Aber noch haben DIVSI-Bucerius Forum beugen müssen,
sie damit zu tun, ihre eigene Infrastruktur Zukunftsblick. Wie könnte unsere di- damit Antworten gefunden werden, die
aufzusetzen.“ Die Kernfrage des Forums gitale Welt in zehn Jahren aussehen? für uns Internet-Laien verständlich sind.
beantwortete er so: „Den digitalen Raum Daniel Lachmann: „China wird dann Erst wenn wir Bürger annähernd erken-
beherrscht, wer ihn sich nimmt.“ Jeder eine Super-Power sein, die Hosen an- nen, was im virtuellen Raum geschieht
Bürger müsse sich selbst damit ausei­ haben. Darauf muss man sich einstel- und geschehen kann, werden wir im-
nandersetzen, was das für eine Zukunft len.“ Deutschland dagegen habe ein In- stande sein, wenigstens annähernd
ist, auf die wir zusteuern. Janwillem van novationsproblem, dieses Thema müsse sachgerechte Entscheidungen darüber
de Loo verwies in diesem Kontext auf man angehen. Lachmann: „Unternehmer zu treffen, wie Macht im Internet aus-
eigene Internet-Erklär-Videos, die für müssen schneller, besser, innovativer sehen soll.“
jeden verständlich technische Fragen werden.“ Auch Saskia Esken bedauerte:
beantworten und so mithelfen, für mehr „Die Veränderungsbereitschaft in Deutsch-
Michael Schneider
Klarheit im digitalen Raum zu sorgen land ist nicht so groß.“ Die Politik müsse
studierte Betriebswirt-
(➜ internetkontrolle.blogs.uni-hamburg. Forschung und Entwicklung immer wie- schaft, Musik und
de/videos). der auf den neuesten Stand bringen.“ Psychologie. Er leitet
Die SPD-Bundestagsabgeordnete Das DIVSI-Bucerius Forum 2018: bei DIVSI den Bereich
Saskia Esken (Mitglied u.a. im Ausschuss zwei mit Informationen und Anregun- Kommunikation.

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Aktuelle Bücher
Digitalisieren mit Hirn
Wie Führungskräfte ihre Mitarbeiter für den
Wandel gewinnen
Sebastian Purps-Pardigol, Henrik Kehren

Die Autoren haben in mehr als 150 Interviews über 30 Firmen ana-
lysiert und zwölf Unternehmen ausgewählt, die die eigene digitale
Transformation vorbildhaft vorantreiben. Ihre Erkenntnis: Je größer
das Maß der Digitalisierung in einer Organisation, desto mehr Auf-
merksamkeit braucht das Thema Menschlichkeit. Anhand zahlrei-
cher Unternehmensbeispiele und mithilfe neuer Erkenntnisse aus
Hirnforschung, Psychologie und Verhaltensökonomie erklären die
Autoren, was genau in diesen Unternehmen geschehen ist und
wie sich dieses Wissen auf andere Firmen übertragen lässt.

Campus Verlag, ISBN 978-3-593-50842-9, 34,00 €

Big Data – Regulative Digitale The Politics of Big Data – Schwacher Staat im Netz
Herausforderungen Knechtschaft Big Data, Big Brother? Wie die Digitalisierung den
Hrsg. von Prof. Dr. Wolfgang Wie wir von Konzernen Hrsg. von Ann Rudinow Sæt- Staat infrage stellt
Hoffmann-Riem und Staaten gesteuert nan, Ingrid Schneider, Nicola Martin Schallbruch
Vor dem Hintergrund der werden Green
digitalen Transformation Ulrich Horstmann, Wie mit Big Data umge- Die Digitalisierung fordert den
geht es um Big Data und die Ralph Lutz hen? Wann ist es vorteilhaft Staat nicht einfach nur heraus.
Folgen. Das Recht, so das für uns? Wie können wir es Sie überfordert ihn. Unser de-
deutsche und europäische Die Autoren zeigen die Ge- regulieren? Der Band zielt mokratischer Staat mit seinen
Datenschutzrecht sowie fahren auf, die Methoden darauf ab, einen vorurteils- Institutionen und Verfahren
das Kartellrecht, sind nicht und die Macht der Daten- freien Diskurs zu verbreiten, tut sich schwer, seine bisheri-
hinreichend auf die besonde- kraken wie auch die Un- der sich auf folgende Themen ge Rolle auch im digitalen Raum
ren Probleme von Big Data tätigkeit der Volksvertreter, konzentriert: die Lehren zu spielen. Entlang persönlicher
abgestimmt. Entgrenzun- die durch Überregulierung von Big Data, die Politik der Erfahrungen zeichnet der Autor
gen, Vermachtungen oder in viele Lebensbereiche der Governance und Regulie- die Entstehung der Netz- und
Intransparenzen erschweren Entmündigung sogar Vor- rung und Big-Data-Praktiken, Digitalpolitik seit dem Jahr 2000
rechtlichen Schutz. schub leisten. Leistung und Widerstand. in Deutschland nach.

Nomos Verlag, ISBN 978-3- Redline, ISBN 978-3-86881- Routledge, ISBN 978-1- Springer Verlag, ISBN 978-3-
8487-4782-5, 52,– € 678-5, 19,99 € 1382-9374-8, £ 105,00 658-19946-3, 19,99 €

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Hinweise zur EU-Datenschutz-Grundverordnung
Seit dem 25. Mai 2018 gilt die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung
(EU-DSGVO) in Deutschland verbindlich. Das bringt für alle – und natürlich
auch für DIVSI – Änderungen mit sich.
Speziell für das DIVSI magazin bitten wir deshalb um Beachtung:
Auch diese Ausgabe 2/2018 haben Sie wie zuvor kostenfrei und ohne weitere
Verpflichtung postalisch zugestellt bekommen. Wir nutzen Ihre dabei ver-
wendeten (Adress-)Daten nur und ausschließlich dafür, dass das Magazin Sie
auf dem Postweg sicher erreicht.
Wenn Sie an dieser geübten Praxis nichts ändern möchten, werden wir auch
künftig so verfahren. In diesem Fall brauchen Sie nichts zu veranlassen.
Sollten Sie mit der Nutzung für den genannten Zweck allerdings nicht ein-
verstanden sein, müssten Sie uns dieses bitte mitteilen. Wir werden dann
Namen und Anschrift im Heftverteiler löschen und Ihnen das DIVSI magazin
künftig nicht mehr zustellen.
Möchten Sie von Ihrem Widerrufs- oder Widerspruchsrecht Gebrauch
machen, genügt eine E-Mail an info@divsi.de, ein Fax an +49 40 226 36 98 93
oder ein Brief an DIVSI, DIVSI magazin, Mittelweg 110 B, 20149 Hamburg
Darüber hinaus haben Sie die folgenden Datenschutzrechte:
das Recht auf Auskunft, Berichtigung, Löschung, Einschränkung der Verar-
beitung und Datenübertragbarkeit. Ihnen steht auch ein Beschwerderecht
gegenüber einer zuständigen Datenschutz-Aufsichtsbehörde zu. Bei Fragen
zu diesem Datenschutzhinweis oder Ihren Datenschutzrechten können Sie
sich jederzeit unter den obigen Kontaktdaten oder postalisch an uns wenden.