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www.die-freiheitlichen.com

An den
Präsidenten des Südtiroler Landtages
Herrn Dr. Ing. Roberto Bizzo
Bozen

Bozen, den 14. März 2018

ANFRAGE

Die Trinkwasserreserven der Gemeinden

Das Trinkwasser ist für uns alle das Lebenselixier. Derzeit wird der Entwurf für das neue Raumordnungsgesetz besonders
diskutiert. Der Wohnraum in Südtirol soll erhöht werden und dabei ist die Voraussetzung, dass genügend Trinkwasser zur
Verfügung steht, unumstößlich. Sollten in unterschiedlichen Gemeinden nur knappe Trinkwasserreserven zur Verfügung
stehen, macht die Erhöhung von Wohnraum wenig Sinn.
Südtirol ist in weiten Teilen sicherlich mit reichen Trinkwasservorräten gesegnet, aber unterschiedliche Wetterextreme,
Dürren und Trockenheit zehren an den Reserven. Im vergangenen Sommer waren etliche Gemeinden von
Wasserknappheit betroffen. Selbst konstant ergiebige Quellen lieferten nur mehr wenig Wasser. Darüber hinaus spielt die
Massenzuwanderung eine gewichtige Rolle beim Verbrauch von Trinkwasserreserven.

Daraus ergeben sich folgende Fragen an die Landesregierung verbunden mit der Bitte um schriftliche Antwort:

1. Wie sieht der Trinkwasserhaushalt der einzelnen Südtiroler Gemeinden im Detail aus?
2. Welche Gemeinden können selbst bei anhaltender Trockenheit die Trinkwasserversorgung garantieren und bei
welchen Gemeinden kann es immer wieder zu Engpässen kommen? Bitte um eine detaillierte Auflistung.
3. Die Gestaltung der Raumordnung muss in die Zukunft weisen. Gibt es Gemeinden, wo eine weitere Erhöhung
an Wohnraum und somit an Bevölkerung wegen der Trinkwassersituation nicht mehr empfehlenswert ist? Wenn
ja, welche?
4. Welche Gemeinden müssen jetzt schon aufgrund des Bevölkerungswachstums bzw. der Zuwanderung und der
Zunahme des Tourismus neue Trinkwasserquellen erschließen?
5. Hat die Landesregierung ein sogenanntes Wassermanagement bzw. eine "Wasserplanung für Südtirol" für die
kommenden Jahrzehnte, welche Einheimische, Touristen, Zuwanderung und Landwirtschaft berücksichtigt?
Wann stoßen wir an unseren Versorgungsgrenzen mit Wasser?

L. Abl7 igmar Stocker

c/o Sigmar Stocker Landtagsfraktion


Kirchgasse 62 Silvius-Magnago-Platz 6
1-39018 Terlan 1-39100 Bozen
Tel. 366-3801891 Tel. 0471 946 212
info@die-freiheitlichen.com Fax 0471 946 301
die-freiheitlichen@pecmails.com freiheitliche@landtag-bz.org Freiheitliche Partei Südtirol
AUTONOME PROVINZ BOZEN - SÜDTIROL PROVINCIA AUTONOMA DI BOLZANO - ALTO ADIGE
Landeshauptmannstellvertreter Vicepresidente della Provincia
Landesrat für Raumentwicklung, Umwelt Assessore all Sviluppo del territorio, Ambiente
und Energie ed Energia

Herrn
Sigmar Stocker
Bozen, 11.5.2018
Freiheitliche Partei Südtirol
Bearbeitet von: Südtiroler Landtag
Thomas Senoner Silvius-Magnago-Platz 6
Tel. 0471/414770
Thomas.Senoner@provinz.bz.it 39100 Bozen
Flavio Ruffini
Tel. 0471/41 71 00
Flavio.Ruffini@provinz.bz.it

Zur Kenntnis: Herrn


Roberto Bizzo
Landtagspräsident
Südtiroler Landtag
Silvius-Magnago-Platz 6
39100 Bozen

Landtagsanfrage Nr. 3372/2018 — Die Trinkwasserreserven der Gemeinden

Sehr geehrter Herr Landtagsabgeordneter Stocker,

der Wassernutzungsplan gibt in Art. 14, in Abhängigkeit von Einwohnern, Betten in


Tourismusstrukturen und Krankenhäusern sowie Großvieheinheiten die Einheitswerte für
die Bedarfsberechnung der Trinkwasserversorgungsanlage vor.
Als öffentliche Trinkwasserleitung gelten, laut Art. 9 des LG Nr. 8/2002 alle
Trinkwasserversorgungsanlagen, die folgende Versorgungsschwellenwerte überschreiten:
40 Wohneinheiten oder 150 Betten in Beherbergungsbetrieben gewerblicher und nicht
gewerblicher Natur. Eine Trinkwasserleitung, die von einer öffentlichen Körperschaft
betrieben wird, ist unabhängig vom Erreichen dieser Schwellenwerte eine öffentliche
Trinkwasserleitung.
Für diese Trinkwasserleitungen muss ein laut DLH Nr. 12/2006 geschulter Wasserwart zur
Verfügung stehen, für die Wasserbezugsquellen müssen gemäß DLH Nr. 35/2006
Trinkwasserschutzgebiete ausgewiesen sein, der Betreiber der Trinkwasserleitung muss
interne Qualitätskontrollen nach BLR Nr. 333/2008 durchführen.
Die Trinkwasserqualität kann generell als hervorragend bezeichnet werden.
Frage 1: Südtirols öffentliche Trinkwasserversorgung ist aufgrund der morphologischen
Eigenheiten des Landes sehr dezentral aufgebaut. Daher ist die Anzahl der öffentlichen
Trinkwasserleitungen mit insgesamt 482 sehr hoch. Jede dieser Trinkwasserleitungen wird
mit den im Wassernutzungsplan angegebenen Werten konzessioniert. Insgesamt sind rund
1500 Trinkwasserquellen und 110 Tiefbrunnen für die öffentliche Trinkwasserversorgung

Landhaus 11, Rittner Straße 4 • 39100 Bozen Palazzo 11, via Renon 4 • 39100 Bolzano
Tel. 0471 41 77 10 • Fax 0471 41 77 19 Tel. 0471 41 77 10 • Fax 0471 41 77 19
http://www.provinz.bz.it/ressorts/umwelt-energie/ http://www.provincia.bz.it/dipartimenti/ambiente-energia/
Steuernr./Mwst.Nr. 00390090215 Codice fiscale/Partita Iva 00390090215
1 ("1 ,1(1.1 0 El.- I I -r • T 1 e• C• • e
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konzessioniert, welche die Trinkwasserversorgung in den Gemeinden sicherstellen. 80%


der Trinkwasserleitungen sind direkt in der Hand der Gemeinden oder werden von
Stadtwerken betrieben.
Frage 2: Trinkwasserversorgungsanlagen müssen ausreichend Wasser in hygienisch
einwandfreier Qualität liefern. In Trockenzeiten kann in einzelnen Fällen das
Wasserdargebot von Quellen zurückgehen. Gleichsam steigt in der Regel auch der
Wasserbedarf stark an. Dies aufgrund der sanitären Nachfrage (duschen) und auch vor
allem wegen der Bewässerung privater Gärten. Dabei kann es in einigen Fällen durchaus
dazu kommen, dass die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister ihre Bürger zum
umsichtigen Umgang mit Wasser aufrufen müssen.
Leider kann ein solches Versorgungsproblem nicht so ohne weiteres allein mit der
Erschließung neuer Bezugsquellen gelöst werden. Es müssen zuvor auch die Leitungen
vergrößert werden. Dies bedeutet aber auch, dass es bei niedrigem Verbrauch z.B. im
Herbst oder außerhalb der Saisonen, zu einer erhöhten Verweildauer des Wassers im Netz
und somit zu einem wachsenden Risiko von Verkeimungen kommen kann.
Im letzten Jahrzehnt wurde im Trinkwasserbereich sehr viel im Bereich undichter Leitungen
investiert. Damit gingen die Netzverluste stark zurück. Diesbezüglich soll auch der neue
Beschluss der Landesregierung zur Regelung des Trinkwassertarifs, Nr. 859/2017, die
Rationalisierung im Betrieb der Anlagen und im Gegenzug die Tätigung von Investitionen
zur Verbesserung der Leitungsqualität fördern.
Dort, wo die Schüttungen von Quellen aufgrund von Trockenheit zurückgehen können,
wurden Grundwasserreserven mittels Tiefbrunnen erschlossen, die abgesehen vom
energetischen Aufwand keinerlei Nachteile gegenüber von Quellen haben und im
Bedarfsfall einfach zugeschaltet werden können.
Das Risiko einer Wasserknappheit ist in Gemeinden mit geringmächtigen
Lockergesteinsüberlagerungen, die ideale Wasserspeicher sind, am höchsten. Zu diesen
Gemeinden zählen: Ritten, Mölten, Vöran, Jenesien.
Frage 3: Südtirol ist reich an Trinkwasser. Es sind jedoch einzelne Gemeinden, die wegen
ihrer geografischen Lage auf einem Hochplateau auf weniger reichhaltige
Trinkwasserreserven zurückgreifen können bzw. die Wasser aufbereiten müssen, oder
Wasser bei erhöhtem Bedarf aus der Talniederung emporpumpen müssen.
Der vom Wassernutzungsplan vorgesehene jährliche Trinkwasserbedarf pro Person ist
gegenüber der Landwirtschaft vergleichsweise gering. So können theoretisch mit der für
einen Hektar vorgesehenen Menge von 0,5 l/s ca. 120 Personen mit aufbereitetem
Trinkwasser versorgt werden. Das Aufbereiten von Trinkwasser und das Emporpumpen in
solchen Krisengebiete ist eine Kostenfrage.
Die Trinkwasserversorgung zählt auf lokaler Ebene aber sicherlich zu jenen Faktoren, die
im Sinne einer guten und vorsorgenden Planungspraxis im Hinblick auf künftige
Siedlungsentwicklung zu berücksichtigen ist.
Frage 4: Der vom Wassernutzungsplan festgelegte Konzessionswert von 300 I Trinkwasser
pro Tag und Person berücksichtigt auch die Entwicklung für die nächsten 30 Jahre, parallel
zur 30-jährigen Konzessionsdauer. Dadurch ist eine laufende Anpassung der
Konzessionswassermengen nicht erforderlich. Bei der Erneuerung von

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Wasserkonzessionen kommt jedoch häufig der Fall vor, dass alte, damals ohne
vorgeschriebene Kriterien sehr großzügig dotierte Konzessionen bei Anpassung an den
Wassernutzungsplan reduziert werden müssen.
Zu einem Problem in der Bemessung des Trinkwasserbedarfs kann jedoch der teilweise
exorbitante Wasserbedarf von Luxushotels (Spa-Bereich, Nassbereiche, Schwimm- und
Badebereich, Duschen, Gartenanlagen, Sportanlage) führen. Dort ist von Verbräuchen
auszugehen, die auch 500 I pro Nächtigung und Tag übersteigen können.
In Südtirol werden jährlich ca. ein halbes Dutzend neue Trinkwasserbezugsquellen
erschlossen. Dabei handelt es sich sowohl um Quellen als auch um neue Tiefbrunnen, die
z.T. bisherige Wasserbezugsquellen ersetzen, deren Schüttung zurückgegangen ist oder
die nicht mehr geeignet sind (Arsenverunreinigung, landwirtschaftliche Tätigkeit im
Einzugsgebiet, Beeinflussung durch Oberflächengewässer).
Die Erschließung neuer Trinkwasserbezugsquellen ist aber derzeit nicht primär mit dem
Bevölkerungswachstum im Zusammenhang zu setzen, sondern vielmehr mit der
qualitativen Verbesserung der Trinkwasserversorgung.
Frage 5: Der mit DPR vom 22. Juni 2017 gutgeheißene Gesamtplan für die Nutzung der
öffentlichen Gewässer ist auf die Planung der Nutzung der Gewässer für die verschiedenen
Nutzungsarten gerichtet.
Die größte Herausforderung stellt das Wassermanagement in der als zweite Priorität in der
Wassernutzungen gereihten Landwirtschaft hinsichtlich des Klimawandels dar.

Mit freundlichen Grüßen

Richard Theiner
(mit digitaler Unterschrift unterzeichnet)

Firmato digitalmente da:Richard Theiner


Data:11/05/2018 10:05:16

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