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Virtualisierung für kleine und kleinste Unternehmen, Teil 3

Clientvirtualisierung von Citrix, Microsoft und VMware


21.09.2010 | Autor: Frank Castro Lieberwirth
Drei Hersteller werben um die Gunst der Kunden und sehen sich in der
Virtualisierung vorne – Citrix im Bundle mit Microsoft und als Herausforderer
VMware. Als Nachlese zur VMware World und zu VMware View 4.5 lohnt sich ein
kleiner Test. Hierbei werden aber nicht alle Features, die irgendwie nur möglich
sind, beachtet, sondern es wird nach ganz praktischen Gesichtspunkten eine
Tauglichkeit für kleine und kleinste Unternehmen unter die Lupe genommen.

Die Entscheidungen eines


Admins…

Virtualisierung ist das Bestreben, eine Software oder einen Dienst von einem Hardwaregerät unabhängig zu
gestalten. Wenn man heute von Virtualisierung spricht, muss man zwischen Server-Virtualisierung, Desktop- und
Applikations-Virtualisierung unterscheiden (siehe auch Tabelle in der Bilderschau).

Die Client-Virtualisierung umfasst demnach die Desktop- und Applikations-Virtualisierung. Beide Technologien
erhalten die Software „virtuell“ über das Netzwerk von einem Server, sodass auf dem Client die gelieferte Software
nicht installiert sein muss.

Server oder Servergerät?

Der Server stellt seine Ressourcen den Clients zur Verfügung. Derzeitige Technologien erlauben die Installation
eines Serverbetriebssystems auf einem physikalischen Gerät oder auf einem virtualisierten Server, der sich
wiederum auf einem physikalischen Gerät befindet (siehe Abbildungen). Es ist demnach möglich, virtualisierte
Clients bei einer VDI (Virtual Desktop Infrastructure) auf einem Hypervisor zu hosten. Der Hypervisior ist die
Schnittstelle zwischen Hardware und Betriebssystem. Das Betriebssystem kommuniziert mit dem Hypervisor und
nicht mehr mit der eigentlichen Hardware, bzw. „es denkt, der Hypervisor sei die eigentliche Hardware“. Die reinen
Microsoft Terminal Services sind hingegen „nur“ eine Präsentations-Virtualisierung, denn es gibt keine isolierten
virtuellen Clientbetriebssysteme. Wohl aber kann Microsoft über das hauseigene Hyper-V ein VDI erzeugen.
VMview 4.5 ist ein reines VDI.

BILDERGALERIE

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Anforderung an die Hardware

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Für die Virtualisierung verwendet man erschwingliche Prozessorboards mit 2 Prozessoren (z.B. 6 Kerne Intel Xeon
oder Opteron). Ergänzt mit einem RAID-System und einigen schnellen Festplatten ist schließlich ein kostengünstiger
Server schnell aufgebaut. Je mehr Speicherbausteine in das Board eingebaut werden können, desto besser. Am
besten mindestens 16 GB RAM.

Citrix XenApp verwendet den Microsoft Server als Host. Die Hardware für Microsoft ist mittlerweile standardisiert,
selbst ein Supermarkt-PC würde irgendwie laufen. Anders sieht es bei VMware aus!

Die VMware Clientvirtualisierung benötigt generell eine Server-Virtualisierung mit ESX4/ESX4i-Virtualisierung als
Host. Es werden hier nur ganz bestimmte Hardwarekomponenten unterstützt, d.h. es muss vorab bei VMware in die
technische Dokumentation geschaut werden, ob Board, Prozessor, Controller, Grafikkarte und Backplane (für
Festplatten) überhaut unterstützt werden. Das Beste ist daher, man geht zu einem Hersteller und lässt sich die
VMware-Tauglichkeit schriftlich bescheinigen.

Gemeinsamkeiten

Alle drei Produkte machen im Betrieb einen guten Eindruck. Sie bieten einen sicheren Netzwerkzugang. Auch
Heimarbeitsplätze können sicher verbunden werden. Alle Produkte verwenden Microsoft Active Directory, für
Heimarbeitsplätze kann auch ein RADIUS-Server (Security Server bei VMware) verwendet werden. Citrix und
VMware 4.5 bieten Applikations-Virtualisierung für Apple MacOS 10.6 (Snow Leopard), damit auch die mittlerweile
beliebten MacBooks Microsoft Office-Software virtualisieren. Die Citrix-Virtualisierung für den Apple funktioniert gut
und ist zu empfehlen. Der VMware Apple-Agent (ab View 4.5) konnte noch nicht getestet werden.

Ungleiche Voraussetzungen

Client-Virtualisierung von Microsoft und Citrix kann mit bestehenden Microsoft-Ressourcen schnell eingerichtet
werden. Ähnliches gilt für VMware View, wenn bereits eine bestehende VMware-Infrastruktur besteht. Dennoch ist
ein Wechsel „zwischen den Welten“ nur mit zusätzlicher Hardware durchzuführen. Von der Planungsarbeit und
Durchführung ganz schweigen. Betrachtet man daher nur die „Client-Virtualisierung“ lohnt sich ein Wechsel von
Microsoft zu VMware oder umgekehrt wohl kaum.

weiter mit: Microsoft Terminal Services, Citrix XenApp und VMware View 4.5

Virtualisierung für kleine und kleinste Unternehmen, Teil 3


Clientvirtualisierung von Citrix, Microsoft und VMware
21.09.2010 | Autor: Frank Castro Lieberwirth
Microsoft Terminal Services / Remote Desktop-Services

Für die Client-Virtualisierung aus dem Hause Microsoft wird neben der Server-Betriebssystemlizenz (idealerweise
Windows Server 2008R2) noch eine Terminal-Server bzw. Remote-Desktop-Lizenz benötigt. Mit Windows Server
2008 R2 heißen die TS CALs nun RDS CALs. Eine Internetrecherche für 5 Benutzer ergab für die Terminal-Services
einen Preis um die 340 Euro (exkl. MwSt.). Microsoft OPEN-Lizenzen (Volumenlizenzen) können noch günstiger
sein.

Erhält der Benutzer einen vollwertigen virtuellen Desktop via Hyper-V, ist eine Windows XP oder Windows 7 Lizenz
notwendig. Möchte man beispielweise Microsoft Office bereitstellen, ist eine gesonderte Office-Lizenz für die
Terminal Services notwendig. Der „virtuelle“ Lizenzierungsschlüssel unterscheidet sich jedoch vom normalen

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Lizenzierungsschlüssel auf der DVD-Hülle.

Citrix XenApp Fundamentals

Bei der Clientvirtualisierung bringt Citrix die größte Erfahrung mit. Nicht ohne Grund hat Microsoft in der
Vergangenheit Hilfe von Citrix für seine ersten Terminal-Services gesucht (Technology Cross Licensing and
Development Agreement, 12. Mai 1997). Diese Partnerschaft wurde am 11. Juli 2010 durch die „V-Alliance 2.0“
nochmals bekräftigt.

Möchte man heute Citrix Applikations-Virtualisierung einsetzen, benötigt man die gleichen Voraussetzungen, wie für
die Microsoft-Lösung. XenApp Fundamentals ist eine Lösung für bis zu 75 Clients. Zusätzlich zu dem Server-
Betriebssystem wird für jeden Client eine Terminal-Server- und eine Citrix-Zugriffslizenz benötigt. Eine
Internetrecherche ergab hier einen Preis von ca. 850 Euro (exkl. MwSt.) für die genannte Kombination für 5
Benutzer. Für den Preisaufschlag (bezogen auf Microsoft) erhält der Anwender eine neue Verwaltungskonsole und
Tools zur vereinfachten Verwaltung. Eine Serverredundanz kann ebenfalls einfach eingerichtet werden.

Leider gibt es die Citrix XenApp Fundamentals derzeit nur in einer 32-Bit-Version, was nicht mehr zeitgemäß ist. Sie
lässt sich nicht auf ein 64-Bit System aufspielen. Das teurere XenApp 6 ist für 64 Bit erhältlich.

VMware View 4.5

Produkte von VMware sind von der ursprünglichen Konzeption auf Rechenzentren zugeschnitten. VMware View
benötigt einen ESX/ESXi-Server (Version 3.5 oder 4). Zur Verwaltung von ESX-Server verwendet VMware
zusätzlich einen Verwaltungsserver mit vCenter-Software, die auf einem dedizierten Windows-Server mit einer SQL-
Datenbank laufen muss. Bei kleinen Unternehmen reicht auch eine frei erhältliche SQL Server Express-Edition aus.

Leider funktioniert der VMview-Administrator nur mit Adobe Flash 10, was als echter Schönheitsfehler zu werten ist.
Mit Firefox 3.6.8 konnte die neue Version 4.5 gar nicht geöffnet werden. Des Weiteren gibt es Transfer-,
Connection- und Security-Server und die Möglichkeit, beide jeweils zu spiegeln. Der Aufwand insgesamt ist recht
hoch. Der Umstieg auf ESX ist ohne Linux- und VMware-Kenntnisse nicht empfehlenswert. Technisch gesehen ist
ein ESX-Server aber sehr gut und übertrifft derzeit die Microsoft Hyper-V-Lösung bei weitem, wie der nachfolgende
Artikel über Server-Virtualisierung zeigen wird. Vielleicht ein Grund schwach zu werden…

Neben den sowieso fälligen Lizenzen für die drei VMware-Verwaltungsserver (Windows Server-Lizenz),
Gastbetriebssysteme und Client-Anwendungen, werden noch mindestens Lizenzen für ein VMview 4 Enterprise
Starter Kit plus ein Jahr Basic Support für 10 Benutzer in Höhe von 1.430 Euro (zzgl. Mwst.) fällig. Die
Verwaltungsserver können natürlich auch virtualisiert werden. Man beachte, dass der ESXi-Host Lizenzkostenfrei
ist, während der ESX-Host (ohne „i“) kostenpflichtig ist.

Fazit

Mit der Annahme, dass kleine Firmen bereits Investitionen in Microsoft-Produkte getätigt haben, können die
Microsoft Remote-Desktop-Services Aufgrund einfacher Installation, Kosten und Wartung im Bereich der Client-
Virtualisierung klar empfohlen werden. Eine Applikations-Virtualisierung ist somit für wenige Euro zu haben. Der
Citrix-Server punktet bei der Verwaltung, dem Farmaufbau, dem Angebot an Client-Agenten und einer subjektiv
besseren Auslastung langsamer Leitungen. Existiert bereits eine VMware-Infrastruktur, dann ist VMware View 4.5
eine Alternative. Aber alles – wie schon erwähnt – vor dem Hintergrund der Zielgruppe kleiner und kleinster
Unternehmen.

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Redakteur: Andreas Donner

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Abbildung 1: Übersicht von Client-Virtualisierungs-Produkten als Einleitung. In Rot markiert sind Produkte
ohne zusätzliche Lizenzkosten.

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Abbildung 2: Microsoft – Blockdarstellung von Applikations-Virtualisierung mit und ohne Hyper-V. Es soll
dargestellt werden, dass die zu bereitstellenden Anwendungen (wie auch beim Citrix) auf dem Windows
Server 2008 installiert werden müssen. Im „Hyper-V-Weg“ kann die Anwendung alterativ auch aus einer
virtuellen Maschine geholt werden.

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Abbildung 3: Im VMware View – Infrastruktur laut VMware-Angaben. Der Connection Server ist
obligatorisch. Der View Composer ermöglicht das einfache Klonen virtueller Clientmaschinen und
erfordert eine zusätzliche Lizenz. View benötigt mindestens 3 Serverlizenzen für Microsoft Server. Die
Server und die Clients laufen auf VMware ESX-Hosts.

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Abbildung 4: Microsoft – Auch bei Microsoft kann der Desktop im Windows-7-Look angepasst werden.
Man beachte: Windows Gruppenrichtlinien verwalten bzw. beeinflussen die Remote-Desktop-Dienste. Die
Remote Desktop-Dienste werden über einen sehr ausführlichen Assistenten recht einfach installiert.
Gedanken über Zertifikate (PKI) oder Netzwerkaufbau sollte man sich jedoch schon gemacht haben.

Abbildung 5: Citrix – In XenApp Fundamentals kann eine Servergruppe zwecks Redundanz und
Lastausgleich installiert werden. Aber auch mit nur einem Server funktioniert diese Einstellung. Die
Installation verläuft sehr problemlos.

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Abbildung 6: Citrix – Mit Netzwerkdiagramm und Assistent kann der Administrator in XenApp
Fundamentals den externen Zugriff einrichten.

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Abbildung 7: Microsoft – Die Remotedesktop-Dienste (RDP) lassen sich 120, die VMware View 60 und
XenApp Fundamentials 30 Tage testen. Danach muss freigeschaltet werden. Für Citrix sind auch
Microsoft RDP-Lizenzen notwendig.

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Abbildung 8: Microsoft Management-Konsole – Auf dem Server installierte Anwendungen können schnell
per Mausklick ausgewählt werden, um später dann in den Richtlinien bestimmten Benutzern zur
Verfügung gestellt zu werden. Der Anwender kann die Anwendung bequem über einen gängigen Browser
starten (siehe Browserfester bei Citrix, Abbildung 13).

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Abbildung 9: Die Citrix-Access Management Console bietet eine schnelle und etwas durchdachtere
Administration, als die von Microsoft. Geschmacksache sind sicherlich die Animationen, die eine
Konfiguration hervorheben (siehe blaue Felder in dem Computermonitor).

Abbildung 10: VMware View 4.1 – Ob „Bug oder Feature“ in der allerersten finalen Version konnte noch
nicht geklärt werden: Der Mozilla Firefox 3.8.6 mochte jedenfalls kein Adobe Flash öffnen. Generell stellt
sich auch die Frage, warum VMware das Verwaltungs-Frontend gerade in Flash programmieren musste?

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Abbildung 11: Administration Webbasiert – Im VMware View Administrator können virtuelle Desktops,
Sitzungen und Speicherverwaltung durchgeführt werden (Quelle VMware). Da der „Composer“ in der
kleinsten Version nicht dabei ist, können virtuelle Clients ebenso wenig geklont werden, wie bei Microsoft
ohne System Center Virtualisation Manager.

Abbildung 12: Die typische Vorgehensweise ist, dass auf dem Client ein Plug-in oder auch Agent
installiert wird. Das Bild zeigt beispielsweise ein Citrix-Plug-in

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Abbildung 13: Citrix – Ob Microsoft oder Apple-Client, Anwendungen können über das Web einfach und
sicher gestartet werden. In puncto Geschwindigkeit bei Office Anwendungen dauert der erste Aufruf
wegen des Verbindungsaufbaus und der Übernahme von Benutzereinstellungen einige Sekunden,
weitere Aufrufe sind mit der lokalen Installation vergleichbar. Insgesamt ist die Performance gut.

Abbildung 14: Citrix – Jeder Anwender erhält ein Profil, in dem er seine Dokumente verwalten kann. Das
Profilverzeichnis befindet sich hier auf dem Citrix-Server. Insgesamt ist dies für den Anwender ein
angenehmes Arbeiten.

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Abbildung 15: VMware – Preise laut VMware für VMware View 4, die es nur in Verbindung mit einem
Support-Paket gibt.

Abbildung 16: VMware – Der ThinApp ist ein Installer, der ähnlich wie der von Microsoft (z.B. in der
System Center Suite oder WAIK) funktioniert. Er nimmt eine Installation auf und installiert diese später auf
die Clients. Preise und Abbildung laut VMware Homepage. ThinApp ist nicht obligatorisch, in großen
Firmen kann er der Administration die Installation (u.a. Patch Management) vereinfachen.

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Abbildung 17: VMware – Zuzüglich zu der ThinApp-Suite wird noch eine Client-Lizenz benötigt. ThinApp
ist nicht obligatorisch, in großen Firmen kann der Administration die Installation (Patch Management)
vereinfachen. Preise und Abbildung laut VMware Homepage.

http://www.searchdatacenter.de/themenbereiche/virtual-desktop-infrastructure/strategien/articles/282912/ Seite 15 / 15