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Migration – ein Thema im Unterricht

Hrsg.: Gertraud Diendorfer | Irene Ecker | Herbert Pichler | Gerhard Tanzer

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www.demokratiezentrum.org
Bezug zur Station 3 „Geographie Station 2 „Einwande- Station 6 „Europäische
Onlineausstellung: der Migration“ rungsland Österreich“ Migrationspolitik“

HERBERT PICHLER | Unterrichtsbeispiel


Wie macht Migration Geographie?
Globale, europäische und nationale Trends
zur „Geographie“ der Migration
Didaktische Konzeption – Migration begreifbar machen1

Vorwissen
Aus didaktischen Gründen scheint eine Aus- tisch und medial emotional aufgeladen debat-
einandersetzung mit der Migrationsgeschichte tiert wird und in der Regel klare (Vor-)Urteile
der eigenen Familie sehr sinnvoll, bevor Mi- vorhanden sind, ermöglichen erst die Reflexi-
gration als globales Phänomen betrachtet wird on der Migrationsgeschichte der Familie sowie
(vgl.: Ausführungen bei Unterrichtsbeispiel eigener Migrationsabsichten eine Neubewer-
„Woher kommt meine Familie?“). Vor allem tung und einen unverstellteren Blick auf das
deshalb, weil das Thema gesellschaftspoli- Thema.

Vertiefung
Im Unterschied zum erfahrungsweltlichen Zu- kannt werden, das keineswegs nur eine aktu-
gang beim Unterrichtsbeispiel „Woher kommt elle Herausforderung darstellt. Ein weiteres
meine Familie?“ wird hier der Fokus auf die sy- wesentliches Lernziel in diesem thematischen
stemischen Zusammenhänge gerichtet: Ne- Zusammenhang ist der kritische Blick auf die
ben den ökonomischen, politischen, ökologi- Qualität der Informationsvermittlung: Ein ge-
schen und sozialen Wurzeln von Migration sellschaftspolitisch besonders aufgeladenes
werden auch die geographischen und politi- Thema wie Migration bedarf der sensiblen
schen Migrationsbarrieren erkennbar, die da- Darstellung und mehrperspektivischen Aus-
für sorgen, dass die meisten MigrantInnen einandersetzung.
weltweit ihre Region nicht verlassen können Das Unterrichtsbeispiel ist nach zwei an-
(wollen) und zu BinnenmigrantInnen werden. gebotenen Einfädelungen in drei Bausteinen
Europa wird als Einwanderungskontinent er- konzipiert, die das Thema auf den drei Maß-
fahrbar, so wie Österreich als Einwanderungs- stabsebenen bearbeiten. SchülerInnen können
gesellschaft charakterisiert werden kann. Um mit den angebotenen Materialien die Aufträge
aktuelle Migrationsbewegungen bewerten und weitgehend selbsttätig erarbeiten. Neben der
beurteilen zu können, bedarf es eines Arbeits- Erarbeitung eines Arbeitswissens und der be-
wissens, das die Quantitäten und Qualitäten gleitenden Reflexion und Beurteilung stellt die
der Wanderungsbewegungen auf unterschied- Schulung des kritischen Umgangs mit Infor-
lichen Maßstabsebenen (global, europäisch, mationsmedien ein wesentliches Ziel der Be-
national) beinhaltet. Migration soll darüber schäftigung dar.
hinaus auch als Phänomen mit Geschichte er-

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UNTERRICHTSVORSCHLAG Wie macht Migration Geographie?

LERNZIELE
t Ich kenne die wichtigsten Trends zur globalen Migration und kann diese auch erklären.
t Ich kann an konkreten Beispielen Migrationsmotive erklären (Push- und Pull-Modell).
t Ich kann begründet zur Aussage Stellung nehmen, Europa sei ein Einwanderungskontinent.
t Ich kann die Zuwanderung der letzten Jahre nach Österreich darstellen, weiß, woher die Zuwanderer
und Zuwanderinnen kommen.
t Ich kann die Effekte der Zuwanderung nach Österreich (Europa) begründet bewerten.
t Ich kann Grafiken, Tabellen und thematische Karten lesen und interpretieren.
t Ich kann manipulierende grafische Darstellungen (Karten, Diagramme, Tabellen) erkennen sowie die
Manipulation und deren Ziel formulieren. Darüber hinaus habe ich Vorschläge und Ideen, wie manipu-
lierende Darstellungen in sachlichere Darstellungsformen umgewandelt werden können.

Einstieg
Steckbrief: Das bin ich!

E1 Ungleiche Welt – ungleiche Lebenschancen


Verfassen Sie in Kleingruppen fiktive Lebensläufe für die drei Neugeborenen Francis, Ha und
Paulina (M1).
t Ziehen Sie dabei Ihr GW-Buch zu Rate, um wichtige ökonomische (BIP, Verteilung der Wirt-
schaftssektoren etc.) und soziale Basisdaten (Lebenserwartung, Alphabetisierung etc.) über
die drei Länder in Erfahrung zu bringen. Bedenken Sie, dass die Lebenssituation (Wohlstand,
Bildung, etc.) innerhalb der Länder stark variiert.
t Entscheiden Sie, ob die drei Kinder „typische“ und „durchschnittliche“ Lebensläufe haben wer-
den oder ob es sich jeweils um Ausnahmen handeln soll. Skizzieren Sie so die Ausbildung, die
Berufs- und Lebenssituation der drei Personen.
t Welche Unterschiede werden in den Lebenswegen sichtbar? Von welchen Faktoren hängen die
(Lebens-)Chancen der Personen jeweils ab?
t Unter welchen Umständen wäre Migration eine mögliche Handlungsoption für die drei Personen?

M1 Drei von sechseinhalb Milliarden

Am 5.7.2010, um 11.05 Uhr wird in Am 15.7.2010, um 16.00 Uhr, wird Am 4.7.2010, um 16.51 wird in
Musalala, Kenya, Francis Mutia in Hanoi, Vietnam, Ha Le geboren: Salzburg, Österreich, Sarah ge-
geboren: das fünfte Kind einer das zweite Kind eines Mechani- boren: das erste Kind von Doppel-
Bauernfamilie. Francis soll nicht kers und einer Fabriksarbeiterin. verdienern. Sarah soll rundum
hungern müssen … Ha Le soll einen bescheidenen geborgen sein …
Lebensplan erfüllen …

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UNTERRICHTSVORSCHLAG Wie macht Migration Geographie?

E2 Wie sehr bewegt mich Migration?


Bewerten Sie folgende Aussagen, markieren Sie Ihre Bewertung mit einem Kreuz. Vergleichen Sie
anschließend in der Kleingruppe Ihre Ergebnisse. Besprechen Sie die auffälligsten Gemeinsamkei-
ten und Unterschiede, teilen Sie diese abschließend kurz dem Plenum mit.

M2 Meine Sicht auf Migration(en)


Zustimmung zu folgenden Aussagen: ++ + – ––
Über Migrationen weiß ich sehr gut Bescheid.
Ich weiß genau, wo meine Heimat ist.
Österreich ist ein Einwanderungsland.
Europa ist ein Einwanderungskontinent.
Ich habe bereits darüber nachgedacht, selbst Österreich
zu verlassen.
Migration spielt in meiner Familiengeschichte eine
wichtige Rolle.
Migration ist ein normaler Prozess, der sich weltweit abspielt.
Migrationen verändern die Herkunftsgesellschaft und die
Zielgesellschaft. Daraus ergeben sich Vorteile und Nachteile.

Baustein 1: Geographie der Migration – Migration im Weltmaßstab

A1 Migration im Weltmaßstab
Bearbeiten Sie arbeitsteilig folgende Aufgaben mithilfe der Materialien (M3–M7): Bereiten Sie Stich-
wortzettel vor, mit denen Sie die Ergebnisse strukturiert vor der Klasse präsentieren können:

A Ungleiche Welt
t Formulieren Sie zentrale Aussagen zur ungleichen Welt aus den Worldmapper-Karten (M5).
t Versuchen Sie Zusammenhänge zwischen der Bevölkerungsverteilung, der Bevölkerungsent-
wicklung, dem Wohlstand und der Tendenz zur Einwanderung oder Auswanderung zu finden (vgl.
M4–M6). Welche Aussagen lassen sich zu diesem Zusammenhang treffen?
t Erklären Sie, welche Vorteile anamorphotische Karten gegenüber herkömmlichen thematischen
Karten (beispielsweise einer Bevölkerungsverteilungskarte im Atlas) haben. Vergleichen Sie dazu
auch M3 und M6.
t Kommentieren Sie folgende Befürchtung von KartographInnen: Anamorphotische Karten könnten
die Entwicklung eines realistischen Vorstellungsbilds von der Welt behindern, es entstünden völ-
lig verzerrte Darstellungen der Erde. Welche Kritik ist in diesem Zusammenhang an herkömmli-
chen Kartendarstellungen (Mercatorprojektion) anzubringen?
t Welche Schwierigkeiten können bei der Interpretation der Grafik M4 auftreten? Zeichnen Sie die
Grafik so um, dass keine Manipulation unterstellt werden kann und die Aussage für jede/n ver-
ständlich ist. (Welche neuen Probleme treten bei diesem Versuch auf?)

B Wanderungswege, Einwanderungs- und Auswanderungskontinente


t Charakterisieren Sie die wichtigsten Wanderungswege im globalen Maßstab. Woher kommen die
meisten MigrantInnen, wohin wandern sie? (Vgl. M3)
t Welche Kontinente erzielen netto einen Wanderungsgewinn, welche verlieren durch Migration Be-
völkerung? (Vgl. M3 und M6)
t Beschreiben Sie Unterschiede in den Zielrichtungen der Migrationen (Zuzug und Abwanderung)
nach Kontinenten.
t Beurteilen Sie, welche Rolle der Faktor räumliche Nähe und Distanz für den Verlauf der Migrati-
onsbewegungen einnimmt.

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UNTERRICHTSVORSCHLAG Wie macht Migration Geographie?

C Binnenmigration
t Erklären Sie, was man unter dem Begriff Binnenmigration versteht.
t Begründen Sie, warum der Anteil der Binnenmigration in bestimmten Kontinenten so hoch ist.
t Überlegen Sie, welche Faktoren und Gründe dafür verantwortlich sind, dass es weltweit deutlich
mehr Binnenmigrantion gibt als Migrationen, die über die eigene Region hinausgehen. Erstellen
Sie eine Liste dieser Migrationsbarrieren.
t Überlegen Sie, welche Folgen Migration für die Herkunfts- und Zielgebiete haben kann. Erstellen
Sie dazu eine Matrixdarstellung, die jeweils die Herausforderungen und Chancen gegenüberstellt.

M3 Grafik: Herkunfts- und Zielregionen internationaler Migrationen (2000)


Region Anzahl der MigrantInnen
(in Millionen)
8,22 9,57 0,53 Nordamerika Intraregionale
8,53
0,84 Europa Migration
Ozeanien
Lateinamerika/Karibik
Nordamerika Asien
Afrika
1,30
31,52 15,69
2,44
Europa
1,33
1,34 1,07
35,49

19,72 3,1
7,25
0,35
1,24 Asien

1,29 0,14
0,22
0,06 13,18
Lateinamerika/Karibik
Afrika 1,65
3,54 3,13
0,75
0,30
0,31

0,73
0,25 Ozeanien
0,08

0,35 0,02

0,01
0,13

Quelle: Schätzungen des HDR Teams basierend auf Datenbank von Migration DRC (2007)
Quelle: UNDP:Bericht über die menschliche Entwicklung 2009

Weltweit lebt jeder 7. Mensch an einem anderen Ort als er geboren wurde. Die meisten Migrationsbewegungen finden im regionalen
Rahmen statt. Der Anteil der BinnenmigrantInnen ist sehr hoch (740 Mill. weltweit). Nur 37 % der etwa 214 Millionen internationalen
MigrantInnen weltweit wandert in den „reichen“ Norden, in Europa leben weniger als 1% der AfrikanerInnen. Insgesamt hat die
Migration in die entwickelten Länder in den letzten 50 Jahren jedoch zugenommen, was mit den ungleich verteilten Chancen
zusammenhängt.
© Demokratiezentrum Wien

M4 Grafik: Entwicklung der Weltbevölkerung nach Kontinenten (1950 bis 2050)

(Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:World_population_%28UN%29_de.svg&filetimestamp=20070827121415,
letzter Zugriff 27.8.2010)

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UNTERRICHTSVORSCHLAG Wie macht Migration Geographie?

M5 Grafik: Bevölkerungsverteilung und Wohlstandsverteilung anders dargestellt

(Quelle: http://www.worldmapper.org/display.php?selected=2; http://www.worldmapper.org/display.php?selected=169, letzter


Zugriff 27.8.2010)
© SASI Group (University of Sheffield)

M6 Nettoauswanderung und Nettoeinwanderung anders dargestellt

(Quelle: http://www.worldmapper.org/display.php?selected=17, letzter Zugriff 27.8.2010)


© SASI Group (University of Sheffield)

M7 Anamorphotische Karten

Ein Versuch, die ungleiche Verteilung der Chancen, Risiken und Ressourcen deutlich darzustellen,
ist das Projekt „Worldmapper“ (www.worldmapper.org). Die Größe der Regionen wird in diesen Kar-
ten vom Thema der Karte bestimmt, so erscheint beispielsweise eine Region in der Karte umso grö-
ßer, je mehr Menschen in ihr leben. Umgekehrt schrumpfen Regionen etwa entsprechend ihres ge-
ringen Wohlstands. Die Farbgebung hat im Unterschied zu thematischen Karten keine weitere
Bedeutung, sie dient nur der Übersichtlichkeit. Diese Darstellungsform eröffnet völlig neue Einblik-
ke in die Dimensionen der globalen Kräfteverhältnisse und Ungleichheit.

A2 Was treibt Migrationen an?


Das Push- und Pull-Modell stellt in einfacher Form Gründe gegenüber, die Menschen dazu ver-
anlassen, ihre Heimat zu verlassen (PUSH), und Punkte, die ein Zielland anziehend erscheinen
lassen (PULL). Ordnen Sie die aufgelisteten Gründe den beiden Seiten des Modells zu und ergän-
zen Sie eigene weitere mögliche Migrationsgründe (Bsp.: Liebe etc.). Zusätzlich sind Faktoren an-
geführt, die sehr persönlicher Natur sind.

Auswahl an Migrationsgründen: Hochkonjunktur, Abenteuerlust, Arbeitslosigkeit, Frieden, politi-


sche Instabilität, Krieg, gute Verdienstmöglichkeiten, Arbeitskräftebedarf, demographische Probleme
(Überbevölkerung), Freiheiten (Toleranz, religiöse und sexuelle etc.), Anwerbeabkommen, Neugierde,
Verfolgung (politisch, ethnisch, religiös, sexuell etc.), Bildungsmöglichkeiten, Naturkatastrophen, Ar-
mut und extrem ungleiche Verteilung des Wohlstands, Netzwerke und Kontakte etc.

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UNTERRICHTSVORSCHLAG Wie macht Migration Geographie?

M8 Zuordnung von Migrationsgründen nach einem erweiterten Push- und Pull-Modell

PUSH-Faktoren PULL-Faktoren Persönliche Faktoren


(Herkunftsland) (Zielland)

A3 Wie kann man Migrationen unterscheiden?


Es gibt zahlreiche Versuche, die Vielzahl unterschiedlich motivierter und begründeter Migratio-
nen in Modellen darzustellen. Betrachten Sie den in M9 gezeigten Versuch eines Ordnungsmo-
dells der Migrationen kritisch. Welche Kritikpunkte an der vorgestellten Einordnung, den Katego-
rien und den Begriffen können Sie formulieren? (Bsp.: Ausklammerung ökonomischer Ursachen)

M9 Typologie der Migration

(Quelle: Bähr, Jürgen: Bevölkerungsgeografie, Stuttgart 1992, zitiert nach: Praxis Geographie 2/2002, S. 13)

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UNTERRICHTSVORSCHLAG Wie macht Migration Geographie?

Baustein 2: Einwanderungskontinent Europa – Europäische Migrationspolitik

A4 Vom Auswanderungs- zum Einwanderungskontinent – mit Grafiken arbeiten

t Erstellen Sie auf dem Plakat eine Zeitleiste ausgewählter Meilensteine der europäischen Migrati-
onsgeschichte (vgl. M10). Begründen Sie bei der Präsentation ihre getroffene Auswahl.
t Zeichnen Sie eine einfache thematische Karte, die zeigt, woher die MigrantInnen kommen, die in
Europa ankommen (vgl. M11). Beachten Sie dabei, dass die Darstellung nicht manipulativ wirkt.
t Formulieren Sie in drei Sätzen die Hauptaussagen, die Sie aus der Grafik M12 zum Thema Anteil
der Menschen mit anderer Staatsbürgerschaft in der EU herauslesen können.
t Welche Zielländer steuern die MigrantInnen innerhalb Europas an? Betrachten Sie die Verteilung
der MigrantInnen innerhalb der EU und stellen Sie Vermutungen über die Hintergründe an.

M10 Migrationsgeschichte im Überblick

Timeline

(Quelle: Ausstellung „Migration on Tour“, Station 4 (Timeline)

M11 Grafik: Herkunft der MigrantInnen in Europa

Ozeanien 0,7 % Unbekannt 5,5 %

USA 10,3 %
EU-Mitglieder 36,7 %
Asien 12,0 %

Afrika 15,2 %
Nicht-EU-Europa 19,6 %

Quelle: DER STANDARD


36,7 % der MigrantInnen innerhalb der EU stammen aus einem anderen EU-Land. Aktuell nimmt die EU-Binnenmigration noch zu:
Zurzeit wählen jedes Jahr etwa 3,5 Millionen Menschen ihren neuen Wohnsitz in der EU, davon stammen 48,5 % aus einem anderen
EU-Land.

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UNTERRICHTSVORSCHLAG Wie macht Migration Geographie?

M12 Grafik Personen mit anderer Staatsbürgerschaft in der EU

Gesamt 30,8 Mio


Davon aus der EU 11,3 Mio
Größte Anzahl Deutschland (7,3 Mio.)
Höchster Anteil Luxemburg (43%)
Niedrigster Anteil Bulgarien, Polen,
Rumänien, Slowakei (<1%)
Asylanträge (2006) 197.410
(abgelehnt: 137.575)
Quelle: DER STANDARD
Seit 2002 stieg die Migration innerhalb der EU um 25 %, die Zahl der AsylwerberInnen hat jedoch europaweit abgenommen.

M13 Grafik Zielländer in der EU

Andere 14,4 %
Österreich 2,7 % Deutschland 23,6 %
Griechenland 2,9 %
Belgien 3,2 %

Spanien 17,1 %
Italien 11,2 %

Frankreich 11,9 % England 13,1 %


Quelle: DER STANDARD
Deutschland, Spanien und England sind die führenden Zielländer innerhalb der EU. Die Zuwanderung nach Österreich nahm seit
2002 um 17 % ab.

A5 Wie versucht die EU Migration und Asyl zu steuern? – Internetrecherche

t Führen Sie eine gezielte Internetrecherche durch, filtern Sie aus der Informationsseite der
Europäischen Kommission die Ziele der aktuellen europäischen Migrationspolitik heraus.
(http://ec.europa.eu/justice_home/fsj/immigration/fsj_immigration_intro_de.htm, letzter Zugriff
27.8.2010).
t Finden Sie mittels eines Artikels über die Migrations- und Asylpolitik der EU heraus, warum die
Zahl der Asylanträge in der EU stetig zurückgeht. (http://www.bpb.de/ > Themen > Gesellschaft
> Migration > Migration in der EU > Handlungsfelder > Asyl-/Flüchtlingspolitik; vgl.: auch
http://europa.eu/legislation_summaries/justice_freedom_security/free_movement_of_persons_
asylum_immigration/index_de.htm).
t Bewerten Sie die recherchierten Fakten zur Migrations- und Asylpolitik der EU. Stimmen Sie diesen
Zielen zu? Welche Probleme erzeugt diese Politik Ihrer Einschätzung nach?

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UNTERRICHTSVORSCHLAG Wie macht Migration Geographie?

A6 Die Festung Europa und ihre Nebenwirkungen1 – mit Karikaturen arbeiten

t Informieren Sie sich über die vier Freiheiten der EU (vgl. M14) und stellen Sie diese in Form einer
einfachen Karikatur dar. Dabei kann auch das Spannungsfeld zwischen dem Fallen der Grenzen
im Inneren und der Abschottung nach außen dargestellt werden.
t Interpretieren Sie die beiden Karikaturen in M15. Wie kommentieren die Karikaturen die Politik
der EU in Fragen der Zuwanderung? Worin gleichen sich die Aussagen der Karikaturen, worin un-
terschieden sie sich?
t Macht Schengen Europa zur Festung? Recherchieren Sie die Fakten zum Schengen-Abkommen
und filtern Sie dabei die Konsequenzen heraus: Welche Vorteile und welche Nachteile bringt die
Festung Europa mit sich? (Vgl. etwa M1–M5 in: http://www.politischebildung.com/pdfs/th1_25.pdf,
letzter Zugriff 27.8.2010)
t Informieren Sie sich über die Opfer an den Schengen-Außengrenzen in M16 und M17 (sowie auch:
M8–M11 in: http://www.politischebildung.com/pdfs/th1_25.pdf, letzter Zugriff 27.8.2010). Wie be-
werten Sie diese Fakten? Wie und wodurch kann der Druck nach Migration in die EU gemildert
werden, ohne dass es zu solchen extremen Folgen kommt?

M14 Die vier Freiheiten der EU. Innerhalb der EU fallen die Grenzen
FREIER PERSONENVERKEHR FREIER WARENVERKEHR FREIER DIENSTLEISTUNGSVERKEHR FREIER KAPITALVERKEHR

Quelle: Demokratiezentrum Wien

Für EU-BürgerInnen gelten die sogenannten „vier Freiheiten“: Sie können sich innerhalb der EU überall niederlassen und arbeiten
(freier Personenverkehr), den günstigsten Anbieter für Dienstleistungen wählen (freier Dienstleistungsverkehr) und im EU-Land ihrer
Wahl Geld anlegen (freier Kapitalverkehr). Beim Handel innerhalb der EU entfallen Zölle und Grenzkontrollen (freier Warenverkehr).

M15 Karikaturen zur Festung Europa

„Eine immer größere Festung – die Zukunft der EU?“ © Nik Ebert / Rheinische Post
© Brigitte Schneider

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UNTERRICHTSVORSCHLAG Wie macht Migration Geographie?

M16 Gestürmte Festung Europa

Europa ist dabei, eine Festung gegen Einwanderung zu bauen. An den Außengrenzen werden die
Zäune und Überwachungsanlagen verstärkt. Im Mittelmeer und auf dem Atlantik patrouilliert die
Marine, um Flüchtlingsboote aufzuhalten. […] Dieser Festungsbau ruft Widerstand hervor: Die Fe-
stung Europa wird unterlaufen und immer öfter auch gestürmt. Der Sturm auf den Zaun von Ceuta
und Melilla im Herbst 2005 und Ansturm über See auf die Kanarischen Inseln im Winter 2006 sind
ein Vorgeschmack auf den Widerstand, auf den die Hochrüstung an den Grenzen stößt. […]
Das BIP pro Kopf liegt in Marokko bei 4.000 Dollar, in Mali gar nur bei 1.000, in Spanien bei über
27.000 Dollar. Südlich der Sahara verdient ein Arbeiter durchschnittlich unter 60 Euro im Monat, in
Spanien 1.200. An keiner Grenze sind die Unterschiede so groß.

(Quelle: Milborn, Corinna: Gestürmte Festung Europa. Mauern. Ghetto. Terror. Das Schwarzbuch. Wien 2006)

M17 Der Schengenraum und seine Opfer

(Quelle: Atlas der Globalisierung. Berlin 2006, S. 60)

Baustein 3: Einwanderungsland Österreich

Mit diesem Baustein erarbeiten Sie sich einen Überblick über die Entwicklung der Zuwanderung
nach Österreich. Dieses Grundwissen ermöglicht Ihnen eine fundierte Bewertung der aktuellen
Situation und von politischen Konzepten, die zur Bewältigung der Situation vorgeschlagen wer-
den. Zudem wird auch der kritische Blick auf Informationsmedien (Texte, Grafiken, Karten) ge-
schult, um keinen Manipulationen auf den Leim zu gehen.

A7 Wie entwickelte sich die Migration nach Österreich?

Vergleichen Sie die beiden Grafiken zur Entwicklung des Anteils von Personen mit nicht-österreichi-
scher Staatsbürgerschaft M18 und M19. Welche Unterschiede fallen Ihnen in der Darstellung der
beiden Grafiken auf? Welche Wirkungen erzeugt die unterschiedliche Darstellung? Welche Beson-
derheiten der grafischen Darstellung können in M18 Missverständnisse auslösen?

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UNTERRICHTSVORSCHLAG Wie macht Migration Geographie?

M18 Ausländerinnen und Ausländer in Österreich: Entwicklung seit 1961

(Quelle: Bericht des Österreichischen Integrationsfonds: Integration. Zahlen Daten Fakten 2008, S. 9, http://www.integrations-
fonds.at/index.php?id=129, letzter Zugriff 27.8.2010)

M19 Ausländerinnen und Ausländer in Österreich: Entwicklung seit 1961

100

90

80

70

60

50

40

30

20

10

0
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19 2
19 3
19 4
19 5
19 6
67

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19 9
19 0
19 1
72

19 3
19 4
19 5

19 4
19 6
19 7
78

19 9
19 0
19 1
19 2
83

19 5
19 6
19 7
19 8
19 9
19 0
19 1
19 2
19 3
19 4
19 5
19 6
19 7
19 8
20 9
20 0
01

20 2
20 3
20 4
20 5
20 6
20 7
20 8
09
6
6
6
6
6
6

6
6
7
7

7
7
7

8
7
7

7
8
8
8

8
8
8
8
8
9
9
9
9
9
9
9
9
9
9
0

0
0
0
0
0
0
0
19

19

19

19
19

20

Quelle: Statistik Austria © Demokratiezentrum Wien

Die Entwicklung Österreichs zum Einwanderungsland lässt sich besonders am AusländerInnenanteil erkennen, der in den letzten
Jahrzehnten von rund 1% auf mehr als 10% gewachsen ist.

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UNTERRICHTSVORSCHLAG Wie macht Migration Geographie?

A8 Wie setzt sich die österreichische Bevölkerung zusammen?

Die Grafik M20 stellt die Zusammensetzung der österreichischen Bevölkerung in zweifacher Weise
dar. Begründen Sie, warum diese beiden Statistiken zu unterschiedlichen Anteilen der im Ausland
geborenen Bevölkerung in Österreich kommen. Welche allgemeine Erkenntnis für das Betrachten
und Interpretieren von Statistiken können Sie aus diesem Vergleich ableiten?

M20 Bevölkerungszusammensetzung

Erste MigrantInnen- Zweite MigrantInnen-


generation, selbst im generation, selbst
Ausland geboren in Österreich geboren
13,1 % 4,7 %

Bevölkerung ohne Bevölkerung mit


Migrationshintergrund, Eltern Migrationshintergrund, Eltern
in Österreich geboren im Ausland geboren
82,2 % 17,8 %

BEVÖLKERUNG
IN PRIVATHAUSHALTEN
100 %

GESAMTBEVÖLKERUNG
AM 1. JÄNNER 2010
100 %

Österreichische Ausländische Seit weniger als 5


Staatsangehörige Staatsangehörige Jahren in Österreich
89,3 % 10,7 % 4,0 %

In Österreich Im Ausland In Österreich Im Ausland Seit 5 Jahren oder


Geborene Geborene Geborene Geborene länger in Österreich
83,0 % 6,3 % 1,6 % 9,1 % 6,7 %

Personen ausländischer Herkunft


AusländerInnen bzw. im Ausland Geborene
17,0 %

Quelle: Migration und Integration 2010. © Demokratiezentrum Wien

Die Grafik vermittelt einen Überblick über die Zusammensetzung der österreichischen Bevölkerung. Bei den hier lebenden Perso-
nen mit Migrationshintergrund wird zwischen der ersten und zweiten MigrantInnengeneration unterschieden: Etwa 13 % der öster-
reichischen Bevölkerung gehören der ersten Generation an, wurden also selbst im Ausland geboren. Fast 5 % sind Teil der zweiten
Generation und wurden in Österreich geboren.
Die Grafik vereint Zahlen aus zwei unterschiedlichen statistischen Erhebungen: aus dem Mikrozensus (2009) und der Statistik des
Bevölkerungsstandes (2010).

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UNTERRICHTSVORSCHLAG Wie macht Migration Geographie?

A9 Wo leben die Menschen mit nicht-österreichischer Staatsangehörigkeit?

t Lesen Sie aus der thematischen Karte M21 heraus, welche räumlichen Muster Sie bei der Vertei-
lung der Wohnbevölkerung mit nicht-österreichischer Staatsangehörigkeit erkennen können.
Stellen Sie auch Vermutungen über die Gründe für die räumliche Verteilung an.
t Genauere Einblicke in die räumliche Verteilung der Bevölkerung mit nicht-österreichischer
Staatsangehörigkeit sowie mit Migrationshintergrund nach Bundesländern, Bezirken und Ge-
meinden bietet die interaktive Migra-Map (http://www.integrationsfonds.at/wissen/zahlen_und_
fakten/migramaps/, letzter Zugriff 27.8.2010), die auch Karten nach bestimmten Herkunftsländern
erstellt.
t Auffällig ist, dass in österreichischen Migrationskarten die Farbe Rot für den Anteil der nicht-
österreichischen Bevölkerung verwendet wird (vgl.: Migra Map und M21). Rot bedeutet in Karten
die Zunahme von Bevölkerungsgruppen, unterschwellig wird die Signalfarbe Rot vielfach jedoch
auch mit Warnung und negativen Entwicklungen assoziiert. Nehmen Sie zu dieser Interpretation
der Farbgebung der Karten Stellung.

M21 Wohnbevölkerung mit nicht-österreichischer Staatsangehörigkeit

(Quelle: Bericht des Österreichischen Integrationsfonds: Integration. Zahlen Daten Fakten 2008, S. 20, http://www.integrations-
fonds.at/index.php?id=129, letzter Zugriff 27.8.2010)

A10 Woher kommt die Wohnbevölkerung mit Migrationshintergrund?

Die Analyse der Herkunftsländer der im Ausland geborenen Wohnbevölkerung mag überraschen.
t Vergleichen Sie die Grafiken M22–M24 zum gleichen Thema. Welche Qualitäten haben die unter-
schiedlichen Darstellungsformen – Balkendiagramm und die besondere Darstellungsform der
thematischen Karte? Welche Abbildung kann durch ihre Darstellungsform eventuell Emotionen
auslösen und ist daher nicht unproblematisch?
t Welche Entwicklungen bzw. Veränderungen der aktuellen Zuwanderung nach Österreich lassen
sich aus der Verteilung der Herkunftsländer herauslesen? Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

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UNTERRICHTSVORSCHLAG Wie macht Migration Geographie?

M22 Ausländische Staatsangehörige bzw. im Ausland geb. ÖsterreicherInnen 2001 und 2007

(Quelle: Bericht des Österreichischen Integrationsfonds: Integration. Zahlen Daten Fakten 2008, S. 11, http://www.integrations-
fonds.at/index.php?id=129, letzter Zugriff 27.8.2010)

M23 Herkunftsländer der im Ausland geborenen Wohnbevölkerung

Deutschland:
213.000 Polen:
59.000

Rumänien
Kroatien: 63.000
70.000
Serbien/Montenegro/
Kosovo: 207.000
Bosnien und
Herzegowina:
130.000

Türkei:
183.000

Quelle: Migration und Integration 2010. © Demokratiezentrum Wien


Die meisten Personen, die in Österreich leben und eine ausländische Staatsbürgerschaft und/oder einen ausländischen Geburtsort
haben, kommen aus Deutschland. Ihnen folgen die Personen aus Serbien, Montenegro und dem Kosovo, aus der Türkei, aus Bos-
nien und Herzegowina, Kroatien, Rumänien und Polen. Über 573.000 der EinwohnerInnen Österreichs, die in einem anderen Land
geboren sind und/oder eine andere Staatsangehörigkeit haben, stammen aus anderen EU-Staaten sowie Island, Norwegen und
Liechtenstein (= EWR).

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UNTERRICHTSVORSCHLAG Wie macht Migration Geographie?

M23 Woher und warum kommen Zuwanderer nach Österreich?

16.000 Rückkehr
österreichischer
Staatsangehöriger

4.000 FacharbeiterInnen
aus Nicht-EU-Staaten

54.000
EU-Binnenmigration

6.000 Studierende
aus Nicht-EU-Staaten

16.000 2.000 SaisonarbeiterInnen


AsylwerberInnen 10.000 Familiennachzug aus Nicht-EU-Staaten
aus Nicht-EU-Staaten

5.000
Personen Quelle: Migration und Integration 2010.

Quelle: Migration und Integration 2010.

Die Grafik zeigt am Beispiel des Jahres 2009, aus welchen Gründen Menschen aus dem Ausland nach Österreich kamen. Die größ-
te Gruppe stellten BinnenmigrantInnen aus der EU dar. 2.000 SaisonarbeiterInnen aus Nicht-EU-Staaten kamen nur für einen be-
schränkten Zeitraum nach Österreich und kehrten danach wieder ihre Herkunftsländer zurück. 16.000 Personen kamen nach
Österreich, um um Asyl anzusuchen.

Erweiterung
Wie lebt und arbeitet die im Ausland geborene Wohnbevölkerung?
Zusätzlich zur Basisinformation über die Zuwanderung nach Österreich kann eine vertiefende
Recherche zu den Lebens- und Arbeitsbedingungen (Einbürgerung, Geburten, Lebensstile, Bil-
dung, Beschäftigung, Qualifikation, Arbeitslosigkeit, Wohnsituation, Gesundheit etc.) der Wohn-
bevölkerung mit Migrationshintergrund aufschlussreich sein. Als leicht zugängliche Datenquelle
bieten sich die Berichte des Österreichischen Integrationsfonds (2008 bis 2010) mit ihren zahlrei-
chen kommentierten Grafiken an (http://www.integrationsfonds.at > Publikationen > Zahlen
und Fakten > Statistikjahrbuch 2010).

Folgende Leitfragen können die Recherche unterstützen:


t Gibt es Bereiche, in denen die Bevölkerung mit Migrationshintergrund als in ihrer Lebens- und
Arbeitssituation benachteiligt bezeichnet werden muss?
t Welche Hinweise für den Aufstieg und die Gleichstellung in der österreichischen Gesellschaft
lassen sich in den Statistiken finden?
t Welche gängigen Vorurteile müssten bei näherer Analyse verändert bzw. verworfen werden?

Verfestigung
Rollenspiel: Soll Familie S. nach Österreich emigrieren?

Familie S. steht vor einer schweren Entscheidung: Soll sie aus Polen auswandern oder nicht?
Was spricht aus der Sicht Ihrer Rolle(n) für oder gegen eine Auswanderung nach Österreich? Po-
len ist zwar EU-Mitglied, aufgrund von Übergangsfristen dürfen aber Arbeitskräfte aus den jüng-
sten Beitrittsländern nicht ungehindert nach Österreich. Sieben Personen (siehe Rollenbeschrei-
bungen unten) plus Moderation sind zu einer Diskussion eingeladen, in der am Beispiel der
Familie S. diskutiert wird, welche Motive hinter Migration stehen können, wie es um die Einwan-
derungspolitik Österreichs bestellt ist und was sich eventuell daran ändern sollte.

Ablauf der Rollendiskussion


Die Rollen können verlost oder an interessierte Freiwillige vergeben werden. Bereiten Sie sich
anschließend auf Ihre Rolle vor. Welche Interessen vertreten Sie nun? Wie argumentieren Sie? Die
BeobachterInnen können durch einen leeren Stuhl (für die Abgabe eines Statements) in die Dis-
kussionsrunde einsteigen (Fish-Bowl).

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UNTERRICHTSVORSCHLAG Wie macht Migration Geographie?

Pavel S. (Vater, 35)


Sie haben einen Universitätsabschluss und arbeiten als Bauingenieur. Sie fühlen sich noch jung
und abenteuerlustig. Auch die höheren Löhne in den wohlhabenderen EU-Ländern locken. Aber
Sie wissen nicht, ob Sie in Österreich gleichwertige Arbeit als Bauingenieur finden werden. Ein
ehemaliger Kollege hat in Österreich nur als Hilfsarbeiter am Bau Arbeit gefunden. Freunde und
Verwandte, die nach Österreich gezogen sind, haben ihre Hilfe angeboten.

Ilona S. (Mutter, 34)


Sie haben die Matura und arbeiten halbtags als Krankenpflegerin. Daneben kümmern Sie sich
um die Tochter/den Sohn und den Haushalt. Seit Neuestem können ausländische PflegerInnen in
Österreich legal arbeiten. Sie sind unschlüssig, was für die Familie und Sie besser wäre: Wenn
Sie alle gemeinsam auswandern oder wenn nur Sie (oder Ihr Mann Pavel) nach Österreich pen-
deln und dort Ihr/sein Geld verdienen.

Jana/Jan S. (15)
Sie sind eine Jugendliche/ein Jugendlicher und finden Ihren Heimatort in Polen ziemlich langwei-
lig. Hier gibt es wenige Unterhaltungs- und Freizeitmöglichkeiten. Das Wegziehen reizt Sie, vor
allem wenn es in eine größere Stadt gehen soll, daher finden Sie viele Gründe, warum die ganze
Familie auswandern soll. Ihr großer Traum ist es, in Amerika oder Australien zu leben. Der Wer-
mutstropfen dabei ist: Die Großeltern und der Freund/die Freundin leben im Heimatort.

VertreterIn der Partei XPÖ


Das Programm der XPÖ besagt, dass Österreich eine kontrollierte Zuwanderung braucht. Vor al-
lem qualifizierte FacharbeiterInnen und SpezialistInnen werden am Arbeitsmarkt gebraucht. Da-
her soll ein Auswahlverfahren (Punktesystem) wie in Kanada bestimmen, wer einwandern darf.
Junge Einwanderinnen und Einwanderer mit gesuchten Berufen bekommen dabei viele Punkte
und werden bevorzugt.

VertreterIn der Partei YPÖ


Sie treten aus Überzeugung für einen sofortigen Zuwanderungsstopp ein. Arbeitslose Auslände-
rInnen sollen aus Österreich abgeschoben werden, denn es gibt ohnehin genug Arbeitslose in
Österreich. Keine Zuwanderung mit der YPÖ.

VertreterIn der Gewerkschaft


Sie vertreten die Interessen der beschäftigten ArbeitnehmerInnen in Österreich. Bei Zuwanderung
von Arbeitskräften aus Billiglohnländern wird befürchtet, dass die Löhne in Österreich sinken
könnten (Bsp.: Pflegedienst). Und in bestimmten Branchen (Baugewerbe) gibt es ohnehin keinen
Arbeitskräftemangel und Arbeitslosigkeit. Deshalb treten Sie für die Übergangsfristen ein.

VertreterIn der Wirtschaft


Sie treten für Zuwanderung ein, damit billige und qualifizierte Arbeitskräfte in ausreichender
Zahl zur Verfügung stehen. Aus Sicht der Unternehmen sind die niedrigen Löhne der Zuwande-
rinnen und Zuwanderer interessant. Zudem werden FacharbeiterInnen in Österreich in bestimm-
ten Branchen gesucht (das bremst auch das Wirtschaftswachstum). Sie sind daher gegen die
Übergangsfristen.

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UNTERRICHTSVORSCHLAG Wie macht Migration Geographie?

Literatur
Dobler, Karin/Fassmann, Heinz/Pichler, Herbert: Kompass 5/6. Geographie und Wirtschaftskunde
für die 11. und 12. Schulstufe. Wien 2008
Gryl, Inga: Kartenlesekompetenz. Ein Beitrag zum konstruktivistischen Geographieunterricht
(= Materialien zur Didaktik der Geographie und Wirtschaftskunde Band 22). Wien 2009.
Le Monde diplomatique (Hrsg.): Der Atlas der Globalisierung. Die neuen Daten und Fakten zur
Lage der Welt. Berlin 2006
Milborn, Corinna: Gestürmte Festung Europa. Mauern. Ghetto. Terror. Das Schwarzbuch. Wien 2006
Österreichischer Integrationsfonds (Hrsg.): Integration. Zahlen Daten Fakten 2008 (Download
unter: http://www.integrationsfonds.at/index.php?id=129, letzter Zugriff 27.8.2010).
Pichler, Herbert: Migration macht Geographie(n). Kooperatives offenes Lernen im Spannungsfeld
Individualisierung und Kooperation, in: geographie heute (erscheint 2010)
Pichler, Herbert: Schengen-Europa: Abgeschottet oder mit offenen Türen?, in: Forum Politische
Bildung (Hrsg.): Sicherheitspolitik. Sicherheitsstrategien, Friedenssicherung, Datenschutz (= In-
formationen zur Politischen Bildung 25). Bozen–Innsbruck–Wien 2006, S. 63–65 (auch unter
http://www.politischebildung.com/pdfs/th1_25.pdf, letzter Zugriff 27.8.2010)
Praxis Geographie: Migration. Heft 2/2002.
Wagner, Helmut (Hrsg.): Migration – Integration (= Segmente Wirtschafts- und sozialgeographische
Themenhefte). Wien 2005.

1 Vgl. Pichler, Herbert: Schengen-Europa: Abgeschottet oder mit offenen Türen?, in: Forum Politische Bildung
(Hrsg.): Sicherheitspolitik. Sicherheitsstrategien, Friedenssicherung, Datenschutz (= Informationen zur Politi-
schen Bildung 25). Bozen–Innsbruck–Wien 2006, S. 63–65
(auch unter http://www.politischebildung.com/pdfs/th1_25.pdf, letzter Zugriff 27.8.2010)

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