Sie sind auf Seite 1von 2

Biogaserzeugung und -nutzung aus Sicht eines Großunternehmens

1. Biogas bei der Borsig Energy GmbH


Borsig Energy ist ein Tochterunternehmen der Babcock-Borsig AG. Mit einem Umsatzvolumen von
DM ca. 45.055.000,- ist die Borsig Energy GmbH eines der führenden Unternehmen im Bereich der
regenerativen Energien. Dabei werden folgende Geschäftsfelder bearbeitet:

• Windenergie
• Solarenergie
• Biomasse/Biogas

Der Geschäftsbereich Biogas wurde im Jahr 2000 mit dem Erwerb der Lizenz für das Archea-
Verfahren gestartet.

Hintergrund für das Engagement von Borsig Energy auf dem Sektor Biogas sind einerseits die
aussichtsreichen Prognosen, speziell für landwirtschaftliche Biogasanlagen mit Kofermentation von
nachwachsenden Rohstoffen und Abfällen. Andererseits ist nach der verbesserten Vergütung von
Strom aus Biogasanlagen eine Trendwende auf der Nachfrageseite zu beobachten: Während früher
Biogasanlagen nur dann ohne wirtschaftliche Verluste zu betreiben waren, wenn sie überwiegend in
Eigenleistung erstellt wurden, werden Biogasanlagen heute hauptsächlich als eigene
Unternehmensbereiche im landwirtschaftlichen Betrieb gesehen. Damit soll dem Landwirt ein
zusätzliches Standbein geschaffen bzw. eine neue Einkommensquelle erschlossen werden.

Landwirte, die so denken, erwarten vom Markt eine einfache, zuverlässige und wirtschaftliche
Biogastechnologie mit geringem Betreuungsaufwand.

Borsig Energy hat deshalb ein Anlagenkonzept speziell für diesen Kundenkreis entwickelt:
Einfache, robuste Technik in Modulbauweise, die preiswert in Serienproduktion zu fertigen ist.

Neben den Landwirten sind aber auch Entsorger sowie Gemeinden und Landkreise, die z. B. bereits
Kompostierungsanlagen betreiben, wichtige Kunden für unser Anlagenkonzept: Viele
Kompostierungsanlagen haben nach wir vor Geruchsprobleme oder sind überlastet. Hier kann das
Abschöpfen eines Teilstroms (nasse und nährstoffreiche Bestandteile) über die Biogasanlage Abhilfe
schaffen und zugleich (durch den Stromverkauf) das Betriebsergebnis verbessern. Die besonderen
Vorzüge des Biogasverfahrens von Borsig Energy (Hygienisierung, Schwerstoffaustrag,
Zwangsdurchmischung) sind hier besonders entscheidend.

Borsig Energy bietet die Biogasanlagen schlüsselfertig an. Die Kunden haben dadurch erheblich
weniger Organisationsaufwand und optimale Gewährleistungsbedingungen.

2. Das Borsig Energy/Archea–Verfahren zur Biogaserzeugung


Das Borsig Energy/Archea–Verfahren zur Biogaserzeugung ist nach dem Baukastenprinzip aufgebaut
und besteht in der Grundkonfiguration aus folgenden Komponenten:

• Vorgrube zum Anmischen der Inputstoffe


• Hauptfermenter (liegend, Stahl, mesophil)
• Therm-Des-Einheit zum Materialaufschluß und zur Hygienisierung
• Nachgärbehälter (stehend, Beton, thermophil) mit Gasspeicher
• Technikcontainer mit BHKW, Steuerung, etc.
• Ggfs. Endlager

Durch das Baukastenprinzip mit industrieller Serienfertigung kann der Planungsaufwand gesenkt
werden. Dies reduziert die Kosten.
Die angeführten Komponenten des Borsig Energy Biogasverfahrens haben folgende Vorteile:

Liegender Hauptfermenter

• Höhere Raumbelastung möglich


• Zwangsdurchmischung, vorteilhaft v. a. bei Materialien, die zur Entmischung oder
Schwimmdeckenbildung neigen (Gras, Schweinegülle, etc.)
• Schwerstoffaustrag für Sand und Kies, vorteilhaft bei Materialien mit hohem Gehalt mineralischer
Bestandteile (Geflügelkot, Bioabfall, Kartoffeln, Gras aus kommunaler Pflege, etc.)
• Geringere Neigung zur Bildung von Kurzschlußströmungen; dadurch höhere effektive
Verweilzeiten und höhere Gasausbeute
• Hohe Prozeßstabilität durch in der Regel mesophile Betriebsweise bei 38° C
• Nicht ortsgebunden
• Außenliegende Wandheizung statt Rührwerksheizung (weniger Verschleiß, bessere
Rühreigenschaften, größere Übertragungsflächen)
• Keine Korrosionsgefahr, da der Fermenter im Bereich, wo Korrosion auftreten kann (Gasdom),
aus V4a gebaut ist

Therm-Des-Stufe

• Erfüllt hohe Hygienisierungsanforderungen: 1 Stunde bei 70° C (höchste Standards nach BioAbfV
zur Ausbringung bestimmter Abfälle auf Dauergrünland, Pasteurisierung nach
Ausführungshinweisen zur Schweinehaltungshygieneverordnung)
• Thermische Desintegration und damit höhere Gasausbeute

Nachfermenter

• Höhere Gasausbeute durch diese zweite Stufe der Vergärung


• Höhere Gasausbeute durch thermophile Betriebsweise (beheizt) bei 55° C, ohne Probleme bei der
Prozeßstabilität (durch den ersten Fermenter homogenisiertes Medium)
• Preiswerte Gasspeicherung durch Gasspeicher in Folienkuppel

Steuerung

Biogasanlagen von Borsig Energy werden mit einer Steuerung ausgestattet, die in dieser
Anlagenklasse ohne Beispiel ist. Die Steuerung bietet insbesondere folgende Vorteile:

• Alle wichtigen Inputparameter wie Abfallarten und tägliche Eintragsmengen sowie –zeitpunkte
können eingegeben werden. Dadurch ist eine lückenlose Dokumentation z. B. nach den Kriterien
der Bioabfallverordnung bzw. der Entsorgungsfachbetriebeverordnung möglich
• Füllstände in den einzelnen Anlagenbereichen werden automatisch überwacht und dokumentiert
• Pumpen und Rührwerke werden automatisch ein- und ausgeschaltet. Damit läßt sich der
Betreuungsaufwand erheblich reduzieren und Kosten sparen: Durch die Dokumentation der
Laufzeiten kann einerseits die Verfügbarkeit der Anlage, andererseits der Prozeß z. B. bezüglich
der Hygienisierung überwacht werden
• Prozeßparameter wie beispielsweise die Temperaturverteilung werden automatisch erfaßt und
dokumentiert. Dies erleichtert ebenfalls die Nachweisführung gegenüber den Behörden
• Alle erfaßten Prozeßdaten können anschaulich auf einen Bildschirm visualisiert und bei Bedarf
ausgedruckt werden. Dies erleichtert die Prozeßüberwachung und läßt mögliche Probleme
frühzeitig erkennen, so dass Korrekturmaßnahmen rechtzeitig eingeleitet werden können.
Weniger Ausfälle und höhere Betriebssicherheit sind die Folge
• Überwachung der Gasqualität
• Datenfernübertragung

Borsig Energy GmbH


Geschäftsbereich Biogas
Dr. Markus Helm