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Luxemburger Staat noch sozial ?

In ihrem sozialen Gefüge bricht die Luxemburger


Gesellschaft langsam, aber umso sicherer auseinander.
Diese äußerst drohende Gefahr möchte ich an
nachfolgenden Beispielen beleuchten!

Renten
In Luxemburg liegt derzeit die Mindestrente bei 1.552 €.
Das scheint auf den ersten Blick, im Vergleich zu
unseren Nachbarländern, sehr hoch zu sein. Doch wie
viel bleibt dem Rentner noch reell in seiner Tasche nach
Abzug seiner feststehenden Kosten, so für die in
Luxemburg sehr teure Miete und insbesondere für
Strom, Gas, Heizung…?

Und wie viel bleibt noch gar vielen Rentnern an


Finanzmitteln für ein menschenwürdiges Leben in
einem Altenheim bei einem praktisch von Jahr zu Jahr
steigenden Pensionspreis von circa 2.200 € für eine
Einzelperson und von 3.900 € für ein Ehepaar? Sofern
sich die Rentner aus dem unteren und sogar aus dem
mittleren Bereich überhaupt noch einen Platz in einem
Altenheim leisten können, ohne der Wohlfahrt zu Last
zu fallen!

Und wie wird es erst für die kommenden


Rentnergenerationen aussehen nach Verwirklichung der
von der Regierung angedrohten Rentenreform?

Täte diese Regierung nicht besser daran, die


Einnahmen unserer Rentenkassen auf ein drittes Bein
zu stellen, z.B. indem ganz einfach die Einnahmen aus
der geplanten Solidaritätssteuer in die Rentenkassen
fließen würden!
Sind doch Einsparungen im Funktionieren des
Zentralstaates ohne weiteres möglich. Was den
Staatshaushalt wieder ins richtige Lot bringen könnte!

Lebenskostenindex

Es ist ein gutes Recht des Parlamentes, der Regierung,


des Patronats und insbesondere der Gewerkschaften,
sich Gedanken über die einst wohl bewährte Praxis der
Anpassung der Löhne und Gehälter an den
Lebenskosten Index zu machen. Wohl bewährt, da diese
generelle Anpassung der Löhne, eingeführt nach 1975
durch die sozialliberale Regierung, unter Staatsminister
Gaston Thorn, der Garant für einen für die Luxemburger
Wirtschaft sehr gedeihlichen sozialen Frieden war und
augenblicklich noch ist? Aber wie lange noch?

Ich habe durchaus Verständnis für die vom Patronat


angeführten Argumente für eine Anpassung des
Indexes an wirtschaftliche Realitäten!

Nicht aber für die Argumente eines Teils der CSV-


Fraktion zum gleichen Thema bezüglich der Einführung
eines so genannten gedeckelten Indexes. Womit zu
verstehen ist, dass die Löhne nur noch bis zu einer
Höhe von zweimal den Mindestlohn angepasst würden,
demnach bis 3.449 €. Soweit kann ich folgen, doch
nicht mehr, wenn in gleichem Atemzug in die Welt
hinausposaunt wird, dass dank einer derartigen
Modulierung des Indexes der Staat auf die geplante
Steuererhöhung und sonstige vorgesehene Belastungen
verzichten könne.

Vielmehr ist richtig, dass dem Staat durch integrale


Anpassungen an den Lebenskostenindex dem Staat
weit mehr Gelder, via Steuern, zufließen, als bei einem
gedeckelten Index. So ab Juli 2010 durch die voll
angerechnete Indexanpassung! Und durch
Preissteigerungen bei vielen Dienstleistungsbetrieben
infolge der Indexanpassung!

Demnach hat, rein rechnerisch gesehen, der Staat auf


Kosten der Arbeitgeber sein Loch in seiner
Haushaltskasse beachtlich stopfen können!

Tripartite

Wie aus vorgehenden Überlegungen hervorgeht, sind


nicht die Arbeitnehmer die wirklichen Nutznießer einer
vollen oder auch nur teilweisen Indexanpassung,
sondern vielmehr der sehr gefräßige Staat auf Grund
der Steuerprogressivität, dies auf Kosten der
Arbeitgeber. Insbesondere da die Regierung nicht
gewillt ist, die Steuertabellen an die Inflation
anzupassen!

Leider hat es die Regierung in der ersten Hälfte dieses


Jahres in der Tripartite regelrecht verpasst, zum Index
einen derartigen Vorschlag zu unterbreiten, der sowohl
von den Gewerkschaften wie auch vom Patronat
annehmbar gewesen wäre.

Inzwischen haben sich bei allen Partnern der Tripartite


die Fronten verhärtet.

Gar drohend gebärdet sich Premier Jean-Claude


Juncker, der nicht einmal die Tripartite zusammen rufen
möchte, sofern nicht Aussicht auf Erfolg besteht.
Gleichzeitig schiebt er dem sozialistischen
Wirtschaftsminister den schwarzen Peter zu, indem
diesen auffordert, dem Kabinett einen Vorschlag zu
unterbreiten!
Und da kaum damit zu rechnen ist, dass ohne einen
klugen Vermittler die Gewerkschaften und das Patronat
zu einem Einvernehmen in der Indexfrage kommen
werden, steht dem Lande ein sehr heißer Herbst bevor!

Schade, dass auf diese Weise die Luxemburger


Gesellschaft, und damit der soziale Frieden,
auseinander zu brechen droht. Drum rette, wer könne!
Henri Schumacher