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Institut für Erziehungswissenschaft Institut für Erziehungswissenschaft


Abteilung für Lehrerinnenbildung Maturitätsschulen Abteilung für Lehrerinnenbildung Maturitätsschulen

Rollen der Lehrperson Rollen der Lehrperson


Schriftliche Übung 01 Schriftliche Übung 01

Schriftliche Übung zum Vorlesungsthema 02 „Tiefenstruktur und Kognitive Aktivierung“

1. Einleitung

Ziel dieser Übung ist es die Begriffe Tiefenstruktur und Kognitive Aktivierung, anhand der
Darlegung theoretischer Konzepte und deren Anwendung auf ein konkretes
Unterrichtsbeispiel, zu erörtern und Indikationen zu Anpassungen des eigenen Handelns zu
Abbildung 1: Das didaktische Dreiecke (Reusser, 2009)
identifizieren.
„Ziel und Stoffkultur“ beschreibt die bildungsinhaltliche Dimension des Unterrichts, bzw. die
2. Zusammenfassung der Theorie: Zentrale theoretische Konzepte und Begrifflichkeiten
Frage nach dem „Was“: Was soll warum, wozu und wann gelehrt und gelernt werden?

Reusser (2009) definiert Unterricht als Lebenstätigkeit. Er erklärt, dass Unterrichten


„Lehr- und Lernkultur“ bezieht sich auf das „Wie“, also auf die Inszenierung und die Prozesse
„eine natürliche Verhaltensweise ist, welche Teil des zwischenmenschlichen
des Lerners: Wie, in welchen Formen und Prozessqualitäten soll und kann unter gegebenen
Austauschprozesses ist. Gleichzeitig stellt der Unterricht das Kerngeschäft der Schule dar“
kontextuellen Bedingungen im Unterricht gelernt werden?
(2009, 881). Resseur beschäftigt sich mit der Frage „was Unterricht als Erfahrungsfeld des
Lernens von Kinder sowie als professionelles Berufsfeld von LP konstituiert“. Er behauptet, „Kommunikations- und Unterstützungskultur“ schliesslich bezieht auf die Partizipations- und
dass diese Frage anhand einer Grundvorstellung von Unterricht beantwortet werden kann. Im Interaktionsstrukturen sowie die Kommunikations- und Beziehungsgestaltung im Unterricht,
Zentrum steht dabei ein didaktisches Dreieck, welches die Grundkonfiguration des Unterrichts dies sowohl zwischen LP und SuS als auch unter der SuS selbst. Für jede der drei Dimensionen
als eine dreipolige Beziehung zwischen LP, SuS und Gegenstand definiert“ (Reusser, 2009, lassen sich die Fragen nach qualitätsrelevanten Merkmalen des Unterrichtshandelns und der
883). unterliegenden individuellen und sozialen Lernprozesse stellen.

In diesem Dreieck lassen sich drei Dimensionen, als „Qualitätsfelder“ jedes Unterrichts Seit es Forschung über Unterricht als professionelles Handeln von LP gibt, unterscheidet man
identifizieren. Es sind die Ziel- und Stoffkultur, Lehr-Lern- und Verstehens Kultur sowie die zwischen zwei Zugänge: „jener über die handlungsbezogene Oberflächenstruktur – gemeint
Unterstützungs- und Interaktionskultur. In ihrer Interdependenz untereinander und mit den sind die Methoden und Inszenierungsformen des Unterrichts – und jener über seine
übergeordneten Schulsystemebenen bilden sie die Qualitätskultur des Unterrichts. erkenntnispsychologische Tiefenstruktur – gemeint ist das psychologische Aktgefüge bzw. die
Artikulation des Lehr-Lern-Handelns“ (Reusser, 2009, 889). Beide Strukturen spielen eine
Im Bild unten sind die Dimension, welche zu einer erfolgreichen Lernatmosphäre beizutragen
wichtige Rolle während der Unterrichtsplanung. Die LP sollen nicht nur Inszenierungen
dargestellt:
beherrschen, sondern ein Verständnis der Tiefenstrukturen ihrer fachpädagogischen Aufgaben
haben müssen.

Aus didaktischer Perspektive wird Unterricht so arrangiert und in Phasen gegliedert, dass er
die Schritte eines Lernprozesses unterstützt (Reusser, 2009). Dazu finden sich in der Didaktik
verschiedene Modelle, die das Lernen aus der Sicht der Lehrperson durch eine
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Schriftliche Übung 01 Schriftliche Übung 01

phasenspezifische Anlage von Aufgaben, Beurteilung und Lernbegleitung strukturieren (bspw.


3. Reflexion über die Seminarstunde
PADUA Aebli 1983; SAMBA und KAFKA Reusser 1999; AVIVA Städeli, Grassi, Rhiner &
Obrist 2010). Dabei unterscheiden sie sich in den gewählten Begriffen, in der Differenzierung In dem Seminar vom 1. März drehte sich die Diskussion im Unterricht um die drei
und in der Perspektive (Schüler-, Lehrpersonensicht). Gemeinsam haben Sie die Unterteilung Dimensionen der didaktischen Dreiecke (Reusser, 2009) - Stoff, Lehrperson und Lernende.
in eine Phase des Einstieges, der Bearbeitung, eine Phase des Übens und Anwendens sowie ein Die Zielsetzung war es, über die Wichtigkeit jeder Dimension für eine qualitativ hochwertige
abschliessend eine Phase in der es um das Sichern der Lernergebnisse geht. Das Aufgliedern Lernumgebung nachzudenken. Die Klasse wurde in drei Gruppen unterteilt und jede Gruppen
des Lernarrangements Phasen soll den gesamtheitlichen Lernfluss verbessern. musste Gründe aufzeigen, wie die von ihnen gewählte Dimension zur Förderung einer guten
Klasse beigetragen hat. Diese Aufgabe förderte die Oberflächenstruktur in dem Sinne, dass wir
Die untenstehende Unterichtsskizze habe ich mit dem PADUA-Modelles organisiert. Im
kooperative Argumente finden und unsere Ansichten erklären.
Folgenden erkläre ich dieses Modell im Details. Das Akronym PADUA, begründet von Aebli, steht
für Problemdarstellung, Aufbau, Durcharbeiten, Üben und Anwenden. Das Modell lässt sich Ich schloss mich der Gruppe an, die glaubte, dass die SuS eine entscheidende Rolle bei der
wie folgt zusammenfassen: Gestaltung einer erfolgreichen Unterrichtsstunde spielte. Die Hauptargumente meiner Gruppe
waren, dass ein Lehrer sich der Bedürfnisse der Schüler bewusst sein soll und dementsprechend
die Lektion plant. So kann eine Lektion nur dann effektiv sein, wenn sie die Besonderheiten
der Schüler berücksichtigt. Andere Teilnehmer betonten die Wichtigkeit, den Lehrer als
Hauptfigur in einem Klassenzimmer zu betrachten. Nach dem Präsentieren der Argumente
konnte die Klasse über jedes Element einzeln reflektieren. Dabei kamen Sie zur
Schlussfolgerung, dass alle Dimensionen gleichwertige Wichtigkeit in der Unterrichtsplanung
zukommen.

Abbildung 2: Kompetenzorientierter Unterricht im PADUA-Modell (Kurt & Krieg 2017, 18)


Die im Seminar vorgeschlagene Aufgabe war meiner Meinung nach sowohl effektiv als auch
Reusser kommt zu dem Schluss, dass die LP „über die handwerkliche Professionalität hinaus kommunikativ. Durch die Aufgaben konnten die Schüler eine kognitive Verbindung zwischen
mit den Tiefen-Dimensionen der Unterrichtsqualität“ (2009, 893) vertraut sein soll, welche die der Theorie und den Tiefenstrukturen aktivieren. Die Schüler können die Theorie dadurch
Gütekriterien des Lehr-Lern-Handelns sind: besser verstehen, wenn sie diese im Rahmen einer praktischen Aktivität anwenden können.
Außerdem hatten sie die Chance, ihre eigenen Argumente zu präsentieren und auf ihre eigenen
• Ziel und Stoff Qualität: Zielklarheit und transparente Leistungserwartungen, Qualität Überzeugungen aufmerksam zu machen. Als Lehrer leiten unsere Überzeugungen die meisten
von Lernaufgaben, Lernstoff-Relevanz, kumulativer Stoffaufbau. unserer Handlungen im Unterricht, von der Planung bis zur Umsetzung einer
• Lernprozess-Qualität: Konstruktivistisches Wissen und Lernprozessverständnis, Unterrichtsstunde. Durch die Aktivierung der Wahrnehmung der Schüler konnte der Dozent
Störungspräventive Klassenführung, aktive Lernzeit-Nutzung; kognitive Aktivierung. eine Reflexion darüber anstoßen, wie wir unsere eigene Rolle im Klassenzimmer sehen. Dies
• Beziehungs- und Unterstützungsqualität: Wertschätzendes Lern- und Sozialklima; führte zu einer Nachbesprechung, deren Hauptthema die technologische Überalterung der
Balance zwischen lenkender Kontrolle und Autonomiegewährung; adaptive Rolle der LP war. Stehen wir kurz davor, im Unterricht unwichtig zu werden?
Lernunterstützung; diskursive Fehlerkultur.
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Schriftliche Übung 01

4. Ideeskizze für das Fach Englisch

Nach der PADUA-Modell wurde den folgenden Unterricht für das Fach Englisch geplant.
Diese Lektion wurde für die zweite Gymnasialstufe geplant. Es wurde das Kursbuch „English File Pre-Intermediate“ benutzt.

Tabelle 1 - Tabellarischer Überblick über den Stundenverlauf

Zeit Phase Ziele Ablauf

• Begrüssung und Eröffnung der • An der Wandtafel steht der Begriff „Shopping“
2’ Begrüssung Lektion

• Vorstellung des Unterrichtsthemas • Brainstorm lexis basierend auf dem Begriff


Einleitung • Erfassung & Dokumentation “Shopping”
(Problemstellung) bestehenden Wortschatzes und
5’ Grammatik
• Aufmerksamkeit der Studenten
erregen
• Aktivierung des bestehenden Wissens • Der Lehrer führt die Aufgabe beispielhaft mit
• Fragen Sie gegenseitig nach ihren einem Schüler vor
Aktivierung Einkaufsgewohnheiten, indem Sie • Der Lehrer erklärt die Aufgabe und stellt sicher,
10’ (Aufbau) • „present perfect“ und „simple past“ dass die Schüler der Inhalt der Aufgabe
nutzen verstanden haben

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Schriftliche Übung 01

• Die Schüler werden aufgefordert sich im


Klassenraum zu bewegen

• Die Schüler reflektieren welches • Teacher asks students which tenses they have been
Regel Formulieren bestehende Wissen für diese Aufgabe using to complete the activity.
Inductive Method relevant ist • Der Lehrer zeigt Beispielsätze
5’ (Durcharbeiten) • Die Schüler formulieren Regeln • Die Schüler korrigieren die vorgegebenen Sätze
anhand ihres impliziten Wissens. • Der Lehrer überprüft und bewertet die Antworten
der Schüler (Sus-T interaction).
• Wiederholung erlernter Strukturen • Die Lehrer prüfen das bestehende Wissen der
10’ • Erarbeitung der Regeln durch Schüler bezüglich der thematisierten Grammatik
Sprache Erklärung Schülern • Der Lehrer bespricht die Grammatik gemäss
(Üben) Lehrbuch Seite 132 4B
• Der Lehrer zeigt Zeitstrahl um die Unterschiede
deutlich zu machen
• Die Schüler üben die erlernten • Studenten sollen die Aufgabe 4B a, b und c auf
10’ – Übungsaufgaben lösen Strukturen Seite 133 bearbeiten
12’ (Anwendung) • Die Schüler bearbeiten eine Übung • Einzelarbeit
aus dem Unterrichtsbuch • Der Lehrer korrigiert die Aufgabe und steht für
Fragen zur Verfügung

5. Literaturverzeichnis

Huss, K. Krieg, M. (2017). Direktion für Bildung und Kultur des Kantons Zug. Online unter: https://edudoc.ch/ (04.06.2018).

Oxeden, C; Latham-König, C. (2013) English File, Pre-Intermediate, Third Edition: Student's Book. Oxford: Oxford University Press.
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Rollen der Lehrperson


Schriftliche Übung 01

Reusser, K. (2009). Unterricht. In S. Andresen, R. Casale, T. Gabriel, R. Horlacher, S. Larcher Klee & J. Oelkers (Hrsg.),Handwörterbuch
Erziehungswissenschaft (S. 881-896). Weinheim: Beltz Verlag.

Reusser, K.; Pauli, C.; Waldis, M. (2010). Unterrichtsgestaltung und Unterrichtsqualität Ergebnisse einer internationalen und schweizerischen
Videostudie zum Mathematikunterricht. Ergebnisse einer internationalen und schweizerischen Videostudie zum Mathematikunterricht. Münster:
Waxmann.

Abbildung

Reusser, K. (2009). Unterricht. In S. Andresen, R. Casale, T. Gabriel, R. Horlacher, S. Larcher Klee & J. Oelkers (Hrsg.),Handwörterbuch
Erziehungswissenschaft (S. 881-896). Weinheim: Beltz Verlag.