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Querfront
Der Begriff Querfront tauchte in den politisch-ideologischen Diskursen der Weimarer
Republik[wp] erstmals am Beginn der dreißiger Jahre auf. Heute wird der Begriff in der politischen
Diskussion verwendet, um Überschneidungen von rechts- und linksradikalen Gruppierungen zu
beschreiben.

Inhaltsverzeichnis
• 1 Der historische Begriff
• 1.1 Kabinett Schleicher
• 2 Aktuelle Verwendung
• 2.1 Linke und Antifa
• 2.2 Verfassungsschutz
• 2.3 Weibliche Querfront
• 2.4 Otto Brenner Stiftung
• 3 Kritik
• 4 Einzelnachweise
• 5 Querverweise
• 6 Netzverweise

Der historische Begriff


Der Begriff Querfront beziehungsweise "Querfrontstrategie" tauchte in den politisch-ideologischen
Diskursen der Weimarer Republik erstmals am Beginn der dreißiger Jahre vor dem Hintergrund des
weitgehend autoritär regierenden Präsidialregimes auf. Keiner der zwischen März 1930 und Januar
1933 amtierenden Reichskanzler Brüning, Papen und Schleicher konnte sich auf parlamentarische
Mehrheiten oder breiten gesellschaftlichen Rückhalt stützen. Zwar begrüßten die unterschiedlichen
Fraktionen der politischen Rechten bis weit ins bürgerliche Lager die unübersehbare Aushöhlung
der demokratischen Institutionen, über einheitliche politische Konzepte oder Strategien verfügten
diese Gruppierungen jedoch nicht. Insbesondere der von Papen verfolgte neoaristokratische,
bedingungslos unternehmerfreundliche Kurs hatte das rechte Spektrum nicht einen können. Das
Kabinett Papens scheiterte nach nur fünf Monaten im November 1932.

Kabinett Schleicher
Sein Nachfolger, der Reichswehrgeneral Kurt von Schleicher[wp], war daher bemüht, eine breitere
gesellschaftliche und politische Verankerung seines Präsidialregimes zu erreichen. In dieser
Situation avancierte die Idee eines "quer" zu den ideologischen Trennungslinien der Parteien
liegenden Bündnisses, bestehend aus Reichswehr[wp], Gewerkschaften[wp] und dem "linken"
Flügel der NSDAP[wp], für einen kurzen Zeitraum zu einer ernsthaften politischen Option.
Die jeweiligen Vorstellungen und Erwartungen, die die unterschiedlichen Propagandisten der
"Querfront" mit dem Konzept verbanden, lagen allerdings zum Teil erheblich auseinander. Auf einer
theoretisch-ideologischen Ebene war die "Querfront" maßgeblich von Vertretern des neo-
nationalistischen TAT-Kreises[wp] entwickelt und in zahlreichen Publikationen, wie etwa der "TAT"
oder der "Täglichen Rundschau" formuliert worden. Durch die Herrschaft Schleichers erhofften
sich die Autoren die endgültige Beseitigung der Weimarer Demokratie[wp] sowie entscheidende
Schritte hin zu einem "auf den Volkswillen" gestützten autoritären Staat. Schleichers politische
Positionen wiederum schienen in zahlreichen Punkten denen des TAT-Kreises zu entsprechen.
Bereits während des Ersten Weltkrieges war der General dafür eingetreten, Schlüsselindustrien
einer strikteren staatlichen Kontrolle zu unterwerfen, Kriegsgewinne zu besteuern und
Preisbegrenzungen notfalls mit Hilfe bestimmter Formen von Zwangsverwaltung durchzusetzen.
Auch als Reichskanzler postulierte er eine nachhaltigere Interessenwahrung des Staates gegenüber
der Industrie und erwog zudem, Teilverstaatlichungen durchzuführen.
Die Vorstellungen Schleichers verfolgten jedoch im Gegensatz zu denen des TAT-Kreis nicht das
Ziel, eine neue Staatsform zu schaffen und einem "nationalen Sozialismus" zum Durchbruch zu
verhelfen. Vielmehr war das Denken und Handeln des Reichskanzlers von pragmatischen
militärischen Kategorien geprägt. Schleicher ging es vor allem darum, für sein Präsidialregime, das
langfristig zumindest partiell Züge einer Militärdiktatur getragen hätte, eine Massenbasis zu
schaffen. Tatsächlich wurden im Herbst 1932 sowohl innerhalb des ADGB[wp] als auch im "linken"
Flügel der NSDAP Stimmen laut, die die Beteiligung an einer "Querfront" nicht ausschlossen. So
konnten seit dem Beginn der 30er Jahre nationalistische Strömungen im ADGB Fuß fassen,
während gleichzeitig innergewerkschaftliche Debatten über die rasant wachsende national-
sozialistische Bewegung weitgehend ausblieben. Zudem wurde im ADGB sowie in den Einzel-
gewerkschaften angesichts dramatisch steigender Arbeitslosenzahlen verstärkt Forderungen nach
staatlichen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen erhoben, was erhebliche Konflikte mit der SPD-
Führung hervorrief. Die traditionell enge Bindung zwischen den Gewerkschaften und der
Sozialdemokratie schien sich somit zu lockern. Auf der anderen Seite hatte Gregor Strasser, der
Fraktionsvorsitzende der NSDAP und Exponent eines "antikapitalistischen" Flügels der Partei, im
Mai 1932 in einer Reichstagsrede ein wirtschaftliches Sofortprogramm vorgestellt, das in
zahlreichen Punkten Ähnlichkeiten mit den gewerkschaftlichen Arbeitsbeschaffungsprogrammen
aufwies. Im Sommer und Herbst 1932 kam es zu einer Reihe von Sondierungsgesprächen zwischen
der Führung des ADGB und Reichsregierung, um die Optionen einer "Regierung aller Volkskreise",
unter Einschluss der NSDAP, auszuloten. Gregor Strasser wiederum traf sich sowohl mit
Schleicher, als auch mit dem Führer des (sozialdemokratischen) Reichsbanners. Zum ADGB hielt er
über Mittelsmänner Kontakt. Ob darüber hinaus direkte Verhandlungen hinsichtlich einer
möglichen "Querfront" zwischen Schleicher, Gewerkschaftsfunktionären und national-
sozialistischen Wirtschaftstheoretikern stattfanden, ist bis heute umstritten.
Ab Ende August 1932 erschien zeitgenössischen Beobachtern die Bildung eines Kabinetts
Schleicher-Strasser-Leipart (der Vorsitzende des ADGB) jedoch durchaus als ein ernsthaftes real-
politisches Szenario. Dabei blieb es dann aber auch. Als Schleicher Anfang Dezember 1932 zum
Reichskanzler ernannt wurde, war das Querfrontkonzept bereits Makulatur. Innerhalb der NSDAP
hatte sich Strasser mit seinen Positionen nicht durchsetzen können. Am 8. Dezember trat er von
seinem Parteiamt zurück. Die Gewerkschaften schreckten letztendlich vor einer eindeutigen
Positionierung zugunsten des Präsidialregimes zurück, zumal die SPD massiven Druck auf die
Führung des ADGB ausübte. Das Kabinett Schleicher bestand nicht einmal zwei Monate.[1]

Aktuelle Verwendung
Linke und Antifa
Der Begriff Querfront hat vor allem in antifaschistischen Diskussionen neue Verwendung gefunden.
Spätestens seit Anhänger der so genannten Freien Kameradschaften bei ihren Aufmärschen
verstärkt mit Palästinensertüchern[wp], antikapitalistischen Slogans und Che Guevara-T-Shirts in
Erscheinung traten, findet es als Schlagwort der Linken verstärkte Verwendung. Die Versuche von
Rechtsextremisten unterschiedlicher Couleur, linke Symboliken, Stile, Dress- und Sprachkodes zu
adaptieren, führen unter Antifaschisten nicht selten zu Verunsicherungen und der Frage, wie die
neuen Formen rechtsextremer Inszenierungen theoretisch und terminologisch gefasst werden
können. Oftmals erfolgt in diesem Zusammenhang dann der pauschale Hinweis auf die angeblichen
Querfrontstrategien militanter Neonazis oder neurechter Vordenker.
«Mit der Querfront-Strategie wollen Neonazis vor allem Linke verwirren.»[2]
Zitat:
Die Begrifflichkeit Querfront wird gerne von Gruppierungen in den Diskurs eingestreut, die
vorgeben, sich dem "Kampf gegen Rechtsradikalismus und Antisemitismus" verschrieben zu haben,
um sie nicht zuletzt als "Keule" für allfällige Diskreditierung zu verwenden. Meist sind, wenn der
Begriff Querfront fällt, die Nazikeule und der Antisemitismusvorwurf nicht weit.

Verfassungsschutz
Auch beim Verfassungsschutz findet der Begriff Querfront Verwendung:
«Rechtsextremistische Querfrontüberlegungen wurzeln in einer politischen Sicht, nach
der die Globalisierung, der "Völker zersetzende Kapitalismus" und der weltweit
ausgreifende kulturelle Hegemonialanspruch des Westens Ausdruck eines von der
"US-Ostküste" ausgehenden Imperialismus ist. Querfrontstrategen im
Zitat
Rechtsextremismus sehen hier den entscheidenden Bezugsrahmen für eine
:
Kooperation mit Linksextremisten: die kompromisslose Gegnerschaft gegenüber dem
liberalen modernen Verfassungsstaat und einer pluralistischen Gesellschaft, die das
Ergebnis einer Zersetzungsstrategie sei.» - Verfassungsschutz Sachsen[3]

Weibliche Querfront
«Das ist eine weibliche Querfront durch alle Parteien. Denen ist Frauenpolitik
wichtiger als die jeweilige Parteipolitik. Siehe auch die "Überparteiliche
Zitat:
Fraueninitiative" in Berlin.»[4]

«Was meint ihr, was da los wäre, wenn jemand solche "Männerbünde"
Kommentar
gründen würde.»[5]
dazu:

Otto Brenner Stiftung


«Wer die offizielle Version der Anschläge bezweifelt, glaubt eben auch an den
lebenden Elvis, die reptiloide Alienregierung[ew] resp. jüdische Weltverschwörung und
geht nur mit Aluhut[ew] außer Haus. Und zur neuen "Querfront" gehört er oder sie,
wenn er oder sie mit jemanden aus diesem "Netzwerk" einmal gesprochen hat, oder
verlinkt wurde. Dass es sich bei der von ihnen behaupteten Front um ein Konstrukt
Zitat handelt, merken die Autoren dann auf S. 27 zwar selbst - "Ein gemeinsames operatives
: Ziel des hier untersuchten Netzwerks ist nicht zu erkennen,weder ein publizistisches
noch ein ökonomisches oder politisches. Es ist auch keine Strategie zu erkennen, wie
das Netzwerk oder einzelne seiner Akteure systematisch mehr Einfluss gewinnen
wollen..." - sehen darin aber keinen Grund, den selbst gebastelten Popanz in die
Tonne zu treten.»[6]
Kritik
Am Begriff wird kritisiert, dass bei Übertragungen auf die heutige Zeit der konkrete geschichtliche
Kontext, aus dem der Begriff stammt, nicht mit heutigen Verhältnissen vergleichbar sei. Ebenfalls
kritisiert wird, dass der Begriff auf eine Reihe unterschiedlicher, zum Teil schwer vergleichbare
Phänomene verweise.

Einzelnachweise
1. ↑ Querfront - Eine historische Betrachtung, Nadir 2/2004 (Antifaschistisches Infoblatt)
2. ↑ netz-gegen-nazis.de: Querfront
3. ↑ Verfassungsschutz Sachsen: Querfront - was ist das?, 16. Mai 2006
4. ↑ Ansichten eines Informatikers: Emil am 22. August 2015 um 11:20 Uhr
5. ↑ Ansichten eines Informatikers: Hadmut am 22. August 2015 um 11:24 Uhr
6. ↑ Der Journalismus produziert seine Kritiker und Gegner selbst, Mathias Broeckers am 26.
August 2015

Querverweise
• Montagsquerfront

Netzverweise
• Wikipedia führt einen Artikel über Querfront
• Anarchopedia führt einen Artikel über Querfront
• Metapedia führt einen Artikel über Querfront
• Das Querfrontnetzwerk um die Nachdenkseiten, Erinnerung! - Gegen politische
Verwahrlosung am 24. Juli 2016 (Es existiert ein Querfrontnetzwerk, bestehend aus mehr
oder weniger losen und verbandelten medialen Knotenpunkten. Alternative Medien, die sich
unabhängig nennen, aber nicht nur inhaltliche, sondern auch personelle Überschneidungen
aufweisen, und weit weniger unabhängig agieren, als sie den Eindruck machen. Und wenn
man nicht verbandelt ist - so wird zusammen aufgetreten, oder auch nacheinander, in
Kampagnen wie Stopp Ramstein zusammengearbeitet, und so Desinformation betrieben und
agitiert. Die Verbindungen zwischen alternativen Querfrontmedien, Medien mit starkem
ideologischen und inhaltlichen Überschneidungen zwischen als links verstandenen Themen
mit solchen vom rechtsextremen Rand, reichen von Personen wie Oskar Lafontaine, Willy
Wimmer, Diether Dehm, Daniele Ganser, Reiner Braun, über KenFM und RT Deutsch, bis
zu dem rechtsextremen Kopp-Verlag und Jürgen Elsässers Compact, Querdenken.TV von
Michael Vogt, NuoViso, Wissensmanufaktur und der Propagandaschau. Die Nachdenkseiten,
deren Macher sich in diesem eher braunem als rotem Sumpf offenbar wohlfühlen, und deren
Ziel die politische Verrohung der Leserschaft sein muss, wähnte man vor Jahren schon
immer wieder als ganz unten angekommen.)
• Die Querfront-Kampagne gegen die Friedensbewegung, NachDenkSeiten am 12. November
2015 (Haben Sie es auch schon gelesen: Auf Friedensdemonstrationen trifft man heutzutage
angeblich viele Rechte an. Die meisten, die das Völkerrecht verteidigen oder die Auswüchse
des Casino-Kapitalismus kritisieren, sind latente Antisemiten. Wer gegen TTIP ist, verbirgt
hinter linker Attitüde vielleicht nur dumpfen Nationalismus und Querfront-Sympathie. Und
diejenigen, die nicht gleich alles glauben, sondern auf Ungereimtheiten auch hinweisen und
sich der Mehrheitsmeinung nicht per se beugen: das sollen alles Spinner sein, weil sie an
"Verschwörungstheorien" glauben. Wie schwer es bei all den aktuell gängigen
Verleumdungen, Verkürzungen und Verdrehungen heutzutage mitunter sein kann, für
Frieden aktiv zu sein - darüber sprach Jens Wernicke mit der Autorin Katrin McClean[wp],
die beim "Friedenswinter" aktiv war.) (Ein langjähriger Aktivist aus der bundesdeutschen
Friedensbewegung sagte mal zu mir: Seit dem Jugoslawienkrieg 1999[wp] sei die deutsche
Friedensbewegung praktisch ausgeschaltet. Ein letztes Aufbäumen in Form von großen
Demonstrationen gab es noch einmal gegen die Invasion der USA im Irak 2003. Bis 2014 ist
dann aber nicht mehr viel passiert. Und das, obwohl es in den letzten Jahren immer mehr
Kriege auf dieser Erde gibt, die fast alle unter Beteiligung der NATO-Länder, insbesondere
der USA stattfinden.)
• U. Gellermann: Querfront verstorben: Otto-Brenner-Stiftung spendiert Beerdigung,
RationalGalerie am 10. September 2015 (Otto-Brenner-Stiftung[wp] der IG Metall[wp])