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Essay 1: Erklären sie die Unterscheidung zwischen schwachem und starkem Paternalismus

Hamdin, Sula,14703805

Hauptfach Philosophie (1.Semester Philosophie)

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Über die Alternative zur Heterogenität der Ziele

Gliederung

1. Paternalismus

2. Schwacher Paternalismus

3. Ausweitung des Arguments für den schwachen Paternalismus

4. Starker Paternalismus

5. Die Rolle des wahren Willens

6. Heterogenität der Ziele

7. Begründung anhand der Natur des Lebens

8. Die Menschliche Würde durch den freien Willen, als homogenes Ziel und Alternative
zum Heterogenitätsdilemma

Essayfrage:

Erklären sie die Unterscheidung zwischen schwachem und starkem Paternalismus

1. Paternalismus

Wie rechtfertige ich moralisch die Bevormundung eines Kindes? Es würde wohl kaum jemand
darauf kommen, Erziehungsberechtigten davon abzuraten die Vormundschaft ihres Kindes zu
übernehmen, es sei denn sie wären aus kognitiv-mentalen Gründen nicht in der Lage dazu, eine
solch große Herausforderung wie die Erziehung und die Entscheidungsvielfalt, die einer
elterlichen Erziehungsberechtigten aufkommt zu übernehmen.

Es reicht wohl kaum davon auszugehen, dass jede gesellschaftliche Norm, sich auch aus guten
Gründen als solche bezeichnen kann, doch suchen wir nach einer moralischen Rechtfertigung für
diese allgemein akzeptierte Konvention, stoßen wir auf ethisch problematische Zusammenhänge.
Die verschiedenen Argumentationsweisen durchzugehen und in ihnen eine Lösung für das soeben
genannte Problem zu finden, sowie dadurch den Begriff des Paternalismus zu definieren und die
verschiedenen Ausprägungen und ihre Unterschiede zu erklären ist das Ziel dieses Essays.

Paternalismus (von lat. pater = „Vater“) steht für den Eingriff in die Handlungs- und
Entscheidungsfreiheit einer Person, die durch "gute Motive", wie Steigerung des Glücks und
anderer "guter Ziele und Werte" legitimiert wird.

Dieser an die Vater-Kind Beziehung anspielende Begriff beinhaltet jedoch wesentlich mehr, als
die Erziehung und Entscheidungsfunktion die von einem Vater innerhalb einer Familie ausgeht.
Vielmehr lässt sich der Begriff im Allgemeinen auf alle Bevormundungen mit einer "intrinsisch
guten Motivation" anwenden, die den Willen der damit beholfenen Person einschränken.

Wagen wir uns nun also an den Versuch eine ethisch vertretbare Legitimationsbegründung für
den Paternalismusbegriff ausfindig zu machen. Nehmen wir das noch junge, daher irrational
denkende Kind als Beispiel um eine solche Begründung plausibel zu illustrieren. Da das Kind im
Allgemeinen nicht in der Lage ist zu wissen, was für ihn gut oder schlecht ist, ihm ferner noch
die Bewertungsgrundlagen zu einer solchen Beurteilung fehlen, wird es der elterlichen
Erziehung überlassen, solche Werte zu definieren und die zur Erreichung derer notwendigen
Normen zu formulieren, wie auch das Kind dazu zu veranlassen diese einzuhalten und zu
verfolgen.

2. Schwacher Paternalismus

Diese Grundidee ist in der Annahme fundiert, das Kind als zukünftiges menschliches Wesen habe
noch keinen rationalen, ausgeprägten und dadurch entscheidungsfähigen Willen. Weiter wird
davon ausgegangen, dass eine solche Fähigkeit Grundlage für die Entscheidungstreffung ist, da
ohne eine solche der wahre Wille des Menschen nicht verfolgt werden kann. Ergo, ist es
unerlässlich, dass eine andere Person, sei es der Staat oder die elterliche Instanz eine
Entscheidung für das zumindest noch nicht entscheidungsfähige Kind trifft.

Der Schwache Paternalismus rechtfertigt einen forcierten Eingriff, der den Willen einer Person
nur dann einschränkt, wenn dieser der wahren Auswirkungen seiner Handlungen (Ausübung
seines wahren Willens) nicht bewusst ist. Die Argumentation verläuft hier ganz nach dem Motto:
„Wenn du selbst mal erwachsen bist, weißt du zu schätzen, was ich heute für dich getan habe!“
Wenn eine Person also dabei ist eine Entscheidung zu treffen, die ihn in ungeahnte Konsequenzen
führt, ist es durchaus legitim sie davon abzuhalten diese Entscheidung zu treffen, zumindest
insofern vor der Entscheidungstreffung keine Chance besteht die betroffene Person auf die
folgerichtigen Konsequenzen hinzuweisen. Besteht aber eine solche Gelegenheit, so ist es nach
Informationsvollzug und dem darauf folgenden Verständnis der handelnden Person nicht legitim
diese Person weiterhin daran zu hindern ihr Vorhaben auszuführen, sofern es die Vollstreckung
der Handlung, selbst nach Erkenntnis der damit einhergehenden Folgen weiterhin beabsichtigt.
Die Begründung einer weiteren Einschränkung des informierten Willens wird hier argumentiert,
sei nicht mehr legitim, da die Argumentation sich nur auf den uninformierten bzw. irrationalen
Willen des handelnden ausstreckt.

3. Ausweitung des Arguments für den schwachen Paternalismus

Da der Paternalismus gerechtfertigt wird, indem man annimmt, dass das Fehlen von rationalem
Denken und der dadurch ebenso fehlenden Entscheidungsgrundlage erfolgt, ist der Gedanke nicht
fern, dass sich diese Argumentationsstruktur auch weiter ausführen lässt.

Wenn also bei Kindern eine solche Argumentation ausreichend ist, um eine Bevormundung zu
erlauben, so ist es auch möglich durch die selbe Argumentation eine Einschränkung der
Entscheidungs- und Handlungsfreiheit Erwachsener, nicht zu rationalem Denken fähiger
Personen zu begründen. Hierbei wäre die Position eines Erwachsenen, der irrationale
Bewertungen kontrahierender Ziele vollzieht vergleichbar mit der Situation des Kindes, welches
nicht ihren "wahren Willen" äußern kann, da es nicht in der Lage dazu ist ihn zu erkennen.
Nehmen wir hierfür beispielsweise den bereits erwachsenen Fahrradfahrer, der sich zwar der
Gefahr bewusst ist, die ihm begegnet, falls er sich ohne Helm auf die Straße wagt, doch auf
Grund irrationaler Bewertung der Unbequemlichkeit, die es für ihn bedeutet jeden Morgen einen
Helm aufzuziehen, dazu entscheidet das Risiko des Verkehrsunfalls zu vernachlässigen und daher
keinen Helm aufzuziehen. Sollte nun der Staat dazu in der Lage sein diese Irrationalität des
Fahrradfahrers zu verhindern, indem er für eine Helmpflicht sorgt, oder liegt es an jeder Person,
sich selbst um seine eigene Einschätzung solcher Gefahren zu sorgen? Nicht weil es die beste
Entscheidung ist, wie Mill sagen würde, sondern weil es die Entscheidung des Fahrradfahrers
selbst ist. Sollte also das Rationalitätsargument und damit der "wahre Wille" kein ausreichender
Faktor für die Freiheitseinschränkung sein? Oder ist eine sofern als irrational abzustempelnde
Handlung immer durch den Staat, auf Grund der damit einhergehenden Befolgung des "wahren
Willens" immer zu unterstützen? Jetzt kommt zusätzlich die Frage auf, was denn eigentlich diese
Fähigkeit zu rationalem Denken, also auch rationalem Entscheiden und untrennbar davon auch
die Frage, was denn eine rational richtige Entscheidung ist. Zu der Behandlung dieser Fragen
kommen wir später im Verlauf des Essays, wenn es um die Heterogenität der Ziele und Kants
Ansicht zum freien Willen geht.

4. Starker Paternalismus

Nehmen wir also an, eine jede Person, sollte in jedem Fall vom Staat dazu veranlasst werden,
dem richtigen Weg (per Definition: rationale Entscheidung) zu folgen und geschieht dies auch,
wenn die betroffene Person sich dazu entschieden haben sollte, eine alternative Handlung zu
vollziehen, die nicht mit diesem rationalen Gedanken vereinbar ist, so reden wir von der
Ausübung einer starken paternalistischen Handlungsweise.

Um einen starken Paternalismus zu vertreten muss man jedoch den großen Einfluss des Staates
als Wertvorgabeinstitut akzeptieren. Denn wenn eine Handlung vom Staat, gegen den Willen der
betroffenen Person geschieht, so ist damit notwendiger Weise die Übertragung der vom Staat als
"richtig" befundenen Werte verbunden. Eine solche Rolle zu akzeptieren setzt also voraus, die
Auffassung dieser Werte zu teilen. Womit wir bei der Frage sind, welche Werte es denn eigentlich
sind, die wir teilen sollten, was also den "wahren Willen" ausmacht, den es zu finden gilt und
ohne den eine Auflösung der Wertefrage nicht möglich erscheint.

5. Die Rolle des wahren Willens

Es bleibt jetzt also zu evaluieren, worin der wahre Wille bestehen kann, nach dem wir alle unsere
Wertvorstellungen orientieren. Hierbei ist längst nicht geklärt, ob ein solcher Wille universell sein
muss, obwohl diese Universalität eine Voraussetzung für den Gebrauch der
Wertehomogenisierung als Resultat der staatlichen Kontrolle mit dem Mittel des starken
Paternalismus zu sein scheint. Denn verhält es sich mit dem wahren Willen so, dass jeder seinen
eigenen Willen hat, kann es nicht Aufgabe des Staates sein, das Individuum dazu anzuregen,
diese Werte zu verinnerlichen, schließlich würde dieser eigene Wille per Definition von jedem
höchst persönlich ausgehen müssen, sofern er nicht für alle gleich ist. Oder doch zumindest
Produkt einer kulturellen Werteerziehung sein, die eine solche Erziehung nur den Eltern möglich
macht. Doch so scheint diese Möglichkeit schon allein deshalb ausgeschlossen zu sein, da jeder
Erwachsene am Ende seines persönlichen Reifeprozesses immer noch selbst dazu fähig sein
müsste, über seine Werte zu entscheiden und wenn er doch andere Werte annehmen will, als
diese, die seine Eltern ihm versuchten zu vermitteln, so wurde ihnen fälschlicherweise die
Werteerziehung zur Aufgabe gemacht. Wie ist es also möglich zu entscheiden, wer diese Werte
repräsentativ für das Kind auswählt, welches scheinbar nicht selbst dazu in der Lage ist, seine
eigenen Werte zu finden. Deutet all das auf die einzig moralisch rechtzufertigende
Erziehungsweise eines Kleinkindes, mit Hilfe vollkommener Liberalität, was die Wertevielfalt
angeht? Doch wie ist dann die Einschränkung des Schutzes eines Kleinkindes zu verstehen? Man
kann ja nicht wissen, ob ein Kind (oder besser sein entsprechendes, erwachsenes und
vollkommen rational denkendes Ich) eigentlich zum Ziel hat zu überleben. Hierbei wäre es
wiederum möglich, mit der Offenhaltung der Möglichkeiten zu argumentieren, die zumindest den
Schutz des Kindes gewährleisten, jedoch trotzdem nicht wirklich eine Erziehung des Kindes nach
scheinbar heterogenen Wertmaßstäben ermöglichen.

6. Heterogenität der Ziele

Wir scheinen in einem Kreislauf gefangen, der uns immer wieder zu der Erkenntnis führt, dass
jedes Ziel heterogen zu sein scheint. Egal wie wir es biegen und brechen, so kommen wir immer
wieder auf das Resultat, dass diese heterogenen Ziele also keine moralische Legitimation für
jedweilige Erziehungsgrundlage liefern können und somit erst Recht keine für die Handhabung
der Paternalismusfrage. Ist also Paternalismus nicht moralisch zu rechtfertigen, kann man eine
Einschränkung der persönlichen Wertvorstellung nicht erlauben und der Staat muss sich aus allen
persönlichen Entscheidungen, sofern sie keine Dritten betreffen heraushalten. Daraus folgt, dass
die Kinder notwendigerweise arbiträr von ihren Eltern erzogen werden. Ganz nach dem Schema:
„Mein Haus. Mein Kind. Meine Regeln.“ Erwachsene wiederum sind in der Lage, über die
vermittelten Werte zu reflektieren und selbst zu entscheiden, ob sie die bisher vermittelten
beibehalten wollen oder sich ihrer eigen gewählten Werte annehmen wollen. Da diese Lösung
recht unbefriedigend scheint, machen wir uns auf die Suche nach einer Lösung, die eine
moralische Legitimation beinhaltet.

7. Begründung anhand der Natur des Lebens

Schließen wir den aussichtslosen Versuch ab, ohne eine einheitliche Definition von einem
universellen Ziel, eine moralische Regelung der Wertevermittlung zu finden. Denn es ist uns nach
Durchgehen aller Optionen allmählich klar, dass beides, die "zwangsweise" Werteerziehung der
Eltern, sowie die des Staates, in gleicher Weise völlig unbegründbar die eigentlichen "wahren
Werte" des potenziell rational denkenden Nachkömmlings im Erwachsenenalter nur
manipulieren und nicht fördern noch weniger repräsentieren können.

Übrig bleibt der erneute Versuch, ein oder mehrere homogene Ziele festzumachen, nach denen
wir uns, als gesamte Menschheit, orientieren. Hierbei könnte uns vielleicht die Argumentation
anhand des Lebens und damit aller Lebewesen behilflich sein.

Da der Mensch ein Lebewesen ist und alle Lebewesen das einheitliche Ziel teilen zu überleben,
wird argumentiert, müssen auch wir uns alle Maßnahmen, Modelle und Normen zum Ziel setzen,
die das Überleben erleichtern. Als Schluss folgt: Alle mit diesem übergeordneten Ziel des Lebens
inkonsistenten Ziele müssten also vermieden werden und als Schritt in Richtung: Verfehlung des
Ziels, angesehen werden. So folgt daraus, dass man die Aufgabe der Vermeidung einer potenziell
inkonsistenten Handlung sowie der Förderung, aller für dieses Ziel förderlichen Handlungen, im
Sinne eines starken Paternalismus, als Staatsaufgabe betrachtet.

8. Die Menschliche Würde durch den freien Wille, als homogenes Ziel und Alternative zur
Heterogenität der Ziele

Nun bleibt diese Begründung anhand der Natur des Lebens, im Allgemeinen nicht die einzige
Weise durch die man eine solche Homogenität der Ziele feststellen kann. Spitzt man die
Argumentation auf die Menge der Menschen zu und betrachtet den Unterschied zwischen allen
anderen Lebewesen und der, der Spezies Mensch angehörigen, so kann man auf die Lehre der
Würde, durch den freien Willen kommen, wie es einst Kant tat. Seine Argumentation, um sie kurz
zusammenzufassen, doch hierbei soll es belassen werden, da dies nicht das Hauptthema des
Essays ist, läuft nach folgendem Schema.
Der Unterschied zwischen dem Menschen und dem Tier ist der, dass Tiere nicht die Fähigkeit
haben ihre Entscheidungen und Ziele selbst zu bestimmen. Sie werden der natürlichen
Zirkulation, bestehend aus Geburt, Leben, Fortpflanzung und schließlich Tod eingeworfen und
erfüllen nur den Zweck des Überlebens, bis sie ohne weiteres, diese Zirkulation wieder verlassen.
Der Mensch jedoch kann durch Vernunft Entscheidungen treffen und ist damit nicht nur
Maschinerie dieser Zirkulation, sondern frei im Sinne von Entscheidungen treffend. Mit Hilfe der
"Ratio" kann der Mensch im Idealfall "richtige" Entscheidungen treffen, die sich von den
"Falschen" in der Hinsicht unterscheiden, dass sie nicht konträr zur Natur des Menschen sind.
Drei Prinzipien sind mit der Natur des Menschen verbunden. Namentlich:

1. Das Prinzip der Universalität

2. Das Prinzip des Menschen als Zweck an sich

3. Die Gesetzgebung durch jeden Menschen von jedem Menschen ausgehend

Alle Prinzipien treffen sich in dem Nenner, dass sie rational sind, also mit dem wahren,
homogenen Ziel in Einklang stehen. Wenn also eine Handlung und demzufolge auch ein
Ziel/Wert diesen drei Prinzipien nicht widerspricht, dann ist sie mit ihnen konform und dadurch
in sich "gut" und diesem Ziel kann damit Würde zugesprochen werden. Diese einfache
Illustration genügt, um die Beanspruchung des durchweg guten Ziels aufzuzeigen und die
enormen Ansprüche auf die einzig wahren Gesetze nach denen sich alle Menschen im Idealfall zu
orientieren haben zu markieren.

Um also nun abschließend eine Verbindung zwischen Kants Moralphilosophie und der Regelung
des Paternalismus zu erreichen, konkludiere ich, dass der Staat mit Hilfe eines solchen idealen
Wertekonstrukts, sofern es den Prinzipien, allen voran dem der Universalität entspricht, einen
gerechtfertigten Eingriff in das alltägliche Leben bedeutet. Niemand wäre in der Lage einem
solchen staatlichen Eingriff zu widersprechen, da er damit nur seinem eigenen "wahren Willen"
widersprechen würde. Kant schafft es damit eine Antwort auf diese, wie so viele andere Fragen
zu finden und wenn Sie, diese Ansicht noch nicht teilen, dann liegt es vielleicht daran, dass Sie
selbst noch nicht zu Ihrem wahren Willen gefunden haben.