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Gernot L.

Geise
Und wieder jährt sich die „1. Mondlandung“
Der Juli ist „traditionsgemäß“ der Wenn Sibrel die anderen APOLLO- Thesen der APOLLO-Mondflug-Vertei-
Monat, an dem in jedem Jahr aufs Neue Astronauten ebenso unflätig angefahren diger anwendet, wonach sich Raketenab-
mit Fernsehsendungen der „1. bemann- hat, ist es kein Wunder, wenn keiner von gase unmittelbar nach dem Austritt aus
ten Mondlandung“ gedacht wird. Auch ihnen bereit war, für Sibrel auf die Bibel der Düse im Vakuum „verflüchtigen“,
heute noch sind die meisten Menschen zu schwören. Bezeichnenderweise hat er weshalb auch der Staub bei den Landun-
davon überzeugt, dass dieses Ereignis tat- diese Astronautenszenen auch nicht in gen nicht weggeblasen wurde.
sächlich stattfand, obwohl die Zahl der seinen o.g. Film übernommen. Wir sehen daran, dass Aldrin ganz
„Ungläubigen“ kontinuierlich zunimmt. offensichtlich etwas beschreibt, das nur
Nicht zuletzt habe auch ich meinen Teil Aldrin und die fliegenden Steine in seiner Phantasie existiert. Sicherlich
dazu beigetragen, indem ich zwei Bü- In der Populärwissenschaftssendung wurde er seinerzeit von NASA-Experten
cher (1) sowie Artikel in verschiedenen „Galileo“ von Pro7 ging man im April instruiert, wie er sich zu gewissen Fragen
Zeitschriften zu diesem Thema veröf- der Frage nach, ob die US-Flaggen heute zu verhalten hat, um sich nicht zu verra-
fentlichte, die weite Beachtung fanden. immer noch so auf dem Mond stehen ten. Demgemäß hat er in den 35 Jahren
Aufgrund dessen wurde im Jahr 2002 würden, wie sie die Astronauten dort seit APOLLO 11 keine Mühe gescheut,
von dem Fernsehteam Willy Brunner hinterlassen hätten. Interessant war an sich rund um die Welt feiern zu lassen,
und Gerhard Wisnewski für den WDR der ganzen 15-minütigen Sendung das nachdem sich Armstrong unmittelbar
mit mir der Dokumentarfilm „Die Akte Interview mit dem „2. Mann auf dem nach seiner Mission für jeden uner-
Apollo“ gedreht, der bisher mindestens Mond“, Edwin Aldrin, dem man diese reichbar zurückgezogen hatte. Aldrin
zwanzigmal von den verschiedensten Frage zur Beantwortung stellte. Und hat jedoch im Prinzip überall dasselbe
Fernsehanstalten ausgestrahlt wurde, was antwortete er auf die Frage, ob die erzählt und ist den wenigen kritischen
und es ist kein Ende abzusehen. Ich ken- Flagge beim Rückstart etwa umgeblasen Fragen immer geschickt ausgewichen.
ne keinen Dokumentarfilm, der so oft worden ist: Bis er sich jetzt verplappert hat.
wie dieser ausgestrahlt wurde. „Es gab einen heftigen Windstoß. Stei- Ich bleibe dabei: Weder Aldrin noch
Hat sich eigentlich seither etwas ne flogen in alle Richtungen. Neil wollte ein anderer Astronaut waren jemals auf
Neues ergeben? nicht sagen, dass er gesehen hat, wie es dem Mond!
die Fahne umgelegt hat, als wir abhoben.
Bart Sibrel Er dachte, dass er damit den besonderen
Bush und sein
Wir erinnern uns, dass der ameri- Augenblick kaputt macht. Denn durch das
Raumfahrtprogramm
kanische Journalist Bart Sibrel im Jahr Abheben haute es die Fahne um, das wirkte US-Präsident George Bush gab be-
2002 im Zuge seiner Recherchen für wirklich ziemlich tollpatschig.“ (Deutsche züglich einer „Rückkehr zum Mond“ im
seinen Film „A Funny Thing Happe- Übersetzung durch „Galileo“) Januar 2004 folgende Erklärungen ab:
ned On The Way To The Moon“ auch Betrachten wir einmal seine Aussa- „Perhaps in the lunar soil we‘ll find
den APOLLO 11-Astronauten Edwin gen: Die Wahl des Begriffes „Windstoß“ resources we can make into fuel.“ („Weil
„Buzz“ Aldrin interviewte und von ihm lässt aufhorchen. Wo soll ein Windstoß wir im Mondboden Ressourcen gefun-
verlangte, dass er auf die Bibel schwören auf dem atmosphärelosen Mond her- den haben, aus denen man Treibstoff
solle, dass er wirklich auf dem Mond war. kommen? Als technisch ausgebildeter herstellen kann“) - Wenn bereits sechs
Das hat Aldrin dann nicht getan, dafür Astronaut hätte Aldrin von einem Ab- Flüge zum Mond stattgefunden haben,
verpasste er Sibrel einen Kinnhaken, dass gasstrahl o.ä. reden müssen, sofern er dürften im Mondboden allerdings keine
dieser zu Boden ging. Dieser Vorgang den Raketenantrieb gemeint hat. großen Überraschungen mehr stecken.
ging seinerzeit durch alle Medien. Aber daraus Treibstoffe machen zu wol-
Warum erfindet Aldrin das Märchen len, ist neu.
Sibrels Film ist inzwischen als Kauf- von herumfliegenden Steinen? Da muss
cassette auf dem Markt, aber wer nun „We‘ll have to learn how to protect the
ihm wohl die Phantasie durchgegangen astronauts from radiation beyond earth
bahnbrechende Neuigkeiten erwartet, sein, denn nicht einmal bei der Landung
wird enttäuscht. Sibrel wärmt die ganzen orbit.“ („Wir müssen lernen, wie wir die
flogen Steine. Die Retrokapseln (also Astronauten jenseits der Erdumlaufbahn
alten, zum Teil unhaltbaren Vorwürfe das abgetrennte Oberteil der Mondlan-
gegen das Mondprogramm wieder auf, vor radioaktiver Strahlung schützen kön-
defähre) starteten ja nicht etwa von der nen“) - Ich denke, das wäre vor 35 Jahren
ohne Neues zu bieten. Ganz im Gegen- Mondoberfläche aus zurück, sondern
teil sind die von ihm verwendeten Bild- bei APOLLO bereits gemacht worden?
von dem dort verbliebenen Unterteil, „The moon is a logical FIRST step to
und Filmmaterialien von ausgesprochen das eine ebene Startplattform darstellte
„bescheidener“ Qualität. Wozu dann das Mars and beyond.“ („Der Mond ist ein
und sich (aufgrund von Vergleichen logischer ERSTER Schritt zum Mars
seinerzeitige Medienspektakel? mit Fotos) rund zweieinhalb Meter
Sibrel hat seine Erfahrungen mit und darüber hinaus“) - War denn nicht
über dem Boden befand. Abgase von APOLLO 11 schon der „erste Schritt“?
den APOLLO-Astronauten jedoch zu
einem Filmclip zusammengeschnitten, Raketenmotoren konnten also gar nicht Wie viele „erste Schritte“ benötigt man?
den er auf seiner Internetseite (2) plat- die Mondoberfläche erreichen, um dort Oder weiß Bush etwa, dass die APOL-
ziert hat („Astronauts Gone Wild“). Steine aufzuwirbeln! LO-Mondmissionen nur auf der Erde
Auf diesem Filmclip ist u.a. auch der Demgemäß konnten die Raketenab- stattgefunden haben?
berühmte Kinnhaken Aldrins zu sehen. gase auch gar nicht die Flagge umwerfen,
Es ist allerdings auch zu hören, wie Sibrel denn sie stand ja einige Meter von der Anmerkungen
vorher Aldrin als Lügner und Betrüger Fähre entfernt. Selbst wenn die gesamte (1) „Die dunkle Seite von APOLLO“, Peiting
beschimpft. Und demgemäß ist die Fähre einschließlich Unterteil wieder 2002; „Die Schatten von APOLLO“, Peiting
Reaktion Aldrins auf die Beleidigungen zurück gestartet wäre, hätte der Flagge 2003.
nichts passieren können, sofern man die (2) http://www.sibrel.com
sogar verständlich. 
4 EFODON-SYNESIS Nr. 4/2004