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Gernot L.

Geise & Reinhard Prahl


Atlantis und Mu
Die Umstände der Entstehung von stellen. So handhabt er es auch mit den
Timaios und Kritias, der Werke, in wel- Sagen von Atlantis und Mu.
che die Geschichte von Atlantis einge- Wir möchten an dieser Stelle weder
bettet ist, sind keinesfalls völlig sicher. alle Platon-Dialoge noch den Mu-My-
Es gilt als gesichert, dass sich Platon thos ausführlich wiedergeben. Zum
zwischen -390 und -388 nach dem allgemeinen Verständnis reicht hier so
traumatischen Erlebnis des Todes seines viel: Atlantis war ein riesiger Kontinent
Lehrers Sokrates auf Reisen begab, wobei „vor den Säulen des Herakles“ gelegen
er auch Ägypten besuchte [Hirschberger [alle Platon- Zitate entnommen aus: Freska: Das
S. 73]. Wahrscheinlich hat er dort von verlorene Atlantis, 1999]. Die Insel gehörte
Atlantis gehört. dem Gott Poseidon, der dort zehn Kö-
Andere wiederum glauben der nige einsetzte (fünf Zwillingsbrüder),
Schrift, nach der Solon (-640 bis -561) die je über einen Teil des Kontinents
die Legende in Sais von einem ägypti- herrschten. Die Insel selbst war so groß
schen Priester erfahren habe. Es scheint wie „Libyen und Asien zusammen“ und
aber wahrscheinlicher zu sein, dass Pla- man konnte sie „mit dem vollsten Rechte
ton aus erster Hand berichtete, also ein Festland“ nennen. Die Landmasse
einen Mythos wiedergab, den er selbst war reich an Bodenschätzen, Flora und
in Ägypten gehört hatte. Leider schrieb Fauna, u.a. werden Elefanten und Pferde
Platon die Sage wahrscheinlich erst etwa beschrieben. Das Klima war feucht und
zwanzig Jahre nach seinem Ägyptenbe- warm, im Großen und Ganzen könnte
such (um -367) auf. Deshalb darf man man sagen, subtropisch. Die Hauptstadt
wohl Platon nicht mit jeder Aussage lag an zwei Quellen, einer warmen und
Zwei Beispiele, wo man Atlantis schon vergeblich
wörtlich nehmen. Versuchen Sie selbst vermutet hat.
einer kalten.
einmal, sich möglichst wortgenau an Die Bewohner lebten im Überfluss
eine Gegebenheit zu erinnern, die zwan- und nahmen u.a. regen Einfluss auf die
zig Jahre zurück liegt! Däniken zuteil wurde, „Vater der Präas- Länder der Alten Welt, wobei Platon
Es kommt indes eigentlich auch tronautik“, gebührt eigentlich eher ihm, vor allem die im Atlantik gelegenen In-
nicht darauf an, ob wir Platon wörtlich denn er schrieb sein erstes Buch bereits seln, Libyen, Ägypten und „Europa aber
nehmen dürfen oder ob James Church- drei Jahre vor Dänikens „Erinnerungen bis Tyrrhenien“ nennt [nach Chauroux in
ward sich die Legende von Lemuria/Mu an die Zukunft“. Seine Werke haben Italien gelegen, vgl. Unbekannt, geheimnisvoll,
nur ausgedacht hat. Tatsache ist: Sowohl gegenüber von Däniken aber noch einen phantastisch, S. 118 ff.]. Das Reich war in
in Europa wie auch in Asien und in entschiedenen Vorteil: Die Quellenaus- zehn Königtümer aufgeteilt, und deren
Mittel- und Südamerika „geistern“ seit wahl und sein Umgang damit. Kolosi- Herrscher trafen sich alle fünf oder
Jahrtausenden Legenden und Mythen mos sorgfältige Arbeit führte dazu, dass sechs Jahre „zu einer Art Weltgipfelkonfe-
von untergegangenen Kontinenten er für sein Buch „Sie kamen von einem renz“, wie Jens-Peter Behrend und Eike
oder versunkenen Städten durch die Ge- anderen Stern“ Ende der sechziger Jahre Schmitz in ihrem Terra X-Bericht „Wo
schichte. Die meisten von ihnen zeigen die höchste Auszeichnung des italieni- lag Atlantis?“ schreiben. Atlantis war ein
so viele Übereinstimmungen, dass ihnen schen Buchhandels bekam. Selbst ein so
allem Anschein nach ein wahrer Kern renommiertes Blatt wie „Bild der Wis-
zugrunde liegt. senschaft“ schrieb über dieses Werk:
Wir wählen hier Atlantis und Mu als „Dieses Buch ist phantastischer als ein
bekannteste Vertreter dieser Kategorie, utopischer Roman, obwohl es keinerlei
um unsere Vorstellungen darüber dar- Konzessionen an die Utopie macht.
zulegen, ob es diese „Mutter aller Hoch- Und damit wird das Buch für jeden
kulturen“ gab, und wenn ja, wo. lesbar; für die Anhänger der utopischen
Ein „Aha-Effekt“ Ideen und ebenso für die Verfechter
Eines Abends, bei der Lektüre ei- strenger Archäologie“.
nes Buches von Peter Kolosimo. Dieser Solch uneingeschränktes Lob ha-
italienische Wissenschaftsjournalist, ben deutschsprachige Autoren niemals
selbst Akademiker, stellte in den Sech- bekommen, und wer Kolosimo kennt,
zigerjahren des zwanzigsten Jahrhun- wird bestätigen: Kein Wort ist über-
derts Italien mit seinen Theorien von trieben.
frühgeschichtlichen Raumfahrern und Wie dem auch sei. Der Wissen-
untergegangen Kontinenten auf den schaftsjournalist hatte die Eigenart, oft Hat sich Platon ausgerechnet in Bezug auf Atlantis
Kopf. Das Attribut, welches Erich von ähnliche Denkansätze nebeneinander zu geirrt?

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Atlantis und Mu
Rassen dort gelebt haben; zehn Stämme tis. Einen guten Überblick über diese
gab es in Mu, denen zehn Häuptlinge Vielfalt bietet der oben erwähnte Terra
vorstanden, doch sie alle unterstanden X-Bericht „Wo lag Atlantis?“, dort wer-
noch einem, nennen wir ihn der Ein- den u.a. Thera, Troja, Helgoland, Kuba,
fachheit halber „Kaiser“. Ferner gab es Spanien, Frankreich, Griechenland, die
sieben Städte. Der Untergang von Mu Biminiinsel, Ägypten und die Sahara
wird auf in Lhasa beschriebenen Tafeln erwähnt. Die älteste Lokalisierung fin-
folgendermaßen geschildert: det sich möglicherweise auf den Azoren.
Doch hier lag niemals ein Kontinent,
„Als der Stern Bal dort auf die Erde fiel,
wie man heute durch Messungen sicher
wo heute nur noch Meer ist, erbebten
weiß. Einer der letzten „Ergüsse“ findet
die sieben Städte mit ihren goldenen
sich reißerisch in BILD: „Atlantis lag vor
Toren und ihren Tempeln, ein großes
Gibraltar“ [BILD, 08.06.04]. Mal wieder
Feuer loderte auf und die Straßen füll-
So stellte man sich die Insel Atlantis, im Atlantik ... Was BILD als Sensation verbreite-
liegend, vor. ten sich mit dichtem Rauch. Die Men-
te, ist absolut nicht neu, denn um die
schen zitterten vor Angst, und in den
spanische Stadt Cádiz hatte schon Uwe
mächtiges Reich, aber trotz dieser Macht Tempeln und vor dem Palast des Königs
Topper Atlantis vermutet [Topper, Das Erbe
wurden die Atlanter immer kriegslüster- versammelte sich eine große Menge.
der Giganten, 1977].
ner und arroganter, bis Atlantis schließ- Der König sagte: »Habe ich euch das
Viele grenzwissenschaftlich ambiti-
lich um -10.000 nach „einer schlimmen alles nicht vorausgesagt?« Die Män-
onierte Menschen hören es nicht gern,
Nacht und einem schlimmen Tag“, in der ner und Frauen, angetan mit ihren
doch in der Atlantisforschung entfernt
Erdbeben und Überflutungen über das kostbaren Gewändern und mit ihren
man sich immer weiter von der Suche
Land zogen, unterging. prächtigen Geschmeiden geschmückt,
nach einem wörtlich zu nehmenden un-
Mu oder Lemuria ist nach der be- baten ihn und flehten ihn an: »Rette
tergegangenen Kontinent, wie z.B. Peter
kanntesten Version etwa zweitausend uns, Ra-Mu!« Aber der König weissag-
Kolosimo [in: „Sie kamen von einem anderen
Jahre früher (um -12.000) untergegan- te ihnen, daß sie alle zugrunde gehen
Stern“] oder Andrew Collins, nach dessen
gen. Vor 50.000 Jahren habe sich, hier würden, samt ihren Sklaven und ihren
Ansicht zwar Teile von Kuba im Atlantik
immer nach Churchward, auf einem Kindern, und daß aus ihrer Asche ein
versunken seien, der sich aber bewusst
Kontinent, der eine Fläche von „der Os- neues Menschengeschlecht entstehen
darüber ist, dass es keinen Kontinent in
terinsel bis zu den Karolinen, von Hawaii würde.“ [Kolosimo: Woher wir kommen,
diesem Weltmeer gegeben haben kann.
im Norden bis zu den Cook-Inseln im Sü- S. 61]
Als weitere Autoren, die einen versun-
den“ bedeckte [Ceram, Der erste Amerikaner, kenen Kontinent im Atlantik ablehnen,
S. 227], eine Hochkultur entwickelt, die
„in vieler Hinsicht der unseren überlegen
Ein untergegangener soll hier noch Jörg Dendl genannt sein:
war“, wie C. W. Ceram Churchward Kontinent? „Untersuchungen der Sedimentablage-
zitiert [Ceram, S. 227]. Churchward be- Wenn Atlantis und Mu eines verbin- rungen, insbesondere in der Gegend um
schreibt Mu als Kontinent, auf dem det, dann ist es die Suche nach diesen die Azoren, ergaben, daß der Meeresbo-
ein subtropisches Klima herrschte, mit Superkontinenten. Nehmen wir zum den nie trockenes Land war. Es bleibt
großen Tieren, wie dem Mastodon und Beispiel Atlantis. Wo wurde dieses sa- nur der Schluß: Nach geologischen
anderen Elefantenarten. Es habe außer- genumwobene Land nicht schon überall Erkenntnissen gab es an der Stelle, die
dem weite Wälder und Wiesen gegeben. lokalisiert? Ganze Bibliotheken könnte Platon für die Lage von Atlantis angibt,
Es sollen 64 Millionen Menschen aller man füllen mit Büchern über Atlan- kein Land ...“ [Dendl, in: G.R.A.L. 4/95,
S. 250].
Obwohl der letzte Teil seiner Arbeit,
in dem er die Existenz einer frühen
Hochkultur de facto ablehnt, wahr-
scheinlich falsch ist, ist Dendl doch der
Ansicht, Atlantis könne nur vor den
Säulen des Herakles, also der Straße von
Gibraltar, lokalisiert werden. Das weist
der Autor in seiner Arbeit auch hinrei-
chend nach.
Für einen pazifischen Superkonti-
nent gilt das selbe wie für den Atlantik.
Auch hier beweisen geologische Unter-
suchungen, dass das Gebiet, welches
Churchward als Landmasse ausgibt,
niemals über der Erde lag.
Insofern können jene Theorien, die
auf der einen Seite die Azoren als Reste
Atlantis´, auf der anderen die Philippi-
nen und die Osterinsel als Bergspitzen
So stellt man sich Atlantis von der Seeseite aus vor. des Kontinentes Mu ansehen, von vorn-
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Atlantis und Mu
herein aus der Diskussion herausgenom-
men werden.
Dem stehen allerdings vielschichtige
Übereinstimmungen in Mythen gegen-
über: Hier besonders den Legenden von
Mu, Atlantis und den Sintflutmythen.
Diese Übereinstimmungen zwingen
uns nämlich erst einmal ganz allgemein,
von einer als Urkontinent angesehenen
Landmasse auszugehen, wann und wo
auch immer sie lag oder liegt.
Wenn sich so ähnliche Geschichten
quasi überall auf der Welt finden, liegt
es nahe, in ihnen einen wahren Kern
anzunehmen. Ein gutes Beispiel hierfür
bieten die Sintflutmythen, die es rund
über die Erde verteilt gibt und die uns
sicher zeigen, dass es um -10.000 welt-
weit schwere Überflutungen gegeben
haben muss. Das veranlasste selbst eine So soll der große Tempel von Atlantis ausgesehen haben.
wissenschaftliche Kapazität wie John
Gribbin in seinem zusammen mit seiner Der gemeinsame Kern tinente zugeschrieben. Beide Mächte
Frau Mary geschriebenen Buch „Kinder sollen die erste wirkliche Hochkultur
Nachdem wir also zahlreiche Über-
der Eiszeit“ zu folgender Feststellung: der Welt gewesen sein und über ein
einstimmungen in diesen Legenden
„Die eiszeitlichen Menschen waren nahezu unglaublich hohes technisches
festgestellt haben, möchten wir es nicht
und kulturelles Niveau verfügt haben.
aber auch Küstenbewohner, die mit versäumen, konkreter zu werden.
Schließlich gingen die „Großinseln“ in
Sicherheit an den Rändern von Mittel- Da gibt es als erstes Übereinstim-
einem furchtbaren Kataklysmus unter,
meer und Nordsee, aber auch entlang mungen in der Beschreibung von Flora
der - das soll nicht verschwiegen werden
der Großen Australischen Bucht und an und Fauna. Beiden Landmassen wird
- allerdings einmal um -10.000 und
anderen Meeresufern lebten. Manche subtropisches Klima nachgesagt, mit
einmal um -12.000 stattgefunden haben
Forscher vermuten, daß die Hauptzent- reichhaltiger Flora und Fauna, mit
soll. Die Überlebenden von Atlantis/Mu
ren dieser frühmenschlichen Besiedlun- Wäldern und Flüssen. Über die Flora
sollen „ein neues Menschengeschlecht
gen in Gebieten lagen, die heute voll- schreibt beispielsweise Platon:
gebildet“ haben, aus denen die uns heu-
ständig vom Meer überschwemmt sind. „Was ferner jetzt irgendwo die Erde an te bekannten Hochkulturen der Welt
Vermutlich war der primäre Effekt von Wohlgerüchen erzeugt, an Wurzeln, hervorgegangen seien, bzw. die bis dato
Klimawechseln und Überschwemmun- Gräsern, Holzarten und Blumen oder primitiven Völker der Welt kulturell
gen im Küstenbereich, daß die damali- Früchten entquellenden Säften, das und wissenschaftlich befruchtet haben.
ge Bevölkerungszahl drastisch reduziert erzeugte auch sie und ließ es wohl gedei- Spätestens an dieser Stelle sollte klar
wurde. Die katastrophalen Begleiter- hen, sowie desgleichen die durch Pflege geworden sein: es geht uns nicht darum,
scheinungen dieser Geschehnisse bilden gewonnenen Früchte; die Feldfrüchte, das versunkene Atlantis oder Mu wie-
daher den Ursprung jener Legenden die uns zur Nahrung dienen, und das, derzuentdecken. Aber unsere Meinung
von der großen Flut (Sintflut), die seit was wir außerdem - wir bezeichnen die ist folgende: in grauer Vorzeit existierte
Urzeiten überliefert werden. Zwischen Gattungen desselben mit dem Namen irgendwo auf der Welt eine weit fortge-
der Hülsenfrüchte - zu unserem Unter- schrittene Kultur, die aus irgendwelchen
15.000 und 10.000 v.Chr. stieg der Gründen unterging. Dieses Volk nahm
halt benutzen...“
Meeresspiegel weltweit um mindestens Einfluss auf große Teile der Welt. Sie
50 Meter und bis 5.000 v.Chr. hatte er Nicht viel anders beschreibt Church-
ward das pflanzliche Leben in Mu. lebten in Sagen und Mythen, aber auch
um weitere 40 Meter zugenommen.“ in kulturellen Ideen und Errungenschaf-
Auch die politischen Strukturen sind
[Gribbin & Gribbin, S. 162] ten fort, die sie anderen Völkern zum
sehr ähnlich, denn in Atlantis sollen wie Teil selektiv beibrachten. Im Laufe der
Es ist nahezu unglaublich! Das, was auch in Mu zehn Könige über Men-
Jahrzehnte lang von der Welt der Wis- Jahrtausende wurden die Ideen weiter-
schen aller Rassen geherrscht haben. entwickelt, blieben aber im Grundsatz
senschaft abgelehnt wurde, findet sich Wen wundert es, dass es in beiden Län-
in diesem Buch, als wäre es die selbstver- die selben. Diese Spuren sind manchmal
dern auch einen obersten König gab? leichter zu verfolgen, manchmal auch
ständlichste Sache von der Welt. Es gibt Nur die Namen unterscheiden sich. Die schwieriger, je nachdem, wie sehr sich
also doch eine Erklärung für die zahlrei- Tafeln von Lhasa nennen ihn Ra-Mu das grundlegende Wissen im Laufe
chen versunkenen Tempel und anderen und Platon Atlas. der Zeit veränderte. Sie können diese
Strukturen, die bei Malta, bei Japan und Politisch gesehen übten die Herr- Hochkultur nennen, wie Sie möchten,
wo auch immer rund um den Erdball scher beider Landmassen weltweit gro- Atlantis, Mu, Shamballa, Lyonesse oder
verteilt tief unter dem Meeresspiegel ßen politischen Einfluss aus, und beide wie auch immer, denn alle diese Sagen
liegen. Dennoch erklärt diese Tatsache sollen sehr reich gewesen sein. „Tore aus basieren offenbar auf ein- und derselben
keinen Atlantis- oder Mu-Mythos. Gold“ wird den Palästen beider Kon- Hochkultur.

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Atlantis und Mu
ke aufzuweisen hatte. Alexander der
Große vernichtete die Perser mit rund
38.000 Soldaten (sofern die Angaben
stimmen). Das mag einen Eindruck
von der tatsächlichen Stärke der Perser
vermitteln.
An diesem Beispiel ist ersichtlich,
dass wir ohne weiteres von einigen von
Platon hinzu erfundenen Passagen in
der Atlantissage ausgehen können und
müssen.
Überhaupt fällt auf, dass Platon den
Dialog zwischen Sokrates und Kritias
benutzt, um den Griechen ein uraltes
kulturelles Erbe zu verschaffen, welches
nach der heutigen Forschung nicht vor-
handen war. Wenn überhaupt, sprechen
eher die Forschungsergebnisse in Ägyp-
ten für ein sehr hohes Alter, nicht aber
Atlantis-Rekonstruktion: So soll Atlantis von der Seeseite her ausgesehen haben. in Griechenland. Diese Forschungs-
ergebnisse, z.B. durch den Geologen
Unüberwindbare werden - ein Stadtstaat, und selbst wenn Robert Schoch [vgl. etwa „Die Weltreisen der
Platon Athen ein wenig Landmasse Pyramidenbauer“] sind zwar - gelinde ge-
Unstimmigkeiten hinzu dichtete - was er ja auch tat -, ist sagt - umstritten, doch in sich stimmig
Damit haben wir eine solide gemein- es unmöglich, Athen einen siegreichen und von einem Fachmann ermittelt.
same Basis geschaffen. Viele Forscher Krieg gegen einen ganzen Kontinent Platon schreibt aber - und dies stammt,
pochen jedoch darauf, Platons Sage in zuzutrauen. Das Potenzial an Soldaten wie man leicht bei Herodot überprüfen
allen Belangen als wahr anzuerkennen. muss einfach unzureichend gewesen kann, gewiss nicht aus dem Mund eines
Jedoch dürfen wir die Annahme äußern, sein. Man mag nun argumentieren: ägyptischen Priesters -, Griechenland
dass dies nicht stimmen könnte. Zum Warum nicht, schließlich haben die sei zweitausend Jahre älter als Ägypten.
einen kann wohl kaum sein, dass die Athener ja auch das persische Großreich Hinzu kommt noch die angebliche Aus-
Atlanter mit den Griechen, vornehmlich zurückgeschlagen. Doch ist diese mili- sage des ägyptischen Priesters gegenüber
den Athenern kurz vor dem Untergang tärische Glanztat nicht mit einer Armee Solon, die Athener seien zu jener Zeit
des Kontinents Krieg geführt hätten. gleichzusetzen, die bei 64 Millionen das mächtigste Volk der Erde gewesen:
Athen war - das darf nicht vergessen Einwohnern gewiss eine Millionenstär-
„Denn einst, o Solon vor der größten
Verheerung durch Überschwemmung,
war der Staat, der jetzt der athenische
heißt, der tapferste im Kriege und vor
allen durch eine gute gesetzliche Verfas-
sung ausgezeichnet, er soll unter allen
unter der Sonne, von denen die Kunde
zu uns gelangte, die schönsten Taten
vollbracht, die schönsten Staatseinrich-
tungen getroffen haben.“
Wer die ägyptische Geschichte und
vor allem die meist sakral angehauchten
Texte ein wenig kennt, kann nur zu
einem Schluss kommen: diese Worte
können nicht von einem ägyptischen
Priester stammen, sondern nur von ei-
nem nationalbewussten Griechen.
Weiterhin behauptet der Mythos,
Atlantis sei im Atlantik versunken:
„Indem aber in späterer Zeit gewalti-
ge Erdbeben und Überschwemmun-
gen eintraten, versank, indem nur
ein schlimmer Tag und eine schlimme
Nacht hereinbrach, eure Heeresmacht
insgesamt und mit einem Male unter
die Erde, und in gleicher Weise wurde
auch die Insel Atlantis durch Versinken
Atlantis-Rekonstruktion in das Meer den Augen entzogen.“
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Atlantis und Mu
Mehr noch:
„Dadurch ist auch das dortige Meer
unbefahrbar und undurchforschbar
geworden, weil der in geringer Tiefe
befindliche Schlamm, den die unter-
gehende Insel zurückließ, hinderlich
wurde.“
Über die Theorie des versunken
Kontinents wurde oben das Wichtigste
gesagt. Ein handelsüblicher Weltatlas
mit einer Karte des gesamten Meeresbo-
dens zeigt uns weiterhin, dass zwischen
Afrika und Amerika keine derartigen
Untiefen wie von Platon beschrieben
im Atlantik existieren, es sei denn, wir
wollten postulieren, der Meeresspiegel
sei in den letzten zweitausend Jahren
über mehrere tausend Meter angestie-
gen! Die durchschnittliche Meerestiefe
des Atlantiks übersteigt nämlich die
4000 Meter bei weitem. Andererseits
ist ein Meeresanstieg von bis zu neunzig
Metern in der Zeit zwischen -10.000
und -5.000 ziemlich sicher erwiesen [vgl.
Gribbin und Gribbin, S. 162]. Atlantis: In einer schlimmen Nacht durch Vulkanausbruch oder den Einschlag eines Himmelskörpers
Geben wir für die von der Fach- untergegangen?
welt bisher geflissentlich übersehenen
- Beeinflußt das Klima die Evolution des
Kataklysmen noch mehrere hundert Menschen?, Frankfurt/Main 1994 Im Frühjahr 2005 erscheint:
Meter hinzu, erreichen wir immer noch Hirschberger, Johannes: Geschichte der Philoso- Gernot L. Geise
keine Tiefe von über 4.000 Metern, phie, 2 Bde, o. J. & Reinhard Prahl
und dies ist, wie gesagt, nur eine Durch- Kolosimo, Peter: Woher wir kommen, Wiesba-
Auf der Suche nach der
schnittstiefe. Die größten Tiefen im den 1972
Atlantik betragen über elf Kilometer! Kolosimo, Peter: Sie kamen von einem anderen Mutterkultur
Stern, Wiesbaden 1969 ca. 235 Seiten, div. Abb.
Wenn es keine großen Landmassen
Kolosimo, Peter: Unbekanntes Universum, Michaels Verlag, Peiting
im Pazifik und im Atlantik gegeben hat, München 1991
können diese natürlich auch nicht im Schoch, Dr. Robert M. & Mc. Nally, Robert A.:
Meer versunken sein. Dennoch berich- Die Weltreisen der Pyramidenbauer. Spuren
ten alle Geschichten darüber. Was ist der einer versunken Hochkultur, Frakfurt/Main,
Grund? Könnte es vielleicht sein, dass 2002
alle Mythen sich zwar auf einen wahren Topper, Uwe: Das Erbe der Giganten, Olten
1972.
Kern beziehen, dieser aber im Lauf der „
Jahrtausende im „Stille Post-Verfahren“
leicht verfälscht wurde? Dabei ist es bei-
spielsweise möglich, einerseits an eine
untergegangene Hochkultur zu den-
ken, die aufgrund eines oder mehrerer
Kataklysmen, die es gewiss in der Zeit
zwischen -10.000 und -12.000 gegeben
hat (siehe oben), ihr Leben aushauchte.
Schön und gut. Doch was hat es mit
dem „versunkenen Kontinent“ auf sich?
Nur eines: Es gibt ihn immer noch!

Literatur
Behrend, Jens-Peter und Schmitz, Eike: Wo lag
Atlantis?, in: Terra X , Augsburg 2002
Ceram, C. W.: Der erste Amerikaner, Hamburg
1972
Charroux, Robert: Unbekannt - Geheimnisvoll
- Phanastisch, Düsseldorf 1970
Freksa, Martin: Das verlorene Atlantis, Tübingen
1999
Gribbin, John und Mary: Kinder der Eiszeit ... oder wurde Atlantis von einer Riesen-Tsunami-Welle hinweg gewischt?

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