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Dr

Dr.. Hans-Joachim Zillmer


Waren Sauropoden „hohl“?
Auszug aus dem „Dinosaurier Handbuch“
Lange Zeit nahm man an, dass der
Riesenwuchs den Dinosauriern zum
Verhängnis geworden ist. Da aber
wahrscheinlich der Einschlag eines oder
mehrerer (?) Asteroiden ihr jähes Ende
herbeiführte, passt das natürlich nicht
mehr zu der Vorstellung vom Gigantis-
mus – als Sackgasse oder Irrweg der
Evolution. Andererseits scheint es auch
mit dem Beginn der Entfaltung der Rep-
tilien einen Einschlag eines Riesenmete-
oriten gegeben zu haben. Ein großes
Massensterben könnte am Ende des
Perm vor 251 Millionen Jahren durch
den Einschlag eines Asteroiden oder
Kometen ausgelöst worden sein. Öko-
systeme können sich als ziemlich ro-
bust erweisen: Störungen von außen,
seien es Stürme, Feuersbrünste, neu
einwandernde Arten oder auch mensch-
liche Zerstörungen, puffern sie geduldig
ab - bis zu einem gewissen Punkt.
Überschreitet die Störung einen
Schwellenwert, dann kippt das gesamte
System um, und ein neues, vorher nicht
voraussehbares Gleichgewicht stellt
sich ein. Begann das Zeitalter der Dino-
saurier wie es zu Ende ging – mit einem
apokalyptischen Einschlag?
Warum beherrschten während die-
ses Zeitabschnitts Dinosaurier die Welt?
Aus der Ökologie weiß man, dass sich
nicht immer die Größeren und Stärke-
ren in der Auseinandersetzung um knap-
pe Lebensgrundlagen durchsetzen.
Eher trifft das Gegenteil zu. „Offen- Im American Museum of Natural History (New York) wird ein ganz seltener Fund ausgestellt, der
sichtlich trifft hier die Sicht der Evolu- 1912 am Red Deer River in Alberta (Kanada) entdeckt wurde: der Kadaver eines Dinosauriers.
tionsvorgänge, wie es Charles Darwin Dieser 67 Ma alte Hadrosaurier aus der Oberkreidezeit ist mit der hornigen Schnauze sowie Rü-
cken-, Rippen und Beinbereichen fossil erhalten. Der leere, wie aufgeplatzt erscheinende fossile
entwickelt hat, nicht die wirklichen Ver- Bauchraum (Bild unten links) wirkt voluminös, fast rund wie ein Fass, das Gärungsfass? Die
hältnisse“, bestätigt der bekannte Zoo- Zeichnung in der Mitte stellt einen jungen Entenschnabelsaurier (Edmontosaurus) nach aktuel-
loge Prof. Dr. Josef Reichholf von der ler Ansicht zum Vergleich dar.
Zoologischen Staatsammlung (Mün-
chen) in seinem Buch „Der schöpferi-
sche Impuls“ (1992, S. 82). auch nicht gehandelt haben. Wozu aber Bis zu über 100 Tonnen schwere
Wahrscheinlich waren die Dinosau- waren die Großformen der Dinosaurier Sauropoden besaßen im Verhältnis win-
rier den „moderneren“ Vögeln und Säu- gut? zige Köpfe. Diese im Vergleich zu Ele-
getieren gar nicht unterlegen, denn der Tiere, die sich von pflanzlicher Kost fanten zigmal schwereren Körper hätten
Innenaufbau der Dinosaurier-Knochen ernähren, brauchen ein Mehrfaches der auch entsprechend mehr Nahrung zu
wies eine ähnliche Feinstruktur auf, wie Menge, die Fleischfresser zu sich neh- sich nehmen müssen, die durch den
er sonst nur bei warmblütigen Säugetie- men müssen, weil die Pflanzen so ei- kleinen Schlund aufgenommen und den
ren zu finden ist, aber bei wechselwar- weißarm sind. Ein großer Elefant ver- langen Hals verfrachtet hätte werden
men Tieren nicht vorkommt. Waren zehrt täglich 100 bis 360 Kilogramm müssen, wofür diese Körperteile zu
Dinosaurier keine trägen Riesen; son- pflanzliche Nahrung und ist bis zu 18 klein ausgelegt waren. Da der Vergleich
dern aktive Großtiere, dann wäre die Stunden mit der Nahrungsaufnahme mit Elefanten nicht passen kann, müs-
Vorstellung von einem allmählichen Aus- beschäftigt. Der Nahrungsbrei kommt sen Pflanzen verwertende Dinosaurier
sterben wenig verständlich und um das nach dem Durchwandern des Darms einen höheren Verwertungsgrad als heu-
Ende einer Sackgasse könnte es sich etwa halbverdaut wieder zutage. tige Pflanzenfresser erzielt haben.

EFODON-SYNESIS Nr. 5/2002 41


Waren Sauropoden „hohl“?
Die riesigen Leiber der Sauropoden am Südpol und trotzten einer mehrere baut als man es bisher auch aus den Ab-
waren vielleicht fast hohl. Die bereits Monate anhaltenden Dunkelheit oder bildungen in Lexikaas und Veröffentli-
zuvor diskutierte typische Statur vege- wanderten sie mehrere tausend Kilome- chungen gewohnt ist. Neue Theorien
tarischer Saurier verrät ihre hoch ent- ter weit immer wieder ab? Wenn nicht, über ein alternatives Aussehen der Dino-
wickelte Energiegewinnung. Der Zoo- was fraßen sie während der Dunkelpha- saurier und die erstmals in einem Buch
loge Prof. Dr. Josef Reichholf meint, se? Was wächst überhaupt für die Tie- diskutierten Funde von gleichen Dino-
dass riesige zig Tonnen schwere Dino- re Verwertbares ohne mehrere Monate sauriern auf verschiedenen Kontinenten
saurier nicht direkt von vergleichsweise Helligkeit? Zu dieser Zeit wuchsen auch (Dinosaurier-Paläogeographie) ergibt
nährstoffarmen Pflanzen leben konnten Korallen in heutzutage arktischen und andere Ergebnisse als die aktuellen Mo-
(Reichholf, 1992, S. 83 ff.). Anstatt mit antarktischen Gewässern, die eine Min- delle der Plattentektonik (Kontinental-
Tonnen von Grünzeug kamen diese desttemperatur von 20 Grad Celsius verschiebung) aussagen und werden in
Sauropoden seiner Meinung nach mit benötigen. Im Erdmittelalter, der Dino- dem neuen „Dinosaurier Handbuch“
300 bis 1500 Kilogramm am Tag als saurier-Ära, lag die Antarktis nach wis- (neben vielen anderen erstmals in dieser
Futter aus. Der Trick besteht in einem senschaftlicher Ansicht immer in der Form angebotenen Informationen) dis-
hohlen Körper, der eine Gärkammer dar- Nähe des Südpols, wie auch Spitzber- kutiert.
gestellt haben könnte, in denen Fettsäu- gen immer mindestens in den gleichen 
ren erzeugt wurden. Auf dem darin be- Breiten lag, ja nach neuesten Untersu-
findlichen Pflanzenbrei „züchteten“ sie chungen sogar nördlicher als heutzutage Hans-Joachim Zillmer:
Bakterien oder einzellige Mikroben. Die- positioniert war. Entsprechend tropisch „Dinosaurier Handbuch –
se produzierten mit Hilfe der vegetari- warmes Wasser in der Nähe der Pole ist Fakten, Funde, Kontroversen“
schen Nahrung hochenergiereiches Ei- ein unvorstellbares Szenario, wenn man Langen Müller, 352 Seiten, über 150
weiß, die eigentliche Kost der Pflanzen- heutige Verhältnisse als Maßstab anlegt. Fotos und Abbildungen
fresser. Denn auch feuchtwarmes, tropisches mit CD-ROM für Euro 29,90
Gärkammern sind bei schlecht ver- Klima liebende Mammutbäume, die als (ISBN 3-7844-2859-2)
dautem Grünzeug um so wirkungsvol- Redwoods aus Kalifornien bestens be- und ohne CD-ROM für Euro 19,90
ler, je größer sie sind. Liegt darin der kannt sind, wuchsen im Erdmittelalter (ISBN 3-7844-2870-3)
Grund für die Riesenformen Pflanzen in Alaska, dort wo heute „ewiges“ Eis
fressender Sauropoden? Der scheinbar die Erde bedeckt. Zusammen mit diesen In diesem umfassenden Spezialfüh-
nutzlose Gigantismus böte aus dieser Bäumen wurden die Dinosaurier im rer werden für Dinosaurier-Liebhaber
Sichtweise sogar entscheidende Le- Schlamm begraben. jeden Alters spektakuläre Sichtweisen
bensvorteile. Die größere Masse der Die Rekonstruktionen der Urzeit- über den aktuellen Stand der Dinosau-
Riesenkörper wirkte auch als Wärme- Tiere erfolgen aufgrund eines allen rier-Forschung vorgestellt. Neueste
speicher z.B. der Sonnenenergie, wo- Überlegungen zugrunde liegenden wis- wissenschaftliche Erkenntnisse führen
durch die erforderliche Vergrößerung senschaftlichen Prinzips, dass Vorgän- zu einer Neubewertung der Dinosauri-
der Aktionszeitspanne für die erforder- ge der unbekannten Vergangenheit er hinsichtlich des Aussehens, der Hal-
liche Nahrungsaufnahme verlängert durch bekannte Vorgänge in der Gegen- tung, des inneren Aufbaus und der
wurde. Durch die gleichmäßigere Wär- wart gedeutet werden. Dieses Grund- Funktion der Extremitäten. Die Diskus-
me wurden günstige Lebensbedingun- prinzip wird Aktualismus genannt. Die sion interessanter Fragen – wie: „Waren
gen für die Mikroben geschaffen, ohne Anwendung dieses Prinzips wäre unzu- die Dinosaurier hohl?“ – oder der Dino-
dass eine konstante Körpertemperatur lässig und ergibt falsche Ergebnisse, saurier-Paläogeographie führt zu neuen
notwendig gewesen wäre. falls früher ganz andere Bedingungen Ufern der Dinosaurier- und damit der
Auch heutzutage gibt es noch Tiere, herrschten, wie beispielsweise ein we- Erdgeschichtsforschung.
in deren Körper das Pflanzenprotein in sentlich stärkeres Magnetfeld, höherer Als Novum wird ein benutzerfreund-
bakterielles Protein umgewandelt wird: Atmosphäredruck oder eine Abschir- liches Konzept mit Informationsteil, Le-
Sowohl Kühe als auch Pferde besitzen mung aus Wolkenschichten (analog bei xikon, Stammbaum und A–Z der Dino-
„Gärungsfässer“. Das „Gärungsfass“ der Venus mit extremen Treibhausef- saurier einschließlich Schnellregister
bei der Kuh liegt an einer Stelle, wo die fekt) und auch eventuell gänzlich unbe- zur Einstufung in den Dinosaurier-
Nahrung noch nicht verdaut ist, wäh- kannte Umstände herrschten. Man Stammbaum präsentiert. Zusätzlich
rend es beim Pferd im hinteren Darm- kann daher unsere heutigen Erfahrun- werden erstmals überhaupt wichtige
bereich liegt, wo die Nahrung bereits gen und Bedingungen nicht unbedingt in Fundstätten und Museen in Europa und
verdaut ist, also zwischen dem Haupt- die Vergangenheit projizieren, da wir Nordamerika in einem umfangreichen
teil des Darms und dem Anus. Kühe ver- u.a. keine kataklysmische Erdkatastro- Reiseführerteil mit Insidertipps doku-
werten ungefähr 75 Prozent des Prote- phe als Menschheit live miterlebt und mentiert.
ins und scheiden nur 25 Prozent aus, dokumentiert haben sollen. In der Ge-
während es sich bei Pferden genau um- genwart gibt es nur relativ kleine Tiere,
gekehrt verhält und sie deshalb eine ge- stimmen dann aber Rekonstruktionen
ringere Überlebensfähigkeit bei länge- riesiger Saurier unter Anwendung des
ren Dürreperioden und in strengen Win- Aktualismus-Prinzips, wenn heutzutage
tern besitzen. keine realen Vergleichsobjekte existie-
Vielleicht war zu Lebzeiten der Di- ren? Das Bild von den Dinosauriern ist
nosaurier alles anders, denn auch nach- in einem starken Wandel begriffen und
gewiesen ist, dass es kein ständiges Eis die Skelette in den Museen werden an-
an den Polen gab, im Gegensatz zu heu- lässlich gerade erstellter oder geplanter
te. Sie lebten auch auf Spitzbergen und Umbauten meistens ganz anders aufge-

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