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Birgit Lemken Dr. Norbert Hövelmanns


Birgit.Lemken@detecon.com Norbert.Hoevelmanns@detecon.com

Next Generation Application Strategy


Zukunftsfähige
Anwendungslandschaften
Business Applikationen gehören zu den langlebigsten IT-Anwendungen mit
hohen laufenden Kosten - strategisch aber können sie zu wichtigen
Aktivposten des Unternehmens werden.

Die Dynamisierung von Geschäft und Technologie verändert die IT-


Anwendungsportfolios. In den meisten Unternehmen sind die Business
Applikationslandschaften historisch gewachsen und haben mehr Ähnlichkeit
mit einem Flickenteppich als mit einem wohlgeordnetem Portfolio.
Anpassungen an neue Anforderungen unter Zeit- und Kostendruck haben die
Komplexität der Applikationslandschaft oft weiter erhöht.

Die Applikationsstrategie der neuen Generation muss auf eine zunehmende


Dynamisierung der Anforderungen ausgelegt sein: „Design for Change“ wird
zu ihrem zentralen Imperativ. Um den Geschäftszweck auch künftig
kostengünstig, risikoarm und effizient zu unterstützen, müssen deshalb aus
der Geschäftsstrategie die Implikationen für die Applikationslandschaft
abgeleitet und ein serviceorientiertes Zielbild der IT entwickelt werden. Das
geschieht in partnerschaftlicher Zusammenarbeit zwischen Fachabteilungen
und IT. Die Applikationsstrategie neuer Generation ist nicht in Stein
gemeißelt: regelmäßige Überprüfungen stellen sicher, dass sie an
dynamische Veränderungen angepasst wird.

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Next Generation Application Strategy
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Dynamisierung von Business und Technologie


Sehr viele Branchen verändern, getrieben von der Dynamik des Marktes, ihre Struktur:
Geschäftsmodelle und Geschäftsprozesse wandeln sich zwangsläufig mit. Im Wettbewerb
gewinnt nur, wem es gelingt, der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein; die Verkürzung
der „time to market“ ist wesentlich für den Erfolg. Gleichzeitig erhöht sich die Taktrate, mit
der neue Technologien die IT-Welt revolutionieren. An die IT-Anwendungslandschaft werden
hohe Ansprüche gestellt, um mit dieser Dynamisierung des Geschäfts und der IT-
Technologien Schritt zu halten.

Innovationstreiber

Regulatorische und gesetzliche Vorgaben haben in den letzten Jahren deutlich


zugenommen. Die Erfüllung dieser Auflagen berührt auch die IT und greift oftmals tief in die
Business-Applikationen des Unternehmens ein.

Die zunehmende Prozessorientierung in den Unternehmen erfordert eine effiziente IT-


Unterstützung von End-to-End-Prozessen (E2E). Im Enterprise Resource Planning (ERP)-
Bereich wurden und werden die IT-Produktportfolios entsprechend auf E2E-Unterstützung
umgestellt. Selfservices ersetzen oder ergänzen traditionelle Service-Angebote.

Die vorhandene IT-Fertigungstiefe wird kritisch geprüft. Für Business Process Outsourcing
(BPO) hat sich ein neuer Markt gebildet, der einige selbstbetriebene Business-Applikationen
überflüssig machen könnte. Die Anbieter von Business-Applikationen verfolgen diesen BPO-
Trend sehr genau und gestalten das Angebot aktiv mit: Für immer mehr Einsatzbereiche ist
Standardsoftware verfügbar.

Auch die Technologie verändert den Markt. Mit Service Oriented Architecture (SOA) erfolgte
ein Paradigmenwechsel der IT-Architektur. Alle führenden Anbieter haben ihre Produkte
mittlerweile auf SOA ausgerichtet. „Composite Applications“ ermöglichen die Kombination
von Standardapplikationen mit Individuallösungen. Individualsoftware erfährt in bestimmten
Segmenten durch preislich attraktives Near- bzw. Offshoring eine Renaissance.

Für Beschaffung und Betrieb von Business-Applikationen eröffnen sich neue Sourcing-
Optionen. So wächst der Markt für Software-as-a-Service (SaaS).

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IT zwischen Altlasten und Kostendruck

In den letzten Jahren standen die IT-Bereiche unter massivem Kostendruck. Deshalb
wurden vor allem unmittelbar wirksame Einsparungen vorgenommen; notwendige
Erneuerungen und Konsolidierungen wurden gestoppt. Die Folge ist ein „Anwendungsstau“,
der bis heute anhält. Die Wartungskosten für weiterbetriebene Altanwendungen wurden
zumeist unterschätzt. Der überwiegende Teil des IT-Budgets ist heute durch Betriebs- und
Wartungsausgaben gebunden. Bis zu 50% der Kosten von ERP-Software sind für die
Anwendungspflege während des Lebenszyklusses anzusetzen.

Die Applikationslandschaft ist in den meisten Unternehmen historisch gewachsen und weist
oft funktionale Redundanzen auf. Monolithische, auf den Bedarf nur einzelner
Unternehmensbereiche ausgerichtete IT-Anwendungen stehen neben einer Vielzahl von
Klein- und Hilfsanwendungen. IT-Strukturen bilden vorrangig die Aufbauorganisation ab, sind
daher nicht miteinander verbunden und unterbrechen damit zwangsläufig die E2E-Prozesse.
Diese Lücken müssen durch aufwändige und komplexe Integrationsprojekte geschlossen
werden.

Vor diesem Hintergrund sieht sich der IT-Manager konkurrierenden Anforderungen


gegenüber:
Q Reduzierung der IT-Kosten
Q Optimale Unterstützung der Geschäftsprozesse
Q Erneuerung bzw. Umgestaltung einer komplexen Landschaft von Business-Applikationen

Isolierte Maßnahmen mit nur kurzfristiger Perspektive erhöhen die vorhandene Komplexität
der Applikationslandschaft oft noch. Damit wird ein Teufelskreis in Gang gesetzt: denn je
komplexer die Landschaft, desto höher sind die Kosten für Betrieb und Wartung.

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Zukunftsfähige Anwendungslandschaften sind auf die Geschäftsanforderungen von morgen


vorbereitet. Klassische, funktional orientierte Ansätze zur Entwicklung einer
Applikationsstrategie erheben die Anforderungen der Fachabteilungen einmalig und
definieren ein statisches Ziel. Während der oft mehrjährigen Umsetzung einer
Applikationsoptimierung dreht sich die Welt aber weiter, und das ursprüngliche Ziel
verändert sich - zumindest zum Teil.

„Design for Change“ lautet daher die Maxime einer Applikationsstrategie der nächsten
Generation. Eine solche Strategie unterstützt die heutigen und künftigen
Geschäftsanforderungen kostengünstig, risikoarm und effektiv. Beide, das Management und
die IT-Leitung, müssen sich heute Gedanken über das Geschäft von morgen machen und
daraus Implikationen für die IT-Landschaft ableiten.

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Eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Fachabteilungen und IT ist


Voraussetzung, um aus den Geschäftszielen Anforderungen an die IT ableiten zu können.
Nur in gemeinsamer Arbeit gelingt es, ein für beide Seiten verständliches Modell zu
entwerfen, das eine stabile Basis für die Planung von notwendigen Business-
Transformationen liefert. Fachabteilungen und IT bündeln gemeinsam funktionale
Geschäftsanforderungen in Business Applikationen und setzten sie zu Geschäftsprozessen
in Beziehung. Damit lassen sich heutige und künftige Business-Modelle visualisieren.

Für die Überführung des Business Modells in ein IT-Modell empfiehlt sich ein
serviceorientierter Ansatz. Das Service-Layer-Modell hat vier Schichten: Geschäftsprozesse,
Business-Applikationen, Business Services und IT-Anwendungen.

Die IT-Anwendungen sind die Lieferanten für die Business Services. Sie können auch direkt
von externen Quellen bezogen werden, z.B. durch SaaS. Dadurch wird die erforderliche
Flexibilität im Hinblick auf Veränderungen in Business oder Technologie im IT-Modell
verankert.

Die Business-Applikationen aggregieren die Business Services und reduzieren die


Komplexität, die durch eine erfahrungsgemäß hohe Zahl von Business Services entsteht.
Business Services und IT-Anwendungen sind nur lose miteinander gekoppelt. Die Business-
Applikationen sind den Geschäftsprozessen zugeordnet.

Als Entwurf einer zukunftsfähigen Applikationslandschaft zeigt das Service-Layer-Modell,


welche Business Services benötigt werden und welche IT-Anwendungen dafür bereitgestellt
werden müssen. Der daraus resultierende „IT-Bebauungsplan“ stellt dar, wie die Business
Services funktional effektiv, kostengünstig und ohne großes Risiko in Anspruch genommen
werden könnten. Die bestehende Anwendungslandschaft hat aber mit diesem Zielbild oft
nicht viel gemeinsam. Die Herausforderung besteht in der effektiven und schnellen
Transformation der Ist-IT-Landschaft zur Soll-IT-Landschaft.

Hierfür muss eine Roadmap zur Umgestaltung der Applikationslandschaft streng Kosten-
Nutzen-orientiert entwickelt werden. Dazu ist zunächst die Anwendungslandschaft
systematisch zu bewerten; die Methode hierfür ist Application Portfolio Management. Aus
spezifischen Informationen zu den einzelnen Anwendungen wird das Anwendungsportfolio
aufgebaut. Das Portfolio stellt den Wertbeitrag der vorhandenen IT-Anwendungen dar und
liefert damit Informationen für die Umsetzungspriorisierung. Im Falle redundanter
Applikationen identifiziert das Portfolio diejenigen Applikationen, die eine Konsolidierung
„überleben“ sollten. Aus strategischer Sicht werden so die IT-Anwendungen vom Kosten-
zum Wertschöpfungsfaktor.

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Um- oder Neugestaltung? Klassische Applikationsstrategien erarbeiten Zielbilder, die oft


eine vollkommen neue Applikationsarchitektur „auf der grünen Wiese“ voraussetzen. Dies ist
unrealistisch. Die Next Generation Application Strategy bietet mit „Design for Change“ einen
iterativen und adaptiven Ansatz. Die Strategie ist gut skalierbar und kann auf einen
einzelnen Geschäftsbereich fokussiert werden. Vorhandene IT-Anwendungen können
sukzessive konsolidiert, umgebaut bzw. ausgetauscht oder durch externes Sourcing
beschafft werden.

Veränderte Geschäftsanforderungen schlagen sich umgehend im IT-Modell nieder und


führen zur regelmäßigen Überprüfung und Anpassung des „IT-Bebauungsplans“. Das
Applikationsportfolio wird dadurch im Hinblick auf den Wertbeitrag laufend optimiert und die
Applikationsstrategie wird fortgeschrieben.

Aufbau- Geschäfts-
organisation prozesse

Business
Applikationen

Monolithische
Applikationen Business
Services

IT-Anwen-
dungen

Bisher Zukünftig

Abb.: Anwendungslandschaften im Wandel

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Handlungsempfehlungen
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Die Zukunft antizipieren


Das IT-Management muss die Chance zur vorausschauenden Gestaltung der
Anwendungslandschaft ergreifen und den Teufelskreis von zunehmender Komplexität und
steigenden Kosten durchbrechen. Zu berücksichtigen sind:
Q Geschäftsanforderungen
Q Technologietrends
Q Veränderungen am IT-Anbietermarkt
Q Kosteneffizienz

Historisch gewachsene Applikationslandschaften sind komplex. Während der Umgestaltung


verändern sich Geschäftsanforderungen und technologische Gestaltungsoptionen.
Applikationsstrategie und „IT-Bebauungspläne“ müssen immer wieder angepasst werden.
Nur ein systematisches und stringentes Vorgehen bewältigt diese Komplexität. Wichtig für
den Erfolg sind:
Q Partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Fachabteilungen und IT
Die Fachabteilungen sind Partner der IT; eine verbindliche Verpflichtung und die aktive
Mitwirkung des Managements sind entscheidend.
Q Applikationsstrategie folgt der Geschäftsstrategie
Die Geschäftsseite gibt ihre Strategie und künftige Geschäftsprozessmodelle vor.
Gemeinsam mit der IT werden daraus Anforderungen an die Applikationslandschaft
abgeleitet.
Q Bestandsaufnahme der vorhandenen Applikationen und Portfoliobewertung
Bewertung des Gesamtportfolios und der Einzelanwendungen; Nachweis des
Wertbeitrags; Transparenz von Kosten, Funktionalität und Risiken
Q Service-Layer-Modell, „IT-Bebauungsplan“ und Roadmap
Entwicklung des Service-Layer-Modells für die Applikationslandschaft; Bewertung von
Sourcing-Optionen für den Zielbebauungsplan; Entwicklung der Roadmap auf der Basis
der Ergebnisse der Bestandsaufnahme.
Q Adaption
Regelmäßige Überprüfungen durch Fachabteilungen und IT stellen sicher, dass
technologische und strategierelevante Veränderungen genauso wie regulatorische
Anforderungen frühzeitig identifiziert und in die Applikationsstrategie integriert werden.
Q Kommunikation und Governance
Zielbild und Roadmap müssen im Unternehmen bekannt sein und in laufenden und
geplanten Initiativen berücksichtigt werden.

Die Applikationsstrategie der nächsten Generation gewährleistet mit „Design for Change“
durch einen serviceorientierten Ansatz mit loser Kopplung von Business Services und IT-
Anwendungen die Zukunftsfähigkeit der Anwendungslandschaft und stellt gleichzeitig
Kosteneffizienz sicher.

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