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Leben heißt handeln 2.95 € · ISSN 1437-7543 · Nr. 97/2.

2008

magazin

PC global

SCHWERPUNKT
Alles Kohle oder was?
TATORTE
Bahn für alle
TROPENWALD
Konflikt um Zellstoff
inhalt

titel

6 PC global

Seite 6
Foto: Basel Action Network

Seite 12

energie

Alles Kohle oder was? 12


Streit ums Netz 16
Die Asse bringt‘s an den Tag 18
Atomkonzerne machen mobil 20
Klimaschutz - nur mit Gerechtigkeit 23

merk-würdiges
Stromspar-Tipps: Fernsehgeräte und Wasserbetten 26

Foto: argus/Schwarzbach

Seite 28

tatorte

28 Kohle killt Klima


29 Faules Ei Bahnprivatisierung

Foto: ROBIN WOOD

2 Nr. 97/2.08
inhalt

wald

32 Briefe für Karibus und Regenwald


33 Waldschäden 2007: Vom Schweigen im Walde

perspektiven

34 „Raus aus dem verstaubten Winkel“:


Siebenstöckiges Holzhaus in Berlin

Seite 32
Foto: ROBIN WOOD

Seite 36
tropenwald

Konflikte um Zellstoff aus Brasilien 36

strömungen

Gerechtigkeit durch Umweltschutz 38

Foto: FASE

bücher
Seite 38
41 Mobilisierung von Umweltengagement
42 Brigitte Biermann: Nachhaltige Ernährung

kleinholz
44 Die Vielfalt des Lebens entdecken

internes
27 ROBIN WOOD-Treffpunkte
40 Neuer ROBIN WOOD-Vorstand 2008
45 Gerichtsentscheid zur A 44

46 post

Foto: argus/UNEP/Doto 46 impressum

Nr. 97/2.08 3
editorial

Liebe Leserinnen und Leser!


alle reden von Klimaschutz - auch die renten. Die Stromkonzerne planen
deutsche Bundesregierung. Gleich- neue Kraftwerke mit immer mehr
zeitig wollen die Energieriesen ohne Leistung nicht, weil es in Deutschland
Ende neue Kohlekraftwerke bauen: zu Engpässen in der Stromversor-
19 Anlage sind konkret geplant. gung kommen könnte, sondern um
Diese neuen Kohlekraftwerke werden ihre Position am europäschen Markt
für mindestens 40 Jahre 130 Mio. auszubauen und immer mehr Strom
Tonnen CO2 in die Atmosphäre zu exportieren. Um satte Gewinne
pusten. Um die Auswirkungen der geht es den Energiekonzernen auch
Klimakatastrophe einigermaßen zu bei den Stromnetzen. Während
begrenzen, hat sich die Bundesregie- sie zweistellige Milliardenbeträge
rung verpflichtet bis zum Jahr 2020 kassieren, lassen sie die Stromnetze
ihre Emissionen um 40 Prozent zu verrotten und investieren nicht in
verringern. Dafür müsste der jährliche den Ausbau und die Wartung - zum
CO2-Ausstoß um 280 Mio. Tonnen Schaden der Windkraftbetreiber und
gesenkt werden. Wie das allerdings zu Lasten des Klimaschutzes.
möglich sein soll, wenn so viele neue
Kohlekraftwerke gebaut werden, Echte Stromfresser sind Compu-
bleibt ein Rätsel. Mehr dazu erfahren ter. Aber nicht nur das – der harte
Sie im schwerpunkt unter „Alles Konkurrenzkampf in der Branche
Kohle oder was?“ von Dirk Seifert, führt dazu, dass immer kurzlebigere
dem ROBIN WOOD-Energierefe- Produkte billig angeboten werden.
Und so gilt ein PC bereits nach zwei
bis drei Jahren als veraltet. Im titel
erfahren Sie von Sarah Bormann von
der Organisation Weltwirtschaft,
Ökologie & Entwicklung (WEED), vor
welche Probleme unsere Computer-
Schnäppchenjagd die Länder des Sü-
dens stellt. Ein hochgiftiger Produkti-
onsprozess und Elektronikmüllberge
machen den Menschen in China,
Indonesien und Afrika zu schaffen.

Für eine Energiewende werden sich


in diesem Sommer wieder die ROBIN
WOOD-FlößerInnen engagieren.
Sie fahren vom 21. Juli bis Anfang
September auf der Elbe von Dresden
nach Hamburg und werden entlang
der Strecke für erneuerbare Energien
und den Wechsel zu einem Öko-
strom-Anbieter werben. Wenn Sie
mehr wissen möchten, schauen Sie
auf unsere Homepage unter
www.robinwood.de/flosstour.

Mit sonnenfreundlichen Grüßen


für die Schwedt/Berliner Redak-
tion Ihre

Foto: Burkhard Schade

4 Nr. 97/2.08
tatorte

Am 17. April 2008 erklommen fünf Akive


von ROBIN WOOD einen Baukran, um ge-
gen den Bau der Waldschlösschenbrücke in
Dresden zu protestieren

Nr. 97/2.08 5
titel

Foto: Basel Action Network

6 Nr. 97/2.08
titel

PC global
Der drohende Klimawandel zeigte auch bei der diesjährigen CeBIT
Wirkung: Die Branche stellt Geräte mit einem niedrigeren Stromver-
brauch vor. Von einem Computer, der darüber hinaus ökologische
und soziale Belange berücksichtigt, sind wir allerdings noch weit
entfernt. Computer sind immer noch echte Strom- und Ressourcen-
fresser und werden unter sozial bedenklichen Bedingungen produ-
ziert und verschrottet.

A uf der weltweitgrößten Messe zu


Informationstechnik (IT) CeBIT in
Hannover präsentierte sich die IT-In-
PCs energieintensiv, sondern auch seine
Herstellung. Und hoch ist nicht nur
der Hunger nach Strom, sondern auch
dustrie Anfang März 2008 als grüner nach Ressourcen wie Kupfer, Erdöl und
Trendsetter und Vorreiter beim Um- Wasser.
weltschutz. Unter dem Label Green IT
stellten zahlreiche Hersteller wie das Die Ursachen für die Ressourceninten-
deutsch-japanische Mischunternehmen sität, den wachsenden Müllberg sowie
Fujitsu-Siemens Produkte wie den neuen einem giftigen Produktionsprozess
Computer Scaleo Li Green Edition aus. liegen in der Kurzlebigkeit der Produkte
Im Vordergrund stand dabei das Thema sowie dem harten Konkurrenzkampf in
Klimaschutz. der Branche, der primär über den Preis
ausgetragen wird: Auf dem Computer-
Denn Computer sind echte Stromfresser. markt jagt ein Schnäppchen das nächste,
Die immer höheren Anforderungen an die Devise lautet dabei schneller, besser,
die Leistungen der Hardware erfordern größer. Ein PC gilt bereits nach zwei bis
auch einen immer höheren Stromver- drei Jahren als veraltet und ein neuer
brauch. So stieg nach Schätzungen der noch leistungsstärkerer muss her. Der
Stanford University der Stromverbrauch Wettbewerb zwischen den Herstellern
aller Rechenzentren weltweit im Jahr ist hart und die Gewinnmargen in der
2005 auf 20 Millionen Megawattstun- Produktion sind gering.
den, etwa doppelt so viel wie noch fünf
Jahre zuvor und etwa so viel wie der Das Computerzeitalter wird vielfach mit
weltweit größte Stromverbraucher, die einem Prozess der Entmaterialisierung in
Spielerstadt Las Vegas. Verbindung gebracht. Entgegen dieser

Stromfresser Computer
WEED und Germanwatch fordern
Die Sorgen um den Klimawandel führen auf der CeBIT 2008 Umweltgerech-
derzeit zu einer höheren Sensibilität bei tigkeit bei der Produktion und der
Herstellern und Verbrauchern. Diese Auf- Verschrottung von Computern
merksamkeit muss genutzt werden, um
weitere ökologische aber auch soziale
Verbesserungen in der Computerbran-
che zu erzielen. Denn ein Personal Com-
puter (PC) ist noch lange nicht „grün“
– geschweige denn „sozial“, nur weil
Dieser Junge holt Elek- er in der Nutzungsphase weniger Strom
tronikschrott vom Markt verbraucht.
in Lagos, Nigeria. Im-
portierte Fernseher und Die ökologischen und sozialen Probleme
Computer, die nicht mehr erstrecken sich über den gesamten
repariert werden können, Lebenszyklus eines Computers – von
werden hier gelagert und seiner Produktion bis zur Verschrottung.
verbrannt So ist z.B. nicht nur die Nutzung eines Foto: WEED

Nr. 97/2.08 7
titel
Annahme ist jedoch die Herstellung deren Gewinnung zu Konflikten und
Umweltgerechtigkeit als soziale
von Computern sehr materialintensiv. sozial-ökologischen Problemen führt.
Praxis hat ihren Ursprung in Kam-
Nach einer UN-Studie werden allein
pagnen der Bürgerrechtsbewegung
zur Produktion eines Arbeitsplatz- Viele der im Computer enthaltenen
in den USA sowie in sozialen Bewe-
computers mehr als 240 Kilogramm Metalle wie Kupfer, Aluminium, Nickel,
gungen Lateinamerikas. Mit dem
fossile Brennstoffe wie Öl und Kohle, Zink, Gold, Platin, Koltan oder Kobalt
Begriff der Umweltgerechtigkeit wird
ca. 22 Kilogramm chemische Produkte stammen aus den Ländern des Südens.
ein Verständnis von Umwelt vertreten,
und 1.500 Liter Wasser benötigt. So wird z.B. die Hälfte des weltwei-
das Umwelt immer als ein gesell-
ten Bedarfs an Kobalt in Sambia und
schaftliches Verhältnis denkt. Umwelt
Die Hoffnung auf einen reduzierten Kongo gefördert. Die Menschen, die in
ist der sozial-ökologische Raum, in
Materialverbrauch aufgrund der der Nähe von Kobaltminen in Sambia
dem Menschen leben und arbeiten.
Verkleinerung der Geräte, z.B. durch wohnen, leiden unter verseuchten Bö-
Menschen gestalten die Umwelt und
Notebooks, bleibt bislang unerfüllt, den und verschmutztem Wasser. Ihnen
sind zugleich unterschiedlich von
da die Stückzahlen ansteigen und die geht eine wichtige Existenzgrundlage
Umweltrisiken und -belastungen
Verwendungsdauer sich verkürzt. Dies verloren, da sie in der Nähe der Minen
betroffen. Die Forderung nach Um-
wird von den Computerunternehmen kein Gemüse mehr anbauen können.
weltgerechtigkeit wirft die Frage nach
bewusst angetrieben, indem sie her-
Verfahrens- und Verteilungsgerechtig-
stellerabhängige Systeme entwickeln In Chile sollten gar drei Gletscher „ver-
keit auf. Wer plant und entscheidet
statt auf offene Standards zu setzen. schoben“ werden, um über Tage Gold,
z.B. über den Bau einer neuen Fabrik?
Platin und Kupfer abzubauen. Auch
Wer zieht den Nutzen daraus und wer
Verstärkt werden die Probleme durch wenn aufgrund der starken Proteste
trägt die Risiken und Nachteile? Die
den Trend zur Einweg-Elektronik. Der die Gletscher nun erhalten bleiben, ist
Lasten sind zwischen sozialen Grup-
Einsatz neuer ressourcenschonender ein Wassermangel in der jetzt schon
pen sowie zwischen Nord und Süd
Materialien und Verfahren werden trockenen Andenregion sowie eine
ungleich verteilt. Die Forderung nach
dadurch vielfach wieder zunichte Verschmutzung von Grundwasser und
Gerechtigkeit bedeutet eine gerechte
gemacht. Zudem ist die Verkleinerung Flüssen durch hochgiftige Schlacke
Verteilung von Umweltbelastungen
der Geräte oftmals mit dem Einsatz zu befürchten. Obwohl ein einzelner
und -risiken herzustellen.
immer seltenerer Stoffe verbunden, PC nur wenige Gramm Gold enthält,

Clement Lam vom Basel Action Network nimmt am Fluss in Guiyu, China, Bodenproben.
Dort werden riesige Mengen Computerteile gelagert, mit Säure behandelt und verbrannt

Foto: Basel Action Network

8 Nr. 97/2.08
titel
ist die Elektronikbranche mit etwa 10
Foto: AMRC
Prozent der weltweiten Jahresproduktion
derzeit der größte industrielle Goldab-
nehmer.

In Zukunft wird die Nachfrage nach


Metallen für IT-Geräte weiter steigen.
Bislang übernimmt die Industrie jedoch
keine Verantwortung für diese erste
Stufe auf dem Weg zur Herstellung
eines Computers. In vielen rohstoffrei-
chen Regionen wird der Raum, in dem
Menschen arbeiten und leben, zuguns-
ten kurzfristiger Profitinteressen und des
internationalen Rohstoffhandels zerstört,
ohne dass die Menschen vor Ort an zen-
tralen Entscheidungen beteiligt werden.
Auch die Gewinne verbleiben aufgrund
fehlender Einbindung in die Binnenöko-
nomie bei den großen multinationalen
Konzernen, welche die Abbauprojekte
betreiben. Die Forderung nach Umwelt-
gerechtigkeit impliziert die Einbindung
der lokalen Bevölkerung in die Entschei- Elektronikfabrik in China. Bei der Herstellung von Computern kom-
dungsprozesse sowie eine gerechte men jede Menge giftige Stoffe wie Quecksilber, Blei, bromierte
Verteilung der Lasten und Gewinne. Flammschutzmittel, PVC und Zinn zum Einsatz

Giftige Produktion Reinsträumen beschäftigte Frauen über Abfallwasser durch Metalle wie u.a.
Fruchtbarkeitsprobleme und Fehlge- Kupfer, Nickel und Blei sowie Rückstände
Die Computerproduktion verfügt über burten. von Lösungsmitteln und anderen giftigen
ein sauberes Image, weisen ihre Fa- Substanzen nachweisen. An den Stand-
briken doch keine rauchenden Schlote Mit der Verlagerung der Produktion in orten findet Leiterplattenbestückung,
sondern mit High-Tech ausgestatte Entwicklungsländer, insbesondere nach Chipproduktion sowie die Endmontage
Produktionshallen auf. Dennoch ist der Asien, werden auch die Gesundheits- von PCs und anderen Elektronikgeräten
Produktionsprozess selbst nicht nur probleme verlagert. Ein Beispiel hierfür statt. Von einer giftigen Produktion sind
ressourcenintensiv, da große Mengen an ist die thailändische Festplattenproduk- also nicht nur die ArbeiterInnen betrof-
Energie und Wasser benötigt werden, tion. ArbeiterInnen berichten heute fen, sondern auch alle AnwohnerInnen.
sondern auch giftig. So findet z.B. die über Atembeschwerden. Sie wissen Für sie ist das „Recht zu Wissen“ welche
Herstellung der Chips in so genannten weder über die Stoffe Bescheid, die die Stoffe verwendet werden und wie sich
Reinsträumen statt. In ihnen müssen Beschwerden verursachen, noch werden die Produktion auf ihr unmittelbares
höchste Sauberkeitsvorschriften ein- die Folgen behandelt. Stattdessen müs- Lebensumfeld auswirkt eine zentrale
gehalten werden und der Anteil in der sen sie in der Regel ihren Job nach ca. Forderung. In den Fabriken selbst bedarf
Luft schwebender Partikel ist äußerst sechs Jahren aufgeben, kehren wieder es einer unabhängigen gewerkschaft-
gering. Dennoch ist die Geschichte der auf das Land zurück und arbeiten als lichen Interessensvertretung, welche
Chipproduktion gekennzeichnet durch BäuerInnen. Das thailändische Gesetz, die Einhaltung von Gesundheits- und
eine hohe gesundheitliche Belastung wie das vieler anderer Länder auch, Sicherheitsvorkehrungen überwacht.
der Beschäftigten. In den „chemischen garantiert den ArbeiterInnen nicht das Bislang ist jedoch die Mitbestimmung
Fabriken“ kommen zahlreiche toxische Recht auf Information über gesundheits- in der Computerindustrie nur schwach
Stoffe wie Lösungsmittel zum Einsatz. schädigende Gifte am Arbeitsplatz und verankert. Der hohe Anteil von Leihar-
Folgen sind eine erhöhte Krebsgefahr, auch die Deklaration dieser Stoffe ist beitskräften sowie das gewerkschafts-
Kopf- und Muskelschmerzen, Auswir- nicht gesetzlich vorgeschrieben. feindliche Verhalten der Unternehmen
kungen auf die Fruchtbarkeit sowie ein sind hierfür wichtige Gründe.
erhöhtes Risiko von Fehlgeburten. Diese Greenpeace konnte jüngst an Standor-
Symptome traten erstmals im Silicon ten von Markenherstellern wie Hewlett Illegale Verschrottung
Valley – der US-amerikanischen Geburts- Packard und Zulieferanten wie Solectron
stätte der Halbleiterindustrie – auf. In der oder Fortune in Mexiko, China, den In Deutschland trat 2005 das Gesetz
schottischen Chipproduktion berichteten Philippinen und Thailand eine erhöhte über das Inverkehrbringen, die Rück-
zu Beginn der 1990er Jahren in den Belastung von Böden, Grundwasser und nahme und die umweltfreundliche

Nr. 97/2.08 9
titel

Fotos: Basel Action Network

In Guiyu werden die Computerkabel am Tag sortiert und die Reste in der Nacht direkt im Dorf verbrannt

Entsorgung von Elektro- und Elektronik- zugeführt, sondern jedes Unternehmen Transport zerstört und folglich nur noch
geräten – kurz ElektroG – in Kraft. Dem- ist in der Stiftung Elektro-Altgeräte-Re- der Gewinnung von Sekundärrohstof-
nach sind die Hersteller von Computern gister (EAR) registriert und übernimmt fen, nicht aber einer Wiederverwertung
verpflichtet, Altgeräte zurückzunehmen für die anfallenden Altgeräte gemäß zugefügt. Eines der größten Defizite ist
und umweltgerecht zu entsorgen. Wenn ihres Marktanteils die Entsorgungskos- jedoch, dass das neue Gesetz den Export
der Computernutzer sein Altgerät also ten. Ein von der Stiftung beauftragtes von Computerschrott in Entwicklungs-
weder auf die Straße noch auf den Unternehmen führt die Geräte dem länder nicht unterbinden konnte.
Dachboden stellt, gibt er dies in der Recycling zu. Dadurch besteht allerdings
Regel beim nächst gelegenen Wertstoff- für die Hersteller kein Anreiz, ihre Pro- In Deutschland ist der Hamburger Hafen
hof kostenfrei ab. Die Computer werden dukte nachhaltiger zu gestalten. Zudem Umschlagsplatz für den Export von alten
nun jedoch nicht direkt dem Hersteller werden funktionierende Geräte beim Computern, Monitoren und anderen
Elektronikgeräten, die als Second-Hand-
Waren deklariert verschifft werden.
Ihre Zielländer liegen meist in Asien,
z.B. in China oder Indonesien, oder in
den afrikanischen Ländern Ghana und
Nigeria. In Begleitung der Hamburger
Wasserschutzpolizei konnte ich selbst
das Überprüfen einer Ladung von alten
Monitoren nach Indonesien erleben. Die
Container, die schließlich nach Indone-
sien verschifft wurden, waren beladen
Als Second- mit Monitoren, deren Kabel abgeschnit-
Hand-Ware ten und die Gehäuse geplatzt waren
deklariert, - dazu war die Verpackung vollkommen
wandert der unzureichend. Es handelte sich bei den
Elektroschrott Geräten eindeutig um giftigen Schrott,
aus Deutsch- dessen Verbringung in Nicht-OECD-Län-
land z.B. wie der verboten ist. Allerdings fehlen rechts-
hier nach Lagos verbindliche Kriterien zur Abgrenzung
in Nigeria von Second-Hand-Geräten und Schrott.

10 Nr. 97/2.08
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Die Lasten tragen nicht die europä- von FSC unterzeichnen einen Brief,
ischen VerbraucherInnen, die jährlich in dem sie sich verpflichten, die in
8,7 Millionen Tonnen Elektronikschrott der Europäischen Union und anderen 2008 startete die europäische
produzieren, sondern jene Menschen Ländern verbotenen toxischen Stoffe Kampagne procureITfair, an der
in Afrika und Asien, welche die Altge- wie Blei zu vermeiden. Darüber hinaus sich Organisationen aus Deutsch-
räte ausschlachten. Nach Angaben aus wird ihnen empfohlen weitere gesetzlich land, Österreich, Niederlanden,
Ghana und Nigeria funktioniert nur ca. nicht verbotene Stoffe zu ersetzen bzw. Tschechien, Polen, Spanien,
ein Viertel der Elektronikgeräte, die in diese müssen bei Verwendung deklariert Ungarn, China und Indien betei-
Containern mit Hunderten von Tonnen werden. Doch wer kontrolliert die Einhal- ligen. Im Rahmen der Kampagne
monatlich ihre Küste erreichen. tung? Und warum schaffen Unterneh- werden Kriterien für eine sozial-
men wie FSC nicht eine größere Trans- ökologische Beschaffung von
Die nicht funktionstüchtigen Geräte parenz über ihre Zulieferketten, so dass Computern entwickelt. Öffentliche
werden mit Hämmern zerschlagen, das auch unabhängige Gewerkschaften und Einrichtungen wie Universitäten
Plastik geschreddert und Bauteile mit Organisationen die Einhaltung überprü- und Gemeinden sollen diese
wertvollen Metallen über dem offenen fen können? Da von den ökologischen Kriterien bei der Anschaffung
Feuer geschmolzen. Die ArbeiterInnen Risiken die Menschen betroffen sind, die von Computern berücksichti-
atmen Staub und toxische Gase direkt in dieser Umwelt arbeiten und leben, gen. Dadurch wird der Druck auf
ein und tragen sie in ihren Kleidern nach müssen neben ökologischen Kriterien Markenunternehmen erhöht, die
Hause. Luft, Boden und Wasser werden auch soziale Rechte Berücksichtigung Bedingungen in der Produktion
vergiftet. finden. von Computern nachhaltig zu
verbessern. Die Kampagne wird
Wie ‚grün‘ sind ‚grüne PCs’? VerbraucherInnen, die einen Computer von dem Projekt PC global von
kaufen möchten, der unter Einhaltung WEED geleitet.
Auf dem Markt sind bereits einige der Kernarbeitsnormen der Internationa-
Computer, die über so genannte Öko- len Arbeitsorganisation (IAO) hergestellt Mehr Informationen:
Siegel wie den Blauen Engel verfügen. wurde, werden heute noch nicht fündig. - Unsichtbare Kosten. Ungleiche
Das deutsch-japanische Unternehmen Es gibt bislang auf dem Markt keinen Verteilung ökologischer Risiken in
Fujitsu-Siemens-Computers (FSC) ent- Computer der nach sozial-ökologischen der globalen Computerindustrie,
wickelt bereits seit 1993 so genannte Kriterien zertifiziert ist und auch eine Broschüre.
grüne PCs und bezeichnet sich selbst in Kaufempfehlung kann bislang nicht - Der Weg eines Computers. Von
der Branche als führend bei der Entwick- ausgesprochen werden. der globalen Produktion bis zur
lung umweltgerechter Produkte. Beim Verschrottung. Materialien für die
letzten Öko-Ranking von Greenpeace Dem einzelnen Verbraucher bleibt also Bildungsarbeit, Bildungs-CD.
schneidet das Unternehmen allerdings nichts weiter übrig als sich beim Kauf - Digitale Handarbeit. Chinas
nicht ganz so glänzend ab und trotz des eines Computers möglichst detailliert zu Weltmarktfabrik für Computer,
neuen Arbeitsplatzcomputers Scaleo erkundigen und auf mangelnde Infor- Dokumentarfilm.
Li 2405 Green Edition hat sich seine Posi- mationen über die sozialen und ökolo-
tion sogar verschlechtert. Greenpeace gischen Bedingungen in der Produktion Die Materialien können unter
hebt positiv hervor, dass der Konzern hinzuweisen. Über ein anderes Macht- www.weed-online.org, weitere
Bauteile verwendet, in denen keinerlei mittel verfügen private und öffentliche Informationen: www.pcglobal.org
bromierte Flammschutzmittel enthalten Einrichtungen, die direkt beim Hersteller bestellt werden.
sind. Allerdings hat FSC sich bislang nicht nur einen einzelnen Computer,
nicht auf einen vollständigen Ersatz von sondern Hunderte bestellen. Sie können eltz
dra W jekts
Digitale Handarbeit – Chinas Weltmarktfabrik für Computer

lexan es Pro

arfilm
von Aahmen d WEED
PVC und bromierten Flammschutzmitteln im Fall einer öffentlichen Ausschreibung R
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in allen Produkten festgelegt. soziale und ökologische Bedingungen in


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der Produktion als Vergabekriterien be- Dokduigmitale eit
Im Vordergrund steht zudem bei den rücksichtigen. Damit schaffen sie einen rb
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meisten Produkten der geringe Strom- konkreten Anreiz, dass Hersteller sich für as W
Chin omputer
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verbrauch. Dagegen ist man noch weit die Einhaltung von Arbeitsrechten, öko-
davon entfernt, den gesamten Lebens- logischen und sozialen Normen in ihren
zyklus eines Computers von der Roh- Zulieferketten sowie bei der Rohstoffge-
stoffgewinnung bis zur Verschrottung winnung einsetzen.
nach ökologischen Kriterien zu gestalten.
Sarah Bormann arbeitet in der
Ein weiteres zentrales Problem ist die Projektgruppe PC global. Kontakt:
Einhaltung von Umweltstandards in den WEED, Büro Berlin, Eldenaer Str. 60,
stark zergliederten und globalisierten 10247 Berlin, Tel.: 030/275-82163,
Zulieferketten. Die direkten Zulieferer Fax: -96928, weed@weed-online.org Foto: Peter Wiegel/PIXELIO

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energie

Foto: argus/Schwarzbach

12 Nr. 97/2.08
energie

Alles Kohle
oder was?
Die Situation lässt sich durchaus als grotesk bezeichnen. Während alle
vom Klimaschutz reden und die Bundesregierung und internationale
Organisationen immer neue CO2-Reduktionsziele verkünden, plant
die hiesige Energiewirtschaft mindestens 19 neue Kohlekraftwerke.
19 riesengroße Schritte für die Fortsetzung der Klimakatastrophe.

A uf der internationalen Agenda steht


das Thema Klimaschutz ganz weit
oben. Inzwischen ist unbestritten, dass
rung der Effizienz bei der Stromerzeugung
und –anwendung also vor allem bei diesen
Energieträgern ansetzen und deren Anteil
die klimaschädlichen Emissionen massiv deutlich reduzieren: Betrachtet man die
verringert werden müssen: Die EU-Staaten Energieträger nach ihrem CO2-Gehalt,
haben sich auf eine Reduzierung um 30 dann ergibt sich, dass die Stromerzeu-
Prozent bis zum Jahr 2020 gegenüber gung aus Braunkohle je Kilowattstunde
dem Jahr 1990 geeinigt, die Bundesre- mindestens 900 g CO2 – bei den meisten
gierung hat erklärt, um 40 Prozent zu Anlagen aber deutlich mehr als 1000 g
reduzieren. Und weltweit ist bis 2050 ein je kWh – verursacht. Moderne Steinkoh-
Reduktionsziel von 80 Prozent in der Dis- lekraftwerke liegen bei etwa 750-800
kussion. Nur wenn das gelingt, lassen sich Gramm CO2 je kWh. Demgegenüber setzt
die Auswirkungen der Klimakatastrophe Gas als Energieträger nur ca. 380 Gramm
einigermaßen begrenzen und erreichen, CO2 je kWh frei, also rund die Hälfte der
dass die Temperatur im globalen Mittel Steinkohle und etwas mehr als ein Drittel
nicht um mehr als zwei Grad Celsius der Braunkohle. Doch nur 11 Prozent der
ansteigt. Stromproduktion basierte 2005 auf Gas.

Kohle ist Gift fürs Klima Es kann also keine Frage sein, ob der
Anteil der Braun- und Steinkohle an der
Im Jahr 2005 wurden in Deutschland Stromerzeugung reduziert werden muss,
insgesamt 873 Millionen Tonnen CO2 in wenn es gelingen soll, die CO2-Emissionen
die Atmosphäre gepustet. Neben Verkehr, zur Begrenzung der Klimakatastrophe zu
Haushalten und Industrie ist vor allem die verringern. Und genau in dieser Situation
Energiewirtschaft mit 41,5 Prozent bzw. planen die großen vier Stromkonzerne
rund 362 Mio. Tonnen CO2 an diesen E.ON, Vattenfall, EnBW und RWE so-
Emissionen überdurchschnittlich hoch wie einige andere mindestens 19 neue
beteiligt. Bis zum Jahr 2020 müssten an- Kohlekraftwerke in Deutschland zu bauen.
gesichts der Reduktionsziele der Bundes- Allein diese neuen Kraftwerke hätten
regierung die von der Energiewirtschaft CO2-Emissionen von insgesamt rund 140
zu verantwortenden Emissionen auf etwa Millionen Tonnen jährlich zur Folge.
280 Mio. Tonnen CO2 gesenkt werden.
Das ist die Ausgangslage für die Energie- Kohle verdrängt Kohle?
wirtschaft in Deutschland.
Aus Sicht der Stromkonzerne stellen die
Wesentlich verantwortlich für diese hohen neuen Kohlekraftwerke nicht etwa ein
CO2-Emissionen ist die Stromerzeugung in gravierendes Hindernis für den Klima-
Braun- und Steinkohlekraftwerken. An der schutz dar, sondern vielmehr eine große
gesamten Stromerzeugung waren im Jahr Chance. Die neuen Kraftwerke hätten
Die Enerigekonzerne 2005 die Braunkohle mit 25 Prozent und gegenüber alten Anlagen einen höheren
wollen 19 neue Kohle- die Steinkohle mit 22 Prozent beteiligt. Wirkungsgrad und würden daher auch
kraftwerke in Deutsch- Eine Reduzierung der klimaschädlichen niedrigere CO2-Emissionen je kWh haben.
land bauen... CO2-Emissionen muss neben der Steige- Vor allem aber versprechen sie, dass diese

Nr. 97/2.08 13
energie
neuen Kraftwerke mittelfristig ältere Anlagen noch zu verkaufen. Von diesen etwa 1.650 MW bauen. Ob Vattenfall
Anlagen vom Markt drängen würden. Methoden werden die vier Konzerne, dafür von der neuen Hamburger Regie-
Das soll nach ihrer Argumentation die nicht dem Klimaschutz sondern ihren rung aus CDU und Grünen die Genehmi-
dadurch erreicht werden, dass mit der Aktionären verpflichtet sind, mit Sicher- gung erhält, ist derzeit noch offen. Der
Ausweitung des CO2-Zertifikatehandels heit nicht abgehen. Neubau soll ab 2012 das alte Heiz-
die Stromkosten in diesen alten Anlagen kraftwerk Wedel (400 MW) ersetzten.
steigen werden. Wirtschaftlich wären sie Stromexporte Außerdem wird Vattenfall in Folge des
dann nicht mehr zu betreiben, was zur statt Stromlücken mit der Bundesregierung vereinbarten
Abschaltung führen würde. Atomkonsenses in den nächsten Jahren
Hinzu kommt, dass die großen Vier nicht das AKW Brunsbüttel abschalten. Mit
Ob es dazu kommen wird, ist jedoch die allein für den deutschen Strommarkt anderen Worten: Das geplante Steinkoh-
große Frage. Denn die alten Kohlekraft- und den hiesigen Strombedarf arbeiten. lekraftwerk in Moorbug bedeutet eine
werke sind überwiegend ebenfalls im Der Strommarkt internationalisiert sich Expansion des Unternehmens. Wäh-
Besitz der großen vier Konzerne und es zunehmend und schon heute gehören rend in den nächsten Jahren maximal
ist völlig klar, dass diese mit allen Mitteln die vier Stromkonzerne zu den großen rund 1.100 MW abgeschaltet werden,
versuchen werden, aus ihren alten Gewinnern dieser Entwicklung. erweitert Vattenfall mit Moorburg seine
Anlagen so viel Gewinn wie nur irgend Deutschland ist nicht nur im Waren- und gesamte Stromerzeugungskapazität um
möglich zu erzielen. Das demonstrieren Dienstleistungsbereich Exportweltmeis- rund 500 MW. Durch den Neubau eines
E.ON, Vattenfall, EnBW und RWE schon ter. Allein im Jahr 2006 haben Kraft- mit Braunkohle betriebenen Blocks am
heute an der Strombörse in Leipzig. Das werke in Deutschland einen Strom- Kraftwerk Boxberg steigert Vattenfall
Bundeskartell hat die vier Konzerne im überschuss produziert und per Saldo seine Stromerzeugungskapazität um
Verdacht, dass sie mit einer Marktmacht rund 20 Milliarden Kilowattstunden (20 weitere 675 MW, insgesamt ein Plus von
von rund 80 Prozent der deutschen Terawattstunden,TWh) ins europäische fast 1.200 MW.
Stromerzeugung mit vielen Tricks die Ausland exportiert. Der Exportüberschuss
Strompreise hochtreiben. Auf diese entspricht einer Stromproduktion von Selbst wenn man unterstellt, dass die
Weise gelingt es ihnen nicht nur ihre vier bis fünf großen Kohleblöcken. Und neuen Anlagen im Vergleich zu den
Gewinne zu steigern. Sie schaffen es so selbst im Jahr 2007 haben die Strom- alten Kraftwerken pro Kilowattstunde et-
auch, den Strom von deutlich teureren konzerne noch 14 TWh mehr Strom was weniger CO2 emittieren, wird dieser
exportiert als importiert. (Dabei waren geringe Einspareffekt durch die Erhö-
z.B. die AKW Biblis A und B ganzjährig hung der gesamten Kapazitäten und die
Hamburg, 12.03.08: Protest und die AKW Brunsbüttel und Krümmel Ausweitung des Stromverkaufs mehr als
gegen das geplante Kohlekraft- halbjährig abgeschaltet.) wettgemacht.
werk Moorburg
Kein Wunder also, wenn die Stromkon- Die Behauptung der Stromkonzerne,
zerne zwar immer gern auf diesen ver- dass der Neubau von „modernen“ Koh-
meintlichen Verdrängungswettbewerb lekraftwerken insgesamt dazu beitragen
hinweisen, aber keine konkrete Angaben würde, die CO2-Emissionen durch einen
über die stillzulegenden Kohlekraftwerke Verdrängungseffekt zu senken, ist reine
machen. Propaganda. Das Gegenteil ist der Fall,
denn die Ausweitung der Stromerzeu-
Ausdehnung der gungskapazitäten wird die eher geringen
Stromkapazitäten Einspareffekte – wenn sie denn über-
haupt eintreten – überkompensieren und
Beispiel Vattenfall: Der Konzern erzeugt damit zu einem weiteren Anstieg der
schon heute über 80 Prozent seines CO2-Emissionen führen. Neue Braun-
Stroms in Kohlekraftwerken – fast aus- kohlekraftwerke sind so dreckig, stellte
schließlich mit der besonders schädlichen kürzlich das Umweltbundesamt in einer
Braunkohle. Neben einigen kleineren Studie fest, dass die Kurve des CO2-
Anlagen, die mit Gas betrieben werden, Ausstoßes im Stromsektor nach oben
gehören auch die gemeinsam mit E.ON ausschlägt, sobald auch nur ein einziges
betriebenen AKW Krümmel (Anteil ca. Neues ans Netz geht.
670 MW), Brokdorf (Anteil ca. 270 MW)
und Brunsbüttel (Anteil ca. 514 MW) Übergangstechnologie mit Gas
zum Vattenfall-Konzern. Rund 210 MW
hat Vattenfall durch die Stilllegung des Wichtig ist auch noch ein weiterer
AKW Stade im Jahr 2002 „verloren“. Aspekt. Der Bau eines Kohlekraftwerks
Derzeit will das Unternehmen am Stand- ist – im Vergleich z.B. zu Gas- und
ort Moorburg ein Kohlekraftwerk mit Turbinenkraftwerken (GuD) - sehr

14 Nr. 97/2.08
energie
kapitalintensiv. So kostet der Bau des regenerative Energieerzeugung voran-
Kraftwerks in Moorburg nach heutigen treiben. Auch mit mehr Energieeffizienz
Schätzungen rund zwei Milliarden Euro. lässt sich massiv die Klimabilanz verbes-
Allerdings gibt es einen wichtigen wirt- sern. Mehr Effizienz bei der Erzeugung
schaftlichen Vorteil für diese Kraftwerke (z.B. in den gasbetriebenen GuD-Kraft-
und für die Entscheidung der Strom- werken) und bei der Stromanwendung
konzerne: Kohle ist auf dem Weltmark (z.B. Verbot der Standby-Schaltungen,
nahezu unbegrenzt verfügbar und damit Energiesparlampen, grüne IT-Technik)
extrem kostengünstig. Dadurch hat der führt dazu, dass bei gleich bleibenden
Energieträger bei der Strompreisermitt- Nutzen die Stromerzeugung reduziert
lung nur einen sehr geringen Anteil. werden kann.

Anders ist dies bei den gasbetriebenen Von großer Bedeutung ist die Kraft-
GuD-Kraftwerken. Die haben vergleichs- Wärme-Kopplung (KWK), also die
weise geringe Kapitalkosten, dafür aber gleichzeitige Erzeugung von Strom und
ist der Gaspreis höher und mehr Risiken Heizenergie. In den heute verbreiteten
ausgesetzt. Aber diesen Preisrisiken Großkraftwerken wird die insgesamt
stehen im Vergleich zu den Kohlekraft- erzeugte Energie zu 50 – 60 Prozent
werken deutliche Klimavorteile gegen- gar nicht genutzt, sondern belastet als
über. Denn die Investition in ein Kohle- Abwärme die Umwelt, z.B. durch das
kraftwerk lohnt sich aufgrund der hohen Einleiten dieser Wärme in die Flüsse.
Kapitalkosten nur, wenn das Kraftwerk
über einen möglichst langen Zeitraum Dabei ließen sich laut neueren Studien
betrieben werden kann. Daher werden 32 Prozent des gesamten Nutzwärme-
solche Kraftwerke auf eine Betriebsdauer verbrauchs Deutschlands (328 Terawatt-
von ca. 40 Jahren ausgelegt. In der stunden) durch Kraft-Wärme-Kopplung
Folge werden die mit diesem Kraftwerk erzeugen. Derzeit liegt der Anteil unter
verbundenen CO2-Emissionen ebenfalls sieben Prozent. Noch besser sieht es bei
für einen sehr langen Zeitraum fixiert, der Stromerzeugung aus. 57 Prozent der
ein gasbetriebenes GuD-Kraftwerk ist aktuellen Stromerzeugung Deutschlands
bereits bei einer Betriebsdauer von 10 (351 Terawattstunden) könnten künftig
– 12 Jahren wirtschaftlich. über Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopp-
lung erzeugt werden. Derzeit werden
Dabei hat es den Vorteil, dass es bei gerade mal elf Prozent des Stroms auf
gleicher Leistung weniger als die Hälfte diese Art hergestellt. Auf diese Weise
CO2 emittiert. Außerdem haben diese würde nicht nur eine Ressourcenscho-
Anlagen einen höheren Wirkungsgrad nung in großem Stil umgesetzt. Gleich-
als Kohlekraftwerke, was die CO2 Bilanz zeitig würden 50 Millionen Tonnen CO2
zusätzlich verbessert. Damit sind diese pro Jahr eingespart.
Kraftwerke eine ideale Übergangstech-
nologie für einen Zeitraum, in dem die Doch dieser Weg passt nicht in das
erneuerbaren Energien und hier vor Denken der großen Stromkonzerne:
allem die Windenergie (an Land und Anlagen mit KWK sind vor allem klein
Off-Shore) einen immer größeren Anteil und dezentral, müssen verbrauchernah
an der Stromerzeugung übernehmen. errichtet und betrieben werden und
Allein im Rahmen des Erneuerbare erfordern einen intensiven Ausbau von
Energien Gesetzes ist laut einer Studie Nah- und Fernwärmeversorgungsnetzen,
des Bundesumweltministeriums davon einen kompletten Umbau der Energie-
auszugehen, dass der Anteil dieser erzeugungs- und Versorgungsstrukturen
Energieträger auf ca. 25 Prozent bis zum also. Und der ist erforderlich, wenn es
Jahr 2020 anwachsen wird, positivere darum geht, die Klimakatastrophe zu
Schätzungen erwarten sogar 30 Prozent. begrenzen und eine zukunftsfähige Welt
zu gestalten.
Energiewende ist mehr
als erneuerbar Dirk Seifert ist Energiereferent bei
ROBIN WOOD in Hamburg
Die längst fällige Energiewende muss energie@robinwood.de
aber nicht nur mit allem Nachdruck die Tel.: 040/38089221

Nr. 97/2.08 15
energie

Streit ums Netz


Geht es um die Stromversorgung und den Klimaschutz, dann steht meist die Produktion von Strom im
Rampenlicht. Umweltverbände und Verbraucherorganisationen verweisen aber schon seit Jahren auf
einen wichtigen Baustein für die Erneuerung der Energieversorgung: Die Stromverteilernetze. Was bis-
lang eher eine Fachbebatte war, hat E.ON mit seiner überraschenden Ankündigung, die Übertragungs-
netze verkaufen zu wollen, auf die politische Agenda gesetzt.

A ls E.ON, die Nummer Eins unter den Stromkonzer-


nen in Deutschland, Ende Februar 2008 Verkaufs-
pläne für seine 10.600 Kilometer Übertragungsnetze
Stromriesen nur noch eine Rendite von rund 7,5 Prozent
zugestanden. Aus Sicht der Konzerneigentümer viel zu
wenig, da die Vorstände bei anderen Unternehmensteilen
und einen Teil seiner Kraftwerkskapazitäten bekannt von durchschnittlichen Renditen um 15 Prozent ausgehen.
gab, sorgte das für erheblichen Wirbel. Während
Verbraucherschutzorganisationen den überraschenden Stromnetz bedeutet im übrigen nicht gleich Stromnetz.
Schritt begrüßten, fühlte sich die Bundesregierung Das Netz hat insgesamt in Deutschland eine Länge von
verraten. Was war passiert? E.ON steht unter Druck, knapp 1,7 Millionen Kilometern. Die Transport- und
weil die Europäische Kommission mehrere Kartell- Verteilsysteme sind dabei für unterschiedliche Zwecke in
rechtsverfahren gegen den Düsseldorfer Stromgiganten vier Spannungsebenen gegliedert - vergleichbar mit dem
betreibt. Hohe Strafen wegen Monopolbildung wollte Straßennetz: Es gibt „Autobahnen“ (Höchstspannungs-
der Konzern aber unbedingt vermeiden. Dieser Druck oder Fernübertragungsnetz), „Bundesstraßen“ (Hoch-
führte nun zu einem Deal zwischen E.ON und der spannungsnetz), „Landstraßen“ (Mittelspannungsnetz)
Kommission, der vorsieht einige E.ON-Unternehmens- und „Ortsstraßen“ (Niederspannungsnetz). Den weitaus
teile z.B. die Netze auszugliedern, um eine Einstellung größten Teil des Netzes macht - mit einer Länge von mehr
der laufenden Verfahren zu erreichen. als einer Million Kilometern - das Niederspannungsnetz
oder auch Verteilnetz aus. Es wird von rund 900 Stadtwer-
Ein Affront für die Bundesregierung und allen voran ken und kommunalen Versorgern betrieben. Nur 40.000
die Kanzlerin. Denn sie hatte bislang unermüdlich die Kilometer entfallen auf das Höchstspannungsnetz, über
Stromkonzerne gegen das Bestreben der Kommission das auch der Handel mit dem Ausland abgewickelt wird.
unterstützt, die Stromproduktion und den Netzbetrieb Dieses Fernübertragungsnetz soll nach dem Willen der
voneinander zu trennen. Gemeinsam mit anderen EU-Kommission von den Konzernen abgetrennt werden
europäischen Staaten wie Frankreich wollte sie das – auch „Entflechtung“ oder „Unbundling“ genannt. In
Modell des „voll integrierten“ Unternehmens verteidi- Deutschland teilen sich das Fernübertragungsnetz bisher
gen. Die Kontrolle über die Netze wurde bislang als die E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall. Während das Netz
Machtbasis der jeweiligen „nationalen“ Großkonzerne von E.ON von Nord nach Süd verläuft, konzentriert sich
gesehen, um die dominante Position im Strommarkt Vattenfall auf den Osten, RWE auf den Westen und EnBW
abzusichern. Doch offenbar hat sich die politische Öko- auf den Südwesten.
nomie der Stromwirtschaft verändert: Aus Sicht der
Stromkonzerne hat sich der Wert und die Bedeutung Der Betrieb des Stromnetzes war für die Konzerne in den
der Stromnetze deutlich verringert. letzten Jahren eine lukrative Profitquelle. Seit der Libe-
ralisierung der Strommärkte Ende der 80er Jahre haben
Mit Höchstspannung zu Rekordprofiten die Konzerne nur noch dann in die Netze investiert,
wenn gefährliche Engpässe drohten oder bereits Schäden
Jahrelang hatten die Energiekonzerne mit den Strom- entstanden waren. Inzwischen sind die Netze Schrott und
autobahnen milliardenschwere Extraprofite gemacht gefährden die Versorgungssicherheit. Die 220 kV-Leitungs-
und kaum in die Übertragungsnetze investiert. Allein masten sind im bundesweiten Mittelwert am Ende ihrer
2006 betrugen die Einnahmen der Energieversorger Nutzungsdauer angelangt, ebenso die Transformatoren.
aus den Netzgebühren über 21 Milliarden Euro, inves- Das belegt ein Bericht der Bundesnetzagentur von Januar
tiert wurde aber nur ein Zehntel davon. Möglich war 2008. Laut Bericht sind 220 kV-Masten im bundesweiten
diese Abzocke der KundInnen u.a. weil die Bundes- Durchschnitt knapp 50 Jahre alt, die 380 kV Masten und
republik als einziges EU-Land trotz des liberalisierten Transformatoren rund 30 Jahre alt. Jetzt, wo die Entgelte
Strommarkts auf eine Regulierung der Netzentgelte reguliert werden und die Konzerne um hohe Investitionen
verzichtet hatte. Erst nach der lange überfälligen Um- für den notwendigen Netzausbau nicht mehr herum
setzung einer EU-Richtlinie zur Einführung einer staat- kommen, versucht der Energieriese E.ON die Netze abzu-
lichen Entgeltkontrolle senkte die Bundesnetzagentur stoßen. Auch Vattenfall erwägt, sich eventuell von seinem
im vergangenen Jahr die Netzentgelte. Nun wird den Stromnetz zu trennen.

Foto: argus/Schwarzbach
16 Nr. 97/2.08
energie

Die Stromriesen blockieren zunehmend den Ausbau der Für diese neue Ausrichtung als Global Player ist E.ON
erneuerbaren Energien mit ihrer bisherigen Kontrolle der nun bereit, das Stromnetz aufzugeben. Im Gegenzug
Stromnetze. So mussten in Schleswig-Holstein im Januar erwartet der Konzern die Zustimmung der Kom-
und Februar dieses Jahres mehrfach für längere Fristen mission für die weitere Expansion. E.ON plant die
Windkraftwerke abgeschaltet werden, weil E.ON be- Übernahme von bedeutenden Stromerzeugungska-
hauptete, dass das Stromnetz die Kapazitäten nicht mehr pazitäten in Spanien, Italien und Frankreich sowie in
aufnehmen könne. Während E.ON mit seinen Atom– und Polen und der Türkei und braucht dafür die Zustim-
Kohlekraftwerken weiter Kasse machte, mussten die mung der EU-Kommission.
Ökostromproduzenten erhebliche Einnahmeverluste hin-
nehmen. Schon seit Jahren verschleppen E.ON und die an- Stromnetze demokratisch kontrollieren!
deren Konzerne den längst fälligen Ausbau der Netze, um
den wachsenden Ökostromanteil bundesweit aufnehmen Die konkreten Zukunftspläne für die E.ON-Netze
und verteilen zu können. Und je mehr regenerativer und sind noch in der Schwebe. „Es gibt mehrere Interes-
dezentral erzeugter Strom in den nächsten Jahren hinzu- senten“, heißt es inoffiziell bei E.ON. Als Käufer der
kommt, umso mehr wird die Kontrolle und Untätigkeit der Stromnetze kommen vor allem Investoren in Frage,
Stromriesen auch zum Problem für den Klimaschutz. die an einer niedrigen, aber stabilen Rendite interes-
siert sind. Das könnten zum Beispiel Finanzinvestoren
Strategien der Globalisierung wie Pensionsfonds sein oder Infrastrukturfonds, die
Gelder sicher und langfristig anlegen wollen. Interesse
Ziel der EU-Kommission bei der „Entflechtung“ von hat auch Gazprom signalisiert. Zuletzt hatte E.ON die
Produktion und Netz, das so genannte „Unbundling“, Variante einer einheitlichen bundesweiten privaten
ist vorgeblich die Schaffung von mehr Wettbewerb im Netz AG ins Spiel gebracht, die die Netze der großen
EU-Binnenmarkt. Als Konsequenz davon verspricht die vier Energiekonzerne zusammenführt.
Kommission sinkende Stromkosten für Industrie und Haus-
halte. Dass die Strommarktliberalisierung bereits in der Mit Blick auf die Energiewende und den Klimaschutz
Vergangenheit in dieser Hinsicht nicht erfolgreich war, ficht ist die Übernahme der Netze durch die öffentliche
die Kommission nicht an. Denn im Gegenteil - die Preise Hand von großer Bedeutung. Doch davon will Angela
steigen. Energie-Kommissar Andris Piebalgs plant aktuell Merkel nichts wissen. Der Bund der Energieverbrau-
mit einer neuen EU-Richtlinie, dem dritten Energiepaket, cher, der Bundesverband der Verbraucherzentralen,
die europäischen Strommärkte weiter zu liberalisieren. In die Linkspartei, die Jusos, die Grüne Jugend, Attac
diesem Kontext wird die „Entflechtung“ vorangetrieben. und auch ROBIN WOOD fordern aber genau das.
Dabei stieß er auf hartnäckigen Widerstand der Bundes- So spricht sich Hermann Scheer, SPD-Bundestagsab-
regierung und der Konzerne. Aufgrund des Gegendrucks geordneter und Gründer von EUROSOLAR, für ein
einiger anderer Staaten forcierte die Wettbewerbskom- gemeinsames Bund-Länder-Unternehmen aus. Attac
missarin Nelie Kroes daraufhin die Kartellverfahren – quasi will hingegen eine stärkere demokratische Kontrolle.
Plan B, um den Druck auf die Konzerne zu erhöhen. Es Welche konkreten Formen dafür in Frage kämen, ist
wäre nun zu kurz gegriffen, E.ON quasi als Verlierer in der Gegenstand der nun beginnenden Auseinanderset-
Auseinandersetzung mit der Kommission anzusehen. Denn zung. Ob das Aufsichtsgremium eines öffentlichen
dass die Kommission mit ihrer Anti-Kartell-Politik gegen Netzunternehmens auf Länderebene aus von Bürge-
die Marktmacht der Konzerne vorgeht, wie häufig zu lesen rInnen gewählten VertreterInnen besteht oder ob ein
war, ist bei genauerem Hinsehen nur die halbe Wahrheit. so genanntes „stake-holder“-Unternehmen besser
wäre, bei dem Verbraucherschützer, Sozial- und
Denn jenseits der Wettbewerbsrethorik verfolgt die Umweltverbände mit im Aufsichtsrat sitzen – ver-
Kommission die Strategie durch die weitere Liberalisierung schiedene Möglichkeiten sind denkbar. Klar ist aber:
transnationale Fusionen und Aquisitionen zu erleichtern für eine soziale und sichere Stromversorgung und
und somit aus „nationalen Champions“ „Euro-Champi- eine tatsächliche Energiewende ist die demokratische
ons“ und schließlich starke Global Player werden zu lassen. Kontrolle einer öffentlichen Netzinfrastruktur ein
Statt des ominösen „Wettbewerbs“ nimmt die Konzent- wichtiger Faktor.
ration zu – was schließlich exakt das Ziel ist. Zur Zeit gibt
es noch etwa 10 große Stromkonzerne in der EU – viele Alexis Passadakis ist Politikwissenschaftler und im
Prognosen gehen davon aus, dass es in wenigen Jahren Koordinierungskreis von Attac Deutschland.
nur noch fünf sein könnten. Bei genauem Hinschauen Er ist aktiv in der Kampagne gegen
zeigt sich also, dass die Ziele von EU und Bundesregierung die Stromkonzerne
gar nicht so verschieden sind. Beide wollen international
agierende Global Player – lediglich über den Weg dorthin, Weitere Infos:
also mittels entflochtener oder vollintegrierter transnatio- www.attac.de/energiekonzerne
naler Konzerne, gibt es Differenzen. www.stromnetze-demokratisch-kontrollieren.de

Nr. 97/2.08 17
energie

Die Asse bringt‘s an den Tag


Im Südosten Niedersachsens findet derzeit ein makabres Schauspiel statt. Mit dem Erz-
bergwerk Schacht KONRAD in Salzgitter soll 2013 ein erstes atomrechtlich genehmigtes
Atommüll-Endlager in Betrieb gehen. Gleichzeitig wird für das nur 20 Kilometer entfernte
Salzbergwerk ASSE II im Kreis Wolfenbüttel der vollständige Kollaps vorausgesagt. Dort
wurde, zu Forschungszwecken wie es heißt, von 1967 - 1978 Atommüll eingelagert, der
jetzt abzusaufen droht.

„Schon seit geraumer Zeit zerbricht „Gefährdung der Biosphäre durch Gegen KONRAD gab es von Beginn
man sich im Bundesforschungsminis- mangelnde Standsicherheit und das an Kritik und Widerstand von Bür-
terium den Kopf über die Frage, wo Ersaufen des Grubengebäudes“ vor, gerinitiativen, aber zunehmend auch
und wie man den im Bundesgebiet die genau all jene Probleme beschrieb, aus Betrieb und Gewerkschaft. Als
anfallenden Atommüll so beseiti- die bis heute bei ASSE II brisant sind. 1982 ein Planfeststellungsverfahren
gen soll, dass sich keine schädlichen eingeleitet wurde, demonstrierten
Auswirkungen ergeben“, konnte man Sperrmüll von 10.000 Menschen, als 1991 die Plan-
am 5. März 1964 in der Wolfenbüt- 600 Atomkraftwerken unterlagen auslagen, wurden 289.391
teler Zeitung lesen, deshalb werde Einwendungen erhoben, die 1992/93
in Bonn jetzt ernstlich erwogen, das 1976 entschied der damalige nie- spektakuläre 75 Tage lang öffentlich
ASSE-Bergwerk zur Atommüllgrube dersächsische Ministerpräsident erörtert wurden.
zu machen. Das Salzbergwerk ASSE II Ernst Albrecht, dass alle Anlagen zur
stand kurz vor der Stilllegung. Andere Behandlung und Lagerung aller radio- Allerdings hatte sich inzwischen die
Salzbergwerke in der Region waren aktiven Abfälle in einem „Nuklearen Brisanz des Lagers verändert. Ange-
längst abgesoffen. Entsprechend Entsorgungszentrum“ in Gorleben sichts der Verzögerungen in Gorleben
entsetzt waren die Anwohner. Zu gut gebaut werden sollten. Dass er und da der prognostizierte Zubau
wussten sie um Probleme wie Instabi- trotzdem mit Schacht KONRAD einen von Atomkraftwerken ausblieb, sollte
lität, Wasser-Zuflüsse und die Existenz zweiten Standort benannte, hatte den KONRAD nun sämtliche Abfälle mit
stark wasserlöslichen Carnallits mitten einfachen Grund: Man ging damals geringer Wärmeentwicklung aufneh-
im Steinsalz. davon aus, dass allein in Westdeutsch- men.
land mehrere hundert Atomkraftwerke
Erste Proteste zeigten zunächst Erfolg: gebaut werden würden. Bei einer Dass KONRAD 2002 schließlich
Im Herbst 1964 lehnte der Kreistag die damals angenommenen Laufzeit von genehmigt wurde, war ein Ergeb-
geplante Einlagerung einstimmig ab. 15 Jahren wären ab Ende des Jahr- nis SPD/Grüner-Ausstiegspolitik. Im
Dennoch kaufte der Bund die Anlage hunderts viel Material aus dem Abriss Gegenzug für die Vereinbarung von
und begann im April 1967 mit der stillgelegter Reaktoren angefallen. Die Restlaufzeiten für die Atommeiler
Atommüll-Einlagerung. Aber auch sollten im Schacht KONRAD einge- hatte Rot-Grün der Atomindustrie im
wenn viele Menschen sich mit dem lagert werden. Entscheidend für die Atomkonsens von 2000 die zügige
Atommüll arrangierten, verstummte Auswahl von KONRAD war denn auch, Genehmigung von KONRAD verspro-
die Kritik nie ganz. Und schon 1978 dass der Schacht ein besonders breites chen, aber darauf verwiesen, dass
legte ein Braunschweiger Wasserbau- Förderwerk hatte, nicht etwa geolo- die Genehmigung ja beklagt werden
ingenieur die unabhängige Studie gische Kriterien. könne. Genau das taten Kommunen
und stellvertretend die Landwirtsfa-
Gemeinsam aktiv gegen einstürzende milie Traube - und erlebten eine böse
und absaufende Endlagerstätten

18 Nr. 97/2.08
energie
Überraschung. Die Gerichte überprüften Protest von ROBIN WOOD im
nicht die Sicherheit und Eignung der November 2007 am Förderturm
Anlage, sondern sprachen den Klägern vom Atommüllager ASSE II, in
rundheraus das Recht ab, diese Fragen das täglich 12.000 Liter Wasser
überhaupt prüfen zu lassen. Im Ergebnis strömen
bedeutet das: Bei der Planfeststellung
eines Atommüll-Endlagers sollen An- eingereicht, die ASSE II nach Atomrecht
wohnerInnen weniger Rechte haben, als zu schließen, d.h. mit einer verbindlichen
z.B. im kommunalen Straßenbau. Wenn Beteiligung der Öffentlichkeit.
Politiker jetzt behaupten, die Gerichte
hätten die Sicherheit von KONRAD Anfang 2008 wurde auf Forderungen
bestätigt, ist das ein Schlag ins Gesicht aus der Kommunalpolitik ein sogenann-
der Menschen vor Ort, die für die Klagen tes „ASSE-II-Begleitgremium“ eingerich-
sehr viel Geld aufgebracht und dabei tet. Hier sollen die Interessen aus der
nicht zuletzt dem SPD/Grünen-Finger- Region gebündelt und die erforderliche
zeig auf den Klageweg vertraut haben. öffentliche Information sichergestellt
Umso heftiger waren im vergangenen werden. Drei unabhängige Wissen-
Jahr die Proteste, als das KONRAD-Urteil schaftler konnten für eine Arbeitsgruppe
vom Bundesverwaltungsgericht bestätigt Optionenvergleich benannt werden, de-
wurde. ren offizieller Auftrag ist aber zunächst
nur, die Plausibilität des Flutungskon-
So viele Menschen wie nie zuvor betei- zeptes zu überprüfen.
ligten sich während des letzen Jahres an
Protesten gegen KONRAD. Bestärkt wird Doch während über die geplante Flutung
der Widerstand durch die akute Entwick- des Atommülls über Tage noch diskutiert
lung in der ASSE II. Wie eng die beiden wird, wird sie unter Tage in der ASSE II
Standorte zusammen hängen, wird vie- bereits durch massive Baumaßnahmen
len Menschen erst jetzt deutlich, seit die vorbereitet. Genehmigt durch Betriebs-
Auseinandersetzung um die havarierte pläne in denen steht, es müsse aber alles
Altlast ASSE II Wellen schlägt. „Das eine rückbaubar sein.
Fass kriegen sie nicht dicht“, schimpfte Foto: ROBIN WOOD
ein Kollege, „und hier wollen sie gleich Würde sich die im KONRAD-Verfahren
daneben das nächste aufmachen“. entwickelte Rechtsprechung durch-
setzen, würde die Benennung eines schaftlerInnen schlichtweg gekauft oder
Atommüll fluten, Standortes zukünftig zugleich auch seine war die Wissenschaft ein Zerrspiegel, der
damit er nicht absäuft Genehmigung bedeuten. Konzeptio- die ExpertInnen daran gehindert hat, die
nelle Abwägung der Genehmigungsbe- banale Wirklichkeit zu erkennen?
Seit 2001 hat der Betreiber die Pro- hörde gibt es dann ebenso wenig, wie
bleme bei der ASSE II nach und nach Eingriffsmöglichkeiten von Betroffenen. Für den Herbst lädt Sigmar Gabriel zum
zugegeben. Vorsichtig begann sie mit Eine schwere Hypothek für alle, die Endlager-Hearing nach Berlin. Die Erwar-
Veranstaltungen, auf denen das Ausmaß einem neuen Standortsuchverfahren tungen, dass es dabei Antworten auf
der Probleme häppchenweise vorgestellt das Wort reden. Ließe sich die Flutung diese Fragen gibt, sind begrenzt. Im letz-
wurde. Das dann vorgelegte Schlie- des Atommülls in ASSE II durchsetzen, ten Jahr haben die vier bundesdeutschen
ßungskonzept ist von entwaffnender kann man zukünftig auf jede weitere Endlagerstandorte ihre Kooperation ver-
Schlichtheit: Der Atommüll soll geflutet Sicherheitsdiskussion verzichten und stärkt. Sie wollen die real-existierenden
werden, damit er nicht absäuft. Das den Atommüll wahlweise im Steinhuder Erfahrungen ins Zentrum der Diskussion
leuchtet indes vielen Menschen nicht Meer oder Bodensee versenken. rücken, statt nur über spekulative Pro-
ein. So entstand die Forderung nach gnosen zu reden. Die ASSE bringt’s eben
einem „Optionsvergleich“, der vor allem PolitikerInnen und WissenschaftlerInnen, an den Tag.
auch die Alternative der Rückholung die in der Sicherheitsdiskussion wieder
der in ASSE II liegenden rund 125.000 ernst genommen werden wollen, wer- Peter Dickel ist Vorstandsmitglied der
Atommüll-Fässer prüft. Dazu sei keine den nicht umhin kommen, das eklatante Arbeitsgemeinschaft Schacht KON-
Zeit, meint der Betreiber heute alarmis- Missverhältnis zwischen wissenschaft- RAD e.V. und beschäftigt sich seit
tisch, obwohl der genug Zeit gehabt licher Prognose und Wirklichkeit bei 1978 mit ASSE II und
hätte: Schließlich ist seit 1988 bekannt, ASSE II zu klären. Zumal ja Anwohne- Schacht KONRAD
dass täglich 11,5 Kubikmeter Wasser rInnen und KritikerInnen mit ihren Pro-
aus unbekannten Quellen in die Asse gnosen durchaus richtig lagen. Lag es an Mehr Infos: www.ag-schacht-konrad.de
eindringen. Inzwischen ist eine Klage politischen Vorgaben, waren die Wissen- und www.asse2.de

Nr. 97/2.08 19
energie

Atomkonzerne
machen mobil
Mit allen Tricks sucht die Atomwirtschaft eine Zukunft. Ziel: neue
Verhältnisse nach der Bundestagswahl 2009.

E s waren Bilder wie aus einem


Hollywood-Streifen: Ausfallende
Ampeln verursachten Chaos auf
sation ist, haben die Bilder aus Miami
gezeigt, als in Florida Ende Februar ein
massiver Stromausfall das öffentliche
von RWE und ließen den Konzernchef
Jürgen Großmann in der Bild-Zeitung
ähnlichen Szenarien ausmalen:
den Straßen, Züge blieben stehen, Leben lahm legte.
Aufzüge stecken. Büros und Läden „Hier drohen im europäischen Netz
schlossen, weil die Computeranlagen Eine gute Gelegenheit dachten sich mehrtägige Stromausfälle schon in
ausfielen. Wie verletzlich unsere Zivili- da die Strategen in der PR-Abteilung diesem Jahr, die auch Deutschland
hart treffen können.“ Ins gleiche Horn
blies Großmanns Kollege Wulf Berno-
tat von E.ON in einem Interview mit
der Welt am Sonntag: „Ich bin kein
Freund von Pessimismus und Schwarz-
malerei, aber es könnte in bestimmten
Situationen eng werden, zum Beispiel
wenn im Sommer Windenergie fehlt
und Kraftwerke wegen Kühlungs-
problemen zurückgefahren werden
müssen.“ Auf die Nachfrage, wie das
denn verhindert werden könne, kam
dann die Antwort, auf die das alles
zielt. Bernotat: „Am einfachsten und
günstigsten durch eine Verlängerung
der Laufzeiten für Kernkraftwerke.“

Es ist nicht neu, dass sich die Atom-


lobby jedes Argumentes bedient,
um die Vorzüge ihrer Technologie zu
preisen, ob es passt oder nicht. Aber
derzeit treiben sie es besonders dicke.
Das zeigt der Fall Florida: Verschwie-
gen wurde nämlich in der ganzen
Debatte, wie der Blackout von Miami
ausgelöst wurde: Ein AKW musste
nach einer Störung in einem Um-
spannwerk heruntergefahren werden.
„Als das geschah, wurde das Strom-
netz in ganz Florida gestört“, so ein
Sprecher des Energieunternehmens
„Power & Light“, was zum Ausfall
von sechs weiteren Kraftwerken und
damit zum Blackout führte.

Die vielbeschworene
„Stromlücke“ ist reine
Propaganda der
Foto: argus/Dott Atomstromlobby

20 Nr. 97/2.08
energie
Auch hierzulande haben die Ereignisse gerechnet wird. Seit Dezember 2007
des letzten Sommers gezeigt, dass die wird offiziell ein weiterer Reaktor in
Atomenergie in Sachen Versorgungs- Flamanville gebaut. Auch dieser Reaktor
sicherheit längst nicht mehr zu den soll angeblich 2012 ans Netz gehen.“
zuverlässigen Technologien zählt. Nach
den Bränden in Brunsbüttel und Krüm- Und auch die Medien in dieser Republik
mel, den Dübel-Problemen in Biblis und haben sich auf eine bestimmte Deu-
diversen anderen Störfällen waren zeit- tung der Wirklichkeit festgelegt und
weise bis zu sieben Reaktoren vom Netz. berichten derzeit landauf und landab
Trotzdem gingen nirgends die Lichter von drohenden Stromlücken, AKW als
oder die Klimaanlagen aus. Klimaschutz und der Renaissance der
Atomkraft. Vor allem wirtschaftsnahe
Erstaunlich: Selbst in dieser Situation hat Blätter sind kaum noch zu stoppen, aber
die Bundesrepublik weiter Strom expor- selbst die als eher atomkritisch geltende
tiert. Durch den Ausfall der Atomkraft- Süddeutsche Zeitung betete unter der
werke verminderte sich die Strompro- Überschrift „Weg mit dem Atom-Tabu“ Boykott des Ausstiegs: Um den
duktion nach Angaben des Bundesamtes alle aktuellen Pseudo-Argumente her- Betriebszeitraum zu strecken,
für Strahlenschutz zwar um insgesamt unter. lassen die Stromkonzerne alte
27 Terrawattstunden. Trotzdem wurde Reaktoren nur noch mit halber
noch eine Strommenge von 14 Terra- Atomkonsens Leistung laufen
wattstunden ans Ausland geliefert. Das auf der Abschussliste
zeigt, dass auch das Gerede von der pro Kraftwerk noch produziert werden
bald aufbrechenden „Stromlücke“ nichts Der lange vorbereitete und nun mit dürfen. Und wenn ein Reaktor stillsteht,
als Propaganda ist. Der Zuwachs an großer Vehemenz geführte Angriff auf dann produziert er keinen Strom und
erneuerbaren Energien entspricht derzeit die öffentliche Meinung in der Republik sein Rest-Kontingent bleibt erhalten.
jährlich ungefähr der Kapazität eines hat also begonnen. Atomkraft soll im Biblis und Brunsbüttel sind auf diese
AKW. nächsten Jahr Wahlkampfthema werden. Weise schon über die Wahl gerettet. Und
Denn in den Jahren 2009 und 2010 wird das AKW Neckarwestheim 1 wird seit
Doch Blackout und Stromlücke sind nur über die Zukunft der Atomkraftwerke Monaten nur noch mit halber Leistung
zwei Beispiele für den großen Strauß an neu entschieden werden. Und da ein gefahren, um den Betriebszeitraum zu
PR-Behauptungen, den die Atomlobby großer Reaktor pro Tag einen Rein- strecken.
derzeit mit aller Vehemenz über der gewinn von einer Million Euro erwirt-
Republik verteilt: Vorneweg werden die schaftet, haben die vier Stromkonzerne Wie dreist die Stromkonzerne diese Poli-
Reaktoren natürlich weiter als Klima- natürlich großes Interesse daran, dass es tik zur Verhinderung des Atomausstiegs
retter gepriesen. Darüber hinaus sollen nicht doch noch eines Tages zu den im inzwischen betreiben, zeigt ein Zitat aus
sie angeblich für billigen Strom sorgen, Jahr 2000 im so genannten Atomkon- der Berichterstattung der Frankfurter
obwohl die Strompreise in diesem Land sens vereinbarten Stilllegungen kommt. Allgemeinen Zeitung über die angeblich
schon lange nichts mehr mit den Erzeu- drohende „Stromlücke“. Da heißt es:
gerkosten zu tun haben. Die ganze Absurdität dieser Verabredung „Die Chefs von E.ON, RWE, Vattenfall
zwischen Energiemultis und damaliger und ENBW sicherten derweil im Kanzler-
Und schließlich wird die weltweite rot-grüner Bundesregierung wird derzeit amt zu, man werde kein Kernkraftwerk
Renaissance der Atomkraft immer lauter sichtbar: Eigentlich hätten in dieser Le- vor der Wahl im Herbst 2009 schließen.
betont, dabei hat sich die Zahl der gislaturperiode vier Atomkraftwerke ab- Sie würden vielmehr so betrieben, dass
tatsächlichen Baustellen auch fünf Jahre geschaltet werden sollen: Biblis A und B, die jeweils zugestandene Reststrom-
nach Einführung dieses Argumentes Neckarwestheim 1 und Brunsbüttel. Die menge einen Betrieb über den Wahlter-
nicht wesentlich erhöht. Ankündigungen vereinbarten Reststrommengen gingen min hinaus erlaube.“ Welch ein Segen!
sind die eine Seite, die solide finanzierte zur Neige und die Anträge der Betrei-
Umsetzung etwas völlig anderes. Der ber auf Laufzeitverlängerung wurden Elf Jahre werden bei der nächsten Bun-
Energieexperte Lutz Mez von der FU vom Bundesumweltminister abgelehnt. destagswahl vergangen sein, seit die rot-
Berlin: „Die Internationale Atomenergie- Trotzdem geht wohl vor der nächsten grüne Regierung 1998 angetreten ist,
Behörde (IAEA) nennt für Europa derzeit Wahl im Herbst 2009 kein Reaktor vom um den Atomausstieg zu organisieren.
zwei Reaktorblöcke, die sich im Bau Netz. Und dies liegt kurioserweise daran, Elf Jahre, in denen mit Obrigheim und
befinden. Olkiluoto-3 in Finnland gilt als dass die betroffenen AKW so störanfällig Stade nur die beiden kleinsten Reaktoren
das Vorzeigeprojekt, im August 2005 sind. abgeschaltet wurden. Die 17 Großanla-
wurde mit dem Bau begonnen, 2009 gen strahlen weiter um die Wette. Seit
sollte es ans Netz gehen. Bereits jetzt hat Im Atomkonsens wurden keine zeitlichen einem Jahrzehnt gibt es in diesem Land
es so viele Pannen gegeben, dass mit Fristen bis zum Abschalten der Meiler angeblich eine Ausstiegs-Politik – auch
einer Inbetriebnahme frühestens 2012 festgelegt, sondern Strommengen, die die Große Koalition hält ja offiziell daran

Nr. 97/2.08 21
energie
fest – nur ausgestiegen wurde bisher wenn die gesellschaftliche Gegenwehr Clement, der sich wegen seiner Angriffe
nicht. Für die AKW-Betreiber ist das eine gut organisiert ist. auf das energiepolitische Konzept von
relativ komfortable Situation, haben Andrea Ypsilanti kurz vor der Hessen-
sie sich doch ihre Zustimmung zum Und bei anderen Wahlausgängen? wahl in seiner Partei unbeliebt gemacht
angeblichen Ausstieg mit einer Menge Umweltminister Sigmar Gabriel spricht hat. Doch Schmoldt stellt es geschickter
Zugeständnissen seitens der damaligen ab und zu davon, dass es im Bundestag an als Clement. Er wählt nicht den Weg
Bundesregierung abkaufen lassen. keine Mehrheit für die Verlängerung über die Öffentlichkeit, sondern macht
der Laufzeiten gibt und bildet damit intensive Lobbyarbeit hinter verschlos-
Jetzt hoffen die Stromkonzerne dar- rhetorisch eine rot-rot-grüne Anti-Atom- senen Türen.
auf, dass es nach der Wahl 2009 eine Koalition. Sowohl SPD als auch Grüne
Mehrheit für Union und FDP gibt und und Linkspartei wollen im Augenblick Die vier großen Stromkonzerne sind der-
die Laufzeiten für die immer älter mindestens an den derzeit im Atom- zeit intensiv bemüht von ihrem Image-
werdenden Reaktoren wieder völlig gesetz festgelegten Reststrommengen Allzeittief wegzukommen. Investitionen
frei gegeben werden. Doch selbst festhalten. Ob dies für die SPD auch in erneuerbare Energien, der angekün-
wenn es zu dieser Wunschkonstellation noch nach der Wahl zutrifft, wird sich digte Verkauf des E.ON-Stromnetzes,
der Atomlobby nicht kommt, wird es erst noch zeigen müssen, vor allem, Sozialstromtarife und der vorläufige Ver-
massiven Druck auf die kommende wenn es zu einer Neuauflage der großen zicht auf weitere Preiserhöhungen sollen
Bundesregierung geben, den Betrieb der Koalition oder zu einer Ampelkoalition den Ansehensverlust bremsen und damit
AKW zu verlängern. Denn nach dem mit Grünen und FDP kommt. Die Atom- politische Handlungsspielräume zurück-
Reststrommengen-Modell müssten in lobby wird nichts unversucht lassen, die holen. Die neue Riege der Vorstandsvor-
der nächsten Legislaturperiode sieben SozialdemokratInnen von ihrer derzei- sitzenden (Jürgen Großmann bei RWE,
Reaktoren vom Netz gehen. Zu den tigen relativ klaren Anti-Atom-Haltung in Hans-Peter Villis bei EnBW und Tuomo
bereits genannten in Biblis (A + B), Neck- kleinen Schritten wegzuführen. Hatakka bei Vattenfall) ist bemüht, die
arwestheim und Brunsbüttel kommen beschädigten Drähte zur Politik wieder
dann noch Philippsburg 1, Ohu 1 und Eine entscheidende Rolle fällt dabei instand zu setzen. Statt medienwirk-
Esensham hinzu. der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG samer aber wenig effektiver Energiegip-
BCE) mit ihrem Vorsitzenden Hubertus fel, setzt man nun auf stille Diplomatie
Einmischen für den Ausstieg Schmoldt zu. Die Pro-Atom-Gewerk- unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
schaft soll einerseits insgesamt im DGB
Es ist also davon auszugehen und derzeit für eine atomfreundlichere Haltung Das Jahr 2008 dient der Atomlobby zur
schon deutlich spürbar, dass im kom- werben, aber auch ihren Einfluss auf Vorbereitung für den großen Kampf im
menden Bundestagswahlkampf 2009 die sozialdemokratischen Funktionäre nächsten Jahr. Die Anti-AKW-Bewegung
der große politische Kampf um die nutzen, um die Interessen der Stromkon- sollte Ähnliches tun. Und zwar nicht nur
Laufzeiten erst richtig losgehen wird. Bei zerne zu vertreten. Schmoldt ist stellver- die in Initiativen organisierten Atom-
einer schwarz-gelben Mehrheit ist relativ tretender Aufsichtsratsvorsitzender von kraftgegnerInnen, sondern alle, die es
sicher mit dem Versuch zu rechnen, die E.ON. Damit ist er mindestens genauso nach Krümmel-Brand, Kinderkrebsstudie
Laufzeiten aufzuweichen. Doch selbst in interessengeleitet wie der Ex-Wirtschafts- und tausenden von lockeren Dübeln
diesem Fall wird das kein Automatismus, minister und RWE-Aufsichtsrat Wolfgang nicht mehr länger hören können, wie
ernsthaft über eine Zukunft mit Atom-
kraft diskutiert wird. Wer den Glauben
daran, dass es der Atomkonsens schon
richten wird, bisher noch nicht verloren
hatte, sollte das schleunigst tun und
die Sache wieder selbst in die Hand
nehmen. Die Debatte ist eröffnet. Jede/r
AtomkraftgegnerIn kann sich daran aktiv
beteiligen, in Diskussionen, Leserbrie-
fen, Stromwechselpartys, Aktionen und
Demonstrationen. Es ist an der Zeit!

Jochen Stay lebt im Wendland, ist


aktiv bei X-tausendmal quer, www.
ausgestrahlt.de und „Atomausstieg
selber machen“ und kommt gerne als
Referent zu Veranstaltungen (Anfra-
gen an j.stay@jpberlin.de)

Foto: argus/Schwarzbach
www.atomausstieg-selber-machen.de

22 Nr. 97/2.08
energie

Die Menschen in den Ländern des Südens werden


viel stärker unter den Folgen der globalen Erder-
wärmung zu leiden haben als der reiche Norden

Klimaschutz -
nur mit Gerechtigkeit
Während unser energie- und ressourcenintensive Lebensstil eine der Hauptursachen
für den Klimawandel ist, sind vor allem die Menschen in den Ländern des Südens von
seinen Folgen betroffen. Sie haben nichts zum Problem beigetragen und können
den Klimawandel folglich auch nicht stoppen oder abmildern. Der Klimawandel wird
damit zu einer Gerechtigkeitsfrage zwischen Nord und Süd und geht weit über eine
Umweltproblematik hinaus.

D ie globale Erderwärmung führt


schon jetzt nicht nur zu erhöh-
ten Durchschnittstemperaturen. Die
Während bei einer geringen Zunahme
der globalen Mitteltemperatur um
2 bis 3°C die Getreideerträge in den
der Lage ihre Anbauweise oder ihre
Feldfrüchte schnell zu verändern.
Denn ihr Zugang zu Wissen über neue
zusätzliche Energie in der Atmosphäre gemäßigten Breiten zunehmen, wer- Anbaumethoden sowie zu anderen
entlädt sich in Stürmen, Starknieder- den sie in den meisten tropischen und Nahrungspflanzen ist durch geringe
schlägen oder Hurrikanen. Regen- subtropischen Regionen sinken, da die Mittel, Bildung und Medienverfüg-
und Trockenzeiten verschieben sich, Pflanzen bereits in ihrem Temperatur- barkeit sehr begrenzt. Als „Anpas-
und Dürren treten verstärkt auf. optimum wachsen. Gerade die Armen sung“ an den Klimawandel bleibt
haben aber nicht die Möglichkeit, ohne Unterstützung nur die Kinder
Klimawandel verstärkt Armut schlechte Ernten mit Vorräten aus von der Schule zu nehmen, weil das
dem Vorjahr oder durch finanzielle Schulgeld fehlt oder ihre Arbeitskraft
Eine der Folgen der Erderwärmung Rücklagen zu überbrücken. Zudem auf den Feldern benötigt wird. Oder
ist die Verschiebung von Klima- und sind sie nicht gegen Ernteschäden die Menschen wandern einfach in die
damit Anbauzonen für Feldfrüchte. versichert. Genausowenig sind sie in wachsenden Elendsviertel der Städte

Nr. 97/2.08 23
energie
ab, die ihnen keine Chancen auf ein schwierig. Welcher Sturm ist „natürlich“, aufnehmen kann. Er wird gespeist aus
würdiges Leben bieten. welcher durch den Klimawandel ausge- einer zweiprozentigen Abgabe auf Emis-
löst oder verstärkt? Was haben einzelne sionsrechte aus dem Clean Development
An diesem Beispiel wird bereits deutlich, Regionen genau an Veränderungen zu Mechanism (CDM). Dieser ermöglicht es
dass die negativen Folgen des Klima- erwarten? den Unternehmen oder Nationalstaaten
wandels vor allem in Verbindung mit ihre Klimaschutz-Verpflichtungen auch
Armut dramatisch wirken. Klimawandel Finanzierung von Anpassungs- in Entwicklungs- und Schwellenländern
ist die Spitze des Eisberges der globalen maßnahmen zu erfüllen. So zahlen auch Konzerne für
Ungerechtigkeit! die Anpassung.
Erste Schätzungen gehen davon aus,
Trotz aller Klimaschutzpolitik – der dass zusätzlich zur jetzigen Entwick- Bisher sind etwa 26 Millionen US $ im
Klimawandel selbst wird sich nicht mehr lungsfinanzierung bis zu 90 Milliarden Fonds, bis 2012 werden insgesamt 160
abwenden, sondern nur noch begrenzen US $ pro Jahr nötig sein werden, um die bis 950 Mio. US $ aus der Besteuerung
lassen. Neben der Herausforderung, eine Folgen des Klimawandels zu verhin- der Zertifikate erwartet. Allein Groß-
emissionsarme Wirtschaft zu gestalten, dern bzw. abzumildern. Die Anpassung britannien gibt 26 Mio. wöchentlich
müssen wir die Folgen des Klimawan- an den Klimawandel sollte eng an die für den eigenen Küstenschutz aus. So
dels bewältigen. Der globale Ausstoß Entwicklungszusammenarbeit angeglie- fürchtet Bischof Desmond Tutu, dass es
an Treibhausgasen muss innerhalb der dert sein, um bestehendes Know-how zu einer Klima-Apartheid kommen wird.
nächsten zehn Jahre rapide abnehmen. zu nutzen. Allerdings müssen neue und Während sich die Reichen schützen,
zusätzliche Finanzmittel bereitgestellt lernen die Armen schwimmen. Wird
Als Hauptverursacher des Klimawandels werden, eine Umleitung von Entwick- der Fonds nicht schnellstens auch aus
haben die reichen Industrienationen lungshilfe darf nicht die Lösung sein. anderen Quellen gespeist, würden die
nicht nur die moralische Pflicht die Zudem ist zu überlegen, inwiefern nicht Reichen der Welt die globale Unge-
Entwicklungsländer zu unterstützen und nur Staaten, sondern auch Konzerne rechtigkeit auf diesem Planeten weiter
mit den betroffenen Menschen soweit – z.B. die Energiekonzerne - in die Pflicht verstärken und noch mehr Hunger und
möglich Anpassungsmaßnahmen zu genommen werden können. Leid in der Welt säen.
entwickeln und umzusetzen. Vor allem
stehen wir gemäß Verursacherprinzip in Von diesem Prinzip geht auch der Der Kampf um die Macht über
der Pflicht für Anpassungsmaßnahmen Anpassungsfonds unter dem globalen die Finanzmittel …
und für nicht abzuwendende Schäden Klimaschutzabkommen aus, der seit De-
aufzukommen. Die Berechnung der zember 2007 in Bali nach langjährigen Dem auf Bali 2007 etablierten Fonds
Schäden durch den Klimawandel ist aber Verhandlungen endlich seine Arbeit für Anpassungsmaßnahmen gingen

Foto: argus/Ross

Bischof Desmond
Tutu warnt vor
einer Klima-
Apartheid: „Wäh-
rend sich die Rei-
chen schützen...
Foto: Spekking/Wikipedia

24 Nr. 97/2.08
energie
starke Machtkämpfe zwischen Indus-
trie- und Entwicklungsländern voraus.
Im Gegensatz zu anderen Fonds haben
die Entwicklungsländer im Aufsichtsgre-
mium die Mehrheit. Das ist ein großer
Erfolg der Entwicklungsländer. Denn der
„Finanzierungsmechanismus für den
globalen Umweltschutz“ der Weltbank
(Global Environmental Faciliy: GEF) hatte
sich massiv dafür eingesetzt, dass sie
den Fonds verwalten dürfe. Dies hätte ..., lernen
den Geberländern die Entscheidungs- die Armen
macht über die Verwendung der Mittel schwimmen.“
gegeben und nicht denen, für die der
Fonds aufgelegt wurde und die von den Überflutung
Auswirkungen der Klimakatastrophe im Tal des
direkt betroffen sind. Tana Rivers
in Kenia Foto: argus/Aid/Griffiths

Der GEF verwaltet bereits zwei andere


Fonds des internationalen Klimaschutz-
abkommens zur Unterstützung von rung, etwa der Bau von Deichen, kann beschreiten. Abermals wäre ein Stillstand
Entwicklungsländern bei der Anpassung nicht wertschöpfend angelegt werden. bei den internationalen Verhandlungen
und klimafreundlichen Entwicklung. vorprogrammiert.
Im Anpassungsfonds kommt ihm nun Andererseits wird auch der Anpassungs-
lediglich die Rolle eines Sekretariats zu, fonds allein nicht zu einer transparenten, Die Optionen zur Anpassung an den
und selbst diese Funktion soll periodisch armutsorientierten und effizienten Klimawandel dürfen allerdings nicht
geprüft werden. Für die Weltbank und Verteilung und Anwendung der Mittel darüber hinwegtäuschen, dass Klima-
viele Geberstaaten war dies eine schwere führen. Korruption sowie wachstums- schutz nötiger denn je ist! Eine Abkehr
Niederlage. orientierte Entwicklungsprioritäten auf unseres auf Ausbeutung basierenden
Kosten der Armen sind aus anderen Wirtschaftens ist unbedingt notwendig!
Doch die Weltbank gibt nicht so schnell Politikfeldern und Ländern bekannt. Des- Energie- und Automobilkonzerne, die
auf. Unterstützt durch Japan, die USA halb ist eine effektive Beteiligung durch diesen Wandel aus Profitstreben heraus
und Großbritannien bewirbt sie derzeit die Bevölkerung unabdingbar. Es muss blockieren und sich lediglich mit mehr
eigene neue Klimafonds zur Anpassung sichergestellt werden, dass die Bedürf- oder weniger effektiven PR-Aktionen
und zur Bekämpfung des Klimawandels nisse der am stärksten Betroffenen als für den Schutz des Planeten einsetzen,
über Technologietransfer und Wald- erstes befriedigt werden und dass ihre handeln hochgradig unethisch.
schutz. Die Kontrolle über diese Fonds- Erfahrung und ihr Wissen voll berück-
Mittel hätten dann wieder diejenigen, sichtigt werden, um Fehlsteuerungen zu Umwelt- und Entwicklungsorganisati-
die das Geld zur Verfügung stellen und vermeiden. onen, Kirchen und andere gesellschaft-
die für die Katastrophe verantwortlich liche Akteure, müssen Klimaschutz und
sind. Die drei Staaten haben bereits … gefährdet Fortschritte Anpassung in den Blick nehmen und
erhebliche finanzielle Zusagen gemacht in der internationalen Klima- auch die (finanzielle) Verantwortung
und fordern andere Länder auf sich zu schutzpolitik unserer Wirtschaft und Staaten für die in
beteiligen. den Ländern des Südens sich längst ab-
Trotz dieser Bedenken ist der bestehende spielende Klimakatastrophe einfordern.
Zwar beteuert die Weltbank, dass ihre Anpassungsfonds unter dem Dach der Klimaschutz ist nicht nur eine Frage
Fonds nicht in Konkurrenz zu den Fonds Klimarahmenkonvention längst über- des technischen Umbaus, sondern vor
unter dem Klimaschutzabkommen fällig und muss unbedingt ausgebaut allem eine Frage sozialer Gerechtigkeit.
stehen. Dies ist aber zu bezweifeln, weil werden. Denn der Vorstoß der Weltbank Nur dann kann globaler Klimaschutz
Finanzierer solche Fonds vorziehen, in gefährdet den Fortschritt in der inter- gelingen.
denen sie allein über die Verwendung nationalen Klimaschutzpolitik! Die volle
der Mittel entscheiden. Besonders Unterstützung der Industrieländer für die Anika Schroeder ist Diplom Umwelt-
bedenklich ist, dass Japan die Mittel aus Entwicklungsländer und deren volle Mit- wissenschaftlerin und Referentin
Entwicklungstöpfen nehmen will. Groß- sprache bei der Verwendung der Mittel für Klimawandel und Entwicklung
britannien stellt das Geld nur für Kredite ist nicht nur gerecht, sondern wird auch bei MISEREOR, http://www.misereor.
zur Verfügung. Damit droht eine Neuver- Vertrauen schaffen! Ohne dieses werden de/themen/klimawandel.html
schuldung der Entwicklungsländer, denn Schwellenländer nicht bereit sein selbst
Maßnahmen zum Schutz der Bevölke- emissionsarme Wirtschaftspfade zu www.klima-und-gerechtigkeit.de

Nr. 97/2.08 25
merk-würdiges

Fernsehgeräte
Strom sparen für Fortgeschrittene

Statistisch gibt es in jedem Haushalt mehr als einen Fernse- Bildqualität und Energieeffizienz. Ihr Stromverbrauch liegt
her und jeder von ihnen verbraucht durchschnittlich 90 kWh bei gleicher Bildschirmgröße unterhalb der herkömmlichen
Strom im Jahr. Um aber weiter Geräte verkaufen zu können, Röhrengeräte. Plasmafernseher und Video-Beamer dagegen
bemüht sich die Industrie neue Produkte anzubieten. Seit sind nicht nur sehr teuer, sie verbrauchen auch sehr viel Strom:
einigen Jahren zeichnet sich ein Trend zu flachen Bildschirmen rund 4 bis 5 mal mehr als gleich große LCD Fernseher.
ab. Daneben geht die Entwicklung zu neuen Technologien, zu
LCD- oder TFT-Fernsehern, zu Plasmabildschirmen oder auch Neben der Technik spielt die Bildschirmgröße eine wichtige
zu Video-Beamern. Rolle beim Energieverbrauch. Je größer der Bildschirm, desto
höher wird die Stromrechnung. Dabei haben große Bildschirme
Der Energieverbrauch dieser Techniken ist höchst unterschied- nicht per se auch eine bessere Bildqualität. Die Anzahl der vom
lich. LCD und TFT Bildschirme gelten als zukunftsweisend in Sender übermittelten Bildpunkte ist immer gleich. Das kann
auf einem großen Bildschirm Unschärfen
zur Folge haben, die dann wieder mit
aufwändiger und oft energieintensiver
Technik korrigiert werden müssen.

Auch die 100-Hertz-Antiflimmertechnik


hält nicht immer, was sie verspricht,
verbraucht aber rund 30 Prozent mehr
Energie. Schauen sie sich vor dem Kauf
insbesondere schnell bewegte Bilder
kritisch an. Generell gilt: Schalten Sie
Ihren Fernseher immer vollständig aus,
wenn Sie ihn nicht benutzen, am besten
mit einem schaltbaren Netzstecker
oder einer schaltbaren Steckerleiste. So
vermeiden Sie viel unnötigen Stand-by
Verbrauch.

...und ein fernsehfreier Tag in der Woche


spart immerhin rund 12 kWh im Jahr.

Foto: Anne Bermüller/Pixelio

Wasserbetten
Wasserbetten sind groß in Mode. Sehr bequemes Liegen, Kühlschrank verbraucht etwa 170 kWh, ein Herd 400 kWh
als Voraussetzung für einen guten Schlaf und gesund- im Jahr. Damit verbraucht ein Wasserbett alleine etwa so viel
heitliche Vorteile für einen strapazierten Rücken, sind die Strom wie ein sparsamer Zwei-Personen Haushalt.
Dinge, die der Kunde von seiner neuen Liegestatt erwartet. Aus Umweltsicht kann ein Wasserbett daher nicht empfohlen
Energetische Betrachtungen geraten dabei leider oft in den werden. Wenn Sie aber schon eines haben, sollten Sie die
Hintergrund. folgenden Tipps beachten:
> Wählen Sie die niedrigste Wassertemperatur, die Ihnen
Denn Wasserbetten haben einen entscheidenden Nachteil: noch angenehm ist.
Damit man in diesen Betten nicht friert, müssen sie beheizt > Schalten Sie die Heizung tagsüber ab und erwärmen Sie
werden und das nicht nur im Winter, sondern das ganze das Wasser erst gegen Abend. Hierbei kann eine Zeitschaltuhr
Jahr über. Pro Bettstelle wird eine elektrische Heizung mit hilfreich sein.
ca. 300 W Leistung vorgehalten, um die ca. 600 Liter Was- > Denken Sie daran, die Heizung ganz abzustellen, wenn Sie
ser auf Temperatur zu bringen. das Bett länger nicht benutzen, z.B. im Urlaub.
> Versuchen Sie das Bett zu dämmen. So können Sie den
Dabei werden nicht nur die sehr umstrittenen elektromag- Bettkasten unter der Matratze mit geeigneten Materialien
netischen Felder im sensiblen Schlafbereich erzeugt, sondern füllen. Decken Sie tagsüber die Matratze von oben möglichst
auch erhebliche Umweltbelastungen durch den hohen vollständig mit der Bettdecke ab. Zusätzlich sollten Sie eine
Stromverbrauch. Pro Jahr benötigt ein solches Bett ca. Tagesdecke verwenden.
1000 kWh an elektrischer Energie. Zum Vergleich: Ein guter Werner Brinker, Darmstadt

26 Nr. 97/2.08
internes

Treffpunkte
Hier erfahren Sie, wann und wo die Aktiven von ROBIN Köln
WOOD sich treffen. Schauen Sie doch mal bei uns vorbei! Montag, 20.30 Uhr
Alte Feuerwache, Melchiorstr. 3
Bayreuth Freiburg koeln@robinwood.de
Johannes Krug, 0921/5087165 Bei uns können sich alle Interessier-
bayreuth@robinwood.de ten aus Baden-Württemberg melden: Leipzig
c/o Erik Mohr: 0761/4894617 oder Sebastian Vollnhals, c/o Infoladen Libelle,
Berlin 0172/7413995, freiburg@robinwood.de Kolonnadenstr. 19, 04109 Leipzig
Donnerstag, 20 Uhr (14-tägig) Tel.: 0341/2246650
im „Verwaltungsgebäude“ des RAW- Greifswald leipzig@robinwood.de
Tempels, Revaler Str. 99, 10245 Berlin- Birger Buhl, Tel.: 03834/513138
Friedrichshain greifswald@robinwood.de Rhein-Main
berlin@robinwood.de Termine erfragen bei:
Hamburg-Lüneburg rhein-main@robinwood.de
Braunschweig jeden 2. und 4. Mittwoch,
Donnerstag, 20 Uhr 18.30 Uhr in der Pressestelle, Rhein-Neckar
Ort bitte erfragen bei Nernstweg 32, 22765 Hamburg-Altona jeden 2. und 4. Dienstag um 19 Uhr
Thomas Erbe: 0531/2505865 Kathrin Scherer: 04131/206160 im ASV, Beilstraße 12, Mannheim
braunschweig@robinwood.de hamburg@robinwood.de Juliane Boß: 06221/589251
lueneburg@robinwood.de rhein-neckar@robinwood.de
Bremen
Geschäftsstelle: 0421/598288 Kassel München
Dienstag, 19 Uhr, (14-tägig, jeden 1. Donnerstag im Monat, 17 bis jeden 2. und 4. Mittwoch, 20 Uhr
gerade Wochen) 19 Uhr im Umwelthaus Kassel, Infos bei „Im Werkhaus“, Leonrodstr. 19
bremen@robinwood.de Klaus Schotte: 0561/878384 Tel.: 089/168117
kassel@robinwood.de muenchen@robinwood.de

Neues Projekt: ROBIN WOOD


gibt zusammen mit dem Verein
„Mieter helfen Mietern“ in Ham-
burg Tipps zum Stromwechsel.
Interessierte können sich jeden
2. und 4. Donnerstag im Mo-
nat von 17 bis 18 Uhr über den
Wechsel ihres Stromlieferanten
kostenlos und ausführlich beraten
lassen. MitarbeiterInnen von
ROBIN WOOD werden in der Ge-
schäftstelle des Mietervereins in
der Bartelsstraße 30 (Nähe U-/S-
Bahn Sternschanze) im Hambur-
ger Schanzenviertel alle Fragen
rund um den Anbieterwechsel
beantworten.

Bayreuther Umwelt-
tag 2007: ROBIN
WOOD wirbt auf
Plakatwänden für
den Wechsel zu
Ökostrom-Anbietern

Nr. 97/2.08 27
tatorte

Karlsruhe

Kohle killt Klima


Karlsruhe, 25.02.08: 14 AktivistInnen von ROBIN WOOD besetzten die Zufahrt zu einem Kohlekraftwerk bei Karlsruhe. An
diesem Standort plant der Stromriese EnBW die Kapazität des schon vorhandenen Kohlekraftwerks zu verdoppeln und somit
weitere fünf Milliarden Tonnen CO2 zusätzlich in die Luft zu blasen. Aus Protest dagegen richteten sich AktivistInnen auf zwei
sogenannten Dreibeinen sechs Meter über der Straße neun Stunden lang ein und entrollten ein Banner mit der Botschaft: „Keine
fossile Steinzeitenergie!“ ROBIN WOOD fordert, dass EnBW die rund eine Milliarde Euro, die für den Ausbau des Kraftwerks aus-
gegeben werden sollen, lieber in erneuerbare Energien investieren sollte. Stattdessen wurde am 28. Februar sogar der vorzeitige
Baubeginn des Klimakillers genehmigt. EnBW-KundInnen, die diese verantwortungslose Unternehmenspolitik nicht unterstützen
wollen, sind aufgerufen, zu einem Ökostromanbieter zu wechseln.

Hamburg-Moorburg, 12.03.08: Nicht nur das Klima,


auch Umwelt und Gesundheit werden durch die
geplanten 19 neuen Kohlekraftwerke schwer belastet:
Flüsse werden aufgeheizt, die Feinstaubbelastung wird
steigen. In Hamburg-Moorburg ist eins der größten
Steinkohle-Kraftwerke Deutschlands geplant. Bei
den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und der
grünen GAL war das ein wichtiger Verhandlungspunkt.
ROBIN WOOD-AktivistInnen forderten vom Energiekon-
zern Vattenfall sowie von der Politik, auf den Bau des
Klimakillers zu verzichten. Auf der schon bestehenden
Baustelle für das zukünftige Kraftwerk befestigten sie
an Strommasten ein großes Transparent mit der Auf-
schrift „Kohle macht krank!“ Um die Proteste gegen
Kohlekraft zu unterstützen, hat ROBIN WOOD ein
neues Faltblatt zum Thema erstellt, das mit regionalen
Einlegern versehen werden kann.

28 Nr. 97/2.08
tatorte

Faules Ei Bahnprivatisierung – Berlin


Große Koaliton gegen große Mehrheit
Das Holdingmodell zur Bahnprivatisierung ist beschlossen. Am 21. April
stimmte der SPD-Parteirat für ein „Holdingmodell light“: 24,9 Prozent des
Bereichs Güter- und Personentransport sollen unter dem Dach der Deutschen
Bahn AG an die Börse gehen. Der Rest der Anteile an der DB AG, darunter
die gesamte Infrastruktur, bleibt im Eigentum des Bundes. „Light“ beschönigt
jedoch die Folgen der Entscheidung. Das Holdingmodell ist der Einstieg in den
Ausverkauf der Bahn. Eine wirksame Begrenzung auf 24,9 Prozent wird es auf
lange Sicht nicht geben. Es gibt kein ordentliches Gesetzgebungsverfahren,
sondern nur einen Vertrag zwischen DB AG und Bund. Die Befürworter der Pri-
vatisierung frohlocken, dass schon beim jetzigen Aktienpaket die Mechanismen
des Kapitalmarktes für die gesamte Unternehmenspolitik greifen werden.

Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren – auf diese einfache Formel lässt


sich die Bahnpolitik der großen Koalition bringen. Die vermeintliche kurzfri-
stig vergrößerte Leistungsfähigkeit wird mit massiven, mittel- und langfristig
wirkenden Verschlechterungen erkauft. Diese werden den Steuerzahlenden,
den Beschäftigten und der Bahnkundschaft aufgebürdet. Insbesondere leidet
die Substanz der Bahn aufgrund der heruntergefahrenen Investitionen und
des Fahrens auf Verschleiß. Dazu kommen Immobilienverkäufe, vergrößerte
Rückstellungen und nicht bilanzierte öffentliche Zuschüsse in Milliardenhöhe,
zu denen sich der Bund auch gegenüber einem teilprivatisierten Unternehmen
verpflichtet.

Siebzig Prozent der Bürgerinnen und Bürger sind gegen jede Privatisierung Fotos: ROBIN WOOD
und wollen eine Bahn in öffentlicher Hand. Das hat eine von unserem Bünd-
nis im März in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage des Emnid-Instituts
ergeben. Die große Koalition stellt sich mit ihrer Entscheidung zur Bahnprivati- Nürnberg
sierung gegen die große Mehrheit der Bevölkerung.

Zwei Jahre hat ROBIN WOOD im Bündnis „Bahn für Alle“ intensiv gegen die
Privatisierung gestritten. Wir haben nicht alles, aber sehr viel erreicht: Das
Schienennetz bleibt vollständig in öffentlicher Hand, das Transport-Aktienpa-
ket fällt in der ersten Tranche deutlich kleiner aus. Vor allem aber haben wir
erreicht, dass die negativen Folgen der Privatisierung in aller Munde sind und
Medien und Politik die Interessen möglicher Käufer höchst aufmerksam ver-
folgen. Die DB-Führung hat ihren Börsenprospekt schon druckfertig. Ob und
wann sie ihn herausgibt ist noch offen.

Hamburg
ROBIN WOOD aktiv im Bündnis „Bahn für Alle“

Am 3. März spannten wir anlässlich des SPD-Parteirats ein Trans-


parent mit der Aufschrift „Hört die Signale – Stopp Börsenbahn“
vor dem Willy-Brandt-Haus. Davor tanzte das „Kellenballett“ der
Berliner Bahn-Aktiven. In zahlreichen Städten gab es kurz vor
Ostern Aktionen: In Nürnberg bekamen Reisende ein Stück vom
leckeren Bahnkuchen, in Hamburg fuhren riesige Ostereier als
Börsengeschenke durch den Hauptbahnhof, in Dresden postulier-
ten Hasen „Der Zug ist noch nicht abgefahren“, in Mainz startete
eine Rollköfferchen-Polonaise. Ende März veröffentlichten wir auf
einer buchstäblich überlaufenden Pressekonferenz unsere aktuelle
Umfrage und lieferten Hintergrundinformationen zur bevorste-
henden Bilanzpressekonferenz der DB AG und dem sozialdemo-
kratischen Entscheidungsprozess.

Nr. 97/2.08 29
verkehr

Elbe in Gefahr
Die größten zusammenhängenden Auenwälder Mitteleuropas, die letzten ihrer
Art, wurzeln heute noch an den Ufern der Mittelelbe. Noch! Ein kleines Relikt
unserer ehemaligen Urwälder blieb wie durch ein Wunder erhalten. Deshalb
und weil die Elbe noch nicht zur technisch perfekten Wasserstraße ausgebaut
war, hat die UNESCO diese Auenwälder schon 1979 als erstes Biosphärenreservat
ganz Deutschlands anerkannt. Derweil wird an der Unterelbe die nächste Fluß-
vertiefung geplant, damit die größten Schiffe der Welt jederzeit den Hambur-
ger Hafen anlaufen können.

Aktion von PRO ELBE: Die Elbe ist ein flacher Fluss, Herr Tiefensee!

M it der Deutschen Einheit atmete


die Elbe auf, die Verschmutzung
hatte ein Ende, zumindest in ihrer
den künftigen Güterverkehr auf der
Elbe erstellt: Millionen Tonnen sollten
100 Jahren hat sie sich zwischen Tor-
gau und Magdeburg um rund 2 Meter
schlimmsten Ausprägung. Die Fische 2015 transportiert werden, eine Ver- eingegraben - wird den Auenwäldern
kamen wieder zurück und selbst dreifachung gegenüber 1992. Seither das Wasser abgegraben. Und jedes
die Menschen wagen immer öfter wurde viel Geld investiert. Insgesamt Jahr fällt der Wasserstand in Fluss und
ein Bad in der Elbe, Elbe-Badefeste 300 Millionen Euro in die Häfen Aue weiter - eine fatale Entwicklung.
etablieren sich seit 2002. Doch die entlang von Elbe und Saale. Jährlich
Freude darüber wird mehr und mehr kommen für für Unterhaltung und 80 Mio. Euro für einen
getrübt. Die Wasserstraßenplaner Verwaltung der Bundeswasserstraßen nutzlosen Saale-Elbe-Kanal?
legen an Elbe und Saale Hand an. Elbe und Saale 40 Mio. Euro hinzu,
Große Europaschiffe sollen ganzjährig darin enthalten sind auch die Gelder Das Absurde: Je mehr Schotter - im
fahren können. 1992 wurde die erste für die laufenen Baumaßnahmen. Jähr- doppelten Sinne - in Elbe und Saale
„wissenschaftliche Prognose“ über lich werden 100 000 Tonnen schwere versenkt wird, um so weniger Güter-
Schottersteine an den Ufern der Elbe schiffe fahren auf den Flüssen. Derzeit
verkippt, sie wird eingeengt und ver- wird nur noch 1 Mio. Tonnen auf der
tieft, angeblich um die Schiffbarkeit zu Elbe transportiert. Es handelt sich also
verbessern. Durch die Eintiefung der um ein umgekehrtes Verhältnis: Je
Elbe - seit ihrer „Regulierung“ vor über mehr Geld in die Wasserstraßen Elbe
und Saale gesteckt wurde, um so we-
niger wurde auf dem Wasser transpor-
Da auf der Saale kaum noch tiert. Doch die Hoffnung der Wasser-
Güterschiffe fahren, soll ein straßenplaner stirbt zuletzt. Jetzt soll
Kanal bis an die Elbmündung ein neuer Kanal für den ganzjährigen
gebaut werden. Doch auch Saale-Elbe-Verkehr mit Europaschiffen
auf der Elbe fahren nur we- (1350 Tonnen Ladung) gebaut werden,
nige Güterschiffe: Denn Saale der Saale-Elbe-Kanal. Kosten: 80 Mio.
und Elbe fehlen für einen Euro. Ausgangspunkt ist der Hafen
rentablen Gütertransport die Halle. Erst in den 90er Jahren für 30
Fotos: E. Paul Dörfler nötigen Wassermengen Mio.Euro ausgebaut und modernisiert,

30 Nr. 97/2.08
verkehr
hat in den letzten zwei Jahren dort kein Öffentlichkeit an den Planungen beteiligt
Schiff mehr angelegt. Für diesen derzeit und bereits mit vorgezogenen Teilmaß-
einzigen Hafen an der Saale soll nun nahmen begonnen werden. Doch der
der Saale-Elbe-Kanal gebaut werden. Zeitplan ist ins Stocken geraten. Die of-
Das Problem: Die Schiffe können auch fizielle Begründung dazu: Das Vertrauen
nach dem Kanalbau die meiste Zeit des in das Verfahren und in Deichsicherheits-
Jahres nicht fahren, denn die am Kanal fragen solle erhöht und das Planfest-
anschließende Elbe ist nicht tief genug. stellungsverfahren vereinfacht werden.
So wird entweder ein „Geisterkanal“ Tatsächlich macht den Planern Probleme,
entstehen, wie der „Spiegel“ treffend dass es für die Vertiefung der Unterelbe
getitelt hat, oder die Elbe muss weiter auf etwa 60 Kilometern Länge um rund
vertieft werden. So wäre der Saalekanal 50 Zentimeter keinen stichhaltigen Be-
der Einstieg zur Kanalisierung der Elbe. darf gibt, wie aktuelle Zahlen belegen.
Den Auenwäldern wird dies mit Sicher- Mit dem ROBIN WOOD-Floß
heit nicht bekommen. 2007 haben 6501 Containerschiffe Ham- gegen den Ausbau der Elbe
burg angelaufen. Lediglich 4,55 Prozent
Dass der Güterschiffahrt in Zukunft das dieser Schiffe hatten tatsächlich einen
Wasser noch knapper zu werden droht, größeren Tiefgang als 12,80 Meter und die aktuellen Zahlen über Tiefgänge
weil wir nach allen Erkenntnissen der konnten die Unterelbe nur tideabhängig und Umschlagsmengen belegten, dass
Klimaforscher mit höheren Tempera- befahren. Wenn die Elbe weiter ausge- es keinen echten Bedarf für ein erneutes
turen und anhaltenden Trockenzeiten baggert wird, sollen Schiffe mit einem Ausbaggern der Elbe gibt. „Die ge-
zu rechnen haben, stört die Kanalplaner Tiefgang von 14,50 Meter den Hambur- plante Elbvertiefung entbehrt jeglicher
wenig. Die Bundesanstalt für Wasserbau ger Hafen jederzeit anfahren können. ökonomischer Grundlage und muss aus
geht in den Planungsunterlagen für den Tatsächlich haben 2007 bereits 587 ökologischen Gründen unterbleiben,“
Saalekanal - das Raumordnungsverfah- dieser Super-Post-Panmax-Schiffe mit fordert er. Denn Elbvertiefung und das
ren wurde im April 2008 eröffnet - von einer Transportkapazität zwischen 7000 Vernichten von Flachwassergebieten sind
einer „Trendfreiheit“ in Sachen Klima und 10.000 TEU den Hamburger Hafen verantwortlich dafür, dass der Sauer-
und Wasser bis 2050 aus. Der Klima- ohne Probleme angelaufen. stoff im Wasser knapp wird. Herbert
wandel schlägt also, ginge es nach den Nix verwundert es deshalb nicht, dass
Wasserstraßenbehörden, um Elbe und Obwohl der Containerumschlag seit trotz relativ verbesserter Wasserqualität
Saale einen Bogen. der letzten Elbvertiefung 1999 von 3,7 immer häufiger Sauerstofflöcher in der
auf rund zehn Millionen TEU (2007) Unterelbe auftreten und Fischsterben
20 Verbände und Initiativen rufen zugenommen hat, drohen die Planer, gemeldet werden.
deshalb den Bundesfinanzminister Peer dass ohne erneute Elbvertiefung ein
Steinbrück in einer Petition auf, den Umschlagsverlust von rund zwei Milli- Ernst Paul Dörfler engagiert sich
Kanalplanern das Geld zu entziehen. Wir onen TEU und damit die Vernichtung seit vielen Jahren für den Schutz
können es uns nicht leisten, für einen gi- von Arbeitsplätzen zu erwarten sei. Für der Elbe, www.elbeinsel.de
gantischen Kanal, den niemand braucht, Herbert Nix vom Hamburger „Förderkreis Infos zur Elbvertiefung aus
Steuermillionen und unsere Natur zu Rettet die Elbe e.V.“ sind die Kalkulati- „Waterkant“, Heft 1/2008
opfern. onen der Planer nicht aufgegangen und www.waterkant.info

Bekunden Sie Bundesfinanzminister Peer


Steinbrück Ihren Widerstand gegen die
Foto: argus/Frischmuth
Saale-Elbe-Kanalpläne! Unterzeichen Sie
noch heute: http://www.elbe-saale-ka-
nal-nein.de

Ökonomisch und ökologisch


nicht vertretbar: Geplante
Elbvertiefung bei Hamburg

Vor gut sechs Jahren hat Hamburg


die weitere Vertiefung der Unter- und
Außenelbe beantragt. 2007 sollte die

Auch größte Containerschiffe


können den Hamburger Hafen
schon heute erreichen

Nr. 97/2.08 31
wald

Briefe für Karibus und Regenwald

Foto: Valhalla Wilderness Society

Berlin, 31. Januar 2008: Nur sehr zöger- wortet. Campbell hatte im Oktober nale Protest durchaus von der Provinz-
lich ließ sich die diplomatische Vertreterin letzten Jahres einen Schutzplan für die regierung registriert worden ist. Es gäbe
der kanadischen Botschaft bewegen, das nur in dieser Region lebenden Bergkari- sogar Anzeichen, dass über einzelne
Berliner Botschaftsgebäude zu verlassen bus angekündigt. Doch dieser Plan war Punkte des völlig unzureichenden
und zu der kleinen ROBIN WOOD-Insze- mehr als halbherzig. Denn: Zum unver- Karibu-Schutzplans die Diskussion noch
nierung vor der Eingangstür zu kommen. zichtbaren Lebensraum dieser akut vom einmal neu eröffnet werden könnte.
Doch schließlich stand sie da, recht Aussterben bedrohten Tiere gehören auch Denn auch aus dem Umweltministerium
stumm, doch mit aufgesetzt freundlicher die Regenwäldern in den Tälern mit ihren kommen mittlerweile kritische Stim-
Miene, zwischen lebensgroßen Plüsch-Ka- eindrucksvollen, bis zu 80 Meter hohen men, die darauf hinweisen, dass selbst
ribus, ROBIN WOOD-Transparenten und Baumgiganten. Doch diese Wälder tau- die wenigen zum Schutz vorgesehenen
Pressefotografen. Stumm und freundlich chen im Schutzplan der Regierung kaum Regenwaldgebiete überwiegend Wald-
nahm sie auch die mit rund viereinhalb- auf. Die Forstindustrie kann dort weiter- flächen seien, die in den letzten Jahr-
tausend Unterschriften versehenen Pro- holzen wie bisher. zehnten abgeholzt wurden. Bergkaribus
testbriefe entgegen. Und ziemlich wort- brauchen aber für ihr Überleben alte,
karg versprach sie dann, alle diese Briefe Dass der Premier bislang nicht geantwor- über 140-jährige Wälder.
sofort an den Premier der kanadischen tet hat, kann sogar ein gutes Zeichen
Provinz British Columbia weiterzuleiten. sein. Denn normalerweise reagiert er re- Vielleicht ist es aber auch nur pures
lativ prompt mit einem freundlichen, aber Wunschdenken, dass die zunehmende
Noch hat Provinzchef Gordon Campbell recht nichts sagenden Schreiben. Mög- Kritik bereits Wirkung bei der Provinz-
nicht auf die Forderung nach einem licherweise rumort es bereits innerhalb regierung zeigt. Wir haben daher ein
umfassenden Schutz der Regenwäldern der Regierung. Die Valhalla Wilderness weiteres Paket an Gordon Campbell
im bergigen Osten seiner Provinz geant- Society, unsere Partnerorganisation vor geschnürt - mit den rund neunhundert
Ort, hat jeden- Protest-Unterschriften, die noch nach
falls bei ihren unserer Aktion bei uns eingegangen
Gesprächen und sind. Und wir haben eine Brief beigelegt,
Diskussionen der eine baldige Antwort des Premiers
den Eindruck anmahnt.
gewonnen, dass
der internatio- Rudolf Fenner, Hamburg

Fotos: Stephan Röhl

32 Nr. 97/2.08
wald

Vom Schweigen
im Walde
„Der Waldzustand in Deutschland hat
sich 2007 gegenüber dem Vorjahr
weiter verbessert“, ließ Forstminister
Seehofer per Presseerklärung verlauten.
Da hat er wohl seine Scheuklappen
noch etwas enger als sonst angelegt.
Denn diese Aussage beruht allein
auf den Zahlen für stark geschädigte
Bäume. Die haben sich nach den
Dürreschäden des überaus trockenen
Sommers 2003 tatsächlich etwas erholt.
Doch die Gesamtschäden in den Kronen
der Waldbäume liegen – nach Seeho-
fers eigener Statistik – im Jahr 2007
sogar höher als im Jahr zuvor: Nur 30
Prozent der Waldbäume erscheinen Landwirtschaftsbericht zwischen den Hauptforderung von ROBIN WOOD, die
äußerlich noch gesund. Die Fieberkurve Ausführungen zur Lage in der Land- auch mit einer E-Mail- und Postkarten-
des siechen Waldes zeigt unverändert und Fischereiwirtschaft untergehen zu Protestaktion an Seehofer im vergan-
nach oben. Besonders schlecht geht es lassen. genen Jahr unterstrichen wurde. Denn
dabei den Laubbäumen: Nur 15 Prozent wenn keiner mehr den Fieberverlauf des
der Buchen und 14 Prozent der Eichen Immerhin: Durchgesetzt, und zwar kranken Waldes dokumentiert, dann
haben noch keine Schadsymptome. Ein sowohl beim Bundesministerium als verliert jeder Bericht über den Zustand
dramatischer Trend! Hochgerechnet aus auch bei den Landesforstministerien, des Waldes seine Aussagekraft – egal
den Daten der letzten zweiundzwan- hat sich die Einsicht, dass es doch ob er nun jährlich oder nur alle vier
zig Jahre würden schon in etwa zehn wohl unverzichtbar ist, die Schäden in Jahre geschrieben wird.
Jahren keine gesunden Buchen und den Wäldern auch künftig jedes Jahr
Eichen in Deutschlands Wäldern mehr bundesweit zu erfassen. Dies war die Rudolf Fenner, Hamburg
zu finden sein.

Dass Seehofer beim Thema Waldster- Wunderbaum – Schadstufe vier*


ben nicht so genau hinschauen will,
hat Methode in seinem Ministerium. Wer kennt ihn nicht, den „Wunderbaum“, diese zwölf
Schließlich ist es auch zuständig für eine Zentimeter kleine Papp-Edeltanne, die seit knapp fünf-
der Hauptursachen des Waldsterbens: zig Jahren muffende Raumluft mit Vanille-, Apfel- oder
die hohen Stickstoff-Emissionen aus der gar Kokosnuss-Aroma zu optimieren versucht? Vor
landwirtschaftlichen Tierproduktion. allem Auto- und BeifahrerInnen dürften ihn kennen,
Bild: Volker Heuer, Heye & Partner

So wurden die aktuellen Daten zum denn am Rückspiegel vor der Windschutzscheibe, bau-
Waldsterben diesmal statt im Rahmen melt dieser notorische „Lufterfrischer“ am allerliebsten.
einer Pressekonferenz lediglich mit einer
Presseerklärung ins Internet gestellt. ROBIN WOOD bietet jetzt eine zeitgerechte, wenn
Prompt ging die Meldung fast unter auch geruchsfreie Version dieses Wunderbaums an, die
im allgemeinen Nachrichtengerausche. auch den aktuellen Zustand unseres nach frischer Luft
Überhaupt wird das Ministerium künf- schnappenden deutschen Waldes berücksichtigt. Das
tig nur noch einmal innerhalb einer ideale Geschenk für unverbesserliche Auto-Maniacs in
Legislaturperiode über den Zustand des Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis.
Waldes ausführlich berichten. Dies hat
das Ministerium Ende vergangenen Jah- Das Angebot ist limitiert. Rund 200 Exemplare – von
res mit einer Gesetzesänderung unter einer Münchener Agentur für ROBIN WOOD kreiert
dem Schlagwort „Bürokratieabbau“ – sind für eine Spende von mindestens 3,00 Euro pro
im Kabinett durchgesetzt. Allerdings Stück in der ROBIN WOOD-Geschäftsstelle zu bekom- * Bei der Erfassung der
wird dieser Waldbericht nun doch men. Bitte keine Zahlungen im Voraus. Ein Spenden- Waldschäden fallen abge-
gesondert publiziert. Denn ursprünglich vordruck wird der Sendung beigelegt. storbenen Bäume unter die
war sogar geplant, ihn im allgemeinen info@robinwood.de oder Telefon.: 0421/598288 Kategorie Schadstufe vier

Nr. 97/2.08 33
Ein Haus mit sieben Stock-
werken aus Holz wurde im
Zentrum von Berlin gebaut

Fotos: Kaden-Klingbeil/B. Borchardt/Berlin

„Raus aus dem


verstaubten Winkel“
Derzeit findet Holz in Deutschland fast ausschließlich Verwendung in der Innenaus-
stattung. In skandinavischen Ländern ist das anders. In Finnland etwa waren und sind
Holzhäuser in aufwendiger Blockhausarchitektur traditionell ein Privileg vermögender
Familien und der Kirchen. Und so findet man dort noch heute oft über 200 Jahre alte
Häuser, Speicher und Kirchen in Holzbauweise. Dass die nachwachsende Natur-Ressource
Holz auch in Deutschland eine Zukunft als Konstruktionsbaustoff haben könnte, zeigt
ein siebengeschossiges Mehrfamilienhaus in Berlin. Nur acht Wochen nach Baubeginn
feierten die Bauherren – die Baugruppe e3 – am 16. November 2007 Richtfest.

E iner der Bauherren ist Carsten


Probst. Nachdem die erste Pro-
jektgruppe „kollabiert“ war, stieß der
nen Konstruktionselemente ein hohes
Maß an gestalterischer Freiheit. Es gibt
praktisch sieben Etagen, die alle einen
Schriftsteller und Architekturkritiker anderen Grundriss haben. Eine Partei
zu der zweiten Gruppe, die sich aus zieht mit Kindern ein, ich selbst brauche
einigen der Ideengeber und neuen viel Platz zum Arbeiten. Es war spannend
Interessenten zusammengefunden zu sehen, wie die örtlichen Möglich-
hatte: „Für mich und meine Frau keiten, die Vorgaben der Behörden und
gab es mehrere Gründe, warum wir die Wünsche der Bauherren aufeinander
dieses Projekt so ansprechend fanden. abgestimmt wurden.“
Zunächst einmal war es günstiger
– allerdings auch risikoreicher –, das Die Idee zu diesem ungewöhnlichen
Haus nicht als fertiges Projekt von Projekt hatten im Juli 2005 eine Handvoll
einem etablierten Bauunternehmer desillusionierter Wohnungssucher, die
übernehmen zu müssen. Und dann eben nicht nur familienfreundlichen,
bietet das Haus durch seine einzel- sondern auch bezahlbaren Wohnraum

34 Nr. 97/2.08
perspektiven
suchten. Kein einfaches Unterfangen im land und Europa ein echtes Leuchtturm- wesentlich höher, als viele glauben.

grüne berufe
Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Die projekt! Für künftige Bauherren und Die Berliner Feuerwehr ist von unserem
Vision der Bauherren machte auch die Planer Vorbild und Beleg zugleich: Beim brandschutztechnischen Konzept absolut
Suche nach einem Architekten mit ent- Bauen in der Stadt kann der nachwach- überzeugt.“ Er glaubt an eine große
sprechendem Know how nicht einfach: sende, innovative Baustoff Holz einen Zukunft für den Konstruktionsstoff Holz
„Wir wollen ein Haus in Holz. Voll öko bedeutenden Beitrag zum Klima- und – auch in Deutschland: „Holz muss den
und alles. Aber nicht schratig, sondern Umweltschutz und zur Steigerung der verstaubten Winkel des suburbanen
modern. Und mitten in der Stadt,“ so Lebensqualität der Menschen leisten.“ Raums verlassen und zurückkehren in die
die Bauherren auf Ihrer Website. Dieser Meinung schloss sich Bundestags- Innenstädte.“
Als Partner wählten die Bauherren die Vizepräsident Wolfgang Thierse in sei-
Architekten „Kaden und Klingbeil“ in nem Grußwort an: „Ich freue mich, dass Annette Lübbers ist freie Journa-
Berlin. Tom Kaden und Tom Klingbeil be- in meiner unmittelbaren Nachbarschaft listin und wäre am liebsten mit ins
nutzen bereits seit 12 Jahren Holz auch ein solch einmaliges Projekt verwirkli- siebenstöckige Holzhaus eingezogen
im Konstruktionsbereich. Tom Kaden: cht wird. Wie hier in der Esmarchstr. 3 Kontakt: a-luebbers@versanet.de
„Es spricht in der Konstruktion eigentlich entdecken mehr und mehr Menschen,
alles für den Werkstoff Holz. Zum einen dass Bauen und Leben in Gemeinschaft
handelt es sich um einen natürlichen, nicht nur Kosten spart, sondern auch die Carsten Probst bedauert nur,
nachwachsenden Rohstoff, der zudem soziale Bindung, das gesellschaftliche dass aus Brandschutzgründen
den Vorteil hat, dass er enorme Mengen Miteinander und somit den persönlichen das Holz in der Fassade stark
CO bindet. Zum anderen erfüllt Holz
²
Lebensalltag eines jeden Projektbeteilig- verkapselt werden muss
Multifunktionen. Holz ist in einer Ebene ten bereichern kann.“
Konstruktions- und Dämmstoff zugleich.
Für Holz spricht außerdem die extrem Das von „seinem“ Holzhaus eine Si-
kurze Bauphase. Wir haben den Rohbau gnalwirkung ausgeht, dass hat Carsten
des siebenstöckigen Holzhauses in nur Probst schon während der Bauzeit erlebt:
acht Wochen Bauzeit errichtet. Möglich „In diesem alten Berliner Bezirk haben
wird diese kurze Bauphase dadurch, dass nach der Wende nicht alle, aber einige
Holzteile sich extrem gut vorfertigen potente Bauherren größere Bausünden
lassen.“ begangen. Da haben wir städtepla-
nerisch sicherlich einen neuen Akzent
Schade findet es Carsten Probst, dass gesetzt. Und das Medienecho während
der maßgebliche Werkstoff Holz in der der Bauzeit war so groß, dass es schon
Außenfassade des Hauses kaum sichtbar Beschwerden über die ständigen Stö-
wird. „Das Haus wurde aus brandschutz- rungen von den Bauleuten gab.“
technischen Sicherheitsvorhaben stark
verkapselt. Das wäre eigentlich nicht Bis sich der Werkstoff Holz im Außen-
nötig gewesen. Wenn es sich bei dem bereich aber wirklich durchsetzt, wird
Bauplatz nicht um ein Haus in einer be- es allerdings noch einige Zeit brauchen.
bauten Straße gehandelt hätte, sondern Architekt Tom Kaden: „Selbst Fachleute
um eine grüne Wiese, dann wäre die konservieren noch einige Vorurteile in
Holzoptik sicherlich besser zur Geltung Sachen Holzkonstruktion. Die Stabili-
gekommen.“ Die Vorbehalte der zukünf- tät von Holzhäusern ist zum Beispiel
tigen Nachbarn in Sachen Holzhaus und
Brandschutz „Gefährdet ihr uns gleich
mit?“ wurden mittlerweile ausgeräumt. Foto: F. P. Jäger
Das Haus ist nach Auskunft der Bau-
herren besser vor Bränden geschützt ist
als seine steinernen Nachbarn. Als Architekten
für ihr Holz-
Von den Vorteilen, die der Werkstoff haus wählten
Holz im Außenbereich bietet, zeigte sich die Bauherren
auf der Richtfeier Dirk Alfter, Vorstands- um Carl Probst
vorsitzender des Holzabsatzfonds, (ganz rechts)
überzeugt: „Die Planer und Bauherren Tom Kaden und
dieses ersten Siebengeschossers in Holz- Tom Klingbeil
bauweise beweisen eindrucksvoll, dass (4. u. 5. v.l.), die
die Vision vom ,Nachhaltigen Bauen’ seit 12 Jahren
Wirklichkeit werden kann. Für Deutsch- mit Holz bauen

Nr. 97/2.08 35
tropenwald

Zellstoff aus Brasilien...


Vor 40 Jahren vertrieb der brasilianische Zellstoff-Konzern Aracruz-Celulose die In-
digenen von ihrem Land und legte dort Eukalyptusplantagen an. Bis heute kämpfen
Quilombolas, Nachfahren afrikanischer Sklaven in Brasilien, und indigene Gemein-
schaften, wie die Tupinikim- und Guarani-Indianer, um ihr Land. Seit 2005 unterstützt
ROBIN WOOD sie dabei. In den Auseinandersetzungen geht es nicht nur um Land-
rechtskonflikte und Menschenrechte, sondern auch um Regenwaldzerstörung und
die ökologischen Folgen von Eukalyptusmonokulturen.

H auptabnehmer des Zellstoffs ist


der riesige US-Konzern Procter
und Gamble (P&G), der auch in Eu-
An der Rohstoffsituation hat sich bis-
her nicht sehr viel geändert. Doch was
ist seit dem in Brasilien passiert?
ropa und Deutschland seine Produkte
herstellt und vertreibt. Mit zahlreichen ... ein ewig währender
Aktionen, Besetzungen, Gesprächen Kampfstoff?
und Briefwechseln forderte ROBIN
WOOD vom Konsumgüterriesen Bis 2003 besaßen die Quilombolas
P&G für die Herstellung von Tempo- noch nie Landrechte. Erst dann wurde
Taschentücher und Hygienepapier der Quilombola-Kommune Linharinho
keinen Zellstoff mehr von Aracruz- im Norden des Bundesstaats Espirito
Celulose zu beziehen. Im März 2007 Santo zum ersten Mal über 9000
verkaufte P&G sein Hygienepapierge- Hektar Land zugesprochen. Dort hat-
schäft an den schwedischen Konzern ten sie gelebt, bis der Konzern Arac-
Svenska Cellulosa Aktiebolaget (SCA). ruz ihre Dörfer zerstörte und auf über
80 Prozent dieser Fläche Eukalyptus-
monokulturen anpflanzte. Bis heute
weigert sich Aracruz den Quilombolas
ihr Land zurückzugeben. Deshalb be-
setzten sie im Juli 2007 das Land und
fordern die Herausgabe von Aracruz. Noch im Januar 2006 wurden
Die Quilombolas in Linharinho wollen im Auftrag von Aracruz zwei
sobald wie möglich mit dem Wieder- Ortschaften der Indigenen völ-
aufbau ihrer Dörfer beginnen. lig zerstört und die Einwohne-
rInnen gewaltsam vertrieben
Zur gleichen Zeit besetzten auch die
Tupinikim und Guarani-Indianer ihr
Land. Ihre Dörfer Olho d´Água und anischen Justizminister endlich eine
Córrego d´Ouro hatten sie schon klare Aussage und eine eindeutige
einmal wiederaufgebaut. Direkt an- Entscheidung zu den Landrechts-
schließend, im Januar 2006, wurden fragen, mit denen er sich bisher
die beiden Ortschaften jedoch von der zurückgehalten hatte. Ende August
Polizei und Mitarbeitern von Aracruz 2007 unterschrieb der brasilianische
bei einem blutigen Übergriff gegen Justizminister Tarso Genro endlich die
die Indigenen völlig zerstört. Jetzt beiden Dekrete 1463 und 1464 und
forderten die Indigenen vom brasili- erklärte damit die insgesamt 18.070
Hektar zu indigenem Land, das an die
Tupinikim- und Guarani-Indiander zu-
ROBIN WOOD engagiert sich rückgegeben werden muss. Vor dieser
dafür, dass bei der Herstel- Entscheidung waren nur 7.061 Hektar
lung von Hygienepapier auf demarkiert, 11.000 Hektar befanden
den Einsatz von Zellstoff sich im „Besitz“ von Aracruz.
verzichtet wird, für den
Menschen von ihrem Land Die Unterschrift des Justizministers
vertrieben wurden war der wichtigste Schritt in der

36 Nr. 97/2.08
tropenwald
Demarkation des Landes und mit der
Anerkennung von Präsident Lula wurde
die Entscheidung bestätigt und abge-
schlossen. Jetzt können die Grenzlinien
gesetzt werden.

Die Tupinikim- und Guarani-Indianer


haben auf dem zurückgewonnenen
Land sofort mit dem Wiederaufbau ihrer
alten Dörfer begonnen. Im Dezember
2007 wohnten bereits vier Familien der
Guarani in dem neu aufgebauten Dorf
Olho d´Água. Der Wiederaufbau des
Dorfes Córrego d´Ouro wird das nächste
Projekt sein.
Nach langen
Die Indigenen haben zudem eine Auseinander-
Baumschule mit heimischen Baumarten setzungen
angelegt, um ihr Land wieder aufzufors- haben die
ten. Die ersten Schritte sind getan, aber Indigenen ihr
es liegt noch sehr viel Arbeit vor ihnen. Land endlich
ROBIN WOOD unterstützt die Indigenen vom brasi-
sowohl beim Wiederaufbau ihrer Dörfer lianischen
als auch bei einem Aufforstungsprojekt. Justizminister
zugesprochen
Die Tupinikim und Guarani-Indianer bekommen
haben durch ihren Kampf ein wichtiges
Zeichen im Landrechtsstreit gegen
Aracruz-Celulose gesetzt. Und sie haben anzuwenden. Der Konzern muss seinen
zugesichert, weitere Gemeinschaften Bisher hat SCA seinen Rohstoffliefe- Zellstofflieferanten wechseln und die Re-
wie z.B. die Quilombolas in ihrem ranten nicht gewechselt und bezieht für cyclingproduktion (zur Zeit nur „Danke“-
Kampf zu unterstützen. Sie werden also Tempo-Taschentücher, Bounty-Küchen- Toilettenpapier) wieder ausbauen.
weiterkämpfen für die Demarkation von rolle und andere Produkte weiterhin
Land, eine gerechte Landreform und die Zellstoff aus Eukalyptusplantagen von Jule Naundorf (jule_naundorf@web.
Verteidigung von kleinbäuerlicher Land- Aracruz. ROBIN WOOD fordert von SCA de) und Steph Grella (treeactivist@
wirtschaft gegen zerstörerische Eukalyp- seine eigenen ökologischen und sozialen gmx.de) sind in der Tropenwald-
tusmonokulturen. Kriterien bei der Rohstoffbeschaffung gruppe von ROBIN WOOD aktiv.

Die Rückgabe des Landes an die Indi-


genen ist ein Ergebnis ihres Zusammen- Foto: FASE
halts und ihrer Entschlossenheit für ihr
Land zu kämpfen, von dem sie gewalt-
sam vertrieben wurden. Ihr Mut, um die
Zukunft ihrer Kinder zu kämpfen, und
nicht zuletzt auch die starke Unterstüt-
zung von Organisationen sowohl in als
auch außerhalb von Brasilien haben
diesen Erfolg möglich gemacht.

Die Guarani- und Tupinikim-


Indianer haben sofort mit
dem Aufbau ihrer zerstör-
tem Dörfer begonnen. Die
BewohnerInnen sind gerade
dabei dort eine Baumschule
anzulegen

Nr. 97/2.08 37
strömungen

Foto: argus/UNEP/Doto

Smog 2000 in Italien: Sozial schwächere

Gerechtigkeit
Bevölkerungsgruppen leiden stärker
unter Umweltbelastungen

durch Umweltschutz
Erhöhtes Krebsrisiko in der Nähe von AKWs, Feinstaubbelastung an Hauptverkehrsstraßen,
Lärm- und Kerosinbelastung durch Flughäfen – dass Umweltbelastungen räumlich nicht
gleich verteilt sind, ist ziemlich offensichtlich. Mit zunehmender sozialer Polarisierung in
Deutschland wird deutlich, was in den USA schon lange bekannt ist und in der Environ-
mental Justice-Bewegung mündete: Sozial Schwache sind von Umweltbelastungen häufig
stärker betroffen als Andere. Die Forschung zur sozialen Verteilung der Belastungen steht
in Deutschland allerdings erst am Anfang und kann nur einzelne Belege liefern.

D ass auch innerhalb einer Wohl-


standsgesellschaft die Menschen
je nach Bildungsgrad und sozialem
ten der sozial benachteiligten Gruppen
zu finden als in den Wohlstands-
vierteln. Die Bürgerrechtsbewegung
entwickelt, dass Umweltschäden,
aber auch Umweltschutzmaßnahmen
bestimmte Regionen und Gruppen
Status unterschiedlich von Umwelt- prangerte diese ungleichen Lebens- stärker treffen als andere.
schäden betroffen sind und unter- verhältnisse an – es entwickelte sich
schiedliche Möglichkeiten haben, die Environmental Justice Bewegung. Die soziale Polarisierung ist in Deutsch-
mit diesen Belastungen umzugehen, 1994 wies US-Präsident Clinton die land nicht so ausgeprägt wie in den
macht ein Blick in die USA deutlich. Bundesbehörden und Ministerien an, USA, doch kommt die Bundesregie-
Dort sind viele Bevölkerungsgruppen Umweltgerechtigkeit in ihrem Zustän- rung in ihrem Armuts- und Reich-
in mehrerer Hinsicht benachteiligt. Die digkeitsbereich zu kontrollieren und zu tumsberichts 2005 zu dem Ergebnis,
nicht-weiße Bevölkerung ist häufig fördern. Die oberste Bundesbehörde dass Alleinerziehende, Menschen mit
weniger gut gebildet und deutlich EPA (Environmental Protection Agency) niedrigem Bildungsniveau und Mig-
stärker von Armut betroffen. etablierte eine Working Group Envi- ranten stärker von Armut betroffen
ronmental Justice und schuf spezielle sind. Sowohl das Armutsrisiko als auch
In den 1980er Jahren wurde immer Programme. Das erklärte Ziel dieser die Sozialhilfequote liegen für diese
deutlicher, dass sie auch verstärkt Um- Politik: keine gesellschaftliche Gruppe Gruppen deutlich über dem Bundes-
weltbelastungen ausgesetzt sind. Bei- soll einer übermäßigen Umweltbe- durchschnitt. Differenziert nach Alter
spielsweise sind Industrieanlagen, die lastung ausgesetzt sein. Mittlerweile sind v.a. Kinder und Jugendliche von
belastende Emissionen oder Abwässer hat sich in den USA ein tiefgehender Armut betroffen. Frauen tragen ein
produzieren, häufiger in Wohngebie- wissenschaftlicher Diskurs darüber höheres Armutsrisiko als Männer und

38 Nr. 97/2.08
strömungen
grundsätzlich wird die Kluft zwischen zur Verbesserung ihre Lebensqualität entscheiden. Dabei könnten Energiespar-
Arm und Reich immer gravierender. eingesetzt werden. Dass es sich bei maßnahmen und die Unabhängigkeit
den besonders belasteten Gruppen vom zukünftig deutlich teurer wer-
Der Armuts- und Reichtumsbericht ana- sehr wahrscheinlich um Menschen mit denden Öl und Gas vor allem die sozial
lysiert zwar nicht direkt das Bildungsni- geringem Einkommen, geringem Bil- schwachen Haushalte entlasten – für
veau armer Bevölkerungsgruppen, belegt dungsstand und niedrigem Sozialstatus Geringverdiener sind 100 Euro eben
aber, dass eine hochwertige Ausbildung handelt, legen zahlreiche Einzelstudien mehr als für Wohlhabende.
das Risiko der Erwerbslosigkeit deutlich nahe, die belegen konnten, dass diese Entscheidend ist aber auch, dass Ener-
vermindert. Weiter legt der Bericht dar, Personengruppen häufig an verkehrs- giesparkonzepte an die Möglichkeiten
dass der Gesundheitszustand der armen reichen Straßen leben. Eine Umwelt- der sozial Schwachen angepasst werden.
Bevölkerung vergleichsweise schlecht schutzmaßnahme wäre somit gleichzei- So bietet die Caritas Frankfurt Hartz-
ist. Zu den häufigen Krankheiten zählen tig eine soziale Maßnahme. IV-EmpfängerInnen eine kostenlose
Herzinfarkt, Verengung der Herzkranz- Energieberatung und stellt Energiespar-
gefäße, Bluthochdruck, Fettleibigkeit, Das Umweltbundesamt hat Gerechtig- lampen und Steckerleisten kostenlos zur
Diabetes, chronische Bronchitis, chro- keitsaspekte im aktuellen Kinder-Um- Verfügung, weil deren Anschaffung für
nische Rückenschmerzen – Krankheiten welt-Survey aufgegriffen. Die Auswer- viele Haushalte eine zu hohe Belastung
die sich teilweise auf Lärm- und Staub- tung der erhobenen Daten ist noch nicht wäre. Der BUND Berlin hat die erste
belastungen zurückführen lassen. Die abgeschlossen aber erste Ergebnisse türkischsprachige Energiesparbroschüre
soziale und räumliche Spaltung ist in zeigen, dass Kinder aus sozial schwachen herausgegeben.
Deutschland immerhin schon so weit Familien stärker mit Blei, Kinder aus
ausgeprägt, dass die Bundesregierung oberen sozialen Schichten stärker mit Dass Umweltschutz vor allem die Lebens-
1999 das Programm „Die soziale Stadt“ langlebigen Pflanzenschutzmitteln belas- situation von benachteiligten Gruppen
als Gegenmaßnahme ins Leben gerufen tet sind. Daten bezüglich des Wohnum- deutlich verbessern kann, sollte von den
hat (www.sozialestadt.de). feldes und der Schadstoffbelastung aus Umweltverbänden zukünftig stärker
Haushaltschemikalien werden derzeit betont werden. Warum machen wir
Die systematische Erforschung, in wie- noch ausgewertet. bei Forderungen nach einem besseren
weit Umweltbelastungen und umweltbe- Schutz vor Chemikalien, Feinstaub und
dingte Erkrankungen von sozialen Fak- Aber viele Fragen zur sozialen Ver- Verkehrslärm nicht stärker deutlich, wem
toren - wie Ausbildung, Einkommen und teilung von Umweltbelastungen sind dieser Schutz zugute kommt? Wenn eine
ethnische Zugehörigkeit - abhängen, noch offen: Sind arme und weniger geringere Lärmbelastung die Lernfähig-
ist in Deutschland noch unzureichend. gebildete Menschen stärker mit Pestizi- keit von Kindern verbessern kann und
Professor Werner Maschewsky – einer den und Chemikalien belastet, weil sie somit ihre Chancen auf Bildung und
der wenigen Umweltgerechtigkeitsexper- erstens weniger gut informiert sind und Wohlstand erhöht; wenn eine pestizid-
ten in Deutschland - kommt in seinen zweitens seltener ökologisch produ- freie Ernährung und die Reduzierung der
Recherchen zur Situation in Hamburg zierte Lebens- und Körperpflegemittel, Feinstaubbelastung die Gesundheit v.a.
zu dem Schluss, dass großtechnische Kleidung und Spielzeug kaufen? Werden von sozial schwachen Personengruppen
Anlagen wie Kraftwerke, Müllverbren- in Deutschland vom Klimawandel außer verbessert und Energiesparmaßnahmen
nungsanlagen und Raffinerien räumlich den Alten und Kranken noch weitere indirekt ihr Einkommen erhöht, dann
ungleichmäßig verteilt sind und ihre Bevölkerungsgruppen stärker betroffen tragen diese Maßnahmen zu mehr
Anzahl deutlich mit sozialen Indikatoren sein? Wer wird von der Bahnprivati- Gerechtigkeit bei und bewirken, dass
wie hohe Arbeitslosigkeit und Anzahl sierung und von der Reduzierung des benachteiligte Gruppen stärker gesamt-
der Sozialhilfeempfänger korreliert. Fast ÖPNV-Angebots im ländlichen Raum gesellschaftlich partizipieren können.
alle Umweltprobleme, die die Gesund- besonders betroffen sein? Und wer
heit beeinträchtigen, treten in sozial profitiert am meisten von ökologisch Letztendlich ließe sich mit dem Fokus auf
benachteiligten Stadtteilen auf. schädlichen Subventionen, wie die Ent- Umweltgerechtigkeit klar und anschau-
fernungspauschale? lich vermitteln, dass Umweltschutz
Zukünftig sollten bei der Datenerhebung nicht das Bonbon ist, das man vergeben
zur Umweltbelastung grundsätzlich Vom Gebäudesanierungsprogramm kann, wenn sozial und ökonomisch das
auch soziale Faktoren erfasst werden. beispielsweise profitieren bisher noch Optimum erreicht ist, sondern dass auch
Teilweise können aber auch vorhandene die Eigenheimbesitzer. Mieter, die ihren in einer scheinbar naturfern agierenden
Umwelt- und Sozialdaten genutzt und Energiebedarf über bauliche Ände- Gesellschaft die Grenzen für soziales und
miteinander verknüpft werden. Der rungen, wie Wärmeisolierung und den wirtschaftliches Handeln von der natür-
Berliner Senat hat kürzlich sowohl einen Einbau neuer Fenster, senken wollen, lichen Lebensgrundlage gesetzt werden.
aktuellen Sozial- und einen (Verkehrs)- können darüber nicht frei entscheiden
Lärmatlas veröffentlicht. Würden die und haben auch keine Handhabe, ihren Annette Littmeier ist Geografin
Daten miteinander verknüpft, könnten Vermieter dazu zu verpflichten. Ebenso und arbeitet für den Deutschen
Verkehrsberuhigungsmaßnahmen gezielt wenig können sie sich für eine Heizener- Naturschutzring in Berlin, Kontakt:
bei besonders belasteten Gruppen gieversorgung aus erneuerbaren Quellen annette.littmeier@dnr.de

Nr. 97/2.08 39
internes

Neuer ROBIN WOOD


Vorstand 2008
Ich bin Sara-Ann Lamp- Ich bin Jana Flemming und beende
mann, 25, und neben z.Z. mein Studium der Sozialwissen-
meinem umweltpoli- schaften in Berlin. Dabei setze ich
tischen Engagement mich kritisch mit den Beziehungen
studiere ich Psychologie zwischen Gesellschaft und ‚Natur‘
in Dresden. Das letzte auseinander. Damit das alles nicht
Jahr Vorstandsarbeit zu theoretisch bleibt, versuche ich
hat mir viel Einblick in diese Verhältnisse auch direkt zu
den Verein gebracht beeinflussen. Deshalb bin ich seit
und nun freue ich mich 2004 bei ROBIN WOOD aktiv. Auf
auf die Zusammenar- die Arbeit im Vorstand bin ich ge-
beit mit meinen neuen spannt und freue mich, den Verein
VorstandskollegInnen! so noch näher kennen zu lernen.

Mein Name ist Sebastian Volln- Ich bin Udo Sorgatz, 38 Jahre alt
hals und ich bin in der Regional- und selbstständiger Ingenieur in
gruppe Dresden-Leipzig-Cottbus Braunschweig. Zu ROBIN WOOD
zu Hause. Neben Umweltschutz bin ich 2002 über die Anti-
beschäftige ich mich mit Antimi- Atom-Bewegung gekommen.
litarismus und Antispeziesismus. Den Vorstand begreife ich als
Als Vorstand werde ich dafür Servicestelle, die zwischen den
eintreten, dass unser Verein auch Delegiertenversammlungen die
weiterhin das Ziel nicht aus den notwendigen Entscheidungen
Augen verliert: Wir wollen die trifft und Diskussionsprozesse
Welt retten! fördert.

Mein Name ist Janina


Chemnitz, 22, und ich
wohne in Tübingen, wo
ich eine Ausbildung zur
Hebamme mache. Da es
in Tübingen keine Regio-
nalgruppe gibt, freue mich
auf die Vorstandsarbeit,
die sich mit meinen derzei-
tigen Rahmenbedingungen
kreativ und kontinuierlich
Christof Neubauer, 22,
vereinbaren lässt.
kletter- und jonglierbegabtes
Säugetier. Baum-, fassaden-
Ich bin Florian Kubitz, 30, Mein Name ist Jürgen Mumme, 36, und hängemattenbewoh-
aus Hamburg und arbeite und ich arbeite z.Z. als Koordina- nendes, faultierähnliches,
bei einer Solarfirma. ROBIN tor beim Bündnis „Bahn für alle“. nachtaktives Lebewesen. Seit
WOOD habe ich 2001 bei Dadurch, dass ich bei ROBIN WOOD 5 Jahren im ROBIN WOOD
einer Castor-Aktion kennen Erfahrungen sowohl als Aktivist als Universum zu den Themen
gelernt, seit 2005 arbeite auch als Hauptamtlicher gesammelt Energie und Verkehr aktiv. Ein
ich in der Hamburger Regi- habe, sehe ich meine Aufgabe im sehr ambitioniertes Wesen,
onalgruppe mit. Ich freue Vorstand vor allem in einer inte- das davon redet, die Welt
mich sehr, dass ich in den grierenden Rolle. Ich freue mich auf retten zu wollen. Natürliche
Vorstand gewählt wurde. eine spannende Zeit. Umgebung: Berlin.

40 Nr. 97/2.08
bücher

Umweltengagiert
D er Leiter des Instituts für Zukunftsstudien
und Technologiebewertung, IZT, in Ber-
lin, Edgar Göll, ist ein energischer Verfechter
Schritten erläutert, so dass man sie direkt
für die eigenen Ziele anwenden kann.

einer gerechteren Weltwirtschafts- und Das Buch enthält eine übersichtliche tabel-
Sozialordnung, in der seiner Meinung nach larische Zusammenfassung der Ergebnisse
Umwelt- und Naturschutz wichtige Pfeiler der Sozialstudie. Aus den Tabellen lässt sich
der Neuordnung darstellen. Göll beschäftigt ablesen, in welchen Umweltbereichen sich
sich schon seit seinem Sozialwissenschafts- die Deutschen engagieren, wie stark das En-
studium Ende der 1970er Jahre mit den gagement in den unterschiedlichen sozialen
politisch-strukturellen Voraussetzungen für Milieus ausgeprägt ist (z.B. bürgerliches
gesellschaftliches Engagement. Der Schritt Milieu vs. Arbeitermilieu) und welche Mo-
war also für ihn klein, die notwendigen tivation für die Menschen dahinter steckt,
Schritte herauszufinden, die zu erfolgreichen sich für die Umwelt stark zu machen.
Umwelt- und Naturschutzprojekten führen.
Unterstützung suchte er sich bei der Soziolo- Zu interessanten Ergebnissen kommt die
gin Christine Henseling, die am IZT schon seit Studie auch bei der Frage, welche Um-
2003 zu Fragen von ökosozial nachhaltigem stände einem größeren Umweltengagement
Konsum und Bürgerengagement forscht. in Organisationen bisher entgegen stehen.
Präsentiert werden in ihrem Buch „Mobilisie- So wurde zum Beispiel von der Fokusgruppe
rung von Umweltengagement “ die Ergeb- der „Neuen Ehrenamtlichen“ ein Manko
nisse einer qualitativen Studie zur Motivation in der Betreuung Neuer in den Umwelt-
in der Bevölkerung, sich für Umweltthemen gruppen gesehen. Ihre Kritik richtete sich
zu engagieren, die vom deutschen Umwelt- hauptsächlich gegen die inneren Strukturen
ministerium in Auftrag gegeben wurde. in den Organisationen, die als „verkrustet“ Edgar A. Göll, Christine
und abschreckend bezeichnet wurden. Vor Henseling
Das Buch beschreibt anschaulich, aber in allem junge Leute mit neuen Ideen würden Mobilisierung von Um-
recht wissenschaftlicher Sprache, wie Um- sich durch diese Umstände häufig ausge- weltengagement – wie
weltorganisationen dabei unterstützt wer- bremst oder sogar ausgegrenzt fühlen. Unterstützungsmöglich-
den können, die Bereitschaft der Menschen Wichtig war für die Ehrenamtlichen außer- keiten für Umwelt- und
zu erhöhen, sich stärker für Umwelt und dem, dass ihr Engagement von den Haupt- Naturschutz erschlossen
Natur einzusetzen. Literatur wurde ausge- amtlichen gebührend anerkannt wird und werden können
wertet, gute Beispiele aus anderen Ländern sie in wichtige Entscheidungen einbezogen Bundesministerium für
betrachtet und Interviews mit ExpertInnen werden. Punkte, die auch bei ROBIN WOOD Umwelt, Naturschutz und
geführt. Die Autorin und der Autor stell- immer wieder heiß diskutiert werden, Reaktorsicherheit (Hrsg.)
ten sich die Frage, warum Umwelt bisher jedoch vor allem wegen der praktizierten Zukunftsstudien 32
gegenüber Themen wie Sport, Kirche oder Basisdemokratie weniger problematisch sind Verlag Peter Lang Europä-
Soziales bestenfalls eine mittelmäßige Un- als in einigen anderen Umweltverbänden. ischer Verlag der Wissen-
terstützung erfährt. Warum gibt es bisher schaften, 2007
eine große Kluft zwischen dem potenziellen Dieses Buch liest sich leider nicht einfach 138 Seiten, 19,80 Euro
und dem tatsächlichen gesellschaftlichen schnell nebenbei. Mit gutem Gewissen ISBN 978-3-631-56276-5
Umweltengagement? zu empfehlen ist es nur denjenigen, die
mit einer akademischen Ausdrucksweise Christian Offer, Frankfurt
Christine Henseling und Edgar Göll stellen vertraut sind und idealerweise schon ein
die Arbeit mit so genannten Fokusgruppen bisschen Erfahrung in Projektmanagement,
vor. Sie haben mit Hilfe dieser Methode ihre Verbandsorganisation oder Campaigning
Studie erarbeitet und empfehlen sie für die mitbringen. Dann aber kann man sich
Mobilisierung von Umweltengagement in schnell einlesen und die Erkenntnisse prak-
Vereinen und Verbänden. In einer Fokus- tisch umsetzen. Für alle, die schon länger in
gruppe diskutieren (Experten-)Gruppen einer Umweltorganisation aktiv sind und in
jeweils über ein vorgegebenes Thema. Das Zukunft mehr tragende Aufgaben über-
Ergebnis kommt durch den Gruppenprozess nehmen möchten, ist die Lektüre aber fast
zustande, es fließen also nicht nur Einzel- schon ein Muss, weil sie durch die vielen
meinungen sondern auch der Diskussions- Literaturhinweise und Umsetzungstipps die
prozess ins Resultat ein. Im Buch wird die oft zähe Verbands- und Organisationsarbeit
Methode in neun ausführlich beschriebenen erleichtern kann.

Nr. 97/2.08 41
titel

Die Stadt Wien bietet in ihren kommunalen Kitas und


Krankenhäusern nur noch zertifiziertes Bioessen an

Bioschmäh und Ökostrudel


Was hat Klimaschutz mit nachhaltiger Ernährung zu tun? Und wie können Städte und Ge-
meinden dafür gewonnen werden, in kommunalen Kindergärten und Krankenhäusern nur
noch zertifizierte Bioprodukte zu verwenden? Brigitte Biermann aus Hagen hat untersucht
wie zum Beispiel in Wien soziale, ökologische und ökonomische Aspekte auf dem Weg zu
einer nachhaltigen Ernährung zusammenwirken. Mit ihr sprach Christiane Weitzel.

? Nachhaltige Ernährung bedeutet in ? Welche Schwierigkeiten tauchten bung Wiens, der Biofleisch produziert.
Wien, dass mittlerweile 30 Prozent der beim Umstieg auf Bioprodukte auf? Ein Verantwortlicher der Stadt, der erst
Lebensmittel in den Krankenhäusern, das Projekt als Bioschmäh verun-
Altenheimen, Schulen und Kindergärten ! Die Großküchen stellten fest, dass sie glimpfte, war nach diesem Ausflug
zertifizierte Bioprodukte sind. Wer hat sich erst mal auf Biolebensmittel ein- begeistert und hat die Umstellung auf
diese Entwicklung angestoßen? stellen mussten. Also auf eine andere Bioprodukte tatkräftig unterstützt.
Lagerung oder dass der Strudelteig
! Die Idee Bioessen anzubieten, ist in mit Biomehl anders behandelt werden ? Welche Besonderheiten in Wien
einer Großküche eines Wiener Kranken- muss. Die motivierte Küchenleiterin haben beim Umstieg auf gesundes
hauses entstanden. Eine Küchenleiterin hat aber über diese Startschwierig- Bioessen geholfen?
hat sich dafür stark gemacht, weil sie keiten hinweggeholfen, neue Rezepte
der Meinung war, dass gesund machen probiert und weitergegeben, Ver- ! Die Stadt Wien hatte sich zu einem
ohne gesunde Nahrungsmittel nicht kostungen für PolitikerInnen und für ehrgeizigen Klimaschutz-Programm
ginge! Und sie bekam Rückendeckung MitarbeiterInnen anderer Großküchen verpflichtet. Dies umfasst auch das
von oben, von der Leitung der Umwelt- organisiert. städtische „ÖkoKauf“-Projekt, das
verwaltung aller Wiener Krankenhäuser. Die MitarbeiterInnen der ersten Groß- 1999 ins Leben gerufen wurde. Darin
Die BSE-Krise 2001 war der Anstoß für küche waren so engagiert, dass sie ist zum Beispiel vorgeschrieben, dass
die Großküche nur noch Biofleisch aus zur Erprobung neuer Herstellungsme- zum Schutz des Klimas nur Recycling-
der Region zu verarbeiten. Die Küchen- thoden viele Überstunden geschoben papier in städtischen Einrichtungen
MitarbeiterInnen waren von der Qualität haben. Waren Bioprodukte erst einmal benutzt werden darf.
des Fleisches begeistert und konnten eingeführt, wollten die Küchen nicht
weitere Großküchen für einen Umstieg mehr auf sie verzichten! Gleichzeitig hatte Wien eine kleine
gewinnen. Neben dem Fleisch wurde Studie veröffentlicht, in der klar belegt
nun auch immer mehr mit anderen Zur Öffentlichkeitsarbeit gehörte auch ist, dass Biolebensmittel klimaverträg-
Produkten aus Bioqualität gekocht. der Besuch eines Hofs in der Umge- licher sind als konventionell erzeugte.

42 Nr. 97/2.08
bücher
Mit Unterstützung der Grünen beschlos- heitsbehörden und die Einrichtungen dis-
sen die in Wien regierenden Sozialde- kutiert, wie viel Fleisch Kinder überhaupt
mokraten, in allen städtischen Schulen, brauchen und dass es wichtig sei, den
Kitas, Altenheimen und Krankenhäuser Anteil von Hülsenfrüchten zu erhöhen.
den Bioanteil in den angebotenen Als in Ferrara der Anteil an Biokost in ei-
Menüs auf 30 Prozent zu erhöhen. Ein nigen Einrichtungen 40 % erreicht hatte,
Ergebnis politischer Diskussionen war, steigerte er sich von allein weiter: Für
dass nicht parallel ein teureres Bioessen den Caterer, der in Ferrara die Schulen
neben den konventionellen angeboten mit Essen versorgt, war es zu aufwändig
werden sollte, sondern alle Gerichte zwei Produktlinien vorzuhalten und so
einen Bioanteil enthalten müssten. Sonst bot er in den Schulen fast vollständig
könnten sich zum Beispiel Kinder aus Bioprodukte an. Mittlerweile profitiert
finanziell schwächeren Familien das diese Firma nicht nur in Ferrara davon,
gesündere Bioessen nicht leisten. dass sie ihr Angebot erweitert hat.
Brigitte Biermann hat diese
Günstig für Wien ist auch, dass zur Untersuchung im Rahmen ih- ? Wie sieht die Zukunft des Projekts in
Stadt große landwirtschaftliche Flächen rer Promotion an der FernUni- Wien aus?
gehören, die in Wassereinzugsgebie- versität Hagen durchgeführt
ten liegen, und die sowieso schon von ! 2003 hat Wien beschlossen, dass bis
Öko-Betrieben bewirtschaftet werden. ! Das Küchenpersonal braucht Gestal- zum Ende der Legislaturperiode 2005 in
Also sind die Wege der Produkte zu den tungsmöglichkeiten, um nach und nach allen öffentlichen Einrichtungen der Stadt
VerbraucherInnen kurz und die Men- andere, also regionale und biologische ein Bio-Anteil von 50 Prozent erreicht sein
schen aus der Region profitieren von Produkte einzusetzen. Die Umstellung soll. Bei der Beschaffung wird vor allem
dem steigenden Bedarf an Bioprodukten. darf nicht nur von oben verordnet sein, auf Bioprodukte aus Österreich gesetzt,
sondern muss sich an die praktischen um der eigenen Bio-Landwirtschaft neue
? Sind mit der Umstellung auf Bio die Möglichkeiten vor Ort anpassen. Auch Impulse zu setzen. Wien konnte sich
Essen teurer geworden? die Hersteller und Zulieferer brauchen ein so ehrgeiziges Ziel setzen, weil die
Zeit und neues Wissen, um mitzuma- Kindergärten zum Beispiel heute bei gleich
! Die Grünen berechnete 2002, dass alle chen. bleibenden Kosten einen Bioanteil von 40
Eltern Mehrkosten von 0,12 Euro täglich Prozent garantieren können. Das liegt an
für das Schulessen aufbringen mussten. Gleichzeitig muss die Politik gute Argu- den großen Mengen Bioprodukten, die
Die Großküchen der Krankenhäuser mente dafür haben, dass verbesserte Wien mittlerweile abnimmt.
haben die Kosten für die Essen konstant Speisen großen Nachhaltigkeitszielen
gehalten, in dem sie den Fleischanteil dienen. Solche Argumente sind z.B.
leicht reduziert haben. Das ist gesünder Klimaschutz, Gesundheit oder lokale
und gut fürs Klima außerdem! Die Kran- Wirtschaftsförderung, also Themen, die
Hochschulschrif ten zur Nachhaltigkeit

kenhäuser stehen natürlich unter einem in der betroffenen Gemeinde bereits


großen finanziellen Druck. Zur Aufklä- oben auf der politischen Agenda stehen.
rungsarbeit hat deshalb auch gehört,
den Verantwortlichen klar zu machen, ? Was müssen Kommunen neben
dass wenn ein Krankenhausbett pro Tag engagierter Bildungs- und Öffentlich-
5000 Euro kostet, nicht bei den täg- keitsarbeit noch tun, um erfolgreich auf
lichen Kosten von 4 oder 3,20 Euro fürs Bioessen umzusteigen?
tägliche Essen gespart werden sollte. Brigitte Biermann

Hilfreich für das Projekt war, dass wenn ! Ganz wichtig ist es kulturelle Beson-
gespart oder gekürzt werden sollte, die derheiten und Traditionen zu beachten, Nachhaltige Ernährung
Küchen oder Schulen die PolitikerInnen damit die Leute mitziehen und ein Pro- Netzwerk-Politik auf dem Weg zu nachhaltiger
Gemeinschaftsverpflegung
daran erinnern konnten, dass sie den jekt nachhaltige Wirkung entfalten kann.
politischen Auftrag haben, das Klima- In Österreich gehört Fleisch zu einer
schutzprogramm umzusetzen und dass kompletten Mahlzeit unbedingt dazu.
Bioessen ein fester Bestandteil davon ist. Der „Dinkelbratling“ hat in Österreich Brigitte Biermann
ein ganz schlechtes Image. Nachhaltige Ernährung: Netzwerk-Politik
? Was ist denn neben engagierten Ich habe ein ähnliches Projekt in Ferrara, auf dem Weg zu nachhaltiger Gemein-
Leuten in den Küchen und politischer Italien, untersucht. Dort sollte die schaftsverpflegung
Unterstützung noch notwendig, damit Ernährung in den städtischen Schulen, Hochschulschriften zur Nachhaltigkeit 33
städtisch geförderte Kantinen und Kindergärten und -krippen auf Biopro- oekom Verlag, 2007
Mensen nachhaltigere Speisen anbieten dukte umgestellt werden. Gleichzeitig 333 Seiten, 39,90 Euro
können? haben die Eltern, die lokalen Gesund- ISBN 978-3-86581-072-4

Nr. 97/2.08 43
jugendseite
Die Vielfalt des Lebens entdecken
Jedes Jahr verschwinden über 10.000 Tier- und Pflanzenarten für Ignorant
Protozoan

immer von der Erdoberfläche. Nun fragt ihr euch sicher: Was kann Words by Tim Hubener und David Adu-Appeagyei

Moderate h = 160
Music by Tim Hubener

ich dagegen unternehmen? Auf dieser Seite stellen wir euch drei H
4
BB BB BB BBB BBB BBB BBB DB BB BB BBB BBB BBB BB BB BB BBB BBB BBB BBB

Lea dgita.
1

:4
B B B DB B B B
Initiativen vor, in denen Jugendliche sich für den Schutz der biolo- ] 44
^ ^ ^ ^

S chlagze ug
1

gischen Vielfalt engagieren. Macht ihr mit? ;4


1

Bass
: 44

Rhythmus.
1

Schulprojekte von BioFrankfurt H


BB BB BBB BBB BBB BBB
H
DB BB BB BBB BBB BBB BB DBBB BB BBB BBB BBB
4

L eadgita.
DB B B B DB
U ^ ^B ^B ^ ^ ^B ^ ^ ^ ^B ^B ^ ^ ^B ^
BB B B B BB B B B GB B

S chlagzeug
Zwölf Institutionen in Frankfurt am Main haben sich zum Netzwerk für Biodiver- B B B B
4

sität, BioFrankfurt, zusammengeschlossen. In ihrer Kampagne für die biologische Q B B B H B B B


B B B DB B B B B DB B B B
4

L L

Bass
Vielfalt der Rhein-Main-Region gibt es nun ein großes Bildungsprogramm mit H
B B B B BB BB BBB BB BB
BBB BBB BBB BB BB BB BB

Rhythmus.
DB
4

Workshops, einem Schul-Netzwerk und einem Kreativ-Wettbewerb. 26 Schüle- DB B B

rInnengruppen haben Poster, Spiele oder Songs eingereicht. Am 23. April wur-
den die Sieger auf einer Abendveranstaltung feierlich gekürt, auf der die Kölner „Viele sind so ignorant
Funk-Reggae-Band Sisters auftrat. 200 bis 500 Euro Preisgeld waren ausgelobt. und haben das noch nicht erkannt,
Die Sieger durften am 18. Mai gemeinsam mit dem Rapper Samy Deluxe auf der weil wegsehen viel zu einfach geht.
UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt auftreten. Auf www.biofrankfurt.de findet Man tut einfach so, als ob man nicht
Ihr weitere Aktionen - zum Beispiel einen Fotowettbewerb mit tollen Preisen! Dort versteht.
könnt ihr euch auch Filme, eine Ausstellung und Fotos über die Naturvielfalt im ...Also wach jetzt endlich auf
Rhein-Main-Gebiet anschauen. und fang an, dich zu bewegen.
In was für einer Welt
Poster von Stella Fangauf, Eugenia
sollen deine Kinder leben?“
Kriwoscheja, Nina Budel, Klasse 12,
Friedrich-Dessauer-Gymnasium, Song von Julian Rasch, Leon Torchalla,
Frankurt a. M. David Adu-Appeagyei, Tim Hubener,
Kl. 10, Wöhlerschule, Frankfurt a. M.

Werde Teil der


großen Naturallianz!

Auf www.naturallianz.de des Bundes-


Umweltministeriums gibt es eine breite
Palette von tollen Mitmachaktionen,
spannenden Materialien, Filmen und
Events, die ihr euch nicht entgehen las-
sen solltet. Das „LIVE NATURE“-Konzert
mit Bob Geldof und das Kinderkunst-
Festival mit seinen mobilen Kunstkontai-
Spiel der Klasse 6a der Friedrich-Ebert- ner sind nur zwei Beispiele von vielen.
Schule in Schwalbach Schaut mal rein!

Tag der Artenvielfalt wird 10! Foto: Malten/Senckenberg

Am 14. Juni 2008 findet der zehnte GEO-Tag der Artenvielfalt statt. An diesem Tag be-
weisen junge und alte Menschen, wie wichtig ihnen die Lebensvielfalt vor der eigenen
Haustür ist und warum wir alle uns zusammentun sollten, um sie zu erhalten. Viele Ein-
zelpersonen und Gruppen haben in der Vergangenheit kleine und große Aktionen rund
um das Thema biologische Vielfalt durchgeführt, die Öffentlichkeit wachgerüttelt oder
der Natur geholfen, indem sie Daten zum Schutz von Naturgebieten sammelten. Thema
der diesjährigen Natur-Reportagen ist „Vielfalt in Schutzgebieten“. Unter der Internet-
adresse www.geo.de/GEO/natur/oekologie/tag_der_artenvielfalt findet ihr die Berichte
von den bisherigen Aktionen und könnt euch für eure Veranstaltung anmelden.

44 Nr. 97/2.08
internes

A 44: Gewonnen - und doch verloren!


Die ROBIN WOOD Gruppe Kassel ist seit vielen Jahren Mitglied
der Aktionsgemeinschaft Verkehr Nordhessen (AVN). Nun gab
es einen wichtigen Termin vor dem Bundesverwaltungsgericht
(BVerwG) in Leipzig. Das Gericht akzeptierte die in letzter Minute
vom Land Hessen ausgeräumten Mängel des Planfeststellungs-
beschlusses zum Weiterbau der Autobahn 44 bei Hess. Lichtenau
und erklärte den Bau in der jetzt vorliegenden Fassung doch
noch für rechtmäßig. Der Bund für Umwelt und Naturschutz
Deutschland (BUND) hatte im Auftrag der AVN geklagt. Tour de Natur: 27. Juli – 9. August 2008
Nachdem das Bundesverwaltungsgericht am 17.05.2002 den Aktiv: Jung + Alt radeln gemeinsam für den Erhalt unserer
ersten Planfeststellungsbeschluss für die Nordumfahrung von Umwelt. Wir essen biologische Produkte, vegetarisch und
Hess. Lichtenau wegen Missachtung zentraler Vorschriften des regional erzeugt und sparen damit jede Menge CO2 ein. Wir
Naturschutzrechts beanstandet hatte, war auch der im Dezem- betreiben Aufklärungsarbeit über alle Medien, Diskussions-
ber 2005 erlassene Folgebescheid fehlerhaft. Als die Haltung des veranstaltungen und Marktplatzaktionen.
Gerichts dem Land Hessen während der Gerichtsverhandlungen Umweltbewegt: Wir bewegen uns, um andere zu bewe-
bewusst wurde, kehrte es in höchster Not und quasi in letzter gen. Wir sind uns einig, dass wir unseren Lebensstil drastisch
Minute am Ende der zweitägigen mündlichen Gerichtsverhand- verändern müssen, wenn unser Globus auch zukünftige
lung den Tenor der naturschutzrechtlichen Beurteilung vollstän- Generationen versorgen können soll.
dig um. Nur aufgrund dieser Planänderungen hatte die vom Unaufhaltsam: Wir fahren zu den umstrittensten deutschen
BUND erneut eingelegte Klage letztlich keinen abschließenden Verkehrsprojekten wie A 4/A 44/A 49 und dem Ausbau
Erfolg. von Elbe und Saale, um mit spektakulären Aktionen deren
Unsinnigkeit öffentlich zu machen und die Verantwortlichen
Auch wenn das Land die A 44 nunmehr in einem weiteren zu benennen.
Abschnitt bauen darf, setzen ROBIN WOOD und AVN weiter- Die Tour de Natur startet am 27. Juli
hin darauf, dass die Verkehrsprobleme nicht durch eine Natur in Gießen und führt über Marburg,
und Landschaft zerstörende Autobahn, sondern mittels LKW- Treysa und Borken nach Kassel. Nach
Durchfahrtsverboten in den Ortslagen und den Bau von Ortsum- einem Aktionstag geht die Fahrt weiter
gehungen gelöst wird. Im Sommer wird die Tour de Natur in u.a. über Eschwege und Eisleben zum
Nordhessen wieder bunt und kreativ für eine alternative Ver- Zielort Magdeburg. Dort wird die Tour
kehrspolitik demonstrieren. de Natur am 9. August ankommen.
Mehr Infos unter: www.avn.cooltips.de Mehr Infos: UmweltHaus Kassel,
Klaus Schotte, Tel. 0561/878384
Klaus Schotte, ROBIN WOOD Regionalgruppe Kassel www.tourdenatur.net

anzeigen

Utopisches Gärtnern
„Mit der Sense in der Hand...“:
Sommerworkcamp vom 3.-
13.8.08 auf unserem Waldgar-
tengelände in der Nähe von
Verden/ Niedersachsen. 11 Tage
zelten, arbeiten, Sonne genie-
ßen! Hast du Lust? Mehr über
uns findest du unter:
www.allmende.de.vu oder ruf
uns einfach an: 04231-905030.
Wir freuen uns auf dich!
Allmende e.V.
Gemeinschaftlicher Permakultur-
garten für Verden
Artilleriestr. 6, 27283 Verden

Nr. 97/2.08 45
post

Die Taiga retten!


Afrika: Ersatzteiltausch!
96/1.08, Verkehr: Auf Crash--Kurs D ie nordischen Wälder sind
stark bedroht. Und unser
verschwenderisch hoher Papier-
Kleine Ergänzung zur Ihrem Artikel über verbrauch ist einer der Haupt-
den Verkehr in Ghana: Ich bin Ende der gründe dafür. Die Schülerinnen
90er Jahre selbst mal 3 Wochen mit öffent- und Schüler der Klasse 8c des
lichen Verkehrsmitteln durch Ghana gereist Gymnasium Bondenwald in
und erfuhr, dass die ghanaische Regierung Hamburg waren so schockiert
immerhin versucht(e), mehr Verkehrssicher- darüber, wie diese Taigawälder
heit durch die Einführung einer Art TÜV zu ausgebeutet werden, dass sie im
schaffen. Da sich aber z.B. die vielen Taxi- Rahmen ihres Erdkundeunter-
fahrer die notwendigen Reparaturen nicht richts auf verschiedenen Folien
leisten können, wird ein defektes Ersatzteil einen Appell zum Schutz der
oft nur vorüber gehend gegen ein neues Taiga entworfen haben. Einen
oder wenigstens funktionsfähiges ausge- der tollen Entwürfe haben wir
tauscht und nach der Inspektion wieder hier abgedruckt. ROBIN WOOD
eingebaut. - Immerhin schafft das Arbeit in möchte sich an dieser Stelle
den Autowerkstätten. ganz herzlich bei den Schüle-
rInnen für ihr Engagement zum
Heidi Wenke Schutz der Wälder bedanken!

impressum

anzeigen Nummer 98/3.08

Magazin
Zeitschrift für Umweltschutz und Ökologie
Erscheinungsweise vierteljährlich
Redaktion: Sabine Genz, Angelika Krumm, Annette
Littmeier, Christian Offer, Regine Richter,
Dr. Christiane Weitzel (V.i.S.d.P.)
Verantwortlich für Layout, Satz, Fotos und Anzeigen
ist die Redaktion
Verlag: ROBIN WOOD-Magazin
Lindenallee 32, 16303 Schwedt
Postfach 10 04 03, 16294 Schwedt
Tel.: 03332/2520-10, Fax: -11
magazin@robinwood.de
Jahresabonnement: 12,- Euro inkl. Versand
zu beziehen über: ROBIN WOOD e.V.,
Geschäftsstelle, Postfach 10 21 22, 28021 Bremen,
Tel.: 0421/59828-8, Fax: -72
info@robinwood.de, www.robinwood.de
Der Bezug des ROBIN WOOD-Magazins ist
im Mitgliedsbeitrag enthalten
Gesamtherstellung: Druckhaus Bayreuth,
www.druckhaus-bayreuth.de
Rollenoffsetdruck, Auflage: 11000
Das ROBIN WOOD-Magazin erscheint auf 100% Altpa-
pier augezeichnet mit dem Blauen Engel
Titelbild: argus/Andrews
Spendenkonto: ROBIN WOOD e.V., Postbank Hamburg,
BLZ: 20010020, Konto: 1573-208

46 Nr. 98/3.08
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Datum, Unterschrift
Foto: dpa

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