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Die Zigarette und die Basis der Volksgewalt:

Hysterie, Vernunft und Meinung

Ein Alter Ego hatte mit einem ähnlichen Gedanken auch schon mal gemeint, ein bißchen
zur Einsicht, auf die nur zu spekulieren ist, zu bewegen, vielleicht sogar eine Umkehr,
was sonst wäre der Sinn solcher Bemühung, mit-bewirken zu können.

Mit Tabak ein Geschäft zu machen, ist nach wie vor erlaubt. Eine Umstellung auf eine
Produktion, die auf ein schadstoffarmes Gut aus ist, damit eine Begrenzung
gesundheitsschädlichen Konsums des Giftes, ausgeschlossen. Die Hysterie, die, aber wer
interessiert sich schon dafür, wiewohl man daran Geschichte studieren könnte, einmal im
Pentagon ihren Anfang nahm, einfach zu weit fortgeschritten.

Rauchen in den eigenen Wänden ist noch erlaubt. Wenn der Mietvertrag nichts
Gegenteiliges enthält. Das Mehrheitsvolk im Freistaat Bayern hat inzwischen Gericht
gesprochen: Demokratie, ob repräsentativ oder Basis, ist von Natur aus auf Verbot aus.

Und wer, außer dem Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur, hat eigentlich
gegen die inszenierte Hysterie und den Verbotswahn jemals etwas zu unternehmen
versucht?

Das mag ich ja: die große Theorie im Rückspiegel zu verbreitende Predigten abliefern,
weil jede über Papierform hinausgehende praktische Einmischung die Würde der eigenen
Gemeinde antastete, den Staat überhaupt zum Wertmesser allen Übels erklären, damit
ihm unter dem Generalvorbehalt seiner Abschaffung nur jeder zu Kreuze krieche, um die
bessere Interpretation eines an der Favoritenrolle der eigenen Geistesgüte gemessenen
Weltlaufs die Schlachten ideell so zu antizipieren, daß jemand, der noch bei Sinnen ist,
gar nicht mehr weiß, vor was & wem er sich eigentlich mehr fürchten soll, zumal das
unverschämte Zuordnungwesen ja auch nicht nur von Pappe ist, aber da, wo es einer
paffenden Minderheit an den Kragen geht, das Maul genau so zu halten, wie man sich
ansonsten bei der Linderung und Behebung der den Ärmsten, Alten und Behinderten
verordneten Gemeinheiten die Hände auch nicht schmutzig machen will.

Lang lebe die Revolution im Hinterzimmer!

[Clara, Sept. 2010]

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Acht Jahre früher:


"Fast die ganze Welt spricht von Umwelt und denkt sich nichts dabei. Die Welt um die Welt
herum, jawohl, das ist die Umwelt. Aber offensichtlich ist in dieser Wortschöpfung der je einzelne
Mensch die Welt, so dass ihm alles, was um ihn herum ist, zum Um-ihn gerät. Da er ja die Welt
ist, ist die Welt um ihn herum, eben die Umwelt. Auf diese Weise gibt es über 6 Milliarden Welten
auf der Welt. Wer da nicht verrückt wird! Denn ihnen entsprechen nochmals mindestens genau
so viel Meinungen. Da manche sogar zwei oder drei Meinungen oder noch mehr zu einer Sache
haben, je nachdem, wem sie die Meinung kundtun müssen, gibt's auch noch rund 20 Milliarden
Meinungen. Weil nun jede Meinung wiederum ihre eigene Welt hat und ist, gibt es genau
genommen 20 Millarden Welten auf der Welt. Ein Hoch der Meinungsfreiheit! Gäbe es sonst so
viele Welten? Es muss noch mehr Meinungen geben, damit mehr Freiheit ist. Diese Entwicklung
dient auch dem erneuten Beweis des statistischen Gesetzes: Die Zahl derer, die nichts zu sagen
haben, nimmt im umgekehrten Verhältnis im Verhältnis zu denen, die etwas zu sagen haben,
proportional zu. Und umgekehrt. Oder so ähnlich. - Was aber das Schlimme an der Sache ist, ist
nicht ihr Witz, vielmehr seine Bedeutung. Denn spricht der Mensch von seiner Umwelt, stellt er
sie sich als wesentlich grösser und damit bedeutungsvoller vor, als er es selber ist. Dieses
Verhältnis zur Welt erfordert in der Tat eine Ehrerbietung, wenigstens 2x am Tag, einmal wenn
auf der Strasse geraucht wird, und dann wieder, wenn im Betrieb dasselbe geschieht, schwingt
man sich zum Naturfan auf. Der umweltfreundliche Antiraucher läuft zu grosser Form auf in der
Kollegenschelte, obwohl er sonst nie das Maul aufreisst. Noch nicht einmal auf einer Demo
gegen die Atomkraftwerke hat er sich eingefunden, denn da kann man ja eh nichts machen.
Gegen das Rauchen und vor allem gegen die Raucher.Innen zu sein, das gehört sich. Denn da
kann man bei sich selbst beginnen, was zu verändern. Und das ist vernünftig. Während die AKW-
Gegner, man sehe sie sich nur an, sich sogar beim Rauchen erwischen lassen. Dann können sie
ja nur unvernünftig sein. So hat halt jeder seine Vernunft. Mit ihr ist es wie mit der Meinung ... ."

Und ich bleibe auch beim Resümee, das jenem Artikel aus dem Sept. 2002, dem obige
Anmerkung entstammt, anhing:

FAZIT 1: Auch wenn dies und ganz bewusst Marx und dem alt-orthodoxen Marxismus
widerspricht: Dann kann die Revolution auch nichts taugen, d.h. ihre Träger sind ihrer aus
allgemeinen Gesichtspunkten der kommunistischen Menschlichkeit gar nicht fähig. Wer nur von
[& vom] 'Menscheln' faselt und vor Schlimmem warnt, wenn er das Wort nur hört, der hat bei
aller Kunst der Ableitung von Staat und Kapital vom Kommunismus noch nichts begriffen. Der
Verfasser ist ja auch nicht gegen den Kommunismus, weil er die politischen Werke Stalins und
seiner Konsorten für ein Verbrechen am Kommunismus hält.

FAZIT 2: "Stoppt die Motte, heißt also in diesem Herbst der Slogan für Berlin. Nach den Worten
Strieders ist dies nahezu eine staatstragende Aufgabe - die Bäume, so der Senator, prägten
schließlich die Identität Berlins." - Dieser nicht nur ideelle, sondern [...] auch praktizierte
Zusammenschluss der Mottenbekämpfung als staatstragender Aufgabe mit dem
Prägungsmerkmal Rosskastanienbaum der Identität Berlins ist bereits Faschismus in der
Demokratie. Dieses Mal waren die Empfänger der Sozialhilfe seine Adressaten. Und so, wie
dargestellt, ist die Verlaufsform der Kommunikation einer faschistischen Demokratie oder eines
demokratischen Faschismus, wie es einem beliebt, weil das eine die Qualität vom anderen hat
und umgekehrt. Beim nächsten Mal kann es schon ganz andere treffen.
FAZIT 3: Es gibt also viele gute Gründe, gegen diese Strömung zu schwimmen, um nicht im Fluss
vom Anfang bis zum Ende unterzugehen. Ein Bewusstsein der Kräfte, die man hat, und darüber,
wie sie beschaffen sind, was für Mittel sie haben, kann dafür taugen, wenigstens
Sperrminoritäten aufzurichten, die den weiteren Fortgang des Fadens der Zeit verhindern. Damit
wäre für die eigene Sache vielleicht noch nicht viel gewonnen, türmt sich doch noch immer eine
schier unüberwindliche Macht vor einem auf, einem Attentismus, der sich allein in der Theorie
sonnt, in praktischer Absicht aber nichts und von nichts als seinem negativen Urteil über die
Verfasstheit nicht nur der organisierten Oppositionellen mit sozialrevolutionärer Zielsetzung,
sondern auch und vor allem des potentiellen Subjekts der Umgestaltung aller Verhältnisse, der
werktätigen Bevölkerung, wissen will, dagegen schon um Längen voraus.