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Leben heißt handeln 2.95 € · ISSN 1437-7543 · Nr. 99/4.

2008

magazin

Nomaden:
zwischen Krise
und Aufbruch
WALD
Berg-Ahorn: Baum des
Jahres 2009

ENERGIE
Atommüll stoppen

TROPENWALD
Schmierige Geschäfte
mit Palmöl
inhalt

titel

6 Nomaden zwischen Krise und Aufbruch


12 Wüstentourismus: „Das Heft des Handelns in der Hand“
14 Strahlende Wüste

Seite 6
Foto: Annette Lübbers

Seite 16

wald

Herr der Berge: Der Bergahorn - Baum des Jahres 2009 16


Das Blatt wendet sich 22
Wisch und weg ist der Baum 23

Foto: Michael Brunner

Seite 24

tropenwald

24 Indonesische UmweltschützerInnen und ROBIN WOOD


protestieren: Der Agrarkonzern Wilmar ist weiter auf
Raubbau-Kurs

Foto: Watch Indonesia!

2 Nr. 99/4.08
inhalt

tatorte
26 ROBIN WOOD-Floßtour 2008: Auf dem Strom gegen
Kohle und Atom
28 Aktionskraft gegen Kohlekraft
29 Bremen ist Spitze - auch beim Feinstaub

Seite 26

Seite 32
energie
Castor stoppen 30
Auslaufmodell Asse 32
FINGER WEG von Belene 34

kleinholz
Rock for Nature und Plant-for-the-Planet! 37

internes
Neue Broschüre: Zündstoff. Verkehr und Klima 41
Foto-Wettbewerb: Der Atomkraft-Lobby eine kleben 41
Broschüre: Ihr Wille ist wichtig! 44
ÖkoKalender 2009 45

Seite 42 verkehr
38 Kein Kahlschlag für Flughafen
39 Aussetzen!: Börsengang der Bahn gestoppt

bücher
35 Mindbombs
36 Uns gehört die Welt
40 Tödliche Schüsse
40 Engelwald und Bengelwald

strömungen
42 social fashion (r)evolution

46 impressum

Nr. 99/4.08 3
editorial

Liebe Leserinnen und Leser!


Die Nomadenvölker der westlichen Sahara Obwohl es weltweit kein sicheres Endlager für
werden durch willkürliche Grenzziehungen in den gefährlichen Strahlenmüll gibt und gerade
ihrer Bewegungs- und Geschäftsfreiheit massiv die älteren Meiler besonders störanfällig sind,
behindert. Dazu kommt, dass der Klimawandel setzen Atomkonzerne und Teile der Bundes-
die Brunnen in der Region versiegen und die regierung auf Laufzeitverlängerung für die
Weidegründe ihres Viehs verdorren lässt. Lesen AKWs. Während die Energiekonzerne dadurch
Sie dazu mehr im titel dieser Ausgabe und wie Milliarden-Gewinne einfahren wollen, sollen
eine Initiative der Tuareg sich nachhaltigen und die BürgerInnen die Risiken und Kosten für die
fairen Wüstentourismus als wichtige Nebener- fortgesetzte Produktion und Beseitigung des
werbsquelle erschlossen hat. Aber nicht nur der Strahlenmülls tragen. Die jüngsten Ereignisse
Klimawandel macht den Tuareg zu schaffen. Seit in der Asse II zeigen, dass die Atomwirtschaft
Jahrzehnten beuten französische Firmen ohne die enormen Gefahren nicht im Griff hat.
Rücksicht auf die dort lebenden Menschen am Das dortige Atommüll-Lager mit seinen über
südlichen Rand der Sahara Uranvorkommen aus 125.000 Fässern Atommüll droht schon nach
und verseuchen mit ihren strahlenden Abfällen 40 Jahren abzusaufen. Wer glaubt da noch,
die Umwelt. dass in Gorleben die Abfälle für eine Million
Jahre sicher seien?
In Deutschland wurde in diesem Jahr wieder
Atommüll durch die Landschaft kutschiert – aus Im Namen der Schwedt/Berliner Redaktion
Frankreich rollte ein Atommüll-Transport ins Zwi- wünsche ich Ihnen eine besinnliche Vorweih-
schenlager nach Gorleben. Die Anti-Atom-Be- nachstzeit, in der nur Kinderaugen und Kerzen
wegung muss jetzt starke Zeichen setzen, denn um die Wette strahlen, Ihre
der Kampf um Gorleben und den Weiterbetrieb
der Atomkraftwerke ist mit Blick auf die anste-
hende Bundestagswahl wieder voll entbrannt.

„O du fröhliche ...“
Wer in den kommenden Wochen zum alljährlichen Weihnachtsbaumkauf aufbricht und dabei
auch ökologische Aspekte beachten will, der sollte unter www.robinwood.de einen kurzen
Blick auf den Öko-Knigge für den Christbaumkauf werfen. Auf den Internetseiten von
ROBIN WOOD gibt es neben diesen Tipps auch dieses Jahr wieder eine Liste, die bei der Suche
nach Öko-, Bio- oder Agenda 21-Christbäumen hilft. Vielleicht werden ja ganz in Ihrer Nähe
Bäume oder Schmuckreiser angeboten, die ein unabhängig geprüftes Öko-Zertifikat – von Na-
turland oder vom FSC (Forest Stewardship Council) – tragen! Die Tipps und das Verzeichnis, wo
es zertifizierte Weihnachtsbäume zu kaufen gibt, schicken wir Ihnen auch gerne per Post zu.
Kontakt: Rudolf Fenner, Tel.: 040/38089211, wald@robinwood.de

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tatorte

Kreative Aktionen sind das Marken-


28.07.08: „Gegen Kohle und zeichen von ROBIN WOOD: Zwölf Ak-
Atom: Die Zukunft ist erneu- tivistInnen sind seit Ende Juli mit dem
erbar“– zum Start der ROBIN ROBIN WOOD-Floß unter dem Slogan
WOOD- Floßtour 2008 hissten „Aktiv gegen Dreckstrom aus Kohle
Aktive das Motto der Tour an und Atom“ auf der Elbe unterwegs
der Albertbrücke in Dresden

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titel

6 Nr. 99/4.08
titel

Hoffnung in der Wüste


Nomaden zwischen Krise und Aufbruch
Angehörige wandernder Hirtenvölker werden seit Jahrhunderten unter-
drückt und diskriminiert. Ihre Existenz ist heute zusätzlich durch den Klima-
wandel bedroht, der die Weidegründe ihres Viehs austrocknen lässt. Doch
Nomaden wie die Tuareg in Nordafrika sind stolze Menschen: Mit viel Le-
bensmut widerstehen sie dem Untergang ihrer Kulturen. Sie beweisen ihre
tradierte Flexibilität durch neue Erwerbsformen im Halb-Nomadentum, ohne
dabei ihre Herkunft und Traditionen zu verraten.

N omadisierende Hirtenvölker gibt es in


allen Erdteilen. Das Wort Nomade stammt
vom griechischen Wort „nomos“ für Weide-
ein Konflikt zwischen Besitzstandswahrenden
und „Habenichtsen“, zwischen Sicherheit und
Ungewissheit. Monbiot vertritt die provokante
land. Identität und Überleben der Nomaden These, das Wesen jedes „zivilisierten“ Men-
sind aufs Engste mit ihren Nutztieren verbun- schen sei auch nach Tausenden von Jahren
den. Die nomadische Anpassungsleistung an Sozialevolution immer noch ein nomadisches.
die oft kargen Lebensräume wirken manchmal „Unsere Gehirne, die Beschaffenheit unseres
fast übermenschlich. Sie ist unter dem Zwang Körpers und unsere seelische Identität sind
des Überlebens unter widrigen Klimabedin- die von Umherziehenden. Dieses Selbstbild
gungen entstanden. Dieses Überleben steht hat sich bereits in der Frühzeit des Menschen
nun mehr denn je auf des Messers Schneide: herausgebildet, als dessen Sippen durch die
Der Klimawandel lässt Brunnen versiegen und zentralafrikanischen Savannen zogen.“ Die
die Vegetation immer spärlicher wachsen. Rastlosigkeit, die wir verspüren, sei unheil-
Steppen und Wüsten breiten sich aus und be- bar, weil sie ein grundlegender Bestandteil
drohen die Existenz der uralten Hirtenkulturen unseres Wesens sei. „Wir, die Bleibenden,
wie zum Beispiel die der Tuareg-Nomaden in verabscheuen die Umherziehenden - seien es
Nordafrika. Hunnen, Mongolen, Kurden oder Zigeuner.
Für unsere Verachtung gibt es einen wichtigen
Sesshafte gegen Wandernde - ein Grund: Sie erinnern uns daran, wer wir waren
archaischer Konflikt? und nicht mehr sein können.“

Sesshaften fehlt oft der Zugang zur noma- Der Historiker Dr. Ulf Scharrer, der über
dischen Kultur. An vielen Orten der Welt wer- Nomaden und Sesshafte promovierte, stützt
den nomadisierende Völker an den Rand der Monbiots These zum Teil mit seiner Ana-
Gesellschaft gedrängt und erleiden oft mas- lyse: Nomadisierende Völker stünden auf
sive Repressalien: Die Turkana, Samburu und der ganzen Welt am Rande der Gesellschaft
Barabaig in Kenia und Tansania beispielsweise – nicht zuletzt auch in Nord- und Mitteleu-
werden mit Unterstützung des Militärs von ropa. „Nur so ist es zu erklären, dass selbst
bewaffneten Banden ihrer Herden beraubt, Menschen in den aufgeklärten Bildungs-
oft sogar ermordet. Die Überlebenden werden schichten die Schicksale der Sámi in Lappland
in Hungergebiete getrieben, in denen zuerst oder der Kurden in Osteuropa und im Nahen
die Tiere und dann die Menschen sterben. Osten Jahrzehnte lang entgangen sind“, spitzt
Scharrer die ‚Ignoranz des Westens’ zu. No-
Animositäten zwischen Sesshaften und Noma- madismus stehe für eine Lebensform jenseits
den haben eine Jahrhunderte lange Tradition. zentralstaatlicher Autorität und werde darum
Für den Zoologen, Menschenrechtler und häufig als Gefahr betrachtet. „Gefahr aber
Schriftsteller George Monbiot ist die Feindse- führt zu Angst, und Angst kann schließlich in
ligkeit zwischen Siedlern und Wandervölkern Aggression münden.“
ein Konflikt unterschiedlicher Lebenswelten,
Trotz dieser Konflike schwächt Scharrer die
These von der ewigen Feindseligkeit zwischen
Der globale Klimawandel lässt Sesshaften und Wandervölkern ab. Im Gegen-
Foto: argus/Schytte die Weidegründe der Tuareg satz zu George Monbiot ist der Geschichts-
austrocknen forscher nämlich davon überzeugt, dass das

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titel

Foto: Annette Lübbers

Brot backen in der Wüste: Nomadismus ist eine hochspezialisierte


nomadische Gesellschaftsbild auch Lebensform, die sich wahscheinlich parallel zu sesshaften Gesell-
positive Aspekte enthält: „Trotz oder schaften entwickelt hat
vielleicht gerade wegen der gegensätz-
lichen Lebenswelten von Nomaden und katastrophalen Folgen für die Hirtenvöl- einigen Jahren noch regelmäßig Wasser
Sesshaften sind diese doch in hohem ker, wenn diese zwangsweise sesshaft führten, sind inzwischen ausgetrocknet.
Maße voneinander abhängig.“ Beinahe gemacht werden“. Auch die Natur habe Die üppige Vegetation an den Ufern ist
durchgängig in Geschichte und Gegen- das Nachsehen, wenn dies passiere: „Mit komplett vertrocknet und teilweise unter
wart lasse sich eine Form von Arbeits- dem Zwang zur Sesshaftigkeit wird die großen Sanddünen verschwunden.
teilung zwischen nomadischen und einzige Wirtschaftsweise zerstört, die
sesshaften Gesellschaften feststellen, so trockenen Klimaten angepasst ist.“ Fehlgeleitete Großprojekte tragen ein
Scharrers Begründung. „Nomaden lie- Übriges zur ungünstigen Klimaentwick-
ferten wichtige Handelsprodukte an die Verheerende Dürre lung in der West-Sahara bei. Der Dra’ah,
Städte. Sie gingen sogar Schutzverträge – hausgemacht? ursprünglich Marokkos längster Fluss,
ein, um die Städter im Kampf gegen endet heute schon nach weniger als
Plünderer zu unterstützen. Im Austausch Die Sicherheit, mit der nomadisierende einem Drittel der früheren Fließstrecke
erhielten die Nomaden Nahrungsmittel, Hirten die Wanderkreisläufe ihrer in einem Stausee. Der größte Teil des
Haushaltswaren und Geld.“ Damit sei Viehherden beherrschen, grenzt für ehemals von ausgedehnten Tamaris-
Nomadismus eine hoch spezialisierte Er- viele Sesshafte an ein Wunder. Aber kenwäldern gesäumten Flusstals ist zur
werbs- und Lebensform, die sich parallel dieses Wunder ist aus dem Zwang des leblosen Wüste geworden. Von dem
zu sesshaften Gesellschaften entwickelt Überlebens entstanden: Würden die Wasser des Stausees sehen die Viehhir-
habe – ja, teilweise sogar erst in deren Herden das Land überweiden, fänden sie ten nichts – es wird von den Mittel- und
Folge. Damit entkräftet der Historiker die im neuen Zyklus nicht mehr genügend Oberschichten der Städte verbraucht
gängige Hypothese, das Nomadentum Nahrung vor. Warum die Lage vieler no- und nicht zuletzt auch von den Golfplät-
stelle eine frühe menschliche Entwick- madischer Völker trotz dieser perfekten zen und Swimmingpools der TouristIn-
lungsstufe auf dem Weg vom Jäger und Anpassung in den letzten Jahrzehnten nen. Die Veränderungen in der Sahara
Sammler zum Bauern dar. „Dieses Kon- immer schwieriger geworden ist, hat vor geschehen beinahe im Zeitraffer-Tempo,
zept impliziert, dass Nomaden in ihrem allem einen Grund: Die Austrocknung und sie haben schwerwiegende Fol-
eigenen Interesse zu einer höheren Stufe der Weidegründe durch den globa- gen für die Hirtenkulturen. Die von der
menschlicher Entwicklung zu bringen len und lokalen Klimawandel. Beispiel Dürre geschwächten Tiere haben eine
seien – eine Fehleinschätzung mit oft West-Sahara: Viele Wadis, die vor verminderte Immunabwehr und werden

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schneller krank. Viele Familien haben
ihre Herden verloren und siedeln sich am Die Tuareg - grenzenlos ausgegrenzt
Rande von Oasen an. Leichte, würfel-
förmige Lehmbauten vermitteln den Das Wort Tuareg leitet sich von dem arabischen Wort „Targa“ für die
Eindruck, als würden sich die Menschen libysche Oasenregion Fezzan ab. Die Tuareg selbst nennen sich „Imajeghen“,
mit der aufgezwungenen Sesshaftigkeit was so viel bedeutet wie „Das freie Volk“. Die Vorfahren der Tuareg waren
arrangieren. Neben den Lehmhütten ist Berber, die zwischen der großen Syrte, dem Fezzan und dem Ostufer des Nil
meist noch mindestens ein Zelt zu finden lebten. Als diese im siebten Jahrhundert von Muslims vertrieben wurden,
– beinahe wie ein Symbol für den un- breiteten sie sich zunächst in der zentralen Sahara aus. Die Tuareg mussten
beugsamen Willen der Nomaden, sofort ihre Lebensweise den harten Wüstenbedingungen außerhalb von Oasen
ins alte Wanderleben zurückzukehren, anpassen. Heute leben 90 Prozent der rund eine Million Tuareg in der nörd-
sobald sich die Lage verbessert. lichen Sahelzone auf dem Gebiet der Staaten Mali, Algerien, Niger, Libyen,
Mauretanien, Burkina Faso und Nigeria zwischen Timbuktu und Agadez.
Zu Gast am hohen Atlas
Die Tuareg im heutigen Niger werden seit Jahrhunderten verfolgt. Im späten
Daniela Vogt kommt ins Schwärmen, Mittelalter wurden sie vom Herrscher des späteren Sonrai-Reiches aus Aga-
wenn sie von den Tuareg-Nomaden der dez und dem südlichen Aïr-Gebirge im heutigen Mali vertrieben. Ende des
alten Salzkarawanen durch die Nord- neunzehnten, Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts wurde Niger unter er-
westsahara erzählt. Sie ist Mitbegründe- bittertem Widerstand der Tuareg gewaltsam von Frankreich kolonisiert. Zahl-
rin des Vereins Azalay zur Erhaltung der reiche Aufstände waren die Folge. Nach der Unabhängigkeit Nigers im Jahr
nomadischen Lebensform. Der Verein 1960 wurden die Tuareg durch verschiedene Militärdiktaturen drangsaliert.
unterhält Projekte am Fuß des Hohen Ihre Verfolgung mündete Anfang der 1990er Jahre in einem beispiellosen
Atlas an der marokkanisch-algerischen Genozid an dem Nomadenvolk – unter Billigung der nigrischen Regierung.
Grenze. Die neun dort ansässigen ara- Tuareg wurden wahllos verhaftet, gefoltert, vergewaltigt und erschossen,
bischstämmigen Nomadenethnien, ehe- mindestens 2.000 Tuareg starben, Zehntausende flohen aus er Krisenregion
mals verfeindet, haben sich zur „Konfö- in die Nachbarländer.
deration Aâribe“ zusammengeschlossen,
um gemeinsam den widrigen politischen Auch in der Nordwestsahara ist die Situation der Tuareg prekär: Der Streit
und ökologischen Entwicklungen zu um die West-Sahara, den Algerien und Marokko seit Jahrzehnten erbittert
trotzen. Sie werden von Azalay in ihren austragen, hat die Nomaden zwischen die Fronten getrieben. Auf Unab-
Bemühungen unterstützt. Auch die ber- hängigkeit bedacht, werden sie vom marokkanischen Staat drangsaliert und
berstämmigen Nomaden der Bergregion von Algerien hofiert, das sich mit ihrer Hilfe den freien Zugang zum Meer
sind Projektpartner des Vereins. Daniela verspricht. Der Grenzkonflikt hat auf der Seite der Hirtenvölker viele Men-
Vogt besucht die Region regelmäßig. schenleben gefordert. In seiner Folge flüchteten viele Nomadenfamilien nach
Begeistert erzählt sie: „Selbst die Kinder Algerien. Der Rückweg ist ihnen seitdem weitestgehend abgeschnitten. Auch
der Hirtenfamilien haben einen Orien- die alten Handelswege der nomadischen Karawanen quer durch die Sahara
tierungssinn, wie ich ihn in vielen Jahren zu den Handelsstädten Taoudénni und Timbuktu sind unterbrochen. Die
der Beobachtung bei mir nicht zu schär- meisten Tuareg-Familien erleiden große Einkommens-Einbußen.
fen vermochte. Die Nomaden finden
sich immer und überall in der Wüste Mit dem Führer Mano Dayak an der Spitze gelang es den Tuareg-Rebellen in
zurecht und können Wasserlöcher aus einem jahrelangen erbitterten Kampf schließlich, ihr Volk gesellschaftlich zu
Dutzenden von Kilometern Entfernung rehabilitieren und die Region zu stabilisieren. 1995 wurde ein Friedensvertrag
punktgenau ansteuern.“ mit der Regierung des Niger unterzeichnet. Der Staat Mali folgte diesem Bei-
spiel erst elf Jahre später. Der
Eine sehr sinnliche Beziehung haben die Frieden in der Region bleibt
Wüstennomaden der Nordwest-Sahara aber wackelig. Es kommt
zu ihrem Lebenselixier – dem Wasser. immer wieder zu bewaffne-
Gerade so wie ein Weinkenner die ten Auseinandersetzungen
regionale Herkunft ein und derselben zwischen Regierungseinheiten
Rebsorte verorten kann, so erkennen die und Tuareg. Im August 2008
Nomaden die feinsten Unterschiede in verkündete der Anführer der
der Wasserqualität eines jeden Wasser- Tuareg in Niger nach einem
lochs. „Als wir bei einer Familie zu Gast Treffen mit dem libyschen
waren, eröffnete uns der Hausherr, er Revolutionsführer Moamar al-
habe etwas ganz Besonderes für uns. Gaddhafi eine Waffenruhe für
Er kredenzte uns feierlich das Wasser Niger und Mali.
eines besonderen Brunnens. Das Wasser
© Karte: Wikipedia/
bezeichnete er als besonders süß.“ GNU-FDL/M. Dingemanse

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Trotz einschneidender gesellschaftlicher scheint den jungen Abdellah vor vier
und ökologischer Veränderungen scheint Jahrzehnten angetrieben zu haben,
der Lebensmut der Tuareg ungebrochen eine höhere Schule zu besuchen und in
zu sein. Vielleicht gehört es zum noma- Agadir Anthropologie zu studieren. Er
dischen Naturell, jeder Härte auch etwas kehrte mit „modernem“ Wissen zurück,
Positives abgewinnen zu können. Für um mit noch mehr Nachdruck für den
die Psychologin Daniela Vogt ist diese Erhalt seiner nomadischen Stammesge-
Eigenschaft ein Vorbild dafür, wie man meinschaft einzutreten. In dieser Phase
Ängste bewältigen kann. „Das Leben in lernten sich Daniela Vogt und Abdellah
der marokkanischen Wüste ist eigentlich Naji kennen. Im März 2000 gründeten
eine Dauerkrise. Aber wenn man in die sie den Verein Azalay und seine marok-
Gesichter der Nomaden schaut, sind sie kanische Schwesterorganisation Associ-
immer strahlend und angstfrei. Unsere ation Azalay Maroc. Die Nouaji-Tuareg
‚civis’ hingegen bietet alle möglichen der beiden Vereine nahmen die Hilfe
Sicherheiten, aber wir leben in ständiger allerdings nur unter der Voraussetzung
Angst, diese Sicherheiten zu verlieren. an, das Heft des Handelns selbst in die
Foto: argus Ein alter Berber hat mal zu unserer mit Hand nehmen zu können.
allen Trekking-Materialien ausgestatteten
Wüstentourismus ist zur unver- Reisegruppe gesagt: ‚Ihr scheint Euch So entwickelte sich in Eigeninitiative der
zichtbaren Einnahmequelle der gegen alles wappnen zu wollen…aber Hirtengemeinschaft mit Unterstützung
Tuareg geworden den Tod könnt Ihr damit auch nicht von Azalay das Konzept eines fairen und
besiegen.‘“ nachhaltigen Tourismus als unverzicht-
bare Nebenverdienstquelle (siehe Seite
Wie dicht verwoben wandernde Hirten- Angesichts dieser augenscheinlichen 12 und 13). Das Projekt mit dem Namen
völker mit ihrer Umwelt sind, zeigt sich Angstfreiheit der Tuareg kann allerdings „Société Renard Bleu Touareg“ besteht
spätestens in ihrem Umgang mit ihren leicht übersehen werden, dass auch aus geführten Wüstenkarawanen oder
Tieren. Seit 2000 Jahren leben die Tuareg bei den meisten nomadischen Völkern Camp-Aufenthalten. Der Ansatz ermög-
im Einklang mit ihren Nutztieren – vor bestimmte Sicherheitsstrukturen kulturell licht den Tuareg, weiterhin als Nomaden
allen mit den Kamelen. Die zunehmend verankert sind. Daniela Vogt erzählt, durch die Sahara zu ziehen, dabei aber
trockener werdende Sahara wäre ohne dass die Gruppen der Föderation Aâribe mehr zu verdienen als früher. Ohne die
das domestizierte Kamel seit mindestens in unveränderlichen Sozialkonstellati- neuen Einnahmequellen wäre der Erhalt
1000 Jahren eine menschenleere Wüste. onen leben: „Die Familie zu verlassen, der nomadischen Lebensweise nicht
ist Frevel, weil das Überleben in der möglich. Acht Prozent des Reisepreises
Die Kamelzucht hat bei allen Volksgrup- Wüste nur in der Gruppe möglich ist.“ werden für Sozialprojekte abgeführt. So
pen der Tuareg eine lange Tradition. Die Gruppenmitglieder seien so jeder- konnten Wasserlöcher befestigt, Brun-
Während bei den Kel Adrar in Mali die zeit sicher aufgehoben, weil sie sich auf nen gebaut, medizinische Ausstattung
Milchproduktion im Vordergrund steht, die uneingeschränkte Solidarität der gekauft, eine Ambulanz errichtet und
züchten die Kel Air im Niger robuste und Gemeinschaft verlassen können. Jedes eine Schule gebaut werden.
ausdauernde Lasttiere für den Karawa- Mitglied eines Stammes leistet unent-
nenhandel. Die Kel Ahaggar-Tuareg aus behrliche Arbeit für die Gemeinschaft. Wie wichtig Bildung für den Erhalt seiner
Algerien schließlich sind berühmt für die Während die Männer auf den Karawa- Kultur ist, weiß wohl niemand besser als
Zucht und Dressur von Reitkamelen. nen Waren beschaffen, sind die Frauen Abdallah Naji selbst. Spätestens, seit er
für die Versorgung der Ziegenherde und beschlossen hat, seinen 15.000 Men-
Der tradierte Erfahrungsschatz aus dem der Kinder zuständig und führen alle schen, oder – in nomadischer Zählweise
engen Zusammenleben mit den Kamelen notwendigen Arbeiten an den Zeltlagern – seinen 1.500 Zelten, die Zukunft zu
in ihrer Umwelt ist die Basis der Tierhal- durch. Die Frauen sind auch diejenigen, schenken.
tung bei den Tuareg. Jeder Hirte muss die das kulturelle Erbe und das Wissen
gewissenhaft lernen, ob die Weide am über Nahrungs- und Heilmittel an die www-planet-wissen.de: Nomaden
Morgen feucht von Tau oder trocken ist, nächste Generation weiter geben. www.transafrika.org,
ob die Pflanzen „heiß“ oder „kühl“ sind, www.studienkreis.org
welche Gräser und Kräuter „die Kamele Nachhaltige Zukunft – der www.gfbv.de
fett machen“ oder nur „den Bauch fül- Verein Azalay und das Projekt
len“ und ob die Tiere danach gefahrlos Renard Bleu Touareg
Wasser trinken können oder nicht. Die Christian Offer arbeitet als Bildungs-
Tuareg kennen über 600 Pflanzen, davon Der Karawanenführer Abdellah Naji vom und Medienreferent bei BioFrank-
sind 60 bis 80 Futterpflanzen, deren Tuareg-Stamm der Nouaji offenbart seine furt. Der Ökologe setzt sich bei ver-
Eigenschaften einem guten Kamelhirten kämpferische Natur, wenn er ausruft: schiedenen Organisationen für den
genau bekannt sind. „Wir überleben!“ Diese Überzeugung weltweiten Schutz der Wälder ein.

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„Die Wüste, das ist für uns Nomaden


eine tiefe und absolute Leidenschaft, das
sind Bilder, die uns niemand, selbst der
Tod nicht, zu nehmen vermag. Die Wüste
scheint ihrem Bewohner ewig, und sie
schenkt diese Ewigkeit dem Menschen,
der sich ihr verbunden fühlt“
Mano Dayak, Führer der Tuareg-Nomaden

Foto: Annette Lübbers

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Fotos: Annette Lübbers

Die ökologischen Probleme nehmen zu:

„Das Heft des


Die Brunnen der Tuaregs versiegen

Handelns in der Hand“


Marokko: Das nordafrikanische Land verzeichnet steigende Touristenzahlen im zweistelligen
Bereich. Kein Wunder, denn atemberaubende Berglandschaften, die endlose Weite der Wüste,
farbenprächtige Oasen, pittoreske Basare, architektonische Meisterwerke und lange Sandstrände
lassen kaum einen Touristenwunsch offen. Die Nomaden, die in früheren Jahrhunderten auf den
Rücken ihrer Dromedare kostbares Salz beförderten, „transportieren“ heute Touristen durch ihre
Heimat. Damit die Bewohner der Wüste auch wirklich ökonomisch und ökologisch vom Touris-
musboom profitieren, hat der Stamm der Nouaji eine eigene Reiseorganisation gegründet.

V or den Toren der Stadt Zagora liegt


das Hotel „Sauvage Noble“. Erbaut
im überlieferten Stil, in der Lehm mit
Abdellah Naji leitet das Hotel. In seiner
hellblau-beigen, kunstvoll bestickten
Gandoura und seinem Chech oder Tagel-
den. Das Wohl der Gemeinschaft steht
über den Bedürfnissen des Einzelnen.
Frauen genießen den Ehrentitel „Herrin
Gerstenstroh vermischt wird, vereint das must genannten Schleier, der aus bis zu der Zelte“. Obwohl gläubige Muslime,
Bauwerk alle traditionellen Formen der fünfzehn Meter Stoff besteht, die man
Berber-Architektur zu einem eindrucks- um Kopf und Hals wickelt zum Schutz
vollen Gesamtkunstwerk. Kein Raum vor Sonne und Staub, verkörpert er den
ist wie der andere. Die Böden sind mit Stolz der Nouaji. Etwa 15.000 Menschen
handgemachten Fliesen einer nahe gele- umfasst dieser Stamm, der der noma-
genen Töpferei ausgelegt, die Badezim- dischen Konföderation der „Âaribe“
merwände in der überlieferten Tadelakt- angehört. Die Männer des Stammes
Tradition gestaltet. Diese einheimische kümmern sich um die Dromedare,
Stucktechnik erzeugt mit eingefärbtem Schafe und Ziegen sind die Domäne der
Kalk verbunden mit Olivenseife, bunte, Frauen. Der Stamm der Nouaji ist eine
marmorierte Flächen. Im Speisesaal er- basisdemokratische Gemeinschaft, in
warten die Besucher niedrige Tische mit der Wert darauf gelegt wird, dass alle
Sitzkissen, ausgelegt auf farbenfrohen Entscheidungen im Konsens gefällt wer-
Teppichen. Eine große Dachterrasse lädt
ein zu einem Blick über das malerische
Flusstal des Drâa. Abdellah Naji ist Hoteldirektor

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verehren die Nouaji noch immer ihren den 70er Jahren ein Stausee bei Ouarza- e.V.“, deren Helferinnen und Helfer sich
Stammvater „Sidi Naji“ als Marabut, als zate angelegt wurde. für Alphabetisierungsprogramme, Brun-
heiligen Mann. Sein Grab, ein Mauso- nensanierungen und die Gesundheits-
leum inmitten der Wüste, gilt als heilige „Es gibt viele Probleme. Aber wir Noma- versorgung der Nomaden stark machen.
Erde. Traditionell treffen sich die Stam- den haben eine positive Lebenseinstel- Lohn der Mühen: Im März 2003 erhielt
mesangehörigen im August am Grab des lung: Keine Nacht dauert länger als 14 „Renard Bleu Touareg“ den To-Do!-Preis
Heiligen, um zu feiern und Heilung für Stunden. Ist es heute schwierig – wird des Studienkreises Tourismus und Ent-
ihre Kranken zu erflehen. es morgen gut sein,“ sagt Abdellah Naji. wicklung e.V. für sozialverantwortlichen
So ganz aufgegeben hat er sein Noma- Tourismus. In vergangenen Jahrzehnten
„Ich war sechs Jahre alt, als ich meinen denleben ohnehin nicht. Zusammen mit war der Stamm der Nouaji mit einem
Stamm verlassen musste. Acht bis zehn seinem Bruder bietet er seinen Gästen „fremdbestimmten und postkolonial
Männer jedes Stammes mussten damals Touren zu Fuß oder auf dem Dromedar auftretenden Tourismus konfrontiert“,
beim Militär dienen. Ich sollte einen in die Wüste an. „Früher waren meine heute haben sie „das Heft des Han-
Stammesbruder ins dreihundert Kilome- Nomaden-Brüder oft die Opfer eines delns“ selbst in der Hand. So begründete
ter entfernte Militärcamp begleiten und Tourismus, der keine Rücksicht auf die die Jury des Studienkreises für Tourismus
dort zur Schule gehen. Ich habe geweint Bewohner der Wüste nahm und ihre und Entwicklung ihre Auszeichnung.
– meine Mutter hat geweint.“ Abdellah traditionellen Werte ignoriert hat. Mit
Naji erinnert sich nicht gerne an diese unserer Organisation ,Société Renard Annette Lübbers ist freie Journalistin
Zeit. „Es war so ungewohnt und fremd Bleu Touareg’ profitieren die Nomaden Kontakt: a-luebbers@versanet.de
für mich als Nomadenkind vier Stunden erstmals selbst von den Besuchern. Das
täglich auf einem Stuhl in einem fest Geld, das unsere Nomaden als Kara-
gemauerten Haus sitzen zu müssen. Ich wanenführer, Kamelführer oder Köche
habe diese Schule wahrlich nicht geliebt verdienen, trägt zum Lebensunterhalt
und meine ersten Ferien zuhause waren ganzer Familien bei. Und wir können
eine reine Katastrophe. Ich wollte nicht selbst dafür sorgen, dass der Tourismus
zurück.“ Nach fünf Jahren entschließt in unserer Heimat sozialverträglich und
sich der Junge aus der Wüste dennoch ökologisch verantwortungsvoll ge-
für die weitergehende Schule – und für handhabt wird,“ erklärt der studierte
die Universität. In der Hafenstadt Agadir Anthropologe. Ein weiteres Plus seiner
wurde er erstmals konfrontiert mit den Organisation: Mit der „Société Renard
sozialen Gegensätzen seines Landes, mit Bleu Touareg“ unterstützt er die deutsch/
Armut und Luxus, die vielen Regionen marokkanische Organisation „Azaley
dieser Welt nebeneinander existieren.

„In meinem Herzen bin ich immer ein


Zum ersten Mal profitieren die
Nomade geblieben,“ sagt Abdellah
Nomaden selbst vom Tourismus
Naji lächelnd. „Ich lebe heute in zwei
Realitäten. Genauso wie mein Volk.
Nomaden haben es heute schwer. Die
Grenze zu Algerien ist nicht mehr so frei
zu passieren wie früher. Die Trockenheit
nimmt zu, Brunnen versiegen.“ Südlich
der Stadt Zagora sind die Nouaji auf das
Wasser des Drâa angewiesen. Der 1200
Kilometer lange Fluss, gespeist aus den
Quellen des Hohen Atlas, führt allerdings
kaum mehr ausreichend Wasser, seit in

HOTEL: „Le Sauvage Noble“


sauvage.noble@yahoo.de
Tel.: 06424/964409
WÜSTENTOUREN:
Société Renard Bleu Touareg
Directeur: Abdellah Naji
Tel.: 00212248-38072, Fax: -46251
E-Mail: renardbleutouareg@yahoo.fr
Internet: www.renard-bleu-touareg.org

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titel

Strahlende Wüste
Seit Jahrzehnten beutet Frankreich die Uranvorkommen in der westlichen Sahara aus.
Ohne Rücksicht auf die dort lebenden Tuareg verbraucht die Uranindustrie Wasser und
Energie und verseucht mit ihren strahlenden Uranabfällen skrupellos Mensch und Natur.

S eit Jahrhunderten ist die Exis-


tenzgrundlage der Tuareg in der
westlichen Sahara Viehzucht, Oasen-
Der dritte Schock kam mit der Entlas-
sung der mehr oder weniger von den
Kolonialherren neugebildeten afrika-
Rohstoffe in diesen Ländern. Frankreich
setzt für seine Stromversorgung auf
Atomkraftwerke … und diese benöti-
wirtschaft und Karawanenhandel. nischen Staaten in eine formale Unab- gen als „Brennstoff“ Uran. Frankreich
Weitgehend unabhängige Clans und hängigkeit: Die Grenzen zwischen diesen selbst besaß große Uranreserven, die
Familienverbände bilden die soziale Staaten waren – wie man auch heute auch ohne Rücksicht auf Umwelt oder
Struktur der Gesellschaft, die sich noch leicht auf der Landkarte erkennen „Umgebungsbevölkerung“ abgebaut
durch eine gemeinsame Sprache ver- kann – ohne Rücksicht auf natürliche wurden (z.B. im Limousin).
bunden fühlt (kel tamasheq – diejeni- Gegebenheit oder traditionelle Land-
gen, die tamasheq sprechen). nutzung, häufig mit dem Lineal auf der Uran, Uran …
Landkarte gezogen worden.
Die kel tamasheq setzten sich gegen Gleichzeitig aber sah sich die COGEMA,
die französische Kolonisation der Für die kel tamasheq wurden diese die staatliche französiche Uranfirma,
Sahara zur Wehr, konnten diese aber Grenzziehungen mitten durch ihre tradi- aber auch außerhalb nach dem be-
letztendlich nicht verhindern. Die tionellen Siedlungs- und Weidegebiete gehrten Rohstoff um – und wurde u.a.
Kolonisierung bezeichnen die Tuareg zu einem weiteren Verhängnis: Der Kara- am südlichen Rande der Sahara, in der
heute als den „ersten Schock“. Der wanenhandel wurde durch die Grenzen Region des heutigen Arlit, fündig. Dort
zweite Schock waren mehrere große erheblich erschwert oder verhindert, und wurden zwei Uranbergwerke aus dem
Dürren, die einen schweren Schlag so brach auch das dritte Standbein der Boden gestampft – und mit ihnen, mit-
für die Oasenwirtschaft und die Ökonomie der Tuareg zu erheblichen ten in der Wüste, die Städte Arlit und
Viehzucht der Nomaden bedeutete. Teilen weg. Akokan. Diese Uran-Boomtowns waren
Viele Seen, wie der Lac Faghibine in so groß und vergleichsweise verschwen-
der Nähe von Timbuktu, und viele Als die westafrikanischen Staaten von derisch, dass Arlit als „deuxieme Paris“,
temporäre Flüsse und Bäche führen Frankreich 1960 in eine formale Unab- als zweites Paris bezeichnet wurde.
seit Jahren, seit Jahrzehnten kein Was- hängigkeit entlassen wurden, sicherte
ser mehr. Mensch und Vieh sind zum sich die französische Regierung das Die Möglichkeit des (schnellen) Geldver-
Überleben auf Brunnen angewiesen. Monopolrecht für die Ausbeutung der dienstes lockte Tausende von Arbeitern
an. Viele von ihnen Tuareg, die von
der radioaktiven Strahlung und den
Foto: Marielle Cartiaux

gesundheitlichen Risiken ihrer Arbeit


nichts wussten und auch nicht aufge-
klärt wurden. „Die Bergarbeiter nah-
men ihr Mittagessen auf den (Uran-)Ge-
steinsbrocken sitzend ein, und gingen
mit den Kleidern voller (Uran-)Staub
nach Hause ... die Kinder spielten auf
ihrem Schoß, und die Frauen wuschen
die Kleider mit der Hand ...“, so ein
Augenzeuge, Almoustapha Alhacen.
Der Uranabbau Strahlenschutz wurde bis zum Unfall
in Arlit bescherte von Tschernobyl nicht praktiziert, es gab
den Tuareg eine weder Schutzkleidung noch Dosimeter
nachhaltig ver- oder Informationen über die Gefahren
seuchte Umwelt von Radioaktivität.

14 Nr. 99/4.08
titel

Zwei Tochterfirmen der COGEMA, SOMAIR und COMINAK, betreiben die


Bergwerke in der Nähe von Arlit: ein Untertagebergwerk, Akouta, und
einen Tagebau, zusammen mit einer Produktionskapazität von rund 3.200
A ngesichts steigender Uranpreise sind Firmen
in allen Teilen der Welt erneut auf der Suche
nach dem Brennstoff für Atomkraftwerke – so
Tonnen Uran pro Jahr, bei einem Urangehalt von 3 bis 5 Kilogramm Uran auch in Niger und Namibia, Malawi und Tanza-
pro Tonne Gestein. Das Urangestein wird vor Ort zermahlen und dann in nia in Afrika. Im Norden von Niger befinden sich
einem mehrstufigen chemischen Prozess mit Hilfe von Schwefelsäure gelöst. seit 40 Jahren zwei große Uranminen, aber der
Dazu werden große Mengen Wasser und Energie benötigt. Energiehunger, besonders von Europa und China,
führte dazu, dass die Regierung von Niger über
Für die notwendige Energie baute COGEMA ca. 120 Kilometer entfernt, 120 Explorationslizenzen für Uran an ausländische
bei Tchirozerine, ein Kohlekraftwerk, das ein dortiges Vorkommen ausbeu- Firmen vergab. Die Tuareg – bereits voller uner-
tet – und mit dem Staub aus seinem Kamin die Umgebung verpestet: viele freulicher Erfahrungen mit den Uranbergwerken
Menschen klagen über Augenprobleme und Atemwegserkrankungen, und in der Region Arlit und verbittert wegen der aus
die Vegetation – Grundlage für die Viehzucht – wurde erheblich in Mitlei- ihrer Sicht nicht zufriedenstellenden Umsetzung
denschaft gezogen. Das für die chemische Ausfällung des Urans erforder- des Friedensabkommens von 1995 – mussten
liche Wasser wird aus den Grundwasservorräten der Region hochgepumpt mit ansehen, wie ausländische Firmen sich die
und anschließend in Absetzbecken der Verdunstung überlassen. „Amam Bodenschätze ihrer Region aneigneten und sie
imam, Wasser ist Leben,“ sagen die Tuareg. Für die Uranfirmen ist Wasser eine weitere „contamination durable“ befürch-
nur ein beliebiges Mittel für den chemischen Prozess der Urangewinnung ten mussten, während die Tuareg-Familien kein
- und die geht vor: So musste 2004 die kleine Umweltorganisation Aghir in Auskommen mehr fanden.
Man einen Protestmarsch in Arlit organisieren, um die Uranbergwerksbe-
treiber (jetzt: AREVA) dazu zu bringen, wenigstens genügend unverstrahltes Im Februar 2007 kam es erneut zur Rebellion:
Trinkwasser für die Menschen zur Verfügung zu stellen. Und auch 2008 ist Die MNJ, Mouvement des Nigeriens pour la
die Trinkwasserversorgung der Menschen in Arlit nicht gesichert. Justice, vereinigt nicht nur Tuareg, sondern
auch andere Nomaden und Volksgruppen. Die
„Contamination durable“ ... nigrische Regierung unter Mamandou Tandja
reagierte zum einen mit einer kompletten Me-
Während das Uran für die AKWs aus dem Gestein extrahiert wird, blei- diensperre - der Nord-Niger ist de facto Sperr-
ben Millionen Tonnen „Abfallgestein“ übrig, das noch ca. 80 Prozent der gebiet für Journalisten. Zum anderen setzte die
ursprünglichen Radioaktivität enthält – darunter höchst langlebige Elemente Regierung auf brutale Militäraktionen. Die An-
mit bis zu 240.000 Jahre Halbwertszeit. Abfälle, die extrem lange Zeiten gehörigen der MNJ sind mit der Wüste vertraut
strahlen werden und von der Umwelt abgeschirmt werden müssten. In Arlit und konnten so den Vormarsch der FAN (Forces
liegt dieses radioaktive Abfallgestein ungesichert in der Landschaft; der Armee du Niger) massiv behindern. Die nigrische
Wind verweht das Material über die Wüste, Ziegen grasen nahe bei, der Armee rächte sich und ermordete unbeteiligte
Staub weht in die Stadt Arlit und bringt die Radioaktivität mit sich. Tuareg: Zivilpersonen, Hirten und deren Familien.
Amnesty international und Human Rights Watch
Die Trinkwasserbrunnen sind ebenfalls keineswegs vertrauenswürdig: Die bestätigen die von der MNJ beklagten massiven
französische Umweltorganisation CRIIRAD (www.criirad.org) stellte fest, Menschenrechtsverletzungen und willkürlichen
dass der Grenzwert für Radioaktivität im Trinkwasser bis zum 110-Fachen Hinrichtungen von Zivilpersonen. Ziele der
überschritten worden war – kein Trinkwasser, sondern eine Gefahr für die Rebellion von MNJ sind, das Friedensabkommen
Menschen. Wie in Afrika oft üblich wird alles, was nicht mehr gebraucht von 1995 durchzusetzen, eine gewisse politische
wird, wiederverwertet: die Uranfirmen gaben Altmetall, z.B. ausgediente und kulturelle Autonomie für die Tuareg und
Fahrzeuge, die voller Uranstaub sind, zur Weiterverwertung an lokale Hand- eine gerechte Teilhabe an den Gewinnen aus der
werker, die daraus Kochtöpfe und Küchengeräte schmiedeten. Ausbeutung der Bodenschätze. Die Organisation
Aghir in Man (in Arlit) setzt sich auch für interna-
„Wir haben eine Contamination durable, eine nachhaltige Umweltverseu- tionale Umweltstandards beim Uranabbau ein. In
chung ...“, sagt Almoustapha Alhacen von der Umweltgruppe Aghir in Frankreich bemüht sich das Collectif Tchinaghen
Man. Angesprochen auf „Strom aus Atom“, das ja der französische Präsi- zusammen mit anderen Gruppen, die Tuaregfa-
dent Sarkozy auch den nordafrikanischen Staaten anpreist, sagt Alhacen: milien zu unterstützen, die wegen der Übergriffe
„90 Prozent der Menschen in Niger wissen nicht einmal, was eine Glüh- der nigrischen Armee geflüchteten und in Not
birne ist. NEIN, wir wollen kein AKW – wir haben bereits genug radioaktive geratenen sind.
Verseuchung“.
www.amnesty.org/en/for-media/press.../niger-
Günter Wippel, Diplom-Volkswirt, seit vielen Jahren aktiv im Bereich extrajudicial-executions-and-population-displace-
Menschenrechte - Umwelt - Ressourcenausbeutung, Schwerpunkt ment-north-country
Uranabbau, „MENSCHENRECHTE 3000 e.V.“, Freiburg / Breisgau www.hrw.org/english/docs/2007/12/19/
niger17623.htm
Infos über einen Film zum Thema unter: www.gep.de7ezef/index_325.htm collectif-tchinaghen.over-blog.com.

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wald

Foto: Michael Brunner

16 Nr. 94/3.07
Nr. 99/4.08
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Herr der Berge


Der Bergahorn - Baum des Jahres 2009

I n dem kleinen Schweizer Ort Trun am


Vorderrhein brachen 1871 bei einem
Sturm die letzten lebenden Überreste
Geschichte der eigensinnigen Schwei-
zer Alpenrepublik zu tun. Rund 450
Jahre vor diesem legendären Sturm-
eines ursprünglich dreistämmigen Berg- wurf – genauer am 16. März 1424
Ahorns zusammen. Trauer durchzog – wurde unter seiner Baumkrone der
daraufhin das Graubündener Land. Das so genannte Graue Bund gegründet.
umgebrochene Holz dieses Baumve- Hier einigten sich die Gemeinden der
teranen wurde sorgfältig geborgen. alpinen Rheintäler mit ihren Feudal-
Es kam ins Museum oder wurde zu herren und Klostervorstehern auf ein
patriotischen Devotionalien gedrech- Ende ihrer internen Dauerfehden, auf
selt. Selbst die Wurzel wurde 20 Jahre dass sie einig seien gegen die Groß-
später feierlich ausgegraben und ist macht der Habsburger, die gerne die
noch heute im Museum von Trun zu transalpinen Handelswege unter ihrer
besichtigen. Und im Wappen der Stadt Kontrolle gehabt hätten. Alle zehn
prangt ein stilisierter Berg-Ahorn – ver- Jahre, so lautete der Beschluss, solle
mutlich der einzige Berg-Ahorn, der dieser Pakt unter dem Trunser Ahorn
heraldische Weihen erlangt hat. erneut beschworen werden. Und in
der Tat trafen sich die Graubündener
Dieses erstaunliche Aufhebens um nun regelmäßig über mehrere Jahr-
einen Baum hat natürlich mit der hunderte hier unter ihrem Freiheits-

Unter dem legendären Trunser Berg-Ahorn in der Schweiz


wurde 1424 der Graue Bund gegründet

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wald
baum, bis am Ende des 18. Jahrhunderts seine ins Stocken geratene Rückwan-
das freie Graubünden als Kanton der derung weiter fortsetzen können – bis
Schweiz einverleibt wurde. rauf nach Südschweden und weit nach
Osten bis tief ins europäische Russland
Heute steht an der gleichen Stelle ein di- hinein. Sicherlich hat ihn dabei auch der
rekter Nachfahre des alten Berg-Ahorns, Mensch wegen seines wertvollen Holzes
der – nun auch schon über 130 Jahre alt schon sehr früh ganz gezielt gefördert.
– die Erinnerung an die lange Eigenstän- In Dänemark beispielsweise wurde er
digkeit dieses Alpenvolkes wach hält. im 17. Jahrhundert kultiviert und ist
dort dann verwildert. Selbst übers Meer
Baum der Berge wurde er verschleppt, so dass der Berg-
Ahorn heute auch in England und Irland
Die Alpen sind die Region, in der der wächst, als wäre er hier schon immer
Berg-Ahorn am eindrücklichsten unter gewesen. Und selbst in Nordamerika
Beweis stellt, dass er seinen Namen zu und sogar in Chile erscheint er vielen
Recht trägt. Im Schweizer Wallis, wo die Menschen dort als heimischer Baum.
höchsten Gipfel Europas stehen, ist er
noch auf fast 2000 Meter zu finden. In A-Hörner
den Kalkalpentälern bildet er in Höhen,
in die die Buche nicht mehr vordringen Ahurna – so oder so ähnlich hieß dieser
kann, sogar reine Waldbestände. Baum schon bei den Germanen, also fast
schon genau so wie heute. Ahurna – das
Auch im übrigen Europa ist der Berg- sei auch die germanische Bezeichnung
Ahorn natürlicherweise ein Baum der für Hörner. So lautet jedenfalls eine sehr
Bergwälder – von den Kantabrischen einleuchtende Erklärung für die Namens-
Bergen im Nordwesten Spaniens bis hin wahl unserer prähistorischen Vorfahren.
zu den Karpaten im Osten und vom Harz Denn sehen nicht diese paarweise am
im Norden bis in die südlichen Apen- Baum hängenden, geflügelten Früchte
ninen. In den Vogesen bildet er mit der aus wie zwei Hörner eines Tieres? Wahr-
Buche die Waldgrenze. In den Nordalpen scheinlich haben auch schon die kleinen
ist er zusammen mit Tanne und Buche in Germanenkinder die heruntergesegelten
den Hangwäldern zu finden. Und in den Früchte aufgesammelt, die Schale am
Mittelgebirgen prägt er vor allem mit der unteren Ende des Flügels aufgespreizt
Esche und der Berg-Ulme die feuchten und sich die Flügel mit der klebrigen In-
Schlucht- und Blockhaldenwälder. nenseite der Frucht auf die Nase geklebt.
Zwei solche Nasenkneifer – und schon
Die offizielle Nordgrenze seiner natür-
lichen Verbreitung verläuft – abgesehen
von einigen Exklaven an der Ostseeküste Die Früchte des Ahorns sind bei
– am nördlichen Rand der Mittelgebirge. Kindern als Nasenkneifer beliebt
So steht’s in den Lehrbüchern der Vege-
tationskunde. Weiter als bis dorthin hat
er es wohl bei seiner Rückkehr nach der
letzten Eiszeit zunächst nicht geschafft.
Doch wer sich mit Bäumen auskennt,
weiß, dass sich dieser Bergbaum längst
auch im platten norddeutschen Land
ausgesprochen wohl fühlt. Nicht nur
als Park- und Straßenbaum oder als
Feldgehölz, sondern auch als Waldbaum.
Ganz offensichtlich hat der Berg-Ahorn,
nachdem die einst dichte Waldland-
schaft mehr und mehr in eine offene
Kulturlandschaft verwandelt wurde,

Typisch für ältere Berg-


Ahorn-Bäume ist ihre
Fotos: Martin Schwenninger schuppige Borke

18 Nr. 99/4.08
wald

Foto: Andreas Roloff

Der so genannte Große Ahornboden


waren sie ein wildes Woll-Nashorn. Nun Süß-Saftiges im Hochtal des Karwendelgebirges
ja, das mögen schöne, eingängige Bilder
sein. Aber – mal abgesehen davon, dass Wer schon mal im Frühsommer sein Auch der Mensch hatte – zumindest für
das Woll-Nashorn auch zur Germanen- Fahrzeug – egal ob Fahrrad oder Pkw einige Jahre – große Erwartungen mit
zeit schon einige tausend Jahre ausge- – am Straßenrand unter einem Berg- dem süßen Saft des Berg-Ahorns ver-
storben war – diejenigen, die diese so Ahorn abgestellt hat, der kennt und knüpft. Als 1791 beim Sklavenaufstand
einleuchtende Wortherleitung in Umlauf hasst es: Tausende kleiner, klebriger auf der Zuckerinsel Haiti die Franzosen
gebracht haben, die haben schlicht nicht Tropfen überziehen schon nach wenigen erfolgreich vertrieben und die Zucker-
richtig im germanischen Wörterbuch Stunden sein Vehikel. In manchen Jahren rohrplantagen zerstört worden waren,
geblättert. Hurnan oder hurnam heißen nieselt so viel süßer Saft aus der Baum- zog der Rohrzuckerpreis in Europa kräf-
nämlich die Hörner – und nicht Ahurna. krone, dass alles darunter wie frisch mit tig an. Als dann Napoleon 1806 mit sei-
Die leider sehr dröge Erläuterung der Klarlack überzogen erscheint. Wenige ner mehrjährigen Kontinentalsperre auch
etwas seriöser daherkommenden Etymo- Wochen später ist dann alles mit dre- noch die englischen Kolonialprodukte
logie lautet: Das Wort Ahorn ist indoger- ckig-schwarzem Schimmel bedeckt. Der aussperrte, stieg der Zuckerpreis ins
manischen Ursprungs. Es ist unmittelbar Berg-Ahorn, aber auch der Spitz-Ahorn, Unermessliche. In dieser Mangelzeit gab
verwandt mit acer, dem lateinischen beide werden – ähnlich wie die Linde es eine ganze Reihe an Versuchen, ob
Namen dieser Bäume. Beide Worte be- – besonders stark von Läusen besiedelt, sich nicht auch die europäischen Ahorne
deuten soviel wie spitz, scharf. Germa- die mit ihrem Saugrüssel die Leitungs- zur Zuckergewinnung eigneten, ähnlich
nen wie Römer – beide haben also etwas bahnen in den Blättern anzapfen. Da wie der Zucker-Ahorn in Nord-Amerika,
Wesentliches an diesem Baum als spitz diese Blattläuse aber nur einen Bruchteil der dort zu damaliger Zeit eine immense
empfunden. Und da kommen eigentlich des an Zucker und Aminosäuren überrei- wirtschaftliche Bedeutung erlangt
nur die bei den meisten Ahornarten chen Assimilatsaftes verdauen können, hatte. Nicht von ungefähr prangt ja das
gelappten, spitz auslaufenden Blätter scheiden sie den noch immer recht Zucker-Ahornblatt in seiner herbstlichen
in Frage. Auch die fünflappigen Blätter zuckrigen Überschuss als so genannten Rotfärbung auf der kanadischen Natio-
des Berg-Ahorns – selbst wenn sie im Honigtau wieder aus – und zwar in nalflagge.
Vergleich zum nah verwandten Spitz- hohem Bogen. Etwa fünfzig Mal am Tag
Ahorn eher abgerundet wirken – laufen verspritzt so eine Laus einen etwa einen Im Winter 1796/97 wurde im Berli-
in länglichen Spitzen aus. Millimeter großen Tropfen. ner Tiergarten der erste Berg-Ahorn

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wald
angezapft – ohne Erfolg. Offensichtlich in eine noch produktivere Plantagenwirt-
Geschlechterfrage hatte sich der optimale Zeitpunkt zum schaft einzusteigen.
Anzapfen eines Ahornstammes noch
Alle heimischen Baumarten – zumin- nicht herumgesprochen. Der liegt näm- Doch all diese Versuche und Planungen
dest die großen und starken – sind lich nicht im Winter, sondern im zeitigen mit der europäischen Ahornzuckerpro-
in unserer Sprache weiblich. Birke, Frühjahr – so etwa vier Wochen, bevor duktion versandeten recht bald und
Buche, Eiche, Erle, Esche, Fichte, Kiefer, die Blätter anfangen auszutreiben. Dann ziemlich gründlich. Denn im gleichen
Kirsche, Lärche, Linde, Tanne, Ulme, erst sind die Wasser führenden Leitungs- Zeitraum war auch die Runkelrübe
alle sind sie femininen Geschlechts, bahnen im Stamm voll mit den reakti- bereits so weit in Richtung Zuckerrübe
nur der Ahorn, der kommt maskulin vierten Kohlenhydraten, die über den gezüchtet worden, dass ihr Zuckerge-
daher. Zugegeben: Bei den niedrigeren Winter in Wurzel und Holz eingelagert halt um 1800 schon bei etwa sechzehn
Baumarten und den Sträuchern wird waren. Der zweite Versuch im Frühjahr Prozent lag. Da konnte natürlich nicht
die Geschlechterfrage in der deutschen 1797 war dann auch erfolgreicher, und einmal mehr der Zucker-Ahorn mithal-
Sprache nicht so streng gehandhabt, da beim dritten Versuch wurden aus 42 ten. Die Rübe wurde die eigentliche
gibt’s schon noch ein paar mehr Män- Ahornbäumen im Berliner Tiergarten Gewinnerin der napoleonischen Blo-
ner unter der weiblichen Übermacht immerhin gut 10 Kilo Zucker gewonnen. ckadepolitik. Ihr Anbau nahm seitdem
– den Apfel zum Beispiel, den Holun- Ähnliche Versuche fanden in Rheinsberg rapide zu, so dass wohl niemand in
der, Wacholder und alles was Dornen und Harbke statt. Europa mehr ernsthaft versucht hat, den
im Namen trägt wie der Weißdorn oder Saft des Berg-Ahorns wirtschaftlich zu
der Sanddorn. Auch bei den Römern Aber auch außerhalb Preußens, im nutzen. Lediglich 1917, während des
waren sämtliche Bäume weibliche We- Wiener Prater zum Beispiel oder auch in ersten Weltkrieges, sollen noch einmal
sen. Bis auf einen: Der Ahorn acer hatte Böhmen, wurde experimentiert, gezapft Ahornstämme angezapft worden sein.
damals überhaupt kein Geschlecht, und eingedickt. Obwohl der Zucker-
sondern war ein Neutrum und ist dann spiegel im Saft des Berg-Ahorns nur im Nudelholz und Fiedel
später bei den Italienern ebenfalls Bereich von ein bis drei Prozent liegt,
männlich geworden. während der Zucker-Ahorn bis zu acht Weitaus lukrativer als der Saft ist das
Prozent Saccharose in seinem Blutungs- Holz des Berg-Ahorns. Das helle,
Spannende Geschichte! Doch – leider, saft enthält, wurden doch alle diese beinahe weiße Holz wurde schon
leider – gibt es überhaupt keine plau- Versuche als vielversprechend bewertet. vor rund achttausend Jahren bei den
sible Erklärung, was den Ahorn so aus Zusätzlich ließ man sich allerdings auch jungsteinzeitlichen Ackerbauern gerne
der geschlossen weiblichen Baumriege noch Samen des Zucker-Ahorns aus zur Herstellung von Gefäßen benutzt.
herausgetrieben hat. Nordamerika besorgen, um damit dann Und bis heute ist es die erste Wahl bei

Warum heißt es
der und nicht
Foto: Beat Burrens
die Ahorn?

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wald
hölzernen Küchengerätschaften wie Geige ist Ahornholz der Garant für eine nicht über eine solche Ahornschwelle.
Schalen, Schneid- und Frühstücksbret- wunderbare Resonanz. Berühmt sind Selbst wenn nur die Verankerungszapfen
tern, Kochlöffeln, Fleischklopfern und die Geigenböden, die aus so genann- in der Schwelle aus Ahorn gefertigt sind
Nudelhölzern. Hauptgrund dafür ist die tem Riegelahorn gefertigt wurden. Bei – sie bleiben draußen. Und wer ganz
Feinporigkeit des Ahornholzes, die die diesem Holz ist der Verlauf der Holzfa- auf Nummer Sicher gehen will, der stelle
Herstellung sehr glatter und damit gut sern ungewöhnlich wellig, was beim zusätzlich belaubte Zweige ins Fenster.
sauber zu haltender Oberflächen erlaubt. Anschneiden dann einen alternierenden Die fünflappigen, entfernt an gespreizte
Und da auch verschüttetes Wasser nicht Hell-Dunkel-Schimmer ergibt. Es gibt Hände erinnernden Blätter tun ein
gleich unschöne Flecken hinterlässt, eine Fülle weiterer Einsatzbereiche für übriges, um all solch unheimliche Wesen
wird das Holz des Berg-Ahorns klassi- das Holz des Berg-Ahorns: Zimmerleute fernzuhalten. Auf dass es ein entspan-
scherweise auch gern für Biertresen und nehmen es gerne beim etwas edleren ntes Jahr 2009 werde!
Kneipentische genommen. Innenausbau für Treppen und Fußböden.
Und auch die MöbeltischlerInnen sind Foto: Martin Schwenninger
Eine weitere klassische Verwendung hat begeistert. Lediglich im Außenbereich
das recht harte, aber gut drechselbare und als Bau- und Konstruktionsmaterial
Holz des Berg-Ahorns im Musikinstru- hat sich das Holz des Berg-Ahorns nicht
mentenbau gefunden. Wegen seiner bewährt.
schmucken hellen Farbe wird es gerne
für Flöte oder Fagott genommen. Und Eine ganz spezielle Eigenschaft allerdings
bei Saiteninstrumenten, beim Cello, entfaltet das Ahornholz als Türschwelle.
bei der Bratsche und vor allem bei der Denn: Zauberer und Hexen trauen sich

Wer mehr über den Berg-Ahorn wissen will, ...


.... über Drehschraubenflieger, Ahorn-Böden und Oskar-Syndrom,
der sollte im umfangreichen Faltblatt „Der Berg-Ahorn – Baum
des Jahres 2009“ weiterlesen, das von dem Forstbotaniker Prof.
Dr. Andreas Roloff verfasst und von der Dr. Silvius Wodarz Stiftung
– Menschen für Bäume herausgegeben wurde. Für Kinder ist eine
2009
Broschüre mit einer spannenden Geschichte über den Raben Hugin
und den Berg-Ahorn erschienen.

Berg-Ahorn
Natürlich gibt es auch für das kommende Jahr
wieder den wunderschönen Wandkalender
der Dr. Silvius Wodarz Stiftung – Menschen für
Bäume mit Bildern rund um den Berg-Ahorn,
gemeinsam erstellt von Jens Tönnießen und
Rudolf Fenner. Der Kalender ist für 13,- € plus
1,65 € Porto zu haben.

Faltblätter, Broschüren und Kalender sind in


der ROBIN WOOD-Geschäftsstelle erhältlich:
Postfach 102122, D-28021 Bremen
info@robinwood.de, Tel.: 0421/598288

Nr. 99/4.08 21
wald

Das Blatt wendet sich


S pätestens als die großen Discounter
Lidl und Aldi (Süd) im vergangenen
Jahr Verkaufsaktionen mit Recyclingpa-
stellen – aus Furcht, er könnte endgültig
darauf sitzen bleiben.
Allerdings haben die Hersteller diesen
men als Auszeichnung eine Urkunde
und einen Eintrag im Internet.

pier-Schulheften planten, da ahnten die Negativtrend selbst und vorsätzlich Schulhefte aus Recyclingpapier
langjährigen KämpferInnen von ROBIN ausgelöst. Mit höchst fragwürdigen im Aufwärtstrend
WOOD, dass ihr Einsatz für mehr Schul- Aussagen und Labeln machten sie Schü-
material aus Recyclingpapier langsam lerInnen, Eltern und LehrerInnen weis, Bis heute haben bundesweit mehr als
Früchte trägt. Und tatsächlich scheint chlorfrei gebleichte Fasern aus Holz seien 2.500 Schulklassen den Heftproduzenten
sich am Markt etwas geändert zu haben. das Optimum an Umweltfreundlichkeit, signalisiert, dass sie bevorzugt Schulhefte
Der Absatz dieser umweltschonenden solange sie nicht aus tropischen Regen- aus recyceltem Papier kaufen werden.
Hefte lief offensichtlich so gut, dass wäldern kommen. Bekannte Herstellerfirmen wie Herlitz
beide Discounter künftig weitere Ver- oder Landré haben vorsichtig erste
kaufsaktionen durchführen werden. Seit fast zehn Jahren nun arbeitet ein Neuproduktionen aufgelegt. Und die
großes Bündnis aus Umwelt- und Ver- Verkaufserfolge von Lidl und Aldi sind
ROBIN WOOD wirkt ... braucherschutzorganisationen unter dem mit Sicherheit bei den SB-und Drogerie-
Namen Initiative 2000 plus gegen diese Marktketten aufmerksam registriert wor-
Seit der ersten Hälfte der neunziger fatale Entwicklung an. Mit Ausstellungen den. Erste Reaktionen: Die Rewe-Group
Jahre sackte der Anteil der Schulhefte, sowie einer Fülle von Informationen und mit ihren Marktketten Rewe und Toom
die aus recycelten Fasern hergestellt wur- Unterrichtsmaterialien versucht diese In- sowie der Büromarkt Staples, beide bis-
den, dramatisch ab. Zuletzt dümpelte itiative, Papier zu einem vielseitigen und lang reine Frischfaserverkäufer, was das
deren Anteil bei grob geschätzten fünf spannenden Unterrichtsthema werden ganzjährige Schulhefteangebot anging,
Prozent. Kaum ein Schulhefteproduzent zu lassen. Schulklassen, die sich für Re- bieten seit kurzem eine kleine Auswahl
wollte noch Blaue Engel-Schulhefte her- cycling-Schulhefte entscheiden, bekom- an Blaue Engel-Schulheften an.

Staples: Rewe:
Auf dem Wege der Besserung Ein bisschen besser mit Recyclingheften

Z weimal versuchte es der selbst ernannte Büro-Megamarkt


Staples, seine angebotenen Schulhefte zu umweltfreund-
lichen Produkten hochzujubeln (das ROBIN WOOD-Magazin
I m Juni hatte ROBIN WOOD all seinen Förderern und Förde-
rinnen Postkarten zugeschickt, mit denen sie bei ihren bevor-
zugten Einkaufsplätzen für Papierwaren ihren Wunsch nach
1/2007 berichtete). Das erste Mal – zum Schulanfang 2005 einem Angebot an Schulmaterialien aus Recyclingpapier zur
– wurden die Schulhefte als „ökologisch!“ deklariert, obwohl Kenntnis bringen konnten. Müller Markt, Rewe und Edeka wa-
sie nicht eine einzige Faser Altpapier, sondern ausschließlich ren die drei Marktketten, in denen am häufigsten eine solche
Frischfasern enthielten. Staples – angemahnt von ROBIN Postkarte überreicht wurde. Bei Rewe – Firmenmotto: ‚Jeden
WOOD – gelobte Besserung. Doch ein Jahr später prangte Tag ein bisschen besser‘ – rannte diese Aktion offensichtlich
neben den gleichen Schulheften sogar der Blaue Engel auf der schon offen stehende Türen ein. Der Rewe-Konzern hatte
Titelseite des Werbeprospekts. Dies war dann nicht nur ROBIN bereits Recyclingpapier-Schulhefte geordert, und seine beiden
WOOD zu viel, sondern auch dem Deutschen Institut für Gü- Marktketten Toom und Rewe werden in den kommenden Mo-
tesicherung und Kennzeichnung e.V. – besser bekannt als RAL, naten ihr bisheriges Schulhefteangebot nach und nach um vier
das für das Umweltbundesamt den Blauen Engel hütet. Erneut Sorten von A4-Schulheften aus Recyclingpapier ergänzen.
bedauerte Staples diesen „Fehler“ Ihrer Werbeabteilung und Damit wird es zum ersten Mal ein zwar kleines, aber ganz-
versprachen, sich zu bessern. jähriges und vor allem in bundesweit über 3.000 Filialen gut
Und wirklich, diesmal scheint es zu stimmen: Seit diesem Jahr erreichbares Angebot an Recyclingheften geben. Bislang führte
geht Staples offensichtlich den korrekten Weg und hat das lediglich Karstadt als bundesweites Unternehmen ein breites
Sortiment in seinen über 50 Filialen um immerhin vier A4- und ganzjähriges Angebot an Blauen-Engel-Schulheften. Doch
Schulhefte sowie um College- und Schreibblöcke erweitert es gibt insgesamt nur 90 Karstadt-Filialen in Deutschland,
– alle tatsächlich aus Recyclingpapier und mit dem Blauen Karstadts umweltschonendes Schulheftesortiment ist somit bei
Engel versehen. Na also – geht doch! weitem nicht für jeden jederzeit gut erreichbar.

Wo es sonst noch Schulhefte aus Recyclingpapier gibt, ist für den norddeutschen Bereich unter www.robinwood.de/papier zu
erfahren. Einen bundesweiten „Heftefinder“ für Schulmaterialien aus Recyclingpapier gibt es unter www.heftefinder.de. Informa-
tionen über die Initiative 2000 plus und den Mitmach-Wettbewerb für Schulklassen unter www.treffpunkt-recyclingpapier.de

22 Nr. 99/4.08
wald

ist der Baum


N atürlich – das gute alte Taschentuch
wäre wohl die Ressourcen scho-
nendste Form, sich die Nase zu schnäu-
jeden Fall ohne lange Extra-Wege sein
umweltschonendes Nasentuch finden.
Und wer noch nicht auf seinen normalen
heimlichen Vorurteilen getrieben – zu
Frischfaser-Klorollen greift, sollte ruhig
mal das reichhaltige Angebot aus Recyc-
zen. Doch nicht jedem gefällt es in der Einkaufsrouten darauf gestoßen ist, dem lingpapier durchtesten. Es lassen sich mit
Schnupfenzeit mehrfach in ein Stoffta- helfen mit Sicherheit die ROBIN WOOD- ziemlicher Sicherheit eine ganze Reihe
schentuch zu schnäuzen. Ich bin inzwi- Einkaufstipps für Hygienepapiere unter von Produkten finden, die die gleiche bis
schen – Gott sei Dank! – ein schnupfen- www.robinwood.de/papier weiter. dato gewohnte Qualität des Frischfaser-
und allergiefreier Mensch und lebe daher Toilettenpapiers aufweisen.
glücklich und völlig taschentuchfrei. Ich Noch bequemer, weil noch zahlreicher
habe aber durchaus Verständnis für alle, und breiter gestreut, sind die Einkaufs- Wisch – und weg ist das Vorurteil. Und
die aus was für Gründen auch immer möglichkeiten für Küchenpapiere und der Baum kann stehen bleiben!
eine Packung Papiertaschentücher griff- erst recht für Toilettenpapiere aus Recyc-
bereit mit sich führen, obwohl zu Hause lingpapier. Fast jeder Super- oder Droge- Rudolf Fenner ist ROBIN WOOD-
die fünfzig von der Großmutter geerbten riemarkt bietet inzwischen mindestens Waldreferent in Hamburg
Stofftaschentücher pietätvoll und sorg- eine Klopapier-Variante mit dem Blauen Tel.: 040/38089211,
fältig gebügelt in der hintersten Ecke des Engel an. Wer also immer noch – von wald@robinwood.de
Wäscheschranks dahin dämmern.

Doch die meisten Papiertaschentücher Nase voll


in den Regalen der Kaufhäuser, Droge-
rie- und Supermärkten sind frisch aus
von Rohstoffverschwendung und Waldzerstörung?
gefällten Bäumen hergestellt. Und sie
landen nach meist zwei, drei Einsätzen
Die Zeitschrift Öko-Test hat 2008 zwei Testberichte über Hygie-
im Orkus des Nicht-Recycelbaren. Wisch
nepapiere veröffentlicht:
– und weg ist der Baum! Seit ROBIN Papiertaschentücher (1/08): Es wurden insgesamt 23 Papiertaschen-
WOOD vor zwei Jahren aufgezeigt hat, tuchmarken getestet. Zwei davon waren aus 100 % Altpapier – mehr als
dass in den Tempos auch das Blut und diese beiden Recyclingmarken gibt es allerdings auch nicht auf dem deut-
die Verzweiflung der brasilianischen Indi- schen Papiertaschentuchmarkt. Alleiniger Testsieger ( „sehr gut“) wurde
aner eingearbeitet sind und Greenpeace die Recyclingpapiermarke „Smart – Mach mit“ der Firma wepa. Die Recyc-
etwa zur gleichen Zeit klar gemacht hat, lingpapiermarke Öko-Purex-Taschentücher wurde mit „gut“ bewertet. Am
dass in den Kleenex von Kimberly-Clark schlechtesten („befriedigend“) schnitten vier Papiertaschentuchmarken aus
die kahlgeschlagenen Wälder Kanadas Frischfaser ab, darunter die Marke Tempo der Firma SCA.
stecken, häuften sich bei ROBIN WOOD Empfehlungen von Öko-Test: „Taschentücher aus 100 Prozent Altpapier sind
die Anfragen nach Bezugsmöglichkeiten heute so sanft zur Nase wie konventionelle Zellstofftaschentücher und selbst-
von umweltschonenden Papiertaschen- verständlich auch genauso hygienisch einwandfrei.“
tüchern aus Recyclingpapier. Damals war Toilettenpapier (5/08): Es wurden 21 Toilettenpapiermarken getestet.
das Angebot eher mager, zumal just zu Dreizehn davon waren aus 100 % Altpapier. Es gab sieben Sieger („sehr
dieser Zeit die Firma SCA ihre Recycling- gut“). Alle diese Sieger sind Recyclingpapiermarken: Alouette (Rossmann),
Papiertaschentuchmarke „Danke“ vom Danke (SCA), Floralys (Lidl), Katrin Toilet 250 (Metsä Tissue), Kokett (Aldi
Markt nahm. Süd), Touching (Plus), Vitess Tissue (Aldi Nord). Alle anderen Recyclingmarken
wurden mit „gut“ bewertet. Am schlechtesten („befriedigend“) schnitt die
Doch mittlerweile hat sich einiges getan, Frischfasermarke Bess Classic der Firma SCA ab.
und ROBIN WOOD hat den Markt Empfehlung von Öko-Test: „Toilettenpapier aus Altpapier ist aus ökolo-
gründlich durchforscht. Das Resultat: gischer Sicht erste Wahl, und aus hygienischer Sicht gibt es nichts dagegen
In über 1.000 Verkaufsstellen bundes- einzuwenden. Durch die hohen Temperaturen bei der Herstellung werden
weit sind inzwischen Papiertaschentü- alle Keime getötet, zudem müssen auch Hygieneprodukte aus Altpapier die
cher mit dem Blauen Engel zu finden. gesetzlichen Kriterien für kritische Inhaltsstoffe einhalten.“
Seitdem nun auch der Drogeriemarkt
Schlecker wieder in fast allen Filialen
ROBIN WOOD gibt Einkaufstipps:
Recyclingtaschentücher führt, ist die Zahl
der Einkaufsmöglichkeiten sogar auf Recyclingpapier-Taschentücher
deutlich über 10.000 angestiegen. Mit
anderen Worten: Wer will, der kann auf www.robinwood.de/papier

Nr. 99/4.08 23
tropenwald

Wilmar weiter auf


Raubbau-Kurs
Der Agrarkonzern Wilmar ist nach eigenen Angaben größter Palmöl-Händler
der Welt. Wilmar beliefert Lebensmittel-Multis wie Unilever und Nestlé mit
dem begehrten Rohstoff und hat gegenüber ROBIN WOOD eingeräumt, wei-
ter Wald für neue Palmöl-Plantagen vernichten zu wollen.

E in kurzer Rückblick: ROBIN


WOOD war Wilmar am 17. Juli
in Brake bei Bremen aufs Dach
Hektar davon hat Wilmar bereits mit
Ölpalmen bepflanzt. Auf den von
Wilmar noch nicht kommerziell ge-
the Earth beim Zündeln erwischt
worden, und nach Recherchen von
Watch Indonesia! sind Tochterun-
gestiegen. Die Umweltschütze- nutzten 370.000 Hektar auf Sumatra ternehmen von Wilmar weiter an
rInnen protestierten gegen den sowie in Zentral- und Westkaliman- Brandrodungen beteiligt. Darauf
Bau einer riesigen Palmöl-Raffinerie tan befinden sich noch ausgedehnte angesprochen hat Wilmar einge-
und forderten den Konzern auf, Primär- und Sekundärwaldflächen, räumt, dass eine lückenlose Kontrolle
kein Palmöl als Rohstoff einzuset- die den Expansionsplänen von in Indonesien schwierig sei und die
zen. Einen Monat später kam es zu Wilmar zum Opfer fallen sollen. Dies eigenen Standards in der Praxis nicht
Gesprächen zwischen ROBIN WOOD, ist aus Sicht indonesischer Umwelt- immer erfüllt würden.
einer Vertreterin von Watch Indone- schutzorganisationen ein Skandal,
sia! und Wilmar. Der Konzern wurde zumal auch viele Menschen ihren Wilmar ist nach eigenen Angaben
dabei von EU-Chef Erik Rietkerk und Lebensraum dadurch verlieren wür- weltweit der führende Verarbeiter
dem Manager der Raffinerien von den. Außerdem plant Wilmar, nach von Palmöl. Die firmeneigenen Plan-
Brake und Rotterdam, Remond van Westpapua zu expandieren. Dies tagen können den Bedarf des Kon-
Dorland, vertreten. wäre eine Bedrohung der letzten zerns nur zu einem Teil decken. Ein
noch intakten Wälder Indonesiens. Großteil des Palmöls wird auf dem
Wilmar wird weiter Wald Lokale Gruppen wie Save Our Bor- Weltmarkt zugekauft. Eine unabhän-
vernichten neo machen deshalb gegen Wilmar gige und transparente Kontrolle, ob
mobil. das zugekaufte Palmöl aus verant-
Um Platz für neue Ölpalmen-Planta- wortungsvoller Bewirtschaftung
gen zu schaffen, wird Wilmar weitere Wilmar gibt an, selbst keine Brandro- stammt, findet bei Wilmar nicht statt
Tropenwaldgebiete kahl schlagen dung zu praktizieren und auch keine und sei nach Angaben von Wilmar
bzw. in Brand setzen. Der Konzern Plantagen auf Böden mit einer mehr und anderen führenden Palmöl-
besitzt Konzessionsrechte – d.h. als drei Meter dicken Torfschicht konzernen bei den verflochtenen
die Nutzungsrechte – für 570.000 anlegen zu wollen. Tatsächlich ist Strukturen des Welthandels auch gar
Hektar Land in Indonesien. 200.000 Wilmar aber schon von Friends of nicht möglich. Wilmar ist jetzt dazu
übergegangen, Fragebögen an seine
Mehr Armut Lieferanten zu verschicken, räumt
durch die Palmöl- aber selbst ein, dass dies kein wirk-
Industrie sames Kontrollinstrument ist. Welche

Wilmar ist mit 67.000 Beschäftigten einer der größten


Agrarkonzerne Asiens. Das an seinem Hauptsitz in Singapur
börsennotierte Unternehmen wird von der Milliardärsfamilie
Kuok und dem US-Agrarmulti Archer Daniels Midland (ADM)
kontrolliert. Neben dem Geschäft mit Palmöl als Rohstoff für
die Konsumgüterindustrie ist Wilmar zugleich der größte Her-
steller von Palmöl-Agrodiesel. In China und Indien verkauft der
Konzern auch Speiseöle an EndverbraucherInnen. Wilmar hat
damit alle Teile der Wertschöpfungskette im Palmölgeschäft
– von der Plantage bis ins Supermarktregal – in seine Konzern-
Foto: argus/Rudhart strukturen integriert.

Foto: Greenpeace/K. Davison


24 Nr. 99/4.08
tropenwald

Palmöl-Firma, die in illegale Brandro- „Wir fordern Konzerne und Verbrauche-


dungen verwickelt ist, würde das in rInnen auf, Palmöl aus Indonesien zu
einem Fragebogen ehrlich angeben? boykottieren“, sagt Pietsau Amafnini.
Angesichts der Tatsache, dass auf dem

Foto: Watch Indonesia!


„Wir wollen keine neuen Palmölplan-
Weltmarkt sehr viel Raubbau-Palmöl tagen in unserer Heimat. Das ist seit
gehandelt wird, für das weltweit die Menschengedenken das Land unserer
letzten tropischen Wälder weichen Vorfahren, aber jetzt droht uns, dass wir
müssen, nimmt diese Handelspraxis es für immer verlieren. Wir nutzen den
die Zerstörung von Lebensräumen Regenwald traditionell und haben ihn so
von Menschen und Tieren billigend in bis heute erhalten. Unsere traditionellen
Kauf. Rechte werden von den Palmöl-Konzer-
nen mit Füßen getreten, unser Lebens- Pietsau Amafnini ist Koordi-
Kleine Schutzgebiete unterhalt und die Natur abgefackelt. nator der Organisation
– große Kahlschläge Immer mehr Land ist in der Hand von JASOIL (Netzwerk für
Palmölunternehmen, die nur für den soziale und ökologische
Wilmar hat sich bereit erklärt, be- Export produzieren.“ Fragen) in Westpapua
sonders schützenswerte Wälder, so
genannte High Conservation Value
Forests (HCVF), nicht in Plantagen um- Tatsache ist aber, dass die Zerstörung Totalherbizids Paraquat. Dies ist aus
zuwandeln. Das HCVF-Konzept ist sehr der Wälder in erster Linie auf das Sicht von ROBIN WOOD und indo-
umstritten, denn es werden vergleichs- Konto großer Palmöl- und Papier-Kon- nesischen Umweltorganisationen der
weise kleine, „wertvolle“ Flächen zerne geht. Darüber hinaus verschließt falsche Weg. Den Kunden wird ein
unter Schutz gestellt, wohingegen zu- Wilmar die Augen davor, dass der Pseudo-Ökosiegel untergejubelt, auf
meist große Flächen „nicht schützens- Palmölsektor für die Vernichtung der das sie sich nicht verlassen können.
werter“ Primär- und Sekundär-Wälder Einkommensquellen großer Bevöl-
zum Kahlschlag freigegeben werden. kerungsschichten verantwortlich ist, Der Widerstand wächst
während nur wenige Arbeit auf den
Dabei wird außer Acht gelassen, dass Plantagen erhalten. Jetzt kommt es darauf an, alle Kräfte
auch die Sekundärwälder und sogar zu mobilisieren, damit Wilmar nicht
die entwaldeten Gebiete von der Unter dem Strich können demzufolge einfach ungestört Wälder in Mond-
lokalen Bevölkerung genutzt werden weniger Familien für sich ein men- landschaften umwandeln kann. Kon-
und einen wichtigen Beitrag für die schenwürdiges Auskommen erwirt- zerne wie Unilever, die sich von Wilmar
weltweite Biodiversität leisten. Indone- schaften, nachdem die Landschaft in mit Palmöl beliefern lassen, sollten
sische Umweltschutz- und Menschen- eine Ölpalmen-Wüste umgewandelt sich vor Augen führen, dass es der
rechtsgruppen verlangen deshalb, dass wurde. Umwelt- und Menschenrechts- Palmöl-Gigant mit den eigenen Öko-
generell keine Gebiete mehr in Palmöl- organisationen warnen deshalb davor, versprechen nicht so genau nimmt.
Plantagen umgewandelt werden. Ein dass die Ausweitung der Ölpalmplan- KäuferInnen von Unileverprodukten
weiteres Gegenargument gegen das tagen viele Menschen noch tiefer in wie RAMA-Margarine oder Knorr-Tü-
HCVF-Konzept ist die Tatsache, dass in die Armut treiben wird. tensuppen werden nicht erfreut sein,
Ländern mit einer hohen Korruption wenn sie erfahren, dass für ihre Mahl-
wie Indonesien die Wälder zunächst Sackgasse Ökosiegel zeit Menschen in die Armut getrieben
illegal ausgebeutet und abgefackelt und Regenwälder vernichtet wurden.
werden, um degradierte Flächen her- In der öffentlichen Kommunikation be- ROBIN WOOD fordert Wilmar deshalb
zustellen, auf denen dann ein Ölpal- tont Wilmar stets seine Mitgliedschaft auf, keine neuen Ölpalm-Plantagen
manbau gestattet ist. in der Zertifizierungsinitiative des mehr anzulegen oder deren Auswei-
Runden Tischs für nachhaltiges Palmöl tung zu unterstützen. Zusammen mit
Waldzerstörung (Roundtable of Sustainable Palmoil anderen europäischen Organisationen
verursacht Armut - RSPO). Diese von der Industrie domi- sowie unseren indonesischen Freun-
nierte Zertifizierungsinitiative ist jedoch den von Walhi, Save Our Borneo und
Wilmar behauptet zynischerweise, alles andere als ein Ökosiegel und gilt JASOIL wollen wir Wilmar und Co.
nicht nur aus wirtschaftlicher und öko- bei fast allen Umweltorganisationen stoppen.
logischer, sondern auch aus sozialer als unglaubwürdiges „greenwashing“.
Verantwortung zu handeln. Arbeits- So erlaubt der RSPO das Zerstören Peter Gerhardt ist ROBIN WOOD-
plätze würden geschaffen, um die von Wäldern für neue Palmölplanta- Tropenwaldreferent in Hamburg
Bevölkerung von Aktivitäten wie dem gen und den Einsatz von agressiven Tel.: 040/38089218,
illegalen Holzeinschlag abzuhalten. Agrochemikalien wie zum Beispiel des tropenwald@robinwood.de

Foto: Kolko e.V.


Nr. 99/4.08 25
tatorte

Auf dem Strom gegen


Kohle und Atom

Meißen Wittenberg

N ach 572 Kilometern auf der Elbe lief die ROBINA WALD
am 29. August 2008 im Hamburger Hafen ein. Während-
dessen entrollten ROBIN WOOD-AktivistInnen an der Kaimauer
sich weigert, seine maroden AKW Krümmel und Brunsbüttel
endgültig stillzulegen.

am Baumwall ein Transparent mit der Aufschrift „Gegen Kohle Entlang der Strecke stießen die FlößerInnen mit ihrer Kritik an
und Atom – Die Zukunft ist erneuerbar“. Die Tour, die am 25. den herrschenden Energiekonzernen bei den Menschen auf
Juli in Dresden startete, richtete sich gegen die klimaschädliche offene Ohren. Viele kamen an Bord, versorgten sich mit Infor-
und gefährliche Politik der vier großen Energiekonzerne Vatten- mationen und diskutierten ausgiebig mit den AktivistInnen von
fall, E.on, RWE und EnBW, die weiterhin voll auf Dreckstrom der Floßtour-Crew. Viele Medien berichteten über die ROBIN
aus Kohle- und Atomkraftwerken setzen. Die Menschen WOOD-Floßtour, die nun bereits zum dritten Mal über die
in Hamburg sind unmittelbar betroffen, weil Vattenfall ein Elbe führte. In Dresden, Magdeburg und Krümmel machten
riesiges neues Kohlekraftwerk in Moorburg bauen will und AktivistInnen von ROBIN WOOD zudem mit großen Bannern
und Abseilaktionen die Öffentlichkeit auf ihr Anliegen
aufmerksam. In Barby trafen sich die FlößerInnen
mit TeilnehmerInnen des Elbe-Saale-Camps und den
RadlerInnen von „Tour de Natur“ und demonstrierten

Elbe-Saale-Camp, 08.08.08: Gemeinsamer


Protest gegen den Ausbau der Elbe vom
Aktionsbündnis Elbe-Saale, Tour de Natur
und ROBIN WOOD

Barby Fotos: ROBIN WOOD/Jule Hübner

26 Nr. 99/4.08
tatorte

Dresden Foto: C. Janecka

gemeinsam gegen den Elbausbau und die Schädigung des Flusses durch unsin-
nige Kraftwerksprojekte. Zwischen Aktionen, Infostand und Pressearbeit fand
die Crew auch Zeit, das gemeinsame Leben an Bord zu genießen, zusammen
zu kochen, zu plaudern und baden zu gehen. Auch in diesem Jahr gab es wie-
der mehrere FloßbesucherInnen, denen die Atmosphäre an Bord so gut gefiel,
dass sie sich spontan zum Mitfahren entschlossen.

In Hamburg wurde das letzte Floßtour-Wochenende genutzt, um noch mehr


Vattenfall-KundInnen davon zu überzeugen, dem Konzern aus Protest gegen
den geplanten Bau des Riesenkraftwerks in Moorburg den Rücken zu kehren.

Zahlreiche Fotos von der Tour und das digitale Logbuch gibt es unter:
www.flosstour.de
Coswig

Hamburg

Nr. 99/4.08 27
tatorte

Foto: Roman Safreider Aktionskraft gegen Kohlekraft


Gegen alle klimapolitische Vernunft: Bundesweit sind mehr als 20 neue
Kohlekraftwerke in Planung bzw. im Bau. Keine andere Form der Strom-
erzeugung ist derart klimaschädlich. Ende September hat nun in Hamburg
die grüne Umweltsenatorin Anja Hajduk eines der größten Kohlekraft-
werksprojekte in Europa genehmigt: Ein Steinkohlekraftwerk des Strom-
konzerns Vattenfall in Moorburg. Mit über 8 Millionen Tonnen CO2 wird
das Kraftwerk doppelt so viel CO2 ausstoßen wie der gesamte Straßenver-
kehr Hamburgs. Die selbst gesteckten Klimaziele der ersten schwarz-grü-
nen Koalition auf Landesebene können so nicht mehr erreicht werden.

Seit über einem Jahr hat ROBIN WOOD mit vielfältigen Aktionen gegen
den Bau gekämpft, sich an Volkspetitionen, an Einsprüchen und dem Er-
örterungstermin beteiligt. Doch auch nach der Genehmigung wird ROBIN
WOOD weiter aktiv gegen Moorburg sein. Vier Jahre wird die Bauphase
andauern - viel Zeit, um Vattenfall weiter wegen seiner klimaschädlichen
Politik unter Druck zu setzen.

ROBIN WOOD protestierte gegen die Genehmigung


des Kohlekraftwerks Moorburg, die von der Hambur-
ger grünen Umweltsenatorin erteilt wurde - entgegen
ihres Versprechens im Wahlkampf

Mannheim, 14.10.

Wie in immer mehr Städten regt sich auch in Mann-


heim Widerstand gegen neue Kohlekraftwerke.
Dort geht es um die Erweiterung eines Blocks am
bestehenden Kraftwerk. Ein Bürgerbündnis wehrt
sich mit Einwendungen gegen die giftigen Abgase
und die Folgen dieser Technik für das Klima. ROBIN
WOOD unterstützt die Initiative. Am 14. Oktober
- zum Abschluss der Auslegungsfrist - entrollten
AktivistInnen auf einem Verladekran des Großkraft-
werks in 40 Meter Höhe ein Transparent mit der Hamburg, 9.10.
Aufschrift: „Saubere Kohle ist eine dreckige Lüge“.

Hamburg, 26.9. und 3.9.

28 Nr. 99/4.08
tatorte

Jahrestag der
Zerstörung von Lacoma

Am 26. September erinnerten ROBIN WOOD-Akti-


vistInnen an die Räumung der Baumbesetzung am
Hammergraben vor einem Jahr und an die anschlie-
ßende Zerstörung der Lacomaer Teichlandschaft bei
Cottbus für den Braunkohletagebau von Vattenfall.
Sie entrollten am Eingang des inzwischen abgebag-
gerten Ortes Lacoma ein Transparent mit der Auf-
schrift „Ökostrom statt Ökolüge“. Die Umweltschüt-
zerInnen wollten damit auf das Zerstörungswerk des
Energiekonzerns Vattenfall in der Lausitz aufmerksam
machen und dafür sorgen, dass die Propaganda von
einer angeblich sauberen Kohleverstromung nicht
verfängt.

Am 9. September protestierten ROBIN WOOD-Aktive


im brandenburgischen Spremberg gegen die Klima-
killer-Politik des Energiekonzerns Vattenfall, der an
diesem Tag die Pilotanlage eines so genannten CO2-
armen Kraftwerks in Betrieb nahm. ROBIN WOOD
hält es für eine gefährliche Illusion, dass es künftig sauberen Kohlestrom geben wird und fordert den Ausstieg aus der extrem
klimaschädlichen Kohleverstromung. In dem kleinen Versuchskraftwerk erprobt Vattenfall die so genannte Oxyfuel-Technik. Dabei
wird Kohle mit reinem Sauerstoff verbrannt. Das dabei entstehende CO2 soll verflüssigt und eingelagert werden. Diese Technik
ist jedoch ungeeignet, um damit bestehende Kohlekraftwerke nachzurüsten. Auch bei Neubauten wie in Boxberg oder dem
geplanten riesigen Kohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg wird sie nicht zum Einsatz kommen. Die Technologie zur Abscheidung
des klimaschädlichen CO2 verbraucht zudem große Mengen an Energie und Wasser.

Bremen ist Spitze – auch beim Feinstaub


Bremer ROBIN WOOD-AktivistInnen starteten am 7. September eine Pro-
testaktion für bessere Luft in ihrer Stadt. Mit Schutzmasken und Warnwe-
sten mit dem Aufdruck „Feinstaub kann tödlich sein!“ demonstrierten sie
für wirksame Maßnahmen gegen Feinstaub und unterstützten auf diese
Weise die Hochstraßentour des Fahrradclubs ADFC.

Die Feinstaubgrenzwerte in Bremen sind in diesem Jahr bereits an fünfzig


Tagen überschritten worden. Damit nimmt Bremen bundesweit eine
traurige Spitzenposition ein. Die Europäische Union fordert bereits ab
35 Tagen im Kalenderjahr, an denen der Grenzwert von 50 Mikrogramm
Feinstaub pro Kubikmeter Luft überschritten ist, Maßnahmen zur Luftrein-
haltung. Trotz der dramatischen Messergebnisse ist keine Abhilfe in Sicht.
Die Pläne des rot-grünen Senats für eine Umweltzone in der Bremer City
wurden bis zur Wirkungslosigkeit zurechtgestutzt.

Tatort Lindenstraße
Unter dem Motto „Suche Klima - biete Schutz“ fand am 17. Au-
gust in München ein großer Umweltaktionstag der Sendung „Lin-
denstrasse“ statt. Neben den SchauspielerInnen waren auch viele
Umweltorganisationen vor Ort und boten Gelegenheit zum Infor-
mationsaustausch. Am ROBIN WOOD-Stand wurde besonders auf
die Klimaschädlichkeit des Fleischkonsums hingewiesen - für viele
Interessierte eine neue Erkenntnis.

Nr. 99/4.08 29
energie

Foto: ROBIN WOOD

30 Nr. 99/4.08
energie

Stark, bunt und vielfältig


Die Anti-Atom-Bewegung ist wieder da. Über 15.000 TeilnehmerInnen machten am 08. No-
vember in Gorleben in beeindruckender Weise klar, dass sich die Atomkonzerne sehr warm
anziehen müssen. Faktisch hatten die Stromkonzerne im letzten Sommer den Atomkonsens
aufgekündigt und erklärt, mit neuen politischen Mehrheiten nach der Bundestagswahl im Sep-
tember 2009 die Verlängerung der AKW-Laufzeiten durchsetzen zu wollen. Dass sie mit dieser
Absicht eine komplette Bruchladung machen dürfte, wird nach der großen Demonstration und
den entschlossenen Aktionen im Wendland immer deutlicher.

Anlass der Demonstrationen im kanzlerin Merkel lapidar, sie habe „keine auch die zuständige Vorgängerbehörde
Wendland war der inzwischen elfte Lust“, noch mehr Geld für die Suche des Bundesamts für Strahlenschutz, die
Castor-Transport mit hochradioak- nach einem geeigneten Atommülllager- Physikalisch Technische Bundesanstalt
tiven Atommüll aus der französischen Standort auszugeben. (PTB) hatte seinerzeit der Bundesregie-
Wiederaufarbeitungsanlage La Hague in rung empfohlen, dringend alternativen
das Zwischenlager in Gorleben. Gemein- Rund 1,3 Mrd. Euro sind bislang im zum Standort Gorleben zu suchen. Die
sam mit der örtlichen Bürgerinitiative Salzstock Gorleben versenkt worden. ungeklärte Atommülllagerung und die
Umweltschutz Lüchow-Dannenberg und Vergleichsweise wenig, wenn man be- katastrophalen Zustände in Morsleben
vielen anderen Initiativen und Umwelt- denkt, dass allein die Sanierungskosten und ASSE stehen ganz oben auf der
organistionen hatte ROBIN WOOD zu für die einstürzen Atommülllager ASSE politischen Tagesordnung. Die mehr als
der Demonstration aufgerufen. Neben und Morsleben den SteuerzahlerInnen 15.000 Menschen, die im November im
der Absicht der Atomwirtschaft, die bis heute allein rund 5 Mrd. Euro kosten niedersächsischen Wendland demons-
Laufzeiten ihrer Atomkraftwerke zu (werden). Und Peanuts, wenn man an triert haben sind ein Hinweis darauf,
verlängern, steht die bis heute nicht das 500 Mrd. Europaket zur Stützung dass die Anti-Atom-Bewegung mit
gelöste Endlagerung des Atommülls weit der Finanzbranche bedenkt. starken Argumenten in die kommenden
oben auf der Tagesordnung. Nachdem Debatten einsteigen und sich mit ihrer
schon das Endlager in Morsleben wegen Dass der Salzstock Gorleben für die End- Forderung durchsetzen wird: Atomkraft?
Einbruchgefahr geschlossen werden lagerung nicht taugt, Pfeifen längst nicht Nein Danke.
musste, droht nun das Atommülllager mehr nur Spatzen von den Dächern: Seit
Asse 2 einzustürzen. Bereits seit vielen Mitte der 80er Jahre haben zahlreiche
Jahren dringt dort zudem unkontrolliert Untersuchungen gezeigt, dass die Ge- Dirk Seifert, ROBIN WOOD-Energie-
Wasser in den maroden Salzstock ein. fahren z.B. eines Wasserkontakts extrem referent, Tel.: 040/380892-21,
hoch sind. Zahlreiche Experten, darunter energie@robinwood.de
Als gäbe es diese katastrophalen Er-
eignisse in Morsleben und Asse nicht,
setzen Teile der Bundesregierung und Mehr als 15.000 Menschen bei der Anti-Atom-Demonstration in Gor-
die Atomwirtschaft unbeirrt auf den leben und dem Brennelemente-Zwischenlager
Salzstock in Gorleben als Lagerstätte
für den hochradioaktiven Atommüll. Foto: itnop.net
Dabei verstärkt sich Jahr um Jahr die
Gewissheit, das es diesen Kräften nicht
um Sicherheit geht, sondern vor allem
darum, dass Lagerproblem möglichst
kostengünstig aus der Welt zu schaffen.
Erst vor Kurzem erklärte selbst Bundes-

„Wir bleiben, bis der Castor


kommt“: ROBIN WOOD-
Aktive protestierten gegen
den Transport von hochradi-
oaktivem Atommüll aus La
Hague nach Gorleben

Nr. 99/4.08 31
energie

Auslaufmodell Asse
Pannenserie zwingt zu Betreiberwechsel bei ASSE II
Die Serie von Pannen, Skandalen und immer neuen Fällen von Vertu-
schungen rund um das Atommüll-Lager ASSE II nahm einfach kein Ende und
zwang die verantwortlichen Politiker zum Handeln. Schneller als gedacht hat
sich Bundesumweltminister Gabriel gegen seine Kabinettskollegin Schavan
(Bundesforschungsministerium) durchgesetzt und den Betrieb der ASSE vom
Helmholtzzentrum (früher GSF) auf das ihm unterstehende Bundesamt für
Strahlenschutz (BfS) übertragen. Doch was bedeutet dieser Betreiberwech-
sel, was erwarten die im ASSE II-Koordinationskreis zusammengeschlossenen
kritischen Gruppen vom BfS?

D er bisherige Betreiber, das Helm-


holtzzentrum, hat die Probleme in
ASSE II nie in den Griff bekommen und
versuchte, sein völlig unausgereiftes
„Flutungskonzept“ für eine schnelle
Schließung der ASSE mit aller Macht und
gegen jede Kritik durchzusetzen. Selbst
das Niedersächsische Umweltministe-
rium, das dem Betreiber lange Zeit sehr
wohlgesonnen war, distanzierte sich in
den letzten Monaten immer mehr auch
öffentlich von den Planungen des Helm-
holtzzentrums.

Das Bundesamt übernimmt …

Mit dem Betreiberwechsel wird endlich


der Realität Rechnung getragen, dass es
sich bei ASSE II nicht um ein beliebiges
Forschungsprojekt handelt, sondern um
ein (End-)Lager für Atommüll, in das von
1967 – 1978 sämtlicher in dieser Zeit
angefallene schwach- und mittelradio-
aktive Abfall verbracht wurde. Formell
wird diese Übertragung erst auf einer
Kabinettssitzung beschlossen. Trotz
mehrfacher Ankündigung wurde dieser

31. Oktober 2008: Eine Woche


vor dem geplanten CASTOR-
Transport nach Gorleben forder-
ten ROBIN WOOD-Aktive auf
dem Förderturm von Asse, dass
der dort im Schacht gelagerte
Atommüll sofort rückgeholt wer-
den müsse. Denn bereits nach 40
Betriebsjahren droht das Atom-
müll-Lager einzustürzen und
abzusaufen

32 Nr. 99/4.08
energie

wichtige Tagesordnungspunkt allerdings des gesamten Atommülls zur Verfügung


immer wieder verschoben. gestellt werden. Dieser Prozess muss von
der „Arbeitsgruppe Optionenvergleich“,
… und alles wird gut? in der auch in Zukunft unabhängige Wis-
senschaftler mitarbeiten sollen, kritisch
Oder zumindest besser. Diesen Eindruck begleitet werden. Dieses Gremium muss
konnte man auf der öffentlichen Veran- aus Bundesmitteln finanziert werden und
staltung des NDR Hörfunks am 10.09.08 einen entsprechenden neuen Arbeitsauf-
in Remlingen gewinnen. Wolfram König, trag erhalten.
der Präsident des Bundesamtes für
Strahlenschutz, hat sich schnell in seine Endlich nach Atomrecht
neue Rolle eingefunden: Er benennt
die Probleme, leugnet auch die Fehler Die beteiligten Ministerien haben nicht
nicht, ist verbindlich im Ton und nimmt nur den Betreiberwechsel vereinbart,
die Fragen aus dem Publikum ernst. Ob sondern auch angekündigt, bei ASSE II
die Hoffnungen, die von einigen Gästen künftig nach Atomrecht zu verfahren. Für
geäußert werden, auch berechtigt sind, Rechtsanwalt Nikolaus Piontek, der Iremla
wird erst die Zukunft zeigen. Wrede aus Mönchevahlberg vertritt, ist
es aber noch zu früh, um ihre Klage von
Das BfS ist auch für das im Bau befind- 2007 gegen das Land Niedersachsen
liche Endlager Schacht Konrad (Salzgitter) zurück zu ziehen. Die Tischlermeisterin
und das bestehende Endlager Morsleben will damit ein atomrechtliches Geneh-
(fünf Kilometer östlich von Helmstedt) migungsverfahren für Asse II erwirken
zuständig und hat demzufolge entspre- „Bis jetzt ist das nur eine Ankündigung.
chende Erfahrungen auf diesem Gebiet. Rechtswirksam wird der Übergang zum
Aber auch die AtomkraftgegnerInnen Atomrecht erst, wenn das BfS einen An-
haben Erfahrungen mit dem BfS bei trag nach Atomrecht stellt“, so Piontek.
diesen Projekten: Hier war und ist es das
BfS, das Kritik vom Tisch wischt und den Zur Zeit sind wir in einem „antragslosen
gefahrlosen Umgang mit Atommüll für Zustand“, so die übereinstimmende Er-
möglich hält. läuterung von Wolfram König und Stefan
Birkner, Staatssekretär im Niedersäch-
Skepsis und Wachsamkeit ist also auch sischen Umweltministerium. Das heißt
hier angebracht. Die im ASSE II-Koordi- konkret, der alte Antrag des Helmholtz-
nationskreis zusammengeschlossenen zentrums für die geplante Flutung von
Gruppen wollen jedenfalls an das BfS ASSE II mit Magnesiumchlorid ist vom
dieselben Maßstäbe wie beim Helm- Tisch. Das BfS hält ihn allerdings für einen
holtzzentrum anlegen: Zunächst müssen möglichen Notfall weiterhin im Gespräch.
die Maßnahmen zur Stabilisierung des
einsturzgefährdeten Bergwerks zügig um- ASSE II im Wahlkampf
gesetzt werden, so wie es in der kürzlich
veröffentlichten Konzeptstudie der Firma CDU/CSU haben sich entschieden, die
CDM, dem sogenannten Jordan-Gutach- Verlängerung der Laufzeiten der Atom-
ten, vorgeschlagen wird. Damit soll und kraftwerke zu ihrem Wahlkampfthema zu
wird Zeit gewonnen werden, um einen machen. SPD, GRÜNE und LINKE werden
Optionenvergleich durchzuführen, der dagegen halten und dabei das Desaster
seinen Namen auch verdient. bei ASSE II als Argument für die Unver-
antwortbarkeit der Atomenergie nutzen.
Auf einer der nächsten Sitzungen der Das kann den AtomkraftgegnerInnen nur
ASSE II-Begleitgruppe, in der Vertrete- Recht sein: Für sie geht es allerdings nicht
rInnen aus der Region die Entwicklung um eine Verhinderung der Laufzeitver-
um ASSE II kritisch begleiten, wird längerung, sondern um den sofortigen
Wolfram König das Konzept des BfS zum Ausstieg aus der Atomenergie, wie z.B.
weiteren Vorgehen vorstellen. Der ASSE bei der Demonstration vom 8. November
II-Koordinationskreis fordert, dass ausrei- in Gorleben.
chende Mittel für die Ausarbeitung meh- Claus Schröder,
rerer Optionen bis hin zur Rückholung Asse-2-Koordinationskreis

Foto: argus/Raupach
Nr. 99/4.08 33
energie

Foto: urgewald

Wegen starker öffentlicher


Proteste lehnten bisher 12

FINGER WEG von Belene! internationale Banken eine


Finanzierung von Belene ab

Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern, RWE, will 1,5 Milliarden Euro in den Bau eines
Atomkraftwerks in Bulgarien investieren. Das Projekt heißt Belene und liegt nur wenige Kilo-
meter von der gleichnamigen Kleinstadt nahe der rumänischen Grenze entfernt. Die Sicher-
heitsbedenken gegen das Projekt sind enorm, denn Belene liegt in einem Erdbebengebiet.

D er Plan für Belene stammt aus den


frühen 80er Jahren. Das Projekt traf
von Anfang an auf Widerstand, und
Nuklearindustrie wird,“ sagt Albena
Simeonova, Sprecherin der bulgarischen
Koalition von Nichtregierungsorganisati-
Betreiber wollen einerseits Geld von
öffentlichen Banken wie der Europäischen
Investitionsbank bekommen und hoffen
1983 empfahlen sowjetische Wissen- onen „BeleNE! (Nein zu Belene)“. darüber hinaus auf große Summen von
schaftlerInnen, diesen Standort wegen ausländischen Energieunternehmen. RWE
der großen Erdbebengefahr nicht wei- Im November 2007 meldete auch der hat Anfang Oktober den Zuschlag als
terzuverfolgen. Schließlich wurden beim ehemalige Leiter der bulgarischen Atom- Investor für Belene erhalten. Dabei soll
letzten bedeutenden Erdbeben 1977 aufsicht schwere Bedenken gegen das RWE 1,275 Milliarden Euro als Eigenka-
zahlreiche Gebäude zerstört, und 120 geplante Kraftwerk an. Dr. Kastchiev hat pital und weitere 280 Millionen als Kredit
Menschen starben nur wenige Kilometer 34 Jahre Erfahrung im Atomsektor. Nach bereitstellen. Selbst wenn diese Finan-
vom geplanten AKW-Standort entfernt. seiner Einschätzung „stellt Belene ein zierung käme, bliebe noch ein riesiges
nicht tolerierbares Sicherheits- und Um- Finanzierungsloch in Bulgarien. Und in
Nach der Wende warnten ExpertInnen weltrisiko dar. Die fehlende Betriebser- Deutschland muss der RWE-Vorstand die
der Bulgarischen Akademie der Wissen- fahrung mit dem geplanten Reaktortyp, Investition noch gegen breite öffentliche
schaften in einer umfassenden Studie der Mangel an qualifiziertem Personal Proteste und konzerninterne Widerstände
vor einer Fertigstellung des Reaktors, und effektiven Kontrollen wird zweifellos durchboxen. Laut Pressemeldungen ste-
u.a. wegen der seismischen Risiken. Die zu schlecht ausgeführten Bauarbeiten hen bereits jetzt Teile des Aufsichtsrates
erste demokratisch gewählte bulgarische führen,“ sagt er. „Wenn man das hohe dem Projekt kritisch gegenüber.
Regierung nahm diese Warnungen ernst seismische Risiko der Bauregion und die
und stoppte das Projekt als „technisch schwache Atomaufsicht in Bulgarien Wir bitten alle atomkritischen Lese-
unsicher und ökonomisch untragbar.“ hinzu nimmt, kann man nur zu einem rInnen und ihre FreundInnen, sich an
Schluss kommen: Dieses Projekt darf der Kampagne: FINGERWEG! zu betei-
2003 grub eine neue bulgarische Regie- nicht weitergeführt werden.“ ligen. Ein Brief an RWE-Chef Jürgen
rung die Belene-Pläne jedoch wieder aus Großmann mit Unterschriftenlisten
und beauftragte im Jahr 2006 den rus-
sischen Konzern Atomstromexport da-
mit, zwei Reaktoren zu bauen. Für deren
Z u ähnlichen Schlüssen kamen auch
zwölf internationale Banken, die die
Finanzierung des riskanten Projekts ab-
kann von www.urgewald.de herunter-
geladen oder direkt bei urgewald
(Tel.: 02583-1031) bestellt werden.
Design gibt es bisher weder Sicherheits- lehnten. Damit wurde die Finanzierung .
analysen noch Betriebserfahrung. „Ich zur Achillesferse des Projektes, da unklar
staune, dass unsere Regierung mehr als ist, woher die sieben plus X Milliarden
sieben Milliarden Euro zahlen will, damit Euro kommen sollen, die der Bau von Heffa Schücking und
unser Land ein Testgebiet der russischen Belene kosten wird. Die bulgarischen Regine Richter, urgewald

34 Nr. 99/4.08
bücher

„Coca-Cola der Umweltbewegung“

E s sind die Bilder, die Gefühle wecken:


mutige AktivistInnen auf kleinen
Schlauchbooten, die vor großen Pötten
funktionierten genauso wie bei großen
Markenkampagnen. Die langen Haare,
das ungestüme Auftreten der Umwelt-
sein. Viele Gruppen in der Umweltbe-
wegung und auch Organisationen wie
ROBIN WOOD ticken anders als Green-
kreuzen, um sie am Walfang zu hindern. schützInnen – das seien alles nur „anar- peace und auch anders als von Hofmann
Solche „David gegen Goliath“-Motive chische Gebärden“. In Wirklichkeit seien beschrieben. Das Antiautoritäre ist keine
haben die erste „Rettet die Wale“-Kam- Kampagnen eine detailliert geplante öf- Attitüde, Kampagnen werden nicht
pagne von Greenpeace in den siebziger fentliche Konfrontation, deren Wurzeln generalstabsmäßig geplant. Die Glaub-
Jahren bekannt gemacht. im Militärischen lägen. würdigkeit der Aktionen erwächst dar-
Nach drei Kapiteln mit Theoriebaustein- aus, dass sie von vielen Ehrenamtlichen
Martin Ludwig Hofmann hat Rex Weyler, chen und Historischem liefert Hofmann gemeinsam getragen werden, die nicht
Gründungsmitglied von Greenpeace im vierten die Anleitung für den Bau der auf Befehl von oben reagieren, sondern
International, in Vancouver besucht und Gedankenbombe. Die darin angebote- freiwillig und auf eigenes Risiko gegen
mit ihm über die Anfänge der Umweltor- nen Kampagnen-Rezepte sind allerdings die umweltzerstörerische Macht von Poli-
ganisation gesprochen - aus einem ganz wenig originell und inspirierend. tik und Konzernen angehen.
besonderen Interesse heraus. Hofmann
ist Werber, ein „Weltverschmutzer“,
wie er sich kokett selbst nennt. Er will
in seinem Buch „Mindbombs“ belegen,
Hofmann schreibt dies alles - leicht kon-
sumierbar - aus der Sicht des Werbers,
der das schlechte Image der Branche
A uch neuere Bewegungen wie die
Clowns-Armee, Flashmobs oder die
vielfältigen Proteste gegen den G8-
dass zwischen den „Strömungen der verbessern will. Er versucht, seine Arbeit Gipfel in Heiligendamm bedienen keine
Mainstream-Kultur auf der einen und politisch aufzuladen, doch das Gegenteil Marke. Trotzdem sind auch sie nicht
der Gegenkultur auf der anderen Seite passiert. Er löst soziale Bewegungen davor sicher, dass die Werbebranche sie
ein produktives Wechselspiel“ besteht. wie die Umweltbewegung aus ihrem als „Inspirationsquelle“ nutzt und ver-
Avantgardistische Gruppen beider Seiten politischen Kontext und stellt sie als einnahmt. Dies zu erschweren, ist eine
stünden im Austausch. Greenpeace ein besonders interessantes Marketing- Herausforderung.
sei „zur weltweit bekanntesten Öko- Phänomen dar. Die Form der Kampagne
Marke“ aufgestiegen, weil die Kommu- interessiert ihn, ihre inhaltlichen und Ute Bertrand, Hamburg
nikationschefs der Organisation virtuos politischen Ziele erscheinen hingegen
Techniken und Taktiken der Werbung beliebig. Dabei sollte die Form einer
und Markenkommunikation ins Feld der Kampagne den Inhalten folgen – nicht
neuen sozialen Bewegungen übertragen umgekehrt. Was WerberInnen dürfen,
hätten. Umgekehrt seien die Methoden für wen sie besser nicht arbeiten und
von Greenpeace & Co geradezu eine welche Methoden tabu sein sollten,
„Inspirationsquelle für die Wirtschaft“. darüber schweigt Hofmann.

Das Loblied eines Werbers Die Unterschiede in der Werbung für


auf Greenpeace & Co. Greenpeace oder Coca-Cola liegen im
Inhalt und den Zielen, das ist offensicht-
Der Autor stellt Rex Weyler und seinen lich; sie sollten aber auch in der Form
Mitstreiter Bob Hunter darin als Vä- liegen. Hierin besteht die eigentliche Pro-
ter des „Mindbomb-Konzeptes“ vor. vokation des Buches und die Bedeutung
Gemeint sind damit „Gedankenbomben, dieser Außensicht auf die Umweltbewe-
die in den Köpfen der Zeitungsleser gung. Wenn Umweltorganisationen sich
und Fernsehzuschauer zünden“. Den wie Konzerne strukturieren und öffent-
UmweltschützerInnen stellt er Wer- lich auftreten, geht ihnen das kreative
beleute gegenüber, die gern auf ihre und gesellschaftsverändernde Potential
gegenkulturellen Wurzeln verweisen und verloren, dann werden sie angepasst,
sich mit unkonventionellen Methoden entpolitisiert und verzichtbar. Die Re-
politisch einmischen. Paradebeispiel gelverletzung wird zum PR-Gag, eine
sei da Oliviero Toscani, Kreativchef von Protestaktion zum Marketing-Event und Martin Ludwig Hofman
Benetton, der Fotos eines leidenden Greenpeace zum „Coca-Cola der Um- Mindbombs
Aidskranken oder die blutverschmierte weltbewegung“. Hofmann ist als Werbe- Was Werbung und PR von Green-
Uniform eines bosnischen Soldaten fachmann nicht angetreten, dies kritisch peace & Co lernen können
auf Benetton-Plakate brachte. Hof- zu reflektieren. Für Umweltorganisati- Wilhelm Fink Verlag, 2008
mann behauptet zudem, Strategie und onen aber sollte seine Wahrnehmung 159 Seiten, 19,90 Euro
Planung bei gegenkulturellen Aktionen von Greenpeace & Co. ein Alarmsignal ISBN: 978-3-7705-4577-3

Nr. 99/4.08 35
bücher

Erobern wir uns die Welt zurück!

W er ist Schuld, dass weltweit Erwachsene und Kinder in den soge-


nannten Entwicklungsländern für Hungerlöhne schuften müssen?
Skrupellose internationale Konzerne! „Ihre Gewinne steigen ins Astro-
nomische, ihre wirtschaftliche Macht ist gewaltig. Zeit für Fakten über
einige der großen Markenfirmen. Was man hier liest, wird man in keiner
Imagebroschüre finden“, so Klaus Werner-Lobo über sein neues Buch.

Als Koautor des „Schwarzbuchs Markenfirmen“ hielt Klaus Werner-


Lobo zahlreiche Vorträge in Schulen. Durch etliche Diskussionen mit
den Jugendlichen entstand sein Buch „Uns gehört die Welt! Macht
und Machenschaften der Multis“, das nachvollziehbar die Zusammen-
hänge zwischen internationaler Wirtschaftspolitik und unserem Alltag
erklärt. Es will Jugendliche und Erwachsene dazu ermutigen, sich durch
Selbstvertrauen, solidarisches Handeln und Zivilcourage gegen globale
Ausbeutung, Diskriminierung und Konsumterror zu wehren.

Beispiel ALDI: Diese Supermarktkette, so kritisiert Verdi, zwinge ihre


Mitarbeiter zu unbezahlten Überstunden, würde sie überwachen,
einschüchtern, und wenn Kritik laut würde, feuern. Aldi, aber auch die
meisten anderen Handelsketten, setzen ihre Lieferanten unter extre-
men Preisdruck. Die Folge sind katastrophale Arbeitsbedingungen und
Löhne weit unter dem Existenzminimum in den Rohstoffländern Asiens,
Afrikas und Lateinamerikas. Aber nicht nur der Discounter ALDI wird
von Klaus Werner-Lobo kritisiert, er macht in seinem Buch die Machen-
schaften anderer Multis wie Adidas, Coca Cola, Kraft und Mc Donald´s
öffentlich.
Klaus Werner-Lobo
Uns gehört die Welt! Macht Aber vor allem möchte der Autor seine LeserInnen ermuntern, dass mit
und Machenschaften der Multis ihrem Engagement eine lebenswerte Zukunft ohne Ausbeutung und
Carl Hanser Verlag, 2008 Zerstörung möglich ist. Daher macht er zehn visionäre und doch mach-
256 Seiten, 14,90 Euro bare Vorschläge für mehr Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit.
ISBN: 3-446-23100-5 Und für den Anspruch, dass die Welt uns allen gehört.

Anna Bernardt, Schwedt

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36 Nr. 99/4.08
jugendseite
ROCK FOR NATURE
- für eine gentechnikfreie Welt
Schwäbisch Hall/Wolpertshausen: Vom
21. bis 24. August fand auf dem Öko-
Weizenfeld der Bäuerlichen Erzeuger-
gemeinschaft Schwäbisch Hall das erste
Öko-Open Air in Deutschland statt.
Insgesamt über 60 000 Besucher feierten
die Hohenloher Bauern und die großen
Stars wie Wir sind Helden, Nena, Roger
Hodgson, Joe Cocker, Ich + Ich und am
Sonntagabend zum Abschluss die Scor-
pions.

Großen Beifall und Jubel fanden die


Statements und das Engagement aller
KünstlerInnen einschließlich der über
40 Nachwuchsbands. Ohne Ausnahme
haben alle den Geist des Öko-Festivals
mitgetragen. Sie fanden deutliche Worte
gegen die Gentechnik und für die Bewah-
rung der Schöpfung durch ökologische
Landwirtschaft und für gesunde Ernäh-
rung: „Love and Peace for Nature!“

Rock auf dem Ökofeld

Plant-for-the-Planet!
SchülerInnen helfen der Erde

D eutsche SchülerInnen wollen dem


Klimawandel entgegenwirken und
mit ihrer Plant-for-the-Planet-Initiative
eine Millionen Bäume in Deutschland
pflanzen. Auf der Website der Initiative
können Schulen und Einzelpersonen
die gepflanzten Bäume eintragen. Die
jeweils erfolgreichsten „Pflanzer“ wer-
den in einem Ranking dargestellt. Viele
Schulen in Deutschland haben bereits
Baumpflanzaktionen durchgeführt.

Mehr als 125.000 Bäume wurden schon


gespendet und gepflanzt, über 209.000
weitere sind versprochen. „Während
andere noch reden, fangen wir schon
an,“ so das Motto der SchülerInnen. Die
Initiative Plant-for-the-Planet ist in die
1-Milliarde-Bäume-Kampagne des UN-
Umweltprogramms (UNEP) eingebunden.
Die SchülerInnen des Hebel-Gymnasiums in Pforzheim haben
in diesem Jahr 100 Bäume für den Klimaschutz gepflanzt Anna Bernardt, Schwedt

Nr. 99/4.08 37
verkehr

Wald- und Wahl-Krimi in Hessen


06.08.08, Frankfurter Flughafen:
Protest gegen Waldrodungen
I n den rotgrünen Koalitionsverhand-
lungen für einen Regierungswechsel
in Hessen war der Flughafenausbau der
Trotzdem ist bisher alles beim Alten
geblieben – Roland Koch ist weiter ge-
schäftsführender Ministerpräsident. Zur
für neue Landebahn

am schärfsten umstrittene Punkt. Schon Erinnerung: Die erste Runde der Koali- fest, dass die SPD für und die Grünen
im Juni warb der SPD-Landtagsabge- tionsverhandlungen scheiterte, weil die gegen den Ausbau des Flughafen Frank-
ordnete Jürgen Walter mit Zaunpfählen FDP auf schwarz-gelb-grün statt Ampel furts sind.
zum kurz vor den Wahlen von der CDU pokerte, während die Grünen eine Koa-
widerrechtlich gekippten Nachtflug- lition mit Kochs CDU ausschlossen. Am Detailliert legen sie ein Verfahren fest,
verbot für eine große Koalition. Walter 2. November stimmten die Landespartei- das mit großer Sicherheit eine Rodung
war Andrea Ypsilanti im Streit um den tage der Grünen und der SPD mit großer des Kelsterbacher Waldes in diesem
sozialdemokratischen Landesvorsitz und Mehrheit für einen Koalitionsvertrag, Winter ausgeschlossen hätte. Erfolg
die Spitzenkandidatur unterlegen. Am der mit Tolerierung der Linken einen für die Grünen: Die Entscheidung des
27. Januar 2008 gewann die hessische Regierungswechsel ermöglicht hätte. In hessischen Verwaltungsgerichthofs im
SPD mit Andrea Ypsilanti als Spitzenkan- diesem Vertrag hielten die Partner in spe Hauptsacheverfahren soll abgewartet
didatin acht Prozent der Stimmen dazu,
während die CDU mit dem als Favorit
gesetzten Ministerpräsidenten Roland Die Hütte der Linken im Wald-
Koch zwölf Prozent einbüßte. Beide Par- dorf wurde von zahlreichen Hän-
teien zogen mit je 42 Sitzen im Landtag den emporgehoben, auf Baum-
gleich auf. stämmen befestigt und dann in
die Baumwipfel gezogen

250 Hektar Wald will die Fraport AG


für den Bau einer vierten Landebahn
kahl schlagen lassen, insgesamt soll die
Stadt Kelsterbach 400 Hektar Wald für
den Flughafenausbau hergeben. Mit
dem Ausbau würde der Rhein-Main-
Airport laut Planfeststellungsbeschluss
seine Kapazitäten auf 700.000 Flugbe-
wegungen jährlich erhöhen. Faktisch
wäre eine Steigerung auf nahezu eine
Millionen Maschinen im Jahr möglich. Fotos: Petra Schmidt

38 Nr. 99/4.08
verkehr
werden. Bisher hat sich die Flughafengesellschaft
Fraport AG nur verpflichtet, eine für Anfang 2009
Aussetzen!
erwartete Vorab-Entscheidung der Kassler Rich- Börsengang der Bahn gestoppt
ter abzuwarten, bevor sie mit der Zerstörung des
Waldes Tatsachen schafft. Erfolg für die SPD: Diese Bahn für Alle: Nach Aufgeschoben muss
Aussetzung der Genehmigung zum Kahlschlag soll Aufgehoben kommen
bis Ende 2009 befristet werden.

Desaster für beide: Mit der Weigerung des Hard-


liners unter den Ausbaubefürwortern, Jürgen
In der Mai-Ausgabe des ROBIN WOOD-Magazins schrieben wir „Die
DB-Führung hat ihren Börsenprospekt schon druckfertig. Ob und
wann sie ihn herausgibt, ist noch offen“. Nun konnten wir die Bahn
Walter, Ypsilanti auf Grundlage dieses Vertrages zur bitten, die bereits gedruckten Prospekte ins Recycling zu geben, denn
hessischen Regierungschefin zu wählen, landet das der Börsengang ist bis auf weiteres gestoppt.
Votum der Parteitage im Mülleimer der Geschichte.
Walter begründete seine Weigerung ausdrücklich Am 1. Oktober startete ROBIN WOOD im Bündnis Bahn für Alle die
mit der Verzögerung beim Ausbau des Flughafens. Unterschriftenaktion „Aussetzen!“ Die Finanzmarktkrise verbietet
eine Privatisierung wertvoller öffentlicher Güter. Außerdem sind zen-
Seit Mai halten UmweltschützerInnen ein Waldstück trale Fragen der Sicherheit und der Beschäftigten-Rechte ungeklärt,
besetzt, das für den Bau einer vierten Lande- Standards für eine sozial und ökologisch sinnvolle Fahrpreisgestal-
bahn gerodet werden soll. Der Mischwald gehört tung fehlen, die finanziellen Risiken des Bundes sind offen. Innerhalb
noch der Stadt Kelsterbach, deren Magistrat das weniger Tage unterzeichneten Tausende Bürgerinnen und Bürger den
Walddorf bis zum 30. November dulden will. Die Aufruf. Unterzeichnet hat auch nahezu die gesamte grüne Bundes-
Flughafengesellschaft Fraport AG will den Wald vor tagsfraktion.
Beginn der nächsten Vegetationsperiode, also bis
März, kahl schlagen. Noch stellen sich die Walddörf- Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung beziffert in der von
lerInnen dem in den Weg und haben die Position der Bundesregierung herausgegebenen Statistik das Anlagevermö-
der AusbaugegnerInnen im hessischen Parlament gen der Bahn-Transportsparte für 2006 mit 56 Milliarden Euro. Das
gestärkt. Denn vor einer Rodung muss die Landes- für den Börsengang vorgesehene Viertel dieser Sparte ist also 14
regierung das Walddorf räumen lassen. Nun haben Milliarden Euro wert. Bereits Ende September stellten die vier von
sich die Kräfteverhältnisse erneut gedreht: Mit dem der DB AG beauftragten Konsortialbanken die möglichen Erlöse bei
gescheiterten Regierungswechsel droht die Räu- einem Bahnbörsengang mit nur noch 4,5 Milliarden Euro vor – fast
mung kurzfristig und noch vor den Neuwahlen. 10 Milliarden Euro unter den Zahlen des Verkehrsministeriums. „Ach-
tung Verschleudergefahr!“ warnte deshalb Bahn für Alle.
Böse Zungen sagen: Ist die Drecksarbeit im Wald
erledigt, lassen sich neue Koalitionen leichter Unter den Konsortialbanken sind mit Morgan Stanley und der
schmieden. Schweizer UBS zwei Institute, die den Börsencrash mit ausgelöst
Monika Lege, Hamburg haben. Auch die beiden anderen Banken, Goldman Sachs und Deut-
sche Bank, sind tief in die Krise involviert. Am 9. Oktober wollten die
Banken die Preisspanne für die Bahnaktien präsentieren. Am gleichen
Tag verkündete Verkehrsminister Tiefensee nach einem Spitzenge-
spräch mit Bahn und Banken, dass der Börsengang verschoben wird.

ROBIN WOOD und Bahn für Alle feiern diese Entscheidung und
fordern, dass der Börsengang nun nicht nur aufgeschoben, sondern
ganz aufgehoben wird. Die Bahn muss in gemeinwirtschaftlicher
Hand bleiben und ihr Angebot im Sinne der KundInnen verbessern.
Das Bahnmanagement visiert
dagegen einen Termin spätes-
tens im Februar 2009 an, um
eine erneute Bilanzprüfung zu
vermeiden und dem Bun-
destagswahlkampf zuvor zu
kommen.

Monika Lege ist Verkehrs-


referentin in der Presse-
stelle von ROBIN WOOD
verkehr@robinwood.de
Tel.: 040/38089212

Nr. 99/4.08 39
bücher

Tödliche Schüsse Klaus Eichhöfer an erster Stelle, sondern die


Bildung einer kriminellen bzw. terroristischen
„Am 2. November 1987 wurden während Vereinigung. Die Anklage stellte zahlreiche
einer Demonstration an der Frankfurter Sachbeschädigungen bei Baufirmen und an
Startbahn zwei Polizisten erschossen.... Nicht Strommasten in einen Zusammenhang mit
nur für die Startbahnbewegung, sondern für den Morden. Autonome Gruppen schrieben
die Protestbewegungen in der BRD insge- dazu in ihrer gemeinsamen Prozess-Plattform:
samt war dies eine Zäsur, deren Bedeutung „Diese tödlichen Schüsse entsprechen keinem
bis heute noch nicht zureichend politisch gemeinsamen Vorgehen, sondern einer
aufgearbeitet worden ist.“ So beginnt die militärischen Logik, die das eigene Handeln
Dokumentation „wir hatten ja zwei Morde und die Mittel nicht mehr aus unseren Zielen
aufzuklären“ der Bunten Hilfe anlässlich der und gemeinsamen Möglichkeiten heraus
Startbahn-Prozesse vor fast zwanzig Jahren. bestimmt, sondern ausschließlich daran misst,
Im Konflikt um den Ausbau des Frankfurter wie man die Verluste des Feindes effektiv
Flughafens begegnet mensch noch heute erhöhen kann.“
dem Schatten der Tat, der Brandmarkung
einer ganzen Protestszene und einem diffusen Wetzel berichtet von der IG Farben und
Misstrauen. Tschernobyl, aus der Bewegung gegen die
Startbahn und der Anti-AKW-Bewegung.
Wetzel erzählt seine Geschichte vom Hütten- Vieles reflektiert er in Dialogen der fiktiven
dorf im Flörsheimer Wald bis zum November Figuren Clara und Johan. Wetzel nennt sie
1987 in zwölf Rückblenden. Interviews, „so etwas wie das kollektive Gedächtnis“
Presseschnipsel, Fotos und Texte von The und überliefert uns, wie „er“ „ihr“ bei
Wolf Wetzel Clash oder Extrabreit lösen die achtziger Jahre einer nächtlichen Beobachtung der Hanauer
Tödliche Schüsse aus der Starre der Erinnerung an die letzten Atomanlagen mal eben die Grundlagen der
Unrast-Verlag, 2008 Jahre der alten Bundesrepublik. Nur einen Tag Atomphysik und den Weg von der zivilen zur
296 Seiten, 18,- Euro vor den Schüssen wurde der Paragraf 129a militärischen Nutzung der Atomkraft erklärt,
ISBN: 978-3-89771-649-0 StGB, Bildung terroristischer Vereinigungen, was sie ihm mit großen Augen - „Bahnhof,
verschärft und um Sachbeschädigungen mein Liebster“ - und Gedanken „an den wun-
erweitert. Statt der konkreten Tat steht der derbaren Roman von Mario Simmel“ dankt.
politische und soziale Zusammenhang im Zen-
trum der Ermittlungen. In der Anklageschrift Nein, damals war nicht alles ganz anders als
der Bundesanwaltschaft stand nicht der Mord heute.
an den Polizisten Thorsten Schwalm und Monika Lege, Hamburg

Engelwald und Bengelwald – ein Heft zum selbst gestalten


„Engelwald und Bengelwald“ erscheint in Einstieg in das Thema Umweltschutz und
Aufmachung eines DIN A4-Schulheftes, Recyclingpapier.
und ganz wie bei einem Schulheft sind die
Kinder aufgefordert es zu füllen. Auf der Die ökologische Ausstattung umfasst
jeweils linken Seite wird ein munteres, nicht nur umweltfreundliches Papier,
informatives Gedicht zum Thema „Um- sondern auch ökologische Druckfarben.
weltzerstörung durch Papierverbrauch“ Der Garbe Verlag stellt bei all seinen
fortgesetzt, die gegenüberliegende Seite Produkten an sich selbst den Anspruch,
ist unbedruckt und kann ganz nach Gusto so umweltfreundlich und regional wie
der Kinder gestaltet werden. Zeichnungen, möglich zu produzieren. Das Heft erfüllt
Collagen, der Fantasie sind bei der Illus- die Vergabekriterien des Blauen Engel vom
tration der insgesamt sieben Seiten keine Umweltbundesamt und ist durch das RAL
Grenzen gesetzt und die Lektüre bzw. das zertifiziert.
Zuhören weckt Lust, sofort loszulegen.
Der motivierende Text entlässt seine Lese- Das Buch kann versandfrei direkt beim:
Ellen Vogt rInnen in Aufbruchstimmung, sich für die Garbe Verlag, Ellen Vogt, Klinkelstraße
Engelwald und Bengelwald Verwendung von Recyclingpapier einzu- 15, 90482 Nürnberg, Tel.: und Fax:
Garbe Verlag, Nürnberg 2008 setzen, das Nachwort gibt dafür viele kon- 0911/5430983 bestellt werden
16 Seiten, 6,- Euro krete Tipps. Das Heft bietet – gerade auch
ISBN 978-3-930 143-29-0 für (Grund-) Schulklassen – einen kreativen Sabine Genz, Berlin

40 Nr. 99/4.08
internes

Zündstoff. Verkehr und Klima


Neue ROBIN WOOD-Broschüre

K limapolitik ist keine Sache von Expertinnen und Experten. Mit unserer neuen
Broschüre „Zündstoff. Verkehr und Klima“ möchten wir Sie bestärken: Reden Sie
mit und handeln Sie.

Verkehr verursacht ein Fünftel der weltweiten Treibhausgas-Emissionen. Die


große Masse kommt aus den Auspuffrohren von Autos und Lastwagen. Über 600
Millionen Autos sind weltweit unterwegs. Statistisch hat jeder zehnte Mensch ein
Auto, tatsächlich fahren drei Viertel aller Autos in den Industrieländern. Jeder in
Deutschland zugelassene Pkw emittiert jährlich 1,9 Tonnen Kohlendioxid. Das ist
mehr, als die meisten Menschen in einem Jahr mit ihren gesamten Aktivitäten für
Heizen, Essen und Mobilität verursachen – und genauso viel wie eine Flugreise auf
die Kanaren. 82 Prozent der weltweiten Luftverkehrsleistung werden von den USA
und Europa erbracht.

Industriegesellschaften verursachen den Klimawandel, unter seinen Folgen wie


Stürme, Überschwemmungen und Dürren leiden besonders die Menschen in land-
wirtschaftlich geprägten Gesellschaften. Deswegen ist Klimaschutz ein Kernanlie- Die Broschüre hat 36 Seiten. Sie
gen für globale Gerechtigkeit. Unsere Broschüre gibt Ihnen einen Überblick über können Sie für 2 Euro plus Porto
Ursachen und Folgen des Klimawandels und erklärt den Einfluss der verschiedenen bei der ROBIN WOOD-Geschäfts-
Transportarten und -sektoren. Wie schaden sie dem Klima und was können wir da- stelle, Tel.: 0421/598288 oder
gegen tun? ROBIN WOOD setzt sich für eine radikale Verkehrswende ein. Weniger, per E-Mail: info@robinwood.de
anders und besser ist die Formel für unsere Mobilität der Zukunft. beziehen

Foto-Wettbewerb: Der Atomkraft-Lobby eine kleben!

D ie Atomkonzerne rühren die Werbetrommel und verspre-


chen uns mit der weiteren Nutzung der Atomenergie total
tolle Wunderdinge: sinkende Strompreise, das Ende der Klima-
Es ist ein total befreiendes Gefühl, der Atomlobby mal so rich-
tig eine zu kleben. Und das Gute ist: Alle schauen dabei zu!
Damit´s richtig funktioniert, sollten Sie sich die neuen „Gegen
katastrophe und eine sichere Stromversorgung. Klingt toll - ist Atomkraft – Für erneuerbare Energie!-Aufkleber“ von ROBIN
aber alles gelogen! Es ist wirklich ärgerlich, mit welch einfach WOOD besorgen!
gestrickten Parolen sich diese Bande in die Welt traut.
Da wir bei ROBIN WOOD ziemlich voyeuristisch veranlagt sind,
Apropos. Kennen Sie das auch? Wenn nichts mehr geht und haben wir uns gedacht: Schicken Sie uns doch von Ihrer wirk-
Ihr Gegenüber überhaupt keinen Anstand mehr aufweist? lich gelungenen „Der Atomlobby eine kleben-Aktion“ einfach
Da kann man schon mal wütend werden. Und dann ist das ein Foto. Die besten Einsendungen werden von unserer extra
Gefühl da: Dem da einfach mal so richtig eine kleben! Wir eingerichteten Task Force KLEBE ermittelt, prämiert und im
dürfen das - auch als Mitglieder eines gewaltfreien Aktions- nächsten Magazin zur allgemeinen Erbauung vorgeführt. Ein-
vereins! Machen Sie doch einfach mal mit. Wir versprechen: fach mitmachen und der Atomlobby voll eine kleben!

Die Aufkleberbögen sind erhält-


lich in der ROBIN WOOD-
Geschäftsstelle, Tel: 0421/598288,
E-Mail: info@robinwood.de. Der
erste Aufkleberbogen ist jeweils
kostenfrei, weitere kosten 50
Cent pro Bogen. Die Fotos bitte
per E-Mail an info@robinwood.
de oder per Brief an: ROBIN
WOOD e.V., Postfach 10 21 22,
28021 Bremen.
PS: Dies ist kein Aufruf zum
„wilden“ Plakatieren/Bekleben
fremden Eigentums!

Nr. 99/4.08 41
strömungen

social fashion
(r)evolution
Revolution in Deutschland: Barrikadenbau und Pflastersteine werfen war gestern. Heute
geht es um das Durchbrechen von zementiert scheinenden Wirtschaftskreisläufen. Zwei
Jungunternehmer aus Köln wollen einen Prozess in Gang bringen, von dem sie hoffen, dass
daraus eine Basisbewegung wird: Sie setzen auf Fairness, Nachhaltigkeit und Umweltschutz
in einer Branche, die diese Begriffe nicht gerade erfunden hat.

„Wir wollen nicht auf Kosten anderer wollen: Unfaire soziale Bedingungen in ner: „Natürlich hätten wir problemlos in
reich werden“, erklärt Anton Jurina, den Produktionsländern, mit Pestiziden China ordern können. Aber das wollten
Geschäftsführer von „armedangels“, bewirtschaftete Baumwollfelder, Kin- wir nicht. Selbst wenn die Produkte
kategorisch. „Und wir wollen, dass derarbeit. „Nicht mit uns“ entschieden sauber produziert sind, ist oft die Qua-
alle, die mit unserem Unternehmen die beiden! „Natürlich war uns klar, lität schlecht. Wir wollten aber beides:
zu tun haben, davon profitieren. Wer dass Mode erst einmal Spaß machen gute Qualität und eine saubere Produk-
mit uns arbeitet und unsere Produkte soll“, sagt Anton Jurina, lässig in Jeans tion.“ Also wendeten sich die beiden
kauft, soll die Gewähr haben, dass und einem – natürlich – armedangels- „Revolutionäre“ an eine Organisation,
wir nach ethischen und ökologischen Shirt und nippt an seinem Espresso. Der die beides garantieren konnte: Fair-
Grundsätzen arbeiten.“ Als die ehe- 29-Jährige sieht keineswegs so aus, wie trade. „Durch die Zusammenarbeit mit
maligen BWL-Studenten Anton Jurina man sich klassisch einen Geschäftsführer Fairtrade wissen wir, dass die von uns
und Martin Höfeler im Frühjahr vor vorstellt. „Wir tragen unsere Produkte bezogene Baumwolle nicht mit Pestizi-
zwei Jahren beschlossen, eine Firma zu – ganz klar – auch selbst.“ den verseucht ist und dass das Trinkwas-
gründen, war die Richtung zunächst ser im Anbaugebiet nicht belastet wird.
noch unklar. Design, Mode oder Musik.
Nachdem die beiden jungen Männer
ausgiebig diskutiert hatten, entschie-
A lso stürzten sich die beiden Freunde
in die Ausarbeitung eines eigenen
Labels. Ein Name war schnell gefunden:
Und wir zahlen unseren Produzenten in
Indien und unseren Nähern in Portugal
einen Preis, der deutlich über den Welt-
den sie sich für Mode. Sie begannen zu armedangels – bewaffnete Engel. „Un- marktpreisen liegt.“
recherchieren und stellten fest, dass in ser Logo ist eine stilvolle Variante des
der Textilindustrie so manches abläuft, Robin Hood, der – zeitgemäß übersetzt „Unsere Wertschöpfungskette ist
für das sie ihre Namen nicht hergeben – gegen die vorherrschenden Bedin- transparent. Darauf haben wir großen
gungen in der Textilindustrie ankämpft.“ Wert gelegt“, erklärt Anton Jurina.
Das Label „armedangels“ will Und die T-Shirts sind kein Wunder so Der Name ihres Unternehmens SOCIAL
Vorreiter für eine neue euro- auffällig wie das Logo: Im Grafitti-Stil FASHION REVOLUTION ist eben mehr
päische Mode sein designed, auffallend bunt, modisch eng als ein Name, er ist Programm: SOCIAL
geschnitten und qualitativ hochwertig. steht für fair produzierte, organische
Produkte und Wohltätigkeit, FASHION
Mit Feuereifer erstellten die Jungunter- für trendige Mode und REVOLUTION für
nehmer einen Businessplan und kratzten Nachhaltigkeit. Zusätzlich unterstützen
beide für sich zwischen 3 und 4.000 die Macher von armedangels Hilfspro-
Euro zusammen. Wenig genug für den jekte. Pro verkauftes T-Shirt wandert ein
Aufbau einer eigenen Firma. Also doch Euro in die Kassen von „Pratham e.V.“,
einen Job annehmen und nebenbei ein Projekt, das Schulunterricht für
für die Entwicklung der eigenen Firma Kinder in Indien organisiert, „Viva von
arbeiten? „Das hätte niemals funktio- agua“ (Trinkwasser für Entwicklungslän-
niert“, sagt Anton Jurina. „So haben der) und „Trinkwasserwald e.V.“.
wir uns die zweite Aufschwungphase
der New Economy zunutze gemacht Allerdings: Ein fair produziertes Shirt
und nach Risikokapital gesucht – und sorgt noch nicht dafür, dass sich das
Risikokapital gefunden.“ Shirt auch verkaufen lässt. „Jedes Pro-
dukt muss heute mit Emotion verkauft
Am schwierigsten gestaltete sich die werden und für etwas stehen. Junge
Suche nach einem glaubwürdigen Part- Leute wollen das Gefühl und die Sicher-

42 Nr. 99/4.08
verkehr

Das junge Unternehmen


„Social Fashion Revolu-
tion“ produziert T-Shirts,
aus fair gehandelter
Ökobaumwolle, die auch
in sein sollen

heit haben, dass sie in sind mit dem, was im Blick. „Wichtig für uns sind die so „18 bis 24 Monate braucht es schon, bis

grüne berufe
sie tragen. Und deshalb ist das Design genannten LOHAS“, sagt der Geschäfts- wir wissen, ob sich das Unternehmen
enorm wichtig.“ Damit armedangels führer. Eine Gruppierung, die für „Life- alleine tragen kann. Bis 2009 wollen
auch den Stil der Zeit treffen, beteiligen style of Health and Sustainability“, für wir auf jeden Fall erreichen, dass das
sie ihre Internet-Community an ihrem La- Lifestyle auf der Basis von Gesundheit armedangels-Label statt in 15 Stores
bel. Streetartists, Graffiti- und Grafikdesi- und Nachhaltigkeit, steht. „ Menschen – wie derzeit – in 250 Stores vertreten
gner, anerkannte Künstler und Nach- zwischen Anfang 20 und Anfang 40, die sein wird.“
wuchstalente können eigene Designs im Regelfall ein relativ hohes Bildungsni-
einreichen und damit Einfluss nehmen veau haben und die mit ihrem Outfit ein Für die Erreichung ihrer ehrgeizigen Ziele
auf die Kollektion von armedangels. Zeichen setzen wollen“, erklärt der Jung- arbeiten die beiden Jungunternehmer
Ganz wichtig für ein Unternehmen, das unternehmer. Hat er keine Angst davor, wie besessen. Urlaub? Fehlanzeige.
derzeit nur aus einem Büro mit 14 Kre- dass das Wegbrechen des Mittelstandes Wochenende? Gibt es nicht. Acht Stun-
ativkräften und einer Webseite besteht: und die steigende Zahl von Hartz-IV- den Schlaf? Illusorisch. Trotzdem strahlt
Mund-zu-Mund-Propaganda. Dafür set- Empfängern immer mehr Menschen Anton Jurina einen schier unerschöpf-
zen sich die so genannten Guerillas ein: in die Textil-Discounter treiben? 35 bis lichen Tatendrang aus: „Natürlich gibt
Wer sich für die Verbreitung des Labels 50 Euro pro Shirt sind immerhin kein es schnellere und einfachere Arten reich
einsetzt, bekommt nach zehn verkauften Pappenstil für Menschen, die auf jeden zu werden,“ sagt er lachend. „Aber
Shirts ein Shirt umsonst. „Nur wer selbst Euro achten müssen. Anton Jurina wird wir wollen unsere Idee verwirklichen
von armedangels begeistert ist, kann nachdenklich: „Wir wollen, dass immer und Vorreiter sein für eine europäische
unsere Ziele und Methoden erklären mehr Menschen Qualität statt Quantität Mode neuen Stils. Wir wollen andere
und Interesse für unsere Philosophie kaufen und das Verbraucher gezielt kon- mit unseren Gedanken anstecken und
wecken“, unterstreicht Anton Jurina. sumieren. Es gibt Anzeichen dafür, dass Überzeugungsarbeit leisten.“
Immerhin haben sie bereits den ein oder die Zahl jener wächst, denen es nicht
anderen Promi von ihrer Idee begeistern egal ist, was sie kaufen.“ www.transfair.org/produkte/
können: Schriftstellerin Charlotte Roche, baumwolle
MTV-DJ und Moderator Markus Kavka
und Schauspieler Jürgen Vogel. N och leben die beiden Firmengründer
– trotz Zuwachsraten im zweistelli-
gen Bereich – und ihre Angestellten vom
www.armedangels.de

Als Käufergruppe haben die Macher von Risikokapital. Dennoch sind die beiden Annette Lübbers ist freie Journalistin
armedangels nicht nur die jungen Leute diplomierten Betriebswirte guten Mutes. Kontakt: a-luebbers@versanet.de

Nr. 99/4.08 43
internes

Foto: Jens Wieting Ihr Wille ist wichtig!


Liebe Leserin, lieber Leser, Im Prinzip ist dagegen nichts zu sagen. Bitte sprechen Sie mit dem Anwalt
Doch die meisten Menschen wollen Ihres Vertrauens! Gerne zeigen wir
in den nächsten Jahren und eigentlich lieber selbst bestimmen, Ihnen, dass Sie mit Ihrem Vermächt-
Jahrzehnten wird in Deutschland was mit ihrem Geld geschieht. Deshalb nis auch das Erbe unserer natürlichen
mehr Geld vererbt als jemals zuvor. wollen wir zuweilen daran erinnern: Lebensgrundlagen schützen können.
Und es ist längst kein Geheimnis
mehr, dass Erbschaften die Erfolge Ein Vermächtnis ist Selbstbestim-
gemeinnütziger Organisationen ganz mung und eine Entscheidung für Bestellen Sie kostenlos unsere kleine
wesentlich beeinflussen werden. Dies das Leben. Broschüre „Ihr Wille ist wichtig!“ bei:
gilt auch und ganz besonders für den ROBIN WOOD e.V.
Umweltschutz. Ein Testament dokumentiert persön- Djoeke Lueken
liche Werte, Wünsche und Ziele. Langemarckstraße 10
Immer wieder stellen Förderinnen Es wirkt in das Leben hinein und über 28199 Bremen
und Förderer die Frage, ob und wie das physische Leben hinaus. Was Telefon: 0421 / 598 288
sie einen Teil ihres Vermögens guten Menschen in ihrem Leben an inne-
Zwecken widmen können. Und leider ren und äußeren Werten zusammen
geschieht es auch immer wieder, getragen haben, kann durch ein
dass Menschen vergessen, ihren Vermächtnis weiter leben. Wer sich die
persönlichen Willen und ihre Ziele Zeit gönnt und ein Testament schreibt,
schriftlich im Testament festzuhalten. gestaltet die Zukunft mit.
Dann entscheiden abstrakte Gesetze
und Verordnungen darüber, was mit Es ist Ihre ganz persönliche Antwort
dem Nachlass geschieht. Nicht selten auf die Frage, welchen Sinn das
erbt dann das Finanzamt, also der eigene Lebenswerk für die Zukunft
Staat. haben soll.

44 Nr. 99/4.08
internes

ÖkoKalender von ROBIN WOOD


Umweltinfos im Taschenformat

Der ÖkoKalender 2009 bietet


Ihnen wieder eine interessante
Auswahl an Themen zum Natur-
und Umweltschutz: von Tipps zum
Energiesparen über Hinweise zu
welchem Ökostromanbieter Sie am
besten wechseln können, bis hin zu
vielen Informationen rund um das
Thema Papier. Dazu erfahren Sie
mehr über die Umweltprobleme
Chinas und Afrikas.

Im Kalendarium finden Sie Infos


und Bilder zu den Aktionen von
ROBIN WOOD und die üblichen
Serviceleistungen: Monatsplaner,
Jahresübersichten, Ferientermine
und ein umfangreiches Adressen-
verzeichnis von ROBIN WOOD und
anderen Umweltgruppen.

256 Seiten, Format A6, mit


unverwüstlicher Fadenheftung,
Lesebändchen, erscheint im
VERLAG DIE WERKSTATT,
www.werkstatt-verlag.de
Der Kalender ist bei ROBIN WOOD,
im Buchhandel oder direkt beim
Verlag erhältlich
ISBN 978-3-89533-610-2

Exklusiv für Jetzt bestellen bei der ROBIN WOOD-Geschäftsstelle


ROBIN WOOD- Postfach 102122, 28021 Bremen, Tel: 0421/59828-8, Fax: -72, info@robinwood.de
Mitglieder kostet
der ÖkoKalender Bestell-Coupon
2009 nur 6,- Euro
Ja, hiermit bestelle ich ÖkoKalender 2009

für je 7,95 € für 6,- €, da ich ROBIN WOOD-Mitglied bin

Name, Vorname

ROBIN WOOD e.V. Straße


Geschäftsstelle
Postfach 10 21 22

28021 Bremen Plz, Ort

Datum, Unterschrift Nr. 95/4.07 45


internes

Mit ROBIN WOOD bis ins Kronendach


Ende September hatte ROBIN WOOD langjährige Förderinnen und
Förderer zu einem gemeinsamen Wochenende nach Eisenach eingela-
den. Auf dem Programm des sehr gelungenen Treffens stand u.a. eine
Führung durch die Kernzone des Nationalparks Hainich und über den
Baumkronenpfad sowie ein Schnupperklettern in einer uralten Buche.

Auf dem Baum-


kronenpfad im
Hainich

impressum

Nummer 99/4.08

Magazin

Zeitschrift für Umweltschutz und Ökologie


Schnupper- Erscheinungsweise vierteljährlich
klettern
mit ROBIN Redaktion: Sabine Genz, Angelika Krumm, Annette
WOOD in Littmeier, Nick Meendermann, Christian Offer, Regine
Eisenach Richter, Dr. Christiane Weitzel (V.i.S.d.P.)
Verantwortlich für Layout, Satz, Fotos und Anzeigen
ist die Redaktion

anzeige Verlag: ROBIN WOOD-Magazin


Lindenallee 32, 16303 Schwedt
Postfach 10 04 03, 16294 Schwedt
Tel.: 03332/2520-10, Fax: -11
magazin@robinwood.de

Jahresabonnement: 12,- Euro inkl. Versand


zu beziehen über: ROBIN WOOD e.V.,
Geschäftsstelle, Postfach 10 21 22, 28021 Bremen,
Tel.: 0421/59828-8, Fax: -72
info@robinwood.de, www.robinwood.de
Der Bezug des ROBIN WOOD-Magazins ist
im Mitgliedsbeitrag enthalten

Gesamtherstellung: Druckhaus Bayreuth,


www.druckhaus-bayreuth.de
Rollenoffsetdruck, Auflage: 10.000
Das ROBIN WOOD-Magazin erscheint auf 100% Altpapier
augezeichnet mit dem Blauen Engel

Titelbild: Lutz Jaekel/ Bilderberg


Art Direction: www.tangram-design.de

Spendenkonto: ROBIN WOOD e.V., Postbank Hamburg,


BLZ: 20010020, Konto: 1573-208

46 Nr. 99/4.08
Arten-
sterben
weise
stoppen

Foto: Jens/Wieting

Unsere Zukunft wird für billiges Palmöl, für Kosmetika, Treibstoff und Viehfutter zerstört.
Der Artenreichtum der Tropenwälder ist das größte Archiv des Wissens dieser Erde.
Tropenwälder sind Nahrung, Medizin, Technologie und Klimaschutz der Zukunft.

Jedes Jahr verlieren wir 12 Millionen Hektar „Umwelt-AktionärInnen“ haben Vorteile:


Tropenwald und 30.000 Arten. Palmöl-Konzerne Sie erhalten aktuelle Informationen über alle
wie ADM und Wilmar wollen noch mehr Kampagnen und Projekte und sie bekommen das
Tropenwald für ihre Plantagen zerstören. ROBIN WOOD-Magazin gratis.
Bei uns sind Sie sicher: Sie können Ihre Einzugs-
Um Großkonzerne zu stoppen, brauchen wir genehmigung sehr einfach kündigen.
Förderinnen und Förderer, die uns regelmäßig Ein Anruf genügt: 0421/ 5982890.
unterstützen. Die Spenden unserer „Umwelt-
AktionärInnen“ geben uns die notwendige Kraft. Bitte senden Sie uns Ihre „UMWELTAKTIE“ in
Deshalb brauchen wir Sie! einem frankierten Briefumschlag. DANKE!

Name: Ich möchte ROBIN WOOD


regelmäßig unterstützen!
Straße:
O monatlich O vierteljährlich
PLZ , Ort:

Umweltaktie
O 5,- € O 10,- €
Telefon: E-Mail:
O 15,- € O 25,- €
Konto-Nr.:
O 30,- € O
BLZ, Bank:
Erstmalig ab dem
O 01.12.2008 O
ROBIN WOOD e.V.
Geschäftsstelle
Postfach 10 21 22 Die Einzugsgenehmigung kann ich jederzeit
wieder kündigen.
28021 Bremen

Datum, Unterschrift

Nr. 99/4.08 47
Arten
weise
Sterben
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30.000 Arten sterben pro Jahr


für unsere „Preisvorteile“.
Wir zahlen mit unseren
Lebensgrundlagen!

Das wollen Sie nicht?


Dann blättern Sie bitte um!

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