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Kopernikus-Gymnasium-Neubeckum Jahrgang 2007/2008

Facharbeit
aus dem Fach

Mathematik

Thema: Die Formalisierung und Untersuchung von Argumenten mithilfe des formalen
Systems der Aussagenlogik

Verfasser: Mike Czech


Leistungskurs: Mathematik
Kursleiter: J. Weber
Abgabetermin: 16. Mai 2008

Erzielte Gesamtpunktzahl: ...........


(schriftlich und mündlich)

Abgabe am: ...........

........................................
(Unterschrift des Kursleiters)
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung 3

2 Grundlagen der Logik 4


2.1 Das Argument . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
2.2 Logische Schlussfolgerung (Deduktion) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
2.3 Formale Sprachen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5

3 Formales System der Aussagenlogik 6


3.1 Die atomare Aussage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
3.2 Wahrheitstafeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
3.3 Logische Verknüpfungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
3.3.1 NICHT - Die Negation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
3.3.2 UND - Die Konjunktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
3.3.3 ODER - Die Disjunkion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
3.3.4 WENN...DANN - Die Implikation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
3.3.5 GENAU DANN WENN - Die Äquivalenz . . . . . . . . . . . . . . . . 9

4 Untersuchung von Aussagen 9


4.1 Die Tautologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
4.2 Logische Konsequenz und Implikation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
4.3 Indirekter Beweis: Beweis durch Widerspruch . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11

5 Anwendungsaufgaben der Aussagenlogik 14


5.1 Beispiel 1 - Oecker ist krank . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
5.2 Beispiel 2 - Wer lügt? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15

6 Schlusswort 17

Literatur 18
3

1 Einführung
“Die Logik ist die Hygiene, deren sich der Mathematiker bedient, um seine
Gedanken gesund und kräftig zu erhalten.”1
(Hermann Weyl, deutscher Mathematiker)

Die Logik nimmt, so wie in unserem Alltag, besonders in den Wissenschaften eine zen-
trale Rolle ein. Sie beruhen alle auf einem gewissen Standard der Rationalität. Man geht
davon aus, dass sich zwischen rationalen Argumenten, die auf Fakten oder Prinzipien be-
ruhen, und wilder Spekulationen bzw. Fehlschlüssen unterscheiden lässt. Aber wie kann
man wissen, dass eine Aussage logisch aus gewissen Informationen folgt, andere Aussagen
widerum nicht? Lassen sich logische Zusammenhänge auch so ausdrücken, dass sie präzise
untersucht werden können? Durch das Auftreten von logischen Problemen hat sich die
Logik in der Mathematik zu einem eigenständigen Gebiet, mit eigenen Methoden, Be-
griffen und Techniken entwickelt. Die klassische Aussagenlogik bildet mit ihrer einfachen
Zweiwertigkeit einen guten Einstieg in diese Thematik.
Diese Facharbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern logische Aussagen im Sinne der
Aussagenlogik formuliert und geprüft werden können. Ich untersuche dabei speziell wie
sich mathematische Zusammenhänge mithilfe der Aussagenlogik beschreiben lassen und
zeige wie sich mit ihr die Konsistenz einiger mathematischer Beweisverfahren nachweisen
lässt.
Ich habe dieses Thema unter anderem deshalb ausgewählt, weil es mich reizte, eine The-
matik aufzugreifen, die ich bisher höchstens nebensächlich und unbewusst angewendet
hatte. Diesem Gebiet der Mathematik, nämlich die formale Untersuchung von logischen
Aussagen, war ich im bisherigen Mathematikunterricht noch nicht direkt begegnet. Ich sah
also die Möglichkeit mich im Rahmen dieser Facharbeit intensiver mit der mathematischen
Logik zu beschäftigen, um so zu schauen, ob mein anfängliches Interesse auch beständig
sein würde.
Zur Annäherung an die Thematik wird im zweiten Kapitel zunächst auf die Grundla-
gen der Logik eingegangen. Im dritten Kapitel habe ich, im Hinblick auf das ermittelte
Hintergrundwissen des zweiten Kapitels, die grundlegendsten Eigenschaften des formalen
Systems der Aussagenlogik aufgezeigt. Im vierten Kapitel werden die allgemeinen Verfah-
ren zur Prüfung auf Folgerichtigkeit von Aussagen mit einigen Beispielen dargestellt. Im
fünften und letzten Kapitel habe ich als weitere Anwendung der zuvor ermittelten Theo-
rie zwei typische Anwendungsaufgaben der Aussagenlogik vorgestellt. Eine ausführliche
Darstellung der verwendeten Quellen befindet sich im angehängten Literaturverzeichnis.
Belege von Zitaten sind zudem direkt als Fußnoten angeführt.

1
Vgl. http://www.mathe.tu-freiberg.de/∼hebisch/cafe/zitate.html [6]
4

2 Grundlagen der Logik


“Logik (griech.), die Lehre vom folgerichtigen Denken und Schließen aufgrund
gegebener Aussagen. Man unterteilt dabei gewöhnl. in Elementar- und in Me-
thodenlehre. Die Elementarlehre beschäftigt sich mit den Formen des Denkens;
mit Begriffen, Urteilen, Schlußfolgerungen; die Methodenlehre zeigt, wie aus
diesen Elementen ein System und ein gesichertes Beweisverfahren wird.”2

So wird die Logik im Lexikon definiert. Sie beschäftigt sich also mit Argumenten und
Schlüssen. Außerdem kann die Logik - insbesondere in der Mathematik - als System zur
Beweisführung dienen. In den folgenden Kapiteln werde ich u.a. klären wie die Grundlagen
des logischen Schließens funktionieren und wie das formale System der Aussagenlogik in
diese Thematik einzuordnen ist.

2.1 Das Argument


Wenn jemand eine Behauptung aufstellt, wird diese nicht selten begründet. Um eine Be-
gründung oder Widerlegung anführen zu können, ist es nötig aus einer Menge von Aus-
sagen eine geeignete Schlussfolgerung zu bilden, die in direktem Zusammenhang mit der
aufgestellten These steht. Diese Zusammensetzung aus Aussagen (Tatsachenaussagen),
den Prämissen oder auch Annahmen, und dem daraus abgeleiteten logischen Schluss
(Ebenfalls eine Aussage), der Konklusion, wird als Argument (lateinisch Beweisgrund,

Beweismittel“) bezeichnet.
Die Logik befasst sich dabei mit der Beziehung zwischen Prämissen und Konklusion und
nicht mit der Wahrheit der Prämissen. Grob gesagt weisen Argumente somit auf die
Konsequenzen hin, zu denen man mit vorgegebenen Prämissen kommen kann.

2.2 Logische Schlussfolgerung (Deduktion)


Ein Argument besteht also aus einer Konklusion und seiner/n Prämisse/n. Die Konklusion
ist hierbei aus den Prämissen abgeleitet worden. Der Kern der Logik ist damit schon
gefunden, nämlich zu erkennen, wann eine bestimmte Aussage logisch aus einer anderen
folgt, bzw. wann dies nicht der Fall ist.
Doch welche Regeln sind beim logischen Schließen zu beachten? Grundsätzlich gilt: Ein Ar-
gument ist gültig, wenn die Prämissen in einer solchen Beziehung zur Konklusion stehen,
dass die Konklusion wahr sein muss, wenn auch alle Prämissen als wahr gekennzeichnet
sind.

ˆ Prämissen
Raubtiere fressen Fleisch. (wahr )
Der Löwe ist ein Raubtier. (wahr )
ˆ Konklusion
Löwen fressen Fleisch. (wahr )

2
Großes Lexikon A-Z. Begriff “Logik” [9]
5

Sämtliche Prämissen im Beispiel sind wahr und ergeben somit auch eine wahre Konklusion.
Im Gegensatz zum obigen Beispiel kann eine falsche Prämisse jedoch zu einer wahren oder
auch falschen Konklusion führen.

ˆ Prämissen
Alle Tiere leben in Afrika. (falsch)
Der Löwe ist ein Tier. (wahr )
ˆ Konklusion
Löwen leben in Afrika. (wahr )

Es ist ersichtlich, dass trotz einer offensichtlich falschen Prämisse eine gültige Schlussfolge-
rung entstanden ist. Somit ist die logische Korrektheit völlig unabhängig von der tatsächli-
chen Wahrheit der Prämissen. Es hängt alleine von der Beziehung zwischen Prämissen und
Konklusion ab, ob der Schluss als logisch korrekt anzusehen ist. Grob gesagt wird nicht
die eigentliche Behauptung bewiesen, sondern, dass dieses Behauptete lediglich aus den
Vorraussetzungen (Prämissen) folgt.

2.3 Formale Sprachen


Damit logische Zusammenhänge entsprechend formuliert werden können, wird eine aus-
drucksstarke Sprache benötigt. Es liegt nahe, dass eine Verwendung der natürlichen Spra-
che aufgrund von Mehrdeutigkeiten keine gute Wahl für eine solche Sprache ist. Ihr fehlt
es an Eindeutigkeit und Einfachheit, um logische Zusammenhänge gut verdeutlichen zu
können. Ein Beispiel:

“Der Mann sieht den Jungen mit dem Fernglas“ 3

Es ist zu erkennen, dass der Satz eine Mehrdeutigkeit aufweist. Hat der Mann nun einen
Jungen gesehen, der ein Fernglas in der Hand hält, oder hat der Mann mithilfe eines
Fernglases den Jungen entdeckt? Solche Mehrdeutigkeiten machen es nötig, eine Sprache zu
wählen, womit sich Fakten exakt formalisieren und darstellen lassen. Es wird die Exaktheit
einer formalen Sprache benötigt.
Wie die natürliche Sprache besteht eine formale Sprache ebenfalls aus einer Menge aus Zei-
chen bzw. einem Vokabular, dem Alphabet, und einer formalen Grammatik. Die Grammatik
bestimmt dabei wie aus den erlaubten Zeichen gültige Formeln bzw. Sätze zusammenge-
setzt werden können. Grundsätzlich versucht sich eine formale Sprache möglichst gut an
die Bedürfnisse des Systems - in diesem Fall die Logik - anzupassen.
In den folgenden Kapiteln wird gezeigt wie sich logische, speziell aussagenlogische, Zu-
sammenhänge formal abbilden lassen und somit erst eine formale Untersuchung ermöglicht
wird. Die formale Sprache ist damit eine wichtige Vorraussetzung, um ein formales System
für die Logik zu entwickeln.

3
Vgl. http://www.hardbloggingscientists.de/lehrstuck/sprachtechnologie-im-tglichen-leben-2/ [5]
6

3 Formales System der Aussagenlogik


Die natürliche Sprache liefert uns, wie in Kapitel 2 erläutert, keine Eindeutigkeit im Be-
zug auf logische Aussagen. In der mathematischen Logik ist man jedoch bestrebt exakte
Bedingungen für das logische Schließen so festzulegen, sodass Mehrdeutigkeiten komplett
vermieden werden. Neben der formalen Sprache müssen auch exakte Regeln für das for-
male Schließen von logischen Aussagen gebildet werden. Die Definition von Logiksystemen
wird als formales System oder auch als logischer Kalkül bezeichnet.
Als ein sehr einfaches Logiksystem bietet sich das formale System der klassischen Aussa-
genlogik an. In diesem Kapitel werden zuerst die grundlegenden Eigenschaften der For-
malisierung von (aussagelogischen) Aussagen und die Bildung von logischen Sätzen bzw.
Formeln mithilfe von logischen Verknüpfungen (Junktoren) beleuchtet.

3.1 Die atomare Aussage


Ein sprachliches Gebilde, welches nach seinem Inhalt entweder als wahr oder falsch bewer-
tet werden kann, wurde bis jetzt allgemein als Aussage bezeichnet. Dabei ist zu beachten,
dass die Zuordnung des jeweiligen Wahrheitswertes prinzipiell eindeutig ist. Eine Aussa-
ge, welche nicht aus anderen Aussagen zusammengesetzt ist und somit keine logischen
Verknüpfungen 4 enthält, wird als atomar 5 bezeichnet.

ˆ Beispiele
Jede natürliche Zahl ist ein Produkt von Primzahlen (w)
4 > 5 (f )

2 ist rational (f )6

Um solche Aussagen in dem formalen System Aussagenlogik darzustellen, werden Wahr-


heitswertevariablen (Platzhalter) in der Form von Satzbuchstaben A-Z7 verwendet. Jeder
Variablen wird grundsätzlich entweder der Wert wahr (w) oder falsch (f ) zugeordnet.
Somit ist in der Aussagenlogik der eigentliche Inhalt der atomaren Aussage nicht von
Bedeutung, sondern ausschließlich der jeweilige Wahrheitsgehalt.

3.2 Wahrheitstafeln
Eine Vorraussetzung zum Analysieren von komplexen Aussagen sind Methoden, die ei-
ne einheitliche Vorgehensweise ermöglichen. Wahrheitstafeln (Auch Wahrheitstabellen ge-
nannt) sind für einen solchen Zweck ein wichtiges und universell einsetzbares Werkzeug
in der Logik. Mit ihr lassen sich die im Folgenden vorgestellten Junktoren definieren und
ebenfalls einfache Beweise z.B. im Bezug auf die Folgerichtigkeit einer Aussage führen.
Die Aufstellung einer Wahrheitstafel für eine zusammengesetzte Aussageform erfolgt in
einzelnen Schritten. Zunächst wird für jede atomare Aussage jeweils eine Spalte so mit
Wahrheitswerten aufgestellt, sodass jede Kombination zwischen den Aussagen vorhanden
4
Siehe Abschnitt 3.3
5
Weitere Bezeichnungen sind Elementaraussage oder Atome
6
Der Beweis für diese Aussage wird in Kapitel 4.3 angeführt.
7
Die Buchstaben können auch mit einem Index versehen werden.
7

ist. Weiterhin werden komplexe Aussagen in ihre Einzelteile aufgeteilt und dann jeweils
in eine Spalte der Tabelle angegeben, um so Schritt für Schritt zum Wahrheitsgehalt der
gesamten Aussage zu gelangen, die üblicherweise in der letzten Spalte noch angegeben ist.
Nach dem Ausfüllen der Tabelle kann damit eine genaue Untersuchung erfolgen.
Wahrheitstafeln bilden somit eine einfache Möglichkeit den Wahrheitsgehalt von etwas
komplexeren Aussagen zu ermitteln. Außerdem werden sie in den folgenden Kapiteln ver-
wendet, um die Definiton der logischen Verknüpfungen aufzustellen. Eine wichtige Rolle
werden sie zudem bei der Überprüfung auf Folgerichtigkeit einnehmen.

3.3 Logische Verknüpfungen


Bisher wurden ausschließlich atomare Aussagen diskutiert. Damit eine Bildung von kom-
plexen Aussagen möglich wird, müssen atomare Aussagen miteinander verknüpft werden.
Dabei helfen uns die logischen Operatoren der Aussagenlogik, die sogenannten Junkto-
ren. Solche Verknüpfungen machen es nötig weitere Symbole für die daraus entstehenden
Formeln 8 in der formalen Sprache zu definieren. Im weiteren Verlauf werden solche (oft all-
gemeine) Formeln mit griechischen Buchstaben wie α, ψ etc. bezeichnet. In diesem Kapitel
werden die wichtigsten Junktoren beschrieben und mithilfe von Wahrheitstafeln erläutert.

3.3.1 NICHT - Die Negation

Eine Negation (v. lat.: negare = verneinen) wird verwendet, wenn Aussagen wie “Peter
besucht heute nicht das Kino” gebildet werden sollen. Um diese Verneinung in der formalen
Sprache der Aussagenlogik auszudrücken wird der Junktor q verwendet. Wir definieren
für die Aussage P :

ˆ Die Aussage qP ist genau dann falsch, wenn P wahr ist und genau dann wahr, wenn
P falsch ist.

Diese Definion lässt sich mithilfe einer Wahrheitstafel verdeutlichen:

P qP
w f
f w

3.3.2 UND - Die Konjunktion

Eine Konjunktion (v. lat.: con-iungere zusammenspannen“) wird mit dem Junktor ∧

gebildet. Sie wird in der Aussagenlogik zwischen zwei Sätze gesetzt, um - in der deutschen
Sprache ausgedrückt - Sätze wie “Peter besucht heute das Kino und trifft dort seine
Freunde” bilden zu können. Es wird für die Aussage P und Q definiert:

ˆ Die Konjunktion P ∧ Q ist genau dann wahr, wenn sowohl P als auch Q wahr sind.

Mithilfe einer Wahrheitstafel verdeutlichen wir die Definiton:


8
Eine Zusammensetzung aus atomaren Aussagen wird als Formel bzw. Satz bezeichnet. Es ist zu beachten,
dass in allgemeinen Beschreibungen auch atomare Aussagen mit dem jeweiligen Symbol von Formeln
gleichgesetzt werden können.
8

P Q P ∧Q
w w w
w f f
f w f
f f f

3.3.3 ODER - Die Disjunkion

Der Begriff der Disjunktion (v. lat. Trennung, Sonderung) wird in der formalen Sprache
mit dem Junktor ∨ ausgedrückt, welcher im Deutschen mit dem Wort oder gleichzusetzen
ist. Damit lässt sich beispielsweise ein Satz wie “Peter besucht heute das Kino oder isst
ein Eis” bilden. Es ist zu beachten, dass es sich um ein nicht-auschließendes Oder handelt.
Deshalb können auch beide Aussagen zutreffen. Wir definieren für die Aussagen P und Q:

ˆ Die Disjunktion P ∨ Q ist wahr, wenn mindestens P , Q oder auch beide Aussagen
wahr sind.

Diese Definition in einer Wahrheitstafel:


P Q P ∧Q
w w w
w f w
f w w
f f f

3.3.4 WENN...DANN - Die Implikation

Im Hinblick auf das formale Beweissystem der Aussagenlogik ist die Implikation9 (v.
lat. implicare, einwickeln“) wohl die wichtigste Verknüpfung zwischen zwei Sätzen bzw.

Aussagen. Sie drückt im Sinne von Wenn...dann... eine Folge und somit einen logischen
Schluss aus. Sie wird für die Aussagen P und Q mit P → Q10 (Q folgt aus P ) ausgedrückt.
Es kann also definiert werden:

ˆ Die Implikation P → Q ist genau dann falsch, wenn P wahr und Q falsch ist.

ˆ P ist die hinreichende Bedingung für Q.

ˆ Umgekehrt ist Q damit automatisch die notwendige Bedingung für P .

Daraus ergibt sich die folgende Wahrheitstafel:

P Q P →Q
w w w
w f f
f w w
f f w
Dabei wird die Bedingung P als die aus Kapitel 2 bekannte Prämisse und die daraus
entstehende Folge Q als die dazugehörige Konklusion bezeichnet.
9
Eine weitere Bezeichnung ist Subjunktion
10
Andere in der Literatur gebräuchliche Zeichen sind: “P pQ”, “P ≺ Q”
9

3.3.5 GENAU DANN WENN - Die Äquivalenz

Die Äquivalenz11 drückt aus, dass zwei Aussagen einander bedingen. Damit ist die Aus-
sage P gleichzeitig hinreichende und notwendige Bedingung für die Aussage Q und umge-
kehrt. Sie wird mit P ↔ Q ausgedrückt. Wir definieren:

ˆ Die Äquivalenz P ↔ Q ist genau dann wahr, wenn P und Q die gleichen Wahr-
heitswerte besitzen.

Die Äquivalenz ist also durch die folgende Wahrheitstafel definiert:

P Q P ↔Q
w w w
w f f
f w f
f f w

4 Untersuchung von Aussagen


Damit die Folgerichtigkeit von formalisierten Aussagen geprüft werden kann, benötigt es
eine eine präzise Untersuchung der Bestandteile einer solchen Aussage. In diesem Ka-
pitel wird der Begriff der Tautologie eingeführt, als eine wichtige Vorraussetzung zum
Verständnis von solchen Untersuchungen und logischen Beweisverfahren. Die folgenden
zwei Abschnitte beleuchten schließlich die eigentliche Fragestellung dieser Arbeit: Es wird
gezeigt, wann und unter welchen Voraussetzungen eine logische Schlussfolgerung formal
korrekt ist. In diesem Zusammenhang wird zunächst die allgemeine logische Konsequenz
als ein direktes Beweisverfahren und im Anschluss das manchmal effizientere indirekte
Verfahren vorgestellt.

4.1 Die Tautologie


Eine Aussagenverknüpfung, welche aufgrund ihrer Struktur in jedem Fall den Wahrheits-
wert wahr (w) annimmt, wird als allgemeingültig oder auch als Tautologie12 bezeichnet.
Dieses Ergebnis ist völlig unabhängig von dem Wahrheitsgehalt der darin enthaltenen
Wahrheitswertevariablen (Teilaussagen). Tautologien werden in der formalen Sprache der
Aussagenlogik mit dem Zeichen |= ausgedrückt. Beispielsweise zeigt |= ϕ, dass die Aussage
ϕ eine Tautologie ist.
Ein einfaches Beispiel ist die doppelte Verneinung. Wenn ein Satz doppelt verneint wird,
ergibt sich daraus wieder die ursprüngliche Aussageform.

Es gilt: |= P ↔q(qP )

Beweis

11
Andere Bezeichnungen für diese Verknüpfung sind “Bijunktion”, “Bisubjunktion” oder “Koimplikation”
12
Der direkte Gegensatz zur Tautologie wird als Kontradiktion bezeichnet. Eine Kontradiktion ist bei jeder
Belegung der vorkommenden Variablen stets falsch.
10

P qP q( q P ) P ↔ q (qP )
w f w w
f w f w

Tautologien bilden eine wichtige Vorraussetzung von aussagelogischen Beweisen. Damit


auch in der formalen Sprache der Aussagenlogik Tautologien bzw. Allgemeingültigkei-
ten von logischen Schlussfolgerungen sowie Äquivalenzen deutlich werden, müssen weitere
Symbole eingeführt werden. Allgemeingültige Implikationen werden von nun an mit dem
Junktor ⇒ bezeichnet und allgemeingültige Äquivalenzen werden mit dem Junktor ⇔
gekennzeichnet.

4.2 Logische Konsequenz und Implikation


Die insbesondere in Kapitel 2 aufgeführten Beispiele für das logische Schließen waren sehr
einfach. Allerdings können komplizierte Sätze bzw. eine scharfsinnigere Argumentation
manchmal alles andere als einfach sein. Das formale System der Aussagenlogik vereinfacht
die Lösung der Frage wann eine Aussage aus einer anderen folgt bzw. wann dies nicht der
Fall ist:
Im Abschnitt 3.3.4 wurde bereits die Implikation α → β als ein Junktor kennengelernt, wel-
cher durch eine Wahrheitstafel repräsentiert wurde. Ebenfalls wurde in Kapitel 2 erwähnt,
dass bei einem logischen Schluss mit wahren Prämissen α1 ∧ α2 ∧ ...αn niemals eine falsche
Konklusion entsteht. Eine falsche Schlussfolgerung ist ausgeschlossen, wenn die Implikati-
on einen stets wahren Wert enthält. Damit lässt sich definieren, dass (α1 ∧ α2 ∧ ...αn ) → β
(aussagenlogisch) gültig ist, wenn es sich um eine Tautologie handelt.

Beispiel 1:
α:P ∧Q
β :P ∨Q

Es wird behauptet, dass aus P ∧ Q logisch P ∨ Q folgt.

Beweis
P Q α β α→β
w w w w w
w f f w w
f w f w w
f f f f w

Es wurde eindeutig bewiesen, dass α → β eine Tautologie und damit α ⇒ β eine gültige
Aussage ist. Somit folgt α logisch aus β.

Oft ist ein Beweis von logischen Implikationen in der Form α ⇒ β nur in einigen Einzel-
schritten möglich. Die Schritte sind dabei stets vollständig und allgemein durchzuführen.
Wenn α ⇒ β zu beweisen ist, wird δn eine jeweilige Teilaussage darstellen, die zur Lösung
führt:
11

α ⇒ δ1 , δ1 ⇒ δ2 , ..., δn−1 ⇒ δn , δn ⇒ β

Beispiel 2:
P :a>b
Q : a2 + b2 > 2ab

Es soll P ⇒ Q bewiesen werden.

Beweis13
Nach den Regeln der Ungleichungen wird Schritt für Schritt gefolgert:

a>b⇒a−b>0
a − b > 0 ⇒ (a − b)2 > 0
(a − b)2 > 0 ⇒ a2 − 2ab + b2 > 0
a2 − 2ab + b2 > 0 ⇒ a2 + b2 > 2ab

Damit konnte die logische Implikation P ⇒ Q erfolgreich mithilfe der oben beschriebenen
Methode bewiesen werden.
Die Aussagenlogik nimmt also einen besonderen Stellenwert in der Beschreibung von ma-
thematischen Beweisen ein. Sie bildet mit der Implikation eine wesentliche Eigenschaft für
die Mathematik.

4.3 Indirekter Beweis: Beweis durch Widerspruch


Eine wichtige Beweismethode ist der Widerspruchsbeweis. Viele Sätze lassen sich einfa-
cher mit diesem indirekten Beweisverfahren beweisen. Die Grundidee dieses Verfahrens ist
die Folgende: Um beispielsweise einen negierten Satz qB aus den vorliegenden Prämissen
P1 , ..., Pn zu beweisen, kann erst B als richtig interpretiert werden. Somit wird im an-
schließenden Beweisverfahren gezeigt, dass sich daraus ein Widerspruch ergibt. Wenn dem
so ist, kann man annehmen, dass die anfangs gestellte Behauptung qB logisch aus den
Prämissen folgt.
Um diese indirekte Beweismethode zu illustrieren, kann man ein regelrecht berühmtes
Beispiel anführen: Es war damals für die Griechen ein Schock, als sie feststellten, dass die
Wurzel aus 2 irrational, also nicht als Bruch darstellbar, ist. Diese Feststellung lässt sich
mithilfe des indirekten Beweisverfahrens nachweisen. Um einen solchen Beweis zu führen,
müssen zunächst einige - auch schon damals den Griechen bekannten - mathematische
Tatsachen aufgeführt werden. 14

p
ˆ Jede rationale Zahl lässt sich als Bruch q darstellen, wobei zumindest p oder q
ungerade ist.

ˆ Das Quadrat einer ungeraden Zahl ist ungerade. Wenn x2 beispielsweise gerade ist,
dann ist auch x gerade. Ebenfalls ergibt sich daraus, dass wenn x2 gerade ist, muss
es durch 4 teilbar sein.
13
Vgl. http://www.oldenbourg-wissenschaftsverlag.de/fm/694/3-486-27593 p.pdf, Beispiel 2.20 [3]
14
Vgl. Sprache, Beweis und Logik, Seite 140 [10]
12


Mit den oben aufgeführten Prämissen, kann jetzt bewiesen werden, dass 2 irrational ist.


Es wird zunächst die gegenteilige Behauptung B aufgestellt, dass 2 rational sei (Schließ-
lich bedeutet “irrational” einfach nicht rational ). Nach dieser Annahme ist eine Darstel-
lung als Bruch möglich, wobei zumindest eines von p oder q ungerade ist. Mittels Äquiva-
lenzumformung wird schließlich eine Lösung ermöglicht.
√ p
B: 2= q
mit p, q ∈ N

Aus dieser Annahme erfolgt durch Quadrieren:

p2
2= q2

Anschließend folgt eine Multiplikation mit q 2 .

2q 2 = p2

Somit ist p2 gerade, da die andere Seite der Gleichung offensichtlich durch 2 teilbar ist.
Wie in den Prämissen oben bemerkt, kann man daraus schließen, dass damit p gerade und
p2 durch 4 teilbar ist. Wenn p2 durch 4 teilbar ist, kann man im Hinblick auf die Gleichung
2q 2 = p2 ebenfalls folgern, dass 2q 2 durch 4 teilbar und somit q 2 gerade ist. Damit ist q
ebenfalls gerade.
Also ist sowohl p als auch q gerade. Diese Feststellung steht im Widerspruch zu der oben
angeführten Annahme, dass zumindest eines von ihnen ungerade sein muss. Die Behaup-

tung, dass 2 rational sei, hat somit zu einem Widerspruch geführt, und es lässt sich

daraus folgern, dass damit 2 irrational ist. Es folgt also aus der aufgestellten Behaup-
tung B logisch ihre negierte Form qB:

B ⇒ (qB)

Indirekte Beweise können auf verschiedene Arten durchgeführt werden. Eine weitere Me-
thode beruht auf der Annahme, dass P → Q ⇔qQ →qP gilt. Im Verfahren beweist man
anstatt “α1 ∧ α2 ∧ ...αn ⇒ β” den Satz “qβ ∧ α2 ∧ ...αn ⇒qα1 ist allgemeingültig”. Also
ersetzt man eine beliebige Prämisse durch die Negation der Konklusion und zeigt, dass
daraus und aus sämtlichen anderen Prämissen die Negation dieser Prämisse folgt. Damit
hat man indirekt nachgewiesen, dass nach dem oben aufgestellten Satz α ⇒ β gilt.
In einem weiteren Beispiel kann mit dieser Methode die oben aufgestellte Annahme, dass,
wenn x2 gerade ist, auch x gerade sein muss, bewiesen werden.15 Es gilt:

P : x2 ist gerade.
Q : x ist gerade.

Anstatt P ⇒ Q zu beweisen, wird qQ ⇒qP bewiesen. Somit wird erst angenommen,


dass x ungerade ist. Dann ist x gleich 2n + 1 für ein bestimmtes n:

15
Vgl. Sprache, Beweis und Logik, Seite 206
13

x2 = (2n + 1)2
= 4n2 + 4n + 1
= 2(2n2 + 2n) + 1

Damit wurde gezeigt, dass x2 ebenfalls ungerade (Wegen dem “+1”) und somit qQ ⇒qP
korrekt ist. Allerdings wurde noch nicht bewiesen, dass P → Q ⇔qQ →qP tatsächlich
allgemeingültig ist. Die Aufstellung einer Wahrheitstafel ermöglicht den Beweis dieser
Behauptung:

P Q qP qQ P →Q qQ→qP P →Q↔qQ→qP
w w f f w w w
w f f w f f w
f w w f w w w
f f w w w w w

Es handelt sich also bei P → Q ↔qQ →qP um eine Tautologie.16 Somit wurde erfolgreich
nachgewiesen, dass x gerade sein muss, wenn auch x2 gerade ist.

Es wurden damit zwei Methoden gezeigt, womit sich ein indirekter Beweis durchführen
lässt. Im Unterschied zur direkten Methode des Beweisens konnte besonders im ersten
Beispiel gezeigt werden, dass ein Widerspruchsbeweis eine effektive Alternative darstellt.
Die Aussagenlogik kann somit insbesondere die Konsistenz von mathematischen Beweis-
verfahren verdeutlichen. Allerdings muss beachtet werden, dass solche Schlüsse nur durch
die Eigenschaft der Zweiwertigkeit (Entweder wahr oder falsch) in der Aussagenlogik als
gültig betrachtet werden können.

16
Diese allgemeingültige Aussage wird als Kontrapositionsgesetz bezeichnet.
14

5 Anwendungsaufgaben der Aussagenlogik


Die Aussagenlogik bietet, neben den im dritten Kapitel beschriebenen mathematischen
Beweisen, noch Methoden, um logische Rätsel zu lösen, wie sie oft in Zeitschriften zu
finden sind. In diesem Kapitel werde ich zwei Anwendungsaufgaben bzw. Rätsel vorstellen
und sie mithilfe von den im dritten Kapitel dargelegten aussagenlogischen Methoden (z.B.
Wahrheitstafeln) lösen.
Es ist zu beachten, dass es sich bei den Lösungen keinesfalls um eindeutige Aussagen im
Sinne der Realität handelt. Die Aufgaben werden lediglich formal gelöst.

5.1 Beispiel 1 - Oecker ist krank


Oecker ist krank und muss in ein Krankenhaus. Dort wird er von einem Professor und
einem Medizinstudenten untersucht. Es entwickelt sich folgende ärztliche Diskussion:

Professor: Der Patient leidet an einer oder mehreren der folgenden Krankheiten: der Hirn-
versalzung, dem Gummikauzwang und der intermittierenden Nasophobie.

Student: Wenn er Gummikauzwang hat, dann muss er auch intermittierende Nasophobie


haben.

Professor: Wenn er allerdings an intermittierender Nasophobie leidet, dann hat er Hirn-


versalzung und keinen Gummikauzwang.

Student: Wobei man noch berücksichtigen muss, dass eine Hirnversalzung immer auch
intermittierende Nasophobie verursacht.

An welcher Krankheit bzw. an welchen Krankheiten leidet Oecker? 17

Wie in Kapitel 3 beschrieben, müssen Aussagen erst formalisiert werden, damit eine Un-
tersuchung möglich wird.

H: Der Patient leidet an Hirnversalzung.


K: Der Patient leidet an Gummikauzwang.
N : Der Patient leidet an Nasophobie.

Weiterhin ergeben sich im Hinblick auf die oben genannten Aussagen vom Professor und
dem Studenten die folgenden logischen Zusammenhänge:

α1 : H ∨ K ∨ N (Der Patient muss an mindestens einer Krankheit leiden)


α2 : K ⇒ N (Gummikauzwang hat Nasophobie zur Folge)
α3 : N ⇒ (H∧qK) (Wenn der Patient Nasophobie hat, dann auch Hirnversalzung, aber
keinen Gummikauzwang)
α4 : H ⇒ N (Hirnversalzung hat Nasophobie zur Folge)

17
Die Aufgabenstellung wurde aus einem Thread von Infmath.de leicht modifiziert übernommen. Vgl.
http://www.infmath.de/wbb/index.php?page=Thread&threadID=2787 [1]
15

Diese Aussagen werden in die Form α1 ∧ α2 ∧ α3 gebracht, weil sie stets miteinander ver-
einbar sein müssen. Daraus ergibt sich:

β : (H ∨ K ∨ N ) ∧ (K → N ) ∧ (N → (H∧qK)) ∧ (H → N )

Schließlich erfolgt die Aufstellung einer Wahrheitstafel, um die ermittelte Formel β zu


untersuchen.

H K N qK H ∧qK α1 α2 α3 α4 β
(1) w w w f f w w f w f
(2) w w f f f w f w f f
(3) w f w w w w w w w w
(4) w f f w w w w w f f
(5) f w w f f w w f w f
(6) f w f f f w f w w f
(7) f f w w f w w f w f
(8) f f f w f f w w w f

In Zeile 3 kann jetzt die Lösung direkt abgelesen werden, da alleine in dieser Zeile die
Formel β einen wahren Wert enthält. H und N sind in dieser Zeile wahr, K falsch. Damit
leidet der Patient Oecker nach den oben aufgestellten Aussagen an Hirnversalzung und
Nasophobie.

5.2 Beispiel 2 - Wer lügt?


Paul sagt: “Max lügt”.

Max sagt: “Otto lügt”.

Otto sagt: “Max und Paul lügen”.

Wer lügt wirklich und wer sagt die Wahrheit? Mindestens einer muss gelogen haben! 18

Damit eine logische Begründung möglich wird, müssen zunächst wieder die vorliegen-
den Aussagen formalisiert werden. Das Ziel des Beweises ist eine logische Belegung dieser
Aussagen mit entsprechenden Wahrheitswerten.

P : Max lügt.
M : Otto lügt.
O: Max lügt und Paul lügt.

Wenn Paul die Wahrheit sagt und somit P korrekt ist, muss Max (M ) lügen. Eine Im-
plikation in der Form P ⇒qM wirkt auf dem ersten Blick geeignet, um diesen logischen
Zusammenhang formal zu beschreiben. Allerdings könnte in diesem Fall Max lügen, ohne

18
Die Aufgabenstellung wurde aus einem Thread von http://www.linuxforen.de/ leicht modifiziert über-
nommen. Vgl. http://www.linuxforen.de/forums/archive/index.php/t-165268.html [2]
16

dass Paul die Wahrheit sagt (Wegen der hinreichenden Bedingung)19 . Eine solche Zusam-
mensetzung würde also unsinnig sein. Die in Kapitel 3 beschriebene Äquivalenz ist dagegen
ähnlich definiert, wobei allerdings die Möglichkeit entfällt, dass Max lügt und trotzdem
Paul nicht die Wahrheit sagen würde. Es kann also definiert werden:

α1 : P ⇔qM

Falls allerdings Max die Wahrheit sagt und damit M korrekt ist, muss Otto (O) lügen.

α2 : M ⇔qO

Somit gilt auch, dass wenn Otto die Wahrheit sagt, müssen Max und Paul lügen.

α3 : O ⇔ (qP ∧qM )

Außerdem muss mindestens ein Lügner unter ihnen sein.

α4 : P ∨ M ∨ O

Alle aufgestellten Aussagen müssen miteinander vereinbar sein. Somit werden sie logisch
miteinander in die Form α1 ∧ α2 ∧ α3 gebracht und es gilt:

β : (P ⇔qM ) ∧ (M ⇔qO) ∧ (O ⇔ (qP ∧qM )) ∧ (P ∨ M ∨ O)

Im nächsten Schritt muss gezeigt werden, wann β zutrifft und dass damit die jeweilige
Belegung der Wahrheitswertevariablen P , M und O deutlich wird. Die Aufstellung einer
Wahrheitstafel ist geeignet, um eine Lösung des Problems zu ermitteln und damit die oder
den Lügner zu überführen.

P M O qP qM qO qP ∧qM α1 α2 α3 α4 β
(1) w w w f f f f f f f w f
(2) w w f f f w f f w w w f
(3) w f w f w f f w w f w f
(4) w f f f w w f w f w w f
(5) f w w w f f f w f f w f
(6) f w f w f w f w w w w w
(7) f f w w w f w f w w w f
(8) f f f w w w w f f f f f

Es gibt nur eine mögliche Belegung, damit die gestellte Bedingung β zutrifft, nämlich die
in Zeile (6) der Wahrheitstafel. Damit wären die Aussagen P und O falsch (f ) und einzig
M wahr (w). Somit lügen Paul und Otto. Max sagt als einziger die Wahrheit.

19
Siehe 3.3.4
17

6 Schlusswort
In dieser Arbeit wurde die Formalisierung von Argumenten und deren Untersuchung in der
Aussagenlogik von verschiedenen Seiten beleuchtet. Um einen leichten Einstieg in die The-
matik zu gewährleisten, wurde zunächst der logische Zusammenhang zwischen Prämiss-
en und Konklusion verdeutlicht. Anschließend wurden diese Überlegungen in die formale
Sprache bzw. in das System der Aussagenlogik übertragen. Das vierte Kapitel war die
Grundlage für die beschriebene direkte und auch indirekte Beweismethode von logischen
Aussagen. Dabei wurde insbesondere festgestellt, wann eine logische Schlussfolgerung for-
mal korrekt ist und welche Rolle die Aussagenlogik in mathematischen Beweisverfahren
spielt. Dazu wurden einige Anwendungsbeispiele aufgezeigt. Es konnte so insgesamt gezeigt
werden wie sich logische Aussagen formalisieren und auswerten lassen.
Es ist sicherlich keine leichte Aufgabe, auf maximal 12 Seiten20 ein komplexes Thema wie
dieses möglichst ausführlich darzustellen. Die Schwierigkeit liegt vor allem darin, dass aus
der Menge an Informationen, die mithilfe der verwendeten Quellen erbracht wurde, nicht zu
detailliert in der Beschreibung zu werden. Es sollten überwiegend die wichtigsten Grund-
lagen vermittelt werden, damit der eigentliche Kerninhalt umfassend und übersichtlich
dargelegt werden konnte. So wurde beispielsweise die Vereinfachungen von Formeln (Aus-
sagenlogische Gesetze, Konjunktive Normalform, etc.) aus Platzgründen nicht ausführlich
thematisiert (Minimierung von aussagenlogischen Formeln und deren Bedeutung in der
Elektrotechnik könnte ein weiteres Thema für eine Facharbeit sein!). Auch spezielle aussa-
genlogische Kalküle wie den Hilbert-Typ-Kalkül mussten ausgelassen werden. Außerdem
könnte die Automatisierbarkeit von aussagelogischen Systemen eine interessante Fragestel-
lung darstellen. Jedoch würde diese Thematik bei weitem den Umfang einer Facharbeit in
der Jahrgangsstufe 12 übersteigen.
Eine kritische Betrachtung meines behandelten Themas ist spätestens dann erforderlich,
wenn man mit Wahrheitstafeln arbeitet. Da es für jede atomare Aussage zwei Möglich-
keiten gibt, ergeben sich 2n Zeilen. Wenn also n = 1, dann gibt es zwei Zeilen, für n = 4
gibt es 16 Zeilen und für n = 16 schon 65536 Zeilen zu untersuchen. Es liegt also ein ex-
ponentielles Wachstum vor. Also wird es schon bei wenigen atomaren Aussagen für einen
Menschen in einer annehmbaren Zeit fast zur Unmöglichkeit die dazugehörige Wahrheits-
tafel auszufüllen. Außerdem lässt sich das Verfahren einer Wahrheitstafel schlicht und
ergreifend als triviale Brute-Force-Methode bezeichnen, da einfach alle Möglichkeiten der
Wahrheitsbelegungen ausprobiert werden. Somit muss sich die Frage nach effizienteren
Methoden in der mathematischen Logik gestellt werden.
Moderne Entwicklungen wie die Schaffung von künstlicher Intelligenz lassen den Schluss
zu, dass die formale Logik auch in Zukunft maßgebend ist. Allerdings erfordern moderne
Techniken komplexere Sprachmittel als die zweiwertige Aussagenlogik zu bieten hat. Um
sich Kenntnisse im Bezug zur genaueren Analyse von Argumenten bzw. logischen Zusam-
menhängen anzueignen, würde sich deshalb ein Blick auf die Prädikatenlogik oder gar die
moderne Fuzzy-Logik lohnen. Ein tiefergehendes Studium lohnt sich in jedem Fall.

20
12 Seiten sind überwiegend durch den reinen Text gegeben. Durch die vielfältige Darstellung von Tabellen
und Formeln weicht diese Zahl von der tatsächlichen Seitenzahl ab.
Literatur
[1] Infmath.de, http://www.infmath.de/wbb/. 03.05.2008 14:50 Uhr [online].

[2] Linuxforen.de, http://www.linuxforen.de/forums/. 04.05.2008 16:35 Uhr [online].

[3] Aussagenlogik, http://www.oldenbourg-wissenschaftsverlag.de/fm/694/3-486-


27593 p.pdf. 07.05.2008 19:25 Uhr [online].

[4] Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Formale Sprache. 09.05.2008 16:28 Uhr [on-


line].

[5] Hard bloggin’ scientist, http://www.hardbloggingscientists.de. Nils Reiter, 09.05.2008


17:00 Uhr [online].

[6] Zitate zur Mathematik, http://www.mathe.tu-freiberg.de/∼hebisch/cafe/zitate.html.


Prof. Dr. rer. nat. Udo Hebisch, 15.05.2008 19:39 Uhr [online].

[7] Logik. Wesley C. Salmon, 1973.

[8] Aussagenlogik, Mengen, Relationen. Hans-Dietet Gerster, 1981.

[9] Grosses Lexikon A-Z, zeitnah und uebersichtlich. ISIS Verlag, 1997.

[10] Sprache, Beweis und Logik. Jon Barwise und John Etchemendy, 2005.

[11] Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Aussagenlogik. 23.04.2008 15:44 Uhr [online].

[12] Logic-Rulez.net, http://www.logic-rulez.net/aussagenlogik/index.php. Mandana Ei-


begger, 23.04.2008 21:11 Uhr [online].
Selbstständigkeitserklärung
Ich erkläre hiermit, dass ich die Facharbeit ohne fremde Hilfe angefertigt und nur die im
Literaturverzeichnis angeführten Quellen und Hilfsmittel benutzt habe.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . , den ................. .............................


Ort Datum Unterschrift

Schreibberatung
Ich erkläre hiermit, dass ich an einem Beratungsgespräch bei der Schreibberatung teilge-
nommen habe.

.............................
Unterschrift der Schreibbera-
tung