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VÖB-Fachtagung

„Neue Entwicklungen in der Bankenaufsicht“


Berlin, 15. September 2014

Europäische Bankenaufsicht

Carsten Groß / VÖB 1


EU-Bankenunion

EU-Gipfelerklärung 29. Juni 2012: „Teufelskreis zwischen Banken und


Staatsanleihen zerbrechen → Vorschläge für SSM“

Bankenunion
Europäische Europäischer Europäische
Single
Aufsicht Abwicklungs- Einlagen-
Rule Book
(SSM) mechanismus sicherung

 Capital Requirements  SSM-VO  EU-Richtlinie für einen  Neufassung der


Directive (CRD) (09/2012) Rahmen für die Sanierung Einlagensicherungsricht-
 Capital Requirements  Änderung EBA-VO und Abwicklung linie
Regulation (CRR) (09/2012) (06/2014) (06/2014)

 Standards EBA/ESMA  SSM-RahmenVO  SRM/SRF-VO


(05/2014) (07/2014)

 SSM-KostenVO (Entwurf)  „Delegierte Rechtsakte“

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Europäische Aufsicht
Struktur
SSM
Nationale EZB Nationale
EBA
Aufsichts- Banken- Geld- Aufsichts-
„Norm-
behörden aufsicht politik behörden
(Nicht-Euroraum)
setzung“
(Euroraum)
beaufsichtigen

beaufsichtigen

beaufsichtigen
opt-in-Möglichkeit Wenn EZB als notwendig erachtet

Lizenzen Lizenzen erteilen/entziehen


erteilen/entziehen Geldwäscheprävention
Qualifizierte Qualifizierte Beteiligungen Verbraucherschutz
Beteiligungen
laufende Aufsicht Säule I, Säule II laufende Aufsicht

„bedeutende“ und „weniger bedeutende“


„weniger „bedeutende“ Banken
Banken
bedeutende„ Banken

ca. 2.000 Banken ca. 120 Banken ca. 6.000 Banken

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SSM
Bedeutende Institute (Art. 6 EZB-VO)

Immer im Ermessen bzw. nach Prüfung


Konsolidierte Bilanzsumme > € 30 Mrd. Anzeige Heimatlandaufsicht, dass Institut
bedeutend für Volkswirtschaft
Konsolidierte Bilanzsumme > € 5 Mrd. und KI mit Tochter-KI in 2 Teilnehmerstaaten
> 20% BIP Sitzland und grenzüberschreitende Tätigkeit
Unterstützung durch die EFSF oder den weniger bedeutende Institute,
ESM beantragt oder entgegengenommen zur Sicherstellung hoher Aufsichtsstandards
3 bedeutendste Institute jedes
Teilnehmerstaates
nähere Ausgestaltung in „Rahmenverordnung“

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SSM
Bedeutende Institute in Deutschland

1. Aareal Bank AG 12. Landesbank Berlin Holding AG

2. Bayerische Landesbank 13. Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale

3. Commerzbank AG 14. Landeskreditbank Baden-Württemberg-Förderbank

4. DekaBank Deutsche Girozentrale 15. Landwirtschaftliche Rentenbank

5. Deutsche Apotheker- und Ärztebank EG 16. Münchener Hypothekenbank eG

6. Deutsche Bank AG 17. Norddeutsche Landesbank-Girozentrale

7. DZ Bank AG Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank 18. NRW.Bank

8. HASPA Finanzholding 19. SEB AG

9. HSH Nordbank AG 20. Volkswagen Financial Services AG

21. WGZ Bank AG Westdeutsche Genossenschafts-


10. Hypo Real Estate Holding AG
Zentralbank

11. Landesbank Baden-Württemberg

Quelle: EZB
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SSM
Aufbau

EZB
EZB-Rat

SSM
Schlichtungsstelle Nationale
jeweils ein Vertreter der nationalen
Aufsichtsbehörde Überprüfungs- Bankaufsichts-
ausschuss behörden
5 unabhängige Mitglieder
EZB-Bankenaufsicht
Geld-
Aufsichtsgremium
politik Vors.+ Stv.Vors. + 4 EZB-Ver-
treter + jeweils ein Vertreter der Whistle-blower
nationalen Aufsichtsbehörde
Lenkungsausschuss
Max. zehn Personen + ein EZB-
Vertreter

Berichts- und Rechenschaftspflichten

EU-Rat EP Eurogruppe Nat. Parlamente


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SSM
Beschlussfassung

Betroffene Ablehnung EZB


nationale Nicht-€-Staaten
Aufsichts- EZB-Rat
behörden
Einwand kein Einwand
Beschlussentwürfe (Geldpol.) innerhalb von
max. 10 Werktagen
Aufsichtsgremium Ablehnung Einwand Schlichtungsstelle
• Grds. einfache Mehrheit einfache Mehrheit
(„one country one vote“)
• Leitlinien mit qualifizierter
Mehrheit

Lenkungsausschuss Nicht-€-
Keine Beschlusskompetenz Staaten Beschluss angenommen

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SSM
Rechtsschutz

• Anhörung der Betroffenen


vor Annahme von Aufsichtsbeschlüssen:
• Recht zur Akteneinsicht
Antrag Klage

Administrativer Gerichtlicher Rechtsschutz


Überprüfungsausschuss
• Überprüfung verfahrensmäßige und
materielle Übereinstimmung SSM-VO 1. Instanz: Gericht der EU

Stellungnahme ≤ 2 Mon. Auf Rechtsfragen


einfache Mehrheit beschränktes Rechtsmittel

Aufsichtsgremium Europäischer Gerichtshof

Änderung, Aufhebung,
Bestätigung des Beschlusses
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SSM
Rahmenverordnung (EZB/2014/17)

Organisation des SSM


Teil II
Gemeinsame Aufsichtsteams, Aufsichtskollegien, Niederlassungsrecht

Arbeitsweise des SSM


Teil III
Bestimmung
Grundsätze, interne „bedeutend“/ „weniger bedeutend“
Abläufe, Sprachenregelung

Bedeutende/ weniger bedeutende Institute


Teil IV
Konkretisierung der Kriterien, Anwendungsbereich, Beginn/ Ende/ Ausnahmen
direkte Aufsicht

Makroprudenzielle Aufgaben/ - Instrumente


Teil VIII Kapitalpuffer (Art. 130-142 CRD), Verschärfungen (Art. 458 CRR), alle
Maßnahmen zur Abwendung von System- oder makroprudenziellen Risiken

Zugang zu Informationen, Berichterstattung


Teil XI
EZB kann Kategorien, Verfahren, Formate, Zeitabstände und Fristen festlegen
SSM
Kostenverordnung (Entwurf)

Gesamtkosten der EZB-Aufsicht (2014/ 2015 geschätzt: € 300 Mio.)


15% 85%
Gesamtkosten Gruppe weniger bedeutende KI Gesamtkosten Gruppe bedeutende KI

10% Gesamtkosten = Mindestgebühr 10% Gesamtkosten = Mindestgebühr

90% Gesamtkosten = variable Komponente 90% Gesamtkosten = variable Komponente

• Kosten bedeutende KI: € 0,15 bis 15 Mio. (die meisten zwischen € 0,7 und 2 Mio.)
• Kosten weniger bedeutende KI: T€ 2 bis 210

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SSM
Aufsichtshandbuch

Internes Dokument für SSM-


Mitarbeiter Veröffentlichung vor dem 4.
November 2014
Prozesse und Methodik der
Aufsicht

Ergänzt SSM-VO und SSM-


…insbesondere zum SREP Rahmen-VO

Zusammenarbeit im SSM und


mit Nicht-SSM-Behörden
Merkmale, Aufgaben und
Risk Assessment System Verfahren des SSM
(RAS)

Aufsichtshandbuch Aufsichtsansatz

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EZB-Bankenaufsicht
Aufbau
Direkte Aufsicht

GD Micro I ( 40 KI, 220 MA) GD Micro II ( 80 KI, 190 MA)


(Stefan Walter) (R. Quintana)

GD Deputy GD Deputy GD Deputy GD Deputy


(P. Amis) (M. Delgado) (R. Klug) (P. Corradino)

Div. Div. Div. Div. Div. Div. Div. Div. Div. Div. Div. Div. Div. Div. Div.
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15

indirekte Aufsicht Querschnittsaufgaben

GD Micro III GD Micro IV Sekretariat


(Jukka Vesala) (Korbinian Ibel) (Pedro Teixeira)

GD Deputy GD Deputy GD Deputy


(L. Field) (F. Michaud) (G. Siani)

Supervisory Aufsichts- Aufsichts- Methodik Riskoana-


Institutional Zulassung
Analyse und oversight/ qualität Leitlinien Standard. lyse
sectoral
Methoden NCA
oversight
Relations
Enforcem. Krisenma- On-Site Interne
SEP
Sanktion. nagement Inspection Modelle

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EZB-Bankenaufsicht
Direkte Beaufsichtigung – Gemeinsame Aufsichtsteams

Vorsitzender des JST (EZB, heads of


JST sections)
Koordinator

Core Vorsitzender des JST (EZB) +


JST Subkoordinatoren (NCA)

Vorsitzender des JST (EZB) +


JST Subkoordinatoren (NCA) + Experten (EZB, NCA) 
Koordinatoren für Risiko, EK, Liqui., Governance

• Aufgaben (Art. 3 Rahmen-VO): Durchführung SREP, Festlegung und


Durchführung Prüfungsprogramm, Koordinierung On-Site-Prüfung
• 117 JST werden eingerichtet (30 in GD I, 87 in GD II)
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SSM
Indirekte Beaufsichtigung (LSI)

Ziel SSM: Einfache und einheitliche Aufsicht!  Harmonisierung sowohl im


Bereich der direkten als auch der indirekten Aufsicht

• EZB kann NCA bindende Leitlinien für die Beaufsichtigung der LSI vorgeben (Art. 6
Abs. 5 SSM-VO)
• NCA müssen EZB über Verschlechterungen der Finanzlage von LSI sowie über
wesentliche Aufsichtsverfahren und -beschlüsse ggü. LSI unterrichten (Art. 96 ff.
Rahmen-VO)
• NCA haben der EZB jährlich über LSI zu berichten (“ex-post“)
• EZB kann Verantwortung über weniger bedeutende KI an sich ziehen (Art. 6 Abs. 5
SSM-VO)

• Bilanzierungsstandard?
• Proportionalitätsprinzip?
• Mittelfristig: Konvergente Beaufsichtigung von LSI (auch „Säule II“)
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SSM
Aufsichtliche Wahlrechte

CRD /CRR

Wahlrechte der zuständigen Wahlrechte der


Aufsichtsbehörden Mitgliedstaaten

• EZB wird Wahlrechte nach eigenem Ermessen ausüben


• Beweggründe zur Einführung der Wahlrechts sollen berücksichtigt werden
• aber: Ziel der Harmonisierung
• EZB-Ausübung der Wahlrechte wird auch für LSI maßgeblich werden

Bsp. Wahlrechte:
• Risikogewicht von 0 % für Forderungen innerhalb von Konzernen und
Haftungsverbünden (Art. 113 Abs. 6 und 7 CRR)
• Ausnahme der aus dem „Hausbankprinzip“ entstehenden Interbankenforde-
rungen von der Anrechnung auf die Großkreditobergrenze (Wahlrecht nach Art.
400 Abs. 2 lit. e CRR)
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Änderung der EBA-Verordnung

EBA ist
• weiterhin zuständig für Normsetzung (Ausarbeitung Klammer-
technischer Standards und Erlass von Leitlinien und wirkung für die
Empfehlungen gesamte EU
• Beauftragt, ein „single rulebook“ auszuarbeiten
• zuständig für Durchführung von Stresstests

Darüber hinaus
• Klarstellung, dass EZB eine Aufsichtsbehörde ist, die der EBA-VO unterliegt
• Aufnahme eines Vertreters der EZB-Aufsichtseinheit in das Board of Supervisors
(ohne Stimmrecht)
• Einrichtung eines Ausschusses für Finanzinnovationen
• Sicherstellung Konvergenz Säule II Eigenkapitalanforderungen
• Modifizierung Beschlussfassung des Board of Supervisors („doppelte Mehrheit“)

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SSM
Weitere Schritte

Veröffentlichung der Liste bedeutender Banken bis 4. September d. J.

Aufsichtsgespräche mit Banken über Teil- und vorläufige Mitte September bis
Ergebnisse AQR und Stresstest Anfang Oktober d. J.

Veröffentlichung SSM-Kostenverordnung Oktober 2014

Veröffentlichung des Aufsichtshandbuchs („Säule II“) vor November 2014

Interne EZB-Vorschriften zur Funktionstrennung vor 4. November d. J.

Überarbeitung des EZB-Ethikrahmens/ Verhaltensregeln


vor 4. November d. J.
für Mitarbeiter der EZB-Bankenaufsicht

Aufnahme der Aufsichtstätigkeit 4. November d. J.

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Ausblick

• Änderung AEUV → Änderung Struktur EZB?


Rechtsgrundlage
• Schaffung einer eigenständigen EU-Bankaufsichtsbehörde?

Zusammenarbeit • Schnittstellen EZB, EBA und nationale Behörden überschneidungsfrei abgrenzen


Aufsichtsbehörden • Doppelarbeiten für Institute vermeiden (Stresstests!)

• Wie viel Personal notwendig / vertretbar?


Aufsichtsgebühren
• Verhältnis zu den Gebühren der nationalen Aufsichtsbehörden/ ESAS

• Kein Hineinzwingen in IFRS, d.h. Nebeneinander von IFRS und „national GAP“
Meldeanforderungen
• „IRFS-Druck“ auch durch: Europäische Bankenabgabe, SSM-Aufsichtsgebühr

• Überprüfung aller laufenden Verfahren und Absprachen mit der nationalen Aufsicht
• Beschlüsse und Dokumentationen zu Themen im aufsichtlichen Fokus (Art. 97-98
CRD bzw. § 6b KWG, z.B. Geschäftsmodell, ZÄR im Anlagebuch)
Handlungsbedarf • Prozess zur Überprüfung des Größenkriteriums (€ 30 Mrd.)
• Einrichtung auf zunehmende ad hoc-Anfragen der EZB (Verbesserung des internen
Risikoberichtswesens, Überleitung in das Melde-und Rechnungswesen)
• Entscheidung über Sprachenregelung

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