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LGD und CCF

Ein Überblick
Grundlagen LGD

aufsichtsrechtliche Definition

§ 132 SolvV Absatz 1:


„Die Verlustquote bei Ausfall für eine IRBA-Position ist als zu erwartendes Verhältnis des
Verlusts infolge des Ausfalls einer Gegenpartei zu dem Betrag, der zum Zeitpunkt des
Ausfalls aussteht, zu schätzen.“

§ 126 SolvV:
Unter Verlust ist ökonomischer Verlust zu verstehen, einschließlich erheblicher
Diskontierungseffekte sowie erheblicher direkter und indirekter Kosten, die mit der
Rückerlangung außenstehender Beträge für das Geschäft verbunden sind.

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Exkurs Ausfall

Was ist ein Ausfall?

Definition des Ausfalls richtet sich nach den Vorgaben der „Verordnung über die
angemessene Eigenmittelausstattung von Instituten, Institutsgruppen und
Finanzholding-Gruppen“ (Solvabilitätsverordnung – SolvV)
Eines oder beide der folgenden Ereignisse müssen eingetreten sein:
- Unwahrscheinliche Rückzahlung
„Das Institut ist aufgrund konkreter Anhaltspunkte der Ansicht, dass es
unwahrscheinlich ist, dass der Schuldner ohne Rückgriff des Instituts auf Maßnahmen
wie die Verwertung von gegebenenfalls vorhandenen Sicherheiten vollständig seine
Zahlungsverpflichtungen aus Kreditgewährung[...] erfüllt.“
- 90-Tage Zahlungsverzug
„Der Schuldner ist mit einem wesentlichen Teil seiner Gesamtverpflichtung aus
Kreditgewährung gegenüber dem Institut[... ] über mehr als 90 aufeinander folgende
Kalendertage überfällig.“

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Exkurs Ausfall

Was ist ein Ausfall?


Konkrete Anhaltspunkte für die Nichterfüllung von Zahlungsverpflichtungen:

- Bildung einer Wertberichtigung


- Durchführung einer Restrukturierung/Sanierung
- Kündigung/Fälligstellung
- Forderungsverkauf
- Voll- oder Teilabschreibung
- Insolvenz
- (unwahrscheinliche Rückzahlung)

Ausfall ist nicht gleich Verlust!!

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Grundlagen LGD

Berechnung (vereinfachte Darstellung)

Verlust
sonstige Erlöse
Forderung
(EaD)

Sicherheitenerlöse

Verlust
LGD =
EaD

Ausfallzeitpunkt Ende der Abwicklung

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Grundlagen LGD

Schätzung der Verlustquote

Die Schätzung der Verlustquote erfolgt als mehrstufiger Prozess über:


1. Schätzung der Erlöse aus Sicherheitenverwertungen
2. Schätzung von sonstigen Erlösen
3. Berücksichtigung von direkten und indirekten Kosten
4. Berücksichtigung von Rückmigrationseffekten (Gesundungen)

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Grundlagen LGD

Verwertungs- und Einbringungsquoten


Verwertungsquote
Die Schätzung der Erlöse aus Sicherheitenverwertungen erfolgt mit Hilfe der
Verwertungsquote:
Die Verwertungsquote ist das Verhältnis der gesamten Erlöse aus einer
Sicherheitenverwertung (inklusive Erlösanteile Dritter) zum Referenzwert des
Sicherungsobjekts
Die Verwertungsquote berücksichtigt interne und externe Kosten sowie wesentliche
Diskontierungseffekte
Einbringungsquote
Die Schätzung aller nicht aus Sicherheitenverwertungen stammenden Erlöse erfolgt mit
Hilfe der Einbringungsquote:
Die Einbringungsquote ist das Verhältnis aller Nicht-Sicherheitenerlöse zum nach
Sicherheitenverwertung verbleibenden Blankoteil der Kreditforderung
Die Einbringungsquote berücksichtigt interne und externe Kosten sowie wesentliche
Diskontierungseffekte

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Grundlagen LGD

Schematische Darstellung der LGD-Schätzung

Objekt Institut
Kunde

Segmentierung Kosten Segmentierung

Sicherheitenverrechnung
Einbringungs-
Verwertungs-
quoten
quoten

LGD

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Grundlagen LGD

Die Objektsicht

Sicherheiten- Gesamtobjekt- Verwertungs-


objekt verwertungserlös erlöse
Sicherheiten-
vereinbarung

VE 3
Gläubiger 3
3

Verwertung
Sicherheitenwert

Sicherheiten-
vereinbarung

VE 2 Gläubiger 2
2
Sicherheiten-
vereinbarung

VE 1 Gläubiger 1
1

Objektsicht

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Grundlagen LGD
1. erwartete (Objekt)Verwertungserlöse und Blankoteil

Segmentierung Objekt Verwertungsquote

prognostizierter
(VE = VQ*VKW)
Verwertungserlös

Sicherheitenverrechnung

Forderung 1 Forderung 2

Blanko 1 (Blankoi = Forderungi – VEi) Blanko 2

VE = Verwertungserlös, VQ =Verwertungsquote, VKW =Verkehrswert des Sicherungsobjekts

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Grundlagen LGD
2. erwartete sonstige Erlöse/Schätzung Verlustquote bei Verwertung

Einbringungsquote Segmentierung

Kunde

Blanko 1 (EEi = Blankoi * EQi) Blanko 2

prognostizierter prognostizierter
Einbringungsserlös Einbringungsserlös

LGD-Verwertung1 LGD-Verwertung2

LGD-Verwertung i = 1 −
(VEi + EEi ) + GKQ
Forderung i

VE = Verwertungserlös, EE = Einbringungserlös, EQ= Einbringungsquote, GKQ =Gemeinkostenquote

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Grundlagen LGD
Die Gesundungswahrscheinlichkeit

Gesundungswahrscheinlichkeit (PG):
Wahrscheinlichkeit, dass ein ausgefallener Kunde
(ohne C-Ausfall) wieder gesundet

14 15 16 17 18

Lebendes Geschäft A/B-Ausfall C-Ausfall

LGD = PG * LGD G + (1-PG) * LGD V


„geringe Kosten“ „hohe Kosten“

Verwertungserlöse Mittels Einbringungsquote


aus Sicherheitenverrechnung berechnet
VE + EE
LGDV = 1 − + GKV
EAD
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Agenda

1 Grundlagen LGD

2 Grundlagen CCF

3 Herkunft der Parameter und Anwendungsbereich der Modelle

4 Aktuelle Herausforderungen

5 Zusammenfassung

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Grundlagen CCF

aufsichtsrechtliche Definition

135 SolvV Absatz 1:

Der selbstgeschätzte IRBA-Konversionsfaktor für IRBA-Positionen (…) ist als Verhältnis


der Schätzung desjenigen gegenwärtig nicht in Anspruch genommenen Betrags aus einer
Zusage, der zum Zeitpunkt eines möglichen Ausfalls der Gegenpartei in Anspruch
genommen und noch ausstehend sein wird, zum gegenwärtig insgesamt nicht in Anspruch
genommenen Betrag aus dieser Zusage zu bestimmen.

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Grundlagen CCF

Berechnung (vereinfachte Darstellung)

freie Linie zusätzliche


Inanspruch-
nahme (IA)

zusätzliche IA
CCF =
freie Linie

Inanspruch-
nahme

Betrachtungszeitpunkt Ausfallzeitpunkt

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Grundlagen CCF

Berechnungsbeispiel

Basel II Ausfallereignis am 08.03.2008:

Kontosaldo: - 5.500,00 €
Kontolimit: 6.500,00 €

Kontodaten ein Jahr davor am 08.03.2007:


Kontosaldo: - 3.500,00 €
Kontolimit: 6.500,00 €
freie Linie: 3.000,00 €

CCF: Inanspruchnahme der freien Linie am 08.03.2007 zum Ausfallzeitpunkt am


08.03.2008

(zusätzlich) Inanspruchnahme der freien Linie von 3.000 € mit 2000 €

2000
CCF = = 0,666 = 66,6%
3000

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Agenda

1 Grundlagen LGD

2 Grundlagen CCF

3 Herkunft der Parameter und Anwendungsbereich der Modelle

4 Aktuelle Herausforderungen

5 Zusammenfassung

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Anwendungsbereich der Modelle

Bedeutung und Anwendung

Der Verlust im Verzugsfall (LGD) ist neben der Ausfallwahrscheinlichkeit (PD) einer der
wesentlichen Kreditrisikoparameter und findet unter anderem Verwendung bei der
Bestimmung des erwarteten Verlustes (EL):

EL = PD x LGD x EAD
[ Erwarteter Verlust = Ausfallwahrscheinlichkeit x Verlust im Verzugsfall x Exposure im Verzugsfall ]

Der LGD wird in der Banksteuerung benötigt:


für die stringente Ableitung von Standardrisikokosten
für das Kreditpricing und
für die Berechnung des ökonomischen und aufsichtsrechtlichen Risikokapitals

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Anwendungsbereich der Modelle

Anwendungsbereich in der internen Steuerung und dem externen Meldewesen

Portfolio Pricing PoWB CVaR Meldewesen


- Differenzierung - Erlösquoten ohne - Erlösquoten ohne - Vollständige
der Erlösquoten Segmentierung Segmentierung Umsetzung der
weitgehend nach (Einheitsquote (Einheitsquote Schätzverfahren
Modellvorgaben 65%) 65%) mit maximaler
Segmentierungs-
Retail - keine Umsetzung
der Einbringungs-
- grobe Umsetzung
der Einbringungs-
- grobe der
Einbringungsquote
tiefe
quoten-Modelle quoten-Modelle nsegmentierung
nach Art des nach Art des
Kreditnehmers Kreditnehmers

- teilweise - Erlösquoten ohne - Erlösquoten ohne - keine Verwendung


Umsetzung der Segmentierung Segmentierung im externen
Schätzverfahren (Einheitsquote (Einheitsquote Meldewesen
(z.B. für 65%) 65%) (Basis IRB)
Immobilienfinan-
Non Retail zierungen)
- grobe Umsetzung
der Einbringungs-
- grobe Umsetzung
der Einbringungs-
quoten-Modelle quoten-Modelle
nach Art des nach Art des
Kreditnehmers Kreditnehmers

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Anwendungsbereich der Modelle

Anwendung in Abhängigkeit vom Berechnungsansatz und Portfolio

Kreditrisiko IRB IRB


Standardansatz Foundation Approach Advanced Approach

• Risikogewichte werden • Risikogewichte werden • Risikogewichte werden


Non-Retail-

definiert auf Basis definiert auf Basis definiert auf Basis


Portfolio

externer Ratings interner Ratings interner Ratings sowie


• CRM analog eigener Schätzungen
• Behandlung der Standardansatz von LGD und CCF
Sicherheiten und
Garantien wird von der
Aufsicht bestimmt • Risikogewichte werden definiert auf Basis interner
Retail-Portfolio

Ratings sowie eigener Schätzungen von LGD und


CCF

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Anwendungsbereich der Modelle

Aufteilung des Portfolios

NonRetail:
Umfasst die Forderungsklassen Zentralregierungen, Institute und Unternehmen
Retail:
Umfasst natürliche Personen sowie kleine und mittlere Unternehmen
Zuordnungsmöglichkeit
Zuordnung kann vereinfacht über das für den Kunden zu verwendende Ratingverfahren
erfolgen
Hinweise im Intranet:
- Regelungen - Regelwerk - Prozesse und Richtlinien - Kreditgeschäft -
Risikoklassifizierung - Womit rate ich wen oder was
- Regelungen - Regelwerk - Hilfsmittel - Verlustdatensammung

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Herkunft der Parameter

Externe Dienstleister und In-House-Entwicklung

NonRetail: Retail:* Kreditkarten im


Datensammlung erfolgt Datensammlung erfolgt Drittkundengeschäft
für alle ausgefallenen weitestgehend Datensammlung erfolgt
Kunden zentral in LBB- automatisiert im OSPlus- im DWH des
RB 41 (LCS- Modul „VDS“ Direktbankservice und
Anwendung) Datenpooling, Analysen durch beauftragte
Datenpooling, Analysen und Modellierung erfolgt Inkassodienste
und Modellierung erfolgt für alles Sparkassen und Analysen und
für alle Landesbanken Landesbanken durch die Modellieren werden
durch die RSU in S Rating vollständig durch LBB-
München RC 23 durchgeführt

*(exklusive Kreditkarten im Drittkundengeschäft)

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Agenda

1 Grundlagen LGD

2 Grundlagen CCF

3 Herkunft der Parameter und Anwendungsbereich der Modelle

4 Aktuelle Herausforderungen

5 Zusammenfassung

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Aktuelle Herausforderungen

Verfügbarkeit und Qualität der Verlustdaten

Die richtige Bestimmung des erwarteten Verlustes (EL) setzt eine belastbare
und korrekte Historie der Risikoparameter voraus
Bei Verwendung einer Poollösung (z.B. Retail- oder NonRetail LGD) ist die
Repräsentativität der Poolparameter für die LBB nachzuweisen
Aktuell:
- ist die Menge der eigenen Datensätze für die NonRetail-LGDs in weiten Teilen noch
unzureichend
- werden zahlreiche Datensätze auf Grund von unvollständigen oder unplausiblen
Angaben nicht in der Modellierung verwendet
- liegen auch im Retailbereich – z.B. bei Immobiliensicherheiten – wenige
Beobachtungen vor und
- ist die Repräsentativität der Poolparameter für die LBB zum Teil nicht oder nur
eingeschränkt prüfbar

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Aktuelle Herausforderungen

Folgen

Im Rahmen einer in 2012 Bundesbank-Prüfung zur Angemessenheit der


internen Risikosteuerung wird der fehlende Repräsentativitätsnachweis für
NonRetail LGDs moniert und eingefordert
Zu den aktuell in Implementierung befindlichen Retail-Modellen wurden
ebenfalls avisiert, das bestehende Abweichungen der Institutsdaten vom Pool
zu beheben sind
Einsatz von institutseigenen Parametern führt in vielen Fällen zu einer
Schlechterstellung und damit zu:
- höheren PoWB
- höherem Eigenkapitalbedarf
- höheren Kreditpreisen im Vertrieb

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Aktuelle Herausforderungen

Beispiele

Retail LGD-Validierung 2012:


- Wohnimmobilien mit einer Wohneinheit: Anzahl LBB 5, Verwertungsquote LBB 37% vs.
57% Pool
- Einbringungsquote (besichert, 1 Konto): Anzahl LBB 128, Quote LBB 4% vs. 14% Pool
NonRetail LGD-Validierung 2012:
- nationale Immobilien: Anzahl LBB + BerlinHyp 74
- Internationale Immobilen Anzahl LBB + BerlinHyp 6
- Banken: Anzahl LBB + BerlinHyp 8
- CCF: kein Datensatz

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Agenda

1 Grundlagen LGD

2 Grundlagen CCF

3 Herkunft der Parameter und Anwendungsbereich der Modelle

4 Aktuelle Herausforderungen

5 Zusammenfassung

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Zusammenfassung

LGD und CCF sind wesentliche Kreditrisikoparameter und findet unter


anderem Verwendung bei der Bestimmung des erwarteten Verlustes (EL)
Die Anwendung der Parameter ist aufsichtsrechtlich und ökonomisch getrieben
Schätzung der Verlustquoten erfolgt unter Verwendung der „Objektsicht“ in
einem mehrstufigen Verfahren
Voraussetzung ist eine vollständige und qualitativ hochwertige Sammlung von
ex post Verlustdaten
Verfügbare Datenbasis zum Teil noch unzureichend
Datenqualität und Vollständigkeit in verschiedenen Segmenten
optimierungsbedürftig

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LGD und CCF

Statistische Wahrscheinlichkeit und Restrisiko

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Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

Marko Natho
LBB-RC 23

Telefon: 030/245 565 06


E-Mail: marko.natho@lbb.de

Teile der Darstellungen aus Materialien der S Rating und Risikosysteme GmbH

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