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DAS THEMA

Integration
Eine neue Stelle soll dazu beitragen,
dass sich Portugiesen in Zermatt
besser einbringen. Seite,. / 5

NATERS I BLATTEN
Tourismuspaket
Naters will 23 Millionen Franken in
den Tourismus investieren. Seite 6

REGION

Ritalin-Debatte
Nationalrätin fordert die Einschrän-
kung der Ritalinabgabe. Fachper-
sonen nehmen Stellung. Seite 11

VISP I ZERMATT

Polizei-Prozess
Sind zwei Polizisten mitschuldig

Gottlieb Guntern schreibt und singt


Walliser Balladen. Seite 22/23

BELLWALD

Downhill-Finale
Der letzte Tourstopp des IXS-

Kontroverse ums Kreuz


Downhill-(ups steht an. In Bellwald
wird es spannend. Seite 33

FUSSBALL

Region Soll das Kreuz aus den Schulzimmern entfernt werden? Diese Frage bewegt Brig muss punkten
die Gemüter. Der Freidenker und OS-Lehrer Valentin Abgottspon weigert sich in- Im Derby gegen Visp stehen die
Holosnaj-Boys mit dem Rücken zur
dessen standhaft, das Kreuz in seinem Schulzimmer wieder anzubringen. Seite 9 Wand. Seite 35

Ein M besser.
DER RZ·STANDPUNKT German EscherChefredaktor

Begleiter im Alltag, der den Menschen von Kirche und Staat argumentiert, hat Laut kantonalem Gesetz sind die
auch zu besinnlichen Minuten mahnt. als Kreuz-Gegner durchaus gute Chancen. Lehrer angehalten, die Kinder in christli-
Aber letztlich hängt die Bedeutung dieser Dass diese Trennung im einst streng kon- chem Sinne auszubilden. Man mag das
Kreuze von der Einstellung des Betrach- servativen Wallis heute zu wenig strikte aus heutiger Sicht als veraltet halten oder
angewandt wird, ist ebenfalls zutreffend. als Widerspruch zum bereits erwähnten
KREUZ-STREIT ters ab.
Nun ist im Oberwallis eine erneu- So gehört das Wallis zu jenen Kantonen, Grundsatz der Trennung von Kirche und
Symbole haben in den verschie- te Kreuz-Debatte (siehe auch S. 11) im die keine Kirchensteuer kennen. Sie sind Staat sehen. Aber ebenso deutlich ist zu
denen Religionen eine grosse Bedeu- .Gang: Sollen die Kreuze aus dem Klas- Teil der Gemeindesteuer. Wer keine Kir- sagen, dass niemand von den Lehrern
tung. Sie sind Ausdruck der Verbun- · senzimmer verbannt werden? Gar keine chensteuer entrichten möchte, muss dies verlangt, nach mittelalterlicher Manier
denheit, sind Glaubensbekenntnis oder __ Freude am Kreuz hat ein Lehrer in Stal- der Wohngemeinde melden und erhält als Kreuzritter gegen AndersgläuBige in
geben dem Menschen - ähnlich wie die . den. Als sogenannter Freidenker will er einen Abzug. Aber Hand aufs Herz: Sind den «Krieg» zu ziehen. Wer den christli-
verschiedenen Rituale - einen Halt. den Sinn des Kreuzes in seiner Schulstu- wir der Kanzleimitarbeiterin der Gemeinde chen Glauben neuzeitlich interpretiert, für
Das Symbol der Christen ist das be nicht erkennen. Er beruft sich unter Rechenschaft schuldig; ob und wo wir zur den ist das Kreuz auch ein Symbol für
Kreuz.. Es ist nicht nur in Kirchen, hei- anderem auf die weltliche Rechtsspre- Kirche gehen? Wer ernsthaft für die Tren- Toleranz. Und so gesehen hat das Kreuz
mischen Stuben, entlang von Wander- chung, wonach Kreuze gar gegen die Re- nung von Kirche und Staat plädiert, der durchaus Platz in unserer Schule. Ob man
wegen, auf Berggipfeln zu sehen. Für ligionsfreiheit verstossen. Wer strikt nach hat wichtigere Betätigungsfelder als un- hinschaut oder nicht ist schliesslich jedem
viele ist das Kreuz ein willkommener dem geltenden Grundsatz der Trennung sere Schulstuben. freigestellt - Lehrern wie Schülem.
Der Streit um das Kreuz suchen. Wie kann ein Lehrer hier-
Stalden Freidenker Valentin
zulande einen jüdischen oder mus-
Abg()ttspon gibt sich im Iimischen Schüler im christlichen
Kreuz-Streit unnachgiebig: Glauben unterrichten? Das darf in
Jetzt fordern die Staldner der heutigen Zeit doch gar nicht
Schulbehörden unmissver- sein. Überdies spricht die Bundes-
ständlich, das Kreuz wie- verfassung und der Europäische Ge-
richtshof für ,Menschenrechte dies-
der aufzuhängen.
bezüglich dieselbe Sprache. »

Der Streit um das Kreuz im Schul- ((Zeichen von IntoleranZ»)


zimmer wirft hohe Wellen: Nachdem Ungeachtet des gesetzlichen Wider-
Valentin Abgottspon, OS-Lehrer in spruchs wehrt sich Paul Martone,
Stalden und Präsident Sektion Wallis Mediensprecher der katholischen
der Freidenker Vereinigung Schweiz, Kirche im Oberwallis, gegen das Ent-
gegenüber dem Schulzen trum Stal- fernen der Kreuze aus .d en Schulzim-
den gefordert hatte, alle Kreuze aus mern. «Es darf auch nicht Aufgabe
den Schulzimmern zu entfernen, rea- Valentin Abgottspon will das Kreuz aus dem Schulzimmer verbannen: «Es ist nicht der Schule sein, sich gegen eine Re-
giert nun die Schulbehörde. In einem Aufgabe der Schule, sich für eine Konfession stark zu machen.)) ligion auszusprechen. Zudem ist es
Schreiben fordert sie Abgottspon für mich mehr als bedenklich, mit
auf, das Kreuz in seinem K1assenzim- behörde vorstellig geworden war Schüler auf die Aufgaben als Mensch weIcher Verbissenheit sich Valen-
mer an der OS Stalden unverzüglich und verlangt hatte, sämtliche Kreuze und Christ vorzubereiten. «Wir leben tin Abgottspon dafür einsetzt, das
wieder anzubringen. aus allen Schulräumen zu entfernen, in einer christlichen Kultur und Tra- Kreuz aus dem Schulzimmer zu ent-
in denen er tätig sei. Der Staldner dition und da gehört das Kreuz da- fernen . Das ist für mich ein Zeichen
Christliche Kultur und Tradition Gemeindepräsident und CVPO-Po- zw., sagt Furrer unmissverständlich. von grosser Intoleranz. » Martone
«Ich habe das Kreuz aus meinem Iitiker Egon Furrer hatte daraufhin geht noch einen Schritt weiter: «Das
Klassenzimmer bereits vor andert- diese Forderung aufgegriffen und ((Religion Ist Prlvalsache)) Kreuz gehört wesentlich zu unserer
halb Jahren entfernt. Dass nun dar- in der Fragestunde des Grossen Ra- Demgegenüber stellt Abgottspon die Kultur und Tradition hinzu. Wenn
aus ein Riesen-Tamtam entstanden tes auf diese Problematik hingewie- Rechtsgültigkeit des Artikels in Fra- man es aus den öffentlichen Räumen
ist, kann ich nicht nachvollziehen», sen. Furrer berief sich dabei auf das ge. «Es ist nicht Aufgabe der Schu- entfernt, reisst man das Herz des
sagt Abgottspon gegenüber der RZ. kantonale Gesetz über das Unter- le, sich für eine Konfession stark Wallis aus dem Leib der Bevölkerung
Der Fall wurde publik, nachdem er richtswesen, wonach Lehrpersonen zu machen. Religion ist Privatsache heraus. » Wie es im Kreuz-Streit nun
im August bei der kantonalen Schul- die Pflicht hätten, Schülerinnen und und hat in der Schule nicht viel zu weitergeht, ist offen. Während Ge-
meindepräsident Egon Furrer «dafür
sorgen will, dass das Kreuz hängen
bleibt», gibt sich Abgottspon unbe-

GEHÖRT DAS KREUZ INS SCHULZIMMER?


.r-
irrt: «Ich unterrichte gerne und will
keine Polemik entfachen. Aber die
Grundrechte sind mir extrem wich-
tig. Deshalb frage ich mich: Braucht
es ein Kreuz, damit der Unterricht
gut funktioniert? · Das bezweifle ich
stark.»
Walter Bellwald

Auf jeden Fall. Wir leben in einem ka- Die Kreuze in den Klassenzimmern soll- Ja, es muss dort stehen . Das Kreuz ist
'tholischen Landstrich .und das Kreuz ten hängen bleiben. Wir leben schliess- ein christliches Symbol, welches in
gehört zu unserer Tradition. Wenn das lieh in einem katholischen Kanton-und der ganzen Schweiz akzeptiert wird.
jemandem nicht passt, soll er wegzie- auch in der Schweiz gibt es viele Katho- Die Religion ist wichtig und ein Halt
hen. Das Kreuz gehört ins Schulzim- liken. Darum gehört das Kreuz als reli- für alle. -. -
mer. giöses Zeichen in jedes Schulzimmer.
Ruth Blatter (so), Vlsp Heldl Amold (68), Vlsp Farlda iara (s7). Wabern
Schützt der Glaube vor Suizid?
Region Eine neue Studie
zeigt, dass erwachsene
Menschen ohne Glau-
ben häufiger Selbstmord
begehen. Demnach finden
besonders Katholiken
Halt im Wort Gottes.
Die Zugehörigkeit zu einer Religion
schützt laut der Studie vor Selbst-
mord. Selbsttötungen kommen dem-
nach bei konfessionslosen Schwei-
zern häufiger vor als bei Protestanten
und Katholiken (siehe Kasten).
Soziologische Umfragen seien immer
mi t Vorsic ht zu genies sen, sagt Da-
mian Pfammatter, Diakon d e r Pfarrei
Vis p. «Gene rell würde ich nicht sa-
ge n, d ass Katholiken weniger Suizide Die katholische Pfarrkirche von Brig: Viele Menschen finden im Glauben an Gott Halt, Hoffnung und Zuversicht.
begeh en als andere. » Denn es gebe
Kath oliken «auf dem Papien>, und de r Glaube an Gott die Kraft ist, die se von der St udie Kenntnis genom- fon nichts über die Zugehörigkeit
solche, die ihr Katholischsein im All- dem Leben inneren Halt, Hoffnung men, wonach Mens chen , die einer zu einer Religion oder die Halt ung in
tag praktizierten. Für diese glaube und Zuversicht schenkt. «Der Glau- Kirche a ngehörten, weniger Suizid Glaubensfragen der Hilfe suchenden
er scho n , dass sie weniger zu Suizid be sucht nach Wegen , die zum Le- begingen, sagt Susanne Berger, Ge- Menschen.
neigten . «Es gibt aber Menschen, die ben führen und nicht in den Tod.» schäftsführerin des Schweizerischen Der Soziologe Emile Durkheim hatte
so schwer an Depressionen leiden, Wer Gott wirklich vertraue, der finde Verbandes «Die Dargebotene Hand». bereits 1897 Suizid und seine sozi..
dass ihnen das Leben unerträglich immer eine Lösung fürs Leben. Einen Zusammenhang zwischen Re- alen Zusammenhänge analys iert. on
wird . Dafür muss man Verständnis ligionszugehörigkeit und Glauben ihm stammt die Unte rs cheidung ~i­
babe n», findet Pfammatter. Die häu- «Wichtige soziale Kraft» herzustellen, sei schwierig: nicht sehen dem egoistischen, dem altruis-
figste Ursache für einen Suizid be- «Die Religion ist eine wichtige sozia- alle, die eine r Kirche angehörten, tischen (etwa Kamikaze-Pilot en) und
ziehungsweise einen Suizidversuch le Kraft», fol gert auch Matthias Eg- seien gläubig und nicht alle, die kei- anomischen Suizid: Der Rüc kgang
wi rd heute in psychischen Erkran- ger, de r Verfasser der Studie. Einen ne r Kirche angehörten, ungläubig, von religiösen Werten fü hrt nach
kunge n gesehen. Je nach Schätzung wichtigen Grund sieht er d a rin, dass is t Berger überzeugt. Weil die Anru- Durkheim zu Störungen und zur Ver-
werden 90 Prozent aller Suizide dar- der katholische Glaube sowohl die fenden bei der Dargebotenen Hand ringerung der sozialen Ordnung. Aui-
auf zurückgeführt. Diakon Pfammat- Selbsttötung wie auch die Suizidbei- (143) anonym bleiben, erfahren die grund von Gesetz- und Regell osigk .
ter glaubt aber grundsätzlich, dass hilfe verurteile. Sie habe mit Interes- freiwillig Mitarbeitenden am Tele- sei dann die gesellschaftliche Inte-
gration nicht länger gewährleist
STUDI E ZU SUIZID UND GLAUBE: Singles sind gefäh rdeter als Verheiratete Dieser Zustand müsse zur Unzufrie-
denheit führen, ja sogar zur Selbst-
AUSWIRKUNG DES GLAUBENS IST BEI ÄLTEREN MENSCHEN GRÖSSER tötung. Der deutsche Philosoph Fritz
Mauthner (1849 - 1923) verglic h den
Die Studie der Fo rscher um Matthias Altersgruppen verteilt fest. Aber b ~ i
Suizidenten mit einer an der Ufermau-
Egger vom Institut für Sozial- und Prä- älteren Menschen war die Auswirkullg
ventivmedizin de r Un i Bern basiert des Glaubens grösse r. Auch zwischen er stehenden Katze, die, weil sie \"on
auf der Schweizer Vol kszählu ng im den Geschlechtern gab es Unter- heissen Eisenstangen umzingelt ist.
Jahr 2000 . Daten von mehr als drei schiede: Der schützende Effekt der ins für sie tödliche Wasser springt.
Millionen Menschen im Alter vo n 35 Religion scheint bei Frauen grösser zu Wie die Katze, die sonst schwe re Ver-
bis 94 Jahren wurden erfasst und ver- sei n. Die Studie zeigt a uch, dass die brennungen erleiden würde, töt e ein
knüpft mit den Sterbedaten bis Ende Suizidrate bei Verheirateten nur rund Mensch sich also nur dann, wenn er
2005 . Demnac h wa r das Suizid risiko halb so gross ist wie bei Singles, Wit- das Weiterleben als unerwünscb B
bei Menschen ohne Religionszugehö- wern oder Geschiedenen. Unter-
einschätze als den Tod. Dann eßt
rigkeit deutlich erhöht. Auf 100 000 . schiede'zwischen Bildungsniveaus
könnten bewusste Motive stärker
Einwohner registrierte man 39 Selbst- fand die Studie keine. 2 009 gab es im
werden als der Instinkt zur Selbster-
tötungen, bei den Protestanten 29 Kanton Wallis insgesamt 41 Suizide,
und bei den Katholiken 20. Diese Ten- 2008 schieden 55 Menschen freiwillig haltung, so Mauthner.
denz stellten die Verfasser über- alle aus dem Leben . zum
_ _ _ _ _ _ _ _ Daniel Zumo