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ENDBERICHT

über meinen 12-monatigen Sozialdienst


an der “Casa Hogar Estudiantil ASOL”
zur Vorlage beim Bundesministerium für Inneres
von Reinhard Schmidbauer

Einsatzstelle Casa Hogar Estudiantil ASOL


10a Calle 2 – 25, Santa Rosita, Zona 16
01016, Ciudad de Guatemala
GUATEMALA
Tel.:+502 22559450
www.casaasol.net
Trägerorganisation: Österreichischer Auslandsdienst
A-6020 Innsbruck, Hutterweg 6
Tel/Fax: +43 512 291 087
Mobil: +43 664 100 83 61
www.auslandsdienst.at
Auslandsdiener: Reinhard Schmidbauer
Zivildienstbescheidnummer: 279886
Zivildienstbescheid vom: 09.07.2005
Geburtsdatum: 07.07.1985
Kontaktadresse am Reinhard Schmidbauer
Einsatzort: 10a Calle 2 – 25, Santa Rosita, Zona 16
01016 Guatemala-Stadt
Tel.: +502 2255 9450
E-Mail: schmidbauer@auslandsdienst.at
Dienstantritt: 01.02.2009
Dienstende: 31.01.2010
Berichtzeitraum: 01.02.2009 - 31.01.2010
Urlaubstage im 20 (zwanzig) Tage:
Berichtszeitraum: 04.05. 2009; 21.-23.09. 2009; 03.12.-24.12. 2009
Arbeitszeit: 40 Stunden pro Woche
Seitenanzahl: Deckblatt + 25 Seiten

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I NHALTSVERZEICHNIS

1. Die Casa Hogar Estudiantil ASOL ......................................................................................... 3

1.1. Gründung und Ziele ..................................................................................................... 3

1.2. Die CHEA heute............................................................................................................ 4

1.3. SchülerInnen ................................................................................................................ 5

1.4. Finanzierung des Projekts ............................................................................................ 7

2. Haupteinsatzgebiete ............................................................................................................ 8

2.1. Einschulung .................................................................................................................. 8

2.2. Arbeitsaufgaben während der Woche ........................................................................ 9

2.3. Arbeitsaufgaben an Wochenenden und Freizeitgestaltung...................................... 11

2.4. Weitere Aktivitäten ................................................................................................... 14

Kontakt mit den Eltern und Lehrern der Kinder ................................................................ 14

Arbeit mit der lokalen Bevölkerung................................................................................... 14

Instandhaltungsaufgaben .................................................................................................. 16

3. Weiterer Ausblick und Zukunft der CHEA ......................................................................... 17

4. Reflexion meines Sozialdienstes........................................................................................ 17

5. Tabellarische Auflistung..................................................................................................... 19

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1. D IE C ASA H OGAR E STUDIANTIL ASOL

1.1. G RÜNDUNG UND Z IELE

Die Casa Hogar Estudiantil ASOL (im Folgenden kurz „CHEA“ genannt) wurde 1989
durch den österreichischen Entwicklungshelfer und Lehrer an der Österreichischen
Schule in Guatemala, Werner Römich, sowie durch Marco Antonio Roca
Montenegro, dem ehemaligen Direktor der Österreichischen Schule in Guatemala,
gemeinsam in Guatemala-Stadt gegründet.
In den Anfangsjahren wurde die CHEA in einem Haus in der Zona 1 mit einer
Kapazität von 7 Schülern betrieben. Im Jahr 1992 wurde dann, was als private
Initiative begonnen hat, als gemeinnütziger Verein angemeldet und erhielt
Rechtsgültigkeit. Im Jahr 1994 konnte man schließlich ein am Stadtrand gelegenes
Grundstück in der Zona 16 erwerben und den heruntergekommenen Stadtteil der
Zona 1 verlassen. Durch Spenden aus Österreich (vor allem der Länder Steiermark
und Oberösterreich) und Südtirol (der Gemeinde Klausen) konnte ein vierteiliger
Gebäudekomplex mit Innenhof gebaut werden, der zu Beginn von 14 SchülerInnen
und Marco Roca, der damals auch Direktor der CHEA war, bewohnt wurde.
Seit jener Zeit etwickelte sich das Projekt stetig weiter. So wurde etwa 1997 das
Haus Wien und die Kapelle gebaut, 2000 der Innenhof des Hauses überdacht, 2007
ein Sportplatz errichtet und im heurigen Jahr 2010 der 1. Stock der Casa ausgebaut.
Auch personell gab es viele Entwicklungen. So arbeiten neben Freiwilligen aus
Österreich, seit dem Jahr 2001 jährlich je zwei österreichische Sozialdiener als
Betreuer an der Casa Hogar. 2005 wurde weiters Jorge Efraín Pérez Luna als
Direktor der Casa bestellt, welcher bis heute das Projekt leitet.
In ihrer über 20 jährigen Geschichte, hat die Organisation „ASOL“ viele schwierige
Zeiten durchgemacht, aber kann heute durch harte Arbeit, Liebe zum Projekt und zu
den Kindern auf eine Vielzahl an Absolventen zurückblicken, denen durch die
Unterstützung der CHEA eine Chance auf eine bessere Zukunft gegeben wurde.

Das Ziel dieser Einrichtung ist es, sozial und wirtschaftlich benachteiligten, aber
begabten und lernwilligen Kindern und Jugendlichen aus marginalisierten Regionen
des gesamten Landes, eine solide Schul- und Berufsausbildung in Schulen höheren
Niveaus der Hauptstadt zu ermöglichen. Das Projekt unterstützt diese jungen
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Menschen, indem es für Unterhalt und Schulkosten aufkommt, unter anderem eine
Zusatzausbildung in Englisch, Deutsch, Musik und Sport anbietet, sowie
pädagogische Begleitung, Lern- und Orientierungshilfe bereitstellt.
Im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung durch Bildung werden die Kinder ein
weiterführendes Studium an der Universität beginnen und als gut ausgebildete
Arbeitskräfte in den Arbeitsmarkt eintreten können (die meisten Guatemalteken
müssen arbeiten, um sich ihr Studium finanzieren zu können). Bei der gesamten
Ausbildung wird darauf geachtet, dass die Kinder ihre Fähigkeiten nutzen und das
erworbene Wissen auch weitervermitteln können, um nach ihrem Schul- bzw.
Studiumsabschluss den Familien in ihren Heimatdörfern zu helfen und als aktive
Mitglieder ihrer Gemeinde einen Beitrag zur Entwicklung des Landes leisten.

1.2. D IE CHEA HEUTE

Die Casa Hogar wird derzeit von 26 Kindern und Jugendlichen bewohnt, welche drei
verschiedene Schulen in Guatemala-Stadt besuchen. Neun der SchülerInnen
(Brithney, María Elena, Miguel, María Fernanda, María José, Kimberly G., Santos,
Sayda und Emilio) besuchen das Colegio Viena, ein an das Instituto Austriaco
Guatemalteco, der Österreichischen Schule in Guatemala, angeschlossenes
allgemeines Gymnasium, an dem sie ein Stipendium erhalten und welches mit
Matura (Bachiller en Ciencias y Letras) abschließt. Neun weitere Kinder der CHEA
(Kimbely L., Elmer, Anabela, Carlos, Wendy, Gladis, Ingrid, Evelyn und Gerardo)
besuchen das Liceo Centroamericano im Stadtteil Santa Rosita, ganz in der Nähe
der Casa. Da diese Schule nur eine Ausbildung bis zum 3° Basico anbietet, gehen
jene acht Kinder (Sonia, Ismael, Marvin, David, Glenda, Wilmer, Francisca und
Pablo), die die 3. Oberstufe des Liceo Centroamericano abgeschlossen haben, in
das Liceo Ciencias y Desarrollo in der Zona 1 – in der sie ebenfalls ein
Teilstipendium erhalten – um dort ihre Matura in Elektrotechnik und Buchhaltung zu
machen, oder eine Lehrerausbildung absolvieren.
Das Projekt wird seit mittlerweile sechs Jahren vom Guatemalteken Prof. Jorge
Efraín Pérez Luna, einem Lehrer am Colegio Viena der mit seiner Familie ebenfalls
in der Casa Hogar wohnt, geleitet. Daneben gibt es einen Vorstand, bestehend aus
María Elena Cabrera (Präsidentin), Roxana de Mendoza (Vizepräsidentin), Luis

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Alexander Cortez (Kassier), Lester David Mejía (Sekretär), Marco Antonio Roca
Montenegro (Beirat), Werner Römich (Beirat), Günter Pilz (Beirat), Emilia Poroj
(Ausschussmitglied), Dennis Bravo (Ausschussmitglied), Noé Alvarado
(Ausschussmitglied) und Martha Alícia Rosales Galindo (Ausschussmitglied). Die
Mitglieder des Vorstands werden alle 2 Jahre von der Generalversammlung neu
bestellt. Ihm obliegt die Kontrollfunktion und ist für die finanziellen Belange der
Organisation zuständig.
Derzeit sind der Sozialdiener Lukas Erber (September 2009 bis September 2010),
die Volontärin Bettina Leitner (September 2009 bis März 2010) und ich (Februar
2009 bis Jänner 2010) als Betreuer an der Casa Hogar beschäftigt. Während meiner
Dienstzeit haben weiters noch Viktor Rosner (September 2008 bis September 2009)
als Sozialdiener, sowie Luis Cortez, Ricky Estrada und Lester Mejia als Volontäre am
Projekt mitgearbeitet.
Mit den Instandhaltungsaufgaben und dem Ausbau des 1. Stocks des Wohnhauses
wurde Francisco „Don Paco“ Pérez , Freund der Casa und unmittelbarer Nachbar,
mit seiner Firma „Paco Construcciónes“ betraut. Außerdem ist seine Frau, Claudia
Isabel Álvarez, als Köchin in der CHEA teilzeitbeschäftigt.
Als besonders aktive Unterstützer der Casa sind noch David Stachelberger (Lehrer
an der Österreichischen Schule) und seine Frau Katharina Posch zu erwähnen, die
sich stets um das Wohl der Kinder bemühen und die Durchführung diverser Projekte
ermöglich haben.

1.3. S CHÜLER I NNEN

Die Casa Hogar Estudiantil ASOL beherbergt und unterstützt derzeit 26 Kinder aus
marginalisierten Regionen des gesamten Landes. Aufteigend nach dem Alter sind
dies: Brithney Cecilia Argueta Estrada (6 Jahre, aus Santa Rosa), Kimberly Liseth
Martínez Lajuj (8, Baja Verapaz), Anabela Martínez Díaz (9, Zacapa), Elmer Augusto
Salanic Gil (9, Sacatepéquez), Carlos Rodolfo Espinoza Piedrasanta (12, Escuintla),
María Elena Gómez Rodríguez (12, Escuintla), Miguel de Jesús Pérez Álvarez (13,
Guatemala), María Fernanda Flores Rosales (14, Guatemala), María José Morales
Salazar (14, Izabal), Kimberly Gómez Grijaba (14, Escuintla), Ingrid Arelí Escalante
Carranza (14, Zacapa), Wendy Celeste García Leiva (14, Izabal), Evelyn Eugenia

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Esquivel Ávila (14, Izabal), Sayda del Carmen Ramírez Xol (15, Izabal), Sonia
Yessenia Lemus Caal (15, Izabal), Gerardo Díaz Martínez (15, Sololá), Santos
Marino Chanchavac Argueta (15, El Quiché), Gladis Magaly Miranda Baten (15,
Quetzaltenango), Marvin Eduardo Acabal Real (16, El Quiché), Víctor Ismael Acabal
Pú (16, El Quiché), David Ismael Baten Pérez (16, Totonicapán), Wilmer de Jesús
Díaz Pérez (16, Guatemala), Emilio Juárez Juárez (17, El Quiché), Glenda Catarina
Quiej Chay (17, Quetzaltenango), Francisca Yac Chay (18, Quetzaltenango) und
Pablo Agustín Quinilla Grave (19, El Quiché).
Da es Frauen wesentlich schwerer in der guatemaltekischen Gesellschaft haben,
wird versucht den Anteil der Mädchen in der Casa Hogar (aktuell 15 Mädchen und 11
Burschen) ganz bewusst höher zu halten.

Am Anfang des vergangenen Schuljahres sind die beiden Mädchen Brithney und
Kimberly neu in die Casa gekommen. Nach einer einwöchigen Gewöhnungs- bzw.
Evaluationsphase, wurden sie dann fix als neue Schülerinnen aufgenommen. Beide
haben im Liceo Centroamericano begonnen. Brithney erhält jedoch nach Beendigung
der Vorschule im Liceo, mit Jahresbeginn, ein Stipendium am Colegio Viena und wird
fortan dort weiterstudieren.
Etwas später, im Februar 2009 ist Elmer zu uns gekommen. Der Sohn des Casa-
Gründers Marco A. Roca hat den damals Achtjährigen in einem Bus beim
Getränkeverkaufen gesehen und sodann Nachforschungen angestellt, woher dieser
stamme. Nach einem Gespräch mit den Eltern des Kindes, hat er den Bub in die
Casa gebracht. Ein sehr spezieller Fall, da er aus sehr armen Verhältnissen stammt
und sich Zeit seines jungen Lebens in der guatemaltekischen Realität selbst
durchschlagen musste. Dementsprechend war auch sein Verhalten zu Beginn
rebellisch und undiszipliniert. Andererseits gefiel ihm das im Vergleich
unbeschwerliche Leben in der Casa und so ist er nach einiger Zeit fester Bestandteil
der Gemeinschaft geworden, hat Lesen und Schreiben gelernt und hat sichtlich
Freude am Lernen.
Am Anfang meiner Dienstzeit war außerdem noch Chelsie Carías Schülerin der Casa
Hogar. Da ihre Mutter jedoch wieder an Krebs erkrankt ist und sie befürchtete nicht
mehr Lange leben zu werden, hat sie Chelsie aus der Casa geholt um sie bei sich zu
haben. Die Bemühungen des Direktors der CHEA die Eltern des Kindes davon zu

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überzeugen, wie wichtig eine gute Ausbildung in Guatemala ist, blieben leider
erfolglos.
Auch von zwei weiteren Mädchen haben wir uns dieses Jahr verabschieden müssen
– jedoch aus weit erfreulicherem Anlass. Astrid de Jesús Estrada (17 Jahre, aus
Santa Rosa) und Dora Jeanette Hernández González (18 Jahre, aus Escuintla)
haben mit Ende dieses Schuljahres erfolgreich das Liceo Técnico Integrado
abgeschlossen und in Informatik (bachiller en computación) maturiert. Astrid strebt
nun eine weitere Ausbildung in Sportwissenschaften an der Universidad de San
Carlos, der staatlichen Universität Guatemalas an, wohingegen Dora das Studium
der Betriebswirtschaft an der Privatuniversität Francisco Marroquín aufnehmen wird.
Beide Mädchen arbeiten, um sich ihr Studium zu finanzieren.
Im neuen Schuljahr 2010 empfingen wir als Neuzugänge Anabela, Gerardo und
Carlos. Die drei haben sich sehr schnell an das Casaleben gewöhnt und fühlen sich
sehr wohl in ihrer neuen Umwelt. Die beiden Burschen beginnen dieses Schuljahr im
1° Basico (1. Oberstufe) und Anabela die vierte Klasse der Grundschule (4° Primaria)
des Liceo Centroamericano.

1.4. F INANZIERUNG DES P ROJEKTS

Die CHEA finanziert sich hauptsächlich durch Patenschaften. Fast jedes der Kinder
hat einen oder mehrere Paten aus Österreich, der Schweiz, Deutschland oder
Guatemala die ihnen, durch einen jährlichen Beitrag von rund € 1.000, den
Aufenthalt in der Casa Hogar und den Schulbesuch in der Hauptstadt ermöglichen.
Daneben stellen die Förderungen der österreichischen Organisation „Solidarität mit
Lateinamerika“ (SoL), ein langjähriger Partner und Unterstützer der CHEA, eine der
wichtigsten Finanzierungsquellen dar.
Weiters ergeben sich in unregelmäßigen Abständen Geld- und Sachspenden durch
private so wie öffentliche Förderer. Der Ausbau des ersten Stocks der Casa
beispielsweise wurde durch eine Förderung vom Land Steiermark ermöglicht. Der
Bau des neuen Sportplatzes wiederum wurde bei einem Besuch des ehemaligen
Staatssekräters für Sport, Reinhold Lopatka, im Jahr 2008 beschlossen und vom
Bundesministerium für Landesverteidigug und Sport finanziert. Hin und wieder
werden auch Essen, Kleidung, Spielzeug, Möbel oder Schulsachen gespendet.

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Nur ein sehr geringer Anteil des Budgets kann von der CHEA selbst lukriert werden.
Durch Einnahmen bei Flohmärkten (baratillas) im Stadtteil Santa Rosita, in denen
Sachspenden (Kleidung, Spielzeug, etc.) für die kein Bedarf besteht verkauft werden,
können kleinere Anschaffungen getätigt werden. Auch durch den Verkauf von
Obstsalaten und Palatschinken bei den Mañana Deportivas (das sind sportliche
Wettkämpfe, in denen sich verschiedene Schulen des Landes in diversen Disziplinen
messen) kann etwas Geld für dringend benötigte Reperaturen bzw. Anschaffungen
eingenommen werden. Neben den CHEA-Kindern, die an diesen Wettkämpfen
teilnehmen, ist die Casa jedes Jahr mit einem Verkaufsstand im Colegio Viena bzw.
im Instituto Austriaco Guatemalteco vertreten.

2. H AUPTEINSATZGEBIETE

 Überwachung der Einhaltung der Hausordnung (wie z.B. Studien-, Essens-


Putz- und Schlafenszeiten).
 Weckdienst und Frühstückszubereitung.
 Pädagogische Begleitung, alltägliche Umsorge und Erziehung der Kinder.
 Lernhilfe für alle SchülerInnen.
 Kontakt mit den Lehrern aufrecht erhalten, sowie ständige Kommunikation mit
den Eltern der Kinder.
 Freizeitgestaltung für und mit den Kindern, insbesondere an den
Wochenenden; Organisation von Sport- und Kulturveranstaltungen.

2.1. E INSCHULUNG

Bei meiner Ankunft in Guatemala-Stadt, am 31. Jänner 2009 wurde ich von Marco A.
Roca, einem der beiden Gründer der Casa Hogar, Luis Cortez (Ex-Schüler der CHEA
und freiwilliger Mitarbeiter), sowie von meinem Sozialdienst-Vorgänger und
Arbeitskollengen, Viktor Rosner (Oktober 2008 bis September 2009), am Flughafen
empfangen.
Ab dem ersten Tag wurde ich von den beiden Volontären Luis Cortez und Sonja
Schimek, als auch von Viktor Rosner in die Arbeitsabläufe an der Casa Hogar

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Estudiantil ASOL eingeführt. Durch das anfänglich gemeinsame Verrichten der
Arbeiten, wie zB. Weckdienst und Frühstückszubereitung, Abholung der Kinder von
den Schulen, Betreuung während der Studienzeit, etc. konnte ich bereits nach
wenigen Tagen alle wichtigen Tätigkeiten selbstständig durchführen und einen guten
Einblick in die Hausordnung der CHEA erlangen.
Auch die Kinder und Jugendlichen, die derzeit die Casa bewohnen, haben mich
überaus freundlich aufgenommen. Dadurch war es mir sehr rasch möglich, ihr
Vertrauen und ihren Respekt zu gewinnen, um sie bei ihren Lernaufgaben zu
unterstützen, sowie ihnen als Ratgeber zur Seite zu stehen.

2.2. A RBEITSAUFGABEN WÄHRE ND DER W OCHE

Der Arbeitsalltag eines Sozialdieners an der Casa ASOL gestaltet sich durchaus
abwechslungsreich, jedoch gibt es eine gewisse Routine, die es den Kindern und
Jugendlichen erleichtern soll sich zu organisieren und ihren täglichen Verpflichtungen
nachzukommen.
Die Aufgaben eines Sozialdieners hier an der CHEA umfassen das Zubereiten des
Frühstücks ab 4:30 Uhr und das Aufwecken der Kinder um 5:00 Uhr. Zudem ist
sicherzustellen, dass die SchülerInnen des Liceo Ciencias y Desarrollo, die alleine in
die Schule fahren, rechtzeitig die Casa verlassen. Außerdem sind die SchülerInnen
des Colegio Viena um 6:20 Uhr zum Bus und die SchülerInnen des Liceo
Centroamericano um 6:45 in die Schule zu bringen. Daneben ist vom Morgen an,
den ganzen Tag über dafür zu sorgen, dass genug Trinkwasser vorhanden ist,
welches aus Kostengründen aus purifiziertem Leitungswasser besteht. Dieser
„Frühdienst“ wurde von der Freiwilligen Bettina Leitner, sowie den Sozialdienern
Viktor Rosner (bis September 2009), Lukas Erber und mir abwechselnd verrichtet.
Die Zeit, während die Kinder in der Schule sind, also zwischen sieben und 13 Uhr ist
die ruhigere Zeit des Tages. Jedoch muss zumindest ein Auslandsdiener in der Casa
bleiben, um das Telefon zu beantworten, im Notfall ein krank gewordenes Kind von
der Schule abzuholen und um evtl. zu Hause gebliebene Kinder zu betreuen.
Außerdem ist bei der Zubereitung des Mittagessens zu helfen. Da die Köchen des
Hauses, Claudia Álvarez, derzeit schwanger ist, kann sie nicht mehr alle Aufgaben
selbständig durchführen und ist deshalb auf unsere Hilfe in der Küche angewiesen.

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Im Falle eines Krankenstandes der Köchin, ist das Mittagessen von uns Betreuern
auch eigenständig zuzubereiten.
Um 12:45 Uhr sind die SchülerInnen des Liceo Centroamericano abzuholen, sowie
um 13:00 Uhr die SchülerInnen des Colegio Viena, wenn Professor Efraín Perez, der
Direktor der CHEA und gleichzeitig Lehrer am Colegio Viena, keine Zeit hat diese zu
begleiten. Nach dem Eintreffen der SchülerInnen wird zu Mittag gegessen wobei bei
jeder Mahlzeit, neben einer gesunden und abwechslungsreichen Ernährung, darauf
zu achten ist, dass die Hygienevorschriften eingehalten werden und alle
SchülerInnen genug zu Essen bekommen. Vor allem neue Kinder, die oft aus sehr
armen Verhältnissen an die Casa kommen, sind häufig unternährt und weisen
Mangelerscheinungen auf. Aber auch bei den älteren SchülerInnen sind nach
größeren Ferien, wenn die Kinder wieder an die Casa kommen, Desnutrition und die
damit verbunden Mangelerscheinungen zu beobachten. Es ist deshalb besonders
darauf zu achten, dass alle Kinder genug Nahrung zu sich nehmen.
Nach dem Essen haben die Kinder etwas Zeit sich auszuruhen und zu spielen, bis
die SchülerInnen vom Colegio Viena eintreffen, die um 15:20 Uhr abzuholen sind. Ab
15:30 wird von den Kindern der Putzdienst verrichtet, wobei der Putzplan (d.h. die
Reinigungsarbeiten, die jedem Kind zuteil werden) wöchentlich variiert und dessen
Einhaltung von uns kontrolliert wird. Danach beginnt die Lernzeit der Kinder, in der
sie ihre Hausaufgaben erledigen und für anstehende Prüfungen lernen. Ich bin ihnen
hierbei meinen Fähigkeiten entsprechend behilflich und sorge während der
Studierzeit für eine angenehme Lernatmosphäre. Die Lernzeit wird um 17:00 Uhr
durch eine 30 minütige Pause unterbrochen, in der wir Obst an die Kinder verteilen.
Sofern keine größeren Prüfungen anstehen wird zwei bis dreimal die Woche Sport
betrieben oder musiziert, wobei alle Kinder in die Aktivitäten mit einzubeziehen sind.
Um 18:00 Uhr ist von uns das Abendessen zuzubereiten und um 18:30 zu servieren.
Nachdem alle Kinder gegessen haben, wird wieder gelernt. Während der Woche sind
ab 20:30 dann wieder Reinigungsarbeiten mit den Kindern zu verrichten, um sie um
21:00 Uhr ins Bett zu schicken.
Aufgrund der großen Nachfrage an Deutschunterricht und dem generell schlechten
Niveau in Englisch, wird einmal wöchentlich je ein 2-3 stündiger Deutsch- und
Englischkurs abgehalten. Daneben sollen die Kinder mittels einem „día de inglés“,
der üblicherweise jeden Freitag stattfindet und an dem nur Englisch gesprochen

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werden sollte, spielerisch mit der Fremdsprache vertraut gemacht werden und
alltägliche Redewendungen benutzen können.

A B B I L D U N G 1: Beim Lernen mit Jorge, Marvin, Pablo und Sayda.

2.3. A RBEITSAUFGABEN AN W OCHENENDEN UND F REIZEITGESTALTUNG

An den Wochenenden werden von uns eine Reihe von Aktivitäten organisiert, um
einen Ausgleich zum relativ anstrengenden Schulalltag zu schaffen. An den
Samstagvormittagen werden für gewöhnlich, mit den Kindern gemeinsam,
Instandhaltungsaufgaben an der Casa durchgeführt. Hier wurden zB. die
Regentrassen gesäubert, um sie für den Winter (die Regenzeit) fit zu machen, die
Zufahrtsstraße zur Casa verbessert, unser kleiner Garten bzw. der Rasen gepflegt
oder die Wassertanks gereinigt.
Nach dem Mittagessen, das an Wochenenden auch gemeinsam mit den Kindern
zubereitet wird, veranstalten wir je nach Wetter, Lust und Laune der Kinder
Filmnachmittage bzw. oder gehen ins Instituto Austriaco Guatemalteco, dass uns
freundlicherweise die Benutzung ihrer Sportplätze und Schwimmbecken erlaubt.

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Am Sonntag Morgen gehen viele der HeimbewohnerInnen in die katholische Messe.
Der Kirchenbesuch ist freiwillig, jedoch nutzen, bis auf zwei oder drei, die meisten
Kinder diese Möglichkeit und begleiten Martha Rosales de Pérez, die Frau des
Direktors, in die nahe gelegene Kirche im Stadtteil Santa Rosita. Während die Kinder
in der Messe sind bereiten wir das Frühstück zu, damit um ungefähr 8:15 Uhr
geggessen werden kann. Danach veranstalten wir meist Spielevormittage und gehen
am Nachmittag Fussball- oder Volleyballspielen, bevor wieder die letzten
Vorbereitungen für den nächsten Schultag zu erledigen sind. Bis Oktober 2009
waren außerdem jeden Sonntag Nachmittag die beiden Mädchen Sonia und Evelyn
zur Katechese, dem Firmuterricht, zu begleiten bzw. als Elternvertretung an den
Informationsabende teilzunehmen.
An besonderen Anlässen, wie etwa Geburtstagen, dem Valentinstag (día del cariño),
dem Tag des Kindes (día del niño) oder dem Dreikönigstag, dekorierten wir die Casa
und veranstalteten Aktivitäten mit den Kindern. Eine Piñata, gutes Essen und Kuchen
durften dabei natürlich nicht fehlen.

Zur sinnvollen Freizeitgestaltung haben wir gemeinsam mit den Kindern auch
besondere Aktivitäten wie eine Theatergruppe und Literaturabende ins Leben
gerufen. Die seit April regelmäßig, für gewöhnlich Sonntag abends stattfindenden
Theaterproben finden bei vielen Kindern reges Interesse. Seit der Gründung der
Theatergruppen, in der bis zu 15 Kinder teilnehmen, kann mit der Aufführung eines
Improvisationsstücks zur Unabhängigkeit Guatemalas und einem Stück zum Thema
„Die heiligen drei Könige des Morgenlandes“, stolz auf zwei abgeschlossene Projekte
zurückgeblickt werden. Auch die Literaturabende, obwohl erst in der Startphase,
stoßen bei den Kindern auf anklang. Seit Jänner stellen die Kinder jeweils zwei Mal
im Monat ihr Lieblingsbuch vor, dass anschließend in der Gruppe von 5-8
SchülerInnen diskutiert wird.
Weiters wurden im Frühjahr 2009 zwei Volleyballmannschaften (eine Burschen- und
eine Mädchenmannschaft) gegründet, die von Jorge Efraín Pérez trainiert werden.
Da er selbst früher professionell Volleyball gespielt hat und auch schon einige Teams
trainierte, konnte er den Spass und Ehrgeiz der Kinder für diesen Sport wecken. So
spielen die beiden Teams seit Mai in der guatemaltekischen Liga mit und haben sehr
erfolgreich ihr erstes Turnier im Oktober beendet. Die Mädchenmannschaft, die unter
dem Namen Austria ASOL teilnahm, hat sogar den hervorragenden 4. Platz

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gewonnen. Ab August erhielten einige der Kinder die Möglichkeit, einmal in der
Woche mit dem Trainer der guatemaltekischen Nationalmannschaft zu trainieren.
Hierfür mussten die Kinder jeden Mittwoch in die Volleyballhalle „7 de diciembre“ in
der Zona 5 der Hauptstadt begleitet werden.
Regelmäßig, aber in Abhängigkeit der finanziellen Möglichkeiten der Casa, werden
von uns Ausflüge veranstaltet. Zu erwähnen sind hierbei ein Wochenendausflug mit
unserer Volleyballmannschaft nach Izabal, eine Besteigung des aktiven Vulkans
Pacaya, sowie Kino- und Museumsbesuche in der Hauptstadt. Daneben haben wir
es geschafft, Spendenmittel zu lukrieren, um eine Exkursion mit den Kindern nach
Semuc Champey zu veranstalten. Durch die Unterstützung der Österreichischen
Schule in Guatemala, der Österreichischen Lehrerschaft und anderen Förderern,
konnten wir den Kindern diesen Campigausflug, zum Abschluss eines
anstrengenden Schuljahres, an einem der schönsten Orte Guatemalas ermöglichen.

A B B I L D U N G 2 : Ausflug nach Semuc Champey mit (1. Reihe) Wilmer, Pablo, Ingrid, Jose, Norma,
María Elena, Francisca, (2. Reihe) Kimberly G., David, Marvin, Glenda, Raúl, Martha, Miguel, Sonia,
Maria José, Emilio, Wendy, Sayda, Ismael, Gladis, (3. Reihe) Evelyn, Santos, Jorge und Reinhard.

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2.4. W EITERE A KTIVITÄTEN

KONTAKT MI T D EN E LT ER N UN D L EH R ERN D ER K I N D ER

Es gibt je an einem Wochenende im Monat eine generelle „Salida“, in der alle Kinder
in ihre Elternhäuser zurückkehren. Da die Kontaktpflege zu und die Kommunikation
mit den Eltern unserer HeimbewohnerInnen ebenfalls einen sehr wichtigen
Aufgabenbereich darstellt, nutze ich oft diese Gelegenheit um die Kinder und ihre
Eltern in ihren Heimatdörfern, die über ganz Guatemala verstreut sind, zu besuchen.
Dadurch bewahren wir das Vertrauen und Wohlwollen der Eltern gegenüber der
Casa ASOL. Gleichzeitig bietet es aber auch die Möglichkeit einen Einblick in die
Lebensumstände der Menschen in Guatemala im Allgemeinen und jene unserer
Kinder im Besonderen zu bekommen, sowie die Kultur, das Land und seine Leute
besser kennenzulernen.
Neben sporadischen Zusammenkünften mit den Lehrern, finden auch in
regelmäßigen Abständen Informationsabende und Elternsprechtage in den drei oben
genannten Schulen statt, in denen wir den Kontakt zu den Lehrern aufrecht erhalten
und vor allem über die – für unsere Arbeit sehr wichtige – schulische Leistung
unserer SchülerInnen unterrichtet werden. Außerdem bietet dies oft eine
Gelegenheit, die organisatorische Zusammenarbeit zwischen Lehrkörpern und CHEA
zu festigen.

A R B EI T MI T D E R LO K A L E N B EV Ö LK E RU N G

Um den Kontakt zur angrenzenden Bevölkerung nicht zu verlieren bzw. deren


Wohlwollen der CHEA gegnüber zu erhalten, finden in der Casa regelmäßig
Aktivitäten mit und für die lokale Bevölkerung statt. Neben der kostenlosen
Benutzung unseres Sportplatzes wurden von uns Sozialdienern auch Fucballspiele
veranstaltent, in denen die Kinder aus der Nachbarschaft gegen die CHEA-Kinder
antreten. Auch die „Jornada Médica“, ein von der episkopalen Kirche organisiertes
Projekt bei der die CHEA-Kinder, sowie die Menschen aus der Nachbarschaft von
einem Ärzteteam medizinsch betreut werden, fand zwischen Juli und Oktober,
mehrere Male in der Casa Hogar statt. Wir Sozialdiener waren hierbei als

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Aufsichtspersonen anwesend und für den reibungslosen Ablauf verantwortlich.
Daneben organisieren wir des öfteren Fußballspiele, Piñatas und Kinderfeste für die
Kinder der Umgebung.

Seit meiner Ankunft in Guatemala arbeite ich ebenfalls, soweit es meine Pflichten in
der Casa Hogar nicht beeinträchtigt, mit der aus El Quiché stammenden, aber in
unserem Stadtteil Santa Rosita lebenden indigenen Familie Ajanel Ixcoy. Mein
Sozialdienst-Vorgänger Fabian Pollesböck (1. Februar 2007 bis 31. Jänner 2008) hat
während seiner Dienstzeit eine enge Beziehung zu dieser in sehr armen
Verhältnissen lebenden Familie, bestehend aus José Alberto (3 Jahre), Susana (5
Jahre), Andrea (7 Jahre), Basilio (11), Petronila (13) und der alleinerziehenden
Mutter Ana (37), aufgebaut und den älteren Kindern den Schulbesuch im Liceo
Centroamericano ermöglicht. Da dieses „Projekt“ klarerweise nicht einfach nach
einem Jahr beendet werden konnte, zumal die Kinder erst am Anfang ihrer
Ausbildung standen, hielt ich es für meine Pflicht die Arbeit meiner Vorgänger
weiterzuführen.
So traf ich mich zumindest einmal wöchentlich mit der Familie, um den Kindern bei
ihren Schul- und Lernaufgaben zu unterstützen. Dies sollte sich jedoch als wesentlich
schwieriger erweisen, als anfänglich gedacht. Alle in der Familie, auch die Kleinsten,
müssen mithelfen, um genug Geld für Essen zu verdienen und um die winzige
Wohnung bezahlen zu können, in der alle sechs Wohnen. So arbeitete der elfjährige
Basilio nach der Schule oft bis 22:00 Uhr in einem Gemüsehandel und die
dreizehnjährige Petronila, ebenfalls bis spät nachts in einer Tortillería. Die drei
kleineren Kinder begleiteten die Mutter zum Terminal, einem großen Markt in der
Hauptstadt, um Waren zu verkaufen oder müssen in der eigenen Tortillería, die erst
Mitte des Jahres eröffnet wurde, aushelfen.
Da die Mutter weder Lesen noch Schreiben kann und auch aus kulturellen Gründen
den Wert einer guten Ausbildung ihrer Kinder (und damit die Möglichkeit der
Armutsfalle zu entkommen) nicht erkennen kann, werden die Kinder zu Hause kaum
intellektuell gefördert. Es liegt jedoch auf der Hand, dass, wenn zuerst die
essenziellsten Grundbedürfnisse gestillt werden müssen (Nahrung, Wohnung, etc.),
nicht mehr viel Zeit zur Erledigung von Schul- und Lernaufgaben bleibt und Schule
jedenfalls nachrangig ist.

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So war das Ergebnis am Ende dieses Schuljahres nicht überraschend. Petronila ist in
zwei Fächern durchgefallen, Basilio in vier. Andrea muss nun die erste Klasse
wiederholen und Susana den Kindergarten. Da Basilio und Petronila die Chance
hatten, durch Nachprüfungen ihre Noten auszubessern, habe ich den beiden in den
großen Ferien (vom 9. November bis 2. Dezember) Nachhilfe in Mathematik,
Spanisch, Naturwissenschaften und Sozialkunde gegeben. Alle beide haben
erfolgreich ihre Noten verbessern können. Da sich auch die jüngeren Kinder daran
beteiligten, konnten auch diese kleinere Fortschritte ihrer Lese-, Schreib- und
Rechenfähigkeiten erzielen.
Aufgrund der schwierigen Lage in der sich die Familie befindet, hat jedoch Petronila
als älteste der Kinder beschlossen, die Grundschule nach der zweiten Klasse
abzubrechen, um ganztägig für den Erhalt der Familie arbeiten zu können. Alle
Überredungsversuche von Luis Cortez, Martha Rosales und meinerseits waren
erfolglos. Auch das Angebot der CHEA, Susana und Andrea in die Casa Hogar
aufzunehmen, um ihnen hier eine Ausbildung zu ermöglichen und ihnen somit die
Chance auf ein besseres Leben zu bieten, wurde von der Mutter abgelehnt, da auch
die beiden Jüngsten zum Erhalt der Familie beitragen müssen und deshalb
unentbehrlich sind.
Obwohl das Bestreben der CHEA, die Familie Ajanel Ixcoy in jeder erdenklichen
Weise zu Unterstützen nicht als durchschlagenden Erfolg betrachtet werden kann,
und trotz der kulturellen Diskrepanz zwischen der europäischen und
guatemaltekischen bzw. indigenen Denkweise, wird mein Sozialdienst-Nachfolger
und Kollege Lukas Erber die Arbeit mit den Kindern fortsetzen um ihre Situation so
gut es geht zu verbessern.

I N ST AN D H A LT UN G S AU F GA B EN

Das ganze Jahr über waren Instandhaltungsarbeiten an den Anlagen der Casa
Hogar durchzuführen. Üblicherweise wurden jeden Samstag Vormittag, gemeinsam
mit den Kindern, diverse Wartungs- und Pflegearbeiten, sowie kleinere Reperaturen
verrichtet. Diese Aufgaben umfassten unter anderem das ausbessern der
Zufahrtsstraße zur Casa, die Säuberung der Regentrassen und Wassertanks,

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regelmäßige Garten- und Rasenpflege, das Bemalen des Sportplatzes und das
Freilegen von Geäst und Wildwuchs des kleinen Zuganges zu eben diesem, etc.
Des weiteren wurde von uns am Ende des Schuljahres im Oktober die Kinderzimmer,
und der Aufenhaltsraum neu ausgemalt, sowie die Außenfassade der Casa von
Schmutz befreit und neu ausgemalt. In dieser Zeit wurde auch der vom Rost
befallene Spielplatz (Rutsche und Schaukeln) gestrichen und die hauseigene
Bibliothek neu geordnet. Aktuell wird der erste Stock der Casa Hogar ausgebaut und
um vier Kinderzimmer, zwei Badezimmer und zwei Aufenthaltsräume erweitert, um
mehr Platz für die bestehenden Kinder zu schaffen und die Kapazitäten für weitere
Kinder zu erweitern. Auch daran habe ich mich beteiligt.

3. W EITERER A USBLICK UND Z UKUNFT DER CHEA

Durch den Ausbau des ersten Stocks des Haupthauses der Casa Hogar wird es in
naher Zukunft möglich sein, noch mehr Kinder bei ihrer Ausbildung zu unterstützen
und ihnen ein temporäres Zuhause zu bieten. Von der Direktion wird angedacht, die
Kapazitäten in den kommenden Jahren auf über 40 Kinder zu erweitern.
Der Direktion und dem Vorstand der CHEA ist klar, dass eine von Philantropie
abhängige gemeinnützige Organisation, langfristig nicht überlebensfähig ist. Deshalb
wird auf lange Sicht die finanzielle Unabhängigkeit von öffentlichen, als auch privaten
Gebern angestrebt. Durch die Schaffung einer eigenen Einkommensquelle soll sich
das Projekt „Casa Hogar Estudiantil ASOL“ einmal selbst finanzieren und auch in
Zukunft sozial- und wirtschaftlich benachteiligten Kindern und Jugendlichen in
Guatemala nachhaltig die Chance auf eine gute Ausbildung bieten zu können.

4. R EFLEXION MEINES S OZIALDIENSTES

Vor langer Zeit habe ich mich dazu entschlossen, den Dienst mit der Waffe zu
verweigern, um anstelle des obligatorischen Militärdienstes, meiner Pflicht als junger
Österreicher in Form eines Sozialdienstes im Ausland nachzukommen. Durch meine
langjährige ehrenamtliche Mitarbeit im Österreichischen Auslandsdienst habe ich in
der CHEA eine Organisation gefunden, die voll und ganz meinen Vorstellungen
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entspricht. Ich bin davon überzeugt, dass Bildung eine enorme Kraft zur
Veränderung in sich trägt und das Fundament für Demokratie, Frieden und eine
nachhaltige menschliche Entwicklung bildet. Deshalb habe mich für einen einjährigen
Sozialdienst in der Casa Hogar Estudiantil ASOL entschieden, um die Kinder und
Jugendlichen in Guatemala (einem der ärmsten Ländern Lateinamerikas) bei ihrer
Ausbildung zu unterstützen, damit sie nach dem Prinzip der „Hilfe für Selbsthilfe“
über die nötigen Instrumente verfügen, selbst zur Entwicklung ihres Landes
beitragen zu können.
Durch das Leben, die Zusammenarbeit und den Austausch mit den beispiellos
liebenswerten Menschen dieses Landes, konnte ich viel Lernen und meine Horizonte
in alle Richtungen erweitern. In Summe habe ich selbst mehr erhalten, als ich jemals
zurückgeben könnte.

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5. T ABELLARISCHE A UFLISTUNG

Tag Tätigkeit
01.02. Dienstbeginn
03.02. Frühdienst mit Sonja Schimek, Zahnarztbesuch mit Dora, Glenda
und Pablo
05.02. Frühdienst mit Viktor Rosner
07.02. Ausgang für die Kinder; Besuch bei Pablo
08.02. Ausgang für die Kinder, Besuch bei Pablo
09.02. Rückkehr der Kinder
10.02. Zahnarztbesuch mit Ingrid, Francisca und Marvin
11.02. Frühdienst; Besprechung mit Werner Römich
14.02. Día del cariño (Valentinstag); Dekoration der Casa und Aktivitäten
mit den Kindern
15.02. Besuch des Schwimmbeckens der österreichischen Schule
16.02. Vorstandssitzung CHEA; Abschiedsfeier der Volontärin Sonja
Schimek
17.02 Frühdienst; Geburtstag von Astrid
18.02. Zahnarztbesuch mit Ingrid, Francisca und Marvin
20.02. Frühdienst
23.02. Zahnarztbesuch mit Ingrid, Francisca und Marvin
24.02. Frühdienst
27.02. Frühdienst; Geburtstag von Francisca
28.02. Sportplatz der österreichischen Schule
02.03. Frühdienst; Zahnarzt mit Brithney, Kimberly Lajuj und Francisca
04.03. Frühdienst
05.03. Geburtstag Lester
07.03. Ausgang der Kinder
08.03. Rückkehr der Kinder
09.03. Zahnarzt mit Brithney, David, Kimberly L. und Wendy
10.03. Frühdienst, Geburtstag von Dora
12.03. Frühdienst; Zahnarzt mit David, Sonia und Wendy
14.03. „Mañana Deportiva“ in der Österreichischen Schule, Zubereitung

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und Verkauf von Fruchsalat und Palatschinken
15.03. Mithilfe bei der „Jornada Medica“ in der Casa Hogar (Medizinische
Betreuung der Bewohner der Casa Hogar und der lokalen
Bevölkerung durch ÄrztInnen)
17.03. Frühdienst
19.03. Frühdienst
20.03. Frühdienst; „Mañana Deportiva“ im Liceo Centroamericano; Emilios
Geburtstag
22.03. Wendys Geburtstag
23.03. Frühdienst
25.03. Frühdienst, Arztbesuch mit Emilio
26.03. Elternsprechtag im Colegio Viena
27.03. Frühdienst
28.03.-31.03. Abwesenheit des Direktors und seiner Familie
30.03. Frühdienst, Zahnarzt mit Kimberly G., Sonia und Wendy
01.04. Zahnarzt mit Kimberly G. und Sonia
02.04. Frühdienst; Verleihung des deutschen Verdienstkreuzes an Pater
Peter Mettenleiter und Einladung der CHEA-Mitarbeiter in die
Residenz des deutschen Botschafters in Guatemala
03.04. Elternsprechtag und Zeugnisvergabe der 2. Einheit im Liceo
Centroamericano
06.04. Frühdienst
08.04. Zahnarztbesuch mit Kimberly G. und Sonia
09.04.-11.04. Feiertage der Osterwoche
13.04.-17.04. Organisation und Planung der 20-Jahresfeier der CHEA
16.04. Vorstandssitzung der CHEA
18.04. 20-Jahrfeier und Ehrung von langjährigen Helfern der Casa (u.a. Dr.
Manuel Cáseres Figueroa, Günter und Orlinda Pilz, Friedrich Baaz,
etc.) unter Anwesenheit des CHEA-Vorstandes, Freunde der Casa
Hogar, sowie LehrerInnen der Österreichischen Schule und ihren
Familien.
21.04. Frühdienst
23.04. Frühdienst, Zahnarztbesuch mit David, Ismael und Santos

Seite 20
25.04. Frühdienst
27.04. Frühdienst; Zahnarztbesuch mit Ingrid und Miguel
29.04. Frühdienst
01.05. Tag der Arbeit (día del trabajo) – Feiertag
02.05. 15. Geburtstag von Sonia, große Geburtstagsfeier in der Casa
04.05. Urlaubstag
06.05. Frühdienst
07.05. Frühdienst, Volleyballmeisterschaft
09.05. Frühdienst
10.05. Besuch des Schwimmbeckens und Sportplatzes der
Österreichsichen Schule
11.05. Frühdienst
13.05. Ismaels und Kimberly Gómez´ Geburtstag
14.05. Frühdienst
16.05. Frühdienst
17.05. Begleitung zur Katachese (Firmunterricht) von Sonia und Evelyn
18.05. Frühdienst
20.05. Zahnarztbesuch mit Sonia und Miguel
22.05. Arztbesuch mit Wendy
24.05. Organisation Flohmarkt in Santa Rosita
25.05. Frühdienst
26.05. Augenarzt mit Pablo, Emilio und Chelsie
27.05. Krankenhausbesuch mit Wendy
29.05. Frühdienst
01.06. Frühdienst; Begleitung zum Firmunterricht von Sonia und Evelyn
03.06. Arztbesuch mit Wendy
05.06. Elternsprechtag und Zeugnisvergabe der 2. Einheit im Liceo
Centroamericano
07.06. Abreise des Direktors Jorge Pérez nach Österreich
08.06.-03.07. Semesterferien der Kinder des Colegio Viena
08.06. Frühdienst
10.06. Frühdienst
12.06. Weckdienst

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14.06. Fußballmatch der ASOL-Kinder gegen die Nachbarschaft
17.06.-30.06. Semesterferien der Kinder des Liceo Centroamericano und des
Liceo Técnico Integrado
18.06.-23.06. Streichen und Ausmalen des Haupthauses der Casa Hogar
24.06.-26.06. Installieren der neuen Wasserbecken im Waschraum
26.06. Installation eines neuen Wassertanks
29.06.-02.07. Ausmalen des Nebenhauses der Casa Hogar (Haus Wien) und der
Bibliothek
03.07. Ordnen der Bibliothek; Geburtstagsfeier der Kinder die in den Ferien
Geburtstag hatten
04.07. Frühdienst
06.07. Frühdienst, Arztbesuch Wendy
08.07. Frühdienst
12.07. Begleitung von Sonia und Evelyn zum Firmunterricht; Ankunft von
Sarah Nußhold (Praktikantin/Besucherin)
13.07. Frühdienst; Begleitung von Miguel, Ismael, David und Pablo zur
Marimba-Unterricht im Colegio Viena
15.07. Frühdienst
16.07. Geburtstag Sayda
18.07. „Jornada Medica“ – Medizinische Betreuung der Bevölkerung von
Santa Rosita durch ÄrztInnen
19.07. Spielenachmittag mit Schuelern des COVI und der CHEA
20.07. Begleitung von Miguel, Ismael, David und Pablo zur Marimba-
Unterricht im Colegio Viena bei Herrn Moraga
21.07. Frühdienst
23.07. Frühdienst
25.07. „Jornada Medica“ – Medizinische Betreuung der Bevölkerung von
Santa Rosita durch ÄrztInnen
26.07. Frühdienst
28.07. Frühdienst
31.07. Frühdienst
31.07.-01.07. Ausgang für die Kinder
03.08. Frühdienst; Begleitung von Miguel, Ismael, David und Pablo zur

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Marimba-Unterricht im Colegio Viena bei Herrn Moraga; Abreise von
Sarah Nußhold
05.08. Frühdienst
07.08. Frühdienst
10.08. Elternsprechtag und Zeugnisvergabe der 3. Einheit im Liceo
Centroamericano; Marvins Geburtstag
11.08. Frühdienst
13.08. Frühdienst
14.08. Frühdienst; Ausflug zum Vulkan Pacaya mit den Kindern der Casa
Hogar, Werner Römich und dessen beiden Enkel, David
Stachelberger (Lehrer an der Österreichischen Schule) und seiner
Frau.
17.08. Frühdienst
18.08. Arztbesuch mit Dora und Francisca
19.08. Frühdienst
21.08. Frühdienst
25.08. Frühdienst; Vostandssitzung CHEA
27.08. Elternsprechtag im Colegio Viena
01.09. Begleitung von Miguel, Ismael, David und Pablo zum Marimba-
Unterricht im Colegio Viena bei Herrn Moraga
02.09. Frühdienst
03.09. Ankunft von Bettina Leitner (Volontärin)
04.09. Frühdienst
05.09. Frühdienst; Volleyballturnier an der Österreichischen Schule
Guatemala
06.09. Verkaufsstand am Flohmarkt in Santa Rosita
08.09. Frühdienst; Ankunft von Lukas Erber (Sozialdiener)
10.09. Frühdienst; Marimba-Festival in der Österreichischen Schule
Guatemala zu Ehren von José Luis „Guicho“ Moraga
12.09.-15.09. Ausflug mit den Kindern der Casa Hogar nach Punta Brava in Izabal
15.09. Nationalfeiertag (Día de la independencia)
21.09.-23.09. Urlaub
25.09. Besuch von Botschaftsrat Christoph Meyenburg von der

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Österreichischen Botschaft Mexiko in Begleitung des
Generalhonorarkonsul Dr. Manuel Cáceres Figueroa
29.09. Frühdienst
01.10. Tag des Kindes (día del niño) – mit vielen Aktivitäten und
Kinobesuch mit allen Kindern.
02.10. Frühdienst
03.10. Feier des Tags des Kindes mit Freunden der Casa und den Kindern
04.10. Vertretung der Eltern beim Firmgespräch von Sonia und Evelyn
07.10. Frühdienst
10.10. Frühdienst, „Jornada Medica“ – Medizinische Betreuung der lokalen
Bevölkerung durch ÄrztInnen
11.10. Begleitung Sonia und Evelyn zum Firmunterricht
14.10. Frühdienst; Messe mit Pater Peter
15.10. Abschied Werner Römich
17.10.-15.01. Große Ferien der Kinder des Liceo Centroamericano
17.10.-23.10. Instandhaltungsarbeiten der Casa gemeinsam mit den Kindern
(Putzen und Ausmalen der Kinderzimmer, Ausbesserung der
Zufahrtsstraße, etc.)
17.10. Frühdienst
20.10. Tag der Revolution (Día de la revolución) – Feiertag
21.10. Frühdienst
22.10. Glendas Geburtstag
24.10.-06.01. Große Ferien der Kinder des Colegio Viena
24.10. Kinderfest in der Casa Hogar; Gesundheitstag mit Vorträgen von
Monica Méndez (Ernährungswissenschafterin)
25.10-27.10. Ausflug mit den Kindern nach Semuc Champey in Alta Verapaz, mit
Hilfe der finanziellen Unterstützung der Österreichischen Schule
Guatemala, der österreichischen Lehrerschaft in Guatemala, u.a.
29.10. Zeugnisvergabe und „Velada Musical“ (Musikfest) im Colegio Viena;
Gespräch mit Unterrichtsministerin Claudia Schmied über die Casa
Hogar, bei ihrem Besuch in der Österreichischen Schule
30.10. Zeugnisvergabe im Liceo Centroamericano und Abschlussfeier in
der Casa Hogar mit den Lehrer; Zahnarztbesuch Sayda

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31.10. Graduation von Astrid
02.11. Geburtstag von Profe Efraín Pérez
06.11. Firmung von Sonia und Evelyn
09.11.-20.11. Nachhilfe in Englisch mit Maria José
09.11.-02.01. Nachhilfe in Spanisch, Naturwissenschaften, Sozialkunde und
Mathematik mit Basilio; Nachhilfe in Sozialkunde und
Naturwissenschaften mit Petronila; Nachhilfe in Lesen, Schreiben,
Rechnen mit Andrea und Susana
03.12.-24.12. Urlaub
25.01. Feiertag
28.01.-04.01. Nachhilfe mit Basilio, Andrea und Susana
04.01. Rückkehr der Kinder aus den Ferien
05.01. Frühdienst; Schulbeginn für Brithney in der Vorschule des Colegio
Viena
06.01. Schulbeginn für alle Schüler des Colegio Viena
07.01. Informationsabend mit den Lehrern der Vorschule des Colegio Viena
08.01. Frühdienst
11.01. Frühdienst
13.01. Zahnarztbesuch mit Elmer, Gladis, Wendy und David
15.01. Weckdienst; Schulbeginn der Unterstufe des Liceo Centroamericano
18.01. Schulbeginn der Oberstufe des Liceo Centroamericano und der
Schüler in den Maturalehrgängen des Liceo Ciencias y Desarrollo
19.01. Frühdienst
22.01. Frühdienst
23.01. Lagerfeuer
25.01. Frühdienst; Zahnarzt mit David und Gladis, Geburtstag von Santos
28.01. Frühdienst
29.01. Zahnarzt mit Gladis

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- Ende des Berichts -

Guatemala-Stadt, am 29. Jänner 2010

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Reinhard Schmidbauer

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