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SCHNELLHYPNOSE

„THE WORLD IS YOUR OYSTER


AND INSTANT INDUCTIONS
WILL OPEN THE CLAM.“
GERALD F. KEIN

Liebe Seminarteilnehmerin, lieber Seminarteilnehmer,

wie weit geht der Horizont? Was ist mit Hypnose möglich? Wo sind die Grenzen?
Wenn wir mit Menschen arbeiten, dann stoßen wir täglich an Grenzen.
Unsere Klienten bringen Ressourcen mit – positive und negative Ressourcen.
Wir als Therapeuten oder Berater bringen auch Ressourcen mit, positive und natürlich
auch negative Ressourcen. Wenn wir mit einem Klienten arbeiten, kombinieren wir die
Ressourcen des Klienten mit unseren Ressourcen. Dadurch weitet sich der Horizont und
der Klient kann Ziele erreichen, die er zuvor alleine nicht erreichen konnte.

Doch woraus bestehen unsere Ressourcen als Hypnotiseure? Es sind unser Wissen,
unsere Erfahrung und unser Selbstbild. Das Selbstbild wird von unserem Wissen und
noch mehr von unserer Erfahrung bestimmt. Wenn wir unseren Erfahrungshorizont also
erweitern, werden für uns und damit für unser System aus Therapeut oder Berater und
Klient neue Ziele greifbar.

Nur wenige Dinge haben mein Selbstbild als Hypnotiseur so positiv verändert wie die
Erfahrung, dass ich Schnellinduktionen beherrsche.

Ich freue mich darauf, Dich durch unser Seminar auf dem Weg
Deiner eigenen Erfahrungen begleiten zu dürfen.

Enjoy Your Journey.


INHALT
EINE EINFÜHRUNG IN HYPNOSE .............................. 1 
Das Unbewusste ....................................................... 2 
Das Unterbewusstsein .............................................. 3 
Das Bewusstsein ...................................................... 5 
Der Kritische Teil des Bewusstseins .......................... 6 
Übersicht ................................................................ 7 

WAS IST HYPNOSE? ................................................ 8 


Hypnose ist nicht Schlaf ........................................... 8 
Das Erfolgsrezept ................................................... 11 

DIE IET® INDUKTION .............................................. 15 


Aufbau und Erklärung ............................................. 15 
Induktion und Vertiefung ........................................ 19 
Convincer Teil 1...................................................... 23 
Convincer Teil 2...................................................... 25 
Armlevitation .......................................................... 26 
Auflösung der Hypnose ........................................... 28 

EINSCHRÄNKUNGEN UND GEFAHREN ................... 29 


Warum Schnellhypnose? ........................................ 29 
Gefahren bei der Hypnose....................................... 29 

SUGGESTIBILITÄTSTESTS ..................................... 32 


„Unechte“ Tests, zur Vorbereitung ........................... 32 
Klassische Tests, auch zur Induktion ....................... 33 
Tests im Gespräch .................................................. 36 
ÄUSSERLICHE ANZEICHEN VON HYPNOSE ........... 38 

DIE DAVE-ELMAN-INDUKTION .............................. 39 


Lange Version ......................................................... 39 
Kurze Version (für Folgesitzungen) .......................... 40 
Elman-Induktion als echte Schnellinduktion ............ 41 

KURZE INDUKTION OHNE ÜBERRASCHUNGEN ...... 42 


Aufbau und Erklärung ............................................. 42 
Induktion ................................................................ 44 
Fraktionierung / Vertiefung ...................................... 44 
Utilisieren von Geräuschen ..................................... 45 
Vertiefung ............................................................... 45 
Inhaltliche Arbeit ..................................................... 46 
Auflösung ............................................................... 46 

ARTEN DER VERTIEFUNG ...................................... 47 

SCHNELL-INDUKTIONEN ....................................... 48 


Allgemeiner Aufbau ................................................ 48 
Die Acht-Wort-Induktion ........................................ 51 
„Arm Pull“ Induktion .............................................. 53 
Spickzettel Strassenhypnose .................................. 54 
Beispiele für mögliche Suggestionen ...................... 55 
Fingermagnete als Induktion ................................... 56 
Handmagnete ......................................................... 57 
Raketenstart .......................................................... 58 
Pendel-Induktion ................................................... 59 
Handshake-Induktion.............................................. 60 
„Hypnose üben“ als Induktion................................. 61 
Finger an der Stirn .................................................. 62 
Folge meiner Hand ................................................. 63 
Der „Hypnotische Blick“ ......................................... 63 

DIE „SUPER-SUGGESTION“ ................................... 66 

BESONDERHEITEN DER STRASSENHYPNOSE ....... 67 


Störende Einflüsse .................................................. 67 
Sonstiges ............................................................... 68 

ÜBUNGSSPIEL ...................................................... 70 


Aufbau.................................................................... 70 
Ablauf ..................................................................... 71 

HYPNOSE VOR GRUPPEN VORFÜHREN ................. 72 


Vorüberlegungen .................................................... 72 
Beispiel für den Aufbau ........................................... 73 

ANHANG ................................................................ 74 


Darf man in Suggestionen Negationen verwenden? 74 
EINE EINFÜHRUNG IN HYPNOSE – DAS UNBEWUSSTE SEITE 1

EINE EINFÜHRUNG IN HYPNOSE


Zum Verständnis der Wirkungsweise von Hypnose betrachten wir einmal den menschli-
chen Geist auf drei Ebenen. Diese drei Ebenen sind für unterschiedliche Aufgaben
zuständig: Die erste Ebene ist das Bewusstsein. Während Du diesen Text liest, setzt Du
Dein Bewusstsein ein, also Deinen Verstand, um Zusammenhänge zu analysieren und
zu verstehen. Unterhalb des Bewusstseins liegt das Unterbewusstsein, dort sind z.B.
Deine Emotionen beheimatet. Noch tiefer liegt das Unbewusste, das z.B. Deinen
Herzschlag steuert. Da unser Leben von der Funktionsfähigkeit unseres Geistes
abhängt, verfügt unser Geist über vielfältige Mechanismen, um uns vor Schaden zu
bewahren. Auf jeder der genannten Ebenen gibt es einzigartige Schutzmechanismen.
Dazu kommt ein ganz spezieller Schutz, der sich an der Grenze vom Bewusstsein zum
Unterbewusstsein befindet: Wir nennen ihn den Kritischen Teil des Bewusstseins. Die
Funktionsweise dieses Kritischen Teils ist für die Hypnose wichtig, deshalb stellen wir
ihn als eigene Ebene dar. Wir arbeiten in unserem Modell also mit vier Ebenen in dieser
Reihenfolge:

● Bewusstsein

● Kritischer Teil des Bewusstseins

● Unterbewusstsein

● Unbewusstes

Auf allen Ebenen befinden sich aktive Schutzfunktionen. Um zu erklären, wie Hypnose
funktioniert, beginnen wir mit der untersten Ebene, dem Unbewussten.
EINE EINFÜHRUNG IN HYPNOSE – DAS UNBEWUSSTE SEITE 2

DAS UNBEWUSSTE
Das Unbewusste wird manchmal als „der Verstand des Körpers“ bezeichnet. Ein
wesentlicher Teil des Unbewussten ist das autonome Nervensystem. Es steuert z.B.
unseren Herzschlag, unsere Atmung, die gesamte glatte Muskulatur (z.B. die Blutgefäße
oder die Verdauung) und auch unser Immunsystem. Es enthält von Geburt an eine Art
„Grundprogrammierung“, dazu gehören auch Instinkte und Reflexe.

Das Unbewusste hat begrenzte Lernfähigkeiten. Der bekannte russische Forscher Iwan
Pawlow hat gezeigt, dass durch klassisches Konditionieren zu den angeborenen
Reflexen neue hinzugefügt werden können (Hunde bekamen Futter, nachdem eine
Glocke geläutet wurde – nach einigen Wiederholungen reichte bereits das Läuten der
Glocke, um bei den Hunden Speichelbildung auszulösen, selbst wenn es kein Futter
gab). Diese Speichelbildung wird im Unbewussten (dem autonomen Nervensystem)
ausgelöst. Wenn wir Hunger haben und dabei intensiv an unser Lieblingsessen denken,
dann veranlasst unser Unbewusstes auch bei uns vermehrt Speichelbildung (selbst
wenn wir mit dem Verstand wissen, dass wir z.B. erst in zwei Stunden etwas essen
können). Wir können diese Speichelbildung während der Gedanken an Essen nicht mit
dem Verstand, also dem Bewusstsein, abstellen.

Das Unbewusste hat noch eine weitere wichtige Funktion: Wenn wir eine Emotion
haben, dann sorgt es dafür, dass wir diese Emotion in unserem Körper fühlen. Das ist
der Grund, warum wir Emotionen auch Gefühle nennen: Wir können sie fühlen! Das
Unbewusste überträgt eine Emotion wie Freude oder Angst auf unseren Körper, so dass
sich unsere Blutgefäße verändern, unsere Körperhaltung, der Gesichtsausdruck und
unzählige weitere körperliche Parameter, einschließlich des Immunsystems. Wir können
diese Reaktionen unseres Körpers nicht mit dem Bewusstsein unterbinden, denn sie
werden vom Unbewussten gesteuert.

Die wichtigsten Schutzfunktionen des Unbewussten sind die Steuerung unseres


Immunsystems sowie die Steuerung von Schutzreflexen: Die Bekämpfung einer
Infektion geschieht ebenso unbewusst wie das Wegziehen der Hand von der heißen
Herdplatte (dieser Reflex wird erst bewusst, wenn er bereits ausgeführt wurde) oder der
Schutz unseres Gesichts, wenn ein Ball auf uns zu fliegt. Auch die Empfindung von
Schmerz wird vom Unbewussten gesteuert. Durch Hypnose ist es möglich, den
Schmerz zu beeinflussen oder auch ganz abzuschalten.
EINE EINFÜHRUNG IN HYPNOSE – DAS UNTERBEWUSSTSEIN SEITE 3

DAS UNTERBEWUSSTSEIN
Das Unterbewusstsein enthält das, was unsere Persönlichkeit ausmacht. Reich und
berühmt, dünn, dick, glücklich oder traurig: Das Unterbewusstsein entscheidet, wie wir
uns selbst sehen – und so wie wir uns selbst sehen, nimmt uns meist auch unsere
Umwelt wahr. Alle unsere Gewohnheiten, typischen Verhaltensweisen und Glaubenssät-
ze sind im Unterbewusstsein gespeichert. Es ist also ein entscheidender Teil von uns –
für Therapie und Coaching ist es meistens der wichtigste Teil.

Der Philosoph John Locke glaubte, dass unser Unterbewusstsein bei der Geburt ohne
jeden Inhalt sei und verwendete dafür die Metapher „Tabula rasa“ (unbeschriebenes
Blatt). Heute wissen wir, dass das Unterbewusstsein mit Beginn der Entwicklung eines
Menschen tatsächlich ohne „Vorprogrammierung“ ist (im Gegensatz zum Unbewussten,
dass eine genetische Programmierung enthält), jedoch beginnt die Programmierung
schon während der Entwicklung im Mutterleib – nicht erst ab der Geburt. Mit jedem Tag
unseres Lebens werden Informationen hinzugefügt, wie zu einer inneren Datenbank.
Diese Daten werden zunächst einfach neutral gespeichert.

Das Unterbewusstsein hat eine ganz besondere Fähigkeit: Es analysiert alle diese
gespeicherten Daten und entwickelt daraus Glaubenssätze und Gewohnheiten. Damit
unsere Persönlichkeit überhaupt stabil ist (eine wichtige Voraussetzung für das Leben),
sind diese fest verankert und nur schwer zu ändern. Sie wurden von Unterbewusstsein
auf der Basis der „abgespeicherten Daten“ entwickelt, nicht etwa auf Grund einer
Entscheidung. Deshalb sind sie auch durch eine Entscheidung mit dem Bewusstsein
schwer oder oftmals überhaupt nicht zu ändern. Änderungen sind entweder möglich,
indem ausreichend viele neue Informationen zum „Speicherinhalt“ hinzugefügt werden
(z.B. in der Verhaltenstherapie) oder direkt durch Hypnose. Die Hypnose hat einen
direkten Einfluss auf das Unterbewusstsein.

Alle Emotionen haben ihren Ursprung im Unterbewusstsein. Das Unbewusste sorgt


dann, wie oben beschrieben, dafür, dass aus den Emotionen spürbare Gefühle werden.
Das Unterbewusstsein entwickelt aus den abgespeicherten Informationen ein System
von Regeln, die festlegen, mit welcher Emotion wir auf Reize von außen reagieren
(ebenso wie auf Gedanken und innere Wahrnehmungen). Diese Regeln sind eng mit
unseren Glaubenssätzen verknüpft. Wenn wir z.B. glauben, dass eine bestimmte Person
sich uns gegenüber auf eine bestimmte Weise verhalten sollte, und sie das nicht tut,
EINE EINFÜHRUNG IN HYPNOSE – DAS UNTERBEWUSSTSEIN SEITE 4

dann spüren wir eine bestimmte Emotion. Welche Emotion das in diesem Kontext ist, ist
in unserem Unterbewusstsein als Regel abgespeichert. Du kannst diese Regel nicht mit
dem Bewusstsein steuern. Ob ein Mensch Dich zum Beispiel attraktiv findet und sich zu
Dir hingezogen fühlt, kann der andere Mensch nicht mit dem Bewusstsein beeinflussen.
Das Bewusstsein ermöglicht es ihm lediglich, die Äußerung dieser Emotion nach außen
zu unterdrücken. Abschalten lässt sie sich mit dem Verstand nicht. Auch wenn Du z.B.
Wut spürst, kannst Du diese Emotion nicht mit dem Verstand abschalten.

Die Kapazität des Unterbewusstseins ist nach derzeitigem Wissensstand praktisch


unbegrenzt. Niemand konnte bisher eine Begrenzung im Speichervermögen des
Unterbewusstseins finden. Das Gehirn hat ca. 100 Milliarden Gehirnzellen (Neuronen),
die untereinander vernetzt sind. Ein einzelnes Neuron ist im Durchschnitt mit 15.000
anderen Neuronen direkt verschaltet. Die Anzahl der möglichen Verbindungen zwischen
den einzelnen Neuronen übertrifft die Anzahl der Atome im Universum bei Weitem. Das
Unterbewusstsein eines gesunden Menschen kann jederzeit Neues dazulernen und alle
jemals gelernten Informationen stehen dem Unterbewusstsein (nicht jedoch dem
Bewusstsein) jederzeit zur Verfügung. Durch die Hypnose ist es leicht, auf diese
Informationen zuzugreifen. Warum dies nie gegen den Willen möglich ist, sehen wir
weiter unten.

Wie alle Ebenen unseres Geistes hat auch das Unterbewusstsein eine wichtige
Schutzfunktion: Es schützt uns vor (ihm bekannten) Gefahren, indem es z.B. Angst
erzeugt und uns damit motiviert, Gefahren abzuwenden. Eine weitere Schutzfunktion ist
die Stabilität unserer Identität, die u.a. aus Glaubenssätzen, Gewohnheiten und den
Regeln für unsere Emotionen besteht. Nur wenn dieses System eine hohe Festigkeit
hat, kann unsere Persönlichkeit stabil sein.
EINE EINFÜHRUNG IN HYPNOSE – DAS BEWUSSTSEIN SEITE 5

DAS BEWUSSTSEIN
„Ich denke, also bin ich.“

Über den berühmten Satz des Philosophen René Descartes (1641) wurde viel diskutiert.
Doch in welchem Bereich unseres Geistes ist definiert, wer wir wirklich sind? Ohne
Zweifel im Unterbewusstsein. Der Teil von uns jedoch, der denkt, ist genau der Teil, den
wir benutzen, um unsere Aufmerksamkeit auf eine Sache zu richten: Es ist unser
Bewusstsein.

Wir können mit unserem Bewusstsein unsere Aufmerksamkeit auf ganz unterschiedli-
che Dinge richten: Auf Dinge in der Gegenwart ebenso wie auf Dinge in der Vergangen-
heit oder in der Zukunft. Die Hauptaufgabe des Bewusstseins liegt in der Konzentration
auf die Dinge, die im Hier und Jetzt geschehen.

Im Bewusstsein findet das logische Denken statt. Nur mit dem Bewusstsein können wir
analytisch und logisch denken. Der analytische Teil und der logische Teil gehören zu
dem Mechanismus, mit dem wir logische Probleme lösen. Das Unterbewusstsein ist für
Logik nicht zuständig! Der analytische Teil analysiert ein Problem und findet eine
Lösung, z.B. was zu tun ist, wenn unser Auto nicht anspringt und wir trotzdem zur
Arbeit müssen. Der logische oder auch rationalisierende Teil sucht nach Gründen für ein
bestimmtes Verhalten oder Denken. Wenn wir keinen Grund wissen, warum wir uns so
verhalten, wie wir es tun, werden wir ängstlich, nervös und frustriert. Die Begründun-
gen, die uns der rationalisierende Teil des Bewusstseins für ein bestimmtes ungesun-
des Verhalten gibt, sind selten wirklich neu. Wenn man Raucher danach fragt, warum
sie rauchen, wird man oft die Antwort bekommen, dass es beruhigt und entspannt.
Wenn man Menschen nach dem Grund für ihr Übergewicht fragt, hört man oft, dass sie
aus Langeweile oder Nervosität essen. Der Grund, den uns der rationalisierende Teil
unseres Bewusstseins für ein bestimmtes ungesundes Verhalten gibt, ist meistens nicht
der wahre Grund. Der wahre Grund ist oft vollkommen unbewusst oder verdrängt.

Auch die Willenskraft steht unter der Kontrolle unseres Bewusstseins. Ein Raucher sagt
vielleicht: „Ich werde meine Zigaretten wegwerfen und nichts auf der Welt wird mich
dazu bringen, wieder mit dem Rauchen anzufangen.“ Eine aktuelle Untersuchung des
Wissenschaftlichen Aktionskreises Tabakentwöhnung belegt jedoch: Bei Aufhörversu-
chen mit Willenskraft alleine sind nur ein bis drei Prozent der Betroffenen auch nach
EINE EINFÜHRUNG IN HYPNOSE – DER KRITISCHE TEIL DES BEWUSSTSEINS SEITE 6

einem Jahr noch Nichtraucher. Auch die Diät, mit Willens-kraft durchgeführt, kostet
eben laufend Kraft. Solange diese Kraft ständig zugeführt wird, z.B. in regelmäßigen
Gruppentreffen, kann das auch funktionieren. Doch nur wenige Menschen halten den
laufenden Aufwand der Willenskraft ein Leben lang durch. Sie fallen dann in das alte
Verhalten zurück, zum Beispiel dann, wenn sie nicht mehr regelmäßig die Kraft
spendenden Gruppentreffen besuchen.

Die Kapazität des Bewusstseins ist sehr begrenzt. Im Gegensatz zum Unterbewusstsein,
das scheinbar über eine unbegrenzte Kapazität verfügt, kann das Bewusstsein nur 7 bis
9 Dinge gleichzeitig bearbeiten. Die Hypnose erlaubt es dagegen, auf die umfassende
„Datenbank“ des Unterbewusstseins zuzugreifen und so eine direkte Wirkung auf
unsere Gewohnheiten und Glaubenssätze, besonders auf die begrenzenden Glaubens-
sätze, zu nehmen.

Auch das Bewusstsein hat eine Schutzfunktion: Es schützt uns vor Gefahren, die wir
durch analytisches und rationales Denken erkennen.

DER KRITISCHE TEIL DES BEWUSSTSEINS


Dieser Teil befindet sich an der Grenze zum Unterbewusstsein. Wenn neue Informatio-
nen von außen ankommen, werden sie zunächst vom Bewusstsein geprüft und
analysiert. Wenn die Informationen für das Bewusstsein logisch und schlüssig sind,
werden sie an den Kritischen Teil weitergegeben. Dieser Teil vergleicht die neuen
Informationen mit dem, was im Unterbewusstsein bereits gespeichert ist. Wenn die
Informationen übereinstimmen, lässt sie der Kritische Teil sofort ins Unterbewusstsein.
Dort verstärken sie bereits vorhandene Gewohnheiten und Glaubenssätze. Wenn sie
nicht übereinstimmen, werden sie vom Kritischen Teil abgewiesen.
EINE EINFÜHRUNG IN HYPNOSE – ÜBERSICHT SEITE 7

1
ÜBERSICHT

Bewusstsein Kritischer Unterbewusstsein Unbewusstes


Faktor
lenkt die Aufmerksamkeit vergleicht Am Anfang Autonomes
eingehende „unbeschriebenes Blatt“ Nervensystem
Analytischer Teil (AT)
Informationen mit
Glaubenssätze „Verstand des
Logischer / bereits
Körpers“
Rationalisierender Teil (RT) gespeicherten Gewohnheiten
Informationen „Angeborene
sehr begrenzte Kapazität erzeugt Emotionen
Grundprogrammierung“
entscheidet über
Willenskraft (WK) „Datenbank“ mit unbegrenzter Immunsystem
Durchlässigkeit
Kapazität
zwischen
Herzschlag
Bewusstsein und
Unterbewusstsein Atmung
Instinkte
erzeugt körperliche
Gefühle
glatte Muskulatur usw.
begrenzte Lernfähigkeit

schützt vor bewusst schützt vor Beschützt die Persönlichkeit schützt vor Infektionen
wahrgenommener Gefahr unnötigen durch Widerstand gegen und durch Reflexe
Veränderungen, die Veränderung
Energie kosten
Schützt gegen ihm bekannte
würden
Gefahren und motiviert dazu,
Bedürfnisse zu erfüllen

1
Für zahlreiche Anregungen zu diesem hervorragenden psychologischen Erklärungsmodell der Hypnose danke ich meinen
Kollegen aus der National Guild of Hypnotists: Gerald F. Kein und Calvin Banyan.
WAS IST HYPNOSE? – HYPNOSE IST NICHT SCHLAF SEITE 8

WAS IST HYPNOSE?


Eine interessante Definition von Hypnose durch eine amerikanische Regierungsbehörde
(U.S. Department of Education) lautet:

Hypnosis is the bypass of the critical factor of the conscious mind


and the establishment of acceptable selective thinking.

Diese Definition eignet sich nicht gut für eine wörtliche Übersetzung, doch eine
Interpretation wäre: Durch Hypnose werden solche Sichtweisen ins Unterbewusstsein
eingebracht, die für den Hypnotisierten (oder Hypnotisanden) akzeptabel sind. Sind
diese Gedanken akzeptabel, passieren sie mit Hilfe der Hypnose den oben beschriebe-
nen Kritischen Faktor des Bewusstseins und gelangen direkt ins Unterbewusstsein. Dort
können sie auf eine sichere und effektive Art unsere Gewohnheiten und z.B. Glaubens-
sätze über uns selbst positiv verändern. Aus dieser Definition ist ersichtlich, dass
Hypnose gegen den Willen nicht möglich ist.

HYPNOSE IST NICHT SCHLAF


Hypnotiseure benutzen manchmal das Wort „Schlaf“, wenn sie den Zustand der tiefen
körperlichen und geistigen Entspannung meinen, der gerade die therapeutische
Hypnose so angenehm macht. Wenn man dieses Gefühl in einem Wort zusammenfas-
sen möchte, dann passt am besten „Schlaf“ – obwohl Hypnose nichts mit Schlaf zu tun
hat. Im Schlaf haben wir kein Bewusstsein, in der Hypnose jedoch schon. Das
Bewusstsein ist dabei ganz auf eine Sache fokussiert. Das bedeutet, in der Hypnose
bekommst Du zu jeder Zeit bewusst mit, was geschieht und Du hörst alles, was der
Hypnotiseur sagt. Wenn Du also das Wort „Schlaf“ hörst, dann betrachte es als eine
Abkürzung für: „Schließe die Augen und gehen in eine angenehme tiefe Entspannung,
fast so, als ob Du schlafen würdest“.

DU WIRST NICHT WIEDER AUFWACHEN…

… denn Du hast nicht geschlafen! Es ist unmöglich und deshalb noch niemals
vorgekommen, dass ein Mensch nicht mehr aus der Hypnose herauskam, denn:
WAS IST HYPNOSE? – HYPNOSE IST NICHT SCHLAF SEITE 9

HYPNOSE IST EIN NATÜRLICHER ZUSTAND

Seit es Menschen gibt, gibt es auch Hypnose. Stelle Dir vor, Du sitzt im Kino und
schaust einen wirklich spannenden Film, der Dir gefällt. In diesem Augenblick befindest
Du Dich in tiefer Hypnose. Du weißt zwar, dass Du im Kino sitzt, vielleicht weißt Du
sogar die Farbe Deines Kinosessels, aber in diesem Augenblick ist das vollkommen
unwichtig. In einer für Dich akzeptablen Weise hast Du Deine ganze Aufmerksamkeit
auf das Geschehen im Film gelenkt. Wenn im Film etwas Trauriges geschieht, müssen
manche Menschen weinen. Warum ist das so? Es sind doch nur Bilder auf einer
Leinwand – noch dazu Bilder von Schauspielern! Der Grund liegt darin, dass wir in
einen Zustand der tiefen Hypnose gehen und freiwillig dem Film durch Identifikation
erlauben, Emotionen in unserem Unterbewusstsein zu wecken – Emotionen, die wir
durch das Unbewusste im Körper fühlen. Sollte im Kino der Feueralarm erklingen, dann
wirst Du Dich von dem Film losreißen, egal wie spannend er ist, Du wirst Dich wieder
im Kino orientieren und den Ausgang suchen.

Geschichtenerzähler in früheren Zeiten waren die besten Hypnotiseure. Kinder können


auch heute leicht in einen tiefen Zustand der Hypnose gehen, wenn man ihnen eine
spannende Geschichte erzählt. Man kann sehr heilsame Wahrheiten in eine solche
Geschichte „verpacken“. Hypnose ist also ein ganz natürlicher Zustand, eine besondere
Fähigkeit unseres Geistes, in den wir nicht gegen unseren Willen gehen. Es ist immer
unsere Entscheidung, ob wir uns für Suggestionen öffnen – sie zulassen, oder nicht.

In sehr tiefer Hypnose ist es möglich, Analgesie (Schmerzfreiheit) oder Anästhesie


(vollkommene Gefühllosigkeit eines Körperteils) zu erleben. Da wir alle im Alltag Zeiten
tiefer Hypnose erleben, kann es geschehen, dass wir uns z.B. irgendwo stoßen, aber es
gar nicht wahrnehmen, weil wir gedanklich vollkommen auf etwas anderes konzentriert
sind. Erst abends wundern wir uns dann darüber, wo der „blaue Fleck“ herkommt.

Ein anderes Phänomen in sehr tiefer Hypnose ist die Suggestion einer negativen
Halluzination: Der Hypnotisand nimmt etwas nicht wahr, obwohl es sichtbar ist. Hast Du
schon mal etwas gesucht, obwohl es genau vor Dir lag? Die Schlüssel, die Brille oder
den Salzstreuer? Dinge, die Du physikalisch mit den Augen gesehen haben musst, die
aber für Dein Bewusstsein in diesem Augenblick wie unsichtbar waren? Dies sind
Beispiele für ganz natürliche Hypnose-Phänomene im Alltag.
WAS IST HYPNOSE? – HYPNOSE IST NICHT SCHLAF SEITE 10

IST HYPNOSE SICHER?

In der Hypnose bist Du niemals bewusstlos. Im Schlaf bist Du „bewusstlos“, Dein


Bewusstsein ist ausgeschaltet. In der Hypnose ist dies nicht der Fall. Der Hypnotiseur
bittet Dich, Dich auf etwas zu konzentrieren. Du entscheidest bewusst, ob Du das
möchtest oder nicht. Hypnose ist also nur möglich, wenn Du Dich entscheidest, das zu
tun, was der Hypnotiseur sagt. Wenn Du etwas dagegen hast, ist eine Hypnose nicht
möglich. Wenn das anders wäre, dann wäre Hypnose als Technik rechtlich in irgendei-
ner Form eingeschränkt. Doch das ist nicht der Fall. Hypnose ist ein sehr mächtiges
Werkzeug, wenn sie mit dem Willen geschieht. Gegen den Willen ist sie wirkungslos.
Egal, wie tief Du in Hypnose bist: Wenn Du eine Suggestion erhältst, die Du im
Innersten nicht haben möchtest, weist Du sie zurück. Falls erforderlich, kannst Du Dich
selbst aus der Hypnose herauslösen, genau so wie Du es tust, wenn im Kino mitten in
einem spannenden Film der Feueralarm ertönen würde. Hypnotherapie ist übrigens von
der Bundespsychotherapeutenkammer als Therapieverfahren anerkannt (nach § 11
Psychotherapeutengesetz).
WAS IST HYPNOSE? – DAS ERFOLGSREZEPT SEITE 11

HYPNOSE IST NUR DURCH ZUSAMMENARBEIT MÖGLICH

Der Hypnotiseur wirkt dabei wie ein Berater, Coach oder Anleiter. Er weiß, wie man den
Zustand erreichen kann und gibt Dir mit Deinem Einverständnis Anweisungen, denen
Du dann freiwillig folgen kannst. So erreichst Du selbst diesen Zustand.

KANN ICH HYPNOSE FÜHLEN?

Mit Erfahrung kannst Du, ähnlich wie bei einer tiefen Meditation, selbst spüren, wie tief
Du Dich in Hypnose befindest. Wenn Du zum ersten Mal Hypnose erlebst, werden
vielleicht durch Hypnose-Shows und Filme hervorgerufene falsche Erwartungen
enttäuscht, denn Hypnose fühlt sich völlig natürlich an – wie ein angenehmer und tiefer
Entspannungszustand im Alltag. Du bist ja nicht bewusstlos, Du hörst alles und
bekommst alles mit.

BIN ICH HYPNOTISIERBAR?

Jeder Mensch mit durchschnittlicher Intelligenz ist hypnotisierbar. Früher dachte man,
dass nur etwa 20% der Menschen hypnotisierbar seien. Heute weiß man, dass der
Grund dafür Missverständnisse und falsche Erwartungen waren. Wer versteht, was
Hypnose wirklich ist, nämlich ein vollkommen natürlicher Zustand, der sicher ist und
nur mit dem Willen möglich ist, der kann auch Hypnose erleben, wenn er die Anwei-
sungen des Hypnotiseurs befolgt. Letztlich ist jede Hypnose eine Selbsthypnose, denn
der Hypnotiseur hat keine „Hypnosespritze“. Er hat nur seine Worte und der Hypnoti-
sand entscheidet, ob er den Anweisungen folgt. Es ist wie bei einem Tanz: Der
Hypnotiseur führt, aber der Tanz wird nur dann funktionieren, wenn man einfach
„mittanzt“ – und so eine wundervoll tiefe Hypnose erlebt und all die Veränderungen, die
man sich durch die Hypnose wünscht.

DAS ERFOLGSREZEPT
Je tiefer Du in die Hypnose hineingehst, umso schärfer werden Deine Sinne. Das
Bewusstsein nimmt eine andere Rolle an, während Du Dich in Hypnose befindest. Es
übernimmt die Rolle des Pförtners, des Bewachers, der Dich beschützt. Wenn Du in
WAS IST HYPNOSE? – DAS ERFOLGSREZEPT SEITE 12

Hypnose eine Suggestion bekommst, hörst Du sie laut und deutlich. Wenn Du die
Suggestion hörst, dann triffst Du eine von vier möglichen Entscheidungen. Mit der Wahl
dieser Entscheidung entscheidest Du über Erfolg oder Misserfolg. Welche Entscheidung
Du triffst, ist ausschlaggebend dafür, ob diese Suggestion die Erlaubnis bekommt,
durch den Kritischen Teil in Dein Unterbewusstsein zu gelangen oder ob sie abgewiesen
wird. Wenn sie hinein darf, dann wird sie zur Realität für das Unterbewusstsein. Wenn
sie abgewiesen wird, gibt es keine Veränderung.

HIER SIND DEINE ENTSCHEIDUNGSMÖGLICHKEITEN:

1. Du hörst die Suggestion und denkst: „Diese Suggestion gefällt mir, sie wird
funktionieren!“ Diese ganz bewusste mentale Einstellung ermöglicht der Sug-
gestion, in Dein Unterbewusstsein zu gelangen und die Veränderung beginnt.
2. Du hörst die Suggestion und die Suggestion entspricht überhaupt nicht Dei-
nem Wunsch, oder sie widerspricht Deinen moralischen Werten oder Deinem
Glauben. Wenn sich die Suggestion, aus welchen Gründen auch immer, nur
ein wenig unpassend anhört, wird sie automatisch vom Kritischen Teil des
Bewusstseins abgewiesen. Es gibt keine Veränderung.
3. Du stehst der Suggestion neutral gegenüber. Es ist Dir egal, ob sie funktio-
niert oder nicht. Auch mit dieser Einstellung wird die Suggestion abgewiesen.
4. Die letzte Wahlmöglichkeit ist der Grund, warum manche Hypnotiseure weni-
ger Erfolg haben. Sie prüfen nicht, ob ihre Klienten mit einer verhängnisvollen
Einstellung in die Hypnose gehen. Wenn Du die kraftlose Einstellung hast:
„Ich mag die Suggestion, hoffentlich funktioniert sie, das wäre ja schön,
wenn…“, dann wird die Suggestion abgewiesen! Hoffen ist verwandt mit ver-
suchen und das führt zu Misserfolg. Was würdest Du denken, wenn Dir je-
mand sagen würde: „Ich werde versuchen, das Geld, dass ich Dir schulde,
nächste Woche zurückzuzahlen“? Versuchen bedeutet oft Versagen. Schau
einmal zurück auf die Dinge, die Du in Deinem Leben erreicht hast: Wenn Du
gesagt hast: „Ja, ich mache es, ich weiß, dass ich es mache“, dann hast Du
es auch gemacht und Du hast es wahrscheinlich gut gemacht. Wenn Du hof-
fen oder versuchen sagst, dann hält der Kritische Teil Deines Bewusstseins
diese Suggestion davon ab, in Dein Unterbewusstsein zu gelangen und es
gibt keine Veränderung. Eine Suggestion wird angenommen, wenn Du beim
WAS IST HYPNOSE? – DAS ERFOLGSREZEPT SEITE 13

Hören der Suggestion diese innere Haltung einnimmst: „Ich mag diese Sug-
gestion! Ich weiß, dass sie funktioniert!“

WERDE ICH GEHEIMNISSE AUSPLAUDERN?


HERUMHÜPFEN WIE EIN HUHN?

Manche Menschen glauben, der Hypnotiseur könnte sie kontrollieren und sie dazu
bringen, alles zu tun, was er von ihnen will. Erinnere Dich daran, dass Du die vier
Wahlmöglichkeiten hast! Wenn Du eine Suggestion hörst, dann kann sie nur in Dein
Unterbewusstsein gelangen, wenn Du sagst „Ich mag diese Suggestion und ich weiß,
dass sie funktioniert“. Niemand kann Dich dazu zwingen und niemand kann Dich gegen
Deinen Willen kontrollieren! Du bist selbst für den Erfolg der Suggestionen verantwort-
lich. Nur Du allein bist dafür verantwortlich, ob die Suggestionen auch in Dein
Unterbewusstsein gelangen – ganz einfach durch Deine Einstellung dazu.

In Filmen kann man manchmal sehen, wie hypnotisierte Menschen persönliche


Geheimnisse erzählen. Doch weil die geistige Wachheit in Hypnose viel größer ist als im
normalen Bewusstseinszustand, bist Du stets in voller Kontrolle über das, was Du sagst
oder tust. Wenn Du im Innersten etwas nicht erzählen möchtest, dann wirst Du es auch
nicht tun. Niemand kann Dich dazu bringen, vertrauliche Informationen preiszugeben.

Manche werden nun sagen: „Das klingt ja gut, aber ich habe Hypnose-Shows gesehen
und dort haben Hypnotiseure ganz offensichtlich Menschen aus dem Publikum
kontrolliert.“ Eine Hypnose-Show wird entsprechend beworben und viele der Besucher
im Publikum sind von Hypnose fasziniert. Show-Hypnotiseure erklären oft, dass es eine
Show-Seite von Hypnose gibt und eine therapeutische Seite. Sie erklären dann dem
Publikum: „Sie wissen, dass die ganze Show von Ihnen, dem Publikum abhängt – Sie
sind die Menschen, die ich für die Show brauche.“ Es gibt genügend Besucher, die
gerne als Freiwillige Hypnose auf der Bühne erleben möchten. Die meisten wissen im
Grunde schon, dass dort auch Späße gemacht werden, um das Publikum zu beeindru-
cken – und sie erklären sich bereit, mitzumachen. Der Show-Hypnotiseur arbeitet nur
mit einer kleinen Auswahl aus den Freiwilligen. Er findet heraus, wer im Kontext der
Show auf der Bühne in kurzer Zeit bereit ist, in eine tiefe Hypnose zu gehen. Im
Gegensatz zur Therapie und dem Coaching, wo in einer Atmosphäre des Vertrauens
jeder intelligente Mensch dazu in der Lage ist, schaffen es bei einer Show nur einige
wenige Freiwillige. Von den Menschen, die auf der Bühne schnell in Hypnose gehen,
WAS IST HYPNOSE? – DAS ERFOLGSREZEPT SEITE 14

muss er diejenigen finden, die wirklich bereit sind, Späße mitzumachen. Denn nur diese
Freiwilligen haben die richtige Einstellung zu seinen Suggestionen, nur mit diesen
Menschen funktioniert die Show. Es sind die Menschen, die auch im Kontext einer
Show die Einstellung haben „Ich mag die Suggestionen und ich weiß, dass sie
funktionieren“, weil sie einfach Spaß haben möchten und neugierig sind. Oft kommt es
gerade am Anfang einer Show auf der Bühne dazu, dass Freiwillige denken, sie
möchten mitmachen, haben aber nicht die richtige innere Einstellung und die Suggesti-
on funktioniert nicht. Diese Personen schickt der Show-Hypnotiseur zurück auf ihre
Plätze oder er ignoriert sie für den Rest der Show. Die Show-Hypnose funktioniert nach
demselben Prinzip wie die therapeutische Hypnose. Du hast immer die Wahl, ob Du die
Suggestion annehmen möchtest oder nicht. Wenn Du nicht wirklich willst, wird die
Suggestion abgewiesen und es gibt keine Veränderung.
DIE IET® INDUKTION – AUFBAU UND ERKLÄRUNG SEITE 15

DIE IET® INDUKTION


Somnambulismus in 7 Minuten: Effizient, universell und trickreich

AUFBAU UND ERKLÄRUNG


1. AUGENTEST

In einer nicht herausfordernden Art und Weise erlebt der Klient, dass er seine Augen
nicht öffnen kann. Dies ist keine Katalepsie der Augenlider (die zu einem viel späteren
Zeitpunkt durchgeführt werden sollte, nachdem der Klient mit Sicherheit in tiefer Trance
ist). Diese von dem Amerikaner Dave Elman erfundene Form des Augentests vermindert
mögliche Ängste vor Kontrollverlust. Solche Ängste vereiteln eine erfolgreiche Induktion.

Nach erfolgreichem Abschluss des Augentests befindet sich der Klient in Hypnose! Dies
ist in der Regel eine leichte Hypnose, die vertieft werden sollte, aber es ist echte
Hypnose. Manche Menschen gehen bereits am Beginn der Induktion in eine tiefe
Hypnose. Dies wird durch bestehende Trance-Erfahrung, Erwartungshaltung und
Vertrauen begünstigt.

2. KÖRPERLICHE ENTSPANNUNG UND TEST

Auch die zweite Phase ist interaktiv. Der Hypnotiseur erhält ein direktes Feedback und
der Klient erlebt eine echte Zusammenarbeit, vom Hypnotiseur angeleitet. Wichtig ist
ein Rahmen, in dem der Klient der Lernende ist und selbst die Verantwortung für seine
Entspannung übernimmt.

Schließlich wird ein Trigger für zukünftige Vertiefungen und Induktionen suggeriert.
Diese Trigger lässt sich in Folgesitzungen hervorragend mit der 8-Wort-Blitzinduktion
(„Schließe Deine Augen, drücke auf meine Hand – schlaf!“) einsetzen. Zum Abschluss
der zweiten Phase erfolgt eine suggestive Verringerung des störenden Einflusses von
Geräuschen.
DIE IET® INDUKTION – AUFBAU UND ERKLÄRUNG SEITE 16

3. ZAHLENBLOCK

Per Definition erfordert eine Amnesie die tiefe Hypnosestufe des Somnambulismus. Im
Idealfall führt der Zahlenblock auch in den Somnambulismus. Es ist jedoch auch
möglich, dass der Zahlenblock zu Aphasie führt (der Klient sagt die Zahl nicht mehr,
weil er so entspannt ist, obwohl er sie noch weiß) oder der Klient einfach aus Koopera-
tionsbedürfnis vorgibt, dass die Zahl verschwunden ist. In der IET Induktion betrachten
wir den Zahlenblock als erfolgreich, wenn der Klient nickt und damit bestätigt, dass die
Zahlen verschwunden sind.

Die IET Suggestionen sind so formuliert, dass der Klient die Möglichkeit hat, in seiner
Vorstellung die Zahlen verschwinden zu lassen. Dies könnte man als eine interne
negative Halluzination bezeichnen. Das Ergebnis ist eine Trancetiefe, die für alle
Interventionen in Therapie und Coaching ausreicht. Lediglich für die Analgesie und
Anästhesie ist Somnambulismus erforderlich. Es gibt keinerlei wissenschaftliche Belege
dafür, dass therapeutische Interventionen in tiefer Trance erfolgreicher sind als in
leichter Trance. Mit zunehmender Erfahrung des Hypnotiseurs führt die IET Induktion
innerhalb weniger Minuten bei der Mehrzahl der Klienten zum Somnambulismus.

4. VERTIEFUNG

Da die Trancetiefe stets schwankt, ist es erforderlich, die Tiefe weiter abzusenken, so
dass sie auch bei Schwankungen während der Sitzung nicht mehr nachlässt als
gewünscht. Der zweite Teil der Vertiefung erweitert das Vorstellungsvermögen auf
Suggestionen hin.

5. CONVINCER

Die IET Induktion ist interaktiv und enthält eine Anzahl verdeckter Tests, so dass der
Hypnotiseur weiß, wie tief der Klient sich in Hypnose befindet. Nun wird durch
Suggestionen das Vorstellungsvermögen des Klienten erweitert, einschließlich der
Wahrnehmung körperlicher Gefühle. Dies dient zur Vorbereitung des ersten Convincers:
Die Augenlid-Katalepsie. Hierfür würde bereits eine leichte Trance ausreichen.
DIE IET® INDUKTION – AUFBAU UND ERKLÄRUNG SEITE 17

Auch der zweite Convincer (leichter und schwerer Arm) ist so ausgelegt, dass er immer
funktioniert. Im Praxis-Alltag empfiehlt es sich nicht immer, offen eine Armlevitation
anzustreben, da es selbst in tiefer Trance vorkommen kann, dass ein Klient den Arm,
obwohl er sich sehr leicht anfühlt, unten hält, da er für Dinge die ihn an eine Hypnose-
show erinnern, bewusst oder unbewusst nicht offen ist.

Die klassische Armlevitation findet sich zu Übungszwecken auf Seite 26.

Convincer sind nur bei der ersten Sitzung erforderlich. Wenn Du die IET Convincer
einsetzt, dann wirst Du bessere Ergebnisse bei Deinen Sitzungen erzielen und auch
mehr begeisterte und beeindruckte Klienten haben, denn sie glauben auch, dass sie
hypnotisiert waren.

Tipps zum Convincer 2 (leichter und schwerer Arm):

Mit etwas Erfahrung kann der Convincer ganz am Ende der Hypnose durchgeführt
werden. Zu diesem Zeitpunkt ist die Hypnose tiefer und die Erinnerung, wenn man
sofort nach dem Öffnen der Augen nachfragt, frischer. Für die optimale Wirkung des
Convincers eignen sich die folgenden Fragen direkt nach der Hypnose.

• „Was war leichter vorzustellen: Der leichter Arm oder der schwere Arm?“

• Unabhängig von der Antwort fortfahren: „War der Unterschied zwischen Deinen
beiden Armen leicht, mittel oder deutlich zu spüren“?

• Unabhängig von der Antwort erklären: „In tiefer Hypnose ist der Unterschied
deutlich und der leichte Arm kann sich anfühlen, als würde er schweben. In
mittlerer Hypnosetiefe gibt es einen moderaten Unterschied zwischen den bei-
den Armen. In leichter Hypnose gibt es keinen oder fast keinen Unterschied. Je-
der noch so kleine Unterschied ist allerdings ein Beweis dafür, dass Du in Hyp-
nose warst.“
DIE IET® INDUKTION – AUFBAU UND ERKLÄRUNG SEITE 18

6. INHALTLICHE ARBEIT

Fortgeschrittene Suggestionen beziehen alle Sinne und Emotionen mit ein, sowie
verschiedene Verstärkungstechniken (Direct Drive, Compounding).

Mehr Interaktivität ist durch den Einsatz der breiten Palette von NLP-Techniken
möglich, soweit sie sich für die Hypnose eignen. Manche dieser Techniken vertiefen die
Trance, manche können auch zu einer Verringerung der Trancetiefe führen. Suggestio-
nen können indirekt gegeben werden und in Metaphern eingebunden sein.

Eine besondere Form der Interaktion mit dem Unterbewusstsein sind ideomotorische
Signale, die entweder analytisch oder suggestiv eingesetzt werden können. Weitere
Möglichkeiten der inhaltlichen Arbeit sind die freie Assoziation oder die auf Sinnes-
wahrnehmungen bezogene Assoziation.

Als bedeutende Methode darf schließlich die analytische Hypnose gelten, in der mit der
Altersregression gearbeitet wird.

Die Progression schließlich dient der suggestiv erlebten Veränderung in der Zukunft.

7. POSTHYPNOTISCHE SUGGESTIONEN

Letztlich ist jede Suggestion, die eine positive Veränderung nach der Hypnose erreichen
will, eine posthypnotische Suggestion. Besonders wirkungsvoll ist aber die Verknüpfung
mit Triggern oder Ankern.

8. AUFLÖSUNG DER HYPNOSE

Die Hypnose sollte so aufgelöst werden, dass positive Emotionen nochmals verstärkt
werden und in die Zeit nach der Hypnose „mitgenommen“ werden können. Die
Hypnose hört keinesfalls schlagartig auf. Während 30 Sekunden bis 2 Minuten nach
dem formellen Ende der Hypnose besteht eine sehr hohe Suggestibilität, die vom
Hypnotiseur genutzt werden sollte.
DIE IET® INDUKTION – INDUKTION UND VERTIEFUNG SEITE 19

INDUKTION UND VERTIEFUNG 2


Atme tief ein … und aus; schließe Deine Augen.

Gut.

Was wir jetzt machen, das kann jedes kleine Kind ganz einfach. Wenn ich einem
kleinen Kind sage: „Tu mal so, als ob du deine Augen nicht aufmachen kannst“, dann
sagt das kleine Kind (lustig, mit Kinderstimme) „Guck, sie gehen nicht auf...“. Und
Erwachsenen muss ich das erst erklären … Denn wenn Du die Augen aufmachen
würdest, dann würdest Du die Entspannung wegnehmen – die Entspannung, die Du
jetzt schon in Deinen Augenlidern hast. Und dafür sind wir nicht hier, das ist alles, was
ich meine. Und wenn Du weißt, dass Du Deine Augenlider nicht aufmachen kannst,
ohne gleichzeitig die Entspannung wegzunehmen, dann kannst Du sie testen, und zwar
folgendermaßen: Du kannst jetzt die Augenbrauen nach oben ziehen, so dass ich es
sehen kann. Falls Klient die Augen öffnet: Nochmal erklären („Du hast gerade bewiesen, dass Du Deine
Augen öffnen kannst – doch dafür sind wir nicht hier...“)

Sobald sich die Augenbrauen bei geschlossenen Augen bewegen:


Sehr gut. Hör’ auf zu testen! Stell Dir vor, dass eine Welle der Entspannung von Deinem
Kopf über Deinen ganzen Körper geht, bis in die Zehenspitzen … …

Gut. Immer wieder loben und ermutigen, wenn es passt: „Ja, genau so“, „Sehr gut …“ etc.

Und weil wir Menschen mit der Übung immer besser werden, machen wir dasselbe
gleich noch mal und die Welle der Entspannung wird dann noch angenehmer.

Entspanne Deine Augenlider ein kleines bisschen tiefer. Und wenn Du weißt, dass Du
sie ein kleines bisschen tiefer entspannt hast, dann teste sie noch mal mit Deinen
Augenbrauen, so dass ich es sehen kann.

2
Basierend auf der weltbekannten Induktion von Dave Elman.
Mit Modifikationen und Ergänzungen von Gerald Kein, Calvin Banyan und Dirk Treusch.
Die Sprache ist bewusst umgangssprachlich gehalten, so dass der Text zum Üben wörtlich abgelesen werden kann.
DIE IET® INDUKTION – INDUKTION UND VERTIEFUNG SEITE 20

Sobald sich die Augenbrauen bei geschlossenen Augen bewegen:


Gut, hör’ auf zu testen. Und jetzt lass eine tiefere Welle der Entspannung laufen, von
deinen Haarwurzeln … über deinen ganzen Körper … bis in Deine Zehenspitzen.

Sehr gut.

Der Augentest kann hier bei Bedarf ein drittes Mal wiederholt werden.

Entspanne deinen ganzen Körper … Stell Dir vor, Dein Körper liegt angenehm
entspannt ... in warmem, weichen Sand ... Deine Gelenke sind locker,
als wären sie wie mit losen Gummibändern verbunden.

Und ich werd’ diese körperliche Entspannung jetzt testen. Ich werd’ vorsichtig Dein
(rechtes/linkes) Handgelenk anheben. Und wenn ich Dein Handgelenk anhebe, dann ist
wichtig: Hilf mir nicht dabei! Lass Deinen Arm als würde er schlafen ... vollkommen
schlaff und gelöst. Du wirst spüren, wenn Du es raus hast.

Und wenn Dein Handgelenk dann gleich zurück fällt, dann mach es zu einem Signal für
Dich – einem Signal, noch viel tiefer in diese Entspannung zu gehen.

Okay, hilf mir nicht, gib mir das ganze Gewicht Deines (rechten/linken) Arms.

Wenn bewusste Muskelspannung fühlbar, erklären und wiederholen bis


Änderung offensichtlich („Du wirst spüren, wenn Du es raus hast“).
Im Liegen kann bei manchen Klienten die Spannung auch unbewusst sein – dann ignorieren.
Für Lernende: Im Zweifel einmal wiederholen lassen und falls erforderlich, so tun, als wäre es dann in
Ordnung. Nicht den Eindruck erwecken, als wäre es nicht in Ordnung und trotzdem weiter machen!
Gefühl und die Intuition dafür, wie alles in der Hypnose, kommen ganz leicht mit der Erfahrung.

Handgelenk ca. 10 cm anheben, Entspannung prüfen, dann gleich loslassen.


Tiefer entspannt!

Sehr gut, Du machst das wunderbar!

Ich mache das Gleiche jetzt mit Deinem anderen Arm. Und wenn ich ihn zurückfallen
lasse, dann mach das wirklich zu einem Signal für Dich, geh dann noch viel tiefer in
diesen angenehmen Zustand der vollkommenen Entspannung.
DIE IET® INDUKTION – INDUKTION UND VERTIEFUNG SEITE 21

Anderes Handgelenk anheben und fallen lassen.


Und tiefer!

Sehr gut.

Du merkst, dass Du alles hören kannst. Geräusche hier aus dem Raum und Geräusche
von draußen. Aber von jetzt an sind diese Geräusche überhaupt nicht mehr wichtig – im
Gegenteil – egal welches Geräusch, egal wie laut: Mach’ es zu einem Signal für Dich,
mit dem Du noch viel tiefer in diesen angenehmen Zustand der Entspannung sinkst.
Egal welches Geräusch, egal wie laut. Einzig meiner Stimme erlaube, tief in Dein
Inneres zu dringen, solange meine Worte Deinem eigenen Wunsch und Willen
entsprechen.

Du hast jetzt alle körperliche Entspannung, die wir brauchen. Und neben der körperli-
chen Entspannung gibt es auch noch die geistige Entspannung. Das ist der Teil, der
sich am schönsten anfühlt. :-)

Und ich werde Dir erklären, wie es geht. Ich werde Dich gleich bitten, ganz langsam
von 1 aufwärts zu zählen, so dass ich es hören kann. Aber es ist kein normales Zählen.
Nach jeder Zahl, mach’ Deine geistige Entspannung doppelt so tief. Ich erinnere Dich
dran nach jeder Zahl. Und wenn man so zählt, dann kommt man nicht sehr weit. Denn
schon nach ganz wenigen Zahlen beginnen sie unwichtig zu werden und verschwinden
– das sag’ ich Dir dann aber schon.

Fang jetzt einfach an und sag die erste Zahl.

(Klient sagt 1) Verdopple Deine geistige Entspannung, mach Deine geistige Entspan-
nung doppelt so tief … Wenn Du weißt, dass Du sie doppelt so tief gemacht hast, dann
kommt mit sanfter Stimme eine weitere Zahl …

(Klient sagt 2) Gut. Ausgehend von dieser Tiefe, mache Deine geistige Entspannung
noch mal doppelt so tief, verdopple Deine geistige Entspannung. Und dann kommt mit
ganz sanfter Stimme, gerade noch so, eine weitere Zahl …
DIE IET® INDUKTION – INDUKTION UND VERTIEFUNG SEITE 22

(Klient sagt 3) Sehr gut. Blend’ die Zahlen jetzt aus, nach dunkel oder nach hell. Oder
lass sie fortlaufen, oder jag’ sie fort. Oder blas’ sie von Deiner Handfläche so wie leichte
Daunenfedern …

Und wenn die Zahlen gegangen sind, dann nick’ mit dem Kopf, so dass ich es sehen
kann …

(Klient nickt) Sehr gut, Du machst das wunderbar!

Falls die Zahlen nicht verschwinden (kommt mit ausreichend Übung des Hypnotiseurs in weniger als 5%
der Fälle vor): Ohne zu zögern eine andere Vertiefung verwenden. Anschließend mit dem Rest der IET-
Induktion fortfahren.

Die Zahlen sind jetzt unwichtig und mit jedem Einatmen atmest Du Sauerstoff ein und
Entspannung. Mit jedem Ausatmen atmest Du alle Anspannung aus. Und das geschieht
auch, wenn ich gar nichts mehr dazu sage, denn es liegt in der Natur des menschlichen
Geistes und Körpers.

Ich werde jetzt für Dich zählen. Und nach jeder Zahl, die ich sage, lass Deinen Körper
und Deinen Geist zusammen viel tiefer gehen. Lass Deinen Körper und Deinen Geist wie
ein Team zusammen immer tiefer gehen, nach jeder Zahl, die ich sage.

Ich kann es nicht für Dich tun, aber wenn Du willst, dass es geschieht, dann lass es
geschehen und erlebe, wie schön es sich anfühlt.

(Jeweils beim Beginn des Ausatmens des Klienten zählen)


1, tiefer entspannt … 2, tiefer … 3, gut … 4 … 5, noch tiefer … 6 … 7 …
(Nach Intuition weiter zählen, mindestens bis 5, höchstens bis ca. 20.)

Immer tiefer jetzt mit jedem Atemzug, mit jedem Herzschlag, mit jedem Wort, das ich
sage. Genieß’ dieses wunderbare Gefühl der vollkommenen Entspannung. Es ist Dein
Gefühl. Und ich weiß nicht, wie es für Dich ist. Für manche ist es wie eine angenehme
Schwere am ganzen Körper. Für andere wie eine fast schwebende Leichtigkeit. Oder
wie eine Mischung aus beidem. Für manche ist es wie eine Wärme, die irgendwo im
Körper anfängt und die sich jetzt ausbreitet. Es ist Dein Gefühl. Genieß’ es und hol Dich
da selbst nicht wieder raus.
DIE IET® INDUKTION – CONVINCER TEIL 1 SEITE 23

CONVINCER TEIL 1
Erweiterung der Vorstellungskraft und Augenlid-Katalepsie

Es ist sinnvoll, vorher sicherzustellen, dass der Klient nicht glaubt, er könne nicht visualisieren:
„Manche Menschen sehen die Dinge in Gedanken ganz real. Andere wissen einfach, dass sie da sind:
Sich Dinge vorstellen, so wie ein kleines Kind sich seine Weihnachtsgeschenke vorstellt, das kann jeder.
Und das ist alles.“

In diesem angenehm entspannten Zustand kannst Du verschiedene Dinge tun.

Du kannst einfach hier sein und meinen Worten lauschen, die Du zu jeder Zeit ganz
deutlich hörst.

Du kannst Dir aber auch Dinge vorstellen, einfach nur, weil ich es sage. So kannst Du
Dir jetzt einen großen Baum mit grünen Blättern vorstellen … und jetzt schau Dir an
diesem Baum ein einzelnes Blatt an … und auf diesem grünen Blatt befindet sich ein
kleiner, glitzernder Tautropfen … und je genauer Du Dir diesen glitzernden, kleinen
Tautropfen anschaust, um so tiefer sinkst Du in diesen angenehmen Zustand der
vollkommenen Entspannung.

Und Du kannst Dir nicht nur Dinge vorstellen, Du kannst auch Dinge an deinem Körper
fühlen, einfach nur, weil ich es sage. So kannst Du ganz deutlich Deine Füße fühlen,
dort (am Ende der Liege / auf dem Boden) – jetzt! … Genau. Und jetzt kannst Du Deine
Hände fühlen, deutlich genau dort, wo sie aufliegen … Genau.

Und jetzt kannst Du gleich etwas fühlen, was sich nur wenige Menschen bewusst
machen: Deine Augenlider an der Stelle, an der sie fest aufeinander liegen, genau an
der Stelle, an der Dein Oberlid und Dein Unterlid fest aufeinander liegen, an beiden
Augen … Genau. Und ich werde jetzt gleich von 1 bis 3 zählen. Mit jeder Zahl kneif’
Deine Augen fester zusammen. Und erst dann, wenn ich Deine Stirn berühre und sage
„Lass los!“ können die Muskeln sich wieder entspannen, die Augen bleiben geschlos-
sen und Du sinkst viel tiefer, es fühlt sich wunderbar schön an. Erst dann, wenn ich
DIE IET® INDUKTION – CONVINCER TEIL 1 SEITE 24

Deine Stirn berühre und sage „Lass los!“ können die Muskeln sich entspannen. Und
jetzt mach Dich bereit:

Die Augen sollen bei jeder Zahl wirklich sichtbar fester zusammengekniffen werden.
Mit starker Sprache unterstützen!

1, kneif’ Deine Augen fest zusammen … jawohl, gut …


2, noch fester zusammen …
3, gaaaaanz fest zusammen,

so fest, dass die Augen noch fester zusammen gehen, wenn Du versuchen würdest, sie
zu öffnen, sie gehen noch fester zusammen. Versuch’ sie zu öffnen, Du kannst es nicht!

(Stirn berühren) Lass los!

Und Du sinkst noch viel tiefer als zuvor in diese vollkommene Entspannung.
DIE IET® INDUKTION – CONVINCER TEIL 2 SEITE 25

CONVINCER TEIL 2
Leichter und schwerer Arm (ohne forcierte Armlevitation)

Übergib jetzt die Kontrolle über Deine beiden Arme an Dein Unterbewusstsein. Die
Kontrolle über Deinen rechten Arm und über Deinen linken Arm …

Lass jetzt den rechter Arm leicht werden … mit jedem Einatmen leichter und immer
leichter … so leicht als wäre er wie mit Helium gefüllt … wie ein Ballon, leichter als
Luft … so leicht, dass er nach oben zieht … als würde er wie im Wasser nach oben
schwimmen, so leicht …

Falls sich der Arm jetzt zu heben beginnt, kann an dieser Stelle mit der Armlevitation weiter gemacht
werden (siehe nächste Seite). Der „schwere Arm“ ist dann unnötig.

Mach gleichzeitig Deinen linken Arm schwer … Mach ihn immer schwerer mit jedem
Ausatmen … bleischwer … zehnmal schwerer als normal … so schwer, dass selbst,
wenn Du versuchen würdest ihn zu heben, er würde noch schwerer werden …

Während der leichte Arm immer noch leichter wird … und ich weiß nicht, was einfach
für Dich vorzustellen ist, die Leichtigkeit oder die Schwere …

Aber mit jedem noch so kleinen Unterschied in Deinen Armen überzeugst Du Dich
vollkommen davon, dass Du in Hypnose bist. Das heißt, dass Dein Unterbewusstsein
die Kontrolle über Deine Gefühle hat, Deinen Körper – und es hat die Kontrolle darüber,
Dinge zu verändern. Und Dein Unterbewusstsein ist jetzt weit geöffnet für meine Worte.

Ich werde jetzt von 1 bis 3 zählen und bei der Zahl 3 berühre ich Deinen Oberarm hier
(kurz berühren). Wenn ich das gleich tue, dann sind Deine beiden Arme wieder völlig
normal.

1, 2, 3 (Oberarm kurz berühren). Deine beiden Arme sind wieder völlig normal. Dein
ganzer Körper fühlt sich nicht zu leicht und nicht zu schwer an, gerade richtig. Du fühlst
Dich vollkommen wohl und sinkst noch tiefer in diese Entspannung.
DIE IET® INDUKTION – ARMLEVITATION SEITE 26

ARMLEVITATION
Wenn ein Klient bewusst oder unbewusst nicht bereit ist, den Arm schweben zu lassen, bedeutet das nicht
unbedingt dass er nicht in tiefer Hypnose ist. Die Armlevitation eignet sich wegen des Risiko des
„Versagens“ nicht gut als Convincer für Einzelsitzungen, es sei denn, der leichte Arm hat beim Convincer
Teil 2 (leichter und schwerer Arm) bereits begonnen, sich zu bewegen.

Stell Dir jetzt ein großes Bündel bunter Ballons vor, direkt über Dir. Es sind große, prall
mit Helium gefüllte Ballons. Sie haben vielleicht verschiedene Farben, unterschiedliche
Formen. Manche sind glänzend, andere wie einfache bunte Ballons, alle richtig groß.
Wenn ich sie loslassen würde, würden sie gleich hoch in den Himmel steigen, denn sie
sind leichter als Luft. Aber ich halte sie noch fest. Es sind viele Ballons, ein großes
Bündel, mehr als ein Verkäufer auf dem Jahrmarkt sie halten könnte. Und dieses große
Bündel ist jetzt genau über Dir, Du kannst sie sehen …

Ich nehme jetzt die dicke Schnur, die alle Ballons zusammenhält und ich binde sie hier
an Dein Handgelenk (durch kurze Berührung andeuten). Und Du spürst, wie die Schnur
nach oben zieht. Die vielen Ballons ziehen stärker nach oben als das Gewicht Deines
Arms. Du spürst, wie Dein Unterarm leicht wird. Deine Hand, Dein Unterarm ziehen
nach oben, leichter und leichter, höher und höher …

Wenn Du willst, dass es geschieht, dann lass es geschehen und erlebe, wie einfach es
ist.

(Länger wiederholt suggerieren) Immer noch leichter, immer noch höher, die Ballons
ziehen und der Arm hebt sich ganz von alleine immer höher … Ruck um Ruck, Zug um
Zug … Du fühlst Dich vollkommen wohl, immer wohler, je höher der Arm schwebt.

Falls nötig, können noch weitere Ballonbündel mit dünneren Schnüren an jeden Finger gebunden werden.

(Wenn hoch genug) Stopp!

Hier kann zusätzlich suggeriert werden, dass der Arm steif, fest und unbeweglich wird (Katalepsie).

Ich zähle jetzt von 1 bis 3. Bei der Zahl 3 verschwindet jeder Auftrieb und der Arm fällt
schlaff nach unten. Ich bin da und fange ihn auf. In diesem Augenblick sinkst Du noch
viel tiefer in diese Hypnose.
DIE IET® INDUKTION – SEITE 27

1 … 2 … 3 (auffangen, falls er plötzlich fällt)

Sehr gut.

Deine beiden Arme sind wieder völlig normal. Dein ganzer Körper fühlt sich nicht zu
leicht und nicht zu schwer an, gerade richtig. Du fühlst Dich vollkommen wohl und
sinkst noch tiefer in diese Entspannung.
DIE IET® INDUKTION – AUFLÖSUNG DER HYPNOSE SEITE 28

AUFLÖSUNG DER HYPNOSE


Ich werde jetzt gleich von 1 bis 5 zählen. Wenn sich bei der Zahl 5 Deine Augen öffnen,
dann öffnen sie sich mit einem für Dich wunderbaren Gefühl. Es ist ein Gefühl von …
[z.B. innerem Frieden, Zuversicht, Stärke].

1 – Alles was Du in dieser Hypnose erlebt hast, ist tief und fest in Deinem Innersten
verankert. Nichts und niemand kann es dort herausreißen, solange Du es nicht willst.

Bei Übungen: Suggestionen, die ich Dir hier zur Übung gegeben habe und die Du nicht
behalten möchtest, fallen jetzt von Dir ab und haben ab sofort keine Wirkung mehr.

2 – Kernpunkte der Wirksuggestionen zusammenfassen, mit Nachdruck und


Zuversicht!

Bei Übungen: Dein Unterbewusstsein hat alle für Dich hilfreichen Details dieser Übung
gespeichert und es steht Dir alles dann zur Verfügung, wenn Du es brauchst. Du hast
gerade einen großen Schritt nach vorne gemacht mit Deiner Zuversicht und in Deinem
Selbstbewusstsein als Hypnotiseur – und Du kannst es fühlen!

3 – Dein Puls und Dein Kreislauf gehen auf für Dich ganz normale Werte.

4 – Deine Augen fühlen sich an, als ob sie in einem klaren, kühlen Bergbach gebadet
wären . . . Mach Dich bereit!

5 – Öffne Deine Augen!

Wenn Wirksuggestionen verwendet wurden:


Schau mich an!
Dann in die Augen sehen und Wirksuggestionen mit Überzeugung wiederholen.

Nach der Hypnose auf Convincer ansprechen! Zeitverzerrung prüfen (kann als Convincer benutzt werden).
EINSCHRÄNKUNGEN UND GEFAHREN – WARUM SCHNELLHYPNOSE? SEITE 29

EINSCHRÄNKUNGEN UND GEFAHREN


WARUM SCHNELLHYPNOSE?
• Effizienz: Viel mehr Zeit für die therapeutische Arbeit in einer Sitzung

• Viel angenehmer für den Therapeuten bei vielen Sitzungen an einem Tag

• Müde Klienten schlafen nicht ein (Hypnose ist nicht Schlaf!)

• Bei Präsentationen (Info-Veranstaltung etc.) wirken glaubwürdige und


beeindruckende Vorführungen mit Schnellhypnose sehr gut

WANN SIND LANGE ENTSPANNUNGSINDUKTIONEN BESSER GEEIGNET?

• Wenn das primäre Ziel der Hypnose die Entspannung oder das Einschlafen ist

• Bei körperlichen Einschränkungen, für die mit Bewegung verbundene Schnell-


hypnose-Techniken nicht geeignet sind

• Wenn ein sehr permissiver Stil erforderlich ist, z.B. bei Opfern von Gewaltverbre-
chen (die meisten Schnellinduktionen sind eher direktiv bzw. offensiv)

GEFAHREN BEI DER HYPNOSE


Besondere Gefahren bei der Schnellhypnose sind fett gedruckt!

• Für den Klienten


→ Körperliche Verletzungen (!!!)
EINSCHRÄNKUNGEN UND GEFAHREN – GEFAHREN BEI DER HYPNOSE SEITE 30

– Verletzung durch Umfallen durch plötzliche Entspannung (!)


(sogar Aus-dem-Stuhl-Fallen)
Immer sicheren Stand suggerieren und im Zweifel festhalten.
Körperkontakt während der Schnellinduktion ist also auch ein
Sicherheitsfaktor.
– Verletzung bei ruckartigen Bewegungen oder Überstreckung wäh-
rend einer Schnell-Induktion, besonders an Halswirbelsäule, Schul-
tern und Armen
Fragen, ob Verletzung, Erkrankung Schmerzen oder sonstige
körperliche Einschränkungen vorliegen!
– Verletzungen durch Fehler beim Auffangen bei „Postural Sway“
(klassische Show-Induktion mit Umfallen)
– Ganzkörperkatalepsie (besonders mit Belastung)
– Invasive Demonstration der Analgesie,
auch Quetschungen durch das Anbringen von Klammern etc.
→ Nicht aufgelöste Suggestionen, die nach der Hypnose nicht erwünscht
oder gefährlich sind (z.B. unscharfes Sehen nach einer Fixations-
Induktion, Amnesie etc.)
→ „Hypnose-Kater“
– Hauptsächlich bei Probanden, die zum ersten Mal Hypnose erlebt haben
– Besonders nach langer und tiefer Trance mit tiefer Entspannung dauert
es eine Weile, bis die Entspannung und Trance sich ganz aufgelöst haben
– Nicht gefährlich
– Symptome:
Glasiger Blick, Übelkeit, Kopfschmerzen, Gefühl noch in Trance zu sein
– Gegenmittel:
Augen schließen, nochmal langsamer auflösen. Meistens ist es ausrei-
chend, sorgfältig von 1 bis 5 hochzuzählen.
→ Emotionaler Schock
→ Anfalls-Erkrankungen (Epilepsie, Asthma)
EINSCHRÄNKUNGEN UND GEFAHREN – GEFAHREN BEI DER HYPNOSE SEITE 31

→ Akute Herz-Kreislauf-Probleme, Infarkt


– Risiko durch Hypnose nicht erhöht,
solange nur entspannte Zustände in der Hypnose vorkommen
– Risiko erhöht bei Suggestionen, die zu Anspannung
oder emotionalem Stress führen
– Risiko leicht erhöht bei Schnell-Induktionen,
die mit Überraschung arbeiten
→ Psychische Erkrankungen
→ Altersregression
– An sich harmlos, aber: Erkenntnisse können falsch interpretiert werden
Niemals Beweise für Straftaten
– Konfabulation
– Unverarbeitete Traumata können ins Bewusstsein gelangen
Wenn die Regression nicht gezielt therapeutisch, sondern zur Vertie-
fung der Hypnose genutzt wird, immer nur in positive Situationen
zurückführen!
→ Abreaktion (auch aus unbekanntem Grund)
– Außerhalb eines therapeutischen Setting sehr selten,
aber grundsätzlich jederzeit möglich
– Nicht gefährlich, solange der Hypnotiseur ruhig und professionell bleibt
– Wichtigste Suggestion: „Die Szene verblasst, die Gefühle verblassen,
Du spürst den Boden unter Deinen Füßen (Stuhl/Sessel/Liege).“
Mehrfach wiederholen!

• Für den Hypnotiseur


→ Klient(in) entwickelt romantische/sexuelle Gefühle
→ Hypnotiseur(in) entwickelt romantische/sexuelle Gefühle
→ „Gleichgewicht der Macht”
Warum erleben viele Hypnotiseure so gut wie nie eine gefährliche Situation und manche
erleben häufig solche Situationen? Anregung zum Nachdenken von Dirk Treusch: Wir
erleben das, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten – „Reality follows focus!“
SUGGESTIBILITÄTSTESTS – „UNECHTE“ TESTS, ZUR VORBEREITUNG SEITE 32

SUGGESTIBILITÄTSTESTS
Sprich niemals gegenüber den Probanden von Tests. Bei einem Test kann man
„versagen“. „Konzentrationsübung“ ist eine bessere Bezeichnung.

„UNECHTE“ TESTS, ZUR VORBEREITUNG


Diese Tests nutzen physiologische Tricks, so dass sie fast immer funktionieren.
Sie haben folgende Funktion:

• Testen der Kooperationsbereitschaft

• Erweitern der Vorstellungskraft

• Verstärken der Erwartungshaltung und Faszination

• Stärken der Rolle der Hypnotiseurs

FINGERMAGNETE

Benutze Deine Vorstellungskraft, konzentriere Dich!


Strecke Deine Arme aus … falte die Hände ineinander, die Daumen und alle Finger
überkreuzen sich, halte sie dicht zusammen … lass die Hände zusammen und winkle
die Ellenbogen an, als würdest Du beten …

[Wenn man erst die Arme ausstrecken lässt, sind die Hände danach dichter gefaltet und
dadurch ziehen die Zeigefinger leichter zusammen.]

Strecke Deine beiden Zeigefinger aus, schau genau zwischen Deine beiden Finger.

Zwischen Deinen Fingern sind Magnete, die Finger ziehen zusammen. Bewege sie
nicht, sie ziehen von alleine zusammen, langsam näher und näher … immer noch
näher und näher …
SUGGESTIBILITÄTSTESTS – KLASSISCHE TESTS, AUCH ZUR INDUKTION SEITE 33

FENSTER IM KOPF

„Benutze jetzt Deine Vorstellungskraft: Schließe Deine Augen. Ich zeige mit meinem
Finger oben auf Deinen Kopf [Finger auf einen Punkt etwas oberhalb der Stirn legen]
und während Du Deine Augen geschlossen lässt, schaust Du in Deinem Kopf ganz nach
oben zu diesem Punkt. Stell Dir vor, da ist ein Fenster oben in Deinem Kopf und Du
kannst durchschauen. Hör nicht auf, mit Deinen Augen durchzuschauen und solange Du
weiter durchschaust und meine Stimme hörst, bleiben Deine Augenlider fest zusam-
men, dicht geschlossen, solange Du meine Stimme hörst und durch das Fenster
schaust, kannst Du zwar versuchen sie zu öffnen, aber Du merkst, es geht nicht,
versuch es und sie gehen nicht auf.“

KLASSISCHE TESTS, AUCH ZUR INDUKTION

BUCH / BALLONS

„Strecke Deine Arme vor Deinem Körper aus. Schließe Deine Augen. Drehe Deine linke
Handfläche nach oben, die rechte Handfläche nach unten… Gut. Jetzt nutze Deine
ganze Vorstellungskraft, konzentriere Dich! Wie würde es sich anfühlen, wenn an
Deinem rechten Handgelenk mit einem Seil ein großes Bündel Ballons angebunden
wäre? Ein so riesiges Bündel, das sie beginnen, Deinen rechten Arm nach oben zu
ziehen, leichter als Luft? Und auf Deine linke Hand lege ich ein dickes, schweres
Lexikon. Vielleicht kannst Du den Einband fühlen und das Buch drückt Deine Hand
herunter, immer schwerer, immer tiefer. Während der rechte immer weiter hochgezo-
gen wird…

Halte Deine Arme in dieser Position und öffne Deine Augen!“

Auch dieser Test enthält einen kleinen Trick, der die Chancen verbessert: Wenn man
die Hände umdreht, nachdem man die Augen geschlossen hat, dann sieht man nicht,
dass schon alleine durch das Umdrehen ein Unterschied in der Höhe entsteht. Durch die
Muskelspannung vergrößert sich dieser Unterschied oft im Laufe der Zeit von alleine.
SUGGESTIBILITÄTSTESTS – KLASSISCHE TESTS, AUCH ZUR INDUKTION SEITE 34

HANDMAGNETE

Strecke Deine Arme aus, mit Schulterbreite Abstand. Drehe die Handflächen zueinan-
der.

Schau genau an den Punkt in der Mitte zwischen Deinen Händen. Stell Dir jetzt vor, da
sind Magnete in Deinen Händen und sie ziehen zueinander.

Benutze Deine Vorstellungskraft, konzentriere Dich!

Die Magnete ziehen Deine Hände zusammen. Drück sie nicht zusammen, es geht von
alleine, die Magnete ziehen sie immer näher zusammen. Sie kommen näher, näher und
dichter, immer näher … näher und immer noch dichter zusammen …

Wenn sich die Hände berühren, in dem Moment, schließe Deine Augen und alle
Muskeln entspannen sich …“

Dieser Test enthält auch einen kleinen Trick: Wenn die Arme ermüden, sinken sie von
alleine tiefer und gehen gleichzeitig nach innen. Der Effekt ist jedoch bei Weitem nicht
so ausgeprägt wie bei den Fingermagneten, weshalb die Suggestibilität und Vorstel-
lungskraft bei diesem Test wichtiger sind als bei den Fingermagneten.

UNLÖSBARE HÄNDE

„Wenn Du Ringe an Deinen Fingern hast, ziehe sie bitte für einen Augenblick aus, sie
würden sonst drücken … Strecke Deine Arme vor Deinem Körper aus und falte Deine
Hände zusammen, die Daumen und alle Finger überkreuzen sich. Die Arme bleiben die
ganze Zeit ausgestreckt. Spanne jetzt die Finger an, so als müsstest Du die eine Hand
mit der anderen ganz fest halten. Ich zähle jetzt von 1 bis 3. Mit jeder Zahl gehen Deine
Finger fester und unlösbarer zusammen.

1 – Deine Finger sind stark, fest und vollkommen unbeweglich, sie werden noch fester,
noch stärker, noch unbeweglicher.
SUGGESTIBILITÄTSTESTS – KLASSISCHE TESTS, AUCH ZUR INDUKTION SEITE 35

2 – Deine Hände sind wie aus einem Stück, als wären sie aus einem einzigen Stück
Stahl gemacht, verbunden, eins, untrennbar verschweißt.

3 – Deine Hände gehen immer noch untrennbarer, immer noch fester zusammen. Je
mehr Du versuchst sie zu lösen, umso fester gehen sie zusammen, fester, fester!
Versuche, sie zu lösen, sie gehen noch fester zusammen!“

Trickreiche Variante (die sich aber als Test kaum eignet, weil sie fast immer funktio-
niert): Nach dem Ausstrecken der Arme und Falten der Hände dreht man die gefalteten
Hände nach außen. Dadurch drücken die Finger deutlich fester aufeinander und lassen
sich rein mechanisch nur schwer wieder lösen, solange man die Arme ausgestreckt
hält. Dieser Trick ist aber für viele Probanden zu offensichtlich.

ARMKATALEPSIE

„Ich zähle gleich von 1 bis 3. Bei 1 machst Du mit Deiner rechten Hand eine Faust. Bei
2 streckst Du den Arm mit der Faust genau waagrecht vor Dir aus. Bei 3 spannen sich
alle Muskeln im Arm ganz fest an, so dass er steif und unbeweglich wird. Ist das okay
für Dich? Gut.

1 – Die rechte Hand wird zur Faust. Eine feste Faust. Gut.

2 – Der Arm streckt sich aus, waagrecht vor Dir. Genau waagrecht. Die Faust bleibt
fest. Suche Dir jetzt einen Punkt an Deiner rechten Hand, auf den Du schaust. Schau
genau auf diesen Punkt, schau nirgendwo anders mehr hin. Nur auf diesen Punkt.

3 – Die Muskeln in Deiner Hand sind ganz fest. Vollkommen unbeweglich. Spanne jetzt
die Muskeln in Deinem Unterarm fest an... Ganz fest... Steif und unbeweglich... Spanne
jetzt die Muskeln in Deinem Oberarm und in Deiner Schulter fest an. Fest. Fester! Steif!

Unbeweglich! Der Arm rastet in der Waagrechten ein. Er ist an der Schulter eingerastet
und am Ellenbogen und am Handgelenk fest eingerastet. Schau weiter auf den Punkt!
Und der Arm bleibt vollkommen fest, wie ein Stahlträger, aus einem Stück Stahl. Wenn
Du versuchen würdest, ihn nach unten zu drücken, er wird noch fester, noch gerader.
SUGGESTIBILITÄTSTESTS – TESTS IM GESPRÄCH SEITE 36

Versuch ihn runter zu drücken, er wird noch fester, noch gerader! Versuch es, Du
kannst es nicht…“

TESTS IM GESPRÄCH

NATUR UND HEISSLUFTBALLON

Das folgende Beispiel lässt sich beliebig an die Gesprächssituation anpassen und mit
anderen Inhalten füllen. Das Konzept ist äußerst wirksam.

„Gibt es einen Ort, irgendwo in der Natur, an dem Du Dich sehr wohl fühlst oder gefühlt
hast, zum Beispiel im Urlaub? Du musst ihn mir nicht sagen, denke jetzt einfach daran
und entscheide Dich für einen ganz bestimmten Ort. [Augen des Probanden beobach-
ten, wenn sie nach oben gehen, nimmt er das innere Bild wahr…]. Ich sehe, Du bist da!
Überlege Dir genau, an welcher Stelle Du Dich befindest. Stehst Du, sitzt Du oder liegst
Du? Ist der Untergrund hart oder weich? In welche Richtung blickst Du? Was siehst Du
dort genau? Ist es eher warm oder eher kalt? [Man kann dem Probanden beliebig
weitere Fragen stellen, die sich auf alle seine Sinnenwahrnehmungen beziehen sollten
und die bereits vorhandene Trance vertiefen].

Und während Du hier an Deinem schönen Ort in der Natur bist, stell Dir vor, am Himmel
ist ein großer Heißluftballon. Er ist bunt und schön gestaltet, unten hängt ein Korb mit
Menschen darin. […] Dieser Ballon fährt tief und kommt jetzt ganz nahe an Dich heran,
so dass Du vielleicht das Geräusch des Brenners hören kannst. … Kannst Du das?
[Rapport und Suggestibilität prüfen]. Genau. Und der Ballon ist da in Deiner Vorstellung,
weil ich es gesagt habe und Du hast ihn Dir vorgestellt, nicht wahr?“

REGRESSION: SPIELEN ALS KIND

Jede Regression wirkt für die Hypnose stark vertiefend. Wenn wir den Probanden im
Gespräch assoziiert in schöne (!) Kindheitserinnerungen führen können und dort noch
SUGGESTIBILITÄTSTESTS – TESTS IM GESPRÄCH SEITE 37

eine Verknüpfung mit Körpergefühlen erreichen, haben wir eine hervorragende


Induktion oder Vertiefung von Hypnose.

„Sag mal, als Du klein warst, als Du ein Kind warst, was hast Du da am liebsten
gespielt? Was hat Dir als Kind richtig Spaß gemacht? […] Und hast Du als Kind beim
Spielen auch mal so getan, als ob etwas real wäre, ganz real? Du hast es einfach zu
Deiner Realität gemacht! […] Was war das? [Ideal ist es, im Gespräch etwas zu finden,
was mir Körpergefühlen verbunden ist – z. B. so tun als hätte man Bauchweh, weil man
nicht in die Schule will, und dann wirklich Bauchweh fühlen...]. Genau! Und eigentlich
ist das Kind ja immer noch in uns drin…“

SUGGERIERTE KÖRPERGEFÜHLE

„Jetzt, während Du hier sitzt, fühlst Du Deinen Körper. Und da ist, ich weiß nicht, wo es
ist, ein Kribbeln, oder ein Gefühl von Wärme, oder von Leichtigkeit oder von Schwere,
irgendwo in Deinem Körper… Wo ist es? […] Genau! … Und dieses […] Gefühl wird
jetzt noch stärker…!“

Wenn nach dieser Vorbereitung eine Hypnose folgt, sind viele Probanden hinterher der
Überzeugung, der Hypnotiseur hätte ihnen die Art des Körpergefühls und den Ort exakt
suggeriert. Deshalb ist das „Genau!“ wichtig.

Wenn ein Proband bis hierher alles mitgemacht hat, ist er in Hypnose. Wenn er
begeistert und fasziniert reagiert, keine Ängste hat und Hypnose erleben möchte, dann
ist sie oder er der perfekte Kandidat, um nach einer gleich folgenden Schnellinduktion
in 10 Sekunden somnambul zu sein ☺

Solche Gespräche lassen sich bei jeder Gelegenheit, auf jeder Party, genau so wie in
der therapeutischen Praxis führen. Der Hypnotiseur kann nicht „versagen“, weil es
formell noch keine Hypnose ist!
ÄUSSERLICHE ANZEICHEN VON HYPNOSE – TESTS IM GESPRÄCH SEITE 38

ÄUSSERLICHE ANZEICHEN VON HYPNOSE


Eines oder mehrere dieser typischen Zeichen können in Hypnose auftreten. Hypnose
kann jedoch auch ganz ohne diese Zeichen bestehen.

Wenn man Suggestibilitätstests verwendet, sollte man gut auf diese Zeichen achten!

• Augenlider zittern:
Keine Aussage über die Tiefe der Hypnose, aber typisch für Hypnose

• REM (Rapid Eye Movement) – Pupillen bewegen sich schnell hinter den ge-
schlossenen Augenlidern (wie im Traumschlaf): tiefe Hypnose

• Veränderung der Hautdurchblutung und damit Farbe und Temperatur, besonders


Rötung am Hals und im Gesicht

• Pupillen drehen sich nach oben, bei halb geöffneten Augen bzw. zitternden
Augenlidern ist nur das Weiße zu sehen: tiefe Hypnose

• Veränderung der Atmung – ein ganz typisches und mit etwas Erfahrung eindeu-
tig identifizierbares Zeichen. Meist tiefer und gleichmäßiger, manchmal auch
schneller. Oft wird das Heben und Senken des Bauchbereichs dabei ausgepräg-
ter sichtbar.

• Vermehrte Produktion von Tränenflüssigkeit

• Entspannte Nackenmuskeln, leicht nach vorne kippender Kopf

• „Hypnotische Maske“ (vollkommene Muskelentspannung im Gesicht)

Die einfachste Prüfung, ob eine Person in Hypnose ist:


Führt sie unbewusst Suggestionen aus, z.B. Armlevitation? ☺
DIE DAVE-ELMAN-INDUKTION – LANGE VERSION SEITE 39

DIE DAVE-ELMAN-INDUKTION
LANGE VERSION
• Vorgespräch, Erlaubnis zur Hypnose, Erlaubnis zur spezifischen Berührung

• Einatmen, Luft kurz anhalten, ausatmen

• Augen schießen und entspannen

• Testen, dass sie sich nicht öffnen lassen solange sie entspannt bleiben

• Welle der Entspannung von Kopf bis zu den Füßen

• 3x Fraktionierung:
Augen auf (dabei Hand vor den Augen), Augen zu, tiefer gehen

• Arm anheben und fallen lassen, beim Fallenlassen tiefer gehen

• Nach der körperlichen Entspannung die geistige Entspannung („Zahlenblock“):


→ Laut von 100 rückwärts zählen
→ Tiefer nach jeder Zahl, immer entspannter werden und entspannter zählen
→ Zahlen verschwinden ganz bald (Klient hört von alleine mit Zählen auf)

VORTEILE:

• Schnelles Erreichen von Somnambulismus


(definiert durch die „Amnesie“ der Zahlen)

• Hervorragende und sehr schnelle körperliche Entspannung,


ideal für die therapeutische Praxis

• Zahlreiche eingebaute Tests (Augenschluss, Arm-Entspannung, „Amnesie“),


der Hypnotiseur weiß also immer, wie tief bzw. kooperativ der Proband ist.
DIE DAVE-ELMAN-INDUKTION – KURZE VERSION (FÜR FOLGESITZUNGEN) SEITE 40

NACHTEILE

• Der „Zahlenblock“ (Verschwinden der Zahlen) funktioniert nicht immer. Dann


besteht die große Gefahr des Vertrauensverlustes (des Probanden in sich selbst,
in die Hypnose, in den Hypnotiseur).

ANWENDUNG

Die zuverlässige und reproduzierbare Anwendung der Elman-Induktion in der klassi-


schen Form erfordert viel Erfahrung und Souveränität vom Hypnotiseur. Insbesondere
notwendig sind gute Strategien, um Probleme beim Zahlenblock aufzufangen. Z.B. kann
man das Verschwinden der Zahlen beim erneuten Fallen des Arms suggerieren. Doch
es bleibt das Restrisiko, das die Zahlen nicht verschwinden. Sicherer ist es dann, gleich
zu pyramidisieren, also ohne zu zögern zu einer anderen Induktion überzugehen (z.B.
Fixation oder die Acht-Wort-Induktion).

Die Annahme, dass das „Verschwinden“ der Zahlen das Zeichen einer echten Amnesie
sei und deshalb mit Sicherheit Somnambulismus vorliegen muss, ist fragwürdig.

Eine modifizierte Form, wie Sie in der IET® Induktion vorgestellt wird, eignet sich für
Anfänger wie für den Praxisalltag gleichermaßen und bringt besser reproduzierbare
Ergebnisse.

KURZE VERSION (FÜR FOLGESITZUNGEN)


• Einatmen, Luft kurz anhalten, beim ausatmen Augen schließen und entspannen

• Testen, dass sie sich nicht öffnen lassen, solange sie entspannt bleiben

• 3x Fraktionierung:
Augen auf (dabei Hand vor den Augen), Augen zu, tiefer gehen
DIE DAVE-ELMAN-INDUKTION – ELMAN-INDUKTION ALS ECHTE SCHNELLINDUKTION SEITE 41

• Arm anheben und fallen lassen, beim Fallenlassen „wird es dunkel und die
Zahlen sind verschwunden“

Die verkürzte Version kann auch zur Vertiefung direkt nach der langen Version benutzt
werden.

ELMAN-INDUKTION ALS ECHTE SCHNELLINDUKTION


• Hand nehmen

• Einatmen und halten

• Augen schließen und entspannen

• Testen, dass sie sich nicht öffnen lassen, solange sie entspannt bleiben

• Unerwartet und ruckartig (aber nicht grob) am Arm ziehen und „Schlaf!“ rufen

• Evtl. Kopf rotieren, laufend begleitet von verbaler Vertiefung

• Nicht aufhören zu sprechen, vertiefen...


(Detaillierte Erklärung in der „Arm Pull“-Induktion)
KURZE INDUKTION OHNE ÜBERRASCHUNGEN – AUFBAU UND ERKLÄRUNG SEITE 42

KURZE INDUKTION OHNE


ÜBERRASCHUNGEN
Diese einfache Induktion verzichtet auf das bei Schnellinduktionen übliche Element der
Überraschung und erfordert auch keine Berührung. Sie eignet sich deshalb besonders
für Anfänger. Der zeitliche Ablauf ist nicht so kritisch wie bei den „echten“ Schnellin-
duktionen.

Wenn die Erwartungshaltung aufgebaut wurde und Ängste abgebaut wurden, lässt sich
mit dieser Induktion in 2 Minuten eine tiefe Hypnose erreichen.

AUFBAU UND ERKLÄRUNG


1. AUGENTEST

In einer nicht herausfordernden Art und Weise erlebt der Klient, dass er seine Augen
nicht öffnen kann. Dies ist keine Katalepsie der Augenlider (die zu einem viel späteren
Zeitpunkt durchgeführt werden sollte, nachdem der Klient mit Sicherheit in tieferer
Trance ist). Diese von dem Amerikaner Dave Elman erfundene Form des Augentests
vermindert mögliche Ängste vor Kontrollverlust. Solche Ängste vereiteln eine erfolgrei-
che Induktion.

Nach erfolgreichem Abschluss des Augentests befindet sich der Klient in


Hypnose! Dies ist in der Regel eine leichte Hypnose, die vertieft werden sollte, aber es
ist echte Hypnose. Manche Menschen gehen bereits am Beginn der Induktion in eine
tiefe Hypnose. Dies wird durch bestehende Trance-Erfahrung, Erwartungshaltung und
Vertrauen begünstigt.

2. VERTIEFUNG DURCH MEHRFACHE FRAKTIONIERUNG UND ATMUNG

Auch in dieser Phase kann der Hypnotiseur am Verhalten des Klienten gut erkennen,
wie gut der Rapport ist. Durch das Öffnen und Schließen der Augen entsteht Fraktionie-
rung – eine der effektivsten Methoden der Vertiefung der Hypnose. Durch das
KURZE INDUKTION OHNE ÜBERRASCHUNGEN – AUFBAU UND ERKLÄRUNG SEITE 43

wiederholte tiefe Einatmen, kurze Anhalten und dann das entspannende Ausatmen ist
eine zunehmende Entspannung nahezu sicher. Durch die sanfte Hyperventilation kann
ein leichtes Schwindelgefühl entstehen, das die Hypnose vertieft. Während des
Prozesses werden laufend Suggestionen zur Vertiefung der Hypnose und zur Verbesse-
rung des Rapports gegeben.

Durch die interaktive Induktion erhält der Hypnotiseur laufend Rückmeldung über die
Tiefe der Entspannung (Verhalten, Körpersprache...) und kann die Anzahl der Wiederho-
lungen so optimal anpassen.

3. UTILISIEREN VON GERÄUSCHEN (OPTIONAL)

Es lässt sich oft nicht verhindern, dass der Proband Nebengeräusche hört. Das Risiko,
dass seine Aufmerksamkeit auf diese Geräusche geht und dadurch die Hypnose gestört
wird, lässt sich mit der Suggestion, das jedes Geräusch die Hypnose noch weiter
vertieft, effektiv verringern.

4. WEITERE VERTIEFUNG

Durch Zählen, vertiefende Bilder (Treppe, Strand, See, Baum etc.) oder durch interakti-
ve Suggestionen wie Armlevitation, Augenlid-Katalepsie etc. (siehe S. 47).

5. INHALTLICHE ARBEIT

(Nicht bei der Übung im Schnellhypnose-Seminar)

6. AUFLÖSUNG DER HYPNOSE

Bei Übungs-Suggestionen oder Vorführungen (Katalepsie, Amnesie usw.) müssen


alle diese Suggestionen sorgfältig aufgelöst werden. Die Auflösung muss nach
der Hypnose geprüft werden! Die Hypnose sollte so aufgelöst werden, dass positive
Emotionen nochmals verstärkt werden und in die Zeit nach der Hypnose „mitgenom-
KURZE INDUKTION OHNE ÜBERRASCHUNGEN – INDUKTION SEITE 44

men“ werden können. Die Hypnose hört keinesfalls schlagartig auf. Während 30
Sekunden bis 2 Minuten nach dem formellen Ende der Hypnose besteht eine sehr hohe
Suggestibilität, die vom Hypnotiseur genutzt werden kann.

INDUKTION
Atme tief ein … und aus; schließe Deine Augen.

Gut.

Was wir jetzt machen, das kann jedes kleine Kind ganz einfach. Wenn ich einem
kleinen Kind sage: „Tu mal so, als ob du deine Augen nicht aufmachen kannst“, dann
sagt das kleine Kind (lustig, mit Kinderstimme) „Guck, sie gehen nicht auf...“. Und
Erwachsenen muss ich das erst erklären … Denn wenn Du die Augen aufmachen
würdest, dann würdest Du die Entspannung wegnehmen – die Entspannung, die Du
jetzt schon in Deinen Augenlidern hast. Und dafür sind wir nicht hier. Und wenn Du
weißt, dass Du Deine Augenlider nicht aufmachen kannst, ohne gleichzeitig die
Entspannung wegzunehmen, dann teste sie: Zieh jetzt die Augenbrauen nach oben, so
dass ich es sehen kann. Falls Klient die Augen öffnet: Nochmal erklären („Du hast gerade bewiesen,
dass Du Deine Augen öffnen kannst – doch dafür sind wir nicht hier...“)

Sobald sich die Augenbrauen bei geschlossenen Augen bewegen:


Sehr gut. Hör’ auf zu testen! Stell Dir vor, dass eine Welle der Entspannung von Deinem
Kopf über Deinen ganzen Körper geht, bis in die Zehenspitzen …

Gut. Immer wieder loben und ermutigen, wenn es passt: „Ja, genau so“, „Sehr gut …“ etc.

FRAKTIONIERUNG / VERTIEFUNG
Ich werde Dich gleich bitten, tief einzuatmen. Wenn ich es sage und nicht vorher öffnest
Du Deine Augen, Du siehst dann meine Hand und hältst die Luft einen Moment. Wenn
ich dann meine Hand nach unten bewege, erst dann, schließen sich die Augen, Du
atmest aus und sinkst viel tiefer in die Entspannung.
KURZE INDUKTION OHNE ÜBERRASCHUNGEN – UTILISIEREN VON GERÄUSCHEN SEITE 45

Wenn Du mich verstanden hast, dann nick‘ mit dem Kopf! [...] Gut.
Die Bestätigung der Kooperationsbereitschaft durch Kopfnicken ist erforderlich!

Atme tief ein ... und halte die Luft

Hand ca. 10 cm vor den Augen halten

Öffne Deine Augen [...]

Hand nach unten bewegen

Schließe Deine Augen, atme aus und geh tiefer ... viel tiefer in die Entspannung. Gut.

Und da es uns Menschen mit der Übung immer besser geht, machen wir das gleich
nochmal: [Mindestens 3x wiederholen, falls zur Entspannung erforderlich auch öfter]

UTILISIEREN VON GERÄUSCHEN


Du merkst, dass Du alles hören kannst. Geräusche hier aus dem Raum und Geräusche
von draußen. Aber von jetzt an sind diese Geräusche überhaupt nicht mehr wichtig – im
Gegenteil – egal welches Geräusch, egal wie laut: Mach’ es zu einem Signal für Dich,
mit dem Du noch viel tiefer in diesen angenehmen Zustand der Entspannung sinkst.
Egal welches Geräusch, egal wie laut. Einzig meiner Stimme erlaube, tief in Dein
Inneres zu dringen, solange meine Worte Deinem eigenen Wunsch und Willen
entsprechen.

VERTIEFUNG
„Ich werde jetzt von 1 bis 10 zählen. Mit jeder Zahl, die ich sage, lass Dich mehr in die
Entspannung sinken. 1 … tiefer entspannt ... 2 … lass ganz los .. 3 ... immer mehr in
die Entspannung … 4 … Du fühlst Dich immer wohler … 5 … mit jedem sanften
Ausatmen immer tiefer entspannt … 6 … je tiefer Du gehst, um so wohler fühlst Du
Dich … 7 und je wohler Du Dich fühlst, um so tiefer kannst Du gehen … 8 … 9 … und
10.“
KURZE INDUKTION OHNE ÜBERRASCHUNGEN – INHALTLICHE ARBEIT SEITE 46

INHALTLICHE ARBEIT
(Nicht im Seminar – entweder Leerhypnose oder spontane Suggestionen für gute
Gefühle ☺ )

AUFLÖSUNG
Ich werde jetzt gleich von 1 bis 3 zählen. Wenn sich bei der Zahl 3 Deine Augen öffnen,
dann öffnen sie sich mit einem für Dich wunderbaren Gefühl. Es ist das Gefühl, das Du
Schnellhypnose immer besser beherrschst!

1 – Dein Unterbewusstsein hat alle für Dich hilfreichen Details dieser Übung gespei-
chert und es steht Dir alles dann zur Verfügung, wenn Du es brauchst. Du hast gerade
einen großen Schritt nach vorne gemacht mit Deiner Zuversicht und in Deinem
Selbstbewusstsein als Hypnotiseur!

2 – Dein Puls und Dein Kreislauf gehen auf für Dich ganz normale Werte. Du fühlst
Dich gut! Mach Dich bereit!

3 – Öffne Deine Augen!


ARTEN DER VERTIEFUNG – AUFLÖSUNG SEITE 47

ARTEN DER VERTIEFUNG


• Verknüpfungen
→ „Jedes Mal, wenn ich von 1 bis 3 zähle und Du bei 3 Deine Augen öffnest,
fühlst Du Dich wohler. Jedes Mal, wenn ich meinen Finger nach unten be-
wege und das Wort Schlaf sage, sinkst Du doppelt so tief in die Hypnose als
beim letzten Mal. Jedes Mal tiefer.“ (Verknüpfung mit Fraktionierung)
→ „Ich werde gleich von 5 bis 0 zählen. Mit jeder Zahl, die vorbeigeht, verdop-
pelst Du das entspannte Gefühl und gehst doppelt so tief in die Hypnose.
Stell Dir ein Ziel bei der Null vor: Einen Torbogen oder einfach die Null
selbst, durch die Du hindurchgehen kannst. Mit jeder Zahl, die vorbei geht,
sinkst Du tiefer in die Entspannung, bis Du vor Deinem riesengroßen Ziel
bist, so nah, dass Du mitten hindurchgehst, ist ein Gefühl von ganz tiefer
Hypnose und es fühlt sich sehr gut an. Jetzt fang an zu gehen, oder zu
schweben, 5 – näher und näher 4 – tiefer und tiefer 3 – meine Stimme führt
Dich näher und tiefer 2 – gleich gehst Du durch den Bogen und es fühlt sich
gut an 1 – und… 0 … ganz durch … tiefer Schlaf…
→ Treppenstufen abwärts etc.
→ Hochhaus bei Nacht, bei dem von oben nach unten die Lichter ausgehen…

• Schleifen
→ „Je tiefer Du gehst, umso besser fühlst Du Dich und je besser Du Dich
fühlst, umso tiefer gehst Du…“
→ „Deine Augenlieder flattern und Du gehst tiefer und je tiefer Du gehst, umso
mehr flattern Deine Augenlider…“ (Sehr wirkungsvoll: Sollte mit allen Zei-
chen der Hypnose verwendet werden!)

• Verkettungen
→ „Immer tiefer mit jedem tiefen Ausatmen, immer tiefer mit jedem Herz-
schlag, immer tiefer mit jedem Wort, das ich sage…“
SCHNELL-INDUKTIONEN – ALLGEMEINER AUFBAU SEITE 48

SCHNELL-INDUKTIONEN
ALLGEMEINER AUFBAU
• Setting:
→ Der Kontext ist die Induktion!
– Eine formelle Induktion ist Teil des Kontextes
→ Bereitschaft zur Hypnose
Aufgaben des Hypnotiseurs im Praxis-Setting:
– Angst vor der Hypnose gründlich auflösen
– Alle Missverständnisse über Hypnose klären
– Die Erwartungshaltung steigern
– Die Vorstellungskraft erweitern
– Den Rapport und gleichzeitig die Kontrolle behalten
→ Im Setting von Straßenhypnose, Party etc. kann unter Umständen auf
einige der oben genannten Punkte verzichtet werden.
Die Erwartung der Hypnosepartner entspricht dann dem Bild der
Hypnose in der Öffentlichkeit. Wenn keine Aufklärung erfolgt, kann man
diese Erwartung in einem nicht-therapeutischen Setting sehr gut
utilisieren. Angst vor der Hypnose bleibt jedoch der hauptsächliche Hinde-
rungsgrund am Erfolg. Auf der anderen Seite ist eine Mischung aus Angst,
Neugier und Faszination, dass der Hypnotiseur „jetzt gleich“ hypnotisieren
könnte, eine sehr gute Voraussetzung für den Erfolg.
→ „Bist Du schon mal hypnotisiert worden?“
– Wenn ja: „Hat es sich gut angefühlt?“ [...]
„Gut, erinnere Dich einfach an das gute Gefühl…“
→ Keine körperlichen Probleme, die Bewegungen bei der Induktion betreffen
(z.B. Arm, Nacken...)
→ Die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöht sich durch:
SCHNELL-INDUKTIONEN – ALLGEMEINER AUFBAU SEITE 49

– Keine Angst bzw. Hemmungen vor der Hypnose (wichtig!)


– Positive Erwartung, dass gleich Hypnose stattfindet
– Erklärung des Wortes „Schlaf“
– Erklärung, was in der Hypnose passieren wird:
Dem Probanden sagen, was er gleich tun soll!
– Klienten immer wieder ermuntern und loben

• Überraschung, z.B. unerwartete Bewegung oder Unterbrechung eines Bewe-


gungs- oder Denkmusters:
→ Es eignet sich jede Überraschung, die nicht automatisch eine reflexartige
Reaktion auslöst, sondern die eine kognitive Neubeurteilung der Situation
erfordert
→ Das Nervensystem gerät schlagartig in einen Zustand der Spannung (über
normal)
→ Der Verstand benötigt knapp eine Sekunde, um die unerwartete Situation
einordnen zu können
→ Während dieser Zeit ist der Verstand überlastet und das Unterbewusstsein
ist für Suggestionen offen

• Suggestion des Wortes „Schlaf“ während der einen Sekunde der Verwirrung
(max. 0,5 Sekunden nach dem Beginn der überraschenden Bewegung)
→ Das Nervensystem geht in einen Zustand der Entspannung (unter normal)
→ Beginn der Entspannungstrance

• Ist der Proband nicht mit der Hypnose einverstanden, geht er nach der Sekunde
der Verwirrung sofort wieder aus der Trance!

• In allen Fällen ist es entscheidend, dass der Hypnotiseur sofort weiterspricht und
die Hypnose vertieft. Jede Verzögerung birgt ein hohes Risiko, das der Proband
aus der Trance geht.

• Regel:
→ Eine schnelle Induktion ohne Vertiefung führt zu einer kurzen Trance, die
schnell wieder verschwunden sein kann
SCHNELL-INDUKTIONEN – ALLGEMEINER AUFBAU SEITE 50

→ Eine langsame Induktion oder eine Schnellinduktion mit Vertiefung führt zu


einer über einen längeren Zeitraum stabilen Trance
→ Nahezu jede Suggestion und Interaktion mit dem Hypnotiseur wird in der
Hypnose zur Vertiefung, solange Rapport besteht

• Direkt nach dem Wort „Schlaf“, während der ersten Vertiefung, kann der Kopf
rotiert werden. Diese hat folgende Wirkung:
→ Die Nackenmuskeln sind die Muskeln, die sich zuletzt entspannen. Das Ro-
tieren führt dabei schnell eine Entspannung herbei.
→ Der Hypnotiseur kann zuverlässig fühlen, wie gut der Proband in die Ent-
spannung geht
→ Manipulation des Gleichgewichtssinns, leichtes Schwindelgefühl, erleichtert
die Entspannung und erhöht die Suggestibilität
→ Der Proband erlebt, dass er dem Hypnotiseur sein Leben anvertraut (der
Hypnotiseur könnte ihm das Genick brechen). Dieses Erlebnis verstärkt den
Rapport und vertieft die Hypnose äußerst wirkungsvoll (gleiche Wirkungs-
weise wie bei der „Umfall-Induktion“ der Show-Hypnose).
→ Alternative: Kopf sanft hin- und herwiegen und dabei nach unten bewegen
oder Hand in den Nacken legen und leicht schaukeln

• Nicht vergessen: Alle Übungs-Suggestionen, die der Hypnosepartner nicht


behalten soll, müssen aufgelöst werden. Nach der Hypnose sollte geprüft wer-
den, ob die Suggestionen wirklich ganz aufgelöst sind!
SCHNELL-INDUKTIONEN – DIE ACHT-WORT-INDUKTION SEITE 51

DIE ACHT-WORT-INDUKTION 3
„Drück gegen meine Hand ... schließ‘ Deine Augen ... SCHLAF!“

ABLAUF

• Wegen der Bewegung nach vorne ist diese Induktion besser im Sitzen durchzu-
führen.
Großer Vorteil: Man muss nur 8 Worte auswendig lernen. Alles, was man danach
suggerieren möchte, kann man ablesen, denn der Proband sitzt mit geschlosse-
nen Augen da und man muss ihn nicht mehr zwingend berühren.

• Mögliche zusätzliche Konfusion: Eine Hand nehmen, dann fragen „Bist Du


Rechts- oder Linkshänder?“ und dann, unabhängig von der Antwort, grundsätz-
lich zur anderen Hand wechseln.

• Seitlich im 45°-Winkel zum Probanden sitzen.


Der Hypnotiseur kann seinen Ellenbogen auf seinem Oberschenkel abstützen.

• Erklären: „Ich werde Dich gleich bitten, Deine Hand auf meine Hand zu legen.
Du wirst auf meine Hand drücken und ich werde von unten dagegen drücken.
Dann werden sich Deine Augen schließen, Dein Kopf fällt entspannt nach vorne
und Du gehst in eine ganz angenehme, tiefe Entspannung.“ Okay? [...]

• Beim Drücken auf die Hand auffordern, fester zu drücken, gleichmäßig usw.
– Ziel: Die ganze Aufmerksamkeit ist auf die Hand fokussiert!

• Überraschend die Hand seitlich wegziehen (vom Körper weg), „Schlaf“ rufen
→ der Zeitpunkt kann in weiten Bereichen variiert werden, so dass der Klient
auch bei Wiederholungen nie vorher wissen kann, wann es passiert

• Kontakt mit Hand am oberen Rücken aufnehmen, mit anderer Hand an den Kopf.
Kopf und Oberkörper leicht hin- und her schaukeln, dabei Kopf langsam nach

3
Nach Calvin Banyan, www.hypnosiscenter.com
SCHNELL-INDUKTIONEN – DIE ACHT-WORT-INDUKTION SEITE 52

unten bewegen.
(Beim Absenken des Kopfes müssen sich die Nackenmuskeln entspannen!)

• „Während ich Dich leicht bewege, geh tiefer in die Entspannung. Je tiefer Du
gehst, umso besser fühlst Du Dich, je besser Du Dich fühlst, um so tiefer gehst
Du. Wenn ich aufhöre, Dich zu bewegen, gehst Du noch tiefer in die Entspan-
nung ... [beim Ausatmen] tiefer ... gut!“

• „Du sitzt sicher auf Deinem Stuhl und tief entspannt. Lass jeden Muskel ganz
entspannt werden. Achte jetzt auf Deine Atmung. Du atmest Entspannung ein
und atmest alle Anspannung aus. Und mit jedem Ausatmen gehst Du ganz von
alleine tiefer in die Entspannung ... gut! ...

• Weitere Vertiefung: z. B. Zählen synchron mit dem Ausatmen, Schultern beim


Ausatmen leicht niederdrücken, begleitet von Suggestionen zur Vertiefung der
Entspannung.
SCHNELL-INDUKTIONEN – „ARM PULL“ INDUKTION SEITE 53

„ARM PULL“ INDUKTION 4


• Hypnotiseur muss sicher stehen, guter Abstand zwischen den Füßen, guter
Bodenkontakt, Knie können federn

• „Ich werde Dich gleich bitten, mir Deine Hand zu geben. Ich werde Deine Hand
nach unten bewegen und wenn ich das tue, schließen sich Deine Augen, Dein
Kopf nickt nach vorne und Du gehst in eine angenehme Entspannung und es
fühlt sich wunderbar an … ist das okay für Dich? [...] Und Du kannst die ganze
Zeit sicher stehen, Deine Beine tragen Dich.“

• [Prüfen, ob Proband kooperativ ist:] „Gib mir Deine Hand [ab jetzt Hand halten!]
… komm‘ einen Schritt näher zu mir … stell‘ Deine Füße zusammen“

• [Der Hypnotiseur steht jetzt physisch stabiler als der Proband]

• „Schau mich an, genau hier!“ [Mit einem Finger unter ein Auge zeigen]

• Die Hand auf die Schulter des Probanden legen, dann Kontakt mit der ganzen
Handfläche im Bereich zwischen Nacken und Hinterkopf.

• Den Probanden freundlich, aber bestimmt und konzentriert anschauen: Entwe-


der auf den Punkt zwischen seinen Augenbrauen oder „durch ihn hindurch“ auf
einen imaginären Punkt hinter seinem Kopf oder mit dem „hypnotischen Blick“.

• Überraschend und ruckartig (aber nicht gewalttätig) den Arm im 45°-Winkel


nach unten ziehen, so, dass die Schulter folgt. „Schlaf!“

• Wenn gewünscht: Hand gleich an den Kopf nehmen und Kopf rotieren.
[Linke Hand bleibt dabei am Nacken/Hinterkopf]
Oder: Kopf leicht drehen und auf die Schulter legen,
oder: Proband leicht schaukeln

• Weiterer Ablauf wie bei der Acht-Wort-Induktion

4
Nach Brian David Phillips (www.briandavidphillips.com), Sean Michael Andrews (www.worldsfastesthypnotist.com) u. a.
SCHNELL-INDUKTIONEN – SPICKZETTEL STRASSENHYPNOSE SEITE 54

SPICKZETTEL STRASSENHYPNOSE

ANSPRECHEN

„Ich bin Hypnosetherapeut. Wir machen einen Wettbewerb, wer die meisten Leute
hypnotisiert. Es ist ganz leicht und fühlt sich gut an. Möchten Sie mir helfen?“
„Hallo! Ich hypnotisiere Menschen. Möchten Sie es erleben?“
„Wir zeigen/demonstrieren Hypnose und wie leicht es ist, in Hypnose zu gehen und
wie gut es sich anfühlt. Möchten Sie sich gut fühlen? / Möchten Sie es erleben?“
Mit Kamera: „Wir machen eine Serie über Hypnose… wir möchten zeigen, wie
einfach Hypnose ist und wie gut es sich anfühlt. Möchten Sie mitmachen?
„Es geht nur, wenn Sie es selbst wollen. Wollen Sie wirklich?“
„Es dauert nur 5 Minuten!“

STICHWORTE ZUR „ARM-PULL INDUKTION“

Für den Moment „per Du“ sein... („Das ist einfacher für das Unterbewusstsein“)
„Ich werde Dich gleich bitten, mir Deine Hand zu geben. Ich werde Deine Hand
nach unten ziehen und wenn ich das tue, schließen sich Deine Augen, Dein Kopf
sinkt nach vorne und Du gehst in eine angenehme Entspannung und es fühlt sich
wunderbar an .. ist das okay für Dich? [...] Obwohl Dein Körper total entspannt ist,
kannst Du sicher stehen, Deine Beine tragen Dich.“
Sicherer Stand, Hand geben, Proband macht Schritt nach vorne, Füße zusammen
„Schau mich an, genau hier“
Hand auf Schulter, anschauen, Hand in Nacken, Blick…, „SCHLAF!“, Kopf rotieren
„Tiefer, tiefer Schlaf während ich Deinen Kopf bewege, geh tiefer entspannt. Je
tiefer Du gehst, umso besser fühlst Du Dich, je besser Du Dich fühlst, umso tiefer
gehst Du. Wenn ich aufhöre Deinen Kopf zu bewegen, gehst Du noch tiefer in die
Entspannung ... [beim Ausatmen] tiefer ... gut!“
„Du bist sicher, lass jeden Muskel ganz entspannt werden.“
„Atme tief ein … und jeden Rest Anspannung aus … gut.“
„Ich zähle jetzt von 1 bis 5 …“
[Im Atemrhythmus zählen und auf Schulter drücken]
SCHNELL-INDUKTIONEN – BEISPIELE FÜR MÖGLICHE SUGGESTIONEN SEITE 55

BEISPIELE FÜR MÖGLICHE SUGGESTIONEN


Geordnet nach erforderlicher Hypnosetiefe bzw. Suggestibilität.
Augenlid-Katalepsie
Armkatalepsie
Glücksballons
Hand festgeklebt (mit Augen zu)
Hand oder Fuß festgeklebt (mit Augen auf, dabei noch tiefer in die Hypnose!)
Hände können nicht aufhören zu rotieren
Amnesie Zahl 7: Erst spielen als kleiner Junge/kleines Mädchen: So tun als ob, die
Zeit vergeht und man merkt es gar nicht, das Spiel wird immer mehr Realität.
Dann: Mit Augen zu auf Handrücken malen, ausradieren, da ist keine Zahl zwischen
6 und 8, 6 und 8 rücken zusammen... wie ein Spiel, Spaß dabei, den Spaß des
kleinen Jungen/Mädchens… nicke, wenn das okay für Dich ist… mit geschl.
Augen zählen lassen (macht Spaß!), wenn okay mit Augen auf Finger zählen lassen
(macht Spaß!). Elfter Finger ist Finger für Glücksgefühle. Steigerung: Finger reiben!
Trigger für Re-Induktion: Auf Probanden zeigen und „Schlaf“
(oder z.B. Hypnotiseur zieht an seinem Ohrläppchen…)
Namen vergessen (Suggestion mit Augen zu, prüfen mit Augen auf)
Analgesie (Kneifen): Augenschluss, blauen Himmel sehen: „Du siehst weiterhin
dauernd den blauen Himmel. Und ich bin jetzt hier an Deinem Arm, das merkst Du
auch, aber Du fühlst Dich vollkommen wohl dabei, nichts kann Dich stören…“
Positive Halluzination: Ich halte ein Ei in meiner Hand, Du siehst es ganz deutlich.
Welche Farbe hat es? ... Jetzt schlüpft aus diesem Ei etwas ganz Nettes...
Negative Halluzination: Du kannst mich nicht mehr sehen, ich bin unsichtbar. Du
kannst mich aber weiterhin hören und befolgst was ich sage. Und Du kannst Dinge
sehen, die ich in der Hand habe. Nur ich bin unsichtbar.

Worte für Augenlid-Katalepsie:


„Wenn ich gleich von 1 bis 3 zähle, fühlst Du, wie Deine Augenlider sich dicht und fest
verschließen. 1 – Fühle, wie Deine Augenlider dicht geschlossen sind, als würde ich
Säcke mit 5 Kilo schwerem magischen Sand drauf legen, als wären sie mit Superkleber
festgeklebt. 2 – Die Augenlider sind fest zusammengeschweißt. 3 – Als ob sie so fest
verschmolzen sind, dass sie sich nicht öffnen. Sie sind wirklich so dicht geschlossen
verklebt, je mehr Du versuchst sie zu öffnen, umso dichter und fester schließen sie sich
... dichter und fester verschlossen. Versuch sie zu öffnen, sie gehen fester zusammen
... [testen!] ... hör auf zu versuchen und geh tiefer in die Entspannung.“
SCHNELL-INDUKTIONEN – BEISPIELE FÜR MÖGLICHE SUGGESTIONEN SEITE 56

FINGERMAGNETE ALS INDUKTION


[Immer erst erklären, was der Klient tun soll:]
Wenn ich nachher das Wort Schlaf sage, dann meine ich damit, dass sich Deine Augen
schließen und sich alle Deine Muskeln vollkommen entspannen. Es fühlt sich gut an.
Okay? […]

Benutze Deine Vorstellungskraft, konzentriere Dich!


Strecke Deine Arme aus … falte die Hände ineinander, die Daumen und alle Finger
überkreuzen sich, halte sie dicht zusammen … lass die Hände zusammen und winkle
die Ellenbogen an, als würdest Du beten …

[Wenn man erst die Arme ausstrecken lässt, sind die Hände danach dichter gefaltet und
dadurch ziehen die Zeigefinger leichter zusammen.]

Strecke Deine beiden Zeigefinger aus, schau genau zwischen Deine beiden Finger.

Zwischen Deinen Fingern sind Magnete, die Finger ziehen zusammen. Bewege sie
nicht, sie ziehen von alleine zusammen, langsam näher und näher … immer noch
näher und näher …

Wenn sich die Finger berühren, in dem Moment, schließe Deine Augen und alle
Muskeln entspannen sich …

[Sobald sich die Finger berühren:]


Schlaf! Tiefer, tiefer Schlaf! Tiefer mit jedem Wort, das ich sage.
[Dabei Arme und Kopf/Nacken nach unten drücken]

Je tiefer Du gehst, umso besser fühlst Du Dich, je besser Du Dich fühlst,


umso tiefer gehst Du ... gut! …

[Die Induktion kann sanft ohne Schock ausgeführt werden, indem man „Schlaf“ nicht
zu laut sagt und die Bewegungen sanft ausführt, sie kann jedoch auch nach dem
Schema einer echten Schnellinduktion mit Überraschung/Schock ausgeführt werden.]
SCHNELL-INDUKTIONEN – HANDMAGNETE SEITE 57

HANDMAGNETE
[Immer erst erklären, was der Klient tun soll..., auf „Schlaf!“ vorbereiten.]

Strecke Deine Arme aus, mit Schulterbreite Abstand. Drehe die Handflächen zueinan-
der.

Schau genau an den Punkt in der Mitte zwischen Deinen Händen. Stell Dir jetzt vor, da
sind Magnete in Deinen Händen und sie ziehen zueinander.

Benutze Deine Vorstellungskraft, konzentriere Dich! Schließe Deine Augen.

Die Magnete ziehen Deine Hände zusammen. Drück sie nicht zusammen, es geht von
alleine, die Magnete ziehen sie immer näher zusammen. Sie kommen näher, näher und
dichter, immer näher … näher und immer noch dichter zusammen …

Wenn sich die Hände berühren, in dem Moment, schließe Deine Augen und alle
Muskeln entspannen sich …

[Sobald sich die Hände berühren:]


Schlaf! Tiefer, tiefer Schlaf! Tiefer mit jedem Wort, das ich sage.
[Dabei Arme und Kopf/Nacken nach unten drücken]

Je tiefer Du gehst, umso besser fühlst Du Dich, je besser Du Dich fühlst,


umso tiefer gehst Du ... gut! …

[Die Induktion kann sanft ohne Schock ausgeführt werden, indem man „Schlaf“ nicht
zu laut sagt und die Bewegungen sanft ausführt, sie kann jedoch auch nach dem
Schema einer echten Schnellinduktion mit Überraschung/Schock ausgeführt werden.]
SCHNELL-INDUKTIONEN – RAKETENSTART SEITE 58

RAKETENSTART 5
„Hast Du schon mal in einem Comic oder auch in einen alten Film gesehen, bei dem
jemand für den Start eine Rakete nach dem Countdown bei Null einen großen Hebel
betätigt hat und dann ist die Rakete gestartet? Oder stell Dir einfach vor, Du hättest
eine Rakete und so einen Hebel. Einen richtig großen Hebel, auf Augenhöhe direkt vor
Dir. Du musst den Hebel ganz nach unten ziehen, um die Rakete zu starten. Wenn Du
den Hebel nach unten ziehst, dann startet die Rakete. Und ich weiß nicht, ob Du Dir
auch im Hintergrund eine Rakete vorstellen kannst… es ist eine richtig große Rakete!

Und wenn der Hebel nach unten geht, dann ist Dein Inneres bereit, in Hypnose zu
gehen. Das geht, weil Du selbst laut den Countdown zählst, von 10 bis Null.

Lege Deine Hand an den Hebel [Proband hält Hand hoch an den imaginären Hebel] und
stell Dir die Rakete vor. Mach Dich bereit. Zähle von 10 bis Null und bei Null bewegst
Du Deine Hand mit dem Hebel nach unten und die Rakete startet. Ist das okay? … Gut.
Fang an!“

Der Proband zählt. Wenn er bei „Eins“ angelangt ist, bevor er „Null“ sagen kann, drückt
der Hypnotiseur die Hand plötzlich nach unten (schnell nach unten drücken aber
natürlich nicht schlagen), ruft „Schlaf“ und verfährt weiter wie bei der Arm-Pull- oder
Acht-Wort-Induktion.

5
In Anlehnung an Calvin Banyan, www.hypnosiscenter.com
SCHNELL-INDUKTIONEN – PENDEL-INDUKTION SEITE 59

PENDEL-INDUKTION 6
Das Pendel wird hier zur Verstärkung von ideomotorischer Bewegung genutzt. Wenn
das Pendel sich auf Suggestion hin (durch Vorstellungskraft) bewegt, ohne dass der
Proband es bewusst bewegt, dann befindet er sich bereits in einem Zustand, in dem
der Kritische Faktor des Bewusstseins umgangen wird. Er befindet sich damit am
Anfang der Hypnose.

Der Proband hält das Pendel am Ende der Schnur mit fast senkrecht angewinkeltem
Unterarm. Es ist hilfreich, wenn der Hypnotiseur zunächst die Vorstellungskraft
erweitert, indem er etwas über den Kristall des Pendels erzählt. Gut geeignet ist ein
Bergkristall. Wenn man genau hineinschaut, entdeckt man darin feine und ganz
einzigartige Strukturen. Man kann nie alle Strukturen auf einmal erfassen und welche
Strukturen man erfassen kann, das hängt davon ab, was das Unterbewusstsein sehen
möchte…

Nun bittet man den Probanden, dass er sich vorstellen soll, dass das Pendel sich von
rechts nach links und zurück bewegt, ganz von alleine. Ohne es bewusst zu bewegen,
stellt der Proband es sich vor, immer mehr und immer weiter…

„… während das Pendel sich ganz von alleine weiter bewegt, stell Dir vor, dass Deine
Augenlider schwerer und schwerer werden, während das Pendel immer weiter
schwingt, immer mehr, während Deine Augenlider schwer werden und schwerer…

[So lange weitermachen, bis die Augen sich sichtbar schließen wollen…]

Gleich, wenn ich von 1 bis 3 zähle, wird das Pendel sich immer weniger hin- und her
bewegen, bei drei fällt Dein Arm nach unten und Deine Augen sind geschlossen. Mach
Dich bereit: 1 … 2 … 3 … Schlaf, tiefer Schlaf…“

Sofort vertiefen!

Wahlweise kann statt des Zählens oder bei „3“ ein Element von Überraschung/Schock
eingesetzt werden (Schlaf rufen, Hand schnell nach unten drücken…).

6
In Anlehnung an Calvin Banyan, www.hypnosiscenter.com
SCHNELL-INDUKTIONEN – PENDEL-INDUKTION SEITE 60

HANDSHAKE-INDUKTION
Ideal zum Pyramidisieren: Erst Fingermagnete, dann Arm-Magnete, dann Handshake-
oder Arm-Pull- oder Acht-Wort-Induktion.

„Danke, dass Du mitmachst!“ [Oder:] „Darf ich Deine Hand nehmen?“

Der Hypnotiseur bewegt die rechte Hand, als wollte er die Hand geben. Wenn der
Proband seine rechte Hand ausstreckt, zieht der Hypnotiseur seine rechte Hand zur
Seite und greift mit der linken Hand leicht das rechte Handgelenk des Probanden (in
einer fließenden Bewegung, 3-Finger-Trick!). Der Hypnotiseur führt die Hand des
Probanden in einer weiterhin fließenden Bewegung ca. 30 cm vor das Gesicht des
Probanden. Gleichzeitig zeigt er mit dem rechten Zeigefinger auf die Handfläche des
Probanden.

„Schau auf die Linien in der Hand!“

„Genau! Schau auf die Linien und Du siehst, die Hand bewegt sich zu Dir.“

[Die Hand leicht Richtung Gesicht bewegen]

„Du merkst, wie sich Dein Fokus verändert und Deine Augen wollen sich schließen …“

[Gleichzeitig die rechte Hand vor den Augen nach unten bewegen.]

„… während Du merkst, wie Deine Hand immer näher zu Deinem Gesicht kommt …“

[Die Hand wird kataleptisch]

„Genau, näher und näher… bis Du es einfach geschehen lässt… ganz tief… nach
innen… genau… während die Hand völlig unbeweglich genau dort bleibt…“

Hinweis: Man greift die Hand am besten am Handgelenk und dann hält man sie mit drei
Fingern, wobei der Mittelfinger von außen leicht auf das Handgelenk drückt.
SCHNELL-INDUKTIONEN – „HYPNOSE ÜBEN“ ALS INDUKTION SEITE 61

„HYPNOSE ÜBEN“ ALS INDUKTION


Diese Induktion ist sehr effektiv, arbeitet ohne Schock und ist erstaunlicherweise in
Deutschland wenig bekannt.

Wichtig: Die Wortwahl ändert sich mit jeder Wiederholung. Zunächst ist sie sehr
permissiv und betont das Tun des Probanden. Dann wird sie immer direkter und betont
das „automatische“ Geschehen.

Wahlweise kann der Hypnotiseur die Induktion zunächst dreimal mit seinem eigenen
Arm vorführen und dabei demonstrieren, wie sich die Augen schließen und wie es
aussieht, in Hypnose zu gehen.

„Kann ich gleich deinen Arm für die Hypnose nehmen? … Gut. Ich werde gleich Deine
Hand an Deinem Handgelenk so anheben [machen, möglichst mit drei Fingern,
Zeigefinger außen auf dem Handgelenk] …, und geh nicht in Hypnose, denn ich möchte
es Dir erst erklären.“

[Der Unterarm ist ca. 90° nach oben angewinkelt]

„Damit kannst Du nachher in Hypnose gehen… und um aus der Hypnose wieder
rauszukommen, werden wir Deine Hand nach unten bewegen, so … [machen].

Okay… [Hand langsam wieder anheben] Wenn die Hand an einen bestimmten Punkt
nach oben kommt, dann wirst Du spüren, dass Dinge anders werden, weil Du weißt,
dass Du in Hypnose gehst… Deine Augen schließen sich dann, Dein Atmen verändert
sich und Du würdest dann noch tiefer gehen, und um wieder rauszukommen, hellwach,
lassen wir die Hand nach unten gehen [machen], so … Ist das okay für Dich?

Ich mache es jetzt noch nicht mit Dir. Ich möchte, dass Du ein Gefühl dafür kriegst und
wenn jetzt der Moment ist, dann würde ich einfach so Deinen Arm nehmen [machen
und anheben] und an dem Punkt aufhören, wenn Deine Wahrnehmung nach innen geht,
wahrscheinlich merkst Du, dass Deine Augen sich schließen würden, die Hand stoppt
von alleine. Dann bewege ich sie zurück nach unten [machen]. Gut.
SCHNELL-INDUKTIONEN – FINGER AN DER STIRN SEITE 62

[Falls nötig, noch mehrmals wiederholen und dabei immer weniger ziehen oder
drücken, so dass der Arm sich immer mehr von alleine bewegt...]

Und wenn wir es jetzt wirklich machen würden, dann würde ich Deinen Arm nehmen…
[machen] und während Dein Arm höher steigt, genau so, und sich Deine Augen
schließen… gut… stoppt der Arm ganz von alleine… und Du weißt, was Du tust, was
geschieht, genau… Augen geschlossen, tiefer Schlaf, tiefer, tiefer Schlaf…“

Sofort vertiefen! Die Hand kann kataleptisch bleiben. Man kann auch suggerieren, dass
sie von alleine nach unten sinkt in dem Maß, in dem sich die Hypnose vertieft – oder
dass sie höher steigt.

FINGER AN DER STIRN


Diese Induktion ist sehr einfach und basiert auf dem Suggestibilitätstest „Fenster im
Kopf“ (siehe Seite 33). Statt einem suggerierten Fenster drückt der Hypnotiseur mit
dem Finger gegen die Stirn. Er sagt dabei:

„Lass mich Deinen Kopf nicht zurückdrücken!“

Während der Proband sich davon überzeugt, dass er seine Augen nicht öffnen kann, in
dem Augenblick, in dem er es gerade merkt, zieht der Hypnotiseur den Finger weg,
lässt den Kopf nach vorne sinken und verfährt mit einer klassischen Schnellinduktion
„Schlaf!“ und Vertiefung.
SCHNELL-INDUKTIONEN – FOLGE MEINER HAND SEITE 63

FOLGE MEINER HAND


„Ich nehme Deinen Arm, gibt mir Deinen Arm, lass ihn vollkommen locker und schlaff
werden…

[Arm laufend bewegen und leicht schütteln]

[Der Hypnotiseur hält seine andere Hand, Aufmerksamkeit erregend mit sich bewegen-
den Fingerspitzen, knapp oberhalb der Augen des Probanden]

Schau jetzt nur noch auf meine Hand und folge meiner Hand mit Deinem Kopf!“

Der Hypnotiseur bewegt die Hand langsam nach unten, während der Kopf des
Probanden nach unten folgt. Gleichzeitig zieht der Hypnotiseur etwas mehr am laufend
weiter bewegten Arm, so dass der Oberkörper des Probanden sich nach vorne neigt.

Dann zügig „Schlaf!“ und weiterer Verlauf als Schnellinduktion mit Vertiefung.

DER „HYPNOTISCHE BLICK“


Der Amerikaner Paul Scheele hat eine erfolgreiche Methode zum Schnelllesen
entwickelt, die er „Photo Reading“ nennt. Dabei fixiert man mit dem Blick nicht das
Wort, das man gerade liest, sondern man erfasst die Seite als Ganzes. Es ist ein
besonderer und entspannter mentaler Zustand notwendig, um eine Seite „mit weichen
Augen“ (Zitat Paul Scheele) zu erfassen. Dieser Zustand entspricht einer recht tiefen
Trance. Somit stellt das Erlernen von Photo Reading – das viel Übung erfordert – das
Erlernen einer speziellen Form von Selbsthypnose dar.

Wenn man die spezielle Blickweise beherrscht, die Scheele mit „weichen Augen“
beschreibt, dann geht man also jedes Mal in Selbsthypnose. Baut man nun im Gespräch
Rapport zu einer anderen Person und schaut diese Person dann direkt an, während
man den „weichen Blick“ anwendet (nicht auf eine Textseite, sondern auf das Gesicht
der anderen Person), so wird eines von zwei Dingen geschehen: Die Person hält den
SCHNELL-INDUKTIONEN – DER „HYPNOTISCHE BLICK“ SEITE 64

Rapport und geht mit in Hypnose – oder sie bricht den Rapport, um nicht mit in
Hypnose gehen zu müssen.

Diese Technik bietet enormes Potenzial, erfordert jedoch auch viel Übung. Ein gutes
Buch zur Einführung finden Sie hier: www.amazon.de/dp/3873872137

Eine einfache Technik zur Übung des hypnotischen Blicks funktioniert so:

Halte die folgende Seite mit dem Kreuz in knapp einer Armlänge Abstand von Deinen
Augen. Erkunde nun kurz, wie Dein Blick normalerweise die Seite erfasst: Er befindet
sich immer an einer bestimmten Stelle, die jedoch laufend wechselt. Verändere nun
Deine Wahrnehmung so lange, bis Du dauerhaft die vier Enden des Kreuzes möglichst
gleichzeitig wahrnehmen kannst. Anfangs erlebst Du möglicherweise, dass Dein Blick
immer wieder auf eine einzelne Stelle oder ein einzelnes Wort zurückgeht. Dies ist nicht
verwunderlich, denn so hast Du das Betrachten einer Seite ein Leben lang trainiert.

Nachdem Du die „weichen Augen“ auf der Übungsseite beherrschst, blätterst Du auf
eine andere Seite, schaust nach oben, atmest tief ein und entscheidest, dass Du das
Kreuz als positive Halluzination auch auf dieser Seite sehen möchtest. Bei Ausatmen
bewegst Du Deinen Blick nun auf diese Seite. Stelle Dir das Kreuz so realistisch wie
möglich vor und betrachte dieses halluzinierte Kreuz und damit die ganze Seite mit den
„weichen Augen“.

Wenn Du reproduzierbar eine beliebige Seite mit den „weichen Augen“ betrachten
kannst, dann bist Du bereit, den Blick mit einem Hypnosepartner anzuwenden. Schau
zunächst über den Kopf des Probanden hinweg, und atme tief ein. Bringe das Kreuz
beim Ausatmen über das Gesicht des Probanden, auf der Ebene des Gesichtes, als
wäre sein Gesicht eine Textseite.
SCHNELL-INDUKTIONEN – DER „HYPNOTISCHE BLICK“ SEITE 65

Das ist eine Übungsseite für den hypnotischen Blick. Du solltest keines dieser Worte
bewusst lesen. Wenn Du ein einzelnes Wort bewusst wahrnehmen kannst, hast Du den
hypnotischen Blick verlassen. Das ist eine Übungsseite für den hypnotischen Blick. Du
solltest keines dieser Worte bewusst lesen. Wenn Du ein einzelnes Wort bewusst
wahrnehmen kannst, hast Du den hypnotischen Blick verlassen. Das ist eine Übungs-
seite für den hypnotischen Blick. Du solltest keines dieser Worte bewusst lesen. Wenn
Du ein einzelnes Wort bewusst wahrnehmen kannst, hast Du den hypnotischen Blick
verlassen. Das ist eine Übungsseite für den hypnotischen Blick. Du solltest keines
dieser Worte bewusst lesen. Wenn Du ein einzelnes Wort bewusst wahrnehmen kannst,
hast Du den hypnotischen Blick verlassen. Das ist eine Übungsseite für den hypnoti-
schen Blick. Du solltest keines dieser Worte bewusst lesen. Wenn Du ein einzelnes Wort
bewusst wahrnehmen kannst, hast Du den hypnotischen Blick verlassen. Das ist eine
Übungsseite für den hypnotischen Blick. Du solltest keines dieser Worte bewusst lesen.
Wenn Du ein einzelnes Wort bewusst wahrnehmen kannst, hast Du den hypnotischen
Blick verlassen. Das ist eine Übungsseite für den hypnotischen Blick. Du solltest keines
dieser Worte bewusst lesen. Wenn Du ein einzelnes Wort bewusst wahrnehmen kannst,
hast Du den hypnotischen Blick verlassen. Das ist eine Übungsseite für den hypnoti-
schen Blick. Du solltest keines dieser Worte bewusst lesen. Wenn Du ein einzelnes Wort
bewusst wahrnehmen kannst, hast Du den hypnotischen Blick verlassen. Das ist eine
Übungsseite für den hypnotischen Blick. Du solltest keines dieser Worte bewusst lesen.
Wenn Du ein einzelnes Wort bewusst wahrnehmen kannst, hast Du den hypnotischen
Blick verlassen. Das ist eine Übungsseite für den hypnotischen Blick. Du solltest keines
dieser Worte bewusst lesen. Wenn Du ein einzelnes Wort bewusst wahrnehmen kannst,
hast Du den hypnotischen Blick verlassen. Das ist eine Übungsseite für den hypnoti-
schen Blick. Du solltest keines dieser Worte bewusst lesen. Wenn Du ein einzelnes Wort
bewusst wahrnehmen kannst, hast Du den hypnotischen Blick verlassen. Das ist eine
Übungsseite für den hypnotischen Blick. Du solltest keines dieser Worte bewusst lesen.
Wenn Du ein einzelnes Wort bewusst wahrnehmen kannst, hast Du den hypnotischen
Blick verlassen. Das ist eine Übungsseite für den hypnotischen Blick. Du solltest keines
dieser Worte bewusst lesen. Wenn Du ein einzelnes Wort bewusst wahrnehmen kannst,
hast Du den hypnotischen Blick verlassen. Das ist eine Übungsseite für den hypnoti-
schen Blick. Du solltest keines dieser Worte bewusst lesen. Wenn Du ein einzelnes Wort
bewusst wahrnehmen kannst, hast Du den hypnotischen Blick verlassen. Das ist eine
Übungsseite für den hypnotischen Blick. Du solltest keines dieser Worte bewusst lesen.
DIE „SUPER-SUGGESTION“ – DER „HYPNOTISCHE BLICK“ SEITE 66

DIE „SUPER-SUGGESTION“
„Von jetzt an ist alles, was ich sage Deine Realität. Jede Einzelheit. Du weißt das, von
dem ich sage, dass Du es weißt, Du wirst das tun, was ich zu Dir sage, genau so, wie
ich es sage. Du fühlst, was ich sage, das Du fühlen kannst und Du siehst, was ich sage,
das Du sehen kannst. Alles, was ich sage, ist augenblicklich Deine Realität ohne
Zweifel, ohne Fragen, ohne Zögern, denn Du hast ein Bewusstsein und ein Unterbe-
wusstsein und Dein Unterbewusstsein ist unendlich viel stärker. Dein Unterbewusstsein
ist eine Supermacht!“
BESONDERHEITEN DER STRASSENHYPNOSE – STÖRENDE EINFLÜSSE SEITE 67

BESONDERHEITEN DER STRASSENHYPNOSE


STÖRENDE EINFLÜSSE
• Nicht abschaltbare störende Einflüsse von außen müssen utilisiert werden
→ Z.B. „… mache jedes Geräusch zu einem Signal für Dich, noch tiefer in die
Entspannung zu gehen …“

• Skeptische oder herausfordernde Probanden


→ Z.B.„Mit mir könnten Sie das nicht machen!“
Antwort: „Ja, Sie haben eine ganz besondere mentale Stärke! Stellen Sie
sich vor, sie würden diese Stärke selbst gebrauchen, um damit in besonders
tiefe Hypnose zu gehen…“
→ „Mismatcher“: Schon vor der Hypnose sind in der Körpersprache oder gar
der direkten Kommunikation Rapport-Schwierigkeiten ersichtlich. Die einzi-
ge Möglichkeit ist eine Utilitsation des Mismatchings (z.B. wenn der Proband
lacht, wenn er sich konzentrieren soll, suggerieren, dass das Lachen noch
stärker wird in dem Maß, in dem er sich entspannt).

• Schwierige Gruppendynamik
→ Die Gruppendynamik kann bei jeder Hypnose vor einer Gruppe (auf der Stra-
ße oder bei einem Seminar) die Hypnose erheblich vereinfachen oder erheb-
lich stören.
→ In jedem Fall: Rapport mit der Gruppe aufbauen!
→ Faszination und Vorstellungskraft mit der ganzen Gruppe durch Suggestibili-
tätstests („Konzentrationsübungen“) erweitern.
→ Hypnose nur mit den Gruppenmitgliedern vorführen, die bereits beim Sug-
gestibilitätstest eindeutige und kaum spielbare Hypnose-Anzeichen gezeigt
haben.
→ Vorsicht: Gerade in Gruppen gibt es häufig „Schauspieler“, die nur so tun als
wären Sie in tiefer Hypnose.
BESONDERHEITEN DER STRASSENHYPNOSE – SONSTIGES SEITE 68

→ Besonders bei Gruppen von Teenagern und jungen Leuten: Oftmals gibt es
eine Person in der Gruppe, die die Chance sieht, sich vor der Gruppe zu pro-
filieren, indem sie den Hypnotiseur lächerlich macht. Diese Person ist oft
durch die Körpersprache zu erkennen.
→ Setting: Das Wetter, der Standort, die Tageszeit, Sonne oder Schatten… al-
les spielt eine große Rolle. Die besten Erfolge sind möglich, wenn die nach-
folgenden Probanden bereits bei den vorhergehenden Probanden gesehen
haben, wie es funktioniert. Man bekommt die meisten Zuschauer und Pro-
banden, wenn man bereits eine Hypnose vorführt, z.B. einfach mit einem
Kollegen.

SONSTIGES
→ Beste Probanden: 18-25 Jahre, oder jung geblieben,
Zeit, Neugierde, Faszination, Spaß an der Sache
→ Gefahren für die Zuschauer:
– Mitgehen in Hypnose, im Anschluss mangelnde oder fehlende Auflösung,
Kreislaufprobleme (z.B. Kombination aus Trance und praller Sonne im
Sommer)
– Straßenverkehr
→ Rechtliches:
– Vor jeder Aktion auf der Straße immer erst beim zuständigen Ordnungs-
amt fragen und dort die geplante Aktion genau beschreiben. Sollte später
z.B. ein Polizeibeamter nachfragen, ist eine offizielle Genehmigung hilf-
reich.
– Für Videoaufnahmen ist in den meisten Städten eine Drehgenehmigung
erforderlich (beim Ordnungsamt oder der Stelle für Presse- und Öffent-
lichkeitsarbeit).
– Aktionen dürfen nur auf öffentlichem Gelände durchgeführt werden oder
auf Privatgelände mit möglichst schriftlicher Genehmigung des Hausherrn
(auch für Filmaufnahmen und deren Veröffentlichung, falls geplant!).
– Niemanden behindern, nicht zu nahe vor Geschäften.
BESONDERHEITEN DER STRASSENHYPNOSE – SONSTIGES SEITE 69

– Mögliche Behinderungen durch eine größere Anzahl Zuschauer vorherse-


hen und verhindern.
– Probanden nur mit deren ausdrücklicher Genehmigung filmen, die Ge-
nehmigung soll mit aufgezeichnet werden und sich genau auf die geplan-
te Veröffentlichung beziehen (z.B. „In Ausbildungsseminaren“ oder „im
Internet in YouTube“…).
– Keine Kinder und Jugendlichen hypnotisieren (in Zweifel um Ausweis bit-
ten), es sei denn eine glaubwürdig erziehungsberechtigte Person ist da-
bei und einverstanden.
– Keine Krankheiten lindern oder heilen, auch nicht als Heilpraktiker oder
Arzt. (Evtl. mögliche Ausnahmen: Muskelkater oder leichte Verspannun-
gen, aber keine Rückenschmerzen etc.)
→ Sorgfältig für die Sicherheit der Probanden sorgen
(siehe Abschnitt „Gefahren der Hypnose“)
→ Wissen um die Situation der persönlichen Haftpflicht
ÜBUNGSSPIEL – AUFBAU SEITE 70

7
ÜBUNGSSPIEL
AUFBAU
• Gruppen von 5 Personen (2 + 3 Personen)
Die beiden Untergruppen stehen sich in zwei Reihen gegenüber:

bb bbb
Hypnotiseur Proband

• Bei der Verwendung von Spontanressourcen nennt die Person hinter dem Hyp-
notiseur dem Hypnotiseur eine Ressource. Der Hypnotiseur hat anfangs 30 Se-
kunden zum Nachdenken, bis er mit der Hypnose beginnt, dann nur noch 15 Se-
kunden, dann keine Zeit mehr zum Nachdenken. Er muss sofort beginnen.

• Der Hypnotiseur führt mit dem ihm gegenüber stehenden Probanden eine
extrem kurze Hypnose von maximal drei Minuten durch. Während der Hypnose
können die anderen Gruppenteilnehmer nahe um Hypnotiseur und Proband he-
rum stehen, damit sie mithören können. Sofort nach der Hypnose müssen sie
wieder die Aufstellung in zwei Schlangen einnehmen!

• Danach stellt sich der Hypnotiseur hinten in der gegenüber stehenden Schlange
der Probanden an und der Proband stellt sich hinten in der gegenüber stehen-
den Schlange der Hypnotiseure an.

• Der Hypnotiseur nennt dem Probanden vor der Hypnose die Spontanressource
und der Proband entscheidet, ob er bereit ist, mit dieser Ressource eine Hypno-
se zu erleben (dadurch werden Ressourcen vermieden, die für den Probanden
individuell belastend sein könnten, z.B. Angst erzeugen).

7
Nach Brian David Phillips, www.briandavidphillips.com
ÜBUNGSSPIEL – ABLAUF SEITE 71

ABLAUF
• 1. Spontanressource:
Bekannte Induktion oder bekannter Suggestibilitätstest als Induktion
→ Erfahrene Hypnotiseure („Blaue oder Rote“) können sich selbst einen Sug-
gestibilitätstest oder eine Induktion aussuchen, die nicht im Seminar vor-
kam.
→ In allen anderen Fällen gibt der „Hintermann“ des Hypnotiseurs die Res-
source vor.
→ Maximal 2 Minuten pro Hypnose!

• 2. Spontanressource:
Neue Induktion oder Suggestibilitätstest unter Verwendung eines beliebigen
Gegenstandes oder Konzeptes (z.B. Kartenspiel, Sonnenschein…)
→ Der „Hintermann“ des Hypnotiseurs gibt die Ressource vor
→ Maximal 30 Sekunden zum Nachdenken, möglichst weniger!
→ Maximal 2 Minuten pro Hypnose!

• 3. Spontanressource:
Der Proband nennt ein Thema oder eine Tätigkeit, für die er mehr Motivation ha-
ben möchte (3 Sätze! Keine lange Erklärung!).
Beliebige Induktion (ohne Vorgabe) und dann neue Suggestion für mehr Moti-
vation unter Verwendung eines Gegenstandes oder Konzeptes (z.B. Besen, At-
men…)
→ Der „Hintermann“ des Hypnotiseurs gibt die Ressource vor
→ Maximal 15 Sekunden zum Nachdenken!
→ Maximal 3 Minuten pro Hypnose!
HYPNOSE VOR GRUPPEN VORFÜHREN – VORÜBERLEGUNGEN SEITE 72

HYPNOSE VOR GRUPPEN VORFÜHREN


VORÜBERLEGUNGEN
• Welche Fakten will ich der Gruppe innerhalb der gegebenen Zeit vermitteln?

• Was sollen die Teilnehmer nach meiner Präsentation denken:


→ über mich
→ über Hypnose
→ über mein Angebot

• Um dieses Ziel zu erreichen:


→ Welche Fakten erkläre ich und wie?
→ Welche Vorführungen und Suggestionen bringen mich zu meinem Ziel?
→ Welche Vorführungen und Suggestionen sind zwar vielleicht beeindruckend,
aber kontraproduktiv für mein Ziel, weil sie zu sehr als Show wirken, Angst
machen, oder meiner Erklärung von Hypnose scheinbar widersprechen?
→ Was ist die optimale Schnittmenge aus beeindruckenden Vorführungen und
Vorführungen, die meine Botschaft vermitteln und meinem Ziel zuträglich
sind?
– Der völlige Verzicht auf eine Vorführung echter Hypnose entspricht prak-
tisch nie der optimalen Schnittmenge!
HYPNOSE VOR GRUPPEN VORFÜHREN – BEISPIEL FÜR DEN AUFBAU SEITE 73

BEISPIEL FÜR DEN AUFBAU


• Vorstellung und Überblick über den Ablauf der Veranstaltung

• Hinweis auf Sicherheitsmaßnahmen:


Epilepsie, Asthma, schwere psych. Erkrankung etc.

• Erklärung des Wortes Schlaf

• Motivation zum Mitmachen

• Suggestibilitätstests mit der ganzen Gruppe, immer mit Übergang in „Schlaf“,


Teilnehmer genau beobachten und ideale Probanden vormerken.
→ Fingermagnete
→ Handmagnete
→ Mit geschlossenen Augen („Ich zeige Dir ganz einfach, was Hypnose ist“):
– Schöner Ort in der Natur, dann Ballon sehen und hören
– „Während Du hier an diesem Ort stehst, kannst Du vielleicht jetzt ein Ge-
fühl in Deinem Körper spüren, ich weiß nicht, was es ist... ...“
– „Wenn Du das Gefühl spürst, und nur dann, hebt sich jetzt langsam eine
Hand nach oben... so als ob Du den Ballon erreichen könntest...
[ganz strecken, dann kataleptisch werden lassen, vollkommen unbeweg-
lich, testen!]
– Augen öffnen, der Arm bleibt unbeweglich
– Mit offenen Augen testen
– Die besten Probanden melden sich jetzt bereits durch Handzeichen

• Einen oder besser mehrere Probanden nach vorne bitten „Wer von denen, die
jetzt ihren Arm nach oben strecken, möchte mir wirklich helfen, ...“

• Je nach Zielsetzung im Sitzen oder Stehen Schnellinduktion, Vertiefung und


angemessene Suggestionen.
ANHANG – DARF MAN IN SUGGESTIONEN NEGATIONEN VERWENDEN? SEITE 74

ANHANG
DARF MAN IN SUGGESTIONEN NEGATIONEN VERWENDEN?
Manche Therapeuten sind der Meinung, dass das Unbewusste grundsätzlich keine
Negationen (Verneinungen) versteht. Nur der Verstand sei für die Interpretation von
Negationen zuständig. Im Rahmen dieser Sichtweise wird eine Suggestion wie „Sie
werden keine Angst mehr haben“ vom Unbewussten als die Suggestion „Sie werden
Angst haben“ aufgenommen. Schon die Nennung der Angst würde also grundsätzlich
zum Erleben von Angst führen, und daher sei eine Suggestion in der Art „Sie werden
frei von jeder Angst sein“ als eine Suggestion zur Verstärkung der Angst zu sehen.

Ich bitte Dich nun darum, dass Du Dir nicht, unter keinen Umständen, das folgende
recht ungewöhnliche Szenario, das die Lösung zu diesem Problem enthalten kann,
genau vorstellst: Ein hellblauer Elefant trägt auf seinem Kopf eine kleine rosafarbene
Pyramide. Auf der Spitze dieser Pyramide balanciert er einen runden Gegenstand. Was
könnte das für ein Gegenstand sein?

Obwohl ich Dich gerade gebeten habe, dass Du Dir das Szenario nicht vorstellst, hast
Du es Dir wahrscheinlich – wie wohl die Mehrzahl der Leser – trotzdem vorgestellt. Der
Grund dafür ist einfach: Um zu wissen, an was genau wir nicht denken sollen, müssen
wir diese Sache zunächst definieren. Um sie zu definieren, müssen wir sie uns
vorstellen, also daran denken. Erst wenn wir wissen, an was wir nicht denken sollen,
können wir damit fortfahren, tatsächlich nicht daran zu denken. Doch dann ist es
natürlich schon zu spät, denn wir haben bereits daran gedacht.

Aus diesem Zusammenhang schließen viele, dass wir in der Hypnose niemals von dem
sprechen dürfen, was der Klient loswerden möchte. Wenn der Klient nicht mehr an
hellblaue Elefanten denken soll, dann gäbe es, so die Argumentation, bessere Wege
zum Erreichen des Ziels, als ihm zu sagen, dass er nicht mehr daran denken soll.

Die auf diesem Zusammenhang basierende Ableitung, dass das Unbewusste keine
Negationen versteht, ist jedoch nicht richtig. Sie kann gar nicht richtig sein. Wenn Du
einem Klienten suggerierst, dass sein Arm kataleptisch ist, und dass er seinen Arm
ANHANG – DARF MAN IN SUGGESTIONEN NEGATIONEN VERWENDEN? SEITE 75

nicht mehr bewegen kann, dann wird er seinen Arm auch nicht mehr bewegen. Wäre
die obige Annahme korrekt, dann müsste sein Unbewusstes verstehen, dass er seinen
Arm durchaus noch bewegen kann. Showhypnotiseure suggerieren ihren Show-
Teilnehmern gerne, dass ein Fuß unbeweglich am Boden festgeklebt ist und dass sie
dringend auf die Toilette müssen, sich aber nicht in die Hose machen können. Noch
niemals jedoch habe ich gehört, dass sich ein Teilnehmer in die Hose gemacht hätte,
weil sein Unbewusstes keine Negation verstehen würde.

Was also stimmt nun? „Das Unbewusste ist nicht blöd!“ Es gibt keinen nachvollziehba-
ren Grund dafür, warum das Unbewusste eine Negation nicht ebenso wie alle anderen
Formen von Aussagen verstehen sollte. Entsprechende Erfahrungen in der rapportorien-
tierten direktiven Hypnose belegen diese Tatsache.

Damit das Unbewusste versteht, dass es den Arm nicht bewegen kann, muss es nicht
erst ausprobieren, wie es sich anfühlt, den Arm bewegen zu können, denn das hat es
schon so oft getan, dass die Information bereits vorhanden ist. Damit das Unbewusste
versteht, „dass es nicht in die Hose machen kann“, braucht es nicht erst zu probieren
oder sich auch nur vorzustellen, wie es ist, in die Hose zu machen. In beiden Fällen
existiert nämlich bereits eine „abrufbare“ Definition des mittels der Negation suggerier-
ten Zielzustandes.

Es entscheidet sich an der Antwort auf die Frage, ob bereits eine abrufbare Definition
des mittels Negation suggerierten Zielzustandes existiert, ob eine negierte Suggestion
produktiv oder kontraproduktiv ist. Hier einige Beispiele:

Beispiele für produktive Suggestionen, bei denen der unerwünschte nicht negierte
Zielzustand nicht erst kreiert werden muss, um die Negation zu erzeugen, sondern die
negierte Aussage „als ganze“ direkt vorgestellt wird:

• Du kannst Seinen steifen Arm nicht mehr bewegen.


Je mehr Du es versuchst, umso unbeweglicher wird er.

• Du bist jetzt Nichtraucher, denn Du bist frei.

• In Deiner Zukunft sind keine Zigaretten mehr in Deinem Leben.


Die Luft ist frisch und klar.
ANHANG – DARF MAN IN SUGGESTIONEN NEGATIONEN VERWENDEN? SEITE 76

Beispiele für kontraproduktive Suggestionen, bei denen der unerwünschte nicht


negierte Zielzustand erst kreiert werden muss, um anschließend die Negation zu
erzeugen:

• Denke jetzt bitte nicht an einen rosa Elefanten.

• Stelle Dir jetzt nicht vor, wie Du genüsslich an einer Zigarette ziehst. Denke
nicht an das Gefühl der Entspannung, so wie Du es früher so oft gespürt hast.

• Die Zuhörer bei dem Vortrag, vor dem Du jetzt keine Angst mehr hast, werden
nicht böse schauen. Dieser vertraute Druck auf Ihrer Brust, der Dir den Atem
abschnürt und das Sprechen schwer macht, ist jetzt nicht mehr spürbar.

In welchen Fällen sind nun Suggestionen, die Negationen enthalten, wirklich sinnvoll?

1. Wenn die Formulierungen zur Vermeidung des Negation kompliziert, unpassend


und gekünstelt wirken würden. Das Unbewusste nimmt den Begriff „Nichtrau-
cher“ zum Beispiel ohne Nebenwirkungen als Ganzes auf. Es ist nicht notwen-
dig, den Begriff langwierig zu umschreiben. Das bedeutet natürlich nicht, dass
eine Vertiefung des positiven Zielzustandes, z. B. in der Progression, mit um-
fangreicher Beschreibung in allen Sinnesmodalitäten, durchaus sinnvoll ist. Dort
wo sich der positive Zielzustand leicht, einfach und passend mit einer Negation
beschreiben lässt, ist eine Negation sinnvoll und wird vom Unbewussten ange-
nommen.

2. Wenn das negierte unerwünschte Verhalten im direkten Vergleich zum nicht


negierten unerwünschten Verhalten dargestellt wird. Beispiel: Progression in die
Zukunft als Raucher, direkt anschließend Progression als Nichtraucher. In einem
solchen Fall ist es tatsächlich sinnvoll und auch wirkungsvoll, das Unbewusste
ohne Umschweife und in ganz normaler Sprache auf den Unterschied hinzuwei-
sen: Hier (in der Progression als Nichtraucher) sind keine Zigaretten in Deinem
Leben, Deine Kleidung riecht frisch, u.s.w.
ANHANG – DARF MAN IN SUGGESTIONEN NEGATIONEN VERWENDEN? SEITE 77

Bei der direkten verbalen Anwendung von Suggestionen ist natürlich die Betonung
entscheidend. So kann man bei korrekter Betonung eine Analgesie sehr erfolgreich mit
einer negierten Suggestion erreichen: „Ich arbeite jetzt an Deinem Arm, Du spürst, dass
ich hier arbeite, aber Du merkst keinerlei Schmerz. Du fühlst Dich wohl.“ Solange die
Betonung auf „keinerlei“ liegt und die Suggestion zuversichtlich, bestimmt und
routiniert gesprochen wird, ist sie nach meiner Erfahrung genau so wirkungsvoll wie die
Alternative „Du spürst, dass ich hier arbeite und Du fühlst Dich dabei vollkommen
wohl.“

Kurz gesagt: „Kein Schmerz“ versteht das Unbewusste genau so wie „Nichtraucher“ –
es sei denn, man würde unnatürlich auf „Schmerz“ oder „-raucher“ betonen oder
analog markieren. Umfangreiche Beschreibungen des unerwünschten Zustandes, nur
um ihn anschließend zu negieren, sind jedoch kontraproduktiv, wenn der unerwünschte
Zustand gar nicht erst wahrgenommen werden soll. Wenn der unerwünschte Zustand
jedoch präsent ist (wie z. B. im Dickens-Prozess), dann kann ein Bezug dazu sinnvoll
sein, um den Unterschied zu verdeutlichen.
NOTIZEN

ENDE
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