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Tipps & Tricks


- BASS -

Index

1. VORWORT ........................................................................................................... 2

2. EINLEITUNG ........................................................................................................ 3

3. DAS INSTRUMENT .............................................................................................. 4

3.1. Bauarten & Tonabnehmer.................................................................................................................. 4

3.2. Saiten & Recording-Vorbereitung.................................................................................................... 4

3.3. Effekte, Amps & Cabs ......................................................................................................................... 4

3.4. Raum & Aufstellung ............................................................................................................................ 6

4. AUFNAHME.......................................................................................................... 7

4.1. DI-Aufnahme ......................................................................................................................................... 7

4.2. Amp-Direktsignal ................................................................................................................................. 8

4.3. Mikrofonabnahme ................................................................................................................................ 8

4.4. Software-Amp-Simulation................................................................................................................ 10

5. FAZIT .................................................................................................................. 11

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1. Vorwort
Ich erstelle diese Tutorials nicht als eine Art "Richtlinie", denn dazu hätte ich weder das
Recht noch die Nerven, mir Tausende von irgendwelchen Korrekturen und Morddrohun-
gen per Mail durchzulesen.
Ich bitte deshalb die Leser gleich vorab zu berücksichtigen, dass es sich hier größtenteils
um persönliche Erfahrung mit der Materie handelt, die natürlich nicht für jeden Fall richtig
sein muss, aber bei mir zu guten Ergebnissen geführt hat.
Die Skripte richten sich auch nicht an Profis, die meinen einen Kompetenzkrieg führen zu
müssen, sondern eher an den ambitionierten Anfänger, der in grundlegenden Fragen ei-
ne Hilfestellung bekommt, sowie den interessierten Leser.
Anregungen und Feedback sind natürlich stets willkommen!

An den Leser stelle ich den Anspruch, dass minimales Verständnis für Technik, Akustik
sowie Musik mitbringt und grundlegende Fachbegriffe der Recordingwelt kennt.

Es wird bewusst auf den Einsatz von irgendwelchem High-End-Equipment verzichtet und
ich halte mich mit Empfehlungen zu den Geräten im Einsteiger- und Fortgeschrittenenbe-
reich.

Bitte beachtet, dass es sich nicht um eine Anleitung handelt, sondern immer Ausgangs-
punkte für die eigene Arbeit geschaffen werden. Frei nach dem Motto "Probieren statt
Studieren" kommt man oft weiter und erzielt bessere Ergebnisse.

Die Ausgangslage macht wohl am meisten an euren Ergebnissen aus, nach dem Prinzip
"Shit in, shit out!".
Ein Richie Sambora oder ein Kirk Hammet klingt mit einer Billiggitarre und einem Su-
permarkt-Verstärker wohl immer noch besser und professioneller als ein Anfänger mit
Equipment für 10.000 €…
Das Arrangement und die Fähigkeit der Musiker ist auch bei der Aufnahme eurer Songs
wohl wichtigster Soundfaktor!
Deshalb überlegt euch, wo man die Verbesserungen vornehmen sollte. Was können die
einzelnen Musiker, wie klingen die Instrumente, ist mein Raum geeignet, wie stets um
meine Aufnahmekompetenz, etc.

Nächste Station ist die Signalkette des Recording-Equipments.


Dabei sollte man beachten, dass die ersten Glieder wichtiger sind als die letzten. Was
bringt einem ein super Kompressor-PlugIn wenn ich die Aufnahme mit einem Kaufhaus-
Mikro gemacht habe?
Ein vernünftiger Aufbau vom Mikro bis zum Interface ist bereits die halbe Miete, was das
technische angeht.
Dabei aber ruhig auch mal einen Preis-/Leistungsvergleich machen. Die Unterscheide bei
Mikrofonpreamps beispielsweise sind größtenteils eher marginal und mit einer Preisstei-
gerung von 4.000 % wird meine Aufnahme nicht automatisch genauso viel besser.
Mit gutem Mittelklasse-Equipment kann man heute schon professionelle Ergebnisse ab-
liefern, die sich keineswegs verstecken müssen. Vor 25 Jahren noch hatten manche pro-
fessionelle Studios nicht annähernd die Möglichkeiten wie heute der 08/15-Homerecorder
(digitaler Schnitt, Phasenkorrekturen, etc.) und es sind dennoch Hits entstanden.

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2. Einleitung
Der Bass bildet mit den Drums zusammen in den meisten Songs das Rhythmusfunda-
ment (oder sollte dies zumindest).
Von der technischen Seite ist ein E-Bass im Vergleich zu so manch anderem Instrument
relativ einfach aufzunehmen und kann auch mit preiswertem Einsteiger-Equipment quali-
tativ hochwertige Ergebnisse liefern.
Die spielerische Kunst hingegen ist hier sehr wichtig, denn ein teurer Bass bringt nichts,
wenn er nicht mit dem Stück harmoniert und nicht tight eingespielt ist. Nehmt euch also
Zeit für die Aufnahme und entscheidet mit den Ohren, ob der Bass auf das Schlagzeug
passt.
Akustik-Bässe sind eher eine Seltenheit in der Recoring-Welt, deshalb geht es in diesem
Skript rein um die Aufnahme von E-Bässen.

Wichtig ist schon, wann man den Bass einspielt. In den meisten Fällen sollte dies mit o-
der nach den Drums geschehen und zwar am besten ohne Click für den Bassisten. Denn
der soll ja auf die Drums spielen und ein guter Drummer spielt schon mal bewusst nicht
100 % auf den Click, sondern verzögert leicht oder zieht etwas an, um den Songs mehr
Leben zu geben.

Es gibt grundsätzlich drei Arten, den Bass aufs Band zu bekommen:


- per DI-Box direkt ins Interface
- per Line-Out des Amps ins Interface
- per Mikrofonabnahme
Mischungen daraus sind natürlich Gang und Gebe und führen bei entsprechender Erfah-
rung zu den besten Ergebnissen, da man natürlich unglaublich viele Möglichkeiten hat.

Durch Amp-Simulationen ist es noch einfach geworden, gute Bassspuren schnell und
kostengünstig zu recorden.

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3. Das Instrument
3.1. Bauarten & Tonabnehmer
Natürlich gibt es unzählige Ausführungen von Bässen. Aber wir lassen hier zur Ver-
einfachung die Exoten (z.B. 8-Saiter, etc.) einfach aus und befassen uns mit den
Standart-Modellen.
Die Saiten-Anzahl ist (soweit die Saiten nicht doppelt bespannt sind wie beim 8-
Saiter) im Grunde nicht weiter wichtig. Die Unterschiede hier bestehen im Wesentli-
chen nur im Tonumfang des Basses.
- J-Bass
Die Firma Fender entwickelte den Jazz-Bass. Doch dieser Titel wird nicht den
Möglichkeiten des Instruments gerecht. Der Bass kann für nahezu alle Genres
eingesetzt werden und ist durch die Elektronik sehr vielfältig.
Beliebte Vertreter sind der Fender MEX Deluxe, die etwas anderen Modelle von
Cort oder auch günstige Noname-Nachbauten.
- P-Bass
Der erste "richtige" E-Bass wurde ebenfalls durch die Firma Fender entwickelt
und ist immer noch ein Klassiker. Der Precission-Bass ist etwas eingeschränkter
in der Elektronik, ist aber dennoch in allen Stilen vertreten. Der "Motown"-Sound
ist ein sehr bekanntes Beispiel.
Günstige und gute Einsteigermodelle sind von Squier zu erhalten, einer der
beliebtesten Geräte ist der Fender American Std.
- Kombinierte Modelle
Die beiden klassischen Bass-Arten gibt es natürlich auch als Symbiose, wie z.B.
der günstige HotRod von Harley Benton.
- Bässe mit Humbucker
Es gibt auch genügend Bässe, die mit Humbuckern zur Tonabnahme ausgestat-
tet sind. Natürlich kann man nicht sagen, der eine Bass ist eher für diesen Stil,
der andere für jenen, aber Bässe mit Humbuckern sind verdächtig oft bei Metal,
aber auch bei Stilen mit viel Slapping zu finden.
Auch hier sind alle Preisregionen vertreten. Die billige Version des Warwick
Steamer soll in seinem Preissegment recht gut klingen, die Bässe aus der Korn-
Signature-Serie von Ibanez sind wirklich ihr Geld wert und wohl den wenigsten
ambitionierten Bassisten sind Bässe von Music Man kein Begriff.

Bei Thomann findet ihr übrigens einen Ratgeber zum Thema Bass.

3.2. Saiten & Recording-Vorbereitung


Zur Aufnahme wollen wir einen frischen Sound! Da kann man ruhigen Gewissens
mal in einen Satz neue Saiten investieren, auch wenn Basssaiten nicht das billigste
Gebrauchmaterial sind.
Der Bassist sollte die Saiten verwenden, die er gewohnt ist. Nur wenn es um speziel-
le Sounds geht, kann schon mal anderes Werk von Nöten sein.
Aber bitte die Saiten nicht kurz vor den Aufnahmen aufziehen. Es dauert schon
manchmal ein paar Stündchen bis neue Saiten stimmstabil sind.

Stimmstabil ist eines der Stichworte. Lasst euer Instrument ordentlich vom Fach-
mann justieren (wenn ihr es nicht selbst könnt)! Es bringt nichts, wenn der Bass nicht
oktavrein ist oder die Saiten auf den Bünden wie ein Trabbi rattern.
Wenn es Wackelkontakte an Buchsen oder Potis gibt, die Potis kratzen oder sonst
irgendein Fehler am Instrument vorhanden ist, dann wäre wohl vor den Aufnahmen
ein guter Zeitpunkt, diese beseitigen zu lassen…

3.3. Effekte, Amps & Cabs


Hier ist entscheidend, wie ihr aufnehmen wollt. Arbeitet ihr nur per DI-Aufnahme,
dann macht der Amp, den ihr zum Monitoring verwendet natürlich nichts am Resultat
der aufgenommenen Spur aus.

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Aber wir gehen davon aus, dass jetzt mal verschiedene Methoden gleichzeitig zum
Einsatz kommen.

Effekte am Bass sind seltener und oft subtil, machen aber bei vielen Sounds das
gewisse Etwas aus.
Ihr solltet jedoch nur die Effekte aufzeichnen, die auch wirklich den Basssound für
die Aufnahme verbessern. Auf Effekte wie Reverb und Delay würde ich grundsätzlich
verzichten, da sie leicht die Tiefenstaffelung im Mix zu Nichte machen. Wenn der Ef-
fekt jedoch markant für einen Teil ist, wird dieser auch so aufgenommen. Ein cleanes
DI-Signal würde ich unbedingt zusätzlich aufnehmen.
- Verzerrer
Auch wenn sie im Live-Sound den Bass durchsetzungsfähig machen, sollte man
die Geräte mit Bedacht einsetzen, denn sie können dem Bass die Power klauen,
wenn man zuviel des Guten verwendet. Achtet also vor allem hier auf gute Teile,
wie z.B. dem ESB Valve Drive als Overdrive oder den etwas penetranteren Tei-
len von Boss.
- Kompressoren & Limiter
Häufig verwendete FX, die ich auch in der Recording-Kette belassen würde, da
sie häufig elementare Teile des Klangs bilden.
Günstige Kompressoren gibt es als Tretmine von Digitech oder in Multiband-
Ausführung von EBS.
Limiter nicht zu hart einstellen, lieber etwas mehr Headroom bei der Aufnahme
lassen. Als Vertreter für den Boden gäbe es z.B. den Boss LMB3.
- Chorus & Flanger
Zum Andicken gerne verwendet. Würde ich insgesamt eher nicht mit aufnehmen,
sondern im Mix-Down gezielt einstellen und einsetzen. Muss das Teil aber in der
Kette bleiben, dann sollte es ein ordentlicher FX sein, den man fein einstellen
kann. Digitech oder Boss bieten hier entsprechendes an.

Der Amp prägt den Sound von Grund auf und auch die Box tut wichtiges zum Bass-
sound. Also schnappt euch für die Aufnahme etwas Ordentliches und vor allem Pas-
sendes. Wenn ihr einen kleinen Amp habt, dann versucht nicht den Würfel wie einen
500-Watt-Head mit einer 8x10"-Box klingen zu lassen, denn das kann er einfach
nicht. Holt das Beste aus dem Sound, den der Amp produzieren kann, aber versucht
nicht dem Teil eine Maske aufzusetzen, weil euer Resultat danach genauso klingt!
- Combo
Bei Combos ist der Verstärker und Speaker in einem Gerät vereint. Das hat unter
anderem den Vorteil, dass die Komponenten zueinander passen, ist dafür aber
natürlich weniger flexibel. Aber gute Combos bringen auch gute Sounds, obwohl
man von so manchem Star nur große Stacks kennt.
Ein günstiges Einsteiger-Gerät ist der BA115HP von Ampeg, der schon gute
Sounds liefert und einen ordentlichen Line-Out mit XLR-Anschluss hat. Die
Hartke-Combos aus der Transistoren-Ecke sind etwas teurer, aber durchaus be-
liebt. Im oberen Preissegment findet sich verstärkt Röhren- und MosFET-
Technologie, die einen entsprechenden Sound bringen, z.B. von SWR oder
Trace Elliot.
- Head
Hier handelt es sich um Vollverstärker, also Vor- und Endstufe in einem. Heads
mit Speaker-Cabinet sind wohl auch die häufigste Variante bei Bass- und Gitar-
ren-Amps. Auf einzelne Rack-Systeme gehe ich jetzt nicht ein, da es sich ja ein-
fach um eine Aufspaltung zwischen Vor- und Endstufe handelt.
Brauchbare Topteile gibt es beispielsweise von Hartke oder Gallien Krüger auch
schon günstig. Klassiker wie der Ampeg SVT oder der M-Pulse von Mesa Boogie
klingen top, kosten aber auch etwas mehr.
Den EQ am Amp stellt ihr so ein, wie euch der Sound gefällt! Nicht lange nachle-
sen und überlegen, lieber mal an den Reglern schrauben und hören, ob der

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Sound passt. Im Netz finden sich auch diverse Tipps für die Einstellungen, aber
wie gesagt, sucht den Sound, den ihr wollt und nicht den, der irgendwo vorge-
schlagen wird.
Auch Kompressor und Limiter solltet ihr, soweit am Amp vorhanden, nach Gehör
einstellen. Aber übertreiben würde ich das nicht.
Gönnt euren Ohren immer mal eine Pause und hört ab und zu in ein Lied, in dem
euch der Basssound gefällt.
- Cabinets
Da wir ja unter anderem auch per Mikro die Lautsprecher abnehmen, ist deren
Klang natürlich sehr wichtig. Bei einem Combo ist die Box ja bereits integriert, bei
einem Stack (Head + Cab) haben wir mehr Möglichkeiten.
Bassfrequenzen sind langwellig (nicht langweilig) und brauchen viel mehr Ener-
gie um sich durchzusetzen. Also muss schon ordentlich Luft bewegt werden,
damit sich ein Bass-Amp im Bandkontext durchsetzt. Beim Recording ist das
nicht so schwerwiegend, weil wir das Instrument ja einzeln abnehmen.
Die verschiedenen Box-Typen haben ihre eigenen Charaktere:
15"-Speaker bringen viel Low-End und bereits eine davon reicht aus um ordentli-
chen Druck zu erzeugen. Dafür sind sie etwas träger und oft fehlt es etwas an
Punch für den Rockbereich zum Beispiel.
10"-Speaker gibt es kaum alleine verbaut, meist sind es 2, 4 oder 8 Stück in ei-
nem Cab. Da haben wir dann wieder genügend Membran-Fläche zum schieben,
gleichzeitig aber den Vorteil, dass die Ansprache schneller ist und auch die für
den Sound wichtigen Mitten gut vorhanden sind.
12"-Speaker werden beim Bass immer seltener. Warum weiß ich nicht, denn sie
haben ein recht ausgeglichenes Klangbild und sind sehr flexibel einsetzbar.
Setzt ordentliche Lastkabel für die Verbindung von Amp zu Box ein, das hat e-
benfalls Einfluss auf den Sound. Instrumentenkabel sind hier nicht geeignet, da
sie einen zu geringen Querschnitt haben.
- Modeller
Auch für den E-Bass gibt es Modelling-Preamps. So ist es ziemlich leicht, geeig-
nete Sounds aufs Band zu bringen. Das System ist einfach: Bass an den Preamp
und den dann ans Interface und schon kann's losgehen. Eine nicht zu unter-
schätzende Möglichkeit der Aufnahme, denn es lassen sich schon beeindru-
ckende Klänge erzeugen. Dennoch sollte nicht auf das zusätzliche direkte DI-
Signal verzichtet werden.
Mit dem POD X3 beispielsweise erhält man einen vielseitigen Modeller. Wer es
etwas professioneller möchte, der sollte meiner Meinung nach zu Tech21 grei-
fen. Hier gibt es speziell für den Bass den Sansamp Bass Driver oder etwas fle-
xibler den PSA-1.1.

3.4. Raum & Aufstellung


Wir wollen normalerweise einen trockenen Bass einfangen, also möglichst wenig
Raumanteil mit in das Signal bekommen. Ganz lässt sich aber ein räumlicher Klang
nicht vermeiden und das ist auch gut so. Für den direkten Sound haben wir ja immer
unser DI-Signal.
Das Raumsignal separat aufzunehmen lohnt sich nur, wenn ihr wirklich abgefahrene
Sounds wollt. Im normalen Pop-/Rocksong ist das meiner Meinung nach verschwen-
dete Mühe.
Der Raum sollte möglichst echo-arm sein, das würde unseren Sound zu sehr ver-
schmieren. Ein kleiner Raum mit etwa 15 – 20 m² ist vollkommen in Ordnung. Durch
ein paar (am besten schwere) Gegenstände im Raum, verliert er gleich seine Refle-
xionen und ist somit schon für unsere Zwecke zufrieden stellend.
Der Amp sollte nicht gegen eine Wand abstrahlen und nicht in einer Ecke stehen.
Die Resonanzen, die bei solchen Aufstellungen entstehen machen Signale fast un-
brauchbar. Also einfach die Box mit dem Rücken ca. 1 m von der Wand entfernen

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und schräg in den Raum strahlen lassen. Jetzt bei ordentlicher Lautstärke ein paar
Fingerübungen rauf und runter spielen. Wenn es bei einer Note wummert, dann stel-
len wir den Amp ein Bisschen um. Das solange machen bis es am besten klingt im
Raum, Kompromisse muss man oft eingehen, aber das ist nicht allzu schlimm.
Hat der Raum keinen festen Boden (Holz, Laminat, etc.), dann ist es oft besser,
wenn man die Box vom Boden entkoppelt. Das geht ganz gut mit einer dicken Styro-
porplatte. Die Klangveränderung ist dabei manchmal drastisch und der Bass verliert
viele Tiefen. Dann einfach am Amp etwas nachregeln.

4. Aufnahme
4.1. DI-Aufnahme
Ein DI-Signal sollte immer mit aufgenommen werden, egal wie die Kette danach
aussieht. Das hat den Vorteil, dass man das cleane Signal nachträglich bereit hat,
um es evtl. durch eine Simulation zu jagen, zu re-ampen oder einfach zum direkten
Beimischen für einen direkteren Klang.
Die DI-Box wird dazu als erstes Glied nach dem Bass angeschlossen. Von hier aus
geht es einmal in das Interface und mit dem Link-Out weiter in den Amp:

Doch sie dient nicht nur als Splitter, sondern hat die Aufgabe, das Signal für euer In-
terface passend zu machen. Denn die Impedanzen passen nicht überein und ohne
einen HI-Z-Input werdet ihr kein wirklich brauchbares Signal erhalten.
Außerdem habt ihr somit gleich ein symmetrisches Signal.
Nun gibt es aktive und passive Ausführungen von DI-Boxen. Grundsätzlich haben
sind aktive Boxen flexibler, denn die Eingangsimpedanz ist nahezu egal und man
kann so sämtliche Instrumente davor hängen. Passive sind dagegen etwas begrenzt
bei großen Widerständen. Piezo-Tonabnehmer sollten z.B. mit einer aktiven DI be-
nutzt werden. Verwendet ihr jedoch aktive Elektronik, dann genügt eine passive DI-
Box vollkommen, eine aktive schadet dem Signal jedoch auch nicht.
Ich würde kein Vermögen für eine DI-Box ausgeben, da die Unterschiede marginal
sind, wenn man keine Teile für 10,- € betrachtet.
Passive Ausführungen:
- Palmer PAN 01
- DBX db 10

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Aktive Ausführungen:
- Samson S-direct
- Palmer PAN 02
- BSS AR-133 (teuer, aber echte Qualität & sehr robust)

Wer im Besitz eines Basseffekts oder -preamps ist, der einen Line-/DI-Out besitzt
und zusätzlich auf bypass schaltbar ist, kann einfach dieses Signal für eine reine DI-
Aufnahme verwenden. Da ein POD von Line6 mittlerweile fast zu jeder Gitarristen-
und Bassistenstandartausrüstung gehört, können einfach im Tuner-Mode Direktsig-
nale abgegriffen werden:
- Line6 Pocket-POD
- Line6 Bass Floor POD

Der Ausgangspegel beim Bass schwankt ziemlich stark, da die tiefen Signale sehr
energiereich sind. Also ist eine sehr vorsichtige Aussteuerung des Signals am Ka-
nalzug und vor allem am Interface wichtig. Bei heutigen 24-Bit Wandlern ist es kein
Verbrechen hier dauerhaft unter -10 dbfs im Computer zu bleiben.
Wir wollen ein direktes Signal, also bleibt es auch frei von weiteren Bearbeitungen
bei der Aufnahme.

4.2. Amp-Direktsignal
Die meisten Verstärker haben einen Line-Out, den wir direkt aufnehmen können, da
sie bereits niederohmig sind. Hat euer Amp keinen DI-Out, dann verwendet auch
hier zusätzlich eine DI-Box. Wenn ihr nicht wisst, ob der Ausgang niederohmig ist,
dann nehmt ein kurzes Stück mit und ohne DI dazwischen auf und entscheidet, was
besser klingt.

Wenn ihr keine zusätzliche Aufnahme des Cabs macht, dann stellt ihr den Amp-
Sound so ein, dass es über den Line-Out möglichst gut klingt. Passt in diesem Fall
sehr auf die EQ-Einstellungen am Amp auf, denn hier haben oft kleine Veränderun-
gen vor allem im Bassbereich große Auswirkungen.
Auch ein eingebauter Kompressor sollte lieber etwas lockerer lassen, sonst klingt
das Signal schnell recht flach und lässt sich nur schwer im Mix integrieren. Weiter
komprimieren lässt sich im Mix noch einfach, expandieren ist schwierig bis unmög-
lich.
Vorsicht bei Vollverstärkern, diese brauchen eine Last am Speakerausgang. Läuft
die Endstufe leer, dann wird sie das wahrscheinlich nicht lange mitmachen. Also in-
formiert euch, ob euere Endstufe einzeln abschaltbar ist oder unterbrecht ggf. das
Signal, indem ihr einfach ein Kabel in den Ausgang des seriellen Effektwegs steckt
(und testet auch, ob die Endstufe kein Signal mehr bekommt!). Oder lasst einfach die
Box ohne Aufnahme mitlaufen.
Nehmt ihr kombiniert mit Box auf, dann stellt den Sound nach der Box ein. Der Amp
soll dann einfach im Raum gut klingen.

Mit der Aussteuerung halten wir uns hier ebenfalls bei -10 dbfs und bearbeiten das
Signal nicht weiter.

4.3. Mikrofonabnahme
Der moderne Basssound ist meist wenig von der Mikrofonabnahme (zumindest hör-
bar) geprägt, da man gerade "untenrum" ein direktes Signal haben will. Ein im Mix
stark komprimiertes Signal wirkt allerdings oft Wunder, was den Druck angeht und ist
deutlich fühlbar, gerade wenn die Musik laut gehört wird.

Nachdem wir unseren Amp aufgestellt haben und einstellen wollen, brauchen wir
erstmal die Lautstärke, mit der wir recorden wollen, denn erst den EQ einstellen und
dann lauter oder leiser drehen ist allein wegen der Fletcher-Munson-Kurve unmög-

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lich. Also erst die Lautstärke, dann das Sound einstellen und das auch gerne mit
dem Lautstärkeregler am Amp.
Zu leise bringt der Amp keinen Saft und wird sehr flach klingen, wenn man die Spur
ihm Mix hochzieht. Zu laut ist erstens unerträglich und auch Mikros haben ihre Gren-
zen. Also sucht eine Lautstärke, in der der Verstärker voll und rund klingt. Bei man-
chen Amps ist das leider erst wirklich brüllend laut der Fall. Hier kann ein Powersoak
Abhilfe schaffen und die Lautstärke trotz aufgerissenem Amp niedrig halten.

Mics:
Das Mikro sollte ordentlichen Pegel vertragen und eine große Membran besitzen, um
auch die Tiefen sauber mitzunehmen.
- Audio Technica PRO 25 AX
Ein wirklich gut geeignetes Mic für Bassamps, das nicht zu sehr auf den Geld-
beutel schlägt. Nimmt auch gut die wichtigen höheren Frequenzen mit.
- Shure Beta 52
Viele nutzen das Mic bereits für die Bassdrumm-Abnahme, aber es macht eine
mindestens genauso gute Figur am Bass-Amp.
- Audix D6
Wie das Beta 52, nur etwas mehr Tiefbass.
- Electrovoice RE-20
Der "Elefantenpimmel" ist nicht nur ein Klassiker am Bass-Amp, sondern wirklich
ein Allrounder.
- Sennheiser MD-421 bzw. MD-441
Beides sehr bekannte und hochgelobte Mikros für die Intrumentenabnahme.

Aber auch Großmembrankondesator-Mikros (z.B. das AT-4040) können einen guten


Klang abgeben, vorausgesetzt sie sind für die entsprechende Lautstärke geeignet.

Positionierung:
Ein Bass-Cab verzeiht bei der Mikrofonposition etwas mehr als ein Gitarrenverstär-
ker. Es gibt dennoch eine Menge von Möglichkeiten einen Bassspeaker zu mikrofo-
nieren.
Nehmt bei einem Cab am besten einen Lautsprecher, der weiter vom Boden entfernt
ist. So vermeidet ihr böse Kammfilter und dergleichen. Und dann experimentiert mit
dem Mikro einfach.
Wichtig beim Bass ist vor allem der Abstand zum Speaker bzw. zum Gitter davor.
Bassfrequenzen sind lange Wellen, da kann man ruhig einen etwas größeren Ab-
stand von etwa 20 bis 30 cm ausprobieren.
Die Ausrichtung klingt zum Zentrum des Lautsprechers druckvoller und härter, wei-
cher wird sie wenn man etwas zum Rand rückt. Ich würde bei einem einzigen Mic
grundsätzlich erstmal nur on-axis (also im 90°-Winkel zum Speaker) aufnehmen. Off-
axis ist beim Bass eher eine seltene Technik, kann aber bei mehreren Mics gut in
Kombination klingen.
Eine ausführlichere Erklärung gibt es in den Tipps & Tricks zur Gitarrenaufnahme,
die großteils im übertragenen Sinn auch für den Bass gilt.
Auch hier findet ihr gute Tipps, Skizzen und vor allem Soundsamples dazu.

Um die Phasen der einzelnen Signale brauchen wir uns keine großen Gedanken zu
machen, da wir auf getrennte Spuren aufnehmen und so später im Mix einfach die
Phasen korrigieren können.

Aussteuerung des Mic-Signals am Preamp darf gerade bei Rock und härterem etwas
heißer sein, aber keinesfalls wirklich zerren. Ins Interface geht es dennoch mit ge-
mächlichen -10 dbfs um Clipping zu vermeiden.

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4.4. Software-Amp-Simulation
Große Studios, Produzenten und auch Musiker berichten immer wieder von dieser
Option und teilen mit, was alles damit aufgenommen wurde, etc.
Allerdings ist es hier immer schwer zwischen Wahrheit, Anekdoten und vor allem
Werbung für das Plug-In der Firma XY zu unterscheiden. Deshalb würde ich keinen
allzu großen Wert auf diese Aussagen legen.

Fakt ist jedoch, dass es gerade beim Bass seit langem nicht mehr ungewöhnlich ist,
komplett auf echte Verstärker zu verzichten und die per DI-Box aufgenommenen
Spuren nachträglich im Sequenzer durch Amp-Sims zu schicken.
Auf diese Weise lassen sich schon wirklich hervorragende Ergebnisse erzielen und
der Standart-Musik-Konsument kann normalerweise nicht unterscheiden, ob da ein
echter Ampeg im Aufnahmeraum gebrummt hat oder ob das ganze per Software si-
muliert wurde. Und es ist ihm auch egal, denn er interessiert sich nur dafür, wie es
letztendlich klingt.

Jedenfalls ist es eine zielführende und günstige Alternative, insbesondere für alle,
die kein entsprechendes Equipment besitzen und / oder die nicht über das nötige
Wissen und Erfahrung verfügen einen echten Amp anständig abzunehmen.

Aufnahme & Monitoring:


Voraussetzung für eine Software-Simulation ist ein sauber aufgenommenes und
cleanes DI-Signal, also vollkommen ohne Bearbeitung direkt vom Ausgang des Bas-
ses.

Wer sein DI-Signal zusätzlich aufnimmt, hat keine größeren Schwierigkeiten und hält
einfach die oben genannte Recording-Kette ein.
Bei einer reinen DI-Aufnahme kommt immer wieder das Problem des Monitorings ins
Spiel, denn der Bassist sollte möglichst sein Instrument bei der Aufnahme hören
können und ein unverstärkter E-Bass setzt sich kaum gegen das bereits aufgenom-
mene Material (Drums) durch.
Jedes halbwegs gute Interface besitzt die Möglichkeit des "direct monitoring", was
einfach bedeutet, dass der Input direkt am Output des Interfaces zu hören ist.
Da wir dieses Signal auch aufnehmen, dürfen aber logischerweise vor dem Input
nicht irgendwelche Gerätschaften wie Verzerrer, etc. gesetzt werden. Genügt dem
Bassisten also sein DI-Signal, was die Regel sein dürfte, dann nutzen wir diese ein-
fache Möglichkeit.
Ist direktes Mithören nicht möglich oder braucht ihr auf den Boxen bereits ein bear-
beitetes Signal, dann könnt ihr entweder über den Link-Out der DI-Box einfach einen
Amp anschließen und den so einstellen, wie gewünscht oder ihr arbeitet mit dem
Monitoring über euren Sequenzer.
Das setzt allerdings eine niedrige Latenz eures Interfaces voraus. Und ein guter Mu-
siker bemerkt beim Spielen eigentliche jede Verzögerung über 10 ms. Man kann je-
doch auch noch mit Latenzen um die 20 ms (was im realen Raum eine Entfernung
zum Amp von ca. 7 m entspricht) relativ gut umgehen, da sich das Spielgefühl darauf
einstellen kann. Wer jedoch entsprechend Wert auf niedrige Latenzen legt, ist mit
RME-Hardware gut beraten, da hier gut und gerne Werte unter 3 ms erzielt werden
und es sich außerdem insgesamt um sehr hochwertige Geräte handelt.

Bearbeitung:
Das cleane Signal eignet sich ohne weitere Bearbeitung für die meisten Songs wohl
eher nicht als Basssound. Und bei der Software-Ampsim wird eben aus dem reinen
Instrumentenklang, den wir ja per DI aufgefangen haben, erst jetzt in der DAW ein
überzeugender Amp-Sound.

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Es gibt wahrscheinlich jetzt schon annähernd so viel Software wie echte Bassamps,
die ihre Namen wert sind. Doch eine gute Software bringt leider nicht viel, wenn man
nicht entsprechend damit umgehen kann.
Mit den Versionen von Amplitube hat die Fa. IK Multimedia schon sehr vielfältige
Software für diesen Bereich geschaffen. Doch ist oft die Investition groß für ein paar
Amp-Sounds für eine Aufnahme und mit auf die Bühne möchten die meisten keinen
Laptop mit den Programmen holen.
Auch die Soundgestaltung ist für viele doch recht schwer, da es neben fehlendem
Wissen und Erfahrung mit den Plug-Ins auch häufig zu dem Problem kommt, dass
man etwas anders damit umgehen muss, um den Klang eines Verstärkers im Raum
zu erhalten.
Deshalb habe ich mich auch bewusst entschieden das Simulieren von Amps als
Dienstleistung anzubieten.
Und bei günstigen Preisen, muss man schon einige Aufnahme machen, um sich nur
ein Plug-In leisten zu können. Am besten einfach mal reinhören und sich das ganze
anschauen: detuned-media.de.

5. Fazit
Gute Bassaufnahmen sind leichter hinzubekommen als man wahrscheinlich vermutet.
Hantiert man mit Mikrofonen wird die Sache zwar doch etwas komplizierter, aber mit ge-
nügend Zeit und freien Ohren sollte sogar ein Anfänger eine brauchbare Amp-Abnahme
hinbekommen.

Die kombinierten Aufnahmen haben maximale Flexibilität und sichern einen entspre-
chenden Sound. Da wir beispielsweise für ein DI-Signal, einen Amp-Signal und ein Mik-
rosignal nur 3 Kanäle brauchen, kann man das ganze immer bedenkenlos erledigen.

Durch Amp-Sims ist es leicht und günstig einen entsprechend professionellen Sound zu
erzeugen und / oder bestimmte Vorlagen zu imitieren.

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