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Untersuchung des Stofftransportes in Füllkörperkolonnen unter

Anwendung moderner Programme

Dissertation
zur
Erlangung des Grades
Doktor-Ingenieurin

der
Fakultät für Maschinenbau
der Ruhr-Universität Bochum

von
Mariana Joham
aus Botevgrad

Bochum 2006
Dissertation eingereicht am: 11.04.2006

Tag der mündlichen Prüfung: 23.06.2006

Erster Referent: Prof. Dr.–Ing. H.–J. Röhm

Zweiter Referent: Prof. Dr.–Ing. M. Schultes


Vorwort i

Vorwort

Die vorliegende Dissertation entstand während meiner Tätigkeit als wissenschaftliche


Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Verfahrens- und Umwelttechnik der Ruhr-Universität
Bochum in der Zeit von November 2000 bis Februar 2005.

Besonders danken möchte ich Herrn Prof. Dr.-Ing. H.-J. Röhm, der mich in seine Ar-
beitsgruppe aufgenommen hat und die Durchführung der dargestellten Untersuchun-
gen ermöglichte. Herrn Prof. Schultes danke ich für das Interesse an meiner Arbeit
und die Übernahme des Korreferates. Herrn Prof. Dr.–Ing. Predki danke ich für den
Vorsitz in der mündlichen Prüfung.

Allen Mitarbeitern des Lehrstuhls für Verfahrens- und Umwelttechnik danke ich für
die herzliche und kollegiale Atmosphäre und die daraus resultierende hervorragende
Zusammenarbeit.

Mein besonderer Dank gilt für die Firma RASCHIG und VFF für die gewährte Unter-
stützung und praktische Förderungen des Projektes.

Bei Frau U. Beitz bedanke ich mich für Ihre stetige Hilfsbereitschaft bei der Literatur-
recherche. Herrn Genske danke ich für die schnellen Lösungen meiner Probleme mit
Computern und „Viren“. Für die fachliche Unterstützung beim Aufbau der Versuchs-
anlagen bedanke ich mich besonders bei Frau Kopatschek, Herrn U. Czwicklinski
und allen Mitarbeitern der Werkstatt des Instituts für Thermo- und Fluiddynamik.
Herrn Vohwinkel danke ich für die zahlreichen Arbeiten zur Regelung und Steuerung
der Anlagen.

Meinem Mann Oskar danke ich für seinen Rückhalt und seine Geduld. Meiner Fami-
lie und meinen Freunden danke ich ganz herzlich für die ständige Unterstützung in
den vergangenen Jahren, ohne die die Fertigstellung dieser Arbeit nicht möglich ge-
wesen wäre.

Bochum 2006 Mariana Joham


Inhaltsverzeichnis ii

Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung .............................................................................................................. 1
2 Problemstellung ................................................................................................... 3
2.1 Stand des Wissens .......................................................................................3
2.2 Zielsetzung ....................................................................................................8
3 Stofftransport für binäre und Mehrkomponentensysteme ..............................10
3.1 Stoffeigenschaften und Phasengleichgewichte der untersuchten
Stoffsysteme ...............................................................................................10
3.2 Diffusionskontrollierter Stofftransport .....................................................12
3.2.1 Fick’ sches Gesetz ...........................................................................13
3.2.2 Maxwell-Stefan-Gleichung...............................................................15
3.3 Sonderfälle ..................................................................................................17
3.3.1 Äquimolare Diffusion .......................................................................18
3.3.2 Stefan-Diffusion................................................................................19
3.3.3 Nicht-äquimolare Diffusion..............................................................20
3.4 Stoffübergangstheorien .............................................................................21
3.4.1 Filmtheorie ........................................................................................23
3.4.2 Grenzschichttheorie.........................................................................27
3.4.3 Penetrations- und Oberflächenerneuerungstheorie .....................29
3.5 Entwicklung der Stoffübergangsmodelle .................................................31
3.5.1 Berechnung auf der Basis von idealen Trennstufen.....................32
3.5.2 Berechnung auf der Basis von realen Trennstufen ......................35
4 Anwendung der Stoffaustauschsmodellierung auf Auslegung von
Füllkörperkolonnen.............................................................................................37
4.1 HTU-NTU-Modell .........................................................................................37
4.2 HETP-Konzept .............................................................................................44
4.3 Rigorose Auslegung...................................................................................46
5 Experimentelle Untersuchungen .......................................................................47
5.1 Versuchsaufbau ..........................................................................................47
5.2 Messdatenerfassung ..................................................................................50
6 Auswertungsmodelle ..........................................................................................52
6.1 Ansatz von Billet 1995 und Billet, Schultes 1999 .....................................54
6.1.1 Flüssigkeitsseitiger Stoffübergangskoeffizient.............................54
6.1.2 Gasseitiger Stoffübergangskoeffizient...........................................56
Inhaltsverzeichnis iii

6.1.3 Phasengrenzfläche...........................................................................59
6.1.4 Spezifischer Druckverlust ...............................................................60
6.2 Übersicht über die Korrelationen ..............................................................61
7 Diskussion der experimentell gewonnenen Ergebnisse .................................64
7.1 ABSODESO .................................................................................................64
7.2 ABSOreal .....................................................................................................76
7.2.1 Standardisierter Unterprogrammaufruf..........................................77
7.2.2 Simulation von Absorptionsvorgänge ...........................................79
7.2.3 Simulation von Desorptionsvorgänge............................................88
8 Zusammenfassung und Ausblick ......................................................................92
8.1 Zusammenfassung .....................................................................................92
8.2 Ausblick.......................................................................................................94
Abkürzungsverzeichnis iv

Abkürzungsverzeichnis

Abkürzung Bezeichnung

EDV Elektronische Datenverarbeitung


FI flow indicating/Durchflussmesser
FID Flammenionisationsdetektor
MI moisture instrument/Feuchte-Messsonde
WS Wassersäule
PDI pressure drop instrument/Druckabnahme
QI Konzentrationsmessung
TI temperature instrument/Thermoelemente
v.EW von Endwert
Formelzeichen v

Formelzeichen

Lateinische Buchstaben
Zeichen Bedeutung SI-Einheit
A Fläche m²
a trockene spezifische Füllkörperoberfläche m²/m³
AK Kolonnenquerschnittfläche m²
aPh spezifische Gas-Flüssig-Phasengrenzfläche m²/m³
B Invertierung des Diffusionskoeffizienten s/m²
c Stoffmengenkonzentration mol/m³
c Konstante aus der Gleichung (3.67) ---
CH, CS, CFl formspezifische Füllkörperkonstanten im Billet-Ansatz ---
CP, CL, CV formspezifische Füllkörperkonstanten im Billet-Ansatz ---
D Fick’scher Diffusionskoeffizient m²/s
d treibende Kraft der Diffusion m-1
d Durchmesser m
D’ Maxwell-Stefan-Diffusionskoeffizient m²/s
dh hydraulischer Durchmesser m
dk Kolonnendurchmesser m
FV Gas- bzw. Dampfbelastungsfaktor Pa0.5
g Fallbeschleunigung m/s²
H& Enthalpiestrom kJ/h
∆HV spez. Verdampfungsenthalpie J/kg
H Höhe m
h spez. Enthalpie J/kg
hL Flüssigkeitsinhalt m³/m³
HETP Höhenäquivalent für einen theoretischen Boden m
HTUL Höhe einer flüssigkeitsseitigen Stoffübergangseinheit m
HTUOL Höhe einer flüssigkeitsseitigen Stoffdurchgangseinheit m
HTUoV Höhe einer gasseitigen Stoffdurchgangseinheit m
HTUV Höhe einer gasseitigen Stoffübergangseinheit m
He Henry-Konstante Pa
Formelzeichen vi

I Impuls kg m/s
&j Diffusionsstromdichte mol/(m² s)
j Diffusionsstrom mol/s
K Gleichgewichtsfaktor ---
K Stoffdurchgangskoeffizient m/s
K Steigung der Gleichgewichtskurve mol/mol
KCC Steigung der Gleichgewichtskurve m³/m³
L& Stoffstrom der Flüssigkeit kmol/s,kg/s
L Volumenstrom der Flüssigkeit m³/s
L Länge m
lt Kontaktlänge m
M& Massenstrom kg/s
~ Molmasse kg/kmol
M
m& Massenstromdichte kg/(m² s)
m Masse kg
M Masse kg
m Exponent ---
n& Stoffmengenstromdichte mol/(m² s)
N& Stoffmengenstrom mol/s
N Anzahl der Füllkörper pro m³ Schüttvolumen 1/m³
n Exponent ---
N Stoffmenge mol
NTUL Anzahl der flüssigkeitsseitigen Stoffübergangseinheiten ---
NTUOL Anzahl der flüssigkeitsseitigen Stoffdurchgangseinheiten ---
NTUOV Anzahl der gasseitigen Stoffdurchgangseinheiten ---
NTUV Anzahl der gasseitigen Stoffübergangseinheiten ---
P Druck Pa
p Partialdruck Pa
R Widerstandsverteilung ---
Rm molare (universelle) Gaskonstante J/(kmol K)
r& volumenbezogener Molstrom aufgrund chemische Reaktion kmol/(m³ s)
t Zeit s
Formelzeichen vii

T Temperatur K
u mittlere molare Geschwindigkeit m/s
ui Diffusionsgeschwindigkeit der Komponente i m/s
uL Flüssigkeitsbelastung m³/m² h
uV Dampf- bzw. Gasgeschwindigkeit m/s
V& Molstrom des Dampfes bzw. Gases kmol/s
V Volumenstrom des Dampfes bzw. Gases m³/s
VL Flüssigkeitsvolumenstrom m³
x Molkonzentration in der Flüssigkeit mol/mol
x Koordinate m
X Beladung in der Flüssigkeit mol/mol
y Molkonzentration im Dampf bzw. im Gas mol/mol
Y Beladung im Dampf bzw. im Gas mol/mol
y Koordinate m
z Koordinate m

Griechische Buchstaben
Zeichen Bedeutung SI-Einheit
β Stoffübergangskoeffizient m/s
γ Aktivitätskoeffizient ---
Γ Thermodynamikfaktor ---
∆ Differenz ---
δ Dicke; Grenzschichtdicke m
δ relative Fehler %
δij Kronecker-Symbol ---
ε Lückengrad ---
η dynamische Viskosität kg/(m s)
λ Strippingfaktor ---
ν kinematische Viskosität m²/s
π Konstante, π = 3,1415927 ---
ρ Dichte kg/m³
σ Grenzflächenspannung N/m
ξ Variable ---
Formelzeichen viii

Ξ Korrekturfaktor für große Diffusionsströme ---


ψ Variable ---

Indizes
Zeichen Bedeutung
A Stoff A
a außen, Austritt
abs absorbiert
B Stoff B
ber. berechnet
c kritische Größe
e Eintritt
exp. experimentell
F Fluid, Feed
FK Füllkörper
G Gas
h hydraulisch
I an der Phasengrenze
i innen, bezogen auf Komponente i
id ideal
K Kern, Kolonne
L Flüssigkeit
m mittel, molar (stoffbezogen)
O Oben,Overall
P Partikel
Ph an der Phasengrenze
t total, bezogen auf alle Komponenten
U Umgebung, unten
V Dampf bzw. Gas
W Wand, Wasser
δ an der Stelle y = δ
0 hervorgehobener Zustand, an der Stelle y = 0
∝ im Unendlichen
x,y,z Längenkoordinaten
Formelzeichen ix

Dimensionslose Kennzahlen
Fr = u²/(g.x) Froude-Zahl
Le = a/D Lewis-Zahl
Pe =u.L/ν Peclet-Zahl
ReL = uL.dh/νL Reynolds-Zahl der Flüssigkeitsströmung
ReV = uL/νV.a Reynolds-Zahl der Dampf- bzw. Gasströmung
Sc = ν/D Schmidt-Zahl
Sh = β.L/D Sherwood-Zahl
WeL = uL.ρL.dh/σL Weber-Zahl der Flüssigkeitsströmung
1 Einleitung 1

1 Einleitung

Zur Zerlegung von flüssigen und gasförmigen Gemischen werden in der chemischen,
petrochemischen und pharmazeutischen Industrie, bei Verbrennungsprozessen so-
wie zunehmend im Bereich der Umweltschutztechnik Rektifikations-, Absorptions-,
Desorptions- und Extraktionssäulen eingesetzt. In den letzten Jahren wurden für die-
se Stoffaustauschapparate neue hocheffektive Füllkörper und Packungen entwickelt.
Die wesentlichen Vorteile dieser Kolonneneinbauten sind ein geringer spezifischer
Druckverlust bei hoher Trennleistung und hoher Belastbarkeit, eine geringe Rand-
gängigkeit sowie eine einfache und billige Herstellbarkeit.

Die Füllkörper und Packungen stellen bei der Lösung bestimmter Trennaufgaben in
den oben genannten Industrien eine wirtschaftliche Alternative zu den klassischen
Kolonnenböden dar. Dies betrifft sowohl die Umrüstung bestehender als auch den
Bau neuer Kolonnen. Bei der Umrüstung bestehender Kolonnen steht zumeist der
Wunsch nach Kapazitätserweiterung und Spezifikationsverbesserung im Vorder-
grund. Beim Neubau einer Kolonne stellen Energie- und Investitionskosteneinspa-
rung das wesentliche Potenzial dar.

Viele industriell relevante Absorptionsprozesse weisen zusätzlich ein System aus


Parallel- und Folgereaktionen auf, was die Prozessauslegung aufgrund der Wech-
selwirkung von Wärme- und Stofftransport in Mehrkomponentensystemen weiterhin
erschwert. Da Gleichgewichtsmodelle bei der Beschreibung dieser Phänomene meist
versagen, werden Stoffaustauschmodelle unterschiedlicher Komplexität eingesetzt.
Neben der exakten Beschreibung der Stoffdaten ist hierbei die Kenntnis einer Viel-
zahl von Modellparametern notwendig. Systemspezifisch sind u. a. das Phasen- so-
wie das chemische Gleichgewicht und die Reaktionsgeschwindigkeiten, apparate-
spezifische Modellparameter sind der Kolonnendurchmesser und packungspezifi-
sche Modellparameter sind die formspezifische Füllkörperkonstante.
1 Einleitung 2

Zustandspezifische Parameter sind der Druckverlust und der Flüssigkeitsinhalt, die


Transportwiderstände charakterisiert durch die Stoffübergangskoeffizienten und die
effektive Phasengrenzfläche.

Für die Bestimmung der thermodynamischen und reaktionstechnischen Modellpara-


meter stehen geeignete Messmethoden und fundierte physiko-chemische Ansätze
zur Verfügung. Diese Ansätze beschreiben die Abhängigkeit der Modellparameter
von Prozessgrößen wie Temperatur, Druck und Zusammensetzung.

Die apparate- und prozessspezifischen Modellparameter, die eine Verknüpfung zwi-


schen dem Modellansatz, der Fluiddynamik und dem Trennverhalten der Kolonnen-
einbauten herstellen, werden ebenfalls experimentell bestimmt. Ihre Abhängigkeit
von den Prozessgrößen wird jedoch meist mit empirischen bzw. halbempirischen
Berechnungsgleichungen (sogenannte Korrelationen) quantifiziert, deren Übertrag-
barkeit abhängig von der Aufgabestellung geprüft werden muss.

Ein wesentlicher Punkt zur Verbesserung und Absicherung bei der Untersuchung
des Stofftransportes in Füllkörperkolonnen bzw. Packungskolonnen ist die Anwen-
dung einer Software, die mit einer verbesserten Auswertung der experimentell ge-
wonnenen Daten und einer erweiterten Beschreibung des gekoppelten Wärme- und
Stoffaustausch zur Aufklärung verschiedener Effekte führen kann. Diese Überlegung
steht im Zentrum der folgenden Arbeit.
2 Problemstellung 3

2 Problemstellung

Das vorliegende Kapitel enthält eine Übersicht der bedeutendsten Ergebnisse von
Forschungsarbeiten auf dem Gebiet des Stoffaustausches und die Hydraulik in Füll-
körperkolonnen. Es wird auf die daraus resultierenden Fragestellungen bei der Dis-
kussion der Ergebnisse der durchgeführten Literaturrecherche im Abschnitt 2.1 ein-
gegangen. Im Abschnitt 2.2 werden die Ziele der vorgelegten Arbeit definiert.

2.1 Stand des Wissens

Zur Schaffung von großen Oberflächen für den Stoffaustausch werden seit Jahrhun-
derten Naturfüllkörper verwendet. Die erste technisch verwendete Füllkörperform ist
ein zylindrischer Ring, dessen Durchmesser gleich seiner Höhe ist. Sie wurde von
Fritz Raschig (Raschig 1920) patentiert. Mit diesem Patent beginnt die kontinuierliche
Weiterentwicklung von Füllkörperformen. Eine mögliche Gliederung dieser fast hun-
dertjährigen Füllkörperevolution ist in den Arbeiten von Mersmann, Deixler 1986, Bil-
let,Schultes 1988, Mackowiak 1991 und Engel 1999 dargestellt.

Man unterscheidet dabei zwischen drei Entwicklungsschritten (sog. „Generationen“),


drei prinzipiellen Grundformen (Kugel, Zylinder und Sattel) und den technisch rele-
vanten Werkstoffen (Keramik, Metall und Kunststoff). Die Grundform der Kugel be-
sitzt nur als keramischer Katalysatorträger in Reaktoren große Bedeutung. Die evolu-
tionären Möglichkeiten sowie die Fertigungsmöglichkeiten in metallischen Werkstof-
fen sind für die Kugelform eingeschränkt.

Die Füllkörper der ersten Generation (I) besitzen geschlossene Mantelflächen. Diese
Formen zeichnet eine einfache Fertigung und somit geringe Kosten aus. In Gas-
Flüssig-Kontaktapparaten werden sie heute nur noch selten eingesetzt, da sie einen
hohen spezifischen Druckverlust und einen nennenswerten Anteil an Totvolumina
besitzen. In den Füllkörperformen der zweiten Generation (II) versuchte man diesen
Nachteil durch Aufbrechen der Vollmantelflächen zu beseitigen. Während es für zy-
lindrische Körper fertigungstechnisch bei allen Werkstoffen relativ einfach ist, die Flä-
chen durch Öffnungen zu durchbrechen, konnte diese Entwicklung nur bedingt auf
Sattelkörper und praktisch nicht auf die Kugel übertragen werden.
2 Problemstellung 4

Die Kombination aus vertretbarem Fertigungsaufwand und günstigen Druckverlust-


und Stoffübergangswerten machen diese Füllkörper attraktiv, deshalb werden sie
heute häufig in Apparaten zur Stofftrennung eingesetzt.

Um den spezifischen Druckverlust zu reduzieren, werden in den Füllkörpern der drit-


ten Generation (III) die Körperumrisse nur noch durch ein Gitter1 markiert. Um die für
den Stoffaustausch notwendige Materialoberfläche jedoch nicht zu verlieren, werden
die Flächen in das Innere des Rings verlegt. Dies gelingt bei Kunststoffkörpern be-
sonders gut, da hier die Materialien bzw. die Fertigungsverfahren den Herstellern
wenig Grenzen setzen. Die Menge der angebotenen Füllkörperformen und Packun-
gen ist sehr vielfältig.

Zur Berechnung der Druckverluste in Füllkörper- bzw. Packungskolonnen wurden


zahlreiche Modelle (Onda et al 1968; Bravo, Fair 1982; Stichlmair et al. 1989; Rob-
bins 1991; Mackowiak 1991; Hanley et al. 1994; Billet 1995; Ellenberger 1999; Engel
1999 und Piche 2001) vorgeschlagen. Für den Gesamtflüssigkeitsinhalt existiert
auch eine Vielzahl von Modellen (Billet, Schultes 1988, Stichlmair et al. 1989; Born-
hütter 1991; Mackowiak 1991; Billet 1993, Engel 1999 und Piche 2001). Im Gegen-
satz hierzu findet man nur wenige Ansätze zur Berechnung des Stofftransportes.

Um die Stofftransportmechanismen möglichst gut experimentell erfassen und rech-


nerisch analysieren zu können, bedient man sich für die labortechnischen Untersu-
chungen bestimmter Stoffpaarungen, welche eindeutig durch ihren Stofftransportwi-
derstand charakterisiert sind. Die in der Literatur wiedergegebenen Untersuchungen
zum Stoffübergang lassen sich in einen von der Flüssigkeitsseite, von der Gasseite
oder von beiden Seiten bestimmten Stoffaustauschwiderstand unterteilen.

Ein Stoff, welcher besonders gut in der Gasphase löslich ist, sich aber sehr schlecht
mit der Flüssigkeit verbindet, besitzt demnach für den Stofftransport einen rein flüs-
sigkeitsseitigen Widerstand. Dies bedeutet, dass die Diffusionsgeschwindigkeit der
Übergangskomponente lediglich durch die flüssige Phase bestimmt wird. Mit dieser
Charakteristik ist in der Literatur (Sherwood et al. 1937) ein weit verbreitetes

1. Die Füllkörper der dritten Generation werden deshalb auch als „Gitterfüllkörper“ bezeichnet.
2 Problemstellung 5

Testsystem „Kohlendioxid-Wasser-Luft“ bekannt. Kohlendioxid ist die übergehende


Komponente.

Auf der Basis solcher Experimente formulierten Sherwood und Holloway (Sherwood,
Holloway 1940) eine erste grundlegende Berechnungsgleichung für den flüssigkeits-
seitigen Stoffübergangskoeffizienten. Sie ist bis heute eine der am häufigsten ange-
wandten Beziehungen zur Beschreibung des Stofftransportes in Flüssigkeiten
geblieben. Der Einfluss der in diese Gleichung eingehenden Stoffeigenschaften wie
Dichte, Viskosität und Diffusionskoeffizient der Flüssigkeit wurde im Rahmen von
späteren Arbeiten immer wieder bestätigt (Molstad et al. 1942 und Molstad et al.
1943; Shulman, DeGouff 1946; Deed et al. 1947; Vivian, Whitney 1947; Whitney,
Vivian 1949; Ueyama et al. 1954; Norman, Sammak 1963).

Ein Nachteil der Gleichung von Sherwood und Holloway besteht darin, dass sie nicht
dimensionsgerecht ist. Dieser Umstand wurde später zum Anlass genommen, die
Beziehung mit Hilfe von dimensionslosen Kenngrößen zu modifizieren (Onda et al.
1958; Onda et al. 1959; Yoshida, Koyanagi 1962; Mika 1967; Reichelt 1974). Diese
und die daran anschließenden experimentellen Untersuchungen beschäftigten sich
insbesondere damit den Einfluss der Stoffeigenschaften, wie Dichte und Viskosität
der Flüssigkeit, auf die Diffusionsfähigkeit der gelösten Komponente genauer zu un-
tersuchen. Dies gelang z. B. durch die Verwendung von reinen organischen Flüssig-
keiten und bestimmten Flüssigkeitsgemischen, wodurch ein weiterer Bereich an
Stoffdatenvariationen abgedeckt werden konnte (van Krevelen, Hoftijzer 1948; Zech,
Mersmann 1978; Mangers, Ponter 1980; Shi, Mersmann 1984). In den letzten 20
Jahren wurden von Billet, Mackowiak 1980,1984,1985; Dharwadkar, Sawant 1985
und Billet, Schultes 1988, sehr viele vergleichende Untersuchungen mit überein-
stimmenden Stoffsystemen an unterschiedlichen neuentwickelten Kolonneneinbau-
ten durchgeführt. Diese Gegenüberstellungen erbachten die Erkenntnis, dass die
Form und Struktur der Füllkörper und Packungen maßgebliche Einflussfaktoren auf
den Stofftransport darstellen.
2 Problemstellung 6

Verteilt sich eine Komponente schnell in der Flüssigphase, dafür jedoch langsam im
Gas, so wird der Stoffübergang dieser Substanz durch den gasseitigen Widerstand
bestimmt. Ein Stoffsystem, welches sich durch diese Charakteristik auszeichnet, ist
z. B. Ammoniak-Luft-Wasser. Tierney et al. 1954 bieten ebenfalls Stoffsysteme aus
1-Butan und 1-Hexanol an, bei denen das Flüssigkeitsazeotrop in die Gasströmung
(Luft) verdunstet und somit der flüssigkeitsseitige Transportwiderstand entfällt.

Die ersten grundlegenden Zusammenhänge zum gasseitig kontrollierten Stoffaus-


tausch in Füllkörperschüttungen wurden von Gamson et al. 1943 für Kugeln und Sät-
tel veröffentlicht. Da die Abhängigkeiten bereits in Form einer dimensionslosen Glei-
chung erfasst wurden, bieten sie die Grundlage nahezu sämtlicher darauffolgender
Untersuchungen, welche weitere Füllkörpertypen und größere Kolonnenbelastungen
in die Auswertungen einbezogen (Taecker, Hougen 1949, Surosky, Dodge 1950;
Yoshida, Tanaka 1951; Hensel, Treybal 1952; Kolev 1971; Kolev ,Velkova 2002, Ko-
lev et al 2006).

Um den Einfluss der physikalischen Stoffeigenschaften der Gasphase auf den Stoff-
übergang ermitteln zu können, wurden von Lynch, Wilke 1955, Semmelbauer 1967,
Onda et al.1968 unterschiedliche Trägergase verwendet. Leider führten die Ergeb-
nisse, wie später noch gezeigt wird, nicht immer zu übereinstimmenden Abhängigkei-
ten.

Werden die Diffusionseigenschaften der übertragenen Komponente von der gasför-


migen und der flüssigen Phase bestimmt, so lässt sich aus den experimentellen Un-
tersuchungen keine getrennte Aussage über die individuellen gas- bzw. flüssigkeits-
seitigen Stoffübergangskoeffizienten ableiten. Man beschränkt sich dann auf die Mit-
teilung der additiv zusammengefassten Stoffübergangswiderstände oder schließt auf
den Stoffübergang in der einen Phase unter Anwendung eines Berechnungsansat-
zes der anderen Phase.

Absorptionssystem, welches beidseitige Transportwiderstände aufweist, ist z. B. Ace-


ton-Luft-Wasser. Die Modellansätze zur Berechnung des Stoffübergangskoeffizien-
ten in der Gas- und Flüssigphase werden im Abschnitt 6.2 zusammengefasst.
2 Problemstellung 7

Die Autoren, die hier angeführt wurden, befassen sich hauptsächlich mit dem physi-
kalischen Stofftransport zwischen den Phasen, d. h. mit dem Stofftransport ohne
chemische Reaktionen. Die Liste an Publikationen lässt sich fortführen, wenn die ex-
perimentellen Untersuchungen zum Stoffübergang mit chemischer Reaktion eben-
falls aufgenommen werden. So ist es z. B. möglich, durch eine irreversible schnelle
Reaktion des Lösungsmittels mit der Übergangskomponente an der Flüssigkeitsober-
fläche den von beiden Phasen bestimmten Widerstand für den Stofftransport aus-
schließlich in die Gasphase zu verlagern. Die aufschlussreichen Arbeiten dazu wur-
den von van Krevelen, Hoftijzer 1948, Pearson et al. 1951, Hobler 1966, Vidwans,
Sharma 1967, Onda, et al. 1968, Joosten, Dankwerts 1973, Kim 1986, Schultes
1998, Schultes 2001 und Meille et al.2004 beigetragen.

Die zumeist empirisch bestimmten Gleichungen zur Vorausberechnung eines Stoff-


trennprozesses gelten lediglich für den Stoffdaten- und Belastungsbereich als abge-
sichert, für welchen sie aufgestellt wurden. Nur wenige Autoren versuchen über ein
theoretisches Grundmodell die physikalisch begründeten Stofftransportcharakteristi-
ken in Füllkörperkolonnen zu bestimmen. Eine experimentelle Untersuchung, über
statistische Berechnungsmodelle die charakteristische Struktur einer regellosen Füll-
körperschüttung zu beschreiben, unternahm z.B. Davidson 1959. In Verbindung mit
einer Stofftransporttheorie für ruhende Medien schloss Davidson dann auf Stoffüber-
gangskoeffizienten in Zweiphasen-Gegenstrom-Kolonnen. Dieser Ansatz wurde spä-
ter Ausgangspunkt modifizierter Überlegungen von einigen Autoren (Bridgewater,
Scott 1974; Mohunta et al. 1971; Ponter, Yeung 1982; Versteeg 1987; Gorak 1991;
Kooijman 1995). Doch mussten die Modelle stets durch empirische Zusatzglieder
den experimentellen Ergebnissen angeglichen werden. In den Ausführungen von
Shi, Mersmann 1984 und Last 1999, welche über eine rechnerische Rinnsalbreite
den Stoffübergang mathematisch zu erfassen versuchten, finden sich ebenfalls empi-
rische Bezüge zu den Formel.

Die einschlägigen Fachbücher von Hobler 1966, Brauer 1971, Reichelt 1974, Billet
1983, Bird, Stewart, Lightfoot 2002 und Kraume 2004 und verschiedene verfahrens-
technische Taschenbücher empfehlen daher für die Auslegung von Stofftrennkolon-
nen Gleichungen, welche auf der Grundlage umfangreicher experimenteller
2 Problemstellung 8

Daten erstellt wurden und somit dem Anwender in dem untersuchten Belastungs-
und Stoffdatenbereich besser abgesicherte Berechnungsergebnisse liefern. Laborun-
tersuchungen sind jedoch trotzdem bis heute oft unerlässlich.

2.2 Zielsetzung

Bei Betrachtung der zahlreichen Veröffentlichungen zu den Grundoperationen der


thermischen Verfahrenstechnik, wie z.B. Absorption oder Desorption, liegt die Ver-
mutung nahe, dass die Prozesse des binären oder polynären Stoffaustausches hin-
reichend gelöst sind. Es zeigt sich allerdings nach kurzer Einarbeitung in diese The-
matik, dass fast alle Autoren auf den gleichen Grundlagen aufbauen. Hier werden
vielfach das Fick’ sche Gesetz bzw. die Maxwell-Stefan-Gleichung genannt. Bei der
anschließenden Lösung der Problematik des Stoffaustausches treten jedoch eine
Vielzahl von unterschiedlichen Modellen (Korrelationen) mit verschiedensten An-
nahmen und Vereinfachungen zu Tage, die im Rahmen dieser Arbeit kurz vorgestellt
werden (Kapitel 6).

Die Korrelationen beinhalten neben der spezifischen Oberfläche und dem Lücken-
grad auch füllkörperspezifische Konstante. Zudem sind die experimentellen Metho-
den zu ihrer Bestimmung wenig standardisiert, so dass ein Vergleich von Daten aus
unterschiedlichen Quellen oft nur begrenzt möglich ist. Neben diesen Problemen der
Übertragbarkeit sind die bekannten Korrelationen ebenfalls hinsichtlich ihres Gültig-
keitsbereiches für extreme Stoffdaten zu hinterfragen. Speziell für die Anwendung
bei hochviskosen oder stark benetzenden Systemen bzw. solchen mit sehr kleiner
Oberflächenspannung sind diese Ansätze nicht geeignet.

Am Lehrstuhl für Verfahrens- und Umwelttechnik der Ruhr-Universität Bochum wurde


ein Programmsystem mit Vielzahl von Korrelationen für Hydraulik und Trennwirkung
(siehe Tabelle 6.1 und 6.2) mit unterlagerter Datenbank für die füllkörperspezifischen
Parameter für die Abschätzung und Auslegung von Packungs- bzw. Füllkörperkolon-
nen entwickelt. Im Rahmen dieser Arbeit sollen diese theoretischen Auslegungskon-
zepte mit Hilfe experimenteller Werte für den Stofftransport in der Gas- bzw. Flüssig-
phase und unter Nutzung moderner Programme überprüft, diskutiert und mit Litera-
turangaben verglichen werden.
2 Problemstellung 9

Einer der Schwerpunkte dieser Arbeit ist die Modifizierung existierender Berech-
nungsroutinen zur Bestimmung formspezifischer Füllkörperkonstanten. Diese Füll-
körperkonstanten dienen als Grundlage des im Kapitel 6 diskutierten Billett-Schultes-
Modells. Sie geben den Einfluss der angewendeten Kolonneneinbauten auf die Ef-
fektivität der Stoffübertragung und die hydrodynamischen Verhältnisse in der Kolon-
ne wieder. Interesse bei der Entwicklung von hocheffektiven Füllkörpern besteht in
der Erweiterung dieses Modells für Messungen im Bereich über den Staupunkt, die
untere Belastungsgrenze, die das Einsetzen des Aufstauens der Rieselflüssigkeit
kennzeichnet, bis zum Flutpunkt, dem Betriebszustand in der Kolonne, ab welchem
keine Flüssigkeit mehr nach unten abfließt. Die vorliegende Arbeit soll sich dement-
sprechend auch mit Betriebszustände über den Staupunkt befassen. Diese Erkennt-
nisse sind zur genauen Bestimmung des Staupunktes von Bedeutung. Der Stau-
punkt ist nicht eindeutig definierbar. Modellbedingt ist dieser Punkt als 55 bis 75 %
vom Flutpunkt anzunehmen (Röhm 2004). Um diese Zielsetzung zu erfüllen sind die
formspezifischen Füllkörperkonstanten anstatt durch Mittelwertbildung durch eine
stetige Funktion zu ersetzen. Das Vorhandensein einer solchen Funktion erhöht die
Genauigkeit der Simulation von Füllkörperkolonnen mit gekoppeltem Wärme- und
Stoffaustausch.

Das Billet-Schultes-Modells arbeitet als integrales Modell mit mittleren Konzentratio-


nen und Temperaturen. Ein Verbesserungspotenzial besteht darin, das Modell zu
überprüfen, was für eine Verbesserung der Genauigkeit von Simulationen entsteht,
wenn eine Kolonne mit kontinuierlichen Einbauten in Höhenelementen geteilt wird
und eine differentielle Bilanzierung des Mehrkomponenten-Wärme- und Stoffaustau-
sches durchgeführt wird. Durch eine solche rigorose Berechnungsmethode unter Be-
rücksichtigung des Temperaturprofils der Kolonne ist die Simulation für Mehrkompo-
nenten Stoffaustausch durchzuführen. Es sind Systeme aus wasserlöslichen Kom-
ponenten zu diskutieren.
3 Stofftransport 10

3 Stofftransport für binäre und Mehrkomponentensysteme

In diesem Kapitel werden die Grundlagen des binären und polynären Stoffaustau-
sches aufgezeigt. Die Themenbereiche Stoffeigenschaften und Phasengleichgewich-
te, diffusionskontrollierter Stofftransport, Stoffübergangstheorien sowie einige Son-
derfälle werden näher erläutert, da sie für die Berechnungen eine besondere Rolle
spielen. Am Beispiel der verfahrenstechnischen Grundoperation Absorption wird im
folgenden auch die Entwicklung der oben genannten Stofftransportmodelle beschrie-
ben.

3.1 Stoffeigenschaften und Phasengleichgewichte der untersuch-


ten Stoffsysteme

Damit die in den folgenden Abschnitten aufgezeigten Berechnungsgleichungen aus-


gewertet werden können, sind unter anderem Stoffdaten notwendig, welche die je-
weiligen Substanzen und Gemische charakterisieren. Während die Fluiddynamik ei-
ner Strömung in Bezug auf die stofflichen Parameter im Wesentlichen von der Dich-
te, der dynamischen bzw. kinematischen Viskosität sowie von der Oberflächenspan-
nung beeinflusst wird, kommt bei der Stoffübertragung der Diffusionskoeffizient hin-
zu. Diese Werte können entweder aus Messwerttabellen entnommen werden, wie sie
z. B. im VDI- Wärmeatlas 2002 dargestellt sind, oder sie werden über zumeist halb-
empirische Berechnungsgleichungen ermittelt. So sind z. B. die Dichten und Viskosi-
täten sämtlicher im Rahmen dieser Arbeit verwendeten Systeme sowohl für die Gas-
als auch für die Flüssigkeitsphase in einschlägigen Literatur (Reid, Prausnitz, Poling
1987) wiedergegeben.

Bei der Ermittlung der Oberflächenspannungen und Diffusionskoeffizienten hingegen


muss auf halbempirische Gleichungen zurückgegriffen werden, da experimentelle
Daten nicht immer vorliegen. Für die Bestimmung dieser Stoffdaten findet man in der
entsprechenden Fachliteratur (Perry et al. 1997 und VDI-Wärmeatlas 2002) mehrere
Korrelationen, welche nicht selten zu unterschiedlichen Ergebnissen führen (Scheibel
1944 und Vivian 1964). Es ist daher notwendig die Gleichungen zu überprüfen, um
abgesicherte Ergebnisse zu erhalten.
3 Stofftransport 11

Im Rahmen dieser Arbeit wird das Stoffdaten-Versorgungssystem UPPLib verwen-


det, das am Lehrstuhl für Verfahrens- und Umwelttechnik an der Ruhr-Universität
Bochum auf der Basis von Reid, Prausnitz, Poling 1987 entwickelt wurde und das bei
ihrer Anwendung gut abgesicherte Ergebnisse liefert.

Neben stoffcharakteristischen Größen, welche die beteiligten Phasen physikalisch


kennzeichnen, treten bei Zweiphasensystemen mit einer Übergangskomponente die
Phasengleichgewichte hinzu, welche die Konzentrationen der Gas- und Flüssigkeits-
gemische an der Phasengrenzfläche in Beziehung zueinander setzen. Liegt eine i-
deal verdünnte Lösung (xA < 3 Mol%) des Stoffes A vor, so beschreibt das Henry-
sche Gesetz nach Gleichung (3.1) diesen Zusammenhang. Die druck- und tempera-
turabhängige Henry-Konstante HeA setzt hierbei den Partialdruck pA der Komponente
A im Gas in Relation zu ihrer Molkonzentration xA in der Flüssigkeit
p A = He A ⋅ x A , (3.1)
pA = yA ⋅ P . (3.2)
Verbindet man Gleichung (3.1) mit dem Daltonschen Gesetz der Partialdrücke, siehe
Gleichung (3.2), dann können die Molkonzentrationen der Gas- und Flüssigkeitspha-
se yA und xA durch die Gleichung (3.3) direkt in Beziehung zueinander gesetzt wer-
den. Letztere gibt die Steigung der Gleichgewichtskurve KA im Konzentrationsdia-
gramm unmittelbar wieder
y A He A (3.3)
KA = = .
xA P
Für viele stark verdünnte Lösungen lassen sich die Lösungsgleichgewichte formel-
mäßig dann einfach bestimmen, wenn die Steigung der Gleichgewichtskurven im
einfach logarithmischen log(pA/xA)-1/T-Diagramm konstant sind. Solcher o. a. Sach-
verhalten findet man in der Arbeit von Fujita 1963 und Schultes 1990 für verschiede-
ne Stoffsysteme.

Liegen die Mengen der Komponente A in einem Gemisch, bestehend aus den Antei-
len A und B, nicht in Form von Molkonzentrationen xA bzw. yA [kmolA/kmolA+B] vor,
sondern werden durch Molbeladungen des reinen Trägerfluids XA bzw.
YA[kmolA/kmolB] zum Ausdruck gebracht, so bietet die Gleichung (3.4) die Möglich-
keit einer Umrechnung zwischen diesen Größen
3 Stofftransport 12

XA YA (3.4)
xA = ; yA = .
1+ X A 1 + YA
Nachfolgend werden die Beziehungen für die Phasengleichgewichte der untersuch-
ten Stoffpaarungen angegeben.
Im Rahmen dieser Arbeit wurden alle experimentellen Untersuchungen bei Normal-
druck unter idealen Gasbedingungen durchgeführt, deshalb wurde oft KA durch HeA
eingesetzt (siehe Gleichung (3.3)). Analoge Beziehungen wurden auch für den Satt-
dampfdruck angenommen.

Lösungsgleichgewicht : He A = exp a + b + c ln (T ) + (d + (e + f ⋅ T ) ⋅ T ) ⋅ T 
 T 

Tabelle 3.1: Werte zur Bestimmung von Henry-Koeffizienten


Komponente A Komponente B a [-] b [-] c [-] d [-] e [-] f [-] T in [K]

Ammoniak Wasser 13.806 -4126.2 0 0 0 0 293.15


Aceton Wasser 16.401 -4669.6 0 0 0 0 293.15
Kohlendioxid Wasser 15.706 -2473.0 -21.669 1.1E-03 0 0 293.15

3.2 Diffusionskontrollierter Stofftransport

Die Theorie des diffusionskontrollierten Stofftransports basiert auf einem Verlauf der
Zustandsgrößen gemäß Abbildung 3.1. Hierbei wird der Phasengrenzbereich als un-
endlich dünne Phasengrenzfläche betrachtet, an dem ein thermodynamisches
Gleichgewicht zwischen Gas- und Flüssigphase herrscht.

Abbildung 3.1: Molanteile beim Stoffübergang von einer Gas- in eine Flüssigphase

Neben dem diffusionskontrollierten Stoffaustausch gibt es in der Literatur auch Theo-


rien zum konvektiven und turbulenten Stofftransport.
3 Stofftransport 13

Für die Beschreibung des Vorgangs der Diffusion haben sich zwei Theorien etabliert,
auf die im folgenden genauer eingegangen werden soll. Namentlich sind dies das
Fick’sche Gesetz und die Maxwell-Stefan-Gleichung.

3.2.1 Fick’ sches Gesetz

Adolf Fick versuchte die Vorgänge bei der Diffusion zu beschreiben. Das Resultat
seiner Arbeit war das Fick’sche Gesetz, welches im Folgenden erläutert wird.

3.2.1.1 Fick’sches Gesetz für binäre Stoffsysteme

Fick machte die Grundüberlegung, dass Diffusion aufgrund von Konzentrationsdiffe-


renzen auftritt. Dies wird an folgendem einfachen Gedankenexperiment deutlich: Be-
trachtet man eine mit Wasser gefüllte Petrischale, in deren Mitte ein Kaliumperman-
ganat-Kristall gegeben wird, so bildet sich um das Kristall herum zunächst eine dun-
kelviolette Lösung von KMnO4 in Wasser. Die dunkle Farbe ist dabei ein Indikator für
eine hohe Konzentration. Durch das Wachstum der violetten Zone zeigt sich, dass
das Kaliumpermanganat immer weiter vom Kristall wegdiffundiert. Verantwortlich
hierfür ist der Konzentrationsgradient zwischen den violetten Gebieten (hohe KMnO4-
Konzentration) und den klaren Zonen (geringe bis keine KMnO4-Konzentration).
Nach einer endlichen Zeit hat sich in der Schale eine gleichmäßige Farbe bzw. Kon-
zentration eingestellt (Bird, Stewart, Lightfoot 2002).

Für die Komponente A eines binären Systems formulierte Fick seine Gleichung nach
weiteren Überlegungen wie folgt:
&j A = c A ⋅ (u A − u ) = −ct ⋅ DAB ⋅ ∇x1 (3.5)

Die Komponente A diffundiert folglich in Richtung der abnehmenden Konzentration.


Der Faktor DAB in Gleichung (3.5) wird dabei als Fick’ scher Diffusionskoeffizient be-
zeichnet. Das Minuszeichen besagt, dass der Stoffstrom in Richtung negativer Kon-
zentrationsgradient positiv ist.
Tabelle 3.2 zeigt die zahlenmäßige Größenordnung dieses Faktors für einige binäre
Gasgemische. Es ist zu beobachten, dass er im allgemeinen keineswegs identisch
'
mit dem Maxwell-Stefan-Diffusionskoeffizienten D12 ist (siehe Abschnitt 3.2.2.1)!
3 Stofftransport 14

Tabelle 3.2: Experimentelle Fick’sche Diffusionskoeffizienten für binäre Gasmischungen bei p


= 1 Pa ( Bird, Stewart, Lightfoot 2002)

Gas Temperatur DAB


-4
A-B [K] [10 m²/s]
CO2-N2O 273.2 0.096
CO2-CO 273.2 0.139
CO2-N2 273.2 0.144
288.2 0.158
298.2 0.165
N2-O2 273.2 0.181

Für ideale Gasmischungen ist DAB unabhängig von der Konzentration und invers
proportional zum Druck. Ferner steigt DAB mit steigender Temperatur.
Für binäre Mischungen von Flüssigkeiten zeigt sich aber ein verändertes Bild (Tabel-
le 3.3). Hier ist zu erkennen, dass der Diffusionskoeffizient sehr stark von der Kon-
zentration abhängt. Er steigt ebenfalls mit steigender Temperatur.

Tabelle 3.3: Experimenteller Fick’scher Diffusionskoeffizient für ein flüssiges binäres Gemisch
(Bird, Stewart, Lightfoot 2002)

System A-B Temperatur [K] Konzentration xA D [109m²/s]


C6H5Cl- C6H5Br 283.25 0.0332 1.007
0.2642 1.069
0.5122 1.146
0.7617 1.226
0.9652 1.291
313.07 0.0332 1.584
0.2642 1.691
0.5122 1.806
0.7617 1.902
0.9652 1.996
3 Stofftransport 15

3.2.1.2 Fick’ sches Gesetz für Mehrkomponentensysteme

Die Erweiterung der (3.5), welche zunächst nur für binäre Gemische gültig ist, auf ein
Gemisch aus n Komponenten ergibt ein Gleichungssystem der Dimension n-1 ge-
mäß (3.6-3.8):
&j = −c ⋅ D ⋅ ∇x ... − c ⋅ D
1 t 1,1 1 t 1, n −1 ⋅ ∇x n −1
(3.6)

&j = −c ⋅ D ⋅ ∇x ... − c ⋅ D
2 t 2,1 1 t 2, n −1 ⋅ ∇x n −1
(3.7)

...
&j = −c ⋅ D
n −1 t n −1,1 ⋅ ∇x1... − c t ⋅ Dn −1, n −1 ⋅ ∇x n −1
(3.8)

Dieses lässt sich sehr einfach in die wesentlich bequemere und EDV- freundlichere
Matrix-Schreibweise überführen.
&j = −c ⋅ [D] ⋅ ∇ x (3.9)
t

Auch hier ist zu beobachten, dass ein Gemisch aus n Komponenten ein System von
n-1 unabhängigen Gleichungen liefert. Die noch fehlende Diffusionsstromdichte &j n

berechnet sich aus der Beziehung, dass die Summe aller &j i Null ergibt (Taylor,
Krishna 1993).

3.2.2 Maxwell-Stefan-Gleichung

Bereits 1871 verfassten der schottische Physiker James Clerk Maxwell sowie der
österreichische Wissenschaftler Josef Stefan eine Abhandlung über die Diffusion in
Mehrkomponentengemischen. Die Herleitung dieser Gleichung, die bis heute als ge-
naueste zur Beschreibung des Vorgangs der Diffusion gilt, wird nun verkürzt erläu-
tert.

3.2.2.1 Ideale Mehrkomponentensysteme

Die Gleichung (3.10) stellt die treibende Kraft für die Diffusion der Komponente i im
Gemisch dar:
n (x ⋅ &
i j j − x j ⋅ ji )
∂xi & (3.10)
= −∑
∂z j =1 ct ⋅ Dij'
3 Stofftransport 16

Hier gilt, dass die Maxwell-Stefan-Diffusionskoeffizienten symmetrisch sind. Es ist


wichtig zu beachten, dass nur n-1 Gleichungen unabhängig voneinander sind. Das
Aufstellen aller Gleichungen für ein vorhandenes Mehrkomponentengemisch führt zu
der Erkenntnis, dass sich das Gleichungssystem auch in Matrix-Form darstellen
lässt. Es folgt für die Diffusionsstromdichten:
→ (3.11)
&j = −ct ⋅ [B ]−1 ⋅ ∇ x .

Dabei enthält die quadratische B-Matrix folgende Elemente:

xi n
xk  1 1  (3.12)
Bii = + ∑
Din k =1 Dik'
'
und Bij = − xi ⋅  ' − '  .
j ≠k
 Dij Din 

3.2.1.3 Reale Mehrkomponentensysteme

Die bisher behandelten Gleichungen gelten nur für den Spezialfall, dass es sich bei
dem Gemisch um ein ideales Gasgemisch handelt. Um dem Realverhalten der Mi-
schung Rechnung zu tragen, wird die Gleichung (3.11) dahingehend modifiziert, dass
ein Thermodynamikfaktor Γ eingefügt wird:
→ (3.13)
&j = −ct ⋅ [B ]−1 ⋅ [Γ ] ⋅ ∇ x .

Im Fall der idealen Mischung nimmt Γ den Wert 1 an, andernfalls berechnet er sich
nach Gleichung:
∂ ln γ i (3.14)
Γij = δ ij + x i mit δ ij = 1 bzw. δ ij = 0 .
∂x j i= j i≠ j

Experimentell lässt sich die Gültigkeit der Maxwell-Stefan-Gleichung z.B. durch Un-
tersuchungen in einem zylindrischen Gefäß (siehe Abbildung 3.2) validieren, in dem
Moleküle einer Flüssigkeit durch eine Gasmischung diffundieren und als Konzentrati-
onen in einer über das Gefäß geleiteten Gasströmung B gemessen werden.
3 Stofftransport 17

Abbildung 3.2: Diffusion der Komponente A in ein Gasgemisch aus den Komponenten A und B

3.3 Sonderfälle

Beim realen Trennstufenmodell ist es unbedingt notwendig, wie in Abschnitt 3.5.2


erwähnt wird, die übergehenden Komponentenströmdichte N& i zu quantifizieren. An
der Phasengrenze können die zwei betrachteten Phasen verknüpft werden, wenn die
Bedingung N& iL = N& iV erfüllt ist. Die auf die spezifische Phasengrenzfläche aPh bezo-

genen Molenstromdichten ergeben sich definitionsgemäß zu


(3.15)
N&
n& i = i .
aPh

Zwischen den Molenstromdichten und den entsprechenden Diffusionsstromdichten


besteht ferner ein Zusammenhang der Art
(3.16)
n& i = &j i + x i ⋅ n& t .
3 Stofftransport 18

Hierbei entspricht n& t der Summe aller Komponentenmolenstromdichten. Für den

Ausdruck &j i , der in (3.16) verwendet wird, kann nun ein entsprechender Ausdruck
gemäß dem Fick’schen Gesetz substituiert werden. Für ein binäres System ergibt
sich so die folgende Gleichung:
n (3.17)
n& = −ct ⋅ DAB ⋅ ∇x A + x A ⋅ (n& A + n& B ) mit n& t = n& A + n& B = ∑ n& i .
i

Für Mehrkomponentensystem wird daraus in Matrixschreibweise

n& = &j + x ⋅ nt mit &j = −ct ⋅ [D ] ⋅ ∇ x A . (3.18)

Der erste Summand dieser Gleichung beschreibt dabei den diffusiven Anteil, wohin-
gegen der zweite Summand den konvektiven Anteil darstellt. Die Gleichungen ver-
deutlichen allerdings auch eine weitere entscheidende Problematik: Eine Molen-
stromdichte ist von allen anderen Molenstromdichten abhängig!
Aus der Gleichung (3.16) lassen sich einige Spezialfälle ableiten, die im folgenden
dargestellt werden.

3.3.1 Äquimolare Diffusion

n
n& t = ∑ n& i = 0 .
i =1

Verbindet man zwei Behälter, von denen jeder ein anderes Gas enthält, durch eine
dünne Leitung (Abbildung 3.3), so stellt sich einen Stoffaustausch zwischen beiden
Phasen ein, wenn Druck und Temperatur der beiden Gase gleich sind und diese der
thermischen Zustandsgleichung idealer Gase gehorchen.

Abbildung 3.3: Äquimolare Diffusion zwischen zwei Behälter


3 Stofftransport 19

Für ein Gasvolumen in der Verbindungsleitung gilt die thermische Zustandsgleichung

(
p = N& A + N& B m
V
)
R ⋅T
.
(3.19)

Im stationären Fall bleibt der Gesamtdruck zeitlich unveränderlich. Es gilt daher:


dp
dt
( R ⋅T
= N& A + N& B m
V
)
= 0,
(3.20)

dc dc (3.21)
N& A = − D A ⋅ A und N& B = − DB ⋅ B ,
dz dz

N& A = − N& B , (3.22)

n& i = &j i . (3.23)

Diffusionsströme sind gegensätzlich gleich und stimmen überein. Äquimolare Diffusi-


on tritt in grober Näherung auch bei Zweistoffgemischen auf, wenn von der Annahme
ausgegangen wird, das die Verdampfungswärme der beiden betrachteten Kompo-
nenten gleich ist (Baehr, Stephan 2004).

3.3.2 Stefan-Diffusion
n& n = 0
Bei näherer Betrachtung der Molenstromdichten bei Prozessen wie z.B. der Konden-
sation oder Absorption stellt sich heraus, dass hier das Verhalten einer Komponente
als inert bezeichnet werden kann. Die übergehende Molenstromdichte dieser Kom-
ponente, die mit n bezeichnet wird, ist Null.
Wird zunächst die allgemeine Diffusion und die Molenstromdichte der inerten Kom-
ponente n betrachtet, so lautet diese in Anlehnung an (3.16):
n& n = &j n + xn ⋅ n& t = 0 . (3.24)

Durch Umformen folgt daraus:


− &j n (3.25)
n& t = .
xn
Für eine beliebige nicht-inerte Komponente i ergibt sich folglich:
x ⋅ &j (3.26)
n& i = &j i + xi ⋅ n& t = &j i − i n ,
xn
und hieraus abschließend:
3 Stofftransport 20

 x  x n −1 (3.27)
n& i = 1 + i . &j i + i
xn  xn
∑ &j k .
 k =1
k ≠i

3.3.3 Nicht-äquimolare Diffusion


n& n ≠ 0; n& t ≠ 0

Der allgemeinste Fall geht von dem Umstand aus, dass keine Information über die
Komponentenmolenstromdichten vorliegen. Es tritt nun das Problem auf, dass den
n-1 unabhängigen Diffusionsstromdichten &j i genau n unabhängige Molenstromdich-
ten n& i gegenüberstehen.
Eine direkte Umrechnung von Diffusions- auf Komponentenstromdichten gestaltet
sich somit schwierig. Daher wird die sogenannte „Bootstrap-Matrix“ eingeführt, die
den gesuchten Zusammenhang in der Form:
r r
&n = [k ik ] ⋅ &j (3.28)

herstellt.

Die Herleitung dieser Matrix gestaltet sich vergleichsweise komplex und wird daher
nur verkürzt dargestellt.
Für die Umrechnung soll eine neue Bezugsgröße (Verdampfungsenthalpie der Kom-
ponenten ∆HVi ) gewählt werden, die als Ausgangspunkt gilt. Durch Einbringen dieser
neuen Größe in die Gleichung und mehrfaches substituieren folgt:
ν k −ν n
τk = n
mit ν i = ∆H Vi .
∑ν
j =1
i ⋅ xj (3.29)

Die Elemente der „Bootstrap-Matrix“ lassen sich nun berechnen zu


κ ik = δ ik − xi ⋅ τ k (3.30)
und ermöglichen so eine Umrechnung der ersten n-1 Stromdichten nach Gleichung
(3.31). Die fehlende Komponentenmolenstromdichte ergibt sich durch Anwendung
der Beziehung

r r (3.31)
n& t = −τ Τ ⋅ j

zu
3 Stofftransport 21

n −1 (3.32)
n& n = n& t − ∑ n& i .
i =1

Aus diesem allgemeinen Fall lassen sich die beiden vorher behandelten Fälle ablei-
ten. Zu diesem Zweck werden bei äquimolarer Diffusion alle ν i auf den gleichen
Wert gesetzt. Bei der Annahme der Stefan-Diffusion werden alle ν i gleich Null ge-
setzt, außer für die inerte Komponente. Für sie darf die Verdampfungsenthalpie ei-
nen beliebigen Wert annehmen (Taylor, Krishna 1993).

3.4 Stoffübergangstheorien

Für die Beschreibung beliebiger Stofftransportvorgänge wird hier eine Differential-


gleichung für den Stoffaustausch in einem infinitesimalen Volumenelement hergelei-
tet.
Betrachtet wird zunächst ein ortsfestes Volumenelement. Es wird des Weiteren ein
Stoffsystem A-B zugrunde gelegt, bei dem die Konzentrationen und Diffusionskoeffi-
zienten konstant sind. Geht man davon aus, dass der Gesamtdruck p und die Tem-
peratur T im betrachteten Volumenelement konstant bleiben, so ist auch die Summe
der Molkonzentrationen eine unveränderliche Größe (Gleichung (3.33)). Für die Kon-
zentrationsgradienten der Komponenten A und B folgt die Gleichung (3.34)
p (3.33)
c= = c A + cB = const .
Rm ⋅ T

dc A dc (3.34)
=− B .
dz dz

Bei äquimolarer Diffusion sind die Molenstromdichten N& A und N& B betragsgleich und
gegeneinander gerichtet (Abbildung 3.3), so dass aus der (3.22) in Verbindung mit
den Gleichungen (3.21), (3.33) und (3.34) folgt, dass die Diffusionskoeffizienten DA
und DB identisch sind. Daher entfallen die Indizierungen der Diffusionskoeffizienten:

DA = DB = D . (3.35)
3 Stofftransport 22

Wie aus der Abbildung 3.1 hervorgeht, kann man im allgemeinen nicht davon ausge-
hen, dass die Stoffstromdichte eine lineare Funktion der Konzentration cA bzw. der
Dichte ρA darstellt. Nach dem Gesetz der Massenerhaltung gilt nun, dass die zeitliche
Veränderung der Masse einer Komponente mit den sämtlichen ein- und austreten-
den Massenströmen und der Produktionsrate der Komponente im Volumenelement
im Gleichgewicht steht. Die umfassendste Form stellt die Stoffbilanzgleichung (3.34)
für den Stofftransport dar, die analog zur Navier-Stokes Gleichung gebildet wird.

Dabei stellt u die Geschwindigkeit des Stoffstromes dar (Baehr, Stephan 2004)

∂c A  ∂ (u x c A ) ∂ (u y c A ) ∂ (u z c A )    ∂ 2 c A ∂ 2 c A ∂ 2 c A  (3.36)
+ + +  =  D  2 +
AB  +  + rA .
∂t  ∂x ∂y ∂z    ∂x ∂y 2 ∂z 2 

Sie ist für ein orthogonales x-y-z- Koordinatensystem angegeben und kann in drei
Glieder unterteilt werden. Die zeitliche Änderung der Konzentration dcA/dt der Kom-
ponente A erfolgt durch konvektiven Stofftransport, durch die zeitliche Änderung auf-
grund molekularer Bewegungsvorgänge und Systemänderung aufgrund eines Um-
wandlungsprozesses (z.B. chemische Reaktion). Die Größe r&A [kmol/m³s] bezeich-
net den volumenbezogenen Molenstrom infolge einer Stoffumwandlung.
Für die mathematische Lösung der Differentialgleichung (3.36) existieren unter-
schiedliche Modellansätze in der Literatur, welche aus Vereinfachungen dieser Glei-
chung resultieren. Bevor diese jedoch in kurzer Form erläutert werden, wird noch
eine weitere wichtige universelle Bilanzgleichung diskutiert.

Addiert man die Bilanzgleichungen sämtlicher Komponenten auf und betrachtet fort-
an die Summe aller partiellen Massen eines Gemisches, so folgt die Kontinuitätsglei-
chung für das betrachtete Volumenelement. Da die Bilanz für die Gesamtmasse vor
allem durch des konvektiven Stofftransportes bestimmt wird, folgt unter Vernachläs-
sigung und des Umwandlungsprozesses die Gleichung (3.37):
∂c  ∂ (u x c ) ∂ (u y c ) ∂ (u z c )  (3.37)
+ + +  = 0.
∂t  ∂x ∂y ∂z 
3 Stofftransport 23

3.4.1 Filmtheorie

Die von Lewis und Whitham 1924 vorgestellte Film-Theorie besagt, dass sich der
gesamte Transportwiderstand auf einen wandnahen ruhenden Fluidfilm der Dicke δ C
konzentriert. Die Diffusion geschieht hier unter stationären Bedingungen, der daraus
resultierende Stofftransport findet im wesentlichen senkrecht zum Film in einer Rich-
tung statt. Außerhalb dieses Film bestehen keine Konzentrationsgradienten, da sie
dort durch die Strömungsturbulenzen zerstört werden. Gemäß Abbildung 3.4 ist eine
solche Vereinfachung selbst in Systemen mit Konvektion zulässig, wenn die Ge-
schwindigkeitsgrenzschicht δw deutlich größer als die Konzentrationsgrenzschicht δc
ist, da dann die Fluidgeschwindigkeiten innerhalb δc sehr niedrig sind. Diese Verhält-
nisse treten üblicherweise bei Flüssigkeiten (Sc > 1) auf.

Der betrachtete Film hat die Dicke δc. Konzentrationen und Geschwindigkeiten än-
dern sich nur in z-Richtung, nicht aber, so wird weiter angenommen, mit der Zeit oder
in Richtungen der anderen Koordinatenachsen. In diesem Film findet der Stofftrans-
port allein durch molekulare Diffusion statt.

Abbildung 3.4: Konzentrations- und Geschwindigkeitsprofil an einer überströmten Ober-


fläche nach der Film-Theorie (Kraume 2004)
3 Stofftransport 24

Unter der oben genannten Voraussetzung geht die Gleichung (3.36) in die Gleichung
(3.38) über, wenn keine chemische Reaktion vorliegt. Diese Gleichung (3.38) be-
zeichnet man auch als das zweite Fick’sche Gesetz:
∂c A (3.38)
= D ⋅ ∇ 2c A .
∂t

n
Für den Fall äquimolaren Stofftransports ( n& t = ∑ n& i = 0 ) reduziert sich die Aufgaben-
i =1

stellung auf ein eindimensionales Problem in Form der Gleichung (3.39):


 d 2c  (3.39)
0 = D ⋅  2A  .
 dz 

Die entscheidende Vereinfachung der Filmtheorie liegt nun darin, dass eine zeitliche
Änderung des Dichteprofils in z-Richtung ausgeschlossen werden kann und somit
d 2c A
die Gleichung (3.38) zu Null gesetzt wird. Die Integration von ergibt daraufhin
dz 2
einen konstanten Wert (siehe (3.38)), so dass der Differentialquotient durch den Dif-
ferenzenquotienten ersetzt werden kann:
dc A ∆c (3.40)
= .
dz ∆z
Setzt man diesen Ausdruck in die Gleichung (3.21) ein, so folgt die Beziehung (3.41).
Bei der Substitution von ∆z durch die Filmdicke δc ergibt sich die Gleichung (3.42),
welche die Stoffübergangskoeffizienten β als Proportionalitätsfaktor enthält:
∆c (3.41)
n& A = −D ⋅ A ,
∆z
D (3.42)
n& A = ⋅ (c A0 − c Aδ ) = β ⋅ (c A0 − c Aδ ) ,
δC
D (3.43)
β= .
δC
Da die Filmdicke δc meistens nicht bekannt ist, kann man aus dieser Gleichung keine
Stoffübergangskoeffizienten β berechnen.
Man kann sich diese jedoch für die in der Praxis häufig vorkommenden Fälle aus der
einschlägigen Literatur (z.B. Sherwood, Pigford und Wilke 1975; Perry et al. 1997;
Brauer 1971 und Mersmann 1986) berechnen und dann mit Gleichung (3.43)
3 Stofftransport 25

die Filmdicke abschätzen. Der Stoffübergangskoeffizient β ist für verschwindenden


Konvektionsstrom n& 0 → 0 nach der Filmtheorie proportional dem

Diffusionskoeffizienten.
Zu einem allgemeinen Ergebnis kommt man, wenn man einen endlichen Konvekti-
onsstrom n& (nicht äquimolare Stofftransport) zulässt
dn& (3.44)
=0
dz
d.h.
n& = const . (3.45)
Dabei ergibt sich nun unter der Annahme c ⋅ D = const die Differentialgleichung zwei-
ter Ordnung
d 2 xA dx (3.46)
−c⋅D⋅ 2
+ n& ⋅ A = 0
dz dz
die unter den Randbedingungen xA(z=0) =xA0 und xA(z=δ) =xAδ zu lösen ist. Nach Um-
formung der Gleichung (3.49) ergibt sich die Gleichung (3.47), welche einen anderen
Ausdruck für den Stoffübergangskoeffizient ergibt:
n& (3.47)
c .
β& =
 n& ⋅ δ C 
exp   −1
 c⋅D 

Der Zusammenhang zwischen dem Stoffübergangskoeffizienten β • = β (n& 0 ≠ 0) und

β = β (n& 0 = 0) nach der Filmtheorie wird als „Ackermann-Colburn-Drew-Korrektur“


bezeichnet:
n& (3.48)
β& c⋅β .
ζ = =
β  n& 
exp   − 1
c⋅β 

3.4.1.1 Korrektur des Stoffübergangskoeffizienten

Chilton und Colburn (Colburn 1933 und Chilton, Colburn 1934) leiteten einen ähnli-
chen Ansatz für den Wärme- und Stoffübergangskoeffizienten ab, der später von
Colburn und Drew (Colburn, Drew 1937) modifiziert publiziert wurde. Daher wird nun
am Beispiel der Film-Theorie eine Korrektur von β durchgeführt, mit deren Hilfe auch
eine Beschreibung bei großen Molenströmen ermöglicht wird.
3 Stofftransport 26

Diese Gleichung wurde von Gilliland 1939, Stewart , Prober 1964 und Toor 1964 auf
Mehrkomponenten-Systeme erweitert.
Die bislang gezeigten Gleichungen gelten nur für den Fall einer binären Mischung. In
den meisten technischen Anwendungsfällen liegen jedoch Mehrkomponenten- Sys-
teme vor, so dass sich eine Erweiterung der Gleichung (3.44) auf Mehrkomponenten-
Systeme notwendig ist. Durch ähnliche Überlegungen kann auch eine Korrektur der
β-Matrix für ein Mehrkomponentengemisch hergeleitet werden.
Es ergibt sich eine Matrix [Φ ] mit den Elementen:

 
 
 n& i  n n& k (3.49)
Φ ii =  +∑ ,
Din'  k =1 Dik'
 ct ⋅  i ≠ k ct ⋅
 δ C  δC

und
 
 
 1 1  (3.50)
Φ ij = −n& i ⋅  '
+ .
D D'
 ct ⋅ ij ct ⋅ in 
 δC δC 
 
Die Korrekturmatrix ist für z=0 und z=δ (siehe Abbildung 3.4) durch Gleichungen
(3.51 und 3.52) gegeben:
[Ξ o ] = [Φ ] ⋅ {exp[Φ ] − [J ]}−1 , (3.51)

[Ξ δ ] = [Ξ 0 ] ⋅ exp[Φ]. (3.52)

Hierbei ist mit [J ] die Einheitsmatrix bezeichnet. Die korrigierte Matrix der Stoffüber-
gangskoeffizienten für große Molenstromdichten berechnet sich folglich zur Glei-
chung (3.53):
[β& ] = [β ]⋅ [Ξ] (3.53)

und somit folgt für die Molenstromdichten unter Einbeziehung von [k ]


r r
n& i = ct ⋅ [k ] ⋅ [β ] ⋅ [Ξ ] ⋅ ∆x . (3.54)

Abschließend wird ein Algorithmus vorgestellt, der den Ablauf bei der Berechnung
der Molenstromdichten für ein Mehrkomponentensystem verdeutlicht und die not-
wendigen Korrekturen berücksichtigt (Taylor, Krishna 1993).
3 Stofftransport 27

Abbildung 3.5: Algorithmus zur Bestimmung von Molenstrom ni

3.4.2 Grenzschichttheorie

Der Grenzschichttheorie liegt ebenso wie der Filmtheorie die Vorstellung zugrunde,
dass der Stoffübergang wie in Abbildung 3.4 skizziert, in einer dünnen wandnahen
Schicht erfolgt. Konzentrationen und Geschwindigkeiten dürfen sich nun aber nicht
nur in z-Richtung, sondern im Unterschied zur Filmtheorie auch in Richtung der an-
deren Koordinatenachsen ändern. Da jedoch im Vergleich zur Änderung in Richtung
der übrigen Koordinatenachsen, die Änderung des Konzentrationsprofils in der dün-
nen wandnahen Grenzschicht groß ist, genügt es, nur die Diffusion in Richtung der
z- Achse zu berücksichtigen.
3 Stofftransport 28

Dadurch vereinfachen sich die Differentialgleichungen für das Konzentrationsfeld


erheblich und stellen die fundamentale Beziehung der Grenzschichttheorie dar:
dc A dc d 2c A (3.55)
uy + uz A = D .
dy dz dz 2
Die Lösung dieser Differentialgleichung stellt die Gleichung (3.57) dar, welche unter
den folgenden drei Randbedingungen sowie mit Hilfe der Kontinuitätsgleichung
(3.56) für den ebenen Fall abgeleitet werden kann (Eckert, Drake 1972):
1. für z = 0 und y ≥ 0 gilt c A = c A0

2. für z = ∞ und y ≥ 0 gilt c A = c Aδ

3. für z ≥ 0 und y = 0 gilt c A = c Aδ

∂u y ∂uz (3.56)
+ = 0,
∂y ∂z
ξ
 ξ

exp
∫0  ∫0 − Sc ψ (ξ )d ξ dξ

c A ( y , z ) = c A0 −∞   (c − c ) ,
A0 Aδ
 ∞
 (3.57)
∫0 exp − Sc ∫0 ψ (ξ )dξ dξ
 

z  u y ;z = ∞  (3.58)
ξ (y , z ) =  ,
2  νx 

ν (3.59)
Sc = .
D

Während ξ nach Gleichung (3.58) zur Lösung der Differentialgleichung als neue Va-
riable eingeführt wird, ist ψ eine Funktion von ξ , welche erstmals von Blasius gelöst
wurde und sich z.B. in Form einer Taylor-Reihe darstellen lässt (Knudsen, Katz
1958). Die Gleichung (3.59) gibt die Definition der Schmidt-Zahl Sc an und wird mit
der kinematischen Viskosität ν des Fluides und dem Diffusionskoeffizienten D gebil-
det. Man erhält für erzwungene Strömung die Gleichungen der Form:
Sh = f (Re, Sc ) . (3.60)

mit der Sherwood-Zahl Sh = β⋅L/D, wobei L die Länge der Platte ist. Der Aufbau der
Funktionen für die Sherwood-Zahl ist praktisch identisch mit dem für die Nußelt-Zahl:
Nu = f (Re, Pr ) (3.61)
und für überströmte Oberflächen bekannt (VDI-Wärmeatlas(2002)).
3 Stofftransport 29

Der Stoffübergangskoeffizienten wird aus der Gleichung (3.62) berechnet:


Sh = c ⋅ Ren ⋅ Sc m . (3.62)

Die Größen c, n und m sind von der Art der Strömung, laminar oder turbulent, und
von der Gestalt des umströmten Körpers oder des durchströmten Kanals abhängig.
Der Zusammenhang zwischen dem Wärme- und dem Stoffübergangskoeffizienten
wird durch die dimensionslose Lewis-Zahl gekennzeichnet:
a (3.63)
Le = .
D

Der Stoffübergangskoeffizient wird nach (3.64) berechnet:


αm (3.64)
β= ⋅ Le m −1 .
cp ⋅ ρ

In dieser Gleichung ist m ≈ 1/ 3 . Die Lewis-Zahl ist für ideale Gase von der Größen-
ordnung 1, so dass sich in grober Nährung ergibt:
αm (3.65)
β= .
cp ⋅ ρ

Der so bestimmte Stoffübergangskoeffizient β gilt definitionsgemäß nur für ver-


schwindende Konvektionsströme und muss im Fall eines endlichen Konvektions-
stromes korrigiert werden (Baehr, Stephan 2004).

3.4.3 Penetrations- und Oberflächenerneuerungstheorie

Die Film- und Grenzschichttheorie setzen einen stationären Stofftransport voraus,


gelten also nicht mehr, wenn sich in einem Volumenelement Material ansammelt, so
dass sich die Konzentration mit der Zeit ändert.
Die Penetrationstheorie wurde von Higbie 1935 für einen kurzzeitigen Stoffaustausch
zwischen Dampfblasen und Flüssigkeiten entwickelt. Wie Higbie zeigte, ist der mittle-
re Stoffübergangskoeffizient umgekehrt proportional der Wurzel aus der Kontaktzeit
und gegeben durch:

2 D (3.66)
βm = ⋅ .
π t
3 Stofftransport 30

Hierin ist βm der mittlere Stoffübergangskoeffizient von der Zeit t = 0 bis zur Zeit t.
Wie die Erfahrung zeigt, erhält man realistische Werte des Stoffübergangskoeffizien-
ten, wenn man die Kontaktzeit aus der mittleren Steig- oder Sinkgeschwindigkeit ω
von Blasen oder Tropfen und ihrem Durchmesser d berechnet: t = d/ω. Schwieriger
ist es, die Kontaktzeit in gasdurchströmten Füllkörperschüttungen zu bestimmen, in
denen eine Flüssigkeit herabrieselt.

Abbildung 3.6: Zur Oberflächenerneuerungstheorie. Möglicher Verlauf der Stromlinien beim


Kontakt zwischen zwei Flüssigkeiten oder einer Flüssigkeit und einem Gas

Die von Dankwerts 1951 entwickelte Oberflächenerneuerungstheorie stellt eine Er-


weiterung der Penetrationstheorie dar. Während Higbie stets an allen Orten eines
Apparates gleiche Kontaktzeiten zwischen den Phasen voraussetzte, nahm Dank-
werts an, dass Fluidelemente, die miteinander in Kontakt geraten, verschiedene
Verweilzeiten haben, die durch ein Verweilzeitspektrum beschrieben werden. Der
Stoffaustausch zwischen zwei fluiden Phasen verschiedener, miteinander in Kontakt
gebrachter Stoffe, in einzelnen Strömungszellen läuft gemäß Abbildung 3.6 ab. Die
Kontaktzeit zwischen den einzelnen Fluidelementen gehorcht einer Verteilungsfunk-
tion. Nach einer gewissen Zeit kann ein Fluidelement wieder von der Kontaktfläche
verdrängt und durch ein anderes ersetzt werden. Aus diesem Grund spricht man von
Oberflächenerneuerungstheorie. Sie ist mit Erfolg auf die Absorption von Gasen in
gerührten Flüssigkeiten angewandt worden. Meistens sind jedoch die Zeitanteile bis
zur Oberflächenerneuerung ebenso wenig bekannt wie die Kontaktzeiten der Penet-
rationstheorie, so dass beide Theorien zwar für das Verständnis von Stoffaustausch-
vorgängen nützen, zu deren Berechnung aber oft nicht anwendbar sind.
3 Stofftransport 31

3.5 Entwicklung der Stoffübergangsmodelle

In Abbildung 3.7 ist der schematische Aufbau einer Packungskolonne dargestellt. Die
Unterschiede zu Bodenkolonnen ergeben sich aus den Einbauten und der Strö-
mungsführung.

Abbildung 3.7: Aufbau von Packungskolonnen. a) Füllkörperkolonnen, b) Kolonnen mit re-


gelmäßig strukturierten Packungselementen. VE Flüssigkeitsverteiler, NR
Niederhalterost, FS Füllkörperschüttung, AR Tragrost, WV Wiederverteiler
mit Füllkörperrückhaltesperren, PA Packungselemente, AT Auflageträger, FA
Flüssigkeitssammler, RK Ringkanal, DE Dampfeintrittsrohr, KS Kolonnen-
sumpf, UV Umwälzleitung zum Verdampfer, SZ Standzarge, VA Verankerung,
ML Mannloch (Sattler 1995)
3 Stofftransport 32

Im Fall des zweiphasigen Betriebs strömt die Flüssigkeit als Film entlang der Ober-
fläche der Füllkörper vom Kopf der Kolonne abwärts bis zum Fuß bzw. der Blase der
Kolonne. Das Gas wird in der Regel im Gegenstrom geführt, d.h. am Fuß der Kolon-
ne eingeleitet und am Kolonnenkopf abgezogen. Ziel solch einer Ausstattung ist eine
gute Phasenverteilung sowie eine möglichst große Flüssigkeitsoberfläche für den
Wärme- und Stoffaustausch. Die typische Ausführungsform solcher Füllungselemen-
ten wurde im Abschnitt 2.1 beschrieben.
Über die Kolonnenhöhe stellen sich die angesprochenen Konzentrations- bzw. Tem-
peraturverläufe ein, die es nun rechnerisch zu ermitteln gilt. Hierzu stehen zwei Me-
thoden zur Verfügung.

3.5.1 Berechnung auf der Basis von idealen Trennstufen

Der Grundgedanke dieses Stoffübergangsmodells, das in der Vergangenheit lange


Zeit benutzt wurde, besagt, dass die Kolonne in eine sequentielle Abfolge von idea-
len Trennstufen zerlegt werden kann. Dabei stehen die Ströme, welche die Trennstu-
fen verlassen, im thermodynamischen Gleichgewicht. Abbildung 3.8 zeigt diese Mo-
dellvorstellung.

Abbildung 3.8: Stufendarstellung einer Absorptionskolonne

Die Betrachtung einer Trennstufe aus dieser Stufenabfolge erlaubt es, diese durch
Bilanzen zu charakterisieren. So ergeben sich für die j-te Stufe die folgende Glei-
chungen:
3 Stofftransport 33

Gesamt-Bilanz: L& j +1 + V& j −1 − L& j − V& j =0 (3.67)

Komponenten-Bilanz L& j +1⋅ xi , j +1 + V& j −1⋅ y i , j −1 − L& j ⋅ x i , j − V& j ⋅ y i , j = 0 (3.68)


für Komponente i:
Phasengleichgewicht: K i , j (T , p, xi , j , y i , j ) ⋅ xi , j − y i , j = 0 (3.69)

Summenbeziehung: n n (3.70)
∑ xi , j = 1;
i =1
∑y
i =1
i, j =1

Enthalpie-Bilanz: L& j +1⋅ hiL, j +1 + V&j −1 ⋅ hiV, j −1− L& j ⋅ hiL, j − V&j ⋅ hiV, j =0 (3.71)

mit hiV = f (T , y i ) und hiL = f (T , xi )

Für ein Gemisch aus n Komponenten ergeben sich so pro Stufe 2n+5 unabhängige
nicht lineare algebraische Gleichungen, mit deren Hilfe die unbekannten Gas- und
Flüssigkeitszusammensetzungen, die Stufentemperaturen sowie die unbekannten
Gas- und Flüssigkeitsströme bestimmt werden können (Röhm 2004). Zur Lösung des
Problems werden die unabhängigen Gleichungen in Fehlerfunktionen umgeschrie-
ben
(3.72)
f i1,j = L& j +1⋅ xi , j +1 + V& j −1 ⋅ y i , j −1 − L& j ⋅ xi , j − V& j ⋅ y i , j ,

f i ,2j = N& A ⋅ ∆hiV + N& B ⋅ ∆hiL , (3.73)

f i ,3j = L& j +1⋅ hiL, j +1 + V& j −1 ⋅ hiV, j −1 − L& j ⋅ hiL, j − V& j ⋅ hiV, j , (3.74)

f i ,4j = K i , j ⋅ xi , j − y i , j , (3.75)

f i ,5j = ∑ ( y i , j −1 + y i , j ) − 1 , (3.76)

f i ,6j = ∑ (xi , j +1 + xi , j ) − 1 . (3.77)

Diese Fehlerfunktionen f sollen wehrend der Anpassung der stufenbezogenen Vari-


ablen Tj, Lj, Vj, xi,j und yi,j nun ein Minimum annehmen ( ∑ f i , j
2
→ 0 ). Zur Extrem-
i, j
wertsuche kann das Newtonverfahren eingesetzt werden. Hierfür werden die Fehler-
funktionen und die unabhängigen Variablen jeweils zu einem Vektor zusammenge-
fasst. Gemäß dem iterativen Newton-Verfahren wird nun solange ein neuer x- Vektor
berechnet:
3 Stofftransport 34

r
r r
xk +1 = xk − [J ] fk
−1
mit [J ] = ∂∂xf
i, j
i
,
(3.78)
j

bis die Differenz zum Vorgänger unter einer vorgegebenen Fehlerschranke liegt
r r
(x k + 1 − x k ) < ε . (3.79)

Durch den Einsatz von Murphree-Wirkungsgraden ist es ferner möglich das reale
Verhalten eines Prozesses zu berücksichtigen. Hierbei wird der Wirkungsgrad in die
Gleichgewichtsbeziehung eingebaut und gibt an, wieweit das Gleichgewicht erreicht
wurde. Typische Wirkungsgrade für die Absorption liegen zwischen 10-20% (Röhm
2004).

Abbildung 3.9 zeigt abschließend vergrößert eine einzelne Trennstufe. Hier ist sche-
matisch der Konzentrationsverlauf dargestellt, der durch die Ein- und Ausgangspa-
rameter bestimmt wird. Die Temperatur der abfließenden Ströme ist gleich.

Abbildung 3.9: Einzelne ideale Trennstufe


3 Stofftransport 35

3.5.2 Berechnung auf der Basis von realen Trennstufen

Im Gegensatz zu der Berechnungsweise mit idealen Trennstufen, benutzt die reale


Trennstufe ein differenzierteres Abbild der Stoffübergangsprozesse. Es wird nicht
einfach ein konstanter Konzentrationsverlauf in der Stufe zugrunde gelegt, sondern
es werden exponentielle Konzentrationsverläufe angenommen. Die Bezeichnung
„Stufe“ ist hierbei nicht ganz zutreffend, da es sich eigentlich um ein infinitesimales
Höhenelement handelt. Abbildung 3.10 stellt diesen Sachverhalt schematisch dar.

Abbildung 3.10: Einzelne reale Trennstufe

Im Gegensatz zu dem Gleichungssystem in Abschnitt 3.5.1, in dem die jeweilige Stu-


fe „außen“ bilanziert wird und die abfließenden Ströme über die Gleichgewichtsbe-
ziehung verknüpfen werden, wird bei einer realen Trennstufe jede Phase einzeln be-
trachtet. Zusätzlich wird eine Phasengrenzfläche definiert, über die der Stoff- und
Wärmetransport abläuft und an der nun das Phasengleichgewicht herrscht. Die Ver-
knüpfung der beiden Phasen geht von dem Grundsatz aus, dass der Stoffstrom, der
die eine Phase verlässt automatisch in die andere Phase eintritt. Durch das Einfüh-
ren einer Phasengrenzfläche müssen nun auch an dieser Stelle die Zusammenset-
zung und Temperatur der Phasen bestimmt werden, was zu zusätzlichen Gleichun-
gen führt. Ferner müssen auch hier die Summenbeziehung erfüllt sein:
n n

∑ xi , j = 1; ∑ yi , j = 1 (Taylor, Krishna 1993).


i =1 i =1
3 Stofftransport 36

Die Gleichungen für die Grenzfläche der j- ten Stufe lauten:


( )
n& iV, j = ctV, j ⋅ β&iV, j ⋅ y iV, j − y iI, j + y i , j ⋅ N& Vj , (3.80)

n& iL, j = ctL, j ⋅ β&iL, j ⋅ (x I


i, j − xiL, j )+ x i, j ⋅ N& Lj , (3.81)

α iL, j (TLI − TLb ) + ∑ niL, j hiL, j = ∑ niV, j hiV, j + α iV, j (TVb − TVI ) , (3.82)

xiI, j ⋅ K iI, j − y iI, j = 0 (K I


i, j (
= f T I , P I , xiI, j ))
bzv. y iI, j , (3.83)

∑x I
i, j = 1, (3.84)

∑y I
i, j = 1. (3.85)

Die Gleichungen verdeutlichen, dass ein iteratives Vorgehen notwendig wird, da im


allgemeinen die Konzentrationen an der Phasengrenzfläche nicht messbar sind. Ins-
gesamt beschreibt dieser Ansatz (Taylor, Krishna 1993) die Realität aber in einem
besseren Maß als der zuvor genannte. Es bleibt jedoch anzumerken, dass die Kom-
plexität und der Rechenaufwand hierbei stark zunehmen. In der Praxis geht der
Trend aber trotzdem eindeutig in Richtung der Berechnung auf Basis von realen
Trennstufen.
4 Anwendung der Stoffaustauschsmodellierung 37

4 Anwendung der Stoffaustauschsmodellierung auf die Auslegung


von Füllkörperkolonnen

Der Stofftransport in Gas-Flüssig-Systemen ist grundsätzlich dadurch gekennzeich-


net, dass eine oder mehrere Komponenten aus einer Phase in eine andere überführt
werden, die sich direkt berühren. In strömenden Fluiden wird die Phasengrenze
durch die zwischen den Fluiden ausgeübten Kräften unregelmäßig verformt. Gemäß
Abbildung 3.1 ist im allgemeinen einen Stofftransportwiderstand in jeder Phase zu
betrachten.

Bei den meisten Modellen zur Behandlung des Stofftransportes (Zweifilmtheorie,


Oberflächenerneuerungstheorien) wird angenommen, dass in der Phasengrenzen-
fläche kein Stofftransportwiderstand vorliegt. Dies trifft jedoch nicht immer zu.

Es können beispielweise Grenzflächenhemmungen auftreten, wenn sich grenzflä-


chenaktive Substanzen in der Grenzfläche anreichern. Oder es können Grenzflä-
chenreaktionen auftreten, wenn der durch die Grenzfläche zu transportierende Stoff
in den beiden Phasen in verschiedener Form vorliegt. Auch kann der Stofftransport
erheblich durch in der Phasengrenzfläche auftretende Wirbel (Grenzenturbulenzen)
beeinflusst werden.

4.1 HTU-NTU-Modell

Für die Beschreibung des Stoffübergangs in Zweiphasen-Gegenstromkolonnen be-


trachtet man nun ein differenziell kleines Höhenelement dz (Abbildung 4.1)

Abbildung 4.1: Stoffübergang im Absorber


4 Anwendung der Stoffaustauschsmodellierung 38

Im Rahmen dieser Arbeit wurden die experimentellen Untersuchungen an einer Füll-


körperkolonne durchgeführt. Wegen der komplizierten Gestalt der Füllkörper ist es
schwierig, die für den Stoffaustausch zwischen den beiden Phasen zur Verfügung
stehende Phasengrenzfläche anzugeben. Man bestimmt daher nur das Produkt aus
dem Stoffübergangskoeffizienten und der Phasengrenzfläche. Die Phasengrenzflä-
che AI wird auf das Volumen VK der leeren Kolonne bezogen, und man definiert eine
volumenbezogene Phasengrenzfläche aPh durch
AI
a Ph = (4.1)
VK

mit dem Volumen VK = AK ⋅ HK , wenn AK der Querschnitt der leeren Kolonne und HK
ihre Höhe ist. Die an der Phasengrenzfläche dAI an die Flüssigkeit übergehende
Stoffmenge
n& AI dAI = n& AI ⋅ a Ph AK dz
(4.2)

wird vom Gas abgegeben und bewirkt eine Abnahme des Stoffes A in der Gasphase
um n&V ⋅ dY . Gleichzeitig erhöht sich die Stoffmenge A in der Flüssigkeit um

− n&V ⋅ dY = n& L ⋅ dX . Das gilt nur unter der Annahme, dass die Konzentration sehr klein

ist und die Molanteile durch Beladung ersetzt werden dürfen.

Die in dem betrachteten Höhensegment auftretenden Konzentrationsdifferenzen von


Gaskern zur Phasengrenzefläche und von dort in die Flüssigkeitskern sind in Abbil-
dung 4.2 in drei charakteristische Fälle unterteilt. Liegt ein Konzentrationsgefälle, wie
in der Abbildung 4.2a gezeigt, nur in der Gasphase vor, so wird von einem gasseitig
bestimmten Stoffaustauschwiderstand gesprochen, während ein beidseitiger Wider-
stand vorliegt, wenn, wie aus der Abbildung 4.2b zu erkennen ist, Konzentrationsdif-
ferenzen in beiden Phasen vorhanden sind.
4 Anwendung der Stoffaustauschsmodellierung 39

Der Grenzfall eines rein flüssigkeitsseitigen Transportwiderstandes stellt sich in der


Abbildung 4.2c dar, wenn eine Konzentrationsdifferenz nur in der Flüssigkeitsphase
zu verzeichnen ist.

a) b) c)

Abbildung 4.2: Verlauf der Molkonzentrationen in der Flüssigkeit und im Gas bei a) rein gas-
seitigem, b) beidseitigem und c) rein flüssigkeitsseitigem Transportwiderstand

Aus der Definitionsgleichungen für die Stoffmengenstromdichte und für den Stoff-
übergangskoeffizienten β , Gleichungen (3.47 und 3.48), ist bekannt, dass der Stoff-
strom in direkter Beziehung zu den Konzentrationsdifferenzen gesetzt werden kann.
Gleichung (4.3) gibt dies für die übergehende Molstromdichte n& A in Anlehnung an die
Abbildung 4.2b wieder, wobei xA und yA die Molkonzentrationen der flüssigen und
gasförmigen Phase (Index L und V) darstellen. Die Phasengrenzkonzentrationen
werden über den Index Ph gekennzeichnet:
ρ ρ
n& A = βV ⋅ ~V ⋅ (y A − y A,Ph ) = β L ⋅ ~L ⋅ (x A,Ph − x A ) . (4.3)
MV ML

Diese Beziehung lassen erkennen, dass für die Ermittlung der NTUV− bzw.
NTUL− Werte, unabhängig davon, ob dies grafisch oder numerisch erfolgt, die Pha-
sengrenzkonzentrationen yA,Ph und xA,Ph (Abbildung 4.2b), bekannt sein müssen. Oft
gibt es den Fall, dass die Konzentration an der Phasengrenzfläche nicht gemessen
werden kann und damit auch eine exakte Aufteilung des Widerstandes auf beiden
Phasen aus Messwerten nicht möglich ist.
4 Anwendung der Stoffaustauschsmodellierung 40

Gasphase Flüssigphase
(
n& A = cV ⋅ β V ⋅ y *A − y A, Ph , ) (
n& A = c L ⋅ β L ⋅ x A, Ph − x *A ,) (4.4)

n& A
cV ⋅ β V
(
= y *A − y A, Ph . ) n& A
cL ⋅ β L
(
= x A, Ph − x *A . ) (4.5)

Durch multiplizieren der Gleichung (4.5) für die Flüssigphase mit K (Gleichgewichts-
konstante) folgt:
n& A ⋅ K
cL ⋅ β L
( )
= K ⋅ x A, Ph − K ⋅ x *A mit y A, Ph = K ⋅ x A, Ph . (4.6)

Addiert man die Gleichung (4.6) und (4.5) für die Gasphase, so ergibt sich die fol-
gende Gleichung:
 1 K 
n& A  +  = y A − K ⋅ x A . (4.7)
 cV ⋅ β V c L ⋅ β L 
Bei der Betrachtung eines Einseitigenwiderstandes folgt:
1
n& A ⋅ = yA − K ⋅ xA .
cV ⋅ β V ,OV

Das Ersetzen der Konzentrationsdifferenzen in der Gleichung (4.3) durch die ent-
( )
sprechenden Differenzen y A,Ph − y A* und x A* − x A,Ph ergibt Gleichung (4.8): ( )
ρ ρ
( )
n& A = β V ⋅ ~V ⋅ K ⋅ x *A − x A, Ph = β L ⋅ ~L ⋅ K ⋅ y A, Ph − y *A . ( ) (4.8)
MV ML

Addiert man für beide Phasen die obengenannten Differenzen (y A,Ph − y A* ) und

(x *
A )
− x A,Ph , so ergeben sich die Gleichungen (4.9) und (4.10):
~  ~
ρ 1 
(y −y *
) = n& A ⋅
MV
⋅ 
1 M
⋅ K ⋅ ~L ⋅ V + , (4.9)
ρV  β L MV ρ L βV 
A A

~  1 1 M~
ρ 1 
(x *
A − xA ) = nA ⋅
& ML 
⋅ ⋅ ⋅ ~V ⋅ L +
ρL  βV K ML ρV βV 
. (4.10)
4 Anwendung der Stoffaustauschsmodellierung 41

Beschreibt man die Steigung der Gleichgewichtsgeraden entsprechend der Glei-


chung (4.11) anstatt über die differentielle Änderung der Konzentrationen xA und yA
in [kmol/kmol] durch cL,A und cV,A in [kmol/m³], so führt dies zu den Definitionsglei-
chungen für die Beziehung zwischen Gesamtwiderstand und Teilwiderständen in
Form der Gleichungen (4.12) und (4.13):

~
dcV , A ML ρV
K cc = =K⋅ ~ ⋅ , (4.11)
dcL, A MV ρL

1 1 K cc 1  K cc ⋅ βV 
= + = 1 +  , (4.12)
βOV βV βL βV  βL 

1 1 1 1  βL 
= + = 1 +  . (4.13)
βOL K cc ⋅ βV β L β L  K cc ⋅ βV 

Die Verknüpfung der Gleichungen (4.12) und (4.13) mit den Gleichungen (4.9) und
(4.10) sowie das Ersetzen der Molenstromdichte n& A durch (4.3) und differentiell klei-
nen Phasengrenzfläche dAI liefert dann die Gleichungen (4.14) und (4.15) für die
Bestimmung der Höhe einer Stoffaustauschkolonne:

~ y A ,a
V& ⋅ M V
HK
dy ,
H K = ∫ dz = ⋅ ∫ (4.14)
0
β ⋅
1OV4 4
a ⋅ ρ
4Ph2 4V44
⋅ A y
3K y A ,e 142A − y
43
*
A ( )
HTU OV NTU OV

~ x A ,a
L& ⋅ M L
HK
dx .
H K = ∫ dz = ⋅ ∫ (4.15)
0 14 424 43 1424 3
(
β OL ⋅ aPh ⋅ ρ L ⋅ AK x A ,e x A − x A
*
)
HTU OL NTU OL

Man bezeichnet den Ausdruck vor dem Integral als Höhe einer Übertragungseinheit
und den Integralausdruck als Anzahl der Übertragungseinheit. Die Abkürzung wurde
1939 von Colburn (Colburn 1939) in Anlehnung an den englischen Sprachgebrauch
mit „Height of a Transfer Unit“ und „Number of Transfer Unit“ bezeichnet.

Der Index „OV“ deutet darauf hin, dass der Gesamtstoffdurchgangswiderstand be-
rücksichtigt wird, der auf die Gasphase bezogen ist.
4 Anwendung der Stoffaustauschsmodellierung 42

Die HTUOV und HTUOL lassen sich nun auch, wie in den Gleichungen (4.11), (4.12)
und (4.13), die Stoffübergangskoeffizienten zu den Stoffdurchgangskoeffizienten zu-
sammengesetzt wurden, aus den HTUV– und HTUL– Größen zusammenfassen. Aus
einer Erweiterung der Gleichung (4.12) mit der auf die Phasengrenzfläche bezoge-
nen Gasgeschwindigkeit uV/aPh bzw. der Gleichung (4.13) mit der auf aPh bezogenen
Flüssigkeitsbelastung uL/aPh resultieren die Gleichungen (4.16) und (4.17):

HTUOV = HTUV + λ ⋅ HTUL ,


(4.16)

1
HTU OL = HTU L + ⋅ HTU V , (4.17)
λ
K
λ= & , (4.18)
L
V&
He A dy A
K= = . (4.19)
P dx A

Der Faktor λ wird als Strippingfaktor bezeichnet und setzt über die Gleichung (4.18)
die Steigung der Gleichgewichtskurve K in [kmol/kmol], Gleichung (4.19), ins Ver-
hältnis mit der Steigung der Betriebslinie L& / V& .

Chilton und Colburn haben bereits 1934 angeführt, dass die NTU-Bestimmung gra-
fisch erfolgen kann. Die Auswertung des Integrals ist oft nur numerisch möglich, da
der Molanteil y *A meistens eine komplizierte Funktion des Molanteils xA der Flüssig-
keit ist und damit über die Bilanzgleichung eines Absorbers noch vom Molanteil yA
abhängt.

Wenn die Gleichgewichts- bzw. Arbeitslinien als Geraden oder leicht gekrümmt im x-
y-Konzentrationsdiagramm verlaufen, dann bietet sich die oben genannte numeri-
sche Lösung an, welche nun kurz erläutet werden soll, da sie den in dieser Arbeit
verwendeten Rechenalgorithmus darstellt. Dieses Berechnungsverfahren kann auch
bei stärker gekrümmt verlaufenden Gleichgewichtskurven angewendet werden, wenn
diese in differentiell kleine Anschnitte unterteilt werden.
4 Anwendung der Stoffaustauschsmodellierung 43

Zur Bestimmung der Anzahl der Stoffdurchgangseinheiten NTUOV wird von der Lage
der Gleichgewichts- und Arbeitsgerade, die abhängig von der geforderten Produkt-
reinheit ist, ausgegangen. Diese Bedingungen werden im x-y-Diagramm durch ent-
sprechende Konzentrationseckdaten (Abbildung 4.2) angegeben. In Bezug auf die
Abbildung 4.2a lässt sich z.B. die treibende Konzentrationsdifferenz am Kopf der Ko-
lonne (Index a) durch die Gleichung (4.20) mit ∆yA,a beschreiben:
∆y A,a = y A,a − y A* ,a mit y A* ,a = K ⋅ x A,a .
(4.20)

Hierin stellt y A,a die Gaskonzentration in der Kernströmung dar. Für die Berechnung

des NTUOV- Wertes kann die Konzentration y A* ,a mit der Steigung der Gleichge-

wichtskurve K aus der Flüssigkeitskonzentration x A,a berechnet werden. Wenn in

gleicher Weise für den treibenden Konzentrationsgradienten am Sumpf der Kolonne


(Index e), (4.21) verfahren wird, dann lässt sich die Anzahl der gasseitigen Stoff-
durchgangseinheiten durch Lösung des Integrals der Gleichung (4.14) mit Hilfe der
Gleichung (4.22) aus dem logarithmischen Mittel der Eckdaten mathematisch erfas-
sen:
∆y A,e = y A,e − y A* ,e mit y A* ,e = K ⋅ x A,e
(4.21)

y A, e − y A, a ∆y
NTUOV = ⋅ ln A,e . (4.22)
∆y A,e − ∆y A,a ∆y A,a

Wenn die Konzentrationsangaben der Gleichungen (4.20-4.22) durch entsprechende


Größen der anderen Phase ersetzt werden, lässt sich die zur Abbildung 4.2c gehö-
rende Anzahl der flüssigkeitsseitigen Stoffdurchgangseinheiten NTUOL durch die
Gleichungen (4.23-4.25) angeben:
∆x A,a = x A* ,a − x A,a y A ,a
mit x A* ,a = (4.23)
K
∆x A,e = x A* ,e − x A,e y A ,a
mit x A* ,a = (4.24)
K
x A, a − x A, e ∆x
NTUOL = ⋅ ln A,a . (4.25)
∆x A,a − ∆x A,e ∆x A,e
4 Anwendung der Stoffaustauschsmodellierung 44

Die Stoffdurchgangsgrößen HTUOV, HTUOL, NTUOV, NTUOL stimmen nur dann mit
den Stoffübergangsgrößen HTUV, HTUL, NTUV, NTUL überein, wenn der Stofftrans-
port lediglich von einem einseitigen Widerstand bestimmt wird (Abbildung 4.2 a,c).

Für das System Kohlendioxid-Wasser-Luft mit einer extrem hohen Steigung der
Gleichgewichtskurve von K = 1431 bei 20°C trifft dies z.B. zu (siehe Abschnitt 3.1).
Die Berechnung der Anzahl der Stoffüber- bzw. -durchgangseinheiten NTU verein-
facht sich erheblich durch die Gleichung (4.26):
x A, a für K → ∞ .
NTU L = NTU OL = ln (4.26)
x A,e

Für die Ermittlung des NTUOV- bzw. NTUV- Wertes gilt bei extrem niedrigen Steigung
der Gleichgewichtkurve Gleichung (4.27):
y A,e für K → 0 .
NTU V = NTU OV = ln (4.27)
y A, a

Das Konzept des HTU-NTU-Modells wird hauptsächlich in der Auslegung von Ab-
sorptions- und Desorptionskolonnen eingesetzt. Explizite Lösungen des NTU-
Integrals für diese Fälle sind in der Literatur (z.B. Mersmann 1980) zu finden.

4.2 HETP-Konzept

In der Literatur ist noch ein anderes Konzept zu diesem Thema bekannt, das sog.
Konzept der Gleichgewichtsstufen.

Bei der Bewertung nach diesem Konzept liegt die thermodynamische Berechnung
der Anzahl von notwendigen Gleichgewichtseinstellungen für eine Trennaufgabe zu
Grunde. Für die Ausführung dieser Vorgabe aus der thermodynamischen Berech-
nung in einem realen Apparat muss eine Übertragung in eine reale Packungshöhe
erfolgen. Dies geschieht mit dem sog. HETP-Wert (Height Equivalent to a Theoretical
Plate) einer Packung:
HK = nth ⋅ HETP .
(4.28)
4 Anwendung der Stoffaustauschsmodellierung 45

Die Umrechnung eines HTU-Werts in einen HETP-Wert ist mit Gleichung (4.29) mög-
lich:
ln λ
HETP = ⋅ HTU OV . (4.29)
λ −1
λ kann für linealisierbare Verläufe der Gleichgewichtskurve explizit angegeben wer-
den. Die Parallelität von Gleichgewichtskurve und Arbeitslinie (d.h. lnλ/(λ-1)=1) ent-
spricht der Höhe einer Trennstufe der einer Übergangseinheit (HETP = HTUOV).

Das Gleichgewichtsstufenkonzept findet seine Anwendung meist bei der Auslegung


von Kolonnen, deren Thermodynamik mit Prozesssimulationsprogrammen berechnet
wird (Piche et al. 2003). Diese Programme basieren ihrerseits auf dem Gleichge-
wichtsstufenmodell und bieten die Möglichkeit der Berechnung von Rektifikationspro-
zessen und komplexen Gleichgewichtsbeschreibungen, wie sie z.B. bei Elektrolyt-
phasengleichgewichten in der Auslegung von Absorptionsanlagen benötigt werden
(Engel 1999).

Falls die Gleichgewichtskurve nicht linear ist, lässt sich das HTU-NTU-Modell und
das HETP-Modell teilweise durch partielle Linealisierung lösen.
4 Anwendung der Stoffaustauschsmodellierung 46

4.3 Rigorose Auslegung

Bei den bisher aufgezeigten Methoden für die Absorption/Desorption erfolgt die Aus-
legung gemäß Abbildung 4.3. grafisch bei der Vorgabe von xA und yA und die Ermitt-
lung der Zahl der Trennstufen.

Die rigorosen Berechnungsmethoden basieren auf der Nachberechnung einer VLE-


Trennoperation analog dem Betrieb einer Kolonne durch Vorgabe der Segmentzahl,
des Kopfdrucks, der Temperaturen aus der Enthalpiebilanz und der möglichen Ko-
lonnenspezifikationen, wie z.B. spezifische Formkonstanten, Kolonnendurchmesser
und Schüttungshöhe bei der Füllkörperkolonnen. Die Bilanzgleichungen für die j-te
Gleichgewichtstrennstufe in Form einer Fehlerfunktion, in diesem Fall eine ideale
Trennstufe, wurden ausführlich in Abschnitt 3.5.1 dargestellt (siehe Gleichungen 3.72
bis 3.77).

Mit dieser Definition sind einige Vor- und Nachteile verbunden. Betrachtet man die
Segmentzahlen für die Auswertung, so wird es als Nachteil angesehen, dass die vor-
gegebene Zahl nicht für eine bestimmte Stoffreinheit reicht und sie nicht bekannt ge-
geben werden können. Eine weitere Nachteil der rigorose Auslegung ist, dass für
Einstellung der gewünschten Austrittskonzentrationen für Gas- oder Flüssigphase
nur durch die Änderung der Höhe der wirksame Packung des Apparates erreicht
werden kann. In der Praxis ist es üblich ein Mehrkomponentensystem zu betrachten,
in dem die Komponenten nach verschiedenen Kriterien (z.B. physikalische Eigen-
schaften usw.) gruppiert sind und die Zahl der Gruppen auf maximal 15 reduziert ist
(Röhm 2004). Die Verwendung eines vernünftigen Thermodynamikmodells ist Vor-
aussetzung für Simulation. Nicht unberücksichtigt bleibt als Vorteil die Möglichkeit,
die Ergebnisse der Strom-, Temperatur- und Konzentrationsprofile über die gesamte
Kolonnenhöhe darzustellen.
5 Experimentelle Untersuchungen 47

5 Experimentelle Untersuchungen

Eine möglichst breite und verlässliche Datenbasis ist die Grundlage für eine fundierte
Modellbildung. Um eine solche umfangsreiche Datenbasis aufzubauen, muss man
sowohl auf eigene Messdaten, als auch auf Daten aus der Literatur, von Packungs-
herstellern und von anderen Experimentatoren zurückgreifen. Bei der Analyse dieser
Daten können Unstimmigkeiten und Widersprüche auftreten. Daher ist es notwendig,
diese Daten kritisch zu hinterfragen (z.B. steht ausreichend Information über die Gü-
te der Flüssigkeitsverteilung oder über die eingesetzte Messtechnik zur Verfügung).
Gegebenenfalls muss eine Überprüfung durch eigene experimentelle Arbeiten erfol-
gen. Trotz der damit verbundenen Probleme im Hinblick auf Zeit- und Kosten, kann
auf diese Daten nicht verzichtet werde.

5.1 Versuchsaufbau

Dieser Abschnitt beschreibt den Versuchsaufbau und die eingesetzte Messtechnik.


Im Mittelpunkt steht dabei die Messung des Konzentrationsprofils. In der Abbildung
5.1 ist schematisch die modifizierte Versuchsanlage dargestellt, so wie sie für expe-
rimentelle Untersuchungen von Füllkörpern oder Packungen am Lehrstuhl für Verfah-
rens- und Umwelttechnik der Ruhr-Universität Bochum zur Verfügung steht. Sie ist
dafür ausgelegt, sowohl hydraulische Messungen als auch Stoffaustauschuntersu-
chungen zur Absorption und Desorption durchzuführen. Ein Gas (z.B. Umgebungs-
luft) wird über einen Radialverdichter (G) angesaugt und in den unteren Teil der Be-
feuchtungskolonne (K2) gefördert, um dort bis zu einem Wassergehalt von ca. 95 %
gesättigt zu werden. Die Befeuchtungskolonne K2 ist mit Füllkörpern gefüllt, über
welche Wasser im Gegenstrom zur Gasströmung herunterrieselt. Die nicht in das
Gas diffundierende Flüssigkeitsmenge wird am unteren Ende der Befeuchtungsko-
lonne aufgefangen und erneut über eine Flüssigkeitspumpe (P3) im Kreislauf der
Befeuchtungskolonne zugeführt. Bevor die zu 95 % gesättigte Luft den Befeuchter
verlässt, werden mitgerissene Flüssigkeitstropfen in einem Tropfenabscheider (T1)
zurückgehalten. Über die Messblende (FI3), die nach DIN EN ISO 5167 ausgelegt
ist, wird der Gasvolumenstrom zum Sumpf der Absorptions- bzw. Desorptionskolon-
ne (K1) bestimmt.
5 Experimentelle Untersuchungen 48

Das Gas durchströmt anschließend unter Druckverlust die Kolonnenfüllung und ver-
lässt schließlich über einen weiteren Flüssigkeitsabscheider (T2) die Anlage. Der
Gasvolumenstrom kann über eine Drosselklappe (S) am Ventilator bis zu einem Ma-
ximalwert von 800 m³/h stufenlos geregelt werden. Das flüssige Medium (z.B. Was-
ser) wird aus dem Speicherbehälter (B2) durch eine Kreiselpumpe (P1) entnommen
und gelangt über einen Rotameter (Schwebekörper-Durchflussmesser) zum Kopf der
Kolonne (K1). Mit Hilfe eines Rohrverteilers, der einen Abstand von etwa 100 mm zu
der Schüttungsoberfläche hat, wird die Flüssigkeit über 490 Ablaufstellen pro m² Ko-
lonnenquerschnittsfläche auf die Schüttung gleichmäßig verteilt. Sie rieselt dann in
Form eines dünnen Filmes abwärts über die Kolonneneinbauten, entgegen der auf-
wärtsgerichteten Gasströmung. Im Sumpf der Kolonne K1 wird die Flüssigkeit aufge-
fangen und mittels einer Kreiselpumpe P2 durch einen Ablauf-Rotameter einem Auf-
fangbehälter B1 zugeführt.

Die Flüssigkeitszu- und abfuhr kann über Ventile in einem Belastungsbereich von
0.1- 2.5 m³/h eingestellt werden. Meistens gehen die Auslegungsmodelle von idea-
len Bedingungen, das heißt von gleichmäßiger Phasenverteilung aus, was sich tech-
nisch leicht nur im Labormaßstab realisieren lässt. Die messtechnische Messung der
Verteilung, sowohl der flüssigen, als auch der Gasphase im Innern einer Schüttung,
ist äußerst problematisch, wenn dabei nicht wesentliche Betriebscharakteristika der
Einbauten verändert werden sollen. Die bisher veröffentlichen Messungen zur Un-
gleichverteilung der Flüssigkeit, auch Maldistributon genannt, beziehen sich auf nur
wenige Kolonneneinbauten und sind auf aktuelle Füllkörperformen nicht ohne weite-
res übertragbar. Ausgehend von den Ergebnissen einer Dissertation (Chromik 1990)
wird für die optimale Flüssigkeitsverteilung ein Verteiler mit 490 l/m² ausgewählt.
5 Experimentelle Untersuchungen 49

Abbildung 5.1: Prinzipskizze der Versuchsanlage für die Untersuchung zur Hydraulik und zum Stoffaustausch; B1-B3 = Behälter, FI1-FI3 = Durch-
flussmesser G = Gebläse, K1 = Füllkörperkolonne, K2 = Befeuchtungskolonne, M1-M2 = Mischer, P1-P3 = Kreiselpumpen, S = Dros-
selklappe, T1-T2 = Tropfenabscheider, V1-V2 = Ventile für Eingang und Ausgang
5 Experimentelle Untersuchungen 50

5.2 Messdatenerfassung

In Abbildung 5.1 erkennt man neben den im Abschnitt 5.1 beschriebenen Komponen-
ten verschiedene Mess-Einrichtungen (siehe Abkürzungsverzeichnis). Die Druckab-
nahme-Stellen werden durch das Symbol (PDI) gekennzeichnet. Für die fluiddynami-
sche Bewertung der Kolonneneinbauten werden die Druckdifferenz zwischen Kolon-
nensumpf und -kopf (PDI 1), bzw. Kolonnenmitte und – kopf (PDI 2) sowie zwischen
Kolonnenkopf und Umgebung (PDI 3) gemessen. Für die Messung der Drücke wer-
den U-Rohr- Manometer eingesetzt, welche mit einer Genauigkeit von ± 0,5 mm WS
die entsprechenden Daten wiedergeben. Bei Druckdifferenzen, die am U-Rohr-
Manometer unterhalb von 162 mm WS sind, werden die Drücke auf ein Schrägrohr-
manometer geleitet, um höhere Ablesegenauigkeiten zu erzielen. Für die Berech-
nung des Gasvolumenstromes ist sowohl der Differenzdruck an der Blende (FI3) als
auch der Druckunterschied zum Umgebungsdruck aufzunehmen. Zur Überprüfung
der Luftfeuchte sind vor und nach der Füllkörperkolonne (K1) Feuchte-Messsonden
Hygrotest 600 der Firma TESTO AG (MI1 und MI2) installiert. Um die Temperaturver-
läufe während des Untersuchungszyklus zu bestimmen, werden Nickel-Chrom-Nickel
Thermoelemente, die an den mit (TI) gekennzeichneten Stellen aufgebracht sind und
über eine Genauigkeit von ± 0,1 °C verfügen, verwendet.

Außer den Konzentrationen in der Flüssigphase lassen sich alle Messwerte direkt mit
dem System IMPVIEW 3595 74A der Firma Solatron auslesen. Mit Hilfe dieses
Computersystems lassen sich die benötigten Informationen in definierten Zeitinterval-
len messen. Die oben genannten labortechnischen Einrichtungen ermöglichen es,
Stoffaustauschuntersuchungen mit dem System Ammoniak-Luft-Wasser und Koh-
lendioxid-Wasser/Luft durchzuführen. Für die Messungen mit Ammoniak wird dieser
aus einer Gasflasche über ein Zugabe-Rotameter und einen Mischer M2 vor der Ab-
sorptionskolonne dem Luftstrom konstant zudosiert. Bei der Desorptionsmessung
wird die Kohlendioxid-Sättigung der Flüssigkeit im Behälter B1 vor Beginn der Unter-
suchung erhöht.
5 Experimentelle Untersuchungen 51

Die Konzentration in der Gas- bzw. Flüssigphase wurde im Gegensatz zu bisherigen


Untersuchungen an drei Stellen gemessen: sowohl am Ein- und Austritt als auch in
der Mitte der Kolonne. Für die Konzentrationsmessungen des Ammoniaks in der
Gasphase am Eintritt (QI1) wird ein kontinuierlich arbeitender IR-Gasanalysator Bi-
nos 2 der Firma Leybold AG für den Messbereich von 200-2000 ppm benutzt. Für die
Konzentrationsmessungen des Ammoniaks am Austritt (QI2) und in der Mitte der Ko-
lonne (QI3) steht ein Ammoniak-Messgerät mit einem elektrochemischen Messver-
fahren von Typ GD 05 NH3 der Firma TAD GmbH für den Messbereich von 0-200
ppm zur Verfügung. Die Gaskonzentrationen können kontinuierlich mit einer Genau-
igkeit von ± 2 % bzw. ± 3 % v. EW aufgezeichnet werden. Für die Konzentrations-
messungen des Kohlendioxids in der Gasphase steht ein kontinuierlich arbeitender
IR-Gasanalysator ULTRAMAT 23 der Firma SIEMENS zur Verfügung. Mit einem Ka-
nal für den Messbereich von 0,01-25 vol. % können die Gaskonzentrationen kontinu-
ierlich, mit einer Genauigkeit von ± 3 % v. EW, aufgezeichnet werden. Für die Kon-
zentrationsmessungen des Acetons in der Gasphase steht ein kontinuierlich arbei-
tender FID-Gasanalysator RS53-T der Firma Ratfisch zur Verfügung. Mit einem Ka-
nal für den Messbereich von 10 000 ppm können die Gaskonzentrationen kontinuier-
lich mit einer Genauigkeit von ± 2 % v. EW aufgezeichnet werden.

Die Flüssigkeitsproben werden während der Untersuchungen mittels Probenflaschen


aus dem Zu- und Ablaufrohr (Probe 1 und Probe 2) sowie in der Mitte der Kolonne
(Probe 3) entnommen und mit Hilfe der Titration oder durch den Brechungsindex auf
ihre Konzentration hin analysiert. Alle Titrationen werden mit dem Titrator TitroLine
easy der Firma SCHOTT Instruments GmbH durchgeführt. Das Gerät zeigt eine sys-
tematische Messabweichung bei der Dosierung von < 0,1 % und eine Messunsicher-
heit für pH- Elektroden: ∆ pH = 0,012...0,03 nach DIN 19 266, Pkt.3. Die Ammoniak-
lösung kann mit einer 0,1 molaren Salzsäure und die Kohlendioxidlösung mit einer
0,1 molaren Natronlauge neutralisiert werden. Die flüssigen Acetonproben werden
mit Hilfe eines Abbe-Refraktometer AR 3 der Firma Krüss analysiert und mit einer
Genauigkeit von ± 2 % v. EW bestimmt.
Durch den Einbau von drei weiteren Messstellen an der Versuchsanlage bekommt
man Information über die Konzentrationsverteilung über die Packungshöhe und da-
mit die Wirksamkeit der einzelnen Packungsbereiche.
6. Auswertungsmodelle 52

6 Auswertungsmodelle

Der Stofftransport zwischen einem gasförmigen und flüssigen Fluid wird nicht nur
von dem Diffusionsverhalten der übergehenden Komponente innerhalb der Phasen
bestimmt, sondern wird zugleich von der für den Stoffaustausch zur Verfügung ste-
henden Kontaktoberfläche beeinflusst. Diese Oberfläche wird entscheidend von dem
fluiddynamischen Verhalten der Phasen in einer Zweiphasen-Gegenstromkolonne
geprägt.

Die Stoffaustauschleistung einer Packung oder Füllkörpern hat einen charakteristi-


schen Verlauf bei Variation der Gasbelastung (L/V=const). Während unterhalb der
Staugrenze normalerweise ein konstanter Wert für eine Trennstufenhöhe festgestellt
werden kann, kommt es in der Nähe der Staugrenze und darüber zu einer deutlichen
Verbesserung der Trennleistung. Dies ist auf die Zunahme des Flüssigkeitsinhalts
und damit der Phasengrenze zurückzuführen. Erst in der Nähe des Flutpunktes fällt
die Stoffaustauschleistung der Einbauten stark ab (Abbildung 6.1), da es hier zur
Phaseninversion und damit zu einer Abnahme der Phasengrenzfläche kommt.

Abbildung 6.1: Trennleistung ausgewählter Gitterfüllkörper (Typ Hiflow) in Abhängigkeit


der Gasbelastung (Geipel und Ullrich 1991), L/V=const.

Diese Charakteristik legt nahe, alle Kolonnen im Bereich oberhalb der Staugrenze zu
betreiben. In der Praxis ist dies jedoch normalerweise nicht sinnvoll, da die Gefahr,
durch Lastschwankungen oder Druckstöße in den kritischen Bereich des Flutens zu
kommen, zu groß ist. Vielmehr ist der Bereich um die Staugrenze der für die Ausle-
gung interessierende Bereich. Modelle zum Stoffübergang sollten in der Lage sein,
diesen Bereich und den Effekt der Trennleistungsverbesserung wiederzugeben.
6 Stoffübergangsmodelle 53

Leider ist diese Forderung nur von wenigen Modellansätzen erfüllt. Unter der Vor-
aussetzung, dass ein Flüssigkeitsaustausch nur an den Kontaktstellen zwischen
Füllkörper und Kolonnenwand möglich ist, wurde ein Berechnungsansatz aufgestellt,
der mit einem kombinierten Absorptions-Desorptionsprozess verglichen werden kann
(siehe Dutkai, Ruckenstein 1968; Onda, Takeuchi, Maeda 1973; Shi, Mersmann
1984 und Billet, Schultes 1987). Bei der Betrachtung solcher Annahmen zeigen ent-
sprechende Messungen, dass Packungskolonnen im Industriemaßstab annähernd
rückvermischungsfrei sind (Froment et al. 1994; Elnashaie, Elshishini 1993). In klei-
neren Laborapparaten (Abbildung 5.1.) treten infolge von Wandeffekten bzw. Un-
gleichverteilungen der Flüssigkeit (Randgängigkeit, Bachbildung) Dispersionseffekte
auf. In diesen Fällen sind sowohl die flüssige als auch die gasförmige Phase hiervon
betroffen, wobei die gasseitigen Effekte i.A. ohne Bedeutung sind. Diese Effekte
werden durch eine schlechte Ausgangs-Flüssigkeitsverteilung über der Packung,
durch unregelmäßige Schüttdichten innerhalb der Packung oder durch eine Schief-
stellung der Kolonne verursacht. Da Laborapparate üblicherweise zur Maßstabsüber-
tragung herangezogen werden, müssen die dort festgestellten Dispersionseffekte
berücksichtigt werden. Experimentelle Ergebnisse sind beispielweise bei Stiegel und
Shah 1977; van Gelder und Westerterp 1990 zu finden. Die Abbildung 6.2 veran-
schaulicht die Filmströmung und übertretende Effekten aufgrund der Abbremsung
des Filmes. Bei dem Übertritt erfolgt eine Energieumwandlung in Turbulenz, welche
die gesamte Flüssigkeitsschicht erfasst und durchmischt.

Abbildung 6.2: Modellbetrachtung einer Filmströmung zwischen Ringfüllkörpern und


Kolonnenwand; unterer Ring: bevorzugte Ableitung; oberer Ring:
Strömung zur Kolonnenwand (Chromik 1990)
6 Stoffübergangsmodelle 54

Deshalb wird die Filmströmung von Zeit zu Zeit durch ihr Auftreffen auf neue Füllkör-
per oder Kreuzungsstellen in ihrem Strömungsverhalten gestört. Die Flüssigkeit kann
sich aber auch als Rinnsal oder in Form von Tropfen über die Füllkörperoberfläche
bewegen. Welche Strömungsform an einer bestimmten Stelle der Schüttung zu ei-
nem bestimmten Zeitpunkt vorliegt, ist nicht vorhersehbar.

6.1 Ansatz von Billet 1995 und Billet, Schultes 1999

6.1.1 Flüssigkeitsseitiger Stoffübergangskoeffizient

Für den flüssigkeitsseitigen Stofftransport ist die Kontaktlänge l t zwischen den Tur-

bulenzbereichen verfügbar und die lässt bei den handelsüblichen Kolonneneinbauten


nur kurze Kontaktzeiten t zu (ca. 0,1 sec). Wegen sehr geringer Penetrationstiefen
(ca. 0,04 mm) erfolgt der Stoffübergang in diesen Bereichen nur unvollständig. Be-
trachtet man für eine Modellierung dieser Zusammenhänge die Flüssigkeitselemente
an der Filmoberfläche als sehr dünne steife Körper, so folgt der Stoffaustausch in der
Flüssigkeit für die instationäre Diffusion (vgl. Gleichung 3.38). Wenn außerdem che-
mische Reaktionen unberücksichtigt bleiben, folgt:
∂c A  ∂ 2c ∂ 2c ∂ 2c 
= D div (grad (c )) = D ⋅  2 + 2 + 2  . (6.1)
∂t  ∂x ∂y ∂z 

Hierbei ist c(x,y,z,t) die vom Raum (x,y,z) und die Zeit t abhängige Konzentration, D-
eine charakteristische, temperaturabhängige Stoffkonstante, der Diffusionskoeffi-
zient. Die Gleichung (6.1) ist zunächst nur für ruhende Medien gültig, da bei solchen
Phasen die Geschwindigkeit des Stofftransportes kurz nach Absorptionsbeginn rasch
auf niedere Werte absinkt.

Die Lösung dieses Ansatzes beschreibt den Stoffübergangskoeffizienten in der Flüs-


sigkeit βL gemäß (6.2) in Abhängigkeit vom flüssigkeitsseitigen Diffusionskoeffizien-
ten der Übergangskomponente DL und der Kontaktzeit t, wie es bereits von Higbie
1935 formuliert wurde (vgl. (3.66).
6 Stoffübergangsmodelle 55

2 DL (6.2)
βL = ⋅
π t
Die Kontaktzeit ist gemäß der Gleichung (6.3) eine Funktion des Flüssigkeitsinhaltes
hL (siehe Gleichung (6.4)), der Kontaktlänge l t und der spezifischen Flüssigkeitsbe-

lastung uL (Gleichung (6.5)):


1 (6.3)
t = hL ⋅ l t ⋅
uL

VL (6.4)
hL =
VK

L& (6.5)
uL = .
AK
Die messtechnische Erfassung des Wertes hL in der Schüttung erfolgte durch gleich-
zeitiges Schließen des Zu- und Ablaufventils der Flüssigkeit bei unterbrochener Gas-
zufuhr, nachdem der Flüssigkeitsstand im Sumpf durch einen Schrägrohr gemessen
worden ist. Das Volumen VL konnte mit einer Genauigkeit von ±5 % ausgelitert wer-
den. Die Ermittlung der auf den freien Kolonnenquerschnitt bezogenen Flüssigkeits-
belastung erfolgte über den Volumenstrom L.

Dieser Ansatz zur Beschreibung der Kontaktlänge (6.3) führt bei Einführung des von
Billet 1987 physikalisch begründetet Flüssigkeitsinhaltes hL gemäß Gleichung (6.6),
zu den nachfolgenden, erstmals von Billet 1983 aufgezeigten, theoretischen Zusam-
menhängen:
1
 1 η 3 (6.6)
hL = 12 ⋅ ⋅ L ⋅ uL ⋅ a 2  .
 g ρL 
Die Beschreibung des Flüssigkeitsinhaltes in einer berieselten Füllkörperkolonne ge-
lang Billet unter der Annahme, dass das freie Lückenvolumen der Einbauten einer
Vielzahl von senkrechten Strömungskanälen gleichwertig ist. Unter dieser Behaup-
tung lässt sich der dynamische Flüssigkeitsinhalt bis zur Staugrenze durch die Glei-
chung (6.6) darstellen, in der die dynamische Viskosität und die Dichte der Flüssig-
keitsphase mit ηL und ρL bezeichnet werden und g = 9.81 m/s die Erdbeschleunigung
bedeutet. Der Flüssigkeitsinhalt geht allerdings in den Stoffübergangskoeffizienten
und nicht in die Stoffaustauschfläche ein. Hierbei ist mit a die trockene spezifische
Füllkörperoberfläche bezeichnet.
6 Stoffübergangsmodelle 56

Kombiniert man die Gleichungen (6.2), (6.3) und (6.6) und führt eine experimentell zu
bestimmende formspezifische Füllkörperkonstante CL ein, dann führt es zu der Glei-
chung (6.7), welche den volumetrischen Stoffübergangskoeffizienten der flüssigen
Phase β L ⋅ aPh beschreibt:
1 1
 g 6  D 2 2 1
a  (6.7)
β L ⋅ aPh = CL ⋅   ⋅  L  ⋅ (a )3 ⋅ (uL )3 ⋅  Ph  .
ν L   lt   a 

Diese Beziehung lässt sich auch durch die Höhe einer Stoffübergangseinheit HTUL
ausdrücken (Billet 1983):
1 1 2
1 ν  6  l 2  u 3  a  (6.8)
HTUL = ⋅  L  ⋅  t  ⋅  L  ⋅   .
CL g D
 L  a  a
 Ph 
Für die Ermittlung der Austauschfläche gibt es diverse Verfahren, die eine verbesser-
te (isolierte) Modellierung der Terme des Stoffaustausches ermöglichen, die aber
nicht ohne Beeinflussung des Stoffübergangs erfasst werden können.

Aus den Gleichungen (6.7) und (6.8) erkennt man, dass bei bekanntem Phasen-
grenzflächen-Verhältnis aPh/a eine füllkörperspezifische Formkonstante CL, welche
experimentell bestimmt wird, zur Vorausberechnung der β L ⋅ aPh bzw. HTUL
übrigbleibt. Ihre Bedeutung wird später eingehend diskutiert.

6.1.2 Gasseitiger Stoffübergangskoeffizient

Bei der Strömung eines Gases oder Dampfgemisches durch eine Füllkörperkolonne
wird dieses aufgrund der zufälligen Füllkörperausrichtung ständigen Richtungswech-
seln unterworfen. Solche Umlenkungen der Strömung sind auch an den geometrisch
regelmäßigen Kreuzungsstellen bei geordneten Füllkörpern anzutreffen. Die Folge
daraus sind Störungen des Aufbaus eines Geschwindigkeitsprofils an den Kontakt-
stellen der Füllkörper und Verhinderung eines konstanten Konzentrationsgefälles in
der grenzflächennahen Schicht. Die abrupten Richtungsänderungen transportieren
die Verwirbelungen der Gaskernströmung bis in die Randschichten und führen zu
einer vollständigen Vermischung der Gasphase.
6 Stoffübergangsmodelle 57

Der Stofftransport in Füllkörperkolonnen verläuft meistens nicht stationär. Für den


Stoffaustausch ist die Stoffaustauschlänge maßgeblich, die wie bei dem flüssigkeits-
seitigen Stofftransport von der geometrischen Struktur der Kolonneneinbauten be-
stimmt wird. Hier sind die Kontaktzeiten t aufgrund der relativ hohen Gasgeschwin-
digkeiten sehr gering (ca. 0,02 sec).

Betrachtet man den gasseitigen Stofftransport in der unmittelbaren Nähe zur Pha-
sengrenzfläche als eine begrenzte laminar strömende Unterschicht, dann kann für
den gasseitigen Stoffübergang die Differentialgleichung (6.1) für instationäre Diffusi-
on als Berechnungsgrundlage vorausgesetzt werden. Die Lösung dieser Gleichung
wurde in dem Abschnitt 3.4.2 durch die Gleichung (3.66) angegeben und bereits zur
Modellierung des Stoffübergangs in der flüssigen Phase von Billet, Schultes 1988
benutzt. Analog zu den Stoffübergangskoeffizienten βL folgt für den Stoffübergangs-
koeffizienten βV die Gleichung (6.9), womit DV für Diffusionskoeffizienten der überge-
henden Komponente in der Gasphase und t für Kontaktzeit steht (Billet, Schultes
1988):

2 DV (6.9)
βV = ⋅ .
π t
Der Zusammenhang der Gleichung (6.10) verknüpft die theoretische Kontaktzeit t mit
der Kontaktlänge lt , mit dem relativen freien Lückenvolumen ε (6.11), mit dem Flüs-
sigkeitsinhalt hL und mit der auf den freien Kolonnenquerschnitt bezogenen Gasge-
schwindigkeit uV (6.14) (vgl. (6.5) und (6.6)):
1
t = (ε − hL ) ⋅ lt ⋅ , (6.10)
uV

VK − VFK N
ε= = 1 − (1 − ε 0 ) ⋅ , (6.11)
VK N0

NFK (6.12)
N= ,
VK

π ⋅d2 (6.13)
VK = ⋅H ,
4
V& (6.14)
uV = .
AK
6 Stoffübergangsmodelle 58

Hierbei ist N die auf eine Volumeneinheit entfallende Stückzahl, die mit Hilfe des Ko-
lonnenvolumens VK nach Gleichung (6.13) berechnet werden kann. Mit NFK ist die
Anzahl der Füllkörper gekennzeichnet, welche die Kolonne dem Durchmesser dK bis
zur Höhe H ausfüllen. Die Stückzahlen N0 sind meistens vom Füllkörperhersteller
angegebenen. Das gleiche gilt für die trockene spezifische Füllkörperoberfläche a0
und das relative freie Lückenvolumen ε0. Mit diesen Kenngrößen können sowohl das
freie Lückenvolumen ε als auch die spezifische Füllkörperoberfläche a (6.15) ermittelt
werden. Mit AFk ist die Oberfläche der Füllkörper bezeichnet:
AFK N (6.15)
a= = a0 ⋅ .
VK N0

Für die Beschreibung des volumetrischen Stoffübergangskoeffizienten βV in der


Gasphase wurde die Gleichung (6.10) in Gleichung (6.9) substituiert und damit erhält
man die Gleichung (6.16):

2 DV ⋅ uV a  (6.16)
βV ⋅ aPh = ⋅ ⋅  Ph  ⋅ a .
π l t ⋅ (ε − hL )  a 

Die Auswertungen der βV.aPh-Werte zeigten (Schultes 1990), dass der Einfluss der
Gasströmung mit der Gas-Reynolds-Zahl (Gleichung (6.17)) und derjenige der Stoff-
übergang mit der Schmidt-Zahl (Gleichung (6.18)) am besten erfasst werden kann:
uV (6.17)
ReV = ,
a ⋅νV

νV (6.18)
ScV = .
DV
Daher wird die Gleichung (6.16) in die Form der Gleichung (6.19) gebracht (Billet,
Schultes 1999), welche in die Gleichung (6.20) übergeht, wenn die Höhe einer Stoff-
übergangseinheit HTUV berechnet wird:
3 1
1 a3 a  (6.19)
βV ⋅ aPh = CV ⋅ ⋅ ⋅ DV ⋅  Ph  ⋅ ReV4 ⋅ ScV3 ,
(ε − hL ) d h  a 

1 d h uV  a  1 1
HTUV = ⋅ (ε − hL ) ⋅ 3
⋅ ⋅   ⋅ 3
⋅ 1
. (6.20)
CV a DV  aPh 
ReV4 ScV3
Abbildung 6.3 zeigt die experimentell ermittelte Abhängigkeit des volumetrischen
Stoffübergangskoeffizienten von der Gasgeschwindigkeit uV.
6 Stoffübergangsmodelle 59

Abbildung 6.3: Experimentell ermittelte volumetrische Stoffübergangskoeffizienten in


Abhängigkeit von der Gasbelastung für einen neuentwickelten Füllkörper
mit Hilfe des Billet & Schultes-Modells (Autorin)

Analog zu dem Stoffübergangskoeffizienten βL, der durch Gleichung (6.7) und (6.8)
berechnet wird, muss für die Beschreibung von βV ⋅ aPh eine experimentell zu be-
stimmende füllkörperspezifische Formkonstante CV bekannt sein. Auf die Bedeutung
der Formkonstanten für die Modellierung wird ausführlich an späterer Stelle einge-
gangen.

6.1.3 Phasengrenzfläche

Die Stoffübergangsleistung einer Packung bzw. Füllkörper wird beeinflusst von der
zur Verfügung stehenden Phasengrenzfläche zwischen Flüssigkeit und Gas, den
Stoffübergangskoeffizienten und von den Effekten der Rückmischung und Maldistri-
bution. Die einzelnen Effekte können nicht isoliert messtechnisch erfasst werden,
deshalb werden die Einzelphänomene in den veröffentlichten Modellen mehr oder
weniger fundiert getrennt. Eine Bestimmung der Phasengrenzfläche aPh unterhalb
des Staupunktes wurde in der Arbeit von Schultes 1990 zum Ausdruck gebracht und
auf die über die Gleichungen (6.21) und (6.22) berechneten Stoffübergangskoeffi-
zienten bezogen:
6 Stoffübergangsmodelle 60

aPh (βV ⋅ aPh )exp (6.21)


=
a (βV ⋅ aPh )ber .; aPh =1
a

a Ph (β L ⋅ a Ph )exp (6.22)
=
a (β L ⋅ a Ph )ber.; aPh =1
a

Nach Angaben des Autors ergeben sich für die berechneten volumetrischen Stoff-
übergangskoeffizienten nach Gleichung (6.7) und (6.19) dann minimale mittlere rela-
tive Abweichungen von 7.4% für βL.aPh und 9.5% für βV.aPh zu den experimentellen
Daten, wenn das Oberflächenverhältnis aP/a durch die Gleichung (6.23) beschrieben
wird:
−0.2 0.75 −0.45
aPh − 0. 5  u ⋅ d   u2 ⋅ ρ ⋅ d   u2  (6.23)
= 1.5 ⋅ (a ⋅ d h ) ⋅  L h  ⋅  L L h  ⋅  L 
a  νL   σL   g ⋅ dh 
ε (6.24)
lt = dh = 4 ⋅ .
a

6.1.4 Spezifischer Druckverlust

Der Druckverlust in einer Kolonne ist maßgeblich davon abhängig, wie viel Flüssig-
keit sich in den Kolonneneinbauten befindet, da diese die Strömungskanäle für die
Gasphase verengt. Der Flüssigkeitsinhalt hL wurde im Abschnitt 6.1.1 durch die Glei-
chung (6.6) beschrieben. Die Abbildung 6.4 stellt eine qualitative Abhängigkeit des
Druckverlustes von der Gasgeschwindigkeit bzw. dem Dampfbelastungsfaktor dar.

Abbildung 6.4: Experimentell ermittelter spezifischer Druckverlust in Abhängigkeit von


der Gasbelastung für einen neuentwickelten Füllkörper (Autorin)
6 Stoffübergangsmodelle 61

Billet führte eine Vielzahl von experimentellen Untersuchungen mit verschiedensten


Füllkörpern bzw. Packungen sowie diversen Stoffsystemen durch. Auf dieser Basis
stellte er fest, dass der Flüssigkeitsinhalt bis zum Staupunkt einen konstanten Wert
annimmt und hat für das Modell bis zum Staupunkt zwei verschiedene füllkörperspe-
zifische Konstanten benutzt CP und CH. Um den gesamten Belastungsbereich bis
zum Flutpunkt zu beschreiben, ist allerdings ein iteratives Vorgehen notwendig, bei
dem sowohl der Stau- als auch der Flutpunkt berechnet werden muss. Für diesen
Bereich benutzt der Autor zwei andere Konstanten CS und CFl .

6.2 Übersicht über die Korrelationen

Am Lehrstuhl für Verfahrens- und Umwelttechnik an der Ruhr-Universität Bochum ist


ein lehrstuhleigenes Programm mit allen oben genannten Modellen zur Vorhersage
der Stoffübergangsparameter angelegt worden. Hierzu sollen von außen nur die
Stoff- und Packungsdaten sowie die Belastungsparameter vorgegeben werden. Dies
geschieht in Form einer Input-Datei, die die relevanten Informationen als Namelist
enthält. Sowohl die Temperaturen der Gas- und Flüssigkeitsströmung als auch die
Feuchtigkeit und der am Rotameter angezeigte Flüssigkeitsvolumenstrom L am Ko-
lonnenein- und -austritt wurde direkt in das PC-Untersuchungsprotokoll übernommen
und als Input-Datei ausgeführt. Die nachfolgenden Tabellen stellen einige bekannte
Gleichungen zur Ermittlung des Stoffübergangskoeffizienten zusammen.
6 Stoffübergangsmodelle 62

Tabelle 6.1: Mathematische Ansätze zur Bestimmung des flüssigkeitsseitigen Stoffüber-


gangskoeffizienten
Billet und Schultes 1
1 1 D 2 a 
1999 β L ⋅ a Ph = C L ⋅ 12 ⋅ (u L ) 6 2 ⋅  L  ⋅ a ⋅  Ph 
 dh   a 
Kassatkin 1962 0.75 0.5
β L ⋅ a ⋅δ  4L  ν 
= 0.0021 ⋅   ⋅  L 
a ⋅ DL  a ⋅ν L   DL 
Kolev 1976 0.5 0.5
 4L   µL   g ⋅d3 
β L = 0.030 ⋅   ⋅   ⋅  2 
 aW ⋅ν L   ρ L ⋅ DL   νL 
(a ⋅ d ) 0.4

β L = 0.0051 ⋅ Re − 0.5 p
Onda et al. 1968
0.667
L ⋅ Sc L ⋅ 0.333
 ρL 
 
ηL ⋅ g 
Bravo, Rocha und Fair 0.5
 DL ⋅ u L ,eff 
1986 β L = 2 ⋅  
 π ⋅S 
Rocha, Bravo und Fair  D ⋅ 0 . 9 ⋅ u L , eff 
0 .5

β = 2 ⋅  
L

π ⋅S
L
1996  

β LI = 4 . 85 ⋅ (Re 0L.73 − 8 . 85 )⋅ Sc L0 .333 ⋅


DL
ds
0.333
α  g ⋅ µL 
Reichelt 1974 β = c ⋅ Re L ⋅ Sc
II 0 .5
⋅   ⋅ DL
 ρL
L L

− 0 .33
 µL  
2
− 0 .44  
 h   ρ L  
β LIII = 0 .051 ⋅ Re 0L.75 ⋅ Sc L0.5 ⋅   ⋅ DL ⋅ 
 dn   a 
 
 
Shi und Mersmann 0.5 0.05
 6 DL  u 0.19 ⋅ g 0.22 ⋅ ε 0.2 ⋅ ρ L0.23 σ 
β L = 0.91 ⋅   ⋅   ⋅ (1 − 0.93 cos θ )
0.333
1964 ⋅ L
 π ⋅ dn  µ L0.23 ⋅ a 0p.4  ρL 

 6 ⋅ (1 − ε ) ⋅ µ L ⋅ u l ⋅ ρ L
0.45 0.5
  µL  DL ⋅ a P
β L = 25.2 ⋅   ⋅   ⋅
6 ⋅ (1 − ε )
Shulman et al. 1955
 aP   DL ⋅ ρ L 
2 1
 u ⋅ρ 3  µL 3  ρ2 ⋅g 
van Krevelen 1942 β L = 0.015 ⋅  l L  ⋅   ⋅  L 2  ⋅ DL
 µ L ⋅ aP   DL ⋅ ρ L   µL 
Wagner,Stichlmair,Fair 0 .5
 4 ⋅ φ L ⋅ DL ⋅ u L 
1997 β L =  
 π ⋅h⋅χ 
Zech 1987 − 0.15
1
d ⋅ρ ⋅g  d ⋅ u ⋅ g  6 6 ⋅ DL
βL = C ⋅ n L  ⋅ n L  ⋅
 σ   3  π ⋅ da
6 Stoffübergangsmodelle 63

Tabelle 6.2: Mathematische Ansätze zur Bestimmung des gasseitigen Stoffübergangs-


koeffizienten
3 1
a3
1  u 4 ν  3  a Ph 
Billet und Schultes 1999 β V ⋅ a Ph = CV ⋅ ⋅ ⋅D ⋅  V  ⋅  V  ⋅  
(ε − hL ) d h V  a ⋅ν V   DV   a 
1
n
uV C 0.5  Dc   Z 3
Cornell et al. 1960 = ⋅ Sc ⋅   ⋅  
β V ⋅ ac (3600 ⋅ ρ L ⋅ u L ⋅ f 1 ⋅ f 2 ⋅ f 3 )q
V
 3.66   3.05 
0 .7 0 .333
 u ⋅ ρV   ηV 
Onda et al. 1968 β V = A ⋅  V  ⋅   (a ⋅ d ) ⋅ (a ⋅ D )−2

 ηV ⋅ a  DV ⋅ ρ V
p V
 
DV
β V = 0.0338 ⋅ ReV0.8 ⋅ ScV0.333 ⋅
Bravo, Rocha und Fair 1986 d eq

 (u L ,eff + uV ,eff ) ⋅ ρV ⋅ S 
0.8 0.333
0.054 ⋅ DV  ηV 
Rocha, Bravo und Fair 1996 βV = ⋅   ⋅  
S  ηV   DV ⋅ ρ V 
DV ⋅ aPh
βVI = 0.407 ⋅ ReV0.655 ⋅ ScV0.333 ⋅
4 ⋅ε
DV
Reichelt 1974
βVII = 0.86 ⋅ ReV0.59 ⋅ ScV0.333 ⋅
dn
0.084
D ⋅a  h 
β V
III
= 1.23 ⋅ Re 0.514
V ⋅ Sc 0.333
V ⋅ V ⋅  
4  dn 
2
 1 3
Shulman und de Gouff 1946 β V = 0 . 0137 ⋅ (u V ⋅ ρ V ) 0 . 65
⋅  
 Sc V 
0.8
DV u ⋅ρ  1

van Krevelen und Hoftijzer β V = 0.20 ⋅ ⋅ V V  ⋅ Sc


3
dn a ⋅µ  V

1948  p V
1
ε + 0.012  (1 − ε ) ⋅ DV2 ⋅ uV2 ⋅ ρ V 3
Zech und Mersmann 1979 βV = C ⋅ ⋅  
ε  µV ⋅ d n 

Zur Bestimmung von Stoffübergangskoeffizienten bei einem Gas- bzw. Flüssigkeits-


stoffaustausch ist in der Literatur auch ein neues Verfahren zu finden (Piche et al.
2001). Die Grundstrategie der „Artificial Neural Network“ und der „Data mining pro-
cedure“ ist eine optimale Auswertung der gesamten Anzahl von dimensionslosen
Kenngrößen mit minimaler Abweichungen zu den experimentelle Daten.
7 Diskussion 64

7 Diskussion der experimentell gewonnenen Ergebnisse

Die im Rahmen dieser Arbeit im Kapitel 4 vorgestellten theoretischen Anwendungs-


konzepte werden im folgenden mit Hilfe experimenteller Werte für den Stofftransport
in der Gas- bzw. Flüssigphase und unter Nutzung moderner Programme überprüft,
graphisch dargestellt und diskutiert. Sie ermöglichen die Berechnung der Anzahl und
Höhe der theoretischen Trennstufen und formspezifischen Füllkörperkonstanten
(ABSODESO) und der übergehenden Stoff- und Enthalpieströme auf der Basis des
realen (ABSOreal) Trennstufenmodells sowie die Stofftransportkoeffizienten. Die
Programme können in Short-Cut- und Rigorose-Auslegungsroutinen geteilt werden.

7.1 ABSODESO

Ziel des lehrstuhleigenen Programms ABSODESO ist es, die Auswertung von expe-
rimentell gewonnenen Daten für Hydraulik und Trennwirkung von Füllkörpern und
Packungen auf relativ einfache Art und Weise zu nutzen, um eine Aussage über die
Anzahl und Höhe der theoretischen Trennstufen in einer Packungs- bzw. Füllkörper-
kolonne zu machen. Außerdem werden die füllkörperspezifischen Formkonstanten
berechnet. Auf ihre Bedeutung soll an späterer Stelle noch ausführlicher eingegan-
gen werden. Diese Daten sollen im Zuge allgemeiner Auslegung benutzt werden.
Hierzu sollen, wie es schon im Abschnitt 6.2. erwähnt wurde, einige Parameter vor-
gegeben werden.

Durch verschiedene (Abschnitt 6.2) Ansätze zur Bestimmung des Stoffübergangsko-


effizienten ist ein gezieltes Berechnen der gewünschten Daten möglich. Mittels Ein-
gabe von Anweisungen (Steuercode) lassen sich in der im Abschnitt 6.2 angespro-
chenen Input-Datei verschiedene Korrelationen auswählen. Diese Ansätze sind ent-
weder nur für Packungen oder nur für Schüttungen gültig. Deshalb ist es notwendig,
durch den oben genannten Steuercode unter anderem die Kolonnenhydraulik zu be-
rücksichtigen. Das Programm ermöglicht es, die gleichen Experimente mit unter-
schiedlichen Modellen auszuwerten und so die Berechnungsmethoden untereinander
zu vergleichen, um zu überprüfen welche Korrelationen mit den angepassten Para-
metern am besten die experimentell gewonnenen Daten beschreibt.
7 Diskussion 65

Der Berechnungsgang des Programms ABSODESO wird im Kurzen aufgezeigt. Bei


der Routine handelt es sich im Wesentlichen darum, aus einer aus experimentellen
Daten erzeugten Input-Datei die oben genannte Berechnungen durchzuführen und
diese Information in eine Ausgangsdatei mit tabellarischem Charakter zu schreiben.
Dies geschieht mit Hilfe einer Schleife, welche die Eingabedatei einliest. Der Name
dieser Datei ist beliebig gewählt und in ihr sind die notwendigen Steuercode, Kolon-
nendaten und Belastungsparameter in Form einer Nameliste. Die Abbildung 7.1 stellt
den Programmablauf dar.

Nachdem das Programm die Daten aus der Eingabedatei eingelesen hat, werden
diese sofort wieder in die Ausgabedatei geschrieben. Die Ausgabedatei enthält die
vorgegebene und abgeleitete Größen und die zugehörigen Parameter als detailiertes
Protokoll und graphische Darstellung. Die benutzten Daten werden in SI-Einheiten
eingegeben und nur- falls notwendig- vom Programm selbst umgerechnet.

Die eingegebenen Daten sind zu nutzen, um die HTU-Werte zu berechnen. Durch


Kombination mit dem Strippfaktor ergeben sich die Werte für HTUOL bzw. HTUOV. Die
Stoffdurchgangskoeffizienten βOL bzw. βOV und die spezifische Phasengrenzfläche
werden mit Hilfe der jeweiligen Korrelationen (siehe Tabelle 6.1 und 6.2) bestimmt.
Anschließend werden die formspezifischen Füllkörperkonstanten berechnet.

Durch eine weitere Umrechnung (siehe Gleichung (4.29)) kann schließlich die ge-
wünschte Höhe einer Trennstufe HETP bestimmt werden.
7 Diskussion 66

Abbildung 7.1: Ablaufschema des Programms ABSODESO


7 Diskussion 67

Aus dem vereinfachten Ablaufschema des Programms erkennt man, dass das HTU-
NTU-Konzept eine Verknüpfung der Einzelwiderstände über die Gleichgewichtslinie
zum Gesamtwiderstand darstellt (siehe Gleichungen (4.12) und (4.13)).

Im modifizierten Programm wird wie bisher als erste Näherung der volumetrische
Stoffübergangskoeffizient der Gasphase βV.aPh des Systems CO2-Wasser-Luft mit
Unendlich eingesetzt, wobei der zweite Term der Gleichung (7.1) keinen Einfluss hat
und der volumetrische Stoffübergangskoeffizient in der Flüssigkeitsphase βL.aPh wird
durch die Gleichung (7.2) ausgedrückt:
uL  1 L&  uV (7.1)
HTU OL = +  ⋅  ⋅ ,
β L ⋅ a Ph  K V&  β V ⋅ a Ph

uL
β L ⋅ a Ph = = C L ⋅ f (Re L , Sc L ) . (7.2)
HTU OL
Aus den Messungen und unter Berücksichtigung der Gleichung (7.2) wird für jeden
Messpunkt die füllkörperspezifische Konstante CL extrahiert und danach ein mittlerer
Wert berechnet. Als zweiter Berechnungsschritt wird der volumetrische Stoffüber-
gangskoeffizient der Gasphase βV.aPh des Systems Ammoniak-Luft-Wasser durch die
Gleichung (7.3) berechnet, wobei βL.aPh aus Desorptionsmessungen bekannt ist:
uV  V&  uL
β V ⋅ a Ph = +  K ⋅  ⋅ = CV ⋅ f (Re V , ScV ) . (7.3)
HTU OV  L  β L ⋅ a Ph
&

Die füllkörperspezifische Formkonstante CV wird dabei als mittlerer Wert aller Mess-
punkte errechnet.
Im modifizierten Programm werden die experimentell gewonnenen Daten aus der
CO2-Desorption und NH3-Absorption simultan zur Gewinnung eines zur Beschrei-
bung beider Transportmechanismen einheitliches Satzes von CV und CL gewertet.

Um die Kolonneneinbauten ausreichend exakt zu spezifizieren ist die füllkörperspezi-


fische Kennzeichnung über die Größen a und dh bzw. ε in den Gleichungen für die
Vorausberechnung der volumetrischen Stoffübergangskoeffizienten auf der Gas- und
Flüssigkeitsseite βL⋅aPh bzw. βV⋅aPh nicht ausreichend. Die Untersuchungen und die
veröffentlichten Leistungsdaten der Füllkörper verdeutlichen oft, dass, obwohl zwei
Füllkörperarten gleiche spezifische Oberflächen a und relative Lückenvolumina ε
7 Diskussion 68

haben, sie unterschiedliche Trennleistungen aufweisen (vgl. Billet, Mackowiak 1980


und 1985). In Bezug auf diesen Sachverhalt sind in den Gleichungen (6.7) und (6.19)
füllkörperspezifische Formkonstanten CL und CV integriert. Da für alle Messpunkte
aus der Desorption bzw. Absorption die benötigten korrelationsrelevanten Parameter
verfügbar sind und sich bei einer möglichen Anpassung der füllkörperspezifischen
Formkonstanten CL=f(ReL,ScL) bzw. CV=f(ReV,ScV) nicht ändern, können die Er-
gebnisse der Auswertung von Absorption-Desorptions-Messungen mit dem lehr-
stuhleigenen Programm ABSODESO nach Excel transferiert und dann nach der Me-
thode der kleinsten Quadrate mit Excel-Solver verschiedene Anpassfunktionen für
eine gemeinsame Anpassung von CL und CV untersucht werden.
Die Abhängigkeit der füllkörperspezifische Formkonstante CL der Flüssigphase, be-
rechnet nach der Umformulierung der Gleichung (6.8), von Dampfbelastungsfaktor
und Flüssigkeitsberieselung ist in Abbildung 7.2 gezeigt und gilt nur für reine Desorp-
tion. Die dargestellten Linien mit dem Index „Exp“ zeigen den Verlauf ohne die neue
Modifikation, die Linien „Mod“ –mit dem neuen, zusätzlichen Rechenschritt mit korri-
giertem βL⋅aPh im Programm ABSODESO sowie die obengenanten Excel-Solver-
Berechnungen.

Abbildung 7.2: Die füllkörperspezifische Formkonstante CL als Funktion von Dampfbelas-


tungsfaktor FV und Flüssigkeitsberieselung uL für Füllköper YY aus Metall
7 Diskussion 69

Mit steigender Gasgeschwindigkeit nimmt die füllkörperspezifische Formkonstante CL


für unterschiedliche Flüssigkeitsbelastungen uL in [m³/m²h] gemäß dem neuen Da-
tensatz (siehe Gleichung (7.4)) leicht ab.

Die Abhängigkeit der füllkörperspezifische Formkonstante CV der Gasphase, berech-


net nach der Umformulierung der Gleichung (6.20), von Dampfbelastungsfaktor und
Flüssigkeitsberieselung ist in Abbildung 7.3 gezeigt und gilt nur für reine Absorption.

Abbildung 7.3: Die füllkörperspezifische Formkonstante CV als Funktion von Dampfbelas-


tungsfaktor FV und Flüssigkeitsberieselung uL für Füllköper YY aus Metall

Da sich die experimentelle Daten mit einem konstanten Wert von CL und CV nicht
wiedergeben lassen, können diese mit Hilfe der empirischen Gleichungen (7.4) und
(7.5) berechnet werden:
CL , mod = AL ⋅ Re BL L ⋅ ReVC L , (7.4)

CV , mod = AV ⋅ ReVBV ⋅ ReCLV . (7.5)


7 Diskussion 70

Die mit den Gleichungen (7.4) und (7.5) berechneten füllkörperspezifische Formkon-
stanten CL und CV erbrachten die Bestätigung für einen etwa konstanten Wert bei
den eingegebenen Flüssigkeitsbelastungen im ganzen Bereich der experimentellen
Untersuchungen.

Diese Gleichungen stellen den neuen wissenschaftlichen Beitrag in dieser Arbeit für
die Modellierung der Stoffübertragung dar und dienen dazu die Prädiktivität der Glei-
chungen zu verbessern und in begrenzten Maße andere Fälle zu berechnen. Fälle,
die in den Messungen dieser Arbeit nicht enthalten sind, z.B. oberhalb der Staugren-
ze, können mit ausreichenden, zusätzlichen Messergebnisse berechnet werden. Die
Auswertung der gesamten Anzahl messtechnisch erfasster Stoffübergangskoeffizien-
ten mit Hilfe des modifizierten Rechnerprogramms ABSODESO gemäß der Glei-
chungen (6.7) und (6.19) und bei Anwendung von Gleichungen (7.4) und (7.5) wer-
den in der Abbildungen 7.4 und 7.5 veranschaulicht.

Abbildung 7.4: Die volumetrischen Stoffübergangskoeffizienten βL.aPh als Funktion von


Dampfbelastungsfaktor FV und Flüssigkeitsberieselung uL für Füllkörper YY
aus Metall (für reine Desorption).
7 Diskussion 71

Abbildung 7.5: Die volumetrischen Stoffübergangskoeffizienten βV.aPh als Funktion von


Dampfbelastungsfaktor FV und Flüssigkeitsberieselung für Füllkörper YY aus
Metall (für reine Absorption).

Die Abbildungen 7.4 und 7.5 verdeutlichen, dass sich volumetrische Stoffübergangs-
koeffizienten mit den Gleichungen (6.7) und (6.19) bei Anwendung der Gleichungen
(7.4) und (7.5) für CL und CV berechnen lassen, und viel genauere Ergebnisse für die
nachfolgenden Berechnungen der Höhen einer Stoffdurchgangseinheit ergeben (sie-
he Abbildung 7.6).
In diesem Abschnitt sollen die über die Gleichungen (4.14) und (4.15) experimentell
bestimmten Höhen einer gasseitigen bzw. flüssigkeitsseitigen Stoffdurchgangseinheit
mit den nach Gleichungen (7.6) und (7.7) theoretisch berechneten Werten, vergli-
chen werden.
uL  1 L&  uV (7.6)
HTU OL = +  ⋅  ⋅ ,womit βL= f(CL,mod) und βV=f(CV,mod),
β L ⋅ a Ph  K V  β V ⋅ a Ph
&

uV  V&  uL (7.7)
HTU OV = +  K ⋅  ⋅ .
β V ⋅ a Ph  L  β L ⋅ a Ph
&
7 Diskussion 72

Für den experimentell zu bestimmenden HTUOL bzw. HTUOV-Wert ist es nach Glei-
chungen (4.14) und (4.15) notwendig, neben der aus den experimentellen Untersu-
chungen bekannten Höhe H der Schüttung die durch Kolonneneinbauten realisierte
Anzahl der Stoffdurchgangseinheiten NTUOL bzw. NTUOV zu messen. Sie wird durch
die Fläche zwischen der Gleichgewichts- und Bilanzlinie innerhalb des Bereiches
zwischen Ein- und Austrittskonzentrationen xO und xU bzw. yO und yU fixiert. Hat die
Gleichgewichtskurve einen exponentiell Verlauf, dann ist es nicht mehr möglich, den
NTUOL bzw. NTUOV-Wert gemäß den Gleichungen (4.22 und 4.25) direkt aus den
Ein- und Austrittskonzentrationen xO und xU bzw. yO und yU zu berechnen. Um ein
graphisches Verfahren zu vermeiden, ist es erforderlich, die Gleichgewichtskurve in
differentiell kleine Elemente zu unterteilen. Für diese ist die Gleichung (4.22) an-
wendbar. Werden alle Einzelflächen addiert, so erhält man die den NTUOL bzw. NTU-
OV-Wert bestimmende Gesamtfläche.

Die Berechnung der HTUOV-, bzw. HTUOL-Werte durch die Gleichungen (7.6) und
(7.7) erfordert die Anwendung der Gleichungen (6.7) und (6.19) für die volumetri-
schen Stoffübergangskoeffizienten βL⋅aPh bzw. βV⋅aPh und die Anwendung von Glei-
chungen (7.4) und (7.5) für die modifizierten füllkörperspezifischen Formkonstanten .

Der relative Fehler wurde nach Gleichung (7.8) berechnet:


 (HTU )exp . − (HTU )ber .  (7.8)
δ =  .
 ( HTU )exp .


Die relative Abweichung δ, der mit Hilfe von Gleichungen (7.6) und (7.7) berechneten
Stoffdurchgangsgrößen HTUOV bzw. HTUOL zu den experimentellen Messdaten
kennzeichnet die Qualität der Gleichungen.

Die Abbildung 7.6 zeigt die Gegenüberstellung der nach Gleichungen (4.14) und
(4.15) messtechnisch erfassten und nach Gleichungen (7.6) und (7.7) berechneten
Stoffdurchgangshöhen HTUOL bzw. HTUOV ohne zusätzliche Rechenschritt interne
Anpassungsfunktionen mit Excel-Solver für die füllkörperspezifischen Formkonstan-
ten und ohne zusätzlichen Rechenschritt mit korrigiertem βL⋅aPh im Programm AB-
SODESO.
7 Diskussion 73

Abbildung 7.6: Vergleich von experimentell gewonnenen und durch Gleichungen (7.6) und
(7.7) berechneten Stoffdurchgangshöhen HTUOL bzw. HTUOV, CL,CV=const.

Die HTU-Messwerte unterhalb und oberhalb der Staugrenze werden für verschiede-
ne neuentwickelte Füllkörper mit einem mittleren relativen Fehler von ±13 % ( auf
allen Messwerte) im Bereich der Reynolds-Zahlen ReL ∈ (2-200) und ReV ∈ (600-
2000) wiedergegeben.

Die Abbildung 7.7 zeigt die Gegenüberstellung der nach Gleichungen (4.14) und
(4.15) messtechnisch erfassten und nach Gleichungen (7.6) und (7.7) berechneten
Stoffdurchgangshöhen HTUOV bzw. HTUOL.
7 Diskussion 74

Abbildung 7.7: Vergleich von experimentell gewonnenen und durch Gleichungen (7.6) und
(7.7) berechneten Stoffdurchgangshöhen HTUOV bzw. HTUOL,CL,CV=f(ReV,ReL)

Mit obengenannter mittleren relativen Abweichung von 6 % lassen sich die HTUOL
bzw. HTUOV-Werte nach den Gleichungen (7.6) und (7.7) erheblich genauer voraus-
berechnen als mit den aus dem Abbildung 7.6, welche zum Teil Abweichungen von
über 13 % aufweisen. Die Vergleiche beziehen sich auf Messungen, die an einer
modifizierten Versuchsanlage (siehe Abschnitt 5.1), so wie sie für experimentelle Un-
tersuchungen von Füllkörpern oder Packungen am Lehrstuhl für Verfahrens- und
Umwelttechnik der Ruhr-Universität Bochum zur Verfügung steht. Die Systeme Am-
moniak-Luft-Wasser (bei Absorption) und CO2-Wasser-Luft (bei Desorption) wurden
bei Flüssigkeitsbelastungen von 10 bis 40 m³/m²h und Gasgeschwindigkeiten von 0.5
bis 2.5 m/s untersucht. Die einzelnen Messdaten sind am Lehrstuhl für Verfahrens-
und Umwelttechnik der Ruhr-Universität Bochum dokumentiert. Die Vergleichsmes-
sungen sind andere als die, aus denen die CV- und CL-Werte bestimmt wurden. Es
wurden jeweils andere Füllkörpertypen für die verschiedenen Messungen herange-
zogen. Die Standartabweichung der Mittelwerten nach Gleichungen (7.6) und (7.7)
unter Anwendung der Gleichungen (7.4) und (7.5) liegt unter 2 %.
7 Diskussion 75

Die Anpassung im ganzen Messbereich liefert eine zufriedenstellende Übereinstim-


mung zwischen sämtlichen experimentell bestimmten und berechneten Werten. Ana-
log zur Dissertation von Herrn Schultes (Schultes 1990) und der Studienarbeit von
Herrn Altun (Altun 2004) wurden im Rahmen dieser Studie nur Messpunkte berück-
sichtigt und ausgewertet, für die die relativen Abweichungen der Massenbilanz nicht
größer als 5% waren.

Außerdem wurde im Rahmen dieser Arbeit festgestellt, dass bei der Durchführung
von Experimenten mit entionisiertem Wasser exaktere Ergebnisse erzielt werden,
d.h., es gilt der Umkehrschluss, dass mit nichtionisiertem Wasser, das in der Regel
im technischen Einsatz benutzt wird, mit größeren Abweichungen gerechnet werden
muss.
Für die Konstante A und die Exponenten B und C für Füllkörper YY wurden nach der
Methode der kleinsten Quadrate folgende Werte für die Gleichungen (7.4) und (7.5)
zugeordnet:

Tabelle 7.1: Zuordnung der Konstanten A, B und C für die Gleichungen (7.4) und (7.5) für
Füllkörper YY

Konstante L V
A 1.308 8.210

B 0.186 -0.478

C -0.056 0.014

Angewandt als Systemidentifikation ist die Methode der kleinsten Quadrate in Ver-
bindung mit Modellversuchen eine Möglichkeit Modellparameter für unbekannte Ge-
setzmäßigkeiten zu bestimmen.
7 Diskussion 76

7.2 ABSOreal

In Abbildung 7.1 wurde bereits stark vereinfacht der Berechnungsablauf des Pro-
gramms ABSODESO dargestellt. Dieser soll nun detaillierter für den Fall des Mehr-
komponentenstoffaustauschs betrachtet werden. Es gilt nun die Vereinfachung, dass
nt ≠ 0 ist.

Aus einer Messung sind zunächst nur die Kernkonzentrationen des Mehrkomponen-
tengemischs xi und yi bei Feed Flüssigkeitsstrom L& und Feed Gasstrom V& bekannt.
Es liegen ebenfalls die Informationen über den Systemdruck und die Temperatur vor.
Ferner können aus Datenbanken die zugehörigen Gleichgewichtsfaktoren Ki, Diffusi-
onskoeffizienten Dij, Dichte r, Dynamische Viskosität h, Grenzflächenspannung s
und Strippingfaktor l bestimmt werden. Es ergeben sich daher folgende zur Berech-
nung notwendigen Eingabedaten:
r r
x , y, T , P, L& , V& + (Basisdaten für Stoffdaten-Berechnung).

Zu diesen Daten kann nun mit Hilfe der im Bezug auf Kapitel 6 vorgestellte Korrelati-
onen jeweils eine Matrix des Stoffübergangskoeffizienten β sowohl für die Gas- als
auch für die Flüssigkeitsseite bestimmt werden. Die Dimension beiden Matrizen ist n-
1, wobei n der Zahl der Komponenten entspricht.
[βV ] und [β L ] (aus Korrelationen)

In diesem Modell ist der Zahl der unabhängigen Gleichungen für Wärme- und Stoff-
transport 3n+1. Die 3n+1 dieser Gleichungen sind:

• n-1 Gleichungen für die Gasphase


(J ) = c
V V
t ( )
⋅ [ β V ] ⋅ y V − y I + n& ⋅ y (7.9)

• n-1 Gleichungen für die Flüssigphase


(J ) = c
L
t
L
( )
⋅ [ β L ] ⋅ x I − x L + n& ⋅ x (7.10)

• n Gleichungen aus der Gleichgewichtsbeziehungen an der Grenzfläche


y iI = K i ⋅ xiI i = 1,2,3,...., n (7.11)
7 Diskussion 77

• 1 Gleichung für die Enthalpiebilanz der Grenzfläche (s. Gleichung 3.82)


• 1 Gleichung aus ∑y i
I
=1

• 1 Gleichung aus ∑ x i
I
=1

Das Gleichungssystem ist vervollständigt bei der Erfüllung der stöchiometrischen


Beziehungen (s. Gleichungen (3.83) bis (3.85)).

Die 3n+1 Variable, die man bei der Lösung des System bestimmen soll, sind:
• 2n Variable des Molenbruchs an beiden Seiten der Phasengrenzfläche yiI

und xiI

• n Variable aus der molaren Durchflussströme Ni


• die Temperatur an der Phasengrenze TGrenz

7.2.1 Standardisierter Unterprogrammaufruf

Ein wesentlicher Vorteil des Programms ABSOreal ist sein modulares Konzept.
Durch diese Art der Umsetzung wird es ermöglicht, neue Rechenroutinen als Unter-
programme in die bestehende Struktur des Programms einzubinden. Aus diesem
Grund wurde der Aufruf der Stoffübergangs- und Hydraulikkorrelationen weitestge-
hend standardisiert. Der Aufruf der Korrelationen erfolgt dabei stets in der Form der
folgender Tabelle:
7 Diskussion 78

Tabelle 7.2: Die Eingabedatei einer Input-File für das Programm ABSOreal

TEXT ‚Muster’ ‘Name der Eingabedatei:“Muster.inp“’


COMP 'NH3' 'H2O' 'AIR' ‘Name der Komponenten’
SDFILE ‘Muster.dat’ ‘Stoffdaten-File’
'Ncc,Nst' 3 80 Zahl der Komponenten; Zahl der Stützstellen
'Tlo,Tvu' 23.0 21.7 Eintrittstemperaturen der Flüssig- und Gasphase
in [°C]
'Plo,Pvu' 1.0 1.026 Eintrittsdruck der Flüssig- und Gasphase in [bar]
'Flo,Fvu' 36.126 9.497 Zulaufstrom der Flüssig- und Gasphase in
[kmol/h]
'YYu(1:3)' 0.001569/0.027060/0.000000 Gaskonzentration am Kolonneneintritt in [mol/mol]
'YYo(1:3)' 0.000022/0.027900/0.000000 Gaskonzentration am Kolonnenaustritt in
[mol/mol] als Schätzungswerte
'XXo(1:3)' 0.000001/0.000000/0.000015 Flüssigkeitskonzentration am Kolonneneintritt in
[mol/mol]
'XXu(1:3)' 0.000444/0.000000/0.000015 Flüssigkeitskonzentration am Kolonnenaustritt in
[mol/mol] als Schätzungswerte
'hnih(1:3)' 0.020773/0.014449/0.000079 Startwert-Schätzung für den Masstransferanteil
'PACKTYP' ‘Muster’ Name der Packung
'IPKPAR' 3 3 Steuercode für Hydraulik (ihydra), Stoffaus-
tauschkorrelationen (ibetcor)
'RPKPAR' CP,CH,CF,CS,CV,CL,a,ε Geometrie und Packungskonstantenvektor
'hcol,dcol' 2.00 0.288 Schüttungshöhe und Kolonnendurchmesser in
[m]

Im Gegensatz zu ABSODESO ist ABSOreal ein Berechnungsmodul, das basierend


auf den verallgemeinerten Colburn-Drewschen Beziehung (Colburn,Drew 1937) für
den Mehrkomponenten-Stoffaustausch nach Krishna-Taylor-Standart (Taylor,Krishna
1993) und den Wärme- und Stoffaustausch in einer VLE-Trennkolonne für Pa-
ckungseinbauten zu berechnen erlaubt (Röhm 1978 und 1980).

Das rigorose Berechnungsmodul schließt chemische Reaktionen und 3-Phasen VLE-


Berechnungen aus. Da für die vorliegende Arbeit nur das Gas- Flüssigkeitssysteme
untersucht wurden, ist das Berechnungsmodul auf dieses 2-Phasensystem ausge-
legt. Für weitere Untersuchungen, z.B. mit 3-Phasensystem und chemischen Reakti-
onen, müsste das Modul entsprechend erweitert und adaptiert werden.
7 Diskussion 79

7.2.2 Simulation von Absorptionsvorgänge

Im folgenden Abschnitt wird ein Vergleich zwischen eigenen Messdaten und Daten
von anderen Experimentatoren, die an einer Technikumsanlage am Lehrstuhl für
Verfahrens- und Umwelttechnik der Ruhr-Universität gewonnen wurden, und den von
dem Simulationsprogramm ABSOreal berechneten Werten aufgezeigt. Die Simulati-
on mit ABSOreal erfordert die Eingabe von Temperatur, Zusammensetzung und
Mengenstrom der beiden Feedströme.

7.2.2.1 Simulation der Absorption von Ammoniak aus Luft mit H2O

In diesem Abschnitt werden eigene experimentell gewonnene Daten für die Absorpti-
on von Ammoniak in Wasser dargestellt. In den folgenden Abbildungen ist der Ver-
gleich von experimentellen Untersuchungen und Berechnungsverfahren am Beispiel
neuentwickelter Metallfüllkörper dargestellt.
Abbildung 7.10 zeigt den berechneten Verlauf der Prozessströme V& und L& . Im Be-
reich bis bzw. ab Schüttungshöhe von 1.25 m weisen die beiden Ströme einen expo-
nentiellen Verlauf, was auf die Transportprozesse zurückführt. Der Verlauf der Schüt-
tungshöhe von 1m ist näherungsweise linear, was auf einen sehr geringen Stoff-
transport vom Ammoniak zur Flüssigphase hinweist.

Abbildung 7.8: Darstellung der Prozessströme VU=20.8 kmol/h und LO=144.7 kmol/h als Funk-
tion der Schüttungshöhe
7 Diskussion 80

Abbildung 7.11 zeigt die vom Programm berechneten Temperaturverläufe der Gas-
und Flüssigphase sowie der Phasengrenzfläche.

Abbildung 7.9: Temperaturverlauf bei der Ammoniak-Absorption für die Prozessströme


VU=20.8 kmol/h und LO=144.7 kmol/h

Abbildung 7.11 verdeutlicht, dass bis zur einer Schüttungshöhe von 1.25 m die Tem-
peratur im Kern der Gasphase (Ty) gegenüber den beiden anderen Temperaturen
abfällt, da die Wärme vom heißen zum kalten Fluid fließt. Ab eine Schüttungshöhe
H=1.25 m gleichen sich die drei Temperaturen einander an. Die Temperatur der
Phasengrenze (T) liegt erwartungsgemäß zwischen den beiden Kerntemperaturen
aber deutlich näher an der des Flüssigkeitskernes (Tx).
Tabelle 7.3 gibt einen Vergleich zwischen den berechneten und gemessenen Tem-
peraturen in Gas- und Flüssigphase am Kopf und Sumpf der Kolonne. Es besteht
eine zufriedenstellende Übereinstimmung (z.B. absoluter Fehler für Tx,Austritt
F =20.7°C-0.1°C).

Tabelle 7.3: Vergleich zwischen gemessenen und simulierten Werte für die Prozessströme
VU=20.8 kmol/h und LO=144.7 kmol/h
Eintritt Austritt

Ty,Messung 20.7°C 20.5 °C


Ty,Simulation 20.68°C 20.49°C
Tx,Messung 20.4°C 20.7°C
Tx,Simulation 20.49°C 20.55°C
7 Diskussion 81

Das Simulationsprogramm generiert die Konzentrationsverläufe der Komponenten


sowohl in der Gas-, als auch in der Flüssigphase. Da die Konzentrationen von Was-
ser in der Flüssigphase und von Luft in der Gasphase über 95 % sind, werden diese
in den folgenden Diagrammen nicht dargestellt. Sie ergeben sich rechnerisch aus
den stöchiometrischen Beziehungen. In Abbildung 7.12 wird der Konzentrationsver-
lauf nur für Ammoniak dargestellt.

Abbildung 7.10: Molarer Konzentrationsverlauf von Ammoniak für die Prozessströme


VU=20.8 kmol/h und LO=144.7 kmol/h

Die Betrachtung des Konzentrationsverlaufs von Ammoniak in der Gasphase (in Ab-
bildung 7.12a siehe yKern) zeigt von dem Eintritt H=0 m bis zum Austritt H=2 m einen
exponentiellen Verlauf. Die eingebrachte Ammoniakmenge geht auf Grund des
Stoffaustausches sofort in die Flüssigphase über.

Der Konzentrationsverlauf von Ammoniak in der Flüssigphase (in Abbildung 7.12b


siehe xKern) zeigt, dass vom Kopf der Kolonne (H=2 m) bis zur einer Schüttungshöhe
von H=1.25 m eine verschwindend geringe und annähernd konstante Konzentration
vorliegt. Die Erklärung dafür ist, dass am Kopf der Kolonne unbeladene Waschflüs-
sigkeit aufgegeben wird, die aus dem Gasgemisch Ammoniak durch Waschen ab-
trennen soll.
7 Diskussion 82

Die Konzentration vom Ammoniak im Wasser steigt erst ab der Schüttungshöhe von
1.25 m stark an. Für die flüssigkeitsseitige Phasengrenzfläche ergibt sich ein Verlauf,
der mit geringerer Steigung als im Kern ist. Die Differenz (yKern-yGrenz) in der Gaspha-
se ist wesentlich großer als die Differenz in der Flüssigkeit (xGrenz-xKern), was auf ei-
nen guten Stofftransport in der Gasphase schließen lässt.

Tabelle 7.4 gibt eine Übersicht der mit drei Messstellen gemessenen bzw. berechne-
ten Konzentrationen in der Gas- und Flüssigphase.

Tabelle 7.4: Gegenüberstellung der gemessenen und berechneten Konzentrationen von


Ammoniak in der Gas- und Flüssigphase für die Prozessströme VU=20.8 kmol/h
und LO=144.7 kmol/h

Eintritt Mitte Austritt


yExperiment 1396 ppm 35 ppm 4.75 ppm
ySimulation 1396 ppm 79 ppm 4.77 ppm
xExperiment 1 ppm 25 ppm 211 ppm
xSimulation 1 ppm 13 ppm 200 ppm

Das Programm ABSOreal benötigt zwei, im Abschnitt 7.3.2, definierte Randbedin-


gungen in der Eingabedatei. Daher sind die Austrittskonzentrationen in beiden Pha-
sen simulierten Größen, deren Genauigkeit sehr gut ist. In der Mitte der Kolonne ist
die Übereinstimmung zwischen Messung und Simulation nur befriedigend (absoluter
Fehler F=35 ppm+44 ppm für die Gasphase und F=25 ppm-12 ppm für die Flüssig-
phase).

Die berechneten Größen für die Gasphase in der Mitte der Kolonne liegen deutlich
über den Messungen und für die Flüssigphase unter den Messungen, aber in der
richtigen Größenordnung. Diese Abweichungen zeigen eine systematische Tendenz
und wurden bei allen Messpunkten, die in dieser Arbeit dargestellt sind sowie bei
anderen, nicht zur Veröffentlichung stehenden Experimenten, beobachtet.
7 Diskussion 83

In der Abbildung 7.13 werden die Ergebnisse des Konzentrationsverlaufs für Ammo-
niak nach dem Umbau der Versuchsanlage, wie im Abschnitt 5.2 beschrieben wurde,
dargestellt. Aus den Kurvenverläufen ist zu erkennen, dass die experimentell gewon-
nenen Daten sehr gut mit den Simulationswerten übereinstimmen. Die beste Über-
einstimmung zwischen Experiment und Simulation ist in der Flüssigphase zu beo-
bachten.

Abbildung 7.11: Molarer Konzentrationsverlauf von Ammoniak für die Prozessströme


VU=6.5 kmol/h und LO=36.1 kmol/h

Tabelle 7.5 gibt eine Übersicht der mit 5 Messstellen gemessenen bzw. berechneten
Konzentrationen in der Gas- und Flüssigphase.
Die größte Abweichung zwischen Experiment und Simulation für die Gasphase ist
bei der Schüttungshöhe von 0.25 m zu erkennen (absoluter Fehler F=668 ppm+278
ppm) und für die Flüssigphase beim Ausstritt (absoluter Fehler F=184.3 ppm+ 70.7
ppm).

Tabelle 7.5: Gegenüberstellung der gemessenen und berechneten Konzentrationen von


Ammoniak in der Gas- und Flüssigphase für die Prozessströme VU=6.5 kmol/h
und LO=36.1 kmol/h

Eintritt HSchütt.=0.25m HSchütt.=0.75m HSchütt.=1.25m HSchütt.=1.75m Austritt


yExperiment 1457 ppm 668 ppm 248 ppm 84 ppm 21 ppm 22 ppm
ySimulation 1457 ppm 946 ppm 397 ppm 164 ppm 66 ppm 40 ppm
xExperiment 1.0 ppm 2.5 ppm 11.1ppm 44.9 ppm 124.9 ppm 184.3 ppm
xSimulation 1.0ppm 3.0 ppm 18.0 ppm 53.0 ppm 136.0 ppm 255.0 ppm
7 Diskussion 84

Abbildung 7.14 stellt den Verlauf der Stoffmengenströme der drei beteiligten Kompo-
nenten gegenüber.

Abbildung 7.12: Berechnete Stoffmengenströme bei der Absorption von Ammoniak aus Luft
mittels Wasser für die Prozessströme VU=144.7 kmol/h und LO=20.8 kmol/h

Das Diagramm zeigt den erwarteten Verlauf: die Luft nimmt auf ihrem Strömungsweg
durch die Kolonne Wasser auf, der Wassermengenstrom ist bis zur einen Schüt-
tungshöhe von H=1.25 m positiv und ab H=1.25 m negativ. Dies kann dadurch be-
gründet werden, dass Luft erst dann von der flüssigen Phase aufgenommen werden
kann, wenn der größte Teil des Ammoniaks in der flüssigen Phase übergegangen ist.
Dies müsste durch die Zusammensetzung der Luft und die Löslichkeit bei Untersuch-
ten Temperaturen näher untersucht werden. Des weiteren sinkt den Ammoniakmen-
genstrom in der Gasphase, da der Ammoniak in die Flüssigphase diffundiert. Es
zeigt sich, dass die größten Veränderungen des Ammoniakmengenstroms bis zur
H=1.25 m auftreten, da hier die treibenden Kräfte für die Diffusion zwischen Flüssig-
und Gasphase am größten sind.
7 Diskussion 85

7.2.2.2 Simulation der Absorption von Aceton aus Luft mit Wasser

Analog zu der Vorgehensweise bei der Ammoniak-Absorption soll in diesem Ab-


schnitt ein Vergleich der Konzentrations- und Temperaturverläufe für das System
Aceton-Luft-Wasser dargestellt werden.

Abbildung 7.13: Ergebnisse der Simulation für die Prozessströme VU=3.5 kmol/h und
LO=16.535 kmol/h.
7 Diskussion 86

In Abbildung 7.13a sind die Zulaufstromverläufe der Gas- und Flüssigphase darge-
stellt. Sie zeigt den berechneten Verlauf der Prozessströme V& und L& . Im Bereich
Eintritt (H=0 m) in der Kolonne bis H=1.25 m weisen die beiden Ströme einen expo-
nentiellen Veralauf, was auf der Stoffübertragung zurückführt. Der Verlauf von
H=1.25 m bis zur H=2 m ist näherungsweise linear, was auf einen sehr geringen
Stofftransport vom Aceton zur Flüssigphase hinweist.

Die Temperaturverläufe der Gas- und Flüssigphase sowie der Phasengrenzfläche


sind in Abbildung 7.13b abgebildet. Diese Abbildung verdeutlicht, dass bis zur einen
Schüttungshöhe von H=1.25 m die Temperatur im Kern der Gasphase Ty gegenüber
den beiden anderen Temperaturen abfällt. Die feuchte Luft nimmt dann Wasser-
dampf aus dem Flüssigkeitsfilm auf. Dadurch kühlen sich Wasserfilm und Luft ab, bis
sich nach einiger Zeit eine zeitlich und örtlich konstante Temperatur im Wasserfilm
einstellt. Ab H=1.25 m gleichen sich die drei Temperaturen einander an. Die Tempe-
ratur der Grenzfläche liegt erwartungsgemäß zwischen den beiden Kerntemperatu-
ren aber deutlich näher an der des Flüssigkeitskernes.

Analog zu den aufgezeigten Temperaturverläufen ergeben sich nun auch in den


Konzentrationsverläufen neue Kurven, die den Zustand an der Phasengrenzfläche
beschreiben. Eine graphische Darstellung dieser Ergebnisse zeigt Abbildung 7.13c.
Die Abbildung zeigt den erwarteten Verlauf: Die Acetonmenge geht aufgrund der Dif-
fusion sofort in die Flüssigphase über. Die Konzentration von Aceton sinkt in der
Gasphase stark ab. Für die flüssigkeitsseitige Phasengrenzfläche ergibt sich ein Ver-
lauf, der mit dem des Flüssigkeitskerns vergleichbar ist, nur die Steigung ist größer.

Die Abbildung 7.13d zeigt wie das Aceton-Luft-Gemisch auf seinem Strömungsweg
durch die Kolonne Wasserdampf aus dem Wasserfilm aufnimmt. Weiterhin bis zur
Schüttungshöhe H=1.25 m verdunstet Wasser in die vorbeiströmende ungesättigte
Gasphase. Die Luftmenge bleibt näherungsweise gleich, sie kann als inert bezeich-
net werden.
7 Diskussion 87

Das Berechnungsverfahren des Programms ABSOreal berücksichtigt die wesentli-


chen Effekte beim gekoppelten Wärme- und Stofftransport. Die Abbildung 7.14 zeigt
die Größe der Wärmeeffekte in einem theoretischen Beispiel.

Abbildung 7.14: Ergebnisse der Simulation für die Prozessströme VU=3.5 kmol/h
und LO=3.5 kmol/h.

Dieses Beispiel zeigt, dass die Berechnung einer Absorption ohne überlagerte che-
mische Reaktion unter Berücksichtigung der Verdunstung bzw. Kondensation des
Wassers mit diesem Modell möglich ist, und dass eine zu starke Reduktion des Mo-
dells und die Vernachlässigung wesentlicher Effekte zu falschen Aussagen bei der
Auslegung von Prozessanlagen führen kann.
7 Diskussion 88

7.2.3 Simulation von Desorptionsvorgängen

Wie bereits mehrfach erwähnt, besteht bei dem Programm ABSOreal die Möglichkeit
eine Simulation sowohl für Absorptionsvorgänge (siehe Abschnitt 7.2.2.1 und 7.2.2.2)
als aus für Desorptionsvorgänge durchzuführen. Auch hier werden die gemessenen
Eingangsgrößen vorgegeben und das Programm berechnet die dazugehörigen Aus-
trittszustände sowie die Konzentrations- und Temperaturprofile. Analog zu der Ab-
sorption-Simulation wird mit H=0 m den Kolonnensumpf und H=2 m den Kolonnen-
kopf dargestellt.

Analog zur Betrachtung im Abschnitt 7.2.2.1 und 7.2.2.2 bei der Absorption ergeben
sich nun auch hier zusätzliche Informationen über die Zustände an der Phasengrenz-
fläche. Der Temperaturverlauf der Phasen ist in Abbildung 7.15 dargestellt.

Abbildung 7.15: Temperaturverlauf bei der Desorption von Kohlendioxid aus Wasser mittels
Luft für die Prozessströme VU=18.7 kmol/h und LO=144.6 kmol/h.

Das Diagramm verdeutlicht, dass die Temperatur der Phasengrenzfläche (T) nahezu
identisch mit der Temperatur des Flüssigkeitskerns (Tx) ist. Die beiden Kurven liegen
übereinander. Ferner ist zu erkennen, dass sich die Gasphasentemperatur der Flüs-
sigphasentemperatur angleicht. Ab einer Schüttungshöhe von 1.25 m ist kein signifi-
kanter Temperaturunterschied mehr vorhanden. Insgesamt bewirkt der hohe Enthal-
piestrom der Flüssigkeit, dass sich die anfangs relativ kalte Gasphase rasch er-
wärmt. Dabei kühlt sich die Flüssigphase nur wenig ab.
7 Diskussion 89

In Tabelle 7.6 ist ein Vergleich zwischen mit ABSOreal berechneten und gemesse-
nen Temperaturen angegeben.

Tabelle 7.6: Gemessene und berechnete Temperaturen.

Eintritt Austritt

Ty,Messung 20.7 °C 22.4°C


Ty,Simulation 20.7°C 22.49°C
Tx,Messung 22.5°C 21.8°C
Tx,Simulation 22.5°C 22.28°C

Die durch die experimentelle Untersuchung aufgezeigte Temperaturdifferenz im Ko-


lonnensumpf wird hier rechnerisch sehr gut wiedergegeben (relative Abweichungen
unter 3%). Ähnlich verhält sich Temperaturdifferenz im Kolonnenkopf. Hier weisen
die experimentell gewonnene Ergebnisse eine fast einheitliche Temperatur für die
Gas- und Flüssigphase auf, was auch durch die Simulation ebenfalls so bewiesen
werden kann.

In Abbildung 7.16 sind die berechneten Konzentrationsprofile in der beiden Phasen


sowie die experimentell gewonnenen Ergebnisse dargestellt.

Abbildung 7.16: Molare Konzentrationsverlauf von Kohlendioxid (a: in der Flüssigphase; b: in


der Gasphase) für die Prozessströme VU=18.7 kmol/h und LO=144.6 kmol/h.
7 Diskussion 90

Die Abbildung 7.16a zeigt, dass im oberen Kolonnenbereich eine große Differenz
zwischen der Kohlendioxidkonzentration im Kern der Flüssigphase und an der flüs-
sigkeitsseitigen Phasengrenzfläche vorliegt. Wird der Kohlendioxid-Stofftransport,
ausgehend vom Kern der Flüssigphase bis zur Phasengrenze analysiert, ist ab
H=0.25 m fast keine Konzentrationsdifferenz mehr festzustellen. In Abbildung 7.16b
zeigt sich ein ähnlicher Zusammenhang. Vom Kolonnenkopf (H=2 m) ausgehend bis
zur H=1.75 m liegt im Vergleich mit der Flüssigphase eine kleinere Konzentrationsdif-
ferenz zwischen Gaskern und gasseitiger Phasengrenze vor. Dies ist ein direktes
Resultat der innigen Vermischung mit der unbeladenen Gasphase.

Tabelle 7.7 erhält einen Vergleich zwischen experimentellen und theoretischen Er-
gebnissen bei der Desorption von Kohlendioxid aus Wasser mittels Luft.

Tabelle 7.7: Von den experimentellen Messwerten abweichende theoretische Ergebnisse.

Eintritt Mitte Austritt

xExperiment 153 ppm 12 ppm 7.4 ppm


xSimulation 153 ppm 32 ppm 7.6 ppm

Auch hier zeigt sich bis auf minimale Unterschiede in der Mitte der Kolonne eine gute
Übereinstimmung zwischen Messwerten und Simulationsergebnisse. Die berechne-
ten Größen für die Flüssigphase in der Mitte der Kolonne liegen deutlich über den
Messwerten, aber in der richtigen Größenordnung. Dies ist eine systematische Ten-
denz und wurde bei allen Messpunkte der Desorption beobachtet. Ein möglicher
Grund dieser Unterschiede könnte die Analytik sein. Das gelöste Kohlendioxid im
Wasser wurde im Rahmen dieser Arbeit durch Titration (siehe Abschnitt 5.2) be-
stimmt. Um Kohlendioxid-Aufnahme aus der Luft zu verhindern, könnte man Stick-
stoff einblasen oder Kohlendioxid mit Säure ausgasen, in Natriumlauge auffangen
und anschließend in die verbleibende Lauge titrieren. Beide Verfahren sind aber
recht aufwendig und nicht sehr genau (schlechte Reproduzierbarkeit). Eine bessere
Möglichkeit für die quantitative Bestimmung ist die Ionenchromatographie, sie stand
aber für diese Arbeit nicht zur Verfügung.
7 Diskussion 91

Insgesamt zeigt sich eine gute Übereinstimmung zwischen Messung und Simulation.
Das Programm ABSOreal liefert wichtige Zusatzinformationen, die mithelfen die Vor-
gänge in den Phasen besser zu verstehen. Dem entgegen steht jedoch die wesent-
lich komplexere Beschreibung der Thermodynamik und der große Rechenaufwand.
In der Praxis stellt letzteres meist kein großes Problem dar, da die heute eingesetz-
ten Rechensysteme über eine genügende Rechenleistung verfügen.
8 Zusammenfassung 92

8 Zusammenfassung und Ausblick

In diesem Kapitel werden die logische Schlussfolgerungen anhand der in der vorlie-
genden Arbeit dargestellte experimentell gewonnenen Ergebnisse und Simulationen
sowie anhand nicht zur Veröffentlichung stehender Experimente als Teil verschiede-
ner Industrieprojekte zusammengefasst.

8.1 Zusammenfassung

Die numerischen Berechnungsvorgänge haben sich von Wissenschaftlern und Inge-


nieuren im industriellen Bereich etabliert und werden in vielen Bereichen eingesetzt.
Der Einsatz der Simulation führt die mathematisch und numerisch aufwendigste Art
der Modellierung als Werkzeug für die ingenieurwissenschaftliche Forschung ein.

Die vorliegende Arbeit stellt einen neuen Ansatz zu Beschreibung der formspezifi-
schen Füllkörperkonstanten vor und befasst sich mit der numerischen Simulation zur
Abbildung des Stofftransportes innerhalb der Füllkörper- bzw. Packungskolonnen.
Aufgabe und Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, zum einen zu prüfen, in wie weit sich
die modernen Programme als Werkzeug für die Forschung eignen, und zum anderen
die formspezifischen Konstanten unter- und oberhalb der Staugrenze mit einem neu-
en Ansatz zu beschreiben.

Als Einführung in die Thematik wurde ein Überblick über die bisherigen Veröffentli-
chungen zum Stoffaustausch in Zweiphasen-Gegenstromkolonnen gegeben. Diese
Übersicht verdeutlicht, dass die meisten Berechnungsgleichungen zur Beschreibung
des Stoffüberganges auf den gleichen Grundlagen basieren ( wie Maxwell-Stefan-
Gleichung; Fick’sches Gesetz). In den darauffolgenden Ausführungen wurde daher
auf die theoretischen Formulierungen eingegangen, in denen die Fluiddynamik in
Füllkörperkolonnen mit dem Stoff- und Wärmeaustausch verknüpft werden. An die-
sem Modell orientierte sich die Simulation der realen Absorptions- bzw. Desorptions-
Vorgänge.
.
8 Zusammenfassung 93

Eine ausführliche Darstellung der physikalischen und mathematischen Verfahren zur


Beschreibung der Absorptions- bzw. Desorptionsvorgänge wurde vorgestellt. Um
effizientere Beschreibungsmethoden zu entwickeln, sollte nach wie vor mehr in die-
sem Bereich geforscht werden. Die derzeit verfügbaren Ansätze zur Beschreibung
des Stoffaustausches sind meist empirisch bestimmt, welche für traditionelle Einbau-
ten wie Kugeln und Hohlzylinder aufgestellt wurden und können häufig nicht für mo-
derne Hochleistungsfüllkörper oder effektive Packungen angewendet werden. Man-
che Berechnungsgleichungen beschränken sich zusätzlich auf bestimmte Tempera-
tur- und Druckbereiche, Stoffsysteme und Kolonnengeometrien.

Basierend auf den im weiten Rahmen abgesicherten Grundgleichungen des HTU-


NTU-Modells wurde abschließend die Widerstandsverteilung der Gas- bzw. flüssigen
Phase bestimmt. Mit einer mittleren relativen Abweichung bei den vorgestellten Vor-
gängen von 4.1 % der berechneten Werte für die Höhe einer Stoffdurchgangseinheit
zu den gemessenen Daten ist das in diesem Beitrag vorgestellte modifizierte Einsät-
ze Programm ABSOESO wesentlich genauer als die bisher bekannten Literaturglei-
chungen. Dadurch bietet sich die Möglichkeit, ohne experimentelle Vorleistungen,
lediglich mit den Angaben für die Kolonnenbelastungen, den Stoffdaten sowie Kolon-
nenspezifikationen und füllkörperspezifischen Kennzahlen, eine Voraussage über die
Widerstandsverteilung in der Gas- bzw. Flüssigphase und eine zusätzliche Informati-
on für die Vorgänge in den Phasen mit dazugehörigen Temperatur- und Konzentrati-
onsprofilen sowohl im Kern als auch an der Phasengrenze zu treffen. Das Konver-
genzverhalten der benutzten Algorithmen ist sehr zufriedenstellend und ermöglicht
ein rascheres Vorgehen.

Die vorgestellten Auswertungsmodelle zur Bestimmung von Stoffübergangsparame-


tern weisen Vor- und Nachteile auf. Während das rigorose Berechnungsmodell 3-
Phasen VLE-Berechnungen ausschließt, steht der Anwender bei allen Vorteilen auch
vor ernsthaften Problemen. Durch die Vielfalt an Beschreibungsformen, Modellen
und Korrelationen kann eine verfahrenstechnische Problemstellung mehrfach mit
unterschiedlichen Ansätzen durchgerechnet werden. Daraus ergibt sich für den An-
wender die Frage nach der für ihn richtigen Lösung.
8 Zusammenfassung 94

Daher ist ein Einsatz solcher Programme nur dann zielführend, wenn der Anwender
die Ergebnisse auch fachlich interpretieren kann. Der ingenieurwissenschaftlichen
Forschung werden mit dieser neuen Korrelationen erstmals Programme zur Verfü-
gung gestellt, die einfach und schnell mit geringen Abweichungen zuverlässige Er-
gebnisse über den ganzen Messbereich liefern.

8.2 Ausblick

Die in dieser Arbeit durchgeführten experimentellen Untersuchungen in Hinblick auf


den Stoffaustausch bei realen Absorptions- bzw. Desorptionsvorgängen eröffnen ein
weites Feld für die Forschung, besonders im Bereich der Verbesserung und Absiche-
rung von bisher bekannten Stoffübergangskorrelationen. Die verwendeten Berech-
nungsgleichungen können auf verschiedene Art erweitert, ergänzt und durch Para-
meteroptimierungsaufgaben mit Hilfe von modifizierten Verfahren kontinuierlichen
Charakters erfolgreich bearbeitet werden.

Die dargestellten Ergebnisse sind geeignet, um komplizierte Modellansätze für die


Berechnung formspezifischer Füllkörperkonstanten im Bereich unter und oberhalb
der Staugrenze und für wässrige Systeme zu abstrahieren. Eine weitere Möglichkeit
ist es, dem bisher nicht abgesicherten Einsatz von Trennkolonnen bei nichtwässrigen
Systemen (z.B. Strippung viskoser Polymere), bei Systemen mit sehr niedriger
Grenzflächenspannung wie z.B. Flüssiggasen oder bei Systemen mit heterogenen
Katalysatoren, in denen ein Feststoff auftritt, zu ergänzen. Dazu wäre es vom Vorteil,
wenn die Messungen nach einheitlichen, abgestimmten Durchführungs- und Auswer-
tungsmethoden zu verbinden.

Eine Optimierung von Trennkolonnen könnte auf verschiedenen Ebene erreicht wer-
den, z.B. durch Erweiterung des verbauten Volumens, durch Implementierung von
Betriebsparametern wie Waschmittelbedarf und Energieeinsatz und durch eine bes-
sere Kapazitätsausnutzung bestehender Anlagen unter Verwendung aller vorhande-
nen, baulichen Reserven. Sehr interessant wäre deshalb der daraus resultierende
Wissensvorsprung für die Aufarbeitungs- und Entsorgungsstufen aller Verfahren und
Prozesse und damit ein wesentlicher Marktvorteil im Vergleich zu Mitbewerbern.
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Lebenslauf 104

Lebenslauf

Persönliche Daten

Name: Dipl.-Ing. Mariana Joham, geb. Tsekova


Anschrift: Industriezeile 10
A-5280 Braunau am Inn

Geburtsdatum: 1. Jan. 1965


Geburtsort: Botevgrad/ Bulgarien
Staatsangehörigkeit: bulgarische
Familienstand: verheiratet mit Herrn Oskar Joham
Kinder: keine

Schulausbildung

09.1972 – 05.1980 Hristo Botev-Schule


Grundschule in Litakovo /Bulgarien
09.1980 – 05.1983 Asen Zlatarov-Schule
Gymnasium in Botevgrad /Bulgarien Allg. Hochschulreife

Berufspraxis

10.1983 – 10.1986 Erzieherin in Kindertagesstätte in Sofia


/Bulgarien/
11.1986 – 08.1994 Operator, Chemiebetrieb in Sofia /Bulgarien
Seit 15.11.2005 Betriebstechnologin bei DSM Fine Chemicals
Austria
Lebenslauf 105

Hochschulstudium

09.1994 – 12.1999 Studium der Verfahrenstechnik Dipl.-Ing. (Univ)


Universität Sofia/Universität Siegen
03.2000 – 10.2000 Wiss. Hilfskraft an der Universität-Siegen
11.2000 – 02.2005 Wiss. Mitarbeiterin
Lehrstuhl für Verfahrens- und Umwelttechnik
Prof. Dr.-Ing. H.-J. Röhm
Ruhr – Universität Bochum

Spezialkenntnisse

EDV: PC mit gängiger Software,


FORTRAN (Grundkenntnisse),
ASPEN Plus (Grundkenntnisse),,
Mitarbeit an der Entwicklung einer Datenbank
zur Vorhersage des Druckverlustes
Fremdsprachen: Bulgarisch (Muttersprache), Deutsch in Wort
und Schrift, Russisch in Wort und Schrift,
Intermediate in Englisch
Interessen: Konfliktmanagement
Sonstiges: Gründungsmitglied der Deutsch-Bulgarischen
Ökoingenieur Gesellschaft BNEID
Vorträge: Juni 2004 / LVU-RUB
"Entwicklung der Stoffübergangsmodelle"
„Stofftransport für binäre und Mehrkomponen-
tensysteme“