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BKB KBOB

Beschaffungskonferenz des Bundes Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane


Conférence des achats de la Confédération der öffentlichen Bauherren
Conferenza degli acquisti della Confederazione Conférence de coordination des services de la construction
et des immeubles des maîtres d’ouvrage publics
Conferenza di coordinamento degli organi della costruzione
e degli immobili dei committenti pubblici

Merkblatt zum Beizug von Subunternehmen

Unter Einhaltung der vergaberechtlichen Grund- Vor- und Nachteile


voraussetzungen ist die Weitervergabe von Leis-
tungen an Subunternehmen bei öffentliche Be- + Sensibilisierung der Anbieterinnen und ihrer all-
schaffungen grundsätzlich zulässig. Dies stärkt fälligen Subunternehmen.
den Wettbewerb und erhöht insbesondere die
+ Vermindern von Unsicherheit bezüglich Haf-
Teilnahmemöglichkeiten der KMU. Die Weiter-
tung, Verantwortlichkeiten und Einhaltung der
vergabe von Leistungen wurde in den Medien und
Teilnahmebedingungen.
von Seiten der Politik zuletzt aber auch kritisiert,
weil damit die Gefahr von Sozialdumping oder – Der Administrativaufwand der Unternehmen
„Scheinfirmen“ verbunden sein könnte. Das vorlie- kann sich erhöhen.
gende Merkblatt zeigt unverbindlich die Möglich-
keiten für die Vergabestellen sowie deren Vor- Früh Klarheit schaffen
und Nachteile auf.  Die Vergabestelle legt bereits in der Ausschrei-
NB: Wird der Beizug von Subunternehmen be- bung fest, dass beigezogene Subunternehmen
schränkt, kann dies den Wettbewerb beeinträchti- möglichst im Zeitpunkt der Angebotseingabe o-
gen. Die Vergabestelle sollte daher möglichst der spätestens vor Arbeitsbeginn, verbindlich
Massnahmen wählen, welche den Wettbewerb deklariert werden müssen.
zwischen den Anbieterinnen im Einzelfall mög-  Die Vergabestelle fordert die Anbieterinnen be-
lichst wahren (z.B. vertragliche Absicherungen). reits in den Ausschreibungsunterlagen auf, in
Die nachfolgenden Möglichkeiten sind nach gel- ihrem Angebot zu deklarieren, welche Leis-
tendem Recht alle zulässig. Sie können einzeln o- tungsteile sicher und welche wahrscheinlich an
der kumulativ angewendet werden. Subunternehmen weitervergeben werden.
 Die Vergabestelle prüft bereits bei der Evalua-
Wenn Subunternehmen beigezogen werden tion der Angebote, ob die Subunternehmen die
für ihre Teilleistungen relevanten Musskriterien
Gleiche Spielregeln für alle (EK/TS) erfüllen. Werden Subunternehmen erst
nach der Evaluation benannt, prüft die Verga-
 Die Vergabestelle weist in der Ausschreibung bestelle die Musskriterien spätestens vor Ar-
darauf hin, dass die vergaberechtlichen Grund- beitsbeginn.
voraussetzungen, insbesondere die Arbeits-
schutzbestimmungen, Arbeitsbedingungen und Vor- und Nachteile:
die Lohngleichheit auch von allen Subunterneh- + Effizientere Abklärungsarbeiten für die Verga-
men eingehalten werden müssen. bestellen.
 Die Vergabestelle verlangt von der Anbieterin
einen schriftlichen Nachweis, dass ihre Subun- + Bereits zu einem frühen Zeitpunkt wird klarer
ternehmen die ihnen überbundenen Verpflich- und gesicherter, wer was zu welchen Anteilen
tungen akzeptieren und einhalten – zumindest leistet.
von jenen welche einen wesentlichen Beitrag + Es bleibt genug Zeit zu handeln, falls ein Sub-
an der Leistungserbringung verantworten. unternehmen die Musskriterien nicht einhält.
 Die Vergabestelle weist auf die möglichen Wenn dies vor dem Zuschlag festgestellt wird,
Sanktionen hin, welche sie insbesondere zu- wird die Anbieterin i.d.R. den Zuschlag nicht er-
folge der Nichteinhaltung der Arbeitsbedingun- halten. Wenn dies nach Vertragsabschluss fest-
gen aussprechen kann (z.B. Konventionalstra- gestellt wird, stehen die vertraglichen Vorkeh-
fen, Ablehnung des Subunternehmens). ren und Sanktionsmöglichkeiten und gegebe-
 Die Vergabestelle hebt in der Ausschreibung nenfalls der Widerruf des Zuschlags zur Verfü-
hervor, dass die Anbieterin für die vertragsge- gung.
mässe Leistungserbringung durch die beigezo-
genen Dritten verantwortlich bleibt.

Beschaffungskonferenz des Bundes BKB Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der
Fellerstrasse 21, 3003 Bern, Schweiz öffentlichen Bauherren KBOB
www.bkb.admin.ch Fellerstrasse 21, 3003 Bern
www.kbob.admin.ch
Merkblatt zum Beizug von Subunternehmen

– Die Anbieterinnen müssen sich zu einem unter- von Subunternehmen eine Stärkung des Wett-
nehmerisch frühen Zeitpunkt verbindlich äus- bewerbs erzielt werden kann.
sern - möglicherweise herrschen auf Anbieter-
seite zu diesem Zeitpunkt noch Unklarheiten. Vor- und Nachteile
+ Klare Verhältnisse, direkte Ansprechpartner
und keine weiteren Schnittstellen.
Wenn der Beizug von Subunternehmen einge-
schränkt werden soll – Beschränkung des Teilnehmerfeldes und des
Wettbewerbs.
 Die Vergabestelle beschränkt in den Ausschrei- – Kann dem Grundsatz der Gleichbehandlung der
bungsunterlagen den Beizug von Subunterneh- Anbieterinnen entgegenstehen.
men grundsätzlich auf eher untergeordnete
Leistungen oder auf Aufträge, in denen dies – Kann negative Auswirkungen auf die Wirt-
aufgrund von komplexen und speziellen (Teil-) schaftlichkeit der Angebote haben.
Leistungen notwendig ist.
 Die Vergabestelle kann die Anzahl möglicher Vertragliche Regelungen beim Beizug von Sub-
Subvergaben limitieren oder vorsehen, dass ein unternehmen
Subunternehmen bestimmte Leistungsteile per-
sönlich erbringen muss. Insbesondere bei der Vergabe von öffentlichen
 Die Vergabestelle kann festlegen, dass be- Bauaufträgen bzw. von Werkverträgen ist der Bei-
stimmte Leistungen durch die Hauptanbieterin zug von Subunternehmen oft unerlässlich. Ergän-
selber ausgeführt werden müssen. zend zu den vorstehenden Hinweisen kann die
Vergabestelle Folgendes:
Vor- und Nachteile
 Die Anbieterin soll Subunternehmer beiziehen
+ Risiken zufolge der Weitervergabe an Subun- dürfen, wenn der Werkvertrag dies allgemein
ternehmer kann entgegengewirkt werden. oder für bestimmte Teilleistungen vorsieht.
 Soweit der Vertrag eine Beiziehung nicht vor-
+ Weniger Schnittstellen und mehr Transparenz.
sieht, bedarf sie der schriftlichen Erlaubnis des
+ Übersichtlichere Verhältnisse bzgl. der Verant- Bauherrn / der Vergabestelle.
wortlichkeiten.  Die Anbieterin übernimmt alle Bestimmungen
des Werkvertrages, die zur Wahrung der Inte-
+ Klare Ansprechpartner und kurze Entschei-
ressen des Bauherrn erforderlich sind, in ihre
dungswege.
Verträge mit den Subunternehmen.
– Kann das Teilnehmerfeld verkleinern und den  Beim Beizug von Subunternehmen werden ins-
Wettbewerb beeinträchtigen. besondere die Sorgfaltspflichten, welche durch
Art. 5 des Entsendegesetzes (EntsG, SR
– Kann dazu führen, dass weniger Angebote ein-
823.20) sowie Art. 8b und 8c der Entsendever-
gereicht werden und dadurch die Wirtschaftlich-
ordnung (EntsV, SR 823.201) auferlegt werden,
keit der Beschaffung leidet.
beachtet.
– Kann die Teilnahmechancen der KMU vermin-
dern. Ausblick auf den Gesetzesentwurf BöB

Wenn Subunternehmen ausgeschlossen wer-  Das Beschaffungsrecht des Bundes wird zurzeit
den sollen totalrevidiert.
 Als Neuerung soll auf Gesetzesstufe der Grund-
 Die Vergabestelle soll den Einsatz von Subun- satz verankert werden, wonach die Hauptleis-
ternehmen nur dann ausschliessen, wenn im tung bzw. die charakteristische Leistung des
Einzelfall hinreichende sachliche Gründe vorlie- Auftrags grundsätzlich von der Anbieterin sel-
gen. ber zu erbringen ist (Art. 31 Abs. 3 E-BöB).
 Im Sinne des wirksamen Wettbewerbs sind im-  Diese Norm zielt darauf ab, Angebote von An-
mer auch mildere Mittel zu prüfen, um den Risi- bieterinnen zu verhindern, die selber keine oder
ken des Beizugs von Subunternehmen entge- nur untergeordnete Aufgaben bei der Leis-
genwirken zu können. So können etwa die oben tungserbringung übernehmen und die primär ih-
genannten Einschränkungen mildere Mittel ge- ren Namen zur Verfügung stellen.
genüber dem gänzlichen Ausschluss von Sub-  Vergabestellen sollen die Leistungen möglichst
vergaben darstellen (z.B. Limitierung der An- direkt von den Leistungserbringern beschaffen.
zahl möglicher Subunternehmen).
 Die Vergabestelle soll prüfen, ob durch die ent- Weitergehende Auskünfte
sprechende Ausgestaltung der Ausschreibun- Geschäftsstellen BKB und KBOB
gen (u.a. durch Losbildungen) trotz Ausschluss BKB: Tel. 058 462 38 50 / KBOB: 058 465 50 63
bkb@bbl.admin.ch / kbob@bbl.admin.ch