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die Pistole Modell 27 (t)

Selbstladepistole Modell ČZ 1927 7,65 mm Bei der Weiterentwicklung bediente such Myška
bewährter Konstruktiondetails und wesentlicher
Mitte der zwanziger jahre entwickelte František Funktionselemente der deutschen Mauser-Pistolen
Myška, Chefkonstrukteur im Strakonicer Betrieb der Modelle 1910 und 1914. Er übernahm das Abzugs-
Tschechischen Waffenfabrik AG Prag, der Česká und Sicherungssystem der ČZ-Pistole Modell 1924,
Zbrojovka (ČZ), die von den Streitkräften des verzichtete jedoch auf die Verriegelung. Abgesehen
Landes als Ordonnanzwaffe geführte Pistole Modell vom Verriegelungssystem und Kaliber, stimmt die
ČZ 1924 weiter. Dabei verfolgte er zwei Ziele. Grundkonzeption der als Modell ČZ 1927
Einerseits wollte er die Konstruktion vereinfachen, bezeichneten Weiterentwicklung mit dem
andererseits die Pistole zum Verschießen einer damaligen Ordonnanzmodell im Prinzip überein.
weiteren Munitionsart einrichten. Da bis dahin ČZ- Unterschiede gibt es lediglich auf Grund der
Pistolen im Ausland nicht gefragt waren, hoffte der Veränderung jener Bauteile, die direkt oder indirekt
Chefkonstrukteur, ihre Exportattraktivität zu mit dem Verriegelungsmechanismus
erhöhen, wenn sie nicht nur in einer Ausführung für zusammenhängen.
Browning-Patronen 9 mm kurz, sondern auch für
Browning-Patronen 7,65 mm geliefert warden Beide Modelle sehen sich nicht nur sehr ähnlich,
konnten. sondern haben auch weitgehend identische Bauteile.
Einige stimmen sogar völlig überein und könnem
gegeneinander ausgetauscht werden: zum Beispiel leichtem Daumendruck spannen läßt. Er hat allerdin
die Teile des Abzugssystems, die manuell zu keine Sicherheitsraste. Das Tragen der
betätigende Sicherung und die Magazinsicherung. durchgeladenen, entsicherten und nicht gespannten
Die Pistolen gleichen sich so sehr, daß Verschluß und Waffe ist keineswegs ungefährlich.
Griffstück beider Modelle miteinander
kombinierbar sind. Daher bedurfte es keines großen
Aufwands zur Umstellung der Produktion.
Zahlreiche Bauteile für Waffen beider Typen
wurden auf denselben Maschinen gefertigt.

Die Selbstladepistole Modell ČZ 1927 ist ein


konventioneller Rückstoßlader mit Feder / Masse-
Verschluß, halbverdecktem außenliegendem Hahn
und festjustierter, aus Blattkorn und U-Kimme
bestehender Visierung. Die Magazinhalterung
befindet sich unten am Griffstück, die manuelle
Sicherung oben am Griffstück auf der linken Seite
der Waffe.

Ist sie gesichert, rastet der Sicherungshebel fest ein.


Um zu entsichern, muß der Knopf unter dem
Sicherungshebel eingedrückt warden, und die
durchgeladene Pistole ist feuerbereit. Obwohl sie
keinen Schlittenfanghebel hat, bleibt der Verschluß
nach Verfeuern der letzten Patrone offen. Die Breite
beträgt 27 mm, der Abzugswiderstand 2,3 kg.
Zwei Wehrmacht Heer soldaten mit Pistole 27 (t).

Als 1927 die Fertigung began, versprach man sich


einen größeren Exporterfolg als mit der Standard-
Faustfeuerwaffe der Streitkräfte, die sich nur in
geringer Stückzahl ins Ausland verkaufen ließ. Das
Interesse ausländischer Kunden an der neuen Pistole
war allerdings noch geringer. Bis März 1939 sind
kaum mehr als 24 000 Stück hergestellt worden. Die
meisten wurden an Polizeiformationen des eigenen
Landes geliefert. Diese Pistolen haben vier schräge
Griffraster am Schlitten und den Firmenschriftzug
des Stakonicer Betriebes.

Am 15.März 1939 annektierte Deutschland die


benachbarte Tschechoslowakei und unterstellte die
Industrie seiner Kontrolle. Das galt auch für
Produktionsstätten, in denen Waffen gefertigt
Wehrmacht offiziere inspeckt ein Pistole 27 (t). wurden. Wenige Wochen später began in Strakonice
die Massenproduktion von Pistolen des Typs ČZ
In der Fachliteratur warden Feuerbereitschaft, 1927. Das deutsche Heereswaffenamt bezeichnete sie
Schußpräzision, Treffleistung und als Pistole Modell (t). Bis 1941 erhielten die Waffen
Durchschlagskraft dieser vor allem für den die Prägung der unter deutscher Besatzung als
Polizeidienst bestimmten Pistole als völlig Böhmische Waffenfabrik AG geführten Firma.
ausreichend bezeichnet. Überdies lobt man die Danach wurden sie ohne Prägung des Herstellers,
Bedienung als unkompliziert und hebt hervor, daß aber mit einem Kode gekennzeichnet.
sich der abgerundete, geriffeite Hahn schon bei
Wie viele Pistolen unter deutscher Kontrolle Kaliber: 7,65 mm
produziert warden mußten, ist nicht genau bekannt. Patrone: 7,65 x 17 HR
Die Fachliteratur informiert über 240 000 bis 254 000 Vo: 305 m/s
Stück bis Juni 1941 und insgesamt 473 000 Stück biz Lauflänge: 99 mm¹)
zur Befreiung der Tschechoslowakei durch die Länge Waffe: 155 mm
sowjetischen Streitkräfte. Außer an dem genannten Höhe Waffe: 125 mm
Firmenschriftzug bzw. der Kodierung sowie an dem Länge Visierlinie: 115 mm
Abnahmestempel des deutschen Herreswaffenamts, Masse ungeladen: 0,670 kg
zum Teil auch der Polizei, sind diese Waffen auch an Züge/Richtung: 6/r
den gerade gefrästen vier Griffrastern am Schlitten Magazinekapazität: 8 Schuß
erkennbar. Einsatzschußweite: 40 m

Wurden die Pistolen anfangs in sorgfältiger ¹) 135 mm bei Sonderausführung Modell 27 (t) mit
Verarbeitung gefertigt, waren später, vor allem von Schalldämpfer.
1943 bis 1945, deutliche Qualitätsmängel sichtbar,
Außerdem veränderte man geringfügige aus: Infanteriewaffen Illustrierte Enzyklopädie der
konstruktive Details und lieferte die Waffen mit oder Infanteriewaffen aus aller Welt
ohne Festhalteschraube in der Seitenplatte, mit Reiner Lidschun und Günter Wollert
gefräster oder gepreßter Seitenplatte, mit gefrästem
oder gepreßtem Sicherungshebel, mit oder ohne
Fangriemenring im Magazinhalteknopf.

Darüber hinaus gab es Sonderausführungen. So ist


eine Version mit dem Kaliber 5,6 mm bekannt, die
vermutlich für das Schießtraining gefertigt wurde,
und eine andere mit Schalldämpfer. Schalldämpfer-
Pistolen haben einen längeren Lauf mit dickerer
Mündung. Die Länge des Laufes beträgt etwa 135
mm, die Länge des Schalldämpfers 205 mm.

Obwohl nicht Ordonnanzwaffe, wurden Strakonicer


Pistolen Modell ČZ 1927 bei den deutschen
Streitkäften benutzt. Die Übernahme erfolgte vor
allem bei der Luftwaffe, aber auch bei der SS und
Polizeiformationen. Man schätzt die in den Bestand
übernommene Anzahl auf etwa 440 000 Stück. Das
übertraf bei weitem die Menge der ebenfalls in
deutsche Dienste gestellten Selbstladepistolen
Modell VIS 1935 aus Polen und Modell FN Browning Wehrmacht Luftwaffe Soldat mit Pistole 27 (t).
High Power aus Belgien. Zwischen 1939 und 1941 in
Strakonice produzierte Pistolen Modell 27 (t) sind 7,65 mm Pistole 27(t)
von 1950 bis 1952 auch bei der Grenzpolizei Bayerns
in der Bundesrepublik Deutschland geführt worden. Deutsche Bezeichnung 7,65 mm P 27(t)
Originalbezeichnung Automaticky Pistole CZ vz.27
Nach der Befreiung der Tschechoslowakei reihte Kaliber/Patrone 7,65 mm x 17 (auch in 9 mm x 17)
man die ČZ-Pistole wider in das Magazininhalt 8 Patronen
Fertigungsprogramm ein. Von Mitte 1945 bif Anfang Länge 160 mm
1950, als die Produktion zugunsten der Lauflänge 99 mm
Selbstladepistole Modell ČZ 50 endgültig gestoppt Gewicht ungeladen 0,7 kg
wurde, sollen zwischen 144 000 bis 158 000 Stück Vo 280 m/sec (7,65)
hergestellt worden sein. Wirksame Schußweite 40 m
Originalhersteller Ceska Zbrojovka, Prag. Unter
deurscher Besatzung: Böhmische Waffenfabrik AG,
Prag

Bemerkung: Vor dem Krieg in großer Zahl


hergestellt. 1939 von der Wehrmacht als
Ersatzpistole eingeführt und leicht abgeändert
weitergebaut. Dafür wurde im Kriege auch ein 250
mm langer Schalldämpfer entwickelt.

aus: Enzyklopädie deutscher Waffen 1939-1945


Terry Gander und Peter Chamberlain

Pistolentasche für Pistole Modell 27 (t).

Waffen-SS soldat mit Pistole 27 (t).

ALTMARKE VERLAG
1.1 i.F. August 2018